Frankfurt am Main - Umrisse

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Frankfurt am Main - Umrisse

Frankfurt am Main

Stadt im Wandel

… zum Wohnen

… für »Grünfl aneure«

… mit Infrastruktur

… der Büro(hoch)häuser

… und Verkehr

[Umrisse]

Zeitschrift für Baukultur


Unser Leben, unsere Lichtspiele,

unsere Frankfurter Sparkasse

„Das Kinogeschäft war schon immer etwas Besonderes. Wo sonst findet man hinten

die besten Plätze? Nur bei unserem Finanzpartner sitzen wir gerne in der ersten Reihe.“

Die Firmenkundenbetreuung der Frankfurter Sparkasse:

Vorhang auf für Konzepte mit Weitblick.

Gabriele und Prof. Dr. Klaus Jaeger | Filmtheaterbetreiber

85 Jahre „E-Kinos“ und „Eldorado“ | Kunden seit Stummfilmzeiten


[Umrisse]

Stadt zum Leben: Frankfurt am Main

Ungezählte Vorträge, Diskussionen und

Symposien befassten sich in den letzten

Wochen und Monaten mit dem Umbau,

der Zukunft und der demographischen Entwicklung

von Städten. Auch die Debatten

um das Für und Wider von Einkaufszentren

gehörten zu diesem Themenkreis. Bei mir

hat sich dadurch immer mehr der Gedanke

festgesetzt, dass Städte sich als Marke

verstehen und als genau diese sich auch

positionieren wollen.

Nach zehn Jahren in München, zehn

Jahren in Berlin sowie zahlreichen temporären

Aufenthalten in anderen Metropolen

genieße ich es, in der Nähe meiner Lieblingsstadt

– und das ist nun einmal Frankfurt

am Main – zu arbeiten und zu wohnen.

Inmitten weitläufiger Grünflächen gelegen

und von Parks und Anlagen durchsetzt,

ist Frankfurt zu allen Jahreszeiten ein

Eldorado an Farben, Formen und Bewegungen.

Ich schätze es sehr, hier nach

Lust und Laune Kunst und Kultur, Lifestyle

und urbanes Leben genießen zu

können. Ob es der Espresso bei meinem

Lieblingsitaliener oder die kurze Verschnaufpause

am Museumsufer bei

Bruno in der »Maaschanz« ist. Die Tage

kann man in Frankfurt wunderbar verbringen

und ebenso wunderbar ausklingen

lassen.

Wie schön war zum Beispiel das fröhliche

Miteinander während der Frauenfussballweltmeisterschaft,

wo Freude am Spiel

und sportliche Fairness am Mainufer überall

und jederzeit dominierten. Und dann

der Architektursommer Rhein-Main 2011:

Mit einer Fülle von Veranstaltungen bot er

reichlich Gelegenheit, Planen und Bauen

hautnah zu erleben und sich bei Diskussionen

auch einzumischen. Hier gilt es,

den beteiligten Akteuren besonderes Lob

zu zollen. Neben der täglichen Arbeit all

die Symposien, Vorträge, Ausstellungen

und Besichtigungstouren zu planen und zu

organisieren, stellte eine enorme Herausforderung

dar. Das Ziel, dabei die Bürger

mitzunehmen, wurde mit großem Erfolg

erreicht. Auch unser Anliegen, nach 2001

und 2004 Frankfurt zum dritten Mal ein

Themenheft zu widmen, erntete von allen

Seiten Unterstützung pur. Im Vordergrund

stand dieses Mal der Wunsch, nicht nur

die Finanzmetropole und die Hochhaus-

Skyline ins Blickfeld zu rücken, sondern

zu zeigen, wie facettenreich das alltägliche

Leben ist und welch hohes Maß an

Lebensqualität die Stadt zu bieten hat.

Green-Building-Kriterien, Passivhausstandards

und Niedrigenergiebauweisen

misst man in Frankfurt nicht von ungefähr

großen Stellenwert bei. Es ist die klare

Vorgabe seitens der Politik und der verantwortlichen

Planer, neue Standards im

Wohnungsbau zu setzen und die Innenstadt

behutsam zu verdichten. So werden

etwa Gebäude, die den ursprünglichen

Zweck nicht mehr erfüllen, in lichte,

moderne und komfortable Wohnhäuser

umgestaltet sowie Visionen für das

Wohnen und Leben in den nächsten

Jahrzehnten entwickelt.

Unser Appell an die Frankfurter Architekten,

an die das städtische Erscheinungsbild

prägenden Büros, das Themenheft

aktiv zu begleiten, ist auf fruchtbaren

Boden gefallen. Die Beiträge zeugen von

hoher Qualität und sind derart aussagekräftig,

dass sie dem Leser nicht allein

Vergnügen bereiten – er hält auch einen

veritablen Stadtführer in den Händen.

Da diese dritte Frankfurt-Ausgabe »mein«

Heft ist, darf ich mich persönlich ganz

herzlich bei allen Mitwirkenden bedanken.

Ich weiß es zu würdigen, dass neben der

täglichen Arbeit, der Bewältigung von

Wettbewerben oder Bauherrenwünschen

viel Zeit und Interesse in das Heft geflossen

sind.

Deshalb nochmals ein großes Dankeschön.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen

und sicherlich wird der eine oder andere

durch die Lektüre auch zu einer Erkundungstour

inspiriert.

Elisabeth Wiederspahn

[ Editorial [3


Inhalt ]

Frankfurt am Main

Editorial Stadt zum Leben: Frankfurt am Main 3

Elisabeth Wiederspahn

Forum Baukultur 6

Vorwort Es geschieht einfach zu viel in Frankfurt … 10

Edwin Schwarz

Stadt im Wandel Räumliche Perspektiven der Stadtentwicklung 14

Dieter von Lüpke

Frankfurt für alle 18

Michael Denkel

Innenstadtkonzept für Frankfurt am Main 22

Sonja Moers

Stadt zum Wohnen Geschoßwohnungsbau im Passivhausstandard

Stefan Forster

26

Wohngebäude in Niedrigstenergiebauweise

Michael A. Landes

32

Stadthäuser im Westend

Michael A. Landes

35

Campo am Bornheimer Depot

Stefan Forster

38

Studierendenwohnheim am Wiesenhüttenplatz

Ferdinand Heide

45

Gebäudekomplex »Mainbow«

Jens Duffner

48

Campus Bockenheim

Stefan Forster, Karl Dudler, Jens Happ

52

Helenenhöfe im Europaviertel

Jon Prengel

56

Wohnen am Riedberg

Martin Teigeler

59

Heinrich-Lübke-Siedlung

Martin Teigeler

62

Stadt für »Grünflaneure« Stadt der Gärten, der Grünflächen und Parkanlagen

Doris Stickler

66

Europagarten im Entstehen

Elmar Schütz, Thomas Thränert

70

Der Rothschildpark

Adelheid Schönborn

74

Stadt mit Infrastruktur Das Haus am Dom

Jochem Jourdan

78

Instituto Cervantes im Amerika Haus

Michael Schumacher, Astrid Wuttke

81

Ordnungsamt der Stadt Frankfurt am Main

Claudia Meixner, Florian Schlüter, Martin Wendt

85

Depot Sachsenhausen

Michael A. Landes

88

4] [Umrisse]


[Umrisse]

Valentin-Senger-Schule in Bornheim 91

Manfred Lenhart

Erweiterung des Städel Museums 94

Michael Schumacher, Kai Otto

Veranstaltungszentrum von internationalem Rang 98

Hans Jürgen Pritzl

Erste Passivhausklinik Europas in Höchst 102

Stefan Traxler

Sportanlage Riedberg 105

Norbert Scholz, Manfred Lenhart

Skyline Plaza und Congress Center 108

Dirk Hünerbein, Andreas Fuchs, Klaus Lenz

Stadt der Büro(hoch)häuser Das PalaisQuartier

Jürgen Engel

114

Der OpernTurm

Christoph Mäckler

118

KfW-Westarkade

Louise Hutton, Matthias Sauerbruch

122

Das WestendGate

Malte Just, Till Burgeff

126

Der Tower 185

Christoph Mäckler

130

Was macht(e) den Tower 185 attraktiv?

Elisabeth Wiederspahn, Thomas Mechthold

134

Die neuen Deutsche-Bank-Türme

Roger Schäublin, Klaus Thoma

137

Der Neubau der Europäischen Zentralbank

Andrea Jürges

142

Stabiles Fundament für den Euro

Matthias Vogler

148

(Hochhaus-)Fassaden für Frankfurt

Jochen Mignat

150

Neubau der Süwag-Zentrale

Volker Stockinger

153

KfW-Neubau im Westend

Jürgen Engel

158

Das Eastgate

Dörte Gatermann

160

Neues Maintor-Quartier

Jürgen Engel

161

Neubau Audi Zentrum

Uta Leconte

164

Stadt und Verkehr Flughafen Frankfurt

Jürgen Hillmer

167

Zwei Haltestellen der Stadtbahnlinie

Malte Just, Till Burgeff

169

Regionaltangente West

Benjamin Jourdan

172

Rubriken Immobilienmarkt 174

Produkte und Projekte 176

Nachrichten 185

Termine 192

Impressum 194

[ Inhalt [5


Forum Baukultur ]

Nach Spiel Zeit

Das verlockende Angebot: ein »Jahrhundertprojekt«,

das Stadt und Region neue

Impulse verleihen und von drei vor Ort

ansässigen, börsennotierten Unternehmen

als schlüsselfertiges Geschenk im Wert

von 100 Millionen Euro überreicht werden

sollte. Für den Betrieb desselben durch

eine Stiftung gaben Bund, Land und Stadt

sowie zahlreiche weitere Förderer aus

dem Einzugsgebiet eine verbindliche

Zusage ab und waren international renommierte

Architekten 2008 zu einem Wettbewerb

nach privatrechtlichem Verfahren

gebeten worden, bei dem sie erwartungsgemäß

atemberaubende Entwürfe ablieferten.

Die Rede ist vom Bonner Beethoven-

Festspielhaus.

Beethovenhalle in Bonn: 1959 und heute

© Initiative Beethovenhalle

Das Problem: Für das nach Ansicht vieler

aufführungstechnisch dringend benötigte

Festspielhaus konkretisierte sich im Verlaufe

der Diskussion ein Bauplatz heraus,

der durch die von Siegfried Wolske 1959

fertiggestellte Beethovenhalle schon hochkarätig

besetzt ist. Ihr drohte trotz Denkmalschutz

plötzlich der Abriss. Die Initiatoren

des Neubauprojektes gaben sich

diesbezüglich unbekümmert, aber ihre

Pläne blieben nicht ohne Widerspruch,

und schnell spitzte sich eine Kontroverse

auf die knappe Frage »Beethovenhalle

oder -Festspielhaus?« zu.

Den vielbeschworenen Aussichten auf

höchsten Musikgenuss in einem architektonisch

herausragenden und wirtschaftlicheren

Neubau standen die baukünstlerische

und die historische Bedeutung

der Beethovenhalle als ein maßgebliches

Zeugnis der Bonner Republik gegenüber.

Dass sie durch langjährigen Sanierungsstau

nicht im repräsentabelsten Zustand

war, bot Neubaubefürwortern sowohl von

städtischer Seite als auch dem neu ins

Leben gerufenen Verein der Festspielhausfreunde

Angriffsfläche und ließ Konsenslösungen

aus dem Blick geraten.

Neben einer sich schnell formierenden

bürgerschaftlichen Gegenwehr war es vor

allem die aus dem Oberseminar der ehemaligen

Kölner Stadtkonservatorin Hiltrud

Kier hervorgegangene studentische

»Initiative Beethovenhalle« am Kunsthistorischen

Institut der Universität Bonn –

zu deren Initiatoren auch der Autor gehört

–, die sich vehement für den Erhalt

des Bauwerks engagierte.

Durch mannigfaltige Aktionen konnte dem

systematischen »Schlechtreden« des

Gebäudes eine kompetente Stimme entgegengesetzt

werden: ausdrücklich ohne

das Neubauvorhaben an sich zu kritisieren.

Mit dem Verweis auf die architektur- und

stadtgeschichtliche Bedeutung, nicht

zuletzt aber aufgrund der emotionalen

Verbundenheit vieler Bonner mit ihr wurde

eine Neubewertung der Halle erreicht, die

der Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt

als eine Ikone der Nachkriegszeit bezeichnet

− und der studentische Einsatz 2010

sogar vom Deutschen Komitee für Denkmalschutz

mit der Verleihung der Silbernen

Halbkugel gewürdigt.

Parallel dazu hatten die weltweiten

Turbulenzen an den Finanzmärkten auch

auf Bonn ihre Auswirkungen. Begleitet

wurden sie von hausgemachten Problemen,

vornehmlich dem undurchsichtigen

Geschehen um den Bau des World

Conference Center (WCCBI), thematisiert

in Ausgabe 1∙2011 der [Umrisse]. Im April

2010 verkündete dann der Bonner Oberbürgermeister

Jürgen Nimptsch mit

Verweis auf die gespannte städtische

Haushaltslage das zwischenzeitliche Aus

für das Festspielhaus, und im September

des gleichen Jahres gab die Telekom

ebenfalls ihren Rückzug aus dem Projekt

bekannt; das ambitionierte Festspielhaus

schien hiermit vorerst beerdigt.

6] [Umrisse]


[Umrisse]

Letztlich also viel Lärm um nichts? Definitiv

nein! Denn der Streit offenbart exemplarisch

das Akzeptanzproblem, welches

selbst architektonisch herausragende

Bauten der unmittelbaren Nachkriegszeit

haben. Zwar ließ sich der Abriss abwenden,

von einer überzeugten Wertschätzung

der vielfältigen Qualitäten der Beethovenhalle

über einen kleinen Kreis von Fachleuten

hinaus kann aber leider (immer

noch) nicht die Rede sein, wie unlängst

eine Aussage des Bonner Stadtbaurats

Werner Wingelfeld (CDU) deutlich machte,

der die Beseitigung der Beethovenhalle

zugunsten eines Neubaus lediglich für

»politisch nicht durchsetzbar« hält.

Trotzdem stimmen aktuelle Entwicklungen

positiv, bewilligte die Stadt doch mittlerweile

Gelder in Höhe von 2,80 Millionen

Euro für dringendste Instandsetzungen;

allein zu einer denkmalgerechten Generalsanierung,

für die sich auch der Verein

ProBeethovenhalle stark engagiert, konnte

man sich bisher nicht durchringen. Und

sogar der Verein der Festspielhausfreunde

lenkte ein und bevorzugt jetzt einen alternativen

Standort in den Bonner Rheinauen

für das neue Haus, dem ironischerweise

inzwischen mehr Gefahr droht als der

Beethovenhalle, da die durch den Bund

zugesagten Fördergelder für den Neubau

mit Ablauf des Jahres 2011 verfallen.

Durch eine originelle neue Werbekampagne

unter dem Motto »Jetzt

Schätzchen« versucht der Verein seit

kurzem medienwirksam, die Stadt zu einer

schnellen Zusage zu drängen.

Bei aller Begeisterung für das als Leuchtturmprojekt

beworbene Festspielhaus:

Aus kunsthistorischer Sicht könnte auch

die umfassende denkmalgerechte

Sanierung der Beethovenhalle für Bonn

ein solches sein – wie ein Blick auf

www.initiative-beethovenhalle.de

anschaulich zu beweisen vermag.

Martin Neubacher

Aus Liebe zur Architektur

»Ich habe einfach mein Repertoire der

letzten 30 Jahre abgespult, ohne viel

darüber nachzudenken: Kiste in der Mitte,

ein paar proportional bewusst gesetzte

Fenster und rundrum einen Mauerring. (...)

Das Haus ist ganz fesch, aber nichts an

diesem Projekt ist auch nur ansatzweise

innovativ.« Wer sich da so offen und mit

viel Selbstironie über den Entstehungsprozess

eines seiner Brot-und-Butter-

Werke äußert, ist niemand anderer als der

diesjährige Pritzker-Preisträger Eduardo

Souto de Moura.

Dass er zu wesentlich bemerkenswerteren

architektonischen Leistungen fähig und die

aktuelle Auszeichnung mehr als berechtigt

ist, beweist er eindrucksvoll seit langer

Zeit, aber im Gegensatz zu einigen vor ihm

mit dem Nobelpreis der Architektur Gewürdigten

eher unauffällig. Die Laudationes in

Feuilleton und Fachpresse nach Bekanntgabe

der Komitee-Entscheidung waren

daher sachlich verhalten und versuchten

dem OEuvre eines Mannes nachzuspüren,

der abseits des »Star-Architekten-Medienzirkus«

mit eigener Handschrift schwerpunktmäßig

die portugiesische Landschaft

gestaltet. Vielfach wurde dabei die Jurybegründung:

»Eduardo Souto de Mouras

Architektur ist nicht offensichtlich, frivol

oder pittoresk, sondern voller Intelligenz

und Ernsthaftigkeit«, zitiert.

Was er davon hält: »Das klingt gut! Aber

ich mag Kategorisierungen nicht«, wofür er

das Preisgeld einsetzen will: »Ich werde

die 100.000 Dollar sicher nicht auf der

Bank lassen …«, was ihn mit seinem

Lehrer, Freund und Landsmann Álvaro Siza,

Pritzker-Preisträger des Jahres 1992 verbindet

und von ihm unterscheidet, wie er

entwirft: »(...) manchmal brauch ich zehn

Anläufe«, und welche Einstellung er zur

Architektur hat, dazu befragte ihn Wojciech

Czaja unter dem Titel »Für welche

Zeit bauen Sie, Senhor Souto de Moura?«

für die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Das Interview von hohem Unterhaltungswert

wurde am 13. August veröffentlicht,

ist auf www.faz.net abrufbar und zur

Lektüre empfohlen.

Dass er bei aller ihm attestierten Bescheidenheit

Auszeichnungen nicht abhold ist,

sei zum Schluss noch angemerkt: »Damals

(nach Bekanntgabe des Mies-van-der-

Rohe-Preises 2005) dachte ich mir: Verdammt,

jetzt hätte ich aber schon gerne

gewonnen! Vielleicht wird’s ja mal was mit

dem Pritzker.« Recht hat er behalten.

E.P.

Was wäre, wenn ...

... ist ein beliebtes, aber folgenloses

Gedankenspiel, dem sich jeder gerne einmal

hingibt – ein Luxus, der hier ein wenig

Raum erhalten soll. Also: Was wäre, wenn

Walter Gropius die Hallenser, Halloren und

Halunken 1927 mit seinem Beitrag zum

Ausbau Halles zu einer Kongressstadt

überzeugt hätte und auf dem Lehmannsfelsen

jene Stadtkrone realisiert worden

wäre, die er den Anrainern der Saale vorschlug?

Die »Hängenden Gärten« waren

seine in viel Glas und Beton gefasste Interpretation

eines solchen Vorhabens, eine

32 m hohe Stadthalle mit 1.900 Plätzen,

eine Konzerthalle, ein modernes Museum

sowie ein Restaurant und eine Sportanlage.

Dann, so die Einschätzung vieler

Experten, wäre Halle heute eine »Pilgerstätte

der Architektur der Klassischen

Moderne« und würde mit Weimar und

Dessau ein Triumvirat der Bauhausorte

bilden; selbstredend vorausgesetzt, die

»Gärten« hätten die politischen Umwälzungen

und den Krieg überstanden.

»Hätte, wäre, könnte«: Das drängt sich

sicher auf bei der Ausstellung unter dem

auf den ersten Blick ein wenig irreführenden

Titel »Eine Krone für die Stadt Halle.

Walter Gropius im Wettbewerb«, die bis

Mitte Oktober in der Moritzburg in Halle zu

sehen ist. Denn neben Gropius beteiligten

sich auch Hans Poelzig, Peter Behrens,

Emil Fahrenkamp, Paul Bonatz und Wilhelm

Kreis an einer Ausschreibung, bei der

Gropius’ Vorschlag keine Befürworter fand

und die weiteren Arbeiten ebenfalls nicht

zu überzeugen wussten. Die beginnende

Wirtschaftskrise bedeutete schließlich das

endgültige »Aus« für ein ambitioniertes

Vorhaben.

Der ausdrückliche Bezug auf Gropius im

Titel der Ausstellung, die Pläne und Ideen

von ihm wie seiner Gegenstreiter zeigt,

liegt nach Verlautbarung der Direktorin

der Stiftung Moritzburg daran, dass sein

radikaler Ansatz sich deutlich von den

Vorschlägen der Konkurrenz abhob. Überprüfen

lässt sich das anhand der erhaltenen

Zeichnungen und der Architekturmodelle,

die von Studenten der Brandenburgischen

Technischen Universität

Cottbus im Maßstab 1:500 (nach)gebaut

wurden. Da die Autorin eingestandenermaßen

noch nicht vor Ort war, sollen

die vorstehenden Zeilen lediglich als

Veranstaltungshinweis dienen – oder

wenigstens zum Nachblättern unter

www.stiftung-moritzburg.de animieren.

E. P.

[ Forum Baukultur

[7


Forum Baukultur ]

8]

Hilfe beim HausHalten

Alte, bauhistorisch erhaltenswerte

Substanz gerade privater Eigentümer ist

besonders in den östlichen Bundesländern

häufig dem Verfall preisgegeben – und

damit oft auch ein Stück Stadtstruktur,

-geschichte und -identität gefährdet.

Obwohl es (noch) Programme und Fördermaßnahmen

gibt, reichen die Mittel für

umfassend notwendige Sanierungen in der

Regel kaum aus, und die Anträge sind für

Laien nicht selten Herausforderungen, die

sie im schlimmsten Fall scheuen. Herrscht

in der Stadt durch Abwanderung zusätzlich

ein hoher Leerstand, also ein Überangebot

an Immobilien, und befinden sich die

Gebäude in eher unattraktiven Randlagen,

sind sie schwer bis gar nicht vermietbar

und »herrenlos« in größter Gefahr, Vandalismus

anheimzufallen.

In Leipzig rief dies Ende 2004 einen Verein

mit dem vieldeutigen Namen HausHalten

e.V. auf den Plan. Die Initiative aus Stadtund

Regionalplanern, Architekten, Bauingenieuren,

Geographen und Kommunikationswissenschaftlern

will in interdisziplinärer

Zusammenarbeit solchen Konsequenzen

entgegenwirken. Ihr selbsterklärtes

Ziel ist es, »beide skizzierten Probleme,

Leerstand in unattraktiven Lagen und

kreative Raumsuchende, als Chance zu

betrachten und Eigentümer mit Nutzern

zusammenzuführen«, um die charakteristische

gründerzeitliche Bebauung Leipzigs

als baukulturelles Erbe und Markenzeichen

der Stadt zu erhalten.

Dazu gehört es, hilfesuchenden Hausbesitzern

Unterstützung bei ihrem Kampf durch

den Antragsdschungel zu geben, eigenständig

Häuser aufzuspüren, die in Gefahr

sind, und potentiellen Mietern die Aufgabe,

»Hüter des Hauses« zu sein, attraktiv darzubieten.

Letzteren winken günstigste

Mieten für ungeheuer große Flächen,

Besitzern und Mietern zudem Beratung

bei der Instandsetzung, die gelegentlich

auch schon einmal statt eines Mietzinses

vereinbart wird. Abstriche an der Wohnoder

Büroqualität und Ausstattung müssen

dafür dann in Kauf genommen werden.

Mittlerweile haben sich Ableger unter

anderem in Görlitz, Dresden und Magdeburg

gebildet, und sogar aus einigen westdeutschen

Städten, die ähnliche Entwicklungen

zu verzeichnen haben, liegen

Anfragen vor.

Das unkonventionelle Projekt hat vom

Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz

eine der sieben 2011 verliehenen

Silbernen Halbkugeln zugesprochen

bekommen. Das war aber nicht die erste

renommierte Auszeichnung, denn bereits

2009 gehörte es zu den Preisträgern des

Wettbewerbs »stadt.bauen.stadt.leben«.

Wer mehr über HausHalten e.V. erfahren

möchte, gegebenenfalls Interesse an der

Gründung einer Dependance hat oder

eben einfach auf der Suche nach Erlebniswohnraum

zu kleinen Preisen ist, findet

unter www.haushalten.org eine Fülle von

Anregungen.

E. P.

Weitere Preise (zu er)finden …

... wird wohl hoffentlich nicht das Resultat

dieser Bekanntmachung sein, mit der

auf die seit kurzem online abrufbare Preisdatenbank

des Fördervereins der Bundesstiftung

Baukultur hingewiesen werden

soll.

Bislang nur als Auflistung auf der Internetseite

des Vereins einsehbar, vermittelt der

aufbereitete Datenpool nun neben einem

Überblick über das (leider) fast unüberschaubare

Angebot an Auszeichnungen

für Architektur und (wenige) Ingenieurbauwerke

im Schnellzugriff Angaben zu

Intention, Modalitäten und teilnahmeberechtigten

Zielgruppen. Verzeichnet

sind zudem Auslober, Reichweite, Verleihungsintervall,

Verfahren, Dotierung,

Juryzusammensetzung und natürlich das

Gründungsjahr. Gerade bei letztgenanntem

Kriterium fällt die an dieser Stelle schon

häufiger beklagte inflationäre Zunahme

an Ausschreibungen meist marketingtechnischer

Ausrichtung auf. Und mit Erstaunen

stellt man fest, welch große Geister der

Architekturwelt oft für solche Preise ihren

Namen hergeben mussten.

Als Service finden sich Links zu den Auslobern,

teilweise mit direkten Ansprechpartnern.

Zunächst ein wenig irritierend

sind vor einzelnen Auflistungen markante

rote Kreuze. Anders als erwartet, symbolisieren

sie jedoch nicht weggefallene

Auszeichnungen, sondern weisen den

Auslober als Mitglied des aktuellen

Konvents Baukultur aus. Und das sind

von derzeit 156 mit 53 immerhin fast

10 %.

Laut Förderverein ist jene Plattform »eine

Information über und eine Werbung für die

Baukulturpreise in ihrer ganzen Vielfalt –

bundesweit, landesweit und regional. In

der Vielfalt der regelmäßig vergebenen

Preise, Auszeichnungen und Ehrungen im

Bau- und Planungswesen sind die Breite

und der integrative Kern von Baukultur

abgebildet. Sie sind wichtige Verfahren

auf der Suche nach dem besseren Entwurf

und dem besten Ergebnis.« Da bleibt nur

zu hoffen, dass der letzte Satz als hehres

Ziel und nicht als Zustandsbeschreibung

aufgefasst wird. Das soll die Leistung,

die hinter dem Projekt steckt, und den

offensichtlichen Nutzen, den es bringt,

kaum schmälern. Da die Datenbank

noch nicht komplett ist, wird unter

www.preise-baukultur.de um (weitere)

Meldungen gebeten.

E.P.

[Umrisse]


[Umrisse]

Schützt die Mauer!

Anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus

wurde in den letzten Wochen in

unzähligen Reportagen in Presse und Fernsehen

über dieses Deutschlands geographische,

politische und gesellschaftliche

Landschaft bis heute verändernde Ereignis

berichtet. Man könnte meinen, damit sei

alles gesagt. Dass dem nicht so ist und

viele falsche Informationen verbreitet wurden

und werden, stellen Johannes Cramer,

Leiter des Fachgebiets Baugeschichte und

Stadtbaugeschichte im Institut für Architektur

der Technischen Universität Berlin,

und sein Mitarbeiter Tobias Rütenik in

ihrem Beitrag »Schützt die Mauerreste –

bevor die Investoren kommen!«, den sie

als Appell an die Politiker verstanden

wissen wollen, in der Hochschulzeitung

»TU intern« klar.

Darin heißt es: »Der 13. August 2011, der

50. Jahrestag der Teilung Berlins, sollte

Veranlassung sein, noch einmal und noch

gründlicher darüber nachzudenken, was

konkret von der Grenze rund um West-

Berlin erhalten und dem Besucher erklärt

werden muss, um zukünftigen Generationen

das Verständnis für dieses Phänomen

der Zeitgeschichte zu ermöglichen und zu

erhalten.« Und sie finden auch deutliche

Worte für den bisherigen Umgang mit

jenem Zeugnis aktuellster deutscher

Geschichte, weisen überflüssige Zerstörungen

nach, kritisieren die Maßnahme

der »East Side Gallery« als ohne Restaurierungsanspruch

und fordern, dass der

Schrecken der Grenze erlebbar bleiben

müsse. Gerade die außerhalb der innerstädtischen

Grenze noch existenten Relikte,

die sich nur deshalb noch zufällig erhalten

hätten, weil die Investitionen bisher

nicht in sämtliche Winkel des Grenzstreifens

vorgedrungen seien – was aber demnächst

passieren werde –, bedürften des

sofortigen Schutzes, damit ein Verlust der

»sprechenden Sachzeugnisse« verhindert

werden könne.

Cramers Ausführungen liegen weitreichende

Forschungen zugrunde, in denen

seine Mitarbeiter und er die Geschichte

des Mauerbaues akribisch nachverfolgt

und mittlerweile auf fast 450 Seiten in dem

Band »Die Baugeschichte der Berliner

Mauer« dokumentiert haben. Fünf zentrale

Positionen beschreibt er hier:

– Es gab nicht vier Generationen der

Mauer, sondern deren sechs.

– Wirkliche Systemsprünge (im Mauerbau)

sind zur zweimal zu verzeichnen.

– Das Mauersystem kann man nur

verstehen, wenn man die Gesamtheit

der Grenzanlagen mit allen ihren perfiden

Einzelheiten in den Blick nimmt.

– Es gab niemals die perfekte, nach

neuester Erkenntnis modernisierte

Grenze.

– Zum Grenzregime gehörte eine

umfangreiche Infrastruktur.

»Die Technische Universität Berlin hat mit

diesem Projekt für eine Neubewertung der

historischen Bedeutung der Mauer eine

Grundlage geschaffen. Jetzt ist es an der

Politik, die notwendigen Konsequenzen

zu ziehen«, so Johannes Cramer. Der vollständige

Beitrag zum Tag des Mauerbaus

ist unter www.tu-berlin.de abrufbar, das

Buch kürzlich im Michael Imhoff Verlag

erschienen.

E. P.

[9


10]

Unzählige Projekte

Es geschieht einfach zu viel in Frankfurt:

Wer versucht, einen umfassenden Überblick

über das Baugeschehen in Frankfurt

am Main zu geben, wird scheitern – dafür

gibt es zu viele Projekte. Das Spektrum

reicht von kleineren Planungen bis hin zur

Konzeption ganzer Stadtviertel.

Allein in meiner Amtszeit als Planungsdezernent

dieser Stadt seit dem Jahr 2000

bzw. seit Erscheinen von Ausgabe 1∙2001

der [Umrisse] mit dem Titel »Frankfurt

Visionen einer europäischen Metropole

im 21. Jahrhundert« und dann von Heft

5/6∙2004 mit der Überschrift »Frankfurt

Die Metropole heute« haben wir eine Vielzahl

wichtiger Bauvorhaben angestoßen

und zum Großteil auch umgesetzt.

Es geschieht einfach zu viel in Frankfurt

Über zehn Jahre Stadtplanung und Stadtentwicklung

Quartiersplatz »Rosengärtchen« vor dem Haupteingang des Bethanienkrankenhauses

© Stadt Frankfurt am Main

Doch eine kleine Auswahl an wichtigen

Projekten und städtebaulichen Entwicklungen

möchte ich Ihnen schon an dieser

Stelle präsentieren: So haben wir beispielsweise

mit der Fortschreibung des

Hochhausentwicklungsplans die Weiterentwicklung

der Frankfurter Skyline auf

Jahre hinaus gesichert. Nach wie vor

werden in Frankfurt Hochhäuser gebaut –

die Rahmenbedingungen stimmen also.

[Umrisse]


[Umrisse]

Neugestaltete Zeil mit Erlebnisgastronomie

© Stadt Frankfurt am Main

Hervorheben möchte ich lediglich das

Projekt der Europäischen Zentralbank.

Denn durch den Bau ihres neuen Hauptsitzes

erhält Frankfurt nicht nur ein spektakuläres

Aushängeschild, sondern der

Erhalt der historischen Großmarkthalle

wird durch ihn überhaupt erst ermöglicht.

Schöneres Frankfurt

Nennen möchte ich auch unser Programm

»Schöneres Frankfurt«, mit dem wir in den

letzten Jahren zahlreiche Straßen und

Plätze im gesamten Stadtgebiet aufgewertet

haben. Das Programm hat sich in

den über zwölf Jahren seines Bestehens

zu einem wahren Erfolgsmodell entwickelt.

Damals wurde eine Zielrichtung vorgegeben,

die noch heute Gültigkeit besitzt:

Öffentliche Räume sollen in ihrer Struktur

und ihrem Erscheinungsbild verbessert,

ihre Aufenthaltsqualität erhöht werden.

Dafür müssen adäquate Nutzungen und

Funktionen für diese öffentlichen Räume

zunächst definiert und in der Folge auch

verwirklicht werden. Durch wiederkehrende

Gestaltungselemente wird dabei ein

einheitliches Erscheinungsbild angestrebt.

Blick über den Rathenauplatz in Richtung Goetheplatz

© Stadt Frankfurt am Main

Sämtliche Veränderungsprozesse erfolgen

unter möglichst weitgehender Beteiligung

der Anwohner und Nutzer. In den Genuss

dieses Programms kam in der Innenstadt

etwa die Zeil, die Platzfolge Roßmarkt,

Goetheplatz, Rathenauplatz oder die

Illumination des Stadtraums Main. Zum

»Schöneren Frankfurt« gehören aber ebenso

viele kleinere Vorhaben in den Stadtteilen,

wie das Rosengärtchen in Bornheim,

der Platz Am Wendelsgarten in

Bonames oder der Dalbergplatz in Höchst.

Gerade der Stadtteil Höchst hat sich in

den vergangenen Jahren zu einem wahren

Arbeitsschwerpunkt des Planungsdezernats

entwickelt: Dort wurde ein städtebaulicher

Rahmenplan erstellt, ein Förderprogramm

mit einem Gesamtvolumen von

21 Millionen Euro samt Modernisierungsberatung

aufgelegt, das Mainufer neugestaltet

und die Bruno-Asch-Anlage

saniert. Für die kommenden Jahre stehen

weitere wichtige Projekte an: etwa die

Planungen für eine Neugestaltung an der

Bolongarostraße, der Bushalteanlage

und des Bahnhofsvorplatzes. In weiteren

Stadtteilen sind wir ebenfalls mit Sonderprogrammen

aktiv: etwa in Alt-Sachsenhausen,

im Bahnhofsviertel oder in Fechenheim,

dessen Stadtteilzentrum mit Hilfe des

Förderprogramms »Aktive Kernbereiche in

Hessen« in den nächsten Jahren in seiner

Versorgungsfunktion und Attraktivität

gestärkt werden wird.

Sanierte Bruno-Asch-Anlage

© Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main

Einbeziehung der Bürger

Durch den vermehrten Einsatz von sogenannten

Planungswerkstätten werden

heutzutage die Bürger sehr viel stärker,

sehr viel früher und sehr viel effektiver in

unsere Planungen einbezogen, als es noch

vor wenigen Jahren üblich war. Denn

wir wollen die Bürgerschaft nicht erst mit

fertigen Plänen bekanntmachen, sondern

sie einladen, zu einem frühen Zeitpunkt

aktiv an der Erarbeitung mitzuwirken. Dass

dies Personal und Zeit erfordert und dass

sich daraus angesichts einer Sparzwängen

unterliegenden Planungsverwaltung Grenzen

für offene Planungsverfahren ergeben,

liegt auf der Hand.

[11


12]

Planungswerkstätten haben wir beispielsweise

auch bei einem der größten und

wichtigsten Projekte der vergangenen

und der kommenden Jahre eingesetzt: bei

der Neubebauung des Dom-Römer-Areals.

Dort, im Herzen der Stadt, wo früher das

Technische Rathaus stand, wird ein Altstadtquartier

mit einer Mischung aus

rekonstruierten Gebäuden und Neubauten

errichtet. Noch weit aufwendiger haben

wir die Einbeziehung der Bürgerschaft

beim Innenstadtkonzept betrieben. Ähnliches

gilt für den Kulturcampus Frankfurt,

der auf dem bisherigen Universitätsareal

in Bockenheim entstehen wird.

Abendliche Illumination des Rossmarkts

© Stadt Frankfurt am Main

Aufwertung der Innenstadt

So unübersichtlich die Fülle an Bauvorhaben

auch sein mag, Planung in Frankfurt

folgt einem Leitgedanken: Als Stadt wollen

wir die Metropolfunktion des Zentrums

weiter ausbauen und zugleich das Heimatgefühl

in den über 40 Stadtteilen fördern.

Wer von außen auf eine Stadt blickt, der

lässt sich vor allem vom Aussehen des

Zentrums beeindrucken. Anders formuliert:

Je größer die Distanz des Beobachters,

desto stärker wird das Image von der

Innenstadt geprägt. Das gilt für Städte

wie Paris oder Hamburg ebenso wie für

Frankfurt am Main.

Deshalb wollen wir den Kern unserer Stadt

stärken. Vor allem wollen wir die Aufenthaltsqualität

im öffentlichen Raum verbessern

und die Gebäudestruktur behutsam

umbauen. Weiterentwicklung und Aufwertung

der Innenstadt sind Schwerpunkte

unserer Planungspolitik. In der nahen

Zukunft werden wir große Teile unserer

City umgestalten, um sie als lebendiges

Zentrum für Handel, Dienstleistung,

Wohnen, Kultur und Freizeit weiter voran

zu bringen. Dabei geht es vor allem um

neue und wiederhergestellte öffentliche

Räume, um die Nachverdichtung zum

Wohnen, um die Bewahrung und Inszenierung

des baukulturellen Erbes und um den

Umbau von Plätzen, Straßen und Wegen.

Gleichberechtigt sichern wir zudem immer

die Lebensfähigkeit der Stadtteile.

Der Zuzug von Betrieben und Einwohnern

ist das Ergebnis stetiger Anstrengung zur

Stärkung der Standortattraktivität. Ich bin

überzeugt, dass wir die richtigen Weichenstellungen

gesetzt haben, damit in Frankfurt

die demographische Entwicklung

auch weiterhin anders verläuft als in den

meisten Teilen Deutschlands: Die Stadt

soll weiter wachsen und auch künftig

Menschen wie Unternehmen anziehen.

Sicherlich profitieren wir darüber hinaus

von unserer überdurchschnittlichen

Wirtschaftskraft, von der Funktion als

zentraler Verkehrsknotenpunkt und von

den hier ansässigen bedeutenden Unternehmen

und Institutionen. Wir können

hervorragende Rahmenbedingungen für

Forschung und Lehre, exzellente Bildungschancen

und nicht zuletzt ein exzellentes

Kultur- und Freizeitangebot vorweisen.

Und sicherlich haben wir mit unserer

Wohnungsbauförderung überdies den

Wohnstandort Frankfurt deutlich gestärkt.

Rekonstruiertes Thurn-und-Taxis-Palais im neuen PalaisQuartier

© Stadt Frankfurt am Main

[Umrisse]


[Umrisse]

Blick auf die verkehrsberuhigte Hauptwache

© Stadt Frankfurt am Main

Herausforderung Wohnungsbau

Eine der größten Herausforderungen in

der Stadtplanung der kommenden Jahre ist

zweifellos mit dem Wohnungsbau verbunden.

Denn wir wollen Frankfurt als Wohnstandort

noch weiter profilieren. Die Stadt

Frankfurt am Main unternimmt seit vielen

Jahren erhebliche Anstrengungen, um ein

ausreichendes Angebot für alle Bevölkerungsschichten

zu schaffen, das gleichermaßen

hochwertigen wie kostengünstigen

Wohnraum umfasst. Wir benötigen dabei

attraktive Angebote in allen Marktsegmenten:

Wir brauchen also sowohl Plätze

in Studentenwohnheimen und Wohngemeinschaften

als auch Singlewohnungen

in Wohnhochhäusern und Familienwohnungen.

Wir brauchen generationenübergreifende

und seniorengerechte Wohnformen

gleichermaßen wie Reihen-,

Doppel- oder freistehende Einzelhäuser.

Wir brauchen einfache Wohnungen

ebenso wie attraktive Stadtvillen und

exklusive Eigentumswohnungen. Daher

sind wir dankbar für jede zusätzliche

Wohnung, die einen ausgewogenen Mix

überhaupt erst ermöglicht. Wir wollen im

Übrigen nicht nur den Umfang von Neubau

und Modernisierungen stabilisieren und

möglichst erweitern, sondern die Qualität

im Wohnungsbau insgesamt erhöhen.

Doch auch die Herausforderungen aus

der Entwicklung globaler Märkte, den

demographischen Veränderungen und

dem Klimawandel werden starke Auswirkungen

auf das Wohnen in unserer Stadt

haben. Sie machen es unerlässlich, die

Wohnraumversorgung nachhaltig weiter

zu verbessern. Unsere Stadt wird in den

nächsten 20 Jahren keine Einwohner

verlieren, sondern höchstwahrscheinlich

gewinnen. Die Bürger beanspruchen,

wo immer möglich, mehr Wohnfläche für

kleiner werdende Haushalte. Dabei wird

die Vielfalt unterschiedlicher Lebensstile,

Herkünfte und kultureller Identitäten

größer, und die Notwendigkeit, die verschiedenen

Gruppen in unsere Stadtgesellschaft

einzubinden, wächst. Diese

Integrationsleistung muss in erster Linie

in den Wohnquartieren erfolgen, und sie

gelingt nur in intakten, lebenswerten

Wohnquartieren.

Frankfurt am Main ist in vielerlei Hinsicht

anders als viele deutsche Städte; Frankfurt

scheint sogar eine gewisse »Eigenlogik«

zu haben. Selbst in Zeiten einer Wirtschafts-

und Finanzkrise erweist sich die

Wohnungsbautätigkeit in der Stadt als

erstaunlich robust. Der Wohnungsbau

wird immer mehr zum »Motor« des Stadtumbaus

und löst in dieser Funktion den

Bürobau ab. Das wird gefördert von der

hohen Attraktivität der Stadt als Wohn-

und Arbeitsstandort – und basiert auf

einer vorausschauenden Wohnbaulandentwicklung.

Allerdings stoßen wir dabei an Grenzen:

Das Flächenangebot in Frankfurt ist endlich.

Daher werden wir in Zukunft noch

stärker darauf angewiesen sein, Konversion

und Nachverdichtung zu betreiben –

auch im Sinne einer nachhaltigen, umweltfreundlichen

Stadtentwicklung, die Freiund

Grünflächen schont. Wir müssen uns

künftig auf bereits bebaute, genutzte und

brachgefallene Flächen konzentrieren –

der Riedberg wird aller Wahrscheinlichkeit

nach das letzte große Neubaugebiet auf

der »grünen Wiese« sein. Außerdem

sollten alte, schlecht frequentierte oder

weitgehend leerstehende Gewerbegebiete

und Bürogebäude in weiteren Stadtquartieren

als Wohnraum genutzt werden. In

der Bürostadt Niederrad versuchen wir

zum Beispiel, die Umwandlung von Büroraum

in Wohnungen gezielt voranzutreiben.

Und nicht nur in der Innenstadt

verfügen wir über umfangreiche Potentiale,

für die kein neues Bauland in Anspruch

genommen werden muss, die aber

eine Vielzahl weiterer Projekte ermöglichen.

Konversion und Nachverdichtung

werden aktiv von der Stadt angestoßen,

um genügend Bauflächen für ein wachsendes

Frankfurt zu erlangen – in erster Linie

für Wohnungen. Das haben wir mit der

Entwicklung des Europaviertels beispielhaft

umgesetzt.

Auswahl zum Lesen

Wie gesagt: Es geschieht einfach zu viel

in Frankfurt am Main, um eine vollständige

Aufstellung lesenswert zu dokumentieren.

Daher präsentiert das vorliegende Heft

lediglich eine interessante Auswahl der

wichtigsten Projekte – eine gelungene,

wie ich denke. Dafür wünsche ich Ihnen

eine aufschlussreiche und kurzweilige

Lektüre!

Edwin Schwarz

Dezernent für Planen, Bauen,

Wohnen und Grundbesitz

der Stadt Frankfurt am Main

[13


14]

Situation im Wandel

Die Stadt Frankfurt am Main stellt sich mit

über 600.000 Arbeitsplätzen als der überragende

Schwerpunkt des Wirtschaftsraums

der Metropolregion Frankfurt

Rhein-Main dar. Der weit überwiegende

Teil der Arbeitsplätze ist dabei dem tertiären

Sektor zuzurechnen. Entsprechend

waren die Expansion des Dienstleistungsgewerbes

und die Investitionen in neue

Bürogebäude in langen Phasen nach dem

Krieg der maßgebliche »Motor« der Stadtentwicklung.

Die Entwicklung von Büroflächen

verlief oft so dynamisch, dass

zur planungsrechtlichen Vorbereitung

der Investitionen wenig Zeit verblieb und

infolgedessen eine aus heutiger Sicht notwendige

Änderung oder Aufstellung von

Bebauungsplänen abgekürzt oder ausgelassen

wurde. Wohnungsbauinvestitionen

mussten vom Magistrat den Büroinvestoren

in manchen Fällen als Voraussetzung

für die Freigabe ihres Projektes und damit

als »notwendiges Übel« abverlangt

werden.

Seit ca. 15 Jahren wandelt sich diese

Situation grundlegend: Die Stadt verfügt

seit geraumer Zeit über ein erhebliches

Potential an Standorten, an denen große

Bürovorhaben auf der Basis rechtsverbindlicher

Bebauungspläne realisiert werden

können. Der Hochhausentwicklungsplan

2000 wurde dennoch mit weiteren

Standorten auch für neue Bürohochhäuser

fortgeschrieben – allerdings ohne diese

Zielaussagen unmittelbar in neue Bebauungspläne

zu überführen. Letzteres soll,

und das unterscheidet die Fortschreibung

in 2009 wesentlich von den Beschlüssen

zum Hochhausentwicklungsplan 2000,

grundsätzlich nur dann geschehen, wenn

sich ein konkretes Investitionsinteresse

zeigt. Das Engagement von Bauherren und

Projektentwicklern bei der Realisierung

neuer Bürogebäude ist im Vergleich zu

früheren Phasen der Stadtentwicklung

gebremst, weil deutlich über 2.000.000 m²

Räumliche Perspektiven der Stadtentwicklung

Veränderungen, Konzepte und Projekte

Büronutzfläche leerstehen. Auch wenn der

Umfang des Büroleerstandes im Zeitablauf

erheblich schwankt und die Standorte der

ganz oder teilweise unvermieteten Bürogebäude

wechseln: Viel spricht dafür,

dass es sich nicht um ein konjunkturelles,

sondern um ein strukturelles Phänomen

handelt, das in einer Größenordnung von

weit über 1.000.000 m² leerstehender

Büronutzflächen die Entwicklung Frankfurts

über lange Jahre begleiten wird.

Während die Wertschätzung solcher

Investitionen also relativ nachlässt, wächst

diejenige von Wohnungsbauvorhaben.

Neue Stadtquartiere wie das Deutschherrnviertel,

der Westhafen, das Quartier am

Theodor-Stern-Kai, das Südliche Ostend,

das Quartier Rebstock/Batelle, die »City

West«, der Stadtteil Am Riedberg, das

Lindenviertel, das Quartier »Edwards

Garden« oder »New Atterberry/New Betts«

resultierten aus Konversion und Nachverdichtung

bereits bebauter Areale oder

aber aus Inanspruchnahme landwirtschaftlicher

Flächen am Rande der Stadt –

und bewiesen, dass sie hohe Qualitäten

nicht nur für ihre Bewohner besitzen, sondern

auch anderen Frankfurterinnen und

Frankfurtern Angebote zur Erhöhung der

Lebensqualität in der Stadt unterbreiten.

Bevölkerungsentwicklung in Frankfurt am Main seit 1960 und

Vorausberechnung der wohnberechtigten Bevölkerung bis 2030

© Bürgeramt Statistik und Wahlen/Stadt Frankfurt am Main

Die Stadt konnte so die Bindungskraft

bezüglich ihrer Bewohner festigen und

zugleich ihre Attraktivität für Zuzügler

erhöhen. Erheblich verstärkt wurden diese

Effekte durch steigende Transportkosten

und fortschreitende Veränderungen der

Haushaltsstrukturen – was die Wohnortwahl

zugunsten einer »Stadt der kurzen

Wege« im Kern der Metropolregion

für viele Haushalte erstrebenswert

machte.

Im Ergebnis der diversen Einflussfaktoren

erfreute sich Frankfurt am Main in den

letzten Jahren einer relativ stabilen Wohnungsbauproduktion

und einer rapide

steigenden Einwohnerzahl. Jüngere

Einwohnerprognosen des Bürgeramtes,

Statistik und Wahlen zeigen, dass die jetzt

erreichte Zahl von ca. 690.000 Einwohnern

nicht nur gehalten werden könnte, sondern

dass ein weiteres Wachstum bis auf eine

Zahl von ca. 724.000 Einwohnern im Jahre

2030 als möglich erscheint.

