PROTOKOLL ZUR PREISGERICHTSSITZUNG - D&K drost consult

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PROTOKOLL ZUR PREISGERICHTSSITZUNG - D&K drost consult

PROTOKOLL ZUR

PREISGERICHTSSITZUNG

am 10. Oktober 2006

Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb

QUARTIERSENTWICKLUNG NEUSTADT

in Hamburg-Mitte

ausgelobt durch die

Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung mbH

und die

Deutsche Immobilien AG

im Einvernehmen mit der

Freien und Hansestadt Hamburg

letztere vertreten durch

die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt – Amt für Landesplanung

das Bezirksamt Hamburg-Mitte – Baudezernat


Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb Quartiersentwicklung Neustadt in Hamburg-Mitte

Das Preisgericht tritt um 12.00 Uhr in den Räumen am Rödingsmarkt 16 in Hamburg zusammen.

Herr Peter Jorzick, Geschäftsführer der Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung mbH, heißt

die Anwesenden im Namen der Ausloberinnen willkommen und betont den Wunsch nach einem tragfähigen

Ergebnis des Wettbewerbs. Ziel ist es gemeinsam mit der Freien und Hansestadt Hamburg und den

unmittelbaren Nachbarn einen Konsens an dieser städtebaulich prägnanten Stelle in Hamburg zu finden.

Frau Linda Strüngmann, BSU, Amt für Landesplanung und Herr Bodo Hafke, Baudezernent des Bezirksamtes

Hamburg-Mitte, begrüßen es sehr, dass gerade an diesem auch stadthistorisch wichtigen

Standort eine Aufwertung der Neustadt und eine Verbesserung der Stadtstruktur erfolgt. Ferner zeigen sie

sich erfreut darüber, dass in der Entwicklung des neuen Quartiers ein hoher Anteil an Wohnnutzung vorgesehen

wird. Als besondere Herausforderung wird die verträgliche Integration der großen Baumasse

unter Berücksichtigung der Bestandsgebäude, vor allem der Carl-Toepfer-Stiftung, in die städtebauliche

Situation gesehen.

Herr Uwe Drost vom wettbewerbsbetreuenden Büro D&K drost consult stellt die Anwesenheit des Preisgerichtes

namentlich fest. Es sind erschienen:

Fachpreisrichter

Prof. Jörn Walter Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), Oberbaudirektor

(zeitweise)

Bodo Hafke Bezirksamt Hamburg-Mitte, Baudezernent

Prof. Carl Fingerhuth Freischaffender Architekt, Zürich

Flemming Frost Freischaffender Architekt, Kopenhagen

Martin Schenk Freischaffender Architekt, Hamburg

Stellvertretende Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter

Linda Strüngmann BSU, Amt für Landesplanung

Ingrid Spengler Freischaffende Architektin, Hamburg

Niels-Christian Otzen Freischaffender Architekt, Hamburg

entschuldigt fehlt:

Michael Mathe Bezirksamt Hamburg-Mitte, Stadtplanungsabteilung

Sachpreisrichter

Peter Jorzick Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung mbH

Peter M. Feldmann Deutsche Immobilien AG

Heinz Raube Mitglied des Stadtplanungsausschusses, Bezirk Hamburg-Mitte (CDU)

Hubert Piske Mitglied des Stadtplanungsausschusses, Bezirk Hamburg-Mitte (SPD)

Stellvertretende Sachpreisrichterrinnen und Sachpreisrichter

Christoph Kleiner Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung mbH

Florian Sauer Deutsche Immobilien AG

Claudia Faasch Mitglied des Stadtplanungsausschusses, Bezirk Hamburg-Mitte (CDU)

Jutta Kodrzynski Mitglied des Stadtplanungsausschusses, Bezirk Hamburg-Mitte (GAL)

Protokoll zur Preisgerichtssitzung am 10.10.2006 D&K drost consult 2


Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb Quartiersentwicklung Neustadt in Hamburg-Mitte

