Juli-Dezember 2010 - Evangelische Landeskirche in Baden

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Juli-Dezember 2010 - Evangelische Landeskirche in Baden

Frauenarbeit

der Evangelischen Landeskirche in Baden

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76133 Karlsruhe

Tel. 07 21/ 91 75 - 3 23

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www.frauenarbeit-baden.de

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Es blitzt ein Tropfen Morgentau

im Strahl des Sonnenlichts;

ein Tag kann eine Perle sein

und ein Jahrhundert nichts.

Gottfried Keller


Brief aus der Frauenarbeit der

Evangelischen Landeskirche in Baden

Juli-Dezember 2010

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Die Erinnerung und das Gedenken an Gertrud Hammann, deren 100.

Geburtstag wir im Februar mit vielen Gästen und FreundInnen in Karlsruhe

gefeiert haben, prägen auch diese neue Ausgabe von „ganz persönlich“.

Zum einen finden Sie zwei Beträge des Jubiläumsfestes in der Rubrik „Hintergrund“:

Doris Eck, langjährige Weggefährtin würdigt Gertrud Hammann

als „christliche Lebenskünstlerin“, die durch ihr verlässliches Engagement,

ihre lebensbejahende, den Menschen zugewandte Haltung und die Kraft

ihres Glaubens auch die schwierige Zeit ihres Lebens durchstand und für

viele Menschen prägendes und Mut machendes Vorbild war. Renate Kirchhoff

verbindet Rückschau und Ausblick, indem sie aufzeigt, welche Linien

von Gertrud Hammanns Biografie und Engagement zu den aktuellen

Herausforderungen kirchlich-diakonisches Handelns führen.

„Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit den Menschen, die

man als Höhepunkte des Lebens bezeichnen kann...“ - dieses von Gertrud

Hammann überlieferte Wort, das eine für sie grundlegende Lebenserfahrung

ausdrückt, spiegelt sich auch in den anderen Beiträgen dieses Heftes:

60 Jahre Müttergenesungsarbeit in Deutschland, vor 55 Jahren von Gertrud

Hammann in Baden verankert (Seite 5); der Bericht über eine Reise in

das Weltgebetsland 2011 Chile (Seite 7), der uns die alltägliche Not der

Menschen dort vor Augen führt; die Herausforderungen des alltäglichen

Lebens bei uns, wenn man Kinder und/oder ältere Angehörige zu betreuen

hat (Seite 9) und anderes mehr.

Die Verbindungen zu zwei Menschen nehmen in diesem Heft einen

besonderen Raum ein: Zum einen zu Prälatin Ruth Horstmann-Speer, die

über 15 Jahre lang in wohltuender, seelsorgerlicher und ermutigender

Weise Menschen begleitet hat - und auch für die Frauenarbeit immer ein

offenes Ohr und einen unterstützenden Rat hatte. Das Interview mit ihr

aus Anlass ihrer Verabschiedung lesen Sie auf Seite 10. Wir danken ihr von

Herzen und wünschen ihr Gottes gutes Geleit und Segen im „neuen Stand“!

Die andere Verbindung führt zu Reinhild Traitler nach Zürich, die in diesem

Jahr mit dem Marie von Marschall Preis unserer Stiftung GRATIA ausgezeichnet

wird (Seite 8).

Darüber hinaus finden Sie weitere Berichte und Anregungen aus der

Frauen-Arbeit in Gemeinden, Bezirken und auf landeskirchlicher Ebene…

Auch sie spiegeln auf je unterschiedliche Weise „die Verbindungen mit den

Menschen…“ wider.

Zwei neue Kolleginnen stellen sich in diesem Heft vor. Wir freuen uns,

dass wir nun wieder „vollzählig“ sind und heißen sie herzlich willkommen!

Sie finden ihre Beiträge und weitere Informationen unter „News“ (Seite 17)

- und schließlich die Mitarbeiterinnen der Landesgeschäftsstelle auf einen

Blick auf der fast letzten Seite.

Wir wünschen Ihnen wie immer eine anregende und spannende

Lektüre und freuen uns über Ihre Rückmeldungen!

Mit herzlichen Grüßen aus Karlsruhe

Ihre


Blaue Blumen für mehr Mütterfreundlichkeit:

Das Müttergenesungswerk ist 60! 5

„Mit beiden Füßen auf der Erde und einer Hand im Himmel“ 6

„Spannelanges Land“ – Weltgebetstagsland 2011 Chile 7

Marie von Marschall Preis für Reinhild Traitler 8

Interreligiöses Frauennetz Baden 8

Kleiner Frauenkirchentag in Freiburg 9

Rund um die Uhr – Angehörige zwischen Pflege und Beruf 9

mit Prälatin Ruth Horstmann-Speer

Frauen brauchen auch heute „Kraft und Würde“ 10

Gertrud Hammann:

Kirchlich-diakonische Herausforderungen heute

(Prof. Dr. Renate Kirchhoff) 11

Würdigung von Gertrud Hammann (Doris Eck) 13

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„Nicht allein“ – Gottesdienst für krebskranke Frauen 15

„Quelle des Lebens – Wasser“ 15

Pilgern auf dem Drahtesel 16

Bodenseekirchentag 2010 16

Neu in der Frauenarbeit: Ute Niethammer, Anna Binkele 17

Arbeitshilfe zum Frauensonntag 2010 17

Buchrezensionen 18

Impressum 19

Die Mitarbeiterinnen der Frauenarbeit auf einen Blick 19

Programm

Herbst & Winter 2010

im Innenteil

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„Wer hüpft, hofft“

Amelie hüpft aufgeregt durch den Flur Richtung Schrank: „Wo ist mein

großes Badetuch?“ Hüpfhüpf. Schon steht sie wieder bei mir im Türrahmen:

„Mama, hast du die Schwimmbrille eingepackt?“ Sie wühlt in der

großen Tasche, bis ihr noch etwas anderes einfällt. Hüpfhüpf. Das Kind

wuselt, springt, hüpft bis es endlich losgeht zum ersten Tag im Freibad.

Hüpfen hieß im Mittelalter ‚hopen’. Die Menschen benutzten dieses Wort,

wenn jemand vor Erwartung unruhig und zappelig war. Daraus wurde

später das Wort ‚hoffen’.

Amelie hofft auf einen prima Badetag.

Wenn ich wegen ernsterer Dinge nervös bin, wenn ich hoffe, dass mir

etwas gelingen möge, werde ich auch zappelig und hüpfe heimlich vor

mich hin. Wenn bei einem Fußballspiel alle auf das nächste Tor hoffen,

bebt schon mal die Tribüne vor lauter hüpfenden Fans.

Weil wir auf etwas warten, weil ich auf etwas hoffe.

Ich habe ziemlich hohe Erwartungen an Gott und habe viel Hoffnung.

Und wenn sich eine Erwartung nicht erfüllt, dann bin unruhig, was

stattdessen geschehen wird – hoffnungslos bin ich selten.

Wenn ich dann in einen Gottesdienst gehe, dann ist es da eher still und

ruhig, dabei sind doch da so viele Leute, die auf etwas hoffen. Aber an

Hüpfen ist da nicht zu denken. Zumindest hier bei uns. In Afrika oder in

schwarzen Gemeinden in den USA wird getanzt, gehüpft, geklatscht. Da

verbindet sich das Wort hoffen wieder mit seinem Ursprung – hüpfen.

Hoffen und Hüpfen. Ich wünsche mir das auch für uns: mehr Bewegung

beim Glauben, mehr Hoffen und Hüpfen. Bewegung als sichtbare

Hoffnung. Schließlich erwarte ich von Gott ja auch, dass sich sichtbar was

zum Guten ändert. Etwas, das so groß ist wie für meine Tochter ein Tag im

Freibad.

Ute Niethammer

PS: Sie suchen ein leckeres Apfelmusrezept? Ich bin bei Christa Spilling-

Nöker fündig geworden und gebe es Ihnen gerne weiter: „Würze dein

Leben täglich mit einer Prise Humor und einem Teelöffel voll Vergnügen.

Gib ein Glas Wagemut hinein und gieße noch einen Becher Hoffnung dazu.

Rühre alles kräftig durch und stell es für eine Weile an einen sonnigen

Platz. In der Wärme geht dir das Glück nach und nach auf und du darfst

vom Geschmack guten Lebens dich nähren.“ (aus: Ein Korb voller Glück,

Eschbach 2009).


Blaue Blumen

für mehr Mütterfreundlichkeit:

Das Müttergenesungswerk ist 60!

Die Elly Heuss-Knapp-Stiftung, Deutsches

Müttergenesungswerk (MGW), feiert im Jahr

2010 ihr 60-jähriges Jubiläum. Die Gesundheit

und die Gesunderhaltung der Mütter in

Deutschland zu stärken ist das Ziel der Stiftung

heute genauso wie zur Zeit der Gründung. Elly

Heuss-Knapp, die Gattin des ersten Bundespräsidenten

Theodor Heuss, gründete das Werk

am 31. Januar 1950 als Zusammenschluss der

großen Wohlfahrtsverbände Deutschlands.

Mehr als vier Millionen Mütter und Kinder haben bisher davon profitiert,

dass Elly Heuss-Knapp 1950 eine Stiftung gründete, der bis heute

die Ehefrauen der Bundespräsidenten als Schirmherrinnen dienen. Die

Stiftung ist eine Lobby geworden. Sie hat über die Jahrzehnte hinweg ihr

Konzept einer wirksamen Hilfe für Mütter den sich wandelnden Bedürfnissen

angepasst und durchgesetzt. Inzwischen dürfen auch Väter seit 2002

kuren und seit 2007 müssen Müttergenesungskuren bis auf die Mindestzuzahlungen

von zehn Euro pro Tag von den Gesetzlichen Krankenkassen

übernommen werden. Dieser Verdienst ist vor allem dem langen Atem des

Müttergenesungswerks zu verdanken.

„Wir machen Mütter stark“ heißt einer der Slogans des Müttergenesungswerks.

Allein 2008 nahmen 47 000 Mütter und 68 000 Kinder an

Kuren des Müttergenesungswerks in den 84 Einrichtungen teil, um mit

dem richtigen Behandlungsplan körperlich und seelisch gesund zu werden.

Rund ein Drittel davon war allein erziehend und 44 % hatten ein geringes

Einkommen. Nach einer 2007 erstellten Studie für das Familienministerium

kommen trotz der verbesserten Zugangsmöglichkeiten längst nicht alle

Mütter und Väter, die Anspruch darauf hätten, in den Genuss der Kuren.

Zwanzig Prozent der für die Kindererziehung hauptverantwortlichen

Mütter und elf Prozent der Väter leiden unter einschlägigen Gesundheitsstörungen.

Auskunft über Beratungsstellen,

Antragsverfahren und Einrichtungen finden Sie unter:

http://muettergenesungswerk.de und http://eva-frauengesundheit.de

oder wenden Sie sich an:

Frau Susanne Schöpfle, Tel. 0721/9175-325

E-Mail: susanne.schoepfle@ekiba.de

Die Gründerin Elly Heuss-Knapp hatte bereits vor 60 Jahren erkannt,

dass Mütter dringend Unterstützung brauchen. Damals waren die Frauen

der Nachkriegszeit ihre Zielgruppe, die oft ohne Männer die Kinder

großziehen und Wiederaufbauarbeit leisten mussten. Zuerst ging es

darum, Kriegserlebnisse zu verarbeiten, sich wieder mal satt zu essen und

zu erholen. Heute kommen die Frauen immer kränker in die Einrichtungen.

