Download der Dokumentation als PDF - Steinbeisschule Stuttgart

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Farbkleckspiraten erobern die „Robinia“

Gemeinschaftsprojekt der Klassen BFB 2 und der BFB 7 der Steinbeisschule Stuttgart sowie Eltern der

Kindergartenkinder des Kindergarten Farbklecks in Hessigheim

Berufsfachschule,

Bautechnik Zimmerer,

Ausbildungsjahr (BFB 2, BFB 7)

Namen der Schüler, BFB 2:

Bretzler, Andreas

Diener, Eugen

Dreizler, Michael

Eitel, Jonathan

Günther, Florian

Herbrich, Tobias

Hobelsberger, Kim

Kast, Jens-Patrick

Katterbe, Christoph

Klages, Markus

Lindemann, Nick

Meier, Pierre

Nonnenmann, David

Raithel, Stefan

Richard, Kevin

Rothenberger, Daniel

Schall, Clemens

Stärk, Andreas

Steinkraus, Daniel

Strasser, Simon

Urban, Henning

Wolf, Joshua

BFB 7:

Aupperle, Marc Andre

Brauner, Thomas

Bulling, Patrick

Fezer, Steffen

Heusel, Patrick

Kauffmann, Patrick

Kleiss, Matthias

Koch, Tobias

Laible, Stefan

Lang, Roshan

Mittelhaus, Michael

Motzigemba, Patrick

Pfeil, Simon

Steinbeisschule Stuttgart, Steinbeisstraße 5,

70191 Stuttgart

Schulleiter:

Oberstudiendirektor Herbert Bläsi

Ansprechpartner:

Bernd Schaaf, Technischer Lehrer

Tel. 0711/2 55 63-856, Fax 2 55 63-41

Privat:

Bismarckstr.4, 74394 Hessigheim

Tel. 0 71 43/ 585577, Fax 967642

Email: bschaaf@stb-s.de

Kurzbeschreibung:

„Schiff ahoi – Alles klar zum Entern der Robinia!“

fordert Bernd Schaaf, Technischer Lehrer der

Steinbeisschule Stuttgart, die Kindergartenkinder

beim Richtfest der neu errichteten Spielgeräte

auf. Die Kinder - besser gesagt - die Farbkleckspiraten

erstürmen das Schiff, das angehende

Zimmermänner der Stuttgarter Steinbeisschule in

einem Gemeinschaftsprojekt mit den Eltern der

Kindergartenkinder erbaut haben. In ca. zehn

Wochen wurde der gesamte Außenbereich des

Kindergartens Farbklecks in der Angelgasse in

Hessigheim neu gestaltet.

Nur durch das überaus hohe Engagement der

Eltern der Kindergartenkinder und der Zimmererauszubildenden

und durch die Beteiligung

einiger Sponsoren konnte sich die Gemeinde

Hessigheim diese außergewöhnliche Neugestaltung

des Außenspielbereichs im Kindergarten

Angelgasse quasi zum Materialpreis leisten.

Naturbelassene Robinienstämme aus dem Hessigheimer

Wald waren das Ausgangsmaterial

für das Spielgerät. Viel Kreativität und präzises

Arbeiten aller Beteiligten war notwendig, um die

strengen Sicherheitsvorschriften einzuhalten

und dennoch ein Spielgerät zu erstellen, das mit

ansprechendem Design und vielen Herausforderungen

für die Kinder überzeugte. Die Schüler

mussten in hohem Maß bei jedem Arbeitsschritt

selbständig mitdenken und jedes Bauteil in

maßgenauer Arbeit anfertigen. Die Elterneinsatztage

und die Arbeitstage der Auszubildenden

waren so aufeinander abstimmt, dass

ein reibungsloser Ablauf gewährt war. Sogar ein

alter Kastanienbaum wurde in das Spielgerät

integriert. Die Kinder sind begeistert von ihrem

neuen Außenspielbereich und die Gemeinde

kann durchaus stolz sein auf die beteiligten Eltern

der Kindergartenkinder, die in über 600

Arbeitsstunden mitgeholfen haben dieses Gemeinschaftsprojekt

zu verwirklichen.

