25 Jahre - KKV Bundesverband

kkv.bund.de

25 Jahre - KKV Bundesverband

kkv, zeitschrift der katholiken in wirtschaft und verwaltung

02/ 12

Prominenter Besuch

Peter Frey beim KKV Worms

KKV-Aufsatzwettbewerb

Stolze Preisträgerinnen

Aufbruch

wohin?

Am Gelingen des

Dialogprozesses

entscheidet sich die

Zukunft der Kirche.

Zum Gedenken

Bischof von Ketteler

Schönes Kastilien

Mit dem KKV auf Reisen


Inhalt • termIne

2/12

4 Kirche mit Zukunft

Der Dialogprozess braucht jeden

6 Die Jugend begeistern

Aufsatzwettbewerb des KKV-Fördererkreises

8 Geistliches Wort

Soziale Marktwirtschaft in der Krise?

11 Gelähmte Kirche?

ZDF-Chefredakteur Peter Frey beim KKV

13 mit der Kirche leiden

Bezirkswallfahrt des KKV Oldenburg

16 Kirche in der löwengrube?

Regionaltagung des KKV Ost in Magdeburg

17 herausragende Stellung

100 Jahre KKV Letmathe

21 mit dem KKV unterwegs

Frühjahrsreise nach Kastilien

iMpRESSuM

neue mitte – Zeitschrift der Katholiken in

Wirtschaft und Verwaltung

Herausgeber: KKV-Bundesverband.

Bismarckstraße 61, 45128 Essen,

E-Mail: info@kkv-bund.de,

www.kkv-bund.de

Redaktion: Andreas Schuppert (Chefredakteur),

Joachim Hüpkes

Nachdruck nur mit schriftlicher Genehmigung der

Redaktion. Die Redaktion behält sich sinngemäße

Kürzungen vor. Redaktionsschluss nächste Ausgabe:

15. August 2012

Die Neue Mitte erscheint vier Mal jährlich. Der

Bezugspreis beträgt 2,30 Euro pro Heft bzw. 9,20

Euro pro Jahr, jeweils inkl. Versandkosten. Für

Mitglieder ist der Bezugspreis im Verbandsbeitrag

enthalten.

druck: Druckhaus Breyer, 49356 Diepholz.

Gedruckt auf chlor- und säurefrei gebleichtem

Papier.

TERMiNKALENdER

Limburg

30. Juni 2012

Diözesantag des KKV Diözesanverbandes Limburg mit

Bischof Prof. Dr. Franz-Peter Tebartz-van-Elst

Jersey

1. bis 8. September

KKV Herbstreise nach Jersey

Osnabrück

8. September

KKV Samstagsforum mit dem Generalsekretär der Deutschen

Bundesstiftung Umwelt, Dr. Fritz Brickwedde

Arnsberg-Neheim

15. September

KKV Samstagsforum mit Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg

und Prof. Dr. Patrick Sensburg (MdB)

Wiesbaden

2. bis 11. Oktober

Studienreise des KKV Wiesbaden nach Portugal

Essen

5. bis 7. Oktober 2012

KKV Familienseminar

Facebook, Twitter& Co. – Wie sozial sind die sozialen

Netzwerke ?

Mannheim

20. Oktober 2012

KKV Samstagsforum mit dem ehemaligen Verfassungsrichter

Prof. Dr. Paul Kirchhof

Bensberg

20. Oktober

„Weniger ist mehr“ – kritische Anmerkungen zur Wachstums-

Euphorie, Diözesanverband Köln

Kloster Eberbach/Rheingau

7. November 2012

Vortrag von Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg: „Glaubensbekenntnis

in einer glaubensentwöhnten Zeit – wieviel Mut

brauchen wir gegen die Glaubensvergessenheit?“

Köln

16. November 2012

Sitzung KKV Bundesvorstand,

Erzbischöfliches Priesterseminar

17. November 2012

Sitzung KKV Hauptausschuss,

Erzbischöfliches Priestersemina

2 neue mitte 02/12


Fotos: KKV/Tobias Gotthardt

Der Glaube muss strahlen

um die Kirche zu erneuern, müssen wir zuerst bei uns selbst anfangen.

Liebe KKVerinnen und KKVer!

Drei tage hatten wir die

Gelegenheit, an unserem

Informationsstand am Wasserturm

die Besucher des mannheimer

Katholikentages über die Ziele und

aufgaben des KKV zu informieren. Und

das Interesse an unserem Verband war

außerordentlich groß. So schrieb uns

später ein teilnehmer aus Wuppertal:

„Ich freue mich, dass es Ihren Verband

gibt, der sich für Bildung im Bereich

katholischer Soziallehre wie etwa

durch die Idee eines Katechismus der

Soziallehre einsetzt und wo ich somit

Impulse für mein kommunalpolitisches

engagement und Stellungnahmen

zu aktuellen politischen Fragen im

licht der Soziallehre finden kann.“ Im

Giessener anzeiger, deren redakteurin

ebenfalls unseren Stand besuchte,

konnte man am 19. mai im rahmen

eines Berichts über den Katholikentag

unter anderem lesen, dass sich der

KKV für den Sonntagsschutz und vor

allem für mehr ethik in der Wirtschaft

einsetze. Und in der tat: mit unseren

liegestühlen, die den aufdruck „Ich

bin Sonntagsschützer“ trugen, stießen

wir fast einhellig bei den Besuchern auf

Zustimmung. Gleichzeitig war diese

aussage vielfach ein guter aufhänger

für interessante Gespräche. Für den

mannheimer KKV-Vorsitzenden, Dr.

hans-Georg Weßjohann, und seinen

Stellvertreter, Franz hohler, die beide

am KKV-Stand im einsatz waren, war es

zudem eine gute Gelegenheit, für ihre

Ortsgemeinschaft zu werben.

Was bleibt nun vom Katholikentag?

Bewirkt er einen neuen aufbruch in

unserer Kirche? Und wenn ja, wie

sieht dieser aus? Papst Benedikt XVI.

hat dies in seinem Grußwort wie folgt

formuliert: „erneuerung trägt nur

Frucht, wenn sie aus dem wirklich

neuen von Christus her geschieht, der

der Weg, die Wahrheit und das leben

ist (vgl. Joh 14,6). So betrifft aufbruch

neue mitte 02/12

jeden Gläubigen persönlich und zuinnerst.“

In unserem Brief an erzbischof

Zollitsch, in dem wir seinerzeit unsere

Sichtweise zum Gesprächsprozess

äußerten, schrieb ich unter anderem:

„Ziel dieses Prozesses sollte es sein,

gemeinsam Wege aufzuzeigen, wie der

christliche Glaube in der heutigen Zeit

mehr Strahlkraft gewinnen kann. Um

dies zu erreichen, sollten wir in erster

linie bei uns selbst anfangen und

prüfen, ob wir auch selbst glaubwürdige

Zeugen unseres Glaubens sind.“

Von daher bin ich der auffassung, dass

viele der aktuell diskutierten themen

wie Pflichtzölibat, Frauenpriestertum,

Kommunionempfang für wiederverheiratete

Geschiedene, gemeinsames

abendmahl usw. an Brisanz verlieren

würden, wenn man sich mit ihnen im

lichte des Glaubens aber auch des

katholischen Kirchenverständnisses

und vor allem vorurteilsfrei auseinandersetzen

würde.

Im mannheimer aufruf des Zentralkomitees

der deutschen Katholiken

(ZdK) zum Katholikentag heißt es:

„mit Sorge sehen wir, wie verschiedene

Gruppen innerhalb der Kirche für sich

allein beanspruchen, den Willen Gottes

authentisch auszulegen, das innerkirchliche

Gespräch über den Glauben verweigern

oder sich sogar das Katholischsein

absprechen. als Vertreterinnen

und Vertreter von räten, Verbänden

aUF eIn WOrt

und Gemeinschaften, … suchen wir

das Verbindende und wollen dazu beitragen,

dass das äußere Bild der Kirche

nicht durch ihre inneren Konflikte

bestimmt wird, sondern durch die

Vergegenwärtigung der Botschaft Jesu

in unserer Zeit.“

ein weiterer höhepunkt in unserer

KKV-arbeit war die Preisverleihung

anlässlich des vom Fördererkreis für

Bildungsarbeit im KKV ausgelobten

aufsatzwettbewerbs „Soziale marktwirtschaft

und katholische Soziallehre

– Grundlagen ethisch verantwortlichen

handelns in der Wirtschaft“. hier

konnten drei Oberstufenschülerinnen

von katholischen Gymnasien aus der

hand von Prof. Dr. norbert Walter in

der Katholischen akademie in Berlin

ihre Geldpreise entgegennehmen. Der

Wettbewerb sollte junge menschen

motivieren, sich über unser Wirtschaftssystem

Gedanken zu machen

und dabei christlich-ethische Werte

der katholischen Soziallehre in ihren

Überlegungen berücksichtigen.

Darüber hinaus war es mir eine

besondere Freude, im april beim

100-jährigen Jubiläum der Ortsgemeinschaft

letmathe dabei gewesen zu

sein. Konnten wir hier doch gleichzeitig

den 65. Jahrestag der Wiedergründung

des KKV nach dem Krieg begehen. Sie

sehen, die Zeit der Verbände – und damit

auch des KKV – ist nicht überholt,

sondern aktueller denn je. Denn wenn

wir die Welt in unserem Sinne verändern

wollen, müssen wir uns persönlich

dafür einsetzen. Und genau das ist der

Sinn unseres engagements im KKV.

Wie hat es Charles Kingsley so schön

formuliert: „Viele handeln so, als wären

Komfort und luxus das Wichtigste

im leben. Doch zum wahren Glück

brauchen wir nichts weiter als etwas,

wofür wir uns begeistern können.“ Was

hindert uns daran, uns für den KKV und

seine Ziele zu begeistern? es grüßt Sie

herzlich Ihr

Bernd-M. Wehner, Bundesvorsitzender

3


4 neue mitte 02/12


e

rst sah es dunkel aus, dann aber brach

die Sonne mit Gewalt hervor. Pünktlich

zur eröffnung des 98. Deutschen

Katholikentages in mannheim hatte der

himmel erbarmen und bescherte den rund 25.000

Dauerteilnehmern strahlendes Wetter. „eine neuen

aufbruch wagen“ lautete das ehrgeizige motto des

treffens, das vor allem vom Dialog geprägt sein

sollte.

Dunkle Wolken scheinen dagegen immer mehr

Christen am Kirchenhimmel aufziehen zu sehen.

Die missbrauchsfälle, die mangelnde Dialog- und

Kompromissbereitschaft und der herbe Imageverlust:

Das war es was die Kirche in den letzten zwei

Jahren geprägt hat. einen neuen aufbruch wagen

– viele sind sich immer noch unsicher, wohin sie

aufbrechen sollen und ob sich das eigentlich lohnt.

mit der Folge, dass immer mehr der Kirche den

rücken kehren.