Mütter denken nach wie vor zu aller letzt an sich selbst. Die Mütter heute

sind immer noch diejenigen, auf deren Schultern die Hauptlast der Familienverantwortung

liegt. Sie versorgen die Kinder, managen den Haushalt,

sind vielleicht auch berufstätig. Eine hohe Belastung, die immer öfter

dann krank machen kann, wenn die Pflege eines Familienangehörigen,

finanzielle Sorgen oder Partnerschaftsprobleme dazukommen. Die Mütter

brauchen deshalb heute wie damals unsere Unterstützung: das offene Ohr

der Beraterinnen, die frauenspezifische Behandlung in der Vorsorge oder

Rehabilitationsmaßnahme, die verständnisvolle Nachsorge, und wenn es

sein muss auch finanzielle Unterstützung durch Spenden.

All das – und vor allem das Gefühl vorbehaltlos angenommen zu

werden mit allem Respekt vor der Persönlichkeit – macht das Müttergenesungswerk

auch heute noch aus. Und wird deshalb gebraucht – wie vor 60

Jahren. Denn wer fragt heute sonst nach den Müttern?

Inge Bayer

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„Mit beiden Füßen auf der Erde

und einer Hand im Himmel“

Reise zu den Beginenhöfen im „Ruhrpott“

Unter dem Titel „Mit beiden Füßen auf der Erde und einer Hand im

Himmel“ machten sich siebzehn Frauen aus Baden und Württemberg auf

den Weg in den „Ruhrpott“, um drei „neue“ Beginenhöfe in Essen, Unna

und Dortmund zu besuchen.

Nicht die kunsthistorische Spurensuche zu alten Gemäuern war das

Ziel, sondern die Begegnung mit Frauen, die in ganz unterschiedlicher

Weise ihren Traum vom gemeinschaftlichen Wohnen verwirklicht haben.

Allen Beginenhöfen gemeinsam waren die Leitideen der mittelalterlichen

Beginenbewegung:

• Wohnen und arbeiten unter einem Dach

• Gemeinschaft und soziales Engagement im Umfeld

• Achtung und Nutzung der vielfältigenTalente

• Spiritualität

„Denn die Beginen sind gewissermaßen die Ur-Ur-Großmütter des

selbstorganisierten, gemeinschaftlichen Frauen-Wohnens heute“, – so

eine Teilnehmerin in der abendlichen Runde zum Tagesausklang.

Mit fester Residenz im wunderschön gelegenen und renovierten

Tagungshaus der Westfälischen Landeskirche, Haus Villigst in Schwerte,

brachen wir jeden Morgen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den verschiedenen

Beginenhöfen auf.

Beginenhof ist nicht gleich Beginenhof! Er lebt und formt sich durch

die Menschen, die sich zusammengefunden haben. Im Beginenhof Essen,

der in einem unter Denkmalschutz stehenden Finanzamt in Essen Mitte

sein Zuhause gefunden hat, stand die Verbindung von Leben und Arbeiten

im Vordergrund. In dem weitläufigen Gebäude fanden wir verschiedene

Praxen, ein Café und eine Pflegestation vor. Viele Frauen sind noch berufstätig

und die feministische Theologie ist ihre spirituelle Heimat, die sie

im Jahreskreislauf und in wöchentlichen Besinnungsrunden leben. „Völlig

frei und unverbindlich, – Toleranz und Freiheit ist uns wichtig“ so unsere

Gesprächspartnerin in Essen.

Im ländlichen Beginenhof Unna, einem schmucken Neubau mit 25

Wohneinheiten, stand die Gemeinschaft und das „füreinander da sein“ im

Vordergrund. Ein am Geländer des Laubenganges hängendes Seidentuch,

signalisiert weit sichtbar, „Ich habe einen Kaffee gekocht und freue mich

über Gesellschaft“. Frauen aus unterschiedlichen Lebenssituationen und

vor allem mit unterschiedlichem Einkommen, haben hier ihr Nest und

auch soziales Netz gefunden. Bei schönstem, warmem Frühlingswetter

genossen wir auf der Terrasse des Gemeinschaftsraumes, westfälische

Gemüsesuppe mit Kaffee und Kuchen. Die Spiritualität steht hier nicht auf

dem Papier oder findet in Andachtsräumen statt, sondern wird im Alltag

gelebt und gepflegt. Das hat uns alle sehr beeindruckt und überzeugt.

Ganz anders unser letzter Tag im Beginenhof Dortmund. Mitten im

Dortmunder „Problemstadtteil“ Lichterfelde, einer Oase mit großem Gelände,

einem großzügigen Innenhof mit Blumenrabatten und Gemüsegärten.

Nur wenige Meter von der U-Bahn und einer mehrspurigen Straße entfernt

haben sich ca. 25 Frauen mit großzügigen Investoren „ihr“ Haus gebaut.

Alle wohnen zur Miete und auch hier kommen die Bewohnerinnen aus

ganz unterschiedlichen Lebensbezügen. Ein-Eltern-Familien, Alleinstehende,

Frauenpaare und sogar ein Lebenspartner bilden die Hausgemeinschaft

des Beginenhofes Dortmund. Deutlich wurde beim Rundgang, wie wichtig

allen hier die Individualität ist. Konflikte bleiben nicht aus und brauchen

viel Bereitschaft sowie verlässliche Strukturen, damit die Gemeinschaft

wächst und stabil bleibt.

Alle Wohnprojekte sind Mietwohnprojekte und durch großzügige

Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen für Gemeinschaftliche Wohnprojekte,

durch das Engagement von Kirchengemeinden und Investoren

entstanden. Sie zeichnen sich durch einen hohen sozialen Anspruch und

die Integration von Menschen aus unterschiedlichen Sozial-und Alterstrukturen

aus.

Mit einem Reisesegen und vielen Anregungen im „Gepäck“ verabschiedeten

wir den Ruhrpott, der als Kulturhauptstadt Europas 2010 mehr

zu bieten hat als Fördertürme und Kohle.

Hannelore List


„Spannelanges Land“

Eindrücke einer Reise nach Chile, Weltgebetstagsland 2011

Spannelanges Land – so bezeichnet Isabel Allende in ihrem Buch „Mein

erfundenes Land“ das Land Chile, das ich mit einer Reisegruppe aus

Westfalen im März 2010 besucht habe.

Chile ist das schmale Land an der Westküste Südamerikas, das sich vom

Norden nach Süden auf eine Länge von ca. 5000 km erstreckt. Etwa 5

Stunden dauert der Flug (!) vom Norden an der Grenze zu Peru bis zur

Inselgruppe Feuerland mit Kap Horn, dem südlichsten Ende des amerikanischen

Kontinents. Die geringe West-Ost-Erstreckung von lediglich

80 – 400 km ermöglicht es dagegen, Chile mit dem Auto in wenigen

Stunden vom Pazifik bis zu den Anden zu durchqueren. Die enorme

Nord-Süd-Ausdehnung gibt dem Land viele verschiedene Klimazonen und

die unterschiedlichsten Landschaftsformen. Dazu gehören u. a. bizarre

Wüstenlandschaften, große Salzseen, aktive Vulkane, fruchtbare Ebenen,

wunderschöne Fjorde und blau schimmernde Gletscher. Faszinierend ist

auch die Tierwelt mit Flamingos, Guanakos (eine Lama-Art), Pinguinen

und dem Kondor-Vogel, um nur einige zu nennen. Chile ist wahrhaft eine

Reise wert!

Ca. 16 Millionen Menschen leben in der Präsidialrepublik Chile. Die letzten

Präsidentschaftswahlen (im Dezember 2009) haben einen politischen

Wechsel gebracht. Mit Sebastián Piñera eroberte erstmals seit Ende der

Pinochet-Diktatur vor 20 Jahren die Rechte wieder das höchste Staatsamt.

Das schürt unter einem Teil der Bevölkerung Ängste, denn das Martyrium

der Pinochet-Zeit ist noch längst nicht vergessen bzw. aufgearbeitet.

Immer noch werden Menschen vermisst und gesucht. Doch wir trafen auch

Chilenen, die den politischen Neuanfang begrüßen. Sie hoffen auf einen

neuen Aufbruch, auch, um der eingesetzten Politikverdrossenheit entgegen

zu wirken. Ob sich etwas für die indigene Bevölkerung ändern wird?

Die Mapuche, zu denen die Mehrheit der indigenen Bevölkerung gehört,

fühlen sich jedenfalls bislang in ihren Sorgen und Wünschen nicht genügend

respektiert. Sie erhalten nicht einmal in den Medien eine Stimme,

sodass die breite Öffentlichkeit nichts von ihren Benachteiligungen erfährt.

Politisch seit eh und je zweigeteilt, fühlen sich die Chilenen trotzdem als

eine Nation. Das hat nicht zuletzt die große Solidarität unter den Menschen

nach den schweren Erdbeben im März 2010 und dem sich anschließenden

Tsunami mit seinen katastrophalen Folgen gezeigt.

Bei jeder Katastrophe gibt es Gewinner und Verlierer. Die Baubranche

boomt. Wir waren beeindruckt, wie schnell im öffentlichen Leben, Notfallpläne

umgesetzt wurden. Schon wenige Tage nach dem Beben, konnte der

gesamte Flugverkehr in Santiago wieder aufgenommen werden. Die ganze

Abwicklung erfolgte reibungslos in Zelten(!).

„Wie viele Brote habt ihr?“ so lautet das Thema des Weltgebetstages 2011,

für den chilenische Frauen die Gebetsordnung geschrieben haben. Dass

das Thema „Wie viele Brote habt ihr?“ eine solche Brisanz erhalten würde,

konnten die Frauen beim Verfassen der Texte noch nicht ahnen. Ganz

konkret heißt es zurzeit in Chile: Wie viele „Brote“ sind da und wie können

sie schnell und gerecht verteilt werden.

Das Ausmaß der Katastrophe und der einzelnen Schicksale ist nicht in

Worte zu fassen.

Wir trafen die Präsidentin der lutherischen Kirche von Chile, Frau Gloria

Rojas, die uns mit Tränen in den Augen berichtete: „Viele Menschen haben

nichts mehr und waren schon für meine Umarmung dankbar“.

Die Menschen in Chile sind zusammengerückt. Möge der Weltgebetstag

dazu beitragen, dass auch wir neben all den anderen Katastrophen auf der

Welt, Chile nicht vergessen und im Blick behalten. ….denn die Erde bebt

in Chile weiter!

Renate Heuck

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Marie von Marschall

Preis für

Reinhild Traitler

Zum zweiten Mal wird in diesem Jahr der

mit 2000 Euro dotierte Marie von Marschall

Preis durch die Stiftung GRATIA verliehen.

Ausgezeichnet wird die in Zürich lebende

Theologin und Philologin Reinhild Traitler

für ihr außergewöhnliches Engagement im

Bereich der Ökumene, der Feministischen

Theologie und der interreligiösen und

interkulturellen Begegnungsarbeit, dem auch

die Evangelische Frauenarbeit in Baden vielfältige

und wegweisende Impulse verdankt.

Als Mitarbeiterin beim Ökumenischen

Rat der Kirchen in Genf war Reinhild Traitler

in den 70er Jahren verantwortlich für die entwicklungspolitische

und interkulturelle Bildungsarbeit.

