verstümmelung von Mädchen und Frauen - Morija

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verstümmelung von Mädchen und Frauen - Morija

M ä r z 2 0 0 7 N r . 2 2 4

Schluss mit der Genital-

verstümmelung von

Mädchen und

Frauen

In dieser Ausgabe:

Frauen berichten

■ Aufklärungsarbeit genauer

betrachtet

■ Togo, Kamerun, Tschad

und Burkina Faso:

überall derselbe Kampf

www.morija.org


Editorial:

8000 Beschneidungen

täglich

© IRIN

FGM*: Drei Buchstaben

zur Bezeichnung

der Praxis weiblicher

Genitalverstümmelung. Wenn

Abkürzungen sich als praktisch

und griffig anzubieten

scheinen, dann kaschieren sie

bisweilen eine Schändlichkeit,

die eigentlich kaum

hinzunehmen ist.

Die UNICEF begrüsst die

Fortschritte, die zu einer

Beendigung der Verstümmelung

von Mädchen führen

sollen. Doch trotz eines gewissen

Hoffnungsschimmers

sind es immer noch an die

Humanitäres Hilfswerk

En Reutet

1868 Collombey-le-Grand

Tel. 024/472.80.70 Fax 024/472.80.93

E-Mail: relat.publique@morija.org

PC 19-10365-8

Verein ohne Gewinnabsicht,

gegründet 1979 gemäss Artikel 60ff.

des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs

Sitz: Collombey-le-Grand (VS)

Revisoren: Treuhandbüro R. Künzlé SA – Monthey

Redaktion: Morija

drei Millionen Mädchen, die

jedes Jahr diese Praktiken

erleiden: Das sind Tag für Tag

8000 verstümmelte Mädchen,

die meisten noch nicht einmal

vierzehn Jahre alt.

In ganz Schwarzafrika ist eine

gesellschaftliche Bewegung

entstanden, die die FGM nicht

länger hinnehmen will. Burkina

Faso gehört zu den 16

afrikanischen Ländern, in

denen die Beschneidung gesetzlich

verboten ist. Dort

lernen Ärzte und Gesundheitsbeamte

in Kursen, welche

Möglichkeiten es gibt, die

Folgen zu «reparieren». Aminata

Yé, Beraterin des Ministers

für Soziales und nationale

Solidarität, hat vor der

Presse Folgendes gesagt:

«Wenn die Frauen die Zukunft

des Landes und der

Schlüssel zur Entwicklung

sind, dann ist es höchste Zeit,

sie vor all den Praktiken zu

schützen, die sie verletzlich

machen und ihre körperlichen,

geistigen und seeli-

Ziel:

Grafik: Jordi AG, Belp

Druck: Jordi AG, Belp

schen Fähigkeiten beeinträchtigen».

Die Berichte, die wir Ihnen

auf diesen Seiten vorstellen,

sprechen eine deutliche Sprache.Genitalverstümmelungen

sind illegal, und wir danken

unseren Mitarbeitern, die

sich um jene Mädchen und

Frauen kümmern, die das

erlitten haben. Sie fördern bei

der Bevölkerung das Bewusstsein

für die Gefahren, die

diese Praktiken bei der Geburt

hervorrufen, und zwar

nicht nur für die Mutter, sondern

auch für das Kind.

Wir danken Ihnen dafür, dass

Sie uns weiterhin treu

unterstützen.

Das Morija-Team

* Anmerkung Royal Line: Allgemein

verwendete Abkürzung für female

genital mutilation – weibliche

Genitalverstümmelung

Unterstützung der Ärmsten in Afrika, vor allem im

Sahelgürtel, ohne Unterschied von Rasse oder Religion.

Die Hilfe beruht auf 3 Säulen:

• Nothilfe

• Verbesserung der Lebensbedingungen

• Entwicklungshilfe

Unser Hilfsauftrag wurzelt

im Geist des Evangeliums.

Humanitäres Hilfswerk

Übersicht

Beschneidung und die

Folgen (Seite 4)

Bewusstseinsbildung bei

den Müttern (Seite 5)

Die Schulbildung der

Mädchen wird behindert

(Seite 6)

Monatszeitschrift

Abonnement:

CHF 25.–/€ 15.–

Förderabonnement:

CHF 50.–/€ 30.–

Jede zusätzliche Spende

ist willkommen!

DANKE!


Frauen berichten

Das ist neu: Opfer

und Täterinnen,

betroffene Frauen

und Beschneiderinnen, brechen

gemeinsam das Schweigen.

