Am richtigen Platz Nicht nur gemeinsam sitzen Eine ... - Auenkirche

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Am richtigen Platz Nicht nur gemeinsam sitzen Eine ... - Auenkirche

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sonderAusgAbe April 2012

Auen Zeitung

neues Aus der evAngelischen Auen-kirchengemeinde berlin-Wilmersdorf

Zum Abschied von pfArrerin kAthArinA plehn-mArtins


2

Pfarramtliche Kollegen Wendepunkte 1947 - heute

Margarete Preuß † 1982 - 1991

Wolfgang Barthen 1987 - 2001

Martin Germer 1991 - 2005

Katharina Reinhardt 1991 - 2007

Andreas Reichardt seit 2001

Dr. Christian Nottmeier seit 2009

liebe katharina,

in deinen drei ersten Jahren in der

Auengemeinde haben wir zusammen

gearbeitet. es war eine gute Zeit. vielen

dank für den Amoskreis mit peter. dort

ist vieles deutlicher geworden, auch

die Wurzeln unseres glaubens in israel.

deine fürbittengebete haben uns im

gottesdienst hineingenommen in die

verantwortung für die weite Welt. ich

wünsche dir noch viele gemeinsame Jahre

mit peter und weiterhin gottes segen.

schwester carla Zimmermann

Mein Körper

mein körper rät mir: ruh dich aus!

ich sage: mach ich, altes haus!

denk aber: Ach, der sieht´s ja nicht!

und schreibe heimlich ein gedicht.

da sagt mein körper: na, na, na!

mein guter freund, was tun wir da?

Ach gar nichts! sag ich aufgeschreckt,

und denk: Wie hat er das entdeckt?

die frage scheint recht schlicht zu sein,

doch ihre schlichtheit ist nur schein.

sie lässt mir seither keine ruh:

Wie weiß man körper, was ich tu?

robert gernhardt

Ausgesucht von uwe seeberger

• Geboren in Bracht

• TAUFE

• Eichendorffschule, Moers

• KONFIRMATION

• kaufm. Ausbildung

• Delikatessen Elfers, Düsseldorf

• S-Elektric

• Uniconsult

• Dental – Labor

• Bristol Hotel Kempinski, Berlin

• Berlin – Kolleg

• Auen-Zeitung

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• Kirchliche Hochschule, Berlin

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• Ökumenischer Rat

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schWerpunkte An der Aue

• Kirchentag 2003

• Kirchgeldbrief

• KiTa

• Konfir klassik

• Konfir-Reisen

• Kreissynode

• Memorial, St.Petersburg

• Partnerschaft Iringa, Afrika

• Partnerschaft UCC, USA

Liebe Leserinnen und Leser,

am 22. April 2012 verabschieden wir nach

21 Jahren Dienst Pfarrerin Katharina Plehn-

Martins in den wohlverdienten Ruhestand. Aus

diesem Anlass erscheint neben der Würdigung

in der regulären Ausgabe der Auen-Zeitung

diese Sonderausgabe. In den vergangenen Jahren

hat Katharina Plehn-Martins entscheidenden

Anteil an der Entwicklung und dem Erfolg

unserer neu gestalteten Gemeindezeitung

genommen. Auch deshalb erscheint uns diese

Ausgabe als angemessene Weise, ihr heute noch

einmal von Herzen Dank zu sagen für die gute

Zusammenarbeit auch im Redaktionsteam.

Diese Ausgabe beansprucht keinesfalls, einen

vollständigen Überblick über das Wirken von

Katharina Plehn-Martins in der Aue zu geben.

Es sind eher kleine Mosaiksteine, biographische

Erinnerungen, Beiträge von Kollegen,

Freunden, Begleitern und Weggefährten. Mit

Propst i. R. Lütcke, Altbischof Kruse und

Superintendent Grün-Rath sind zugleich drei

Personen des kirchlichen Lebens vertreten, die

Katharina Plehn-Martins schon in ihrer Zeit

im Konsistorium begegnet sind und bis heute –

auch zum Wohl und Nutzen der Aue – mit ihr

in Verbindung stehen. Aber auch alle anderen

Beiträge bieten wichtige Facetten und Einblicke

in die Weise, in der sie Gemeinde gelebt

und geprägt hat.

„Die auf den HERRN harren, kriegen neue

Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie

Adler, dass sie laufen und nicht matt werden,

dass sie wandeln und nicht müde werden“, so

lautet eines der biblischen Lieblingsworte von

AZ-Redaktionsteam (ohne KPM)

Katharina Plehn-Martins. Dass sie bei ihrem

Wirken in der Aue nicht nur Kraft empfangen,

sondern auch durch ihr Wirken vielen Menschen

Kraft gegeben und geschenkt hat, das soll

in dieser Gabe zum Ausdruck kommen.

Als Gemeinde können wir heute mit Dankbarkeit

auf diese Zeit zurückschauen. Gott zu

loben und zu danken, das ist unsere Aufgabe

als Gemeinde. Das und vieles mehr hat uns

mit Katharina Plehn-Martins über all die Jahre

verbunden. Grund genug heute gemeinsam einzustimmen

in eines der großen Lieder unseres

Gesangbuches:

Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zugut

bis hierher hat getan.

Allen Leserinnen und Lesern wünschen wir viel

Freude bei der Lektüre. Und Dir, liebe Katharina,

an dieser Stelle alle guten Wünsche und

Gottes Segen für die Zeit des „Ruhestandes“.

Mit herzlichen Grüßen aus der Aue

Marlies Häner (Vorsitzende des Gemeindekirchenrates)

Dr. Christian Nottmeier

(geschäftsführender Pfarrer)

biblisches Wort

Die auf den HERRN harren,

kriegen neue Kraft,

dass sie auffahren

mit Flügeln wie

Adler, dass sie laufen und nicht

matt werden, dass sie wandeln

und nicht müde werden.

