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Karstadt am Hermannplatz, 1929

C l i ff ,

hast du arbeit gefunden?

– trä u m we i te r,

nicht nach dem börsencrash.

Sally und Cliff, 2. akt, 4. bild

tische und gesellschaftliche Ordnung aus den Angeln. Heutzutage sind wir

hierzulande weit entfernt von einer »Schönwetterdemokratie«, die von einem

wirtschaftlichen Tief leicht hinweggefegt werden könnte.

1929 gab es in Deutschland durchschnittlich 1,9 Millionen Arbeitslose, 1930

waren es 3,1 Millionen – eine Zahl, die 1932 auf über 6 Millionen ansteigen

wird. Wie haben die Menschen die Krise während der Zeit um den Jahres-

wechsel 1929/1930 zu spüren bekommen?

Die relativ besten Jahre Weimars zwischen 1924 und 1929 erlebten einen

deutlichen Ausbau der Sozialversicherungssysteme. Hervorzuheben ist insbesondere

die Einführung einer Arbeitslosenversicherung im Jahr 1927. Dies

war an sich ein beachtlicher sozialpolitischer Fortschritt, wie er sich während

der Zwischenkriegszeit sonst nur noch in Großbritannien vollzog. Doch diese

Sozialversicherung war von Anfang an nicht richtig gegenfinanziert. Im Jahr

1930 war sie das entscheidende Streitthema, an dem die Große Koalition unter

SPD-Kanzler Hermann Müller-Franken zerbrach. Damit endete im Grunde

das parlamentarische System der Weimarer Republik. Nun begann die

Phase der autoritären Präsidialkabinette. Unter Reichskanzler Heinrich Brüning

kam es zu Kürzungen von Sozialleistungen. Er hieß im Volksmund bald

»Hungerkanzler«. Noch wichtiger als das materielle Leid waren vermutlich

die psychosozialen Auswirkungen. Es machte sich ein Klima der Desorientierung,

Verunsicherung und Hoffnungslosigkeit breit; die innergesellschaftlichen

Spannungen nahmen zu. Die Zahl der Eheschließungen und Geburten

ging deutlich zurück; dagegen wuchsen Kriminalitäts- und Selbstmordraten

an.

Ein Zusammenhang von volkswirtschaftlichem Einbruch und dem Aufstieg

der NSDAP besteht zweifellos. Wie dieser Zusammenhang genau aussieht

und inwieweit das Erstarken der Nazis auch anderen Faktoren, z.B. den

Bedingungen des Versailler Vertrags, zu zuschreiben ist, wollen wir an dieser

Stelle nicht erörtern. Wie präsent und einflussreich war die NSDAP im

Berlin der Jahre 1929 und 1930?

1929 und 1930 gewann die NSDAP von Wahl zu Wahl an Stimmen. Vor allem

die Reichstagswahlen vom September 1930, als sie 18,3 Prozent der Stimmen

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