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Inhalt

1. Wie alles anfing

1.1. 4000,-- Euro: Die Gemeinde wollte ein neues Standardspielgerät aus

dem Katalog anschaffen. ………………………….……………………………. Seite 4

1.2. Ein bereits durchgeführtes ähnliches Projekt wurde den Eltern der

Kindergartenkinder vorgestellt – „Ein solches Spielgerät wollen wir auch für

unsere Kinder!“ – „Wir helfen mit!“ ……………………………………………… Seite 4

1.3. Anfrage an die Schule und die betreffenden Klassen: „Wir sind dabei!“ Seite 4

1.4. Elterninitiative und ein Projekt der Zimmererlehrlinge der Steinbeis-

schule Stuttgart Ein gigantisches Gemeinschaftsprojekt kann

beginnen Viele verschiedene Hände – hohe Sicherheitsanforderungen –

lässt sich das vereinbaren? .……………………………………………..…….. Seite 5

2. Projekte im Unterricht

2.1. Pädagogische Anforderungen an die Lernfelder und den Schulbetrieb –

„Selbständiges Arbeiten motiviert und bringt Erfolgserlebnisse.“……………. Seite 6

2.2. Kindergartenkinder erleben ihr Projekt:

„Warum ist die Hose der Zimmermänner unten so weit?“ ……………………. Seite 6

2.3. Öffentlichkeitsarbeit …………………………………………………………… Seite 7

3. Die Realisierung : „Wir zimmern mit Hand und Verstand!“

3.1. Die Eltern machen den Auftakt: Baumstämme im Wald holen ……………. Seite 10

3.2. Treppe und Leiter ……………………………………………………………… Seite 10

3.3. Das alte Spielgerät muss weg ……………………………………………….. Seite 11

3.4. Die Eltern als Tiefbauer..……………………………………………………….. Seite 11

3.5 Der Rohbau ……………………………………………………………………… Seite 12

3.6. Das Spielhaus nimmt Gestalt an. …………………..………………………. Seite 14

3.7. Netzkletterkamin, Dschungelbrücke, Rutschstange …………………….. Seite 15

3.8. Die Gerätehütte wird erstellt ……………..…………………………………… Seite 15

3.9. Fertigstellen der Holzbauarbeiten …..….…………………………………… Seite 16

3.10. Vier Tage Elterneinsatz beenden das Projekt ..………..………………….. Seite 16

3.11. Das Richtfest ……………………………………………….…………………… Seite 18

4. Schlussbemerkungen …………………………………….…………………… Seite 19

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1. Wie alles anfing

1.1. 4000,-- Euro: Die Gemeinde will

ein neues Spielgerät anschaffen.

Seit einigen Jahren schon beschäftigte

sich der Hessigheimer Gemeinderat mit

einer Ersatzbeschaffung für das in die

Jahre gekommenen Spielgerät im Kindergarten

Farbklecks in der Angelgasse.

4000,-- Euro hatte der Kämmerer im

Haushalt eingeplant. Bernd Schaaf ist

Gemeinderat und selbst Vater eines

Kindergartenkindes. Da er an der Stuttgarter

Steinbeisschule angehende

Zimmerleute unterrichtet, schlug er

seinen Ratskollegen und Bürgermeister

Martin Schwarz vor, das Ganze als

Projekt mit seinen Schülern zu verwirklichen,

anstatt ein Standardspielgerät

aus dem Katalog zu kaufen.

1.2. Ein bereits durchgeführtes ähnliches

Projekt wurde den Eltern der

Kindergartenkinder vorgestellt – „Ein

solches Spielgerät wollen wir auch

für unsere Kinder!“ -– „Wir machen

mit!“

Bei einem Elternabend des Kindergartens

stellte Bernd Schaaf ein ähnliches

Projekt vor, das sein Kollege Hans Stahl

durchgeführt hatte. „Ein solches Spielgerät

sollen unsere Kinder auch haben!“

Diese Aussage war einhellig zu hören,

nachdem die Eltern die Bilder gesehen

hatten. Doch die Forderung blieb nicht

im Raum stehen, sondern die Eltern

setzten noch eins drauf: „Wir wollen

mithelfen, in welcher Form auch immer,

damit unsere Kinder ein neues Spielgerät

bekommen.“ So entstand die Idee,

nicht nur ein neues Spielgerät zu erstellen,

sondern den gesamten Außenbereich

neu zu gestalten. Dies war durchaus

notwendig. Der Plattenbelag hatte

sich unterschiedlich gesetzt, so dass die

Kinder immer wieder stolperten und mit

ihren Fahrzeugen nicht mehr richtig

fahren konnten. Ein alter viel zu großer

Geräteschuppen nahm viel Platz von

der Spielfläche weg und an einem

Spielhäuschen fehlten schon mehrere

Bretter, so dass es sicherheitstechnisch

nicht mehr zum Spielen geeignet war.

Nach überzeugenden Gesprächen

waren Bürgermeister und Gemeinderat

bereit, mehr Geld zu investieren und

somit eine Gesamtlösung für den Außenbereich

des Kindergartens zu realisieren.

1.3. Anfrage an die Berufschule und

die betreffenden Klassen: „Wir sind

dabei!“

Nun musste noch die Schulleitung der

Steinbeisschule dem Projekt zustimmen

und natürlich mussten sich auch die

Schüler bereit erklären, mitzuarbeiten.

Der Schulleiter, Herr Oberstudiendirektor

Herbert Bläsi, wusste von verschiedenen

vorangegangenen Projekten, wie

zuverlässig und gewissenhaft „seine“

Lehrer solche Projekte durchführen und

dadurch die Steinbeisschule weit über

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die Stadtgrenzen Stuttgarts hinaus

bekannt wird. So gab er seine Zustimmung

ohne großes Wenn und Aber. Mit

den Schülern der BFB2 und der Zimmerergruppe

der BFB7, die gerade die

einjährige Berufsfachschule Bau besuchen,

wollte ich dieses Projekt durchführen.

Die Begeisterung der Schüler

war von Anfang an groß auch Hinweise

auf die vielen von Hand zu schälenden

Baumstämme oder den langen Anfahrtsweg

konnten sie nicht von „ihrem“

Projekt abhalten.