Dennoch: Der Katholikentag in mannheim hat

gezeigt, dass der Dialog möglich ist, vorausgesetzt,

man beteiligt sich daran. „So offen habe ich noch nie

über meine Probleme mit der Kirche gesprochen“,

meint ein Katholikentagsteilnehmer, der eigentlich

nicht kommen wollte, sich dann aber doch aufgemacht

hat. „Ich glaube wir haben das große manko,

dass wir in der Vergangenheit einfach nicht miteinander

geredet haben. Der Dialog in der Gesellschaft

ist dagegen etwas ganz Selbstverständliches.“

Dabei scheinen es weniger die „heißen themen“ zu

sein, die den treuen Gläubigen auf den nägeln brennen,

sondern einfach der Wunsch, auch als laien in

der Kirche ernst genommen zu werden. ein Prozess,

der in der Kirche mancherorts erst beginnen muss.

Konnte dieser Katholikentag aufbrechen? Impulse

für eine den menschen dienende Kirche und die

entwicklung einer zukunftsfähigen Kultur in

Deutschland und weltweit erwartete das Zentralkomitee

der deutschen Katholiken (ZdK). Unter der

Überschrift „auf Gott vertrauen und mutig aufbrechen“

hat die Vollversammlung des ZdK am 15. mai

den „mannheimer aufruf“ verabschiedet. Der auf-

tItel

Kirche mit Zukunft

in der Öffentlichkeit viel gescholten, mehr und mehr gemieden, aber immer noch

lebendig. Viele Menschen wollen in der Kirche bleiben, aber sie wollen sie aktiv

mitgestalten. das zeigte der 98. deutsche Katholikentag in Mannheim. der

angestoßene dialog kann gelingen, wenn auch die kritischen Stimmen gehört

werden. dann hat die Kirche Zukunft.

ruf entwirft ein leitbild einer den menschen dienenden

Kirche. Fundament und richtschnur für alle

reformen sollen nach auffassung des ZdK das II.

Vatikanische Konzil und die Synoden von Würzburg

und Dresden sein. hieran sollte sich auch der in der

deutschen Kirche begonnene Dialogprozess orientieren.

er bietet nach ansicht des ZdK die Chance

„in wechselseitigem respekt, mit der erfahrung der

verschiedenen Glaubenswege und der Vielfallt der

Frömmigkeit“ den richtigen Weg zu finden.

eine den menschen dienende Kirche müsse die

lebenswirklichkeit der menschen wahrnehmen und

mit „Sensibilität und Barmherzigkeit“ darauf eingehen,

fordert das Zentralkomitee und lenkt in seiner

erklärung den Blick unter anderem auf wiederverheiratete

Geschiedene und konfessionsverbindende

Paare. Insbesondere im miteinander von Frauen

und männern sowie Klerikern und laien setzt sich

das ZdK für mehr Partnerschaftlichkeit ein. Da eine

dienende Kirche den menschen heimat geben

müsse, sieht es die entwicklung zu immer größeren

pastoralen einheiten sehr kritisch.

Christen müssen mehr Mut und

Zivilcourage zeigen

Die Frage muss aber auch sein, was jeder einzelne

tut, damit die Kirche, die Gesellschaft besser wird.

Wo zeigen Christen „Flagge“, wenn es darum geht,

zum Beispiel extremistischen tendenzen entgegenzutreten?

ein leichtes raunen geht durch das

Publikum, als Silke maresch aus Pirna erklärt, dass

dies überhaupt die erste Veranstaltung bei einem

Katholikentag ist, die das thema „Kirche und

rechtsextremismus“ behandelt. erstaunen – und

tatsächlich scheint es, dass die meisten immer

noch wegschauen oder abwiegeln, wenn es um die

braune Gefahr geht. Bei der Veranstaltung „Zum

Widerstand verpflichtet“ gab es in mannheim wohl

auch deshalb mehr Fragen als antworten. In der

Gesellschaft werde rechtsextremes Gedankengut

5


aUS Dem BUnDeSVerBanD

mehr und mehr verharmlost, stellt auch

der Präsident von Pax Christi, Bischof

heinz Josef algermissen aus Fulda,

fest. Der politische Umgang sei oft

fragwürdig. „es darf nicht sein, dass die

aufmärsche rechtsradikaler geschützt

und die Gegendemonstranten kriminalisiert

werden“, so der Bischof. Die

katholischen Gemeinden müssten

sich aktiver mit dem Problem auseinandersetzen.

„Wir Christen müssen

ein stärkeres engagement gegen den

rechtsextremismus zeigen“, ist der

Bischof überzeugt.

Genau das vermisst Silke maresch,

migrationsberaterin bei der Caritas in

Pirna. Bereits vor sieben Jahren war sie

mit dabei, als der arbeitskreis „Kirche

für Demokratie gegen rechtsextremismus“

in Sachsen gegründet wurde.

eine christliche antwort auf die aufmärsche

von neonazis am 13. Februar,

dem tag der Zerstörung Dresdens

1945. Damit wollten die Initiatoren

zeigen, dass auch Christen die Gefahren

rechtsextremer Gewalt sehen

und dagegen ankämpfen. auf sehr viel

Unterstützung stieß die Gruppe am allerdings

anfang nicht. „Inzwischen hat

sich einiges bewegt, wir müssen aber

noch viel tun. Ich wünsche mir, dass

sich die Kirche endlich einer offenen

auseinandersetzung mit dem thema

rechtsextremismus stellt“, forderte

Silke maresch.

Für den Berliner moraltheologen

andreas lob-hüdepohl ergibt sich

die „Christenpflicht zum Widerstand“

schon aus der „Gottebenbildlichkeit

des menschen“. Die annahme der

grundsätzlichen Gleichheit aller menschen,

wie sie auch im Grundgesetz

verankert ist, fordere das engagement

gegen marginalisierung und ausgrenzung

geradezu heraus. Die Beistandspflicht

ergebe sich für die Christen aber

auch aus dem einheitsgebot von Gottes

und nächstenliebe, also für jeden, „der

sich mir als nächster erweist“.

Im gesellschaftlichen engagement und

in der Glaubenserneuerung liegt der

Schlüssel für eine dialogfähige Kirche.

auch für den KKV waren die tage in

mannheim erlebnisreich und wichtig.

auf einem Infostand präsentierte sich

der KKV Columbus mannheim und

der Bundesverband in der Innenstadt.

Der mannheimer Ortsvorsitzende Dr.

hans-Georg Weßjohann, sein Stellvertreter

Franz hohler, der Bundesvorsitzende

Bernd-m. Wehner, zeitweilig

die beiden stellvertretenden Bundes-

Das ließen sich die Besucher nicht zweimal sagen: Sektempfang am Stand des KKV auf dem Katholikentag.

vorsitzenden andreas Schuppert und

tobias Gotthardt sowie der Bundesgeschäftsführer

Joachim hüpkes antworteten

auf die Fragen der zahlreichen

Besuchern am gut postierten KKV

Stand, direkt am Wasserturm. Viele

Besucher nutzten die Gelegenheit, sich

über den Verband zu informieren. Das

thema Sonntagsschutz stand dabei

im mittelpunkt des Interesses vieler

Gäste. liegestühle mit dem aufdruck

„Sonntagsschützer“ fanden ebenso das

Interesse der Gäste wie der Button, mit

dem sich viele schmückten.

„es kommt wieder dahin, dass der

Sonntag ein ganz normaler arbeitstag

werden soll. Da sind solche leute wie

ihr wichtig“, sagt Jens Weiß, der an der

Ostsee zu hause ist und in der Gastronomie

arbeitet. am ende komme es

aber auch auf den Verbraucher an. „Bei

uns wollen die Urlauber auch am Sonntag

ihr Bierchen trinken, da müssen wir

genauso ran wie am montag.“ einmal

mehr zeigte somit der Katholikentag:

Veränderung ist nur möglich, wenn der

einzelne beginnt. Das betrifft auch den

Dialogprozess in der Kirche. Und dieser

Dialog braucht jeden jeden.

Andreas Schuppert/Joachim Hüpkes

6 neue mitte 02/12


Foto: KKV

Preisverleihung in Berlin. Der Aufsatzwettbwerb sollte junge Menschen ansporen, sich mit wirtschaftsethischen Fragen zu beschäftigen.

Die Jugend begeistern

drei junge Frauen gewannen den Aufsatzwettbewerb des KKV-Fördererkreis für Bildungsarbeit.

in der Bundeshauptstadt fand die preisverleihung statt.

V

oller Stolz konnten ende

april Carla Schneidewind

(Oldenburg), Katja Döring

(hildesheim) und lea thiel (essen)

die ersten drei Preise für ihre arbeiten

zum thema „Soziale marktwirtschaft

und katholische Soziallehre – Grundlagen

ethisch verantwortlichen handelns

in der Wirtschaft“ aus der hand von

Prof. Dr. norbert Walter in der Katholischen

akademie in Berlin entgegennehmen.

Die drei Schülerinnen von der

liebfrauenschule in Oldenburg, dem

Bischöflichen Gymnasium Josephinum

in hildesheim und dem robert Schumann

Berufskolleg in essen hatten

sich an dem vom Fördererkreis für

Bildungsarbeit im KKV ausgerufenen

deutschlandweiten aufsatzwettbewerb

beteiligt. Der Fördererkreis wollte mit

diesem aufsatzwettbewerb Schüler der

Oberstufen katholischer Gymnasien

dazu ermuntern, sich angesichts der

Finanz- und Wirtschaftskrise mit der

Katholischen Soziallehre eingehender

zu beschäftigen, sagt Georg Konen,

Vorsitzender des KKV-Fördererkreises.

Staatsminister eckart von Klaeden

unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung

der Sozialen marktwirtschaft

neue mitte 02/12

für den Standort Deutschland. „Das

Faszinierende an dieser Wirtschaftsordnung

ist, dass es hier grundsätzlich

gelungen ist, das eigen- und Fremdinteresse

in einklang zu bringen.“ Prof.

Dr. norbert Walter, Schirmherr des

Wettbewerbs, gratulierte gemeinsam

mit Georg Konen, den jungen Damen

zu ihrem Preis. „Sie haben in ihren

arbeiten zutreffend dargestellt, dass

die Katholische Soziallehre ein unverzichtbares

element der Sozialen

marktwirtschaft ist“, so der ehemalige

Chefvolkswirt der Deutschen Bank bei

der Übergabe der Preise.

Europa auf der Grundlage der

Sozialen Marktwirtschaft

Prof. Dr. Peter Schallenberg, Sozialethiker

und Direktor der Katholischen

Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle

in mönchengladbach, ging auf die

Bedeutung der Sozialen marktwirtschaft

für europa ein. So müsse der

europäische Binnenmarkt auf der

Grundlage einer wettbewerbsfähigen

Sozialen marktwirtschaft, die ja auch

als leitidee der eU in den Vertrag von

lissabon als verbindliche leitidee

aufgenommen worden sei, weiterentwickelt

werden. Gleichzeitig wies er

darauf hin, dass aufgrund der Initiative

des KKV der St. Ulrich Verlag dabei sei,

die Katholische Soziallehre in einem

sogenannten DOCat so aufzubereiten,

dass sie auch von Jugendlichen besser

verstanden werde.

