An der Qualitäts- schraube drehen! An der Qualitäts ... - DSV

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An der Qualitäts- schraube drehen! An der Qualitäts ... - DSV

Züchtung

An der Qualitäts-

schraube drehen!

Gräserzüchter arbeiten mit Erfolg an der

Verbesserung der Futterqualität

Dr. Ulf Feuerstein und Wolfgang Jerebic, EURO GRASS Breeding, Asendorf

Liest man die landwirtschaftliche Presse oder besucht Informationsveranstaltungen zum

Thema Grundfutter, dann ist die Futterqualität ein viel diskutiertes Thema. Es ist die Rede

von Hochzuckergräsern, von Gräsern mit hohen Energiedichten oder von Sorten mit herausragendem

Strukturwert. Was ist wirklich dran an dieser neuen Qualitätswelle? Was

können die neuen Sorten wirklich leisten?

NIRS-Technik

schafft Fortschritte

In den Anfängen der Futterpflanzenzüchtung

war es für alle Wissenschaftler und Züchter

selbstverständlich, dass ein Produkt, das für die

Fütterung eingesetzt wird, eine für das Tier

optimale Zusammensetzung hat. In den Sortenprüfungen

wurde auch die Zusammensetzung

des Futters intensiv im Labor untersucht.

Im Laufe der Jahre wurden diese Untersuchungen

aus Arbeits- und Kostengründen

immer weiter zurückgefahren, so dass heute

die Futterqualität in den Wertprüfungen des

Bundessortenamtes keine Bedeutung mehr

hat. Mit der Entwicklung der NIRS-Technologie

(Nahe-Infrarote-Reflexions-Spektroskopie) stehen

den Züchtern jedoch seit einigen Jahren

neue Wege in Analytik und zur Bearbeitung

großer Versuchsumfänge zur Verfügung. Dies

gilt insbesondere für ein Entwicklungsprojekt

der FAL (Bundesanstalt für Landwirtschaft in

Braunschweig), das seit Ende der 90er Jahre

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versucht, die NIRS-Technologie auf den Erntemaschinen

zu integrieren. EURO GRASS Breeding

(EGB) ist im Rahmen von Projekten an diesem

Vorhaben beteiligt.

Qualität ist ein

zentrales Zuchtziel

Züchterischen Fortschritt kann der Züchter nur

erreichen, wenn er ganz am Anfang der Züchtung

bei den Einzelpflanzen beginnt.Auf dieser

Ebene ist die gesamte artspezifische Variabilität

(Vielfalt) für jedes Merkmal vorhanden

bzw. kann durch spezifische Kreuzungen sogar

noch erweitert werden. Setzt die Züchtung für

Qualitätsmerkmale erst bei den auf Ertrag und

Gesundheit selektierten Sorten an, dann sind

kaum noch Verbesserungen zu erwarten. Die

Qualität muss daher als dritte Säule in der

Züchtung etabliert werden.

Doch was ist eigentlich Qualität bei Futterpflanzen?

Die Züchter haben dazu in den letzten

Jahren viele Gespräche mit Wissenschaft-

lern in ganz Europa geführt und haben fast

ebenso viele Antworten bekommen. Eines ist

ganz klar, der Qualitätsbegriff hängt eng mit

der Verwendung des Futters zusammen. So

kann sich z.B. ein hoher Zuckergehalt im Gras

bei Beweidung positiv auf die Milchleistung

auswirken, bei der Silagebereitung kann er sich

EURO GRASS Breeding –

der Züchter für die

COUNTRY Mischungen

EURO GRASS Breeding (EGB) ist eine Tochtergesellschaft

der DSV und dem dänischen

Partner Hunsballe. Sie züchtet für den deutschen

und internationalen Markt die wichtigsten

Arten bei Futter- und Rasengräsern

sowie verschiedene Kleearten. Die Sorten

aus der Züchtung von EGB sind wesentlicher

Bestandteil der COUNTRY-Mischungen.

Sie sichern die Leistungsstärke und

Qualität der Mischungen. So wird der Züchtungsfortschritt

durch den direkten

Zugang zu neuem Sortenmaterial

unmittelbar an

die Landwirte weitergegeben.


% Abweichung von Rastro

50

40

30

20

10

0

-10

-20

-2

9 16

Abb. 1: Futterqualität bei

Gräsern und Mischungen

-8

Verdaulichkeit Zucker

Quelle: Züchtereigene Versuche, EGB

17 44

durchaus als nachteilig herausstellen. Eine

hohe Verdaulichkeit des Futters ist sicher in den

meisten Fällen anzustreben, andererseits bildet

der Strukturwert von Gras die Basis einer Futterration.

