THW - Jahresbericht 2002

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THW - Jahresbericht 2002

Jahresbericht 2002

Technisches

Hilfswerk


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Inhalt

Inhalt

Vorwort

THW – Die moderne Einsatzorganisation des Bundes >

Die Flut an Donau und Elbe

Hochwasserprogramm

Flugzeugkollision am Bodensee

Sturmtief Jeanett

THW im Alltag

International >

THW – humanitärer Botschafter im Ausland

Bostalsee fest in der Hand des THW

Junge Erfolgsgeschichte

THW im Rampenlicht >

Der Schutz der Bevölkerung geht uns alle an

THW finanziell

THW flächendeckend

Moderne Verwaltung

Hinter fast jedem Helfer steht ein Arbeitgeber

Fordern Sie uns - >

die Spezialisten des Technischen Hilfswerks

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Eine Erfolgsbilanz

< Bundesweit

3,3 Millionen Stunden im Einsatz

EU-Mechanismus

Spanien

Afghanistan

THW in Afrika

Wiederaufbau auf dem Balkan

< Das junge THW

THW im Netz

Politiker lernen Technik –

Bundestagspräsident krempelte die Ärmel auf

< Auf dem Weg in die Zukunft

Die Allrounder

Die Spezialisten

Die Wasserretter

Die Stromversorger

Die Erdbebenexperten

Die Spürnasen

Die Pumpenprofis

Die „Waterpeople”

Die Brückenbauer

Die Ölbekämpfer

Die Führungsspezialisten

Die Versorger


Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Jahr 2002 war selbst für das krisenbewährte THW ein außergewöhnliches

Jahr. Der Kampf gegen die Flut und ihre Folgen an Donau und Elbe forderte das

THW zum größten Einsatz seiner mehr als 50-jährigen Geschichte heraus. Ich

habe mich vor Ort wiederholt von der ausgezeichneten Leistungsfähigkeit und

dem unermüdlichen Einsatzwillen überzeugen können. Allen Fluthelferinnen und

-helfern gilt mein besonderer Dank. Sie haben den betroffenen Mitbürgerinnen

und Mitbürgern über die konkrete Hilfeleistung hinaus in ihrer Not auch Halt und

Zuversicht gegeben.

Das THW hat im vergangenen Jahr seine Auslandseinsätze verstärkt. Beispielhaft

genannt seien die Unterstützung des Wiederaufbaus in Afghanistan sowie die Bekämpfung

der Ölkatastrophe an der spanischen Atlantikküste. Die vielen Hilfsanfragen

aus dem Ausland sind Ausdruck der internationalen Wertschätzung für

die vorbildliche technische und menschliche Kompetenz des THW. Im europäischen

System des Katastrophenschutzes spielt das THW eine wichtige Rolle.

Um die Leistungsfähigkeit des Technischen Hilfswerkes für die Zukunft zu sichern

und weiter auszubauen, hat die Bundesregierung seine Finanzausstattung erheblich

erhöht. Im vergangenen Jahr wurde der Etat von zuvor rund 107,5 Millionen

Euro um insgesamt 26,9 Millionen Euro – also 25 % – aufgestockt. Im Haushalt

des laufenden Jahres sind wiederum rund 131 Millionen Euro vorgesehen. Diese

trotz angespannter Haushaltslage deutliche Verbesserung gegenüber früheren

Jahren unterstreicht das Vertrauen der Bundesregierung in die Kompetenz und

Effizienz des THW. Ich werde mich weiterhin für eine den wachsenden Anforderungen

entsprechende finanzielle und personelle Ausstattung einsetzen.

Das THW ist für die innere Sicherheitsarchitektur Deutschlands unverzichtbar und

wird die Weiterentwicklung des Zivil- und Katastrophenschutzes erfolgreich mitgestalten.

Zugleich beweisen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

dass Gemeinschaftswerte wie Verantwortung und Solidarität in unserer Gesellschaft

lebendig sind und Zukunft haben.

Ein besonderes Lob gilt dem THW für seine engagierte Jugendarbeit; sie ist die

Voraussetzung dafür, auch morgen tatkräftig helfen zu können.

