Die Gruppe als Container - School-Scout

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Die Gruppe als Container - School-Scout

Mathias Hirsch (Hg.)

Die Gruppe als Container

Mentalisierung und Symbolisierung in der

analytischen Gruppenpsychotherapie

Vandenhoeck & Ruprecht


Mathias Hirsch (Hg.)

Die Gruppe als Container

Mentalisierung und Symbolisierung

in der analytischen Gruppenpsychotherapie

2. Auflage

Vandenhoeck & Ruprecht


Mit einer Abbildung

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im

Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-525-49132-4

© 2010, 2008, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

Internet: www.v-r.de

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Dies gilt auch bei einer entsprechenden Nutzung für Lehr- und Unterrichtszwecke.

Printed in Germany.

Satz: Daniela Weiland, Göttingen

Druck und Bindung: l

Hubert & Co, Göttingen

Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier.


Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Mathias Hirsch

Einleitung: Mentalisierung und Symbolisierung . . . . . . . . . 9

Paula Teresa Carvalho

Die Container-Funktion der Gruppenanalyse. Wie kann

ich dich lieben, wenn ich nicht wütend auf dich sein kann? 25

Mathias Hirsch

Mentalisierung und Symbolisierung in der analytischen

Gruppenpsychotherapie traumatisierter Patienten . . . . . . . 34

Peter Potthoff

Mentalisierung und gruppenanalytische

Behandlungstechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86

Angelika Staehle

Sehen und Gesehen-Werden – Verstanden-Werden

und lernen, sich selbst und andere zu verstehen.

Die besonderen Möglichkeiten der psychoanalytischen

Gruppenpsychotherapie für Symbolisierungs- und

Mentalisierungsprozesse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117

Thomas Bolm

Mentalization-Based Treatment (MBT) in der stationären

und ambulanten Gruppenpsychotherapie . . . . . . . . . . . . . . 144


6 Inhalt

Fernanda Pedrina

Konflikte der frühen Elternschaft –

Verarbeitungsprozesse in einer Mutter-Säugling-Gruppe 168

Sabine Trautmann-Voigt und Bernd Voigt

Gruppenpsychotherapie im Rhythmisch-Dynamischen

Handlungsdialog. Mentalisierung im Spiegel

der Bewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 193

Mathias Hirsch

Marthas Gruppenanalyse – das erste Jahr . . . . . . . . . . . . . . 233

Die Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 266


Vorwort

Seit über einem halben Jahrhundert wird die Psychoanalyse auf

kleine Gruppen, insbesondere therapeutische Gruppen, angewendet.

An diesem Ort ist sie immer interaktionell und intersubjektiv

gewesen, Begriffe wie Übertragung und Gegenübertragung

haben hier nur eine eingeschränkte Gültigkeit. So liegt

es nahe, neue Vorstellungen von psychischen Reifungsprozessen

der Mentalisierung und Symbolisierung, die sich in Beziehungen

entwickeln und bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen defizitär

oder anders gestört sind, auf die gruppenanalytische

Situa tion zu beziehen. Dabei – und auch während der Vorbereitung

dieses Buches – stellt sich heraus, dass es sehr schwer

ist, komplexe interpersonelle Prozesse und Entwicklungen in

der Gruppe und die Entwicklung der Gruppe als ganze zu dokumentieren

und dazu überzeugende Illustrationen der theoretischen

Vorstellungen aufzubereiten. Die beitragenden Autoren

haben sich dieser Aufgabe aber gestellt, und das Ergebnis ist die

vielfältige Darstellung von Gruppenfaktoren, die Denken und

Fühlen des Patienten verändern. In den Darstellungen der Mentalisierungs-

und Symbolisierungstheorien durch die verschiedenen

Autoren des Bandes finden sich Überschneidungen, die

aber belassen wurden, da ähnliche Gedanken aus verschiedenen

Blickwinkeln gesehen und in unterschiedliche Zusammenhänge

gestellt doch immer neue Anregungen für das Denken des Lesers

bieten können.

