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Erfahrungen bei der Deichverteidigung in Eschenlohe während der ...

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<strong>Erfahrungen</strong> <strong>bei</strong> <strong>der</strong> <strong>Deichverteidigung</strong> <strong>in</strong><br />

<strong>Eschenlohe</strong> <strong>während</strong> <strong>der</strong><br />

Hochwasser 1999, 2002 und 2005<br />

von Anton Kölbl, 1. Bürgermeister, 1. Feuerwehrkommandant a.D. <strong>Eschenlohe</strong><br />

Der Ort <strong>Eschenlohe</strong> wurde <strong>in</strong> den vergangenen Jahren drei mal von e<strong>in</strong>em<br />

schweren Hochwasser getroffen.<br />

Der folgende Beitrag behandelt die dadurch gewonnenen Erkenntnisse und<br />

<strong>Erfahrungen</strong>, aus <strong>der</strong> Sicht <strong>der</strong> örtlichen Feuerwehr. Nach e<strong>in</strong>em langen Zeitraum<br />

ohne Hochwasser wurden die E<strong>in</strong>satzkräfte plötzlich wie<strong>der</strong> mit dieser Materie<br />

konfrontiert. Man verbesserte sich da<strong>bei</strong> von Hochwasser zu Hochwasser.<br />

Da<strong>bei</strong> gewann man die e<strong>in</strong>deutige Erkenntnis, dass bauliche Schutzmassnahmen,<br />

auch nicht durch e<strong>in</strong>en noch so gut vorbereiteten Katastrophene<strong>in</strong>satz, ersetzt<br />

werden können. Nur mit entsprechenden Schutzbauten wird es möglich se<strong>in</strong>,<br />

den Ort vor weiteren Überschwemmungen wirksam zu schützen.<br />

1. Ausgangssituation<br />

Der Ort <strong>Eschenlohe</strong> hat ca. 1600 E<strong>in</strong>wohner und liegt <strong>bei</strong>dseits an den Ufern <strong>der</strong><br />

Loisach, verbunden durch e<strong>in</strong>e 100 Jahre alte Betonbrücke mit Mittelpfeiler.<br />

Die Bebauung reichte schon vor Erstellung dieser Brücke, bis unmittelbar an den<br />

Flussbereich.<br />

Das Tal verengt sich <strong>in</strong> <strong>Eschenlohe</strong>. So muss sich die Loisach im Hochwasserfall<br />

durch e<strong>in</strong>e Breite von ca. 100 m h<strong>in</strong>durchzwängen.<br />

Die vorhandenen Flussdeiche s<strong>in</strong>d nicht sehr hoch, und fassen dadurch weit weniger<br />

Wasser als unter <strong>der</strong> alten Brücke Platz hätte.<br />

Aufgrund <strong>der</strong> damaligen technischen Möglichkeiten, ist <strong>der</strong> bestehende, relativ<br />

niedrige Ste<strong>in</strong>verbau aus ziemlich kle<strong>in</strong>en Ste<strong>in</strong>en gefertigt. Die Längsicherungen<br />

bestehen aus unter Wasser befestigten Baumstämmen.<br />

Die für die E<strong>in</strong>satzkräfte im Notfall zu verbauende Stecke beträgt <strong>bei</strong> e<strong>in</strong>em normalen<br />

Hochwasser etwa 1,4 km , wo<strong>bei</strong> davon 800 m nicht befahrbar s<strong>in</strong>d.<br />

Die letzten Hochwasser, <strong>bei</strong> denen Häuser überflutet wurden, waren 1977, und <strong>in</strong><br />

kle<strong>in</strong>erem Masse 1981.


Die Abflussleistung liegt bordvoll <strong>bei</strong> ca. 200 m3/Sek. Dies entspricht e<strong>in</strong>em Pegel<br />

von 280 bis 300 cm.<br />

Das nach 2005 neu erreichte HQ 100 liegt <strong>bei</strong> 320 m3/Sek. Dies entspricht e<strong>in</strong>em<br />

Pegel von 420 cm.<br />

Aufgrund dieser Wassermenge ergab sich vergleichsweise 2005 e<strong>in</strong> Wasserstand,<br />

<strong>der</strong> bis zu 140 cm über <strong>der</strong> Dammkrone lag.<br />

