Weizenanbau auf Sandböden Weizenanbau auf Sandböden - DSV

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Weizenanbau auf Sandböden Weizenanbau auf Sandböden - DSV

Getreide

Weizenanbau

auf Sandböden

Michael Baumecker, Humboldt-Universität Berlin, Institut für Pflanzenbauwissenschaften

Oliver Wellie-Stephan, DSV ● Oliver Wellie-Stephan, DSV Deutsche Saatveredlung, Lippstadt

● Deutsche Saatveredlung, Lippstadt

Die Wasserversorgung ist das zentrale Problem auf Sandstandorten, insbesondere dann, wenn die Niederschläge sehr gering sind.

Brandenburg gehört zu den Bundesländern, die davon in besonderer Weise betroffen sind. Hier sind 68 % der Ackerflächen Sand-

böden, von denen wiederum 34 % Ackerzahlen unter 30 aufweisen. Darüber hinaus liegen die mittleren jährlichen Niederschläge

bei weniger als 600 mm, mit in der Vegetation regelmäßig auftretenden längeren Trockenperioden. Dies hat zur Folge, dass mehr

als 90 % der Getreideanbaufläche mit Wintergetreide bestellt ist, wobei der Winterroggen eindeutig dominiert. Aufgrund begrenz-

ter Absatzmöglichkeiten und schlechter Preise hat man in den letzten Jahren verstärkt nach Möglichkeiten gesucht, den Roggenan-

teil zugunsten von Weizen, Triticale und Gerste zu reduzieren ist.

Anbauvergleich

zeigt Lösungen

Zu diesem Thema wurden auf den Flächen

des Standortes Thyrow, Versuchsstation des

Instituts für Pflanzenbauwissenschaften der

Humboldt-Universität Berlin mit Ackerzahlen

um 25 und Jahresniederschlägen von durch-

schnittlich 495 mm, verschiedene Feldver-

suche durchgeführt. In den Jahren 2001 bis

2004 wurde dort ein Anbauvergleich von

Weizen, Roggen, Gerste und Triticale mit dem

Ziel durchgeführt, die Ertragsleistung der Win-

tergetreidearten zu vergleichen. Es wurden je-

weils drei bis vier Sorten der einzelnen Arten

ausgesät. Die Stickstoffdüngung erfolgte ein-

heitlich mit Kalkammonsalpeter in Höhe von

120 kg/ha N, der in zwei Gaben (70 kg/ha zu

Vegetationsbeginn und 50 kg/ha zum Schos-

sen) appliziert wurde.

Roggen nur auf den

ersten Blick überlegen

Erwartungsgemäß erzielte der Roggen die

höchsten Erträge, die im Mittel der Jahre bei

65,1 dt/ha lagen (Abb. 1). Der Ertrag bei

Wintergerste lag mit 46,1 dt/ha um fast

18 · Innovation 4/2005

30% niedriger im Vergleich zum Roggen. Der

Weizen erzielte einen Ertrag von 49,3 dt/ha

und lag damit 25% unter dem Roggenniveau.

Mit 55,1 dt/ha erzielte der Triticale 85% des

Roggenertrages.

Ein Blick auf die Anzahl ährentragender Halme

pro m 2 macht deutlich, dass Bestandesdichten

um 450 Ähren/m 2 auf den leichten Sandböden

ausreichen, um ertragreiche Bestände auf-

70,0

60,0

50,0

40,0

30,0

20,0

10,0

0,0

zubauen (Abb. 1). Am Beispiel der Wintergerste

wird deutlich, dass höhere Bestandesdichten

nicht unbedingt zu höheren Erträgen führen.

Entscheidend für die Ertragsleistung ist beim

Anbau unter wasserlimitierten Bedingungen,

dass bei optimalen Bestandesdichten hohe

Einzelährengewichte erzielt werden. So

konnten Einzelährengewichte bei Gerste von

nur 0,9 g/Ähre, bei Weizen von 1,2 g/Ähre, bei

Abb. 1: Kornertrag und -ährentragende

Halme im Mittel der Jahre 2001–2004

Kornertrag (dt/ha, 86% TS)

Kornertrag Bestandesdichte

46,1

566

49,3

434

55,1

454

65,1

Ähren/m 2

Wintergerste Winterweizen Wintertriticale Winterroggen

466

700

600

500

400

300

200

100

0


Triticale von 1,3 g/Ähre und bei Roggen von

1,6 g/Ähre ermittelt werden. Ziel der Anbau-

strategie muss es somit sein, alle Voraus-

setzungen zu schaffen, die die Kornanlagen

und die Kornfüllungsphase positiv beein-

flussen.

