Iurratio – Juristische Nachwuchsförderung eV

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Praxis & Karriere

innerhalb des Teams offen zu kommunizieren, um möglichen Konflikte ent-

gegen zu wirken. Zudem muss man die eigene und die Teamarbeit koordinie-

ren und Zwischenziele setzen, um nicht kurz vor einer Frist von unerledigten

Aufgaben überrascht zu werden.

Ein weiterer großer Vorteil eines Moot Courts: Man lernt, Schriftsätze nicht

im Gutachtenstil, sondern parteiorientiert zu verfassen und rechtliche Positi-

onen zu argumentieren. Daneben gilt es, strategisch zu überlegen, welche Ar-

gumente der Gegenseite man bereits antizipiert oder besser nicht anspricht.

Während man sich auf die mündlichen Verhandlungen vorbereitet, sollte man

an der eigenen Vortragsweise arbeiten und sich auf verschiedene Gegner und

Richter einzustellen. Vor allem muss man daran feilen, Fragen präzise zu be-

antworten und die eigene Antwort zu nutzen, der Struktur des Vortrags zu

folgen. Zudem sollte man stets aufmerksam die Argumente der Gegenseite

verfolgen, um mögliche Schwachstellen aufzudecken.

Iurratio

Ausgabe 2 / 2011

Kanzleien und Unternehmen unterstützen diesen Wettbewerb. Besonders im

Rahmen von Probeverhandlungen oder Pre-Moot Courts 15 stellen Kanzleien

und Unternehmen ihre Anwälte als Schiedsrichter zu Verfügung, um den stu-

dentischen Teilnehmern praxisnahes Feedback zu geben. Daneben bietet sich

die Chance, über den Beruf, Praktika oder Referendarsstationen zu sprechen. 16

Während des Moot Courts lernt man Soft Skills im Rahmen der rechtlichen

Arbeit. Man erhält prompt Feedback zu Erfolgen und Fehler und kann an sich

arbeiten. Last not least bringt ein solches Projekt und die Zusammenarbeit

mit Team und Coaches enorm viel Freude mit sich.

Oft bietet sich im Anschluss an einen Moot Court die Möglichkeit, sich einem

Alumni Netzwerk anzuschließen. Damit kann man in folgenden Jahren die eigenen

Erfahrungen an jüngere Generationen weitergeben - und durch dieses

Coaching wiederum die eigenen Soft Skills stärken.

Nach meiner Erfahrung kann ich die Teilnahme an einem Moot Court,

beispielsweise am Willem C. Vis Moot Court, jedem Studenten empfehlen.

Es ist eine einzigartige Erfahrung, die kein Seminar ersetzen kann.

H. FRüHE WEICHENSTELLUNG

Bereits während des Studiums sollte man die eigenen Fähigkeiten nutzen,

sich selbst und das Studium zu organisieren. Das ist vor allem in der

Lernphase für die erste juristische Prüfung enorm wichtig. Dabei geht

es um Lernpläne, die Koordination zwischen (Uni-)Repetitorium, Klausurenkurs,

Vor- und Nachbereitung und Arbeitsgruppen. Man muss all

dies koordinieren und sinnvoll planen und unter Umständen einen Nebenjob

oder ein zeitintensives Hobby integrieren. Kein Student sollte bei

den Soft Skills auf Lücke setzen die Konsequenzen zeigen sich bereits

während des Studiums.

Es wäre zu wünschen, dass Universitäten ihr Soft Skill-Angebot noch

praxisorientierter gestalten und vermehrt praktische Elemente einbinden

würden. Besonders Projekte wie Moot Courts sollten stärker in den

Curriculum eingebunden werden.

Die Universitäten bieten ein fundiertes Angebot, Soft Skills auszuprägen

- jeder kann selbst entscheiden, an welchen seiner Soft Skills er arbeiten

möchte. Einige weiche Faktoren sollte jeder angehende Jurist mitbringen,

bei anderen bietet sich die Möglichkeit, individuelle Schwerpunkte

zu setzen und darin Spezialist zu werden.

15 Im Rahmen eines Pre-Moot Courts treten einige Teams in der

Vorbereitung auf Finalrunden gegeneinander an; so beispielsweise

ein PreMoot in Düsseldorf zum Willem C. Vis Moot http://www.premoot-rounds.de,

auch Baker & McKenzie veranstaltet jährlich im

Frankfurter Büro einen PreMoot Court.

16 Nicht selten kann sich bei Interesse an solche Veranstaltungen ein

Praktikum o.ä. anschließen.

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