Familienfeier - Porsche

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Familienfeier - Porsche

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Faszination

Text

Horst Walter

Christophorus 332 60 Jahre Porsche

Familienfeier

Fotografie

Markus Leser

Vor 60 Jahren hat Ferry Porsche im österreichischen Gmünd den 356

entwickelt und gebaut. Manches übernahm er vom VW-Käfer, den

sein Vater Ferdinand konzipiert hatte. Heute ist deren Enkel beziehungsweise

Sohn Wolfgang Porsche Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Automobil

Holding SE. Ein Familienausflug in die Vergangenheit nach Gmünd und Zell

am See – und zurück in die Zukunft.

60 Jahre Porsche Christophorus 332

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Wolfgang Porsche

am „Schüttgut“ in Zell am See – zu Besuch ein 356 Coupé

und ein 911 Turbo Cabriolet

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Christophorus 332 60 Jahre Porsche

Der Japaner lässt nicht locker. Er fleht. Er bittet. Und als ihm

Helmut Pfeifhofer schließlich doch die alte Holzbaracke am Ortsende

in Richtung Maltatal aufschließt, fällt er im ehemaligen Büro

von Ferry Porsche auf die Knie.„Mir war gleich klar: Für ihn ist der

Konstrukteur des ersten Porsche wie ein Gott“, sagt Pfeifhofer, der

im österreichischen Gmünd ein Porsche-Museum betreibt und der

Gemeinde die Reste der alten Fabrik aus Sentimentalität und rein

zur privaten Nutzung abgekauft hat. Und doch kommen viele

Gäste, die nicht nur die ersten Autos sehen möchten. Das ehemalige

Porsche-Gelände ist in Gmünd zu einer ArtWallfahrtsort geworden.

Die Faszination Porsche. Sie hat sich mehr als 60 Jahre lang gehalten.

Und sie ist wahrscheinlich sogar im Laufe der Zeit immer ausgeprägter

geworden.„Mein 15-jähriger Sohn Ferdinand spürt noch

mehr als ich früher, dass er einen besonderen Namen trägt“, sagt

Dr.Wolfgang Porsche, Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand

und Sohn des 356-Erfinders Ferry – und lächelt, wenn er Geschichten

wie die des Japaners aus Gmünd hört. Der 65-Jährige ist heute

Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Automobil Holding SE und

hat als kleiner Bub die Anfänge mit den 140 Mitarbeitern in den

Holzbaracken miterlebt, später, in den neunziger Jahren, den

drohenden Konkurs des Unternehmens. Jetzt arbeitet er aktiv am

neuen Autokonzern mit. „Ich weiß nicht, was in 60 Jahren sein

wird. Aber in den nächsten Jahren werden wir mit VW zusammen

ganz oben mitspielen“, sagt er – und setzt sich in Zell am See in ein

Gmünd-Coupé Baujahr 1948, das neben einem rund 150 000

Euro teuren 911Turbo Cabriolet steht. „Das ist sicher noch mehr

wert als das neue“, sagt er und erzählt von seinem Vater, der ein

paar Meter weiter oben in der Kapelle am „Schüttgut“ neben dem

Großvater ruht.

Die Reise zurück in die Vergangenheit endet hier am Familienbesitz

in Zell am See. Angefangen hat sie 136 Kilometer weiter in

Kärnten, genauer: in Gmünd. Diese Strecke ist der kleine Wolfgang

Porsche im Alter von fünf Jahren öfters gefahren, zuerst mit dem

VW-Käfer seines Großvaters, dann mit dem 356 seines Vaters. Das

Ergebnis war in beiden Fällen das gleiche.„Ich war als Kind nicht

autotauglich“, gesteht das Oberhaupt der heutigen Porsche-Familie.

Und so musste derVater auf der Straße zum Großglockner immer

wieder anhalten, weil seinem Sohn beim Fahren mit 60 km/h

schlecht geworden war. „Und das in einer Familie, in der alle nur

über Autos und Autofahren geredet haben und die Großmutter

vorgeschlagen hat, dem Großvater wegen seiner mobilen Begeisterung

doch am besten auch noch Räder ans Bett zu machen…“

Die Begeisterung reifte auch bei Wolfgang Porsche. Immer öfter

wollte der Filius mit nach Gmünd. Der Großvater hatte 1944 die

ehemalige Holzfabrik ausgesucht, um während des Zweiten Weltkrieges

im von Bombenangriffen weniger bedrohten Kärnten

arbeiten zu können. Dort produzierte das von Stuttgart in die

Berge verlagerte Porsche-Werk Seilwinden für den Einsatz in der

Landwirtschaft sowie für Skilifte. Bis sich Ferry Porsche an eine A

Blick zurück in Zell am See: In der Kapelle am Porsche-

Familiensitz ruhen Ferdinand und Ferry Porsche

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Christophorus 332 60 Jahre Porsche

Die Parade der Stars: Ein Gmünd-Coupé aus dem Jahre 1948

trifft ein 911 Turbo Cabriolet aus dem Jahre 2008. Wie wird wohl

der Porsche 2068 aussehen?