Ich danke allen Angehörigen des Technischen Hilfswerkes, den hauptamtlichen

und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, für ihren großartigen Einsatz.

Darüber hinaus gilt mein Dank den Arbeitgebern und den Familien, die immer

wieder dazu beitragen, die Hilfe von Bürgern für Bürger möglich zu machen.

Otto Schily, Bundesminister des Innern

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THW

Die moderne Einsatzorganisation des Bundes:

Eine Erfolgsbilanz

2002 war für das Technische

Hilfswerk ein bewegtes Jahr.

Nach 23 Jahren Tätigkeit im

und für das THW, davon 15

Jahre an seiner Spitze, übergab

Gerd-Jürgen Henkel im Februar

2002 die Leitung des Technischen

Hilfswerks an seinen

Nachfolger Dr. Georg Thiel. Kurz

nach Amtseinführung des Präsidenten

forderte das Jahrhunderthochwasser

das THW mit all

seinen Spezialisten und Fachgruppen.

Es sollte der größte

Einsatz in der Geschichte des

Technischen Hilfswerks werden.


Das THW ist eine der tragenden Säulen des

Zivil- und Katastrophenschutzes in Deutschland

und ein unverzichtbarer Bestandteil in

der örtlichen Gefahrenabwehr. Als Bundesanstalt

im Geschäftsbereich des Bundesministers

des Innern leistet das THW im Inund

Ausland technische Hilfe im Auftrag der

Bundesregierung, im Zivilschutz und bei der

Bekämpfung von Katastrophen, öffentlichen

Notständen und Unglücksfällen größeren

Ausmaßes auf Anforderung der für die

Gefahrenabwehr zuständigen Stellen. Dabei

gewährleistet die enge Verzahnung mit der

Feuerwehr, anderen Hilfsorganisationen sowie

Polizei, Bundeswehr und Bundesgrenzschutz

den maximalen Schutz der Bürgerinnen

und Bürger.

Die Naturkatastrophen und die Bedrohung

durch den internationalen Terrorismus haben

deutlich gemacht, wie wichtig der Bevölkerungsschutz

ist. „Wir müssen die eigene

Leistungsfähigkeit ständig verbessern durch

eine umsichtige Optimierung der Einsatzpotenziale

und Weiterentwicklung der Strukturen

sowie der Aus- und Weiterbildung“,

erläutert seitens des Technischen Hilfswerks

dessen Präsident die Ziele für die Zukunft.

Im Inland und auch an zahlreichen Einsatzorten

im Ausland sind THW-Angehörige

immer wieder im Einsatz zum Wohl und

Schutz der Mitmenschen.

Immer mehr Einsatzkräfte beim THW

78.000

73.000

68.000

63.000

58.000

53.000

48.000

43.000

38.000

69.151

2000 2001 2002

Das THW verfügt dank stetiger und erfreulicher Aufwärtsentwicklung derzeit über

74.654 Helferinnen und Helfer.

Altersstruktur der Einsatzkräfte

72.268

74.654

30.000

25.000

20.000

15.000

10.000

5.000

0

bis 17 Jahre 18-25 Jahre 26-35 Jahre 36-45 Jahre 46-55 Jahre + 55 Jahre

Die meisten aktiven Helferinnen und Helfer sind zwischen 18 und 35 Jahre alt.

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Führung/Kommunikation 1%

Straßenverkehrsunfälle, -störungen 2%

Amtshilfe 3%

Unwetterschäden 12%

festgestellter Katastrophenfall 32%

Bundesweit

3,3 Millionen Stunden im Einsatz

Bei Großschadensereignissen wie den Überschwemmungen an Donau und Elbe, Stürmen in Berlin

und in Nordrhein-Westfalen oder der Flugzeugkollision über dem Bodensee war die Hilfe der Ehrenamtlichen

ebenso unverzichtbar, wie bei der örtlichen Gefahrenabwehr. Das Einsatzspektrum reichte

vom Freiräumen von Straßen und Schienen nach Unwettern bis hin zur Suche nach Vermissten,

Ausleuchtung von Unfallstellen und Lawinensprengung – um nur einige Beispiele zu nennen. Wassergefahren

und festgestellte Katastrophenfälle waren 2002 die vorwiegenden Ursachen für Einsätze des THW.

