Material zum Sozialpolitischen Buß- und Bettag 2010

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Material zum Sozialpolitischen Buß- und Bettag 2010

Arbeit der Zukunft

menschenwürdig

ökologisch

nachhaltig

Materialien für Gottesdienst

und Gemeinde

Sozialpolitischer Buß- und Bettag

Kirchlicher Dienst

in der Arbeitswelt

Arbeitsgemeinschaft

in der EKD


Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir beobachten seit vielen Jahren, wie

sich die Arbeitswelt zum Nachteil der

Arbeitnehmenden verändert. Immer weniger

Menschen arbeiten immer mehr. Die

Arbeitsbelastung steigt und mit ihr die

psychosomatischen Erkrankungen. Der

Kampf um einen Arbeitsplatz wird härter,

der psychische Druck am Arbeitsplatz

nimmt zu. Arbeitsverdichtung, schlechte

Arbeitsbedingungen, Niedriglöhne, Verlängerung

der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich

und die Kürzung von Sonderzahlungen

werden in Kauf genommen, um

den Arbeitsplatz zu behalten oder überhaupt

einen zu bekommen.

Unternehmen schließen Werke und

eröffnen sie an anderen Standorten wieder,

um billiger zu produzieren oder um

weniger Gewerbesteuer zu bezahlen.

Firmen verändern ihre Rechtsform, um

Beleg schaften zu entlassen und gegen

neue Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen

auszutauschen oder zu schlechteren

Konditionen wieder einzustellen. Auf

ein gutes Betriebsklima wird oft nur noch

in den Hochglanzbroschüren Wert gelegt.

Beschäftigte werden wie Rohstoffe und

Produkte zur unendlichen Massenware.

Aber Menschen arbeiten, um zu leben,

und leben nicht, um zu arbeiten. Das muss

das Ziel einer menschenwürdigen, ökologischen

und nachhaltigen Arbeitswelt

sein. Konkret heißt das: Beschäftigte können

von ihrem Einkom men befriedigend

leben. Sie und ihre Arbeit werden wertgeschätzt

und gefördert.

Inhhalt

Zum Thema

Neoliberale Ökonomie verändert die

Arbeitsgesellschaft 3

Umkehr tut not – Arbeit fair teilen

Kurze Vollzeit für alle 6

Gottesdienstbaukasten

Kehrt um und lebt!

Predigtvorschlag zu Ezechiel 18 10

Einfach besser leben! – Ideen für eine Predigt 13

Kurzbeschreibung biblischer Texte 16

Fürbitten, Glaubensbekenntnis, Lieder 18

Sozialethische Betrachtung

Das Ganze der Arbeit 20

Es werden Produkte hergestellt, die

umweltverträglich und Rohstoff schonend

produziert und wieder recycelt werden

können. Bei einer nachhaltigen Produktion

wer den Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt

mit sozialen und wirtschaftlichen

Aspekten berücksichtigt. Zukünftigen Generationen

soll ein intaktes ökologisches,

soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen

werden.

Der Buß- und Bettag ist ein kirchlicher

Feiertag mit einer besonderen gesellschaftspolitischen

Bedeutung. Schon im

19. Jahrhundert wurden von der Obrigkeit

Buß- und Bettage eingeführt, um öffentlich

über Fehlentwicklungen nachzudenken

und Impulse für eine friedliche und

gerechte Zukunft zu geben.

In dieser Tradition ist der Buß- und

Bettag ein Tag der gemeinsamen Besinnung

und des Nachdenkens über eine

menschenwürdige Entwicklung unseres

Zusammenlebens.

Mit dieser Broschüre wollen wir Anstöße

geben zu einer arbeits- und sozialpolitischen

Entwicklung, für eine Arbeit

mit Zukunft: menschenwürdig, ökologisch,

nachhaltig.

Pfarrer

Peter Janowski

Vorsitzender des

Kirchlichen Dienstes

in der Arbeitswelt

der EKD

Beispiele

Arbeit gut, alles gut – Über die Notwendigkeit,

Arbeitsbedingungen zu verbessern 24

Arbeit muss Spaß machen – Wenn gutes

Betriebsklima großgeschrieben wird 26

Ein Stück Zukunft der Arbeit –

die juwi Holding AG in Wörrstadt 27

Ausstieg aus dem Hamsterrad –

Arbeit und Leben in Balance 28

Wenn der Stress überhandnimmt –

Achtsamkeit üben! 30

In allen Produkten steckt menschliche Arbeit 32

Bücher, Film- und Internethinweise 34

Impressum 35

+++ Es gibt nichts Gutes, als dass sich die Menschen bei ihren Werken freuen. Denn das ist ihr Anteil.


Neoliberale Ökonomie verändert

die Arbeitsgesellschaft

Prekäre Arbeitsverhältnisse und die Angst vor

sozialem Abstieg wachsen

In diesem Jahr begehen wir ein kleines

Jubiläum. Zehn Jahre bewegen wir uns

nun schon im 21. Jahrhundert. Der Start

in das zweite Jahrtausend war fulminant.

Man versuchte sich nicht allein mit

den originellsten Milleniumsaktionen

und spektakulärsten Feuerwerk inszenierungen

gegenseitig zu übertrumpfen.

Auch ehrgeizige Pläne und Ziele wurden

für die wirtschaftliche und soziale Zu ­

kunft gesteckt, als gelte es, die Bäume

in den Himmel wachsen zu lassen.

Auf einem Sondergipfel der europäischen

Staats- und Regierungschefs im März

2000 in Lissabon wurde ein Programm

verabschiedet, das zum Ziel hatte, die EU

innerhalb von zehn Jahren, also bis 2010,

zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten

wissensgestützten Wirt schafts -

raum der Welt zu machen.

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Zum Thema

„Am Schaffen ist noch keiner

gestorben. Daß sie einen aus

der Fabrik tragen, weil er zuviel

gearbeitet hat, das habe ich

noch nicht erlebt.”

Werner Niefer (1928-93),

1989–1993 Vorstandsvorsitzender

Mercedes Benz AG

Dieses Ziel findet sich auch in den

Maßnahmen und im Namen der Agenda

2010 der Bundesregierung Schröder

wieder.

Wenn wir heute auf unser Land blicken,

auf seine wirtschaftliche und soziale Lage,

müssen wir feststellen, Bäume lassen sich

nicht durch marktradikale Ein griffe und

flammende Reden auf Aktio närs versammlungen

zu schnellerem Wachstum bewegen.

Im Gegenteil: Wer am Wasser und

den Nährstoffen spart, muss sich nicht

wundern, wenn nichts wächst, sondern

alles verkümmert und abstirbt.

Bisheriger Höhepunkt dieser Entwicklung

war der Ausbruch der Finanzkrise.

Das Spiel auf den Finanzmärkten hatte

sich längst von lebendiger Arbeit in der

sogenannten Realwirtschaft abgekoppelt.

Folge war und ist die größte internationale

Wirtschaftskrise seit 60 Jahren. Viele

Prediger 3, 22 +++ Ich will dein Getreide nicht mehr denen zu essen geben, die dir feind sind, und die

3


Zum Thema

„Die Arbeit, die tüchtige,

intensive Arbeit, die einen

ganz in Anspruch nimmt

mit Hirn und Nerven, ist

doch der größte Genuss

im Leben.“

Rosa Luxemburg

Menschen müssen auch in Deutschland

dafür zahlen mit Kurzarbeit, Entlassungen

und Verschärfung ihrer sozialen Lage.

Das „abgehängte Prekariat“

Dies trifft auf eine Entwicklung, die parallel

zu den Auswüchsen des Finanzkapitalismus

auf dem deutschen Arbeitsmarkt

stattgefunden hat. Die Rede von einer

„neuen Unterschicht“ machte 2006 die

Runde. Da man den vermeintlich diskriminierenden

Begriff geschichtlich längst

überwunden geglaubter Zustände vermeiden

wollte, wurden die Betroffenen als

„abgehängtes Prekariat“ bezeichnet.

Damit wurde der Ausdruck Prekarität zu

einem Begriff für unsichere und schlecht

bezahlte Lohnarbeit.

Zur Erreichung neoliberaler Ökono mieziele

wurde eine wachsende Destabili -

sierung der (Arbeits-)Gesellschaft in Kauf

genommen.

Dabei ist Prekarität längst keine Erschei

nung an den Rändern des Arbeitsmarktes

mehr. In einer Untersuchung von

Mario Candeias 1 aus dem Jahr 2008 wird

deutlich, welche Breitenwirkung die Ab-

4 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

wertung des Arbeitsverhältnisses entfaltet

hat. „Sie betrifft illegalisierte migran tische

Putzfrauen, Sicherheitskräfte mit weniger

als 4 Euro Stundenlohn, die befristete

Kassie rerin bei Lidl wie den gut ausgebildeten,

ostdeutschen Leiharbeiter im Ruhrgebiet

oder den (schein-)selbstständigen

Fernfahrer. Aber sie betrifft eben auch die

(zwangs-)mobilen Kurzzeit-Projekt arbeiter

in der IT-Industrie, freie Journalisten,

selbstständige Kulturschaf fende oder

Mas seure, befristet beschäftigte Sozialarbei

te rinnen und Wissen schaftler, die

Biblio thekarin mit 1-Euro-Job oder das

Computer-Proletariat in den Call-Centern.“

Die politisch gewollte Ausweitung des

Niedriglohnsektors sollte bessere Beschäf

tigungsmöglichkeiten für Geringqualifizierte

schaffen. Tatsächlich besitzen

aber über 70 % der Niedriglöhner eine abgeschlossene

Berufsausbildung. Für die

meisten – insbesondere Frauen – wird

dieser Sektor zur Falle, aus der es kaum

einen Ausweg gibt.

Letztlich hat die Ausweitung des Nied riglohnsektors

zu einer Senkung der Stan -

dards auf dem Arbeitsmarkt insgesamt

geführt. Der Vormarsch sogenannter

atypischer Arbeitsverhältnisse wie

Kinder der Fremden sollen deinen Wein nicht trinken, mit dem du so viel Arbeit hast. Sondern die die


z. B. Leiharbeit, Minijobs, aber auch ungewollter

Teilzeit geht mit einer Abnahme

sozialversicherungspflichtiger Be schäftigung

einher.

Die Lebensplanung wird unsicher

Die wachsende Angst vieler Menschen

vor dem sozialen Abstieg ist einer der

Gründe dafür, dass die soziale Frage

wieder verstärkt debattiert wird. Der

Sozio loge Klaus Dörre 2 stellt fest: „Wer in

Deutschland im Sektor niedrig entlohnter,

unsicherer und daher prekärer Beschäftigung

landet, der hat nur geringe Chancen,

den Fahrstuhl nach oben zu besteigen,

abwärts geht es dafür umso schneller.“

Das „Normalarbeitsverhältnis“, das

heißt jene Kombination aus unbefristetem

Arbeitsvertrag mit existenzsicherndem

Einkommen und rechtlicher wie sozialer

Absicherung, bietet ein Maß an persönlicher

Freiheit und Würde, das der

sozialethischen Bedeutung der Arbeit

angemessen ist. Der Abbau dieser Bedingungen

für „gute Arbeit“ bedeutet für

die Be troffenen ein Leben in zunehmender

Un sicher heit für ihre Lebens planung,

Angst vor Armut und Abhängigkeit.

Das Verständnis von Arbeit verschiebt

sich immer mehr zum reinen Waren-

charak ter. Der arbeitende Mensch dagegen

wird zum austauschbaren Kostenfaktor.

Dadurch wird eine Gesellschaft,

die durch Erwerbsarbeit geprägt ist, in

gefährlicher Weise destabilisiert. Prekäre

Arbeit erfüllt die Funktion der gesellschaftlichen

Integration nicht mehr.

Im 19. Jahrhundert waren die Kirchen

nicht in der Lage, auf die soziale Frage die

richtigen Antworten zu finden. Die darin

begründete Entfremdung zur Arbeitnehmerschaft

wurde erst nach 1945 aufgebrochen.

Werden die Kirchen diesmal

bereit sein, sich deutlich der sozialen

Frage des 21. Jahrhunderts zu stellen?

Friedemann Preu,

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt Bayern,

Nürnberg

1 Candeias, Mario: Genealogie des Prekariats.

In: Altenhain, Claudio u. a. (Hrsg.):

Von ‚Neuer Unterschicht’ und Prekariat.

Bielefeld, 2008, S. 122

2 Dörre, Klaus: Klassengesellschaft,

Ungleichheit und Hegemonie. In: Widerspruch,

Heft 52, 27. Jg., 2007, S. 23

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Ernte einbringen, sollen sie essen und Gott loben, die den Wein lesen, sollen ihn trinken. Jesaja 62, 8–9

5


Zum Thema

Umkehr tut not – Arbeit fair teilen

Kurze Vollzeit für alle

Unsere Erwerbsarbeitsgesellschaft

be findet sich in einem tiefgreifenden

Wandel. Nur noch zwei Drittel der

Erwerbs tätigen arbeiten in einem sozialversicherungspflichtigen,

unbefristeten

Vollzeit arbeitsverhältnis. Etwa acht

Millionen Menschen arbeiten in

sogenannten atypischen Beschäftigungs ­

verhältnissen. Wiederholter Tätigkeitswechsel,

Befristungen, Teilzeit­

sowie Leiharbeit sind immer mehr

zur Regel geworden.

6 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

„Ein Kompromiß, das ist

die Kunst, einen Kuchen

so zu teilen, daß jeder

meint, er habe das größte

Stück bekommen.“

Ludwig Erhard

Lebensbewältigung ohne ein auskömmliches

Einkommen ist Realität für über

sechs Millionen Menschen in Deutschland.

Die Ausübung eines Berufs,

Erwerbsarbeit und eine oft lebenslange

betriebliche Identifizierung gehören der

Vergangenheit an. Sicherheit für ein ganzes

Leben, Ortsverbundenheit, soziale

Verlässlichkeiten, ein gutes, gesundes

Leben, das ist nicht mehr gewiss.

Flexi bilität, Mobilität, Vermarktung der

eigenen Arbeitskraft, Selbstausbeutung

und Mehrfachjobs sind die Kennzeichen

einer deregulierten und liberalisierten

Wirtschafts- und Arbeitswelt.