Beraterinnen und Berater

Birte Toepfer Stellv. Vorstandsvorsitzende der Carl-Toepfer-Stiftung

Eckhard Groth Deutscher Ring, Abteilungsleiter Grundbesitz

Karl-Dieter Broks HASPA Immobilien GmbH & Co. KG, Geschäftsführer

Sachverständige

Jan Markmann Hamburg Team Gesellschaft für Bau- und Projektsteuerung mbH

Wiebke Bonke Deutsche Immobilien AG

Andrea Krupski von Mansberg BSU, Amt für Landesplanung

Karsten Lübkert BSU, Amt für Verkehr und Straßenwesen

Susanne Winsch Bezirksamt Hamburg-Mitte, Stadtplanungsabteilung

Gunda Wüpper Bezirksamt Hamburg-Mitte, Bauprüfabteilung

Frank Pieter Hesse Kulturbehörde, Amt für Denkmalschutz

Gabriele Bohnsack-Häfner Kulturbehörde, Amt für Denkmalschutz

Bianka Sievers Amt für Landesplanung, Abteilung Landschaftsplanung

entschuldigt fehlt:

Roswitha Koch Bezirksamt Hamburg-Mitte, Bauprüfabteilung

Wettbewerbskoordination/Organisation

Uwe Drost D&K drost consult, Hamburg

Birthe Ohmsen D&K drost consult, Hamburg

Herr Uwe Drost bestätigt die Vollzähligkeit des Preisgerichts und leitet die Wahl der Vorsitzenden/des

Vorsitzenden ein.

Aus dem Kreis der Fachpreisrichterinnen und Fachpreisrichter wird Prof. Carl Fingerhuth für den Vorsitz

der Preisgerichtssitzung vorgeschlagen und einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Er nimmt die Wahl an.

Die Protokollführung übernimmt Frau Birthe Ohmsen.

Alle zu der Sitzung des Preisgerichts zugelassenen Personen geben die Versicherung zur vertraulichen

Behandlung der Beratungen. Sie erklären weiter, dass sie bis zum Tage des Preisgerichts weder Kenntnis

von einzelnen Wettbewerbsarbeiten erhalten noch mit Wettbewerbsteilnehmerinnen oder -teilnehmern

einen Meinungsaustausch über die Aufgabe hatten.

Der Vorsitzende fordert die Anwesenden auf, bis zur Entscheidung des Preisgerichts alle Äußerungen

über vermutliche Verfasser zu unterlassen. Er versichert der Ausloberin, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern

sowie der Öffentlichkeit die größtmögliche Sorgfalt und Objektivität des Preisgerichts nach den

Grundsätzen der „GRW 1995 – Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe auf den Gebieten der Raumplanung,

des Städtebaus und des Bauwesens“.

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Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb Quartiersentwicklung Neustadt in Hamburg-Mitte

ERGEBNISSE DER VORPRÜFUNG

Die Ergebnisse der Vorprüfung sind in einem Vorprüfbericht zusammengefasst, der Aufschluss über die

formalen Kriterien gibt und einen vergleichbaren Überblick über alle Arbeiten gewährleistet. Für jede Arbeit

werden auf jeweils sechs DIN A4 Seiten die stichwortartigen Vorprüfungsergebnisse der Sachverständigen

sowie die faktischen Überprüfungen und Ausschnitte der Planzeichnungen dargestellt. Die Vorprüfung

erfolgte anhand der in der Auslobung formulierten Kriterien.

Alle zwölf eingeladenen Architekturbüros haben ihre Arbeiten fristgerecht eingeliefert. Zur Wahrung der

Anonymität wurden die Kennziffern der Arbeiten mit willkürlich gewählten Tarnzahlen von 1330 bis 1341

überklebt. Eine Sammelliste mit Kennziffern, Tarnzahlen und Eingangsdaten wird zusammen mit den Verfassererklärungen

aufbewahrt.

Der geforderte Wettbewerbsbeitrag wurde im Wesentlichen bei allen Arbeiten erbracht.

Die Verfasserinnen/die Verfasser der Arbeit 1340 haben abweichend zu den Anforderungen der Auslobung

sechs Präsentationspläne abgegeben. Ein Ausschluss der Arbeit wird nicht empfohlen, da Art und

Umfang der Inhalte von den anderen Arbeiten nicht abweichen. Es besteht demnach aus formalen Gesichtspunkten

kein Anlass für die Vorprüfung, den Ausschluss einer Wettbewerbsarbeit von der Preisgerichtsentscheidung

zu empfehlen.