Einsatzspektrum des THW

7% Sonstiges

43% Wassergefahren,

Überflutungen

Zu fast 19.000 Einsätzen wurden die Spezialisten des THW bundesweit gerufen. Der größte Einsatz

war die Flutkatastrophe im August 2002, bei der ca. 24.000 THW-Helferinnen und Helfer im Einsatz

waren, um der Bevölkerung zu Hilfe zu kommen und größere Schäden zu verhindern. Sämtliche

Fachgruppen von der Elektroversorgung bis hin zum Brückenbau waren gefordert.


Über drei Millionen Einsatzstunden leisteten im Jahre 2002 die

THW-Ehrenamtlichen allein in der Bundesrepublik.

Entwicklung der Einsatzstunden

3.500.000 Std.

3.000.000 Std.

2.500.000 Std.

2.000.000 Std.

1.500.000 Std.

1.000.000 Std.

500.000 Std.

0 Std.

1997 1998 1999 2000 2001 2002

Unmittelbar nach Beseitigung der schlimmsten Schäden wurden die Einsätze gemeinsam mit den

Feuerwehren und allen übrigen Beteiligten unter Federführung des THW analysiert. Der daraufhin

erstellte Bericht zeigt sowohl die Leistungen als auch Verbesserungsnotwendigkeiten während des

Hochwassereinsatzes auf. Es wurden Vorschläge erarbeitet, um die Effizienz bei künftigen Einsätzen

noch weiter zu steigern.

Diese Analyse und der Anspruch, die eigene Leistungsfähigkeit ständig weiterzuentwickeln und zu

optimieren, ist der richtige Weg für eine moderne Zivil- und Katastrophenschutzbehörde.

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Die Flut

an Donau und Elbe

größter Einsatz in der

Geschichte des THW

Die Flutkatastrophe im August forderte große Opfer: Menschen

verloren ihr Leben, Straßen wurden überschwemmt und zerstört,

ganze Häuser weggerissen, Bahngleise unter- und überspült,

Tiere ertranken, die Ernte wurde in einigen Landstrichen vernichtet.

Das Wasser hinterließ in den Katastrophengebieten ein Bild

der Zerstörung.

Anfang August meldeten Bayern und Baden-

Württemberg „Land unter“ – in den ersten Regionen

wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Zu diesem

Zeitpunkt ahnte noch keiner, dass die starken

Regenfälle von Tief „Ilse“ bundesweit und

auch in den Nachbarländern zu der schlimmsten

Flutkatastrophe seit Jahrzehnten führen würden.

Die Donau hatte ihren Scheitelpunkt noch nicht

erreicht, da schwollen Elbe und Mulde an. Die

Schlechtwetterfront wanderte parallel zur Hochwasserwelle

stromabwärts, die starken Regenfälle

verstärkten die Flut, die mit einer Geschwindigkeit

von 5 bis 6 Stundenkilometern von Böhmen

Richtung Sachsen floss.


Fieberhaft bereiteten sich die Einsatzkräfte auf

die Wassermassen vor, verstärkten eilig Deiche

mit Sandsäcken und verbarrikadierten Häuser.

Doch die Flut bahnte sich unaufhaltsam ihren

Weg. Im Dresdner Hauptbahnhof standen Züge

zur Abfahrt bereit, als die Hochwasserwelle die

Stadt erreichte. Der Pegel zeigte am 17. August

in Dresden den historischen Höchststand von

9,40 Metern an.

Viele Bewohner waren in ihren Häusern eingeschlossen

und mussten mit Rettungsbooten und

Amphibienfahrzeugen evakuiert werden. Das THW

war mit all seinen Fachgruppen im Katastrophengebiet,

um Hand in Hand mit Feuerwehr, Polizei,

Bundesgrenzschutz, der Bundeswehr und den

Hilfsorganisationen schlimmere Schäden zu vermeiden.

Als die Sandsäcke knapp wurden, richteten

das THW und die Berufsfeuerwehr Nürnberg

gemeinsam eine Sandsackkoordinierungsstelle ein.

