Sommerwetter zur Maisaussaat 2007 - DSV

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Sommerwetter zur Maisaussaat 2007 - DSV

Anbau

Sommerwetter

zur Maisaussaat 2007

Norbert Erhardt, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Münster

Nach einem viel zu trockenen Frühjahr war die Maisvegetation 2007 durch einen unbeständigen und feuchten Witterungsverlauf

geprägt. Länger anhaltendes, trockenes Sommerwetter stellte sich in Nordwestdeutschland zwischen Mitte Mai und Oktober nicht

mehr ein. Nach einem bereits zu trockenen März brachte der April bis zum 7. Mai keine nennenswerten Niederschläge.

Insbesondere Maisanbauer auf leichten Standorten,

dort wo im Vorjahr verbreitet Trockenschäden

im Mais zu verzeichnen waren, machten

sich bereits zur Aussaat Sorgen. So früh wie

nie zuvor kam der erste Mais in Nordwestdeutschland

bereits Anfang April in den Boden.

Die Maisbestellung 2007 wurde bei anhaltender

Trockenheit und in der zweiten Aprilhälfte

zeitweise sogar hochsommerlichen Temperaturen

zu einer staubigen Angelegenheit. Um

die Saat noch mit Keimwasser zu versorgen,

wurde verbreitet riskant tief abgelegt. Insbesondere

auf schweren Böden fehlte es dennoch

oft an Bodenschluss. Während unter günstigen

Bedingungen der Mais früh, gegen Ende

April, in den Reihen stand, erfolgte das Auflaufen

bei fehlendem Keimwasser erst nach

den Niederschlägen im Mai. Keimlingsausfälle

gab es jedoch erstaunlich selten, später aufgelaufenen

Pflanzen fehlte es aber oft an der nötigen

Triebkraft.

4 · Innovation 4/2007

Rasantes Wachstum

Den Frühsaaten bzw. den früh aufgelaufenen

Beständen bescherten die hohen Temperaturen

im April einen enormen Entwicklungsvorsprung.

Während die Aussaat von Hauptfruchtmais

Ende April bereits vergessen war, zog sich

die Bestellung von Zweitfruchtmais nach den

ergiebigen Niederschlägen in der zweiten Maiwoche

zum Teil deutlich bis Ende Mai in die

Länge. Bei Durchschnittstemperaturen, die bis

Mitte Juni oft über dem langjährigen Mittel

lagen, verlief die Jugendentwicklung der

Maisbestände überwiegend zügig. Im Gegensatz

zum Vorjahr waren Probleme bei der Unkrautbekämpfung

die absolute Ausnahme.

Einzelne, kurzzeitige Wärmeperioden von ein,

zwei Tagen sorgten Anfang Juni für deutlich

sichtbare Wachstumsschübe.Anschließend war

im Zusammentreffen mit Wind und Starkregen

Stängelbruch (snapping) und Sommerlager zu

beobachten. Betroffen waren oftmals beson-

ders frohwüchsige Sorten. In der Praxis blieben

ertragsrelevante Schäden aber die Ausnahme.

Früh gedrillte Maisbestände schoben noch im

Juni die Fahnen – das Gros der Bestände kam

Mitte Juli bei kurzzeitig hohen Temperaturen

zur weiblichen Blüte. Deutliche Blühverzögerungen

zeigte der Mais allgemein in den höheren

Lagen und bei späten Saatterminen. In

Mittelgebirgslagen waren dabei vereinzelt Befruchtungsstörungen

zu beobachten. Offensichtlich

wurden die Kornanlagen infolge von

zeitweiligem Pollenmangel nach ergiebigen

Niederschlägen und niedrigen Temperaturen

im August mit deutlichem Verzug befruchtet.