Nach einer Einführung in die neueren Mentalisierungs- und

Symbolisierungsvorstellungen, die wir besonders Fonagy und

sei nen Mitarbeitern verdanken, folgen vier Beiträge aus der

psy choanalytischen Gruppenpsychotherapie, die alle einen ver -

schiedenen Charakter haben und sich einander ergänzen. Paula

Teresa Carvalhos Beitrag stimmt auf das Thema in fast erzäh-


8 Vorwort

lerischer Weise ein, mein Beitrag und die Beiträge von Peter

Potthoff und Angelika Staehle bearbeiten es vom psychoanalytischen

Standpunkt aus. Fernanda Pedrina berichtet über die

frappierenden Veränderungen der Mentalisierungskapazität post-

partal depressiver Mütter, die voneinander und von ihren Babys

in der Gruppe lernen; Sabine Trautmann-Voigt und Bernd Voigt

schildern die Förderung von Mentalisierungs- und Symbolisierungsfähigkeiten

durch die Verwendung von Körperarbeit

und von verschiedenen Medien in der Gruppe; Thomas Bolm

schreibt über das Mentalization-based Treatment, das Bateman

und Fonagy entwickelt haben. Ein ausführliches Beispiel aus

meiner gruppenanalytischen Praxis schließt den Band ab.

Meiner Frau, Marga Löwer-Hirsch, danke ich für das kritische

Lesen meiner Beiträge und ihre Anregungen, besonders auch

zum Fallbeispiel »Martha«. Ich danke wieder Bianca Grüger für

die bewährte und zuverlässige Zusammenarbeit, in der sie die

Texte und ihre Veränderungen in den Computer geschrieben

hat, und dem Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, der das Buchprojekt

übernommen und von Anfang an unterstützt hat.

Mathias Hirsch


Mathias Hirsch

Einleitung: Mentalisierung und Symbolisierung

»Real change can come about only

through the ›metabolization‹ of the self as real self

and the other as real other.«

(Pines 1990, S. 34)

Psychoanalytische Theorie war lange Jahrzehnte bestimmt von

der Vorstellung, das Wesen psychischer Entwicklung und ihrer

Störung liege im Individuum, das zentrale Problem sei der Konflikt

seiner Triebe mit der sozialen Umwelt. In der psychoanalytischen

Therapie stand so die Übertragung im Mittelpunkt; die

Gegenübertragung enthielt zwar auch Anteile des Analytikers,

die sorgfältig von der Reaktion auf den Patienten in der Gegenübertragung

getrennt werden sollten. Weit davon entfernt,

die therapeutische Beziehung als intersubjektiv zu verstehen,

hat die Psychoanalyse aber doch immer die analytische Gruppenpsychotherapie

sozusagen geduldet und dabei anscheinend

übersehen, dass die Beziehungen der Gruppenmitglieder untereinander

stets solche zwischen Gleichberechtigten sind; Begriffe

wie Übertragung und Gegenübertragung wirken sinnlos.

Psychoanalyse in Gruppen musste also schon immer in ihrem

Wesen intersubjektiv sein.

Psychoanalytisches Denken ist in den letzten Jahren in wirklich

revolutionärer Weise in Richtung einer insofern sozialen

Wissenschaft verändert worden, als nun weit überwiegend gesehen

werden kann, dass die psychische Entwicklung des Menschen

nur in Beziehungen verläuft. Die Qualität der Beziehung

zwischen den Erwachsenen und dem heranwachsenden Kind

nimmt entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Charakters,

der Persönlichkeit und damit auch auf das Entstehen

ihrer Störungen, als deren Ursachen nun unter Umständen extreme

Mängel an emotionaler Zuwendung und zum Teil massive

traumatisierende Übergriffe gesehen werden müssen. Diese

Entwicklung hat meines Erachtens zwei Wurzeln: zum einen die

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