[Umrisse]


[Umrisse]

Wohnungsbau mit Potential

Werden mit einer solchen Entwicklung

die bekannten Wohnungsbaupotentiale

erschöpft und überschritten? Wird es notwendig,

dass die Stadt sich vom Vorrang

der »Innenentwicklung«, der Konversion

und Nachverdichtung abwendet und sich

erneut dem städtebaulichen Wachstum

an ihren äußeren Rändern zuwendet? Oder

sollte die Stadt nicht ohnehin versuchen,

derartige Wachstumsprozesse abzuwehren

und auf ihre Nachbargemeinden verweisen?

Aus Sicht des Stadtplanungsamtes ist die

Stadt gut beraten, sich positiv zu diesen, je

nach Interpretation, Entwicklungschancen

oder Entwicklungszwängen zu stellen.

Mit einer weiteren Stärkung der Wohnfunktion

der Stadt

– könnte die Zahl der Einpendler reduziert

und damit ein Beitrag zur Verminderung

des motorisierten Individualverkehrs

geleistet werden (nahezu

80 % der die Stadtgrenzen überschreitenden

Einpendler nutzen den Pkw),

– würde eine ausgewogene Sozialstruktur

gesichert und könnten »last, not

least« Einwohner an die Stadt »gebunden«

werden, die sich für das Gemeinwesen

und lokale Demokratie engagieren,

– würden die soziale Infrastruktur ebenso

wird die privatwirtschaftlich betriebenen

Versorgungseinrichtungen in

Stadtteilen mit schwindender Einwohnerzahl

gestützt werden,

– würde die Basis der Einnahmen der

Stadt verbreitert werden und

– könnte mit Investitionen in den Wohnungsbau

ein »Motor« des Stadtumbaus

aufrechterhalten werden, der

vorhandene Defizite und »Unorte«

aufgreift und neue städtische Qualitäten

schafft.

Folgt man/frau diesem Ziel und proklamiert

einen Paradigmenwechsel von der Bürozur

Wohnstadt Frankfurt am Main, so ist

zunächst die zukünftige Nachfrage nach

Wohnungen und Wohnbauland zu quantifizieren

und ihr dann das bekannte Angebot

an Wohnbauland gegenüberzustellen.

Wohnbaulandentwicklungsprogramm: Lage und Dimensionierung

von potentiellen Wohnbauflächen, Fortschreibungsstand 2009

© Stadtplanungsamt/Stadt Frankfurt am Main

Neben der Einwohnerentwicklung ist für

die Prognose des Bedarfs an Wohnbauland

die Frage entscheidend, ob sich der

»säkulare Trend« der Zunahme der Wohnfläche

pro Kopf auch in Zukunft fortsetzen

wird. Hier ist nicht der Ort, die Problematik

von Vorhersagen zu diskutieren oder alternative

Methoden zu erörtern. Eine einfache

Modellrechnung soll dennoch vorgetragen

werden, um die Größenordnung der Aufgabe

der Bereitstellung von Wohnbauland

zu verdeutlichen: Geht man/frau davon

aus, dass, wie oben erwähnt, die Stadt im

Jahre 2030 die 724.000 Einwohner besitzen

wird bzw. soll, und wird angenommen,

dass in dem vor uns liegenden Zeitraum

die Wohnfläche pro Kopf im gleichen Umfang

wie in den vergangenen 20 Jahren

wachsen wird, so entsteht ein Bedarf an

Bauland für ca. 4.530.000 m² Wohnflächen.

Das sind ca. 57.000 Wohneinheiten mit

einer durchschnittlichen Größe von 100 m²

Geschoßfläche pro Wohneinheit.

Auch bei der Quantifizierung des Angebots

an verfügbaren Wohnbauflächen gibt es

Unsicherheit. Wir wissen, dass einige

Areale aus dem Wohnbaulandentwicklungsprogramm

entlassen wurden, weil

sie als baureif eingeschätzt wurden. Deren

noch nicht in Anspruch genommenes

Potential ist mit ca. 5.000 Wohneinheiten

zu beziffern. Wie viele Wohnungen dar-

über hinaus in Geltungsbereichen älterer

Bebauungspläne oder im unbeplanten

Innenbereich realisierbar sind, kann derzeit

nicht zuverlässig angegeben werden.

Sicher ist dagegen, dass im Rahmen des

Wohnbaulandentwicklungsprogramms

daran gearbeitet wird, Flächen mit einem

Potential für insgesamt 18.000 Wohneinheiten

für eine Bebauung vorzubereiten.

Da Bebauungsplanverfahren prinzipiell

ergebnisoffen sind und da Konversion wie

Nachverdichtung oft schwierige Prozesse

der Baureifmachung von Grundstücken,

zum Beispiel mit Verlagerung von Betrieben,

voraussetzen, ist aber keineswegs

sicher, dass im Ergebnis der Arbeiten

tatsächlich Grundstücke für die genannte

Zahl von 18.000 Wohneinheiten zur Verfügung

stehen werden. Bei großen Projekten

des Stadtumbaus muss nach unseren

Erfahrungen mit Entwicklungszeiten von

ca. 15 Jahren von der ersten Idee bis zur

überwiegenden Fertigstellung gerechnet

werden. Dies sind Zeiträume, in denen

rechtliche und tatsächliche Randbedingungen

sich ändern, in denen Akzeptanz

und politische Unterstützung erodieren

können – und in denen entsprechend

Projektergebnisse erzielt werden, die von

ursprünglichen Zielen und Erwartungen

erheblich abweichen können.

[15


16]

Stadtentwicklungsinitiative 2030: Projektkarte

© Stadtplanungsamt/Stadt Frankfurt am Main

Konsequenz aus den vorgetragenen Prognosen

und Abschätzungen unter Berücksichtigung

der doppelten Unsicherheit

bezüglich der zukünftigen Nachfrage

nach Wohnungen sowie des verfügbaren

Wohnbaulandes sollte nach Auffassung

des Stadtplanungsamtes sein, eher mehr

als weniger Wohnbaulandentwicklung zu

betreiben. Dies unter der Voraussetzung,

dass sich genügend Projekte definieren

lassen, bei denen städtische Qualität

entwickelt und nachhaltig gesichert

werden kann – unter Berücksichtigung

ökologischer und ökonomischer Gesichtspunkte.

Luftbild des stadträumlichen Verflechtungsbereiches Bornheim-Seckbach

© Stadtvermessungsamt/Stadt Frankfurt am Main

Strategien und Beispiele

Dabei gibt es drei strategische Gesichtspunkte,

die sich bei einzelnen Projekten

oft miteinander verknüpfen:

– Neue Wohnquartiere können an

vorhandene Stadtquartiere mit hoher

Wertschätzung »andocken« und deren

Qualitäten weiterbauen.

– Neue Wohnprojekte können städtebauliche

Defizite aufgreifen und

»Unorte« zu qualitätvollen Quartieren

wandeln.

– Und stadtwirtschaftliche Vorteile

können erreicht werden, indem eine

erneuerungsbedürftige soziale, kulturelle

oder verkehrliche Infrastruktur

durch einfachere und nachhaltigere

Lösungen ersetzt wird.

Unter diesen Aspekten erarbeitete das

Stadtplanungsamt unter dem Titel »Stadtentwicklungsinitiative

2030« eine erste

Idee für die räumliche Weiterentwicklung

der Stadt. Dies einerseits im Sinne einer

Fortschreibung des Wohnbaulandentwicklungsprogramms,

andererseits aber auch

zur Weiterentwicklung des vorhandenen

Angebots an insbesondere öffentlichen

Grünanlagen. Das Ergebnis zeigt die

folgende Abbildung, wobei hier die im

Rahmen des Wohnbaulandentwicklungsprogramms

bereits in Realisierung befindlichen

Flächen mit neuen Ideen zusammengeführt

wurden.

Die dargestellten Vorschläge sind keine

ausgereiften Planungskonzepte. Sie bedürfen

der kritischen Überprüfung vor allem

im Gespräch mit der von ihnen betroffenen

Bürgerschaft, sie bedürfen der Konkretisierung

und der Überprüfung im Hinblick

auf technische und finanzielle Machbarkeit.

Zwei hinsichtlich ihrer Größe und

Komplexität herausragende Vorschläge

sollen nun beispielhaft erläutert werden.

Das Luftbild zeigt die Bundesautobahn

A 661, die aufgrund ihrer innenstadtnahen

Lage potentielle »Grünverbindungen« zwischen

Huthpark, Hauptfriedhof, Wasserpark,

Bornheimer Friedhof und Günthersburgpark

ausschließt und die zudem

benachbarte Wohnquartiere mit Lärmemissionen

belastet. Mit einer »Deckelung«

Entwicklungskonzept Bornheim-Seckbach; Planer: Albert Speer & Partner

© Stadtvermessungsamt/Stadt Frankfurt am Main

[Umrisse]


[Umrisse]

Luftbildkarte: Bereich Rosa-Luxemburg-Straße und Miquelknoten

© Stadtvermessungsamt/Stadt Frankfurt am Main

der im Geländeeinschnitt verlaufenden

Autobahn könnte nicht nur mehr Ruhe in

den Randbereichen, sondern zugleich ein

Landschaftsraum mit »grünen Verbindungen«

zwischen den vorgenannten Grünanlagen

gewonnen werden, der für die

Gesamtstadt von außerordentlicher

Bedeutung wäre. Und wie ein erster

städtebaulicher Entwurf des Büros Albert

Speer & Partner zeigt, lassen sich überdies

Flächen für qualitätvollen Wohnungsbau

nutzen. Derzeit erfolgen vorbereitende

Untersuchungen, um zu klären, ob das

finanziell aufwendige Projekt als städtebauliche

Entwicklungsmaßnahme zu realisieren

wäre. Im positiven Falle ließen sich

die planungsbedingten Wertsteigerungen

der Grundstücke dann auch zur Mitfinanzierung

der Einhausung der Autobahn

mobilisieren.

Ein zweiter Vorschlag betrifft den Stadtteil

Ginnheim. Das Luftbild zeigt seine Belastung

durch den raumgreifenden Miquelknoten,

eine weit in die Innenstadt hineinreichende

Autobahn sowie die in Hochlage

geführte Schnellstraße Rosa-Luxemburg-

Straße:

Mit dem ebenfalls von Albert Speer &

Partner angefertigten städtebaulichen

Konzept lassen sich Vorteile für unterschiedliche

Anliegen erreichen: Der dringend

benötigte Lückenschluss der Stadtbahn

zwischen Ginnheim und Bockenheimer

Warte kann überwiegend oberirdisch,

integriert in der Mitte einer Hauptverkehrsstraße,

umgesetzt werden. Der

Rückbau des Miquelknotens zu einem

Kreisverkehr mit Hochstraße spart Flächen

zugunsten einer Grünverbindung, signalisiert

dem Autofahrer auf der Autobahn

den Beginn der Stadt – und ermöglicht

viele Verkehrsbemühungen selbstverständlicher

als bisher. Zwischen Grüneburgpark

und »Grünem Y«, den Grünanlagen

im Bereich Platen- und Raimundstraße,

wird eine großzügigere Grünverbindung

realisierbar, die umso bedeutsa-

mer ist, als das »Grüne Y« Verknüpfungen

zum Sinaipark und zum Volkspark Niddatal

herstellt. Die Rosa-Luxemburg-Straße

wäre auf normalem Geländeniveau neu

zu bauen, was Radwege, Bäume und

Gehwege sowie eine überzeugende

städtebauliche Integration erlaubt. Und

Städtebauliches Konzept: Umbau von Rosa-Luxemburg-Straße

und Miquelknoten; Planer: Albert Speer & Partner

© Stadtvermessungsamt/Stadt Frankfurt am Main

wenn Ersatzstandorte für mehrere Sportplätze

gefunden werden können, lassen

sich erhebliche Potentiale für weiteren

Wohnungsbau gewinnen, die von den

neuen Grünverbindungen und der neuen

Stadtbahnerschließung Nutzen ziehen.

Ob diese Vorteile die mit dem Vorschlag

verbundenen Eingriffe und Kosten rechtfertigen,

wird die künftige Erörterung zeigen

– die Prüfungen und Diskussionen sind

weniger weit vorangeschritten als bei dem

anderen Planungsvorschlag!

Dieter von Lüpke

Leiter des Stadtplanungsamtes

der Stadt Frankfurt am Main

[17


18]

Situation und Potential

Frankfurt am Main ist eine erfolgreiche und

prosperierende Stadt. In den vergangenen

Dekaden wurden hier viele intelligente

Programme zur Stadtentwicklung erarbeitet

und beeindruckende Projekte realisiert.

Frankfurt ist dadurch schöner, bedeutender

und lebenswerter geworden. Dennoch halten

sich sowohl innerhalb wie außerhalb

der Stadt hartnäckig die eindimensionalen

Bilder der rauen Wirtschaftsmetropole,

des kühlen Finanzplatzes oder der langweiligen

Provinzstadt mit belächelten

Ambitionen zur »Global City«. In Zeiten

wachsender nationaler wie internationaler

Konkurrenz der Städte um die fähigsten

Fachleute und prosperierende Firmen darf

dieses Image nicht hingenommen werden.

Das erscheint auch gar nicht als notwendig.

Bei genauer Betrachtung zeigt Frankfurt

nämlich eine ganze Reihe außergewöhnlicher

Ressourcen und Begabungen:

die große und lebendige Tradition als

Bürgerstadt, einen aktiven und erfolgreichen

Mittelstand, über 180 verschiedene

Nationalitäten in friedlicher Nachbarschaft,

exzellente Wissenschafts-, Kulturund

Museumseinrichtungen, überraschend

intensiven Naturbezug, ressourcenschonende

Bau- und Siedlungskonzepte,

Frankfurt für alle

Handlungsperspektiven für die internationale Bürgerstadt

Frankfurt am Main: Green Global City

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

vergleichsweise gute Umweltbedingungen

und einiges mehr an unvermuteten, oft

versteckten Werten. Dieser Schatz ist zu

heben. Die in der Stadt angelegten Fähigkeiten

können weiterentwickelt werden,

und Frankfurt kann neue, zeitgemäße

Fertigkeiten erlernen.

Zielhorizont und Basis

Zu Beginn ihrer dritten Amtszeit entwickelte

Oberbürgermeisterin Petra Roth

die Vorstellung, Frankfurt mit Hilfe einer

langfristig angelegten Leitlinie für die strategische

Stadtentwicklung im globalen

Wettbewerb der Metropolen auch zukünftig

erfolgreich zu positionieren. Der Zielhorizont

sollte das Jahr 2030 sein. Nach

über 40 Jahren strategischer Politikberatung

in und für Frankfurt war es uns und

unserem Büro ein Herzensanliegen, eine

[Umrisse]


[Umrisse]

solch faszinierende und ausgesprochen

vielschichtige Aufgabe aufzugreifen. Das

finanzielle Engagement einer Reihe Frankfurter

Unternehmen und zweier Kammern,

die sich in bester bürgerlicher Tradition

für die Entwicklung ihrer Stadt einsetzten,

ermöglichte diese Arbeit, auch ohne den

Leitprojekt: Neues Wohnen in Frankfurt

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Leitprojekt: Korridore zum Grüngürtel

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

städtischen Haushalt zu belasten. Den

Finanziers (DIC AG & Co. KGaA, IFK GmbH,

Handwerkskammer Rhein Main, IHK Frankfurt

am Main, Steubing AG, UBS Deutschland

AG) kommt dabei eine mehrfache

Bedeutung zu: Durch ihren offenkundigen

Bürgersinn ließ sich das Vorhaben reali-

sieren, und gleichzeitig standen sie als

wichtige und geistreiche Gesprächspartner

zur Verfügung. Die Legitimation der

Bearbeitung einer öffentlichen Aufgabe

in privater Finanzierung aber führten sie

erst durch den Verzicht auf die Vertretung

ihrer Partikularinteressen und auf jedweden

Lobbyismus herbei. So konnte eine

unabhängige Denkschrift für Frankfurt in

Frankfurt entstehen, die sich als Politikberatung

begreift, also der Stadtregierung

eine Strategie, Ideen und Projekte zur

Diskussion vorlegt und deren Umsetzung

anempfiehlt.

Themen und Projekte

Ziel der Studie mit Perspektive 2030 war

es also, Frankfurt im nationalen und internationalen

Wettbewerb der Städte zu

profilieren und sie attraktiv für die weltweit

mobilen Wissenseliten und die mit ihnen

verbundenen Unternehmen zu machen.

Dafür formuliert die Zukunftsstudie Empfehlungen

zur Weiterentwicklung Frankfurts

in fünf Themengebieten:

– Lebensqualität,

– Wirtschaftskraft,

– Bildung, Wissenschaft,

Verantwortung, Mitwirkung,

– Umwelteffizienz und

– Zukunftsregion.

Aufbauend auf den vorhandenen, oft

aber nicht offenkundigen Begabungen und

den analytisch antizipierten Zukunftsbedarfen

der Stadt wurde eine Matrix von

120 Projektvorschlägen und 40 konkreten

Leitprojekten entworfen. Bereits während

der Bearbeitungszeit konnte die Realisierung

einiger Leitprojekte angestoßen

werden: Als Erstes wird beispielsweise die

Heinrich-Lübke-Siedlung mit ca. 600 Wohneinheiten

derzeit umfassend überarbeitet

und soll schon bis 2013 zu einem Modell

für nachhaltige Sanierung nicht mehr zeitgemäßer

Großsiedlungen werden.

[19


20]

Anspruch und Realisierung

Die Erarbeitung der Denkschrift begann

bei der Erkenntnis, dass der zukünftige

Erfolg Frankfurts von der Attraktivität der

Stadt für die kreativen Eliten der Wissensgesellschaft

abhängen wird. Eine genaue

Betrachtung der Wirkmechanismen mündete

aber sehr bald in der Schlussfolgerung,

dass die Konzentration auf hochqualifizierte

Wissensarbeiter allein nicht

zum gewünschten Resultat einer prosperierenden

und lebenswerten Stadtgesellschaft

führen würde. Nur ein stabiles

Gemeinwesen mit ausgeglichenen, fairen

sozialen Strukturen, mit engagierten und

leistungsbereiten Bürgern und gut integrierten

Zuwanderern unterschiedlicher

Herkunft, mit Bildungs- und Lebenschancen

für alle kann das Fundament für

den erwünschten Stadtorganismus darstellen.

Der Arbeitstitel »Frankfurt für alle«

wurde entworfen und steht für diesen

erweiterten Handlungsansatz.

Graphik: Logo der Denkschrift

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Mitunter als umfassendes Stadtentwicklungskonzept

fehlinterpretiert, sah sich die

Studie trotz jener Prämisse der Kritik ausgesetzt,

die sozialen Aspekte des städtischen

Lebens und damit die spezifischen

Bedürfnisse eines Teils der Bevölkerung

weitgehend auszuklammern. Dem ist entgegenzuhalten,

dass die Arbeit im Licht

ihrer vorgegebenen Aufgabenstellung,

der Sicherung und Förderung städtischer

Prosperität, bewertet werden muss. Dies

soll aber keineswegs negieren, dass auch

den Bedürfnissen gesellschaftlicher Randgruppen

und sozial Benachteiligter im

Rahmen einer umsichtigen Stadtentwicklung

über das vorgeschlagene Maß hinaus

Rechnung getragen werden muss.

Schon der gewählte Anspruch der Studie

weist deutlich über die üblichen Kompetenzen

der Stadtplanung hinaus. Deshalb

war es ein Glücksfall, dass wir als Experten

für die Fokusthemen Bildung, Wissenschaft,

Verantwortung und Mitwirkung

Prof. Dr. Klaus Ring (Kapitel Wissenschaft)

von der Polytechnischen Gesellschaft und

Dr. Roland Kaehlbrandt (Kapitel Bildung,

Verantwortung und Mitwirkung) von der

Stiftung Polytechnische Gesellschaft als

Coautoren zu gewinnen vermochten.

Unmittelbar im Anschluss der Bearbeitung

konnten, darauf aufbauend, durch die Stiftung

Polytechnische Gesellschaft einige

der formulierten Projektvorschläge direkt

aufgegriffen und realisiert werden.

So baut »Frankfurt für alle« nicht zuletzt

auf die Anziehungskraft und das Identifikationsangebot,

die aus der langen Tradition

bürgerschaftlichen Engagements in Frankfurt

erwachsen und die Bestandteile des

unverwechselbar »Frankfurterischen«

sind. Einen weiteren wesentlichen Anteil

an den Inhalten des Gutachtens hatten die

etwa 130 Experten und relevanten Akteure

aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft

und Kultur, mit denen oft lange

und hochinteressante Einzelgespräche

geführt wurden. Mit einem überschaubaren

Aufwand konnten deren wissenschaftliche

Expertise, politische Erfahrung und

wirtschaftliche Kompetenz eingebunden

werden: Nur mit Hilfe dieses kollektiven

Sachverstandes ließ sich eine Vielzahl von

Strategien und Projekten lokalisieren, die

realistische Chancen auf eine baldige

Verwirklichung haben. Wir als die Autoren

der Studie erheben deshalb auch nicht den

Anspruch, alleinige Urheber aller Ideen

und Vorschläge zu sein. Oft bedurfte es

lediglich des Sammelns und des Herauspräparierens

sowie der Herstellung von

Zusammenhängen zwischen den einzelnen

Mosaiksteinen, die am Ende die Denkschrift

ausmachen. Ebenso wurden Ideen

erst im Dialog zwischen uns und den

Befragten geboren, bereits lose vorhandene

Gedankenstränge zudem gemeinsam

verknüpft.

[Umrisse]


[Umrisse]

Resultat und Resonanz

Nach Vorlage der Studie (Bearbeitung:

Februar 2008 bis Februar 2009) konnten

sich deshalb viele der relevanten gesellschaftlichen,

politischen und wirtschaftlichen

Akteure Frankfurts in den Projektvorschlägen

wiederfinden, fühlten sich in

ihrer Anschauung bestärkt und brachten

Prozesse in Bewegung. Kritiker bemängelten

allerdings, dass die Denkschrift lediglich

eine Zusammenstellung vorhandener

Ansätze sei. Auch die Urheberschaft

einzelner Anregungen wurde reklamiert.

Beides stört uns als die Autoren überhaupt

nicht. Wir begrüßen die Umsetzung jeder

der vorgeschlagenen Ideen und betrachten

das Werk als »open source«, als eine

Quelle, an der sich alle Gutwilligen nach

Belieben bedienen können und sollen.

Die Urheberschaft einer Idee sollte dabei

zweitrangig sein, und die Experteninterviews

hatten ja gerade den Sinn, Anstöße

relevanter Akteure zu sammeln.

Mindestens ebenso wichtig wie die Verwirklichung

konkreter Projekte ist es, dass

die Studie zumindest dazu beitragen konnte,

das Selbstbild Frankfurts sowie das

spezifische Zielsystem seiner Kommunalpolitiker

und Entscheider zu verändern.

Übergabe der Studie:

Prof. Albert Speer und

Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Die Stadt ist sich ihrer hohen Lebensqualität

bewusster geworden, und es hat

den Anschein, als trüge sie diese Überzeugung

nun selbstbewusster nach außen. Sie

versteht sich als Finanz- und Wirtschaftsplatz,

aber gleichzeitig auch als Ort von

Wissenschaft und anwendungsorientierter

Forschung. Sie bewirbt sich selbstbewusst

um den Titel der »European Green Capital«

und ist Motor verstärkter regionaler Aktivitäten.

»Frankfurt für alle« hat diesen Entwicklungen

den Weg geebnet.

Der von den Autoren gewünschte, öffentliche

Diskurs der Vorschläge mit den Bürgern

ist leider kaum erfolgt. Lediglich das

Integrationsdezernat hat den Ball aufgenommen

und mit Geschick gespielt. Die

nicht ausreichend fundierte Vorbereitung

eines Folgeprozesses und dessen Verankerung

im politischen Raum ist sicher eine

berechtigte Kritik, die wir selber am nachdrücklichsten

an uns üben. Dennoch fanden

die Empfehlungen vielfältigen Eingang

in die öffentliche Diskussion, in die Printmedien

und vor allem in die Kommunalpolitik.

Liest man den Koalitionsvertrag

zwischen CDU und Die Grünen vom Mai

2011 mit entsprechendem Blick, so las-

sen sich erfreulicherweise reihenweise

Elemente und Ideen der Denkschrift

entdecken: Lebensqualität als eines

der zentralen Politikziele, die erwähnte

Bewerbung als Europas grüne Hauptstadt,

Tempo 30 auf Grundnetzstraßen, Fahrradexpresswege

und -infrastruktur, umfassend

nachhaltige Modellstadtteile in Neubau

und Bestand, ein Haus der Region

und eines als Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit,

der erste Schritt eines detaillierten

Wohnbaulandkonzeptes, Frankfurt/

Rhein-Main als Leitregion für Nachhaltigkeit,

interkommunale Gewerbegebiete und

einiges mehr.

Gemeinsam mit unseren Coautoren sind

wir überzeugt, mit »Frankfurt für alle«

nützliche und zielführende Anregungen

für die Positionierung und Entwicklung

Frankfurts in den Netzwerken der Rhein-

Main-Region, Deutschlands und der Welt

zu offerieren. Unsere Empfehlungen und

Ideen sollen aber auch die Herzen der

Frankfurter Bürger, seiner Wirtschaftsunternehmen

und Gäste ansprechen.

Dr. Michael Denkel

Mitglied der Geschäftsleitung

AS&P Albert Speer & Partner GmbH,

Frankfurt am Main

[21


22]

Ausgangslage und Ziel

Frankfurt am Main ist eine internationale

Metropole im »Taschenformat«. Dies spiegelt

sich in der Kompaktheit ihrer Innenstadt

wider, die bei geringer Flächenausbreitung

eine hohe Erlebnisdichte bietet.

Sie ist eine Stadt der kurzen Wege und

der Kontraste. Zum einen finden sich hier

die Spuren einer europäischen Stadt

mit besonderer historischer Bedeutung

und einem reichen kulturellen Erbe. Zum

anderen zeichnet sie sich durch hohe

Entwicklungsdynamik und Internationalität

aus.

Identitäten der Quartiere

© raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

Innenstadtkonzept für Frankfurt am Main

Leitlinien und Maßnahmenschwerpunkte

In diesem interessanten Spannungsfeld

steht die Innenstadt: als moderne, aktive

Stadt mit tiefen historischen Wurzeln, als

»Global Player« mit lokaler Identität. Das

größte Defizit der Frankfurter Innenstadt

liegt auf der anderen Seite in der hohen

Verkehrsbelastung und der Dominanz des

motorisierten Individualverkehrs im öffentlichen

Raum. Durch die Barrierewirkung

der Hauptverkehrsachsen Berliner Straße,

Mainkai und Kurt-Schumacher-Straße

zerfällt sie in Teilbereiche und wird nicht

als Einheit wahrgenommen. Die östliche

Innenstadt ist vom attraktiveren und

belebteren westlichen Teil abgetrennt.

Durch die schlechte fußläufige Vernetzung

fehlen wichtige Verbindungswege in Nord-

Süd-Richtung zwischen Mainufer, Zeil und

Wallanlagen.

In einem offenen Planungsprozess im Jahr

2010 unter Moderation des Büros Stein und

Schulz wurden Frankfurter Bürgerinnen

und Bürger zu ihren Wünschen und Zielen

für den Innenstadtkern, begrenzt durch

Wallanlagen und Mainufer, befragt. Das

Architektur- und Stadtplanungsbüro raumwerk

nahm diese Anregungen auf und

entwickelte in Zusammenarbeit mit dem

Stadtplanungsamt ein übergeordnetes

Konzept, welches die Basis für die aktuelle

Fortschreibung bildet. Aufbauend auf einer

differenzierten Analyse der bestehenden

Potentiale und Defizite, benennt das Innenstadtkonzept

wichtige Handlungsleitlinien

und Maßnahmenschwerpunkte, die als

Entscheidungsgrundlage für zukünftige

Aktivitäten im Bereich der Innenstadt dienen

sollen. Sie werden zum Teil in Bebauungsplänen

verankert, steuern die Verteilung

städtischer Investitionen oder stellen

Angebote an private Eigentümer dar.

Acht Handlungsleitlinien

Zur leichteren Orientierung und Hierarchisierung

der Handlungsfelder erfolgt eine

Fokussierung des Innenstadtkonzepts in

folgende acht Leitlinien:

– Identitäten und Qualitäten der

Quartiere herausstellen,

– Vernetzung der Innenstadt

vorantreiben,

– Stadtgestalt ausbauen und stärken,

– Freiraum ausbauen und stärken,

– Wohnen in der Innenstadt stärken,

– Einzelhandel und Gastronomie in der

Innenstadt fördern,

– Arbeitsort Innenstadt entwickeln,

– Kulturangebot herausstellen.

Identitäten und

Qualitäten der Quartiere herausstellen:

Eine besondere Qualität der Innenstadt

ist ihre bunte Mischung. Diese eigenständigen

Identitäten, basierend auf der

individuellen Entwicklungsgeschichte der

Quartiere, gilt es zu stärken. Vorhandene

Profilierungen sollen erkannt und ausgebaut

werden.

[Umrisse]


[Umrisse]

Vernetzung der Innenstadt vorantreiben:

Für eine attraktive und lebendige Innenstadt

ist gute Erreichbarkeit entscheidend.

Ein breites Angebot und bequemes Wechseln

zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln

sind hierfür Voraussetzung. Fußgänger

sind dabei die wichtigsten Verkehrsteilnehmer,

da sie mehr als alle

anderen zufällige Begegnungen im öffentlichen

Raum ermöglichen und so zur Urbanität

der Innenstadt beitragen. Der Ausbau

eines attraktiven und flächendeckenden

Wegenetzes in der Frankfurter Innenstadt

ist ein Kernziel des Innenstadtkonzeptes.

Durch die bedarfsgerechte Optimierung

von Verkehrsflächen und die stärkere

Berücksichtigung konkurrierender Nutzungsansprüche

können neue großzügige

öffentliche Räume mit Aufenthaltsqualität

geschaffen werden. Die Gleichberechtigung

der Verkehrsteilnehmer im »Shared

Space« erlaubt die verkehrliche und

gestalterische Beruhigung von innerstädtischen

Erschließungsstraßen. Durch Rückbau

und Reduzierung der Fahrbahnbreiten

der Hauptverkehrsachsen Mainkai und

Berliner Straße soll die jetzige Barrierewirkung

überwunden werden.

Vernetzung der Innenstadt

© raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

Fahrradverkehr

Öffentlicher

Personennahverkehr

Fußgängerverkehr

Motorisierter

Individualverkehr

[23


24]

Gestaltungsplan: Bebauung

© raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

Stadtgestalt ausbauen und stärken:

Die Gestalt der Innenstadt ist durch den

Kontrast geprägt: Neben wichtigen historischen

Gebäuden bestimmen qualitativ

hochwertige Bebauungen der 1950er und

60er Jahre vor allem im Bereich der Alt-

Gestaltungsplan: Freiflächen

© raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

stadt sowie Hochhäuser aus unterschiedlichen

»Hochhausgenerationen« das Bild

von Frankfurt. Ziel des Konzeptes ist es

zum einen, dieses Bild im Sinne einer

Stadtreparatur zu beruhigen und Fehlstellen

zu beheben, auf der anderen Seite

aber auch, Frankfurts typische spannungsreiche

Kontraste zu erhalten und zu stärken.

Im Sinne einer kritischen Rekonstruktion

der historischen Stadtgestalt wird

daher gefordert, die innenstadttypische

Blockstruktur zu festigen und »Fehlstellen«

durch Nachverdichtungen in Form von

Blockrandschließungen, Aufstockungen

und Neuordnungen vorhandener Baufelder

zu beseitigen. Niveauvolle Ensembles der

1950er und 1960er Jahre sollen als besonderes

Erbe Frankfurts in ihrer stadtbildprägenden

Gestalt gesichert sowie historische

Stadträume teilweise wiederhergestellt,

wichtige historische Gebäude

und Spuren, wie der Verlauf ehemaliger

Befestigungsmauern, für Besucher der

Innenstadt erlebbar gemacht werden.

Freiraum ausbauen und stärken:

Ziel sind die sukzessive Aufwertung aller

wichtigen öffentlichen Platzräume in

der Innenstadt mit einer entsprechend

ihrer Lage und Funktion differenzierten

Gestaltung, der Ausbau der Wallanlagen

zum zusammenhängenden offenen Landschaftspark

sowie die verstärkte räumliche

Verknüpfung von Plätzen und öffentlichen

Grünflächen. Insgesamt wird eine stärkere

Begrünung der Innenstadt zur Verbesserung

des Stadtklimas verfolgt.

[Umrisse]


[Umrisse]

Nutzungsvielfalt in der Innenstadt:

Der besondere Reiz der Innenstadt liegt

in den vielfältigen Angeboten für unterschiedliche

Nutzergruppen und den damit

verbundenen Erlebnismöglichkeiten. Im

Sinne des Leitbildes der »Europäischen

Stadt« sind diese Nutzungsvielfalt und

Durchmischung weiter voranzutreiben.

Bei Neustrukturierungen soll ein ausgewogenes

Verhältnis aus Büronutzungen,

Einzelhandel, Gastronomie und Wohnen

realisiert werden.

Ein vorrangiges Ziel ist es, die Innenstadt

als Wohnstandort aufzuwerten, für unterschiedliche

Bevölkerungsschichten wieder

attraktiv zu machen und ein vielfältiges

Wohnungsangebot zu schaffen, das

Voraussetzung für eine sozial ausgeglichene

Bevölkerungsstruktur ist. Die Frankfurter

Einkaufszone wird bisher als lineare

Einkaufsmeile in West-Ost-Richtung erlebt.

Nutzungsplan: Wohnen

© raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

Nutzungsplan: Einzelhandel

© raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

Nutzungsplan: Kultur

© raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH

Ein weiteres Ziel ist es daher, diese zu

einem flächigen Netzsystem mit attraktiven

Rundwegen und Anbindung an Main und

Wallanlagen auszubauen. Die Innenstadt

Frankfurts verfügt über ein hervorragendes

Kulturangebot, welches durch das

in fußläufiger Nachbarschaft liegende

Museumsufer ergänzt wird. Die Stadtgeschichte

soll nun im öffentlichen Raum

stärker erlebbar werden. Hierfür müssen

noch vorhandene Zeitzeugnisse herausgestellt

und besser in den städtischen

Raum eingebunden werden.

Sonja Moers

Architektin und Stadtplanerin

Geschäftsführerin

raumwerk

Gesellschaft für Architektur

und Stadtplanung mbH,

Frankfurt am Main

[25


26]

Geschoßwohnungsbau im Passivhausstandard

Zwei Beispiele: Hansaallee und Idsteiner Straße

»Die Funktionsweise des Passivhauses

gleicht im Grunde der

einer Thermoskanne.«

Passivhaus: Begriffsdefinition

Die Funktionsweise des Passivhauses

erklärt sich recht einfach, sie gleicht im

Grunde der einer Thermoskanne: Die

Thermoskanne lässt die Hitze durch ihre

gedämmte Hülle nicht entweichen. Die

thermographische Aufnahme zeigt das

sehr deutlich im Vergleich zu einer normalen

Kaffeekanne. In der Umsetzung auf

die Architektur bedeutet dies, dass der

Wärmeverlust der Außenhülle minimiert

werden muss.

Die thermische Behaglichkeit im Gebäude

(ISO 7730) wird allein durch Nachheizen

oder -kühlen des Frischluftvolumenstroms,

der für ausreichende Luftqualität (DIN 1946)

erforderlich ist, gewährleistet – ohne dazu

zusätzlich Umluft zu verwenden. Durch

dieses einfache Prinzip lässt sich der

Heizenergiebedarf des Passivhauses auf

15 kWh/m 2 a reduzieren. Ein unsanierter

Wohnungsbau aus den 1960er oder 70er

Jahren verbraucht dagegen 300 kWh/m 2 a,

der Durchschnittswert für Wohnhäuser in

Deutschland beträgt 160 kWh/m 2 a.

Wenn man sich die Entwicklung der

Energiepreise zum Beispiel von Heizöl

(1999: 26,52/100 l; 2007: 58,63/100 l) anschaut,

so beantwortet sich die Frage

nach der Sinnhaftigkeit des Passivhauses

von selbst.

Architektur und Passivhaus

Den bisher in Deutschland realisierten

Passivhäusern haftet immer noch etwas

Unstädtisches und Esoterisches an, ihre

Konzeption ist oftmals geprägt von den

technischen Zwängen. Man könnte fast

meinen, dass sich hier eine eigene und,

wie ich finde, minderwertige Architektur

verselbständigt hat. Die vielleicht

typischsten Charakteristika dieser Gebäude

sind davorgestellte Balkone und der

Laubengang – beides Elemente, die ein

schlechtes Image haben und für das städtische

Wohnen oder den hochwertigen

Eigentumswohnungsbau ungeeignet sind.

Im Gegensatz zum Vorarlberg, wo das

Passivhaus einen normalen Standard

repräsentiert, ist es in unseren Breitengraden

offenbar nicht bei den Architekten

angekommen, sondern bis dato in den

Händen von Ökoarchitekten und Esoterikern.

Die öffentliche Meinung in Deutschland

ist zudem von großem Unwissen

gekennzeichnet. So schwirren Halbwahrheiten

durch die Luft wie: »Man kann kein

Fenster öffnen, die Pflanzen verdorren,

technisch aufwendig, zu teuer.«

Es ist daher an der Zeit, mit vorzeigbaren

Bauwerken solche Vorurteile aus dem Weg

zu räumen. Mit unseren innerstädtischen

Passivhausprojekten »Campo«, ebenfalls

in diesem Heft dokumentiert, sowie der

»Hansaallee« und der »Idsteiner Straße«

treten wir den Beweis an.

Lageplan

© Stefan Forster Architekten

Beispiel: Hansaallee

Das Ensemble Hansapark liegt am Übergang

von der gründerzeitlich geprägten

Blockstruktur zur offenen Bebauung entlang

der Hansaallee, einer der wichtigsten

Einfallstraßen in die Stadt. Die Neubauten

des direkt gegenüber befindlichen neuen

Universitätscampus Westend zeichnen

sich durch einfache, monolithische, reduzierte

Baukörper aus. Dieses prominente

Gegenüber und die geschilderte Torsituation

definieren die besondere Herausforderung

für die Architektur.

[Umrisse]


[Umrisse]

Wohngebäude an der Hansaallee

© Lisa Farkas

Auf Basis des mit der Stadtplanung abgestimmten

Konzeptes wurden für die fünf

Baukörper fünf Architekten beauftragt.

Typologisch unterscheiden sich die Gebäude

in vier an der Hansaallee stehende

winkelförmige Volumina sowie in drei im

Inneren des Grundstücks angeordnete

Stadtvillen. Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen

Projekten, die Individualität

ausdrücken sollen, sahen die hier beauftragten

Architekten ihre Aufgabe darin,

eine gemeinsame, zurückhaltende, zeitlose

Formensprache zu entwickeln, die eine

gewisse Erhabenheit zum Thema hat. Die

Gemeinsamkeiten machen sich vornehmlich

an der Behandlung der Volumina fest:

Alle Gebäude sind monolithisch und verzichten

auf modisches Beiwerk. Die Individualität

der Architekten äußert sich

lediglich in der unterschiedlichen Ausformung

der Öffnungen und der plastischen

Ausbildung der Baukörper. Die angestrebte

Erhabenheit wird auch dadurch erreicht,

dass sich das Innere der Wohnungen, die

Privatheit, nicht auf den sonst üblichen

auskragenden Balkonen nach außen

schiebt, sondern durch Loggien geschützt

wird. Wollte man ihre Konzeption stilistisch

einordnen, so könnte man am ehesten von

einer Neuinterpretation des Rationalismus

sprechen.

Die drei an der Hansaallee errichteten

Baukörper sind zudem ein Bekenntnis zum

anonymen großen Mietshaus in der Stadt.

Diese bewusste Anonymität, als positive

Eigenschaft des Wohnens in der Großstadt,

stellt eine klare Absage an die

derzeit propagierten, missverstanden,

dörflichen Stadtmodelle dar. Die sicher

gewünschte Identifikation eines Bewohners

mit seinem Wohnort erfolgt also nicht

über das ablesbare individuelle Einzelhaus,

sondern über das gesamte Quartier. Zur

Verstärkung eines solchen Quartiers-

Hofseitige Baukörperanordnung

© Lisa Farkas

Loggien …

© Lisa Farkas

gedankens wurde das Ensemble mit einer

umlaufenden Einfriedung gefasst, die

einerseits das subjektive Sicherheitsgefühl

befriedigt und anderseits die Gesamtanlage

aufwertet. In ihrem Innern verbindet

eine gemeinsame, parkähnliche Grünfläche

die einzelnen Gebäude; um die

Großzügigkeit nicht zu stören, wurden die

Privatgärten der erdgeschossigen Stadtvillenwohnungen

nicht abgetrennt.

Erscheinungsbild im Winter

© Lisa Farkas

[27


28]

Der U-förmige Block von Stefan Forster

Architekten bildet eine Kante zur Hansaallee

und öffnet sich zu den innenliegenden

Bauten, wobei wegen der Belastung

durch Verkehrslärm die wohnungsbezogenen

Freiräume als vorgestellte, thermisch

getrennte Loggien zur Straße und dem

Innenhof ausgeführt sind. Realisiert wurden

insgesamt 45 Wohnungen mit einer

lichten Raumhöhe von 2,70 m, die über

einen großzügigen gemeinsamen Eingang

und zwei ebenso großzügige Treppenhäuser

erschlossen werden.

Querschnitt

© Stefan Forster Architekten

Quartiersplatz bei Nacht

© Lisa Farkas

Grundrisse Erd- bis fünftes Obergeschoß

© Stefan Forster Architekten

Die im April 2010 fertiggestellte Gesamtanlage

in der Hansaallee 88–90 stellt ein

Modell dar, wie man perspektivisch Brachflächen

in der Stadt mit einem zeitlosen

architektonischen Konzept aufwerten

kann, um ein neues Stück Großstadt zu

schaffen – in Passivhausbauweise.

Bauherr

ABG Frankfurt Holding GmbH,

Frankfurt am Main

Architekt

Stefan Forster Architekten,

Frankfurt am Main

Projektmanagement

Urbane Projekte GmbH,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung

B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

Ingenieurbüro Hausladen GmbH,

Kirchheim

Bauakustik

Ingenieurgesellschaft für Technische Akustik mbH,

Wiesbaden

Vermessung

Vermessungsbüro Seeger und Kollegen,

Frankfurt am Main

Passivhausberatung

Passivhaus Dienstleistungs GmbH,

Darmstadt

Ausschreibung und Bauleitung

FAAG Technik GmbH,

Frankfurt am Main

[Umrisse]


Wohnhaus in der Idsteiner Straße

© Lisa Farkas

[Umrisse]

Beispiel: Idsteiner Straße

Als frühes Beispiel des modernen Wohnungsbaus

wurde in den späten 1920er

und den frühen 1930er Jahren die Hellerhofsiedlung

im Stadtteil Gallus errichtet.

Die Arbeitersiedlung nach der Planung des

niederländischen Architekten Mart Stam

steht heute unter Denkmalschutz. Direkt

gegenüber der Reihenbebauung an der

Ecke von Idsteiner und Lorsbacher Straße

wurde jetzt im Rahmen einer sogenannten

Stadtteilreparatur ein neues Passivhaus

mit 22 Wohnungen und Tiefgarage in der

Idsteiner Straße 123–125 realisiert. Zuvor

musste aber ein baufälliges und nicht

sanierungsfähiges Gebäude aus den

1960er Jahren abgerissen werden, welches

zudem nicht auf die kontextuellen

Gegebenheiten reagierte.

Sockelbereich mit

Klinkerverkleidung

© Lisa Farkas

Die geschickte Einbindung des Neubaus

in die Umgebung gelingt durch die Wiederaufnahme

vorhandener Baufluchten und

die thematische Transformation der giebelständigen

Doppelhäuser der Hellerhofsiedlung

in die Moderne. Die zeitgenössi-

Lageplan

© Stefan Forster Architekten

»Ecksituation«

© Stefan Forster Architekten

schen Grundrisse werden aufgewertet und

sollen nun auch den gehobenen Mittelstand

ansprechen. Im Gegensatz zur existierenden

Siedlung nimmt das im April 2011

fertiggestellte Passivhaus im Erdgeschoß

Bezug auf die äußeren Grünflächen und

schafft damit eine Privatheit für die Bewohner.

Die Klinkerverkleidung im Sockelbereich

sorgt darüber hinaus nicht nur für

eine klare, urbane Sockelzone, sondern

überzeugt ebenso durch Dauerhaftigkeit.

[29


30]

Bauherr

ABG Frankfurt Holding GmbH,

Frankfurt am Main

Architekt

Stefan Forster Architekten,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung

B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

Ingenieurbüro Baumgartner,

Mörlenbach

Brandschutz

Grontmij GmbH,

Frankfurt am Main

Vermessung

VermessungsbüroBrockmann und Kaiser,

Frankfurt am Main

Ausschreibung und Bauleitung

BGG Architekten + Ingenieure

Grünzig Ingenieurgesellschaft mbH,

Bad Homburg

Querschnitt

© Stefan Forster Architekten

Grundrisse Erd- bis Dachgeschoß

© Stefan Forster Architekten

Balkone und Gärten

© Stefan Forster Architekten

[Umrisse]


[Umrisse]

Konstruktive Besonderheiten

Wie in der Begriffsdefinition bereits

angedeutet, ist das konstruktive Thema

des Passivhauses die luftdichte, hochgedämmte

Außenhülle: Die Außenhülle

muss den Baukörper ohne Unterbrechung

umfassen.

Beim »Campo« wurde sie aus Holzpaneelwänden

gefertigt, die dann nochmals von

außen gedämmt wurden. Bei der Bearbeitung

stellten wir dann aber fest, dass der

Detaillierungsaufwand hierfür sehr hoch

ist. Der erhoffte Einsparungseffekt durch

die serielle Produktion ließ sich nicht

erzielen, da die einzelnen Häuser, weil

sie jeweils an den Bestand anzupassen

waren, voneinander abwichen.

Wegen dieser Erfahrungen haben wir

uns entschlossen, bei den nachfolgenden

Projekten »Hansaallee« und »Idsteiner

Straße« auf eine hochgedämmte Betonaußenwand

zu wechseln. Eine Besonderheit

der Hansaallee ist die Ausbildung

der in die Fassade integrierten Loggien.

Konstruktiv handelt es sich bei ihnen um

freistehende, vor dem Haus angeordnete

Bauteile, die jedoch von außen formal in

die Hülle integriert werden. Es wird also

bewusst auf das sonst so architektenübliche

»Zeigen« der Konstruktion zugunsten

einer zurückhaltenden, anonymen

städtischen Architektur verzichtet.

Energetisches Konzept

Das energetische Konzept für beide Projekte

ist identisch.

Lüftung: Jede Wohnung besitzt ein eigenes

Komfortlüftungsgerät mit Wärmerückgewinnung,

von den Nutzern individuell

regelbar. Über den Schachtwärmetauscher

wird die Abwärme zurückgewonnen, die

so vorerwärmte Zuluft in einen Sammelkasten

und von dort sternförmig die Zuluft

zu den Fenstern geführt. Die Zuluftleitungen

sind in die Betondecke einbetoniert.

Alle Wohn-, Schlaf- und Kinder- bzw.

Gästezimmer werden mit Frischluft versorgt,

die Abluft wird über Bäder und

Küchen abgesaugt.

Heizen und Warmwasser: Die Beheizung

erfolgt in der Hansaallee über eine

Wasser-Wärmepumpe. Das heißt, dass

Grundwasser gefördert und die Wärmepumpe

damit sehr wirtschaftlich betrieben

wird. Zusätzlich dient sie zur Vorerwärmung

des Warmwassers, das dann über

eine thermische Solaranlage weiter erwärmt

wird. Ist ein Überschuss an Solarwärme

vorhanden, wird er zur Versorgung

der Fußbodenheizung genutzt. Reicht sie

aber nicht aus, lässt sich ein Gasbrennwertkessel

mit außenliegender Brennwertleitung

zuschalten. Die Wärmeerzeugung

in der Idsteiner Straße erfolgt durch einen

Gasbrennwertkessel, die restliche Wärme

wird auf folgendem Wege zugeführt: einen

Heizkörper im Bad und einen im Wohnzimmer

sowie, bei den größeren Wohnungen,

einen in Räumen, in denen ein höherer

Bedarf besteht. Das Gebäude verfügt

zudem über eine thermische Solaranlage

mit Heizungspufferspeicher, der sowohl

die Warmwasserbereitungsanlage speist

als auch die Überschusswärme der Restheizung

zuführen kann. Alle Wohnungen

sind mit wassersparenden Armaturen

ausgestattet. Damit ist gewährleistet,

dass Kalt- wie Warmwasserverbrauch

minimiert werden.