Jesaja 40,31

Nun danket alle Gott (EG 321)

1. Nun danket alle Gott

mit Herzen, Mund und Händen,

der große Dinge tut

an uns und allen Enden,

der uns von Mutterleib

und Kindesbeinen an

unzählig viel zugut

bis hierher hat getan.

2. Der ewigreiche Gott

woll uns bei unserm Leben

ein immer fröhlich Herz

und edlen Frieden geben

und uns in seiner Gnad

erhalten fort und fort

und uns aus aller Not

erlösen hier und dort.

3. Lob, Ehr und Preis sei Gott

dem Vater und dem Sohne

und Gott dem Heilgen Geist

im höchsten Himmelsthrone,

ihm, dem dreiein‘gen Gott,

wie es im Anfang war

und ist und bleiben wird

so jetzt und immerdar.

text und melodie: martin rinckart

(um 1630) 1636

(melodiefassung nach Johann crüger

1647)

3


4 5

Eine Mutter der Gemeinde? Wege in den Pfarrberuf

Als die friedliche Revolution in Ostdeutschland

zur Wende führte, war Katharina Plehn-

Martins im Konsistorium als „Hilfspredigerin“

tätig (so hieß damals in West-Berlin, wer

heute „Entsendungspfarrerin“ heißt). Propst

Uwe Hollm hatte sie in seine Abteilung geholt,

weil das Ökumene-Referat vakant war, und so

kümmerte sie sich - mit dem ihr eigenen Engagement

und der ihr eigenen Sorgfalt - um

alles, was in das Fachgebiet Ökumene fiel, die

Kontakte zur katholischen Kirche und zum

Ökumenischen Rat Berlin, die Kontakte zur

anglikanischen Kirche und zur weltweiten

Ökumene und um den Entwicklungsdienst.

Aus nächster Nähe konnte ich das miterleben,

als ich 1990 zum Nachfolger von Propst

Hollm gewählt wurde und dankbar war, Frau

Plehn-Martins für den Ökumene-Bereich an

meiner Seite zu haben. Ich erinnere mich an

die gute, unkomplizierte Zusammenarbeit.

Ohne die Wiedervereinigung wäre sie vermutlich

bald als Oberkonsistorialrätin in die

vakante Stelle des Ökumene-Referats berufen

worden. Aber durch die Vereinigung der

Konsistorien West und Ost kam es anders,

denn in der Ost-Region hatte es ja auch ein

Ökumene-Referat gegeben, das von einem

Oberkonsistorialrat geleitet wurde. Für Frau

Nicht nur gemeinsam sitzen

Gemeinsam sitzen, liebe Katharina, so begann

unsere Zusammenarbeit im Kollegium

des Konsistoriums in der wilden Wendezeit.

In einem Gespräch habe ich dich auf die ausgeschriebene

Pfarrstelle in der Auen-Kirchengemeinde

hingewiesen, da die Umstrukturierung

des Konsistoriums bevor stand und du

mit großer Wahrscheinlichkeit ausscheiden

würdest. Du hast es dann gewagt und auch

gewonnen: Ab 1. Januar 1991 Pfarrerin an der

Aue.

Durch deine Charismen hast du Akzente für

das Gemeindeleben gesetzt. Dir war schon

vom Studium her wichtig das jüdisch-christliche

Gespräch, die Arbeit an den Gottesdiensten

und das Wahrnehmen der Menschen in

der Seelsorge. Was sonst noch zu einer volkskirchlichen

Gemeinde gehört, hast du auch

gemacht, ohne dabei das, was dir wesentlich

war und ist, zu vernachlässigen. Unser Beruf

Plehn-Martins hieß das: eine andere Stelle suchen.

Wurde sie so ein „Opfer“ der neuen Entwicklung?

Ich möchte umgekehrt sagen: Diese

Entwicklung wurde zum Glücksfall für die

Auen-Gemeinde! Denn dort konnte Katharina

Plehn-Martins ihre großen Gaben einbringen,

in der zugleich freundlich-zugewandten

und sorgfältig vorbereiteten Gestaltung der

Gottesdienste, in der liebevollen Zuwendung

zu den Menschen, in dem Ideenreichtum bei

der Entwicklung der Gemeindearbeit. Und

zugleich brachte sie aus dem Konsistorium

die Erfahrungen mit der Ökumene-Arbeit

und aus dem Studium die Erfahrung mit dem

jüdisch-christlichen Dialog mit.

ist ja dazu berufen, den Menschen das Evangelium

zu bringen. Andere zu trösten, zu ermutigen

und zu erfreuen, ist wahrlich nicht immer

einfach und doch hast du das vermocht. Deine

eigenen Schwierigkeiten und Probleme – und

wer hat die nicht – bei den komplexen Ansprüchen

des Amtes hast du nicht nach außen

getragen, son dern sie auf anderem Wege bearbeitet.

So konntest du über zwei Jahrzehnte

der Gemeinde eine gefragte Seelsorgerin und

Predigerin sein.

Nicht unbedingt erwartet, kam ich ja dann

wieder in den Kirchenkreis zurück, so dass wir

manche Gespräche und gemeinsame Gestaltungen

im Pfarrkonvent miteinander hatten.

Ich danke dir für die gemeinsame Zeit, hoffe

dass du „zur Ruhe“ kommst und je nach Lust

und Laune auch in Reichweite sein wirst. Gott

schenke dir eine erfüllte, gesegnete Zeit!

Superintendent Harald Grün-Rath

Das klassische Berufsbild Pfarrer/Pfarrerin

ist ja in der letzten Zeit viel diskutiert worden

und wohl auch etwas ins Wanken geraten.

Aber Frau Plehn-Martins war in meiner

Wahrnehmung im besten Sinne eine klassische

Pfarrerin (und darin dann auch eine

Klasse-Pfarrerin): eine Seelsorgerin, die zugleich

leiten kann, immer präsent, wenn sie

gebraucht wurde, Prädikat „aufopferungsvoll“.