Die Schüler begannen sogleich mit

Planungen, studierten Spielgerätekataloge

und informierten sich über Sicherheitsbestimmungen

Der Entwurf meines

Kollegen Hans Stahl zeigte einen

Sechseckturm, der über eine Hängebrücke

mit einem Schiffsbug verbunden

war. Der Sechseckturm umgab elegant

einen alten Kastanienbaum, der im Hof

stand und unbedingt erhalten werden

sollte. Verschiedene Auf- und Abgangsmöglichkeiten

wie Rutsche,

Stammtreppe, Leitern, Rutschstange,

schräge Ebene waren dargestellt.

Diesen Entwurf besprach ich mit dem

Kindergartenteam und der Gemeindeverwaltung.

Einige Wünsche und Anregungen

der Erzieherinnen wurden noch

eingearbeitet. Des Weiteren plante ich

ein separates Spielhaus und einen

neuen, kleinen und zweckmäßigen

Geräteschuppen. Der Geräteschuppen

sollte nach traditioneller Zimmererkunst

als Fachwerkkonstruktion entstehen.

1.4. Elterninitiative und ein Projekt

der Zimmererauszubildenden der

Steinbeisschule Stuttgart - Ein gigantisches

Gemeinschaftsprojekt kann

beginnen!

Die Planungen sind fast abgeschlossen,

die Organisation läuft auf Hochtouren,

einige Sponsoren sind gefunden, zahlreiche

motivierte Eltern und 35 begeisterte

junge Zimmerer: Ein gigantisches

Großprojekt nimmt seinen Lauf. „Viele

verschiedene Hände und hohe Sicherheitsbestimmungen,

lässt sich das vereinbaren?“,

diese Frage stellte sich mir

immer wieder.

Bei der Ausführung zeigte sich, dass die

Sicherheitsanforderungen für Kinderspielplätze

eine große Herausforderung

für alle Beteiligten sind. Anregungen

und Unterstützung fanden wir in dem

Buch „Sicherheit auf Europas Spielplätzen“

(G.Agde, G. Beltzig, J. Richter, D.

Settelmeier, Beuth – Verlag).

Die wichtigsten Sicherheitsbestimmungen,

wie Fall- und Brüstungshöhen,

waren in der Planung bereits berücksichtig.

In der Ausführung mussten die

Schüler insbesondere auf folgende

Details achten:

- Holzgeräte müssen splitterfrei sein

und rauhe Oberflächen dürfen nicht zu

Verletzungen führen.

- Überstehende Bolzen müssen abgedeckt

sein.

- Fangstellen für Kleidung (Kordelproblematik)

dürfen im Bereich von Rutschen,

Kletterstangen oder Schrägen

nicht entstehen. Zur Überprüfung wird

eine Prüfkette mit einem Modellknopf

am Ende entlang des Klettergerätes

geführt und darf nirgends hängen bleiben.

- Öffnungen zwischen 110 und 230

Millimeter sind nicht zulässig, weil sie

bei Kindern Fangstellen für Kopf, Hals

und Körper sein können. Da es in der

Vergangenheit zu schweren Unfällen

kam, wurden die Durchschlupfmaße

entsprechend verändert.

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2. Projekte im Unterricht

2.1. Pädagogische Anforderungen an

die Lernfelder und den Schulbetrieb

„Selbständiges Arbeiten motiviert

und bringt Erfolgserlebnisse.“

Im ersten Ausbildungsjahr der Zimmerer

wird das Thema „Errichten einer Holzkonstruktion“

als ein Schwerpunkt des

Unterrichts gefordert. Im Schulalltag

jedoch sind die Möglichkeiten begrenzt,

etwas Bleibendes herzustellen, das

auch be- oder genutzt wird. Viele im

Unterricht hergestellte Werkstücke

werden oft als Brennholz entsorgt. Ein

Bauprojekt bietet dagegen ganz andere

Möglichkeiten. Meine Erfahrungen mit

Projekten dieser Art in der Vergangenheit

haben mich gelehrt, dass die Motivation

im Schulalltag deutlich steigt,

wenn die Auszubildenden ein Bauwerk

errichten können, das sinnvoll ist und

anderen Nutzen bingt. Das Erfolgserlebnis,

das ihnen im Projekt zuteil wird,

wirkt sich auf ihre weitere Lernbereitschaft

sowie den Zusammenhalt der

Klasse durchweg positiv aus.

Praxisprojekte sind auch eine hervorragende

Möglichkeit den einzelnen Schüler

mit seinen Fähigkeiten in sozialer

Kompetenz zu erleben: In seiner Teamfähigkeit

sowie der Fähigkeit die Gruppe

anzuführen, ebenso in seiner Übersicht

und seinem Wissen auf der Baustelle.

Im Zeugnis setzt sich die Note ‚Projektkompetenz’

aus diesen Komponenten

zusammen.

Ohne die Zusammenarbeit und Unterstützung

der Kollegen sowie der Schulleitung

ist solch ein Vorhaben nicht

machbar. Stundenplanumstellungen

sind sehr aufwändig und so kam jede

Klasse immer gemäß ihrem Stundenplan

auf die Baustelle. Teilweise mussten

sie deshalb Arbeiten fortsetzen, die

andere tags zuvor begonnen hatten.

Das erfordert natürlich in hohem Maß

ein Mitdenken bei jedem erforderlichen

Arbeitsschritt und schult das Verantwortungsbewusstsein

des Einzelnen fürs

gesamte Team sehr intensiv. Erschwerend

kam hinzu, dass der Bau des

Spielgerätes keine Serienfertigung war.

