Wie lange hält der positive Preistrend bei Ölsaaten? - DSV

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Wie lange hält der positive Preistrend bei Ölsaaten? - DSV

Raps

Wie lange hält der

positive Preistrend

bei Ölsaaten?

Thomas Mielke, ISTA Mielke GmbH, Hamburg

Die Rapsproduzenten in Deutschland und in anderen europäischen Ländern konnten

innerhalb der letzten zwei Jahre von sehr attraktiven Marktpreisen profitieren.

Allerdings nur soweit sie den Empfehlungen gefolgt sind und rechtzeitig den Anbau

von Winterraps ausgedehnt haben und nicht von den großflächigen Frost- oder

Trockenschäden im vergangenen Jahr betroffen waren. Der Preisanstieg wurde jedoch

durch die Festigkeit des Euro gedämpft. In Deutschland erreichte der Inlandspreis im

März 2004 280–285 8 pro Tonne, während auf dem Weltmarkt die Preise in US-Dollar

auf ein Rekordniveau von $ 350 stiegen.

Gründe für die

jetzigen hohen Preise

Die Preise für Ölsaaten und pflanzliche Öle

sind innerhalb der letzten acht Monate außerordentlich

stark gestiegen. Im März 2004

wurden neue 7-Jahres-Höchststände erreicht.

Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen

sowohl auf der Angebots- als auch auf der

Nachfrageseite. Innerhalb der letzten zwei

Jahre hat der Weltverbrauch die Produktion

überschritten und somit zu einem Abbau der

4 · Innovation 2/2004

Vorräte geführt. Am Ende dieser Saison werden

die weltweiten Vorräte an Ölsaaten und

Ölen sowie auch an Getreide auf ein ungewöhnlich

niedriges Niveau gefallen sein.

Gründe für die Preisfestigkeit sind:

1) Das weltweite Angebot an Sojabohnen und

Öl ist momentan äußerst knapp. Die USA

hatten in den letzten beiden Jahren Missernten

bei Sojabohnen, wobei die Ernte im

Herbst 2003 äußerst gering war und etwa

14 Mio. t unter den ursprünglichen Erwar-

360

320

280

240

200

160

Rapspreise in Hamburg*

tungen lag. Witterungsbedingte Einflüsse,

aber auch Schädlingsbefall und andere

Faktoren sind als Gründe zu nennen. Zusätzlich

gab es erhebliche Produktionsausfälle in

Argentinien, Brasilien und Paraguay im Januar/März

2004, so dass die südamerikanische

Sojabohnenernte um ca. 12 Mio. t unter

den ursprünglichen Erwartungen liegen

wird. Dadurch wird das weltweite Angebot

an Sojabohnen, -öl und -schrot in der zweiten

Hälfte dieser Saison äußerst knapp sein.

US-$

EURO

98/99 99/00 00/01 01/02 02/03 03/04

Preise von Juli 1998 bis März 2004

* Monatliche Durchschnittspreise


2) In der Saison

2003/04 wird die Palmölproduktion

weltweit nur um ca.

0,8 Mio. t zunehmen, im

Vergleich zu einem Anstieg von

2,3 Mio. t in 2002/03.

3) In China kann die Produktion mit dem

Verbrauch bei weitem nicht Schritt

halten. Innerhalb weniger Jahre hat

sich der chinesische Verbrauch von

Ölen und Ölkuchen verdoppelt. China

kauft in dieser Saison

voraussichtlich 20,0

Mio. t Sojabohnen

und ist auch verstärkt

als Importeur

von Rapssaat und

Rapsöl sowie von Sojaöl

und Palmöl aufgetreten.