Anhand dieser beiden Beispiele wird deutlich,

dass der Begriff einer „guten Futterqualität“

nur in Verbindung mit der Nutzungsform zu

sehen ist. So gilt für viele Inhaltsstoffe im Vergleich

zu Ertrag und Gesundheit, dass ein höherer

Wert nicht automatisch auch günstiger

ist. Vielmehr kommt es darauf an, wie das

Futtermittel eingesetzt werden soll. Von den

Fachleuten wird zukünftig eine Tabelle zu entwickeln

sein, die Spannen für die günstigen Gehalte

der Inhaltsstoffe mit Nutzungsrichtungen

zusammenbringt. Letztlich muss der Landwirt

die Sorten wählen, die für seine Nutzungsrichtung

am günstigsten abschneiden.

Was leisten die Züchter?

Eigentlich sind die Zusammenhänge ganz einfach.

Mit zunehmender Pflanzenentwicklung,

vor allem im ersten Aufwuchs, nimmt die Biomasse

zu und die Pflanze bildet mehr Rohfaser

aus. Das führt dazu, dass die Verdaulichkeit abnimmt.

Aus diesen Zusammenhängen ergibt

sich ein Nutzungsoptimum. Die Höhe des

Zuckergehaltes in den Pflanzen ist in diesem

Zusammenhang sortenspezifisch und wirkt

sich mit zunehmender Höhe positiv auf die

Verdaulichkeit aus. Der Rohproteingehalt

ist eng mit der Nährstoffeffizienz der

Sorten verbunden, d.h. bei zu-

-3

-11 -16

G II

Herbal

Zocalo

Rohfaser Protein

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nehmendem Massenwachstum sinkt der Rohproteingehalt

immer weiter ab.

Rohfaser-, Zucker-, Proteingehalt und die Verdaulichkeit

sind damit die Ansatzpunkte, die

sich für den Züchter im Hinblick auf die Verbesserung

der Qualität ergeben und die in den

Programmen der EGB intensiv bearbeitet werden.

Beim Rohfasergehalt geht es darum, einen

möglichst hohen Anteil an Rohfasern in den

Pflanzen auszubilden, die vom Tier genutzt

(verdaut) werden können. Einen züchterischen

Ansatzpunkt bildet hier das Blatt/Stängel-Verhältnis

der Pflanzen, da blattreiche Pflanzen

sich vom Tier besser verdauen lassen als stängelreiche.

Zucker hat den Vorteil, dass er vom Tier ohne

mikrobielle Umsetzung sofort genutzt werden

10

Dr. Ulf Feuerstein, EGB-Gräserzüchter in Asendorf,

stellt die in der Erntemaschine integrierte

NIRS-Technologie vor.

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Züchtung

kann. Ein hoher Gehalt wirkt sich daher positiv

auf die Verdaulichkeit aus. Die Unterschiede

von Sorte zu Sorte sind verhältnismäßig groß,

so dass sich für den Züchter gute Selektionsmöglichkeiten

ergeben. Man sollte aber

auch nicht aus dem Auge verlieren, dass die auf

dem Markt befindlichen sogenannten Hochzuckersorten,

die alle diploid sind, nicht mehr

Zucker aufweisen als eine durchschnittliche

tetraploide Sorte.

Das Protein im Futter ist ebenfalls zum großen

Teil verdaulich. Auch hier gibt es Ansatzpunkte,

durch die Proteinzusammensetzung einen

positiven Einfluss auf die Verdaulichkeit des

Futters zu nehmen. Der Proteingehalt im Futter

gibt dem Züchter darüber hinaus Anhaltspunkte

auf die Nährstoffeffizienz der Pflanzen.

Die Verdaulichkeit des Futters schließlich richtet

sich nach den Gehalten und der Zusammensetzung

der drei zuvor genannten Inhaltsstoffe

– Rohfaser, Zucker und Protein. Der

Züchter kann durch gezielte Kreuzung von

Pflanzen mit optimalen Gehalten jeweils einen

dieser Inhaltsstoffe in Sorten selektieren, die

sich erheblich von den Sorten, die zurzeit auf

dem Markt erhältlich sind, unterscheiden.

Qualitätssorten

haben klare Vorteile

Ein Beispiel aus der EURO GRASS Züchtung

verdeutlicht die Zusammenhänge (Abb. 1). Die

Standardmischung GII wurde zusammen mit

den beiden späten tetraploiden Sorten Herbal

Innovation 1/2007 · 5


Züchtung

und Zocalo gegen die diploide Sorte Rastro

(100 %) gesetzt. In der Abbildung ist die prozentuale

Abweichung der GII und der Sorten

gegenüber Rastro dargestellt.