Es wurden knapp 40 Millionen Sandsäcke beschafft

und 32,5 Millionen an Bedarfsträger ausgeliefert,

hinzu kamen 394.000 m 2 Deichvlies. Um das

Material ins Katastrophengebiet zu bringen, organisierte

und disponierte die Koordinierungsstelle noch

8.000 Tonnen Transportkapazität unter anderem in

Bundeswehrhubschraubern und LKW.

Der Fluteinsatz dauerte insgesamt sechs

Wochen, im September waren Einheiten des

THW noch damit beschäftigt, das Weltkulturerbe

„Wörlitzer Park“ vor einer drohenden Kontaminierung

durch das verschmutzte Hochwasser

zu retten.

Die Flut in Zahlen

Bundesweit 3,3 Millionen Stunden im Einsatz

> über einen Monat lang hielten Donau, Elbe, Mulde und mehrere

Nebenflüsse fünf Bundesländer in Atem (BB, BY, NI, SN, TH)

> 20 Menschen starben in den Fluten

> über 100.000 Personen wurden evakuiert

> mehr als 4 Millionen Menschen in über 50 Landkreisen und kreisfreien

Städten waren direkt vom Hochwasser betroffen

> 740 km Straßen, mindestens 180 Brücken, über 400 km Gleise und 94

Eisenbahnbrücken wurden zerstört oder beschädigt

> 128.000 Hilfskräfte waren im Einsatz, allein 24.000 THW-Helferinnen

und Helfer aus nahezu allen Ortsverbänden

> rund 33 Millionen Sandsäcke wurden verbaut (aneinandergereiht

könnten sie den Nord- mit dem Südpol verbinden)

> THW-Pumpleistung: mehr als 2,5 Millionen Liter pro Minute

> THW-Stromleistung: bis zu 20.000 Kilowatt (entspricht dem Bedarf

einer Stadt mit 40.000 Einwohnern)

> die Schäden betragen insgesamt rund 9,2 Milliarden Euro (vorläufige

Schätzung)

Quellen: BPA, DeStatis, THW

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10 Bundesweit 3,3 Millionen Stunden im Einsatz

Hochwasserprogramm

Konsequente Erfahrungsauswertung legt Verbesserungspotenziale frei. Schon kurz nach

dem Einsatz wurden gezielt Verbesserungsmöglichkeiten auf den Gebieten Führung und

Kommunikation, Ausstattung, Ausbildung sowie nationaler und internationaler Zusammenarbeit

in einem so genannten „THW-Hochwasserprogramm“ aufgezeigt. Das Programm sieht

Investitionen in Millionenhöhe vor, die innerhalb der nächsten Jahre getätigt werden sollen.

Zehn Millionen Euro wurden bereits im Haushalt 2003 bereitgestellt. Von dem Geld beschafft

das THW in einem ersten Schritt neue Führungs- und Kommunikationskraftwagen, Arbeitsboote

und Hochleistungspumpen.

Verbesserte

Führungsstrukturen

Modernisierung

der Ausstattung

Zusammenarbeit

der Hilfsorganisationen

Eine gezielte Stärkung des Bereiches Führung und Kommunikation ist notwendig, um den künftigen

Einsatzanforderungen noch besser gerecht zu werden. Dies wird durch verstärkte Ausbildungsmaßnahmen

und eine Modernisierung der Kommunikationstechnik für den Bereich „Führung“ erreicht

werden.

Geschulte Fachkräfte allein reichen nicht aus; zur optimalen Bekämpfung von Hochwasserschäden

ist eine ständige Modernisierung der Ausstattung der Einheiten notwendig. Hierzu werden aus den

zusätzlich vom Bund bereit gestellten Mitteln des Hochwasserprogramms weitere Fahrzeuge, Boote

und Beleuchtungsmittel beschafft sowie Stromerzeuger und Pumpen für bisher beim THW nicht

abgedeckte Leistungsbereiche.