Jedes Brett, jeder Balken, jedes Stück

Holz, das montiert wurde, fertigten die

Auszubildenden in individuell nach Maß

an: Das bedeutete maßnehmen, zusägen,

einpassen. Unsere Arbeitsausrüstung

hatten wir optimal an die Erfordernisse

auf der Baustelle angepasst.

2.2. Kindergartenkinder erleben ihr

Projekt: „ Warum ist die Hose der

Zimmermänner unten so weit?“

Die Erzieherinnen griffen das Projekt in

ihrer pädagogischen Arbeit auf. Verschiedene

Handwerksberufe und vor

allem natürlich der Beruf des Zimmermanns

waren die Themen, durch die sie

die Kinder mehrere Wochen lang führten.

Sie boten dabei Gelegenheiten, das

Thema im Spiel und Werken für die

Kinder erfahrbar zu machen.

„Wir haben unseren Kindern in den

letzten Wochen viel Wissenswertes

rund ums Thema Holz und Wald vermit-

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telt“, sagte eine Erzieherin. Viele Gespräche

drehten sich natürlich auch um

die Baustelle und ihre täglichen Fortschritte.

Viele Nasen wurden täglich an

den Fenstern platt gedrückt, um alles

genau zu beobachten.

Kindergartenkinder wie Schüler nutzten

die Bauzeit für zahlreiche Begegnungen:

Gemeinsames Vesper, Ballspiele,

Gespräche.

Zur großen Freude der Kindergartenkinder

waren die jungen Zimmerleute

zwischendurch auch für einen kleinen

Nagelwettbewerb zu haben. Ein Höhepunkt

war sicherlich auch als zwei

Schüler in kompletter Zimmererkluft den

Kindern Rede und Antwort standen. Die

Männer mit schwarzen Hosen, weißem

Hemd, schwarzer Weste und schwarzem

Hut hinterließen einen bleibenden

Eindruck bei den Kindern. Als sie dann

noch die große Zimmersäge hervorholten

und ein Stück von einem Baum-

stamm absägten, standen die Münder

offen und die Bewunderung war groß.

Die Kinder waren zudem ganz praktisch

an dem Projekt beteiligt. Zum einen

halfen sie mit, das kleingesägte Altholz

der alten Spielgeräte auf den Traktoranhänger

zu verladen. Zum anderen

transportierten sie mit ihren kleinen

Schubkarren einen ganzen Traktoranhänger

voll (ca. 8 cbm) Holzhackschnitzel

- durch den Kindergarten hindurch -

unter das Spielgerät.

2.3. Öffentlichkeitsarbeit

Nach dem Motto „Tue Gutes und rede

darüber“ haben wir die Öffentlichkeitsarbeit

in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten

selbst initiiert. Dem Engagement

des Elternbeirats war es zu verdanken,

dass einige Sponsoren gewonnen

werden konnten. Außerdem wurden

verschiedene Aktionen organisiert, um

das Projekt bekannt zu machen. So

wurde z. B. nach dem Erntedankgottesdienst,

an dem die Kindergartenkinder

beteiligt waren, Kuchen verkauft.

Über die laufenden Arbeiten erschien

jeweils ein Bericht im örtlichen Mitteilungsblatt.

Außerdem berichteten zwei

regionale Tageszeitungen mehrmals

über das Projekt.

Wichtig war mir dabei auch, ein Bewusstsein

für den gesellschaftlichen

Stellenwert unserer Leistungen zu

schaffen und Wege aufzuzeigen wie –

auch in ungewohnt schwierigen Zeiten –

dennoch kreativ Gestaltetes neu angeschafft

werden kann.

Die Gemeinde war ein zuverlässiger

Kooperationspartner, Bürgermeister und

Gemeinderat schenkten mir volles Vertrauen,

so dass ich viele Entscheidungen

selbständig treffen konnte.

Die Mütter der Kindergartenkinder versorgten

die Arbeiter, egal ob Eltern oder

Auszubildende, bestens mit Mittagessen,

Nachtischen und Kuchen.

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3. Die Realisierung – „Wir zimmern

mit Hand und Verstand!“

3.1. Die Eltern machen den Auftakt:

Baumstämme aus dem Wald holen

Nach einem Gespräch mit Revierförster

Bernd Renner stellte sich heraus, dass

im gemeindeeigenen Wald genau die

Robinienbäume standen, die das Ausgangsmaterial

für das neue Spielgerät

sein sollten. Die Bäume wurden von

Bernd Renner und seinem Waldarbeiterteam

gefällt und so an einen Waldweg

gestapelt, dass sie abgeholt werden

konnten.

Das war der Beginn der eigentlichen

Arbeiten. Acht Väter, bewaffnet mit

Motorsägen und Handschuhen, zogen

an einen Samstagmorgen im März los,

um die Baumstämme vom Wald in den

Kindergarten zu transportieren. Der

Traktor samt Anhänger des Bauhofes

stand uns jederzeit zur Verfügung. Ein

Vater, der selbständig in der Landschaftspflege

tätig ist, unterstütze uns

tatkräftig über das ganze Projekt hin mit

seinem Können und seinen Geräten.