Von 1984 bis 2003 prägte sie als

Studienleiterin am Evangelischen Tagungs-

und Studienzentrum Boldern bei Zürich nachhaltig und über die Grenzen

der Schweiz hinaus die Ausstrahlung der Tagungsstätte. Hier entwickelte

sie seit den 80er Jahren Ausbildungskurse in Feministischer Theologie, ab

1999 mit dem Schwerpunkt interreligiöser Dialog aus der Sicht von Frauen.

Hier fanden auch die Europäischen Frauensommerakademien statt, die

nach der Wende Frauen aus Mittel- und Osteuropa jährlich nach Boldern

führten. Von hier aus nahm das Europäische Projekt für Interreligiöses

Lernen (EPIL) seinen Anfang, das als ambulanter Studienkurs bereits im

3. Durchgang Lernende aus dem Libanon, Bosnien, Spanien, Niederlande,

Deutschland und der Schweiz zusammenführt.

Mit Reinhild Traitler wird, so heißt es in der Begründung des Vorstands

von GRATIA, eine Wegbereiterin und Weggefährtin der Ökumene und des

interreligiösen Dialogs ausgezeichnet, die viele(s) angestiftet und auf dem

Weg begleitet hat. Dazu zählen auch ihre zahlreichen Vorträge in Baden

bei interreligiösen Frauentagungen, bei „Unterwegs für das Leben“, bei

Feministisch-theologischen Werkstätten oder beim Jubiläumsfest der

Frauenarbeit 2006. Ihre Texte und Beiträge sind spirituelle Wegzehrung

im Alltag, sie zeichnen sich aus durch Klarheit und gedankliche Tiefe,

durch eine sensible und kraftvolle Sprache, durch eine menschennahe und

berührende Theologie.

Die festliche Preisverleihung findet im Anschluss an die jährliche

Stiftungsversammlung von GRATIA am 19. November 2010 im Lichthof des

Evangelischen Oberkirchenrates in Karlsruhe statt. Herzliche Einladung!

Annegret Brauch

Interreligiöses

Frauennetz Baden

„Wenn wir älter werden…“ war das Thema der diesjährigen interreligiösen

Frauentagung, die nun schon zum 4. Mal stattfand. 70 Frauen

aus ganz Baden und darüber hinaus waren dazu nach Bad Herrenalb

gekommen. Wie kann Integration älterer Frauen gelingen? Was meint in

Würde altern vor dem Hintergrund verschiedener religiöser und kultureller

Traditionen? Und welche Rahmenbedingungen braucht es z.B. für den

Umgang mit Pflegebedürftigen? Wie kann die Balance gelingen zwischen

Einschränkung und neuen Möglichkeiten? Wie kann ein Aufbruch ins Alter

aussehen und welche Lebensmittel sind bekömmlich auf diesem Weg?

Viele Fragen, angeregter und anregender Austausch in großen und

kleinen Gruppen, ermutigende Impulse: „Was lernen Sie von Menschen

über 80?“ – „Sich der begrenzten Lebenszeit bewusst sein, den Wert des

Lebens vor einem bevorstehenden Ende neu entdecken, es interessiert und

dankbar erleben.“ – „Sich nicht mehr so wichtig nehmen, Einschränkungen

akzeptieren; lernen, Hilfe anzunehmen; offen sein für Neues, Kontakte

suchen.“ „Im Gespräch bleiben zwischen den Generationen – und sich

gegenseitig beistehen; sich dankbar an all dem freuen, was noch geht;

Ehre, Würde, Güte auch für mich selbst.“ „Entrümpeln – sich selbst und den

Speicher; Gelassenheit gewinnen, denn: Jedem Alter wohnt ein Zauber

inne!“

Eine wichtige Erkenntnis: Es gibt Themen, die sind „alterslos“. Isolation,

Einsamkeit, Sinnlosigkeit sind eher Fragen und Probleme junger Menschen,

aber natürlich gibt es sie auch bei älteren. Das führt zu der Frage:

mit welchen Bildern von alten, älteren Menschen sind wir unterwegs?

Welche „Altersbilder“ dominieren in der Gesellschaft und prägen auch

unsere Vorstellungen? Nach einer Broschüre der Bundesregierung sind

alte Menschen „Manager ihrer Gesundheit“, selbständig und ehrenamtlich

tätig… ???

Fünf Tugenden empfehlen sich als brauchbare Lebensmittel für den

Aufbruch und den Weg ins Alter: 1. Die Demut, lateinisch: humilitas, was

soviel heißt wie: Wurzeln treiben, sich der eigenen Wurzeln bewusst

sein. 2. Humor – auch dieses Wort leitet sich von „Humus“, dem Erd- und

Mutterboden ab. 3. Dankbarkeit, lateinisch: gratias agere = Dank sagen,

könnte heißen, ein „graziöses“ Leben einüben. Denn wir leben in einem

Netz von Geben und Nehmen, mithin in einem Netz von Verbindungen

und Abhängigkeiten. 4. Gelassenheit, z.B. im Sinne von Meister Eckhardt:

„Richte deine Augen auf dich selbst und wenn du dich gefunden hast,

lass ab von dir.“ 5. Leidenschaft, denn Leidenschaft sorgt dafür, dass aus

Gelassenheit keine Langeweile wird. Das Leben so lieben, wie es ist, nicht,

wie es sein sollte…

Die nächste Interreligiöse Frauentagung findet vom 1.-3. April 2011

in Bad Herrenalb statt. Zuvor am 10. November 2010 in Karlsruhe das

jährliche Netztreffen. Herzliche Einladung zu beidem!!!

Annegret Brauch


Kleiner

Frauenkirchentag

in Freiburg

„sozial-spirituell-solidarisch“ unter diesen Leitworten findet am Samstag,

den 18. September 2010 ein kleiner Frauenkirchentag in Freiburg statt.

Eingeladen sind Frauenkreisleiterinnen, interessierte Frauen aller Konfessionen.

Ein Markt der Möglichkeiten bietet Frauenorganisationen und

-initiativen aus Kirche und Gesellschaft den Raum, sich zu präsentieren.

Eine Talkrunde zu Beginn stimmt ins Thema ein – dazu sind Frauen aus

Kirche und dem gesellschaftlichen Leben eingeladen. Den Hauptvortrag

wird Dr. Ellen Ueberschär, Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen

Kirchentags halten.

Danach werden Workshops zur Vertiefung der Leitworte angeboten. So

ist es zum Beispiel möglich, sich mit dem Thema der Vereinbarkeit von

Beruf und Familie zu beschäftigen oder sich mit juristischen Fragen zur

Umsetzung des SGB II oder mit wenig Geld eine Mahlzeit zuzubereiten,

sich in Selbstverteidigung zu üben oder etwas zur Stärkung der eigenen

Persönlichkeit zu tun.

Abgerundet wird der Tag durch einen Gottesdienst zum Frauensonntag,

der offiziell am 20. September in vielen Gemeinden gefeiert wird.

Annegret Brauch

www.hohenwart.de

Hinweis

Rund um die Uhr –

Angehörige zwischen

Pflege und Beruf

Neues Positionspapier des Landesfamilienrates Baden-Württemberg

Im Nachgang zu einer viel beachteten Tagung des Landesfamilienrates

Baden-Württemberg mit dem Titel „ Zwischen Bürostuhl und Pflegebett“

am 17.07. 2009 in Stuttgart hat der Landesfamilienrat Baden-Württemberg

nun auch ein Positionspapier herausgegeben, das die Ergebnisse

dieser Tagung politisch aufbereitet und zusammenfasst.

Die sog. Sandwichgeneration, also Frauen und Männer die sowohl Verantwortung

für ihre Kinder als auch für pflegebedürftige Angehörige tragen,

brauchen besondere Rahmenbedingungen, die sie entlasten.

Dem Landesfamilienrat sind dabei die Würde und die Bewahrung des vertrauten

Umfeldes des zu pflegenden Menschen wichtig. Pflegeaufgaben

sind seiner Meinung nach wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgaben, die

von Männern und Frauen gleichermaßen geleistet werden müssen.

Denn noch immer ist Pflege vor allem ein Frauenthema. Nach den neuesten

Statistiken des Gender Datenreports von 2005 (BMFSJ) übernehmen

hauptsächlich Frauen die Pflege der Angehörigen. So sind es auch vor

allem Frauen, die ein Vereinbarkeitsproblem haben.

Erwerbsarbeit ist immer noch der mächtigste Taktgeber für die familiare

Lebensführung und es ist für alle Beteiligten zunehmend schwieriger,

Beruf und Familie in Einklang zu bringen, so das Positionspapier des Landesfamilienrates.

Dies gilt auch für die professionelle Pflege in stationären

Einrichtungen, wie in der ambulanten Haus-und Familienpflege. Der Pflegemarkt

geht einher mit zunehmend ungeschützten Arbeitsverhältnissen

für Frauen, die vor allem aus osteuropäischen Ländern kommen.

In seiner Schlussbemerkung fordert der Landesfamilienrat eine familienbewusste

Personalpolitik, den Ausbau haushaltsnaher Dienstleistungen,

Fortschreibung der häuslichen Pflegekonzepte sowie Pflegekonferenzen

auf kommunaler und regionaler Ebene als gesetzlich verankerten Standard.

Das Positionspapier sowie die Dokumentation der Tagung „Zwischen

Bürostuhl und Pflegebett“ kann unter www.landesfamilienrat.de

als pdf herunter geladen oder unter folgender Adresse

bestellt werden:

Landesfamilienrat Baden-Württemberg

Rotebühlstr. 31

70197 Stuttgart

Telefon: 0711/625930

Email: info@landesfamilienrat.de

Hannelore List

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Frauen brauchen auch heute

„Kraft und Würde“

Prälatin Ruth Horstmann-Speer wurde 1995 zur ersten Prälatin unserer Landeskirche berufen. Ende Juli wird sie nach 15 Jahren in den

Ruhestand verabschiedet. Annegret Brauch sprach mit ihr für „ganz persönlich“.

AB: Liebe Frau Horstmann-Speer, 15 Jahre Prälatin in unserer Landeskirche...

Was sind die schönsten Aufgaben im Leben einer Prälatin? - und die weniger

beliebten...?

RHS: Für mich war die schönste Aufgabe, mit den nordbadischen Gemeinden

Gottesdienste zu feiern. Das waren oft Gottesdienste zu besonderen

Anlässen wie Jubiläen oder Einweihungen. Aber

auch die „ganz normalen“ Gottesdienste vor allem

in vakanten Gemeinden waren mir wichtig. Die

vielen unterschiedlichen Begegnungen in den

Gemeinden und Bezirken gehören zu den schönen

Aufgaben. Weniger schön sind die Anlässe, in

denen es um Streit und Konflikte geht. Und die

gibt es ja – leider – auch immer wieder in unseren

Gemeinden.

AB: Was raten Sie jungen KollegInnen, die gerade

ihre erste Pfarrstelle antreten?

RHS: Ich rate ihnen dringend, sich intensiv mit

den Ältesten über die Erwartungen an den Pfarrer

oder die Pfarrerin zu verständigen und über das

Gemeindeverständnis. Oft merken alle Beteiligten

erst nach einer Stellenbesetzung, dass ihre Vorstellungen

und Erwartungen nicht „kompatibel“ sind.

Und dann wird es schwierig…

AB: Als Sie 1974 ordiniert wurden, lag die rechtliche Gleichstellung von

Frauen und Männern im Pfarramt gerade erst drei Jahre zurück, der Anteil

der Frauen im Pfarramt war minimal. Inzwischen haben die Frauen deutlich

aufgeholt. Wird der Pfarrberuf ein „Frauenberuf“?

RHS: In der Tat hat sich in den vergangenen 30 Jahren viel verändert.