Manche von ihnen gehen

an die Öffentlichkeit und

beteiligen sich heute an dem

allgemeinen Kampf, der jegliche

Form der Genitalverstümmelung

beenden soll,

die immer noch an Frauen

vorgenommen wird.

Amina Iza, 40 Jahre,

in Kamerun

Ich war erst drei Jahre alt, als

ich beschnitten wurde. Auf

meine vielen Fragen gab mir

meine Mutter zur Antwort, die

Beschneidung von Frauen sei

eine arabische Tradition meines

Volkes, der Choa. «Eine unbeschnittene

Frau ist unrein, sie

kann nicht heiraten und auch

nicht beten», sagte sie zu mir.

Deshalb glaubte ich, alle Mädchen

auf der Welt müssten die

Beschneidung erleiden. Aber

als ich zehn war, entdeckte ich,

dass man mich belogen hatte,

denn Freundinnen aus einem

anderen Volk haben mir gesagt,

sie wüssten, dass ich beschnitten

sei, sie aber nicht, und dass

Beschneidung gar nicht gut sei.

Mit 14 Jahren war ich so weit,

dass ich meiner Mutter zu

sagen wagte, ich würde meine

Tochter niemals beschneiden

lassen, denn es sei ein schrecklicher

Brauch. «Das ist eine

Schande», sagte meine Mutter

zu mir, «es ist die Pflicht einer

Mutter».

Als ich 16 war, habe ich geheiratet.

Ich war völlig verstört.

Am Abend meines Hochzeits-

tages hatte ich solche Schmerzen,

dass ich in Ohnmacht

gefallen bin. Mit 18 bekam ich

mein erstes Kind. Ich litt wie

ein Märtyrer, alle meine Entbindungen

waren fürchterlich.

Als ich 30 war, habe ich herausgefunden,

wie mein Genitalapparat

gebildet war, vor

allem aber habe ich entdeckt,

welcher Unterschied zwischen

einer beschnittenen Frau und

einer unbeschnittenen besteht.

Da wurde ich sehr wütend.

Ich hatte ständig unerträgliche

Schmerzen im Unterleib.

Das Genital einer beschnittenen

Frau ist wie eine

«Das Genital einer

beschnittenen Frau ist

wie eine Wunde, die sich

nicht schliesst und die

man in Alkohol taucht»

Wunde, die sich nicht

schliesst und die man in Alkohol

taucht. Doch in Afrika

sieht niemand den Zusammenhang

zwischen der Beschneidung

und diesen

Schmerzen. Afrikanische

Mütter sind völlig überrascht,

wenn ihnen klar wird, dass

die Beschneidung die Ursache

ihres Leidens ist.

Ich bin Afrikanerin und ich

bin stolz darauf. Aber ich

finde, eine Gesellschaft muss

sich weiterentwickeln. Die

guten Bräuche, die für die

Entfaltung unserer Kinder

wichtig sind, muss man bewahren,

doch von den anderen

sollte man sich verabschieden.

Ich habe mich nie

ganz und gar als Frau gefühlt.

Mein Fleisch ist verstümmelt

und Sexualität bedeutet für

mich nur Schmerz. Lange

war ich deswegen böse auf

meine Mutter.

Sahara, Memounetou

und Fatouma, ehemalige

Beschneiderinnen

in Togo

«Wir haben diese Praktik von

unseren Müttern übernommen.

Wir haben diese Tätigkeit

ausgeübt, mit der ein Mädchen

in seine Rolle als Frau einge-

weiht wird. Manche Familien

haben uns dafür entschädigt,

die einen mit Geld, die anderen

mit Naturalien. Aber seit der

Aufklärungskampagne der

Regierung und der Nicht-

Regierungsorganisationen über

die schädlichen Folgen dieser

Praxis haben wir unsere Messer

weggeworfen».

Die Berichte wurden

von unseren Mitarbeitern

in Kamerun und Togo

aufgenommen


Die Folgen der Beschneidung

Die Beschneidung ist

eine Verstümmelung

des weiblichen Genitals.

Dabei wird bei kleinen

Mädchen von 6 bis 8 Jahren die

Klitoris entfernt. Das ist tatsächlich

ein chirurgischer

Eingriff, der vom Gesetz und

den geltenden Vorschriften her

verboten ist. Diese Operation

wird unter Bedingungen

durchgeführt, die alles andere

als hygienisch einwandfrei

sind. Das so beschnittene weibliche

Kind erleidet ein körperliches

und seelisches Trauma

und muss mit dramatischen

Folgen und Gesundheitsrisiken

rechnen.