Überflutung <strong>der</strong> provisorischen Verbauung 2005<br />

2. Hochwasser 1999<br />

Das letzte richtige Hochwasser lag über 20 Jahre zurück. Das Thema Hochwasser<br />

war <strong>in</strong> den Köpfen nicht mehr präsent. Es wurde durch die mittlerweile häufigen<br />

Diskussionen um die Klimaerwärmung regelrecht weggeredet. Man glaubte, wenn es<br />

wärmer wird, gibt es weniger Nie<strong>der</strong>schlag, und somit auch ke<strong>in</strong>e Hochwasser mehr.<br />

Die Vorbereitung auf e<strong>in</strong> <strong>der</strong>artiges Naturereignis war dadurch <strong>bei</strong> den Bewohnern<br />

als auch <strong>bei</strong> den E<strong>in</strong>satzkräften, sowie den zuständigen Amtsstellen, nicht sehr<br />

ausgeprägt. Erschwerend kam h<strong>in</strong>zu, dass es sich um den Freitag vor dem<br />

Pf<strong>in</strong>gstwochenende handelte, und somit viele Entscheidungsträger nicht sofort<br />

verfügbar, bzw. <strong>in</strong> <strong>der</strong> Kürze <strong>der</strong> Zeit <strong>in</strong> den Ämtern auch ke<strong>in</strong>e Ersatzleute, greifbar<br />

waren.


So kamen auch die Meldungen des, zu diesem Zeitpunkt bereits existierenden,<br />

Hochwassernachrichtendienstes, nicht rechtzeitig, o<strong>der</strong> nur zögerlich, <strong>bei</strong> den<br />

E<strong>in</strong>satzkräften an. E<strong>in</strong>e Verbreitung via Internet war damals aufgrund <strong>der</strong> ger<strong>in</strong>gen<br />

Verbreitung von Internetzugängen noch nicht möglich.<br />

Dadurch erreichte uns auch ke<strong>in</strong>e Entwicklung des Pegels im Oberlauf <strong>der</strong> Loisach.<br />

Mit Zuspitzung <strong>der</strong> Lage wurde das Telefonnetz überlastet, und e<strong>in</strong>en<br />

Mobilfunkempfang gab es zu diesem Zeitpunkt <strong>in</strong> <strong>Eschenlohe</strong> noch nicht.<br />

Ebenso war auch <strong>der</strong> überörtliche Funk <strong>der</strong> Feuerwehr überlastet. Der Ortsfunk, wie<br />

wir ihn heute kennen, war damals <strong>in</strong> kle<strong>in</strong>eren Feuerwehren noch nicht im nötigen<br />

Masse verbreitet.<br />

Es wurde örtlich um 19.30 alarmiert. Überörtlich aufgrund <strong>der</strong> Unkenntnis <strong>der</strong><br />

Gesamtlage erst um 22.00 Uhr. Kurz darauf g<strong>in</strong>gen sämtliche Zufahrtsstraßen unter,<br />

und die Verstärkungskräfte mussten riesige Umwege fahren.<br />

Vergleichsweise würde heute <strong>bei</strong> gleicher Lageentwicklung spätestens um 17.00 Uhr<br />

Großalarm ausgelöst werden. (6 Std. früher).<br />

Das Wasser kam dann auch noch wesentlich höher, als alles bis dah<strong>in</strong> Erlebte.<br />

Die Schutzdeiche wurden überflutet, und was sich bis dah<strong>in</strong> ke<strong>in</strong>er so recht vorstellen<br />

konnte: Es folgte relativ schnell <strong>in</strong> weiten Teilen Dammbruch. Auch Tiere konnten<br />

aus ihren Ställen nicht mehr rechtzeitig evakuiert werden.<br />

Glücklicherweise entstanden <strong>bei</strong> aller Problematik nur Sachschäden.<br />

3. Was verän<strong>der</strong>te sich nach dem Hochwasser 1999<br />

E<strong>in</strong>e Verbesserung <strong>der</strong> Schutzbauwerke wurde lei<strong>der</strong> nicht durchgeführt.<br />

Unklarheiten, viele E<strong>in</strong>zel<strong>in</strong>teressen, E<strong>in</strong>igung mit Grundeigentümern, sowie<br />

technische und optische Probleme machten e<strong>in</strong>en erfor<strong>der</strong>lichen Ausbau <strong>der</strong><br />

Schutzanlagen, zu diesem Zeitpunkt für das Wasserwirtschaftsamt nicht möglich.<br />

Bei Feuerwehr und Katastrophenschutz wurde die Situation nachbereitet, und<br />

bezüglich Notfallverbauung viele Verbesserungen gemacht.<br />

4. Hochwasser 2002<br />

Dieses Hochwasser traf uns nicht mehr so unerwartet wie 1999.<br />

Das Landratsamt war kompetent besetzt und je<strong>der</strong>zeit ansprechbar.