Saatzeit und

-dichte beachten

Für den Aufbau optimaler Bestandesdichten

sind Saatzeit und Saatdichte die ersten Maß-

nahmen. Für den Aussaattermin ergeben sich

Zeitspannen, die eingehalten werden sollten.

Besonders beim Anbau von Weizen hat sich

gezeigt, dass eine Aussaat vor dem 15. Septem-

ber unter den gegebenen Standortbedingungen

keine Vorteile bringt. Ein Saatzeitenversuch mit

den Sorten Paroli, Campari, Akteur, Samurai

und Chevalier im Jahr 2005 belegt dies (Abb.

2). Den höchsten Ertrag erzielten die Sorten

bei Aussaat Anfang Oktober (50,8 dt/ha). Die

Aussaat Anfang September konnte dieses Er-

tragsniveau (46,8 dt/ha = -8%) nicht erreichen.

Die späte Aussaat Anfang November führte

sogar zu einem um 28 % geringeren Durch-

schnittsertrag von 38,9 dt/ha. Damit bestätigt

dieser Versuch Ergebnisse, die in einem Früh-

saatversuch zu Roggen und Weizen in den Jah-

ren 2000–2002 erzielt wurden. Prüffaktoren

waren in diesem Versuch Getreideart (Roggen,

Weizen), Saatzeit (1. und 3. Septemberdekade)

und Saatdichte (Weizen 350 und 175 Körner/m 2 ,

Roggen 200 und 100 Körner/m 2 ).

Hier zeigte sich, dass der Winterweizen eben-

falls mit Ertragsminderungen von 8% auf den

frühen Aussaattermin reagierte. Winterroggen

tolerierte die zeitige Saat dagegen weitge-

hend. Die Ertragsdifferenz betrug nur 3%. Die

Saatdichte hatte beim Weizen keinen Einfluss

auf die Ertragshöhe, so dass sich feststellen

lässt, dass Saatdichten zwischen 200 und 250

Körnern/m 2 auf leichten Sandböden ausreichen,

um optimale Bestandesdichten aufzubauen.

Winterfeuchte fördert

N-Verfügbarkeit

Ein weiterer Faktor der Bestandesführung

ist die Stickstoffdüngung. Ziel muss es auf

Standorten mit limitierten Wasserbedingun-

dt/ha

60

40

20

0

gen sein, die Winterfeuchtigkeit effektiv zu

nutzen. Bei einem mineralischen Stickstoffan-

gebot von maximal 120–150 kg/ha N und

Nmin-Startwerten unter 20 kg/ha N nach dem

Winter ist es entscheidend, den gedüngten

Stickstoff pflanzenverfügbar zu machen. Dies

bedeutet, dass 80% des Stickstoffs bis Ende

März appliziert werden müssen. Die ver-

bleibenden 20% können entsprechend des

Witterungsverlaufes zum Schossen gegeben

werden oder bei ausgeprägter Trockenheit

unterbleiben.