In seiner Begrüßung dankte Georg

Konen allen Beteiligten des aufsatzwettbewerbes,

der auch die ausdrückliche

Unterstützung des münchner

erzbischofs reinhard Kardinal marx

gefunden hatte. Sein besonderer Dank

galt der Jury, die mit dem ehemaligen

Bundesarbeitsminister Dr. norbert

Blüm, Oberschulrat Prof. Dr. Franz

Bölsker vom Bischöflichen Offizialat in

Vechta, dem ehemaligen ministerpräsidenten

des Freistaates Sachsen Prof.

Dr. Georg milbradt, dem moraltheologen

und ethiker monsignore Prof. Dr.

Peter Schallenberg und dem Bundestagsabgeordneten

Peter Weiß, sozialpolitischer

Sprecher der CDU/CSU-

Bundestagsfraktion, prominent besetzt

war. Der Bundesvorsitzende des KKV,

Bernd-m. Wehner, dankte insbesondere

dem Vorstand des Fördererkreises für

seine Initiative. kkv

7


GeIStlICheS WOrt

Soziale marktwirtschaft

in der Krise?

Liebe KKVerinnen und KKVer!

nein, nicht von der Krise der

Katholischen Soziallehre

ist hier die rede, sondern

von der Finanz- und Schuldenkrise in

europa, die wir derzeit erleben, und

in der die Katholische Soziallehre

ein sicherer Kompass sein kann! So

hat es auch Bundesfinanzminister

Dr. Wolfgang Schäuble beim Podium

zum thema „Schuldenkrise“ auf dem

mannheimer Katholikentag formuliert:

Die Katholische Soziallehre bietet mit

den Grundprinzipien von Personalität

(einschließlich haftung und Verantwortung),

Solidarität, Subsidiarität

und Gemeinwohl beste anhaltspunkte

zur Bewältigung der Krise. So unterstreicht

ja auch Papst Benedikt XVI.

in seiner letzten enzyklika „Caritas in

veritate“ vom 29. Juni 2009: „Die Krise

verpflichtet uns, unseren Weg neu zu

planen, uns neue regeln zu geben und

neue einsatzformen zu finden, auf

positive erfahrungen zuzusteuern und

die negativen zu verwerfen. So wird die

Krise anlass zu Unterscheidung und

neuer Planung.“

Eine Frage der grundlegenden

Gerechtigkeit

Daher müssen die produktiven möglichkeiten

der Finanzkrise genutzt

werden, weil Krisen nicht nur eine

Frage der wirtschaftlichen Stabilität,

sondern auch eine Frage der grundlegenden

Gerechtigkeit sind. märkte

sind ja nach unserer Überzeugung kein

Selbstzweck, sondern ein mittel, um

menschen in ihrer personalen und

unternehmerischen Freiheit zu fördern

und sie in eine Gesellschaft einzubinden.

Inklusion heißt das neue modewort

der Spezialethik: Gemeint ist eine

Beteiligungsgerechtigkeit, die jeden

menschen in der Gesellschaft ernst

nimmt und dementsprechend fördert.

Die entscheidende Frage ist stets:

Was ist für die menschliche Person

gerecht, was fördert sie und führt sie

zu wahrer Freiheit? alle Organisationsformen

der Wirtschaft und des Staates

sind danach auszurichten, ob sie der

personalen Freiheit und Würde der

menschlichen Person entgegenkommen

und diese fördern. Das meint das

Prinzip der Personalität, und das gilt

jetzt auch für Staaten in europa: Wenn

ein Staat nicht in der lage ist, seinen

arbeitsmarkt gerecht und effizient

zu organisieren, wenn in einem land

fast die hälfte der Jugendlichen unter

25 Jahren arbeitslos sind, dann muss

grundlegend etwas reformiert werden.

Das deutsche modell der dualen

Berufsausbildung zum Beispiel eignet

sich, jenseits angeblicher deutscher

arroganz, sehr wohl als exportschlager,

ebenso das florierende deutsche handwerk,

das den arbeitsmarkt wesentlich

trägt und stützt. Dies gilt dann auch für

Solidarität und Subsidiarität:

natürlich gibt es in europa, durch

Verträge und Selbstverpflichtung, auch

eine Pflicht der Solidarität gegenüber

schwächeren und benachteiligten ländern

– freilich auch eine Pflicht zur reform

von rentenversicherung und allzu

großzügig bemessenen mindestlöhnen,

die ein land dauerhaft konkurrenzunfähig

gegenüber Wettbewerbern macht.

hier von einmischung anderer länder

zu sprechen, hat nur Sinn, wenn es

keine Solidarität gäbe – gibt es die aber,

dann gehört auch haftung und hilfe

von außen hinzu.

Europa ist eine

Schicksalsgemeinschaft

Und schließlich Gemeinwohl: Damit

ist ja nicht das kumulierte Bruttosozialprodukt

gemeint, sondern die grundlegende

Gerechtigkeit gegenüber jeder

Person im Staat und in der Staatengemeinschaft,

also ein gemeinsames Interesse

am guten leben jeder Person.

europa ist eine Union, das soll nicht

vergessen werden. Das aber heißt:

Stärkere treten für Schwächere ein, der

Fiskalunion folgt notwendig auch eine

Sozialunion und auch eine transferunion.

Die Details sind verhandelbar und

müssen stets neu austariert werden,

aber die Grundidee ist nicht verhandelbar:

Dass europa nicht einfach

eine Zugewinngemeinschaft, sondern

eine politisch und historisch gewollte

Schicksalsgemeinschaft ist zur Sicherung

des Friedens! auschwitz und archipel

GUlaG waren das grausige Fanal

für die Gründung der europäischen

Gemeinschaft, die solches dauerhaft

verhindern soll. Das ist der bleibende

auftrag europas und sollte in keiner

Finanzkrise vergessen werden! Freilich:

eine Folge der Krise sind in jedem Fall

die massiv gestiegenen Staatsschulden,

die auf lange Sicht die handlungsfähigkeit

der Staaten gefährden. Daher

muss alles getan werden, um neben der

Umwelt und der Bildung den künftigen

Generationen auch einen handlungsfähigen

Staat zu hinterlassen. herzlichst

und im Gebet verbunden.

Ihr Monsignore Prof. Dr. Peter Schallenberg

Geistlicher Beirat des KKV-Bundesverbandes

8 neue mitte 02/12


Fotos: KKV/privat

D

ie unter dem titel „Der

Verband katholischer kaufmännischer

Vereinigungen

Deutschlands 1877 – 1933“ erschienene

Dissertationsschrift ist die erste

umfassende wissenschaftliche arbeit

zur Geschichte des KKV. mehrfach

wurde seit langem der Wunsch nach

einer historiographischen Darstellung

des Verbandes geäußert. So schrieb

schon 1927 der damalige Vorsitzende

Josef Kraus in der Verbandszeitschrift

„merkuria“: „Die überaus lehrreiche

und interessante Geschichte und entwicklung

unseres Verbandes durch ein

größeres Geschichtswerk der breiteren

Öffentlichkeit zu übergeben, wird

eine wichtige arbeit ganz besonderer

art sein“ (merkuria 46. Jg. nr. 19, S.

243). eine auf intensiver Quellenarbeit

gründende geschichtswissenschaftliche

Untersuchung des Verbandes blieb

jedoch ein Desiderat, was unter anderem

zur Folge hatte, dass der Verband

in der Katholizismusforschung bisher

nicht die Beachtung erfahren hat, die

ihm auf Grund seiner Bedeutung als

Berufsverband der Katholiken in Wirtschaft

und Verwaltung zukommt. Da

die inzwischen 135-jährige Geschichte

des KKV nicht mehr im rahmen einer

einzigen Dissertation wissenschaftlich

fundiert darzustellen ist, war entweder

eine Festlegung auf einzelaspekte oder,

im Falle einer Gesamtdarstellung, eine

zeitliche eingrenzung vorzunehmen.

Die entscheidung fiel zu Gunsten

einer breit angelegten Untersuchung

des Zeitraums von der Verbandsgründung

bis1933. Folgende Überlegungen

waren ausschlaggebend: Die erste und

damit grundlegende geschichtswissenschaftliche

arbeit über den KKV sollte

zeitlich die Gründungs- und Konsolidierungsphase

sowie die erste Blütezeit

des Verbandes berücksichtigen und

inhaltlich das gesamte Spektrum der

zahlreichen aktivitäten und Publikationen

sowie die Organisationsstrukturen

neue mitte 02/12

einbeziehen. Der Schwerpunkt liegt

auf der Zeit der Weimarer republik,

als der Verband den höhepunkt seiner

aktivität und den höchsten mitgliederstand

(ca. 45.000 mitglieder in knapp

400 Ortsvereinigungen) erreicht hatte.

Obgleich die Bestände des Verbandsarchivs,

einiger Bistumsarchive und

zahlreicher Ortsvereinsarchive im Krieg

weitgehend vernichtet wurden, ist die

Quellenlage für den Untersuchungszeitraum

recht günstig.

Die recherche war mit vielen Fahrten

und einigen reisen verbunden und

erfolgte im essener Verbandsarchiv,

in zahlreichen (erz-)bischöflichen

archiven (Köln, aachen, augsburg,

Fulda, hildesheim, limburg, mainz,

Paderborn, trier, Würzburg), in

Stadtarchiven und Universitätsbibliotheken,

in der Staatsbibliothek Berlin

sowie in der Bibliothek des Volksvereins

für das katholische Deutschland

in mönchengladbach. einen großen

Fundus an Informationen, insbesonde

Ortsebene, enthalten die zahlreichen

aUS Dem BUnDeSVerBanD

Kein Frömmigkeitsverein

Erstmals ist eine umfangreiche dissertation über den KKV erschienen. das Werk zeigt, wie der

Verband von Anfang an die Gesellschaft mit gestaltete.

Verband mit idealen Zielen und

wirtschaftlichen interessen

Die Autorin anlässlich der Verleihung des Doktortitels.

Festschriften, von denen 160 für die

arbeit ausgewertet wurden.

Die arbeit berücksichtigt politische,

kirchengeschichtliche, wirtschafts- und

sozialpolitische sowie kulturgeschichtliche

aspekte und befasst sich sowohl

mit den Organisationsstrukturen als

auch mit dem Vereinsleben auf örtlicher

ebene. Die arbeit zeigt auf, dass

der KKV von Beginn an ein Verband

sowohl mit idealen Zielen als auch mit

wirtschaftlichen Interessen war. er war

kein Frömmigkeitsverein, sondern ein

sehr wacher und aktiver Berufsverband

auf konfessioneller Basis, der durch

Öffentlichkeitsarbeit und parlamentarische

Kontakte dem christlichen

Solidarismus auf wirtschafts- und sozialpolitischem

Gebiet Geltung verschaffen

wollte und die soziale Stellung der

katholischen Kaufleute zu verbessern

suchte. vl/nm

Veronika Laufen: der Verband

katholischer kaufmännischer Vereinigungen

deutschlands 1877-1933

(Beiträge zur Kulturgeschichte Bd.