Kühlen: Im Sommer besteht in der Hansaallee

die Möglichkeit, die Fußbodenheizung

zum Kühlen (»aktives Kühlen«) zu

verwenden. Dies ist ganz einfach über

den Raumthermostat zu regeln, wobei als

Energie Grundwasser genutzt wird. Durch

den Einsatz der Fußbodenheizung zum

Kühlen erreicht man einen hohen Komfort

ohne zusätzlich erforderlichen Sonnenschutz.

Als sommerlicher Wärmeschutz

und Schutz vor Überhitzung dienen Rollläden

an allen Fenstern.

CO 2-neutrales Heizen: Um für den Heizbetrieb

eine ausgeglichene CO 2-Bilanz zu

erreichen, wurde auf den Häusern in der

Hansaallee eine Photovoltaikanlage installiert.

Die jährliche Energiemenge deckt

jahresbilanziert den Energiebedarf der

Wärmepumpe mit der erforderlichen Hilfsenergie

zur Förderung des Grundwassers

ab.

Resümee

Für uns liegt die Zukunft von energiesparenden

Häusern in oben beschriebenen

Modellen, das heißt in der Kombination

aus hocheffizienter, dichter Gebäudehülle

und dem zusätzlichen Einsatz von Erdwärme

und Solarenergie. Bei weitersteigenden

Energiepreisen zeigt sich dieses

Modell als das wirtschaftlichste.

Stefan Forster

[31


32]

Ensemble in parkähnlicher Lage

© Lisa Farkas

Wohngebäude in Niedrigstenergiebauweise

Drei Mehrfamilienhäuser in der Hansaallee

Idee des Ensembles

Das gesamte Projekt an der Hansaallee

steht unter der Idee des Ensembles –

genau wie auf der gegenüberliegenden

Seite die neue Frankfurter Goethe-Universität

um das IG-Farben-Gebäude von Hans

Poelzig das Ensemble zum Ziel hat.

Die Städte, die wir lieben, und auch die

Stadtviertel, die uns erfreuen, sind harmonisch

komponiert, sind eine kulturelle

Wohltat für die Menschen, sogar ein Ideal.

Die Beziehung zwischen dem Haus und

der Stadt, zwischen Privatem und Öffentlichem,

den Teilen und dem Ganzen darf

nicht dem Zufall überlassen werden. Soll

die Stadt oder das Quartier, wie hier die

Hansaallee im Westend von Frankfurt, ein

Ort glücklichen Zusammenlebens sein,

muss sie nach bewussten Prinzipien und

Gesetzmäßigkeiten gestaltet werden.

Diese bei Platon zu findende Einsicht

hat Leon Battista Alberti als Erster in

eine Theorie der Architektur übersetzt:

»De re aedificatoria«. Eine Stadt ist ein

»großes Haus«, und umgekehrt stellt die

Gesellschaft der Räume (Wohnungen), die

ein Haus ausmachen, eine »kleine Stadt«

dar. Das hat auch der wohl bekannteste

Architekt der Renaissance, Andrea

Palladio, so übernommen.

Steinsockel und Putzfassaden

© Lisa Farkas

Meine drei Häuser als Teil des Ensembles

Hansaallee folgen dieser Konvention. Sie

sind drei Freunde, sie sind die Partitur zu

einer Symphonie, sie sind mein Bekenntnis

und dankenswerterweise ebenso das des

Bauherrn zu der Tradition der europäischen

Stadt.

[Umrisse]


[Umrisse]

Solitäre im Grünen

Drei Mehrfamilienwohnhäuser in Niedrigstenergiebauweise

mit insgesamt über

50 Wohneinheiten wurden hier in parkähnlicher

Lage errichtet. Im Mittelpunkt

des großen Ensembles befinden sich die

drei von Grün umrankten Wohnsolitäre,

deren Gestaltung von Lochfassaden

in zwei Farben, Beige und Umbra, von

französischen Fenstern in Holz mit nachtblauen

Markisoletten und sehr großen

Balkonterrassen geprägt wird.

Die Gebäude stehen für ein architektonisches

Bekenntnis zur Tradition der

europäischen Stadt: Wechselbeziehungen

zwischen Wohnen und Außenraum, zwischen

privat und öffentlich ermöglichen

Kommunikation. Auch im Inneren sind

die Treppenhäuser und Wohnungen wie

Stadträume mit öffentlichen Plätzen

(Dielen, Küchen, Wohnflächen) und privaten

Bereichen (Zimmern) organisiert.

Gestaltung des Eingangsbereichs

© Marcus Bredt

Die Wohnungen folgen dieser Idee und

werden daher über großzügige Eingangsdielen

(»Plätze«) betreten, um die sich die

Zimmer und Bäder (»Häuser«) gruppieren.

Zusammen mit Küche und Wohnbereichen

bilden sie die »Stadt«.

Steinsockel und helle Putzfassaden aufweisend,

sind sie im Inneren mit Parkettfußböden

in den Wohnräumen und Natursteinbelägen

in den Bädern ausgestattet,

Letztere verfügen zudem über elegante

Objekte und qualitätvolle Armaturen.

Ausstattung im Inneren

© Marcus Bredt

Raumhöhen bis 2,70 m und Flügeltüren, die

bis an die Decke reichen, sorgen in ihnen

ebenfalls für ein »altbauwertiges« Wohnen.

Alle drei im Jahr 2010 fertiggestellten

Solitäre wurden im Passivhausstandard

gebaut und vom Passivhaus Institut

Darmstadt zertifiziert.

Michael A. Landes

Balkonterrassen mit Markisoletten

© Marcus Bredt

[33


34]

Ansichten

© Landes & Partner

Gebäudeschnitt

© Landes & Partner

Bauherr

ABG Frankfurt Holding GmbH,

Frankfurt am Main

Entwurf

Landes & Partner Architekten,

Frankfurt am Main

Projektsteuerung

Urbane Projekte GmbH,

Frankfurt am Main

Generalplanung

FAAG Frankfurter Aufbau AG,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung

B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

Ingenieurbüro Hausladen GmbH,

Kirchheim

Bauphysik und Zertifizierung

Passivhaus Institut Dr. Wolfgang Feist,

Darmstadt

Vermessung

Vermessungsbüro Seeger und Kollegen,

Frankfurt am Main

Außenanlagen

freiraum x Landschaftsarchitektur

Dipl.-Ing. Claudius Grothe,

Frankfurt am Main

Regelgeschoß

© Landes & Partner

[Umrisse]


[Umrisse]

Neubebauung als Blockergänzung

© Jean-Luc Valentin

Stadthäuser im Westend

Drei Wohngebäude als Blockergänzung

Entwurfsgedanke

In der Freiherr-vom-Stein-Straße konnten

wir drei elegante Stadthäuser mit ca.

45 Wohnungen in Größenordnungen von

60–300 m 2 realisieren. 2004–2006 geplant

und errichtet, entstanden sie als straßenbegleitende

Blockergänzung mit dem Entwurfsgedanken,

den Stadt- und Wohnraum

öffentlich in einen Dialog zu bringen.

Ziel war es, hochwertige Wohngebäude im

Einklang mit der ortstypischen Bauweise

und deren architektonischen Stilelementen

zu schaffen. Sowohl die Gestaltung ihrer

Fassaden als auch die Organisation der

Grundrisse übernehmen traditionelle

Qualitäten der gründerzeitlichen Häuser

des Frankfurter Westends.

Hauscharakter

Hohe Geschosse, französische Fenster,

Natursteinfassaden und Mansarddächer

ordnen sich wie selbstverständlich in das

elegante Westend ein, lichte Räume, große

Ess- bzw. Wohnküchen, Doppelflügeltüren,

Dielen, Terrassen und weitläufige Treppenhäuser

mit Oberlichtern, wie man sie

aus Paris kennt, bieten eine vorzügliche

Wohnqualität. Einladende Terrassen oder

Balkone öffnen die bis zu 300 m2 großen

Wohnungen aller drei Häuser zum innenliegenden,

geschützten und begrünten

Gartenhof. Die Mansarddächer ermöglichen

zudem lichte Raumhöhen von 3 m

und die Ausbildung von Dachterrassen,

die ebenfalls zum Innenhof orientiert

sind.

Stadthäuser in der Freiherr-vom-Stein-Straße

© Jean-Luc Valentin

Mansarddächer und Dachterrassen

© Marcus Bredt

Lageplan

© Landes & Partner

[35


36]

Längsschnitt

© Landes & Partner

Jedes der drei Häuser, die in Mischbauweise

mit Stahlbetonskelett und Mauerwerk

errichtet sind, erhält durch die

unterschiedliche Ausprägung der Gebäudehüllen

und des Material- und Farbkonzeptes

eine eigene Identität, um eine architektonische

Differenzierung zu erlangen

und den »Hauscharakter« zu unterstreichen.

So wurde bei Haus 1 und 2 ein

eingeschossiger Natursteinsockel in

Beigetönen ausgeführt und die übrigen

Geschosse mit einem Wärmedämmverbundsystem

samt Putzfassade versehen.

Wie bei Leon Battista Alberti werden die

bodentiefen Biforien-Fenster mit einer

runden Mittelsäule sowie mit einem

Sonnenschutz in Form von ultramarinfarbigen

Markisoletten ausgestattet und

sorgen für einen lebendigen Kontrast.

Haus 3 wurde dagegen komplett mit einer

Natursteinfassade in hellbeigen Farbtönen

verkleidet und mit bodentiefen Fenster mit

Schiebeläden und Absturzsicherungen aus

Glas gegliedert.

Erstes bis viertes Obergeschoß

© Landes & Partner

Erdgeschoß

© Landes & Partner

Eingangsportale …

© Marcus Bredt

Unterschiedliche Fassaden

© Marcus Bredt

Die Eingangsportale und Treppenhäuser

verfügen über Natursteinfußböden und

-sockel, die in ihrem Farbkonzept jedoch

hausweise variieren und ihnen im Zusammenspiel

mit den Eingangstüren aus

lasierter Eiche bzw. Mahagoni einen

gediegenen Charakter verleihen. Dieser

wird in den Treppenhäusern von schwarzen

Stahlstabgeländern mit Holzhandlauf

ergänzt. Die 2,50 m hohen Wohnungseingangstüren

folgen diesem Farb- und

Materialkonzept und bestehen daher aus

denselben Holzarten. Alle drei Häuser

besitzen darüber hinaus einen Glasaufzug

und eine gemeinsam genutzte, bauteilübergreifende

Tiefgarage mit Einzel- und

Doppelparkern.

Michael A. Landes

[Umrisse]


[Umrisse]

Bauherr

Projektgesellschaft Westend III mbH,

Stuttgart

Entwurf

Landes & Partner Architekten,

Frankfurt am Main

Orientierung zum Gartenhof

© Marcus Bredt

Projektsteuerung

Unmüssig Bau Verwaltungsgesellschaft mbH,

Freiburg

Tragwerksplanung

B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

Pettersson + Ahrens Ingenieur-Planung GmbH,

Ober-Mörlen

Außenanlagen

freiraum x Landschaftsarchitektur

Dipl.-Ing. Claudius Grothe,

Frankfurt am Main

Vermessung

Vermessungsbüro Schütz Vollmer,

Friedberg

Wohnungen mit Balkonen

© Marcus Bredt

[37


38]

Campo am Bornheimer Depot

Wohnquartier in Passivhausstandard

(Rahmen-)Planung

Das »Campo am Bornheimer Depot« liegt

inmitten des Stadtteils Frankfurt-Bornheim,

eines bürgerlichen, gewachsenen Quartiers

aus der Gründerzeit. Auf einer Industriebrache

entstand hier ein neues urbanes

Viertel, das unter Integration zweier denkmalgeschützter

Gebäude sowie eines um

1900 errichteten Wohnhauses hochwertigen

Geschoßwohnungsbau, Einkaufen und

Gastronomie verbindet.

Neues urbanes Viertel zum Wohnen, Einkaufen und …

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH/Thomas Ott/Thomas Lison/Jean-Luc Valentin/Julia Bergfeld

Auf Basis einer Studie von Albert Speer &

Partner wurde im Auftrag der ABG Frankfurt

Holding ein kooperatives Verfahren

zur Entwicklung einer städtebaulichen

Rahmenplanung unter den Architekturbüros

Albert Speer & Partner, Scheffler +

Partner sowie Stefan Forster Architekten

ausgelobt. Die weitere, gemeinsame hochbauliche

Bearbeitung erfolgte dann auf der

Grundlage der städtebaulichen Rahmenplanung

von Stefan Forster Architekten.

Die FAAG Technik realisierte die Tiefgarage,

die Umnutzung und Sanierung

des ehemaligen Depots wurden zudem

an einen Coinvestor vergeben und vom

Architekturbüro Hoechstetter und Partner

konzipiert.

Die drei Frankfurter Architekturbüros

haben also jeweils einen Teil des modernen

Passivhausprojekts geplant und tragen

so zu einem vielseitigen und lebendigen

Erscheinungsbild bei: Die neuen Gebäude

nehmen Typologien und Baufluchten der

Umgebung auf und ordnen sich in Materialität

und Maßstab in den städtischen

Kontext ein, wobei der fünfgeschossige

Blockrand arrondiert und eine Gasse

geschaffen wird, die an der Stelle erstmals

eine Querung für Fußgänger und Radfahrer

von der Heidestraße zur ca. 3 m höher

gelegenen Gronauer Straße ermöglicht.

Bei aller Individualität in der Formensprache

setzen die Architekten sehr hohe

qualitative und gestalterische Standards

um, die in gemeinsamen Workshops definiert,

in einer Gestaltungssatzung zusammengefasst

und als Ausgangspunkt für den

gesamten Planungsprozess genutzt wurden.

So wurde zum Beispiel großer Wert

auf eine deutliche Ablesbarkeit der einzelnen

Häuser gelegt, die in ihrer Maßstäblichkeit

der typischen Bornheimer Bebauung

entsprechen. Klare Gliederungen

der Fassaden mit steinernen Sockeln, verputzten

Fassadenflächen im Mittelteil und

zurückgesetzten, teilweise geneigten

Staffelgeschossen stellen eine zeitgemäße

Interpretation der gründerzeitlichen Entwurfsprinzipien

der umgebenden Bebauung

dar.

[Umrisse]


[Umrisse]

Wohnqualitäten

Alle Wohnungen besitzen einen eigenen

Balkon oder Garten, der sich zum begrünten,

ruhigen Hof orientiert, während

sie sich zum Stadtraum mit geschützten

Loggien öffnen. Den begrünten Freibereichen

kommt im urbanen Kontext eine

besondere Rolle in puncto Aufenthaltsqualität

zu. Daher wurden dienende Funktionen,

wie etwa Müll- und Fahrradabstellräume,

größtenteils in den Erdgeschossen

der Häuser organisiert, um die Außenflächen

freizuhalten und hochwertig überplanen

zu können. Durch Hecken separierte

private Gärten wechseln sich daher

ab mit halböffentlichen Zonen, auf denen

unter anderem ein Kinderspielplatz angeordnet

ist.

Erdgeschoß

© Stefan Forster Architekten/

AS&P Albert Speer & Partner GmbH/

Scheffler + Partner/

Hoechstetter und Partner

Auch bezüglich des Wohnkomforts, der

Nachhaltigkeit und der Energieeffizienz

wurden seitens der Bauherren und Planer

ambitionierte Ziele definiert: Sämtliche

Häuser erfüllen den Passivhausstandard,

garantieren einen minimalen Energieverbrauch

und somit geringe Nebenkosten für

die Mieter und Eigentümer. Sie verfügen

über eine Komfortlüftung mit hocheffizienter

Wärmerückgewinnung sowie über

raumweise regelbare Komfortheizkörper.

Dachgeschoß

© Stefan Forster Architekten/

AS&P Albert Speer & Partner GmbH/

Scheffler + Partner/

Hoechstetter und Partner

Regelgeschosse

© Stefan Forster Architekten/

AS&P Albert Speer & Partner GmbH/

Scheffler + Partner/

Hoechstetter und Partner

Die Raumhöhen betragen in den Aufenthaltsräumen

2,70 m, raumhohe Fenster

sorgen zudem für ein lichtdurchflutetes

Inneres, wobei außenliegende, elektrisch

betriebene Raffstores eine unangenehme

Aufwärmung im Sommer verhindern.

Bei der Definition der Wohntypenmischung

wurde seitens des Bauherrn großer Wert

auf einen heterogenen, innenstadtverträglichen

Zuschnitt gelegt – mit dem Resultat

von Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen,

die in Aufteilung und Größe (60–160 m²)

variieren und so für ein breites Bevölkerungsspektrum

attraktiv sind.

Mit dem im April 2008 realisierten »Campo

am Bornheimer Depot« ist also ein hochwertiges

Wohnquartier mit außergewöhnlichen

architektonischen Qualitäten inmitten

einer gewachsenen urbanen Struktur

entstanden.

[39


40]

Bebauung im Blockinnenbereich

© Julia Bergfeld/Scheffler + Partner

Heidestraße 149 und

Rendeler Straße 44–48

Vom Büro Scheffler + Partner stammen

die Häuser in der Heidestraße 149 und der

Rendeler Straße 44–48 mit der Bebauung

im Innenbereich der östlichen Blockhälfte.

Für die Straßenfassaden wurden die

Gestaltungselemente der Nachbarbebauung

übernommen: geklinkerte Sockelgeschosse,

eingeschnittene Loggien und

als oberer Abschluss ein zurückgesetztes

Staffelgeschoß. Die Giebelwand der ehemaligen

Reparaturhalle des alten Straßenbahndepots,

die seit langen Jahren zum

vertrauten Bild der unteren Rendeler

Straße gehört, wurde hier integriert.

Schnitt

© Scheffler + Partner

Ebenso entspricht die gewerbliche Nutzung

der Erdgeschosse mit einem kleinen

Café und einer Kindertagesstätte der

gewohnten Erscheinung des dichtbesiedelten

Stadtteils.

Die Grundrisse der fünf- bis sechsgeschossigen

Häuser sind hauptsächlich

als Zwei- und Dreispänner organisiert.

Zurückgesetztes

Staffelgeschoß

© Thomas Lison

Fassade an der

Rendeler Straße

© Thomas Lison

Das vorgeschlagene Wohnungsgemenge

deckt das gesamte Spektrum von zwei bis

zu fünf Zimmern ab, so dass sich auch in

der Struktur der Bewohner die Vielfalt

städtischer Lebensverhältnisse widerspiegeln

kann. Den zum Blockinnern orientierten

Räumen sind überdachte Balkone

als Freisitze vorgelagert, die erdgeschossigen

Wohnungen haben Mietergärten.

Alle Häuser sind in Passivhausbauweise

errichtet und zertifiziert worden. Ihre tragende

Konstruktion besteht aus Stahlbetondecken

und betonierten Querwänden.

Für die äußeren Längswände wurden

hochgedämmte Holzrahmenelemente

gewählt, deren Lasten geschoßweise

über die Decken abgeleitet werden; zur

Überdeckung der Fugen dient ein zusätzlich

aufgebrachtes Wärmedämmverbundsystem.

Die kontrollierte Lüftung ist mit

Vertikalwärmetauschern ausgerüstet, in

allen Räumen lässt sich über einen in das

Zuluftsystem integrierten Heizkörper die

Temperatur individuell regeln.

[Umrisse]


[Umrisse]

Heidestraße 141–147

Die vier von Stefan Forster Architekten

geplanten kubischen Gebäude liegen

gegenüber der filigranen denkmalgeschützten

Halle entlang einer neugeschaffenen

Gasse. Die Erdgeschoßebene mit

zurückgesetzten Hauseingängen und hellen

Gewerberäumen wird mit einem durchlaufenden

Klinkersockel hervorgehoben.

Mit zwei Wohnungen pro Geschoß ließen

sich hier attraktive Wohnflächen schaffen:

Neben den großzügigen Fensterflächen

öffnen sie mit geschützten Loggien zum

Stadtraum, während die rückseitigen

Balkone eine Verbindung zum begrünten,

ruhigen Hof bieten. Die ebenerdigen

Mietergärten und die im Dachgeschoß

angeordneten Terrassen sorgen für weitere

private Freiflächen.

Längsschnitt

© Stefan Forster Architekten

Rückseitige Balkone …

© Jean-Luc Valentin

Wohnhaus am (neuen) Quartiersplatz

© Jean-Luc Valentin

Verbindung zum begrünten Innenhof

© Jean-Luc Valentin

[41


42]

Gronauerstraße 4–8

Gronauerstraße 4–8 und Heidestraße 135–137: Schnitt

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH/Hoechstetter und Partner

Sämtliche Häuser erfüllen den Passivhausstandard

und sind barrierefrei zugänglich.

Das Energiekonzept garantiert einen minimalen

Primärenergieverbrauch und somit

extrem niedrige Nebenkosten: Der Heizenergiebedarf

beträgt nur 15 kW/m²a und

senkt den CO 2-Ausstoß auf ein absolutes

Minimum. Fassaden mit steinernen Sockeln,

verputzten Fassadenflächen und

zurückgesetzten, teilweise geneigten Staffelgeschossen

prägen das Erscheinungsbild,

wobei Balkone, Loggien und vertikale

Fensterelemente für eine individuelle und

abwechslungsreiche Gestaltung sorgen.

Ausbildung einer Gasse

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Gebäude an der Gronauerstraße

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Die zentrale Lage, flexible Grundrisse

und die zukunftsorientierte Passivhausbauweise

machen die Wohnungen in

gleicher Weise für Familien mit Kindern,

ältere Mitbürger und Singles attraktiv.

»Ecksituation«

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

[Umrisse]


[Umrisse]

Umnutzung des ehemaligen Straßenbahndepots

© Thomas Ott

Heidestraße 135–137

Das ehemalige Straßenbahndepot ist das

Herzstück des Quartiers. Die Aufgabe für

Hoechstetter und Partner bestand nun

darin, die über 100 Jahre alte Halle für die

Unterbringung eines Vollsortimenters

umzubauen. Dabei war es wichtig, die

historische Stahlkonstruktion und damit

den markthallenähnlichen Charakter

komplett zu erhalten. Vom Betreiber wurde

deshalb erwartet, dass neben einem

großen Obst- und Gemüsesortiment auch

eine Frischfleisch- und sogar eine Frischfischabteilung

vorgesehen werden.

Durch die Notwendigkeit der Demontage

der Stahlkonstruktion, um sie an anderer

Stelle zu sanieren, bot sich die Chance,

unter der Halle und dem Vorplatz eine

zweigeschossige Tiefgarage mit 194 Stellplätzen

zu errichten. Ihre untere Ebene

dient heute dem Anwohnerparken, die

obere hingegen als Kundenparkplatz,

über eine Rolltreppe verbunden mit der

darüberliegenden Handelsfläche.

Heidestraße 135–137:

vorher und nachher

© Thomas Ott/Hoechstetter und Partner

[43


44]

In enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde

wurde die historische

Stahlkonstruktion wiederhergestellt

und die Hallenfassaden in ihr originales

Erscheinungsbild zurückversetzt, wobei

die alten Toröffnungen an der Südseite

eine neue Glasfassade erhielten. Zwischen

der Halle, dem renovierten Verwaltungsgebäude

und der neuen Wohnbebauung

im Osten entstand zudem ein Quartiersplatz.

Dach und Außenwände der Halle sind jetzt

wärmegedämmt. Die ursprüngliche Außenwand

aus Stahlfachwerk mit Klinkerausfachung

wurde dazu als hinterlüftete

Vorsatz- vor die wärmegedämmte Innenschale

gesetzt, während im Fall des

ehemaligen Dienstgebäudes in der Heidestraße

137 die Sanierung anhand historischer

Aufnahmen erfolgte.

Sockel- und Erdgeschoß werden heute

als Kindertagesstätte genutzt, in den Obergeschossen

befinden sich großzügige

Wohneinheiten. Das ehemalige Sozialund

Toilettenhäuschen wurde abgebaut

und unter Verwendung originaler Bauteile

an der Südostecke des Grundstücks rekonstruiert,

danach eine Backstube mit

Café beherbergend.

Stefan Forster

Heutige Außenwand

© Thomas Ott

Wiederhergestellte Stahlkonstruktion

© Thomas Ott

Bauherren

ABG Frankfurt Holding GmbH,

Frankfurt am Main (Wohnungsbau)

Straßenbahn Depot Heidestraße GmbH & Co. KG,

Frankfurt am Main (Markthalle und Tiefgarage)

Architekten

Stefan Forster Architekten,

Frankfurt am Main (Heidestraße 141–147)

AS&P Albert Speer & Partner GmbH,

Frankfurt am Main (Gronauer Straße 4–8)

Scheffler + Partner Architekten BDA,

Frankfurt am Main (Rendelerstraße 44–48,

Heidestraße 149)

Hoechstetter und Partner Architekten BDA,

Darmstadt (Heidestraße 135–137)

Projektmanagement und Bauleitung

Urbane Projekte GmbH,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung und Brandschutz

bauart Konstruktions GmbH,

Lauterbach

Haustechnik

Ingenieurbüro Hausladen GmbH,

Kirchheim

Bodengutachten

Baugrundinstitut Franke-Meißner und Partner GmbH,

Wiesbaden-Delkenheim

Passivhausberatung

Passivhaus Dienstleistung GmbH,

Darmstadt

Vermessung

Vermessungsbüro Seeger und Kollegen,

Frankfurt am Main

Freiraumplanung

Freiraum X,

Frankfurt am Main

[Umrisse]


[Umrisse]

Studierendenwohnheim am Wiesenhüttenplatz

Umbau des ehemaligen Polizeireviers 4

Ursprüngliche Struktur

1972 wurde der siebengeschossige Stahlbetonskelettbau

für das Polizeirevier 4 im

Frankfurter Bahnhofsviertel errichtet –

eine funktionale Architektur mit Büroflächen

in fünf Obergeschossen für die

Beamten sowie einem Zellentrakt und

einer Garage für Mannschaftswagen im

Sockel. Mit dem Wandel des Bahnhofsviertels

wurde 2002 seine ursprüngliche

Funktion aber obsolet und das Gebäude

leer gezogen. Nachnutzer vor allem wegen

des individuellen Sockels fanden sich

keine, bis dem Studentenwerk Frankfurt

die Idee kam, die Immobilie aus dem Besitz

des Landes Hessen zu übernehmen und in

ein Studierendenwohnheim umzuwandeln.

So veranstaltete es 2008 ein Auswahlverfahren

unter fünf Architekturbüros, bei

dem der Entwurf des Büros Ferdinand Heide

ausgewählt wurde.

Baukörper mit variierenden Fensteröffnungen

© Frank Heinen/Architekturbüro Ferdinand Heide

Umnutzung als Chance

Der Entwurf sah in dem Umbau und der

Umnutzung des ehemaligen Polizeireviers

die große Chance, nicht nur in attraktiver,

zentraler Lage von Frankfurt ein neues

Studierendenwohnheim anzubieten, sondern

auch eine Möglichkeit, den schön

gestalteten Wiesenhüttenplatz kopfseitig

mit einem urbanen und architektonisch

hochwertigen Bauwerk abzuschließen.

Für die Konzeption der Außenhaut bedeutete

dieser Anspruch, dass die ausdruckslose

horizontale Bandfassade gegen eine

spannungsreiche Komposition unterschiedlicher

Elemente und Materialien

ersetzt wurde: Analog zur klassischen

Teilung und Vertikalität der im Bahnhofsviertel

und am Platz noch zahlreich vorhandenen

gründerzeitlichen Fassaden wird

Früheres Erscheinungsbild des Gebäudes

© Frank Heinen/Architekturbüro Ferdinand Heide Lageplan

© Architekturbüro Ferdinand Heide

[45


46]

Querschnitt

© Architekturbüro Ferdinand Heide

der Baukörper zunächst als massives Volumen

mit geschlossenen Wandflächen verstanden,

in den variierende Fensteröffnungen

geschnitten werden. An seiner Vorderfront

entsteht durch diese Einschnitte in

Form eines weit zurückgesetzten Eingangs

sowie in Form von tiefen Fenstern mit Holzlamellen

eine spannungsvolle und plastische

Gebäudehülle, die sich in ihrer Axialität

und vertikalen Betonung auf die Mitte

des Wiesenhüttenplatzes bezieht.

Gleichzeitig zeigt das Haus weiterhin

seinen konstruktiven Ursprung, denn das

kräftige Betonskelett, auf dem alle Decken

aufliegen, bleibt nach außen erhalten –

jedoch auf subtile Art und Weise: Im

Zurückgesetzter Eingang an der (heutigen) Vorderfront

© Frank Heinen/Architekturbüro Ferdinand Heide

Bereich des Eingangs und der Loggienfenster

werden die Stahlbetonstützen und

-unterzüge freigestellt. Die Wand erscheint

dabei als Bauteil, das einen dicken sichtbaren

»Mantel« trägt: ein Wärmedämmverbundsystem,

das die Kubatur in den

oberen Stockwerken vierseitig umschließt.

Im Erdgeschoß hingegen wird ein Sockel

aus einer Natursteinverkleidung realisiert,

der auch die Umfassungswand auf der

südlichen Grundstücksgrenze mit einbe-

Neue Grundrissorganisation: Erdgeschoß und Regelgeschoß

© Architekturbüro Ferdinand Heide

zieht. Die farbliche Gestaltung in Hell- und

Sandsteinrot der Putzflächen dient der

Gliederung des Baukörpers und der Ablesbarkeit

seiner unterschiedlich hohen

Volumina, die Farbigkeit und Materialität

des Natursteins (Basaltlava) orientieren

sich am Erscheinungsbild der am Wiesenhüttenplatz

anzutreffenden Altbauten.

Die seitlichen und rückwärtigen Fassaden

haben jeweils Fenster, die so proportioniert

sind, dass einerseits genügend Tageslicht

in die Appartements gelangt und andererseits

die Privatsphäre der Wohnungen

gewahrt bleibt. Bei der hier entwickelten

Lösung handelt es sich um eine energetisch

hocheffiziente, wärmegedämmte

Hülle, die die EnEV 2009 problemlos um

30 % unterschreitet. Selbstverständlich

wird auf den partiell freigestellten Betonstützen

ebenfalls eine neue Wärmedämmung

angeordnet, aber nicht mit Putz

überdeckt, sondern mit einer Zementspachtelung,

die dem Sichtbeton der

Innenstützen nahekommt.

[Umrisse]


[Umrisse]

Eigenständige Appartements in jedem Geschoß

© Frank Heinen/Architekturbüro Ferdinand Heide

Neue Grundrissorganisation

Die vorgeschlagene Grundrissorganisation

folgt der Idee, in jedem Geschoß eigenständige

Studentenappartements mit Bad,

Küchenzeile und einem gut möblierbaren

Wohnraum anzubieten. Die Größe des

Zimmers ist in der Regel so, dass neben

Bett und Schrank ein Ess- sowie ein

Schreibtisch Platz finden. Regale sind in

die durch die mächtige Konstruktion vorhandenen

Wandnischen eingelassen.

Pro Geschoß haben vier Wohnungen

außenliegende Bäder mit einem kleinen

Fenster, die restlichen vier Appartements

sind um einen zentralen Sanitärkern

gruppiert. Die Trennwände wurden je nach

statischer Erfordernis in Leichtbauweise

(Metallständerkonstuktion mit Gipskartonplatten)

oder massiv in 20,50 cm Kalksandstein

ausgeführt.

Die »zweigeschossigen« Loftappartements

im Erdgeschoß geben dem Haus eine

besondere Qualität und repräsentieren die

Transformation des hohen Sockels und

damit seine neue Funktion: Geschoßhoch

verglaste Einheiten, die zum Garten ausgerichtet

sind, nutzen mit einem Hochbett

und einem kleinen Stauraum über der

Küchenzeile die große Raumhöhe. Das

Primärtragwerk des Hauses, die Stützen,

die Decken und die Umfassungswände des

Aufzugs und der Treppenanlage bleiben

unverändert.

Wohnen auf zwei Ebenen im Sockel

© Frank Heinen/Architekturbüro Ferdinand Heide

Der Gemeinschaftsraum ist eine transparente,

offene Zone, die vom öffentlichen

Bereich bis zum rückwärtigen Garten

»durchgesteckt« ist. Mit dem Durchblick in

die Tiefe und in den Garten gewinnt nicht

nur die Eingangssituation an Attraktivität,

sondern wird den Bewohnern auch funktional

die Möglichkeit geschaffen, sich

gleichermaßen zur Straße, zum Platz oder

zum ruhigen Gartenhof zu orientieren. Das

Treppenhaus und der Aufzug, die konstruktiv

keine Eingriffe erfahren, können direkt

von der Straße über die Eingangsloggia

erschlossen werden. Der Garten, auf einer

vorhandenen Tiefgarage angeordnet, dient

zum studentischen Erholen, die angrenzende

gut ausgestattete Küche dem gemeinschaftlichen

Kochen.

Schlussbemerkung

Der Umbau des ehemaligen Polizeireviers

am Wiesenhüttenplatz in ein Studierendenwohnheim

ist ein wichtiger Baustein zur

Revitalisierung und Sanierung des Frankfurter

Bahnhofsviertels. Mit den 48 Appartements

ziehen in das zentrale Gründerzeitquartier

an einer mit der Gestaltung des

Wiesenhüttenplatzes bereits städtebaulich

aufgewerteten Stelle neue Urbanität und

Vitalität ein. Die Studierenden haben zwar,

je nach Studienfach, einen gewissen Weg

zu den Universitätsstandorten, die optimale

öffentliche Anbindung wie die Qualitäten

des nahen Mainufers und der Innenstadt

werden das 2010 fertiggestellte Haus aber

mit Sicherheit zu einem beliebten Wohnstandort

während des Studiums machen.

Ferdinand Heide

Bauherr

Studentenwerk Frankfurt am Main

Anstalt des öffentlichen Rechts

Architekt

Ferdinand Heide Architekt BDA,

Frankfurt am Main

Projektleiter:

Dipl.-Ing. Norman Berndt

Tragwerksplanung

Grontmij GmbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

Gaspar-Theil-Ingenieure GmbH,

Frankfurt am Main

[47


48]

Gebäudekomplex »Mainbow«

Gelungene Hommage an Martin Elsaesser

Standort mit Perspektive

Viele Menschen möchten gerne zentrumsnah

am Wasser wohnen. Ganz im Sinne

dieses Trends der Stadtentwicklung werden

in Frankfurt am Main seit Jahren

gewerblich genutzte Gebäude durch

attraktive Wohnbebauung ersetzt: sei es

im West- und Osthafen, auf dem Gelände

des ehemaligen Schlachthofs oder im

Bereich der Oskar-von-Miller-Straße.

Auch das einst industriell geprägte Ostend

hat sich in ein prosperierendes Viertel

verwandelt. Es gilt nun als attraktives

Wohnquartier, ist Standort namhafter

kreativer Unternehmen und punktet mit

einer abwechslungsreichen urbanen

Szene. Architektonisch ist es aber ebenfalls

interessant – nicht zuletzt durch die

Integration der ehemaligen Großmarkthalle

in ein neues Projekt, den künftigen Hauptsitz

der Europäischen Zentralbank, der zur

weiteren Belebung des Ostends beitragen

wird. In direkter Nachbarschaft ist auf

einer 3.820 m² umfassenden Grundstücks-

fläche ein sechs- bzw. siebenstöckiges

Wohn- und Geschäftshaus mit geschwungener

Silhouette entstanden. In das letzte

große Bauvorhaben des Viertels wurden

insgesamt 24 Millionen Euro investiert.

Aufgrund seiner besonderen Lage bietet

Straßenfront mit verglasten Loggien

© Nassauische Heimstätte/Thomas Koculak

Anordnung der Baukörper

© Nassauische Heimstätte/

Thomas Koculak

der im Juli 2010 fertiggestellte »Mainbow«

einen spektakulären Blick auf eine einladende

Parkanlage am Main und die

imposante Skyline der Metropole – eine

besonders ansprechende Möglichkeit,

innenstadtnah am Fluss zu wohnen.

[Umrisse]


[Umrisse]

Durchdachte Stadtarchitektur

Das Projekt basiert auf dem gemeinsamen

Konzept von NH ProjektStadt unter der

Leitung von Prof. Thomas Dilger, Geschäftsführer

der Unternehmensgruppe

Nassauische Heimstätte/Wohnstadt, und

dem Architekturbüro Dietz Joppien, die

2007 den Gestaltungs- und Investorenwettbewerb

der Stadt Frankfurt gewonnen

hatten.

Architektonisch ließen sich die beiden

Partner von der in unmittelbarer Nachbarschaft

gelegenen ehemaligen Großmarkthalle

inspirieren, die von Martin Elsaesser

entworfen und 1928 eingeweiht wurde.

Der seinerzeit größte Gebäudekomplex der

Stadt steht seit 1984 unter Denkmalschutz

und wurde 2004 geschlossen. Die Halle

wird derzeit in den Neubau des Hauptsitzes

der Europäischen Zentralbank integriert,

der Ende 2013 fertiggestellt werden

soll. Die Planer des »Mainbow« nahmen

nun verschiedene Charakteristika des traditionsreichen

Baus auf und interpretierten

diese auf moderne Weise – seien es

Gebäudeposition, Materialien oder auch

die Art der Fensteröffnungen. Besonders

offensichtlich kommt das durch die Verwendung

von Klinkern zum Ausdruck,

wobei Balkone und vollverglaste Loggien

für räumliche Tiefe sorgen: Die subtile

Kombination, Schichtung und Überlage-

Balkone als Gliederungselemente

© Nassauische Heimstätte/Thomas Koculak

Fassadenbild und Kontext

© Nassauische Heimstätte/Thomas Koculak

rung von wenigen Materialien und Elementen

bietet ein abwechslungsreiches

Fassadenbild. Entstanden ist so eine

Hommage an Elsaesser, die darüber hinaus

zwischen den in den letzten Jahren

errichteten Punkthäusern, dem gründerzeitlichen

Stadtgrundriss und den Marktgebäuden

aus den 1920er Jahren vermittelt.

»Die direkte Nachbarschaft zur EZB

und die Lage am Main machten dieses

Grundstück besonders reizvoll und stellten

an seine städtebauliche sowie architektonische

Gestaltung einen hohen Anspruch.

Gefordert war ein Baukörper, der

sich harmonisch in die vorhandene Stadtarchitektur

der Umgebung einfügt und ein

lebendiges sowie gestalterisch ansprechendes

Gegenüber zu seinem prominenten

Nachbarn bildet. Ich meine, das ist uns

gut gelungen«, resümiert Thomas Dilger.

Gebäudehülle aus Klinkern

© Nassauische Heimstätte/Thomas Koculak

[49


50]

Mix aus Wohnen und Gewerbe

Der gekrümmte Komplex besteht aus drei

Gebäuden, die auf einem Sockel angeordnet

sind. Das mittlere und »längste« ist

sechsgeschossig, während seine beiden

Flanken siebengeschossig konzipiert sind.

Die signifikanten baulichen Einschnitte und

die maßstäbliche Gliederung der Kubatur

tragen hier ebenso zur markanten Wirkung

der Architektur bei wie die deutlich ausgeprägten

Rücksprünge im Erdgeschoß.

Dort befinden sich fünf Gewerbeeinheiten

mit einer Gesamtfläche von ca. 925 m²,

die bereits an Einzelinvestoren verkauft

wurden. Aktuell sind etwa zwei Drittel der

Fläche belegt: Ein Blumenladen wurde

schon eröffnet, ein Büroausstatter hat eine

größere Einheit angemietet. Für die weiteren

Flächen werden derzeit konkrete Vermietungsgespräche

geführt.

Dünenlandschaft im Freiraum

© Nassauische Heimstätte/Thomas Koculak

Die oberen Stockwerke beherbergen insgesamt

48 Eigentumswohnungen mit einer

Nutzfläche von ca. 6.300 m², die über je

fünf front- und rückseitige Eingänge und

individuelle Aufzüge barrierefrei zugänglich

sind. Die Architekten berücksichtigten

die unterschiedlichen Bedürfnisse von

Singles, Paaren und Familien, indem sie

variantenreiche und großzügig gestaltete

Wohnflächen von ca. 70–177 m² schufen.

So sind 13 Zwei-Zimmer-, zehn Drei-Zimmer-

und 24 Vier-Zimmer-Wohnungen

sowie eine Maisonette-Wohnung mit fünf

Zimmern entstanden. Allen gemein ist die

gehobene Ausstattung, unter anderem

Video-Sprech-Anlagen, Eicheparkett und

»Tageslicht-Bäder« mit hochwertigen

Sanitäranlagen umfassend. Im Frühjahr

2011 wurden die letzten Eigentumswohnungen

verkauft.

Überzeugender Technikstandard

Auch in technischer Hinsicht lohnt ein

Blick auf den »Mainbow«: Der Massivbau

ist eine Mischkonstruktion aus Stahlbeton

und einem Mauerwerk aus Kalksandstein.

Sowohl das Untergeschoß als auch die

Tiefgarage mit 68 Pkw-Stellplätzen wurden

aus wasserundurchlässigem Stahlbeton

hergestellt. Letztere ist im Sinne des

Brandschutzes als geschlossene, unterirdische

Großgarage mit natürlicher

Lüftung konzipiert.

Dem Zeitgeist folgend, legten die Planer

besonderen Wert auf eine hohe Energieeffizienz.

Das Gebäude erfüllt daher die

Anforderungen eines KfW-40-Hauses

(Berechnungsgrundlage: EnEV 2002). Die

Fassade besteht überwiegend aus einer

zweischaligen Außenwandstruktur mit

Kerndämmung und Klinkermauerwerk

sowie zum Teil einem wärmedämmenden

Verbundsystem. Für einen klaren Ausblick

sorgen dabei hochwärmegedämmte Holz-

Aluminium-Fenster mit Fensterfalzlüftung,

geheizt wird umweltfreundlich mit Fernwärme.

Alle Wohnräume, Bäder und

Gästetoiletten verfügen über eine Fußbodenheizung

mit Einzelraumregelung,

die Badezimmer und Toiletten zudem über

Kleinraum-Abluftgeräte mit einer Grundlüftung.

Eine höhere Bedarfslüftung nach

individuellem Wohlbefinden lässt sich

jedoch über die Lichtschalter regeln, und

die Zuluft kann über Türunterschnitte und

die Fensterfalzlüfter nachströmen.

[Umrisse]


[Umrisse]

»Durchblick«

© Nassauische Heimstätte/Thomas Koculak

Außenraum als mediterrane Oase

Aber nicht nur auf ansprechender Architektur

und zeitgemäßer Technik lag der

Fokus, auch die Außenbereiche überzeugen

durch eine ungewöhnliche Konzeption.

Und so lädt hier eine offene Grünfläche in

Gestalt einer Dünenlandschaft mit Terrassen,

Gräsern und Bambus-Hainen, Liegen,

Schirmen und Spielnestern zum Verweilen

ein.

Die Landschaftsarchitektinnen nutzten

geschickt die Höhenlage des Daches der

Tiefgarage und schufen eine flache Düne

mit leichten Modellierungen. Die Höhenstaffelung

der Pflanzung unterstreicht dieses

Relief: Zwischen niedrigen Gehölzen

und Solitären wachsen in regelmäßigen

Abschnitten Grasfelder. Immergrüne Pflanzenskulpturen

werden von Formgehölzen

überragt – wie etwa der schirmförmigen

Felsenbirne, die durch ihre Blühphasen

den Wechsel der Jahreszeiten veranschaulicht.

Das ganze Arrangement wirkt

wie eine Oase und bietet den Bewohnern

einen zusätzlichen Freizeitwert.

Jens Duffner

Unternehmensgruppe

Nassauische Heimstätte/Wohnstadt,

Frankfurt am Main

Bauherr

Unternehmensgruppe

Nassauische Heimstätte/Wohnstadt,

Frankfurt am Main

Architekten

Dietz Joppien Architekten AG,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung

GIP Innovative Planung,

Bochum

Ingenieurbüro Wehmeyer,

Bückeburg

Dipl.-Ing. Jörg van Kann,

Frankfurt am Main

Gebäudetechnik

Ingenieurbüro Hausladen GmbH,

Kirchheim

Elektroplanung

Ingenieurbüro Marcus Erhard,

Gilching

Landschaftsarchitekten

Büro Rose Fisch,

Berlin

SiGeKo

Matthias Mark,

Darmstadt

Quellendes Kraftpaket

Die hochwertige Polymer-Quellpaste

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Polymere entwickelt und dehnt sich bei

Kontakt mit Wasser aus. Die Paste reguliert

Unebenheiten aus und stellt einen

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und Abdichtungsband oder Anschluss-

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so verarbeiten wie über Kopf. Die Anhaftung

ist auf mattfeuchtem Untergrund

ähnlich gut wie auf trockenem.

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zuverlässig und sicher:


��verfügt über eine hohe Standfestigkeit

und ist schnell aushärtend

��lösemittel-, isocyanat-, PVC-, phtalat-,

silikonfrei, neutraler Geruch

��Dichte: 1,4 g/cm³

��Shorehärte (Shore A): Shore A 25

��E-Modul: 0,54 N/mm²

��Reißfestigkeit: 0,9 N/mm²

��E-Modul (Reiß): 344 %

��Temperaturbeständigkeit:

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52]

Campus Bockenheim

Neubebauung mit Wohngebäuden

Gesamtprojekt

Der »Kulturcampus Bockenheim« gewinnt

Gestalt: Nachdem Pläne für eine Büronutzung

gescheitert sind, hat die Stadt

Frankfurt am Main auf Wohnungsbau

umgesattelt. Im Dezember 2010 wurden

die Siegerentwürfe für die Neubebauung

auf dem ehemaligen Gelände des Campus

Bockenheim gekürt. Die 200 Miet- und

Eigentumswohnungen werden nach Entwürfen

von Jens Happ, Stefan Forster

und Karl Dudler errichtet.

Im Rahmen eines anonymen Gutachterverfahrens

hatten neun Architekturbüros

Vorschläge für die Gestaltung der Wohngebäude

und Einzelhandelsflächen auf

dem derzeit als Parkplatz genutzten Areal

eingereicht. Insgesamt 27.800 m² Bruttogeschoßfläche

will man hier im Passivhausstandard

realisieren. Bei der Ausschreibung

wurde daher besonderer Wert

auf Aspekte der Nachhaltigkeit und Energieeffizienz

gelegt. Eine weitere Vorgabe

war, dass sich die Architektur harmonisch

ins nähere Umfeld einfügt. Auch sollen die

Typologien der gründerzeitlichen Bebauung

in der Sophienstraße aufgenommen

und die Fassaden so gegliedert werden,

dass eine Vielzahl von Einzelhäusern

erkennbar ist.

Grundriss Regelgeschoß

© happarchitecture/Stefan Forster Architekten/Karl Dudler Architekten

Aus den Einsendungen hat die Jury dann

drei Siegerarbeiten ausgewählt. Der erste

Platz ging an das Büro von Jens Happ, der

eine zum Bockenheimer Depot hin abgerundete

Gebäudeecke anregt, wobei vor

Lageplan

© happarchitecture/

Stefan Forster Architekten/

Karl Dudler Architekten

allem die vorgesehene Arkadenausbildung

positiv gewürdigt wurde. Den zweiten

Rang belegte das Konzept von Stefan

Forster, das ebenfalls durch eine gerundete,

allerdings mit langgezogenen

Balkonen versehene Eckausbildung zum

Carlo-Schmid-Platz sowie durch den

einladenden Eingang zum ebenerdig

angeordneten Supermarkt und die hohe

Qualität der Wohnungen überzeugte.

Max Dudlers Entwurf wurde nicht zuletzt

wegen seiner ausdrucksstarken, an den

Klassizismus angelehnten Fassadengestaltung

ausgezeichnet. Da alle drei

Vorschläge besondere Stärken, aber

auch Schwächen hätten, sprach sich

die Jury dafür aus, die Preisträger mit

der Entwicklung eines gemeinsamen

Gesamtkonzepts zu beauftragen.

[Umrisse]


[Umrisse]

Perspektive: Arkade zur Straße

© happarchitecture

Häuser 1–4

Die Architektur der Neubauten folgt dem

Gestaltkanon einer städtischen Architektur

mit Merkmalen, wie sie auch in der

Nachbarschaft des Quartiers vorkommen:

klassische Dreiteilung des Volumens,

klare Lochfassaden, sorgfältig bearbeitete

Hauseingänge, gliedernde Lisenen und

Gesimse, ruhiger Dachabschluss.

Unter der turmartig gerundeten Ecke

befinden sich der Eingang zum Supermarkt

und der öffentliche Zugang zur Tiefgarage.

Letzterer markiert den »Auftakt

zur Arkade«, die nach Osten führt und

am Durchgang zum Innenhof endet. Das

Erscheinungsbild der Baukörper wird

geprägt durch die gediegene Qualität

weniger, aber hochwertiger Materialien.

Die Farbgebung im Äußeren ist zurückhaltend:

Die helle Putzfassade kontrastiert

mit den hell angestrichenen Holzfenstern

und dem Klinkersockel.

Blockstruktur mit Ausrundung

© Stefan Forster Architekten

Turmartiges Eckgebäude

© happarchitecture

Die überwiegend durchgesteckten Grundrisse

sind als Konstruktionsprinzip des

typischen Zweispänner-Wohnhauses

organisiert.