Inzwischen liegt der Anteil von Gemeindepfarrerinnen in unserer Landeskirche

bei 25%. Der Anteil von Frauen bei den Theologiestudierenden

liegt wesentlich höher. Ich teile allerdings die Ängste vieler Männer (und

Frauen) nicht, dass der Pfarrberuf ausschließlich weiblich werden könnte.

Sicherlich müssen wir danach fragen, warum der Beruf für Männer zurzeit

anscheinend weniger attraktiv ist und dann Konsequenzen daraus ziehen.

Vielleicht hat es mit dem Bedeutungsverlust von Kirche insgesamt und

damit verbunden auch mit dem Pfarrberuf zu tun.

AB: „Kraft und Würde sind ihr Gewand und sie lacht des kommenden Tages...“

war der Leitspruch im Jubiläumsjahr der Frauenarbeit vor vier Jahren. In Ihrer

Festpredigt haben Sie damals auf Hanna und Rizpa Bezug genommen, von

denen in den Samuelbüchern erzählt wird. Wie zeigt sich Ihrer Erfahrung und

Beobachtung nach „Kraft und Würde“ im Leben von Frauen heute?

RHS: Wenn Frauen – wie Hanna und Rizpa

– Ungewöhnliches und Ungewohntes tun,

brauchen sie auch heute „Kraft und Würde“.

Auch heute müssen Frauen sich in manchen

Bereichen ihren Weg „erobern“ und sich

Anerkennung verschaffen.

AB: 2016 feiert die Frauenarbeit ihren 100.

Geburtstag. Was geben Sie uns bis dahin mit auf

den Weg?

RHS: In den kommenden Jahren wird es auf

Grund der demographischen Entwicklung in

unserer Gesellschaft Veränderungen geben

und die finanziellen Ressourcen werden

knapper. Die Frauenarbeit wird – wie alle

Arbeitsbereiche in unserer Kirche – auf die

Herausforderungen reagieren müssen. Ich

wünsche den haupt- und ehrenamtlich tätigen

Frauen viel Kraft und Phantasie für diesen Prozess und bin sicher, dass es

den vielen Frauen in den Gemeinden und Bezirken und in der landeskirchlichen

Leitung gelingen wird, der Frauenarbeit nach wie vor ein unverwechselbares

Gesicht zu geben.


Gertrud Hammann

Heutige Felder und aktuelle Herausforderungen kirchlich-diakonischen

Handelns

Ausgehend von Gertrud Hammann wichtige Felder heutigen kirchlichdiakonischen

Handelns zu beschreiben, ist sehr einfach. Beides, ihr Leben

und ihr berufliches Handeln, zeigen Bereiche auf, in denen Kirche und ihre

Diakonie bis heute präsent sind und bleiben müssen.

Eine Beschreibung aktueller kirchlich-diakonischer Herausforderungen, die

Impulse der beruflichen Tätigkeit von Gertrud Hammann aufnimmt, muss

geradezu die Verbindung der beiden Handlungslogiken - der kirchlichen

und der diakonischen – aufgreifen. Die Gemeinwesendiakonie ist dafür ein

Modell.

1. Bezüge zu heutigen kirchlich-diakonische Handlungsfeldern

1.1 Flucht und Migration

a) Gertrud Hammann hat mit großem persönlichem Aufwand Gesang, Literatur

und Französisch studiert. Da sie ihre Examina in Frankreich ablegte

– sie musste aufgrund der Verfolgung und Diskriminierung der Juden im

Nazideutschland nach Frankreich fliehen - erkannte das Oberschulamt in

Karlsruhe ihre Zertifikate und Diplome nicht an. Für Menschen mit Migrationshintergrund

ist es bis heute ein großes Problem, dass im Herkunftsland

oder anderen nicht deutschen Ländern erworbene Qualifikationen hier keinen

Zugang zu einer entsprechenden beruflichen Tätigkeit eröffnen. Viele

MigrantInnen arbeiten deshalb in Deutschland unter ihrem Ausbildungsniveau.

Kirche und Diakonie können an der Anerkennungspraxis direkt nichts

ändern; aber da sie in Beratungsstellen mit Betroffenen zu tun haben, gibt

es genug Grund, politische Lobbyarbeit zu machen, die die Rechte von

MigrantInnen bei uns stärken.

b) Die Biographie der Gertrud Hammann ist geprägt von der nationalsozialistischen

Politik, die in den Nürnberger Rassegesetzen einen demagogischen

Ausdruck fand. Diese ihre Erfahrungen mahnen zum einen

Erinnerungsarbeit an. Sie mahnen jedoch auch an, die Erfahrungen von

Flüchtlingen in Deutschland wahrzunehmen und angesichts der biblischen

Mahnung „der Fremdling sei dir wie ein Einheimischer“ (Lev 24,22) unsere

Praxis des Umgangs mit Flüchtlingen zu verändern. Die Novellierung

von Art. 16 GG hat diese Verpflichtung, aus der eigenen Geschichte, in

der politisch verfolgte Deutsche in anderen Ländern Aufnahme fanden,

zurückgenommen. Umso wichtiger ist es, dass Beratung von Flüchtlingen

ein zentraler Arbeitsbereich der Diakonie ist, in der zudem Gemeinden, die

sich für das Bleiberecht von Flüchtlingen einsetzen, beraten werden.

1.2 Gender

a) Gertrud Hammann hat mehrere Ausbildungen absolviert: Zum einen

war sie examinierte Kindergärtnerin und übernahm 1932 die Leitung des

Kindergartens in Neumühl – so lange bis ihr als Tochter eines jüdischen

Vaters die Tätigkeit im Erziehungsbereich verboten wurde. Daraufhin

begann sie eine Ausbildung zur Krankenschwester, die sie abbrach, weil

die Ausbilder sich weigerten mit einer Halbjüdin zu arbeiten. Nach Flucht,

Studium und Internierung in Frankreich studierte sie an der Evangelisch

Sozialen Frauenschule in Freiburg und

legte 1948 ihr Examen als Fürsorgerin

ab. - Bis heute sind Erzieherin,

Krankenschwester, Sozialarbeiterin

klassische Frauenberufe, und bis

heute vermuten Studierende, dass

Helfen „eher weiblich sei“ und Frauen

aus diesem Grund in den genannten

Berufen überrepräsentiert sind.

Umfragen zeigen jedoch, dass es in

erster Linie die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, die

zu einer überproportionalen Nachfrage von Frauen nach diesen Berufen

führt. Übrigens: Männer nennen als häufigsten Grund für das Studium der

Sozialen Arbeit, dass sie sich spezialisieren und relativ einfach Leitungspositionen

einnehmen können. Beides bewahrheitet sich.

b) Gertrud Hammann hat Fortbildung für weibliche Kirchenälteste durchgeführt.

Auch wenn diese Fortbildungen bis heute nachgefragt sind: Wir sind heute

in einer anderen Situation. Ungeachtet dessen, dass es bleibend wichtig

ist, Frauen für ehren- und hauptamtliche Leitungsämter in kirchlichen und

diakonischen Bereichen zu coachen, ist es nötig, Männer für die gemeindlichen

Formen der Mitarbeit zu gewinnen. Bei den Wahlen 2007 wurden

in der Evangelischen Landeskirche in Baden knapp 15% mehr Frauen als

Männer in die Ältestenkreise gewählt; die Anzahl der Frauen unter den Ordinierten

nimmt zu – auch wenn noch immer 70% der Ordinierten Männer

sind. Um diese Situation zu gestalten, braucht es komplexe Maßnahmenkataloge,

die eng verbunden sind mit Visionen für Gemeinde und Diakonie

in den nächsten 20 Jahren. Dabei bietet Hammanns Grundgedanke, dass

Perspektiven gesellschaftlicher Gruppen durch Repräsentanz in Gremien

sichtbar und handlungsleitend werden, eine Orientierung für kirchliches

und diakonisches Handeln.

c) Gertrud Hammann hat die Müttergenesung ausgebaut sowie das

DorfhelferInnenwerk gegründet. Sie hat also Bedarfe von Frauen wahrgenommen,

die aufgrund ihrer genderspezifischen Belastungen Unterstützungsbedarf

haben. Bis heute gibt es diese genderspezifische Belastungen

von Frauen vor allem im Rahmen der Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen.

Im diakonischen Handeln ist Gender eine Grundkategorie, weil

Bedarfe eben auch geprägt sind vom sozialen Geschlecht wie von anderen

Ungleichheitsachsen wie „Bildung, Alter, Lebensort, Ethnizität, Kultur oder

Religion“. Wahrnehmung von Unterschiedlichkeit ist jedoch nicht immer

erwünscht, weil sie den Bedarf an differenzierten Angebotsstrukturen

nach sich zieht und diese natürlich finanziert werden müssen. Beispielsweise

ist ein Angebot speziell für wohnungslose Frauen notwendig, um

die Frauen – z.T. mit Kindern – überhaupt zu erreichen. In Zeiten knapper

Kassen gibt es einen Sog hin zur Leugnung von Unterschiedlichkeit, um

Angebote zusammenschnurren zu lassen.

Ich schließe meine Aufzählung von Anknüpfungspunkten, die sich – wie

die vorausgegangenen Gespräche dieses Vormittags gezeigt haben - mühelos

verlängern ließe.

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12

2. Die Verbindung von kirchlichem und diakonischem Handeln als

Herausforderung

G. H. Prof. hat kirchliches Dr. Luzia Sutter und diakonisches Rehmann lehrt Handeln seit 2002 und als damit Titularprofessorin

das schwerpunktmäßig

Neues Testament deutende an und der das Universität schwerpunktmäßig Basel. Ihre Arbeitsschwerpunkte

helfende Handeln

miteinander sind sozialgeschichtliche verbunden. Die Chance Bibelauslegung dazu liegt und auch Lektüre heute der in der Mischna. Orientierung

Der an objektiv vorliegende beschreibbaren Beitrag wurde Lebenslagen im Rahmen von der Menschen Tagung „Glück und an und den

Lebenswelten, Gesundheit. dem Frauengesundheit subjektiven Erleben in Zeiten der Lebenslagen. knapper Ressourcen“ Das Ziel dieser am 03.

Wahrnehmung Juli 2009 in ist Bad es Herrenalb bis heute, vorgetragen. Menschen sowohl Wir danken bei der der Gestaltung Autorin für des die

Alltags freundliche als auch seiner Genehmigung Deutung des zu unterstützen Abdrucks. Der und Vortrag so im wurde Namen gekürzt. Gottes

Lebensqualität zu erschließen.

In Diskussionen um Gemeindeentwicklung spielt neuerdings die Gemeinwesendiakonie

eine zunehmend große Rolle. So widmete etwa der

Zukunftskongress der EKD in Kassel dem Thema ein eigenes Forum, das

Sozialwissenschaftliche Institut der EKD schließt gerade ein Forschungsprojekt

ab, in dem es Kriterien und Erfolgsindikatoren der Gemeinwesendiakonie

ermittelt, und die EKD beginnt Kooperationen mit den evangelischen

Hochschulen zwecks Bestandsaufnahme und Qualitätsentwicklung.

Typisch für Gemeinwesendiakonie ist, dass Gemeinde(n) sich mit weiteren

AkteurInnen etwa im Stadtteil Zielgruppen bezogen zusammenarbeitet.