Darf man (ganz unpatriarchalisch und

ganz unmatriarchalisch gemeint) sagen: eine

Mutter der Gemeinde?

Propst i. R. Karl-Heinrich Lütcke

Am richtigen Platz

Es tut unserer Kirche gut, wenn sich in den

Reihen der Pfarrerschaft „Spätberufene“ finden,

also Menschen, die auf Umwegen ins

Amt gekommen sind. Denn diese Umwege

sind ja keine toten, verlorenen Zeiten, ganz

im Gegenteil, sie haben einen Schatz von

Lebenserfahrungen und beruflichen Bewährungen

eingebracht. Schon ins Studium, und

erst recht in die pastorale Praxis. Katharina

Plehn-Martins ist ein schönes Beispiel dafür!

In den Anfangsjahren ihres Entsendungsdienstes

arbeitete sie in den spannungsvollen

Jahren der Vereinigung unserer durch die

Mauer lange geteilten Kirche im Ökumenereferat

des Konsistoriums. Ein weites Feld!

Und dann zum 1. Januar 1991 die ausgefüllten

zwei Jahrzehnte in der „Aue“. Da war sie

am richtigen Platz. Ich bin froh, dass Versuche,

an anderer Stelle in unserer Kirche noch

einmal einen neuen Anfang zu wagen, nicht

zum Zuge gekommen sind. Erst im Rückblick

auf die beiden Jahrzehnte wird das

richtig deutlich.

Nun grüße ich Katharina Plehn-Martins in

der Gilde der Ruheständler/innen, danke ihr

herzlich für ihren Dienst, auch dafür, dass

die Verbindung zwischen uns nie abgerissen

ist. Ich sage ihr jetzt an diesem Wendepunkt

nur das Eine: Der Ruhestand ist kein

Stillstand. Wir werden gebraucht. Wie? Das

muss sie selbst entscheiden. Denn „all Morgen

ist ganz frisch und neu/ des Herren Gnad

und große Treu ...“

Altbischof Dr. Martin Kruse

„In welcher Gemeinde möchten Sie denn

gerne Ihr Vikariat machen?“ So oder ähnlich

fragte mich Dr. Traugott Vogel, der damalige

Ausbildungsreferent unserer Kirche. Die

Wahlmöglichkeiten waren großartig und die

„Aue“ das Beste. Dessen war ich mir damals

schon sicher und bis heute weiß ich es. Auch

wenn es nur acht Monate in der Gemeinde

waren, hat mich diese Zeit bis heute geprägt.

Was kann man Schöneres sagen?

Und natürlich war das auch ein Verdienst von

Katharina Plehn-Martins!

In all der Fülle und Buntheit des Berufs war

immer auch Zeit zum Reden, zum Nachfragen

und Nachdenken: Was ist beim Trauge-

Auf den Herrn trauen

Zu den Lieblingsbibelstellen von Katharina

Plehn-Martins gehört ein Wort aus dem Buch

des Propheten Jesaja. Dort heißt es in Kapitel

40: „Aber die auf den Herren trauen, die kriegen

neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln

wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden,

dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Mit wunderbaren Bildern illustriert dieser Vers

die Kraftquellen des Glaubens, der eben nicht

mehr und nicht weniger als Gottvertrauen ist.

Wer auf Gott, auf den Sinn und Wert eines Lebens

mit und aus Gott traut, der wird auf den

Wegen des Lebens in den grünen Auen wie den

finsteren Tälern nicht matt, müde oder verzagt

werden, sondern neue Kraft bekommen.

Man spürt Katharina Plehn-Martins ab, dass

sie über dieses Vertrauen verfügt und ebenso

die daraus resultierende Kraft und Energie.

Als Kollegin erlebe ich sie so als eine Seelsorgerin

und Theologin, die begeistert ist von der

Botschaft des Evangeliums und mit dieser Begeisterung

Menschen anstecken kann. Mit Leidenschaft

setzt sie sich für die Dinge ein, die

ihr aus dieser Glaubenserkenntnis am Herzen

legen. Man merkt ihr an, dass sie für die Sache

der Theologie und des Glaubens brennt. Das

ist leider – wie in anderen Berufen wohl auch

– im Pfarrberuf nicht immer anzutreffen. So

kann sie sich Menschen mit großer Intensität

zuwenden und begleiten, von der Kita über die

Konfirmanden bis hin zu den verschiedenen

Gruppen, die sie in mehr als 21 Jahren an der

Aue geleitet hat. Sie kann gewichtige theologi-

spräch zu bedenken? Was bedeutet es, beim

Schlusssegen das Kreuz zu schlagen oder es

zu lassen.

Aufmerksamkeit für das, was wir im Pfarrberuf

tun und darüber nachdenken, warum

wir es tun – das habe ich bei Katharina Plehn-

Martins gelernt und sie hat mich in allem

bestärkt, nachgefragt und hat mir Vertrauen

entgegen gebracht. Dafür und für vieles mehr

bin ich ihr bis heute dankbar.

Der Pfarrberuf ist für mich wie ein Marathonlauf

– wir müssen uns unsere Kräfte einteilen,

wenn wir ins Ziel kommen wollen. Sicher, es

wachsen uns auch neue Kräfte zu durch schöne

Erfahrungen und bereichernde Erlebnisse.

sche Impulse für das Gemeindeleben geben,

vom Gottesdienst über die Gedenkarbeit bis

hin zum Amos-Bibelseminar. Immer wieder

hat sie mit großem Engagement die Themen

in der Gemeinde verfolgt und ins Bewusstsein

gerufen, die ihr am Herzen lagen. Sie hat daran

immer Anteil gegeben, man wusste immer,

woran man war. Man konnte mit ihr streiten

und diskutieren, um der Sache willen. Als Kollege

bin ich dankbar für die gemeinsame, bereichernde

Zeit. Aber auch gespannt auf das,

was jetzt kommt. Denn müde und matt wirkt

Katharina Plehn-Martins auch am Ende des

hauptamtlichen Dienstes in der Aue nicht.