Häuser 5–7

Die Blockstruktur wird durch eine dynamische,

gerundete Eckausbildung zum

Carlo-Schmid-Platz sowie durch eine

Untergliederung in ablesbare Hauseinheiten

mit einer in drei Höhen gestaffelten

Architektur dominiert. Sockel, Schaft und

Kapitellbereiche sind deutlich ablesbar,

die Materialien des Sockels entsprechen

dem Klinker des Depots, die restlichen

Bereiche erhalten ein mit hellem Putz

gestaltetes Wärmedämmverbundsystem.

[53


54]

Wohnbebauung und Bockenheimer Depot

© Stefan Forster Architekten

Umlaufende Loggia im Hofbereich

© Stefan Forster Architekten

Um auf die differenzierten Anforderungen

des Wohnungsmarktes zu reagieren, werden

analog zum Konzept der variierenden

Häuser verschiedene Grundrisstypologien

angeboten. Alle Wohnungen haben zwei

private Freibereiche, wobei die hofseitige,

umlaufende Loggia von sämtlichen angrenzenden

Zimmern aus betretbar ist. Durch

die zentrale Erschließung in der Mittelzone

sind unterschiedliche Wohnungstypen

möglich: Dielen-, Flur- und Zentralraumtyp.

Es wird größter Wert auf eine maximale

Flexibilität der Grundrisse gelegt und daher

fast gänzlich auf tragende Innenwände

verzichtet.

Häuser 8–12

Die architektonische Strategie, die hier

entfaltet wird, soll zeitgemäß, aber unaufgeregt,

modern und dabei in Bezug auf die

in der Umgebung vorhandenen Gründerzeithäuser

kontextuell im typologischen

Sinne wirken.

Orientierung am Kontext

© Karl Dudler Architekten

Das Prinzip der zum Teil gründerzeitlichen

Fassaden im näheren Umfeld wird »transformiert«

in die Gegenwart. Mit einer subtilen

Abstraktion können neue Elemente,

die ein architektonisches Konzept ausmachen,

in eine beziehungsreiche Ordnung

zueinander gebracht werden. Die

Bedeutung und Betonung einer körperlich

klar artikulierten Erscheinung der Gebäude

sind auch das architektonische Ziel dieser

[Umrisse]


[Umrisse]

Arbeit. Das Prinzip der Klarheit und Eleganz

wird durch das Spiel von Wand mit

Öffnungen, kleinen Rücksprüngen und

Einschnitten, der Gestaltung von Sockel

(natursteinähnliche feine Architekturbetonteile

mit Strukturmatrize und leicht

sandgestrahlt) und Mittelteil (Wärmedämmverbundsystem)

sowie Linienführung

(Gesimse, Fensterbänke, Geländer) und

Textur des Materials bestimmt.

Gliederung von Baukörper und Fassaden

© Karl Dudler Architekten

Im Hinblick auf die Passivhausstandards

werden die Baukörper so kompakt wie

möglich ausgeführt. Die privaten Außenbereiche

unterscheiden sich gemäß ihrer

Lage im städtischen Kontext: Balkone

erhalten die Wohnungen zum Innenhof,

Loggien die an Straßen und öffentlichen

Gassen und Plätzen. Die Typologie der

Grundrisse setzt sich auseinander mit den

Bedürfnissen eines modernen, familiengerechten

Wohnens in unseren urbanen

Stadtzentren. Alle Wohnungen sind unterteilt

in einen »öffentlichen« Bereich mit

Küche, Essen und Wohnen, weitestgehend

getrennt vom »privaten« Bereich mit den

Schlafzimmern und Bädern.

Realisierung

Der Baubeginn ist für das vierte Quartal

2011 geplant. Bei dem Projekt mit einem

Investitionsvolumen von rund 81 Millionen

Euro entstehen ca. 130 Miet- und 70 Eigentumswohnungen,

zudem sind großflächiger

Einzelhandel auf ca. 4.350 m² und zwei

Tiefgaragenebenen mit ca. 300 Stellplätzen

vorgesehen.

Das Land Hessen und die Stadt wollen

darüber hinaus auf dem früheren Gelände

der Goethe-Universität einen »Kultur-

Campus« realisieren mit Institutionen wie

unter anderem der Hochschule für Musik

und Darstellende Kunst sowie Wohnungen

und Gewerbe.

Stefan Forster

Karl Dudler

Jens Happ

Bauherren

ABG Frankfurt Holding GmbH,

Frankfurt am Main (Mietwohnungen)

CP Campus Projekte GmbH,

Frankfurt am Main (Eigentumswohnungen)

Architekten

happarchitecture,

Frankfurt am Main (Häuser 1–4)

Stefan Forster Architekten,

Frankfurt am Main (Häuser 5–7)

Karl Dudler Architekten,

Frankfurt am Main (Häuser 8–12)

FAAG Technik GmbH,

Frankfurt am Main (Tiefgarage)

Projektmanagement

Urbane Projekte GmbH,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung und Haustechnik

Seidl + Partner Gesamtplanungs GmbH,

Regensburg

Passivhausplanung und Bauakustik

EGS-plan Ingenieurgesellschaft mbH,

Stuttgart

Brandschutz

Bureau Veritas Construction Service GmbH,

Frankfurt am Main

Vermessung

Dipl.-Ing. M. Rösche, Dipl.-Ing. M. Stief,

Offenbach am Main

Freiflächenplanung

Hanke, Kappes + Kollegen GmbH,

Sulzbach

[55


56]

Lage

Perspektive von der Straße

© raumwerk

Helenenhöfe im Europaviertel

Neubau von vier Wohnblöcken

In Sichtweite des Messeparkhauses und

der Kuhwaldsiedlung entsteht auf einem

dreieckigen Gelände im westlichen Teil

des Europaviertels ein neues Quartier mit

450 Wohnungen. Der Entwurf basiert auf

dem Wettbewerbsergebnis »Helenenhöfe«

und einer Überarbeitung des ursprünglichen

Bebauungsplanes.

Unter Berücksichtigung der Anforderungen

für einen attraktiven Wohnungsbau

wurden sowohl die städtebaulichen Strukturen

neu organisiert als auch die Architektur

der einzelnen Gebäude formuliert.

Die Helenenhöfe werden 370 öffentlich

geförderte Wohnungen für Familien, Senioren

und alleinstehende Personen umfassen,

darüber hinaus sind 50 Eigentumswohnungen

sowie 30 Wohneinheiten aus

dem sogenannten Frankfurter Programm

geplant. Die Realisierung wird voraussichtlich

ab Juli 2011 erfolgen.

Entwurfskonzeption

Grundgedanke des städtebaulichen Entwurfes

sind die Bildung von klaren Raumkanten

und eine Differenzierung zwischen

öffentlichen, halböffentlichen und privaten

Bereichen. Die Wohnanlage zitiert dabei

gründerzeitliche Strukturen und beinhaltet

in Quartiersmitte zwei zentrale Blockränder,

in denen sich der überwiegende

Teil der geförderten Wohnungen befindet.

Die Blöcke gliedern den öffentlichen

Straßenraum und schützen gleichzeitig

die Höfe im Inneren. Im Norden und

Westen schließen zwei Baufelder an,

die eine Zeilen- und U-förmige Bebauung

aufweisen; das nördliche ist für Eigentumswohnungen

und das Mittelstandsprogramm

vorgesehen. Es entstehen hier insgesamt

vier Hofsituationen, die durch eine unterschiedliche

Freiraumgestaltung geprägt

werden. So sind das Thema im westlichen

Eichenkarree »Spiel und Bewegung« und

in den östlichen Weidengärten »Ruhe und

Entspannung«. An gezielt positionierten

Stellen werden die Blockränder aufgebrochen,

um eine Durchwegung zu den

benachbarten Höfen zu ermöglichen und

gleichzeitig die Fläche der nach Süden

ausgerichteten Wohnungen zu vergrößern.

Intention ist es, durch die Vernetzung

der Höfe eine soziale Durchmischung zu

erreichen und die Lebendigkeit des Stadtteils

zu erhöhen.

[Umrisse]


[Umrisse]

Erscheinungsbild mit Innenhof

© raumwerk

Zwischen beiden Blöcken verläuft eine

Fußgängerpassage mit zentral situierten

Gemeinschaftszonen und einem Seniorencafé.

Während die Hauseingänge aufgrund

der Zuordnung und Adressbildung zu den

Straßenseiten liegen, verteilen sich die

privateren Gärten der Erdgeschoßwohnungen

und die halböffentlichen, quartiersbezogenen

Freiräume im Hofinnenbereich.

Vier Wohnblöcke:

Baukörperschnitte

© raumwerk

Die einzelnen Gebäude sind übersichtlich

und nutzerfreundlich konzipiert, die Seniorenwohnungen

bieten zum Beispiel eine

Ost-West-Ausrichtung und setzen sich

innerhalb der Blockstruktur als eigenständig

erkennbare Baukörper ab. Die

geförderten Wohnungen definieren den

Rahmen der gesamten Anlage und sind

von Norden nach Süden orientiert:

Während die Wohnräume und Balkone

nach Süden zeigen, sind Schlafzimmer,

Küche und Bad an der Nordseite positioniert.

Je Treppenaufgang werden

12–15 Wohnungen realisiert, bei jeweils

drei Wohnungen pro Geschoß. Ihre Größen

variieren von Einpersonenhaushalten

bis zur vierköpfigen Familie sowie von

45–110 m² Fläche. Die Grundrisse sind

wohlproportioniert und flexibel nutzbar,

sämtliche Wohnungen verfügen entweder

über Terrasse, Balkon oder Loggia.

[57


58]

Ansicht von Süden

© raumwerk

Materialität

Die Ausrichtung und Materialität der

einzelnen Häuser orientieren sich an dem

Grundkonzept des städtebaulichen Entwurfes.

Durch die Rücksprünge der Dachgeschosse

lässt sich sowohl die Ausrichtung

der Gebäude ablesen als auch das

Grundrisse Erd- bis Dachgeschoß

© raumwerk

Ansicht von Osten

© raumwerk

Volumen der vier- bis fünfgeschossigen

Baukörper aufbrechen. Besonderes

Augenmerk liegt auf der Anordnung der

Balkone, die klar gesetzten Loggien sorgen

zudem für eine offene Ecke und schaffen

eine subtile Plastizität des Bauwerks.

Die jeweiligen Fassaden sind entsprechend

den Achsen und der Nutzung gestaltet:

Die Hauptfassaden der Nord- und Südseite

erhalten eine hochwertige und kraftvolle

Kohlebrand-Ziegel-Hülle. Dieses sehr

markante Material wird durch die einheitlichen

Fenster- und Loggienformate sowie

durch horizontal verlaufende Bänder

harmonisch gegliedert. Stehende Fensterformate

mit farblich abgesetzten Einfassungen

geben der Wohnanlage eine hochwertige

Anmutung. Die beiden Ost- und

Westseiten zeichnen sich durch einen einheitlichen

Klinkersockel und die darüberliegenden

hellen Putzflächen aus.

Die Wahl des Materials folgt konsequent

der Anordnung unterschiedlicher Nutzungen:

Während die verklinkerten

Gebäudeteile die geförderten Familienund

Singlewohnungen beherbergen,

sind in den hellen, verputzten Häusern

die Seniorenwohnungen untergebracht.

Jon Prengel

Architekt und Stadtplaner

Geschäftsführer

raumwerk,

Frankfurt am Main

Bauherr

Sahle Baubetreuungsgesellschaft mbH,

Greven

Architekten

raumwerk Gesellschaft für Architektur

und Stadtplanung mbH,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung und Bauphysik

Lenz Weber Ingenieure GmbH,

Frankfurt am Main

Brandschutz

Hilla Sachverständigenbüro

für vorbeugenden Brandschutz,

Frankfurt am Main

Außenanlagen

Landschaftsarchitektur und Ökologie

Dipl.-Ing. Angela Jezzenberger,

Darmstadt

[Umrisse]


[Umrisse]

Der Stadtbezirk

Riedberg ist ein neuer Stadtbezirk im Nordwesten

von Frankfurt, der auf ehemaligen

Landwirtschaftsflächen in der Gemarkung

Kalbach entsteht. Er grenzt im Süden an

das Mertonviertel und liegt ca. 8 km Luftlinie

vom Stadtzentrum entfernt. Seine Entwicklung

geht auf Planungen der 1990er

Jahre zurück, erste Realisierungen stammen

aus der Zeit der Jahrtausendwende,

die Fertigstellung wird für das Jahr 2017

prognostiziert. Insgesamt beträgt seine

Fläche 266 ha, wovon 78 ha als Nettobauland

ausgewiesen sind.

Nach der Fertigstellung sollen hier ca.

15.000 Einwohner in 6.000 Wohneinheiten

leben, 8.000 Studenten an den bereits

größtenteils verwirklichten Instituten der

Johann Wolfgang von Goethe Universität

studieren und 3.000 Berufstätige ihrer

Arbeit nachgehen.

Der Riedberg ist unterteilt in insgesamt

sieben Quartiere. Im flächenmäßig größten,

dem Quartier Mitte, errichtet die

ABG Frankfurt Holding mit einer Bruttogeschoßfläche

von ca. 28.000 m² derzeit

Europas größtes Passivhaus-Geschoßwohnungsbauprojekt.

Im Rahmen eines

Gutachterverfahrens im Jahr 2008 wurden

Albert Speer & Partner als Architekten für

die Planung von insgesamt zehn Gebäuden

mit 230 Wohnungen ausgewählt.

Wohnen am Riedberg

Konzept für das »Quartier Mitte«

Schwarzplan

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Zahlen, Daten, Fakten

© HA Stadtentwicklungsgesellschaft mbH

Das Grundstück

Das Grundstück umfasst ca. 16.000 m² und

liegt in erster Reihe an der Riedbergallee.

Es wird vierseitig von Straßen erschlossen.

Im Westen trennt eine streifenförmige

Parkanlage das Quartier Mitte vom zukünftig

deutlich dünner besiedelten

»Niederurseler Hang«.

Städtebaulicher Entwurf

Unser städtebauliches Konzept sieht vor,

nach Norden, Osten und Süden einen

klar definierten Blockrand auszubilden,

während nach Westen, zum Park, eine

offenere Struktur mit Einzelhäusern

geplant ist. Die Einzelhäuser werden in

regelmäßigen Abständen in das Blockinnere

fortgesetzt und transportieren so

die Qualitäten des Parks in das Quartier

hinein. Großer Wert wurde auf eine homogene

Dichte im Innenbereich gelegt, die

ausreichend Raum für attraktive private

und halböffentliche Freiflächen lässt. Die

Tiefgarage wurde so angeordnet, dass

größere zusammenhängende Gartenanteile

mit Erdanschluss entstehen.

[59


60]

Passivhausstandard

Die Orientierung des Grundstücks hat

als Konsequenz, dass die Baukörper der

städtebaulichen Figur zum Teil einer Nord-

Süd- und zum Teil einer Ost-West-Ausrichtung

folgen. Da sich in diesem Kontext die

optimale energetische Ausrichtung nicht

für sämtliche Bauteile realisieren lässt,

wurde darauf geachtet, dass die Struktur

den Passivhausstandard für alle Einzelgebäude

mit einem wirtschaftlich vertretbaren

Aufwand zu verwirklichen ermöglicht.

Während einige Häuser bezüglich

der Ausrichtung geradezu optimal für den

Passivhausstandard geeignet sind, wurde

bei anderen darauf geachtet, dass bei

kompaktem Volumen und guten A/V-Verhältnissen

die Südfassaden unverschattet

bleiben, da diese im Gegensatz zu den

Nord-, West- und Ostseiten eine positive

Energiebilanz aufweisen. Des Weiteren

wurden die Nordostecken der Blockrandbebauung

in einzelne Baukörper aufgelöst,

um ihre optimale Besonnung zu gewährleisten.

Lageplan

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Um bei einer städtebaulichen Dichte mit

GFZ = 1,50 die Eigenverschattung insgesamt

zu minimieren, wurde bei den Gebäuden

im Innenbereich auf das Hochparterre

verzichtet, so dass sie ca. 1 m niedriger

sind als der Blockrand.

Baukörper und Grundrisse

Die Bebauung wird aus unterschiedlichen

Gebäudetypen gebildet. Ihre Tiefe beträgt

durchgehend 14 m, wodurch eine optimale

Kompaktheit gewährleistet wird. Der

Blockrand besteht aus ca. 50 m langen

Riegeln, die in Form von Zweispännern in

einzelne Häuser unterteilt werden, während

die zum Park orientierten Gebäude

ca. 25 m lang und als Dreispänner organisiert

werden. Sämtliche Baukörper verfügen

über vier Vollgeschosse zuzüglich

eines Staffelgeschosses. Die Freisitze der

Wohneinheiten werden zum öffentlichen

Raum hin als Loggien ausgeführt, im Innenbereich

kommen hingegen vorgestellte

Balkone zur Anwendung.

Da die Wohnungen im Besitz der ABG

Frankfurt Holding verbleiben, stand bei

der Grundrissgestaltung ihre nachhaltige

Vermietbarkeit im Vordergrund. Aus diesem

Grund wurden Lösungen gewählt, die

klaren Flur- oder Dielentypen zuzuordnen

sind; offene Konfigurationen finden sich

allenfalls in den Penthousegeschossen.

Die Zonierung folgt hier generell der

Philosophie, dem Privaten gegenüber dem

Öffentlichen den Vorrang zu gewähren.

Die Privaträume sind daher vor den öffentlichen

Wohnräumen angeordnet, so dass

es immer möglich ist, aus ihnen die Wohnung

zu betreten oder zu verlassen, ohne

die eigentlichen Wohnbereiche zu tangieren.

Ein positiver Nebeneffekt dieser

Anordnung ist, dass jede Einheit insgesamt

größer erscheint, wenn man sie über eine

Diele oder einen Flur erreicht.

Um der sozialen und demographischen

Entwicklung Rechnung zu tragen, werden

ca. 90 der 230 Wohneinheiten nach dem

Frankfurter Förderprogramm für »Familienund

Seniorengerechten Mietwohnungsbau«

errichtet.

Fünf- und Drei-Zimmer-Wohnung

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Die Fassaden

Ein zentrales Ziel war, von Beginn an ein

abwechslungsreiches Viertel mit unterschiedlichen

architektonischen Ansätzen

zu schaffen. In den Fassaden der zehn

Gebäude kommen daher drei Konzepte

zum Tragen, welche bei aller Unterschiedlichkeit

doch genügend Gemeinsamkeiten

aufweisen, um dem Quartier einen gestalterischen

Zusammenhalt zu verleihen.

Während die Häuser zur Riedbergallee

durch stehende Fensterformate, gestapelte

Loggienanlagen und rhythmische

Versprünge in den Staffelgeschossen eine

vertikale Gliederung erhalten, werden

die Blockränder im Norden und Osten

horizontal strukturiert: mit verspringenden

Putzbändern unterschiedlicher Körnung,

die riegelartige Baukörperform betonend.

Den Solitären im Westen und Blockinneren

wird hingegen durch großzügig

auskragende Eckloggien und raumhohe

Verglasungen ein villenhafter Charakter

verliehen. Alle Dachflächen werden zudem

als fünfte Fassade behandelt und

begrünt.

[Umrisse]


[Umrisse]

Erscheinungsbild der Gebäude

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Der Außenraum

Das Freiraumkonzept sieht eine Differenzierung

in private und halböffentliche

Bereiche vor. Während den Erdgeschoßwohnungen

sämtlicher Baukörper großzügige

private Gartenanteile zugeordnet

werden, erhält der übrige Außenraum

durch Rasenflächen, Baumpflanzungen

und Gartenwohnwege einen parkähnlichen

Charakter. Die hohe Erdüberdeckung der

Tiefgarage von 0,80–1,10 m erlaubt hier die

Anpflanzung großkroniger Bäume.

Differenzierung im Freiraumkonzept

© AS&P Albert Speer & Partner GmbH

Orientiert an dem Leitbild italienischer

Renaissancegärten ist die Aufnahme einer

klaren Grundstruktur und linearen Wegeführung,

sogenannter Gartenpromenaden

und einer individuellen Gestaltung einzelner

Freiräume die Grundidee des Entwurfs.

Durch die versetzte Anordnung der Bauteile

im Blockinnenbereich ergeben sich

zudem zwei begrünte Platzsituationen, die

als attraktive Aufenthaltszonen mit Kinderspielplätzen

für unterschiedliche Altersgruppen

realisiert werden.

Mit dem bis 2013 fertiggestellten Projekt

entwickelt sich auf dem Riedberg ein

urbanes Quartier, welches aufgrund der

vorausschauenden Konzepte für bezahlbaren

Mietwohnungsbau insbesondere

für Familien und Senioren, für hohe Aufenthaltsqualitäten

innerhalb und außerhalb

der Häuser und für eine quasi energiepreisunabhängige

Versorgung mit Wärme

durch den Passivhausstandard einen langfristig

attraktiven und nachhaltigen Wohnstandort

garantiert.

Dipl.-Ing. (FH) Architekt Martin Teigeler

AS&P Albert Speer & Partner GmbH,

Frankfurt am Main

Bauherr

ABG Frankfurt Holding Wohnungsbau- und

Beteiligungsgesellschaft mbH,

Frankfurt am Main

Entwurf

AS&P Albert Speer & Partner GmbH,

Frankfurt am Main

[61


62]

Einleitung

Das Sanierungskonzept für die Heinrich-

Lübke-Siedlung soll, so die zentrale Aufgabenstellung

des Wettbewerbs, ganzheitliche

und nachhaltige Ansätze und

Herangehensweisen für den vorbildlichen

Umgang mit Großsiedlungen der 1970er

Jahre aufzeigen.

Sowohl unter ökonomischen als auch

ökologischen Gesichtspunkten spielt die

vorhandene Bausubstanz hierbei eine

besondere Rolle: Der Bestand ist wertvoll,

er wurde unter hohem Energieeinsatz

erstellt und ist erst ca. 40–50 Jahre alt.

Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit sollte

sein Abriss daher auf ein notwendiges

Minimum beschränkt werden. Das Konzept

von AS&P beruht nun auf einer Neuordnung

mit minimalinvasiven Eingriffen,

die, verbunden mit Arrondierungen und

Nachverdichtungen, die Heinrich-Lübke-

Siedlung in ein zeitgemäßes Stadtquartier

transformieren.

Schwarzplan und

Luftbild des Bestands

© AS&P Albert Speer und Partner GmbH

Begleitend wurde ein ganzheitliches Gebäude-

und Energiekonzept mit dem Ziel

entwickelt, ihren CO 2-Ausstoß auf ein

unter ökonomischen und ökologischen

Kriterien optimales Minimum zu reduzieren.

Bestandsanalyse

Die Heinrich-Lübke-Siedlung ist eine

monostrukturelle Großsiedlung aus der

Epoche »Urbanität durch Dichte«. Wie

zahlreiche dieser Siedlungen weist sie

diverse Defizite auf, die einem qualitätsvollen

Wohnen entgegenstehen und eine

geregelte Bewirtschaftung erschweren.

Exemplarisch seien hier eine mangelhafte

bauliche und soziale Infrastruktur,

unattraktive Freibereiche, Angsträume

sowie eine alte und energetisch mangelhafte

Bausubstanz genannt.

Nach sorgfältiger Analyse des Bestandes

wurden folgende Maßnahmen identifiziert,

welche im Rahmen einer nachhaltigen

Sanierung notwendig zur Erreichung der

Zielsetzung sind.

Dies sind insbesondere:

– Neuordnung der übergeordneten

Erschließung und Einbindung in die

Stadt,

– Neustrukturierung der Höfe,

– Nachverdichtung,

– Neukonzeption des ruhenden Verkehrs,

– neue energetische Konzeption,

– neue soziokulturelle Konzeption.

Heinrich-Lübke-Siedlung

Eine nachhaltige Quartierssanierung

Konzept

Neuordnung der übergeordneten Erschließung

und Einbindung in die Stadt:

Die Heinrich-Lübke-Siedlung liegt ca. 3 m

unterhalb der Ludwig-Landmann-Straße

und ist lediglich im südlichen Bereich

über eine Einfahrt an das Straßennetz

der Stadt angeschlossen. Eine fußläufige

Anbindung besteht im Bereich des Quartierszentrums,

diese ist allerdings unrepräsentativ

und unattraktiv gestaltet und nicht

barrierefrei.

Eine Verbesserung der Verknüpfung der

Siedlung mit ihrem städtischen Umfeld

wird in erster Linie durch eine neue einladende

und barrierefreie Zuwegung im

Bereich des ebenfalls neuen Quartierszentrums

erzielt. Einen weiteren Faktor

stellt der neue Supermarkt auf Ebene der

Ludwig-Landmann-Straße dar, der als

zentrale Nahversorgung sowohl für die

Heinrich-Lübke-Siedlung als auch für die

benachbarten Quartiere fungiert.

[Umrisse]


[Umrisse]

Neustrukturierung der Höfe:

Die wesentlichen Defizite bezüglich der

Erschließung bestehen in einer sehr

dezentralen, von der städtebaulichen

Struktur der Höfe völlig losgelösten Zuwegung

zu den Gebäuden, die dazu führt,

dass sich die Wege der Bewohner eines

Hofes selten kreuzen.

öffentlich

halböffentlich

privat

Neue Zonierung

© AS&P Albert Speer und Partner GmbH

Ziel ist es, die Identität der einzelnen Höfe

zu stärken und bewusst Nachbarschaften

und somit eine gewisse soziale Kontrolle

entstehen zu lassen. Hierzu muss die

Erschließung zentral aus der Hofmitte

heraus erfolgen, was bei einigen Häusern

eine Umorientierung der Eingangsareale

notwendig macht. Die Hofinnenbereiche

sind zurzeit unübersichtliche, öffentliche

Flächen mit geringer Aufenthaltsqualität.

Zentraler Baustein der neuen Freiraumgestaltung

ist die klare Zonierung in öffentliche,

halböffentliche und private Flächen.

Von wesentlicher identitätsstiftender

Bedeutung sind dabei die halböffentlichen

Nachbarschaftshöfe. Sie bestehen zum

einen aus den Erdgeschoßwohnungen

zugeordneten Privatgärten und zum anderen

aus halböffentlichen Begegnungs-,

Kommunikations- und Spielbereichen.

Die Identifikation mit dem Umfeld wird

gefördert durch die klar ablesbaren und

benutzbaren Freiraumstrukturen in den

Höfen sowie eine geplante Einbindung

der Anwohner in den Gestaltungsprozess.

Bestandsstruktur und Neustrukturierung

© AS&P Albert Speer und Partner GmbH

Aufgrund der urbanen baulichen Dichte

und des Ziels, attraktive Freiräume anzubieten,

werden die Müllabstellplätze zudem

dezentralisiert und in Müllräumen

den einzelnen Häusern zugeordnet.

Für die bestehenden Wohngebäude wurde

darüber hinaus ein Sanierungskonzept entwickelt,

welches mit geringen Eingriffen

in die Bausubstanz signifikante Qualitätssteigerungen

ermöglicht, ohne dass sie

für deren Durchführung entmietet werden

müssen. Die wesentlichen gestalterischen

Bestehende und sanierte Fassaden

© AS&P Albert Speer und Partner GmbH

Defizite liegen in der starken vertikalen

Gliederung der Baukörper, dem geringen

Fensterflächenanteil und den massiven

Balkon-, Loggia- und Attikaausbildungen,

verbunden mit der düsteren Materialität

von Waschbetonfassaden-platten. Vorgesehen

ist daher, ihnen eine neue Gliederung

mit einer offeneren Fassade zu verleihen,

ohne dass Änderungen an den

Bestandsvolumina, die unserer Ansicht

nach ein stimmiges Gesamtkonzept

ergeben, notwendig werden.

[63


64]

Eine deutliche Qualitätsverbesserung

wird durch die Entfernung der Fensterbrüstungen

und damit die Vergrößerung

der Fenster geschaffen. Des Weiteren

werden die an Konsolen befestigten massiven

Vorbauten durch vorgestellte offene

Balkone ersetzt, was freundlicher wirkt

und die bisherigen konstruktiven Wärmebrücken

beseitigt. Alle Gebäude werden

überdies außenseitig wärmegedämmt und

im Sockelbereich mit einer robusten Klinkervormauerung

versehen.

Die Eingangszonen, welche nun zur Innenseite

des Hofes orientiert sind, werden

großzügig, barrierefrei sowie hell und

freundlich gestaltet und zudem über

Kinderwagenabstellräume verfügen. Die

Wohnungen erhalten neue Bäder und die

technische Infrastruktur wird in Großteilen

erneuert.

Vorgesehene Baukörperanordnung

© Csaba Horvath

Nachverdichtung:

Das bestehende Ladenzentrum, welches

zugleich den Haupteingang zur Heinrich-

Lübke-Siedlung bildet, umfasst lediglich

ein kleines Flächenangebot in unattraktiver

Lage und mit unzeitgemäßem Zuschnitt.

Es ist nur über eine mehrfach gewendelte

Treppenanlage angeschlossen, eine direkte

Verbindung für Radfahrer oder gehbehinderte

Menschen besteht nicht. Der

Quartierseingang wird durch den Neubau

eines Supermarktes und eines Wohnhauses

neugestaltet und seine Barrierefreiheit

über eine breite Treppe mit Rampenanlage

sichergestellt.

Arrondierung von Hof 4 und 5

© AS&P Albert Speer und Partner GmbH

Die bauliche Struktur weist im Bereich

der Höfe 4 und 5 Lücken und eine inkonsequente

Gebäudestellung auf. Im Sinne

einer formalen Stärkung der Höfe sieht

unser Konzept hier zwei Arrondierungen

vor: Im Hof 4 wird die südliche Seite durch

Ergänzung eines viergeschossigen Hauses

deutlicher gefasst. Der Hof 5 wird im nördlichen

Bereich durch einen winkelförmigen

Baukörper ergänzt.

Neukonzeption des ruhenden Verkehrs:

Die Heinrich-Lübke-Siedlung wird durch

eine dreigeschossige Parkgarage mit einer

Länge von ca. 225 m vom Lärm der Ludwig-

Landmann-Straße abgeschirmt. Aus städtebaulicher

Sicht erfüllt diese existierende

Parkgarage ihren Zweck sehr gut, nämlich

den ruhenden Verkehr direkt am Beginn

der Siedlung aufzunehmen und eine Lärmabschirmung

zur Ludwig-Landmann-

Straße zu gewährleisten. Die Defizite, die

zu ihrer geringen Akzeptanz führen, liegen

eindeutig in der Art der Erschließung, die

ein angstfreies Betreten unmöglich macht,

sowie in der Ausbildung der Fassade,

die keine natürliche Belichtung zulässt

und durch ihre fehlende Gliederung dem

Gebäude einen unmaßstäblichen Charakter

verleiht.

[Umrisse]


[Umrisse]

Bisherige Parkhausfassade

© AS&P Albert Speer und Partner GmbH

Neugestaltete Parkhausfassade

© AS&P Albert Speer und Partner GmbH

Im Rahmen der Sanierung wird ihre Erschließung

umstrukturiert und die Fassade

erneuert. Die im Bestand innenliegenden

und daher nahezu unbelichteten Treppenräume

werden entfernt und durch einläufige

Treppen an der Außenseite ersetzt,

die von einer Glashülle umgeben sind. Der

Nutzer kann beim Betreten des Gebäudes

also jederzeit gesehen werden; ein Aufzug

in der Mitte des Parkhauses sorgt zusätzlich

für eine barrierefreie Zugänglichkeit.

Die bestehende Vorhangfassade wird

ebenfalls vollständig entfernt und durch

eine lichtdurchlässige Konstruktion ersetzt.

Eine gewisse Anzahl von Stellplätzen

sollte für Car-Sharing-Konzepte reserviert

werden, die sich modellhaft mit Aufladestationen

für Elektroautos ausrüsten

lassen und über die Solarzellen auf dem

Dach gespeist werden.

Energetische Konzeption:

Für das Quartier wurde ein ganzheitliches

Energie- und Gebäudekonzept entworfen,

welches zum Ziel hat, den Energieverbrauch

und insbesondere den CO 2-Ausstoß der

Siedlung signifikant zu senken.

Um den Energieverbrauch der Bestandsgebäude

zu reduzieren, werden sie nach

dem EnEV-2009-Neubaustandard saniert

und mit Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung

ausgestattet. Die Neubauten

werden zudem im Passivhaus- und die

Gewerbeflächen im Niedrigenergiestandard

konzipiert. Die Energieversorgung

erfolgt über ein gasbefeuertes Blockheizkraftwerk,

das bereits auf die Umrüstung

auf Brennstoffzellen ausgelegt ist, ergänzt

von thermischen Solarkollektoren auf

den Gründächern der Wohngebäude. Die

Dachfläche des Parkhauses ist darüber

hinaus für die Anordnung von Photovoltaikanlagen

ideal geeignet, da hier große

durchlaufende Flächen belegt werden

können. Um die immensen Verteilverluste

des bisherigen Nahwärmenetzes zu eliminieren,

werden auch sämtliche Leitungen

ausgetauscht.

Durch den vorgeschlagenen Standard und

Energiemix lässt sich der CO 2-Ausstoß der

Heinrich-Lübke-Siedlung unter wirtschaftlich

vertretbaren Bedingungen um über

90 % senken.

Soziokulturelle Konzeption:

Im Bestand werden sämtliche Wohneinheiten

der Heinrich-Lübke-Siedlung gefördert,

was zu einer für den Stadtraum untypischen

monosozialen Struktur führt. Angebote

für Jugendliche und Erwachsene

existieren kaum, die Nahversorgung ist

unzureichend.

Unser Konzept sieht im Bereich der

Nachverdichtung vor, frei finanzierte

Wohnungen zu schaffen, um einen für

Frankfurt repräsentativen Mix unterschiedlicher

Wohnungsstandards zu erzielen.

Voraussichtliche Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen

ist 2014, die Neubauten

folgen im Jahr 2015.

Dipl.-Ing. (FH) Architekt Martin Teigeler

AS&P Albert Speer & Partner GmbH,

Frankfurt am Main

Bauherr

ABG Frankfurt Holding Wohnungsbau- und

Beteiligungsgesellschaft mbH,

Frankfurt am Main

Entwurf

AS&P Albert Speer & Partner GmbH,

Frankfurt am Main

[65


66]

Stadt der Gärten, der Grünflächen und Parkanlagen

Wo man Wäldchestag 1 feiert und Grüne Soße 2 mit Sushi serviert

Gallusanlage: Kunst inmitten der Stadt

© Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main

Kunst, Kultur und Natur

»Un es will merr net in mein Kopp enei, wie

kann nor e Mensch net von Frankfort sei«

(Friedrich Stoltze, Frankfurter Mundartdichter

und Satiriker, 1816–1891). Dass beim

Vergleich der Lebensqualität von weltweit

215 Metropolen Frankfurt unter den ersten

zehn rangiert, verwundert nur Außenstehende.

Von weitläufigen Grünflächen

durchzogen und reich an Kunst und Kultur,

haben Menschen aus aller Herren Länder

die Stadt am Main zur Wahlheimat erkoren.

Fragt man Ortsfremde, was sie mit Frankfurt

assoziieren, werden im ersten Satz

mit Sicherheit Hochhäuser genannt. Je

nach Person kommen im zweiten Goethe,

Börse oder Museumsufer ins Spiel, ist im

dritten vielleicht von Weltoffenheit und

»Multikulti« die Rede. Mit Wildnis, Biotopen

oder gar Landwirtschaft bringt die

Mainmetropole vermutlich niemand in

Verbindung. Dabei darf sich die Natur auf

ganzen 52 % der Stadtfläche behaupten.

Eine zugegeben knappe Dominanz, und

wie im Fall des mitgerechneten Straßenbegleitgrüns

ist die Flora oft reichlich

gezähmt.

»Blickfang« in der Untermainanlage

© Grünflächenamt der Stadt Frankfurt am Main

GrünGürtel mit Binnendüne

Doch weist Frankfurt durchaus Naturschutzgebiete

auf, an denen kein menschlicher

Finger rühren darf. Der Stadtteil

Schwanheim beherbergt sogar eine ökologische

Kostbarkeit, die noch aus der

letzten Eiszeit stammt: eine der wenigen

Binnendünen Europas. Derlei Unerwartetes

ist hauptsächlich in dem 70 km langen

sogenannten GrünGürtel zu finden, der

sich rund um die Mainmetropole auf über

8.000 ha breitmacht. Die den Bürgern

damit gewährte Lebensqualität ist selbst

den Vereinten Nationen nicht entgangen:

Dass der Magistrat seit 1991 über den

Erhalt von Bachläufen, Äckern, Parks,

Forsten und Gärten wacht, wurde vom

UN-Weltsiedlungsgipfel Habitat II als positives

Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung

ausgezeichnet. Der GrünGürtel

ist in der Tat weit mehr als attraktives

Naherholungsgebiet, er ist Frankfurts

Lunge und trägt zum Klima-, Wasser- und

Artenschutz bei. Vom Enkheimer Ried im

Osten zieht sich das grüne Band über den

Berger Rücken, folgt im Westen dem Lauf

der Nidda und setzt sich südlich des Mains

vor allem als Stadtwald fort. Und der zählt

mit seinen dichtbewachsenen 6.000 ha zu

den bundesweit größten Waldflächen in

kommunaler Hand. Zwischen Eichen,

Buchen und Kiefern spinnt sich hier ein

420 km umfassendes Wegenetz, auf dem

Wanderfans problemlos ihren Jahresurlaub

verbringen könnten. Unter Umständen

bekommen sie dabei sogar eine weltweit

einzigartige Spezies zu Gesicht – das

scheue GrünGürtel-Tier. Es hat sich dem

2006 verstorbenen Frankfurter Dichter

und Zeichner Robert Gernhardt gleich

mehrmals gezeigt, der es für seine Mitmenschen

umgehend porträtierte.

[Umrisse]


[Umrisse]

Frankfurt für (Grün-)Flaneure

Bei den diesjährigen Feiern zum

20. GrünGürtel-Jubiläum kann sich die

Stadt getrost mal selbst auf die Schulter

klopfen. Obwohl der Bedarf an Wohnraum

ungebrochen wächst, wurden und werden

freie Areale nicht sämtlich zu Bauland

deklariert – weder in Randlagen noch im

Zentrum. Jüngstes Beispiel liefert das im

Entstehen begriffene Europaviertel, denn

Kernstück des auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände

angesiedelten Quartiers

wird ein riesiger Gartenpark sein, der

grüne Arme bis zum Nachbarstadtteil

Gallus und zum Rebstockpark streckt.

Einen Steinwurf von Messe und Hauptbahnhof

entfernt, wird eingelöst, was für

Frankfurt generell gilt: Jeder Bewohner

stößt innerhalb von 300 m auf Grün. Dass

man entlang dem Main von Oberrad bis

nach Höchst oder entlang der Nidda von

Harheim bis nach Nied ohne Unterbrechung

im Grünen wandelt, ist hinreichend

bekannt. An sonnigen Tagen sollen auf

den Strecken bereits Fußgängerstaus

Kriegsgräber im Frankfurter Hauptfriedhof

© Harald Fester

»Hessenwasserpark« an der Friedberger Landstraße

© Harald Fester

beobachtet worden sein. Dabei lädt die

Stadt selbst ebenfalls zu ausgedehnten

Spaziergängen ein. Bei über 50 Parks und

Anlagen, die sich wie Perlen an einer Kette

reihen, lassen sich Straßen weitgehend

ignorieren. Wer es nicht glaubt, wird bei

folgender Ost-West-Querung eines Besseren

belehrt. Ein Bornheimer etwa startet

im Günthersburgpark, den er durch die

angrenzenden Schrebergärten verlässt,

und landet im Wasserpark, den nur eine

Straßenbreite vom Hauptfriedhof trennt.

Durch dessen schattige Alleen geht es

weiter bis zum Ausgang gegenüber der

Deutschen Bibliothek, hinter der die Wege

zwischen üppigen Villenvorgärten zum

Holzhausenpark leiten. Jetzt ist die Straße

zwar nicht zu vermeiden, doch schon nach

wenigen Minuten tritt der Stadtwanderer

durch das Campus-Westend-Tor. Europas

schönstes Universitätsgelände mündet

wiederum nahtlos in den Grüneburgpark,

der nicht nur uralte Bäume, sondern

ebenso zwei Pretiosen vorzuweisen hat.

… und schattige Wege mit Bänken zur Erholung

© Harald Fester

[67


68]

Im Botanischen Garten durchschreitet

man sozusagen im Zeitraffer die Landschaften

aller Kontinente und – seit das

Buchmessegastland Südkorea 2005 die

Stadt mit einem traditionellen Gelehrtengarten

samt Pavillons beglückte – lädt

hier überdies fernöstliche Vegetation zu

kontemplativen Auszeiten ein. Nach Abstechern

in die weite Welt lotst dann eine

Brücke zurück ins Lokale, genauer gesagt,

in die Anlage vor der Bundesbank. Aus

der führt jetzt eine Brücke zur Schrebergartenkolonie

Taunusblick, zu deren Füßen

bereits die Pfade zum ca. 170 ha großen

Volkspark Niddatal warten. Das ehemalige

Bundesgartenschaugelände lässt mit

seinen Wiesen, Gehölzen und Feuchtbiotopen

leicht vergessen, dass man sich

noch immer inmitten der Stadt, nämlich

zwischen Praunheim, Ginnheim und

Hausen befindet.

Botanischer Garten mit Landschaften aller Kontinente

© Botanischer Garten Frankfurt am Main

… mit Beschilderung zur Orientierung

© Botanischer Garten Frankfurt am Main

Parade der Buntheit

Egal, von welcher Seite man kommt und

wie man das oft als Mainhattan oder Bankfurt

verlästerte Frankfurt auch dreht und

wendet – die Stadt verschreibt sich seit

Jahren geradezu radikal dem Grün.

Nachdem sie hierzulande bereits Spitzenreiter

im Bau von Passiv- und Niedrigenergiehäusern

ist und als deutsche

Modellregion für Elektromobilität der

Zukunft gilt, dürfte die Bewerbung um

den Titel »Europäische Grüne Hauptstadt

2013/14« eine ziemlich aussichtsreiche

sein. Umweltdezernentin Manuela Rottmann

hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt,

die Mainmetropole zum »Meilenstein für

andere europäische Städte« zu machen.

Unter anderem treibt sie die Schaffung von

noch mehr Grünflächen, eine nachhaltige

Wirtschaftspolitik und die Verbannung

fossiler Brennstoffe voran. Ihre Partei, die

Grün zum Bekenntnis erhebt und seit über

20 Jahren die städtischen Geschicke

mitbestimmt, hat das restliche Farbenspektrum

dabei nicht ignoriert. Als Inte-

… mit Rhododendron aus Ostasien

© Botanischer Garten Frankfurt am Main

gration nur ein Fachbegriff in Soziologenkreisen

war, riefen die Grünen 1989 das

Amt für multikulturelle Angelegenheiten ins

Leben und verpassten der Buntheit einen

politischen Rahmen. Die damals europaweit

erste Einrichtung dieser Art, später

»Frankfurter Modell« genannt, lockte

Delegationen aus dem In- und Ausland

an. Die Zeiten der Vorreiterrolle sind zwar

vorbei, dennoch zeichnet sich die Stadt

weiterhin durch ihre enorme Intensität

der Farben aus. Menschen aus rund

180 Nationen sind im zuständigen Amt

registriert, und viel mehr Staaten hat ja

der Globus nicht zu bieten. Die »Parade

der Kulturen« ist in Frankfurt daher kein

bloßes Sommer-Event: Hier schiebt sie

sich täglich durch die Straßen, keine

andere Großstadt in Deutschland weist

eine derartige Bandbreite an Sprachen

und Kulturen auf. Jener Vielfalt ist nicht

zuletzt der Ruf als internationale und

weltoffene Stadt zu verdanken – und der

existiert nicht erst seit gestern.

… mit Verweilmöglichkeiten an Teich und Kalkhang

© Botanischer Garten Frankfurt am Main

[Umrisse]


[Umrisse]

Jüdischer Friedhof an der Battonstraße mit runder Steingruppe

© Harald Fester

Erinnerung aus Engagement

In Frankfurt begegneten sich eigentlich

schon immer die Völker. Die geographische

Lage machte den Ort zum Handels- und

Verkehrsknotenpunkt, das 1240 verliehene

Messeprivileg in allerlei Hinsicht zur Austauschbörse.

»Hervorragende Stätte des

Reiches« gravierte der freie Stadtstaat

nicht zu Unrecht in sein Siegel, und seine

Bürger gaben sich entsprechend selbstbewusst

und tolerant. So nahm Frankfurt

neben den aus Frankreich, Belgien und

den Niederlanden geflüchteten Calvinisten

im 16. Jahrhundert auch die aus fast allen

süddeutschen und rheinischen Städten

vertriebenen Juden auf. In Relation zur

Einwohnerzahl war hier die größte jüdische

Gemeinde Deutschlands zu Hause –

bis der nationalsozialistische Wahn das

Land infizierte. Beistand blieb den Verfolgten

auch in Frankfurt verwehrt, doch hat

man nach 1945 früher als andernorts die

Verbrechen des Holocaust dokumentiert.

Den Boden bereitete Bürgermeister

Walter Kolb, der unmittelbar nach Kriegsende

Informationen über die Gräuel sammeln

ließ. Die in Frankfurt abgehaltenen

Auschwitz-Prozesse, der in der Stadt

ansässige hessische Generalstaatsanwalt

Fritz Bauer oder das Institut für Sozialforschung

sorgten zudem für eine fortdauernde

Auseinandersetzung. Nach den

Recherchen der Historikerin Jutta Zwilling

vom Institut für Stadtgeschichte gibt es

»in Deutschland keine andere Stadt, die

derart viele Facetten des Gedenkens« vorweisen

kann. Den Opfern des NS-Regimes

seien inzwischen »rund 100 Erinnerungsstätten

unterschiedlichster Gestaltung«

gewidmet. Eine davon befindet sich in der

Battonstraße, wo die Mauern des alten

jüdischen Friedhofs 11.134 Metallvorsprünge

mit den Namen der ermordeten

Frankfurter Juden tragen. Dass an dieser

Stelle überhaupt ein Mahnmal existiert,

geht zum Großteil auf den Einsatz engagierter

Bürger zurück. Als man beim Bau

eines Verwaltungsgebäudes auf Fundamente

der Synagoge, mehrerer Häuser

sowie Reste eines jüdischen Bades stieß,

ließen die Verantwortlichen die Arbeiten

nicht stoppen. Daraufhin entspann sich

Mitte der 1980er Jahre der sogenannte

Börneplatzkonflikt, der mit anhaltenden

Protesten bewirkte, dass über den Ausgrabungen

1992 schließlich das Museum

Judengasse und auf dessen Außengelände

1996 die vielbeachtete Gedenkstätte

errichtet worden sind.

Doris Stickler

Freie Journalistin,

Frankfurt am Main

… und efeuumrankten Grabsteinen

© Harald Fester

Anmerkungen

1 Seit dem 18. Jahrhundert Frankfurter Volksfest,

das am Dienstag nach Pfingsten im Stadtwald

gefeiert wird.

2 Wird aus sieben Kräutern komponiert, traditionell

mit Kartoffeln und hartgekochten Eiern

gereicht und soll Goethes Lieblingsspeise

gewesen sein. Um das Original vor Kopien zu

bewahren, haben die ortsansässigen Kräutergärtner

unlängst beim Bundespatentgericht

Markenschutz für die »Frankfurter Grüne

Soße« beantragt.

Außenmauer und Eingang an der Battonstraße

© Harald Fester

Gedenksteine zur Erinnerung

© Harald Fester

[69


70]

Nördliche Promenade im Konzept

© relais Landschaftsarchitekten

Teil des Europaviertels

Die Gestaltung von Freiräumen ist unlösbar

mit der Beschaffenheit ihrer Umgebung

und den aufgeschichteten Strukturen des

Baugrundes verbunden. Was bedeutet es

aber, wenn diese Spuren getilgt und der

angrenzende Raum selbst noch Gegenstand

von Planungsprozessen ist?

Masterplan des Europaviertels (West)

© aurelis Real Estate GmbH & Co. KG

Wasser-Ziergras-Parterre als Entwurf

© relais Landschaftsarchitekten

Europagarten im Entstehen

Ein »Central Park« im Frankfurter Westen

Ein solches Areal erscheint wie neugewonnenes

Land, wie ein neutraler Ort.

In einer Zeit, in der den Außenraum fast

überall kulturelle Strukturen durchdringen,

ist gerade eine derartige Situation jedoch

äußerst spannungsreich. Sie erscheint

archaisch.

Eine solche Fläche ist der Europagarten,

der nach der Schließung des früheren

Hauptgüter- und Rangierbahnhofs

westlich der Frankfurter Messe durch

großräumigen Erdauftrag geschaffen

wurde.