Wir wussten über die Pegelentwicklung im Oberlauf Bescheid, und konnten<br />

rechtzeitig und früh genug, <strong>in</strong> großem Umfang überörtliche Hilfe anfor<strong>der</strong>n.<br />

Es waren im Vorfeld schon Checklisten, was ist wann zu tun, ausgear<strong>bei</strong>tet worden.<br />

Der Ortsfunk wurde auf das entsprechende Mass erweitert, und <strong>in</strong> <strong>der</strong> örtl.<br />

Feuerwehr gab es jetzt e<strong>in</strong>e Funkzentrale mit Telefon, Fax und Internetzugang.<br />

Auch e<strong>in</strong> Mobilfunkmast war zwischenzeitlich <strong>in</strong> <strong>Eschenlohe</strong> <strong>in</strong> Betrieb gegangen.<br />

Durch diese Verbesserungen konnte e<strong>in</strong>e <strong>Deichverteidigung</strong> wesentlich effektiver<br />

durchgeführt werden als 1999. Der Wasserstand von 1999 wurde glücklicherweise<br />

nicht erreicht, aber <strong>in</strong> großen Bereichen stand das Wasser bis zu 30 cm über <strong>der</strong><br />

Dammkrone.<br />

Dies konnte mit großem technischem und personellem Aufwand gehalten werden.<br />

Austretendes Qualmwasser wurde <strong>in</strong> den Fluss zurückgepumpt.<br />

Es gelang dadurch e<strong>in</strong>e Ableitung dieses Hochwassers <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em eigentlichen<br />

Flusslauf, wo<strong>bei</strong> nur ger<strong>in</strong>gste Sach- und Umweltschäden zu verzeichnen waren.<br />

5. Beim Hochwasser 2002 neu erkannte Problemstellen<br />

Hauptvoraussetzung für e<strong>in</strong>e erfolgreiche <strong>Deichverteidigung</strong> ist die Befahrbarkeit <strong>der</strong><br />

Dammbereiche.<br />

Die Wiesenbereiche hatten durch Qualmwasser stark an Festigkeit verloren. Wir s<strong>in</strong>d<br />

trotz zwei vorgespannten Traktoren mit den Sandsackfuhrwerken stecken geblieben.<br />

Es entstand e<strong>in</strong> unglaublich hohes Verkehrsaufkommen durch Verbaufahrzeuge.<br />

Teilweise wurde daher kurzerhand e<strong>in</strong>e E<strong>in</strong>bahnregelung aufgebaut. Kontrolle <strong>der</strong><br />

Verbauar<strong>bei</strong>ten und Erkundung war nur mit dem Fahrrad effektiv möglich.<br />

Die Hauptkraft wurde für das Befüllen <strong>der</strong> Sandsäcke verwendet. (ca. 50.000 Säcke).<br />

Wir stellten weiterh<strong>in</strong> fest, dass das herkömmliche E<strong>in</strong>rammen von Pfosten mit<br />

Bretterverschlag, <strong>bei</strong> so langen Verbaustrecken, sehr zeitaufwändig ist, und vor<br />

allem die Dammoberfläche sehr beschädigt.<br />

Im Falle e<strong>in</strong>es Umdrückens durch e<strong>in</strong>en höheren Wasserstand, ergäbe im Abstand<br />

von 2 m e<strong>in</strong>e große Anzahl von Löchern als Angriffspunkt für das Wasser.<br />

Regenwasserdurchlässe <strong>der</strong> Uferanlieger stellten e<strong>in</strong> nicht zu verschließendes<br />

Problem dar. Das da<strong>bei</strong> ausgetretene Wasser musste durch sehr viele Pumpstellen<br />

zurückgepumpt werden, und e<strong>in</strong>e Ausspülung des Deiches konnte da<strong>bei</strong> nicht<br />

ausgeschlossen werden.<br />

Es entstand e<strong>in</strong> gewisser Zeitverlust, da ke<strong>in</strong> örtliches Lager für Verbaumaterial zur<br />

Verfügung stand.