+++ Eine gerechte Person beutet niemanden aus. Das Pfand gibt sie denjenigen zurück, die ihr etwas


Beschleunigung und Verdichtung von

Arbeitsprozessen gehen einher mit plötzlichem

Ausbremsen durch Erwerbslosigkeit,

mit einem langsamen Verstummen

und gesellschaftlicher Exklusion.

Diese Entwicklung birgt steigende

menschliche, soziale, gesundheitliche,

familiäre und finanzielle Risiken.

Die arbeitsmarktpolitischen „Refor men“

haben die Besorgnis vor dem so zialen

Abstieg gerade in der Mittel schicht deutlich

gesteigert und damit die psychi sche

Anspannung signifikant erhöht.

Seit Anfang der 90er-Jahre hat sich

allein die Zahl der arbeitsbedingten psy chischen

Krankheiten mehr als verdoppelt.

In gewinnträchtigen Branchen nehmen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout-Symptome

gleichermaßen zu wie im

„Die Arbeit, die

tüchtige, intensive

Arbeit, die einen

ganz in Anspruch

nimmt mit Hirn und

Nerven, ist doch

der größte Genuss

im Leben.“

Rosa Luxemburg

Niedriglohnbereich des Einzelhandels

und von Dienstleistungen. Hier führen entwürdigende

Ausbeutungsverhältnisse zu

nervlicher und psychischer Erschöpfung.

Die Verdoppelung der Wertschöpfung,

mit deutlich weniger Arbeitsstunden, in

den letzten 30 Jahren erklärt sich aus

stei gender Rationalisierung und erhöhter

Ar beitsverdichtung. Arbeitslosigkeit,

prekäre Beschäftigung, unregelmäßige

Ar beits zeiten und steigendes Arbeitsvolumen

haben Folgen für die gesundheitliche

Lebensqualität und das Betriebsklima.

Zeitlich begrenzte Projekte, stets

wechselnde Aufgaben und Teams, widersprüchliche

Anforderungen, überlange

Arbeitszeiten und Leistungsdruck machen

krank. Beschäftigte sehen sich außerstande

abschalten zu können. Ein deutlich

erhöhter Druck, Erwartungen an Multi-

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

schulden. Sie reißt nichts an sich, was ihr nicht gehört. Vom eigenen Brot gibt sie den Hungrigen. Nackte

7


Zum Thema

tasking-Kompetenzen führen zu Psychokrieg

in Form von Mobbing und Bossing.

Leistungssteigernde Doping mittel sind

registrierte Anzeichen einer immer kränker

werdenden Arbeitsge sell schaft. Ca. 500

Millionen verlorene Arbeits tage sind aufgrund

von krankheitsbedingten Ausfällen

und mangelndem Arbeitsschutz EU-weit

zu verbuchen. Mangel an Anerkennung

und Wertschät zung geben 7 von 10 Beschäftigten

an. Von „guter Arbeit“ sprechen

laut DGB-Index gerade mal 12 %

der Beschäf tigten. Feedback oder andere

nicht materielle Zeichen des Interesses

am Men schen fehlen.

Die drei Dimensionen der Arbeit

Eine Umkehr zu einem gesunden Leben

und Arbeiten ist überfällig. Die Verknüpfung

der biblischen Einsicht , dass der

Mensch „nicht vom Brot allein“ lebt, mit

der Erkenntnis Luthers, dass das Arbeiten

zum Menschen gehört wie das Fliegen

zum Vogel, sind von einer verheißungsvollen

Relevanz. Es gilt, wieder die Balan ce

zu finden und die Arbeit danach zu orga-

8 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

nisieren, was gut ist für den Menschen,

die Gesellschaft und die Umwelt und was

wir als Menschen tatsächlich elementar

bedürfen.

Drei Dimensionen der Arbeit gehören

aus theologischer Sicht für den Men schen

untrennbar zusammen:

Die schöpferische Selbstentfaltung

als personale Dimension der Arbeit.

Damit bringt der Mensch zugleich seine

Verantwortung für seine soziale Mitwelt

und eine nachhaltige Bewahrung der

Natur ein.

Die existenzielle Dimension. Danach ist

die Arbeit notwendig für den täglichen

Lebensunterhalt. Die Entlohnung ist zugleich

Ausdruck der Anerkennung.

Die soziale Dimension der Arbeit. Der

Einzelne ist zugleich Teil einer sozialen

Gemeinschaft und in eine solidarische

Beziehung zu seiner menschlichen und

natürlichen Mitwelt gestellt.

bekleidet sie. Sie verleiht nicht gegen Zins und nimmt keine Wucherpreise. Vom Unrecht hält sie sich fern.


Diese drei Dimensionen gilt es in die Gestaltung

einer zukunftsfähigen Archi tektur

der Arbeitswelt als tragende Säulen einzubeziehen.

Sie sind aufeinander bezogen

und können nicht losgelöst voneinander

betrachtet werden.

Mit der Einführung kurzer Vollzeitarbeit

wird eine faire Verteilung der Arbeit und

des Arbeitsvolumens ermöglicht. Das

vorhandene Arbeitsvolumen würde durch

mehr Menschen bewältigt werden.

Psychi sche und physische Entlastung,

eine bessere Gesundheit und höhere

Lebensqualität würden die Krankenkosten

verringern. Die Verteilung der Arbeit würde

zu mehr Familien- und sozialer Zeit

führen. Freiräume für bürgerschaftliches

personale Dimension

sozioökologische Dimension

existenzielle Dimension

„Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft die Arbeit, die

Arbeitsbedingungen … organisiert, sollte eine Quelle

der Gesundheit und nicht der Krankheit sein. Gesundheitsförderung

schafft sichere, anregende, befriedigende und

angenehme Arbeits- und Lebensbedingungen.“

Ottawa-Charta der WHO zur Gesundheitsförderung 1986

Enga ge ment und eine Verringerung von

Arbeits losigkeit könnten erreicht werden.

Die Verkürzung der Arbeitszeit im

kri sen bedingten Abschwung hat einen

massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit

verhindert. (Jahres-)Zeitarbeitskonten

oder Sabbaticals haben sich als lukrative

und zukunftstaugliche Instrumentarien

erwiesen, die vielfach auf Gefallen gestoßen

sind.

Eine veränderte Bewertung von Arbeit,

gemessen am sozialen und ökologischen

Mehrwert der Arbeit, ist sowohl zukunftstauglich

als auch menschendienlich und

von gesellschaftlichem und ökologischem

Nutzen. Dies wäre zugleich ein Qualitätskennzeichen

im Sinne von „guter Arbeit“.

Umkehr zu guter, fair verteilter Arbeit

und einem guten Leben tut not. Um der

Zukunft der Menschen und des Planeten

willen.

Jens Junginger,

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

Württemberg, Reutllingen

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Zuverlässig schafft sie Recht zwischen den Menschen. Ezechiel 18, 7-8 +++ Eine große Zahl weiser

9


Gottesdienstbaukasten

Kehrt um und lebt!

Predigtvorschlag zu Ezechiel 18

Die Spekulanten triumphieren,

Volkswirtschaften kollabieren, Politiker

reparieren, die Polkappen schmelzen

und das Öl fließt tonnenweise weiter ins

Meer. Wo soll das enden? Was gilt

eigentlich noch? Worauf können wir uns

verlassen? In welchen Gewissheiten

dürfen wir uns noch beheimatet fühlen?

Angst vor der Zukunft; Besorgnis darüber,

was die Zukunft bringen wird: Das war die

Stimmung, in der Ezechiel das Volk Israel

antrifft. Werden wir jemals wieder nach

Hause kommen, eine Heimat haben?

Der Glaube, dass Gott immer auf ihrer

Seite ist – der war verloren gegangen.

Die Frage drängte: Ist Gott auch im Exil

gegenwärtig, in der Fremdheit, in der

Perspektiv losigkeit?

Wir haben uns entfernt von Gottes

Gegenwart, von seinen Geboten, vom

Tempel in Jerusalem. Wie kann Gott nun

an diesem neuen Ort erfahren werden?

Sind wir von allen guten Geistern ver-

10 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

„Manager, die Teil des Problems

sind und die mit ihrer Gier enorme

Schäden verursacht haben, die

können jetzt nicht zu uns kommen,

mit ihren alten Verträgen

rumwedeln und sagen, die millionenschweren

Bonuszahlungen

stünden ihnen zu.“

Angela Merkel,

Bundeskanzlerin seit 2005

lassen, so sagen wir manchmal umgangssprachlich,

wenn wir etwas Verrücktes

erdacht oder getan haben. Wenn sich

das Volk im Exil damals diese Frage

gestellt hat, dann können wir das heute

gut nachvollziehen, angesichts der

Lage, in die wir Menschen uns selbst

gebracht haben.

Bei Ezechiel geht es im Kapitel 18 in

einer verfahrenen Lage um die Frage der

Verantwortung. „Die Eltern essen saure

Trauben und den Kindern sind die Zähne

davon stumpf geworden.“ Dieses Sprichwort

wurde gerne benutzt als Erklärung

oder Entschuldigung für die Lage, in die

man sich selbst gebracht hatte. Was können

wir schon tun? Unsere Eltern haben

uns durch ihr Verhalten in diese missliche

Situation gebracht – wir können nichts

daran ändern. Ganz unbekannt sind uns

solche stereotype Phrasen nicht. Schon

damals hat das zu einer Lethargie, zu

einem politischen Desinteresse, einem

Menschen bedeutet Rettung für die Welt und eine kluge Regierung Wohlergehen für das Volk. Weisheit


Engagement nur fürs eigene Wohl, nur für

die eigene berufliche Karriere geführt.

Mit Vehemenz überbringt Ezechiel die

Botschaft Gottes: „Jedes Menschenleben

gehört mir – das der Eltern wie das der

Kinder. Jede/r muss sich für die eigenen

Taten verantworten.“ Jeder ist und bleibt

verantwortlich, Gesellschaft zu gestalten.

Und er erläutert, was das bedeutet:

„Ein gerechter Mensch ist, wer Recht

(mischpat) und Gerechtigkeit (zedeka) verwirklicht.“

Es geht um das Verwirklichen

dessen, was ich als Recht und Gerechtigkeit

erkannt habe. Für Christenmenschen

kann das nur bedeuten: „Tu deinen Mund

auf für die Stummen und verfolge die

Rechtsfälle aller schwachen Männer und

Frauen.“ An diesen Vers aus den Sprüchen

(Spr 31,8) wird hier erinnert.

Den Mund auftun, für die, die Angst

haben – vor den Jobcentern, vor Vorgesetzten

oder Kolleginnen –, die total verunsichert,

eingeschüchtert sind nach dem

Motto: „Lieber den Mund halten, sonst

flieg’ ich“, die apathisch geworden sind,

sich aufgegeben haben, lieber alles in

sich hineinfressen, die keinen Aufruhr

wollen, nicht auffallen wollen, auch wenn

sie gemobbt oder drangsaliert werden.

Der Prophet Ezechiel führt sehr konkret

aus, was „Recht“ und „Gerechtigkeit“

bedeuten kann. Einiges davon soll zur

Sprache kommen. „Er richtet seine Augen

nicht auf die Truggottheiten …“

Truggottheiten!? Ein außergewöhnliches,

ein wunderbares Wort. Was sind das

denn: „Truggottheiten“?

Der Götze „unendliches ökonomi sches

Wachstum“ z. B. oder der Götze „Leistung

und Anerkennung“. Was opfern wir diesen

Gottheiten nicht alles – an Lebenszeit,

an Ressourcen, an Gerechtigkeit, an

Ver zicht auf ein sinnerfülltes und beziehungsreiches

Leben? Sind wir das, angetrieben

von „Leis tungsdruck, Gier und

Selbst verliebtheit“?

Ein Schweizer Psychiater beschrieb seine

Wahrnehmung wie folgt: „Die Hochleistungsgesellschaft

setzt den Einzelnen

einem narzisstischen Risikospiel aus: Man

hat immer besser als andere zu sein.

Wenn die Leistungsblase platzt, fehlen

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

6, 24 +++ Wer mächtig ist, kann arm an Einsicht und reich an Erpressung sein; wer unrechtmäßigen

11


Gottesdienstbaukasten

vorerst andere Werte, die Sinn und Halt

zu geben vermögen.“

Es fehlt uns etwas. Eine Beheimatung.

Ein Eingebettetsein in Werte, die Sinn

stiften, Orientierung und Halt geben.

Es ist diese besondere Art von Heimatverlust,

die uns mit den Menschen damals

im Exil verbindet. Ein Heimatverlust, nicht

im geografischen Sinne, sondern in religiöser,

ethischer und spiritueller Hinsicht.

Ezechiels Zwischenruf lautet: „Kehrt um

und lebt! Wendet euch ab von all den

Rechtsbrüchen, durch die ihr eure Gemeinschaft

zerbrochen habt. Schafft euch ein

neues Herz und eine neue Geisteskraft!“

Rechtsbrüche, durch die ihr eure Gemeinschaft

zerbrochen habt: Wer würde

da heute nicht z. B. an Hartz IV denken.

Wurde nicht das Recht, wenn nicht zerbrochen,

so doch aber gewaltig gebeugt?

Für all diejenigen, denen ein Recht auf

staatliche Zuwendung zwar zugesprochen

wurde, aber nur, wenn sie dafür in jedwede

Arbeit und in Billiglöhne einwilligen.

Das Recht auf Sanktionierung wurde eingeführt

– ein Rückfall in mittelalterliche

Zeiten. Realität ist: Ein Viertel aller

Erwerbs tätigen lebt heute an der Armutsgrenze.

Und welche Liberalisierung an

Rechten wurde auf der anderen Seite zugestanden,

so dass ein immenser Reichtum

und unethisch hohe Löhne und Boni

ermöglicht wurden?

„Kehrt um und lebt!“ Macht euch auf

den Weg, auf neue Wege. Kehrt um! Auf

dem Wachstumspfad verspielt ihr euer

Leben, opfert ihr den Planeten und ruiniert

die Zukunft eurer Kinder.