Die schon erwähnte hervorragende Zusammenarbeit zwischen Berufsfeuerwehr Nürnberg und THW

im Rahmen der Sandsackkoordinierungsstelle hat beispielhaft gezeigt, wie wichtig und notwendig die

Zusammenarbeit aller an der Gefahrenabwehr beteiligten Behörden und Organisationen ist. Diese

Vernetzung muss auf nationaler sowie internationaler Ebene noch weiter ausgebaut und optimiert werden

– zum Beispiel durch Entwicklung gemeinsamer Verfahren sowie abgestimmte Ausbildungen und

gemeinsame Großübungen. Die Einführung eines einheitlichen Melde- und Kommunikationssystems

ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem integrierten und auch grenzüberschreitend einsetzbaren

Hilfeleistungssystem, denn Überschwemmungen machen nicht an Landesgrenzen halt.


Flugzeugkollision

am Bodensee

Im Juli 2002 kollidierten im Luftraum über dem Bodensee eine

russische Passagiermaschine und ein Frachtflugzeug. 71

Menschen, die meisten von ihnen Kinder, starben. Die Trümmer

waren in einem Umkreis von 30 Kilometern verstreut.

Keiner der eingesetzten THW-Kräfte wird die

Nacht zum 2. Juli 2002 vergessen, als die Rettungsleitstelle

Verstärkung anforderte. Oberste

Priorität hatte die von der Feuerwehr koordinierte

Suche nach Verletzten und Trümmerteilen.

Die wattstarken Lichtmasten des THW leuchteten

die Absturzstelle und zahlreiche Trümmerfundstellen

aus und erleichterten den Hilfskräften

die Suche nach Überlebenden – letztlich

vergeblich.

Das THW öffnete mit schwerem Schneidegerät

den zerstörten Rumpf der Tupolev und ermöglichte

den Zugang zum Cockpit und die Bergung

der Toten.

Zusammen mit den Mitarbeitern vom Erkennungsdienst

des Bundeskriminalamtes, Gerichtsmedizinern

und der Berufsfeuerwehr wurden die

Trümmer mit Rettungsscheren und Trennschleifern

zerlegt und zur Untersuchung der

Absturzursache nach Friedrichshafen gebracht.

Bundesweit 3,3 Millionen Stunden im Einsatz

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12 Bundesweit 3,3 Millionen Stunden im Einsatz

Sturmtief

Jeanett

Bereits kurz nach der Hochwasserkatastrophe wurden die

Helferinnen und Helfer wieder in einen Großeinsatz gerufen.

Sturmtief „Jeanett“ fegte mit bis zu 150 Kilometern

pro Stunde über Nordrhein-Westfalen, knickte Bäume

um, riss Hausdächer ab und hinterließ eine Spur

der Verwüstung. Mehrere Menschen starben, zahlreiche

wurden verletzt.

Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei waren pausenlos

im Einsatz und forderten immer wieder die

Spezialisten und die Ausstattung des Technischen

Hilfswerks zur Unterstützung an.

Die über 2.000 Helferinnen und Helfer hatten sich

nach der Unwetterwarnung schon auf den Einsatz

vorbereitet und waren schnell vor Ort, um umgestürzte

Bäume zu entfernen, Baugerüste zu sichern

und Schienen frei zuräumen.

Die gute Zusammenarbeit hat erneut gezeigt, dass

das THW ein verlässlicher und kompetenter Partner

in der örtlichen Gefahrenabwehr ist.


Weitere Großeinsätze wie die Sturmböen in Berlin im Juni 2002

und das Hochwasser am Rhein im Dezember forderten die

Ehrenamtlichen des THW.

Hinzu kommt der ganz normale „Alltag“ im THW,

die Hilfeleistung im Rahmen der örtlichen Gefahrenabwehr.

Fast täglich sind irgendwo in Deutschland

THW-Helferinnen und Helfer unterwegs, um

zum Beispiel Unfallstellen auf der Autobahn abzusichern

und schwerere Fahrzeuge mit Spezialgeräten

zu bergen, entgleiste Züge wieder auf die Schienen

zu bringen, um bei der Suche nach Vermissten zu

helfen, Schneefelder zu sprengen, nach Explosionen

Häuser abzustützen oder in den Trümmern

nach möglichen Opfern zu suchen – das Aufgabenund

Leistungsspektrum des THW ist umfangreich

und mit ihrer Erfahrung und ihrem Erfindungsreichtum

meistern die Helferinnen und Helfer auch die

schwierigsten Lagen.