Der Garten des Kindergartens hat die

Besonderheit, dass er von außen nicht

zugänglich ist. Vandalismus oder unerlaubtes

Benutzen der Spielgeräte ist

somit fast ausgeschlossen. Der entscheidende

Nachteil dieser

Situation ist jedoch, dass alles durch

den Eingangsbereich des Kindergartengebäudes

hindurch transportiert werden

muss. Für einige der Baumstämme

mussten alle mit anpacken, um diese

Hürde zu überwinden.

Am Nachmittag wurde eine Lkw-Fuhre

Baumstämme in die Schule nach Stuttgart

gebracht.

3.2. Treppe und Leiter

Bereits vor den Osterferien waren die

Schüler in der Werkstatt der Steinbeisschule

eifrig am Werk. Zuallererst

mussten die Stämme geschält werden.

Zwei Teams fertigten bereits zwei Aufgänge

zu den Klettertürmen für das

Spielgerät des Kindergartens vor: Eine

Leiter sowie eine Treppe aus einem

Baumstamm. Den Bau der Leiter mit

ihren sieben Sprossen bewältigten die

Schüler ohne größere Hürden. Viel

schwieriger dagegen erwies sich der

Bau der Baumstammtreppe. Hier bedurfte

es einiger Hilfestellung, damit die

Schüler eine Vorstellung entwickeln

konnten, wie sie einem runden Baumstamm

eckige Stufen abgewinnen konnten.

Knifflig war hierbei die Führung der

Motorsäge, damit die Stufen tatsächlich

waagerecht wurden.

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3.3. Das alte Spielgerät muss weg

Am letzten Werkstatttag vor den Osterferien

brach eine Gruppe der Schüler

auf in den Kindergarten, um das alte

Spielgerät abzubauen. Ein Klettergerüst

aus Metall wurde zerlegt. Alle anderen

Spielgeräte und der Schuppen waren

sowieso Holzkonstruktionen, die im Nu

zersägt waren.

Die Kinder klebten förmlich hinter den

Fernstern und warteten auf ihren Einsatz.

Zusammen mit ihren Erzieherinnen

halfen sie mit, die zersägten Holzteile

auf den Traktoranhänger zu verladen.

Mit so vielen Helfern war diese

Arbeit schnell erledigt.

3.4. Die Eltern als Tiefbauer - Plattenbelag

entfernen, Erdarbeiten,

Fundamente

In den Osterferien waren drei Tage

Elterneinsatz geplant. Die Organisation

der Elterneinsätze lag ebenfalls in meinen

Händen. Die zahlreichen Rückmeldungen

an mich zeigten, dass die Eltern

tatsächlich mit anpacken wollten. So

konnte ich zahlreiche Arbeiten einplanen,

die an den drei Tagen erledigt

werden sollten.

Als erstes musste der alte Plattenbelag

entfernt und durch den Kindergarten

hindurch abtransportiert werden.

Nach den Sicherheitsvorschriften müssen

Spielgeräte, die eine Spielebene

über 1,00m über dem Boden haben

entweder eine entsprechend hohe Brüstung

von 1,30m haben oder die Fläche

darunter muss als Fallschutz geeignet

sein. Ich entschied mich aufgrund der

guten Erfahrung meines Kollegen für

Holzhackschnitzel als Fallschutzmaterial.

20 cm Schichtdicke sind erforderlich

und falls die Gefahr besteht, dass das

Material weggespielt wird, z.B. am Auslauf

der Rutsche, müssen zusätzlich 20

cm Schichtdicke vorhanden sein. Also

40 cm Holzhackschnitzel plus 10 bis 15

cm Schotter als Drainage, d.h. der gesamte

Bereich unter dem Spielgerät

und 1,5 m drum herum musste mindestens

50 – 60 cm tief ausgegraben werden.

Die Väter befürchteten schon, sie

müssten diese Grabarbeiten mit dem

Spaten leisten, da der Außenbereich

des Kindergartens wie schon erwähnt

nicht von außen zugänglich ist. Glückli-

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cherweise konnten wir mit Hilfe eines

Staplers einen Minibagger in den Garten

hieven. Dies stellte eine sehr große

Erleichterung dar, wie sich später noch

herausstellen sollte.

In die Schaufel des Minibaggers passte

gerade soviel Material wie eine Schubkarre

aufnehmen konnte. So wurden

fast 40 cbm Erde mit dem Schubkarren

(wieder durch den Kindergarten hindurch)

auf den Traktoranhänger verladen

und abtransportiert. Die Fundamente

des alten Geräteschuppens waren

groß und massiv, so dass auch hier

der Minibagger eine unersetzliche Hilfe

war.

Mit einer Schablone aus Latten und

Brettern bestimmten wir den Grundriss

des Spielgerätes und konnten somit die

Fundamente für die einzelnen Pfosten

festlegen und teilweise gleich ausgraben.

Eine sehr entscheidende Frage war:

„Wie viele Wurzeln kann man einem

Kastanienbaum abgraben, der gerade

frische Blätter ausgetrieben hat?“ Einige

Fundamente mussten um die Wurzeln

herum gegraben werden, aber letztlich

hat der Baum die ganze Aktion ohne

Schaden überstanden.