Bruttobauland ca. 670.000 m²

Nettobauland ca. 303.000 m² (ohne 13.000 m² Gemeinbedarfsflächen)

Grünfläche ca. 219.000 m²

Verkehrsfläche ca. 135.000 m²

Soziale Infrastruktur 1 Schule, 4 Kindertagesstätten

Bruttogeschoßfläche Wohnen ca. 261.000 m²

Bruttogeschoßfläche Büro/Dienstleistung ca. 300.000 m² (ohne Messe)

Wohnraum und Arbeitsplätze für etwa 13.000 Menschen

Europaviertel (West): Flächenangaben

© aurelis Real Estate GmbH & Co. KG

Er ist Teil des Europaviertels, eines neuen

Stückes Stadt, das durch die Grundeigentümerin

aurelis Real Estate derzeit in enger

Abstimmung mit der Stadt Frankfurt

geplant wird. Die Entwicklung umfasst

die Wohnquartiere »Helenenhöfe« und

»Parkend« sowie die auch gewerblich

genutzten Quartiere »Boulevard Mitte« und

»Boulevard West«. Nach der kompletten

Fertigstellung werden hier in wenigen

Jahren auf 670.000 m² ca. 13.000 Menschen

wohnen, einkaufen, lernen, arbeiten und

sich erholen.

[Umrisse]


[Umrisse]

Städtebauliche Einbindung

© relais Landschaftsarchitekten

Am 21. Juni 2011 wurde der Öffentlichkeit

der erste Realisierungsabschnitt des

Europagartens zur Nutzung übergeben.

Zukünftig wird dieser Freiraum einen Umgriff

von ca. 56.000 m² mit einer Längenausdehnung

von ca. 500 m und einer

Breite von 126 m haben. Davon ist bislang

etwa die Hälfte mit einem ca. 40 m tiefen

nördlichen und einem 25 m tiefen südlichen

Parkbereich fertiggestellt.

Damit reiht er sich in die Tradition großer

Frankfurter Grünanlagen, wie des Güntersburg-Parks

im Nordend, des Grüneburgparks

im Westend und des Ostparks im

Ostend, ein. Er wird durch seine Lage zu

einem »Central Park« für den angrenzenden

Stadtkörper und erhält eine wesentliche

Position innerhalb übergeordneter

Stadt- und Grünstrukturen. Er wird zur am

weitesten ins Frankfurter Zentrum reichenden

Verlängerung einer Reihe von Parkanlagen

mit Verbindung zum Frankfurter

Grüngürtel, verknüpft über einen Boulevard

mit Messe und Innenstadt. Zwei direkt

anschließende »Taschenparks« verzahnen

ihn darüber hinaus mit dem umliegenden

Stadtquartier.

Garten als Topos

Zur Gestaltung des Europagartens wurde

2008 ein Wettbewerb ausgelobt, den relais

Landschaftsarchitekten aus Berlin gewannen.

Ihr Entwurf fußt konzeptionell auf der

eingangs beschriebenen »archaischen«

Auffassung des Standortes, die mit einem

Garten als der ursprünglichsten freiraumbezogenen

Geste der Menschheit beant-

Lageplan des Europagartens

© relais Landschaftsarchitekten

wortet wurde. Dafür bedurfte das konventionelle

Gartenverständnis einer Adaption,

die einer Rückführung auf seine Wurzeln

entsprach. Der Topos Garten wurde dabei

als ein auf eine essentielle Weise mit dem

Menschsein verbundener Ort aufgefasst,

der auf die alltäglichen Ansprüche seiner

Nutzer Bezug nimmt.

[71


Schnittansicht

© relais Landschaftsarchitekten

Grundlage dafür war die Schaffung einer

autarken Raumstruktur, deren Prägnanz im

Stadtgefüge erfahrbar ist und die vor der

Errichtung der umliegenden Hochbauten

einen wesentlichen Beitrag zur Adressbildung

leistet. Verwirklicht wurde dies durch

einen dreifachen Baumrahmen aus Spitzahorn

über einer großzügigen Promenade

mit wassergebundener Wegedecke, die

im Norden und Süden des Europagartens

bereits fertiggestellt ist. Perspektivisch

wird jene Gehölzstruktur zu einem introvertierten

Raumgefüge aufwachsen, das

einen geschützten und temperierten Aufenthaltsbereich

bietet. Gestärkt wird ihr

Effekt durch innerhalb der Allee angeordnete

Heckenkissen aus Hainbuche, Kirschlorbeer

und Liguster. Die Heckenkissen

enthalten Sitznischen und dienen als halbdurchlässige

Kontur gegenüber dem städtischen

Umfeld, wodurch zugleich die Eingangssituationen

formuliert und Zugänge

zu Funktionsräumen geschaffen werden.

Zäsuren in der Geschlossenheit des Rahmens

werden durch einzelne Baumgruppen

aus Blauglockenbäumen, Pyramiden-

Eichen, Scharlach-Eichen, Silberlinden,

Flügelnüssen und Lederhülsenbäumen

gesetzt: Sie brechen die formale Strenge

der Gehölzstruktur und weiten den Baumrahmen

malerisch auf. Über eine die Promenade

begrenzende Sitzmauer aus hellem

Sichtbeton vermitteln sie zum Inneren

des Freiraums, das zukünftig zu einer

weiträumigen, schwingend modellierten

Rasenfläche gestaltet wird. Realisiert ist

diese »Rasenwoge« derzeit nur in Randbereichen,

die nach Errichtung des den

Europagarten unterquerenden Straßenund

U-Bahn-Tunnels in einem zweiten Bauabschnitt

zu einem zusammenhängenden

und von Gehölzgruppen akzentuierten

Gartenraum verbunden werden.

Nördliche Promenade

im »Wachsen«

© Stefan Müller

Promenade und

(eingesäte) Rasenwoge

© Stefan Müller

Diese inmitten des urbanen Kontexts entfaltete

landschaftliche Geste steht im Kontrast

zur Orthogonalität des Baumrahmens

und ist als Gegenstück zu einem ornamentalen

Wasserparterre konzipiert, das im

Westen des Europagartens angelegt wird.

Die Gestaltung reflektiert auf die Weise

den für das Gartenverständnis konstitutiven

Diskurs zwischen Landschaftlichkeit

und Geometrisierung durch Neuinterpretation

traditioneller gartenkünstlerischer

Muster. Der Garten wird als ein von Polarität

geprägter Ort aufgefasst, der erst

durch ein solches Spannungsverhältnis

mit der Vielfalt anthropogener Nutzungsformen

in Einklang kommt.

Städtebaulich ist das Wasserparterre der

geplanten Quartiersmitte im Westen des

Europagartens zugeordnet, die eine Platzfläche

für Wochenmärkte, Feste und

Außengastronomie beinhalten wird. Von

ihr aus übernimmt das Wasserparterre

also die Funktion eines Eyecatchers, der

den Blick unter dem lichten Dach des

Baumrahmens hinweg in den Europagarten

zieht. Das Parterre wird sich aus

ornamental strukturierten Wasserbecken

mit hellen Sichtbetoneinfassungen zusammensetzen,

wobei durch inmitten der

Wasserflächen situierte Broderien aus

Ziergräsern ein Bezug zu der den östlichen

Teil des Gartens einnehmenden Rasenwoge

gewährleistet ist.

Bereits fertiggestellt ist ein in diesen

offenen Gartenraum integriertes Heckenkabinett,

das von Hainbuchen gefasst wird

und ein Teil der nördlichen Promenade ist.

Als »Spielkammer« birgt sie eine 600 m²

große Fläche aus Sand und Kunststofffallschutzbelag

mit einer als Großform

bespielbaren Kletterlandschaft aus farbig

lasierten Eichenbalken. Zwei weitere

Spielkammern zum Bolzen und Skaten

folgen später an der südlichen Promenade.

72] [Umrisse]


[Umrisse]

Struktur mit Eigenwert

Schon die realisierten Teile des Europagartens

stellen eine eigenwertige Struktur

im Frankfurter Stadtgefüge dar. Als funktionale

Anforderungen an einen Garten

innerhalb eines im Entstehen befindlichen

Stadtquartiers wurden bei der Konzeption

räumliche Offenheit und Modifikationsfähigkeit

erachtet. Die Gestaltung soll

daher in erster Linie eine Grundlage für

vielfältige informelle Aktivitäten bieten.

Als wesentliche Qualität des Freiraums

ist dessen zur Dichte der angrenzenden

baulichen Strukturen kontrastierende

Dimension anzusehen, die die freie Entfaltung

des Blicks und die Fokussierung

des Horizonts zulässt. Aus dem Blickbezug

zur Skyline von Frankfurt auf der einen

und den Ausläufern des Taunus auf der

anderen Seite bietet dieses Areal die

Möglichkeit zur Selbstverortung im Stadtgrundriss.

Sitzmauer …

© Stefan Müller

Spielkammer mit Sitzmauer

© Stefan Müller

Durch die Differenzierung heterogener

Raumqualitäten, deren informellen Charakter

und die direkte Zuordnung des Freiraums

zu Wohn- und Arbeitsstätten birgt

der Europagarten das Potential, sich zu

einem selbstverständlich und essentiell

im Tagesrhythmus der Anlieger verankerten

Ort zu entwickeln. Wenn er dabei

zu körperlicher Regeneration und geistiger

Kontemplation beiträgt, wird er im

ursprünglichsten Sinne zum Garten.

Dr. Elmar Schütz

Leiter Projektentwicklung

aurelis Real Estate GmbH & Co. KG,

Eschborn

Thomas Thränert

relais Landschaftsarchitekten BDLA,

Berlin

Bauherr

aurelis Real Estate GmbH & Co. KG,

Eschborn

in Abstimmung mit

Stadt Frankfurt am Main

Grünflächenamt

Entwurf

relais Landschaftsarchitekten BDLA,

Berlin

Tragwerksplanung

Ingenieurbüro Rüdiger Jockwer GmbH,

Berlin

Wassertechnik

ifw Ingenieurbüro für Wassertechnik,

Berlin

Künstlerische Bauoberleitung

relais Landschaftsarchitekten BDLA,

Berlin

Bauleitung

BWP Endreß Landschaftsarchitekten,

Frankfurt am Main

[73


Der Rothschildpark

Ein Glücksfall für Frankfurt

Phönix aus der Asche

Die Geschichte hat 1744 in Frankfurt mit

Mayer Amschel Rothschild begonnen: eine

unvergleichliche Erfolgsgeschichte, die

den Rothschildpark 1818, den Grüneburgpark

1837 und den Günthersburgpark 1838

hervorbrachte und mit Enteignung 1938

und Zerstörung 1944 zu Ende ging. Nach

dieser schmerzlichen Erfahrung rückt der

Rothschildpark in annähernd alter Größe

von 5 ha heute wieder ins Blickfeld der

Bevölkerung.

Endlich, nach Jahrzehnten der Vernachlässigung

und Zerstückelung ist es in gemeinsamer

Anstrengung aller Beteiligten

gelungen, den Phönix im Herzen Frankfurts

aus der Asche zu heben und den alten

Landschaftspark wiederherzustellen. Die

Idee hatte der Architekt des Opernturmes,

Christoph Mäckler. Ich freue mich und bin

dankbar, dass ich den Park entwerfen und

seine Instandsetzung gemeinsam mit Frank

Vollbehr begleiten durfte. Ein Glücksfall

war auch das Netzwerk, gesponnen von

vielen, die alle das eine Ziel im Auge hatten,

den neuen Park für die Menschen im

Herzen Frankfurts zu öffnen.

Tishman Speyer wollte hoch hinaus und

ermöglichte mit dem Bau des Opernturmes

über 5.000 m² neues Grün bis zur Bockenheimer

Landstraße. Die BHF-Bank sitzt im

denkmalgeschützten Sep-Ruf-Bau gegenüber

und warf auch ihren Gartenteil mit

großem Engagement in die Waagschale.

»Ein Garten ist notwendig wie Brot.«

Rothschildpark mit »Parktower« im Herbst 2010

© Anna Schönborn

Grenzen gibt es nur auf dem Papier.

Durch eine großzügige Spende von

Tishman Speyer konnte zudem die Stadt

Frankfurt, vertreten durch das Grünflächen-

und das Hochbauamt, den nördlichen

Parkteil mit seinem wertvollen alten

Baumbestand aus der Zeit des Gründers

Mayer Amschel Rothschild seit 1818,

instandsetzen. Er schreibt 1816 in einem

Brief an seine Brüder: »Ein Garten ist notwendig

wie Brot«, und in einem weiteren

Brief: »Ich schlafe im Garten, es ist fast

wie im Garten von Eden.« Die Stadt Frankfurt

hatte den weit größeren Teil zu restaurieren.

74] [Umrisse]


[Umrisse]

Teil OpernTurm im Mai 2010

© Anna Schönborn

Sanierung und Neugestaltung

Der einsturzgefährdete gotische Turm

musste saniert, die alte Einfriedung aus

rotem Sandstein mit Eisenstabgitter ausgebessert

und ergänzt werden. Alle Wege

sind einheitlich nach altem Vorbild gestaltet,

neu aufgebaut, mit Bessunger Kies

abgestreut und mit Eisenband schwingend

gefasst worden. Die Auswahl der neu

gepflanzten Bäume setzt die ursprüngliche

Verwendung fort, wie Buche, Eiche, Linde,

Ahorn, Platane, Weide und Kastanie. In

den Archivalien ist auch die Rede von

einem alten Maulbeerbaum: Er steht frisch

gepflanzt hinter dem Halbrund der Steinbank.

Jüngere Bäume und Strauchgruppen,

die wichtige Sichtbeziehungen verdeckten,

mussten herausgenommen oder

beschnitten werden.

Es ist kaum zu glauben, dass sich unter

dem gesamten südlichen Parkteil eine Tiefgarage

bis zur Bockenheimer Landstraße

verbirgt, die mit mehr als 1 m Bodenaufbau

den neuen Bäumen ausreichend Lebensraum

bietet. Technische Einbauten, wie

Notausgänge, Lüftungsgitter und Kanalschächte,

sind heute leider unvermeidlich.

Sie sind allerdings in hoher Qualität gestaltet

und ermöglichen eine lebendige,

fließende Bodenmodellierung der Rasenflächen.

Dieser Park lebt von raumbildenden

Bäumen und Gebüschpflanzungen, großzügigen

Rasenflächen und weiten Durchblicken

auf Parkstaffagen, den »Point

de Vue«.

Bis auf den gotischen Turm, errichtet durch

Mayer Amschel Rothschild als romantische

Ruine und zugleich Höhepunkt der

Rothschildpark mit BHF-Bank, Herbst 2010

© Anna Schönborn

Anlage, sind alle Parkbauten von Nazideutschland

abgerissen worden. In Rothschilds

Park gab es eine Orangerie, Oberlindau

43, eine kleine private Turnhalle

mitten im Park, ein Gesindehaus neben

der Bockenheimer Landstraße 10, einen

Weiher mit einer Zierbrücke und ein orientalisch

anmutendes Entenhaus.

Gesamtplan

© Adelheid Schönborn

[75


BHF-Bank mit Steinbank, Güterstein und

blühendem Hartriegel, Frühling 2010

© Anna Schönborn

76]

An der Stelle des ehemaligen Rothschildpalais

erinnert parkseitig eine halbrunde

Steinbank aus anthrazitfarbenem Granit

mit zwei eingearbeiteten Gedenktafeln an

die Vergangenheit vor 1938. Der bei Erdarbeiten

beim gotischen Turm gefundene

»Güterstein« aus rotem Sandstein beweist

die Parkgründung 1818 und steht neben

einem blühenden Solitärstrauch: Cornus

kousa oder japanischer Blütenhartriegel.

Beim Innehalten nimmt man erst die Tiefe

des Parks und die Hauptsichtachse wahr.

Bronzetafeln zur Erinnerung

© Anna Schönborn

Zwischen dem aufgeasteten Eibenaltbestand

wirkt der eher schwere Ring der von

Georg Kolbe 1954 realisierten Skulpturen

fast schwebend. Und auf der Anhöhe

der Sichtachse lässt sich, auf schattigen

Pfaden durch immergrüne Gehölzpflanzungen

sich seitlich schwingend auf einen

Aussichtshügel, der gotische Turm erleben.

»Ich schlafe im Garten,

es ist fast wie im Garten von Eden.«

Diese schattigen Pfade erfuhren eine

Bereicherung durch die im Frühjahr 2011

gepflanzten Rhododendronlieferungen aus

der berühmten Rothschild’schen Rhododendrenzucht

des Parks in Exbury in Südengland.

Ein Besuch in Exbury, dem öffentlichen

Rothschildpark von 100 ha, im Mai

zur Rhododendrenblüte ist überwältigend.

Ring der Erinnerung von Georg Kolbe

© Anna Schönborn

Güterstein

© Anna Schönborn

[Umrisse]


[Umrisse]

Lionel de Rothschild

© Anna Schönborn

Neuerdings hat der Rothschildpark sieben

Zugänge, zwei neue von der Bockenheimer

Landstraße, einen alten und einen neuen

vom Oberlindau (Ecke Staufenstraße),

einen vom Reuterweg und das neue

Rothschildtor am Reuterweg. Auch der

neue Zugang vom Oberlindau wurde aufgewertet

durch die schönsten Rhododendren

aus Exbury.

Parkteil am Oberlindau, Sommer 2010

© Anna Schönborn

Last, but not least war mein großes Anliegen,

nicht nur den Park selbst, sondern

ebenso seine Geschichte lebendig zu vermitteln,

durch das Engagement der Familie

Rothschild. Der französische Zweig der

Familie hat die Steinbank gestiftet und der

englische ganz besondere Rhododendrongewächse

aus Rothschild’scher Zucht.

Sorten und Farben sind speziell für das

Frankfurter Klima zusammengestellt und

haben mit Sortenbezeichnungen im Frühjahr

2011 ihren endgültigen Standort im

Rothschildpark in Frankfurt am Main

gefunden.

Ein Schlusswort

Der Rothschildpark, ein Glücksfall, möglich

nur durch das kraftvolle und engagierte

Zusammenspiel von öffentlicher Hand und

privatem Einsatz von Mut, Begeisterung

und Geldmitteln. Frankfurt kann sich glücklich

schätzen über den kulturellen Reichtum,

den jüdische Familien der Stadt hinterlassen

haben.

Doch der Schmerz über die unendlichen

Verluste bleibt.

Adelheid Schönborn

Bauherren

Stadt Frankfurt am Main

Grünflächenamt

Tishman Speyer Properties Deutschland GmbH,

Frankfurt am Main

BHF-Bank AG,

Frankfurt am Main

Entwurf

Adelheid Schönborn

Gartenarchitektin

München

Städtischer Teil im Dezember 2009

© Anna Schönborn

… und im Sommer 2010

© Anna Schönborn

[77


78]

Haus am Dom im Zentrum der Altstadt

© Waltraud Krase/Jourdan & Müller

Das Haus am Dom

Tagungs- und Begegnungszentrum des Bistums Limburg

Der Ort in der Stadt

Das 2007 fertiggestellte »Haus am Dom«

fasst viele Aufgaben öffentlicher Gegenwart

der katholischen Kirche in Frankfurt

am Main. Der Name ist Programm, ein Programm

der Gleichzeitigkeit von Begegnung

und Dialog, von kontemplativem Nachdenken

und konzentriertem Arbeiten,

von heiterer Festlichkeit und kirchlicher

Würde. All das ist unter einem Dach vereint.

Die Lage dieses bedeutenden historischen

Platzes im zentralen Bereich der

kriegszerstörten Altstadt Frankfurts macht

eine besondere Auseinandersetzung mit

der städtebaulichen Einbindung und Formgebung

des Baukörpers notwendig. Der

Entwurf ist eine präzise Antwort auf die

Kriterien, die die unmittelbare Umgebung

formuliert.

Überlagert man den heutigen Stadtplan mit

einem Plan aus den frühen 1930er Jahren,

wird ersichtlich, wie sehr die Nachkriegsbebauung

das ehemals mittelalterlich

geprägte städtische Gefüge aus Gassen,

Plätzen und Gebäuden verändert hat.

Durch den nach Westen vorgelagerten

archäologischen Garten und die Errichtung

der Kunsthalle Schirn stellten die Nachkriegsplanungen

den Dom in einen perspektivischen

Raum und monumentalisierten

ihn. Mittelalterliche Kathedralen waren

hingegen als Teil eines städtischen Gefüges

aus kleinteiligen Wege- und Platz-

Lageplan

© Jourdan & Müller

verbindungen nicht für eine Betrachtung

über perspektivisch angelegte Freiräume

geplant. Ein großer Domvorplatz im Westen

war nie vorgesehen. Bestimmend war vielmehr

die Verbindung des Portals an der

Domstraße zum Krönungsweg. Werner

Hebebrand reagierte auf diese Situation

mit seiner Planung: Das 1927 nach einem

Wettbewerbsentwurf errichtete Zollamt

setzte anstelle mehrerer Fachwerkhäuser

einen leicht gekrümmten Baukörper, der

die stadträumliche Führung auf das Hauptportal

des Domes übernahm.

[Umrisse]


[Umrisse]

Der neue Baukörper

Der neue Baukörper löst sich aus der

Verklammerung mit dem Technischen

Rathaus. So erwächst wieder eine offene,

begehbare Raumfolge von der Braubachstraße

über den Zollhof zum Krönungsweg,

die die mittelalterliche Gassenstruktur

nachvollzieht. Das vorhandene Zollamt

bleibt weitgehend erhalten, der Baukörper

wird differenziert und in drei Elemente

gegliedert.

Archäologischer Garten und Domplatz

© Waltraud Krase/Jourdan & Müller

Anstelle des durch Nachkriegsreparaturen

verunstalteten Kopfbaus wird ein neuer

Baukörper als Sitz des »Domforums« und

der katholischen Akademie errichtet. Das

im Vergleich zum Bestand höhere Gebäude

wird räumlich vom Mittelteil durch ein

gläsernes Bindeglied, ein alle Ebenen verknüpfendes

vertikales Hallenfoyer, distanziert.

Durch die Verlängerung des leicht

gekrümmten Baukörpers wird die im Hebebrandhaus

gründende Qualität der stadträumlichen

Führung auf das Hauptportal

des Domes noch gesteigert. Die Höhenstaffelung

der Dächer nimmt das Motiv der

mittelalterlichen Parzellierung auf.

Der Vorbereich des Domes wird durch die

Verlegung der Tiefgaragenzufahrt nur mehr

am Rand vom durchfließenden Verkehr

berührt, so entwickelt sich wieder ein Platz,

der an zwei Seiten durch öffentlich wirksame

Gebäude gefasst ist: der neue Domplatz

zwischen dem Dom, dem gegenüberliegenden

Pfarramt und dem »Haus am

Dom«. Seine Westfront bilden der Kopfbau

mit seinem durchlichteten Sockelgeschoß

und das gläserne Hallenfoyer.

Giebelsaal: Fenster von Hans Leistikow

© Waltraud Krase/Jourdan & Müller

Erscheinungsbild bei Nacht

© Waltraud Krase/Jourdan & Müller

Der Anschlussbereich des Domplatzes

zum archäologischen Garten wird durch

ein im Erdgeschoß befindliches Bistro

geöffnet und durch die Überführung des

kleinteiligen Rampenaufgangs zum Technischen

Rathaus in eine Platzsituation auf

dem Niveau des Doms in die neue Konzeption

integriert.

Die Passage zwischen »Domforum« und

Dom wird dadurch in der ursprünglichen

Topographie des ehemaligen Krönungsweges

erlebbar. Gleichzeitig wirkt das

»Domforum« an jener stadträumlich bedeutenden

Stelle als offenes Scharnier

zwischen zwei Plätzen hinein in den

Außenbereich.

Großer Saal für Tagungen

© Waltraud Krase/Jourdan & Müller

[79


80]

Foyer mit Rezeption

© Waltraud Krase/Jourdan & Müller

Diese wichtigen stadträumlichen Entscheidungen

geben dem Dom seine einmalige

Position zurück. Sie sind die Grundlage für

die Gestaltung des Baukörpers des Hauses

am Dom als begehbare öffentliche Stadtplastik,

die Bestehendes aufgreift, fortschreibt

und Neues hinzufügt.

Jochem Jourdan

Farbkonzept

Jourdan & Müller

Bauherr

Bistum Limburg

Bischöfliches Ordinariat

Diözesanbauamt,

Limburg

Architekten

Jourdan & Müller PAS,

Frankfurt am Main

Projektmanagement

Drees & Sommer AG,

Frankfurt am Main

Bistro »Lucina delle Grazie«

© Waltraud Krase/Jourdan & Müller

Tragwerksplanung

S.A.N. Stöffler Abraham Neujahr

Beratende Ingenieure GmbH,

Darmstadt

Gebäudetechnik

IPB H. Berchtold,

Sarnen, Schweiz

Elektrotechnik

Ebener & Partner AG,

Frankfurt am Main

Bauphysik

EB-Partner GmbH & Co. KG,

München

Brandschutz

HHP Süd Beratende Ingenieure GmbH,

Ludwigshafen

Aufzugsplanung

Jappsen Ingenieure Oberwesel GmbH,

Oberwesel

Lichtplanung

Die Lichtplaner Thorsten Braun,

Limburg

Vermessung

B + K Vermessung Gerd Brockmann + Erich Kaiser,

Frankfurt am Main

[Umrisse]


[Umrisse]

Instituto Cervantes im Amerika Haus

Sanierung und Ausbau des Gebäudes

Instituto Cervantes an der Staufenstraße

© Jörg Hempel

Bestand und Aufgabe

Das Amerika Haus wurde 1957 als Neubau

des amerikanischen Kultur- und Informationszentrums

mit Bibliothek, Veranstaltungssaal

und Verwaltung eröffnet. Die

Planung erfolgte in Gemeinschaftsarbeit

zwischen dem amerikanischen Büro

Skidmore, Owings & Merrill und dem

deutschen Architekten Otto Apel.

Das Gebäude wurde entsprechend seiner

Zweckbestimmung bis 2005 genutzt. Nach

dem 11. September vereinte man die Institution

mit dem Amerikanischen General-

konsulat auf dem Gelände des ehemaligen

General Hospital der US Army im Stadtteil

Eckenheim. Insbesondere Sicherheitsgründe

nach den Anschlägen des 11. Septembers

waren hierfür ausschlaggebend.

Ab 2008 stellte die Stadt Frankfurt daher

die zwischenzeitlich leerstehende Liegenschaft

an der Staufenstraße 1 dem spanischen

Instituto Cervantes zur Verfügung.

Hierzu wurde das Gebäude von Februar

2007 bis September 2008 umfassend

saniert und auf die Anforderungen des

neuen Nutzers zugeschnitten; dazu gehörten

insbesondere der Ausbau eines bislang

nicht nutzbaren Kriechkellers zu einer

Bibliothek, die Restaurierung der Fassade

und die Öffnung des Hauses zum Reuterweg.

Spanische Wand:

Plastik aus Stahlbändern

© Jörg Hempel

[81


82]

Neugestaltung des Veranstaltungssaals

© Jörg Hempel

Städtebau und Architektur

Der bestehende Gebäudekomplex, am

nordöstlichen Ende des Rothschildparks

im Frankfurter Westend gelegen, ist eine

Komposition aus zwei Baukörpern: einem

zweigeschossigen Verwaltungsriegel und

einem rechtwinklig anschließenden Saalbau,

verknüpft durch einen eingeschossigen

Verbindungsbau.

Bibliothek im

früheren »Kriechkeller«

© Jörg Hempel

Zentrale Idee der Sanierung waren das

Herausarbeiten und Weiterentwickeln

des ursprünglichen Erscheinungsbildes

zur Zeit der Fertigstellung. Der behutsame

Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz,

um die Großzügigkeit der klaren

Grundrisse wieder erlebbar zu machen,

war dabei konzeptprägend.

Durch den Windfang gelangt man in das

Foyer, welches als Empfang und Ausstellungsraum

genutzt wird. Es bietet Zugang

zum Veranstaltungssaal, dem Westflügel

Rückwand mit Treppe

© Jörg Hempel

mit Multimedia- und Verwaltungsräumen

und zum Garten. Die vorhandene Treppe

dient der Haupterschließung des Obergeschosses:

Hier sind Unterrichtsräume

sowie die Studienleitung und Lehrerzimmer

untergebracht. Eine neue Treppe führt

zudem vom Foyer in die ebenfalls neue

Bibliothek im Untergeschoß.

Die freistehende »Spanische Wand«, als

Signet für das spanische Institut, markiert

den räumlichen Abschluss des durch eine

Terrasse nach außen erweiterten Gebäudes.

[Umrisse]


[Umrisse]

Spanische Wand als Symbol

© Jörg Hempel

Spanische Wand

Die von schneider + schumacher entwickelte

»Spanische Wand« verleiht

dem Gesicht des Hauses zur Straße und

damit zur Stadt eine neue Prägung, die das

Instituto Cervantes als Repräsentationsgebäude

Spaniens (und nicht mehr der

USA) auch dringend brauchte.

Geschickt wurde das neue Element in

respektvollem Abstand zur denkmalgeschützten

Fassade zwischen dem Altbau

und der Hauptstraße an der Ecke zur

Staufenstraße platziert – an der am besten

denkbaren Position und zugleich so, dass

es als ein die Terrasse der Cafeteria schützender

Paravent aufgefasst werden kann.

Mit der zur Fassade kontrastierenden

hellen Farbgebung und dem dezent integrierten

roten Logo des Instituto Cervantes

ist sie prägnantes Symbol der veränderten

Nutzung. Darüber hinaus findet das Motiv

der Spanischen Wand in graphisch überarbeiteten

Variationen als Signet für

Programmhefte und Veranstaltungshinweise

Verwendung.

Im Detail handelt es sich bei der 5 m breiten,

8 m hohen und nur 12 cm tiefen Wand

um eine flächige, rechteckige, frei im Raum

angeordnete Plastik aus immer gleichen,

15 mm dicken, aneinandergeschweißten

Stahlbändern. Sämtliche Schweißnähte

sind nahezu unsichtbar als Hohlkehle oder

Y-Naht hergestellt und glattgespachtelt.

Nach dem Schweißen wurden ein Korrosionsschutz

und eine Nasslackierung

aufgebracht. Die Terrasse wurde als

Stahlrahmenkonstruktion mit eingelegter,

feuerverzinkter Gitterrostabdeckung ausgeführt.

Tragwerksplanung

Eine schonende Umwandlung und Erneuerung

des Bestandsgebäudes sowie die

Beratung bei der Betonsanierung unter

Berücksichtigung des Denkmalwertes der

Fassade waren zentrale Tätigkeiten der

Tragwerksplaner. Voraussetzung für den

Umbau des Kriechkellers zur Bibliothek

waren abschnittweise Unterfangungen der

vorhandenen Fundamente, verbunden mit

dem Einbringen einer neuen Bodenplatte.

Vor dem Hintergrund der angestrebten

Schonung des Bestands wurde nicht nur

die Ausführungsplanung erstellt, sondern

auch der Ablauf des Rohbaus geplant und

überwacht. Eine besondere Herausforderung

war zudem der statische Nachweis

der Spanischen Wand, bei dem durch

eine äußerste Minimierung des Materialeinsatzes

die baukonstruktive Umsetzung

eines durchlässigen Paravents erreicht

werden konnte.

Denkmalpflege

Die neue Funktion des 2001 als Kulturdenkmal

ausgewiesenen Amerika Hauses als

Kulturinstitut einer anderen bedeutenden

Nation, Spaniens, ist aus denkmalpflegerischer

Sicht aufgrund der Nutzungskontinuität

sehr zu begrüßen. Die Art der

geplanten Umbaumaßnahmen bot zudem,

trotz Anpassung an die speziellen Anforderungen

der neuen Nutzer, die Chance, die

originären Qualitäten im Inneren und

Äußeren wiederherzustellen.

Die vom Denkmalamt der Stadt Frankfurt

initiierte restauratorische Befunduntersuchung

in den zentralen Bereichen sowie

an der Gebäudehülle war Grundlage für

die Farbgebung der einzelnen Fassadenelemente

sowie der Gestaltung des Foyers

und des Veranstaltungssaales, der ehemaligen

»Kennedy Hall«. Es erwies sich

als Glücksfall, beim Instituto Cervantes auf

offene Ohren für das denkmalpflegerische

Anliegen zu stoßen, das ursprüngliche

Erscheinungsbild in wesentlichen Abschnitten

wiederherzustellen und gleichzeitig

modernen Anforderungen an ein

öffentliches Gebäude Rechnung zu tragen.

Prof. Michael Schumacher

Dipl.-Ing. Astrid Wuttke

[83


84]

Grundrisse

© schneider + schumacher

Längsschnitt

© schneider + schumacher

Bauherr

Stadt Frankfurt am Main

Projektleitung

Hochbauamt der Stadt Frankfurt am Main

Nutzer

Instituto Cervantes,

Frankfurt am Main

Projektleitung

Hochbauamt der Stadt Frankfurt am Main

Architekten

schneider + schumacher

Planungsgesellschaft mbH,

Frankfurt am Main

Projektleitung:

Kristin Dirschl, Astrid Wuttke

Bauleitung:

Friedrich Keller

Mitarbeit:

Peter Knörr, Qiang Xu

Tragwerksplanung

B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Sanitärtechnik

büsing ingenieure gmbh,

Frankfurt am Main

Haustechnik

Beiersdorf Herzhauser Planung GmbH,

Frankfurt am Main

Bauphysik

ITA Ingenieurgesellschaft für technische Akustik

mbH,

Wiesbaden

Brandschutz

Ingenieurbüro Franz Schächer,

Bad Vilbel

Restaurator

Ulrike König Restauratorin,

Mainz

Landschaftsplanung

lebenbauen Freiraum und Architektur,

Frankfurt am Main

Schadstofferkundung

SakostaCAU,

Dreieich

Bodengutachten

ISK Ingenieurgesellschaft für Bau- und Geotechnik,

Rodgau

SiGeKo

Krebs und Kiefer Beratende Ingenieure für das

Bauwesen GmbH,

Darmstadt

[Umrisse]


[Umrisse]

Ordnungsamt der Stadt Frankfurt am Main

Bauwerk und Kontext

Baukörper mit Spiral-Band-Struktur

© Christoph Kraneburg

Gutachterverfahren

Auf Wunsch der Stadt Frankfurt als Mieter

wurde für den Neubau des Ordnungsamtes

ein Gutachterverfahren ausgelobt, zu

dem vom Bauherrn sieben Teilnehmer

geladen wurden; Auftraggeber war die

OFB Projektentwicklung GmbH. Die Jury

hat sich dann für den Entwurf von Meixner

Schlüter Wendt Architekten entschieden.

Städtebauliche Typologie

Das neue Ordnungsamt liegt westlich

der Innenstadt im Stadtteil Gallus. Die

Umgebung ist geprägt von zwei wesentlichen

geometrischen Komponenten des

Bestandes:

– Kurvenbewegung der Bahngleise

bzw. der südlichen und westlichen

Bebauung,

– orthogonale Struktur der nördlichen

und östlichen Bebauung.

Konzeptentwicklung

© Meixner Schlüter Wendt

Ziel des Entwurfes ist es, die Vermittlung

beider Strukturen an dieser Nahtstelle

und insbesondere die auffällige Kurvenbewegung

aufzugreifen. Die Umgebung

ist außerdem geprägt von unangenehmen

Brachen und kaum arrondierten Stadträumen.

Weiteres Ziel des Entwurfes ist

es, den Stadtraum zu verdichten und dabei

die Qualitäten einer offenen Bauweise

hinsichtlich Belichtung und Aussicht zu

erhalten. Das neue Ordnungsamt der Stadt

Frankfurt wird städtebaulich als öffentlicher

Sondertypus begriffen.

Die geplante Bandstruktur ermöglicht eine

Kombination von Offenheit und Stadtraumverdichtung.

Die für dieses Grundstück

individuell angeordnete Spiral-Band-

Lageplan

© Meixner Schlüter Wendt

Struktur bildet einen signifikanten Solitär –

mit einem der Aufgabe und Bedeutung

entsprechenden Wiedererkennungswert

als offenes Amt.

[85


Gebäudefront an der Rebstöcker Straße

© Christoph Kraneburg

86]

Gebäudetypologie

Eine Besonderheit des Raumprogramms

ist neben einigen Sonderbereichen die

Repetition vieler ähnlicher Büroräume auf

einer Fläche von ca. 30.000 m². Dabei ist

es erforderlich, die subtilen Unterschiede

der einzelnen Funktionen und ihrer stadträumlichen

Orientierung herauszuarbeiten

und daraus eine authentische Struktur

bzw. Gliederung zu entwickeln. Die Entwicklung

des Baukörpers hängt mit einer

spezifischen Wahrnehmungsstrategie

zusammen.

Durch die Spiral-Band-Struktur eröffnet

sich die Möglichkeit, die übliche Differenzierung

von Vor- und Rückseite bzw.

Straßen- und Hoffassade aufzulösen.

Durch die farbliche Unterscheidung der

beiden Baukörperseiten gehen die Straßenfassaden

fließend in die Hoffassaden über.

Die Front zum Beispiel entlang der Rebstöcker

Straße wird so selbstverständlich

in zwei Teile unterschieden. Durch diese

ungewohnte Differenzierung wird die

Wahrnehmung der Nutzer und Betrachter

unmittelbar angesprochen.

Das Raumprogramm des Ordnungsamtes

erfordert eine möglichst geschoßweise

Gliederung bzw. Stapelung von unterschiedlichen

Abteilungen oder Nutzungen,

wie etwa zentrale Einrichtungen im Erdgeschoß

(Eingangshallen, Cafeteria, Kantine

etc.), und Sonderflächen in den Obergeschossen,

wie die Konferenzzone.

Ebenfalls in den Obergeschossen sind die

verschiedenen Bürobereiche, wie unter

anderem die Ausländerbehörde oder Stadtpolizei,

horizontal geschichtet.

Die Gebäude- und die damit verbundene

Fassadenstruktur thematisieren diese

spezifische, subtile Differenzierung der

Funktionen in horizontale Schichten. Dabei

werden die Geschoßhöhen durch Zusammenfassen

verschiedener Ebenen oder

deren scheinbares Verschwinden bewusst

überspielt. Durch dieses Verfremden wird

die horizontale Schichtung bzw. Stapelung

erst wahrnehmbar und erlebbar. Die innere

Nutzung bildet so eine spannungsvolle,

differenzierte Fassadengliederung ab.

Eine besondere Schicht stellen Erd- und

erstes Obergeschoß dar, in die die öffentlichen

Raumbereiche, wie die Eingangshallen

etc., im Sinne eines offenen Amtes

»herausgeschält« sind. Als großzügig

verglaste Hallen falten sie sich im Innern

analog zur Baukörpergeometrie in Bandsegmenten

räumlich auf – mit diesen

Strukturen sind unterschiedliche technische

Elemente, wie Empfangstresen,

Counter etc., in eine räumliche Gesamtfigur

eingebunden.

Innenhof des neuen Ordnungsamtes

© Christoph Kraneburg

Horizontale Schichtung der Funktionen

© Christoph Kraneburg

Erschließung und Nutzung

Entsprechend der städtebaulichen Herleitung

liegt der Haupteingang an der

Südspitze des Grundstückes, ein zweiter

für die Ausländerbehörde befindet sich

zur Entzerrung der Besucherströme in der

Mitte der Rebstöcker Straße. Von beiden

erfolgt die Verteilung vertikal in die einzelnen

Bereiche.

Neben den Eingängen sind alle erdgeschoßrelevanten

Nutzungen, wie Empfang,

Kantine und Sport, auf Straßenniveau

angeordnet. Die Konferenzräume sind

wegen der Aussichts- und Aufenthaltsqualität

im fünften Obergeschoß platziert,

die übrigen Abteilungen im Wesentlichen

im ersten bis fünften Obergeschoß untergebracht

und horizontal gegliedert. Die

Tiefgarage ist als offene Garage konzipiert,

das heißt, es entfällt vor allem eine künstliche

Belüftung.

[Umrisse]


[Umrisse]

Die Gebäudestruktur ist wesentlich geprägt

von den Vorzügen einer Aufteilung

in 400-m²-Nutzungseinheiten, die ohne

brandschutztechnische Einschränkungen

ausgebaut werden können. Entsprechend

gibt es für zwei Nutzungseinheiten ein

Treppenhaus: der erste Rettungsweg.

Der zweite erfolgt über die angrenzende

Nutzungseinheit oder, insbesondere bei

der Drittverwertung, über straßen- oder

hofseitiges Anleitern. Die Vermeidung von

Brandüberschlägen ist durch den Kurvenwinkel

in der Süd- und Nordwestecke und

durch eine geschlossene Fassade in der

Nordostecke gewährleistet.

Das Gebäude bleibt als signifikante Adresse

auch für mögliche Drittverwertungen

attraktiv. Durch die Vermeidung von Rückseiten

sind alle Bauwerksteile gleichwertige

Einheiten, wobei durch den offenen

Hof und die lange Straßenfront maximal

fünf Eingänge ausführbar wären. Die

flexible Vermietbarkeit in kleinen Einheiten

ist zudem durch klare Gliederung in

400-m²-Abschnitten gut möglich: Theoretisch

wäre eine Segmentierung in zwölf

vertikale und fünf bis sechs horizontale

Nutzungseinheiten realisierbar.

Claudia Meixner

Florian Schlüter

Martin Wendt

Counterbereich im Erdgeschoß

© Norbert Miguletz

Erd- und Regelgeschoß

© Meixner Schlüter Wendt

Bauherren

Rebstöcker Straße GmbH & Co. KG,

Frankfurt am Main

OFB Projektentwicklung GmbH,

Frankfurt am Main

Architekten

Meixner Schlüter Wendt Architekten

Claudia Meixner, Florian Schlüter, Martin Wendt,

Frankfurt am Main

Projektleitung:

José Ortells, Nina Kreiter, Antje Feenders

Mitarbeiter:

Martin Goldhammer, Hannes Freising, Diana Vicari,

Volker Rohde, Daniel Güth, Asmus von Esebeck,

Timo Prinzing, Géza Szerdahelyi, Corinna Bernardy,

Ute Günzel, Cordula Keller, Stephan Bohlender,

Joost Rebske, Mie Dressler

Bauleitung

BAL Bauplanungs- und Steuerungs GmbH,

Berlin

Tragwerksplanung

bwp Burggraf + Reiminger

Beratende Ingenieure GmbH,

München

Elektroplanung

TP Elektroplan GmbH,

Gaggenau

Haustechnik

Platzer Ingenieure,

Bad Nauheim

Fassadenberatung

IFFT Institut für Fassadentechnik Karlotto Schott,

Frankfurt am Main

Landschaftsarchitekten

B.A.E.R Planungsgemeinschaft Becsei

und Hackenbracht,

Frankfurt am Main

Leit- und Informationssystem

unit-design gmbh,

Frankfurt am Main

[87


88]

Gesamtprojekt

Depot Sachsenhausen

Revitalisierung des ehemaligen Straßenbahndepots

Bei dem Projekt handelt es sich um die

»Revitalisierung« des ehemaligen Straßenbahndepots

in Kombination mit der Neubebauung

von Wohn- und Bürogebäuden.

Das Ensemble, bestehend aus den drei

Depothallen, einem Bürokomplex sowie

Wohnhäusern, liegt im Frankfurter Stadtteil

Sachsenhausen unmittelbar nordöstlich

des Südbahnhofs zwischen Textor-, Bruchund

Hedderichstraße.

Lageplan

© Landes & Partner

Ensemble aus drei Depothallen, Verlagshaus und Wohngebäuden

© Marcus Bredt

Ingesamt gliedert es sich in drei Abschnitte:

– Depothallen: Eine kleine Stadt mit

Wohnungen, Markt, Bibliothek und

einem Bouleplatz unter Platanen,

farbenfroh und mit südländischer

Atmosphäre, das, kaum fertiggestellt,

als neues »Kultur«-Zentrum in

Frankfurt sehr lebhaft angenommen

worden ist. Die denkmalgeschützten

Hallen sind zum Teil erhalten und als

architektonischer Raum wiederhergestellt

worden.

– Verlagshaus der Frankfurter Rundschau:

Innerhalb der kleinen Stadt des

»Depots« ordnet sich diese Institution

nahezu selbstverständlich in den

Gesamtkomplex ein. Aus der wiederaufgebauten

Straßenbahnhalle wächst

ein Bürohaus aus Stahl und Glas. An

einer Kopfseite wurde ein Bürogebäude

aus Stein und Putz parallel zur

Straße angedockt. Außergewöhnlich

ist der hohe Raum der ehemaligen

Straßenbahnhalle, in dem ca. 100 Mitarbeiter

täglich an der neuesten

Zeitung arbeiten.

– Wohngebäude: Drei neue Wohnhäuser

wurden entlang der Hedderich- bzw.

Bruchstraße errichtet.

Entwurf und Realisierung

Die beiden westlichen Depothallen aus

dem Jahr 1899 haben ihre ursprünglichen

Backsteinfassaden mit der typischen,

mehrfarbigen Ornamentik aus schwarzen,

ockergelben und orangeroten Backsteinen

zurückerhalten. Sowohl das

Raumerlebnis als auch die wiederhergestellte

Tragkonstruktion erinnern hier

an die alten Hallen. Neu hingegen sind die

großen, rhythmisierten Fensteröffnungen –

dieser Typus aus Gestalt und Konstruktion

wurde bei industriellen Bauwerken um

1899 häufig verwendet.

[Umrisse]


[Umrisse]

In die westliche Halle ist ein sechsgeschossiges

Bürogebäude eingestellt, das

mit seiner modernen Stahl-Glas-Fassade

einen Kontrast zu dem übrigen Ensemble

bildet und zusammen mit der Halle den

neuen Firmensitz des Verlagshauses der

Frankfurter Rundschau aufnimmt. Die

mittlere und westliche Depothalle beherbergen

zugleich das Bibliothekszentrum

Sachsenhausen sowie einen Gastronomiebetrieb

mit Außenbereich und schaffen

zusätzlich ein urbanes Umfeld.

Die östliche, um 1901 errichtete Halle mit

ihrer durch die Gründerzeit geprägten,

etwas schmuckvolleren Architektur wurde

im Innenraum rekonstruiert, die Längsseiten

der Außenfassade gedämmt und

weiß verputzt, die zur Textorstraße hin

orientierte »Hülle« dagegen größtenteils im

Original belassen und nur in Abschnitten

neu ergänzt. Die gesamte Halle wird von

einem Lebensmittelmarkt genutzt, so dass

sie im Hinblick auf den Denkmalschutz

sowie den Raumeindruck des historischen

Bauwerks ganzheitlich für die Öffentlichkeit

erfahrbar bleibt.

Innenraum der

Frankfurter Rundschau

© Marcus Bredt

Bibliothekszentrum

Sachsenhausen

© Marcus Bredt

Lebensmittelmarkt in

historischer »Hülle«

© Marcus Bredt

Die drei Wohngebäude entlang der Bruchstraße

haben rhythmisierte Lochfassaden

mit bodentiefen Fenstern, ihre Gliederung

erfolgt zudem durch die großzügigen, vorgehängten

Balkone. Ergänzt wird diese

Bebauung von einem sechsgeschossigen

Wohnhaus an der Hedderichstraße, das

direkt an den Verlagssitz der Frankfurter

Rundschau anschließt und das Quartier

räumlich fasst.

Wohnungen mit vorgehängten Balkonen

© Marcus Bredt

[89


Schnitte

© Landes & Partner

90]

In einer bauteilübergreifenden Tiefgarage,

ebenfalls ein Element des Gesamtprojekts,

werden darüber hinaus sowohl öffentliche

Parkplätze (Quartiersgarage), Stellflächen

für den gewerblichen Bereich (Bürostellplätze)

als auch solche für die Bewohner

(Mietergarage) angeboten.

Durch Nutzungen wie Supermarkt, Stadtteilbibliothek

und Gastronomie bleiben die

historischen Gebäude für die Öffentlichkeit

erlebbar. Zusammen mit den Fassadenproportionen

und der Farbigkeit der

Wohnhäuser sorgen sie für eine urbane

Atmosphäre, die für Sachsenhausen

typisch ist.

Michael A. Landes

Erdgeschoß

© Landes & Partner

Bauherr

Depot Sachsenhausen GmbH & Co. KG,

Frankfurt am Main

Architekten

Landes & Partner Architekten in

Planungsgesellschaft Landes + Wentz GmbH,

Frankfurt am Main

Projektsteuerung

Schindler & Werb AG,

Frankfurt am Main

Eingestellter Baukörper …

© Marcus Bredt

Tragwerksplanung

Moritz Ingenieurbüro für Baustatik,

Bad Homburg Fassadenplanung

a. t. f. architektur technik fassade

Petar Reich Martina Walpi gbr,

Frankfurt am Main

Haustechnik

IBB Ingenieurbüro Borchert,

Willingshausen

Brandschutz

BBS Kerstin Görhs GmbH,

Lorsch

Geotechnik

Dr. Hug Geoconsult GmbH,

Oberursel

Vermessung

Wittig + Kirchner,

Bad Homburg

Außenanlagen

freiraum x Landschaftsarchitektur

Dipl.-Ing. Claudius Grothe,

Frankfurt am Main

[Umrisse]


[Umrisse]

Valentin-Senger-Schule in Bornheim

Grundschule, Kindertagesstätte und Sporthalle in Passivhausbauweise

Schulhof als zentraler Aufenthaltsbereich

© Mara Monetti

Lage und Aufgabe

Das neue Wohnviertel »New Atterberry«

an der Friedberger Warte liegt im Nordosten

Frankfurts im Stadtteil Bornheim.