Sie versteht dieses Engagement als Zeugnis Gottes in der Welt. Denn zur

Gemeinde als Versammlung der Gläubigen, die eine Sozialgestalt der

Präsenz Gottes in der Welt ist, gehört es, das Soziale mit zu gestalten. Der

Grundgedanke ist natürlich nicht neu. Gemeinwesenarbeit (GWA) gibt es

seit dem 19. Jh..Seit den 1960er Jahren gilt sie nicht nur als Methode der

Sozialen Arbeit sondern ist Bestandteil der Fortbildungen für GemeindediakonInnen,

PfarrerInnen und SozialarbeiterInnen.

Beispiel 1:

Eine Gemeinde im Kirchenkreis Wittstock-Ruppin (Brandenburg) hat unter

dem Motto „Kirche unterwegs – für Kinder und Jugendliche engagiert im

ländlichen Raum“ gemeinwesenorientiert gearbeitet. Zum Bezirk gehörte

eine große Plattensiedlung, in der 27% der Stadtbevölkerung lebt, 43 %

der dort Lebenden Erwachsenen sind Langzeitarbeitslose. Der Stadtteil ist

abgehängt von der Kernstadt, die Bevölkerung ist kirchenfern bis kirchenfeindlich.

Die traditionellen Angebote wie Kindergruppen, Konfiunterricht

und Gottesdienst wurden schlicht nicht besucht. Auf der anderen Seite

kamen einzelne Menschen in das Gemeindebüro, die um Geld für den Rest

des Monats baten, Vermittlung von Beratung bei Suchtproblemen oder

beklagten, dass es keinen Spielplatz für ihre Kinder gibt. Die Gemeinde

entschied sich, auf die ihnen fremden Bedarfe zu reagieren. Das erste was

sie diagnostizierte war, dass es in der ganzen Siedlung keinen einzigen

Platz der Begegnung gab. Sie entschied sich deshalb, zusammen mit dem

Diakonieträger vor Ort sowie der Kommune den Bauspielplatz „Wilde Blüte“

anzulegen: ein Generationen übergreifender Spiel- und Lebensort. …

Beispiel 2:

Der gemeindeeigene Kindergarten ist in aller Regel offen ins Gemeinwesen.

Zielgruppe sind evangelische Kinder, aber in der Regel sind Kinder anderer

Konfessionen und Religionen bzw. ohne kategorisierte Religionszugehörigkeit

willkommen. Die Kinder kommen aus sozialen Situationen, die in

der Regel den Schnitt des Stadtteils repräsentieren, auch was Ethnizität

und Armut betrifft. Aufgabe des Kindergartens ist es, die Kinder zu

betreuen, zu erziehen und zu bilden. Dazu gehört auch, die Eltern in ihrer

Erziehungskompetenz zu unterstützen. Manche Kindergärten werden zu

Nachbarschaftszentren, in denen Kinder und Bezugspersonen sich treffen

und auch nicht kindbezogene Dienste angeboten, so etwa Sprachkurse,

Schuldnerberatung u.a. Kontakt zu Menschen, wie sie Gemeinden mit

ihren Kindergärten haben, ist eine große Chance, Eltern darin zu unterstützen,

sich selbst und ihren Kindern Lebensqualität zu erschließen. Wenn

das gelingt, ist dies ein Zeugnis Gottes in der Welt und speziell bei den

Kindern die Fortschreibung der Aufmerksamkeit, die die jüdisch-christliche

Tradition für sie einklagt. …

Beispiel 3:

Die Evangelische Landeskirche in Baden hat das kommende Jahr unter das

Thema „Taufe“ gestellt. Der Anlass besteht darin, dass 95% aller Familien

in Westen Deutschlands ihr Kind taufen lassen würden, wenn sie die

Entscheidung zu treffen hätten. Darin bildet sich ab, dass die Kirche mit

dem taufenden Handeln einen Schatz zu verwalten hat. Gleichzeitig zeigt

sich, dass faktisch nur 25 % der Einelternfamilien ihr Kind taufen lassen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: ein Grund ist etwa, dass Alleinerziehende

Diskriminierung fürchten; ein zweiter Grund, dass Alleinerziehende anteilig

ärmer sind als Zweielternfamilien und eine Tauffeier nicht schultern

können. Darauf will die Ekiba reagieren und regionale Tauffeiern anbieten,

in denen sich abbildet, dass Einelternfamilien willkommen sind und ein

gemeinsames, z.T. von der Ekiba finanziertes, Fest gefeiert werden kann.


„Das Wichtigste sind die Menschen…“ sagte Gertrud Hammann bilanzierend.

Und wir Menschen brauchen immer beides, das an konkreten Menschen

und ihren Lebenslagen orientierte deutende und helfende Handeln.

Renate Kirchhoff

Prof. Dr. Renate Kirchhoff unterrichtet seit 2005 Neues Testament und

Diakoniewissenschaft an der Evangelischen Hochschule in Freiburg.

Seit 2008 ist sie Dekanin des Fachbereichs Theologische Bildungs- und

Diakoniewissenschaft. Der Text ist eine leicht gekürzte Fassung des

Vortrags, den sie bei der Jubiläumsveranstaltung zum 100. Geburtstag

von Gertrud Hammann am 27.02.10 in Karlsruhe gehalten hat.

Wir danken der Autorin für die Genehmigung zum Abdruck.


Gertrud Hammann zum 100. Geburtstag –

eine Würdigung von Doris Eck

Gertrud Hammann war für mich zeitlebens Tante Gertrud, so wie sie für

viele meiner und späterer Generationen „Tante Herzele“ war. Wenn ich

mich hier an Gertrud Hammann erinnere, Erlebnisse und Erfahrungen

skizziere, dann nicht als eine ihrer Nachfolgerinnen in der Frauenarbeit,

sondern als eine die ihr persönlich nahe stand. Tante Gertrud war ab 1949

Teil unserer Familie und nahm ab diesem Zeitpunkt Einfluss auf meine und

meiner Schwester Entwicklung. Sie hat das Familienleben bunter gemacht

und uns Schwestern zusätzliche Perspektiven eröffnet, die wir ohne

sie wahrscheinlich nicht gehabt hätten… Heute, anlässlich ihres 100.

Geburtstags möchte ich unumwunden feststellen: Mit GH begegnete mir

eine Frau, die eine Lebenskünstlerin war – eine Künstlerin gelingenden

christlichen Lebens. Dazu gehören folgende Eigenschaften: Sie war

verlässlich engagiert

lebensbejahend

musisch-kreativ

neugierig

geistlich beheimatet

zielbestimmt

Sie hat sich lebenslang verlässlich engagiert. Das gilt

für alle ihre Aktionsbereiche – in der Gemeinde- und

Jugendarbeit, im Bund Christdeutscher Jugend. Ein in

dieser Zeit entstandener Hauskreis traf sich mit ihr bis ins

hohe Alter, um sich unter anderem mit Lebensfragen und

dem Zeitgeschehen zu befassen. Verlässlich war sie im

Kontakt mit ihrer Pflegefamilie und ihrem Freundeskreis.

Ein besonderes, freundschaftliches Verhältnis hatte sie zu

meiner Herkunftsfamilie durch die Zusammenarbeit mit

meinem Vater in der Jugendarbeit der Luthergemeinde.

Als GH aus ihrem möblierten Zimmer in eine Wohnung

zog, lud sie die Mitbewohner der Gartenstrasse 29a,

1-2 mal im Jahr zu sich ein. Die Gemeindearbeit an der

Lutherkirche war in der Zeit ihres Ruhestands ein wesentliches Betätigungsfeld.

Sie war nicht nur Älteste, sondern übernahm als Prädikantin

Gottesdienste und Kasualien. Bei einem Sturz von der Kanzel nach der

Predigt verletzte sie sich einmal erheblich, führte aber den Gottesdienst zu

Ende. Erst danach ließ sie sich im Krankenhaus ärztlich versorgen.

Sie war lebensbejahend - das drückte sie auch mit ihrem Temperament

aus. Jede und jeder, der sie gekannt hat, sieht sie vor sich mit schnellen

Schritten und raschen Bewegungen. Durch flinkes Handeln oder ihr Lachen

und den Humor war sie in einer Gruppe leicht auszumachen. Freundlich

ging sie auf jeden zu. War ihr der Name gerade nicht präsent, sprach sie

Jüngere mit „Herzele“ an. Bald war sie in vieler Munde eben Tante Herzele.

Ein großes JA zum Leben zieht sich durch ihre ganze Biografie, obwohl sie

mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen hatte: Sie konnte nicht in ihrer Herkunftsfamilie

aufwachsen, so nahm die Pflegefamilie Wolf in Heidelberg

sie mit 13 Monaten bei sich auf. Nach 8 Volksschuljahren und sehr gutem

Zeugnisabschluss entsprach GH dem Wunsch ihrer Mutter, nach Bremen,

zu kommen. Das Zusammenleben der beiden gelang jedoch nicht. Mit der

Haushaltungsschule und der Arbeit in einem Pfarrhaus schaffte sie aber

die Voraussetzungen für die Ausbildung zur Kinderschwester in einem

Mannheimer Mutterhaus. Schon mit 22 Jahren leitete sie voll Stolz, mit

Umsicht und Verantwortungsbewusstsein den Gemeindekindergarten

in Neumühl bei Kehl. Doch bald folgt die bitterste Zeit ihres Lebens. Die

Nürnberger Rassegesetze verboten ihr, als Halbjüdin, in der Erziehungsarbeit

tätig zu sein. Sie begann eine Ausbildung als Krankenschwester

beim hessischen Diakonieverein. Nachdem die Gestapo immer wieder im

Unterricht auftauchte, schien sie für die Einrichtung der Kirche nicht mehr

tragbar zu sein. GH ging in die Emigration nach Südfrankreich. Mit Haus-

und Erziehungsarbeit in Familien schlug sie sich durch. Sie fand aber auch

Förderer, um am Musikkonservatorium in Montpellier eine Gesangs-Ausbildung

aufzunehmen und später sogar Französisch an der Uni zu studieren.

Das war für sie ein großer

Ansporn in der Fremde

durchzuhalten.

1940, mit Beginn des

Frankreichfeldzugs, wurde

sie interniert und kam

ins Lager Gurs. Unter den

äußerst primitiven Verhältnissen

und demütigenden

Umständen regte sie die

Frauen um sich herum an,

ihre Behausung freundlich

zu gestalten. Sie sorgte

für die Einrichtung einer

Kinderbaracke, um mit den

Kindern zu spielen und

ihre Mütter zu entlasten.

Nach sieben Monaten

Internierungszeit geschah

das Wunder. Der Direktor des Musikkonservatoriums bürgte für sie, GH

kam frei. Mit großer Dankbarkeit betrachtete sie dies als eine einzigartige

Fügung in Ihrem Leben und als Geschenk.

Gertrud Hammann konnte in Montpellier ihr Musikstudium abschließen

und ihr Studium der Sprache, der Literatur, der Psychologie und Pädagogik

fortsetzen. In einem Brief an ihre Pflegefamilie schreibt sie: „Was werde ich

Euch zu erzählen haben, wenn wir uns wiedersehn? Äußere und innere Erlebnisse;

mein Leben ist reich geworden in vielerlei Hinsicht. Gottes Wege

sind wunderbar und „weiß ich den Weg auch nicht, Gott weiß ihn wohl“.

GH war als Verfolgte des Naziregimes offiziell anerkannt, erhielt jedoch keine

Wiedergutmachung, weil sie angeblich aus freien Stücken emigrierte.