Mal sehen, welche Wege nun folgen werden.

Ich freue mich, auch daran Anteil nehmen zu

können.

Christian Nottmeier

Von all dem wird Katharina Plehn-Martins

bestimmt viel zu erzählen haben, und so hat

sie es – auch mit ihrem Mann Peter zusammen

- geschafft, glücklich ins „Ziel“ zu kommen.

Um im Bild zu bleiben: Unser Sportlehrer hat

nach einem Langlauf immer gesagt: „Nicht

stehen bleiben, langsam weiter gehen!“ Und

das möchte ich Katharina auch wünschen:

Nach diesen erfüllten Jahren in der „Aue“

langsam sich an die neue Zeit zu gewöhnen,

und eben Zeit zu haben für so vieles, was vielleicht

in den letzten Jahren zu kurz gekommen

ist und die Freude darüber, dass es nun

nur noch „Kür“ gibt und keine „Pflicht“ mehr.

Pfr. Matthias Stephan (Vikar in der Aue 2003)

Abschied und Segen

„Abschiedsworte müssen kurz sein, wie eine

Liebeserklärung“, so heißt es bei Theodor

Fontane. Neulich, liebe Katharina, sagtest

du zu mir, ich bleibe der Aue als Gemeindemitglied

erhalten.

Mit Herz, Seele, Verstand und Humor warst

du unsere Pfarrerin. Du hast deinen Beruf

geliebt und dich voll eingebracht. „Der Abschied

von einer langen und wichtigen Arbeit

ist immer mehr traurig als erfreulich,“

schreibt Friedrich von Schiller. Aber, „der ist

reich, dem das Leben die Abschiede schwer

macht“ (Alfred Grünewald).

Mit einem Fest feiern wir heute deinen Abschied

. „Ein guter Abgang ziert die Übung.“

(Friedrich von Schiller). Eine Aue ohne KPM

- das müssen wir alle erst mal realisieren.

„In jeder großen Trennung liegt ein Keim

von Wahnsinn; man muss sich hüten,

ihn nachdenklich auszubrüten und zu

pflegen“(Johann Wolfgang von Goethe).

Ich wünsche dir von Herzen alles erdenklich

Gute für die Zeit danach. Der irische Segenswunsch

soll dich begleiten:

„Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen.

Möge die Sonne dein Gesicht erhellen.

Möge der Wind dir den Rücken stärken und

der Regen um dich herum die Felder tränken.

Möge der gütige Gott dich in seinen Händen

halten.“

Renate Kurzer-Hoppe


6

Aufzeichnungen von Katharina Plehn-Martins aus dem Jahr 2000

„Drei Tage im Leben einer Pfarrerin…“

Montag, 14. Februar: Es ist wie (fast) immer,

vom Bett an den Schreibtisch: „Erst mal

telefonieren, früh erreicht man die Leu te

ja am besten...“: mit dieser pragmatischen

Überlegung sind die Weichen für den Wochenbeginn

gestellt - nicht Schwimmen gehen

am sogenannten „Pfarrersonntag“, sondern

Schreibtischarbeit ist angesagt nach den Anrufen,

Liegen gebliebenes der letzten Wochen

und Mo nate abarbeiten. Auch dabei wird die

Seele frei, Erfolgsgefühle stellen sich ein - die

Arbeit hat nicht mich, sondern ich habe die

Arbeit „im Griff...“

Ein Blick in mein Fach: Post, Notizen - lauter

Kleinkram, schnell wegarbeiten, damit

nicht wieder ein neuer Stapel wächst. Denn

Stapel sind meine „natürlichen Feinde“ -

täglich bekämpfe ich sie und täglich wach sen

sie... Nun bin ich schon wieder zwei Stunden

im Gemeindebüro gewesen. 14 Uhr - ab zum

Einkaufen fürs Abendes sen, und zu Hause

dann ein Blick auf den Anrufbeantwor ter.

Wieder sind vier Rückrufe nötig... erst aber

das Telefonat mit der neuen Dezernentin im

Konsistorium wegen die ser Kirchensteuersache,

das sollte heute un bedingt passieren.

Welch ein erfrischen des und kom petentes

Gespräch, sehr hilfreich.

Gleich ist es 16.30 Uhr - die sympathische

Telefonstimme steht leibhaftig vor meiner

Tür - ein Wiedereintritts-Gespräch. Vor fünf

Jahren erst aus finan ziellen Gründen aus

der Kirche ausgetre ten, geht es dem jungen

Mann nun besser, er hat die Auen-Gemeinde

kennengelernt, ein freundliches Begrüßungsschreiben

erhalten und findet das pralle Leben

in der Aue einfach „gran dios“. Er möchte

gerne wieder dazugehö ren, schließlich ist

er getauft und konfirmiert. Wir freuen uns

beide, verabreden uns zum Gottesdienst

am kommenden Sonntag, dann wird er am

Abendmahl teilnehmen, der Wiedereintritt

wird damit nach dem vorhergehenden GKR-

Beschluss wirksam.

Nachdem der junge Mann gegangen ist

setze ich mich hin und schreibe ei nen Brief

wegen eines Kirchenaustritts. Ich fühle mich

wie in einem Wechselbad: gran dioser Eintritt,

klammheimlicher Austritt...! Manchmal geht

einem das sehr nahe. Nun aber rasch in die

Küche, der Besuch wird gleich kommen. Ein

lebendiger, anregen der Abend liegt vor mir,

und als ich um Mit ternacht den Geschirrspüler

einräume, den ke ich über die Vielseitigkeit

meines Beru fes nach, vielseitig und pausenlos...

Dienstag, 15. Februar: Telefongespräche ab

8 Uhr, um 9.30 Uhr kommt Frau R. zu einem

kurzen Gespräch, es unterliegt dem Seelsorgegeheimnis,

kein Sterbenswörtchen wird über

meine Lippen kommen. Danach der alltägliche

Gang ins Gemeindebüro, Fach leeren,

wieder die „natürlichen Fein de“ bekämpfen,

fotokopieren.