22), Frankfurt am Main 2011, Verlag

peter Lang

9


aUS Dem BUnDeSVerBanD

mit vollem einsatz dabei

Bundesgeschäftsführer Joachim Hüpkes beging sein zehnjähriges dienstjubiläum.

a

m 2. mai 2012 jährte es sich

zum zehnten mal, dass Joachim

hüpkes als Geschäftsführer

beim KKV-Bundesverband eingestellt

worden ist. Das war für den KKV-Bundesvorsitzenden,

Bernd-m. Wehner,

Grund genug, ihm persönlich in der

Bundesgeschäftsstelle zu gratulieren

und ihm für sein bisheriges außerordentliches

engagement im und für

den KKV zu danken. Zwar konnte dies

nur in aller Kürze geschehen, da der

Geschäftsführer schon auf den Sprung

nach hamburg war, um, zusammen

mit mitgliedern der Ortsgemeinschaft

hansa hamburg am 10. Deutschen Seniorentag

teilzunehmen und den Stand

des KKV auf der begleitenden messe

mit aufzubauen. „Das zeigte einmal

mehr, dass Ihnen, herr hüpkes, der

Vom „Chef“, Bundesvorsitzenden Bernd-M. Wehner, gab es ein Präsent zum Jubiläum.

KKV wichtiger ist, als persönliche

Jubiläen“, so Wehner bei der Übergabe

eines kleinen Präsents.

Der Bundesvorsitzende betonte, dass

die bisherige Zusammenarbeit von

großer Offenheit, aber auch loyalität

geprägt sei. „Sie haben sich immer

wieder mit großem elan für die Ziele

unseres Verbandes eingesetzt. Von

daher hoffe ich, dass wir auch weiterhin

gemeinsam zum Wohle des KKV und

seiner mitglieder zusammenarbeiten

werden.“ Der amerikanische manager

norman r. augustine habe es trefflich

formuliert, wenn er sage: „Die Welt

besteht aus denen, die etwas in Gang

setzen, denen, die zusehen, wie etwas

geschieht, und denen, die fragen, was

geschehen ist“, unterstrich Wehner.

„Sie, herr hüpkes, gehören zweifelsohne

zur ersten Kategorie.“ man werde

deshalb zu einem späteren Zeitpunkt

das kleine Jubiläum nachholen. „Zehn

Jahre, wär hätte das gedacht, ich

hatte das glatt vergessen“, war seine

reaktion. Zusammen sind die beiden

angestellten jetzt genau 21 Jahre beim

KKV, denn Gudrun radon wurde beim

letztjährigen Verbandstag für ihr 10-

Jähriges geehrt.

KKV-Bundesverband

Familienarbeit stärker anerkennen

Der KKV-Bundesverband hat

eine bessere anerkennung

der Familienarbeit gefordert.

Staat und Gesellschaft müssen sich bewusst

sein, dass die Familie leistungen

erbringe, die sie selbst nicht oder nur

unzulänglich bieten können, sagte Bundesvorsitzender

Bernd-m. Wehner. Das

betreffe in erster linie die erziehung

der Kinder und die Vermittlung von

Werten und normen, ohne die keine

menschliche Gemeinschaft Bestand

haben könne. „eltern tragen die Sorgen

und die lasten für die nachfolgende

Generation und leisten damit wesentliche

Beiträge zur Zukunftssicherung

der Gesellschaft“, so Wehner. es sei

deshalb ein Gebot der Gerechtigkeit,

die Familie wirtschaftlich so zu stellen,

dass sie ihre aufgaben erfüllen könne.

es müsse alles getan werden, um sie

auch finanziell so zu stärken, dass sie

aus eigener Kraft in der lage ist, zu

entscheiden, wie sie die erziehung

ihrer Kinder verwirklichen will, unterstreicht

Wehner.

Gleichzeitig müssen erziehungszeiten

auch bei der rente anerkannt werden.

„es ist nicht nachvollziehbar, warum

für Kinder, die vor dem 1. Januar 1992

geboren wurden, nur ein entgeltpunkt

in der rentenversicherung angerechnet

wird, für jüngere Kinder aber drei

Punkte veranschlagt werden“, kritisiert

der Bundesvorsitzende.

KKV-Bundesverband

10 neue mitte 02/12


Fotos: KKV-Bundesverband/KKV Worms

Prominenter Gast beim KKV: Auch der engagierte Katholik Peter Frey (Zweiter von rechts) sorgt sich um die Zukunft der Kirche.

Gelähmte Kirche?

Beim KKV-Samstagsforum in Worms war ZdF-Chefredakteur peter Frey zu Gast.

W

ir müssen dorthin gehen,

wo sich die Fragen stellen.“

Dr. Peter Frey forderte

beim Samstagsforum im Wormser

tagungszentrum vor 75 Gästen von

der katholischen Kirche mehr Beweglichkeit

im Dialog mit den menschen.

Der Chefredakteur des ZDF, der einer

einladung des KKV Probitas und des

Fördererkreises für Bildungsarbeit des

KKV gefolgt war, fand deutliche Worte

zur Krise der Kirche und der Verpflichtung

der laien, Verantwortung in der

Gesellschaft zu übernehmen. Das

Forum wurde vom redaktionsleiter

der Wormser Zeitung, Johannes Götzen,

moderiert. In den zwei Stunden

machte Frey sehr deutlich: Die Kirche

muss sich wieder auf die menschen

zubewegen und sich auf die geänderten

Bedürfnisse einer stark gewandelten

Gesellschaft einstellen, sonst kann sie

ihre Krise nicht überwinden. In besonderer

Verantwortung sah der ZDF-

Chefredakteur die Basis der Kirche, die

laien, denn die amtskirche als solche

sei dazu derzeit nicht in der lage. „Der

neue mitte 02/12

Zölibat sollte keine Voraussetzung für

das Priesteramt sein. es gibt manche,

für die ist er das richtige, für andere

aber nicht“, benannte Frey ein großes

Problemfeld. Den missbrauchsskandal

und die mangelhafte aufarbeitung

durch die Kirche bezeichnete er als

„schmerzhaft“, da dies zu einem massiven

Vertrauensverlust geführt habe.

auch den Umstand, dass die Position

der Frau nach wie vor nicht gleichberechtigt

sei, kritisierte Frey nachdrücklich.

Strukturen sind nicht mehr

zeitgemäß

auf die Frage Götzens, ob man denn

als laie in der katholischen Kirche

überhaupt etwas verändern könne,

bekannte der tV-Promi, „ein bisschen

ernüchtert“ zu sein. Die Komitees

und Gremien drehten sich manchmal

zu sehr um sich selbst und seien in

ihrer Strukturnicht mehr zeitgemäß.

als Beispiel, wie schnell und flexibel

man auf die Stimmungslage der

menschen eingehen könne, nannte

Frey die Piratenpartei, ohne jedoch

ihre inhaltliche arbeit zu bewerten.

Grundsätzlich habe die Kirche aber

alles, was sie brauche, um eine Plattform

für junge Familien zu werden,

betonte der bekennende Katholik. Sie

müsse allerdings einladender werden

und jungen menschen die möglichkeit

bieten, sich zu engagieren, ohne sich

gleich dauerhaft an ein amt zu binden.

„Ich habe kein Patentrezept“, gestand

Frey auf die Frage, wie man denn wieder

junge menschen gewinnen könne,

sich kirchlich zu engagieren, doch sei

handeln glaubwürdiger als mit Worten

zu agieren. Während er zu allen themen

und Fragen ausführlich Stellung

nahm, hielt sich der Chefredakteur, der

unter anderem mitglied des Zentralkomiteesder

deutschen Katholiken (ZdK)

ist, mit Informationen zu seinem Privatleben

zurück. Spürbar war allerdings

der Stolz auf seine tochter, die im

rahmen der gemeinnützigen Bildungsinitiative

„teach First“ für zwei Jahre

als hilfslehrerin an Schulen in sozialen

Brennpunkten arbeitet. Gunter Weigand

11


VOr Ort

der KKV und seine Ortsgemeinschaft Hansa-Hamburg

waren Teilnehmer des 10. deutschen Seniorentages.

unter dem Leitwort „JA zum Alter!“ fand dieser

vom 3. bis 5. Mai 2012 in Hamburg statt. Viele

Besucher drängten sich im Congress Center zu Vorträgen,

podiumsveranstaltungen und nicht zuletzt

zur Messe SenNova.

die Eröffnungsrede hielt Bundespräsident Joachim

Gauck, der vor fast 3.000 Gästen, auf die vielen

Chancen hinwies, die die demographische Entwicklung

für den Einzelnen und die Gesellschaft mit sich

bringt, ohne jedoch die Schwierigkeiten und Herausforderungen

auszuklammern. Am zweiten Tag kam

Bundeskanzlerin Merkel und zeigte damit auch den

Stellenwert dieser immer größer werdenden Altersgruppierungen

in deutschland auf. der KKV ist seit

2005 Mitglied der ausrichtenden Bundesarbeitsgemeinschaft

Seniorenorganisationen (BAGSO). Er

nahm auch schon am 2009 in Leipzig stattfindenden

Seniorentag teil – damals mit hervorragendem Engagement

der Ortsgemeinschaft.

mehr Gelassenheit

KKV Wiesbaden: Bruder paulus Terwitte will das moderne Leben als Herausforderung verstehen.

Der KKV Wiesbaden und der

SKF, Sozialdienst Katholischer

Frauen, veranstalteten

einen gemeinsamen Vortragsabend mit

Bruder Paulus terwitte. Bruder Paulus

ist Guardian des liebfrauenklosters in

Frankfurt am main. er wurde durch seine

umfangreiche Vortragstätigkeit und

auftritte in rundfunk und Fernsehen

bundesweit bekannt. Frau nehrkorn

und herr röhrbein gegrüßten ihn vor

gut 70 teilnehmern für den SKF und

den KKV.

Für den Kapuziner Bruder Paulus sind

Probleme eine herausforderung, die

es anzunehmen und für sich zu nutzen

gelte. er sprach von der Beschleunigung

unseres befristeten lebens. Das

motto der Kapuziner „Kurz hier, schnell

fort, ewig dort“ habe diese Befristung

und damit den tod immer vor augen.

Bruder Paulus

BELiCHTET

Für ihn bedeute das, dass er die Welt

mit äußerster Gelassenheit betrachten

könne: „Die Welt ist schon erlöst.“

Bruder Paulus sieht keine Probleme,

sondern nur herausforderungen oder

Provokationen, also Situationen, die –

wenn man die lateinische herkunft des

Wortes betrachtet – den menschen zu

etwas hervorruft. Der mensch komme

zu mehr Gelassenheit, wenn er das, was

als Problem vor ihm stehe, als eine herausforderung

annehme, die zu neuen

Qualitäten führen wolle.