Macht euch auf den Weg, neue

kreative Ideen zu entwickeln, wie die vorhandene

Arbeit geteilt werden kann, wie

verschiedene Tätigkeiten eine gerechte

Wert schätzung bekommen, wie die

Begrenzt heit der Ressourcen in einem

menschendienlichen Wirtschaften und

guten Leben einbezogen werden können.

Ezechiel fordert zu einem veränderten

Denken und Handeln auf. Er beschreibt es

12 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

ein paar Kapitel davor als Gottes Handeln

an uns: „ Ich will ihnen ein einiges Herz

geben und ihr Inneres mit neuer Geisteskraft

erfüllen. Das steinerne Herz will ich

aus ihrem Körper herausnehmen und

ihnen ein fleischernes Herz geben. Dann

werden sie meinen Bestimmungen folgen

und mein Recht bewahren und verwirklichen.“

(11, 19f)

Ein fleischernes Herz ist im Gegensatz

zum steinernen Herzen, eines das schlägt,

pulsiert, das lebt und empfindet, das zu

sensibilisieren vermag, wie es anderen

Menschen geht, das uns zur Empathie

und Mitleidenschaft befähigt – das „sozialen

Zusammenhalt“ wieder neu entstehen

lassen kann. Ezechiel formuliert das sehr

konkret, wenn er darüber nachdenkt, wie

unser Verhalten geprägt sein müsste.

Jede und jeder ist dabei aufgefordert, in

seiner Funktion, in seiner Position, mit

seinen Fähigkeiten und seinem sozialen

Empfinden dazu beizutragen.

Für den Propheten heißt das: eine gerechte

Person zu sein (V 7 ff). „Eine gerechte

Person beutet niemanden aus. Sie

verleiht nicht gegen Zins und nimmt keine

Wucherpreise. Zuverlässig schafft sie

Recht zwischen Menschen.“

Gottes Protest gegen ein individualisiertes

Verhalten, das keine Verantwortung

für das Wohl der anderen übernehmen

will, erreicht uns auch heute. Es trifft

uns. Es be-trifft uns. Denn es ist ein

Protest gegenüber einer Lebenshaltung,

die nur das eigene Fortkommen im Blick

hat. Eine Beheimatung in einer neuen

alten Umgebung täte uns gut; sie ist geprägt

von: vernetztem Denken, Netzwerke

bilden, solidarisch arbeiten und leben.

Kehrt um und lebt!

Esther Kuhn-Luz,

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Stuttgart

Gewinn hasst, wird lange leben. Sprüche 28, 16 +++ Sechs Tage lang sollst du für deinen Lebensunterhalt


Einfach besser leben!

Ideen für eine Predigt

Es gibt Momente, in denen uns Angst

überfällt und Entsetzen über uns kommt.

Eine Nachricht erreicht uns, die wir nicht

wahrhaben oder glauben wollen. Etwas

Schlimmes ist geschehen und wir ahnen,

dass noch Schlimmeres kommen wird.

Die Folgen können wir nicht übersehen,

wir fühlen uns hilflos, sehen in einen

Abgrund, geraten in Panik und sind wie

gelähmt vor Angst.

Für viele war im September 2008 die Nachricht

vom Zusammenbruch der Lehmann-

Bank in den USA ein solcher Moment.

Niemand wusste, was diese Nachricht

wirklich bedeutete.

Für mich gab es einen solchen Moment

Ende letzten Jahres, als ich während einer

Autofahrt Nachrichten hörte. Da wurde

nur einfach festgestellt, der Weltklima gipfel

in Kopenhagen sei gescheitert. Ohne

greifbares Ergebnis waren die Regie renden

nach Hause gefahren. Die Nachricht

traf mich wie ein Keulenschlag. Haben wir

Gottesdienstbaukasten

„Heimisch in der Welt

wird man nur durch

Arbeit. Wer nicht arbeitet,

ist heimatlos.“

Berthold Auerbach

denn überhaupt noch Zeit? Ist der Zeitpunkt

zum Handeln nicht schon vorüber?

Ich dachte an unser vor Kurzem geborenes

Enkelkind und an einen Satz, den ich

am Tag zuvor gelesen hatte. Der

Präsident der Malediven hatte in Kopenhagen

gesagt: „Ich habe zwei Töchter und

möchte gerne meine Enkel sehen. Wenn

wir aber so weitermachen wie bisher,

dann werde ich nicht in der Lage sein,

meine Enkel zu sehen.“

Wir spüren: Die Probleme sind riesig und

die Zeit läuft davon. Die Finanzmarktkrise

ist noch nicht vorbei. Vielerorts flackern

die Brandherde, erreichen die Wirtschaft

und vergrößern den Abstand zwischen

Gewinnern und Verlierern. Die soziale

Gerechtigkeit gerät unter die Räder und

die Zukunft menschlicher Arbeit ist

ungewiss.

Aber das sind keine Naturkatastrophen.

Alles wird angerichtet von Menschen,

zuweilen befördert von der Politik

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

arbeiten. Aber am siebten Tag sollst du alles liegen lassen, damit auch dein Rind und Esel ausruhen

13


Gottesdienstbaukasten

oder angetrieben durch ausbleibendes

Handeln. Wer sind die Verantwortlichen?

Die Investmentbanker, die Papiere verkaufen,

die der Verkäufer noch gar nicht besitzt

und dadurch eine Riesenrendite aus

fallenden Kursen zieht? Oder Politiker, die

per Gesetz die Umverteilung von unten

nach oben unterstützen? Sind diese

Menschen von allen guten Geistern verlassen?

Oder sind sie Gefangene eines

Systems, das falsch gestrickt ist und in

die verkehrte Richtung drängt?

Ein Autor der Bibel stellte sich vor knapp

2000 Jahren ähnliche Fragen. Leidenschaftlich

verfolgte er das Ziel, die gute

Nachricht, die durch Jesus Christus in die

Welt gekommen war, über den Erdkreis zu

verbreiten: als frohe Botschaft für Juden

und Heiden. Der Aktionsraum des Briefeschreibers

war das römische Reich. Und

das Herrschaftssystem des Imperium

Romanum war für Paulus – denn um ihn

geht es – das zentrale Gegenüber. Im römischen

Imperium erkannte er die Weltherrschaft

der Sünde. Die religiös aufgeladene

Machtausübung des Weltreiches

ließ für die Botschaft von Jesus Christus

keinen Raum. In der Hauptstadt des

Reiches, in Rom, – so sah es Paulus –

war die Sünde römischer Herrschaft besonders

ausgeprägt. Sie saß in den Köpfen

der Menschen. „Wertloses Denken“

nannte Paulus dieses römische System.

14 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

In einem Brief an die Christen in Rom,

dem Römerbrief unserer Bibel, schreibt

Paulus:

„Weil die Menschen es nicht für wert

hielten, sich in ihrer Lebensgestaltung an

Gott zu orientieren, überließ Gott sie ihrem

wertlosen Denken, das sie dazu führte

Dinge zu tun, die nicht der rechten Ordnung

entsprechen: vollgestopft mit lauter

Ungerechtigkeiten, Bosheit, Habsucht und

Machtgier, strotzend von Missgunst,

Mordgier, Streitsucht, Täuschung und

Verschlagenheit.“

(Römerbrief, Kap. 1, 28–29)

Soweit Paulus. Auch für ihn stellt sich die

Frage: Waren die Einzelnen für das Böse

verantwortlich oder war das römische

Imperium ein falsches und sündiges

System? Für Paulus ist die Antwort klar:

Ein System, das den Menschen total beherrscht,

unterjocht seine Freiheit und

macht ihn zum Sklaven. Die freimachen de

Botschaft von Jesus Christus steht dem

System der römischen Herrschaft darum

diametral entgegen.

Wie sollen sich die Christen aber nun

verhalten? Wie sollen sie umgehen mit

Menschen, die Verantwortung tragen,

denen sie ausgeliefert sind, an denen sie

leiden? Hören wir die Antwort des Paulus:

„Deshalb hast du keine Entschuldigung,

Mensch – wer auch immer du bist –, wenn

du über andere urteilst. Mit deinem Urteil

verurteilst du dich selbst. Denn du tust

doch genau dasselbe, auch wenn du es

verurteilst. Wir wissen aber, dass sich

Gottes Urteil über diejenigen, die so handeln,

allein an der Wahrheit misst. Bildest

du dir etwa ein, Mensch, dass ausgerechnet

du Gottes Urteil entgehen kannst,

wenn du dasselbe tust wie die, deren

Handeln du verurteilst? Oder traust du der

Fülle der göttlichen Güte nicht genug zu,

der Geduld und Großherzigkeit? Weißt du

nicht, dass es allein die Freundlichkeit

Gottes ist, die dich dazu bewegen kann,

dein Leben zu verändern?“

(Römerbrief, Kap. 2, 1–4)

können und Sklave und Sklavin sowie Gastarbeiterin und Gastarbeiter sich erholen. 2. Mose 23, 12 +++


„Arbeit gibt uns mehr

als den Lebensunterhalt,

sie gibt uns das Leben.”

Henry Ford (1863-1947),

amerik. Großindustrieller

Das ist eine erstaunliche Antwort. Paulus

nimmt den Widerspruch zum System

nicht zum Anlass, die Personen zu verurteilen,

die darin handeln. Ein Urteil über

andere verbietet sich, weil – so seine

Worte – „du doch das Gleiche tust, auch

wenn du es verurteilst.“ Mit anderen

Worten: So, wie die Christen in Rom Teil

des römischen Systems sind, so haben

wir teil an unserem System. Da kommt

man nicht so leicht heraus. Wenn wir mit

dem Zeigefinger auf andere deuten, zeigen

drei Finger einer Hand auf uns selbst

zurück. Seien wir also vorsichtig mit unserem

Urteil. Gleichgültig, ob die gemeint

sind, von denen man sagt, dass sie in der

sozialen Hängematte liegen, oder Investmentbanker,

die angeblich unser Geld

verzocken.

Statt andere zu verurteilen oder die

Lösung von anderen zu erwarten, sollen

wir insgesamt umkehren von falschen

Wegen. Das kann man nicht als Einzelner

allein tun. Das kann aber auch nicht von

der Regierung allein beschlossen werden.

Es ist eine Aufgabe, bei der alle mitma-

chen müssen: Die Politik, die Verantwortungsträger

der Wirtschaft und die ganze

zivile Gesellschaft.

„Wisst ihr nicht, dass es allein die Freundlichkeit

Gottes ist, die euch bewegen

kann, euer Leben zu ändern?“ So werden

wir von Paulus gefragt. Im Bild der

Freundlichkeit Gottes taucht eine Vision

davon auf, wie die Zukunft für unsere Welt

aussehen könnte. Eine Zukunft, die den

Klimawandel in den Griff bekommt, Armut

wirkungsvoll bekämpft und Arbeit menschenfreundlich

gestaltet. Dafür notwendig

ist eine radikale Umkehr. Unsere Erde

lebenswert erhalten, Chan cen für alle

schaffen und die Menschen teilhaben lassen

an der Freundlichkeit Gottes:

Umkehren und einfach besser leben!

Martin Huhn,

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt Baden,

Mannheim

Zitate aus dem Römerbrief nach der Übersetzung

„Bibel in gerechter Sprache“

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Sie werden nicht bauen und andere wohnen darin, sie werden nicht pflanzen und andere essen davon.

15


Gottesdienstbaukasten

Kurzbeschreibung biblischer Texte

Anregung für Lesungen und kurze Impulse

1. und 2. Mose (in Auszügen):

Gottes gute Arbeit

Ein Malocher braucht seine Auszeiten.

Arbeit und Ruhe sind die wesentlichen

Kennzeichen guter Arbeit. Die Arbeit

Gottes ist eine körperlich, handwerklich

schöpferische Tätigkeit. Die Trennscheibe

zwischen oben und unten wird gefertigt

wie es ein Metallarbeiter tut. Im zweiten

Bericht wird von Gott wie von einer

model lierenden Töpferin erzählt. Die

Schöp fungsberichte beinhalten die wesentlichen

Merkmale einer sinnstiftenden,

schöpferischen, guten Arbeit, mit denen

Gott seine mitarbeitenden Ebenbilder

beauftragt, um ebenso regelmäßige

Pausen einzulegen.

Psalm 8:

Die Erde gehört Gott

Der kleine blaue Planet – er gehört uns

nicht. Ein verantwortliches Bebauen und

Bewahren setzt eine Bereitschaft zum

Staunen, Bewundern sowie zur Achtsamkeit

voraus. Ein beachtliches Maß an

Demut für die wenigen, aber dennoch

„niedriger“ gemachten reichen und satten

Ressourcenverschleuderer ist überfällig.

Umkehr von einem falsch verstandenen

Herrschaftsverständnis bedarf einer

Abkehr vom Wachstumswahn und einer

Hinwendung zu wirkungsvollen Akzenten

in Wirtschaft, Arbeitswelt und im

Ver braucherverhalten.

16 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Psalm 104:

Mitarbeitende der Schöpfung

Überwältigend, was der Psalmist hier ins

Bewusstsein ruft. Alles ist da. Und der

Mensch ist mit seiner Arbeit mitten drin,

eingebunden, ein Teil der weisen

Ordnung. Ein zugewiesener Platz. Eine

Einladung zum Innehalten und offen

Eingestehen, was bereits verwirkt und

zerstört wurde. Eine Erinnerung: An einem

solchen Reichtum sollen alle teilhaben.

Es ist wahrlich genug für alle da.

2. Mose 16, 11–21:

Verteilen, was da ist

Gottes Ökonomie ist segensreich.

Es ist genug für alle da und es reicht.

Die Geset ze des Marktes – auch des

Finanz marktes – gehen von der Knappheit

der Güter aus. Das erzeugt einen

Wachs tums- und Renditefanatismus, ein

Immer-mehr-haben-Wollen, ja, ein

ange bliches Immer-mehr-haben-Müssen.

Das Mannawunder stellt diese Voraussetzungen

infrage und regt an, ein Leitbild

stark zu machen, das aufzeigt: Verteilt,

was da ist!