3.5. Der Rohbau

Die in der Schule geschälten Stämme

waren entweder schon verbaut z. B. als

Leiter, oder noch nicht auf die Baustelle

transportiert. Somit mussten die Schüler

als erstes wieder Stämme schälen.

„Müssen wir die alle heute schälen, Herr

Schaaf?“, fragte ein Schüler und ein

anderer meinte: „Wo sollen denn die

vielen Stämme hin?“ Ich erklärte ihnen,

dass sie die Stämme, die sie schälen,

auch gleich verbauen dürfen.

Und so standen die ersten Pfosten recht

schnell.

Nach drei Tagen standen alle Pfosten.

Der Bauhofleiter stellte uns den Traktoranhänger

mit 1,5 cbm Beton vor die

Tür des Kindergartens. Die Auszubildenden

ließen es sich nicht nehmen,

auch die Betonarbeiten auszuführen.

Dies ist ein weiterer Vorteil von Schülerprojekten,

dass auch berufsübergreifende

Arbeiten, die anfallen, von den

Schülern selbst ausgeführt werden. So

erwerben sie ganz nebenbei auch

Kenntnisse in anderen Berufen.

Diesmal ging die Fahrtrichtung der

Schubkarren also in die entgegengesetzte

Richtung. Die angehenden Zimmerer

beförderten den Beton - durch

den Kindergarten hindurch - zu den

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Fundamenten und verfüllten diese entsprechend.

Die folgenden Arbeitstage waren damit

ausgefüllt, den Rohbau fertig zu stellen.

Doch zunächst mussten die Podestbalken

angebracht werden. Halbierte Robinienstämme

waren dafür vorgesehen,

was natürlich optisch einen unbestreitbaren

Reiz hat, handwerklich jedoch

eine große Herausforderung darstellt.

Die Podestbalken mussten auf einer

Höhe sauber auf Gehrung gestoßen

werden. Die größte zulässige Spaltweite

liegt bei acht Millimetern. Beim Befestigen

der Balken mussten die

angehenden Zimmerer die 12 Millimeter

dicken Schlossschrauben versetzt bohren,

damit sie nicht aufeinander trafen.

Dann galt es von hinten ein 40 Millimeter

großes Loch zur Aufnahme der Mutter

zu bohren – und das mittig. Zuletzt

mussten die Schüler die Schraubenlängen

richtig bestimmen.

Nach der Montage der umlaufenden

Podestbalken begannen erste Teams

bereits, die Böden aus Lärchenbrettern

zu verlegen. Dies war eine knifflige

Aufgabe, denn in den Bodenbrettern

mussten die Rundungen der Pfosten

ausgespart werden. Zwar mussten die

Auszubildenden einige Bretter mehrmals

herstellen. Aber nach dem Motto

„Learning bei doing“ war diese schwierige

Aufgabenstellung ein gutes Erfahrungsfeld.

Einige Schüler montierten

erst die Geländer und dann die Brüstungsbretter

aus Robinienholz an den

Podesten.

Nach getaner Arbeit überprüften die

jungen Zimmerleute, ob ihr Werk den

Sicherheitsanforderungen entspricht.

Sowohl für die über den Handlauf stehenden

Brüstungsbretter als auch für

den Handlauf selbst, sind jeweils Abstände

vorgegeben, damit sich kein

Kinderkopf zwischen Holzbauteilen

verfangen kann. Außerdem muss das

gesamte Bauwerk so konstruiert sein,

dass sich keine Kordel eines Anoraks

oder ähnliches verhaken kann.

Auch beim Einbau der Leiter tüftelten

die Schüler alles so aus, damit sich

weder eine Kordel an irgendeiner Stelle

verfangen noch ein Kinderfinger einklemmen

kann.

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Ein Team baute die schräge Ebene als

Aufgang auf den Schiffsbug, auf der

sich die Kinder an einem dicken Seil

hochziehen können. Dabei galt es darauf

zu achten, dass mehr als 40 Grad

Steigung eingehalten werden mussten.

Bei weniger Steigung gilt die Konstruktion

als Rampe und nicht als schräge

Ebene.

Die Konsequenz: Ein Aufgang braucht

zwei Handläufe, wenn die Fallhöhe über

60 Zentimeter hoch ist.

Zwei Rundhölzer waren die Grundlage

für die schräge Ebene, die rechtwinklig

zum Turm angeschraubt wurden. Die

Schüler befestigten die Rundhölzer mit

Erdankern im Boden.

Auf die Balken schraubten sie dann 34

Millimeter dicke, gehobelte Lärchenbretter.

Allein das Zuschneiden und Festschrauben

des obersten Brettes, der

Übergang zum Podest quasi, erforderte

erheblichen Zeitaufwand.

3.6. Das Spielhaus nimmt Gestalt an

Zwei oder drei der Auszubildenden

beschäftigten sich von Anfang mit dem

Spielhaus, das am Abhang zum unteren

Garten entstehen sollte. Der Bodenbelag

war hier schnell verlegt, da die Bodenbretter

nur an vier Pfosten angepasst

werden mussten. Die eigentliche

Herausforderung war das Dach des

Spielhauses. Die Auszubildenden

schraubten 35 mm starke, gehobelte

Lärchenbretter als Dachschalung auf

die Sparren. Als sehr schwierig erwies

sich das Aussägen der Pfosten, die die

Dachdeckung durchstoßen, weil die

Schnitte schräg auszuführen waren.

