KBO Kurier - Kliniken des Bezirks Oberbayern

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KBO Kurier - Kliniken des Bezirks Oberbayern

ICF-Workshop des KBO im Inn-Salzach-Klinikum

Soziale Funktionsfähigkeit als Behandlungsziel

Für die Kliniken des Bezirks Oberbayern veranstaltete

das Inn-Salzach-Klinikum in Wasserburg

im Februar 2009 einen Workshop zu einer neuen

Betrachtungsweise psychischer Krankheiten: ICF.

Neben Krankheitssymptomen steht in dieser Internationalen

Klassifi kation die Funktionsfähigkeit im

Zentrum der Beachtung (ICF).

Der Ärztliche Direktor des Inn-Salzach-Klinikums,

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Gerd Laux, konnte im

gefüllten Festsaal Ärzte, Psychologen, Sozialpädagogen

und Pfl egepersonal begrüßen. In seiner Einführung

wies er darauf hin, dass der psychosoziale

Versorgungsbedarf und das Thema Arbeitsunfähigkeit

bei psychischen Störungen angesichts einer

immer komplexeren, stressbeladenen Arbeitswelt

immer stärker in den Vordergrund rücken. Für die

Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind das Ausmaß

psychischer Funktionsstörungen wie Denken und

Konzentrationsfähigkeit, Fähigkeitsstörungen wie

Kontaktfähigkeit und Durchhaltevermögen sowie

Teilhabestörungen, die Erfüllung von Rollenerwartungen,

von zentraler Bedeutung.

Prof. Dr. Georg Juckel, Universität Bochum, sowie

Prof. Dr. Michael Linden, Direktor der Reha-Klinik

Berlin, stellten ICF, die neue Internationale Klassifi -

kation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit

vor. Im Zentrum von ICF steht die soziale

Funktionstüchtigkeit, also inwieweit der betreffende

Patient trotz seiner oft chronischen Krankheit sein

Leben bewältigen bzw. am sozialen Leben partizipieren

kann.

Michael Bräuning-Edelmann, Fachbereichsleiter

der Herzogsägmühle Peiting, veranschaulichte dies

anhand von Beispielen zur Fähigkeit zur Selbstversorgung,

zur sozialen Interaktion und Kommunikation

und der Erfüllung von Rollenerwartungen: Ein

Patient mit Diabetes, Übergewicht und Depression

wird neben körperlichen und psychischen

Beschwerden und Symptomen seinen Aktionsradius

einschränken (Aktivität), die Betreuung der

Enkelkinder nicht mehr übernehmen (Teilhabe)

oder Probleme beim Treppensteigen in seine Wohnung

im vierten Stock haben (umweltbezogene

Kontextfaktoren).

In einzelnen Workshop-Gruppen wurden Praxisbeispiele,

Dokumentationshilfen sowie praxisgerechte

Beurteilungsskalen vorgestellt und diskutiert.

In einer neuen Kurzskala sollen zum Beispiel

die Schwierigkeiten des Patienten in den Bereichen

sozial nützliche Aktivitäten (Arbeit), persönliche

und soziale Beziehungen, Selbstpfl ege sowie störendes

Verhalten erfasst werden.

Für die teilnehmenden Mitarbeiter brachte die

ganztägige Veranstaltung wichtige Anregungen für

die Weiterentwicklung und Verbesserung einer

mehr am Alltag orientierten Patientenversorgung.

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Gerd Laux, Inn-Salzach-

Klinikum

Prof. Dr. Michael Linden am

Rednerpult im Festsaal des

Inn-Salzach-Klinikums

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