BEWERTUNG DER ARBEITEN

Um 12.15 Uhr beginnt der Informationsrundgang, in dem die Vorprüfung die städtebaulichen, architektonischen,

freiraumplanerischen und funktionalen Grundzüge der Arbeiten ausführlich und wertfrei vorstellt.

Insbesondere wird auf die von den jeweiligen Verfassern hervorgehobenen Aspekte der Arbeiten

eingegangen. Während dieser Vorstellung werden vom Gremium Rückfragen zum Verständnis der Entwurfsidee

und detaillierte Fragen in Bezug auf die Darstellung erörtert.

Nach dem Informationsrundgang beginnt das Preisgericht seine Beratung mit der Besprechung der Wettbewerbsaufgabe

und des Bewertungsverfahrens. Die in der Auslobung festgelegten Beurteilungskriterien

bzw. die Bedeutung der Aufgabe werden diskutiert. Insbesondere die städtebauliche Situation an der

Ludwig-Erhard-Straße, die Höhenentwicklung der Gebäude sowie die Einbindung der Bestandsgebäude

werden erörtert. Es schließt eine Mittagspause an.

Um 14.00 Uhr beginnt der erste Wertungsrundgang mit einer kritischen Beurteilung der Arbeiten und der

Feststellung von grundsätzlichen und schwerwiegenden Mängeln. Dabei wird zunächst jeder der Wettbewerbsbeiträge

von einem Fachpreisrichter vorgestellt und dann im Kreise des Preisgerichts unter Feststellung

von Vorzügen, gelungenen Planungsansätzen und schwerwiegenden Mängeln kurz diskutiert.

Folgende Entwürfe werden aufgrund von Defiziten auf konzeptioneller Ebene in einzelnen Prüfbereichen

einstimmig ausgeschlossen:

Tarnzahl für den Ausschluss gegen den Ausschluss

1334 9 0

1335 9 0

1336 9 0

1340 9 0

Der erste Rundgang ist um 15.30 Uhr beendet.

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Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb Quartiersentwicklung Neustadt in Hamburg-Mitte

Beurteilung der ausgeschiedenen Arbeiten:

Arbeit 1334

Das Preisgerichte empfindet die mäanderartige Blockbebauung unmaßstäblich und die freie Baukörperausformung

als willkürlich. Trotz der regelmäßigen Öffnungen der Höfe zur südlich gelegenen Strasse

Neuer Steinweg entstehen keine stadträumlichen Freiräume mit angemessenen Aufenthaltsqualitäten. Die

Erschließung und Belichtungssituation werden als mangelhaft angesehen. Das Erscheinungsbild als

Quartiersensemble „ wie aus einem Guss“ wird zu Lasten der Flexibilität aller Funktionsbereiche gelöst.

Die Fassaden und Dachformen können nicht überzeugen.

Arbeit 1335

Der Entwurf löst die Entwurfaufgabe mit einer neuen, nicht-städtischen Typologie. Es werden Gebäuderiegel

(Wohnnutzung) im rechten Winkel zum Neuen Steinweg platziert. Zwischen den Riegeln wechseln

Grünräume und öffentliche Durchgänge ab. Am Neuen Steinweg erhalten die Gebäude öffentliche Nutzungen.

Zwei der Riegel erheben sich am neuen Steinweg zu 20-geschossigen Wohntürmen. Das Bürogebäude

Hütten/Neuer Steinweg wird als Verbindung zur vorhandenen Bebauungsstruktur genutzt. Die

Jury erachtet die vorgeschlagene Typologie als mit dem Umfeld unvereinbar und bemängelt eine fehlende

Anpassung der Struktur an den Bestand. Das Hotel wurde so platziert, dass es die Straße Hütten zur

Ludwig-Erhard-Straße mit einem niedrigen Gebäude abgrenzt auf dem zwei 20-geschossige Türme stehen.

Die Jury ist der Auffassung, dass sich auch das Hotel nicht ausreichend in die vorhandene Struktur

einpasst.