Zu diesen Problemen, die eigentlich

herausforderungen seien, zählt Bruder

Paulus, der in Frankfurt das Kloster

liebfrauen leitet, auch alter, Krankheit

und Behinderung. Oft nehmen

Bruder Paulus ratschläge, zu mehr

Gelassenheit im leben zu finden, alte

Volksweisheiten auf. So sprach er dann

auch über den tod: „Das letzte hemd

hat keine taschen“. Wenn der mensch

sich bewusst werde, dass er ins Grab

nichts mitnehmen könne, so sagte er,

dann könne er daraus lernen, mit wenig

zufrieden zu sein.

KKV Wiesbaden

12 neue mitte 02/12


Foto: KKV Hildesheim

mit der Kirche leiden

neue mitte 02/12

VOr Ort • neUe mItGlIeDer

„Geschiedene Wiederverheiratete“ waren Thema bei der Bezirkswallfahrt des KKV Oldenburg.

e

twa 150 teilnehmer zählten

die Organisatoren der Bezirkswallfahrt

des Verbandes

des KKV Oldenburg anfang mai

nach Bethen. Im anschluss an einen

Gottesdienst in der Basilika, in dem

Prälat Prof. Friedrich Janssen (Vechta)

predigte, fand das treffen im haus

„maria rast“ seine Fortsetzung. Dort

sprach Prälat Peter Kossen, ständiger

Vertreter des Vechtaer Offizials Weihbischof

heinrich timmerevers, über

den „ruf nach reformen in der Kirche

und die Positionen des Kirchenrechts

dazu“. einen Schwerpunkt der referats

bildete der Umgang mit wiederverheirateten

Geschiedenen. Kossen

verdeutlichte, dass in allen gewollten

und notwendigen Diskussionen des

Wir begrüßen als neue mitglieder

Peter Asbree, Lohne

Regina Bachmann, Arnsberg-Neheim

Rüdiger Bachmann, Arnsberg-Neheim

Franz Josef Bertelsmann,

Arnsberg-Neheim

Sigrid Ursula Deckmann, Neunkirchen

Dagmar Denig, Neunkirchen

Elke Detfurth, Hildesheim

Elisabeth Didas, Neunkirchen

Elisabeth Didion, Neunkirchen

Pfr. Erwin Dorr, Ingolstadt

Hans-Joachim Drenk, Offenburg

Bernd Meinolf Driller, Arnsberg-Neheim

Prof. Dr. Monika Gerschau, München

Angelika Hartl, München

Manfred Hartl, München

Christel Hoos, Neunkirchen

themas für Christen eine bleibende

herausforderung bestehe, Spannungen

und Schmerz auszuhalten: „leidenschaftlicher

Christ zu sein bedeutet

auch, mit der Kirche und für die Kirche

zu leiden.“ Den einstieg in die Debatte

über wiederverheiratete Geschiedene

wählte Kossen über die aussagen von

Päpsten und Bischofskonferenzen.

Orthodoxe Kirche könnte

Vorbild sein

Danach bekräftigt die Kirche, gestützt

auf die heilige Schrift, dass der betroffene

Personenkreis nicht zum eucharistischen

mahl zugelassen sei. Für

Kossen ist es keine ausreichende argumentation,

wenn Frauen und männer

NEuE MiTGLiEdER

Ingrid Humberg, München

Winfried Humberg, München

Waltraud Hüsken, Lingen

Hedwig Jager, Neunkirchen

Stephan Kitschen, Viersen

Fritz Klaedtke, Koblenz

Eleonore Klaedtke, Koblenz

Jörg Klemmer, München

Iris Kufka, Arnsberg-Neheim

Dr. Veronika Laufen, Düsseldorf

Wilhelm Leferink, Gronau

Dr. Gisela Lermann, Wiesbaden

Käthe Liebermeister, Neunkirchen

Benedict Löw, München

Marcus Marhoffer, München

Günter Mark, Kaarst

Regina Michalski, Hildesheim

zum Wohl von Kindern der Verpflichtung

zur trennung nicht nachkommen

und sich zur enthaltsamkeit verpflichten.

Die Frage, „Wie können wir diesem

Personenkreis beistehen und helfen,

wie ihnen neue Perspektiven, lebensmut

und Versöhnung erschließen?“,

beantwortete er konsequent: „mit vereinten

Kräften müssen wir dem trend

entgegenwirken, der ehescheidungen

und Wiederverheiratung als etwa normales

darstellen möchte.“

als möglichen ausweg sah er das

Prinzip der Orthodoxen Kirche. Danach

hält man zwar an der Unauflöslichkeit

der ehe fest, ermöglicht aber eine

Zweitehe, deren Schließung als Bußritus

stattfindet.

Theo Hinrichs

Josef Ernst Milla, München

Ralph Petersmann, Arnsberg-Neheim

Beate Polniak, Arnsberg-Neheim

Robert Polniak, Arnsberg-Neheim

Klaus Pütz, Neunkirchen

Doris Schmitz, Höxter

Burkhard Schmitz, Höxter

Maria del Carmen Schuck, Neunkirchen

Marion Seifert, Arnsberg-Neheim

Dr. Klaus Strobl, München

Dr. Harald Textor, Ingolstadt

Renate Wichmann, Koblenz

Helmut Wichmann, Koblenz

Lieselotte Wilberding, Lingen

Wilhelm Wilberding, Lingen

Helga Wollny, Lingen

Günter Wollny, Lingen

13


VOr Ort

lebendige Gemeinschaft

Generalversammlung des KKV Kaarst: Beitragserhöhung beschlossen.

n

eben den regularien stand

auf der Generalversammlung

des KKV Kaarst eine

geplante Beitragserhöhung im mittelpunkt

der Diskussion. mit großer

mehrheit stimmten die mitglieder

dem Vorschlag des Vorstandes zu, so

dass die erhöhten abgaben an den

Bundesverband umgesetzt werden

können. Besonderes Interesse galt dem

rückblick auf die aktivitäten der Ortsgemeinschaft.

neben Vorträgen fand

der Sommerausflug nach Steyl und zum

Schloss Krickenbeck sowie der einkehrnachmittag

im Kloster mariendonk

großen anklang. Großer Beliebtheit

erfreut sich auch der regelmäßige KKVtreff.

hier ist Zeit zum Unterhalten

und neues auszutauschen.

turnusmäßig wählten die mitglieder

des KKV bei der Generalversammlung

einen neuen Vorstand. Karl-heinz möllers

(stellvertretender Vorsitzender),

Irmgard Ulrich (Schatzmeisterin) sowie

Gabi Krings und Johannes höhner

(Beisitzer) wurden in ihren Ämtern

bestätigt. neu hinzugekommen ist

hans-Gerd thora als Beisitzer. Vor der

Generalversammlung feierten die mit-

Ehrung für langjährige Verdienste. Von links: Dr. Ulrike Nienhaus, Heinz Terhürne, Irmgard Ulrich.

glieder des KKV eine heilige messe in

der Krypta von St. martinus. Zelebrant

war der Geistliche Beirat des Diözesanverbandes

Köln, Dr. Weiers.

Die mitgliederzahl des KKV in Kaarst

beträgt 86 Personen und war leicht

rückläufig. Für 25 Jahre mitgliedschaft

erhielt heinz terhürne aus den händen

der Vorsitzenden und der Schatzmeisterin

ehrenurkunde und ansteck-

nadel, verbunden mit Dank für seine

langjährige mitarbeit im Vorstand.

Vorsitzende Dr. Ulrike nienhaus dankte

den mitgliedern für das Vertrauen,

das dem Vorstand im letzten Geschäftsjahr

entgegen gebracht worden ist. eine

Gemeinschaft lebt mit und durch seine

mitglieder, hieran wollen alle gemeinsam

weiter arbeiten.

KKV-Kaarst

Helfen Sie, Gutes zu tun

mit einer Spende oder einer Zustiftung für die

Caritas-Stiftung im Bistum Dresden-Meißen

Wir unterstützen soziale Projekte für:

Familien in Not, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderung, Hospizdienste

Caritas-Stiftung

Liga Bank eG

Kontonummer: 828 6000

Bankleitzahl: 750 903 00

Verwendung: Spende oder Zustiftung www.caritas-stiftung-sachsen.

14 neue mitte 02/12

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Fotos: KKV Kaarst/KKV Neheim nachwuchs

eingeschlossen

der KKV Neheim startet mit einem neuen Vorstand durch.

Der KKV neheim 1896 e.V. hat

auf seiner Generalversammlung

einstimmig einen neuen

Vorstand gewählt. nach den regularien,

dem Jahres- und Kassenbericht,

wurde auf antrag von Kassenprüfer

Gerd Fischer, einstimmig entlastung

erteilt.

Da die Position des ersten Vorsitzenden

seit einigen monaten vakant gewesen

ist, wurde auf Vorschlag einstimmig

herbert Vlatten zum neuen Vorsitzenden

gewählt. Vlatten fühlt sich der

Ortsgemeinschaft neheim sehr verbunden,

er war langjähriger Direktor des

St.-Johannes-hospitals in neheim und

stets um die region bemüht.

Bereits von 1986 bis 2000 war herbert

Vlatten Vorsitzender des KKV neheim.

Gruppenbild mit Dame: Der neue Vorstand des KKV in Nehheim.

neue mitte 02/12

Ferner gehört er auch dem KKV Bundesvorstand

an. als stellvertretende

Vorsitzende wurden Bernd albert und

Klaus aßmuth gewählt. Paul Peter

Oeliden ist Schatzmeister , thorsten

Vlatten fungiert als neuer Schriftführer

und Pressesprecher.

Bereits elf neue Mitglieder in

diesem Jahr

als neue Beisitzer sind Gerd Fischer

und Dirk harde gewählt worden. „Über

die negativen erfahrungen um den zurückgetretenen

ehemaligen Vorsitzenden

möchten wir nicht mehr sprechen,

das sei kein thema mehr“, so Vlatten.

„mit positiver Stimmung sind wir

bereits seit vielen Wochen unterwegs

VOr Ort

und haben uns erfolgreich reorganisiert.

hierzu all meinen Vorstandsmitgliedern

ein herzliches Dankeschön!“

auch freut es den neuen Vorsitzenden,

dass bereits elf neuaufnahmen im

Jahr 2012 verzeichnet werden können

(erfreulicherweise unter 50-Jährigen).

Der eingeschlagene Weg sei richtig und

man möchte sich an alle interessierten

Bürgerinnen und Bürger wenden, sagte

Vlatten.

In Zukunft wird der KKV neheim sein

aktuelles Programm veröffentlichen

und auf einer eigenen Internetseite

Infos präsentieren. es wird interessante

Veranstaltungen geben, die überregional

beworben und in neheim durchgeführt

werden.

Thorsten Vlatten

15


VOr Ort

Kirche in der löwengrube?

Regionaltagung des KKV Ost: der dialogprozess muss die Laien stärken.

S

ie wollen die christlichen Werte

in die Gesellschaft tragen, sie

wollen das soziale Gewissen

sein und zu einem christlichen leben

in einer weitgehend religionslosen

Gesellschaft ermutigen. Doch die

katholischen Verbände in Deutschland

haben zunächst erstmal eins: nachwuchsprobleme.