Das Spielhaus wurde teilweise mit einer

Brüstung mit 1,30 m Höhe versehen,

um den Anforderungen bzgl. des Fallschutzes

am Boden darunter zu entsprechen.

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3.7. Stammtreppe, Netzkletterkamin,

Dschungelbrücke, Rutschstange

Für die Stammtreppe mussten die

Schüler zuerst das Fundament ausgraben.

Währenddessen passten andere

die Treppe an das Podest an. Mit

Schraubankern befestigten die Schüler

die Treppe am Boden.

Die Montage des Kletterkamins erforderte

präzises Arbeiten und gute Vorüberlegungen.

Das Schiffsdeck war

nach zwei Seiten schräg, so dass die

sechs Aufhängeseile unterschiedlich

lang waren. Die Auszubildenden meisterten

dieses Problem aber genauso gut

wie das Geländer um die Einstiegsöffnung.

Für die Seilbrücke hatten wir eine

Schablone zwischen den Pfosten mon-

tiert, so dass diese exakt auf Maß standen.

Nach Herstellerangaben bohrten

die Schüler Löcher in die Pfosten und

die ganze Brücke war in kurzer Zeit

montiert. Auch die Rutschstange aus

Edelstahl montierten die Schüler dank

guter Vorarbeit problemlos.

3.8. Die Gerätehütte wird erstellt.

Die Hauptaufgabe der Klasse BFB 7

war das Abbinden und Aufrichten des

Geräteschuppens. Die Schüler zeichneten

Grundriss, Querschnitt und Ansichten

des Schuppens im Maßstab 1:10.

Außerdem ermittelten sie rechnerisch

alle Maße, die für das Abbinden der

Konstruktion notwendig waren. Nach

dem Zusägen der Hölzer wurden die

Wände in der Schule fertig zusammengebaut.

Zwei Seiten des Geräteschuppens

standen so nahe an der Grundstücksgrenze,

dass ein späteres Beplanken

nicht mehr möglich gewesen wäre. Die

Schüler legten die Wände auf Böcke

und montierten die Außenschalung als

Boden - Deckelschalung.

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Mit vereinten Kräften stellten wir die

Wände auf, richteten sie genau ins Lot

und befestigten sie.

Auch an diesem Nachmittag stand Beton

bereit, um die Fundamente des

Geräteschuppens auszubetonieren. Als

der letzte Schubkarren wieder sauber

war, traten die Auszubildenden erst

nach 18.00 Uhr den Heimweg an.

Am nächsten Tag montierte eine Gruppe

die Sparren, andere vervollständigten

die Schalung. Die Lattung wurde

aufgenagelt und das Dach mit den

Dachziegeln des alten Schuppens wieder

eingedeckt. Mit dem Montieren der

Tore war dieser Teil des Projektes abgeschlossen.

3.9. Fertigstellen der Holzbauarbeiten

Der Termin für das Richtfest war der 23.

Juni und bis dahin waren es noch einige

Wochen. Die Pfingstferien standen aber

kurz bevor und bis dahin wollte ich mit

den Holzbauarbeiten fertig sein.

Einige montierten und verankerten die

Rutsche, die Tage zuvor ebenfalls von

den Schülern frisch gestrichen worden

war. Bei der Rutsche gab es einige

Sicherheitsbestimmungen, deren Lösung

gut überlegt sein wollte.

Ein Schüler griff sich einen Schraubenschlüssel

und kontrollierte noch mal alle

Schraubverbindungen der ganzen Konstruktion.

Die Auszubildenden, die ihre Aufgabe

erledigt hatten, setzen ein letztes Mal

Schutzbrille und Gehörschutz auf und

schliffen die Stämme schön glatt.

Bis auf ganz wenige Restarbeiten hatten

die Auszubildenden die Holzbauarbeiten

fertig gestellt und ich konnte sie

mit einem dicken Lob in die Pfingstferien

entlassen.

3.10. Vier Tage Elterneinsatz beenden

das Gemeinschaftsprojekt

Nachdem die Auszubildenden die Baustelle

geräumt hatten, zeigten die Eltern

an vier Arbeitstagen noch einmal, wie

engagiert sie sich an dem Gemeinschaftsprojekt

beteiligten.

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Holzhackschnitzel dienten als Fallschutzmaterial,

und als Übergang zu

den Betonplatten pflasterten die Väter

eine Rundung aus Granitsteinen, damit

auch dieser Bereich die Sicherheitsvorschriften

erfüllte. Selbst zwei Tage

Dauerregen konnte die Stimmung und

die Begeisterung nicht trüben. Die Eltern

arbeiteten unermüdlich.

Ein Vater mauerte neben dem Spielhaus

eine kleine Mauer als Abgrenzung

zur Treppe hin.

Unter den Holzhackschnitzeln musste

eine Drainageschicht eingebaut werden,

damit das Material nach einem Regen

möglichst rasch wieder trocknen kann.

Ca. 30 m Drainagerohr verlegten die

Väter in einer 10 – 15 cm dicken Schotterschicht.

Als Schutz vor Verschmutzung

wurde die Schotterschicht mit

einem Vlies abgedeckt.