Wurzelwachstum

eingeschränkt

Auf schwereren Standorten tat sich der Mais

infolge zugeschlagener Böden und Staunässe

2007 oft sehr schwer. Die ständige Wassersättigung

zeigte sich hier in Form von deutli-


chen Aufhellungen der Bestände, die vielfach

einfach auf Sauerstoffmangel im Wurzelbereich

zurückzuführen waren. Auf den leichten Standorten

entwickelten sich 2007 sehr üppige Maisbestände.

Verbreitet war die Anlage von Zweitkolben

zu beobachten, die im weiteren Verlauf

der Kolbenfüllung überwiegend reduziert wurden.

Die ausreichende, zum Teil sicher auch

mehr als ausreichende Wasserversorgung während

des Massenwachstums veranlasste die

Maispflanzen augenscheinlich ein nicht zu tiefes

Wurzelwerk auszubilden. Die Pflanzen

konnten dadurch nicht immer die Nährstoffreserven

der Böden voll ausnutzen. Insbesondere

auf Sandstandorten, wo es nach Starkniederschlägen

zu Nährstoffverlagerungen gekommen

sein dürfte, waren ab Blüte auch

Bestände mit deutlichem Stickstoffmangel zu

beobachten.

Reife in Abhängigkeit von

Feldaufgang und Sorte

Bereits im Blühtermin zeigte sich der enorme

Einfluss des Saattermins auf die Maisabreife.

Ein Tag im warmen April brachte hinsichtlich

der Wärmesumme für die Maisentwicklung

wesentlich größere Fortschritte als so mancher

verregnete Sommertag im Juli und August. In

Kombination von Saattermin und Sorteneigenschaften

kam es daher zu enormen Abreifeunterschieden

in den Praxisbeständen. Auch auf

Grund des unbeständigen Erntewetters zog

sich die Maisernte 2007 noch deutlich stärker

in die Länge als in den Vorjahren. Die Silo-

Die Maisaussaat 2007 war in der Regel eine staubige Angelegenheit

Abb. 1: Maiswetter 2007*

Fahnenschieben

Blüte

* Flughafen Münster-Osnabrück (schematische Darstellung)

** Mittel der Tagesdurchschnittstemperaturen; 10 J. Mittel = Mittelwert 1995 bis 2006

Anbau

maisernte lief in den Niederungslagen Mitte

September eher schleppend an.Vereinzelt wurde

kleinflächig „vorgehäckselt“, da die Silagevorräte

aus 2006 aufgebraucht waren. Viele

Häckseltermine kamen als Kompromiss aus

Abreife, der Befahrbarkeit der Flächen und dem

Terminkalender des Lohnunternehmers zu

Stande. Bedingt durch die außergewöhnlich

guten Abreife- und Erntebedingungen im

Herbst der vergangenen Jahre ist im Silomaisanbau

aber auch ein Trend zu später abreifenden

Sorten, in Niederungslagen auch zu

Sorten aus der mittelspäten Reifegruppe zu erkennen.

Wo diese mittelspäten Silomaissorten

in diesem Frühjahr aber nicht zeitgerecht im

April gedrillt wurden, war die optimale Silierreife

Ende September oft noch lange nicht

erreicht. Bei der Sortenwahl darf daher nicht

vergessen werden, dass in extremen Jahren die

Maisvegetation immer noch vorzeitig durch

Frühfrost beendet werden kann oder die Flächen

wie im nassen Herbst 1998 ab Anfang

Oktober nicht mehr zu befahren sind. Geringe

Ertragsvorteile der mittelspäten Silomaissorten

in für die Maisabreife günstigen Jahren können

dann teuer erkauft werden. Diese Entwicklung

in der Sortenwahl hat im Erntegeschäft aber

auch zur Folge, dass Silomais- und CCM/Körnermaisernte

immer öfter parallel laufen.

Innovation 4/2007 · 5


Anbau

Maiskrankheiten und

Schädlinge auf dem

Vormarsch?