4) Die Verbrauchsentwicklung von Ölen und

Fetten: Der Weltverbrauch von 17 Ölen und

Fetten ist innerhalb der letzten 12 Jahre

außerordentlich stark um etwa 4 % pro

Jahr gestiegen. In unserer neuesten Prognose

gehen wir davon aus, dass der Weltverbrauch

in der Saison 2003/04 etwa

128,4 Mio. t betragen wird, verglichen mit

102,4 Mio. t in 1997/98 und 81,8 Mio. t in

1990/91. Seit Anfang der 90er Jahre ist der

Weltverbrauch um durchschnittlich 3,5 Mio. t

pro Jahr gewachsen. In den letzten Jahren

wurde das größte Wachstum in China

und anderen asiatischen Ländern registriert.

Bevölkerungsanstieg und zunehmender

Wohlstand sind die Wachstumsmotoren.

5) Die Vorräte an 17 Ölen und Fetten sind

innerhalb der letzten 2 Jahre um 2,4 Mio. t

weltweit abgebaut worden. Wegen der

witterungsbedingten Produktionsausfälle in

Südamerika wird das weltweite Angebot

an Sojaöl kleiner als erwartet ausfallen. Die

Kombination aus hoher Nachfrage, zu

geringer Produktion und einem dramatischen

Abbau der Vorräte führte weltweit zu

steigenden Preisen und Anfang 2004 zu

einem neuen 7-Jahreshoch für alle wichtigen

Ölsaaten und pflanzlichen Öle.

Raps

Wie lange hält der positive

Preistrend bei Ölsaaten?

Die weltweite fundamentale Lage ist zurzeit

äußerst knapp. Dies ist allerdings – zumindest

größtenteils – bereits in den heutigen Preisen

reflektiert. Wir gehen davon aus, dass etwa

im Mai oder Juni 2004 die Preisspitze bei

Ölsaaten und pflanzlichen Ölen auf dem

Weltmarkt erreicht sein wird. Dies gilt unter

Annahme normaler Witterungsverhältnisse in

den wichtigsten Produktionsgebieten.

Aufgrund der attraktiven Preise ist mit einem

starken Anstieg der weltweiten Aussaatfläche

und Produktion von Sojabohnen und Raps in

2004/05 zu rechnen.

Rapssaat: Produktion von EU-15 und EU-25 (Mio. t.)

2004* 2003 2002 2001 2000 1999

Frankreich 3,50* 3,34 3,41 2,87 3,48 4,39

Deutschland 4,40* 3,64 3,89 4,16 3,59 4,28

UK 1,74* 1,77 1,53 1,16 1,16 1,74

Andere 0,81* 0,73 0,67 0,68 0,72 0,99

Gesamt EU-15 10,45* 9,48 9,50 8,87 8,95 11,40

Tschechien 0,80* 0,39 0,71 0,97 0,84 0,93

Slowakei 0,18* 0,05 0,25 0,24 0,14 0,24

Ungarn 0,17* 0,10 0,21 0,21 0,18 0,33

Polen 1,10* 0,80 0,95 1,06 0,96 1,13

Estland 0,08* 0,07 0,06 0,04 0,04 0,03

Lettland 0,05* 0,04 0,03 0,01 0,01 0,01

Litauen 0,13* 0,12 0,11 0,07 0,08 0,12

Die neuen 10 2,51* 1,57 2,33 2,60 2,25 2,78

Gesamt EU-25

* Vorhersage

12,96* 11,05 11,83 11,47 11,20 14,18

Innovation 2/2004 · 5


Raps

Bald werden die Aussichten hoher Ernten in

2004/05 zu zumindest leicht fallenden Preisen

führen. In unserer vorläufigen Ölwelt-Prognose

rechnen wir z. Zt. mit einer Rapsernte

von 10,45 Mio. t in der EU-15. Das ist ein

5-Jahreshoch und deutlich mehr als die 9,5

Mio. t des Vorjahres. Auch die zehn neuen

Mitglieder werden mehr produzieren, insbesondere

Polen, die Tschechische Republik, die

Slowakei und Ungarn. Für die erweiterte EU

mit 25 Mitgliedern erwarten wir in diesem

Jahr eine Rapsernte von fast 13,0 Mio. t im

Vergleich zu 11,05 Mio. t im Vorjahr und 11,8

Mio. t in 2002.