Deutlich wurde dies

auch bei der regionaltagung des KKV

Ost im magdeburger roncalli-haus.

Darüber, dass sich immer weniger junge

menschen für die Bindung an einen

kirchlichen Verein oder Verband entscheiden

können, herrscht ratlosigkeit.

„Kirche in der löwengrube!“ lautete

der titel der tagung, zu dem rund 30

KKVerinnen und KKVer gekommen waren.

Darunter wieder auch treue Gäste

aus der Ortsgemeinschaft hildesheim.

nicht resignieren, sondern ermutigen

wollte der leiter des roncalli-hauses,

Guido erbrich. Das Christentum in der

DDr habe sich in einer unfreiwilligen

Festungshaft befunden, wo man sich

schließlich einrichtete und versuchte

zu „überwintern“. Diese mauern

müssten überwunden werden, auch

wenn dies kein leichter Prozess sei.

Wie Paulus müssten sich die Christen

einen „modernen areopag“ suchen, von

dem aus sie ihre Botschaften verkündet.

Paulus habe sich dabei auch von

misserfolgen nicht entmutigen lassen.

Beschäftigungen mit

Strukturprozessen reichen nicht

Für den Vorsitzenden des Katholikenrates

im Bistum magdeburg, Dagobert

Glanz, ist dies überhaupt die Voraussetzung

dafür, dass Kirche in Zukunft

überleben könne. Der eingeschlagene

Dialogprozess der deutschen Bischöfe

müsse nicht nur die laien stärken, sondern

habe auch das anliegen, Glaubwürdigkeit

zurückzugewinnen. Formale

Der Vorsitzende des Katholikenrates Magdeburg, Dagobert Glanz, zu Gast beim KKV Ost.

Beschäftigungen mit Strukturprozessen

seien wichtig, reichten aber nicht aus.

„Die Frage ist, was zeichnet unsere Kirche

aus?“, sagt Glanz. „Wir brauchen in

der Kirche eine neue Kommunikationsfähigkeit,

die auch die Probleme und

die ,heißen eisen’ nicht ausklammert.“

Kirche müsse eine Gestalt entwickeln,

die die Welt nicht fürchtet. Dazu gehöre

auch, „sich gegenseitig auszuhalten,

einander zu dienen und sich nicht

im Wege zu stehen“.

Der KKV selbst sieht in diesem

Prozess eine wichtige aufgabe. ange-

Der neue Vorsitzende des KKV

Leipzig, Waldemar Misch.

sichts internationaler Finanz- und

Wirtschaftskrisen sei es Sache der

christlichen Verbände, den Finger in

die Wunden zu legen und auf Ungerechtigkeiten

aufmerksam zu machen,

betont Waldemar misch, seit kurzem

Vorsitzender der KKV-Ortsgemeinschaft

leipzig. Junge menschen dafür

zu begeistern, sich verbandlich für eine

gerechte Gesellschaft einzusetzen, sei

schon deswegen schwierig, weil es eine

„Fülle von Sinnangeboten“ gäbe. Die

Krise der Verbände habe auch mit der

Krise der Kirche zu tun. misch schlägt

deshalb vor, Jugendliche vor allem

über soziale Projekte zu gewinnen, das

heißt, menschen in schwierigen lebenslagen

zu unterstützen. „manchmal

geht es auch um schnelle hilfen, was

professionelle anbieter oft nicht leisten

können.“

Der KKV in der region Ost jedenfalls

will nicht aufgeben. Für Waldemar

misch ist es deshalb auch wichtig,

einen „stabilen Kern“ zu erhalten, der

den Verband stützt, aber offen für neue

mitglieder ist.

Andreas Schuppert

16 neue mitte 02/12


Fotos: Andreas Schuppert/KKV Letmathe

Festliches Jubiläum: Der KKV in Letmathe gehört zu den traditionsreichsten des Verbandes.

herausragende Stellung

Auf 100 Jahre konnte der KKV in Letmathe zurückblicken.

B

ereits am 23. april 2012,

konnten die leser der lokalzeitung

„ Iserlohner Kreisanzeiger

und Zeitung“ unter dem titel

„Den christlichen Werten Geltung

verschaffen“ einen ausführlichen Bericht

zur Jubiläumsfeier des KKV hansa

letmathe vom 22. april 2012 mit dem

Untertitel „100 Jahre KKV hansa letmathe:

Großer Festakt im Pfarrheim St.

Kilian“ von h. Becker lesen.

So begann der tag mit einem Festhochamt

in St. Kilian, das vom Weihbischof

manfred Grothe aus Paderborn und den

Konzelebranten Pastor Frank niemeier

und Diakon Peter trotier unter musikalischer

Begleitung des Kirchenchores

gefeiert wurde.

anschließend wechselten die eingeladenen

ins Pfarrheim St. Kilian.

hier konnte der Vorsitzende Wolfgang

thiel neben Weihbischof Grothe

zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft

und Verwaltung sowie die

Vertreter der anderen Vereine und

Verbände der Gemeinde begrüßen.

Dass dieses Jubiläum nicht nur vor Ort

wahr genommen wurde, bewiesen die

neue mitte 02/12

vielen KKVerinnen und KKVer aus den

verschiedenen Ortsgemeinschaften

des Diözesanverbandes Paderborn, die

mit ihren Fahnenabordnungen nach

Iserlohn-letmathe gekommen waren.

mit Freude begrüßte der Vorsitzende

alle mitglieder der eigenen Ortsgemeinschaft.

Ganz besonders herzlich wurde der

Bundesvorsitzende Bernd-m. Wehner

mit Gattin aus monheim willkommen

geheißen, der die Festansprache übernommen

hatte und die herausragende

Stellung des KKV hansa letmathe in

der geschichtlichen entwicklung des

Bundesverbandes würdigte.

das „Gesetz von Letmathe“ ist

immer noch gültig

hierzu führte herr Wehner aus, dass

der 1. Bundesverbandstag nach dem

Krieg am 17. und 18. mai 1947 in

letmathe stattfand, was seinerzeit

den Planern und 300 Delegierten alles

abverlangte. Im rahmen dieses 54.

Verbandstages wurde das „Gesetz von

letmathe“ beschlossen, das in seiner

aussage auch in heutiger Zeit nichts an

aktualität verloren hat. Weiter bezog

der Bundesvorsitzende Stellung zur

gegenwärtigen arbeit des KKV und verwies

auf ein vielseitiges engagement

des Verbandes in Politik, Wirtschaft,

Kirche und Gesellschaft.

musikalisch wurde die Festveranstaltung

vom „Collegium musicum letmathe“

unter der leitung des Dirigenten

manfred Bühl begleitet. Zahlreiche

Grußworte aus der Politik und vom

KKV-Diözesanvorsitzenden Ulrich

Betkerowitz rundeten den Vormittag

ab. Gern nahmen die zahlreichen Gäste

die einladung zum gemeinsamen mittagessen

an und durften danach noch

einen Bild-und tonbeitrag mit dem

titel: „100 Jahre KKV hansa letmathe

– ein Verein im Wandel der Zeit“

erleben. abgeschlossen wurde die Jubiläumsfeier

mit einer freudig begrüßten

Kaffee-und Kuchentafel. Wir „letmather“

haben die Stunden mit unseren

Gästen und Freunden genossen, und

unsere Vereinschronik wurde um eine

erfolgreiche Veranstaltung reicher.

KKV Letmathe

17


JUBIlare • VOr Ort

25 Jahre

Rita Hoster, Düsseldorf

Heinz Fritsch, Passau

40 Jahre

JuBiLARE

Gottes Segen und herzliche Glückwünsche

unseren Jubilaren

Olga Sachsenhauser, Regensburg

Hildegard Sebald, Weiden

60 Jahre

„Führe uns zusammen“

die Heilig-Rock-Wallfahrt des KKV Koblenz nach Trier.

nach langer Vorbereitung der

heilig-rock-Wallfahrt durch

Oskar haas konnte der KKV

Koblenz mit 48 teilnehmern am 24.

april die heilig-rock-Wallfahrt nach

trier beginnen. Wie es sich gehört, haben

wir die Fahrt mit einem religiösen

lied begonnen und waren gespannt,

wie Frau Klappa (unser Geistlicher

Beirat, herr Jamann, konnte wegen

Krankheit nicht teilnehmen) den

religiösen teil unserer reise gestalten

würde. Sie tat dies in ganz souveräner

art und Weise, indem sie texte und

lieder aus dem Pilgerbuch vorlas und

anstimmte. „Führe zusammen, was

getrennt ist“, diese Bitte an unseren

herrn war hauptthema unserer Wallfahrt.

natürlich spürten wir an diesem

tag eher das, was uns verbindet und

nicht das, was uns trennt. als teil einer

zerrissenen Christenheit dürfen wir das

aber nicht ausblenden.

In trier angekommen, konnten wir uns

über die hervorragende Planung freuen.

Jeder Bus wurde von einem mitglied

des Organisations-teams begrüßt, und

es ging zum Gottesdienst in die liebfrauenkirche.

Dieses Gotteshaus ist

wunderbar restauriert, und wir hatten

die Freude, eine große messe unter

der leitung von Weihbischof Gießen

erleben zu dürfen.

Später am Domplatz, legten wir die uns

überreichten „Fäden“ in den Korb. Die

in vielen Farben leuchtenden Fäden

werden zu einem großen Stoff auf

einem Webstuhl verwoben. hier konnten

wir auch die Freunde aus neunkirchen

begrüßen, die mit der Bahn nach

trier gekommen waren um die heilig-

rock- Walffahrt mit uns zusammen zu

erleben. In strömendem regen standen

wir auf dem Domplatz und warteten

darauf, einlass zu finden. endlich war

Alois Wiesner, Regensburg

Die erste Heilig-Rock-Wallfahrt im 21. Jahrhundert zog viele Pilger an.

es soweit, und wir konnten den Dom

betreten und in trippelschritten dem

heiligen rock näher kommen. es war

ein erlebnis, dieses Kleidungsstück zu

sehen, welches ja keine reliquie ist,

sondern auf den hinweist, der ihn getragen

hat: Jesus Christus, den erlöser

aller menschen. Gegen mittag trafen

wir uns im restaurant „Zum Domstein“,

mit der KKV-Gruppe aus neunkirchen

zum essen. am nachmittag

fuhren wir in richtung heimat, nicht

ohne in hatzenport halt zu machen,

um nach des „tages last“ ein gutes

Glas Wein zu genießen. Gerd Megens

18 neue mitte 02/12


Foto: Archiv/KKV Bayern

Ministerpräsident als Sonntagsschützer

den Kleinen parteitag der CSu in Nürnberg nutzten im März

der KKV und der CSu-Europaabgeordnete Martin Kastler, um

für ihre Sonntagsschutzinitiative zu werben. dabei konnten

sie auch Ministerpräsident Horst Seehofer als Befürworter

gewinnen. Kastler gehört zu den initiatoren der ersten euro-

S

chon in hildesheim wurde es

angedeutet, nun steht es seit

anfang des Jahres fest. Der

87. Bundesverbandstag wird vom 10.

bis 12. mai 2013 in Freiburg stattfinden.