Die Dammzonen wurden <strong>in</strong> den meisten Bereichen bis zu 30 cm aufgebaut. An den<br />

unbefahrbaren Stellen leisteten kommunale Kle<strong>in</strong>-LKW s, die unmittelbar auf <strong>der</strong><br />

Dammkrone fahren konnten, wertvolle Dienste.<br />

Das Freibord unter <strong>der</strong> Brücke betrug trotz <strong>der</strong> künstlichen Erhöhung des<br />

Wasserstandes im Fluss, welche aus <strong>der</strong> Erhöhung <strong>der</strong> Dämme entstand, immer<br />

noch 60 cm !!<br />

6. Weitere Verbesserungsmassnahmen für e<strong>in</strong>e Notfallverbauung nach den<br />

Erkenntnissen des Hochwassers 2002<br />

Es wurden die Deiche teilweise <strong>in</strong> <strong>der</strong> Dicke verstärkt, und <strong>in</strong> den meisten Bereichen<br />

e<strong>in</strong>e Befahrbarkeit hergestellt. Geländedellen wurden da<strong>bei</strong> ausgeglichen, aber aus<br />

rechtlichen Gründen ke<strong>in</strong>e Deicherhöhung durchgeführt.<br />

Zwischenzeitlich hieß es, dass die <strong>Eschenlohe</strong> nahe liegenden Bundeswehrkasernen<br />

aufgelöst werden. Ohne die Soldaten war aber ke<strong>in</strong>e <strong>Deichverteidigung</strong> nach<br />

herkömmlichem Muster möglich.<br />

Aus diesem Grund beschaffte die Geme<strong>in</strong>de verzahnte Betonste<strong>in</strong>e für e<strong>in</strong>e<br />

Verbaulänge von 1,2 km. Der Rest war mit Sandsäcken zu bewältigen, welche durch<br />

e<strong>in</strong>e neu angeschaffte Befüllmasch<strong>in</strong>e gefüllt werden konnten.<br />

Diese Betonste<strong>in</strong>e waren mit e<strong>in</strong>er großen Anzahl von Hydraulikbaggern, <strong>in</strong> kurzer<br />

Zeit, mit relativ wenig Personale<strong>in</strong>satz, auf die Deiche zu verbr<strong>in</strong>gen. Außerdem<br />

wurde durch das H<strong>in</strong>stellen <strong>der</strong> Damm nicht mit unzähligen Löchern beschädigt.<br />

Die Volumen <strong>der</strong> Ste<strong>in</strong>e war so berechnet, dass sie e<strong>in</strong>erseits transportierbar waren,<br />

dem Wasserdruck standhalten konnten, und von <strong>der</strong> Höhe her den Freibord unter <strong>der</strong><br />

Brücke ausschöpften.<br />

Für die schnelle Greifbarkeit sonstiger Verbaumaterialien wie Sandsäcke, Paletten,<br />

Gitterboxen, Bretter, Werkzeuge, Folien usw. wurde extra e<strong>in</strong> Stadel aufgebaut.<br />

E<strong>in</strong> Alarmplan für das alarmieren <strong>der</strong> nötigen schweren Baumasch<strong>in</strong>en wurde erstellt.<br />

Ebenso, da <strong>der</strong> Empfang jetzt e<strong>in</strong>wandfrei war, e<strong>in</strong>e spezielle Mobilfunk-<br />

Telefonnummernliste für alle unter bestimmten Gegebenheiten benötigten Personen<br />

o<strong>der</strong> Gerätschaften.<br />

Wir waren nun für e<strong>in</strong>en Wasserstand gerüstet, <strong>der</strong> gerade noch unter <strong>der</strong> Brücke<br />

h<strong>in</strong>durch passen würde. Dies entspricht e<strong>in</strong>em höheren Wasserstand als <strong>bei</strong> dem<br />

Katastrophenhochwasser von 1970. Sollte das Wasser unter <strong>der</strong> Brücke nicht<br />

h<strong>in</strong>durch passen, wäre ohneh<strong>in</strong> alle Mühe umsonst, denn dann kann man es<br />

notfallmäßig nicht mehr halten.