14,7

Abb. 2: Kornerträge Winterweizen –

Düngerform und Applikation*

51,4 50,2

ohne KAS 70/50 KAS 70/50

+60 kg S

* Mittel der Jahre 2004–2005

Die Ergebnisse der Abb. 2 zeigen, dass die

Teilung der KAS-Gaben keinen positiven Ein-

fluss auf den Weizenertrag hatte. Tendenziell

zeigt sich, dass der Einsatz des mit DMPP

stabilisierten ASS (ENTEC ® ) den Ertrag um

8% erhöht hat. Andererseits konnten die

Ammoniumdünger das Niveau von KAS und

ENTEC ® nicht erreichen. Dies ist darauf

zurückzuführen, dass im Jahr 2005, in dem

nur 22 mm Niederschlag im März und April

fielen, die Erträge in diesen Varianten deutlich

niedriger waren. Mit dem hohen zeitigen

Stickstoffangebot zu Weizenbeständen, die

mit Pflanzendichten von 200 bis 250 Pflan-

zen/m 2 im Frühjahr aufgebaut werden, wird

erreicht, dass in der Bestockungsphase keine

Engpässe während des Doppelringstadiums

entstehen und so eine maximale Zahl von

Ährchenanlagen gebildet werden kann. Sie ist

Vorraussetzung für eine hohe Kornzahl/ Ähre

52,0

KAS 120

+60 kg S

Prüfglieder

56,1

ENTEC

120

Getreide

48,5 48,6

Piamon/

Alzon120

Piagran 80

+Piamon 40

und damit hohe Einzelährengewichte.

Weiterhin wird so erreicht, dass der applizier-

te Stickstoff gelöst und im Boden tiefer als

10 cm verlagert wird. Damit ist der Stickstoff

in Trockenphasen besser pflanzenverfügbar,

da die tieferen Bodenschichten später aus-

trocknen und zur Stickstoffversorgung der

Pflanzen beitragen können. Eine Düngung mit

Harnstoff ist auf leichten Standorten ebenfalls

problematisch, da es bei der Umwandlung

des Amid-Stickstoffs in Nitrat insbesondere

unter trockenen Bedingungen zu erheblichen

gasförmigen N-Verlusten kommen kann.

Pflanzenschutz an Sorte,

Witterung und Krankheitsdruck

anpassen

Insbesondere auf den leichten Sandböden

Brandenburgs ist es für den wirtschaftlichen

Erfolg des Weizenanbaus wichtig, die Pflan-

zenschutzmittelkosten nicht zu überziehen.

Das geringe Ertragsniveau von 40 bis 60

dt/ha bietet nur einen geringen Kostenspiel-

raum für den Fungizideinsatz, insbesondere in

Trockenjahren muss maximal eine Behand-

lung ausreichen. Interessante Hinweise zum

Fungizideinsatz gibt eine Auswertung der

brandenburgischen Landessortenversuche im

Anbaugebiet D-Süd über die Jahre 2003 bis

2005 am Beispiel der A-Sorten Batis mit

guter, Ludwig mit mittlerer und Drifter (B) mit

schlechterer Blattgesundheit (Tab. 1).

Innovation 4/2005 · 19


Getreide

Auffällig ist, dass bei der blattgesunden

Sorte Batis, die in der unbehandelten Stufe

mit 54,2 dt/ha den höchsten Ertrag der drei

Sorten erzielte, der Fungizideinsatz im Schnitt

der drei Anbaujahre nur einen Mehrertrag von

2,9 dt/ha gebracht hat. Jedoch reicht die

standort- und jahresspezifische Ertragsreak-

tion bei Batis von + 20,0 dt/ha bis - 8,7 dt/ha.

Die Sorte Ludwig erbrachte bei Fungizidein-

satz im Mittel der Jahre 2003 bis 2005 einen

Mehrertrag von 6 dt/ha. Am deutlichsten fiel

die Ertragsreaktion mit + 7,7 dt/ha erwar-

tungsgemäß bei der weniger blattgesunden

Sorte Drifter aus.

Aus den in Tab. 1 dargestellten Ergebnissen

wird deutlich, dass die Fungizideffekte je nach

Standort, Jahr und Sorte starken Schwankun-

gen unterworfen sind. Um die Wirtschaft-

lichkeit des Fungizideinsatzes insbesondere

auf Standorten mit geringem Ertragspotenzial

sicherzustellen, muss er sich sehr eng am

bestandesbezogenen Infektionsgeschehen

und der Witterung orientieren. Die Auswahl

der Mittel und die Höhe der Aufwandmenge

sollte dabei unbedingt auch nach der Anfällig-

keit der Sorte für die einzelnen Krankheiten

ausgerichtet werden. Ziel der Strategie muss

es sein, mit Fungizidkosten von 30 bis 50

Euro/ha auszukommen. Dies ist in der Regel

nur mit reduzierten Aufwandmengen möglich.

Wachstumsregler sollten, wenn überhaupt nur

sehr vorsichtig und früh eingesetzt werden.