Innerhalb kurzer Zeit entstanden auf dem

ehemaligen Kasernengelände Wohnungen

für rund 3.000 Menschen. Für die überwiegend

jungen Familien, die hier leben,

musste ein entsprechendes Bildungs-

und Betreuungsangebot geschaffen

werden.

Die ursprüngliche Konzeption einer zweizügigen

Grundschule mit fünfgruppiger

Kindertagesstätte und Ein-Feld-Sporthalle

wurde zu Planungsbeginn zu einer dreizügigen

Grundschule mit fünfgruppiger

Kindertagesstätte inklusive Nachmittagsbetreuung

und Zwei-Feld-Sporthalle erweitert.

Die Beauftragung erfolgte nach

einem VOF-Verfahren, Bauzeit war von

Juli 2009 bis März 2011.

Entwurfskonzept

Drei eigenständige Baukörper bilden auf

dem beengten Grundstück ein Ensemble

mit interessanten Raumbezügen und vielfältigen

Spiel- und Aufenthaltsbereichen

für die verschiedenen Altersgruppen.

Über ihre Materialität wird ein bewusster

Kontrast zu den Klinkerfassaden der umgebenden

Wohnbebauung geschaffen. Die

drei Gebäude im Passivhausstandard sind

in Ausdruck und Farbigkeit unterschiedlich,

verweisen aber dennoch aufeinander.

Lageplan

© Baufrösche

Vorgehängte Gabionen aus einem regionalen

Dolomitgestein, mineralischer Putz

und eine Bekleidung mit Holzleisten aus

Douglasie prägen das Erscheinungsbild.

[91


»Vogelnest« am Treppenende

© Mara Monetti

Die dreigeschossige Grundschule setzt

mit ihrer kompakten Kubatur einen städtebaulichen

Akzent. Die Ganztagsschule

wird im Inneren durch die große, über drei

Geschosse offene und über Dachöffnungen

belichtete Halle mit dem eingestellten

roten Sichtbetonkern bestimmt. Eine verzweigte

Treppenskulptur durchkreuzt den

großzügigen Luftraum der Halle. Unterhalb

der Dachverglasung bietet das »Vogelnest«

einen Rückzugsort mit Blick in den

Himmel.

Die Kindertagesstätte gliedert sich in den

zweigeschossigen eigentlichen Kindergarten

für ca. 100 Kinder und den eingeschossigen

Betreuungsflügel mit drei

Gruppen. Die Gebäudeform umschließt

die vorhandene große Blutbuche und

spannt einen geschützten, grünen Innenhof

auf.

Aufgang zum Dachspielfeld der Sporthalle

© Mara Monetti

Kindergarten mit begrünter Freifläche

© Mara Monetti

Zur Optimierung der Schulhoffläche wurde

das große Volumen der Zwei-Feld-Sporthalle

zur Hälfte in die Erde gesenkt, ihre

Nebenräume sind daher unterhalb des

Schulhofs angeordnet. Das begehbare

Dach der Sporthalle ergänzt mit einem

Spielfeld die vorhandenen Freiflächen,

erschlossen wird dieses Dachspielfeld

über eine großzügige »Bühnentreppe«.

Alle Gebäude sind barrierefrei und die

Dachflächen extensiv begrünt.

Passivhauskonzept

Die Gebäude sind entsprechend den Leitlinien

zum wirtschaftlichen Bauen der

Stadt Frankfurt im Passivhausstandard

konzipiert. Beleuchtung, Lüftung, Temperatur

und der außenliegende Sonnenschutz

werden bedarfsabhängig über die

Gebäudeleittechnik gesteuert. Zur Vermeidung

sommerlicher Überhitzungen befinden

sich in den Aufenthaltsräumen zudem

Nachtlüftungsöffnungen mit einbruchsicheren

Lamellen.

Die zusätzliche Beheizung erfolgt über

raumluftunabhängige Gas-Brennwertkessel;

Schule und Kindertagesstätte

verfügen dabei über separate Heizkessel.

Die Sporthalle wird über eine erdverlegte

Verbundmantelleitung von der Schule aus

versorgt.

92] [Umrisse]


[Umrisse]

Eine besondere Herausforderung stellte

die Planung des Dachspielfelds und der

Gabionenfassade dar. Das Dachspielfeld

ist von der darunterliegenden Sporthalle

thermisch und konstruktiv entkoppelt:

Eine Lastverteilungsplatte ist auf der im

Mittel 370 mm dicken Wärmedämmung aus

PUR/PIR aufgelagert. Ein umlaufender Ring

aus Betonfertigteilen bildet das Fundament

für den 4 m hohen Ballfangzaun und kann

gleichzeitig als Sitzbank genutzt werden.

Die hohen Lasten der Fassadengabionen

sind über eine wärmebrücken- und spannungsfreie

Unterkonstruktion auf Basis

thermisch entkoppelter Stabwerke abgehängt

– eine Lösung, die am Beispiel

dieses Projekts vom Passivhaus Institut

zertifiziert wurde.

Manfred Lenhart

Baufrösche,

Kassel

Grundrisse: Grundschule, Kindertagesstätte, Sporthalle

© Baufrösche

Schnitte: Grundschule und Sporthalle

© Baufrösche

Bauherr

Stadt Frankfurt am Main

Stadtschulamt

Projektleitung

Hochbauamt Stadt Frankfurt

Planung

Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH,

Kassel

Bauleitung

Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH,

Kassel

FAAG Technik GmbH,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung

B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

Platzer Ingenieure,

Bad Nauheim

Elektroplanung

Schad-Hölzel GmbH & Co. KG,

Mörfelden-Walldorf

Brandschutz

Hilla Sachverständigenbüro

für vorbeugenden Brandschutz,

Frankfurt am Main

Freiraumplanung

Götte Landschaftsarchitekten GmbH,

Frankfurt am Main

Passivhausberatung

Passivhaus Institut Dr. W. Feist,

Darmstadt

Erscheinungsbild

des Halleninneren

© Mara Monetti

[93


94]

Erweiterung des Städel Museums

Der Wettbewerbsbeitrag

Die Stadt und das Städel

Aus dem Wettbewerbsbeitrag (2008): »In

Frankfurt ist alles so hübsch beieinander,

der moderne Großstadtbetrieb und die

altertümliche Enge.« Das Zitat von Max

Beckmann aus einem Brief an seinen

Verleger Reinhard Piper lässt sich ebenso

auf das heutige, im Vergleich zu anderen

Städten sehr kompakte Frankfurt beziehen.

So ist dann die Beziehung der Stadt zu

ihrem bedeutendsten Kunstmuseum nicht

minder durch Nähe gekennzeichnet – und

zwar real wie metaphorisch. Tatsächlich

ist die Präsenz des Städel im öffentlichen

Bewusstsein so groß wie eh und je, zugleich

kann von einer starken städtebaulichen

Präsenz gesprochen werden.

Seit dem Umzug des Hauses in die »Räumlichkeiten

vor die Tore der Stadt«, wie

es einst hieß, steht das inzwischen von

großen Bäumen umgebene Haus selbstbewusst

und weithin sichtbar am südlichen

Ufer des Mains. Zerstörung,

Wiederaufbau in schwieriger Zeit und

Erweiterungen konnten dieser Wirkung

nichts anhaben.

Doch auch im Städel selbst »ist alles so

hübsch beieinander«. Gemeint ist das

räumliche Miteinander der Werke aus den

verschiedenen Epochen der europäischen

Kunstgeschichte vom Mittelalter bis in die

Gegenwart, das das Herz der Besucher

höher schlagen lässt.

Künftiges

Erscheinungsbild bei Nacht

© schneider + schumacher

Das Ganze

Die innere Organisation des ersten historischen

Gebäudes erfolgte auf der Grundlage

einer zentralen Achse. In der Verlängerung

dieser Achse wurde das Haus im

Rahmen eines zweiten Bauabschnitts

durch den »Gartenflügel« in der gleichen

Typologie ergänzt. Durch die Anordnung

weiterer Ausstellungsflächen auf dem

Niveau des »Zwischenpodests« entstand

eine Raumfolge von großer Selbstverständlichkeit.

Vor diesem Hintergrund

wurde das bewährte Prinzip aufgegriffen

und das Raumkontinuum über das Alte

Foyer in die neuen Sammlungsräume

erweitert.

[Umrisse]


[Umrisse]

Das Foyer

Dem Eingangsbereich des ersten historischen

Gebäudes und der dortigen

Treppenanlage kommt bei der Erweiterung

eine besondere Bedeutung zu. Durch das

Öffnen der beiden Bogenfelder rechts und

links der Haupttreppe gelangt der Besucher

auf das Niveau des Alten Foyers.

Die Gartenhallen

Die neuen Sammlungsräume werden unter

dem Garten platziert. Vom Alten Foyer

kommend, betritt man zuerst die zentralen

»Gartenhallen«. Charakterisiert wird dieser

Raum durch seine elegant geschwungene

und leicht wirkende Decke, die ihn frei

überspannt. Hier soll die Kunst der zweiten

Hälfte des 20. Jahrhunderts ihr neues

Zuhause finden.

Neue Sammlungsräume unter dem Garten

© schneider + schumacher

Der Garten

Geplante Erweiterung und vorhandene Baukörper im Modell

© Frank Hellwig

Als Pendant zum Westflügel wird ein

grünes Volumen auf der Ostseite mit

ausreichend Durchblick zur Dürerstraße

angeordnet. Die Aufwölbung der Deckenschale

lässt sich von außen als ein fester

Bestandteil der Topographie des neuen

Gartens wahrnehmen: Sie erscheint verblüffend

und selbstverständlich zugleich

und stärkt das Städel in seiner übergreifenden

architektonischen Qualität. Die

begrünte Aufwölbung hat die Kraft, einen

eigenständigen Beitrag zur Architektur

des historischen Städel-Komplexes zu

leisten. Die Trennung zwischen Haus und

Garten wird auf subtile Art aufgehoben,

durch die Verlängerung des Raumkontinuums

bis in den Garten vermag er

zudem als Museumsfoyer begriffen zu

werden.

Außerdem wird die architektonische

Beziehung zur Städelschule verstärkt.

Ihre Fassade, die im Rahmen der Baumaßnahme

bereits von schneider + schumacher

saniert wurde, bietet der Südfront des

Gartenflügels ein angemessenes Gegenüber.

In seiner neuen Gestalt spannt

sich der Garten räumlich zwischen dem

Gebäude, in welchem die Kunst gesammelt,

bis zum Hof jenes Hauses, in dem

die Kunst erarbeitet wird. Das Museum

und die Kunstschule werden zu einem

Ort des kulturellen Miteinanders – als

Ausdruck des nach vorne gewandten

Stiftergedankens.

[95


96]

Licht und Atmosphäre

Das Innere des Städel ist in seiner Atmosphäre

geprägt durch einen großen Anteil

an natürlichem Licht. Die neuen Räume

erhalten daher kreisrunde Oberlichter.

In den Öffnungen befindet sich ein Verschattungssystem,

welches direkte

Sonneneinstrahlung verhindert und die

Möglichkeit bietet, das Tageslicht vollständig

auszublenden. Die Grundbeleuchtung

ist ebenfalls in die Oberlichter integriert.

Ausstellungsbereich mit kreisrunden Oberlichtern

© schneider + schumacher

Energie und Klima

Die Wärme- und Kälteerzeugung erfolgen

mittels Erdpendelspeicher und nachgeschalteter

Wärmepumpe. Mit dem Erdpendelspeicher

können saisonale Schwankungen

des Energiebedarfes ausgeglichen,

mit der Wärmepumpe ein Teil der Beheizung

und Kühlung des Museumsgebäudes

mit erneuerbarer Energie gewährleistet

werden. Zur Wärme- und Kälteverteilung

dienen der Fußboden und die Betondecke.

Mit der geplanten Klimaanlage lässt sich

der neugeschaffene Ausstellungsraum

kühlen sowie be- und entfeuchten. Die

Lüftungsanlage ist mit einer hocheffizienten

Wärmerückgewinnung ausgestattet,

für die Luftansaugung sorgt ein Erdregister,

das die Luft im Sommer und Winter vorkonditioniert.

Durch die kompakte Bauweise im Erdreich,

die Wärme- und Kälteerzeugung mit Erdpendelspeicher

und Wärmepumpe, die

Luftvorwärmung und -kühlung mittels

Erdregister und die große innere Speichermasse

kann ein für den Museumsbetrieb

optimales Raumklima mit minimalem

Energieaufwand erzeugt werden.

Konstruktion und Gründung

Die Erschließung und Anbindung erfolgen

über den vorhandenen Gartenflügel.

Hierzu wird der Neubau unter den Bestand

»geschoben«, da sein Niveau weit unter

der bisherigen Gründungsebene liegt. Um

den geplanten Verbindungstrakt ausführen

zu können, ist es zudem notwendig, das

existierende Gebäude während der Bauzeit

»aufzuständern«. Dessen tragende

Wände, Decken etc. werden daher mit

zusätzlichen Stahlkonstruktionen abgefangen

und neu gegründet. Diese Abfangungen

gewährleisten zugleich die

gewünschte Stützenfreiheit und somit

Flexibilität.

Der Erweiterungsbau »Gartenhallen«

besteht aus einem im Erdreich angeordneten,

rechteckigen Stahlbetonkörper

mit einer freigeformten, durchbrochenen

Decke, dessen Dach eine begrünte Bodenschicht

aufweisen wird, um den Gartenanteil

für den Museumskomplex zu erhalten.

Die begehbar verglasten Öffnungen

bieten die Möglichkeit, die neuen Ausstellungsflächen

natürlich zu belichten.

[Umrisse]


[Umrisse]

Die Deckenschale ist im mittleren Bereich

kuppelförmig nach oben gewölbt, ausgesteift

durch den umlaufenden, horizontalen

Rand und aufgelagert auf wenigen Innenstützen

und den Stahlbetonaußenwänden.

Die Dicke dieser Stahl- bzw. Spannbetonkonstruktion

variiert und ist den Beanspruchungen

angepasst. Die Gründung

erfolgt auf einer Bodenplatte, die im

Bereich hoher Stützenlasten aufgevoutet

ist. Wegen des hohen Grundwasserstandes

und der Tiefe des Gebäudes ist

es erforderlich, den Neubau gegen »Aufschwimmen«

zu sichern, und zwar mittels

im Boden verankerter Betonzugpfähle.

Alle außenliegenden Betonkonstruktionen

werden als sogenannte Weiße

Wanne ausgebildet, darüber hinaus sind

zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen

vorgesehen.

Prof. Michael Schumacher

Kai Otto

Bauherr

Städelsches Kunstinstitut,

Frankfurt am Main

Architekten

schneider + schumacher,

Frankfurt am Main

Projektarchitekten:

Michael Schumacher, Kai Otto

Projektleitung:

Miriam Baake

Bauleitung:

Hans Eschmann

Mitarbeit:

Till Schneider, Christoph Bonke, Karlo Filipovic,

Manuel Mauder, Vita Redliha, Iva Resetar,

Miodrag Stojsic (Wettbewerb)

Felicitas Adler, David Bujanowski, Diana Djekic,

Florian Haus, Kerstin Högel, Miriam Huesgens,

Patrizia Kaufmann, Florian Mieden, Carsten Nawrath,

Wolfgang Schneider, Sebastian Stange,

Ragunath Vasudevan, Alexander Volz (Ausführung)

Tragwerksplanung

B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

IPB GmbH,

Frankfurt am Main

Ingenieurbüro Dieter Bohlmann,

Wehrheim

Begeistert

für Fortschritt

Die BAUER Spezialtiefbau GmbH führt weltweit

alle Verfahren des Spezialtiefbaus aus, Großbohrpfähle

und Schlitzwände, Anker und Hochdruckinjektion,

Spundwände und Dichtsohlen, Rüttelgründungen

und Kleinbohrpfähle. Aus der Baupraxis

heraus werden neue Verfahren entwickelt.

BAUER Spezialtiefbau GmbH

Hauptverwaltung

BAUER-Straße 1

86529 Schrobenhausen

Tel.: +49 8252 97-0

www.bauer.de

Lichtplanung

Ulrike Brandi Licht,

Hamburg (Wettbewerb)

Licht Kunst Licht AG,

Bonn, Berlin (Ausführung)

Außenanlagen

lebenbauen Freiraum und Architektur,

Frankfurt am Main (Wettbewerb)

Keller + Keller Landschaftsarchitekten,

Kronberg (Ausführung)

Bauphysik

Tohr Bauphysik GmbH & Co. KG,

Bergisch Gladbach

Vermessung

Grandjean & Kollegen,

Frankfurt am Main

Bodengutachten

Baugrundinstitut Franke-Meißner und Partner GmbH,

Wiesbaden

SiGeKo

Gesellschaft für Arbeitssicherheit mbH,

Frankfurt am Main

Niederlassung Rhein-Main

Oberurseler Straße 69

61440 Oberursel/Taunus

Tel.: +49 6171 5899-0

BST-RM@bauer.de

[97


98]

Veranstaltungszentrum von internationalem Rang

Der Umbau des Gesellschaftshauses im Palmengarten

Schnitt durch den Festsaal

© David Chipperfield Architects

Einleitung

Das Gesellschaftshaus des Frankfurter

Palmengartens ist ein in Deutschland

einmaliges architektonisches Ensemble,

das man in seiner historischen Pracht des

19. Jahrhunderts auf den ersten Blick nicht

in einer pulsierenden und sich ständig

erneuernden Großstadt wie Frankfurt am

Main verortet. Das Bauwerk erzählt vom

Prunk der Wilhelminischen Zeit und trägt

in seinem Anbau der 1920er Jahre gleichzeitig

die Handschrift der klassischen

Moderne, mit der Martin Elsaesser und

Ernst May eine radikale Abkehr von der

Architektur des Historismus vollzogen.

Baugeschichte

Ein erstes Gebäude im Frankfurter Palmengarten,

1872 durch Friedrich Kayser und

Friedrich von Thiersch entworfen, brannte

1878 ab. 1879 wurde Heinrich Theodor

Schmidt mit dem Neubau beauftragt,

Ludwig Neher gestaltete den prachtvollen

Festsaal im Stil der Neorenaissance. Die

reichgeschmückte Kassettendecke, die

Gemälde-Medaillons und Stuckverzierungen

erzählen noch heute vom Glanz

vergangener Zeiten. Der Prachtbau diente

im späten 19. Jahrhundert als Kaffee- und

Teehaus mit Tanzveranstaltungen und bot

Platz für nahezu 1.200 Besucher. Im Ersten

Weltkrieg als Lazarett genutzt, erhielt er in

den 1920er Jahren durch Martin Elsaesser

und Ernst May eine kubische Erweiterung

im klaren Stil des Bauhauses, der im Kontrast

steht zum Prunk des kaiserzeitlichen

Gebäudes. Der Anbau Elsaessers beherbergte

ein elegantes und repräsentatives

Restaurant mit zwar ornamentloser, aber

ausgefeilter, aufwendiger und gediegener

Detailausbildung, wie zum Beispiel Blumenfenstern,

verschiedenen Putztechniken,

verchromten Handläufen und gebogenen

Glasscheiben im Hochzeitszimmer.

Er war Bestandteil des gesellschaftlichen

und kulturellen Erneuerungsprogramms

»Neues Frankfurt!« und sollte nach der

Planung Ernst Mays und Martin Elsaessers

nur der erste Abschnitt einer gesamten

Erneuerung des Palmengartengesellschaftshauses

und des Palmenhauses

sein. Diese Teile des Historismus sollten

später abgerissen werden.

Die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts

haben ebenfalls prägende bauliche Zeichen

hinterlassen. So wurde das im Zweiten

Weltkrieg beschädigte Vestibül auf der

Westseite durch einen Neubau ersetzt.

Im Zuge jener Baumaßnahmen wurden

auch der Festsaal und die umlaufende

Galerie stark verändert. Eine Akustikverkleidung

deckte die reichdekorierten

Wandflächen und das Deckenoberlicht

ab. Die ursprüngliche architektonische

Ordnung und die lichte Offenheit zum

Außenraum hin gingen verloren.

[Umrisse]


[Umrisse]

Nutzungskonzept

Als Mittelpunkt der dynamischen Wirtschaftsregion

Rhein-Main zählt Frankfurt

heute zu den führenden Unternehmensstandorten

Europas. Die zentrale Lage,

die exzellente Infrastruktur und eine internationale

Vielfalt an Firmen und Kulturen

suchen ihresgleichen. Frankfurts Bedeutung

als Messe- und Kongress-, aber ebenso

als Wissenschaftsstadt sorgt für die Nachfrage

nach repräsentativen Räumlichkeiten,

mit denen man im internationalen

Wettbewerb punkten kann. Ziel der Stadt

Frankfurt ist es daher, ein multifunktionales

Veranstaltungszentrum mit umfangreichem

Gastronomieangebot zu gewinnen und

das historische Gebäude im Palmengarten

wieder zu einem gesellschaftlichen und

kulturellen Mittelpunkt zu machen. Von

Tagungen, Kongressen bis hin zu Privatfeiern

und Vereinsaktivitäten soll das

Spektrum gehen und damit ein Haus für

die breite Öffentlichkeit darstellen.

Inbegriffen in das differenzierte gastronomische

Konzept sind sowohl ein Angebot

für die Besucher des Palmengartens

als auch eine Gartenwirtschaft, die nach

abendlicher Schließung des Palmengartens

noch zugänglich sein wird. Eine

versenkbare Bühne im Boden des Festsaals

dient dabei der künftigen kulturellen

Nutzung für Konzert, Kabarett und Show.

Realisierungswettbewerb

An diesem für Frankfurt einzigartigen denkmalgeschützten

Gebäude ist eine bedeutsame

Geschichtsentwicklung aus der Zeit

des 19. Jahrhunderts, den vom Bauhaus-

Stil beeinflussten 1920er Jahren und der

baulichen Ergänzung der 1950er Jahre,

allesamt eingebettet in die Gartenkunst

des Franz Heinrich Siesmayer, ablesbar.

Für das Frankfurter Hochbauamt stand

fest, dass die das Haus prägenden Bauepochen

mit großer Sorgfalt und Einfühlungsvermögen

zu beplanen und zu gestalten

sind. Erklärter Konsens zwischen

Bauherrn, Hochbauamt als Bauherrenvertreter,

Architekturbüro und Denkmalpflege

war, dass die Aufgabe sich in erster

Linie als Herausarbeiten der einzelnen

Zeitschichten, insbesondere des Historismus

und der klassischen Moderne,

begreifen soll. Daher definiert der 2002

vom Frankfurter Hochbauamt durchgeführte

beschränkte Realisierungswettbewerb,

zu dem elf Architekturbüros

eingeladen waren, die Herausforderung

als »Umbau und Sanierung des unter

Denkmalschutz stehenden Gesellschaftshauses

des Palmengartens, bei Wiederherstellung

des historischen Festsaals

von 1879/1890 in seiner ursprünglichen

Form unter gleichzeitig sensibler Einbeziehung

der Bausubstanz der zwanziger

Jahre der Architekten Elsaesser und

May«.

Modell des (künftigen) Ensembles

© Roman Maerz

Vier Konzepte gelangten seinerzeit in die

engere Wahl. Nach einer anschließenden

Überarbeitungsphase wurde der Vorschlag

von David Chipperfield Architects zur

Grundlage der weiteren Planung auserkoren,

allerdings in einer etwas reduzierten

Version. Aus Kosten- wie aus Gründen

der Erschließung wurde auf den ursprünglich

gewünschten Anbau westlich des

Haupteingangs verzichtet. Der Entwurf

sieht vor, die räumlichen Bezüge der unterschiedlichen

Gebäudeteile neu zu formulieren

und auf das neue Nutzungskonzept

abzustimmen. Die neuen Elemente werden

sich daher weitgehend dem Bestand

unterordnen. Mit Chipperfield Architects

hat sich ein Büro dieses Projektes angenommen,

das die hohe Kunst bei einer derartigen

Aufgabe im historischen Kontext

dahingehend begreift, das Ensemble durch

neugeschaffene Kontinuität, nicht durch

den großen Kontrast auszuzeichnen und

aus dem authentischen »Alt« und dem

authentischen »Neu« ein sinnvolles Ganzes

zu bilden.

[99


100]

Gebäudekonzept

Die Gestaltung des Festsaals, der im Zuge

von Wiederaufbauarbeiten in den 1950er

Jahren stark verändert worden war, wird

im Einvernehmen zwischen Stadt Frankfurt

am Main, Denkmalpflege und Architekt

dem historischen Vorbild ein Stück nähergebracht.

Eine wesentliche Entwurfsidee

des gründerzeitlichen Gebäudes, die Sichtbeziehung

zwischen Festsaal und Palmenhaus,

die durch die Einbauten der 1950er

Jahre versperrt war, wurde wiederhergestellt.

Damit ist die ursprüngliche räumliche

Komposition, die die einzigartige

Qualität dieses Bauwerks ausmacht, heute

wieder erlebbar. Durch die nun geplante

Freilegung der in den Nachkriegsjahren

abgedeckten Oberlichtöffnung erhält der

Festsaal auch seine natürliche Belichtung

von oben zurück. Die bei eingehenden

Untersuchungen aufgefundenen prächtigen

Dekorationen, Büsten, Figuren und

Malereien im großen Saal, die nach dem

Krieg hinter Wandverkleidungen des

großen Saals verschwanden, werden

originalgetreu restauriert. Die Farbgebung

des historischen Saales ist rekonstruiert,

der historische Holzfußboden durch neue

Hölzer ergänzt.

Im Bereich der Anbauten der 1950er und

60er Jahre sieht das Konzept von David

Chipperfield Architects einen Teilabriss

mit Neuerrichtung auf der Westseite vor.

Auf der Kellerdecke des Altbaus entstand

ein neuer Trakt, der Proportionen und

Gestaltungselemente des Elsaesserkubus

aufgreift. Er nimmt die Küche der Gastronomie,

zwei Konferenzräume mit Terrasse

sowie weitere Räumlichkeiten für kleinere

Veranstaltungen und Familienfeiern auf.

Sommerterrassen, die den vier kleineren

Festsälen zugeordnet sind, ermöglichen

eine Bespielung unter freiem Himmel.

Für alle Räumlichkeiten gilt, dass ein in

Deutschland einmaliger Bezug zur Landschaft

und zum üppigen Grün des Palmenhauses

geschaffen wird. Hier kann Frankfurt

am Main künftig mit Festräumen aufwarten,

die repräsentativen Charme mit

modernster Ausstattung und einem exotischen

Naturerlebnis verbinden.

Das Erscheinungsbild des Südanbaus wird

in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege

wieder stärker an die historische

Gestaltung im Bauhaus-Stil zurückgeführt.

Umbau des

großen Festsaals

© Barbara Staubach

Die von Martin Elsaesser entworfene, im

Duktus der klassischen Moderne gegliederte

Fassade wird als Zeugnis jener Zeit

des architektonischen Aufbruchs mit

heutigen Bauelementen rekonstruiert.

Stilprägende technische Elemente, wie

die Rundverglasung am Westerker und die

Schiebefenster im ersten Obergeschoß,

werden wiederhergestellt. Ein besonderes

Schmuckstück ist das nahezu original

erhaltene Elsaesser-Treppenhaus: Selbst

der frühere Farbton der Putzschicht konnte

unter jahrzehntealten Schichten von Tapeten

nachgewiesen und dann restauriert

werden. Die Südseite mit den Seitentürmen

und dem Hochzeitssaal behält

ihre Bauhaus-Fassade von 1929.

Baukonstruktion

Das Tragkonzept des neuen Westanbaus

wurde unter Berücksichtigung des Erhalts

des vorhandenen Untergeschosses entwickelt.

Die Lasten der neuen Bauteile,

die vor allem die umfangreichen Technikbereiche

in den Obergeschossen aufnehmen,

werden durch das Untergeschoß

hindurch in neue Einzelfundamente abgeleitet.

Das Risiko von großflächigen Eingriffen

im Bereich der Bestandsfundamente

wird dadurch erheblich reduziert. Diese

ungewöhnliche Durchdringung von Neuund

Altbau ist das Ergebnis vergleichender

Konzeptstudien, die durch die Architekten

in Zusammenarbeit mit dem Tragwerksplaner

erarbeitet wurden. Sie erwies sich

als optimaler Kompromiss hinsichtlich

Nutzung, Gestaltung und Baukosten.

Das komplette Randgerüst zum Ernst-May-

Anbau der 1920er Jahre musste aufgrund

statischer Bedenken aufwendig saniert

werden. Da hier auch die Stabilität der

vorgelagerten Rankgerüste problematisch

war, waren diese unter Wahrung der historischen

Stahlkonstruktion neu zu errichten.

Statische Probleme im Bereich der Bodengewölbeplatten,

aber ebenso die erfolgreiche

Bekämpfung von Hausschwammbefall,

der erst im Projektverlauf nachgewiesen

wurde, zeigen die Komplexität der

Bauaufgaben, die sämtliche Projektbeteiligte

bei solchen Herausforderungen zu

bewältigen haben. Als Fazit gilt festzuhalten,

dass bei der Sanierung eines

Gebäudekomplexes aus diversen Bauepochen

trotz umfassendster Untersuchungen

Restrisiken bleiben, die sich

zum Teil erst beim Eingriff in die historische

Substanz in ihrer ganzen Dimension

zeigen.

[Umrisse]


[Umrisse]

Prächtige Deckenmalereien

© Barbara Staubach

Gebäudetechnik

Modernste Ton-, Licht- und Projektionssowie

Kommunikationstechnik, EDV und

IT-Technik sorgen für einen zeitgemäßen

Standard für sämtliche Nutzergruppen.

Eine große Herausforderung ist die Integration

der umfangreichen Kühlung in

den historischen Festsaal. Zur Erfüllung

der hohen Ansprüche an das Raumklima

wurde eine CFD-Simulation durchgeführt,

um die denkmalpflegerischen Vorgaben

einhalten zu können. Die zu erwartenden

Lufttemperaturen und -geschwindigkeiten

im Festsaal konnten damit im dreidimensionalen

Computermodell bis in kleinste

Einzelbereiche vorweggenommen

werden.

Auf der Grundlage der Simulationsergebnisse

wird die Erfüllung der Behaglichkeitskriterien

nun zielgerichtet auf die

Aufenthaltsbereiche der Besucher ausgerichtet,

wodurch der Umfang der notwendigen

Einbauten im denkmalgeschützten

Innenraum erheblich reduziert wird. Angesichts

der umfangreichen Anforderungen

an den historischen Festsaal als multifunktionalen

Veranstaltungsraum stellte die

technische Umsetzung der ursprünglich

vorhandenen Tageslichtöffnung das Team

aus Architekten, Ingenieuren und Planern

des Hochbauamtes vor eine große Aufgabe.

Mit Hilfe gezielter Wärmeabfuhr und

des Einsatzes moderner Baustoffe, wie

hoch selektiver Sonnenschutzgläser,

ließen sich die unerwünschten Begleiterscheinungen,

wie der zusätzliche

Wärmeeintrag, in den Griff bekommen:

Die zukünftigen Besucher des Festsaales

erleben die ursprüngliche Raumwirkung

des Saales wie des angrenzenden

Gewächshauses und genießen den Vorteil

von Tageslichteinfall, ohne auf die

klimatechnischen Annehmlichkeiten der

Gegenwart verzichten zu müssen.

Seit 2003 wegen eklatanter Baumängel,

vor allem im Brandschutz, geschlossen,

verfügt der Festsaal nun über eine in

Deutschland erst an wenigen Standorten

realisierte hochmoderne Hochdrucknebellöschanlage.

Das Konzept sieht die lokale

Brandherdeindämmung und Bauteilkühlung

vor und kommt anstelle einer

Sprinkleranlage mit nur einem Zehntel

der benötigten Wassermenge aus. Die

Vorzüge liegen auf der Hand: Das aufwendig

geschmückte Deckengewölbe

verbietet die Installation einer Sprinkleranlage

aufgrund der im Brandfall erforderlichen

Wassermengen. Andererseits

soll bei einem Brand möglichst viel an

historischer Gebäudesubstanz gerettet

werden.

Insgesamt 1.300 Gäste wird das neue,

hochmoderne Veranstaltungshaus, das

auch barrierefreie Räume umfasst, nach

seiner Fertigstellung Ende 2011 aufnehmen

können. Für das Palmengarten-Gesellschaftshaus

ist von allen Baubeteiligten

also ein Konzept erarbeitet und umgesetzt

worden, welches dieses Schmuckstück

der Frankfurter Baugeschichte endlich

wieder einer breiten Öffentlichkeit zugänglich

macht und gleichzeitig für eine

angemessene Nutzung sorgt.

Dr. Hans Jürgen Pritzl

Amtsleiter des Hochbauamtes

Stadt Frankfurt am Main

Bauherr

Stadt Frankfurt am Main

Magistrat

Dezernat für Umwelt, Gesundheit und Personal

Projektleitung

Stadt Frankfurt am Main

Hochbauamt

Objektbereich 1

Projektsteuerung

bhl consultants Gesellschaft für Projektmanagement,

Frankfurt am Main

Architekten

David Chipperfield Architects,

London, Berlin

Landschaftsarchitekten

KuBuS Freiraum GbR,

Wetzlar

Tragwerksplanung

Cornelius Schwarz Zeitler GmbH,

Darmstadt

Gebäudetechnik

Planungsbüro Rohling AG,

Osnabrück

[101


102]

Erste Passivhausklinik Europas in Höchst

Über ein Pionierprojekt als Herausforderung

Idee und Ziel

Das Klinikum Höchst als Maximalversorger

im Frankfurter Westen wird in den kommenden

Jahren auf Grundlage einer medizinischen

und baulichen Masterplanung

vollständig neu strukturiert. Mit der ersten

Passivhausklinik Europas will die Stadt

Frankfurt einen weiteren Meilenstein für

energieeffizientes Bauen setzen. Ein enges

Budget, hohe architektonisch-konzeptionelle

Anforderungen und die Idee der

Niedrigenergieklinik lassen dieses Projekt

zu einer Denksportaufgabe besonderer

Güte werden.

Aber wie entsteht eine erfolgreiche Idee?

Entscheidend sind die Visionen der Bauherren

und ihre Einordnung und Umsetzung

in die gesellschaftlichen, ökologischen,

ökonomischen und politischen

Realitäten. Die Bearbeitung der Bauaufgabe

innerhalb dieses Kontextes führt zu

einem ersten grundlegenden Strategiekonzept:

Das Konzept wird sich dann daran

orientieren müssen, wie es sich von außen

aufnehmen, verstehen und beurteilen

lässt.

Wandel der Kriterien

Nach welchen Kriterien wurden Krankenhäuser

eigentlich bislang beurteilt?

Krankenhäuser waren Gebäude, die zu

funktionieren hatten. Sie waren Gebäude,

die ein Ambiente liefern sollten, in dem

Menschen genesen können, waren Häuser,

in denen Menschen unter teilweise

extremen Bedingungen verantwortungsvolle

Arbeitsleistungen am Menschen

erbringen mussten.

So weit Konsens, auch heute noch.

Aber bislang waren Krankenhäuser keine

Bauwerke, die im besonderen Fokus des

Umgangs mit unseren Ressourcen standen.

Obwohl ein herkömmliches Krankenhaus

mit 1.000 Betten den Energiebedarf

von 1.300 Einfamilienhäusern aufweist, ist

dieser Umstand bisher bei den Auftraggebern

auf kein großes Interesse gestoßen.

Warum? Weil der Anteil der Energiekosten

an den gesamten Lifecyclekosten

eines solchen Gebäudes auch

heute noch vergleichsweise gering ist.

Diese Wahrnehmung hat sich gründlich

geändert.

Krankenhaus und Passivhaus

© woernerundpartner

[Umrisse]


[Umrisse]

Der gesellschaftliche Stellenwert der

ökologischen Bilanzierung sämtlicher

Vorgänge unseres Lebens hat sich enorm

gesteigert. Ihre Berücksichtigung erweist

sich zunehmend als unabdingbar. Und

unternehmerisch beginnen Themen der

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit feste

Bestandteile der strategischen Ausrichtung

eines Krankenhauses zu werden.

Die Beschäftigung damit kann als oberflächliche

Marketingbekundung oder als

ernsthafte Auseinandersetzung mit dem

Thema erfolgen.

Die Stadt Frankfurt, Trägerin des Klinikums,

hat sich für den zweiten Weg entschieden.

Sie setzt auf energieeffizientes Bauen und

kommt derart einer der dringendsten Aufgaben

unserer Zeit, der nachhaltigen

Reduktion der CO 2-Emissionen, konsequent

nach. Die Stadt will zeigen, dass so etwas

nicht nur im Wohn- und Schulbau möglich

ist, sondern auch im Krankenhausbau.

Deshalb entsteht im Westen Frankfurts, im

Stadtteil Höchst, nun das erste deutsche

Krankenhaus in Passivhausbauweise. Bei

einem geschätzten Einsparpotential an

Primärenergieeinsatz von 75 % ist dieser

Ansatz überfällig.

Realisierung als Aufgabe

Eigentlich ist das Prinzip ganz einfach.

Enorme Energieüberschüsse aus der

Abwärme der Funktionseinheiten decken

den Wärmebedarf des Pflegebereiches.

Mit den erprobten Prinzipien des Passivhauses,

wie der kontrollierten Lüftungsanlage

mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung,

einer Betonkernaktivierung

in den Massivdecken und dem Einsatz

von Wärmeschutzfenstern mit Dreifachverglasung,

kann für die Patienten eine

hohe Behaglichkeit in Verbindung mit

frischer Raumluft zu jeder Zeit erreicht

werden.

Geplante Baukörperanordnung

© woernerundpartner

Aber die Umsetzung ist komplex.

Die Realisierung erfordert großes Knowhow,

die Bereitschaft zum interdisziplinären

Arbeiten und Forschergeist. Das

zusammengestellte Team besteht daher

nicht nur aus den klassischen Planungsbüros

für technische Gebäudeausrüstung,

Statik und Medizintechnik, sondern zusätzlich

aus Mitarbeitern eines Institutes,

deren Aufgabe die Entwicklung von Standards

für nachhaltige Architektur ist, dazu

aus einem Unternehmen, das auf dem

Gebiet des Passivhauswohnungsbaus

große Erfahrungen erworben hat, und

natürlich aus einem zertifizierenden Unternehmen,

das letztlich den rechnerischen

Erfolg der planerischen Arbeit bestätigt.

Bestand im Modell

© woernerundpartner

[103


104]

Neue Grenzwerte sind nötig.

Da Grenzwerte für die Erlangung dieser

Zertifizierung im Krankenhaus bislang nicht

vorliegen, müssen sie erst noch gemeinsam

mit der hier zertifizierenden Stelle,

einem Passivhausinstitut, erarbeitet werden.

Eine solche Gründungsarbeit schließt

auch Gespräche mit der Industrie ein,

die angespornt werden soll, gerade im

Bereich der medizintechnischen Großgeräte,

wie zum Beispiel der Magnetresonanztomographen,

mit dem Anspruch

der »blue technology« besonders effiziente

und wenig Energie- und Kältebedarf erzeugende

Lösungen auf den Markt zu bringen.

Mit den Fassadenherstellern wird darüber

zu diskutieren sein, bis zu welchen Abmessungen

und in welcher Konstruktionsweise

und architektonischen Qualität

Bauelemente, die den Passivhauskriterien,

aber ebenso den Anforderungen nach

Lichteinfall genügen, produzierbar sind.

Mit Sicherheit wird dieses Gebäude eine

energetisch hocheffiziente Hülle mit

geringsten Transmissionswärmeverlusten

erhalten, es wird eine optimierte Bilanz der

inneren Wärmegewinne wie -überschüsse

und einen stark reduzierten Stromverbrauch

aufweisen. Zusätzlich werden die

klassischen Mittel zur wirtschaftlichen

Optimierung wie der Einsatz eines mit

Biogas betriebenen Blockheizkraftwerkes

oder die Netzeinspeisung regenerativer

Energien aus Photovoltaikanlagen vom

Planungsteam unter Zuhilfenahme von

Amortisationsmodellen geprüft werden.

Alles in allem ein Pilotprojekt.

Architektonische Auswirkungen

Neue Grenzen müssen ausgelotet werden.

Welche Grenzwerte sind machbar? Welche

Passivhausstandards lassen sich im

Krankenhausbau rechnerisch erreichen?

Welche Mittel haben wir dafür zusätzlich

einzusetzen? Unzählige, auch heute noch

nicht absehbare technische und wirtschaftliche

Fragen müssen beantwortet

werden.

Aber zugleich: Welche architektonischen

Auswirkungen hat eine solche Herangehensweise?

Jenseits aller Effizienzen wird am Ende

vor allem und von allen die räumlichgestalterische

Qualität des gebauten

Ergebnisses beurteilt werden – und damit

für uns Architekten nach wie vor im Zentrum

all unserer Überlegungen stehen.

Nur wir Architekten werden in der Lage

sein, die vielen, selbst ohne den neuen

Fokus der Nachhaltigkeit hochkomplexen

Vorgänge einer Krankenhausplanung

zusammenzufassen, zu koordinieren, zur

Entscheidung zu führen – und dazu ein

schönes Gebäude zu erfinden.

Stefan Traxler

woernerundpartner,

Frankfurt am Main

Bauherr

ZEG Zentrale Errichtungsgesellschaft mbH,

Frankfurt am Main

Architekten

woernerundpartner

planungsgesellschaft mbh,

Frankfurt am Main

Passivhausberatung

FAAG Technik GmbH,

Frankfurt am Main

Institut für Nachhaltige Architektur,

Darmstadt

IBN Passivhaus-Technik GmbH i.G.,

Köln

Tragwerksplanung

R&P Ruffert Ingenieurgesellschaft mbH,

Limburg

Brandschutz

HHP West Beratende Ingenieure GmbH,

Bielefeld

Medizintechnik

mtp Planungsgesellschaft für Medizintechnik GmbH,

Frankfurt am Main

[Umrisse]


[Umrisse]

Sportanlage Riedberg

Neubau mit Funktionsgebäude und Stellplätzen

Künftiges Erscheinungsbild der Anlage

© Baufrösche

Leitidee

Die Geländeabwicklung ist in sich terrassiert

und bietet somit eine spannungsreiche

Raumwahrnehmung und einen

eigenständigen, unverwechselbaren

Charakter der Anlage.

Die »Untere Ebene« wird durch den Parkplatzbereich

gebildet. Die »Mittlere Ebene«

besteht aus den Flächen des Umkleideund

Funktionsgebäudes, den Multifeldern

und dem Kunststoffrasenfeld. Die »Obere

Ebene« beinhaltet das Naturrasengroßfeld

und Trainingsnebenflächen.

Geländeerschließung

Erschlossen wird das Gelände von der

Altenhöferallee über ein der Sportanlage

vorgelagertes Parkplatzareal für insgesamt

ca. 74 Pkws, das optional drei Busstellmöglichkeiten

beinhaltet. Die Fahrgassen

werden in Asphalt, die Flächen für den

ruhenden Verkehr in Betonpflaster ausgeführt.

Der Parkplatz weist zwei Ein- und

Ausfahrten auf, die jeweils mit Schrankenanlagen

ausgestattet sind.

Die notwendige Einfriedung der Sportfläche

ist in diesem Abschnitt im Westen

des Parkplatzes vorgesehen. Somit ist der

Blick von der Altenhöferallee offen und

fügt sich nahtlos an den großzügigen

Straßenraum an. Zur inneren räumlichen

Gliederung und äußeren Fassung des

Parkplatzbereiches dienen mittelgroße

Hochstammpflanzungen, die im jahreszeitlichen

Wechsel interessante Farbaspekte

erlebbar machen.

Die fußläufige Anbindung und damit Zuwegung

der Sportanlage erfolgt südwestlich

direkt über die vorhandene Bushaltestelle

an der Altenhöferallee bzw. ist mit

dem öffentlichen Geh- und Radwegenetz

verknüpft.

Sportfunktionsflächen

Vom Parkplatzbereich gelangt man über

die inneren Erschließungsachsen zum

Umkleide- und Funktionsgebäude, dem

eine großzügige, platzartige Fläche vorgelagert

ist. Diese ist vielfach nutzbar,

zum Beispiel für Vereinsaktivitäten oder

zum freien Spielen. Der qualitätvolle und

einladende Charakter der Platzgestaltung

dokumentiert sich zudem über den gewählten

Belag aus großformatigen Magnum-

Betonplatten, zur Verwendung kommen

drei abgestufte Grautöne.

[105


106]

Nach Norden gliedern sich verschiedene

Multifelder und eine großzügige, baumüberstellte

Vegetationsfläche an, auf der

freies Spielen, Boulespielen oder Aktivitäten

wie Zeltlager etc. möglich sind. Die

Multifelder mit Kunststoffbelag eignen sich

unter anderem für Volleyball, Basketball,

Badminton, Hockey oder einfach zum

Kicken. Stirnseitig sind Ballfangzäune,

längsseitig Spielfeldbarrieren vorgesehen.

Die Soccerarena ist als Kunststoffrasenplatz

mit umlaufender Bande und Netzen

konzipiert.

Geländemittig ist ein Kunststoffrasengroßfeld

von 100 m x 66 m vorgesehen, dessen

Längsachse in Nord-Süd-Richtung verläuft

und somit den einschlägigen Anforderungen

entspricht. Neben der Linierung von

zwei Jugendfeldern à 60 m x 40 m wird der

Platz eine automatische Unterflurberegnung

und eine sechsmastige Trainingsbeleuchtungsanlage

mit acht Strahlern

aufweisen, was auch Halbfeldbeleuchtungen

erlaubt. An den Toraußenseiten

sind Ballfangzäune mit 4 m bzw. 6 m Höhe

und entlang den Platzlängsseiten Spielfeldbarrieren

als Rundrohrgeländer mit Gitterfüllung

geplant.

Entlang der westlichen Längsseite erfolgt

der Höhenversprung zur »Oberen Ebene«

mittels einer bautechnischen Lösung –

einer ca. 75 cm hohen Verblendmauer,

anteilig mit Sitzquadern als Höhenabfangung

und zugleich Sitzangebot konstruiert.

Dieser Versprung gewährleistet zugleich

eine optimale Wahrnehmung des Spielgeschehens

auf dem Kunststoffrasenplatz

und steigert dadurch die Attraktivität der

Gesamtanlage. In die Mauer integriert sind

weiterhin zwei Aufstellflächen für Jugendtore.

Der nach Westen anschließende Naturrasenplatz

von 105 m x 66 m erhält mit Ausnahme

der Trainingsbeleuchtungsanlage

den gleichen bautechnischen Standard,

Unterflurbewässerungsanlage und Ballfangzäune.

Die hier jedoch erforderliche

höhenmäßige Abfangung zum Anschlussareal

wird durch eine gestalterisch ansprechende,

bis 2,50 m hohe Stützmauer

aus natursteinbefüllten Gabionen hergestellt.

Südlich angelagert befinden sich

darüber hinaus kleinere Trainingsnebenflächen.

Entlang den Außengrenzen führt eine

»Finnenbahn« durch das modellierte Gelände.

Diese ca. 2 m breite und ca. 650 m

lange Bahn aus speziellen Holzhackschnitzeln

ist besonders gelenk- und bänderschonend

und bietet eine echte Alternative

zum »Waldlauf«.

Anordnung von Bauwerk und Freiflächen

© Baufrösche

Sportfunktionsgebäude

Der Neubau des Sportfunktionshauses

steht als Gebäuderiegel in Ausrichtung zur

Sportanlage in Verlängerung der Zuwegung

von der Altenhöfer Allee. Er markiert

den Zugangsbereich des Areals, Sportler

und Besucher werden fußläufig direkt zu

ihm geführt.

Der eingeschossige Baukörper mit Abmessungen

von 44,00 m x 8,50 m und einer

Höhe von 3,70 m stellt sich als langgestreckter,

jedoch kompakter Kubus mit aufliegender

Dachscheibe dar und bildet den

südlichen Endpunkt bzw. die Raumkante

zum großzügigen, gepflasterten Vorplatz

der Sportanlagen und der angrenzenden

diversen Spielfelder, mit eindeutiger

Orientierung zum Platz hin.

[Umrisse]


[Umrisse]

Die Erschließung zu allen einzelnen

Nutzungseinheiten erfolgt, ebenfalls von

dieser Platzseite aus, über einen gleich

großen, teilverglasten Eingang mit dahinterliegendem

Windfang, die dadurch hell,

transparent und sozial kontrolliert sind.

Lediglich das breite Sektionaltor zum

Außengeräteraum ist an der westlichen

Giebelseite angeordnet, mit direkter Anbindung

an die Wegeflächen zu den Großsportfeldern.