Preisdruck wird auch durch die Erwartung

einer höheren Ernte in Kanada entstehen.

Allerdings wird die chinesische Ernte kleiner

ausfallen als erwartet. Trotzdem wird in der

neuen Saison nach der neuesten Ölwelt-

Prognose die Weltproduktion von Rapssaat

um ca. 2,3 Mio. t auf ein neues 5-Jahreshoch

von etwa 41,0 Mio. t ansteigen. Gleichzeitig

ist in 2004/05 mit einer Rekordproduktion

von Sojabohnen zu rechnen.

Aber Witterungsrisiken bleiben. Sollte es in

Nordamerika oder in anderen wichtigen Ölsaatenproduktionsgebieten

im Sommer 2004

erneut zu Wetterproblemen und Ernteverlusten

kommen, dann würde das globale

Angebot von Ölsaaten und Ölen weiter knapp

bleiben und die neuerntigen Preise entsprechend

höher liegen.

Der Rapsanbau wird auch für die Ernte 2005

attraktiv bleiben. Der Preisspielraum nach

unten wird durch folgende Faktoren begrenzt:

Sehr kleine Getreide-Vorräte weltweit und

– in den nächsten 2 bis 3 Jahren – die

Notwendigkeit der Reduzierung der Ölsaatenflächen

zugunsten von Getreide.

Die Preise von Sonnenblumensaat und -öl

werden voraussichtlich in den nächsten

vier Monaten steigen und in 2004/05 relativ

hoch bleiben, weil die Weltproduktion

zurückgeht. Dies kommt den Rapspreisen

zugute.

Die weltweiten Vorräte von Sojabohnen

und -öl werden im August und September

2004 auf ein ungewöhnlich niedriges

6 · Innovation 2/2004

Niveau fallen und die Preise relativ hoch

halten. Raps und Canola profitieren durch

zunehmende Käufe aus China und Mexiko.

Die Vorräte aller Öle und Fette werden

zumindest bis Ende 2004 sehr klein bleiben.

Die fundamentale Lage von Palmöl ist bullisch.

Es ist, bedingt durch rückläufige

Produktion in Malaysia, mit zunehmenden

Preisen im April/Juni 2004 zu rechnen.

In Europa zunehmende Nachfrage nach

Rapsöl für Food und Non-Food (Biodiesel).

Wetter sorgt

für Unsicherheit

Die Preise von Ölen und Fetten werden auf

absehbare Zeit stabil bleiben, solange die

weltweiten Vorräte nicht ausreichend aufgebaut

sind. Zunächst ist mittelfristig mit einem

weiteren Rückgang der Vorräte zu rechnen.

Bei der derzeit sehr knappen Versorgungslage

bei Ölen und Fetten ist in allen wichtigen

Produktionsländern gutes Wetter unbedingt

erforderlich, damit die notwendige Verbesserung

der weltweiten Produktion innerhalb

der nächsten 6–12 Monate erreicht werden

kann. Aber es ist damit zu rechnen, dass die

Preisspitzen bald erreicht sein werden. Die

wichtigsten Faktoren, die für einen Rückgang

der Preise in 2004/05 sprechen (bei der

Annahme guter Witterungsbedingungen), sind

1) ein großer Anstieg der Weltproduktion

von Sojabohnen um möglicherweise sogar

24–28 Mio. t im Vergleich zur reduzierten

Ernte in 2003/04

2) eine Zunahme der Rapsproduktion um

2–3 Mio. t und

3) eine weltweit steigende Palmölproduktion

in 2004/05.

Thomas Mielke

Fon 0 40/7 61 05 00

Fax 0 40/76 10 50 90

E-Mail: info@oilworld.de

www. oilworld.de

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