Sowohl diese Tatsache, als auch den nicht erhaltenen Schutz in kirchlichen

Einrichtungen in den 30er Jahren, ließen sie nicht resignieren oder gar bitter

werden. Ihre Dankbarkeit über ihre Bewahrung und die Möglichkeiten

eines Studiums überwog.

Nach ihrem ersten Schlaganfall, im August 1986, schreibt sie kurz vor

ihrer Entlassung. nach 7 Monaten im Reha-Krankenhaus an Freunde und

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Bekannte: „Lange Zeit - verlorene Zeit? – Nein, ich muss Euch sagen, es

war eine Zeit reicher Erfahrungen und eine gewonnene Zeit….“

Ihr Lebensstil war musisch-kreativ. Das Singen begleitete sie durchs Leben.

Am liebsten sang sie mit anderen: Volks- und Wanderlieder, geistliches

Liedgut. Sie spielte Gitarre, Flöte und Klavier. Was GH bewegte und ihr

wichtig schien, dem gab sie eine Gestalt. Sie wollte, dass andere ebenso

wie sie selbst, ihr Leben als ein von Gott geschenktes entdeckten und

kultivierten. Dabei legte sie einen geradezu missionarischen Eifer an den

Tag, der nicht allen gefiel. Dennoch hat sie uns den Blick für Kunst, Kultur

und geschichtliche Hintergründe mit erschlossen.

Reisen mit Frauen, vor allem nach ihrem beruflichen Ruhestand, standen

jährlich bei GH auf dem Programm. Sie führten in die verschiedenen Regionen

Frankreichs. Ihrem Lebensstil gab sie besonders in ihrer gemütlich-

großzügigen Wohnung Ausdruck. Den Eintragungen in ihr Gästebuch stellte

sie ein Wort von Roger Schutz voran: „Mache deine Wohnung zu einem Ort,

an dem andere immer willkommen sind, zu einem Haus des Friedens und

des gegenseitigen Verzeihens.“

Neugierig blickte sie nach vorn. GHs Neugier war verknüpft mit Lern- und

Wissbegier. Sie geht mit 14 Jahren aus dem Nest ihrer Pflegefamilie nach

Bremen zu ihrer leiblichen Mutter. Sie bleibt in der fremden Stadt und

schafft durch Schule und Haushaltspraktikum die Voraussetzungen zur Ausbildung

als Kinderschwester. Nach einigen Jahren wird ihr aus politischen

Gründen die weitere Verantwortung in der Erziehungsarbeit mit Kindern

untersagt. Die Ausbildung zur Krankenschwester muss sie abbrechen,

weil die Einrichtung wegen ihrer halbjüdischen Abstammung unter Druck

gerät. Ohne Sprachkenntnisse geht sie nach Südfrankreich. Alle Chancen

der Bildung, die ihr dort offen stehen nutzt sie. Die Enttäuschung ist groß,

als sie nach Deutschland zurückkehrt und ihre Studienabschlüsse für

eine Lehrtätigkeit nicht anerkannt werden. Das Angebot der Ev.- sozialen

Frauenschule in Freiburg nach nur einem Jahr das Examen als Fürsorgerin

abzulegen, ergreift sie sofort. Der Arbeit mit Flüchtlingen folgt die Tätigkeit

als vorgesetzte Landesfürsorgerin. 6 Jahre später ist sie Geschäftsführerin

der Frauenarbeit. Hier findet und nutzt sie von 1955-71 ein breites Wirkungsfeld

für soziale Arbeitsbereiche, verankert die Müttergenesungsarbeit

und das Dorfhelferinnenwerk in der Frauenarbeit. Noch in ihrem Ruhestand

lernt sie hebräisch und griechisch, um die Bibel im Urtext lesen zu können.

Von ihren Erfahrungen in schwerer Zeit hat sie lange kaum gesprochen.

Erst in späteren Jahren wird ihr die Verpflichtung bewusst, an die nächsten

Generationen etwas von dem weiterzugeben, was sie als Verfolgte eines

menschenverachtenden Systems erlebt hat.

Geistlich beheimatet im christlichen Glauben fühlte sie sich schon in jungen

Jahren. Das Feiern von Gottesdiensten in verschiedenen Formen, Andachten,

Bibelarbeiten und die Beschäftigung mit biblischen Gestalten waren

ihr für die Jugendarbeit ebenso wichtig wie für die Arbeit mit Erwachsenen.

Aus diesen spirituellen Vollzügen schöpfte sie Kraft für sich und fand Lebensorientierung.

GH hatte ihre geistliche Heimat einerseits in der Gemeinde,

in der sie lebte, andererseits im BCJ, indem sie auch geistliche Verantwortung

wahrnahm. Ihre eigene spirituelle Praxis bestand im täglichen Lesen

der Bibel und im Beten. Sonn- und Feiertagen ein eigenes Gesicht zu geben,

war ihr ein Anliegen. Dazu gehörte natürlich der Gottesdienst. Mit der

theologischen Diskussion ihrer Zeit setzte sie sich über Veröffentlichungen

und ihr zugängliche Foren auseinander. Zu nennen ist noch die Gesellschaft

für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der sie angehörte und an deren

Bibelarbeiten sie gerne teilnahm. Im christlichen Glauben beheimatet

durchzog ihr Wirken die Lebensmelodie der Dankbarkeit, so wie im Kanon,

den sie gerne sang: „Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben,

ach, dass wir Armen nur so kleine Herzen haben.“

Zielbestimmt gab sie ihrem Leben Richtung. Zielbestimmt war sie für

sich - oft auch gegenüber anderen. Das stieß nicht immer auf ein positives

Echo. Doch was sie einmal begann, führte sie zielstrebig bis zum Ende aus.

Sie lebte im Wissen um eine kleine Spanne Zeit in der großen Ewigkeit

und im Vertrauen darauf, dass Gott den Weg für sie weiß. Sie wollte dies so

wenig wie die Freude und den Blick für die Schönheiten des Lebens für sich

alleine haben. In ihr Gästebuch trug sie selbst 1960 ein: „Es ist schön zur

Verfügung stehen zu dürfen.“ Wie ging es einer so starken Frau am Ende

ihres Lebens? Konnte sie loslassen, was sie lebenslang als Auftrag spürte?

Die äußeren „letzten Dinge“ hatte sie geregelt. Die Endlichkeit des Lebens

war kein Tabu für sie. Ich bin überzeugt, dass GH auch im Sterben ihr

Gottvertrauen präsent war und sie sich fallen lassen konnte.

Eine Lebenskünstlerin war sie, Gertrud Hammann, die morgen 100.

Geburtstag hat. Ich könnte sie mir heute gut in einer „Praxis für christliche

Lebenskunst“ vorstellen. Ihr Praxisschild wäre allerdings nicht an der Tür

eines Hauses zu finden, vielmehr in Groß- Buchstaben auf einem Beratungsmobil,

mit dem sie über Land fahren würde.

Doris Eck

Doris Eck hatte von 1985-1996 die

geschäftsführende Doris Eck hatte von Leitung 1985 – 1996 der

Frauenarbeit die geschäftsführende inne. Der Leitung Text ist eine der

leicht Frauenarbeit gekürzte inne. Fassung Der Text des ist bei eine der

Jubiläumsveranstaltung leicht gekürzte Fassung des am bei 27.02.2010 der

gehaltenen Jubiläumsveranstaltung Vortrags. am 27.02.2010

Wir gehaltenen danken Vortrags. der Autorin für die freundliche

Genehmigung zum Abdruck.

Wir danken der Autorin für die freundliche

Genehmigung zum Abdruck.

„Das Wichtigste sind doch die Menschen...“

Gertrud Hammann (1910-1990)

Erinnerungs- und Lesebuch

Bestellbar bei der Frauenarbeit

Tel. 0721/9175-323

Kosten: 5 €


„Nicht allein

Gottesdienst für krebskranke Frauen im Kirchenbezirk Mosbach

Eine erschreckend hohe Zahl von Frauen ist von einer Krebserkrankung

betroffen. Allein jede zehnte Frau bekommt im Laufe ihres Lebens

Brustkrebs. Angestoßen durch die intensive Begleitung einer Freundin,

wurde mir sehr bewusst, welche existenziellen Fragen Betroffene und

deren Angehörige bewegen. Seelsorgerliche Begleitung und das Gefühl

von anderen Menschen und von Gott in dieser schweren Zeit getragen zu

werden, sind von großer Bedeutung für die Verarbeitung.

Zusammen mit elf Frauen aus unserem Kirchenbezirk, drei davon

selbst betroffen, entwickelten wir über einen zeitlich langen Prozess einen

Gottesdienst, den wir im vergangenen Herbst in der Mosbacher Stiftskirche

feierten.

Der Verkündigungsteil orientierte sich an den Phasen der Verarbeitung

von bedrohlicher Krankheit (nach Elisabeth Kübler-Ross). Vor dem

Hintergrund zugeordneter Farben gestalteten wir an 5 Stationen einen

Weg durch das innerliche Auf und Ab der Erkrankten.

An jeder Station wurde eine einführende Erklärung der Situation

gegeben, dann wurden die Gedanken, Gefühle, Ängste oder Hoffnungen

der Betroffenen durch verschiedene Frauen ausgesprochen. Diesem Teil

folgte ein literarischer Text, der die jeweiligen Empfindungen noch einmal

auf eigene Weise aufnahm. Nun wurden von der Empore aus Verse aus

verschiedenen Psalmen zugerufen, die ebenfalls zugeordnet waren. Sehr

einfühlsam und mit unterschiedlichen Instrumenten (Orgel, Flöten oder

Geige) griff die Musik die entstandene Stimmung auf.

Später, im Gebetsteil, konnten Namen konkreter Menschen, die wir

besonders in unsere Fürbitten mit aufnehmen wollten, genannt werden.

Nach eigener Einschätzung und nach Rückmeldung betroffener Frauen

nach dem Gottesdienst ist es uns gelungen, die Schwere des zu ertragenden

Leids auszuhalten, keine einfachen Lösungen anbieten zu wollen,

aber dennoch Mut zu machen, weil eine Entwicklung innerhalb der

psychischen Verarbeitung deutlich werden konnte und weil spürbar wurde,

dass wir inmitten der Not „nicht allein“ sind. Es hilft zu wissen, dass andere

einen ähnlichen Weg gehen, dass liebende Menschen uns helfen und tragen,

und dass Gott uns nicht fallen lässt, auch wenn wir das streckenweise

vielleicht so empfinden.

All denjenigen, die sich von der Idee dieses Gottesdienstes angesprochen

fühlen, möchten wir gerne unser Konzept zur Verfügung stellen.

Sie erreichen mich unter dem Pfarramt in Lohrbach oder

renatebaudy@arcor.de

Renate Baudy, Kirchenbezirk Mosbach

„Quelle des Lebens –

Wasser“

In Anlehnung an die Bezirkssynode

führte die Bezirksfrauenarbeit in Überlingen

zu diesem Thema eine Ideenbörse

durch. Das Team der Bezirksfrauenarbeit

hat sich erst vor Kurzem neu zusammengesetzt

und startete am 20. März

mit diesem Angebot für interessierte

Frauen und Frauenkreisleiterinnen im Ev.

Gemeindehaus in Überlingen.

Bereits während des Ankommens konnten sich die Frauen in sinnlicher

Weise auf das Thema „Wasser“ einstimmen lassen: Wasserkrüge standen

bereit – jede konnte sich die Hände begießen lassen. Mit diesem Ritual

wurden die Frauen begrüßt. Wassermusik und Wasserklänge begleiteten

eine Bildpräsentation rund um das Wasser.