Zur Zeit werden zusammen mit

der Ortsgemeinschaft laetitia Freiburg

Details und rahmenveranstaltungen

geplant, so dass wir in der Septemberausgabe

der neuen mitte sicherlich

weitere einzelheiten bekannt geben

können.

Die schöne und teils mittelalterliche

Stadt Freiburg im südlichsten teil

neue mitte 02/12

BELiCHTET

Deutschland verfügt leider nicht über

ein so großes und zentrales hotel wie

bei den letzten Verbandstagen, wo

fast alle Veranstaltungen durchgeführt

werden können. Wir werden deshalb

in der Bischofs- und Studentenstadt

Freiburg in der sehr zentral und schön

gelegenen mensa der Universität

Veranstaltungen durchführen, darüber

hinaus im Stadthotel-Freiburg, dem

Kolping hotel, wo die eröffnung und

Podiumsdiskussion und die Delegiertenversammlung

stattfinden werden.

ein großes abrufzimmerkontingent

VOr Ort

päischen Bürgerinitiative, die den arbeitsfreien Sonntag in

der gesamten Europäischen union gesetzlich schützen lassen

will. Von Rechts: der Vorsitzende der Christlich-Sozialen

Arbeitnehmerschaft, Joachim unterländer (MdL), der bayerische

KKV-Landesvorsitzende dr. Klaus-Stefan Krieger, Ministerpräsident

Horst Seehofer und Martin Kastler (MdEp).

Bundesverbandstag in Freiburg

Hotelkontingente stehen bis zum 28. Februar 2013 zur Verfügung.

(Stichwort KKV) steht im hotel Vier-

Sterne-hotel Colombi (www.colombi.

de), im Stadthotel Freiburg (www.

stadthotel-kolping.de) und über den

Veranstaltungsservice „holidayInsider

aG -Freiburg, e-mail: kerstin.

schultheis@holidayinsider.com (tel.

0761 88581240) in verschiedenen

häusern bis zum 28. Februar 2013 zur

Verfügung. auch online ist die Buchung

möglich.

informationen zum Bundesverbandstag

gibt es auch in der Bundesgeschäftsstelle

in Essen, Tel. 0201 879230.

19


KKV In KÜrZe

KKV Monheim

Apotheker Georg proempeler, langjähriges

KKV-Mitglied, hat von Bürgermeister

daniel Zimmermann und

Treffpunkt-Vorsitzenden Jürgen prinz

den Monheimer Merkur überreicht bekommen.

der KKV freut sich über diese

Auszeichnung, stellt sie doch eine

Würdigung für einen erfolgreichen Geschäftsmann,

kenntnisreichen Fachmann,

kompetenten Berater und Freund

dar, der die Bedürfnisse seiner Kunden

berücksichtigt und sie medizinisch

wohlwollend begleitet. im KKV hat er in

den vergangenen Jahren durch mehrere

Vorträge sein Wissen und seine langjährigen

Erfahrungen einem interessierten

publikum vermittelt. der KKV gratuliert

herzlich!

KKV Vechta

im Alter von 82 Jahren ist im April das

langjährige Vorstandsmitglied Walter

Hoyer verstorben. Lange Jahre war Hoyer

im kirchlich-sozialen Bereich ehrenamtlich

engagiert, auch über den KKV

hinaus. So war er unter anderem Mitbegründer

der katholisch-evangelischen

pfarrjugend, organisierte Fußballturniere

und Aktionen für Jugendliche und

engagierte sich in der Rumänienhilfe sowie

der Heimatbibliothek. Für den KKV

gewann Walter Hoyer mit seiner unübertroffenen

Überzeugungskraft in den letzten

Jahrzehnten viele neue Mitglieder

und war noch 2007 an der Erstellung

der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum

des KKV beteiligt. die Mitglieder der

Ortsgemeinschaft trauern mit seiner Familie.

KKV Freiburg

Bei der diesjährigen Hauptversammlung

des KKV-Lätitia erfolgte ein Generationenwechsel.

Es gelang eine deutliche

Verjüngung des geschäftsführenden

Vorstandes zu erreichen. Mit dieser Neuausrichtung

kann sich die Lätitia wieder

verstärkt den sozialen, wirtschaftlichen

und gesellschaftlichen Themen annehmen.

die Aufgaben für das kommende

Vereinsjahr sind geprägt von den Vorbereitungen

zum Bundesverbandstag

NACHRiCHTEN

des KKV, der vom 10. bis 12. Mai 2013

in Freiburg stattfindet. der KKV Lätitia

wurde 1868 gegründet und ist in der

Nachfolge der Kaufmannszunft zum Falkenberg

zu sehen, deren ursprünge bis

auf das Jahr 1454 zurückreichen. die insignien

dieser Kaufmannszunft zum Falkenberg

werden im Augustinermuseum

Freiburg aufbewahrt.

das Bild zeigt von links den geschäftsführender

Vorstand: Nico Wopperer Vizeprädident,

doris pfahlsberger Schriftführerin,

Bernhard Sänger präsident,

prof. dr. Franz Enz, Geistlicher Beirat,

Gottfried Beck, Ehrenpräsident, ursula

Gnoth Schatzmeisterin.

der Ehrenpräsident der Laetitia, diözesanvorsitzender

Gottfried Beck, führt

mit seiner Familie seit vielen Jahren das

über Freiburg hinaus bekannte Bettenhaus

Stiegeler am Augustinerplatz. dem

Bettenhaus wurde kürzlich in Berlin die

Auszeichnung „Store of the year 2012 “

verliehen.

KKV Wiesbaden

Wenn Wolfgang Röhrbein (43) in der

Kapelle des St. Josefs-Hospitales in die

Tasten der zwölfregistrigen Bosch-Orgel

greift, kann sich des dankes der Ordensschwestern,

der Gottesdienstgemeinde

und der Seelsorger gewiss sein, die

er mit seinem Orgelspiel seit 25 Jahren

erfreut. im Auftrag des Bischofs von

Limburg überbrachte Ostersonntag der

Bezirkskantor des Bezirkes Wiesbaden,

Franz-Josef Oestermer, die Glückwünsche

der Bistumsleitung und verlieh

Wolfgang Röhrbein die Bistums-plakette.

Röhrbein wuchs in der Kalle-Siedlung

auf und gehörte dadurch in seiner Kind-

heit und Jugend zum Kirchort St. Michael.

dort war er in der Jugendband aktiv.

der gelernte Versicherungskaufmann

und Familienvater engagierte sich zeitweise

im Kirchenchor von St. Bonifatius,

als Leiter eines Jugendchores und

in einem Vokal-Ensemble. Besonders

liegt dem Jubilar eine liturgische Gestaltung

der Gottesdienste am Herzen, die

neben einer anspruchsvollen Auswahl

der Lieder und Gesänge, der Begleitung

des Gemeindegesanges, sowohl historische

als auch zeitgenössische Literatur

kennt.

KKV Würzburg

die „damenrunde“ des KKV Constantia

Würzburg feierte im März 2012 ihr 10jähriges

Bestehen unter der Leitung von

Renate Zepke. Zwischen zehn und 20

Frauen treffen sich einmal monatlich im

Vereinsheim, der „Kleinen Residenz“, zu

Kaffee und selbstgebackenem Kuchen,

Krapfen oder Lebkuchen. Es findet eine

rege unterhaltung über politische, kirchliche

oder sonstige interessante Themen

statt. der Kopf wird fit gehalten bei Rätselspielen,

Gedichte oder Geschichten

werden vorgelesen. im Mai ging der

Kaffeerunde eine sehr schön gestaltete

Maiandacht voraus.

KKV Leipzig

die Generalversammlung des KKV Leipzig

hat einen neuen Vorstand gewählt.

Nach 16 Jahren gab Karlheinz Schulz

den Vorsitz im Vorstand der Ortsgemeinschaft

Leipzig ab, um in Zukunft als

Beisitzer im mitzuarbeiten. der neue

Vorsitzende ist Waldemar Misch. Seine

Bereitschaft, die Ortgemeinschaft in

den kommenden Jahren zu leiten zu prägen,

wurde mit großer Zustimmung aufgenommen.

Stellvertretende Vorsitzende irmtraud

Märkisch und Schriftführer Wolfgang

Meyer bleiben im Amt. Einen weiteren

Wechsel gab es bei der Öffentlichkeitsarbeit

und im Amt des Schatzmeisters.

diese Aufgaben werden neben ihrer Arbeit

im Regionalverband Ost zusätzlich

Rita Kaspar und Johann dietl wahrnehmen.

20 neue mitte 02/12


Foto: KKV Freiburg/Archiv

Gutes Programm mit

weniger mitteln

a

m 25. Dezember 2011 jährte

sich der Geburtstag des mainzer

Bischofs Wilhelm emmanuel

von Ketteler zum 200. mal. er

gehört in Deutschland zu den herausragenden

Persönlichkeiten der jüngeren

Kirchengeschichte, der als einer der

ersten die „soziale Frage“ aufgriff. aus

diesem anlass sprach Pfarrer Bardo

maria haus beim KKV Probitas Worms

über den „arbeiter- und Sozialbischof“,

der sich wie kein anderer in die sozialen

Debatten seiner Zeit eingemischt

und damit das soziale Gewissen der

Christen geprägt hat.

einleitend zitierte Pfarrer haus aus der

ansprache des Papstes zum auftakt seines

Deutschlandbesuches im Septem-

VOrt Ort

Jahresversammlung des KKV Alzey: Soziales Engagement gehört zum Selbstverständnis.

I

n nächster Zukunft muss noch

mehr gespart werden, so die Bilanz,

die in der Jahresversammlung

des alzeyer KKV gezogen werden

musste. Bei der Zusammenkunft im

Kardinal-Volk-haus konnte Vorsitzender

norbert Schröder die überwiegende

Zahl der mitglieder willkommen

heißen. In seinem rückblick stellte

er fest, dass die zahlreichen Veranstaltungen

wohl den Geschmack der

mitglieder getroffen hätten, denn sie

seien durchweg gut besucht gewesen.

höhepunkt im vergangenen Jahr sei

zweifellos die Feier des 50-jährigen

Bestehens des KKV alzey gewesen.

Des weiteren erfreuten sich die monatlichen

Stammtische in verschiedenen

lokalitäten, die für jedermann offen

sind, großer Beliebtheit. angeregt vom

Geistlichen Beirat, Pfarrer Wolfgang

Bretz, gedachte die Gemeinschaft mit

einem Vaterunser aller verstorbenen

mitglieder.

Im weiteren Verlauf der Versammlung

ließ Vorsitzender Schröder noch einmal

kurz die wichtigsten ereignisse des

vergangenen Jahres revue passieren.

Besonders erwähnte er die Besinnungsabende

vor Weihnachten und Ostern,

die maiandacht in der wunderschön

restaurierten rFK-Kapelle, den traditionellen

Bremserabend, die Besuche im

alzeyer museum mit Führungen, Dia-

Vorträge und natürlich die monatlichen

Stammtische.