Außerdem würde e<strong>in</strong> Wasserstand wie 1999, nach allgeme<strong>in</strong>er Me<strong>in</strong>ung, sowieso<br />

erst <strong>in</strong> 30 Jahren wie<strong>der</strong> erreicht werden, und bis dah<strong>in</strong> haben wir sicher e<strong>in</strong>e richtige<br />

Hochwasserverbauung im Ort.<br />

Aber es sollte nicht solange gut gehen.<br />

Verlegen <strong>der</strong> Betonste<strong>in</strong>e mit schwerem Baugerät<br />

7. Hochwasser 2005<br />

Drei Jahre waren seit dem letzten Hochwasser vergangen.<br />

Die große bauliche Hochwasserfreilegung von <strong>Eschenlohe</strong> war aus bereits<br />

genannten Gründen weiterh<strong>in</strong> nur mühsam vorangegangen, aber es gab nun bereits<br />

fertige Pläne <strong>in</strong> denen es nur noch Detailfragen zu klären gab. So gut wie alle großen<br />

Probleme waren ausgeräumt, und die Planung sollte noch <strong>in</strong> diesem Sommer <strong>in</strong> die<br />

Planfeststellung gehen.<br />

Jedoch stiegen im August 2005 erneut die Pegel bis zu e<strong>in</strong>em Hochwasser an.


Die Entwicklung <strong>der</strong> Wetterlage und des zu erwartenden Wasserstands wurde durch<br />

Feuerwehrmänner von den Pegeln im Oberlauf permanent an die E<strong>in</strong>satzkräfte im<br />

Unterlauf weitergegeben. Die Kommunikation und Koord<strong>in</strong>ation verlief bestens.<br />

Es konnte dadurch früh genug <strong>der</strong> gesamte Alarmplan generalstabsmässig ablaufen.<br />

Mit 10 Hydraulikbaggern wurden die Betonste<strong>in</strong>e auf dem Deich aufgestellt. Es<br />

waren auch noch mehrere Bagger zur Reserve e<strong>in</strong>getroffen.<br />

Die Ste<strong>in</strong>e wurden zusätzlich zur Verzahnung, mit Folien und Sandsäcken,<br />

untere<strong>in</strong>an<strong>der</strong> abgedichtet.<br />

Durch den E<strong>in</strong>satz von schwerem Baugerät erreichten wir schnell, im Vergleich zu<br />

früher mit relativ wenig Personale<strong>in</strong>satz, e<strong>in</strong>e große Verbauhöhe. Somit konnten sich<br />

viele um das Abfüllen von Sandsäcken kümmern, o<strong>der</strong> <strong>in</strong> den Häusern mithelfen,<br />

D<strong>in</strong>ge hochzustellen o<strong>der</strong> die Gebäude abzudichten.<br />

Zeitgleich wurde e<strong>in</strong>e große Anzahl von Viehanhängern alarmiert, welche die Tiere<br />

aus den Ställen, noch relativ ruhig und trockenen Fußes, evakuieren konnten.<br />

Als sicher war, dass das Wasser noch höher kommen würde, wurden mehrere<br />

Sandsackabfüllanlagen nachalarmiert. Da<strong>bei</strong> bewährte sich beson<strong>der</strong>s die<br />

Beschickung dieser Masch<strong>in</strong>en mittels Betonmischer mit angebautem För<strong>der</strong>band.<br />

Auch auf die Betonblöcke wurden durchgehend noch 3 Reihen Sandsäcke<br />

aufgebracht und mit Folie gedichtet.<br />

Mit all diesen Maßnahmen und Anstrengungen gelang b<strong>in</strong>nen weniger Stunden e<strong>in</strong>e<br />

Erhöhung <strong>der</strong> Deiche auf e<strong>in</strong>e Strecke von 2 km !! um 110 cm mit mobilen Teilen.<br />