Physische Komplikationen:

– Der Schmerz: Er ist furchtbar

und unerträglich, denn die

Entfernung der Klitoris wird

ohne Betäubung durchgeführt.

Er vergeht auch nicht

und ist vor allem beim Geschlechtsverkehr

sehr heftig.

– Blutungen während des

Eingriffs und bei der Entbindung.

Eine häufige Folge

ist Blutarmut, oder die Frau

stirbt an den Blutungen.

– Infektionen: Die mangelhaften

hygienischen Bedingungen,

unter denen die

Beschneidung vorgenommen

wird, verursachen

zahlreiche Infektionen, die

in der Folge zu Sterilität

führen können. Nicht zuletzt

ist die Frau auch der

Gefahr einer Aids- und Tetanusinfektion

ausgesetzt.

– Komplikationen bei der

Entbindung: Durch das

Narbengewebe ist die Vulva

der Frau weniger elastisch,

das erschwert die Entbindung.

Entbindet die Frau

ohne fachmännische Hilfe,

besteht für Mutter und Kind

häufig akute Lebensgefahr.

Psychosoziale Folgen:

– Verlust der natürlichen

Empfindungsfähigkeit im

Das Bild, das so schwer auszuhalten ist, ist das Bild einer

jungen Frau vom Volk der arabischen Choa. Sie stammt aus

Kousseri im äussersten Norden Kameruns. Sie war Schülerin

eines Gymnasiums in ihrer Nähe. Unablässig wiederholte

sie: «Ich bin nicht wirklich ein richtiges Mädchen,

mir fehlt etwas, und ich hasse das Bild meines Körpers im

Spiegel. Ich war noch ganz jung, als ich verstümmelt wurde.

Eine Beschneiderin hat meine Klitoris entfernt. Wenn

ich meine Schulkameradinnen sehe, die aus anderen Eth-

sexuellen Bereich bis hin

zur Frigidität.

– Verlust des Selbstbildes

innerhalb der Gesellschaft.

In Kamerun ist die Genitalverstümmelung

weiter verbreitet

als angenommen. Die

Quellen der WHO (Weltgesundheitsorganisation)melden,

dass im Jahr 2000 zwanzig

Prozent der Frauen Opfer

dieser Praktiken waren. Systematisch

praktiziert wird die

FGM in zwei Provinzen: im

äussersten Norden des Landes

von den Sara, den Choa-

Arabern, den Bata und den

Mboum, und im Südwesten

«Ich hasse mein Körperbild»

von den Ekwe, den Boki und

den Akwaya.

Die Bemühungen um Aufklärung

und Erziehung seitens

der Regierung und der Behörden

von Kamerun bewirken

einen leichten Rückgang bei

der Ausübung dieser Praxis, die

jedoch insgeheim immer wieder

vorgenommen wird. Wir

wollen gemeinsam gegen diese

Eingriffe kämpfen, die der Frau

ihre Würde nehmen!

Patrice Kuete, Kranken-

pfleger mit Spezialausbildung

Sylvain Touline,

Geburtshelfer

IGZ Guider, Kamerun

20 % der in Kamerun lebenden Frauen sollen beschnitten sein

nien stammen und körperlich und seelisch völlig intakt

sind, dann frage ich mich, ob ich tatsächlich eine Frau bin.

Das ist alles so ungerecht! Ich bin sauer auf meine Eltern».

Diese traurige Aussage bewirkt, dass wir uns ein paar

Fragen gefallen lassen müssen. Zum Beispiel die Frage:

Machen wir uns nicht mitschuldig, wenn wir zu diesen

Dingen schweigen?

Patrice Kuete


Das Übel mit der Wurzel ausrotten

Bila Dimzouré, Nobéré

Dank der Aufklärungsarbeit

in den Medien,

durch die Gesundheitsbeamten

und durch die

Aufführungen von Theatergruppen

nimmt die Zahl der

Beschneidungen in Burkina

Faso ab. Doch leider gibt es

noch immer viele Fälle von

FGM, und 70 % der Beschneidungen

werden an Kindern

Aufklärungsarbeit bei den Kindern

Mit Unterstützung des Ministeriums

für Bildung und Alphabetisierung

sowie des

Ministeriums für Soziales und

nationale Solidarität wurde

im Südwesten von Burkina

Faso ein Pilotprogramm gestartet,

das die Einführung

einer Lehreinheit in Sexualkunde

in den Grundschulen

vorantreiben soll. Damit wird

ein Thema angesprochen, das

bisher tabu war.