Schatzmeisterin Stefanie rohde berichtete

von einer derzeit noch ausge-

glichenen Kassenlage. ab sofort müsse

der KKV äußerst sparsam agieren, was

er allerdings schon seit Jahren tue.

Die Kassenprüfer bestätigten eine

ordnungsgemäße Buchführung, und

die mitglieder sprachen dem gesamten

Vorstand einstimmig die entlastung

aus.

Zum abschluss diskutierten die

mitglieder die absehbaren Folgen der

Beitragserhöhung des Bundesverbandes.

Bisher habe der KKV alzey sich

immer wieder sozial engagiert, was nun

schwieriger werde. Das soziale engagement

gehöre zum Selbstverständnisses

des alzeyer KKV und wohl auch des

Bundesverbandes.

Heinz Heinen/KKV

Wie kein anderer eingemischt

der Sozialbischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler war Thema beim KKV probitas Worms.

Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler

ber 2011 in Berlin: „Wie die religion

der Freiheit bedarf, so bedarf auch die

Freiheit der religion“. Dieses Wort des

bedeutenden Sozialbischofs Wilhelm

von Ketteler sei heute nach wie vor

aktuell, betonte dabei der Papst. Seine

sozialethischen Schriften haben die

Programmatik vieler katholischer

Vereine, so auch des KKV bis heute

bestimmt. Pfarrer Bardo maria haus

erinnerte auch an die haltung von

Kettelers beim ersten Vatikanischen

Konzil, wobei er sich mit rücksicht

auf die konfessionelle Struktur seines

mainzer Bistums gegen das Unfehlbarkeitsdogma

des Papstes aussprach, sich

jedoch dem Konzilsbeschluss unterworfen

hat.

neue mitte 02/12 21


22

reISe

mit dem KKV unterwegs

die KKV-Frühjahrsreise führte diesmal nach Kastilien: Ein Reisebericht.

Die erste Frage die uns beschäftigte:

Sollten wir wieder

mitreisen? nachdem wir

schon zweimal mit dem KKV unterwegs

waren, kannten wir ja die gute Organisation,

das sorgfältig ausgesuchte Ziel,

die Begleitung durch den reiseerfahrenen

und reisefreudigen KKVer hans

Josef arck, das professionell geplante

reiseprogramm und die deutsch-sprachige

reisebegleitung durch hans-

Josef Körtling von terramundi. Deshalb

meldeten wir uns frühzeitig an!

ausgestattet mit einer praktischen und

informativen reisemappe von terramundi

flogen wir mit der spanischen

Fluggesellschaft Iberia von Frankfurt

nach madrid. nach dem check-out

fuhren wir in einem modernen Bus in

unser hotel in toledo, zentral gelegen,

mit ritterrüstungen und anderen vom

Keller bis zum Dach ausgestatteten

Gegenständen, sauber geführt, mit

stärkendem Frühstücks-Büfett sowie

ausreichenden abendmenü im angebot.

Zu Besuch im Kloster der

heiligen Teresa

Das reiseprogramm begann am ersten

tag mit einer Stadtrundfahrt durch die

spanische metropole und einem freien

nachmittag. Beides vermittelte gute

eindrücke über 150 Jahre Stadtentwicklung

und spanisches Fußgänger-

Fluidum in den Straßen der altstadt.

Der zweite tag konzentrierte sich auf

die erkundung von toledo, einer der

ältesten Städte Spaniens mit einem gut

erhaltenen Befestigungsring, Kirchen

und Palästen und dem alcázar, dem

Königsschloß aus dem 16. Jahrhundert.

nach dem Stadtrundgang war wohl jedem

klar geworden, warum die Unesco

toledo zum Weltkulturerbe zählt.

Kastilien gliedert sich in die regionen

león und la mancha. Wir fuhren mit

unserem sehr zuverlässigen Busfahrer

Windmühlen prägen die Landschaft von La Mancha.

zunächst in die Stadt der heiligen teresa,

nach avila.

Beeindruckend ist die sehr gut erhaltene

Stadtmauer aus dem 11. Jahrhundert.

Wir besuchten das Kloster der

heiligen teresa und die erste gotische

Kathedrale Spaniens. einer der höhepunkte

unserer reise war der halbtägige

ausflug und die Besichtigung

von el escorial. Dieses mächtige, aus

Granit gebaute Baudenkmal, beherbergt

15 Kreuzgänge, 13 Kapellen,

88 Brunnen und über 1600 Gemälde

und Skulpturen. auch die region la

mancha steuerten wir an, bekannt

durch seinen helden Don Quijote de

la mancha, der im roman von miguel

de Cervantes vor allem durch seinen

Kampf mit den Windmühlen weltbekannt

wurde. ein Spaziergang durch

die malerische und für die landschaft

typische Stadt Álcazar de San Juan, die

Besichtigung einer Windmühle sowie

der Besuch eines Weinguts mit Weinprobe

und köstlichem Imbiss waren

die eindrucksvollen erlebnisse dieses

tages. Die Stadt Segovia wird dominiert

von dem gigantischen römischen

Viadukt, 728 meter lang mit 118 Bögen,

überwiegend zweistöckig, im 1. und 2.

Jahrhundert erbaut. ein Stadtrundgang

und die Besichtigung des alcázar aus

dem 14. Jahrhundert gehörten hier zum

Programm.

Zum reiseprogramm des KKV zählen

immer auch zwei freie tage, die allerdings

durch freiwillige alternativangebote

ausgefüllt werden können. Den

mittwoch nutzte fast die vollständige

reisegesellschaft zum Besuch von el

escorial, im angebot für den Freitag

war eine Busfahrt nach madrid vorgesehen.

nur wenige Interessenten meldeten

sich, die meisten nutzten den

tag für ein ausführlicheres erkunden

von toledo und zum einkaufen und

Bummeln.

Bei neun Grad und regenwetter verließen

wir am Samstag-Vormittag toledo,

in Freiburg kamen wir bei gut 27

Grad am abend wohlbehalten und mit

vielen gewonnenen eindrücken an. In

erinnerung bleibt uns auch die immer

gut gelaunte und sympathische reisegesellschaft,

aufgeteilt auf zwei Busse

und auf jeweils einen reiseführer:

Beim gemeinsamen Frühstück und vor

allem beim gemeinsamen abendessen

mit gutem spanischem Wein war die

Stimmung tag für tag gewachsen.

Hannelore und Manfred Tritschler

neue mitte 02 /12


Foto: KKV Bund

Die neue eva

Regens dr. Markus Hoffmann sprach beim KKV Monheim über Maria.

Der KKV monheim und der

marienkapellenverein hatten

gemeinsam mitglieder

und Interessenten ins Pfarrer-Franz-

Boehm-haus eingeladen, um sich mit

diesem wichtigen religiösen thema zu

befassen. Der seit dem 2. Jahrhundert

belegte und bis heute lebendige Gedanke

von maria als der neuen eva ist

außerordentlich gehaltvoll. er lasse uns

die letzten beiden mariendogmen in

ihrem Zusammenhang mit dem ganzen

Glaubensgut besser verstehen, unterstrich

der regens des Priesterseminars

in Köln, msgr. Dr. markus hoffmann,

der über dieses thema seine Doktorarbeit

geschrieben hat.

mit maria – der neuen eva – würde erkennbar,

dass die ganze mariologie kein

randthema der theologie sei – wie

auch die marienverehrung kein randthema

des Glaubens sei. Denn maria

sei so eng mit Jesus Christus verbunden,

dass man beide nicht auseinander

reißen könne, so msgr. Dr. hofmann.

Zudem könne sich die Kirche nur dann

Helmut Arnold, Worms

Paul Bednarek, Bochum

Manfred Bernhard, Würzburg

Dr. Georg Bitter, Bocholt

Ingeborg Bongartz, Viersen

Reinhold Buchholz, Gelsenkirchen-Buer

Alois Cordts, Wiesbaden

Josef Friedsam, Neunkirchen

Werner Gutreuter, Kaarst

Werner Hagenstedt, Oldenburg

Franz-Werner Hanfeld, Vechta

neue mitte 02/12

tiefer verstehen, wenn sie auf maria

als ihr Urbild schaue (II. Vatikanisches

Konzil). maria als neue eva sei deshalb

kein hindernis, sondern vielmehr eine

Brücke zur christlichen Ökumene.

Die Gegenüberstellung der ersten

und der zweiten eva im katholischen

Glaubensdenken sei weder Ursache

noch ausfluss einer frauenfeindlichen

haltung, sondern gerade ein ausdruck

der Wertschätzung der Frau und ihres

Beitrags zur Wiederherstellung des

menschengeschlechtes.

Wer Maria anschaut, findet

leichter zu Christus

maria, die neue eva führe uns schließlich

nicht an Christus vorbei, sie stelle

sich nicht stolz vor ihren göttlichen

Sohn, um ihn gar zu verdecken oder

ihm etwas von seinem Glanz zu nehmen,

sondern wer maria anschaut, wer

über ihre Bedeutung im leben Christi,

im leben der Kirche und im leben

jedes einzelnen Gläubigen nachdenkt,

TRAuER

Wir hoffen auf ein Wiedersehen bei

der auferstehung der toten

Grete Hanisch, Düsseldorf

Joachim Holstein, Osnabrück

Walter Hoyer, Vechta

Kläre Huiskens, Koblenz

Hans Koenen, Neuss

Gerda Korf, Lippstadt

Hermann Limberg, Münster

Hans Lütz, Goch

Reinhold Neuhann, Fulda

Günter Ostendorf, Vechta

Günter Papenbreer, Lippstadt

VOr Ort • VerStOrBene

der finde leichter zu Jesus Christus – zu

dem Christus, den sich nicht irgendein

menschlicher Geist nach eigenem

Geschmack zurechtgedacht hätte,

sondern zu dem Christus, der mensch

geworden ist, der unter uns gelebt hat,

der starb, auferstanden ist und als der

neue adam uns zu seinen Schwestern

und Brüdern berufen hat, machte msgr.

Dr. hofmann deutlich. nur dieser Jesus

Christus habe wirklich Bedeutung

für uns. Und diesen Christus habe

uns maria geboren, an ihn habe sie

geglaubt und seine Identität habe sie

in ihrem herzen am tiefsten von allen

menschen verstanden. Die neue eva

möge helfen, Christus immer besser

kennen zu lernen, ihm treu zu bleiben

wie sie – bis unter das Kreuz – und

unseren auftrag in den heilsplänen

Gottes zu erkennen, so der Wunsch des

referenten. Die sich anschließenden

Fragen wurden von regens msgr. Dr.

hofmann ausführlich und verständlich

beantwortet.

KKV Monheim

Arnulf Popp, Offenburg

Theodor Rehling, Düsseldorf

Rudolf Schröder, Höxter

Johann Schubert, Hildesheim

Johannes Schwarzbach, Oldenburg

Egon Schwering, Borken

Anni Siemen, Bocholt

Franz Thoben, Oldenburg

Karl Thor, Krefeld

Josi Waldemade, Düsseldorf

Ernst Zumbeel, Neuss

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