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neue Konstruktion wagte mit der Nummer 356. Und so entstand

auf Basis des von Ferdinand Porsche entwickeltenVW-Käfers der

erste Porsche, der mit der magischen Bezeichnung 356 auf den

Markt kam. „Während mein Großvater in Kriegsgefangenschaft

war, erfüllte sich mein Vater mit diesem Auto einen Traum“, weiß

Wolfgang Porsche. „Er wollte ein kleines Fahrzeug bauen, das

aufgrund seines idealenVerhältnisses von Leistung zu Gewicht und

seines niedrigen Luftwiderstands hohe Beschleunigungswerte aufweist.

Auch die Endgeschwindigkeit, das optimale Kurvenverhalten

und der kurze Bremsweg waren ihm schon damals wichtig.“ Das

Ergebnis überzeugte selbst Ferdinand Porsche. Keine Schraube

hätte er anders gesetzt, ließ der damals 74-Jährige seinen Sohn

wissen.„Für meinenVater war das wie der Ritterschlag“, erinnert

sich Wolfgang Porsche.

So ist Zell am See zwar der Familiensitz der Porsches, Gmünd aber

die Geburtsstadt des ersten Porsche. Und obwohl für die Touristen

Wirbelsäulengymnastik und Konzerte mit dem Kärntner Doppelsextett

angeboten werden, ist der Marketing-Koordinator der

Region überzeugt, dass die 2600-Seelen-Gemeinde in erster Linie

wegen Porsche bekannt ist.„Ich bin aus dem NachbarortTrebesing.

Den kennt keiner, Gmünd kennen viele“, sagt Siegfried Neuschitzer,

der ein Babyhotel betreibt und allein zum Frühstück zehn verschiedene

Hipp-Gerichte anbietet. Aber was ist das gegen Porsche?

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Wolfgang Porsche im 356, den

sein Vater Ferry entwickelt hat: „Das Lob des Großvaters war wie

ein Ritterschlag für ihn“

60 000 Übernachtungen registriert man in Gmünd, das Porsche-

Museum von Helmut Pfeifhofer zählt 60 000 Besucher im Jahr.

„Und dabei haben am Anfang alle gedacht, der Pfeifhofer hat einen

Schusskopf“, sagt Neuschitzer. AuchWolfgang Porsche kennt ihn:

„Der Pfeifhofer ist ein Porsche-Verrückter im positiven Sinn.“

Der Porsche-Verrückte hat für Porsche-Verrückte im Mai 1982 ein

neues Mekka geschaffen – mit einem Museum in den ehemaligen

Hofstallungen der Grafen von Lodron. Es ist das einzig anerkannte

Porsche-Museum neben dem viel größeren in Stuttgart. Das Geld

für die teuren Oldtimer verdiente er sich zuvor mit bäuerlichen

Antiquitäten („Ich habe Tag und Nacht dafür gearbeitet“). Als er

im Jahr 1987 auch noch die ehemaligen Porsche-Baracken vor dem

Bagger retten wollte, drohte seine Frau mit Scheidung.Vergebens.

Auch der alte Pfeifhofer schüttelte nur verzweifelt den Kopf, als

sein Junge das ehemalige Pförtnerhäuschen und das Büro von Vater

und Sohn Porsche wieder einrichtete – und den Zeichentisch von A

einst zurückkaufte. „Mit dem Geld“, meinte Pfeifhofer senior,

„hätten wir drei Kubikmeter Brennholz kaufen können.“

Wahrscheinlich war Helmut Pfeifhofer der erste Porsche-Fan überhaupt.