Arbeit 1336

Ein überraschender Entwurfsansatz löst den Blockrand der Strasse Neuer Steinweg auf, bezieht den

Straßenraum optisch in die Komposition aus 5 neuen Bauörpern ein und entwickelt einen großzügigen

Blockinnenraum, der allerdings durch die Konzentration eines großen Teils der Baumasse in 2 Hochhäusern

mit 20 bzw. 22 Geschossen ermöglicht wird. Während der schlankere Hotelturm im westlichen Bereich

des Grundstücks stadträumlich noch vertretbar erscheint, werden die Höhe und Massivität des östlichen

der beiden Hochhäuser neben der angrenzenden kleinteilig-historischen Bebauung als städtebaulich

höchst problematisch erachtet. Dies ist bei allen Qualitäten in Grundriss- und Fassadentypologie und der

reizvollen Freiräume der eigentliche Nachteil der ansonsten sehr interessanten Arbeit.

Arbeit 1340

Die städtebauliche Figur formuliert 3 Bausteine, die einen sehr groben Maßstab aufweisen. Sowohl das

Hotelhochhaus im Westen an der Ludwig-Erhard-Strasse erscheint mit seinen 21 Geschossen in der vorgestellten

Kubatur überdimensioniert, als auch die massiven Blockränder, die die beiden mittelhohen

Bausteine bilden. Milieu und Kleinteiligkeit des Bestandes wurden bei der Planung des Neuen ebenfalls

wenig respektiert.

Im zweiten Wertungsrundgang ab 15.30 Uhr werden die Arbeiten erneut kritisch beurteilt. In diesem

Rundgang wird in erster Linie die Lösung der städtebaulichen Situation an der Ludwig-Erhard-Straße mit

der Hotelnutzung auf Qualität und Verträglichkeit mit dem Umfeld bewertet. Dabei wird zunächst jeder der

verbliebenen Wettbewerbsbeiträge hinsichtlich des konkreten Lösungsvorschlages von einem Fachpreisrichter

vorgestellt und dann im Kreise des Preisgerichts unter Feststellung von Vorzügen, gelungenen

Planungsansätzen und Defiziten auf konzeptioneller Ebene diskutiert. In einem weiteren Wertungsrundgang

können anschließend Arbeiten, die in der Bearbeitung des rückwärtigen Quartiers (Boardinghouse,

Büro, Wohnen) überzeugen, zurückgeholt werden.

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Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb Quartiersentwicklung Neustadt in Hamburg-Mitte

Folgende Entwürfe werden aufgrund von Defiziten auf konzeptioneller Ebene in den vorgenannten Kriterien

ausgeschlossen:

Tarnzahl für den Ausschluss gegen den Ausschluss

1330 7 2

1332 9 0

1333 7 2

1337 9 0

1338 7 2

1341 9 0

Der zweite Wertungsrundgang ist um 17.00 Uhr beendet. Eine kurze Pause schließt an.

Beurteilung der ausgeschiedenen Arbeiten:

Arbeit 1330

Die Arbeit nimmt mit einem klaren, städtebaulichen Konzept die bestehenden baulichen Strukturen der

umgebenden Bebauung auf. Begrüßt wird die sensible Anbindung und Verbindung mit den im Block-

Inneren liegenden Gebäuden der Töpfer-Stiftung. Hier entstehen reizvolle und wechselhafte Wohnhöfe

mit Aufenthaltsqualitäten in dem verdichteten Quartier der Hamburger-Neustadt. Die Belichtungssituation

ist hier jedoch noch zu überprüfen. Die fußläufige Wegeverbindung von der Neanderstrasse zur Strasse

Hütten wird ebenso wie die Freiräume in Nord-Süd Richtung als belebendes Element für die gesamte

Nachbarschaft verstanden. Die verschiedenen Funktionen Boardinghouse, Büro und Wohnen sind stimmig

angeordnet und fügen sich in ihrer Geschossigkeit gut ein. Die Gebäudestellung und Höhenentwicklung

des Hotel-Solitärs wird durch das Preisgericht kritisch betrachtet, und wirkt an dieser Stelle unter

Berücksichtung des bestehenden Städtebau „Ost-West-Strasse“ und der Nähe zum historischen Stadttor

als deutlich zu hoch, und in seinen räumlicher Ausrichtung bezugslos. Die Fassaden und Perspektiven der

Wohngebäude können überzeugen und nehmen die mögliche Atmosphäre innerhalb der Wohnhöfe vorweg.