Ab Mitte August waren erste Bestände zu fin-

den, die Befall mit Blattflecken zeigten. Entsprechende

Symptome, verursacht durch den

Pilz Setosphaeria turcica (früher Helminthosporium

turcicum), traten bei uns bislang wenn

überhaupt erst nach langen Taunächten im

September auf und gingen gewöhnlich in der

allgemeinen Blattabreife unter. In diesem Jahr

konnten die Infektionen unter den ständig

feuchten Bedingungen offensichtlich wesentlich

früher erfolgen. Anfänglicher Befall breitete

sich in der Regel relativ schnell mit der

Hauptwindrichtung auch in benachbarte Schläge

aus. Ertragswirksam wurde der Befall aber

nur dann, wenn der Mais schon früh in der

Milchreife massiv geschädigt wurde. Bei stärkerem

Befall hat der Mais nicht die Möglichkeit

durch entsprechende Stärkeeinlagerung aktiv

den T-Gehalt in den Körnern zu erhöhen. Im

Extrem mussten Bestände vorzeitig gehäckselt

werden. In der Praxis waren bezüglich der Anfälligkeit

durchaus Sortenunterschiede zu beobachten.

Spätreife Sorten zeigen sich oft toleranter

bezüglich der Krankheitsymptome als

viele frühe Sorten, die nicht für die bekannten,

klassischen Befallsgebiete gezüchtet wurden.

Blattläuse

Ungewöhnlich früh, bereits ab der Blüte waren

verbreitet Blattläuse im Mais zu finden. Der

Besatz hielt sich zwar durch regelmäßiges „Abduschen“

in Form von Starkregen, sowie durch

hohe Nützlingspopulationen (Marienkäfer und

In der Praxis waren deutliche Unterschiede im Blattfleckenbefall

zu erkennen, links gesunder, rechts stark befallener Bestand.

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deren Larven) anfangs noch in Grenzen.

Parallel mit dem Auftreten der Läuse waren

aber in vielen Beständen ungewöhnlich früh

deutliche Rotfärbungen an Blättern, insbesondere

bei Randpflanzen auszumachen. Der

Verdacht lag nahe, dass der Mais nach dem

Getreide jetzt auch von Viren, übertragen durch

Blattläuse, befallen wurde. In entsprechenden

Analysen konnten aber keine Virosen diagnostiziert

werden, so dass von einer typischen

Anthocyanfärbung auszugehen ist, die auf

Assimilatestau oder Störungen der Nährstoffversorgung

zurückzuführen ist.

Fusarien, Wurzelund

Stängelfäule,

Maisbeulenbrand

Dort wo der Mais unter anhaltend feuchten

Bedingungen zur Blüte kam, bestand ein erhöhtes

Infektionsrisiko mit Kolbenfusarien. Bereits

ab Mitte September waren erste Kolben mit

dem typisch rosa schimmernden Pilzmycel, ausgehend

von der Kolbenspitze oder von einzelnen

aufgeplatzten Körnern (Popping), zu finden.

Augenscheinlich stärkerer Befall an mehreren

Pflanzen muss nicht automatisch höhere

Toxingehalte im Erntegut nach sich ziehen. Die

Gefahr einer hohen Belastung nimmt mit hohen

Befallsgraden aber deutlich zu. Erfahrungsgemäß

steigt die Toxinbelastung besonders bei

späten Ernteterminen sprunghaft an. Sehr früh

kam es im September 2007 auch zu Befall mit

Wurzel- und Stängelfäule. Die Symptome zeigten

sich scharf abgegrenzt an einzelnen

Pflanzen, die im weiteren Verlauf auch durch

das typische „Nachuntenhängen“ der Kolben

auffielen. Maisbeulenbrand trat diesjährig eher

in geringerem Umfang auf, Kolbenbefall wie

2006 war nur selten zu finden. Die Brandbeulen

waren vornehmlich im unteren Stängelbereich

oder auch an der Fahne zu sehen.