Ja, mein Volk wird so alt wie Bäume werden, und was ihre Hände erarbeitet haben, werden die verbrauchen,


Matthäus 20, 1–16:

Arbeit aufteilen

Ein Plädoyer nicht nur für gleiche Bezahlung,

sondern auch für eine Verteilung des

Arbeitsvolumens auf mehr Menschen.

Kürzere Wochenarbeitszeiten nicht nur in

der Krise, das wird die im Gleichnis bereits

entstehende Diskussion um Solidarität

entfachen. Und das ist gut so. So

wird das Fenster geöffnet für einen Ausblick,

was möglich wäre und vor allem

zukunftsfähig.

Lukas 15, 8–10:

Veränderung feiern

Nur am Rande erfahren wir in der Bibel

etwas über die „Erwerbs“-Arbeit von

Frauen. Ruth liest Ähren auf. Das „Spinnen“

lässt auf Frauenarbeit schließen

(Matthäus 6, 28). Im vorliegenden

Gleichnis wird die Freude über einen

schwer zu verdienenden Tagelohn einer

Frau erzählt. Die extremen sozialen

Gegensätze waren Ausdruck lebensbedrohlicher,

sündhafter Strukturen. Um zu

überleben, mussten Frauen Erwerbs- und

Hausarbeit miteinander vereinbart bekommen.

Das Gleichnis öffnet die Augen

für eine lebendige Frauengemeinschaft,

die die Überwindung bedrängender

Verhältnisse als Offenbarung Gottes zu

feiern vermag.

Apg 11, (11–13) 14–15:

Anders leben und arbeiten

Lydia und ihr Haus: Beispiel für eine

religiöse Gemeinschaft und eine wirtschaftlich

solidarisch, handwerklich arbeitende

Genossenschaft. Die vielfach als

gut situierte Kauffrau dargestellte

fromme, christusgläubige Jüdin, betätigte

sich in einem handwerklichen, schmutzig

stinkigen Metier, von dem sich die

Besseren distanzierten. Ihre Lebens-,

Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft

stellt einen Impuls dar für ein verantwortliches

und entschleunigtes, haushalterisches

Wirt schaften (= Ökonomie) dar.

„Die Arbeit, die

uns freut, wird zum

Ergötzen.“

Shakespeare in:

Macbeth II, 3

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

die ich erwählt habe. Jesaja 65, 22 +++ Den Ertrag deiner Hände wirst du essen – du hast Glück:

17


Gottesdienstbaukasten

Liturgische Elemente

Gebete, Texte, Lieder

Dank­ und Fürbittengebet

Guter und treuer Herr und Gott.

Tag und Nacht, rund um die Uhr arbeiten

Menschen:

Sie alle tragen Verantwortung für sich

und andere.

Gib ihnen Gelassenheit, Umsicht und

Kraft für ihre Aufgaben.

Wir denken an die Vielen, die keinen

Arbeitsplatz haben:

An die Frauen und Männer,

die in ihrem Selbstverständnis

als Ernährende ihrer Familie erschüttert sind,

die sich wertlos und nutzlos vorkommen,

die an ihrer Situation kaputtzugehen drohen.

Wie denken an die Jugendlichen,

die keine Lehrstelle oder keine Arbeit finden

und die ihr Selbstvertrauen verlieren.

Wir denken an die,

die zu viel und zu schwer arbeiten müssen,

die unter der Last und Sinnlosigkeit ihrer

Arbeit leiden

und die in einem Betriebsklima arbeiten

müssen,

das von Angst, Misstrauen und

Konkurrenz vergiftet ist.

Wir denken an die,

deren Kräfte ausgezehrt sind,

deren Gesundheit an Leib und Seele

bedroht ist,

und die an ihrer Arbeit keine Freude

mehr haben.

Wir denken an die Betriebsräte.

Hilf, dass sie nicht resignieren.

Gib ihnen Augenmaß und Ausdauer.

Steh ihnen bei und hilf,

dass sie eintreten für menschenwürdige

Arbeit.

Wir denken an die Frauen und Männer

in den Gewerkschaften.

Schenke ihnen Mut, Verstand und Herz

zum Eintreten

für alle, die in unserer Gesellschaft immer

wieder zu kurz kommen.

Wir denken an die Menschen in den

Betriebsleitungen.

18 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Schenke ihnen Mut, Verstand und Herz,

dass sie der Verantwortung gerecht werden,

die sie für die Menschen und für die

Produktion in ihren Betrieben haben.

Wir denken an die Politikerinnen und Politiker

in unseren Städten und Gemeinden,

in unserem Land.

Schenke ihnen Offenheit, dass sie

uns ehrlich sagen,

welcher Art die Probleme sind

und wo sie unsicher sind in ihrem Urteil.

Schenke ihnen Fantasie,

dass sie Auswege finden in eine

gute Zukunft.

Lass uns kritische und konstruktive

Partner für sie sein.

Mach uns bereit zu aufrichtiger

Zuwendung an die,

die sie jetzt nötig haben und brauchen.

Öffne uns Herzen und Hände,

damit wir das Leben jener hüten,

die unserer Versorgung anvertraut sind.

Wir bitten dich um gute Arbeit,

gerechten Lohn und einen sozialen Staat.

Fürbitte

Wir bitten Dich für alle, die Macht und

Verantwortung in der Wirtschaft tragen.

Lass sie nicht vergessen, dass die

Wirtschaft für die Menschen da sein soll

und nicht umgekehrt.

Schenke ihnen Fantasie für menschendienliche

Lösungen bei problematischen

wirtschaftlichen Entwicklungen.

Gib ihnen den Mut, dafür einzutreten,

dass der Mensch immer über dem

Kapital steht.

Verleih ihnen die Kraft, diese Position

auch gegen den Mainstream zu vertreten.

Gott, wir bitten Dich: Erhöre uns!

wie gut für dich! Psalm 128, 2 +++ Kommt also! Lasst uns genießen, was es Gutes gibt! Lasst uns die


Liedvorschläge

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen

(EG 640, Ausgabe für die Ev. Kirche in

Hessen und Nassau)

Meine engen Grenzen (EG 584, Ausgabe

für die Ev. Kirche in Hessen und Nassau)

Herr, wir bitten: Komm und segne uns

(EG 590, Ausgabe für die Ev. Kirche in

Hessen und Nassau)

Kehret um (EG 615, Ausgabe für die

Ev. Kirche in Hessen und Nassau)

Du bist da, wo Menschen leben

(EG 623, Aus gabe für die Ev. Kirche in

Hessen und Nassau)

Bewahre uns Gott (EG 171)

Sonne der Gerechtigkeit (EG 262/263)

Sollte ich meinem Gott nicht singen

(EG 325)

Laudato si – Sei gepriesen (EG 515)

Glaubensbekenntnis

Ich glaube, dass mich Gott geschaffen

hat samt allen Kreaturen,

mit Leib und Seele,

Augen, Ohren und alle Glieder,

Vernunft und alle Sinne

gegeben hat und noch erhält;

dazu Kleider und Schuh,

Essen und Trinken,

Haus und Hof, Weib und Kind,

Acker, Vieh und alle Güter;

mit allem,

was Not tut für Leib und Leben,

mich reichlich und täglich versorgt,

in allen Gefahren beschirmt

und vor allem Übel behütet

und bewahrt;

und das alles aus lauter

väterlicher, göttlicher Güte

und Barmherzigkeit,

ohne all mein Verdienst

und Würdigkeit:

für all das ich ihm

zu danken und zu loben

und dafür zu dienen

und gehorsam zu sein schuldig bin.

Das ist gewisslich wahr.

Amen

Aus: Kleiner Katechismus,

Martin Luther, Nr. 806

Gott steh auf und hab Erbarmen

zu Psalm 10

Gott steh auf und hab Erbarmen,

hebe deine Hand und sprich.

Freund der Elenden und Armen,

so viel Hoffnung kreist um dich.

Hör das Seufzen und das Klagen

deiner unerlösten Welt,

brich die Macht des Götzen Geld,

lass uns Schwache nicht verzagen:

Sei nicht fern, Gott, in der Not,

gib uns unser täglich Brot.

Gott steh auf und mach ein Ende

allem Hochmut, aller Gier.

Halte schützend deine Hände

über Pflanzen, Mensch und Tier.

Sieh, wir sind zu weit gegangen,

wähnten uns auf deinem Thron,

bitter schmeckt nun unser Lohn,

denn wir sind in Schuld verfangen:

Sei nicht fern, Gott, in der Not,

gib uns unser täglich Brot.

Gott steh auf, steh auf und richte,

ahnde Stolz und Übermut.

Wende gnädig die Geschichte,

dass der Mensch doch Gutes tut.

Lehre uns, dein Brot zu teilen,

Trost zu spenden dem, der weint,

lehr uns, wie man Feinde eint

und Verletzungen zu heilen:

Sei nicht fern, Gott, in der Not,

gib uns unser täglich Brot.

Eugen Eckert

Aus: Gott ist mein Lied, ist meine Macht.

Die Festtags- und Wochenpsalmen des

Kirchenjahres

Zu Choralmelodien des EG und in neuen

Vertonungen, Strube-Verlag, München,

Edtion 1284, © beim Urheber

(Singbar nach der Melodie

„Sollt ich meinem Gott nicht singen“

EG 325)

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010 19

Schöpfung in vollen Zügen auskosten, wie in der Jugendzeit: kostbaren Wein und Salböl in Hülle und


Sozialethische Betrachtung

Das Ganze der Arbeit

Sozialethische Überlegungen

Verengung des Arbeitsbegriffs

Arbeit ist nach biblischem Verständnis

Mit gestaltung der Schöpfung. Der Mensch

als cooperator dei, als Mitarbeiter Gottes,

gestaltet die Natur um. Aus dem Einsatz

menschlicher Fähigkeiten und den göttlichen

Schöpfungsgaben wird Neues gestaltet,

aus Natur wird Kultur. Dabei ist der

Mensch nicht nur Gegenüber, sondern

selbst Teil der Schöpfung; nicht etwa die

Natur nur ist Schöpfung, sondern wir

selbst sind Teil alles Geschaffenen. Vor

aller Produktion und vor der privaten oder

öffentlichen Aneignung von Vermögenswerten

steht das gemeinschaftliche

Arbeitsvermögen des Menschen, der sich

die Natur aneignet und das Leben der

Gesellschaft organisiert.

Die Bibel wie die menschliche Kultur

haben insofern über Jahrtausende einen

viel weiteren Begriff von „Arbeit“ als unsere

auf Erwerbsarbeit verengten Vorstellun

gen es nahelegen. Erwerbsarbeit ist

ein Pro dukt der Industriegesellschaft –

und teilt deren gravierenden Konstruktions

pro bleme. Sie liefert aber ein wirk-

20 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Arbeit ist „… die altmodische

Form der Vermögensbildung

in Arbeitnehmerhand.”

Wolfram Weidner,

deutscher Journalist

mächtiges und einseitiges Bild dessen,

was Arbeit sei. Sie ist vom Anfang der

industriellen Entwicklung an funktional

zugeschnitten auf die Bedürfnisse des

Kapitals, also auf die Erzeugung von

Mehrwert durch die Bearbeitung von

Materialien oder die Organisation von

Prozessen. Der Mehr wert wird, je nach

Gesellschaftstyp, öffent lich oder privat

angeeignet. Mehr noch als in den bisherigen

Wirtschafts formen wird unter der

Peitsche unge zügelter internationaler

Finanzmärkte und durch die Ausrichtung

tendenziell aller Wirtschaftsprozesse auf

die Rendite mechanismen der Finanzmärk

te Arbeit zu einem bloßen Kosten faktor,

der gleichwohl nackt und unverkleidet

die Funktion hat, Geld zu generieren.

Seit den grundlegenden Theorien von

Karl Marx wurde die „Entfremdung“ des

Lohnarbeiters vom Sinn seines Tuns und

seines Lebens kritisiert und es wurden

mehr oder weniger erfolgreiche Modelle

entwickelt, wie diese Entfremdung durch

Humanisierung der Arbeit und Mitbe stimmungsmodelle

gemildert werden könne.

Fülle – und keine Frühlingsblume soll uns entgehen! Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verblühen!


„Die heutigen Menschen glauben, daß man

die Arbeit so einrichten müsse, daß sie möglichst

viel Ertrag abwerfe. Das ist ein falscher

Glaube; man muß die Arbeit so einrichten,

daß sie die Menschen beglückt.”

Paul Ernst (1866-1933), dt. Schriftsteller

Seit einer Reihe von Jahren wird auch die

Verkürzung des Arbeitsbegriffs auf Erwerbsarbeit

kritisiert, so u. a. im „Wort“

der beiden großen Kirchen in Deutschland

„zur wirtschaftlichen und sozialen Lage.

Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“

von 1997. Andere Formen von

Arbeit geraten durch die Konzentration

auf Erwerbsarbeit aus dem Blick und werden

dramatisch unterbewertet. Nicht zufällig

mischt sich in diese Analyse die

Geschlechterfrage („Gender“), denn es

sind vor allem von Frauen ausgeübte

Arbeitsformen, die gar nicht oder entscheidend

zu gering entlohnt werden. Alle

Sonntagsreden täuschen nicht über die

klare Aussage hinweg, die in der einzig

gültigen Sprache des Marktes getroffen

wird: Sorgearbeit („Caring“) wird nicht bezahlt

– als Familienarbeit – oder entschieden

zu gering bezahlt – als erziehende,

pflegende, lebensbegleitende Arbeit am

Menschen.

Ökologischen Fußabdruck verringern

Die spätestens seit der Meadows-Studie

für den Club of Rome 1972 evidente

Erkenntnis wird seit einiger Zeit erneut

ans Tageslicht gehoben und mit zahlreichen

neuen Zahlen und Analysen hinterlegt:

Dass wir als Menschheit insgesamt

über unsere Verhältnisse leben und

bei weitem mehr Natur verbrauchen, als

es die Biokapazität der Erde erlaubt.

Allerdings bliebe diese Aussage in dieser

Allgemeinheit ideologisch. Erst wenn man

analysiert, wer sich die Natur in welchem

Ausmaß aneignet, stehen wir der Gerechtigkeitsfrage

direkt gegenüber: Über ihre

Verhältnisse leben insgesamt die Gesellschaften

der altindustrialisierten Länder.