Die Fassade des Hotelbaus wirkt in ihrer grafischen Oberfläche zufällig und austauschbar. Positiv

wird die Ausarbeitung der Wohngrundriss-Typologien durch das Preisgericht aufgenommen. Insgesamt

wird die Arbeit als positiver Beitrag im Wettbewerb beurteilt.

Arbeit 1332

Die Arbeit beeindruckt durch ihre klare Haltung, indem die Blockkante durch einen einzigen konsequent

linearen Baukörper entlang des Neuen Steinwegs gefasst wird. Das in diese Struktur integrierte Hotel am

westlichen Ende ist durch eine vorgestellte, in die Straßenflucht der Ludwig-Erhard-Strasse ragende Gebäudescheibe

charakterisiert. Die Dominanz dieser Scheibe im Straßenraum und die übergroße Nähe zu

den stadträumlich bedeutsamen "Wimmel"-Häusern wird jedoch als kritisch erachtet. Der im Blockinnern

gewählte Maßstab und die geringe Ausnutzung respektiert die Kleinteiligkeit der historischen Substanz,

wird aber, um die gewünschten Flächen zu realisieren, durch eine große Gebäudetiefe des Riegels erkauft.

Insgesamt wird -bei aller Kritik- die Konsequenz des Entwurfes, der ohne dramatische Hochpunkte

auskommt und dennoch eine eindrucksvolle und eigenständige städtebauliche Figur zeigt, durch die Jury

gewürdigt.

Arbeit 1333

Die Entwurfsverfasser schlagen eine, die Grundstücksgrenze nachzeichnende, Blockrandbebauung vor.

Die entstehende Blockinnenfläche wird von Bebauung weitgehend freigehalten. Der städtebaulich in sich

konsequente Entwurf setzt in lockerer Abfolge Höhenakzente. Der entstehende Baublock dominiert das

Quartier mit einer neuen Maßstäblichkeit und lässt bauliche und räumliche Bezüge zur nördlich angrenzenden

Bebauung vermissen. Die vorgeschlagene Lärmschutzmaßnahme im Bereich der Straße Hütten

ist nicht nachvollziehbar.

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Städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb Quartiersentwicklung Neustadt in Hamburg-Mitte

Arbeit 1337

Der Entwurf ergänzt die vorhandene Blockstruktur mit zwei gegeneinander gestellten U-förmigen Strukturen,

an deren Schnittstellen eine Durchwegung des Quartiers vorgesehen wird. Die vier geplanten Punkthäuser

scheinen in der gewählten Dimensionierung für den vorhandenen Blockinnenbereich zu groß und

zum Teil hinsichtlich ihrer Belichtung problematisch. Das auf den Zeughausmarkt ausgerichtete Hotel

bildet mit dem Gebäude der KPMG auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Ludwig-Erhard-Straße

nach dem Millerntor ein zweites Stadttor. Dies führt zur Verunklarung des historischen Stadtgrundrisses.

Durch die zur Straße Hütten ausgerichtete Hotelanlieferung wird der zur bestehenden Bebauung orientierte

öffentliche Raum in seiner Qualität beeinträchtigt.

Arbeit 1338

Das konsequente Schließen des Blockrandes wird durch das Preisgericht als möglicher Lösungsansatz

anerkannt. Die entstehenden Qualitäten der Wohnbebauung im Blockinneren mit der vorgeschlagenen

Gebäudestellung werden positiv bewertet. Die in Teilen direkte Fortführung des Altbaubestandes „Töpferstiftung“

erzeugt hingegen keinen Mehrwert und wirkt zu kleinteilig. Die Gebäudeabwicklung des Riegels

an der Strasse Neuer Steinweg ermöglicht eine wirtschaftliche Umsetzung, auf Kosten einer undifferenzierten

Funktions- und Fassadenabwicklung. Die ruhige Fassade des Hotels wird von Teilen des Preisgerichtes

positiv bewertet, die Geschossigkeit ist aber im städtebaulichen Kontext deutlich zu hoch. Als interessanten

Beitrag ist der Vorschlag der Arkaden zu sehen. Die Glaswand als Lärmschutz zur Strasse

Hütten ist in dieser innerstädtischen Lage kein echte Alternative zu einer hochbaulichen Lösung.