Bis zu dieser Höhe (110 cm) funktionierte diese provisorisch errichtete Schutzanlage<br />

weitgehend e<strong>in</strong>wandfrei. Die Wassermenge, die bis zu diesem Zeitpunkt noch völlig<br />

schadenfrei abgeleitet wurde, übertraf alle Erwartungen.<br />

Lt. Aussage des Wasserwirtschaftsamts Weilheim lag diese schadlos abgeleitete<br />

Wassermenge im Bereich des 1999er Hochwassers.<br />

8. Der Wasserstand stieg über das Niveau von 1999.<br />

Es entstand e<strong>in</strong> neues HQ 100 Hochwasser<br />

Durch den weiteren Anstieg des Pegels wurde das provisorische Schutzbauwerk<br />

überlastet.<br />

Die Brücke wurde fast komplett e<strong>in</strong>gestaut. Nur noch <strong>in</strong> <strong>der</strong> Mitte schaute <strong>der</strong><br />

Scheitelpunkt heraus. Die gesamte Verbaukonstruktion auf den Dämmen wurde fast<br />

komplett überflutet. Das Wasser hatte im Fluss ke<strong>in</strong>en Platz mehr.<br />

Die Sandsäcke wurden durch Wasserströmung und Treibholz von den Betonste<strong>in</strong>en<br />

gespült. An <strong>der</strong> Stauwurzel <strong>der</strong> Brücke brach <strong>in</strong> Folge <strong>bei</strong>dseitig <strong>der</strong> Damm<br />

Die Häuser wurden teilweise bis 180 cm im Erdgeschoss überflutet.


Es wurde noch versucht, das ausgetretene Wasser durch die Häuser h<strong>in</strong>durch zu<br />

kanalisieren, aber aufgrund <strong>der</strong> dammbildenden Bundesbahn und Bundesstraße<br />

konnte es nicht richtig aus dem Ort h<strong>in</strong>ausgeleitet werden.<br />

Weite Überflutungen von Häusern war die Folge.<br />

Es gab da<strong>bei</strong> den höchsten Wasserstand seit Menschengedenken <strong>in</strong> <strong>Eschenlohe</strong>.<br />

Beg<strong>in</strong>nende Deichzerstörung von <strong>der</strong> Rückseite her, nach Überspülung <strong>der</strong><br />

provisorischen Verbauung<br />

9. Erkenntnisse, die erst <strong>bei</strong> unerwartetem Extremwasserstand sichtbar<br />

werden.<br />

Ohne entsprechende Untergrundbefestigung bzw. H<strong>in</strong>terfütterung, ist es fast nicht<br />

möglich, <strong>bei</strong> hohen Fließgeschw<strong>in</strong>digkeiten und damit auch schnellem Treibholz,<br />

notfallmäßig höher aufzubauen, als <strong>in</strong> unserem Fall geschehen.<br />

Man muss VOR E<strong>in</strong>tritt e<strong>in</strong>es Hochwassers das Gelände unter hydraulischen<br />

Gesichtspunkten erkunden, damit man weiß, woh<strong>in</strong> Wasser im Überflutungsfall läuft,<br />

bzw. evtl. geleitet werden könnte.<br />

Im Ernstfall ist nach e<strong>in</strong>er Überlastung des Schutzverbaus die Entscheidungszeit<br />

hierfür extrem kurz !!!!


Man muss daran denken, dass vor Überlastung <strong>der</strong> Schutzanlagen <strong>in</strong> dann<br />

abgeschnittenen Gebieten rechtzeitig für Brandschutz, Sanitäter / Notarzt, und<br />

Medikamentenzugänglichkeit gesorgt wird.<br />

Ebenso ist an die Betreuung älterer Menschen und vieler psychisch angeschlagener<br />

Bewohner zu denken.<br />

Im Vorfeld müssen Bewohner von potentiellen Überflutungszonen über das<br />

Verhalten von Stromverteilerkästen und Haussicherungskästen im Keller, <strong>bei</strong> e<strong>in</strong>er<br />

möglichen Überflutung, <strong>in</strong>formiert werden.<br />

Es bildet sich starker Wasserdampf, <strong>der</strong> sehr häufig als „Brand“ gemeldet wurde, und<br />

dadurch zu erheblichem Stress <strong>bei</strong> Bewohnern und Feuerwehr sorgte.<br />