Ihr „ökologischer Fußabdruck“ ist um ein

Mehrfaches größer als ihre Bevölkerungszahl

es erlauben würde. Allerdings gibt es

auch dort breite Schichten, die ökono-

misch weit unter ihren Verhältnissen leben.

Die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland

in einer globalisierten Welt“ macht genauso

wie die Synode der EKD 2008 1 und

die „Klimadenkschrift“ der EKD „Umkehr

zum Leben“ 2 klar, dass unsere Wirtschaftsweise

nicht zukunftsfähig ist, weil sie

zugunsten einer sehr kleinen, im Weltmaß

stab reichen Bevölkerungsgruppe die

natürlichen Ressourcen einschließlich des

Wassers und der Luft (Klima!) in dramatischem

Maße überausbeutet, so dass

das Leben künftiger Generationen ge fährdet

ist.

Die biblische Vorstellung der Gerechtigkeit

zusammen mit einer Freiheit, die

alle verwirklichen können, ist in jüngerer

Zeit in dem Begriff der „Teilhabe“ gefasst

worden 3 . Ein friedliches und gerechtes

Zusammenleben der Menschen verlangt

Teilhabe an Entscheidungsprozessen

ebenso wie an den Gütern des Lebens.

Schon der konziliare Prozess für Gerech-

„Nachhaltigkeit (sustainability, sustainable

development) meint im sozialökonomischen

Zusammenhang die Beschränkung heutigen

Ressourcenverbrauchs zugunsten der

Existenzgrundlagen künftiger Generationen.

Die lebende Generation soll ihre Wirtschaftsweise

darauf einstellen, dass die mondiale

Umweltsituation, die Verfügbarkeit erschöpfbarer

Ressourcen und die der kommenden

Menschheit vererbten Bestände an Sachkapital

und Wissen, insbesondere auch des

technologischen Wissens, ihr die Möglichkeit

belässt, mindestens einen gleichen, wenn

nicht einen höheren Wohlstand zu erreichen.

Kurz gesagt, wir sollen nicht auf Kosten

unserer Enkel, Urenkel und deren Enkel und

Urenkel leben. Offenkundig handelt es sich

um ein ethisches Postulat, denn die lebende

Generation hat kein existenzielles Interesse,

das eigene Wohlstandswachstum zugunsten

der Nachkommen zu beschränken oder gar

Wohlstandseinbußen hinzu nehmen. Der

Gegenwartsegoismus steht der Nachhaltig -

keit entgegen, und „Zukunfts solidarität“ wird

sich um so schwerer vermitteln lassen, als

der Zeitgeist selbst der Solidarität unter den

Lebenden widerstreitet.“

Carl Georg Zinn: Arbeit, Nachhaltigkeit und

Beschäftigung. In: Zeitschrift Arbeit, Heft 1, 2001

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Weisheit 2, 6 +++ Das Leben, das sich verfehlt, wird zugrunde gehen. Die nachfolgende Generation

21


Sozialethische Betrachtung

Der ökologische Fußabdruck

Fußabdruck/Person in globalen ha

Industrieländer

USA, EU-15, Kanada,

Japan, Australien

6,62

5,54 + 23,4 %

Veränderung 1975-2003

1975

2003

– 0,75 %

Veränderung 1975-2003

tigkeit, Frieden und die Bewahrung der

Schöpfung zielte darauf ab, die ganze

Weltchristenheit an der analytischen

Deutung der Gegenwart und der Deutung

der biblischen Botschaft auf die aktuelle

Lage hin zu beteiligen und sich gegenseitig

auf Verhaltensweisen zu verpflichten,

wie wir in Zukunft in dieser Welt leben

können. Die Denkschrift „Umkehr zum

Leben“ hat erneut darauf hingewiesen,

dass wir auf die Erfahrungen und Erkenntnisse

aus diesem noch nicht abgeschlossenen

Prozess der nichtkatholischen

Weltchristenheit zurückgreifen können.

Das Ganze der Arbeit

In dieser Situation, die viel komplexer ist,

als es hier auch nur annähernd dargestellt

werden kann, brauchen wir neue Leitbilder,

wenn wir als Weltgesellschaft wie

22 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Arme Länder

Auswahl von 12

1,22

1975

Schwellenländer

Auswahl von 16

1,99

1975

2,85

2003

1,13

2003

+ 39,6 %

Veränderung 1975-2003

Der ökologische Fußabdruck

Wirtschaftliche Aktivitäten benötigen Wald,

Wasser und Land, Kohle, Öl, Gas und Uran,

aber auch Platz für Müll und Biomasse

für die Bindung von Emissionen. Der „ökologische

Fußabdruck“ rechnet diesen

Umweltverbrauch und Ressourcenbedarf

in einen einheitlichen Flächen-Index um.

2003 war der Fußabdruck in den alten

Industrieländern pro Person sechsmal größer

als in den armen Ländern und mehr als doppelt

so groß wie in den Schwellenländern.

Er wuchs gegenüber 1975 in Industrie- und

Schwellenländern stark, während er in den

armen Ländern schrumpfte.

Quelle: Berechnung des Wuppertal-Instituts nach

Global Footprint Network 2008, WWF 2006 und

Human Development Statistics in: Zukunftsfähiges

Deutschland in einer globalisierten Welt, S. 72

als nationale oder europäische Gesellschaft

umsteuern wollen. „Das Ganze der

Arbeit“ muss als gesellschaftliches Ziel

der Arbeitspolitik erkannt werden, will

man die Verkrüppelung der Vorstellung

und Wirklichkeit von Arbeit überwinden.

Die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland

in einer globalisierten Welt“ stellt fest,

dass wir in unserer Gesellschaft Blockaden

überwinden müssen, die durch soziale

Polarisierungen verursacht werden.

Soziale Polarisierungen verteilen Entwicklungschancen

ungleich und schließen von

gerechter Teilhabe aus. Daher plädiert die

Studie für „das Ganze der Arbeit“ als Ziel

der Arbeitspolitik, um u. a. die Aufspaltung

in bezahlte Erwerbsarbeit und unbezahlte

private Sorgearbeit aufzuheben.

Neben Erwerbsarbeit gilt als Ziel einer auf

Men schenwürde und volle Selbstent fal-

aber wird nicht für die Schuld der Vorfahren verantwortlich gemacht, die Vorfahren werden nicht für die


tung orientierten Arbeitspolitik die echte

Aner kennung von Sorgearbeit, bürgerschaftlichem

Engagement und Eigenarbeit.

Z. B. müssen die Leistungen der in der

Familie erbrachten Arbeit als öffentliches

Gut betrachtet werden, wie es der 7. Familienbericht

der Bundesregierung tut 4 .

„Echte“ Anerkennung schließt auch

finanzielle Vergütung ein, ob in Form eines

Grundeinkommens oder in Gestalt von

Ansprüchen auf Altersversorgung oder in

anderer Weise. Klar ist jedoch, dass Teilhabe

– oder besser: Beteiligung der Menschen

an der Gestaltung des gesellschaftlichen

Lebens – immer auch Teilen bedeutet.

Umsonst ist eine neue Arbeits politik

nicht zu haben, und das bedeutet, dass

gesellschaftliche Konflikte um die Beteiligung

an Arbeit und ihren Früchten durchzustehen

sind. Die Ergebnisse des DGB-

Indexes Gute Arbeit zeigen immer wieder,

dass Beteiligungen an den Ent scheidungsprozessen

ebenso wie an den Ergeb nis sen

der Arbeit wesentlich zur Arbeitszu friedenheit

der Arbeitenden beitragen.

Arbeit nachhaltig zu gestalten, heißt

also für die Zukunft, das Ganze der Arbeit

in den Blick zu nehmen und Arbeit zu teilen.

Allerdings kann sinnvoller Weise die

Als Beginn des weltweiten Diskurses über

Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Ent wicklung

wird die Veröffentlichung des sogenannten

Brundtland­Berichts gesehen. Der Bericht

wurde in viele Sprachen übersetzt. Er ist

eines der am häufigs ten zitierten Werke der

Umwelt- und Entwick lungs literatur. Auf seine

Veröffentlichung folgte 1989 die Einberufung

der Konferenz der Vereinten Nationen über

Umwelt und Ent wicklung (als Rio-Konferenz

oder Erd gipfel bekannt), die im Jahr 1992 in

Rio de Janeiro stattfand. Der Brundtland-

Bericht sollte in internationales Handeln

umgesetzt werden, hierfür wurde die Agenda

21 beschlossen.

„Die Menschheit ist einer nachhaltigen

Entwicklung fähig – sie kann gewährleisten,

dass die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt

werden, ohne die Möglichkeiten künftiger

Generationen zur Befriedigung ihrer eigenen

Bedürfnisse zu beeinträchtigen.“

Bericht der Weltkommission für

Umwelt und Entwicklung

Als Brundtland­Bericht wird der 1987 veröf fentlichte

Bericht der Weltkommission für Umwelt

und Entwicklung bezeichnet. Die ehemalige

norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem

Brundtland hatte in dieser Kommission den

Vorsitz. Der Bericht ist für seine Definition des

Begriffs nachhaltige Entwicklung bekannt:

„Dauerhafte Entwick lung ist Entwicklung, die

die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt,

ohne zu riskieren, daß künftige Generationen

ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen

können.“ („Sustainable development meets the

needs of the present without compromising

the ability of future generations to meet their

own needs.“)

Erwerbsarbeit nicht auf Dienstleistungen

aller Art umgestellt werden.

Vielmehr muss die industrielle und

handwerkliche Erwerbsarbeit in markanter

Weise auf eine Produktionsweise

umgestellt werden, die der Einsparung

von Energie, der Minderung des Ressourcen

verbrauchs und der Verringerung

von Stoffströmen dient. Gleichzeitig muss

die Dienstleistungsgesellschaft so umgebaut

werden, dass lebensbegleitender

Arbeit am Menschen hohe Priorität eingeräumt

und die Vergütung in einer Weise

gesteigert wird, die dem hohen Wert dieser

Arbeit entspricht.

Dr. Thomas Posern

Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung

der Ev. Kirche in Hessen und Nassau, Mainz

1 Klimawandel – Wasserwandel –

Lebenswandel. 7. Tagung der 10. Synode der

EKD … / epd-Doku 52/2008

2 Umkehr zum Leben. Nachhaltige Entwicklung

im Zeichen des Klimawandels. Eine

Denkschrift des Rates der Evangelischen

Kirche in Deutschland, Gütersloh 2009

3 Vgl. Gerechte Teilhabe. Befähigung zu

Eigenverantwortung und Solidarität. Eine

Denkschrift des Rates der EKD zur Armut in

Deutschland, Gütersloh 2006

4 Vgl. „Zukunftsfähiges Deutschland in einer

globalisierten Welt“, S. 267

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Schuld der nachfolgenden Generation verantwortlich gemacht. Eine Person, die gerecht handelt, erfährt

23


Beispiele

Arbeit gut, alles gut?!

Über die Notwendigkeit, die Arbeitsbedingungen zu verbessern

Mit dem DGB­Index Gute Arbeit haben

die Gewerkschaften in 2007 ein fundier tes

Instrument zur Erfassung der Arbeitsbedingungen

und damit zur Messung der

Qualität der Arbeit aus Beschäftigtensicht

geschaffen. Die Idee dahinter ist,

dass niemand so gut wie die Beschäftigten

selbst die Qualität ihrer eigenen

Arbeitsbedingungen beurteilen kann.

Jährlich werden seitdem Umfragen unter

Arbeitnehmenden aus allen Regionen,

Branchen, Einkom mens gruppen und

Beschäftigungs verhältnissen gemacht.

Die Ergebnisse von 2009 sind ernüchternd:

Nur 12 % der Arbeitsplätze werden

als rundum positiv beurteilt, 55 % liegen

im Mittelfeld, aber mehr als ein Drittel,

nämlich 33 %, müssen als mangelhaft bewertet

werden. Die Zahlen haben sich seit

der ersten Erhebung in 2007 nicht signifikant

geändert – damals waren 12 % als

gute Arbeit einzustufen, 54 % lagen im

Mittelfeld und 34 % mussten als schlech te

Arbeit qualifiziert werden. Die Qualität der

Arbeit bleibt also nach wie vor deutlich

hinter den Anforderungen, die an gute

Arbeit gestellt werden, zurück. „Gute

24 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Arbeit bedeutet für den Einzelnen, dass er

sich sowohl sozial als auch beruflich entwickeln

kann, mit wenigen Belastungen zu

kämpfen hat und dazu noch über ein angemessenes

Einkommen sowie relative

Sicherheit verfügt.“ 1

Besonders bei den Dimensionen Qualifizierungs-

und Entwicklungsmöglichkeiten,

Aufstiegsmöglichkeiten, Arbeitsintensität,

Arbeitsplatzsicherheit und

Einkommen sind die größten Mängel zu

verzeichnen bzw. die größten Innova tionspotenziale

auf dem Weg zu guter Arbeit.

In Deutschland ist der Berufsalltag geprägt

von Arbeits- und Zeitdruck, körperlich

einseitiger oder schwerer Arbeit,

emotionalen Belastungen und schlechten

Führungsqualitäten. Zudem fehlt ein Mindestmaß

an beruflicher Zukunfts sicherheit.

Das Einkommen rangiert im Index

auf dem letzten Listenplatz. 2

Befragt, ob sie davon ausgingen, unter

den derzeitigen Arbeitsbedingungen bis

zum Rentenalter die jetzige Tätigkeit ausüben

zu können, bejahten dies knapp 3/4

der Beschäftigten mit guter Arbeit, aber

nur ca. ¼ derer, deren Arbeit als schlecht

eingestuft werden muss. Angesichts der

ihre Gerechtigkeit, einer Person, die ungerecht handelt, widerfährt ihre Ungerechtigkeit. Ezechiel 18, 20


Tatsache, dass es in Deutschland laut Index

viel weniger gute Arbeit als schlech te

und mittelmäßige Arbeit gibt, ist davon

auszugehen, dass die meisten Menschen

an ihrer Arbeit in irgendeiner Art und

Weise zu leiden haben und ihre physische

oder psychische Gesundheit letztlich

dafür hergeben. Das ist unter dem

Postulat der Menschlichkeit per se nicht

zu akzeptieren. Und angesichts des sich

abzeichnenden demografischen Wandels

in den Betrieben ist es sogar aus unternehmerischem

Kalkül grob fahrlässig, die

Mitar beitenden derartig wenig darin zu

unterstützen, dass sie ihre Arbeit überhaupt

bis zum Rentenalter beibehalten

können. Da von guter Arbeit die Beschäftigten

und Unternehmen gleichermaßen

profitieren, ist es nicht nachvollziehbar,

warum der DGB-Index sich seit der ersten

Erhebung so wenig verändert hat.