Das Dach kragt weit aus und

gewährleistet damit einen natürlichen

Wetterschutz vor den Eingängen. Den

Umkleiden vorgelagert, befinden sich im

Außenbereich, unter der Überdachung

und in der Fassade zurückgesetzt, zusätzliche

Umkleidespinde. Der Raum des

Platzwartes hat zudem ein großes, aus der

Fassade herausgehobenes und zur Sportanlage

ausgerichtetes Eckfenster mit Blick

auf die gesamte Platzanlage, während alle

Nutzräume über ein nach Süden orientiertes,

nicht einsehbares Fensterband

belichtet sind.

Das Gebäude ist in konventioneller Bauweise

geplant. Nach außen bestimmen

drei Grundmaterialien seine Erscheinung:

die 30 cm dicke Fassadengabione mit

Muschelkalkfüllung, die Fassadenbekleidung

aus Furnierschichtholzplatten und

der Dachrand aus anthrazitfarbenen

Faserzementtafeln.

»Grünausstattung«

Im Süden der Anlage parallel zur Bebauung

der Paul-Apel-Straße ist eine bis zu

3 m hohe modellierte Erdschüttung mit

wechselnden Böschungsausbildungen

vorgesehen. Durch diese Erdschüttung

und ihre vegetative Ausstattung wird eine

klare Abgrenzung zur Wohnbebauung

erzielt.

Insgesamt sind hier ca. 14.100 m² Vegetationsflächen

integriert, die aus Rasen und

Gehölzpflanzungen bestehen sollen. Letztere

werden entsprechend den Vorgaben

des Bebauungsplanes zu ca. 80 % Sträucher

und Heister bzw. Großsträucher und

zu ca. 20 % Bäume umfassen. Es ist geplant,

eine Artenvielfalt mit reichhaltigem

Blüten-, Frucht- und Herbstspektrum zu

etablieren, welches den Charakter der

Gesamtanlage deutlich unterstreicht und

zur Identifikation wesentlich beiträgt.

Behindertengerechte Nutzung

Die besonderen Anforderungen, die aus

einer behindertengerechten Ausführung

der Zuwegungen, Ausstattungen und Nutzungen

resultieren, wurden berücksichtigt.

So sind vier Stellplätze für Behindertenparken

mit entsprechenden Abmessungen

und Beschilderungen vorgesehen, die

direkt am Zugang zu den Umkleiden liegen.

Und die unterschiedlichen Höhenebenen

der Erschließungen innerhalb der Sportanlage

werden durch lang ausgezogene

Gefälle behindertengerecht profiliert, die

Eingänge zu den Umkleiden darüber hinaus

niveaugleich an die Oberflächenbeläge

angeschlossen.

Baubeginn war im März 2011, die Fertigstellung

soll bis Ende des Jahres erfolgen.

Norbert Scholz

Planungsgesellschaft

Landschaft + Freiraum,

Kassel

Manfred Lenhart

Baufrösche,

Kassel

Gebäudegrundriss

© Baufrösche

Bauherren

HA Hessen Agentur GmbH

HA Stadtentwicklungsgesellschaft mbH,

Frankfurt am Main

Planung

Generalplanerarbeitsgemeinschaft:

Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH,

Kassel

Planungsgemeinschaft Landschaft + Freiraum,

Kassel

SIG Hessen Ingenieure

Prof. Steffen, Hütteroth & Schröder GmbH,

Immenhausen

Tragwerksplanung

B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

enco energie consulting GmbH,

Frankfurt am Main

[107


108]

Skyline Plaza und Congress Center

Zwei neue Bauwerke im Europaviertel

Projekthistorie

Im Jahr 1997 werden erste Konzepte zur

Entwicklung eines sogenannten Urban

Entertainment Center (UEC) erstellt, den

Büroturm Tower 1 und den Hotelturm

Tower 2 sowie Einzelhandelsflächen und

ein Musicaltheater in einem gemeinsamen

Komplex kombinierend. Das Theater

sollte der dauerhafte Aufführungsort für

»König der Löwen« sein: Mit dem Musicalprojekt

wurden in der Stadt Frankfurt am

Main hohe Erwartungen an das Bauvorhaben

geweckt, die bis heute eingefordert

werden.

Europaviertel mit Neubauten

© ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG

2000 wird die Stella AG an die Deutsche

Entertainment AG verkauft und 2011 der

Joint-Venture-Vertrag mit Trzec Hahn

durch die Eisenbahn Immobilen Management

GmbH (EIM) gekündigt, und es findet

eine erste Neustrukturierung des Projektes

durch die Vivico als Nachfolgegesellschaft

der EIM statt. Im gleichen Jahr erfolgen

der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan

sowie der Abschluss des städtebaulichen

Vertrags zur Entwicklung eines

UEC mit der Stadt Frankfurt am Main mit

gleichzeitiger Festlegung verbindlicher

Nutzungsarten und Flächengrößen gemäß

dem vorhandenen Konzept.

2003 erhalten ECE und Difa von der Vivico

den Zuschlag zur Errichtung des »neuen«

UEC. Nach dem Rückzug der Difa aus dem

Joint Venture 2004 kommt es nun zur zweiten

Neustrukturierung des Projekts durch

Vivico und ECE, wobei vor allem die Realteilung

in Retail- and Entertainment Center

(REC), Tower 1 und Tower 2 vollzogen wird.

2006 erfolgt dann die dritte Neustrukturierung

auf der Basis des bestehenden

städtebaulichen Vertrags, insbesondere

unter Einhaltung der Einzelhandelsflächen.

2007 wird eine Bauvoranfrage mit Kino als

Entertainmentkomponente gestellt. Diese

Entertainmentkomponente stößt jedoch auf

Ablehnung, verbunden mit der Forderung

nach einem Kongresszentrum als politischer

Voraussetzung zur Genehmigungsfähigkeit

des Projekts. 2008 wird nun nach

dem Stadtverordnetenbeschluss über

die Entwicklung eines Kongresszentrums

im Europaviertel von der Vivico ein Ergänzungsvertrag

zum städtebaulichen Vertrag

unterzeichnet, der die Einzelheiten zur

Baupflicht des Kongresszentrums regelt,

und daraufhin die Bauvoranfrage positiv

beschieden.

2010 wird schließlich der Bauantrag

»Skyline Plaza und Congress Center«

eingereicht – und am 31. Mai 2011 die

Baugenehmigung von der Stadt Frankfurt

am Main erteilt.

[Umrisse]


[Umrisse]

(Künftiges) Shopping- und Entertainmentcenter

© ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG

Skyline Plaza

Das Shopping- und Entertainmentcenter

»Skyline Plaza« bildet den neuen städtebaulichen

Fokus zwischen Europaviertel,

Westend und Gallus. Es wird zu einem

Bindeglied, das die frühere Trennung der

westlichen Stadtteile Frankfurts in Nordund

Südrichtung aufhebt, die durch den

Güterbahnhof und sein Gleisvorfeld gegeben

war. Eingebettet in den sogenannten

Hochhauscluster des Europaviertels aus

Messeturm (265 m), Castor und Pollux

(91 m und 130 m), Millenniumsturm (365 m),

Gebäudequerschnitt

© ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG

Tower 185, Turm an der Friedrich-Ebert-

Allee und den beiden geplanten Hochhausbausteinen,

dem Tower 1 (195 m) und

Tower 2 (160 m), entsteht das Skyline Plaza

als zentraler Schwerpunkt im Westen

Frankfurts. Seine stadträumliche Figur

entwickelt sich aus der Lage im Quartier:

Sie bildet den Auftakt des Europaviertels,

das sich entlang der neuen Europa-Allee

auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs

erstreckt und den Eckpfeiler

der heutigen Westentwicklung der Stadt

Frankfurt am Main bestimmt.

Gebäudekonzeption:

Das Shopping- und Entertainmentcenter

besteht aus sechs Ebenen. Davon sind

zwei für Einzelhandel (Erd- und erstes

Obergeschoß) sowie vier für den ruhenden

Verkehr (erstes Unter-, zweites bis viertes

Obergeschoß) vorgesehen. Oberhalb des

vierten Obergeschosses befinden sich ein

Dachgarten mit Gastronomiebetrieb sowie

Freiflächen für den Wellnessbereich.

Die Erschließung für Fußgänger erfolgt

über die Eingänge auf Straßenniveau am

Europaplatz, der Festhalle, dem Platz der

Einheit, dem Güterplatz und der Frankenallee.

Für den Pkw-Verkehr sind zwei

doppelt gewendelte Rampen mit Zufahrten

unterirdisch aus der Europa-Allee und

ebenerdig über die neue Straßenfuge

aus der Brüsseler Straße geplant. Die

innere Wegeführung wird durch die zweigeschossige

Ladenstraße bestimmt, an der

Flächen für Einzelhandel, Dienstleistung

und Gastronomie angeordnet sind. Die vier

elliptisch gebogenen Ladenstraßenarme

verbinden sich an den jeweiligen Scheitelpunkten

zu einem Umlauf. Hier liegen auch

die vier Haupteingänge des Einkaufscenters,

ein weiterer ist gegenüber der

Frankenallee situiert.

Die Ladenstraße wird in Ost-West-Richtung

durch eine Querachse gekreuzt, die

die beiden Haupteingänge an der Europa-

Allee und am Platz der Einheit verknüpft.

Diese Querpassage repräsentiert das Herz

des Skyline Plaza und öffnet sich über alle

Ebenen mit dem vertikalen Garten bis zum

Dachgarten.

[109


110]

Ansichten von Nordwest und Südost

© ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG

Äußere Gestaltung:

Die äußere Gestaltung des Baukörpers

wird in der Entwurfsbeschreibung von

Jourdan & Müller wie folgt dargestellt:

»Die amorphe, dem Oval sich nähernde

Grundrissfigur ist fünf Geschosse hoch

(Traufhöhe ca. 22 m und 25,30 m) und besteht

aus unterschiedlich hohen Geschossen,

die sich im äußeren Erscheinungsbild

als Schichtungen darstellen. Einbuchtungen

an den vier Scheitelpunkten der Querund

Längsachse markieren die Haupteingänge

der Shopping-Mall. Wellenartig

umfließen die Lamellenbänder die großräumige

Figur, betonen Eingänge und bilden

Platz- und Straßenkanten. Es entsteht

ein ›object ambigue‹, das das Posenhafte

der formenden Kräfte sichtbar macht. Als

Leitlinie des Entwurfs wurde die Idee verfolgt,

den Baukörper mit einem durchlaufenden

Gestaltungsthema als Ganzheit zu

formen. Die Funktionalität und die daraus

entstehenden Herausforderungen für

ein urbanes Umfeld werden durch ein

komplexes visuelles Relief zusammengefasst

und überspielt.

Die fünfte Ansicht, einsehbar von den

Hochhäusern des Messeviertels, wird als

grüner urbaner Freiraum vorgeschlagen.

Geschoßhohe Lamellen, 15 cm breit und

50 cm tief, werden durch einen horizontalen

Untergurt als Tragelement gefasst.

Aus diesen Lamellenbändern werden die

Geschosse über dem Erdgeschoß geformt.

Die Lamellenstreifen folgen einer leicht

schwingenden Linienführung, so dass

durch die Überlagerung in der Schichtung

ein starker skulpturaler Ausdruck entsteht,

der die plastische Gesamtform

des Gebäudes bestimmt. Gleichzeitig

entsteht hierdurch ein sich änderndes

Licht-und-Schattenspiel. Die seitlichen

Flächen der Lamellen werden mit Farbe

beschichtet. Diese Farben auf den Lamellen

folgen dem Farbkreis, das heißt den

Spektralfarben des Regenbogens. In entgegengesetzter

Blickrichtung erhalten die

Lamellen einen Farbverlauf von Schwarz

nach Weiß. Das materielle Relief der

Lamellenstruktur wird durch die Lichtarchitektur

in seiner Wirkung verstärkt.

So entsteht ein plastisch pulsierender

Körper im Raum, der ständig wechselnde

Ansichten bietet.«

Öffentlicher Dachgarten …

© ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG

»Fünfte« Fassade:

Da sich das Shopping- und Entertainmentcenter

im Blickfeld der benachbarten

Hochhäuser des Europaviertels befindet,

hat die Gestaltung der »Fünften Fassade«

einen besonderen Stellenwert. Für diese

»Fünfte Ansicht« wurde ein grüner Freiraum,

ein Dachgarten, geplant, der als

oberer Raumabschluss über der Parkebene

des vierten Obergeschosses liegt.

Die verbleibenden offenen Restflächen

der Parkierungsebene werden zudem

durch ein Lamellensystem aus dreieckigen

Hohlprofilen überdacht, die in ihrer Farbbeschichtung

das Landschaftsthema in

abstrahierter Weise übersetzen. Der Dachgarten

erlaubt so eine einzigartige Landschaftswahrnehmung,

zumal sein Feldmuster

Bilderfindungen von László Moholy-

Nagy folgt. Darüber hinaus wird dank

seiner Größe eine weitere grüne Lunge

für das Europaviertel geschaffen, die die

Wirkung der Kaltluftschneisen von Europa-

Allee und Europagarten positiv unterstützt

und so das Stadtklima günstig beeinflusst.

Der öffentlich zugängliche Dachgarten

lässt sich dabei in vielfältiger Weise nutzen,

wobei ein Stadtbalkon samt Gastronomieflächen

mit Blick auf die Skyline von

Frankfurt und die Taunushöhen für eine

besondere Attraktion sorgen wird.

[Umrisse]


»PodDown« und »Rutonda« im Inneren

© ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG

[Umrisse]

Interior Design und Branding:

In einem immer ausgeprägter werdenden

Marketingumfeld und einer verschärften

Wettbewerbssituation wird Architektur

stärker in den Dienst der »Auftragskommunikation«

gestellt als je zuvor. Ihr Ziel ist

daher auch stets Markenkommunikation.

Im Zeitalter der Bedarfssättigung steht

nicht die Ware als Produkt im Vordergrund,

sondern vielmehr der mit einer Marke verbundene

Lebensstil: Architektur wie Innenarchitektur

werden zum Kommunikationsmittel.

Entscheidend bleiben die Produktvielfalt

sowie Mieter- und Branchenmix,

Services und Komfort, doch es sind insbesondere

die »weichen« Faktoren, die eher

unterbewusst wahrgenommen werden,

wie Atmosphäre, Lichtstimmung, Farbe,

Geruch, Akustik etc. und die Bedürfnisse

der Zielgruppe sensibel stimulieren. Dies

waren die Gründe, ein sehr differenziertes

Interior-Design-Konzept zu entwickeln und

das Projekt als »Brand« zu positionieren.

Und das spiegelt sich in der räumlichfunktionalen

Planung wie der Gestaltung

des Innenraums wider.

Der Ladenstraßenverlauf lebt vom Spannungsfeld

unterschiedlicher Raumerlebnisse

und -qualitäten sowie unterschiedlichster

Sichtbeziehungen. So gibt zum

Beispiel die 24-h-Achse mit der Plaza den

Blick frei auf die umliegenden Towers und

ermöglicht die Kommunikation von Innenund

Außenraum. Vor allem die Plaza, aber

auch die beiden elliptischen Lichthöfe mit

ihren hängenden Gärten sind die vertikalen

Verbindungen zwischen den Verkaufs-

ebenen und der Dachlandschaft mit dem

Park. Im ersten Obergeschoß um die Plaza

positioniert sich ein sogenannter Foodcourt

von hohem Niveau, der zum Verweilen

einlädt. Die gestalterische und funktionale

Verknüpfung mit dem Außenraum

ist an allen Eingangsbereichen im Erdgeschoß

ablesbar: Hier sind Gastonomie- mit

Freiflächen geplant. Das Interior-Design-

Konzept basiert letztlich auf der Entwurfsidee,

eine regionale Ikone mit visueller

Identität zu entwickeln.

Freiflächengestaltung:

Der Entwurf zur Freiraumgestaltung des

Skyline Plaza wie des gesamten Baugebiets

nimmt direkten Bezug auf die Fassadenkonzeption.

Vergleichbar mit dem Eintauchen

eines Wassertropfens in eine

Wasserfläche, entwickeln sich hier wellenförmige

Bänderungen, die vom Mittelpunkt

des Gebäudes zwar konzentrisch, aber

dennoch unregelmäßig über das komplette

Areal auslaufen – und so die Rhythmisierung

der Fassaden, also deren optische

Vor- und Rückwärtsbewegung, fortführen.

Das ruhige wellenförmige Design der

Bodenbeläge fügt die unterschiedlichen

Architekturstile und -formen dabei zu einer

Einheit zusammen. Alle Freiflächen werden

mit insgesamt vier Leuchtentypen ausreichend

illuminiert. Um das Bauwerk selbst

erstreckt sich ein LED-Lichtband, welches

in die Fassade integriert ist. Als Ergänzung

dienen Mastleuchten und eine Lichtstele

innerhalb der Platzfläche zwischen Skyline

Plaza und Tower 2, welche die Grundbeleuchtung

sicherstellen.

Nachhaltigkeitsaspekte:

Für die Planungen wurde dem Gebäude

bereits ein DGNB-Vorzertifikat in Gold verliehen.

Es zeichnet sich aber nicht nur

durch funktionale Nachhaltigkeitsaspekte

aus, sondern punktet auch durch die

städtebauliche Integration und das

Flächenrecycling. Das Einkaufszentrum

ist hervorragend an den öffentlichen

Nahverkehr angebunden und wird im

Rahmen der Erweiterungsarbeiten der

U-Bahn-Linie U5 einen direkten Anschluss

an das Frankfurter U-Bahn-Netz erhalten.

Unter Nachhaltigkeitsaspekten sind darüber

hinaus folgende Maßnahmen hervorzuheben:

– Revitalisierung kontaminierter

innerstädtischer Flächen,

– extensiv begrünter Dachgarten mit

ca. 6.500 m² Grundfläche,

– Regenwassernutzung zur Bewässerung

der Dachbepflanzung,

– natürliche Belüftung der Ladenstraße,

– Fassadenbeleuchtung in energiesparender

LED-Technik,

– Verwendung schadstoffarmer

und umweltverträglicher Baustoffe

inklusive Verpflichtung der Mieter,

dies ebenfalls einzuhalten.

Bauherr

REC Frankfurt Objekt KG,

Hamburg

Projektentwicklung

CA Immo Deutschland GmbH,

Frankfurt am Main

ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG,

Hamburg

Generalplanung und Projektmanagement

ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG,

Hamburg

Planung Fassade und Dachgarten

Jourdan & Müller PAS,

Frankfurt am Main

Tragwerksentwurf

Krebs & Kiefer Beratende Ingenieure

für das Bauwesen GmbH,

Karlsruhe

Haustechnik

Heinze Stockfisch Grabis + Partner GmbH,

Hamburg

Elektroplanung

Ingenieurbüro Madjd,

Wipperfürth

Freianlagenplanung

Bittkau – Bartfelder + Ingenieure

Die LandschaftsArchitekten,

Wiesbaden

[111


112]

Congress Center als Visualisierung

© ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG

Congress Center

Der geplante Neubau des Kongresszentrums

ist ein Teil der städtebaulichen

Entwicklung der Hauptgüterbahnhofsflächen

am Anfang der Europa-Allee. Das

liegt im Osten dieses Entwicklungsareals

direkt an der Osloer Straße und wird

umrahmt von den Projekten Tower 1,

Tower 2 und Skyline Plaza.

Gebäudekonzeption:

Die polygonale Grundform des Gebäudes

folgt durch die nahezu vollständige Überbauung

des Areals dem Verlauf der Grundstücksgrenzen,

lediglich auf der Nordseite

tritt die Fassade zugunsten der Bildung

eines Vorplatzes vor dem Hauptzugang

zurück. Das Kongresszentrum umfasst fünf

oberirdische Vollgeschosse sowie einen

zentralen Kern, der in allen Ebenen durch

das Innere geführt wird und so die Raumgeometrie

bestimmt. Die ihn beidseitig

Querschnitt

© ECE Projektmanagement

G.m.b.H. & Co. KG

rahmenden, durch die westliche und östliche

Fassade bestimmten Mantelflächen

dienen den im Kerninneren verteilten Sälen

und Besprechungsräumen als Foyer- und

Erschließungszone. Auf der Nordseite

befindet sich ein weiterer kleinerer Kubus,

der oberhalb des Hauptzugangs angeordnet

ist und auf drei Geschossen ebenfalls

Besprechungsräume beherbergt. Das

Dach des Kubus, überspannt von dem

auskragenden Flachdach des Kongresszentrums,

steht als Außenfläche zur Verfügung.

Die in den Gesamtbaukörper eingebetteten

Kuben durchstoßen ihn zudem

im Bereich des Daches sowie in der Nordfassade

und machen durch eben jene Verschneidung

die innere Struktur von außen

erlebbar. Unterstützt wird dieser Eindruck

durch die großflächigen Öffnungen an der

Ost- und Nordseite.

Das in enger Zusammenarbeit mit dem voraussichtlich

späteren Nutzer, der Messe

Frankfurt, geplante Gebäude dient im

Wesentlichen der Durchführung von

Kongressen und kongressbegleitenden

Nutzungen wie Ausstellungen und Gastronomie.

Fassadenkonzept:

Die Fassaden folgen mit Ausnahme der

Nordseite der jeweiligen Grundstücksgrenze

und weisen in den Eckbereichen

Faltungen auf, um den polygonalen Verlauf

des Areals einhalten und den Straßenraum

klarer definieren zu können. Diese

Faltungen finden sich auch in der Detaillierung

wieder, zum Beispiel in der Gestaltung

der Südfront mit der Gliederung der

Fensterbänder oder von Elementen der

Treppenhausfenster in der nördlichen

Gebäudehülle.

Als Entree zum Kongresszentrum spannt

die Nordfassade einen Rahmen auf, in den

ein dreigeschossiger Kubus eingeschoben

ist und der so eine räumlich spannungsfreie

Eingangssituation formuliert. Dieser Kubus

wird umlaufend an seinen Seitenflächen

mit einer Metallbekleidung und zur Vorderfront

mit einer Pfosten-Riegel-Verglasung

[Umrisse]


[Umrisse]

versehen. Die große Glasfläche der Nordfassade,

welche die großzügigen Sichtbeziehungen

zwischen innen und außen

von den Foyerzonen aus erlaubt, wird als

Pfosten-Riegel-Konstruktion in Stahlbauweise

ausgeführt. Für die Hauptfläche der

Ostfassade ist analog zu der im Norden

ein Wärmedämmverbundsystem geplant,

wobei im Erdgeschoß für Verwaltung und

Bistro Fensterbänder mit Lamellenraffstores

als Sonnenschutz angeordnet

werden. Darüber schließt sich ein mehrgeschossiges

Fensterfeld an, welches die

Sichtbeziehungen der seitlichen Foyerfläche

nach außen und den Bezug des

Saalkubus zum Außenraum gewährleistet.

Die Westfassade zum Einkaufszentrum

spielt mit der Thematik der Ostfassade,

wobei hier jedoch das Flächenverhältnis

zwischen Glasfläche und Metallverkleidung

umgedreht wird: So können die

Foyerzonen gut von Süden belichtet

werden.

Dipl.-Ing. Architekt Dirk Hünerbein

Senior-Projektmanager Planung

(Gesamtverantwortung)

Dipl.-Ing. (FH) Andreas Fuchs M.Sc.urb.man

Director Creative Design Architecture

Dipl.-Ing. Architekt Klaus Lenz

Director Architecture Office Traffic Industries

ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG,

Hamburg

Grundriss Erdgeschoß

© ECE Projektmanagement

G.m.b.H. & Co. KG

Bauherr

Skyline Plaza G.m.b.H. & Co. KG,

Congress Centrum

Hamburg

Projektentwicklung

CA Immo Deutschland GmbH,

Frankfurt am Main

ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG,

Hamburg

Generalplanung und Projektmanagement

ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG,

Hamburg

Tragwerksentwurf

RSP Remmel + Sattler Ingenieurgesellschaft mbH,

Frankfurt am Main

Haustechnik

ISW Ingenieur GmbH,

Hamburg

Elektroplanung

Trade Tec Ingenieurgesellschaft mbH,

Norderstedt

[113


114]

Einleitung

Die Hochhäuser im PalaisQuartier, der

135 m hohe Büroturm Nextower und der

Jumeirah Frankfurt Hotelturm, der 96 m

misst, markieren die baulichen Hochpunkte

Das PalaisQuartier

Ensemble im Stadtzentrum

dieses neuen, im April 2010 fertiggestellten

Quartiers in der Frankfurter Innenstadt. In

Kombination mit dem nach historischem

Vorbild wiedererrichteten Thurn-und-Taxis-

Lageplan

© KSP Jürgen Engel Architekten

PalaisQuartier im Stadtzentrum

© Jean-Luc Valentin

Palais und dem Einkaufszentrum MyZeil

ist ein Ensemble mit urbanem Flair entstanden:

Im Auftrag der MAB Development

Deutschland GmbH, vertreten durch die

PalaisQuartier GmbH & Co. KG, haben die

Planer von KSP Jürgen Engel Architekten

mit ihrem Entwurf, der im Jahr 2002 als

erster Preis aus einem internationalen

Wettbewerb hervorging, einen attraktiven

Stadtraum geschaffen. Rund um den

Thurn-und-Taxis-Platz gruppieren sich

das Bürohochhaus, das Thurn-und-Taxis-

Palais mit seinen Einzelhandelsflächen

und Restaurants sowie die Lobby des

Jumeirah-Hotelturms mit Rezeption,

Lounge, Café und Bar. Darüber hinaus

wird der Platz durch eine neue Durchwegung

zur Einkaufsstraße Zeil belebt,

die durch das Palais und MyZeil verläuft.

Im Rahmen dieser städtebaulichen Neuordnung

wurde außerdem die Hauptwache

für den Durchgangsverkehr gesperrt und

die Zeil gestalterisch aufgewertet.

[Umrisse]


[Umrisse]

Büroturm als Teil des Ensembles

© Jean-Luc Valentin

Städtebauliches Konzept

Von der Eschenheimer Straße und der

Einkaufsstraße Zeil abgerückt, sind den

Hochhäusern im Westen das Thurn-und-

Taxis-Palais, in Richtung Zeil das Einkaufszentrum

MyZeil sowie südlich ein Kaufhaus

vorgelagert. Außerhalb des Hochhausclusters

des benachbarten Bankenviertels

gelegen und daher als Solitär im

Innenstadtring über eine Alleinstellung

verfügend, markieren die Türme des

PalaisQuartier den exponierten Standort

durch ihre auf große Entfernung hin wirksame

Form. Ihre leicht geneigten Fassaden

erhalten durch die drei signifikanten Knicklinien

klare Proportionen und eine klar

definierte Höhe, die aus der Gesamtform

abgeleitet ist.

Inspiriert von Constantin Brancusis säulenartigen

Skulpturen werden die plastisch

gestalteten Türme somit zu einem unverwechselbaren

Orientierungspunkt in der

Stadt.

Thurn-und-Taxis-Palais und Hochhäuser

© Jean-Luc Valentin

Büroturm Nextower

Leicht eingerückte, von außen ablesbare

Fugen gliedern als vertikale Einschnitte die

Baumasse der 25- bzw. 34-geschossigen

Türme.

Windmühlenartig aufgefächert, gruppieren

sich die Büroebenen mit Mietflächen zwischen

ca. 790 m² und 1.100 m² pro Etage um

den zentralen Haupterschließungskern.

Die Flächen lassen sich flexibel in zwei

getrennte Nutzungseinheiten unterteilen.

Blick auf die Stadt …

© Jean-Luc Valentin

In den obersten Stockwerken sind sie

durch einen verglasten Gang miteinander

verbunden und können somit auch von

einem Mieter zusammen belegt werden.

Die Taillierungen und Aufweitungen, die

durch die leicht geneigten Fassaden entstehen,

schaffen entsprechend der Gebäudegeometrie

unterschiedlich tiefe Grundrisse.

Die nutzbare Tiefe der Büroflächen

mit einer lichten Raumhöhe von 3,05 m

variiert von ca. 5,90 m im taillierten Bereich

des Hochhauses bis zu ca. 9,60 m im

Abschnitt der größten Aufweitung. Diese

Varianz ermöglicht ein breites Spektrum

an Layouts: von Zellen- über Kombibüros

mit einer Mittelzone für kommunikative

Gemeinschaftsareale bis hin zum offenen

Großraumbüro.

[115


116]

»Gesamtschnitt«

© KSP Jürgen Engel Architekten

Hotelturm Jumeirah Frankfurt

Der 25-geschossige Hotelturm ist mit einer

Gesamtbreite von ca. 19 m verhältnismäßig

schmal. Er flankiert den Thurn-und-Taxis-

Platz im Südosten und orientiert sich mit

seiner Längsseite parallel zur Einkaufsmeile

Zeil.

Über eine ca. 10 m hohe Lobby mit Galerieebene

gelangen die Gäste über den zentralen

Erschließungskern in die oberen

Etagen des Hotels mit insgesamt 218 Zimmern

und Suiten. Ein zweiter Erschließungskern

bleibt den Hotelmitarbeitern

und Servicekräften vorbehalten. Die Zimmer

reihen sich entlang der Nord- und

Südfassade, die größeren von ihnen und

die Suiten befinden sich an den Stirnseiten

des Hotelturms und sind nach Osten und

Westen ausgerichtet.

Lobbybereich mit Aufzügen

© Jean-Luc Valentin

Fassaden

Das Erscheinungsbild der Gebäudehülle,

die als elementierte Vorhangfassade

konzipiert ist, wird durch zwei Materialien

bestimmt: Aluminium und Glas. Sie stehen,

ebenso wie das Hochhaus selbst, sinnbildlich

für technische Innovation und architektonische

Präzision. Das wechselnde

Licht-und-Schatten-Spiel belebt darüber

hinaus je nach Tages- und Jahreszeit die

Außenhaut der Türme.

Markantes Erkennungszeichen sind die

rautenförmigen Ganzglasflächen. Wie

kristalline Körper in die Oberfläche integriert,

heben sie die plastische Form der

Türme hervor und bilden zudem einen

reizvollen Kontrast zur Einfachfassade

der übrigen Gebäudeteile.

Um den Charakter dieser Glasrauten zu

betonen, sind sie als Doppelfassade

ausgeführt: mit hochtransparenten Glasscheiben

als äußerer Schicht, einem

Sonnenschutz im Zwischenraum und

Isolierglasfenstern als innerer, thermischer

Haut. Der Wärmeeintrag bzw.

Wärmeverlust im Bereich der Einfachfassade

werden dagegen durch einen

höheren Anteil an geschlossenen Feldern

verringert.

Baukörperstruktur

© KSP Jürgen Engel Architekten

Energiekonzept

Das Energiekonzept sieht vor, ca. 50 % des

Heiz- bzw. Kühlenergiebedarfs durch nachhaltige

Systeme zu decken: 20 % werden

als Erdwärme durch eine kombinierte

Wärmepumpen- und Kältemaschinenanlage

gewonnen. Eine zentrale, hocheffiziente

Wärmerückgewinnung, die

Abwärme aus dem Einkaufszentrum und

der Tiefgarage nutzt, stellt 30 % des

Wärmeenergiebedarfs sicher.

Die Kühlung bzw. Heizung der Mietflächen

erfolgen durch Bauteiltemperierung, die in

die Betondecken integriert ist. Daher lässt

sich im Bereich der Büroarbeitsplätze auf

Abhangdecken verzichten. Eine lichte

Raumhöhe von 3,05 m im Bürohochhaus

wird bei einer Geschoßhöhe von nur 3,50 m

erreicht.

[Umrisse]


Grundrisse

© KSP Jürgen Engel Architekten

[Umrisse]

Raumtemperatur und -beleuchtung sowie

Sonnenschutzlamellen werden mit Hilfe

von Sensoren zentral gesteuert, eine individuelle

Einstellung ist jedoch jederzeit

möglich. Für das Wohlbefinden am Arbeitsplatz

stellt die Möglichkeit, in einem Hochhaus

die Fenster öffnen zu können, einen

besonderen Komfort dar, was hier gegeben

ist. Im Brandfall dienen die Fenster außerdem

der natürlichen Entrauchung der

jeweiligen Geschosse.

Jürgen Engel

Geschäftsführender Gesellschafter

KSP Jürgen Engel Architekten GmbH,

Frankfurt am Main

Bauherr

MAB Development Deutschland GmbH

vertreten durch

PalaisQuartier GmbH & Co. KG,

Frankfurt am Main

Architekten

KSP Jürgen Engel Architekten GmbH,

Frankfurt am Main

Massimiliano Fuksas Architetto,

Frankfurt am Main (MyZeil)

Tragwerksplanung

Krebs und Kiefer Beratende Ingenieure

für das Bauwesen GmbH,

Darmstadt

Weischede, Herrmann und Partner GmbH,

Stuttgart

Knippers Helbig GmbH,

Stuttgart

Haustechnik

PB Berchtold Ingenieurbüro,

Samen

IPB GmbH,

Frankfurt am Main

Elektrotechnik

Dörflinger + Partner,

Erfurt

Lüsebrink Ingenieure,

Hamburg

Gassmann + Grossmann

Baumanagement GmbH

Frankfurt a.M.

Gutleutstraße 75

60329 Frankfurt a.M.

Tel. +49 69 29802887-0

Fax +49 69 29802887-46

frankfurt@gagro.de

www.gagro.eu

Neubau PalaisQuartier, Frankfurt a.M.

Bauphysik

Ingenieurbüro von Rekowski + Partner,

Weinheim

Brandschutz

hhpberlin Ingenieurgesellschaft

für Brandschutz mbH,

Berlin

Fassadenplanung

IFFT Institut für Fassadentechnik Karlotto Schott,

Frankfurt am Main

Verbau und Gründung

Ingenieursozietät Prof. Dr.-Ing. Katzenbach GmbH,

Darmstadt

Außenanlagen

BWP Endreß Landschaftsarchitekten,

Frankfurt am Main

Baulogistik und SiGeKo

bauserve Dienstleistungen GmbH,

Frankfurt am Main

Bauüberwachung

Gassmann + Grossmann Baumanagement GmbH,

Frankfurt am Main

Baumanagement

Ausschreibung, Vergabe

Objektüberwachung

Generalplanung

Revitalisierung

Beratung

[117


118]

Der Opernplatz

Der OpernTurm

Wiederherstellung eines großstädtischen Ensembles

In den Städten der Bundesrepublik

Deutschland wurden während des Zweiten

Weltkriegs nicht nur viele für die Geschichte

des Landes wichtige Bauwerke zerstört,

sondern vor allem auch die Einmaligkeit

historisch wertvoller Orte, Plätze und

Straßen. In Frankfurt am Main hatte lediglich

der im 19. Jahrhundert entstandene

Opernplatz als Platzraum einigermaßen

überlebt, obwohl das prachtvolle Opernhaus

selbst nur als ausgebrannte Ruine

Lageplan

© Prof. Christoph Mäckler Architekten

Großstädtisches Ensemble am Operplatz

© Thomas Eicken

übriggeblieben war. In der Wiederaufbauphase

wurde dieser letzte noch vorhandene

historische Platzraum mit dem Abriss

sämtlicher Gebäude, die seine westliche

Platzwand bildeten, endgültig vernichtet.

An ihre Stelle trat in den 1960er Jahren

eine Hochhausbebauung mit Solitären

und Pavillons nach der städtebaulichen

Idee der »Stadtlandschaft« mit Fassaden

aus Glas und Aluminium, die ein Drittel

des angrenzenden Rothschildparks überdeckte

und ihn damit von der Stadt abschirmte.

Mit dem Abriss jener Bauwerke und dem

Neubau des OpernTurms hat sich der

Stadt Frankfurt am Main die große Chance

eröffnet, einem repräsentativen Platz des

19. Jahrhunderts wieder seine ursprünglich

einfassende Form als großstädtisches

Ensemble zurückzugeben. Dieses

Ensemble ergab sich auch aus der einheitlichen,

gelbbeigen Steinverkleidung der

einzelnen Hausfassaden, in deren Mitte

sich das Opernhaus aus gelbem Sandstein

einreihte. Hier setzt das neue Konzept an:

Der Blockrand aus horizontal kanneliertem

Naturstein greift die Höhe und Materialität

der ursprünglichen Gebäude auf.

Er ergänzt die vorhandene Opernplatzbebauung

und formuliert wieder einen

zusammenhängenden Platzraum. Im Sinne

des typisch städtischen Stilelements aus

dem 19. Jahrhundert befinden sich im

Blockrand zweigeschossige Arkaden mit

Läden und Gastronomie, womit die Westseite

des Opernplatzes ihre einstige

Vitalität zurückgewinnt.

Der Rothschildpark

Der Rothschildpark ist in seiner ursprünglichen

Gestalt saniert und rekonstruiert

worden. Mit dem Bau des OpernTurms

wurde die Hälfte seines Grundstücks, ein

zuletzt versiegeltes Areal von 5.500 m2 ,

als Grünfläche an den Park zurückgegeben.

Der fast vergessene Park öffnet sich

damit wieder großzügig zur Innenstadt.

Die Grünfläche lässt wertvolles Regenwasser

versickern und trägt dazu bei, dass

in der Innenstadt weniger Wärmeinseln

entstehen, da sie Hitze besser absorbiert.

Darüber hinaus sind 30.000 m2 des gesamten

Parks neu angelegt und bepflanzt

worden.

[Umrisse]


[Umrisse]

Die Hochhausarchitektur

In klassischer Form ist der Turm in einen

Sockel mit einladender, viergeschossiger

Eingangshalle, in einen Mittelteil mit Büronutzung

und in einen markanten Kopf mit

der »Stadtloggia« unterteilt. Die Eingangshalle

hat eine Höhe von 18 m und ist mit

ihren Proportionen einmalig in Deutschland.

Die vier tiefen vertikalen Einschnitte

in der Kubatur verleihen dem Hochhaus

seine elegante Proportion. Anders als

die für solche Bauwerke üblichen Glasfassaden

besitzt der OpernTurm eine

Gebäudehülle aus Naturmaterialien, ein

heller portugiesischer Kalkstein, der mit

der Alten Oper und der vorhandenen Randbebauung

am Opernplatz harmoniert.

Arkaden im Blockrand

© Christian Richters

Arkadenrelief und Alte Oper

© Christian Richters

Gebäudehülle aus

gelbem Naturstein

© Thomas Eicken

Die Natursteinflächen besitzen einen hohen

Glasanteil: Die vertikale Ausrichtung der

Fensteröffnungen bewirkt die Leichtigkeit

und das Aufstrebende der Steinfassade.

Die Außenhaut ist fein konturiert durch

Lisenen in Form von senkrecht auskragenden

Mauerstreifen zwischen den Fenstern,

die die Hochhausfassade plastisch

erscheinen lassen.

Der Rohbau wurde in Stahlbeton- bzw.

Stahlbetonverbundbauweise hergestellt.

Die Lastabtragung der Decken erfolgt über

den mittigen Kern und über Stützen, die

in die Fassadenebene integriert sind. Der

Innenraum ist damit vollkommen stützenfrei

und ermöglicht eine hervorragende

Flexibilität bei der Grundrissgestaltung.

Die Energieeinsparung

Fassade: Die Fassade des Bauwerks ist zu

über 50 % geschlossen, was mit der hocheffizienten

Verglasung den Energieeintrag

reduziert. Durch die Lisenenvorsprünge

zwischen den Fenstern entsteht zudem

eine konstruktive Verschattung. Im Vergleich

zu einer Ganzglashülle spart die

OpernTurm-Steinfassade daher 20 % Energie

für die Kühlung einer Büroetage.

Energieausweis: Die sehr guten Energiewerte

des OpernTurms unterbieten die

geforderten Energiesparvorgaben nach

der EnEV 2007 um 23 %. Dies spart

1.800 t/a CO2. Beleuchtung: Der Einfall von ausreichend

Tageslicht und dessen Steuerung, eine

individuell schaltbare Beleuchtung und der

Einsatz von energiesparenden Beleuchtungsmitteln

minimieren den Energieverbrauch.

Blockrandfassade …

© Thomas Eicken

[119


120]

Grundriss Erdgeschoß

© Prof. Christoph Mäckler Architekten

Heizung: Der OpernTurm ist an das Fernwärmenetz

angeschlossen. Fernwärme ist

ein Nebenprodukt der Stromerzeugung,

verbraucht nur die Hälfte der Primärenergie

und mindert den Schadstoffausstoß

um die Hälfte.

Seitenlobby des OpernTurms

© Christian Richters

Grundriss Regelgeschoß

© Prof. Christoph Mäckler Architekten

Kältetechnik: Eine Hybrid-Decke kühlt

nachts den Betonkern des Gebäudes und

spart 30 % der Energie gegenüber herkömmlichen

Kühldecken. Bei den Kältemaschinen

werden Turbocor-Kompressoren

mit konventioneller Kompressor-Technologie

kombiniert, was die Effizienz erhöht

und den Stromverbrauch reduziert. In den

Wintermonaten werden die Kältemaschinen

zudem komplett durch »freie Kühlung«

ersetzt.

Stadtloggia im 41. Obergeschoß

© Prof. Christoph Mäckler Architekten

Lüftung: Zu überwiegenden Anteilen der

Bürobetriebszeit wird eine freie Fensterlüftung

ermöglicht; auf eine Zwangsbe- und

-entlüftung lässt sich in diesen Zeiten verzichten.

Über die Zufuhr von Frischluft

kann daher zu jeder Tages- und Jahreszeit

individuell und eigenverantwortlich entschieden

werden, ohne automatisierte

zentrale »Übersteuerung«. Die freien

Lüftungsquerschnitte wurden gemäß den

Forderungen der Arbeitsstättenrichtlinien

untersucht und liegen über den Mindestwerten.

Das Klimakonzept der Lobby

wurde durch Computational-Fluid-

Dynamics-(CFD-)Simulationen optimiert,

wodurch weitere Energie gespart wird.

Recycling: Der gesamte Bauschutt wurde

wiederverwertet und der Einsatz von

recyceltem Material, wie zum Beispiel

von Aluminium, unterstützt. Transportemissionen

wurden so gering wie möglich

gehalten: So wurden etwa wiederverwendbare

Stahl-Transportrahmen oder

100 % wiederverwertbare Polyethylenfolie

eingesetzt.

Der im Winter 2009 fertiggestellte Opern-

Turm ist als einer der ersten Bürohochhaus-

Neubauten Europas nach dem US-Umweltstandard

LEED-Gold zertifiziert worden;

LEED bedeutet: Leadership in Energy and

Environmental Design.

Christoph Mäckler

[Umrisse]


[Umrisse]

Bauherr

Opernplatz Property Holdings GmbH & Co. KG,

Frankfurt am Main

Architekt

Prof. Christoph Mäckler Architekten,

Frankfurt am Main

Projektleitung:

Henry Hess

Mitarbeit:

Sonja Bockemühl, Cornelius Boy, Larissa Chinenaja,

Martin Eichholz, Dieter Hassinger, Nadja Hellenthal,

Nadine Lorius, Damian Paris, Christian Schmidt,

Christian Wiechers, Stephanie Wymer

Tragwerksplanung

B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH,

Frankfurt am Main

Grontmij GmbH,

Frankfurt am Main

Garten- und Landschaftsplanung

Gartenarchitektin Adelheid Schönborn,

München

Kundenbereich mit Galerie

© Klaus Helbig

Eingangshalle von 18 m Höhe

© Klaus Helbig

Haustechnik

TechDesign Gesellschaft für Technische Ausrüstung

und Energietechnik mbH,

Frankfurt am Main

Bauphysik

vRP Ingenieurbüro für Bauphysik von Rekowski

und Partner,

Weinheim

Fassadenplanung

Emmer Pfenninger Partner AG,

Münchenstein, Schweiz

Elektroplanung

Ebener & Partner AG,

Frankfurt am Main

Aufzugsplanung

Jappsen Ingenieure GmbH,

Oberwesel

Brandschutz

BPK Brandschutz Planung Klingsch GmbH,

Frankfurt am Main

Lichtplanung

LichtVision GmbH,

Berlin

[121


122]

KfW-Westarkade

Baukörperausbildung und Gebäudehülle

Eigenständige Figur

Dieses Gebäude ist eines der ersten

Bürohochhäuser der Welt, das weniger

als 100 kWh/m²a Primärenergie für seinen

Betrieb benötigt. In unmittelbarer Nachbarschaft

zum Palmengarten gelegen,

bietet es neben einem Konferenzzentrum

Büroräume für bis zu 700 Mitarbeiter.

Mit einer Höhe von 56 m fügt sich der neue

Turm in die vorhandene Gruppe von Hochhäusern

ein, ohne deren Ausblick zu verstellen.

Zugleich vermittelt er als eigenständige

Figur zwischen unterschiedlichen

Stadträumen, indem er sich einerseits als

schlanke Scheibe der lebhaften Straße

zuwendet und andererseits einen diskreten

Horizont für die Parklandschaft des

Palmengartens bildet. Im unteren Bereich

fächert sich der Turm zu einem raumgreifenden

Baukörper auf; parallel zur Straße

geht er in einen Sockelbau über, der die

Traufhöhe der benachbarten Nordarkade

aufgreift. Rückwärtig entwickelt sich ein

zusammenhängender Freiraum, der einen

gemeinsamen Hof mit Haupthaus und der

Nordarkade bildet.

Lageplan

© Sauerbruch Hutton

Bürohochhaus mit Sockelbau

© Jan Bitter

Fassadenstruktur

Durch den Farbauftrag auf der schuppenartig

ausgebildeten Fassade, die das

Klimakonzept kongenial ergänzt, wird der

dynamische Effekt der Baukörperform

optisch noch verstärkt. Die schmalen

Lüftungsklappen sind, den umliegenden

Stadträumen entsprechend, in unterschiedlichen

Farbfamilien gehalten: Eine

Familie von Grüntönen weist zum Palmengarten,

entlang der Zeppelinallee wird der

im Frankfurter Stadtraum vielfach präsente

rote Mainsandstein interpretiert, und eine

Gruppe von Blautönen komplementiert

Farbigkeit und Materialität des unlängst

renovierten Haupthauses.

Bei der Bewegung um das Gebäude herum

ändert sich infolgedessen die Fassade mit

jedem Schritt in Form und Erscheinung

vom neutralen, schlanken Glaskubus über

die konvexe, gespannte Haut bis hin zum

vertikalen Ausrufezeichen und zur farbigen

Wand.

Die neuartige zweischichtige, dynamisch

geregelte »Druckringfassade« gewährleistet

witterungsunabhängig natürliche

Lüftung, hohen Wärmedämmwert und

effektiven Sonnenschutz. Bauteilaktivierung,

Erdwärmetauscher und die Nutzung

der Abwärme aus dem Rechenzentrum

sind weitere Beispiele zahlreicher Maßnahmen

und Strategien, deren integriertes

Zusammenspiel den außerordentlich

geringen Energieverbrauch der 2010 fertiggestellten

Westarkade ausmacht.

Louisa Hutton

Matthias Sauerbruch

[Umrisse]


[Umrisse]

Schnitt

© Sauerbruch Hutton

Erstes und drittes Obergeschoß

© Sauerbruch Hutton

Erdgeschoß

© Sauerbruch Hutton

Dachgeschoß

© Sauerbruch Hutton

[123


124]

Bauherr

KfW-Bankengruppe,

Frankfurt am Main

Architekten

Sauerbruch Hutton

Generalplanungsgesellschaft mbH,

Berlin

Projektteam:

Matthias Sauerbruch, Louisa Hutton, Juan Lucas

Young, Jürgen Bartenschlag, Tom Geister (Projektleitung),

Peter Rieder, Marc Broquetas Maduell,

Christine Neuhoff, Barbara Sellwig, Cynthia

Grieshofer, Axel Linde, Andrea Frensch, Angelika

Fehn Krestas, Daniela McCarthy, Christiane

Schmidt, Tanja Kausch-Löchelt, Timm Knief,

Claudius Gelleri, Anton Bähr

Projektmanagement

Weber Baumanagement GmbH,

Mainz

Architekten Theiss Planungsgesellschaft mbH,

Frankfurt am Main

Energiekonzept

Transsolar Energietechnik GmbH,

Stuttgart

Haustechnik

ZWP Ingenieur-AG,

Wiesbaden

Westarkade bei Dunkelheit

© Jan Bitter

Elektrotechnik

Reuter Rührgartner Planungsgesellschaft für

Gebäudetechnik mbH,

Rosbach

Tragwerksplanung

Werner Sobek Frankfurt GmbH & Co. KG

Fördertechnik

Jappsen Ingenieure Oberwesel GmbH

Freianlagenplanung

Sommerlad Haase Kuhli,

Gießen

Flurzone im Inneren

© Jan Bitter

Bauphysik

Müller-BBM GmbH,

Planegg

Lichtplanung

Licht Kunst Licht AG,

Bonn, Berlin

Verkehrsplanung

Durth Roos Consulting GmbH,

Darmstadt

Brandschutz

hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH,

Berlin

Fassadenplanung

Werner Sobek Stuttgart GmbH & Co. KG

Fassadenberatung

Mosbacher + Roll Beratungs- und

Planungsgesellschaft für Fassadentechnik mbH,

Tettnang

Baugrundgutachten

Itus GmbH & Co. KG,

Weiterstadt

Vermessung

Grandjean & Kollegen,

Frankfurt am Main

Rechenzentrum

von zur Mühlen’sche GmbH,

Bonn

[Umrisse]


Architekten und Ingenieure lesen die [Umrisse].

