pflanzenbau - DSV

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pflanzenbau - DSV

Abb. 2: Rapsvegetation 2001/02 im Überblick

Massive Phoma-Probleme

Einen wesentlichen Einfluss auf den Verlauf

der Rapssaison 2001/02 hatte bereits die

Witterung im Spätsommer/Herbst 2001. In

manchen Gebieten Deutschlands konnte der

Raps aufgrund der regnerischen Aussaatbedingungen

Ende August/Anfang September

nur unter schwierigen Bedingungen in die Erde

gebracht werden. Nur die früh gedrillten

Bestände waren Anfang bis Mitte Oktober in

ihrer Bestandesentwicklung so weit, dass sie

ohne größere Bedenken in den Winter gehen

konnten. Die spät gedrillten und zunächst

zurückgebliebenen Bestände profitierten vom

INNOVATION 1/2003

PFLANZENBAU

Rapsanbau 2003

Welche Konsequenzen ziehen wir aus dem

letzten Jahr?

Ludger Alpmann, DSV – Deutsche Saatveredelung, Lippstadt

Die Rapserträge des Jahres 2002 ließen deutlich zu wünschen übrig. Doch woran

hat es gelegen? Selbst Bestände, die in Bezug auf den Pflanzenschutz sehr

intensiv geführt wurden, brachen kurz vor der Ernte zusammen. Hinzu kamen

die erschwerten Bedingungen beim Drusch. Diese Erfahrungen haben in vielen Regionen

dazu geführt, über Intensität und Fruchtfolgen nachzudenken. Doch bei allem

Für und Wider wurde deutlich, dass der Raps aufgrund seiner außerordentlich

guten Marktleistungen und der besonderen Fruchtfolgeaspekte nicht aus dem Anbau

wegzudenken ist.

„Goldenen Oktober“ und seiner bis Anfang

November anhaltenden milden Witterung.

Dieser Verlauf sorgte bereits im Herbst für einen

frühzeitigen Befall der Rapspflanzen mit

Pilzkrankheiten, an erster Stelle ist hier der Befall

mit Wurzelhals- und Stängelfäule (Phoma

lingam) zu nennen. Phoma, die wichtigste

Krankheit im Rapsanbau, fand Anfang September

geradezu ideale Entwicklungsbedingungen.

Der Pilz konnte sich im Wurzelhals der Jungpflanzen

einnisten und wurde von Fungizidmaßnahmen

in der Regel nicht erfasst. Daher

war der frühe Herbstbefall auch die Hauptursache

für den Zusammenbruch der Bestände vor

der Ernte, also ca. 210 Vegetationstage nach

der Infektion im September (Abb. 1).

August, September Oktober Nov., Dez., Jan. Februar, März, April, Mai, Juni, Juli August

Nasser Sept. = Phomaspo- Goldener Okt. = gute Regenera- Kurzer , aber vereinzelt heftiger Gute Wachstumsbedingungen bis

renflug und Infektion am tion der Rapspflanze und Winter mit Kahlfrösten bis –18 °C; Mitte Juni. Zwischen 20–25 Juni

Keimblatt bis zum 6. Blatt einnisten von Phoma im Einzelne Auswinterungen zu große Hitze. Raps geht daraufhin

Wurzelhals der Pflanze. starker Pflanzen in Bayern. vorzeitig in Reife und stirbt ab.

210 Vegetationstage

Von der Infektion bis zum „Umfallen“ benötigt Phoma

je nach Resistenz der Sorte etwa 210 Vegetationstage.

Je früher die Infektion stattfindet, um so stärker die

Ausprägung des Krankheitsbildes.

12

5 Wochen Regen und Sturm.

Auf parasitärem Lager mit

abgestorbenen Pflanzen

ein Desaster!

Ungleichmäßige, schwach entwickelte Bestände

müssen im zeitigen Frühjahr stärker angedüngt

werden

Heißer Juni und

Niederschläge im Juli

Nur in Süddeutschland, insbesondere in Bayern,

traten durch Kahlfröste bis –18 °C starke

Auswinterungen bei zu stark entwickelten Beständen

auf. In der Regel kamen die Bestände

jedoch gut durch den Winter. Die milde und für

das Wachstum förderliche Frühjahrswitterung

hielt bis Mitte Juni an. Zwischen dem 20. und

25. Juni hingegen wurde es mit Temperaturen

von über 30 °C sehr heiß. Die durch

Phoma bereits stark geschädigten Pflanzen

mit zum Teil morschen Stängeln

reiften frühzeitig ab, so dass mit einer

frühen Rapsernte gerechnet werden

konnte. Entgegen allen Erwartungen

regnete es jedoch von Ende Juni bis An-

fang August nahezu ununterbrochen

und gestaltete die gesamte Ernte 2002

sehr schwierig. Der starke Krankheitsdruck,

der vielerorts noch durch das

Auftreten weiterer Krankheiten wie

Sclerotinia und Verticilium, verstärkt

wurde, konnte auch durch Wachstumsregler-

und Blütenbehandlung auf vielen

Betrieben nicht mehr gestoppt werden.