In der Paalga-Schule, die in

einem der ärmsten Viertel der

Hauptstadt liegt, gehört die

unter 7 Jahren vorgenommen.

Für die Beschneidung gibt es

keinerlei wissenschaftliche

Argumente. Die Regierung

hat Gesetze gegen die FGM

verabschiedet, hat Kommissionen

eingesetzt, die dagegen

kämpfen und hat sogar

jenen Beschneiderinnen

Belohnungen versprochen,

die sich verpflichten, diese

Aufklärung schon seit mehreren

Jahren zum Unterrichtsprogramm.

In den Mittelschulklassen

zeigt der Lehrer

den Schülern Bilder von den

Folgen der Beschneidung

oder demonstriert den Eingriff

an einer Puppe. Dann

stellt er Fragen zum Thema

und bringt auf diese Weise die

Schüler dazu, dass sie selbst

feststellen, was Beschneidung

eigentlich ist, wie grausam

die Praxis aussieht und welche

Gefahren daraus resultieren:

Beeinträchtigungen der

üble Praxis aufzugeben.

Die heute 57-jährige Bila

Dimzouré wurde von ihrer

Grossmutter in der Praxis der

Beschneidung ausgebildet. Sie

nahm an allen Sitzungen teil

und gewann allmählich Geschmack

an der Sache. Sie

berichtet: «Als meine Grossmutter

starb, hinterliess sie

mir ihre Klinge, und ich wurde

ihre Nachfolgerin in unserem

Viertel. Seither habe ich

meine eigene Tochter beschnitten,

die leider Tetanus

bekommen hat. Dank Gott hat

sie überlebt, leider hat sie

noch keine Kinder. Durch die

Aufklärungsarbeit habe ich

begriffen, dass die Beschneidung

schuld daran ist, dass

meine Tochter niemals Kinder

haben wird. Ich habe vor Gott

geschworen, dass ich diesen

Fehler nie wieder an einem

Kind begehen will. Jetzt gehöre

ich zu der Gruppe, die

das Bewusstsein der Menschen

Körperfunktionen, Infektionen

und Krankheiten wie

Aids, ja, sogar der Tod. Der

Lehrer erklärt ihnen auch,

wie sie gegen diese schädliche

und schändliche Praxis ankämpfen

können, die unter

gesetzlicher Strafe steht.

Es ist wichtig, dass alle

Schichten der Gesellschaft

begreifen, dass diese Praktiken

aus unserem Land verbannt

werden müssen. Wir nutzen

auch die Elternabende, um

durch Sketches und Gedichte

das Bewusstsein der Eltern zu

für die Gefahren von Aids

schärft. Der Staat hat mir ein

Fahrrad geschenkt».

In unseren Ernährungszentren

in Ouagadougou und

Nobéré nutzen wir die edukativen

Plaudereien, um die

Mütter aufzuklären. Wir zeigen

ihnen Bilder und Filme,

die die Folgen der Beschneidung

demonstrieren.

Von unseren Mitarbeiterinnen

in den AEZ Nobéré

und Ouagadougou

70 % der Mädchen werden

beschnitten, ehe sie das

7. Lebensjahr erreichen

schärfen. Leider gibt es immer

noch Unbelehrbare …

Issaka Nikiema,

Paalga-Schule

Burkina Faso:

SOS Beschneidung

www.sp-cnpe.gov.bf

Grüne Nummer:

(00 226) 31 15 71

e-mail:

cnpe@fasonet.bf


Die Schulbildung der Mädchen

wird behindert

Im Tschad stellt die Beschneidung

ein echtes

Hindernis für den Schulbesuch

der Mädchen dar. Viele

dieser verstümmelten Mädchen

können nicht mehr zur Schule

kommen, weil sie krank sind

oder weil sie gleich nach dem

Eingriff verheiratet werden.

Deshalb müssen die schädlichen

Auswirkungen der FGM

nicht nur in den modernen

Massenmedien angesprochen

werden, sondern gehören auch

in das Basis-Erziehungsprogramm

und den Lehrplan der

Schulen. Auch unter dem Palaverbaum,

am Feuer und auf

den Feldern, also einfach überall,

muss diese Debatte geführt

werden. Denn in den Dörfern

gibt es viel zu sagen und zu

tun, wenn es um die Schulbildung

der Mädchen und um

gewisse, hinter Unwissenheit

versteckte schädliche Praktiken

geht.