Arbeit 1341

Der Entwurf sieht eine Schließung des Blockrandes vor, wobei eine Durchwegung des Quartiers durch

Öffnungen zur Straße Hütten und zum Neuen Steinweg gewährleistet ist. Das Aufgreifen des Hofgedankens

in Anlehnung an die vorhandene historische Baustruktur wird vom Preisgericht positiv bewertet, wobei

die beiden am Neuen Steinweg gelegenen kleinen Wohnhöfe hinsichtlich ihrer Belichtung problematisch

erscheinen. Die aufgezeigten Grundrissvarianten sind von hoher Qualität. Der Hochpunkt an der

Ludwig-Erhard-Straße wird in der vorgeschlagenen Dimension als grundsätzlich nicht denkbar erachtet.

Somit verbleiben die Arbeiten 1331 und 1339 in der engeren Wahl und werden in einem dritten Wertungsrundgang

ab 17.15 Uhr ausführlich von den Preisrichterinnen und Preisrichtern diskutiert.

Folgender Entwurf wird nachfolgend ausgeschlossen:

Tarnzahl für den Ausschluss gegen den Ausschluss

1331 7 2

Beurteilung der ausgeschiedenen Arbeit:

Arbeit 1331

Der Entwurf schließt die städtische Blockstruktur und bildet einen dem Neuen Steinweg zugewandten,

keilförmigen Raum. Das Erdgeschoss ist mit Öffnungen versehen, die Durchgänge und Zufahrten zu den

Stellplatzanlagen ermöglichen. Im Innenhof werden den Raum gliedernde Riegel platziert und so eine

dichte Bebauung mit engen Straßen geschaffen, die sich zum Teil an die vorhandenen Gebäude anpasst.

Die Wohntürme dominieren mit ihrem Volumen und einer Höhe von bis zu elf Geschossen. Die Jury ist

wegen der einseitig belichteten Wohnungen und aufgrund der Schattenbildung der hohen Bebauung nicht

von der Qualität der Wohngebäude in den Innenhöfen überzeugt. Das 10-geschossige Hotelgebäude

begrenzt die Straße Hütten zur Ludwig-Erhard-Straße. Das Volumen scheint die umliegenden Gebiete wie

auch benachbarte Gebäude maßgeblich zu beeinflussen. Die Jury ist von der Art der Begrenzung der

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Straße Hütten nicht überzeugt, würdigt aber dennoch den Versuch den Entwurf mit der vorhandenen Bebauung

zu verflechten.

Somit verbleibt die Arbeit 1339 in der Bewertung. Die Jury beschließt einstimmig diesen Entwurf als

Grundlage für eine weitere Bearbeitung zu empfehlen.

Beurteilung der verbliebenen Arbeit:

Arbeit 1339

Der Entwurf schlägt drei typologische Strategien vor. Im Osten wird die vorhandene Blockstruktur mit

Wohnnutzung geschlossen. Diese wird vom Rest des Gesamtensembles durch eine öffentliche Passage

freigestellt, die im Zentrum des Geländes einen öffentlichen Platz schafft. Dieser fungiert als Entree für die

Wohnungen im Blockinnern des Gebietes. Die Wohnnutzung bildet gleichzeitig eine klare Grenze zu den

vorhandenen Gebäuden im Norden. Das Boardinghouse und die Büronutzung werden zusammengefasst

und als Begrenzung des Blocks mit Bezug zum öffentlichen Innenhof platziert. Das Hotel passt sich in den

Bestand ein, einerseits durch die aufgenommene vorhandene Blockstruktur westlich der Straße Hütten

und andererseits durch ein Objekt welches von der zweigeschossigen Lobby freigestellt wird. Die Jury

würdigt die Art wie der Baukörper des Hotels das Vorhandene und das Neue in Beziehung setzt, und somit

einen Dialog mit dem Umfeld bewirkt. Die Jury begrüßt den Umgang mit der Fassade des Hotels und

deren Einbindung in die Bestandsfassaden an der Ludwig-Erhard-Straße. Die Funktionalität und Wirtschaftlichkeit

des Hotels muss jedoch nachfolgend in der weiteren Bearbeitung noch optimiert werden.