Glücklicherweise war <strong>bei</strong> dem gesamten Hochwasserereignis 2005 <strong>in</strong> <strong>Eschenlohe</strong>,<br />

ke<strong>in</strong> Personen o<strong>der</strong> Tierschaden zu verzeichnen.<br />

10. Hochwassernachrichtendienst<br />

In diesem Bereich besteht me<strong>in</strong>er Me<strong>in</strong>ung nach zum heutigen Zeitpunkt <strong>der</strong> größte<br />

Handlungsbedarf, um die Leistungsfähigkeit <strong>der</strong> E<strong>in</strong>satzkräfte und <strong>der</strong> bestehenden<br />

Gerätschaften, zu verbessern und zu optimieren.<br />

Für die FügK, sowie die E<strong>in</strong>satzkräfte vor Ort ist es zur Koord<strong>in</strong>ierung und zum<br />

gezielten E<strong>in</strong>satz <strong>der</strong> zur Verfügung stehenden Kräfte von allergrößter Wichtigkeit,<br />

dass die Entwicklung <strong>der</strong> Lage am Oberlauf permanent bekannt ist. Nur wenn <strong>der</strong><br />

Hochwassernachrichtendienst bereit ist, sich auch auf die Erfor<strong>der</strong>nisse <strong>der</strong><br />

E<strong>in</strong>atzkräfte e<strong>in</strong>zustellen, und diese zuverlässig mit den von diesen Kräften<br />

gefor<strong>der</strong>ten Informationen versorgt, wird es <strong>in</strong> Zukunft weiterh<strong>in</strong> möglich se<strong>in</strong>,<br />

zielgerichtete Hilfe im erfor<strong>der</strong>lichen Umfang leisten zu können.<br />

Es s<strong>in</strong>d alle Entscheidungsträger aufgerufen den bestehenden Informationsfluss,<br />

jedoch speziell abgestimmt auf die E<strong>in</strong>satzkräfte vor Ort, zu verbessern.<br />

Notfalls müssen aufgrund <strong>der</strong> kurzen Vorwarnzeiten <strong>in</strong> unserem Tal, zusätzliche<br />

Pegel und Abrufe<strong>in</strong>richtungen, die auch von „Neugierigen“ nicht blockiert werden<br />

können, geschaffen werden. Derzeit stehen an vielen Stellen im Loisachtal, speziell<br />

gerade auch <strong>in</strong> <strong>Eschenlohe</strong>, obwohl die neue Brücke schon seit Jahren fertig ist,<br />

ke<strong>in</strong>e Abflusstafeln und ke<strong>in</strong>e Angaben von Meldestufen, zur Verfügung. Dies ist<br />

gerade für die E<strong>in</strong>satzkräfte die unterhalb von <strong>Eschenlohe</strong> ar<strong>bei</strong>ten müssen, von<br />

größter Wichtigkeit. Lei<strong>der</strong> fand ich bisher an entsprechen<strong>der</strong> Stelle selbst als<br />

Bürgermeister diesbezüglich mehrfach ke<strong>in</strong> Gehör.<br />

11. Stand Juli 2010 <strong>in</strong> <strong>Eschenlohe</strong><br />

Die alte Loisachbrücke ist entfernt, die neue Brücke ohne Mittelpfeiler wurde schon<br />

vor e<strong>in</strong>igen Jahren <strong>in</strong> Betrieb genommen, und bis auf e<strong>in</strong>zelne Bereiche <strong>in</strong> denen es


noch zu klärende Grundeigentümerprobleme gibt, ist auch die Verbauung fertig<br />

gestellt. Derzeit Zeit werden noch zwei Seitenflüsse <strong>der</strong> Loisach wegen des<br />

möglichen Rückstaus <strong>der</strong> Loisach auf HQ 100 Höhe ausgebaut.<br />

Wir hoffen alle, dass dadurch <strong>Eschenlohe</strong> <strong>in</strong> Zukunft von Hochwasserschäden<br />

verschont bleibt.<br />

Verfasser:<br />

Anton Kölbl<br />

Asamklammstr. 1a<br />

82438 <strong>Eschenlohe</strong><br />

1. Bürgermeister, 1. Kommandant a.D., <strong>Eschenlohe</strong><br />

Tel. 08824 / 944 744<br />

Fax: 08824 / 944 755<br />

E-Mail: Koelbl.A@t-onl<strong>in</strong>e.de

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