Mit elf Jahren, so erinnert sich der heute 70-Jährige, hat er

die Milchkanne der Mutter geschnappt, umWasser am Brunnen

der Porsche-Werke holen zu können.„Die Pförtner haben ein Auge

zugedrückt, weil sie meine Begeisterung für Autos kannten“, sagt

Pfeifhofer, der erzählt, dass er und seine Mitschüler dem Lehrer

nicht mehr zugehört haben, wenn draußen einer der Mitarbeiter

Ein perfekter Parkplatz: Das 911 Turbo Cabrio beim

Zwischenstopp im Ferdinand-Porsche-Park in Gmünd

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auf dem Weg zur Teststrecke an den Katschberg vorbeigefahren

ist. „Ich habe Gänsehaut bekommen, wenn ich einen Porsche gesehen

oder gehört habe“, sagt Pfeifhofer.

Heute gibt es in Gmünd neben dem Museum den Ferdinand-

Porsche-Park mit der Büste des Großvaters am Schloss Lodron,

und Christoph, der Sohn von Helmut Pfeifhofer, fährt in einem

Porsche964RSR beim „Historie-Cup“mit. Im Gasthof Kohlmayr

am Hauptplatz, wo früher die arbeitenden Junggesellen einquartiert

waren, treffen sich jetzt die Porsche-Clubs der Welt. Und A


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Helmut Pfeifhofer in seinem Museum in Gmünd: „Ich bekam früher

schon Gänsehaut, wenn ich einen Porsche gesehen habe“

manchmal auch die Porsche-Familie. „Dann müssen wir den

Maffersdorfer Kartoffelsalat mit vielen Eiern machen. Den hat

Ferdinand Porsche, der in Maffersdorf geboren ist, so geliebt“,

sagt derWirt Hubert Kohlmayr.

Auch 60 Jahre danach dreht sich in Gmünd noch viel um Porsche.

Um Ferdinand. Um Ferry. Und um ihre Fahrzeuge. Die jungen

österreichischen Soldaten, die zufällig in der Porsche-Stadt Station

gemacht haben, waren natürlich auch im Museum – doch als sie

vor derTür den neuen 911Turbo stehen sehen, sind sie nicht mehr

zu halten. Wie viel PS hat er? 480. Was kostet er? 150 000 Euro.

Wie viel Benzin braucht er? 11,4 Liter auf 100 Kilometer. „Das

neueste Auto ist immer das beste“, sagtWolfgang Porsche und zitiert

damit seinenVater Ferry.

Die Zeit ist gegangen, die Faszination ist geblieben. Und so kleben

die Menschen noch immer an den Lippen vonWolfgang Porsche,

wenn er vom Firmengründer erzählt. Auch der Großvater sei einer

gewesen, der etwas entwickelt habe und dann schon an die nächste

Aufgabe gegangen sei. Ein ruheloser Mensch, der Tag und Nacht

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gearbeitet habe. Und wenn er mit seinen Enkeln trotzdem mal Zeit

fürs Kino gefunden hat, sei er während des Films eingeschlafen.

„Ich habe ihn nachher immer gefragt, wie es ihm gefallen hat“, erzählt

Wolfgang Porsche. Und der Großvater habe immer gesagt:

„Wunderbar.“

Es sind wunderbare Geschichten, die sich um 60 Jahre Porsche

ranken. Ganz persönliche Geschichten. Und es gibt sie in allen

Sprachen.„Wenn ich nicht energisch geworden wäre, wäre der Japaner

wohl immer noch in der Baracke“, sagt Helmut Pfeifhofer. B

A

Klagenfurt


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Lokaltermin Gmünd: Wo die Zeit stillsteht

In Gmünd erinnert noch vieles an die alten Zeiten. Das Porsche-

Museum von Helmut Pfeifhofer zum Beispiel,ebenso das Pförtnerhäuschen

des einstigen Porsche-Werks,die Siedlung mit den alten,

kleinen Häusern, in denen früher die Mitarbeiter untergebracht

waren, und natürlich der Ferdinand-Porsche-Park im Garten von

Schloss Lodron. Und auch die Gmünder erinnern sich noch an früher.

Gerne waren sie bereit, unseren Fotografen Markus Leser, der mit

einem neuen 911TurboCabriolet auf Spurensuche unterwegs war,

an jene Stellen zu führen,an denen früher schon Porsche-Fahrzeuge

fotografiert worden sind – zum Beispiel an die ehemalige Werkseinfahrt

oder ans Stadttor von Gmünd. 60 Jahre später zeigt

Gmünd noch einmal sein Porsche-Gesicht. Bis ins Jahr 1950, als

Porsche zurückkehrte nach Stuttgart,wurden in Gmünd 44 Coupés

und acht Cabriolets vom Typ 356 gebaut. Für mehr als fünf Fahrzeuge

pro Monat reichten die technischen Möglichkeiten damals

nicht aus.

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