Wir müssen einfach anerkennen,

dass die Bevölkerung sehr

traditionsbewusst ist, vor allem,

was die Beschneidung von

Mädchen betrifft. Zahlreiche

trügerische Argumente nähren

den Glauben der Menschen an

die Notwendigkeit dieser Praxis.

Sie befürchten, dass die Abschaffung

der Beschneidung

nichts anderes als eine Forderung

des Westens sei, der ihnen

nur zu gern seine eigenen Ideale

aufdrängen würde.

Trotz der Reaktionen der Völkergemeinschaft

und trotz der

immer zahlreicheren afrikanischen

Stimmen, die sich

gegen die Beschneidungspraxis

aussprechen, ändert sich nicht

viel an der Realität. Bei den fast

durchweg analphabetischen

Dorfbewohnern wird die Beschneidung

heute leider immer

noch in grossem Umfang praktiziert,

und oft genug herrscht

Unwissenheit über die Gefahren,

denen die Opfer ausgesetzt

sind, ebenso auch über die

«In den Dörfern gibt es

viel zu sagen und zu

tun, wenn es um die

Schulbildung der Mädchen

und um gewisse,

hinter Unwissenheit

versteckte schädliche

Praktiken geht»

aus der Beschneidung resultierenden

Gesundheitsschäden.

Man muss allerdings auch

sehen, dass die Dorfbewohner

nicht gerade viel Unterstützung

bei der Gesundheitsfürsorge

und der Schulbildung erhalten.

Es ist beispielsweise sehr

schwierig, dringende sanitäre

Verbesserungen vorzunehmen,

weil die entsprechende Infrastruktur

fehlt. Und was die

Schulbildung betrifft: Im Busch

haben viele Grundschulen

nicht genügend ausgebildete

Lehrer. In einer staatlichen

Grundschule, die scheinbar

sechs Lehrer hat, sind nur zwei

wirklich qualifiziert. Das war

der Anlass, zahlreiche Gemeinschaftsschulen

ins Leben zu

rufen, die nur durch die Beiträge

der Eltern finanziert werden.

Diese Busch-Gemeinschaftschulen,

die von Morija im Rahmen

des «63-Dörfer-Projekts»

unterstützt werden, sind in

vielen Landesteilen, vor allem

im Süden, zu einem Vorbild für

nachhaltige Entwicklung geworden.

Bei dieser Gelegenheit

möchten wir allen Spendern

herzlich für die konkrete und

positive Hilfe danken, die durch

die Spenden möglich wird.

Samuel Guidalbaye

Leiter des Waisenhauses

Eben-Ezer

In den Dörfern gibt es viel zu sagen und zu tun, wenn es um die Schulbildung der Mädchen und um

gewisse, hinter Unwissenheit versteckte schädliche Praktiken geht


In Togo trägt der Kampf allmählich

Früchte

Die verschiedenen Aufklärungsmethoden beginnen allmählich

Früchte zu tragen

In Togo betrifft die weiblicheGenitalverstümmelung

alle Altersgruppen:

Beschnitten wird bei der Geburt,

in der frühen Kindheit,

in der Pubertät, kurz vor der

Heirat und sogar noch nach

der Geburt des ersten Kindes.

Bei manchen ethnischen

Gruppen wie den Kotokolis,

den Solas oder den Ana-Ifês in

den Zentralregionen ist diese

Praxis weiter verbreitet als bei

anderen Volksgruppen. Das

Resultat einer von der Forschungsgruppe

Demographie

1996 durchgeführten Umfrage

sprach von etwa einhundertzehntausend

beschnittenen

Frauen von 15 Jahren an aufwärts.

Die Beschneidung wird als

altehrwürdige Überlieferung

wahrgenommen. Um nicht

beschimpft zu werden, lassen

die Frauen diese Manipulationen

an sich vornehmen.

Drei Arten von Eingriffen

werden an den weiblichen

Geschlechtsorganen vorgenommen:

– Beschneidung mit oder

ohne völliger oder teilweiser

Entfernung der

Klitoris,

– Beschneidung der Klitoris

mit oder ohne völliger

Entfernung der kleinen

Schamlippen,

– Völlige oder teilweise Entfernung

der äusseren Genitalien

und Zusammennähen

der Vaginalöffnung.