Die GII ist eine Mischung, die neben frühen,

mittleren und späten Deutschen Weidelgräsern

auch Wiesenschwingel, Wiesenrispe und Wiesenlieschgras

enthält. Diese breite Zusammensetzung

verschafft der Mischung eine gute Nutzungselastizität

und sichert sie gegenüber extremen

Witterungseinflüssen ab, sie sorgt aber

auch dafür, dass niemals eine sehr gute Futtequalität

erreicht werden kann. Sowohl die

Verdaulichkeit als auch der Zuckergehalt und

die Rohfaser liegen im Jahresschnitt unterhalb

der als qualitativ durchschnittlich zu bewertenden

Sorte Rastro. Lediglich der Proteingehalt

liegt 7 % über Rastro. Die tetraploiden Sorten

dagegen präsentieren sich ganz anders. Die

Sorte Herbal kann als qualitativ durchschnittliche

tetraploide Sorte bezeichnet werden. Sie

weist gegenüber der diploiden Sorte eine um

9 % erhöhte Verdaulichkeit auf und einen um

17 % erhöhten Zuckergehalt. Der Rohfasergehalt

liegt um 11 % unter Rastro und der Rohproteingehalt

um 10 % darüber.

Die tetraploide Sorte Zocalo, eine Neuentwicklung

aus dem Qualitätszüchtungsprogramm

der EGB, zeigt dagegen ein viel extremeres Bild.

Die Verdaulichkeit ist mit 16 % gegenüber Rastro

auch gegenüber der tetraploiden Sorte Herbal

nochmals deutlich erhöht. Dies ist vor allem

auf den sehr hohen Zuckergehalt von Zocalo

zurückzuführen, der 44 % über dem der Sorte

6 · Innovation 1/2007

Nur durch gezielte Einzelpflanzenselektion können leistungsstarke Qualitätssorten

gezüchtet werden.

Rastro lag. Gleichzeitig sind der Rohfaser- und

auch der Proteingehalt gegenüber Rastro deutlich

verringert.

Was kann der

Landwirt tun?

Die besten Sorten können ihre Potenziale natürlich

nur entfalten, wenn sie richtig eingesetzt

werden. D.h. zuallererst ist die gezielte

Sorten- und Mischungswahl je nach Nutzungszweck

entscheidend. Danach entscheiden

regelmäßige Pflegemaßnahmen wie Schleppen,

Nachsaaten und Walzgänge ebenso über

die Qualität des Futters. Unbedingt beachtet

werden sollte der richtige Nutzungszeitpunkt

der verwendeten Gräser. In den letzten Jahren

sind die Mischungen immer spezieller gewor-

DSV übernimmt Zuchtstation der

Fa. Svalöf Weibull in Frankreich

Die DSV hat rückwirkend zum 01. Januar

2007 die Zuchtstation der Fa. Svalöf Weibull

in Frankreich erworben. Dies wurde möglich,

nachdem Svalöf Weibull seine Züchtungsaktivitäten

in Frankreich aufgegeben und den

Standort zum Kauf angeboten hatte. Die

Zuchtstation in Semonville liegt 60 km südwestlich

von Paris. Dort wird die DSV schwerpunktmäßig

die Züchtung und Prüfung von

Winterweizen und Winterraps durchführen.

Der bisherige Leiter von Svalöf Weibull

Frankreich, Herr Sylvain Martinon, wird auch

weiterhin die Leitung der Station innehaben.

Durch die Übernahme dieser Station und den

Ausbau der Züchtungsaktivitäten setzt die

DSV den Ausbau ihrer internationalen

Züchtungs- und Vertriebsaktivitäten fort.

den (z.B. COUNTRY Energy), qualitativ hochwertiges

Futter mit einem guten Ertrag lässt

sich mit diesen Mischungen erzielen, wenn genau

zur Siloreife geschnitten wird. Das angewelkte

Schnittgut muss dann möglichst sauber

geborgen und schnell zur Verdichtung gebracht

werden. Geeignete Siliermittel können einen

weiteren Beitrag zum Gelingen bester Grassilage

bringen.

Fazit

In der Futterpflanzenzüchtung hat sich in den

letzten Jahren etwas getan. Die Einführung

neuer Technologien in der Futtermittelanalyse

haben der Qualitätszüchtung neue effiziente

Werkzeuge an die Hand gegeben, die sich jetzt

schon in ersten Sortenzulassungen mit verbesserten

Qualitätseigenschaften auswirken. Die

Züchter arbeiten mit Hochdruck an der Verbesserung

der Futterqualität, so dass in den

nächsten Jahren weitere, qualitativ deutlich

verbesserte Weidelgrassorten zu erwarten sind.

Dr. Ulf

Feuerstein

Fon 0 42 53/9 31 10

Fax 0 42 53/93 11 20

ulf.feuerstein@eurograss.com

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