Unterwegs treffe ich drei Menschen, mit

denen ich rasch ein paar Dinge klären kann.

Manchmal ist es außerordentlich zeitsparend,

Dinge en passant klären zu können. Manchmal

wünsche ich mir aber auch eine Tarnkappe

oder eine dunkle Brille - schließlich wird

die Schreibtisch arbeit ja nicht weniger. Dabei

gehört das doch zu meinen Aufgaben: auf

Menschen zugehen, ein offenes Ohr haben.

Um 11 Uhr steht Frau N. vor der Kirche,

wir haben uns verabre det zur Vorbereitung

der Trauerfeier für eine Verstorbene aus

meinem Pfarrbezirk. Ich habe sie persönlich

gekannt, sie an ihrem 100. Geburtstag besucht

und gestaunt über die Lebendigkeit dieser

außergewöhnlichen alten Dame. Nach dem

Bestattungsgespräch ist wieder eine Runde Telefonarbeit

angesagt, danach noch Kleinkram

abarbeiten. Schnell eine Dose Suppe geöffnet,

der kleine Mit tagsimbiss - mein lieber Mann

muss sehen, wo er was kriegt. Wer so lebt,

genießt jede mögliche gemeinsame Mahlzeit

von Her zen...

Es ist 15 Uhr, der Kirchenkreis ruft, der

Personalplanungsausschuss tagt in der Superintendentur.

Peinlich, schon wieder kom me

ich 10 Minuten zu spät, das ist der Mittagssuppenpreis!

Früher als geplant ist die Sitzung

zu Ende, wie schön. Allerdings füllt sich die

„gewon nene“ Zeit in Windeseile mit neuen

Anru fen, Schreiben von Geburtstagsgrüßen

und Anderem.

Um 18.30 Uhr breche ich dann mit meinem

Mann auf zu einer interessanten Veranstaltung.

Der Bi schof spricht über „Kirche in der

Zeiten wende - Kirche im 21. Jahrhundert“ - ich

empfinde es als einen Luxus, daran teilnehmen

zu können. Wie oft sind alle Abende

einer Woche mit Gemeindeterminen besetzt!

Nach der Veranstaltung noch Möglichkeiten

der Begegnung. Es ist gut, mal über die Ränder

der eigenen Gemeinde hinaus zublicken.

Gut ist aber auch, um Mittemacht den Tag zu

beenden. Dies erst recht, wenn man weiß, was

am nächsten Tag, Mittwoch, den 16. Februar

vor einem liegt: Der Zet tel im Fach mit der

dick und fett und dro hend rot geschriebenen

Notiz hat mich voll getroffen: „ABGABE-

SCHLUSS FÜR UN SERE ZEITUNG - 15.

FEBRUAR!!! Das sitzt! Also fünf Stunden

Schlaf, und dann geht‘s ran an die Auslegung

des Monats spruchs für die Märzausgabe.

Um 8 Uhr bin ich fertig, nun muss ich es

nur noch in die richtige Computerfassung für

die Redaktion bringen. Doch zuvor noch die

obligatorischen Telefonate. Computer an und

später ab in die Kü sterei, die Sachen abliefern

und das Fach leeren. Dann auf zum Pfarrkonvent

in die Nachbargemeinde.

Wie gut, dass es da immer was zu essen

gibt, zum Frühstück hat es nämlich heute

nicht gereicht. Ausgerechnet heute dauert der

Pfarrkonvent länger als sonst, das Thema ist

wichtig, es geht um die sozi ale Situation der

Pfarrerinnen und Pfarrer, der Generalsuperintendent

und ein Oberkonsistorialrat sind zu

Gast.

Gegen 13.30 Uhr bin ich erst wieder

zuhause. Post öffnen, Anrufbeantworter

abhören, Notizen machen, dann geht es in

die nächste Runde. Heute Abend um 19 Uhr

habe ich den Abendgottesdienst zu halten. Die

Vorbereitung geht mir gut von der Hand: erste

Überlegungen, Ent scheidung über Thema und

Inhalt des Got tesdienstes, Lieder raussuchen,

Gebet und Predigt schreiben. Wenige Minuten

vor Beginn des Konfirmandenunterrichts

setze ich den Schlusspunkt und bin froh. Die

Zeit war extrem knapp bemessen.

Um 16 Uhr erwarten mich die Konfirmanden

bereits vor der Kirche. Bis 17 Uhr

Unterricht der Vorkonfirmanden, 17.30 -

18.30 Uhr Hauptkonfirmanden. Während der

halbstündigen Pause laufe ich erst in das Gemeindebüro

und anschließend in die Kir che,

um mit dem Organisten etwas zu be sprechen.

Nach dem Unterricht spreche ich noch mit

zwei Konfirmandinnen. Ich freue mich über

die Jugendlichen, über das Gespräch, das

Vertrauen, das sie mir entgegenbringen, und

nehme mir Zeit, obwohl ich sie eigent lich

heute gar nicht habe.

Rasch nach Hause, Konfer-Unterlagen

abgelegt, Gottesdienstunter lagen und Talar

gegriffen und auch noch schnell die Papiere

für die Gemeindekirchenratssitzung eingepackt.

Fast beim letzten Glockenschlag

betrete ich die Kirche, schaffe es aber, ruhig

und konzentriert zu sein. Besonders freue ich

mich, als ich die bei den Vorkonfirmandinnen

erblicke, die heu te von sich aus anboten, die

Gottesdienst besucher zu begrüßen und Gesangbücher

auszuteilen. Es gibt so viel Schönes,

über haupt - ich freue mich, mit mehr als

40 Menschen diesen Abendgottesdienst zu

fei ern. Nach dem Ende und kleinen Gesprächen

an der Kirchentür mit geschul terter

Tasche und Talar in den Anbau der Kirche,

die Sitzung des Gemeindekirchen rates hat

bereits begonnen.