Die Auswertungen haben weiterhin ergeben,

dass es weniger von der Tätigkeit

und der Aufgabe abhängt, ob eine Arbeit

gut oder schlecht ist, als von der Gestaltung

der Arbeitsbedingungen. 3 Das lässt

den hoffnungsfrohen Schluss zu, dass

sich für jede Tätigkeit Bedingungen

schaf fen lassen, durch die sie zu einer

guten Arbeit werden kann.

Nicht zuletzt hat eine Studie 4 ergeben,

dass in Betrieben mit Belegschaftsver tretungen

sehr viel häufiger Arbeitsbedingun

gen anzutreffen sind, die den Kriterien

guter Arbeit entsprechen, als in Betrieben

ohne Betriebs- oder Personalräte.

Für weitere Informationen:

www.dgb-index-gute-arbeit.de/gute_arbeit

Martina Spohr

Referat Wirtschaft, Arbeit, Soziales

der Ev. Kirche von Kurhessen-Waldeck

1 DGB-Index Gute Arbeit:

www.dgb-index-gute-arbeit.de/gute_arbeit

2 vgl. Pougin, Dieter (DGB-Bundesvorstand):

Gute Arbeit muß drin sein. In: Wie im Himmel

so auf Erden – Materialien für Aktionen,

Gottesdienst und Gemeinde zum 1. Mai 2008.

Hrsg: KDA-Bundesvorstand, S. 16-18

3 ebenda

4 http://www.dgb-index-gute-arbeit.de/gute_

arbeit/berichte_news/

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

+++ Wer Gold liebt, gilt nicht als gerecht, und wer dem Geld nachjagt, wird dadurch in die Irre geführt.

25


Beispiele

„Arbeit muss Spaß machen!“

Wenn gutes Betriebsklima großgeschrieben wird

Sie ist gerade einmal 29 Jahre alt,

erfolgreich, mal kontinuierlich, mal ruckartig

bis zur heutigen Größe gewachsen.

Ihr Name: SMA – ihr Wohnort: Kassel.

Über 2000 Mitarbeitende sind beim

Marktführer für Wechselrichter (einem

Schlüsselgerät in der Solarenergie bran che)

in einer brandneuen Halle beschäftigt.

Flexibilität und Dynamik lassen sich schon

im Hallen design und der Anordnung der

Produktion erkennen. Interessant wird es

jedoch, wenn man sich die Menschen und

das Klima, in dem sie arbeiten, anschaut

und anhört. Beim ersten Blick könnte man

glauben, es arbeiten nur glückliche Leute

bei SMA. Das ist natürlich nicht so. Kein

Betrieb kommt um Konflikte, Ärger und

Fehlkommunikation herum.

Doch bei SMA ist etwas anders. Die

„Garagenfirma“ ist noch nicht ganz Geschichte.

Die Chefs sind noch dieselben.

Behutsam wird von der Führungsseite

versucht, die Unternehmenskultur der

kleinen, flexiblen, erfolgreichen Firma in

die Strukturen eines großen Betriebes zu

übertragen.

Wir, die Mitglieder des Bundesaus schusses

Arbeit und Technik des Kirchli chen

Diens tes in der Arbeitswelt, spüren beim

Betriebs rundgang einen lockeren Umgang

der Mitarbeiter untereinander. Führungskräfte,

Betriebsräte und Mitarbeitende

begegnen sich ohne formalen Firlefanz,

mit gegenseitigem Respekt und einem

„Arbeits-Du“.

Das gegenseitige Vertrauen ist regelrecht

mit Händen zu greifen – das haben

wir in anderen Betrieben schon ganz anders

gesehen und gespürt. Woran liegt

das? Wir fragen nach und bekommen eine

Antwort, die nachdenklich stimmt:

Die drei Unternehmensgründer sind

sehr unterschiedliche Menschen, die sich

jedoch in ihrer Unterschiedlichkeit ergänzen,

Entscheidungen im Team treffen und

dann als Team kommunizieren. Diese

Grundhaltung setzt sich kaskadenartig im

Betrieb fort. Führungskräfte müssen sich

26 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

in dieser Grundstimmung akklimatisieren.

Wenn sie das nicht schaffen, trennt sich

der Betrieb wieder von ihnen.

Ihre Unternehmenskultur haben die

Gründer auch aufgeschrieben. Sie wird

jedem Mitarbeitenden vor Arbeitsbeginn

neben der Arbeitssicherheitsunterweisung

und anderen vorgeschriebenen Dingen

präsentiert.

Wir treffen bei unseren Betriebsbe suchen

oft auf Betriebe, in denen uns die Unternehmenskultur

als Hochglanz bro schüre

überreicht wird, schnell aber deutlich

wird, dass Hochglanz doch eine Oberflächeneigenschaft

ist.

Bei SMA scheint es anders zu sein

und es wird zukünftig „Klimabeauftragte“

in den Abteilungen geben, die auf offene

Kommunikations- und Konfliktkultur achten

sollen.

Interessant ist auch die Stellung des

Betriebsrats. Die Einrichtung eines Betriebrats

im Unternehmen wurde durch

den Vorstand unterstützt. Er sieht seine

Rolle als Moderator zwischen Mitarbei tenden

und Führungskräften und erfüllt in

der beschriebenen Kultur mit seiner Unabhängigkeit

eine wichtige Rolle in der

Unternehmensstruktur.

Insgesamt gewinnt man den Eindruck,

dass die Umsetzung des Mottos: „Arbeit

muss Spaß machen!“ durch Vorstand,

Führungskräfte und Mitarbeitende jeden

Tag neu gelebt und erfunden wird. Der

2. Platz im Wettbewerb „Deutschlands

beste Arbeitgeber“ 2010 ist ein verdienter

Lohn.

Dr. Uwe Brinkmann

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt

der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers –

Region Niedersachsen-Süd

Der Bundesausschuss Arbeit und Technik

des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt

ist ein aus den Gliedkirchen der EKD zusammengesetzter

Expertenkreis, der sich

mit neuen Entwicklungen in Technik und

Arbeitsorganisation befasst und in diesem

Rahmen Betriebsbesuche durchführt.

Jesus Sirach 31, 5 +++ Liebt jemand Gerechtigkeit - sie ist es, die alle Tugenden erarbeitet: Maßhalten


Ein Stück Zukunft der Arbeit

Die juwi Holding AG in Wörrstadt

Das eigentümergeführte Unternehmen

juwi Holding AG in Wörrstadt (Rheinhessen)

will zu einer schnellen Verbreitung

der Nutzung erneuerbarer Energien

beitragen. Es bietet Lösungen in dem

komplexen Anwendungsfeld erneuerbarer

Energien an.

Mit hohem Engagement, sozialem, ökonomischem

und technischem Know-how

und dem expliziten Interesse an der Bewah

rung der Schöpfung setzt sich hier

eine betriebswirtschaftliche Idee überaus

erfolgreich durch – die sich selbst gerade

nicht nur als „betriebswirtschaftlich“, sondern

als ganzheitlich versteht. Von ihrem

Standort Wörrstadt aus, wo juwi nach

eigenen Aussagen „das energieeffizienteste

Bürogebäude der Welt“ betreibt, es

wurde mit dem Deutschen Klimaschutzpreis

der Deutschen Umwelthilfe e. V. ausgezeichnet,

agiert die Firma weltweit in

der Vermittlung, Installation und auch dem

Betrieb im Feld der erneuerbaren Energien.

Besonderer Wert wird auf eine lückenlose

Prozesskette von Beratung, Planung,

Entwicklung, Finanzierung, Realisierung

bis hin zur Betriebsführung gelegt.

Derzeit sind rund 850 Mitarbeite rinnen

und Mitarbeiter weltweit bei juwi beschäftigt,

mehr als 650 davon in Deutschland.

Der Altersdurchschnitt der Beschäftigten

liegt bei 35 Jahren, 39 % sind Frauen, 7 %

arbei ten Teilzeit und unter 2 % sind Zeitarbeit

nehmer. Die Arbeitszeiten sind

grundsätzlich flexibel gestaltbar und richten

sich nach den Erfordernissen der jeweiligen

Arbeit und des Teams sowie nach

den persönlichen Bedürfnissen der Mitar-

beiter und Mitarbeiterinnen. In einigen

Abteilungen wird regelmäßig an Wochenenden

gearbeitet. Die Beschäf tigten

erhalten dafür Freizeitausgleich. Das ist

beispiels weise so bei der Techni schen

Betriebs führung Wind, die an sieben

Tagen in der Woche und an 24 Stunden

am Tag für einen reibungslosen Betrieb

der Windenergieanlagen sorgen muss.

Die faszinierende Aufbruchsstimmung

in der überwiegend hoch qualifizierten

Belegschaft, etwa 80 % sind Akademiker,

z. B. Ingenieure der Fachrichtungen

E-Tech nik und Maschinenbau, Naturwissen

schaftler, Juristen und Kaufleute, überträgt

sich schnell auf eine Besuchergruppe

von Pfar rern und Pfarrerinnen aus Rheinhes

sen beim Rundgang durch die 2008

be zoge nen Bürogebäude, die mehr Energie

erzeugen als verbrauchen. Dass das

Unter nehmen nicht nur über eine betriebseige

ne Kindertagesstätte mit flexiblen

Öffnungs zeiten, über Sport- und Fitnessmöglich

keiten, sondern auch über einen

eigenen Andachtsraum verfügt, macht

deutlich, dass zur Unternehmensidee

„spirituelle“ Grundlagen gehören. Die Vielfalt

und Glaub würdigkeit dieses unternehmerischen

Engagements trägt sicherlich

ebenso zum guten Betriebsklima wie zum

erstaunlichen Erfolg des Unterneh mens

bei. Nicht zuletzt macht die steil ansteigen

de Zahl von Mitarbeitenden deutlich,

dass hier ein Stück „Zukunft der Arbeit“

liegt.

Margit Befurt

Dr. Thomas Posern

Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung

der Ev. Kirche in Hessen und Nassau; Mainz

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

und Klugheit lehrt sie, Gerechtigkeit und Tapferkeit; Nützlicheres gibt es für die Menschen im Leben nicht.

27


Beispiele

Ausstieg aus dem Hamsterrad

Arbeit und Leben in Balance

In der klassischen Antike war gemächliche

Bewegung ein Statussymbol und

Eile eine Sklaveneigenschaft. Uhren auf

den Kirchtürmen, Fabriksirenen, die allmähliche

Gewöhnung an feste Arbeitszeiten,

all das führte schließlich zu der

berühm ten Formel von Franklin: „Zeit ist

Geld.“ Unsere moderne Arbeitsteilung

heute verlangt einen verbindlichen Rhythmus

für alle. Der Zeitdruck nimmt zu.

Trenderhebungen zu Arbeitsbelastun gen

haben ergeben, dass die Zahl der Beschäf

tigten, die unter hohem Termindruck

stehen, weiter zunimmt.

Bei einer Umfrage der Gewerk schaft

ver.di unter niedersächsischen Banken,

Sparkassen und Versicherungen wurde

als häufigste Ursache für Leis tungs druck

mit 89 % die Arbeitsverdich tung genannt,

gefolgt von Personalmangel mit 63 %.

Negative Folgen des Leistungs drucks

sind gesundheitliche Beeinträchti gungen

(43 %), Absentismus („innere Kün digung“

21 %) und schlechtes Be triebs klima

(17 %).

Ein Beispiel für die hohen Erwartungen

an Beschäftigte liefert das Leitbild eines

großen Konzerns: „Wir sind nie zufrieden

mit unseren Leistungen. Denn wir können

immer noch besser werden.“ Fehlende

Anerkennung aber und nicht gewürdigte

Erfolge erhöhen das Stressrisiko.

Stress am Arbeitsplatz entsteht auch da,

wo über die Zeit keine Verfügungsgewalt

besteht. Je mehr andere über Aufgaben,

Ablauf und Tempo bestimmen, desto

größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es

zu einer Stressreaktion kommt. So sind

Angestellte auf der untersten Stufe der

Hierarchie sehr viel häufiger krank als ihre

Chefs und sterben früher.

Die Vereinbarkeit von Familie und

Beruf wird noch immer überwiegend als

privat zu lösende Aufgabe angesehen.

So hatten in 2008 nur 9,6 % der privaten

Unternehmen Betriebsvereinbarungen zur

besseren Vereinbarkeit von Familie und

Beruf abgeschlossen. Dabei geht es vor

28 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

allem um familienfreundliche Arbeitszeiten,

aber auch um Arbeitsorganisation,

Personalentwicklung, Service für Familien.

Zugleich ist die Infrastruktur für

Familien noch immer sehr unbefriedigend.

Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen

fühlen sich oft alleingelassen in ihrer

doppelten Verantwortung für Job und

Familie. Das erhöht das persönliche

Stress empfinden und verhindert eine gute

Balance zwischen Arbeit und Leben.

Bildungsurlaub mit Arbeitnehmern und

Arbeitnehmerinnen

Sabine M. ist Fallmanagerin im Jobcenter.

Sie macht ihre Arbeit engagiert und mit

sehr viel Idealismus. Menschen wieder in

Arbeit zu bringen ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Leider gelingt ihr das angesichts

der vielen Arbeitssuchenden und

der wenigen offenen Stellen längst nicht

immer. Darunter leidet sie. Sie ist geschieden,

erzieht ihre Tochter allein und pflegt

ihre demente Mutter. Manchmal wächst

ihr alles über den Kopf, sie hat häufig

Schlafstörungen und ist unzufrieden mit

sich und der Welt, weil sie ständig das

Gefühl hat, keiner Aufgabe wirklich gerecht

zu werden. Aufgefordert, ihre

Belastungen in einem Bild darzustellen,

malt sie sich selbst am Schreibtisch sitzend.