Eine Beschneiderin ist eine

Frau, die die Beschneidung

vornimmt. Diese Aufgabe wird

vor allem von alten Frauen

durchgeführt, die für ihre

Dienste entlohnt werden. Das

Gewerbe wird von den Müttern

an die Töchter weitergegeben.

Eine Beschneiderin

geniesst hohes Ansehen in

ihrer Gesellschaft. Sie meldet

die Todesfälle, die sie entweder

mit unzureichender spiritueller

Vorbereitung, dem Verlust

der Jungfräulichkeit oder

mit Hexerei erklärt.

1998 wurde vom togolesischen

Parlament ein Gesetz verabschiedet,

das die weibliche

Genitalverstümmelung verbietet.

Dieses Gesetz war der

Beginn des Kampfes in Togo.

Im Lauf der letzten Jahre entstanden

nationale und/oder

internationale Organisationen,

die Aufklärungsarbeit leisten

und die Menschen mobilisieren,

diese Praxis auszurotten.

Es bleibt jedoch noch viel zu

tun. Als Beweis mag die Reaktion

eines jungen Mannes

dienen, der gefragt wurde, ob

die Beschneidungspraxis beibehalten

werden sollte: «Ich

würde sagen, dass heute ein

junger Mann wie ich sich der

Beschneidung nicht widersetzen

kann. Im Gegenteil:

«Die Patientinnen in

unseren Zentren wissen

heute, dass man sie

belogen hat»

Wenn in einer Gruppe ein

Spinner sich dagegen aussprechen

würde, dann würde

man alles tun, um ihn wieder

zur Vernunft zu bringen».

Doch allmählich beginnen die

verschiedenen Aufklärungsmethoden,

Früchte zu tragen.

Die Patientinnen in unseren

Zentren wissen heute,

dass man sie belogen hat

und dass die Beschneidung

weder die Entbindung

erleichtert noch die Prostitution

verhindert.

Bei beschnittenen Frauen kommt es häufiger zu Komplikationen bei

der Entbindung

7


Mariam aus Togo, 18 Jahre alt:

ich zehn Jahre alt war,

haben mir meine Eltern

«Als

von der Initiation erzählt,

doch ich wollte das nicht. Eines schönen

Morgens wurde ich in ein Haus geschickt,

wo ich in ein Zimmer gebracht

wurde. Dort waren vier Frauen, die mich

gepackt und ausgezogen haben. Eine

Alte zog ein Messer hervor, das angeblich

heilig war, und schnitt mir damit die

Klitoris heraus. Ich blutete heftig, aber

ins Gesundheitszentrum wurde ich nicht

gebracht.

Heute schäme ich mich zu heiraten,

denn ich habe Angst, dass mein Mann

mich verlässt. Ich habe ja nicht dieses

weibliche Organ, das sich aufrichten

kann, deshalb kann er mich beim Liebesakt

nie befriedigen. Die Vorstellung, dass

mit diesem Messer noch weiteren Mädchen

die Klitoris herausgeschnitten wird,

ist für mich ein richtiges Trauma.»

West-Sahara

Kap

Verde

2

3

Karte: © ReginaMaultzsch

Mauretanien

1

Guinea

4

5

Marokko

Mali

Algerien

6 7

Burkina

Faso

Elfenbeinküste

8

St.Helena

Príncipe

São

Tomé

EXZISION

1 Senegal

2 Gambia

3 Guinea-Bissau

4 SierraLeone

5 Liberia

6 Ghana

INFIBULATION

Tunesien

Niger

Nigeria

Kamerun

Libyen

Tschad

14

Kongo

Gabun

Zentralafrikan.

Republik

Angola

DRKongo

Ägypten

Am 6. Februar begingen wir den weltweiten Tag des

Kampfes gegen die FGM. Danke, dass Sie sich an

diesem Kampf beteiligen, indem Sie unsere Mitarbeiter

bei der Aufklärung von Frauen und Kindern

unterstützen.

Sudan

Tansania

15

Äthiopien

Kenia

Somalia

Namibia

Simbabwe

Botswana

Mosambik Madagaskar

7 Togo

8 Benin

9 Eritrea

10 Djibouti

11 Uganda

12 Ruanda

Südafrika

Sambia

12

13

17

16

11

9

Saudi-Arabien

Jemen

10

Komoren

13 Burundi

14 Äquatorialguinea

15 Malawi

16 Swasiland

17 Lesotho

18 Verein.Arab.Emirate

18

Seychellen

Réunion

Oman

Mauritius

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