Der Nachmittag wurde mit einem Anspiel eröffnet. Eine „Normalverbraucherin

wurde von ihrem personifizierten Gewissen schwer geplagt.

Die alltägliche Frühstücksszene verdeutlichte allen auf humorvolle Weise,

wie kostbar Wasser ist und wie sorglos und bedenkenlos wir es verbrauchen.

Anhand von Redewendungen und Sprichwörtern wie z. B. „Die kocht

auch nur mit Wasser“, „Bis dahin fließt noch viel Wasser den Bach hinunter“

oder „Jemandem das Wasser abgraben“ kamen die Frauen miteinander

locker ins Gespräch und lernten einander kennen.

Kein Element ist so wichtig wie das Wasser. Es ist Segen und Lebensretter

aber es schickt uns Menschen auch Gefahren. Diese Ambivalenz

wurde durch die „Acht-Tropfen-Aktion“ veranschaulicht. Jede der Tropfen

in Übergröße gestaltet - stand für eine positive und negative Eigenschaft

des Wassers.

Im Mittelpunkt der Andacht stand der Text aus Johannes 4: Jesus und

die Begegnung mit der Frau am Brunnen. Diese Geschichte verdeutlicht

in besonderer Weise die Symbolhaftigkeit des Wassers: Eine Frau wird

durch die Begegnung mit Jesus, der Quelle des lebendigen Wassers, selbst

zur Quelle lebendigen Wassers. Passende Texte und gemeinsame Lieder

umrahmten den Nachmittag.

Zeit zum Stöbern, Suchen und Finden gab es am „Ideentisch“. Hier

lagen Arbeitshilfen, Informationen, Veranstaltungen und Bücher rund um

das Thema „Wasser“ aber auch darüber hinaus. Auf einer Stellwand hatten

die Teilnehmerinnen Gelegenheit, ihre Wünsche und Anregungen an das

Bezirksfrauenteam und an die Geschäftstelle der Frauenarbeit in Karlsruhe

auf vorgefertigten „Wellen“ zu schreiben. Am Schluss erwartete die Frauen

noch ein Gläschen Wasser in Sektgläsern. Ein „Wassertanz“ rundete den

Nachmittag ab. Der Vorbereitungskreis mit Karin Fischer, Ursula Hefler,

Anja Kunkel, Hanna Kröger-Möller, Elfi Müller, Andrea Ott und Petra

Gaubitz (Referentin der Frauenarbeit der Ev. Landeskirche in Baden)

entwickelte diesen Nachmittag als Start einer Ideenbörse, die jedes Jahr

stattfinden soll. Die nächste ist geplant für den 13. November zum Thema

„Farben des Lebens“.

Petra Gaubitz

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Pilgern

auf dem Drahtesel

Eine Idee zum Nachmachen…

In diesem Sommer startet ein Angebot für Frauen besonderer Art.

Engagierte Frauen aus dem Ev. Kirchenbezirk Karlsruhe-Durlach und die

Frauenarbeit in Baden laden ein zu einem Fahrradpilgern. Die Tour beginnt

am späten Nachmittag in Wolfartsweier an der Jakobskirche, führt weiter

zur Hedwigsquelle. Die nächste Station ist die St. Nikolauskirche in Rüppurr.

Der letzte Haltepunkt wird an der Paul-Gerhardt-Kirche in Beiertheim

sein. An den Stationen sind Überraschungen für alle Sinne eingeplant.

Zum Beispiel findet ein kleines Orgelkonzert statt, an der Quelle gibt

es Stärkung für Körper und Seele. Wichtig sind die unterschiedlichen

kirchlichen Räume, die einladen zum Kennenlernen und zur Begegnung.

Die abendliche Tour klingt bei einem sommerlichen Picknick im Garten des

Paul-Gerhardt-Gemeindehauses aus. Die Tour ist so angelegt, dass auch

ungeübte Fahrerinnen gut mithalten können.

Petra Gaubitz

Bodenseekirchentag

2010

„Die Frucht der Gerechtigkeit wird Friede sein“, so lautete das Motto

des 14. Internationalen Ökumenischen Bodenseekirchentages, den wir

am 23./34. April 2010 in Radolfzell gefeiert haben. Solch ein Fest für die

Augen, Ohren und Herzen von Menschen, die nicht mitgefeiert haben, in

Kurzform lebendig werden zu lassen, ist kaum möglich. Dennoch wollen

wir es versuchen, weil wir uns auch in diesem Jahr mit einem Frauenforum

beteiligt haben.

Der Morgen begann mit einem Vortrag: „In den Gärten der Gerechtigkeit“

mit Dr. Ina Praetorius, Theologin aus Wattwil. Sie stellte viele Fragen:

Ìst Gerechtigkeit eine Rechenaufgabe oder eher einem Kunstwerk zu

vergleichen? Kann man sie durch ein perfektes System ein- für allemal

garantieren? Oder ist sie ein Prozess, der unser Handeln jeden Tag neu

herausfordert? Ina Praetorius sprach vom Propheten Amos, der sagt, dass

Gerechtigkeit „fließen soll wie ein unversiegender Bach (Amos 5,24).

Diese bewegte, bewegliche Vorstellung von Gerechtigkeit trifft sich mit

Überlegungen heutiger feministischer oder postpatriarchaler Ethik, bei der

das Rechnerische zurücktritt und der ästhetisch-ganzheitliche Aspekt des

guten Zusammenlebens wieder erscheint. So wird Gerechtigkeit wieder

zum gut gepflegten, mit klarem Wasser genährten Garten.

Es war ein anspruchsvoller Beginn unseres Frauenforums mit ungewöhnlichen

Denkanstößen, die intensives Fragen und mutige Antworten in der

Aussprache hervorriefen.

Am Nachmittag wurden 3 Werkstätten angeboten unter der Überschrift:

„Ist (die) Gerechtigkeit weiblich?“

1. Sophia – Werkmeisterin des Lebens.

Sophia spielt und tanzt auf dem Erdenrund und sucht Wohnung bei den

Menschen. Sophia stellt sich als Lebensbaum vor und lädt ein, von ihren

Früchten zu essen. Sophia – Frau Weisheit – in ur-alt-neuen Erfahrungen.

2. Maria – Sympathisantin der Gerechtigkeit

Maria singt ihr Lied der Befreiung. Wie könne wir die verändernde Kraft

des Magnifikats in unserem persönlichen Leben und in der Gesellschaft

fruchtbar werden lassen?

3. Frauen, Mütter auf der Suche nach Gerechtigkeit

Jeder Tag ist eine Herausforderung:

Computerspielzeiten, Hausaufgaben, Zimmer aufräumen...

Wie können wir im Zusammenleben mit unseren Kindern Lösungen finden,

die ohne Zwang, Strafe und Belohnung zustande kommen?

Drei Werkstätten, die vielfältige, kreative Begegnungen möglich gemacht

haben. (Dauer bis zu drei Stunden). Am späten Nachmittag feierten wir

Gottesdienst: „Gerechtigkeit – säen, pflegen, ernten“, von Frauen gestaltet

für Frauen, Männer und Kinder. Wie? Nun, wie eben Frauen feiern: hören

und singen mit einem Gospelchor, sich tanzend bewegen und in der Stille

sein. Gesät wurden Freude, Hoffnung, Vertrauen, Friede und Gerechtigkeit

in vorbereitete Beete vor dem Altar, Samenkugeln wurden an alle GottesdienstbesucherInnen

verschenkt, die zu zuhause begossen werden können,

um dann vielfältige Blumen hervorzubringen.

Abends bot sich zum Entspannen das Kirchenfrauen-Kabarett von kath.

Frauen aus dem Vorarlberg an: „Uns reichts – ganz einfach“.

Reicht es uns auch? Wir denken, dass wir beim nächsten Bodenseekirchentag

(vermutlich Kirchenbezirk Überlingen-Stockach) wieder dabei sein

werden mit einem Frauenforum.

Sie auch? Der Bodensee ist immer eine Reise wert! Wir freuen uns auf Ihr

Kommen!

Einen herzlichen Gruß – auch im Namen des ganzen Frauenteams

Ihre/Eure Renate Michel und Eva-Maria Steiger


Neu in der Frauenarbeit:

Ute Niethammer

„Das andere Geschlecht“ - Simone de Beauvoirs feministischer Bestseller

- hat mich in meinen jungen Erwachsenenjahren sehr beeindruckt. Eine

ganze Zeit lang habe ich mich damals mit Frauenthemen beschäftigt – und

dann doch sehr konventionell Theologie studiert, in Marburg, Tübingen

und Straßburg. Als gebürtige Württembergerin kam ich als Gastvikarin

nach Baden und habe mich dann später in die badische Landeskirche

‚hineingetauscht’.

Erst als Pfarrvikarin bzw. Gemeindepfarrerin, seit 2001 an der Friedenskirche

in Freiburg, hat mich das Thema ‚Frau’ ganz praktisch wieder eingeholt.

Zum einen stellte ich überrascht fest, dass mein persönliches Lebensmodell

mit insgesamt drei Töchtern und einer vollen Pfarrstelle immer

wieder Fragen und Diskussionen provozierte. Zum andern habe ich so

viele verschiedene Lebensentwürfe von alten und jungen Frauen mit und

ohne Männer oder Kinder erlebt, dass ich selber ins Staunen kam! So viele

Impulse, wie Frauen ihr Leben in Gesellschaft und Kirche hinterfragen, neu

ordnen, bestätigen, gemeinsam angehen!

Für solche Aufbrüche und mutige Modelle kann ich mich begeistern.

Oft sind solche Experimente mit einer spirituellen Standortbestimmung

verknüpft, darin liegt dann eine besondere Kraft und Chance. Besonders

da, wo konfessionelle Grenzen überwunden werden und Grundsätzliches

zur Sprache bzw. ins Gebet kommt.

Insofern freue ich mich, in meiner neuen Aufgabe genau da ansetzen zu

können: der Weltgebetstag ist ja in sich schon mutiger überkonfessioneller

Aufbruch von Frauen, die zur Sprache bringen, was sie bewegt und trägt.

Und darüber hinaus bin ich sehr neugierig auf die weiteren Impulse in der

Ökumene und den Arbeitsfeldern in der landeskirchlichen Frauenarbeit.

Mein anderes Standbein wird in Zukunft die Schule sein. Ab Herbst 2010

werde ich mit einem halben Deputat an einem Freiburger Gymnasium

evangelische Religion unterrichten. Dann bin ich 40 Jahre alt und kann

wohl nur profitieren von der geballten Jugendlichkeit in diesem anderen

Arbeitszweig...

Ute Niethammer

Anna Binkele

Ab dem 01. Oktober werden Sie mich als neues Gesicht

in der Frauenarbeit kennen lernen und ich möchte

mich heute schon einmal bei Ihnen vorstellen:

Mein Name ist Anna Binkele, ich bin 28 Jahre alt

und lebe mit meiner Familie in Hohenwettersbach bei Karlsruhe. Zu meiner

Familie gehören neben meinem Mann unsere beiden Söhne, die drei und

sieben Jahre alt sind.

Nach dem Abitur und einem sozialpädagogischen Praktikum habe

ich in Freiburg an der evangelischen Fachhochschule Religionspädagogik

studiert und bin seit 2008 im Dienst der Landeskirche. Durch die

Übernahme von Vertretungsstellen konnte ich in den letzten zwei Jahren

ganz unterschiedliche Erfahrungen sammeln: Zunächst als Gemeindediakonin

mit einem Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendarbeit, dann in

der Informationsstelle für Weltanschauungsfragen im Oberkirchenrat mit

einem Schwerpunkt in der Beratungstätigkeit.