Von vorne wirft jemand mit Steinen

nach ihr, von hinten kommt eine riesige

Wasserwelle auf sie zu und unter dem

Schreibtisch lodert ein Feuer.

Sabine M. ist eine ganz normale und

liebenswerte Frau. Sie kann und will den

hohen Ansprüchen, die Job und Familie

an sie stellen, nicht mehr gerecht werden.

Sie muss entscheidendes in ihrem Leben

ändern, wenn sie nicht krank werden will.

In Balance – aber wie?

Der Bildungsurlaub, also fünf Tage Auszeit

auf einer ostfriesischen Insel, bietet ihr die

Chance, zusammen mit anderen über eine

bessere Balance zwischen Arbeit und

Leben nachzudenken – auf gesellschaftspolitischer,

auf betrieblicher, aber auch

auf persönlicher Ebene. Sie erfährt, dass

Weisheit 8, 7 +++ Weise Politikerinnen und Politiker erziehen ihr Volk, und wo verständige Menschen


„Wir sind nie zufrieden

mit unseren

Leistungen. Denn wir

können immer noch

besser werden.“

Leitbild eines großen

Konzerns

auch andere sich manch mal wie im Hamster

rad fühlen, das sich immer schneller

dreht. Die permanente Überlastung führt

zu Stresssympto men; immer mehr Menschen

erleiden ein Burn-out, Herz- und

Kreislauferkrankungen nehmen zu.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer

begeben sich gemeinsam auf die Suche

nach besseren gesellschaftlichen und betrieblichen

Rahmenbedingungen, aber

auch nach persönlichen Kraftquellen und

Ressourcen, um den aktuellen Heraus forderungen

am Arbeitsplatz und im privaten

Umfeld zu begegnen.

Um psychisch widerstandsfähig zu

sein, geht es darum, die richtigen Strategien

für den Umgang mit schwierigen und

belastenden Situationen zu lokalisieren

und umzusetzen. Immer wieder taucht im

Laufe des Bildungsurlaubs das Thema

‚Neinsagen‘ auf. Statt sich mit der Frage

„Was macht es so schwierig, ‚Nein‘ zu

sagen?“ zu beschäftigen, liegt das Augenmerk

auf der Besinnung: Wo ist es gelungen,

„Nein“ zu sagen? Dieser Wechsel

vom ‚Problemraum‘ hin zum ‚Lösungsraum‘

ist für alle Teilnehmenden eine

große Herausforderung.

Allein der Paradigmenwechsel hin zur

Frage “Wie bleibe ich gesund?“ eröffnet

in vielen Fällen eine neue Perspektive und

damit die Chance, neue Lösungen und

Stärken zu entwickeln.

Insbesondere in der Arbeit an Konflikten

wird deutlich, wie sehr diese am

Arbeitsplatz zu den belastenden Faktoren

gehören. „Work-Life-Balance“ ohne die

Möglichkeit, Konflikte produktiv zu bearbeiten,

ist kaum erreichbar. Mithilfe einer

Konfliktsimulation können die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer den Umgang mit

Konflikten wahrnehmen und alternative

Lösungen einüben. Den Weg vom Konflikt

zur Lösung begehbar zu machen, ist für

alle ein entscheidender Erkenntnisgewinn.

Sie haben gelernt, sich rational und

logisch mit belastenden Situationen auseinanderzusetzen,

wohl wissend, dass

Stress und Konflikte immer eine Sach-

und eine emotionale Ebene haben.

Nach einer anregenden und zugleich erholsamen

Inselwoche schreiben sich alle

Teilnehmenden einen Brief. Darin steht,

was sie sich für das nächste halbe Jahr

vornehmen, um in Balance zu bleiben

bzw. zu kommen. Der Brief wird ihnen

nach 6 Monaten zugeschickt.

Arbeit und Leben in Balance zu halten

– das bleibt im Zusammenhang mit der

Frage nach dem Sinn des Lebens eine

Aufgabe, die alle Menschen dauerhaft

begleitet – persönlich, aber auch als gesellschaftspolitische

und betriebliche

Ge staltungsaufgabe.

Detlef Sauthoff,

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Leer

Gerda Egbers,

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Hannover

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Macht ausüben, da lebt es sich sicher und gut. Jesus Sirach 10, 1 +++ Die Pläne von Fleißigen führen

29


Beispiele

Wenn der Stress überhandnimmt

Achtsamkeit üben!

„Es ist was es ist, sagt die Liebe.“

So heißt es in einem Gedicht von Erich

Fried. Besser lässt sich das Konzept

„Achtsamkeit“ nicht zum Ausdruck bringen.

Unter Achtsamkeit versteht man ein

nicht wertendes, nicht zensierendes

oder kommentierendes Wahrnehmen

dessen, was ist.

Es geht darum, das eigene Denken und

Wahrnehmen von einer inneren, liebevollen

Instanz aus zu beobachten und zuzulassen,

was passiert – oder nicht passiert,

obwohl man vielleicht unbedingt will, dass

etwas Bestimmtes passiert. Dies scheint

auf den ersten Blick eine banale Angelegenheit

zu sein, doch erschließt sich der

Wert einer solchen Haltung erst durch

meditative Übungen.

Viele religiöse Traditionen machen hier ein

Angebot. Stillemeditationen, Gehen oder

Essen in Achtsamkeit und Schweigen sind

in die spirituellen Erlebensformen im

Christentum eingeflossen und werden bei

Einkehrtagen und in Exerzitien praktiziert.

Dieses hilft uns, einen achtsamen, einen

ressourcenschonenden Umgang mit uns

selbst und unserer Mitwelt zu entwickeln

und zu pflegen. Angesichts der globalen

Entwicklung ist eine achtsame Lebensführung

dringend notwendig, denn unsere

Art zu konsumieren, zu produzieren und

zu reisen betrifft nachfolgende Genera tionen,

Menschen in weit entfernten Ländern

sowie das Leben auf dem ganzen Planeten.

Durch den Schaden, den unser

Lebensstil verursacht, wird vielen die globale

Vernetzung über Zeit und Raum hinweg

erst bewusst – eine Einsicht, die als

Erfahrung des tiefen Verbundenseins in

der Meditation ganzheitlich entstehen

kann. Auf der Basis einer achtsamen

Grundhaltung gelingt es, das Leben anders

auszurichten: an Ehrfurcht vor allem

Leben, Gewaltfreiheit, Wahrhaftigkeit,

Mitgefühl und Toleranz. Achtsame Gelassenheit

ist nicht Gleichgültigkeit. Sie

be fähigt uns zu verantwortungsvollen

und reifen Entscheidungen und zum be-

30 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

wussten Gestalten unserer Kommunikation

und unserer Beziehungen.

Zunehmend gilt Achtsamkeit für Menschen

in der Postmoderne auch als Ansatz

zur Stressbewältigung und zum Gewin

nen von Gelassenheit in einem immer

kom plexeren Alltagsgeschehen. Manager

be gin nen zu meditieren, und Acht samkeits

medi tation wird bei Burn-out und

Erschöpfungsdepressionen zur Unter stützung

des Genesungsprozesses wirkungsvoll

eingesetzt. Achtsamkeits basierte

Stressbewältigung kann gut in den Alltag

Foto: Techniker Krankenkasse

„Die Frage, warum Menschen gesund

bleiben, soll Vorrang vor der Frage nach den

Ursachen von Krankheit und Risikofaktoren

bekommen. Dementsprechend fragt die

salutogenetische Perspektive primär nach

den Bedingungen von Gesundheit und

Faktoren, welche die Gesundheit schützen

und zur Unverletzlichkeit beitragen. Die

Frage nach den Wirkfaktoren, die Gesundheit

erhalten, stellt sie in den Mittelpunkt.“

Das Konzept der Salutogenese in der Gesundheitsförderung;

Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung, Band 6, 2001: Was erhält Menschen

gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese

zum Erfolg; alle, die sich zu sehr hetzen, ernten Mangel. Sprüche 21,5 +++ Halte dich nicht für zu weise,


integriert werden, ohne dafür an einen besonderen

Ort gehen zu müssen.

Aus der Stressforschung und Neurobiologie

ist bekannt, dass Stress nicht

einfach existiert. Wir lösen Stressempfinden

im Körper und Ängste aufgrund unserer

eigenen Wahrnehmungen und Bewertungen

aus. Nicht die vielen Ter mine

oder der Verkehrsstau allein sind es, die

den Stress verursachen, sondern es sind

in hohem Maße unsere Gedanken und

Gefühle, die darauf aufbauen. Gera ten wir,

wenn wir unserem gestressten „Autopiloten“

freien Lauf lassen, nicht schnell in

ein katastrophisierendes Denken, das den

Blick für Alternativen verschließt?

Oder können wir einen Moment inne halten

und den Alltag annehmen wie er nun

einmal ist?

Übungen für Zwischendurch

Eine anerkennende und akzeptierende

Haltung zu erlernen, ohne uns selbst und

andere vorschnell zu bewerten bzw. abzuwerten,

ist Sinn und Folge von Achtsam

keitspraxis. Sich mit anderen interessierten

Menschen zusammenzutun, eine

„Atempause“ einzulegen und gemeinsam

zu meditieren, ist eine Möglichkeit, darin

voranzuschreiten. Neben Kontemplation

und Gebet gibt es dazu entsprechende

Seminare kirchlicher Bildungsträger. Wir

können Zeiten und Räume der Stille

schaffen und für Abstand von der alltäglichen

Reizüberflutung, von Hektik und

Stress sorgen. Doch auch unser Alltag mit

all seinen Störungen des inneren Friedens

bietet viele Anlässe dazu:

■ Wartezeiten: Sie können sich ganz auf

Ihren Atem konzentrieren, auf das

Einatmen und Ausatmen. Und wenn Sie

die Aufmerksamkeit verlieren, kehren

Sie wieder zum Atem zurück, ohne sich

für die abschweifenden Gedanken zu

zensieren. Abschweifen zulassen zu

können, Gedanken kommen und gehen

lassen zu können, ist Teil der Achtsamkeitspraxis.

Wie verändert das Ihr

Erleben des Wartens?

„Ich liebe mich, deshalb habe ich eine

Arbeit die mir wirklich Spaß macht,

eine, die meine kreativen Begabungen

und Fähigkeiten fordert;

ich arbeite für und mit Menschen,

die ich liebe und die mich lieben,

und ich verdiene ein gutes Gehalt.“

Louise L. Hay, Affirmation aus: Gesundheit

für Körper und Seele

■ Achtsames Essen: Sie können einmal

etwas essen, als hätten Sie diese

Speise noch niemals erlebt. Achten Sie

darauf, wie der Geschmack sich entfaltet,

die Konsistenz sich verändert, wie

verschiedene Erlebnisse und Sensationen

entstehen. Oder bedenken Sie,

welchen Weg diese Nahrung hinter

sich gebracht und durch welche Hände

sie gegangen ist, bis sie bei Ihnen

angekommen ist. Welche Bedeutung

gewinnt die Nahrung, die Sie sonst

vielleicht schnell heruntergeschlungen

hätten, dadurch?

■ Achtsames Gehen: Wenn Sie unterwegs

sind, können Sie zum Beispiel

einmal bewusst nur auf die Geräusche

achten, ein anderes Mal nur auf Ihre

Bewegungen und Körperempfindungen

oder auf die visuellen Sinneseindrücke,

Licht und Farben. Welche Qualität entfaltet

diese Wegstrecke für Sie, die Sie

vielleicht sonst in Hektik und Eile abgeschritten

hätten?

Die Übungen entfalten auf Dauer ihre besondere

Wirkung, indem sie von Hektik

und negativen Gedanken ablenken, die

Sinne schulen und zu Genuss befähigen.

Wir haben die Wahl: Schenken wir der

Gegenwart unsere Aufmerksamkeit.

Friederike Höher

Institut für Kirche und Gesellschaft der

Ev. Kirche von Westfalen, Schwerte

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

um deine tägliche Arbeit zu tun, und beharre nicht auf deiner Vornehmheit, wenn es dir schlecht geht.

Foto: Techniker Krankenkasse

31


Beispiele

In allen Produkten steckt

menschliche Arbeit

Nachhaltiger Konsum und soziale Beschaffung

Die Welt deckt uns den Tisch. Schon

wenn wir uns an den Frühstückstisch

setzen, finden wir Produkte aus allen

Teilen der Welt. Nach dem Frühstück

gehen wir einkaufen, wir brauchen ein

paar Sachen zum Anziehen und kaufen

ein blau­schwarz kariertes Hemd. Es

trägt ein amerikanisches Label, doch

seine Geschichte kennen wir nicht.

Der Stoff für die blauen Teile des Hemdes

ist vielleicht mit Baumwolle aus Usbekistan

gefertigt und wurde in der Türkei mit

Farben aus deutscher Chemieproduktion

„Als Christen können wir nicht andere zur

Umkehr rufen, wenn wir nicht selbst bereit

sind, umzukehren. ... ‚Umkehr‘ in diesem

Zusammenhang bedeutet einen veränderten

Lebensstil, der einer Ethik der Gerechtigkeit

und einer Ethik der Genügsamkeit folgt.

Ein nachhaltiger Lebensstil beinhaltet, sich

Gedanken über das eigene Konsumverhalten

zu machen. Das bedeutet, dass Christen

sich einsetzen für fairen Handel, für ökologische

und soziale Herstellungsbedingungen

von Konsumgütern. ... Durch ihr eigenes

Einkaufsverhalten können sie demonstrieren,

dass ein umwelt- und sozialverträglicher

Konsum möglich ist.“

Umkehr zum Leben, Eine Denkschrift des Rates der

EKD, 2009, S. 155 f.

32 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

gefärbt und dort gewebt. Die Baumwolle

für die schwarzen Karos kommt hingegen

aus dem Süden und wurde in Ägypten mit

Farben von britischen Firmen gefärbt, um

dann in Marokko zu Stoff verarbeitet zu

werden, auf Webstühlen des deutschen

Maschinenexports. Das Design ist aus

Italien, genäht wird in Slowenien, verkauft

wird es schließlich von einer amerikanischen

Handelskette in Deutschland.