Die Eltern halfen auch mit, das Material

herbei zu schaffen. Ein Vater holte früh

morgens die Pflastersteine bei einem

Großhändler ab und auch ich fuhr einige

Male morgens vor Arbeitsbeginn

zum Beton- bzw. Kieswerk.

Die Kinder wollten unbedingt auch noch

einmal mithelfen. Deshalb verluden die

Erzieherinnen den ersten Traktoranhänger

voll mit Holzhackschnitzeln, und

das sind immerhin ca. 8 cbm, in die

kleinen Schubkarren der Kinder, die das

Material unter dem Spielgerät abluden.

Nach kurzer Zeit war der Anhänger leer

und die Kinder glücklich, einen Beitrag

zu ihrem Spielgerät geleistet zu haben.

Das Verteilen der restlichen Holzhackschnitzel

war dann wieder Sache der

Eltern.

Am letzten Arbeitstag waren noch einmal

mehr als 15 immer noch motivierte

Eltern am Werk. Sogar Bürgermeister

Martin Schwarz reihte sich in die Reihe

der Freiwilligen mit ein und half an diesem

Tag tatkräftig mit. Auch einige der

Auszubildenden waren so begeistert,

dass sie mehrere ihrer freien Tage

opferten und die Eltern unterstützten.

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So konnten noch einige Bänke gezimmert,

das Sonnensegel und die Piratenflagge

gehisst und auch die sonstigen

Restarbeiten erledigt werden. Begeistert,

an einem tollen Projekt mitgearbeitet

zu haben, freuten sich alle auf den

Freitag …

3.11. Das Richtfest

Da das Spielgerät wie ein Schiffsbug

aussah, glich das Richtfest einer

Schiffstaufe. Der Name des Schiffes

war noch verhüllt und die Kinder konnten

es kaum noch erwarten, endlich ihr

Spielgerät auszuprobieren.

Die Auszubildenden kamen alle in der

traditionellen Zimmererkluft. Nach dem

Richtspruch zerschellte die obligatorische

Flasche Sekt, allerdings nicht am

Schiffsbug, sondern in einem mit Steinen

gefüllten Eimer.

Das Schiff wurde auf den Namen :

Robinia getauft.

Bürgermeister Martin Schwarz und die

anwesenden Gemeinderäte waren

beeindruckt, was die Auszubildenden im

1. Lehrjahr in Zusammenarbeit mit den

Eltern geleistet hatten. Das Gemeindeoberhaupt

dankte allen Beteiligten für

ihr überragendes Engagement, ganz

besonders natürlich den Schülern der

Klassen BFB2 und BFB 7 sowie ihrem

Technischen Lehrer Bernd Schaaf. Der

Schulleiter, Herr Oberstudiendirektor

Herbert Bläsi, überzeugte sich persönlich

von der herausragenden Leistung

seiner Schüler.

Die Kinder bedankten sich auf ihre

Weise mit einigen Darbietungen und

Liedern. Außerdem erhielt jeder Schüler

eine Karte mit einem auf dem Schiff

aufgenommenen Gruppenfoto und dem

Aufdruck „Vielen Dank“.

Als besondere Überraschung für den

Bürgermeister überreichte Elternbeirätin

Maren Neuenhaus ihm einen Scheck in

Höhe von 2000,-- Euro. Das Geld war

durch verschiedene Aktionen erwirtschaftet

worden und verdeutlichte noch

einmal das Engagement der Eltern.

Bernd Schaaf gab abschließend einen

Überblick über den gesamten Bauablauf

und endete mit der Aufforderung an die

Kinder: „Schiff ahoi – alles klar zum

Entern der Robinia!“. Das ließen sich

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die Kinder nicht zweimal sagen und

stürmten auf ihr Schiff.

Am Nachmittag war die gesamte Bevölkerung

in den Kindergarten eingeladen.

Es gab Kaffee und Kuchen und das

Jugendorchester des Handharmonikaclubs

Hessigheim umrahmte musikalisch

das gelungene Einweihungsfest.

4. Schlussbemerkungen

Dieses Gemeinschaftsprojekt hat deutlich

gezeigt, welche außerordentlichen

Leistungen in einem motivierten Team

möglich sind. Die Aufgabe war klar, der

Kindergarten braucht ein neues Spielgerät.

Die Gemeinde stellte begrenzte

finanzielle Mittel zur Verfügung.

35 Auszubildende im Zimmerhandwerk

wollen ein Projekt durchführen. Dann

sind da noch engagierte Eltern, die auf

ganz besondere Weise deutlich gemacht

haben, dass ihnen die Zukunft

ihrer Kinder am Herzen liegt. In über

600 ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden

haben sie gezeigt, wie jeder

einzelne mit seinem individuellen Können

einen Beitrag für dieses einzigartige

Gemeinschaftsprojekt geleistet hat.

Die Erfahrung, dass ein fachlich und

optisch gelungenes Werk entstehen

kann, wenn alle an einem Strang ziehen,

war eine motivierende Erfahrung

für alle Beteiligten, die Dynamik ins

Team brachte und dem Einzelnen den

Blick für seine individuelle Begabung

öffnete.

Nicht zuletzt haben auch die Kinder

zum guten Gelingen des Projektes

beigetragen, denn sie waren voller

Interesse, Offenheit und Bewunderung

für die angehenden Zimmerleute.

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