Der Regen tat sein Übriges und

drückte die Bestände ins Lager. Die Folge

waren starke Ertrags- und Qualitätseinbußen.

In Abhängigkeit von der Region

wurden 15–25 % geringere Kornerträge

im Vergleich zum letzten Jahr ge-


droschen. Gleichzeitig lagen auch die Ölgehalte

deutlich niedriger, da in extremen Fällen die

Körner bereits in den Schoten keimten und so

Speicherstoffe wie das Öl abgebaut wurden.

Betriebe mit engen Fruchtfolgen

stärker betroffen

Ein Blick in die Schlagkarteien der Landwirte

zeigte, dass die Betriebe, die Raps in engen

Fruchtfolgen anbauen, im vergangenen Jahr

am stärksten von Ertragseinbußen betroffen

waren (Abb. 2). Von enger Fruchtfolge wird gesprochen,

wenn der Raps in dreijährigem oder

noch geringerem Abstand in der Fruchtfolge

angebaut wird. Die Konsequenz ist, dass Krank-

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20

Abb. 2: Bundesweite Rapserträge 2002 in Abhängigkeit von der Fruchtfolge

PFLANZENBAU

heiten wie Sclerotinia, Phoma und Verticilium

über die Jahre hinweg verstärkt auftreten, da

sich die Krankheitserreger im Boden ansammeln

und um ein Vielfaches vermehren. In

Krankheitsjahren schlägt dieses Problem

schließlich voll durch. Hier sind auch resistenten

Sorten sowie sehr intensivem Pflanzenschutz

enge Grenzen gesetzt. So verhinderte der intensive

Pflanzenschutzeinsatz 2001/02 in Betrieben

mit dreijährigen Fruchtfolgen zwar einen

noch stärkeren Ertragsabfall, dennoch zeigte

nicht jede Wachstumsregler- und Blütenbehandlung

die erhoffte Wirkung. Die Landwirte

3-gliedrig

4- und mehrgliedrig

Gesamt

Schlw.-Holstein

Niedersachsen

NRW

Rheinl.-Pfalz

Hessen

Baden-Württ.

Bayern

Mecklenb.-Vorp.

Brandenburg

Sachsen-Anhalt

Thüringen

Sachsen

13

beeinflusst. Während der Raps im westlichen

und südlichen Teil Deutschlands aufgrund von

ausreichend Niederschlägen sehr gut auflaufen

und sich entwickeln konnte, setzte in weiten

Teilen der neuen Bundesländer der erste Regen,

beginnend in der zweiten Septemberhälfte, ein.

So liefen einige Pflanzen bereits nach der Aussaat

auf, während der größte Teil der Pflanzen

erst nach dem Regen sichtbar wurde. Die Konsequenz

waren ungleichmäßig aufgelaufene

Bestände. Durch die verzögerte Keimung verringerte

sich gleichzeitig die Zeitspanne für eine

ausreichende Vorwinterentwicklung. Einige Be-

Phoma, die wichtigste Krankheit im Rapsanbau, fand geradezu ideale Entwicklungsbedingungen im Jahr

2002

mit den höchsten Rapserträgen 2002 waren

eindeutig Betriebe mit einem geringen Rapsanteil

in der Fruchtfolge und einem vergleichsweise

hohen Pflanzenschutzeinsatz.

Worauf 2003 achten?

Die Witterung im Herbst 2002 hat die Rapsbestände

in ganz Deutschland unterschiedlich

stände sind so nicht über das 3-Blattstadium

hinausgekommen. Ob sie den Winter überstehen

und im Frühjahr die notwendige Entwicklung

zum Aufbau vernünftiger Erträge schaffen

werden, hängt wesentlich von den Temperaturen

und Frösten in diesem Winter ab. Früher

Stickstoff mit Betonung der ersten Gabe kann

die Regeneration solcher Bestände begünstigen.

Weitere aktuelle Hinweise zur Raps-Bestandesführung

in den nächsten Wochen finden Sie

im DSV-Internet unter www.dsv-saaten.de und

im monatlichen Newsletter. Ergänzt werden

diese Angaben ebenfalls durch Hinweise unter

www.rapool.de

Ludger Alpmann

Fon: 0 29 41 / 29 64 93

Fax: 0 29 41 / 29 64 00

E-Mail: alpmann@dsv-saaten.de

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