Ganz ähnlich verhält es sich mit vielen

Produkten, mit denen wir zu tun haben.

Wirtschaften ist eine globale Angelegenheit

und in allen Produkten steckt Naturverbrauch

und menschliche Arbeit. Durch

manche Produkte wird die Umwelt stark

belastet, andere sind orientiert am Prinzip

der Nachhaltigkeit. Auch die Bedingungen

der Produktion sind verschieden: An manchen

Produkten klebt das Blut ausbeute-

Die Grundprinzipien der Internationalen

Arbeitsorganisation vom 18. Juni 1998:

■ Vereinigungsfreiheit und Recht auf

Kollektivverhandlungen

■ Beseitigung der Zwangsarbeit

■ Abschaffung der Kinderarbeit

■ Verbot der Diskriminierung in

Beschäftigung und Beruf

Jesus Sirach 10, 26 +++ Sie bauen Häuser und bewohnen sie, sie pflanzen Weinberge und essen die


„Wir sollten die geballte Macht, die wir als

‚Kunde Kirche‘ haben, nicht unterschätzen.

Wer einkauft, entscheidet mit, wie die

Weichen für die Zukunft gestellt werden: ob

Wälder abgeholzt werden, ausbeuterische

Löhne weiter gezahlt werden oder das Klima

geschützt und Armut gelindert werden kann.“

Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche

von Westfalen

rischer Kinderarbeit, andere Produkte

werden unter sozialen und fairen Arbeitsbedingungen

hergestellt. Mit unserem

Geldbeutel entscheiden wir darüber mit,

ob Menschen einen gerechten Lohn erhalten,

die Umwelt erhalten und wie unsere

Welt zukünftig aussehen wird.

Das gilt nicht nur für den einzelnen Konsu

menten mit seiner vergleichsweise geringen

Kaufkraft, sondern viel mehr noch

für Institutionen, die sehr viel mehr einkaufen:

öffentliche Verwaltungen, Kirchen,

Krankenhäuser und Firmen. So kann sozial

verträgliche Beschaffung sowie eine

entsprechende Ausgestaltung des öffentlichen

Vergaberechts bei entsprechender

Nachfragemacht dazu beitragen, menschenwürdige

Arbeitsbedingungen zu

sichern, Rechte von Beschäftigten zu

stärken, die sozialen Sicherungssysteme

zu stabilisieren und regionale Wirtschaftsströme

zu unterstützen.

Voraussetzung für einen nachhaltigen

Konsum ist jedoch, dass genügend Informationen

über Produkte und Dienstleistungen

vorhanden sind. Für viele Produkte

und Warengruppen sind in den vergangenen

Jahren Labels entwickelt worden, die

auf eine ökologisch verantwortbare

Herstellung des Produkts verweisen oder

faire Standards für Arbeitsbedingungen

attestieren. Hinsichtlich eines Minimalkatalogs

sozialer Kriterien orientieren sich

die Initiativen überwiegend an den Grundprinzipien

der Internationalen Arbeitsorganisation

(s. Kasten rechts oben).

Zur Forderung einer sozial-ökologischen

öffentlichen Auftragsvergabe hat sich inzwischen

ein Netzwerk aus verschiedenen

Initiativen gebildet (coporate accountability,

CORA), das sich für die Umsetzung

der europäischen Vergaberichtlinie

in der Bundesrepublik Deutschland einsetzt.

Ähnliche Initiativen werden auch in

Kriterien des fairen Handels im Überblick

Mindestpreise: Die Erzeugerpreise für fair

gehandelte Produkte liegen deutlich über dem

Weltmarktpreis. Steigt dieser, wird im fairen

Handel ein bestimmer Betrag aufgeschlagen,

so dass die Erzeuger immer einen besseren

Preis erhalten.

Direkteinkauf: Die Produkte werden direkt

bei den Erzeugern gekauft, damit deren

Einkommen nicht durch Zwischenhändler

geschmälert wird.

Langfristige Verträge: Langfristige Abnahmeverträge

geben den Produzenten Planungssicherheit

und garantieren ihnen über einen

längeren Zeitraum sicheres Einkommen.

Vorfinanzierung: Auf Wunsch der Erzeuger

werden die Produkte mit bis zu 60 % des

Kauf preises vorfinanziert, damit die Produ zenten

in Saatgut, Maschinen und Transport mittel

investieren können, ohne sich übermäßig zu

verschulden.

Sozialstandards: Die Erzeuger garantieren

den Mitgliedern der Kooperative bzw. Arbei tern

auf der Plantage soziale Mindest standards.

Ein Teil des Mehrerlöses wird zum Beispiel

in Bildungseinrichtungen, medizinische Versorgung

und Rentenfonds investiert.

einzelnen Landeskirchen und Diakonischen

Werken verfolgt. Bei den Kirchen,

bei Diakonie, Caritas und beim Paritätischen

Wohlfahrtsverband arbeiten in über

100.000 Einrichtungen rund 1,7 Millionen

Beschäftigte. Die Marktmacht, welche die

Großverbraucher der Sozialwirtschaft

darstellen, ist enorm. Dies gilt auch für die

verschiedenen Dienstleistungen, die vor

Ort benötigt werden: Handwerksarbeiten,

Post- und Verkehrsdienstleistungen.

Unsere Welt ist kleiner geworden. Bereits

am Frühstückstisch können die Probleme

ökologischer Bedrohung und der Verletzung

von Arbeitsnormen und Menschenrechten

präsent sein. Verantwortliches

Konsumverhalten kann dazu beitragen,

dass Menschenrechte geschützt werden

und unsere Welt intakt bleibt. Nur so

können wir sie als Lebensraum für unsere

Nachkommen erhalten.

Martin Huhn,

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt Baden,

Mannheim

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Früchte. Jesaja 65, 21 +++ Und heraus geht der Mensch, an sein Werk, an seine Arbeit bis zum Abend.

33


Medien und Links

Bücher, Links und Filmtipps

Unternehmenskultur,

Arbeits qualität und Mitarbeiterengage

ment in den

Unternehmen in Deutschland

Abschlussbericht Forschungsprojekt

Nr. 18/05 im Auftrag des

Bundes ministeriums für Arbeit

und Soziales, Februar 2008.

In der Untersuchung von 2007

wird deutlich, dass die Arbeitszufriedenheit

immer mehr ab -

nimmt. Ein Unzufrieden heits faktor

ist Stress. Mehr als 60 % der

Befragten geben an, dass der

Stress bei der Arbeit deutlich

zugenommen hat. Es wurden

37.000 Be schäftigte aus 314

Unternehmen und zwölf Branchen

in Deutschland befragt.

www.bmsa.de (Publikationen)

Psychologie Gesellschaft Politik

– 2008

Psychische Gesundheit am

Arbeits platz in Deutschland

Immer mehr Berufstätige leiden

unter psychischen Störungen.

Starke Arbeits belastung führt zu

krankheitsbedingten Arbeits ausfällen.

Das Arbeitsklima ändert

sich und Intrigen und Mobbing

nehmen zu. Die Untersuchung

zeigt aber darüber hinaus

Möglichkeiten der Gesund heitsförderung

auf. Herausgeber:

Vorstand des Berufs verban des

Deutscher Psycholo gin nen und

Psychologen e. V. (BDP);

www.bdp-verband.de

A bit rich – Studie zum sozialen

Wert von sechs Berufen

Die Studie befasst sich mit dem

Wert, den Arbeit für die Gesellschaft

hat. Sechs Berufe wurden

genauer auf ihren Beitrag zum

Wohlergehen der Gesell schaft

untersucht: Investmentbanker,

Steuerberater, Marketingmitarbei

ter, Müllmann, Erziehe rin und

Reinigungs kraft. Das Ergebnis:

Man kann nicht von der Höhe

des Einkommens auf die Höhe

des Beitrags zum gesellschaftlichen

Wohlergehen schließen.

Eher das Gegenteil ist der Fall.

von: Eilis Lawlor / Helen Kerseley

www.neweconomics.org/

publications/bit-rich

34 Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

DGB­Index Gute Arbeit

Der Report 2009

www.dgb-index-gute-arbeit.de

„Vita activa“ oder

„Vom tätigen Leben“

von: Hannah Arendt, Piper Verlag,

München, 6. Auflage, Mai 2007

Leiharbeit auf dem Prüfstand

Stellungnahme des Kirchlichen

Dienstes in der Arbeitswelt,

Arbeitsgemeinschaft der EKD;

2. Auflage April 2010.

www.kda-ekd.de

Hauptsache Arbeit – Wandel

der Arbeitswelt nach 1945

Die Ausstellung wird vom 15.

De zem ber 2010 bis 08. Mai 2011

im Zeitgeist lichen Forum in

Leipzig gezeigt.

Hrsg. des Begleitbuchs zur

Aus stellung: Stiftung Haus der

Geschichte der Bundes republik

Deutschland, Kerber Verlag Bielefeld,

ISBN 978-3-86678-331-7

Sonntags. Erfindung der Freiheit

Initiativen zum Kirchenjahr

Ein Jahrbuch, das zum Träumen,

Den ken und Gestalten einlädt.

52 Themen vom „Tatort“ bis zum

Sonntagsbraten, von der Auferstehung

bis zum Grund gesetz

begleiten durch das Jahr.

von: Andere Zeiten e. V.

www.anderezeiten.de

www.machmalsonntag.de

Die Sonntagstüte

25 Wortmagnete plus sieben

Bildmagnete – Wörter, die Lust

auf Sonntag machen.

von: Andere Zeiten e. V.

www.anderezeiten.de

www.machmalsonntag.de

50 Rituale für die Seele

Texte, Meditationen, Übungen,

die der Seele gut tun.

von: Pierre Stutz, Verlag Herder,

8. Auflage 2009,

HERDER spektrum Band 7004;

ISBN 978-3-451-07004-4

Inititative Neue Qualität

der Arbeit

www.inqa.de

Gott ist mein Lied, ist meine

Macht

75 Psalmgedichte zu Choralmelodien

in neuer Vertonung.

von: Eugen Eckert, Strube-Verlag,

München 1996, Edition 1284

Zukunftsfähiges Deutschland

in einer globalisierten Welt

Ein Anstoß zur gesellschaftlichen

Debatte – Studie des

Wuppertal Instituts für Klima,

Umwelt, Energie.

herausgegeben von:

Brot für die Welt, BUND,

Evangelischer Entwick lungs dienst

Fischer Taschenbuch Verlag, 2008

Das Ende der Welt, wie wir sie

kannten

Klima, Zukunft und die Chancen

der Demokratie.

von: Claus Leggewie / Harald

Welzer, Bundeszentrale für

politische Bildung, Band 1042,

Bonn 2010

Der globale Countdown

Gerechtigkeit oder Selbstzerstörung

– Die Zukunft der

Globalisierung.

von: Harald Schumann / Christiane

Grefe, Kiepenheuer und Witsch,

2. Auflage 2009

Zukunft einkaufen

Wir entscheiden mit unserem

Einkauf, welche Dinge wie hergestellt

werden – ob schadstoffbelastete

Textilien oder umweltschonendes

Recyclingpapier, ob

Grabsteine von Kinderhand oder

Kaffee und Tee zu existenzsichernden

Preisen. Das Projekt

„Zukunft einkaufen“ möchte

dazu beitragen, dass die Kir chen

durch systematische Um stellung

auf ökofairen Konsum ein sichtbares

Zeichen für die Bewahrung

der Schöpfung setzen.

www.zukunft-einkaufen.de

We feed the world

Österreichischer Dokumentarfilm,

der ein kritisches Licht auf

die Massen produktion von

Nahrungsmitteln und die

Industrialisierung zum Beispiel in

der Massentierhaltung wirft.

www.we-feed-the-world.at

Psalm 104, 23 +++ Eine Generation geht und eine Generation kommt, und die Erde bleibt immerfort


Verantwortlich:

Peter Janowski

Bundesvorsitzender

Kirchlicher Dienst in der

Arbeitswelt

Blumhardtstraße 2

30625 Hannover

Im Auftrag des

KDA-Bundesvorstandes

erstellt von:

Margit Befurt

Öffentlichkeitsarbeit und

Wirtschaftsraum Rhein-Main,

Zentrum Gesellschaftliche

Verantwortung der Ev. Kirche in

Hessen und Nassau, Mainz

Martin Huhn

Industrie- und Sozialpfarrer,

Kirchlicher Dienst in der

Arbeitswelt, Industrie- und

Sozialpfarramt Nordbaden,

Mannheim

Jens Junginger

Wirtschafts- und Sozialpfarrer,

Kirchlicher Dienst in der

Arbeitswelt Württemberg,

Reutlingen

Martina Spohr

Fachreferentin, Referat Wirtschaft,

Arbeit und Soziales der

Ev. Kirche von Kurhessen-

Waldeck, Kassel

Gestaltung und Realisation:

Design, Layout, Bildauswahl:

Holger Giebeler

www.giebelerdesign.net

Lektorat:

Dr. Angelika Fallert-Müller

www.fallert-mueller.de

Druck:

Direkt Druck- und Verlagsservice

GmbH, Darmstadt

Juni 2010

bestehen. Prediger 1, 3 +++ Übersetzung: Bibel in gerechter Sprache

Fotos/Bilder:

Titelbild: mentalrai/Fotolia.com

Sozialpolitischer Buß- und Bettag 2010

Impressum

Seite

3, 36: p!xel 66/Fotolia.com

6/7, 9: Mellimage/Fotolia.com

10: bunte bilder/Fotolia.com

11, 14, 16,

17, 35: Thomas Plaßmann

13: Kathrin39/Fotolia.com

15: Heidrun Lutz/Fotolia.com

20: Franz Pfluegl/Fotolia.com

27: juwi Holding AG in Wörrstadt

29: Harald Lange/Fotolia.com

30, 31: Techniker Krankenkasse

32: papart/photocase.com

35


Kirchlicher Dienst

in der Arbeitswelt

Arbeitsgemeinschaft

in der EKD

KDA Geschäftsstelle

Blumhardtstraße 2

30625 Hannover

Telefon: 0511 55474131

www.kda-ekd.de

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