Nolens volens steige ich ein ins Geschehen,

habe ich doch vor ein paar Wochen ein paar

Tagesordnungspunkte angemeldet, die mir

nun wie aus weiter Ferne wieder entgegenkommen.

Die Sitzung dauert bis etwa Mitternacht,

die Pfarrerin trabt nach Hause,

hungrig, müde und zugleich „aufgedreht“...

Wie gut, dass es noch Reste vom Montag abend

im Kühlschrank gibt, dazu ein Glas von dem

guten italienischen Rotwein. „Ei gentlich“,

so denke ich, „könnte ich doch noch mal an

den Schreibtisch gehen...“ Ich tue es, denn es

ist so unerquicklich, mor gens mit den Resten

des vergangenen Ta ges zu beginnen. Es ist

2.30 Uhr, als ich dann endlich meine müden

Glieder von mir strecke. Gute Nacht liebe

Gemeinde! Morgen beginnt ein neuer Tag.

Pfarrerin Katharina Plehn-Martins

Vorliegende Notizen gehen zurück auf

den oben erwähnten Pfarrkonvent und eine

Anregung des Generalsuperintendenten, die

Arbeit eines Pfar rers oder einer Pfarrerin

transparenter zu ma chen. Immer wieder gibt

es die Erfahrung, dass Menschen sich nicht

vorstellen können, was ein Pfarrer oder eine

Pfarrerin während der Woche macht bzw.

dass er oder sie überhaupt etwas macht außer

der Predigt am Sonntag. Die Aus wahl dieser

drei Tage ist zufällig, eine andere Auswahl

ergäbe ohne Zweifel ein ähnliches Bild.

7


8 9

Unsere gemeinsame Konferzeit

Wir haben einige unserer gemeinsamen highlights in rätselform für dich zusammengestellt.

Waagerecht

1 Was machen wir auf jeder konferfahrt nach einbruch der

dunkelheit ein mal?

7 Wer unterstützt die konfirmandenarbeit der pfarrer?

8 Wie lautet der fachbegriff für „gilt für katholiken und

protestanten gleichermaßen“?

9 Wobei helfen die konfis jeden dezember freiwillig?

12 Wohin geht unsere tagesreise auf den spuren luthers?

14 Was erstellt manuel jeden dezember für die konfis?

17 Wie heißt der deckmann „käpt’n blaubär“ auf sylt

richtig?

18 Was steht vor dem Altar?

21 Was machen wir am sonntag der konfirmation vor dem

eingang der Auenkirche?

22 in welcher Jugendherberge übernachten wir seit eini-

gen Jahren auf sylt?

23 Was ist der „gefürchtete“ Abschluss der konferzeit?

25 Wohin geht unsere konferfahrt?

26 Welches turmbauspiel ist bei den konfis besonders

beliebt?

27 Wie hieß unsere erste Jugendherberge auf sylt?

Senkrecht

2 Was sammeln wir hoffentlich 18 mal von unseren konfis

ein?

3 Welche familie hat uns oft auf unseren konferfahrten

begleitet?

4 An welchem sonntag werden unsere konfis konfirmiert?

5 Wie heißt die älteste konfirmandin unserer gemeinsamen

Zeit?

6 Was essen wir auf sylt bei gosch am

liebsten?

10 in welchem café auf sylt trinken wir am

liebsten kaffee?

11 Was machen die konfis jeden donners-

tag in der kirche, während manuel uns

am flügel begleitet?

13 Welche fahrradtour machen wir oft mit

unseren konfis in Wilmersdorf?

15 Wofür teilen wir auf der konferfahrt

schichtpläne ein?

16 Wie lautet der nachname unserer

drillings-konfis?

19 Was machen wir jeden morgen auf sylt?

20 Wie heißt das schiff, auf dem wir uns die

seehundbänke ansehen?

24 Was beten wir jeden donnerstag mit den

konfis vor dem unterricht in der kirche?

Das Geschenk

Es war ein „Geschenk“,

Das wurde vergessen

Man saß dicht gedrängt -

Noch vor m Weihnachtsessen! -

In Erwartung die Leute-

Mir ist‘s, als wärs heute!

Sie blickten sie an!

Und plötzlich begann

Es in ihr zu wühlen

Und Panik zu werden!

Sie saßen auf Stühlen-

„ ... Und Friede auf Erden...“-

Und auf Kirchenbänken! -

So schwer ist das Schenken

Mit nichts in den Händen!

„Wie soll das nur enden?

Wie halt ich die Predigt,

Ganz ohne den Text?

Ach, ich bin erledigt!

Es ist wie verhext!

Es wird immer später!

Ach, Peter! Da steht er

Im dichten Gedrängel!

Ach, käm nur ein Engel,

Den Text mir zu bringen!“-

Nun endet das Singen.

Sie steht auf der Kanzel,

Die Kirche ist ganz hell:

Nun muss sie sich zeigen,

Auf ihr ruh´n die Blicke,

Bricht zögernd das Schweigen

Und hält hoch das dicke

und leere Paket.

Und wie sie da steht,

da strömen die Worte

von selbst aus der Pforte

des Mundes hervor

und bilden ein Ganzes.

„... der Engelein Chor!..“

Inmitten des Glanzes

der festlichen Stunde

spricht sie in die Runde

Weißt du noch? Erinnerungen aus dem Gemeindeleben

Vielfältig sind die Aufgaben einer Pfarrerin in der Begleitung von Gruppen und Personen.

Annette Hanff und Gerda Thom erinnern sich

Liebe Katharina, erinnerst Du Dich an Deine

ersten Schritte in der Aue und an die Gefühle

beim Schreiben Deines Vorstellungstextes für

die Gemeindezeitung vor mehr als 21 Jahren?