Insgesamt wird die besondere städtebauliche Qualität dieser Arbeit von der Jury hervorgehoben. Die Jury

erachtet die Struktur und Kubatur des Entwurfes als logisch und dem vorhandenen Stadtquartier angepasst.

Die Jury lobt die hohe Wohnqualität des Entwurfes.

Nachfolgend soll in einem vierten Arbeitsgang mindestens ein weiteres Architekturbüro empfohlen werden,

das zur weiteren Bearbeitung der Aufgabe hinzugezogen werden kann. Dabei werden insbesondere

Arbeiten zur Diskussion gestellt, die in der Bearbeitung des rückwärtigen Quartiers überzeugen. Aus dem

Preisgericht werden folgende Arbeiten zur Rückholung vorgeschlagen und zur Abstimmung gebracht:

Tarnzahl gegen die Rückholung für die Rückholung

1330 1 8

1332 9 0

1333 8 1

1336 8 1

1337 9 0

1341 9 0

Beurteilung der zurückgeholten Arbeit:

Arbeit 1330

Beurteilung siehe Seite 6

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EMPFEHLUNG DES PREISGERICHTS

Das Preisgericht spricht einstimmig folgende Empfehlung aus:

Die Verfasser der mit dem 1. Rang ausgezeichneten Arbeit 1339 sollen mit der weiteren Bearbeitung des

städtebaulichen Entwurfes beauftragt und an der folgenden Hochbauplanung beteiligt werden.

Insbesondere soll dabei das städtebauliche Konzept mit der Definition der Außenräume überarbeitet werden.

Ferner muss in der weiteren Ausarbeitung der Nachweis erbracht werden, dass für das Hotel eine

betrieblich, ökonomisch und stadträumlich befriedigende Lösung gefunden werden kann. Detaillierte Vorgaben

werden den Verfassern in einem Kolloquium mitgeteilt.

Weiterhin empfiehlt das Preisgericht, dass auch die Verfasser der Arbeit 1330 möglicherweise im weiteren

Planungsprozess des für die Umsetzung empfohlenen Entwurfes für Teilbereiche berücksichtigt werden.

Nach Öffnung der Umschläge durch die Vorprüfung werden um 17.50 Uhr die Namen der Verfasserinnen

und Verfasser festgestellt.

Folgendes Architekturbüro wird mit dem 1. Rang ausgezeichnet:

1. Rang 1339 Bieling Architekten GmbH, Kassel

Folgendes Architekturbüro wird empfohlen, um es auch möglicherweise im weiteren Planungsprozess zu

berücksichtigen:

1330 Architekturbüro Reimer und Partner, Hamburg

Folgende Architekturbüros werden nicht ausgezeichnet:

1331 SML Architekten, Hamburg

1332 Wacker Zeiger Architekten, Hamburg

1333 Stephan Schmid, Hamburg

1334 Hild & K Architekten BDA, München

1335 BKK-3 Architektur ZT-GmbH, Wien

1336 Bolles + Wilson GmbH & Co. KG, Münster

1337 Bernd Leusmann, Hamburg

1338 Helmut Riemann Architekt BDA, Lübeck

1340 Collignon Fischötter

Gesellschaft von Architekten und Ingenieuren mbH, Berlin

1341 Mecanoo Architekten, Delft

Protokoll zur Preisgerichtssitzung am 10.10.2006 D&K drost consult 9


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Der Vorsitzende entlastet die Vorprüfung. Die Sitzung wird um 18.00 Uhr geschlossen.

Das Protokoll ist mit dem Vorsitzenden des Preisgerichtes abgestimmt.

10. Oktober 2006

D&K drost consult, Hamburg

Anlage: Unterschriften des Preisgerichts und Übersicht der eingereichten Arbeiten

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