Herausgegeben von der VERLAGSGRUPPE WIEDERSPAHN,

ist die Zeitschrift für Baukultur unabhängig von Verbänden und

anderen Interessenvertretungen.

Jede Ausgabe verfügt über ein bis zwei thematische Schwerpunkte

aus den Bereichen Architektur und Ingenieurbau, wie zum Beispiel

»LeseRäume«, »Sport + Erleben«, »Bauen mit Textilien«, »Ruhender

Verkehr«, »DachLandschaften«, »WeinBauWelten«, »Synagogen«,

»Flughäfen: Neubau und Ausbau«, »Bauen im Gebirge«, »Fassaden«,

»Sicherheitstechnik«, »Innenausbau« und »Befestigungstechnik«

in den beiden vergangenen Jahren.

Detaillierte Produktinformationen, wichtige Branchennachrichten,

ein fundierter Bautechnik-Teil, umfassende Beiträge zum »Bau- und

Immobilienrecht« sowie ein ausgesuchtes »Special«, oft in Kooperation

mit entsprechenden Fachmessen, runden das redaktionelle Profi l

eines jeden Heftes ab.

Wollen Sie ein Probeexemplar bestellen – oder gleich abonnieren?

Das geht am besten und schnellsten unter www.umrisse.de,

denn die [Umrisse] fi ndet man natürlich auch im Internet.

[Umrisse]

Zeitschrift für Baukultur

VERLAGSGRUPPE

WIEDERSPAHN

mit MixedMedia Konzepts

Biebricher Allee 11 b

65187 Wiesbaden

Tel.: 0611/84 65 15

Fax: 0611/80 12 52

kontakt@verlagsgruppewiederspahn.de

www.verlagsgruppewiederspahn.de

www.mixedmedia-konzepts.de


126]

Das WestendGate

Modernisierung des Marriott Hotel

Umfang der Maßnahmen

Das WestendGate, auch bekannt als

Marriott Hotel, wurde von Just/Burgeff

Architekten umfangreich modernisiert.

1976 von den Architekten Siegfried Hoyer

und Richard Heil im Westend errichtet,

war der Ursprungsbau mit seinen 159 m

und 47 Stockwerken für kurze Zeit das

höchste Hochhaus Deutschlands und

diente als Initialzündung für den Hochhausbau

in ganz Frankfurt. Mit dem Einzug

der Marriott-Gruppe 1989 blieb es bis

heute das höchste Hotel Europas. Das

Hotel belegt die oberen 18 Geschosse des

aus drei Flügeln bestehenden Baukörpers,

es verfügt zudem über eine eigene Lobby

im Erd- und einen Ballsaal im ersten Obergeschoß.

Alle übrigen Etagen, die durch

eine zweite Lobby erschlossen werden,

stehen für Büronutzung und Technik zur

Verfügung.

Die Maßnahmen umfassten unter anderem

eine architektonische und energieeffiziente

Neugestaltung der Bürogeschosse

inklusive Lobby und Konferenzetage für

das Hotel sowie Neukonzeption und Sanierung

der kompletten Fassade, die Neuinstallation

von Solarfassadenmodulen, die

Erneuerung der Gebäudeklimatisierung

und Optimierung der Beleuchtung.

Zusätzlich wurden die Außenbereiche

neu gegliedert und ein neues Vordach

geplant.

Europas höchstes Hotel

© Eibe Sönnecken

Lageplan

© Just/Burgeff Architekten

Nach Abschluss der Arbeiten im Dezember

2010 wurde eine Reduzierung des Energieverbrauchs

und der CO 2-Emissionen um

ca. 36 % erzielt, wofür das WestendGate

das Green-Building-Zertifikat der Europäischen

Kommission verliehen bekam.

[Umrisse]


[Umrisse]

Außenbereich und Vordach

Das Hochhaus liegt im Schnittpunkt öffentlicher

Grünräume, die durch die neuentstandenen

Außenflächen nun fortgeführt

werden: Mit der Verlegung der Tiefgaragenausfahrt

wurde ein großer urbaner

Platz mit Aufenthaltsqualität geschaffen.

1.500 m² Basaltpflaster gehen jetzt schwellenlos

in den städtischen Raum über, der

Platz öffnet sich zur Stadt und bildet mit

seinem neuen Dach gleichzeitig auch ein

neues Tor zum Westend.

Vordach als neues Tor zum Westend

© Eibe Sönnecken

Das skulpturale Dach ist mit seiner organischen

Baumstruktur schon von weitem

erkennbar. 1.000 m² Dachfläche erstrecken

sich in bis zu 14 m Höhe zonierend über

den Platz, transluzente Luftkissen verschließen

zu großen Teilen die Konstruktion

und bieten heute Büromietern und

Hotelgästen Schutz vor Regen.

Ihr Entwurf integriert städtebauliche wie

raumprogrammatische und strukturelle

Anforderungen. So lagert die zunächst

»fliegende« Gitternetzschale mittels eines

umgekehrten Baumwachstumsalgorithmus

auf den Stützen der Tiefgarage auf,

statisch auf minimalen Stahlverbrauch

durch Anwendung einer Finite-Elemente-

Analysis-Methode optimiert. Das Resultat

sind doppelt gekrümmte Oberflächen, die

den Kräfteverlauf des Tragwerks abbilden.

Form und Struktur bilden eine Einheit.

Diese Form des »assoziativen« Entwerfens

erfordert nicht nur den Einsatz hochentwickelter

Software, sondern auch eine

neue Form der Zusammenarbeit zwischen

allen Planungsbeteiligten, das heißt einen

integralen Prozess zwischen Architektur

und Tragwerksplanung als Basis. Er

beginnt bei der Generierung der Form und

setzt in der Kommunikation durch den

Datenaustausch interaktiver 3-D-Modelle

bis zur Produktion fort.

Foyerbereich am Eingang

© Eibe Sönnecken

[127


128]

Querschnitt als Visualisierung

© Just/Burgeff Architekten

Das Tragwerk besteht aus Stahlrohren

gleichen Durchmessers und dreier unterschiedlicher

Wandstärken, womit mehrachsige

Knotenpunkte geometrisch lösbar

waren. Die Rohre wurden in unterschiedlichen

Baueinheiten verschweißt und

nach dem Verzinken an Montagestößen

verschraubt, was eine schnelle und

»schweißfreie« Vorortmontage ermöglichte.

Die doppelt gekrümmten, wabenähnlichen

Dachflächen sind mit transparenten,

Erd- und (ein) Obergeschoß

© Just/Burgeff Architekten

pneumatischen ETFE-Folienkissen variierender

Abmessungen beplankt. Luftversorgungsschläuche

und Verkabelung

wurden innerhalb der Dachrinnen platziert

und durch Rostgitter verdeckt. Die sich

unter permanentem Luftdruck befindlichen

Pneus gewährleisten trotz optischer und

physischer Leichtigkeit den notwendigen

Sonnen- und Witterungsschutz und bieten

dabei freie Sicht auf die Fassade des

WestendGate.

Das Vordach bindet den gesamten Vorplatz,

der den Zugang zum neuen Bürocenter

darstellt und zugleich als Hotelvorfahrt

dient, zusammen. Es setzt sich

bewusst von der Fassade und dem restlichen

Gebäude ab und bildet mit dem neugestalteten

Vorplatz ein eigenständiges

Ensemble, welches zwischen den Maßstäben

des Hochhauses mit seinen 160 m

Höhe und dem städtischen Raum vermittelt.

Erneuerung der Fassade

Die bestehende Fassade wurde komplett

saniert und neu gestaltet. Die Lisenen

erfuhren eine Aufdoppelung, und die

neuen Paneele wurden mit einer zusätzlichen

Dämmung versehen, um heutigen

Energiestandards zu entsprechen. Zusätzlich

wurden in den Stirnseiten vertikal

angeordnete Solarfassadenmodule

integriert.

Bei der Entwicklung dieser Gebäudehülle

wurde darauf geachtet, dass das alte

Erscheinungsbild aus dunklen Fassadenflächen

und hellen Giebelseiten erhalten

bleibt – die alte statische und flache

Anmutung jedoch durch eine dynamische

Gliederung einen plastischen Effekt

gewinnt, der zugleich Maßstäblichkeit

erzeugt und sich dem Betrachter bei

Annäherung an das Gebäude erschließt.

[Umrisse]


Fassade mit (Skyline-)Perspektive

© Eibe Sönnecken

Realisiert wurde die Fassade aus dreidimensionalen

Elementen, die im Vertikalschnitt

jeweils einen Knick bilden, wobei

sich dessen Verlauf von Paneel zu Paneel

verschiebt: Je nach Sonnenstand variieren

Schattenwurf und die Lichtreflexionen auf

den Elementen, die Fassade changiert im

Sonnenlicht.

Malte Just

Till Burgeff

Bauherr

Aberdeen GmbH,

Frankfurt am Main

Entwurf

Just/Burgeff Architekten GmbH,

Frankfurt am Main

mit

a3lab, asterios agkathidis architecture,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung

Wilhelm und Partner,

Stuttgart

Landschaftsarchitekten

Freiraum X,

Frankfurt am Main


Städtebauliches Ensemble

Der Tower 185

Entwurfs- und Energiekonzept

Das Ensemble des Tower 185 setzt sich

zusammen aus zwei wesentlichen Bauteilen:

Blockrand und Turm. Der Blockrand

bildet den Straßenraum mit einer klaren

Struktur, er orientiert sich typologisch am

Gefüge der europäischen Stadt. Durch

seine raumgestaltende Gliederung und die

Übernahme der Höhen, Materialqualitäten

und Farben (beiger Naturstein und Schieferdach)

reiht sich der Baukörper in die

Abfolge der Friedrich-Ebert-Anlage und

der angrenzenden Gebäude des Viertels

ein und bildet ein neues Ensemble mit seiner

Umgebung. Damit erhält dieser Ort

wieder eine klare städtebauliche Identität,

die auf seiner Geschichte aufbaut. Die

Öffnung der Fassade durch die Torhäuser

und die einladende Geste der vorgelagerten

Arkadenplaza mit Gastronomie und

Geschäften schließen den Turm mit seiner

19 m hohen Eingangshalle an das städtische

Leben der Friedrich-Ebert-Anlage

an und ergänzen ihren großstädtischen

Charakter. Gleichzeitig wirkt der Tower als

Symbol und Auftakt des Europaviertels.

Arkadenplaza

mit Gastronomie und Geschäften

© CA Immo Deutschland GmbH

Lageplan

© Prof. Christoph Mäckler Architekten

Nach Norden hin integriert er sich in die

Silhouette der Frankfurter Skyline ein,

ergänzt und verdichtet den Beginn der

Hochhausbebauung im Nordwesten der

Innenstadt.

130] [Umrisse]


[Umrisse]

Gliederung und Materialität

Aufgrund der Großmaßstäblichkeit des

Turmes sind die Gliederung des Baukörpers

auf der einen sowie seine Materialität

und Farbigkeit auf der anderen Seite von

außerordentlicher Bedeutung. Die Teilung

des Turmes in zwei Scheibenkörper und

die aus ihnen emporwachsende Rotunde

bewirken, dass die Kubatur strukturiert

und maßstäblich erscheint, sowohl von

nahem gesehen als auch aus der Ferne.

Die Rotunde als gläsernes Element verbindet

und überhöht die beiden sich zur

Innenstadt und zum Bankenviertel öffnenden

Körper. Durch die Einfassung der

Fassadenflächen mittels der kräftigen

Ecklisenen bilden sich zwei wohlproportionierte,

elegante Hochhausscheiben,

die sich aus dem Steinsockel entwickeln,

dessen Beigeton des Natursteins die Farbe

der angrenzenden Bauwerke aufnimmt.

Auch das für ein Hochhausensemble einzigartige

Schieferdach des Sockelgebäudes

greift die vorhandene typische Form

der Nachbarbebauung auf.

Eingangshalle als charakteristisches Entree

© CA Immo Deutschland GmbH

Ensemble aus Blockrand und Turm

© CA Immo Deutschland GmbH

Wesentliches Gestaltungsmerkmal des

Turmes ist die Gliederung der Fassade

durch die Lisenen. Sie trennen die einzelnen

Fensterachsen voneinander und

»strecken« die Außenhaut. Die Vor- und

Rücksprünge von Glasebene und Lisene

entfalten eine Plastizität in der Fläche,

die eine Struktur aus Material und Licht

entstehen lässt. Die schwarz-bronzenen

Diagonalbleche der Brüstungen geben

dem Baukörper zudem Tiefe und Plastizität

... und bei Nacht

© CA Immo Deutschland GmbH

und tragen zu einer optischen Steigerung

der Wertigkeit des Baumaterials bei. Wie

in einem feingewirkten Stoff erleben wir

eine Graphik, die immer wieder zu neuen

faszinierenden Eindrücken führt, je nach

Sonnenstand und Wetter. Sowohl aus der

Ferne als auch unmittelbar am Haus sind

die unterschiedlichsten Texturen und Farbspiele

zu beobachten und bieten eine stets

neu interpretierbare Gestalt.

[131


132]

Schnitt

© Prof. Christoph Mäckler Architekten

Optimierte Konstruktion

Für die energetisch optimierte Konstruktion

steht vor allem die Ausbildung der Fassade

in Verbindung mit dem System der Lastabtragung.

Der Rohbau ist in Stahlbeton- bzw.

Stahlbetonverbundbauweise hergestellt,

wobei die Stützen in Ebene der Aluminium-

Glas-Fassade der Hochhausscheiben

angeordnet sind. Das ergibt eine zu 50 %

geschlossene Fläche, die Sonneneinstrahlung

verhindert. Hochleistungsverglasung

und Verschattung der Glasflächen durch

die Lisenen mindern zudem den direkten

Sonneneinfall. Die Natursteinfassade des

Regelgeschoß

© Prof. Christoph Mäckler Architekten

Sockels und die Lochfassade des Turmes

sparen im Vergleich zu einer Glashaut

einen erheblichen Anteil an Kühlenergie

ein und reduzieren die CO 2-Werte maßgeblich.

Die für dieses Gebäude gültige

EnEV wird um mehr als 20 % unterschritten.

Neben der Betriebskostenminderung

durch Energieeinsparung hat das System

der Lastabtragung über den mittigen Kern

und über Stützen in der Fassadenebene

einen weiteren ökonomischen Vorteil: Der

Innenraum kann weitestgehend stützenfrei

bleiben und problemlos in vier Einheiten

geteilt werden. Dadurch ist eine größtmögliche

räumliche Flexibilität bei der Grundrissgestaltung

gegeben, was die Vermietbarkeit

fördert.

Ressourcenschonung

Der Tower 185 ist eines der ersten Hochhäuser

in Europa, für das eine LEED-Gold-

Zertifizierung (Leadership in Energy and

Environmental Design) des U.S. Green

Building Council angestrebt wird. Das

Gebäude hat bereits eine Vorzertifizierung

der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges

Bauen (DGNB) in Silber erhalten.

Durch zahlreiche innovative Ansätze

schont das Bauwerk wertvolle natürliche

Ressourcen und damit die Umwelt. Dem

Thema Nachhaltigkeit, Umweltschonung

und Effizienz wird schon in der Bauphase

(Frühjahr 2008 bis Winter 2011) Rechnung

getragen, einige der wichtigsten Ansätze

werden im Folgenden aufgeführt.

Kühl- und Heizdeckensysteme: Flächen-

Kühl- und -Heizsysteme sind optimale Mittel

der Wärmeübertragung, in der sich

Menschen am behaglichsten fühlen. Vorteile

dieser Systeme, auch »stille Heizung«

bzw. »stille Kühlung« genannt, sind zugfreie

Raumluftströmungen, gleichmäßige

Temperaturverteilung und niedrige Geräuschpegel,

der Nutzerkomfort steigt bei

sinkenden Betriebskosten. Alle Fenster

besitzen zudem Öffnungsklappen, so kann

das Bürokühlsystem ausgeschaltet und

»freie Kühlung« genutzt werden.

Trinkwassereinsparung: Durch die Nutzung

von Regenwasser im Tower 185 beispielsweise

zur Außenanlagenbewässerung

(100 %) und für die Toilettenspülung

sowie durch den Einsatz wassersparender

Armaturen werden über 2.300.000 l/a Trinkwasser

eingespart.

Begrünung: Zur optischen Gestaltung

wird über ein Viertel des Grundstücks

begrünt. Dies betrifft Dachbegrünungen

sowie die Schaffung von Grünflächen,

zum Beispiel in den Innenhöfen.

Baustoffauswahl: Der Einsatz von Baumaterialen

mit recycelten Anteilen von

15–20 % und die bevorzugte Verwendung

regionaler Baustoffe (10–20 %), verbunden

mit kurzen Transportwegen, verringern

den CO2-Ausstoß erheblich. Besonderes

Augenmerk liegt ebenso auf der Wahl von

schadstofffreien Farben, Beschichtungen

und Dichtungsmaterialien.

Recycling: Ein zentrales Abfallmanagement

während der Bauphase führt zu einer deutlichen

Energieeinsparung. Es werden beispielsweise

über 90 % der Baustoffe recycelt.

Christoph Mäckler

[Umrisse]


[Umrisse]

Bauherr

CA Immo Deutschland GmbH

(vormals: Vivico Real Estate GmbH),

Frankfurt am Main

Hauptmieter

PricewaterhouseCoopers AG,

Frankfurt am Main

Architekt

Prof. Christoph Mäckler Architekten,

Frankfurt am Main

Projektleitung:

Christian Schmidt, Soeren Buescher

Mitarbeit:

Michael Beckermann, Cornelius Boy, Michael Clanget,

Jochen Hettmann, Petra Huber, Boris Kaster,

Julian Keetmann, Nadine Lorius, Kentaro Matsuno,

Julia Nölle, Udo Schallenkammer, Daniel Schröder,

Maik Thätner, Zheng Chen

Innenarchitektur:

Ulrike Wess, Eva Lux

Construction Management

omniCon Gesellschaft für innovatives Bauen mbH,

Frankfurt am Main

Tragwerksplanung

RSP Remmel + Sattler Ingenieurgesellschaft mbH,

Frankfurt am Main

Garten- und Landschaftsplanung

Prof. Christoph Mäckler Architekten,

Frankfurt am Main

mit

SAL Planungsgruppe GmbH,

Münster, Berlin

Haustechnik und Bauphysik

Ebert-Ingenieure GmbH & Co. KG,

München

LEED-Zertifizierung

Ebert-Consulting Group GmbH & Co. KG,

Washington D.C., U.S.A.

Energieberatung

IPJ Ingenieurbüro P. Jung GmbH,

Köln

Relikt des Vorgängerbaus

© CA Immo Deutschland GmbH

Fassadenplanung

a+f Architektur u. Fassadenplanung Hans Honig,

Frankfurt am Main

Aufzugsplanung

Jappsen Ingenieure GmbH,

Oberwesel

Brandschutz

BPK Brandschutz Planung Klingsch GmbH,

Frankfurt am Main

Tower 185 im Straßengefüge

© CA Immo Deutschland GmbH

Lichtplanung

Day & Light Lichtplanung GbR,

München

Vermessung

B+K Gerd Brockmann + Erich Kaiser GbR,

Frankfurt am Main

Verkehrsplanung

BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung GmbH,

Aachen

Bodengutachten

Quick Ingenieure und Geologen GmbH,

Darmstadt

Verschattungsgutachten

Ökoplana,

Mannheim

Windgutachten

Wacker Ingenieure,

Birkenfeld

Radargutachten

Prof. Dr.-Ing. Erhard Möller,

Aachen

[133


134]

Treffen im Gebäude

Empfangs- und Barcounter

© PricewaterhouseCoopers AG

Was macht(e) den Tower 185 attraktiv?

Ein Gespräch über die Anforderungen eines Großmieters

PricewaterhouseCoopers (PwC) ist eine

der weltweit führenden Wirtschaftsprüfungs-

und -beratungsgesellschaften. In

Deutschland erwirtschaften zum Beispiel

ca. 8.700 Mitarbeiter in den Bereichen

Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe

Dienstleistungen, Steuerberatung sowie

Deals und Consulting einen Umsatz von

ca. 1,33 Milliarden Euro.

Bundesweit an 28 Standorten vertreten,

»verteilt« sich die Frankfurter Niederlassung

derzeit auf mehrere Häuser im

Merton-Viertel. PwC suchte daher nach

einem geeigneten Gebäude, um künftig

über eine einzige Adresse zu verfügen –

im Interesse der Kunden und aus Gründen

einer verbesserten internen Kommunikation.

Und so waren insgesamt ca. 60.000 m²

zu finden, die den hohen Qualitätsansprüchen

von PwC gerecht werden.

Das Anforderungsprofil für die anzumietende

Bürofläche erstreckte sich aber

nicht nur auf den eigentlichen Bau, dessen

äußere Erscheinung oder Lage, sondern

umfasste vor allem die Raumanordnung

und Ausstattung, denn die Mitarbeiter

erwarten zu Recht eine moderne Arbeitsumgebung.

Die Kunden wiederum erwarten

absolute Seriosität und Vertraulichkeit,

die bereits bei Vorfahrt und Empfang

gewährleistet sein sollen.

All diese Bedingungen konnte der von

Prof. Christoph Mäckler Architekten

geplante Tower 185 bieten. Dipl.-Ing.

Architekt Thomas Mechthold, Partner im

Hause PwC, hatte sich nun bereit erklärt,

direkt vor Ort einige Fragen zu beantworten,

mit Elisabeth Wiederspahn über die

Kriterien von Standortwahl und Innenarchitektur

zu diskutieren.

Nach der Begrüßung im Foyer des Haupthauses

begaben wir uns über den Säulengang

im Außenbereich zu den Etagen von

PwC, die zum Teil schon bezogen worden

sind. Ein überraschender Empfang und Eindruck:

das auffallende Design der Counter

vor einer in ornamentalem Weiß gehaltenen

Front, die sich in den Abendstunden

durch Lichteffekte in jeder gewünschten

Farbe hinterleuchten lässt und auf der

Rückseite als Bar für abendliche Empfänge

fungiert. Joi-Design, bekannt für die innenarchitektonische

Gestaltung von Hotels

im oberen Preissegment, hat hier bei der

Gestaltung mitgewirkt und auch die Konzeption

der gut platzierten Hinweisständer

für die Wegeführung verantwortet.

Eine Marke …

© PricewaterhouseCoopers AG

[Umrisse]


[Umrisse]

Angepasst: Hinweistafeln durch das Haus

© PricewaterhouseCoopers AG

Wiederspahn

Herr Mechthold, warum hat sich PwC

gerade für den Tower 185 entschieden?

War es die Lage, denn dieses Gebäude

liegt in unmittelbarer Nähe von Messeturm

und Messe und ist somit für Mitarbeiter

und Besucher hervorragend zu erreichen?

War es die Bauweise, wir beschäftigen

uns ja heute alle mit Nachhaltigkeit und

entsprechenden Zertifizierungen, oder

waren es ganz andere Gründe?

Mechthold

Wir haben nach einem Gebäude gesucht,

in dem Platz für 3.000 Mitarbeiter ist, das

auf jeder Ebene Besprechungsräume

bietet und außerdem genügend Raum für

Sitzoasen und Cafébars, damit unsere

Mitarbeiter sich zwanglos treffen und

austauschen können. Unseren Raumbedarf

haben wir auf mindestens 60.000 m²

berechnet, was die Auswahl bereits erheblich

eingrenzte. PwC ist auf Expansionskurs.

Wir wollten also ein Gebäude finden,

in dem wir auch noch wachsen

können. Auch dieses Kriterium erfüllt

der Tower 185.

Wiederspahn

Und das Leed-Zertifikat war dann noch

ein kleines Gastgeschenk, nehme ich an.

Wenn man, so wie ich heute Morgen, vor

dem etwas nach hinten gerückten Turm

steht, der von zwei halbrunden, eine Art

Immer wieder ruhige Rückzugsmöglichkeiten

© PricewaterhouseCoopers AG

Laubengang aufspannenden und einen

begrünten Platz umrundenden Gebäudehälften

eingefasst wird, so dass man die

Eingänge jederzeit trockenen Fußes erreichen

kann, muss man feststellen: Der

Gebäudekomplex beeindruckt durch zurückhaltende

Eleganz und vermittelt ein

Gefühl von Ruhe und Diskretion. So wird,

denke ich mir, der Name Pricewaterhouse-

Coopers angemessen nach außen transportiert

und mit der Corporate Identity

verbunden. Abgesehen von dem äußeren

Erscheinungsbild, dem ersten Eindruck:

Welche Möglichkeiten hatten Sie, auf die

Innengestaltung, das heißt auf Ausnutzung,

Raumzuordnung, Materialwahl usw.,

Einfluss zu nehmen?

Mechthold

Hier hatten wir viel Spielraum. Die Experten

für Büroausstattung des Fraunhofer

Instituts haben uns bei der Ausgestaltung

der einzelnen Bereiche und Etagen unterstützt.

Insbesondere die Anordnung und

Größe der Räume, aber auch die Einrichtung

und Ausstattung von Kommunikationszonen

waren uns dabei ein besonderes

Anliegen. Unsere Mitarbeiter fordern

zu Recht, ungestört arbeiten zu können.

Gleichzeitig wollen sie aber auch komfortabel

und unkompliziert miteinander kommunizieren

können. Die Lösung: Glastrennwände.

Sie ermöglichen einerseits

konzentriertes Arbeiten. Gleichzeitig geben

sie dem Einzelnen aber auch das Gefühl,

Teil des Teams zu sein.

Lichtdurchflutete,

großzügige Arbeitseinheiten

© PricewaterhouseCoopers AG

[135


Lounge für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

© PricewaterhouseCoopers AG

Harmonisch integrierte Cafébars auf allen Ebenen

© PricewaterhouseCoopers AG

136]

Wiederspahn

Neben den vielen unterschiedlich gestalteten

Cafébars auf allen Ebenen bieten Sie

auch noch ein Mitarbeiterrestaurant, das,

wie ich soeben feststellen konnte, über

Freiplätze verfügt.

Mechthold

Das Mitarbeiterrestaurant war und ist für

PwC schon immer ein absolutes Muss.

Unsere Mitarbeiter sollen sich in ihrer

Mittagspause erholen. Ein gesundes und

abwechslungsreiches Mittagessen gehört

mit dazu. Eine Lounge für den kleinen

Snack zwischendurch gibt es im Übrigen

ebenfalls. Alle Restaurants sind extern

bewirtschaftet und bieten eine gute Qualität.

Dass wir zurzeit noch reichlich Platz

haben, liegt daran, dass wir erst mit der

halben Firma eingezogen sind. 2012 folgt

der Rest unserer Mitarbeiter hier in Frankfurt.

Entspannen in stilvollem Ambiente

© PricewaterhouseCoopers AG

Wiederspahn

Die beeindruckende Vorfahrt für Gäste und

Besucher, sie dürfte in dieser Form und

Größe in Frankfurt wohl selten sein, und

dazu ein »gestylter« Empfang in einem

ansonsten eher kühl und zurückhaltend

anmutenden Ensemble: Ist das der Stil,

den Ihre Kunden erwarten? Denn die

Lage, zwar neben Messe und Messeturm,

aber eben nicht im eigentlichen Bankenviertel,

repräsentiert nicht unbedingt einen

1-a-Standort, zumindest nicht in der Immobilienentwickler-

und Investorensprache.

Mechthold

Die Entscheidung für den neuen Standort

haben wir bewusst getroffen. Wir sind für

unsere Mandanten und Gäste ebenso wie

für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

mit öffentlichen Verkehrsmitteln hervor-

ragend zu erreichen, und der Weg zum

Flughafen ist auch nicht lang. Das waren

für uns die wichtigsten Kriterien. PwC will

nicht durch einen 1-a-Standort punkten.

Wir überzeugen lieber mit der Qualität

unserer Dienstleistungen.

Wiederspahn

Herr Mechthold, ganz herzlichen Dank,

dass Sie sich die Zeit für dieses Gespräch

und die Führung durch das Haus genommen

haben. Ich verlasse es mit dem

Gefühl, dass hier Planer und Gestalter am

Werk waren, die das Optimale für Ihr Haus

und dessen Kunden erreichen wollten –

was sich nicht zuletzt auch an den lebhaft

strukturierten Böden mit ihren hellen Steinbelägen

zeigt, die wie ein roter Faden der

Gestaltung alle Ebenen und Bereiche

durchziehen.

Elegante Vorfahrt

© PricewaterhouseCoopers AG

[Umrisse]


[Umrisse]

Die neuen Deutsche-Bank-Türme

Offenes und nachhaltiges Gebäude

Neuer Haupteingang »inklusive« Frankfurter Skyline

© Deutsche Bank AG

Wandel der Doppeltürme

Erbaut in den Jahren 1979–1984 als Konzernzentrale

der Deutschen Bank, wurden

die bekannten 155 m hohen Doppeltürme

in Frankfurt 2007–2010 komplett saniert.

Den Anstoß gaben zunächst Anforderungen

an eine Verbesserung des Brandschutzes,

eine nachfolgende grundlegende

Gebäudeanalyse brachte die Entscheidung

einer Erneuerung auch der technischen

Ausstattung. Doch die Bank wollte noch

mehr erreichen. Auf Basis einer weltweiten

Klimastrategie wurden ein konsequenter

Green-Building-Ansatz sowie eine

umfassende Modernisierung der Immobilie

beschlossen. Anliegen der Bank war die

architektonische Neugestaltung der Innenräume

und des Umfeldes in Verbindung mit

Nachhaltigkeitskriterien, einer effizienteren

Nutzung des Hauses sowie modernster

Büros. Während der größten Gebäudesanierung

Europas, bei der das Bauwerk

bis auf den Beton entkernt und auch die

Fassade komplett ausgetauscht wurde,

entstand eines der umweltfreundlichsten

Hochhäuser der Welt.

Die Deutsche Bank hat den Umbau ihrer

Zentrale genutzt, um eine Vielzahl innovativer

und zukunftsgerichteter Ideen vor

allem auf dem Feld der Ökologie zu verwirklichen.

So konnten der Energiebedarf

um 50 %, der Verbrauch von Wasser um

über 70 % und die CO 2-Emissionen um

fast 90 % verringert werden. Das Resultat

wurde mit LEED-Platin und DGNB-Gold

ausgezeichnet.

Wiedereröffnet im Februar 2011, zeigen

die neuen Türme aber nicht nur, was sich

technisch selbst bei einem Bestandsgebäude

für die Umwelt erreichen lässt und

wie Hochhäuser dazu beitragen können,

Städte für die dort lebenden und arbeitenden

Menschen attraktiver zu machen. Die

architektonische Neugestaltung spiegelt

zugleich auch den Wandel der Bank hin

zu mehr Transparenz und Offenheit wider.

Seit der Umgestaltung stehen das neue

Foyer sowie nahezu der gesamte Sockelbereich

den Besuchern und Kunden offen.

Mehr Grünflächen rund um das Bauwerk

und ein neuer Park runden das Ensemble

ab und verdeutlichen die starke Verankerung

der Bank in Frankfurt.

[137


138]

Die Bauhistorie

Basis der architektonischen Überlegungen

des Gebäudes an der Frankfurter

Taunusanlage 12 war eine Anfang der

1970er Jahre konzipierte und im Bebauungsplan

festgelegte Zwei-Türme-Lösung

auf dem Grundstück des ehemaligen

Löwenstein’schen Palais. Die Bank erwarb

das Areal 1979 und errichtete darauf die

Zwillingstürme. Die im Tube-in-Tube-

Verfahren realisierten Türme mit einem

für Hochhäuser damals neuen Konzept

von tragenden Außenwänden waren

schon zum Zeitpunkt ihrer Entstehung

innovativ und fortschrittlich.

Schnell wurden sie dank ihrer bis heute

klaren und zeitlosen Formensprache

zum Symbol für die Deutsche Bank und

darüber hinaus für das gesamte Frankfurter

Bankenviertel – und deshalb sollten

ihr Erscheinungsbild und die bekannte

Spiegelglasfassade trotz deren kompletten

Austausches beim Umbau erhalten

werden.

Bereits beim Erstbezug im Jahr 1984

bot das Gebäude ein Höchstmaß an Ausstattung

und Komfort für zunächst ca.

1.750 Mitarbeiter. Durch die Umgestaltung

und ein neues flexibles Arbeitsplatzkonzept

hat sich seine Kapazität mittlerweile auf

ca. 3.000 erhöht.

Rohbauphase aus den 1980er Jahren

© Deutsche Bank AG

Neue offene Architektur

Im Wettbewerb um die Neu- und Ausgestaltung

hatte sich das Mailänder

Design- und Architekturbüro Mario Bellini

Architects gegen die Konkurrenz durchgesetzt,

die Ausschreibung für Ausführungsplanung

und Umsetzung gewannen die

Architekten gmp von Gerkan, Marg und

Partner. Aufgabe beider Teams war es,

ein neues »Look and Feel« für die Konzernzentrale

der Deutschen Bank zu schaffen,

ein ganzheitliches schlüssiges räumliches

Konzept für die Neukonzeption und Modernisierung

des Gebäudes.

Das Foyer wurde völlig neu gestaltet und

die Sockelgeschosse geöffnet, wodurch

die beiden Türme jetzt von der Lobby aus

durch ein Glasdach sichtbar sind. Die

»Sphäre« als virtueller Mittelpunkt und

Drehscheibe im Foyer steht zudem als

Errichtung 1979–1984

Erstbezug 1984

Arbeitsplätze bei Erstbezug 1.750

Sanierungszeitraum 2007–2010

Fertigstellung 2010

Maximale Arbeitsplatzkapazität 3.000

Höhe 155 m

Struktur 4 Sockelgeschosse,

34 Obergeschosse in Turm A,

36 Obergeschosse in Turm B,

3 Untergeschosse als Tiefgarage

Brutto-Grundfläche 121.522 m²

Netto-Grundfläche 103.354 m²

Auszeichnungen LEED-Zertifikat in Platin, DGNB-Zertifikat in Gold

Fakten und Zahlen

© Deutsche Bank AG

Schnitt durch die Eingangshalle

© Deutsche Bank AG

Symbol für die Öffnung und die globalen

und internen Netzwerke der Deutschen

Bank. Wurde die Konzernzentrale einst

als übermächtiges »Landmark Building«

wahrgenommen, so ist sie nun klarer an

Opernplatz und Frankfurter Stadtzentrum

angebunden. Die neuformulierte Plaza,

die begrünten Außenanlagen mit einem

angrenzenden Park sowie verbesserte

S-Bahn-Zugänge integrieren das Ensemble

erkennbar in das urbane Umfeld, zumal

beinahe der gesamte Sockelbereich heute

öffentlich zugänglich ist: mit einem vergrößerten

Investment-und-Finanz-Center

für Kunden, einem neugeschaffenen sogenannten

BrandSpace als Forum für die

Marke Deutsche Bank, einem Business-

Center und einem künftigen öffentlichen

Restaurant.

[Umrisse]


[Umrisse]

Kunstwerk »Sphäre« im umgestalteten Foyer

© Deutsche Bank AG

Green-Building-Ansatz …

Ein bestehendes Hochhaus nachträglich

»grün« zu machen war eine komplexe

Aufgabe, die eine enge Kooperation aller

Beteiligten von Bauherr über Architekten

bis hin zu Fachplanern und Technikern

erforderte. Für die Modernisierung der

Konzernzentrale wurde ein ganzheitlicher

Ansatz aus Energieeffizienz, Nutzerkomfort

und Lebenszykluskosten in einem ästhetischen

Gesamtkonzept entwickelt, das die

Hauptaspekte

– Nutzung erneuerbarer Energien,

– effizienter und sparsamer Einsatz

aller Ressourcen,

– Gebäudebetrieb,

– intelligente Gebäudetechnik und

Brandschutz,

– anspruchsvolle Architektur,

– optimale Arbeitsbedingungen

berücksichtigte und zu den nachfolgend

beschriebenen Ersparnissen und Maßnahmen

führte.

98 % Recycling von Materialien:

Die komplette Erneuerung der technischen

Gebäudeausstattung und -ausrüstung

erforderte eine sorgfältige Materialauswahl,

die sich an ökologischen Erfordernissen

und den Bedürfnissen modernen und

effizienten Arbeitens orientiert. Dies gilt

auch für die Entsorgung alter Materialien.

So erfolgten bereits die Abbruch- und

Rückbauarbeiten unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten.

Von 30.500 t Abbruchmaterial

mussten nur 2 % entsorgt werden,

alles andere wurde der Industrie zugeführt

oder wiederverbaut.

Erreichte Einsparungen durch die Modernisierung

© Deutsche Bank AG

67 % Einsparung bei Heiz- und Kühlenergie:

Neue, hochisolierende Dreifachverglasungen

und eine verbesserte Dämmung

halten im Sommer die Hitze draußen und

reduzieren den Wärmeverlust im Winter.

Da nun jedes zweite Fenster geöffnet

werden kann, entsteht eine natürliche

Luftzirkulation, was die Behaglichkeit im

Raum verbessert. Hinter der bekannten

Glashülle verbirgt sich eine klassische

»Lochfassade« aus Beton und Betondecken,

die hervorragend zum neuen

Klimatisierungskonzept passen: Die Masse

dieser Gebäudeteile wird als Energiespeicher

für die Heizung und die Kühlung

genutzt, Letztere erfolgt jetzt über die

Decken und nicht mehr wie früher über

eine stromintensive mechanische Lüftung.

Ein zusätzlicher positiver Effekt: Die kompakte

Technik erlaubte eine Vergrößerung

der Raumhöhen von 2,65 m auf 3,00 m.

Eine Wärme-Kälte-Kopplung ermöglicht

zudem die gleichzeitige Erzeugung in

einem synchronisierten und energieeffizienten

Prozess. Ein Wärmerückgewinnungssystem

reduziert weiter den Energieverbrauch,

es wird also keine Wärme mehr

im eigenen Haus produziert, bei Bedarf

lediglich Fernwärme zugeführt.

[139


140]

55 % Stromeinsparungen:

Intelligente Systeme sorgen für weniger

Stromverbrauch bei höherem Komfort.

Dank einer zonalen Steuerung wird nur

noch beleuchtet, wann und wo es nötig ist.

Das neue Lichtmanagement, der Einsatz

hocheffizienter Leuchtmittel sowie eine

optimale Nutzung des vorhandenen Tageslichts

reduzieren den Stromverbrauch

deutlich. Die für die Büroetagen speziell

entwickelten Schwertleuchten sind mit

High-Tech-Prismentechnologie ausgestattet

und erreichen einen Leuchtenwirkungsgrad

von 86 %. Da die Raumklimatisierung

mit Wasser anstatt mit Luft erfolgt, wurde

die Luftwechselrate vom 6- auf das 1,5fache

reduziert. Im Ergebnis verbrauchen die

neuen Lüftungsanlagen weniger als die

Hälfte an Strom, während der Stromverbrauch

für die Kälteerzeugung durch die

freie Kühlung stark minimiert wird. Auch

die Aufzugstechnik wurde vollständig

erneuert: Das neue Verkehrsmanagementsystem

erhöht die Transportkapazität der

vorhandenen Anlagen durch Optimierung

der Transportwege und Reduzierung der

Wartezeiten. Abhängig von Fahrtrichtung

und Förderlast wird von den Aufzügen

Strom erzeugt, der ins Versorgungsnetz

eingespeist wird und zur Betankung von

Elektroautos genutzt werden kann. Diese

Technologie und die optimierte Systemauslegung

verringern den Energiebedarf

des Aufzugssystems um insgesamt über

50 %. Green-IT-Lösungen, wie energiesparende

PC-Technologien, multifunktionale

Einrichtungen, Drucker-Pools und

der Verzicht auf Server im Gebäude,

reduzieren den Stromverbrauch überdies.

74 % Wassereinsparung:

Die Türme erhielten ein komplett neues

Wassermanagementsystem. Hausinternes

Wasserrecycling, Regenwassernutzung

sowie der Einbau von wassersparenden

Systemen senken den Frischwasserverbrauch

erheblich. Regen- und Grauwasser

werden zudem gesammelt, aufbereitet

und für die Bewässerung sowie für die

Toilettenspülsysteme im gesamten Gebäude

wiederverwendet. Mehr als 50 % des

Warmwasserbedarfes werden mit einer

solarthermischen Anlage erzeugt, Überschüsse

werden ins Heizungsnetz eingespeist.

20 % höhere Flächeneffizienz:

Ein neuentwickeltes Arbeitsplatzkonzept

und die kompakte Technik erhöhen die Effizienz

des Gebäudes. Moderne Ausstattung

und eine verbesserte Infrastruktur ermöglichen

eine flexible Raumnutzung und

bieten optimale Arbeitsbedingungen. Die

platzsparende Gebäudetechnik benötigt

überdies kleinere Zentralen, wodurch

alleine 850 m² zusätzliche Bürofläche entstanden.

Durch Einsatz eines intelligenten

Raumbuchungstools wurde der Komfort

bei Auswahl und Belegung der Konferenzund

Meetingräume deutlich verbessert,

so dass sich deren Auslastung fast verdoppeln

ließ.

Ökologie und Ökonomie

Ein in dieser Gesamtheit durchdachtes

»Green Building«-Investment in ein rund

30 Jahre altes Gebäude erweist sich neben

der künftigen Ersparnis bei immer knapper

und teurer werdenden Ressourcen auch

aus weiteren Gründen als sinnvoll: Allein

durch eine optimierte Raumplanung und

einen geringeren Flächenbedarf in den

Technikzentralen stehen in den Doppeltürmen

der Bank nun mehr Fläche und damit

mehr Platz für eine höhere Mitarbeiterzahl

zur Verfügung.

Fassade mit (jetzt) öffenbaren Fensterelementen

© Deutsche Bank AG

Nachhaltigkeit ist ökologisch und ökonomisch

vorausschauend. Immobilien, die

schonend mit Ressourcen umgehen, werden

langfristig stärker an Wert gewinnen

als konventionelle Bauwerke. Die neuen

Deutsche-Bank-Türme sind ein gutes Beispiel

dafür, welche Optimierungspotentiale

und Energieeffizienz auch bei vorhandenen

Häusern möglich sind. Die Industrie bietet

umweltgerechte Gebäudetechniken und

Maßnahmen seit Jahren an und hat den

Klimawandel bereits als Chance für künftiges

Wachstum entdeckt. Nun liegt es an

der Vielzahl von Eigentümern und Betreibern,

ihre Immobilien grundlegend zu

analysieren und für die Zukunft nachhaltig

fit zu machen – zum ökologischen wie

ökonomischen Nutzen. Und zum Nutzen

der Städte, in denen sie stehen.

Roger Schäublin

Klaus Thoma,

Deutsche Bank AG,

Frankfurt am Main

[Umrisse]


[Umrisse]

Advertorial

Auf Spurensuche in Frankfurt

Viele Standtbildprägende Beiträge von Arnold

Auch wenn die Arnold AG heute mit ihren

mittlerweile über 300 Mitarbeitern im

nahen Friedrichsdorf und im thüringischen

Steinbach-Hallenberg residiert, die Wurzeln

des Unternehmens liegen in Frankfurt

am Main. Hier gründete 1924 der Schlossermeister

Karl Arnold sein Unternehmen.

Wer sich heute in der Mainmetropole auf

Sightseeingtour begibt, begegnet immer

wieder den Arbeiten des Metallverarbeitungsspezialisten.

Erstaunlich ist die Vielfalt der Projekte.

Sie reichen im öffentlichen Raum von

designorientierten Innenausbauten über

Orientierungsleitsysteme bis zu Kunstwerken.

Arnold fertigt aber genauso

mechanische Baugruppen, Gehäuse,

metallische Rahmen, Gestelle und Verkleidungen.

Der gemeinsame Nenner: ein

leidenschaftlicher Anspruch an Qualität,

Nachhaltigkeit und Individualität.

Begeben wir uns also auf Spurensuche.

Sie beginnt im Foyer der Deutschen Bank.

Die beiden mächtigen Türme wurden

nach dreijähriger Komplettsanierung im

Februar wiedereröffnet. Über unseren

Köpfen schwebt eine gewaltige Kugel,

die »Sphäre« – Sinnbild für das globale

Geschäftsmodell und die Unternehmenswerte

der Deutschen Bank. Sie gilt als ein

architektonisches Highlight des Umbaus

durch den italienischen Architekten und

Designer Mario Bellini. 16 m im Durchmesser,

zusammengesetzt aus 1.440 lasergeschnittenen

Edelstahlteilen und 33 t

schwer, durchdringt sie scheinbar schwerelos

den Sockel der beiden Türme. Keines

der Edelstahl-Einzelteile gleicht dem

anderen. Selbst die Winkel der gefrästen

Enden wurden den 22 unterschiedlichen

Schweißfällen an den 1.220 Knotenpunkten

individuell angepasst. Und so bestand

eine wesentliche Herausforderung in der

Logistik. Jedes Teil musste zum richtigen

Zeitpunkt am richtigen Ort sein, wo es in

einem eigens geplanten Gerüst mit Klammern

in Position gebracht und verschweißt

wurde. Zwei 26 m lange und über 15 t

schwere Brücken durchziehen die Sphäre.

Sie bestehen aus mit Edelstahl ummanteltem

Stahl. Der Clou: Den Boden bilden

begehbare Scheiben aus Spezialglas.

Hinzu kommt eine 13 m lange und 20 t

schwere Treppe.

Nur wenige Schritte entfernt steht die

Alte Oper. Die für die hervorragende

Akustik besonders wichtige Stahldeckenkonstruktion

stammt von Arnold. Nicht eine

einzige Reklamation in drei Jahrzehnten ist

Ausdruck eines ausgeprägten Nachhaltigkeitsdenkens.

Neben der Alten Oper fällt unser Blick

auf die außergewöhnliche Graphik des

Fassadenlogos am »Park Tower«, einem

exklusiven Bürogebäude in »Mainhattan«.

Aus Edelstahl geschnitten und glasperlgestrahlt,

erstrahlen nachts seine Konturen

dank LED-Lichtschnüren in magischem

Lichtschimmer. Arnold-Beschilderungen

und -Orientierungsleitsysteme weisen in

zahlreichen Frankfurter Büro- und Verwaltungsgebäuden

Mitarbeitern und

Besuchern den Weg.

Lassen auch wir uns auf unserem weiteren

Weg vom Kulturleitsystem »Frankfurt

Wegweiser« führen. 17 Stelen weisen den

Weg zu 81 Sehenswürdigkeiten. Robust

aus Stahl und Edelstahl konstruiert, wirken

sie dennoch im Stadtbild filigran und

dezent.

Stichwort Kultur: Großkunstwerke aus

Stahl, Edelstahl und Aluminium sind eine

Spezialität der Arnold AG. Nationale

und internationale Künstler lassen dort

»Frankfurt Wegweiser« vor der Alten Oper

© Arnold AG/R. Müller

»Sphäre« im Deutsche-Bank-Foyer

© G.Castegini

fertigen. Persönlichkeiten wie Jeff Koons,

Anish Kapoor, Vera Röhm, Klaus Staudt

oder Magdalena Jetelova finden bei

Arnold für ihre Ideen offene Ohren und

adäquates handwerkliches Geschick.

Auf der Mainzer Landstraße begegnen

wir dem »Pendulum« von Claus Bury, einer

21 m hohen Konstruktion aus Schiffsbaualuminium.

Was optisch leichtfüßig daherkommt,

stellte höchste Anforderungen an

Konstruktion, Statik und Bau.

Wenden wir uns Richtung Main. Schon

von Ferne sehen wir den Westhafen Tower.

Vor dem Sturz ins Wasser bewahrt uns

ein filigranes, maritim wirkendes Geländer

aus Aluminium und Edelstahldraht. »Network«

wurde von den Westhafen-Architekten

»schneider + schumacher« gestaltet

und von Arnold realisiert.

Zeit für den Abschied. Fahren wir mit der

S-Bahn zum Frankfurter Flughafen. Hier

begleitet uns Arnold auf Schritt und Tritt,

seien es Edelstahl-Innenausbauten oder

Lufthansa-Counter. Genauso wie zahlreiche

außergewöhnliche Werbeobjekte,

exklusiv gebaut für die Media Frankfurt

GmbH.

Wir starten. Etwas nördlich der Mainmetropole

sehen wir in der Ferne Friedrichsdorf

liegen, wo die Fäden für Konstruktion

und Bau dieser vielfältigen Produkte

zusammenlaufen.

www.arnold.de

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Anblick aus nordöstlicher Richtung

© Coop Himmelb(l)au

Der Neubau der Europäischen Zentralbank

Wettbewerbsentwurf, Energiekonzept und Realisierung

Architektur und Städtebau

Im Winter 2002 lobte die Europäische