Deine darin abgedruckte Vorstellung als „Neue“

in der Aue enthält, heute gelesen, keine Überraschungen

mehr.

An keinem anderen Ort und auf keiner

anderen Stelle bist Du so lange geblieben wie bei

uns in der Aue. Hier warst Du über 21 Jahre lang

vor Ort und zur Stelle – oft auch in Fällen, die

gar nicht zu Deinem Aufgabenbereich gehörten!

Unser Team von „KiGo-Frauen“ hast Du ermutigt

und gestärkt in der Zeit ohne Anbindung

an eine amtierende Pfarrperson (2007-2009).

Als Konfirmandenmutter hast du mir den

Rücken gestärkt, als meine Töchter sich als

Teenager beharkten und mir in beiden Konfirmationsgottesdiensten

die Möglichkeit gegeben,

Gott für genau diese Töchter vor der Gemeinde

zu danken.

Begleitet hast Du mich auch bei den Tauf-

gottesdiensten für meine beiden Enkel und mir

den Raum gegeben, für das Leben der Jungen

zwischen zwei Kontinenten um Gottes Hilfe zu

bitten.

Vor allem kann niemand ermessen, wie viel

Du von Dir selbst dafür in Einsatz gebracht hast.

Hier ist der passende Ort, Dir noch einmal so

recht von Herzen zu danken. Gottes Segen

begleite Dich im Ruhestand!

Annette Hanff

1001 Episoden aus der Gruppe „mittlere Generation“

gehen uns durch den Kopf. Die Fahrt

nach Dresden, bei der etlichen von uns Geld

und Papiere und Dir der wichtige Terminplaner

entwendet wurden.

Alle Jahre wieder... Lebkuchen backen, nach

Schnittmuster ein Knusperhaus fabrizieren, im

Pfarrhaus zusammen bauen und für den Basar

verpacken. Klaus baute zum Verkauf der Köstlichkeiten

ein großes Knusperhaus - auf dem

Basar der schönste Stand !!

beglückter Gesichterund

ringsum die Lichter!

Sie hält diese Predigt

Aus dem Handgelenk!

-Ob draußen wohl Schnee liegt?-

Sie spricht vom Geschenk:

Ihr war gar nicht klar,

Dass sie selbst eines war! –

Christine und Uwe Seeberger

Wir haben aber auch gelernt und gearbeitet:

Große Frauen der Bibel, Herr Beck - gut fundierte

Musikgeschichte, Kochen bei und mit

jüdischen Migranten. Schon 1991 war Martin

Luthers Antijudaismus unser Thema.

Bereichernd waren Deine Einladungen

interessanter Gäste: der Bonhoeffer Biograph

Eberhard Bethge, Peter von der Osten-Sacken,

Prof. Marquardt und Peter (Katharina:“ mein

bester ehrenamtlicher Mitarbeiter“) referierten

über die Barmer Theologische Erklärung, den

Psalter und die Architektur des neuen jüdischen

Museums.

Die Gruppe als solche besteht nicht mehr,

aber die schöne Zeit mit Dir wirkt nach. Wir

danken Dir für die uns bereichernden Stunden

und Jahre und wünschen Dir für den wohlverdienten

„Unruhestand“ sehr viel Gutes.

Gerda Thom und

„mittlere Generation“ / “Aue 119“


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Auenlied und Auensiegel

Es lohnt an diesem Tag, einmal über das Wort

„Siegel“ nachzudenken. Es gibt Qualitätssiegel,

Umweltsiegel, Amtssiegel und vieles mehr.

Was wird nicht alles besiegelt oder versiegelt?

Immer steht ein Amt oder eine Macht dahinter,

im weltlichen wie im religiösen Sinn. Und manchmal

vermischt sich auch bei des. Ein Siegel steht

für Gültigkeit, Verlässlichkeit und Hoffnung. Die

Propheten des Alten Testaments benutzten das

Wort auch als Bildersprache. Aus der Offenbarung

stammt der Ausspruch „ein Buch mit sieben

Siegeln“. - Es wird und wurde aber auch versiegelt,

z. B. die Löwengrube, in die man Daniel warf -

oder das Grab Jesu, das Pilatus versiegeln ließ.

Und der Apostel Paulus sagt, dass wir Christen

mit dem Heiligen Geist versiegelt sind. Jede Gemeinde

hat ein kirchliches Amtssiegel. Das Siegel

der Au enkirche ist besonders schön.

Vor einigen Wochen kam nach dem Gottesdienst

eine Konfirmandin zu mir und fragte, ob

Die Liebe zum Sonntag

Lieber Sonntag,

wir kennen uns jetzt schon so lange. Ein

ganzes Leben. Du hast all die Veränderungen

mit gemacht.

Wie schwierig du für uns als Kinder warst!

Manchmal nahm uns Opa mit in den Gottesdienst,

und auch, wenn wir nichts verstanden,

waren die Gesänge doch geheimnisvoll schön.

Dann wurden wir Teenager. Das machte unser

Miteinander nicht leichter. Jetzt wurden die

Kirchgänge zur Pflicht. Uns morgens um neun

aus dem Bett zu quälen, schien pure Folter. Wir

flüsterten und kicherten in den vorderen Kirchenbänken

und ernteten des Pfarrers zornfun-

sie noch das Auenlied aufsagen dürfe. Ich war

etwas irritiert, und zur Erklärung sagte sie: „Na,

das mit dem Schaf!“ - „Ach so, den 23. Psalm!“

erwiderte ich. - Ja, das mit dem Schaf, das ist

unser Amtssiegel.

Liebe Frau Plehn-Martins, was schätzen Sie,

wie viele Male haben Sie in Ihrer Dienst zeit hier

an der Aue etwas mit Unterschrift besiegelt, z.B.

Taufscheine, Trauscheine, Konfirmationsurkunden

usw.? Wahrscheinlich haben Sie nie nachgezählt.