Maiszünsler

Der Maiszünsler rückt näher. Während in Niedersachsen

2006 neue Befallsorte gefunden

wurden, ist in NRW eine weitere Ausbreitung

Rötlich schimmernde Blätter und früher Läusebesatz ließen auch im Mais

Virusinfektionen vermuten – konnten aber nicht immer nachgewiesen werden.


ausgehend von der Zülpicher Börde in Richtung

Niederrhein (Kreis Heinsberg) festzustellen. Ob

sich das Vorankommen auf Grund der hier höheren

Maisanbaudichte jetzt beschleunigt, bleibt

abzuwarten – früher oder später ist aber mit dem

Auftreten auch im westfälischen Maisanbau zu

rechnen. Bislang verschont blieb Nordwestdeutschland

von der Einschleppung des Maiswurzelbohrers.

Das Auftreten dieses Quarantäneschädlings

hätte im Befalls- und Beobach-

Auf staunassen Flächen entwickelte sich die Silomaisernte

im September oft zur Schlammschlacht

Anbau

Der Aussaattermin hatte 2007 einen großen

Einfluss auf die Maisentwicklung.

tungsgebiet restriktive Maßnahmen im Maisanbau

zur Folge, wie sie jetzt rund um die Fundorte

in Bayern und Baden-Württemberg drohen.

Fazit

Der Maisanbau wurde 2007 durch den „Sommer

im April“ und der ansonsten unbeständig,

feuchten Witterung während der Vegetation

geprägt. Früh aufgelaufene Bestände profitierten

von den hohen Temperaturen im April und

reiften wesentlich zeitiger ab als später im Mai

gelegter Mais. Mittelspäte Sorten erreichten in

Nordwestdeutschland bei Aussaat im Mai die

optimale Silomaisreife erst spät im Oktober. In

einem bislang ungewohnten Ausmaß waren

Turcicum-Blattflecken zu beobachten. Der massive

Befall mit zum Teil ertragswirksamem, frühem

Auftreten ist auf die langen Blattfeuchtzeiten

nach der Blüte zurückzuführen. Bei jetzt

hohem Infektionsdruck ist bei entsprechender

Witterung (lange Blattnasszeiten, hohe Temperaturen)

mit stärkerem Auftreten der Krankheit

in den Folgejahren zu rechnen.

Norbert Erhardt

Fon 02 51/2 37 67 34

Fax 02 51/2 37 68 41

norbert.erhardt@lwk.nrw.de

Abgeschwächter

Flächenzuwachs

bei Maisanbau

für Biogasnutzung

2007 wurde auf 243.349 Hektar Silomais

zur Biogaserzeugung produziert gegenüber

einer Fläche von 157.008 Hektar im Jahr

2006. Es handelt sich dabei um die Silomais-

Anbauflächen, für die entweder die Energiepflanzenprämie

(187.085 ha) oder die Stilllegungsprämie

(56.264 ha) beantragt wurden.

Dies entspricht einem gegenüber dem

Vorjahr deutlich abgeschwächten Flächenzuwachs

von knapp 55 Prozent. Ein häufig

prognostizierter explosionsartiger Anstieg

des Silomaisanbaus zur Biogasproduktion

findet sich in diesen Zahlen nicht wieder.

Insgesamt wurden laut den statistischen

Erhebungen der Bundesanstalt für Landwirtschaft

und Ernährung (BLE) auf rund

302.015 Hektar, also knapp 2,5 Prozent der

deutschen Ackerfläche, Energiepflanzen für

die Biogasproduktion produziert.

Der Anteil von Silomais an der Energiepflanzenfläche

beträgt damit nach wie vor 80

Prozent. Aber auch Körnermais, CCM, LKS

und Mais-Sonnenblumen-Gemisch werden

zur Erzeugung von Biogas angebaut. Roggen-GPS

ist die Kulturart mit dem höchsten

Flächenanteil nach Mais. Da mittlerweile

erste Versuchsergebnisse zum Anbau alternativer

Kulturen zur Erzeugung von Biomasse

vorliegen, ist davon auszugehen,

dass sich hier in den nächsten Jahren Veränderungen

ergeben werden. (DMK)

Innovation 4/2007 · 7

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