Nach diesen bewegten Jahren des Berufseinstiegs freue ich mich

nun auf eine langfristigere Stelle bei Ihnen in der Frauenarbeit. Ich bin

gespannt darauf, diesen Arbeitsbereich in seiner Fülle an Angeboten

kennen zu lernen. Einen Schwerpunkt würde ich gerne auf die Arbeit mit

jungen Frauen legen. Meine eigenen Gaben möchte ich hier einbringen -

sie liegen vor allem im Bereich der Umwelt- und Erlebnispädagogik, was

sich auch in meiner Freizeit widerspiegelt. Als Ehrenamtliche leite ich einen

evangelischen Pfadfinderstamm und habe viel Freude daran, mich in der

Natur zu bewegen.

Anna Binkele

Die Arbeitshilfe enthält neben einer Einführung in den Bibeltext Vorschläge

zur Erarbeitung in einer Frauengruppe und zur Vorbereitung des Gottesdienstes

am Frauensonntag.

Das Heft kann gegen eine Gebühr von 4,00 EUR, die Plakate DIN A3 für je

1,50 EUR und DIN A4 für je 1,00 € zzgl. Versandkosten im Büro der Frauenarbeit

bestellt werden. (0721/9175-329 oder frauenarbeit@ekiba.de)

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Mütter der Bibel

Margot Kässmann erzählt von den Müttern der Bibel und verbindet die

alten Geschichten mit dem heutigen Leben. 20 Mütterportraits – angefangen

von Eva bis zu Maria – beschreiben offen die unterschiedlichsten

Mütterrollen: anregend, informativ und wirklichkeitsorientiert.

Margot Käßman, Mütter der Bibel, Herder Verlag, Kosten: 14,95 €

In der Mitte des Lebens

Margot Kässman richtet einen sehr persönlichen Blick auf Themen, die

sich mitten im Leben stellen: Den Auszug der Kinder, die Pflege der Eltern

oder die Veränderungen des Körpers im Alter, Freundschaft und Alleinsein.

Anhand biblischer Gleichnisse reflektiert sie über Schicksalsschläge und

Glücksmomente im Leben und darüber, wie man zufrieden älter werden

kann.

Margot Käßman, In der Mitte des Lebens, Herder Verlag, Kosten: 16,95 €

Zwischen Tür und Angel

Urte Bejick, Theologin, Coach, Mitarbeiterin im Diakonischen Werk Baden,

bietet mit diesem Buch eine spannend und teilweise amüsant zu lesende

Orientierung für die Zeit der Wechseljahre. Offen und ehrlich beschreibt

sie, was die Krise dieser Jahre ausmacht, entzaubert Weiblichkeitsmythen

unserer Zeit und gibt viele Tipps und Anregungen… Es ist Zeit, dass sich

was dreht!

Urte Bejick, Zwischen Tür und Angel, Patmos Verlag, 19,90 €

Frauen in biblischer Zeit

Das Buch stellt auf der Grundlage der Bibel das Leben von Frauen in

biblischer Zeit dar.

Sämtliche Lebensbereiche, wie die Tätigkeit in Familie und Haus, Mutterschaft,

Tanz und Musik werden anhand verschiedener Portraits beleuchtet.

Miriam Feinberg Vamosh, Frauen in biblischer Zeit, Patmos Verlag, Kosten:

19,90 €

Von wegen von gestern!

Der Lebenskunst großer Frauen begegnen. Zwölf Frauen stehen für

verschiedene Lebensentwürfe. Auch Kennerinnen der Biographien dieser

großen Frauen werden neue Ansichten und Impulse über Themen wie Mut,

Vertrauen und Freundschaft gewinnen.

Martina Kreidler-Kos (Hrsg.), Von wegen von gestern! Schwabenverlag,

Kosten: 13,30 €

Singen, schweigen, tanzen

Der Tag der Diakonin im April, ein Erdbeerfest im Mai, der Gedenktag der

heiligen Elisabeth von Thüringen und viele andere Feste im Jahr bringen

Frauen in Kontakt mit den Geschichten und Anliegen anderer Frauen früher

und heute. Dieses Buch lädt ein, die Feste so zu feiern, wie sie fallen. Alle

24 Beiträge beinhalten einen Wortgottesdienst, der alle Sinne anspricht,

sowie Ideen, wie das Fest über die liturgische Feier hinaus seine Fortsetzung

finden kann.

Benedikta Hintersberger/Aurelia Spendel (Hrsg), Schwabenverlag,

Kosten: 15,50 €

Sozialgeschichtliches Wörterbuch zur Bibel

Dieses einzigartige Nachschlagwerk hilft biblische Lebenswelten zu

entdecken und zu verstehen. In mehr als 200 Haupt- und Stichwortartikeln

sowie zahlreichen Kurzinformationen erklären die Autorinnen und

Autoren des Sozialgeschichtlichen Wörterbuchs die Lebensverhältnisse der

Menschen zu der Zeit, als die biblischen Traditionen entstanden und über

Generationen weitergereicht und weiterentwickelt wurden.

Hrsg. Frank Crüsemann, Kristian Hungar, Claudia Janssen, Rainer Kessler

und Luise Schottroff, Gütersloher Verlagshaus, Kosten: 68 €

Im Alter neu werden können

Die vom Rat der EKD herausgegebene Orientierungshilfe greift auf knapp

100 Seiten die veränderten Lebensbedingungen, die soziale Ungleichheit

im Alter, die Pflege als gesamtgesellschaftliche Herausforderung wie auch

die Antworten von Theologie und Kirche auf. Dazu gehören im Wesentlichen

das Annehmen von Verletzlichkeit und Endlichkeit, die Sensibilisierung

für die abwertenden Altersbilder in unserer Gesellschaft, die Kraft und

die Sinnstiftung gelebten Glaubens und die Ermutigung, das Alter auch als

Chance für eine schöpferische Lebenszeit zu betrachten. Der geschlechtsspezifische

Blick auf das Alter fehlt leider – bis auf einen Hinweis- fast

völlig.

Gütersloher Verlagshaus, Kosten 4,95 € oder als Download www.ekd.de

Aloe, Ginkgo, Mistel & Co

Die Verfasserin Frau Dr. med. Hübner ist ausgewiesene Onkologin. Das

Buch ist für medizinisch interessierte Laien sowie für Betroffene und deren

Angehörige verfasst. In wissenschaftlicher Gründlichkeit gibt die Verfasserin

Hinweise zu Nahrungsergänzungsmitteln und oftmals angepriesenen

„Wundermitteln“. Die empfohlenen Wirkstoffe haben unterstützende

Funktion. Sie ersetzen keinesfalls die fachliche, medizinisch-ärztliche

Betreuung. Wer der Krebserkrankung aktiv begegnen will, findet hier gute

Hinweise zu Wirkstoffen.

Dr. med. Jutta Hübner, Verlag Schattauer Stuttgart, Kosten: 24,95 €

Lebensform Alleinerziehend: Besonders oft von Armut betroffen!

Fast in jeder sechsten Familie mit Kindern unter 26 Jahren in Baden-Württemberg

lebt nur ein Elternteil.

Die Familienforschung Baden Württemberg hat zur Situation von Alleinerziehenden

einen neuen Report veröffentlicht, der unter www.fafo-bw.de

abgerufen werden kann. Telefonische Bestellung unter 0711/641-2956.

Landesfrauenrat B-W

Die Dokumntation des Fachtags „Perspektiven von Frauen in der Wirtschaftskrise“,

der der Landesfrauenrat Baden-Württemberg im Mai

durchgeführt hat, kann unter www.landesfrauenrat-bw.de herutergeladen

werden. Ebenso die Resolution der Delegiertenversammlung, in der eine

neue Dekade der Frauenpolitik in B-W gefordert wird. Denn Gleichstellungsmaßnahmen

sind langfristige Investitionen, die für eine gerechte

Zukunft unverzichtbar sind.


„ganz persönlich“

Brief aus der Frauenarbeit

der Evangelischen Landeskirche in Baden

Herausgeberin:

Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Baden

Blumenstraße 1-7, 76133 Karlsruhe

Tel. 07 21/ 91 75 - 3 23, Fax. 07 21 / 91 75 - 3 20

frauenarbeit@ekiba.de, www.frauenarbeit-baden.de

Redaktion

Annegret Brauch, Petra Gaubitz

Die Redaktion behält sich vor, Manuskripte redaktionell zu bearbeiten

und ggf. zu kürzen.

Konzeption:

Helden & Mayglöckchen . Büro für visuelle Kommunikation

www.helden-maygloeckchen.de

Hannelore List, Dipl. Pädagogin

Familie, Gender, Lebensformen

Tel. 0721/9175-328/-325

hannelore.list@ekiba.de

Die Referentinnen auf einen Blick:

Susanne Schöpfle

Sekretariat MGW, Familie

Tel. 0721/9175-325

susanne.schoepfle@ekiba.de

Bettina Pfrommer

Sekretariat Leitung

Tel. 0721/9175-324

leitung.frauenarbeit@ekiba.de

bettina.pfrommer@ekiba.de

Anna Binkele,

Dipl. Religionspädagogin

Jüngere Frauen, Projekte,

Öffentlichkeitsarbeit

Tel. 0721/9175-331/-323

anna.binkele@ekiba.de

Gestaltung und Layout:

Zentrum für Kommunikation der Evangelischen Landeskirche in Baden

anja.bremer-walkling@ekiba.de

Druck:

Riesz & Müller, Karlsruhe

Kontonummer der Frauenarbeit:

EOK Karlsruhe, Verwaltungsabteilung

Ev. Kreditgenossenschaft e.G. Karlsruhe

Konto-Nr. 500 011, BLZ 52060410

Quellen:

Foto S. 1-3: www.pixelio.de/Torsten-Lohse, Foto S. 4: www.pixelio.de/S.

Hofschlaeger, Foto S. 5: www.muettergenesungswerk.de, Foto S. 6: privat,

Foto S. 7: privat, Foto S. 8: privat, Foto S. 9: www.pixelio.de/Dieter-Wendelken,

Foto S. 10: privat, Fotos S. 11-13: Frauenarbeit, Foto S. 15: www.

pixelio.de/Christian-Seidel, Fotos S.16: www.pixelio.de/segovax, Fotos S.

17: privat, Frauenarbeit.

Die Mitarbeiterinnen der

Frauenarbeit auf einen Blick

Ute Niethammer, Pfarrerin

Weltgebetstag, Ökumene

Tel. 0721/9175-329/-323

ute.niethammer@ekiba.de

Inge Bayer, Dipl. Sozialarbeiterin

Müttergenesung, Frauen und Gesundheit

Tel. 0721/9175-322/-325

inge.bayer@ekiba.de

Annegret Brauch, Pfarrerin

Leitung, Akademiedirektorin

Tel. 0721/9175-321/-324

annegret.brauch@ekiba.de

leitung.frauenarbeit@ekiba.de

Serife Golenia

Sekretariat Gemeindebezogene FA,

WGT, Projekte

Tel. 0721/9175-323

serife.golenia@ekiba.de

Petra Gaubitz, Sozialpädagogin

Gemeindebezogene Frauenarbeit

Tel. 0721/9175-333/-323

petra.gaubitz@ekiba.de

Andrea Rothweiler

Sekretariat Leitung

Tel. 0721/9175-324

leitung.frauenarbeit@ekiba.de

andrea.rothweiler@ekiba.de

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