Späte Applikationstermine ab EC 31 führen

häufig bei einsetzender Trockenheit zu Er-

tragseinbußen. Allerdings ist der Lagerdruck

aufgrund der geringeren Bestandesdichten

und Ährengewichte auch deutlich geringer als

auf besseren Böden. Um das Lagerrisiko zu

minimieren, sollten Sorten mit guter Stand-

20 · Innovation 4/2005

festigkeit ausgewählt werden. Eine Einstufung

in der Beschreibenden Sortenliste im Merkmal

Neigung zu Lager von Note 4 und besser

ermöglicht in den meisten Fällen den Verzicht

auf Wachstumsregulatoren.

Tab. 1: Kornerträge von Weizensorten

in LSV 2003–2005 (Anbaugebiet D-Süd)

Fazit

Auch auf typischen Roggenböden ist der An-

bau von Weizen, Triticale und Gerste möglich.

Die Erträge können aber bis zu 25% unter

Roggenniveau liegen. Die Bestandesführung

ist dieser Situation anzupassen. Wird Winter-

weizen angebaut, sollte die Aussaat Mitte

September beginnen und Ende September

abgeschlossen sein. 250 Körner/m 2 sind zum

Aufbau optimaler Bestände ausreichend. Die

Stickstoffdüngung zu Wintergetreide auf

leichten Sandböden sollte zu 80% zu Vege-

Batis Drifter Ludwig

Jahr Ort Ertrag dt/ha Ertrag dt/ha Ertrag dt/ha

S1 S2 Diff. S1 S2 Diff. S1 S2 Diff.

2003 Badingen 49,8 69,8 20,0 67,0 69,2 2,2 52,5 78,0 25,5

Dürrenhofe 42,2 53,0 10,8 41,9 54,4 12,5 48,8 56,2 7,4

Güterfelde 40,3 36,6 -3,7 35,2 37,8 2,6 37,8 34,4 -3,4

Nuhnen 40,3 39,8 -0,5 33,2 38,6 5,4 45,1 42,8 -2,3

Thyrow 26,7 27,9 1,2 23,4 27,0 3,6 25,0 27,3 2,3

Mittel 2003 39,9 45,4 5,5 40,1 45,4 5,3 41,8 47,7 5,9

2004 Badingen 83,5 74,8 -8,7 89,8 94,5 4,7

Nuhnen 57,8 57,4 -0,4 56,1 53,6 -2,5 45,9 52,5 6,6

Thyrow 58,4 51,7 -6,7 61,8 59,1 -2,7 57,9 58,5 0,6

Mittel 2004 66,6 61,3 -5,3 69,2 69,1 -0,1 51,9 55,5 3,6

2005 Badingen 55,5 67,4 11,9 45,7 53,8 8,1 56,5 70,9 14,4

Dürrenhofe 65,9 83,3 17,4 58,2 76,2 18,0 70,6 80,7 10,1

Güterfelde 58,1 56,3 -1,8 53,1 58,2 5,1 42,8 54,6 11,8

Nuhnen 76,9 74,5 -2,4 64,1 67,9 3,8 78,2 73,1 -5,1

Thyrow 48,8 50,0 1,2 40,8 79,8 39,0 43,6 48,0 4,4

Mittel 2005 61,0 66,3 5,3 52,4 67,2 14,8 58,3 65,5 7,2

Mittel 2003–05 54,2 57,1 2,9 51,6 59,2 7,6 50,4 56,4 6,0

S1 = ohne Fungizid und ohne Wachstumsregler, S2 = mit Fungizid und mit Wachstumsregler, Quelle: LVLF Brandenburg

tationsbeginn erfolgen. Die Applikation von

bis zu 120 kg/ha N ist in einer Gabe auch mit

KAS möglich. Der Kostenspielraum für den

Einsatz von Fungiziden ist gering und liegt bei

ca. 30–50 7/ha. Applikationstermin, Auf-

wandmenge und Mittelauswahl müssen sich

sehr eng am bestandesbezogenen Infek-

tionsgeschehen, der Witterung und der

angebauten Sorte orientieren.

Michael Baumecker

Fon: 03 37 31/1 54 69

Fax: 03 37 31/8 03 67

E-Mail: michael.baumecker@agrar.hu-berlin.de

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