Doch mit jedem Auensiegelzeichen wurde

ein Stück Gültigkeit, Verlässlichkeit und Zuversicht

weitergegeben, nämlich das „Auenlied“, der

23. Psalm: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird

nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen

Aue und führet mich zum frischen Wasser.“ Dass

die Konfirmanden es auch heute noch aus wendig

lernen ist sehr wichtig.

Ich möchte das mit einem Erlebnis in der

Offenen Kirche bekräftigen. Eine ältere Frau kam

kelnde Blicke. Aber wir erhielten ein Sternchen

für Anwesenheit, und die Konfirmation war

wieder ein Stück näher gerückt.

Dann kam die Studienzeit und die Dinge

entspannten sich. Nun probierten wir all das,

was wir noch vor kurzem empört als spießig abgetan

hätten: Wir luden sonntags Freunde zum

Frühstück ein. Wir bestückten Spaziergänge mit

Picknickkörben. Wir kochten Mittagessen, wenn

auch nur Nudelauflauf. Und wir entdeckten, dass

es Gottesdienste auch zu angenehmeren Zeiten

gab, zum Beispiel abends! Und versammelten

uns danach in irgendeiner WG vor dem Fernseher,

um den „Tatort“ zu zelebrieren.

Abschiedsgruß mit lollipop

„lollipop - lollipop - schenk mir einen lollipop

oder einen bonbon bon-bon-bon…“

Wer kennt den ohrwurm für die ganz kleinen

im kindergarten? „keine frage“, so

friederike fischer, musikpädagogin und

engagierte elternvertreterin in der Auengemeinde.

nur, heute tanzen die AuenschÜler

nun mal den hit der großen…

„lollipop- lollipop- oh lolli, lolli, lollipop

mit … i call him lollipop - he loves to kiss

me… „. „damit wünschen wir“, so schülerin

pauline, „ pfarrerin katharina plehn-martins

herein und sagte: „Ick hab mit der Kirche sonst

nüscht am Hut, aber ick finde dett schön, dat se

uff is. Ick vasteh da nich viel von, aber eent hab ick

behalten, det hab ick immer uffjesacht, wenn ett

mir dreckig jing im Lebn.“ - Und dann kam der

ganze 23. Psalm.

Liebe Frau Plehn-Martins, der Kreis

Offene Kirche bedankt sich für die Zeit der Zusammenarbeit

und für die vielen gemeinsamen

Erlebnisse. Vielleicht haben Sie auf Ihrem

Schreibtisch noch ein Plätzchen frei für ein Erinnerungsstück.

Es sind die Sie gel von der alten und

der neuen Kirche an der grünen Aue. Das Gemeindesiegel

möge Sie an die gute und lange Zeit

bei uns erinnern. Und das Siegel der alten Dorfkirche

von Wilmersdorf soll darauf hinweisen,

dass Sie sich eingereiht haben in die lange Kette

der Pfarrerinnen und Pfarrer, die das kirchliche

Leben in Wilmersdorf mitgeprägt haben.

Wally Deppe.

Lieber Sonntag, das war der zarte Beginn

unserer Liebe zu dir. Als dann das Arbeitsleben

begann, erkannten wir, dass du eine Oase bist.

Die Freiheit der hundert Möglichkeiten. Seitdem

brauchen wir dich! Den einen Tag in der

Woche, an dem wir tun dürfen, was uns gut tut,

was schön ist – und nichts, was sein muss. Wir

bringen unsere Seelen ins Lot. Wir lieben den

Sonntag und du, Katharina, gehörst dazu! Deine

Gottesdienste in der Aue haben unsere Liebe

zum Sonntag zum Blühen gebracht! Danke!

Monika Bress

zum Abschied alles, alles liebe und vor

allem lebensfreude“ und „daß sie unserer

gemeinde verbunden bleibt“, ergänzt

gina. danke katharina für die wohlwollende

begleitung unseres hortes in der gemeinde

im namen aller schüler und der

engagierten eltern.

p.s. „Übrigens“, so tänzerin lara, „weiß

katharina, daß nach Wikipedia auf der insel

malta lollipops schülerlotsen genannt

werden“? na dann!

bernd kapschitzki / die AuenschÜler

1

2

A u e n - b l i c k e | 1 1

1 So kennen wir sie – immer das Ganze im Blick.

2 Den Menschen zugewandt: Im Gespräch nach

dem Gottesdienst ...

3 ... mit den Konfirmanden des Jahres 2012

4 ... bei einer Trauung mit Taufe im Jahr 2011

5... und auch die Kinder lässt sie zu sich

kommen!

6 Immer konzentriert bei der Sache ...

7 aber auch gesellig, wie auf der Gemeindereise

2008.

8 Und nicht zuletzt vielseitig: Schauspieltalent

hat sie auch, hier im Stück „Jim Knopf“ bei der

Verabschiedung von Monika Breß 2011.

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8

3


1 2 |

Evangelische Auen-Kirchengemeinde

Wilmersdorf

WilhelmsAue 118A, 10715 berlin | fon 030 / 40 50 45 34-0 | WWW.Auenkirche.de

Impressum

Diese Sonderausgabe der Auen-Zeitung

erscheint einmalig anlässlich der Verabschiedung

von Pfarrerin

Katharina Plehn-Martins.

Redaktion:

Karlheinz Dalheimer, Christoph Deindörfer,

Christoph Doering, Marlies Häner,

Klaus Hammer, Dr. Christian Nottmeier

Stefan Sparberg

(nur für diese Sonderausgabe)

redaktion@auen-zeitung.de

V.i.S.d.P.: Pfr. Dr. Christian Nottmeier

Gestaltung: Christoph Doering

Anzeigen und Vertrieb:

Karlheinz Dalheimer, Klaus Hammer

Druck: AZ Druck und Datentechnik, 12487

Berlin

Wir danken den Autorinnen und

Autoren und allen, die uns Fotos für diese

Ausgabe zur Verfügung gestellt haben,

sehr herzlich.

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