Bundesweit 3,3 Millionen Stunden im Einsatz

THW im Alltag

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International

THW – humanitärer Botschafter im Ausland

Im Rahmen des EU-Gemeinschaftsverfahrens

hat sich das THW im Jahr 2002 intensiv an der

Ausgestaltung der Ausbildungs- und Einsatzgrundlagen

in Brüssel beteiligt und wird 2003

erste Lehrgänge an der Bundesschule Neuhausen

durchführen.

Darüber hinaus ist das THW in das humanitäre

Netzwerk der Vereinten Nationen eingebunden.

Im Jahr 2002 wurde u.a. eine Ausbildungsmaßnahme

für das Flüchtlingswerk der UN

(UNHCR) durchgeführt. 40 UNHCR-Mitarbeiter

wurden für den Ernstfall vorbereitet. In einem

Waldgebiet nahe der THW-Bundesschule Neuhausen

stellten die Ausbilder dabei ein Krisenszenario

und den Überfall auf einen Hilfskonvoi

nach. Die Teilnehmer lernten, in kritischen Situationen

Ruhe zu bewahren und besonnen zu agieren.

In 2002 waren an 60 Standorten in 22 Ländern

bzw. Regionen in aller Welt die Spezialisten des

THW rund um die Uhr im Einsatz, um den

Menschen im Auftrag der Regierungen der

Bundesrepublik und der Niederlande, der Vereinten

Nationen oder der Europäischen Union und

anderen zu helfen. Und es sind überwiegend

ehrenamtliche Fachkräfte, die mit ihrem Wissen

jeden Einsatz zu einem erfolgreichen Abschluss

führen.

Erstmals ist das Technische Hilfswerk direkt an

einer Friedensmission der Vereinten Nationen

beteiligt. Als offizieller Vertreter der Bundesrepublik

Deutschland sichern THW-Spezialisten in

Sierra Leone die Stromversorgung der Blauhelme.


Das THW leistet im Ausland vielfältige technische Hilfe im Auftrag der

Bundesregierung. Gemeinsam mit den europäischen Nachbarn hat es dabei gegen

die Folgen von Stürmen und Fluten gekämpft und rasche humanitäre Hilfe zur

Rettung von Menschenleben geleistet.

Weltweite Einsätze des THW 2002

Niederlande

Tschechien

Montenegro

Albanien

Syrien

Spanien

Honduras

Sierra Leone

Eritrea

NW Somalia

Goma

Kosovo

Serbien

Kroatien

Bosnien

Rumänien

Afghanistan

Israel

Palästina

Iran

Äthiopien

Kenia

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International: THW – humanitärer Botschafter im Ausland

EU-Mechanismus

Naturkatastrophen machen nicht vor Landesgrenzen

halt. Mit der europäischen Integration wird auch die

Vernetzung der Einsatzorganisationen vorangetrieben.

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der

Zusammenarbeit ist der sogenannte EU-Mechanismus,

der seit 1. Januar 2002 in Kraft ist. Ziel ist die

Förderung einer verstärkten Zusammenarbeit bei

Katastropheneinsätzen in schweren Notfällen.

Spanien

Zu den schweren Notfällen zählen zum Beispiel

Natur-, Technologiekatastrophen, Strahlenunfälle

und Umweltkatastrophen, einschließlich unfallbedingter

Meeresverschmutzung.

Das THW leistet im Auftrag des Bundesministeriums

des Innern einen wichtigen Beitrag im

Rahmen der Umsetzung des EU-Gemeinschaftsverfahrens.

Die Anzahl der Auslandslehrgänge

wurde um gezielte EU-Lehrgänge erweitert, die

ab der 2. Jahreshälfte 2003 an der THW-Bundesschule

Neuhausen stattfinden sollen. Zusätzlich

werden regelmäßig Großübungen mit

den Partnerorganisationen aus ganz Europa und

darüber hinaus organisiert. Der EU-Mechanismus

stellt für das THW eine bedeutende Aufgabe für

die Zukunft dar.

Mit der Havarie des Öltankers

„Prestige“ erlebte Spanien eine

verheerende Umweltkatastrophe.

Aufgrund eines Hilfeersuchens

der spanischen Regierung

waren im November und

Dezember 2002 zwei gemischte

Einsatzteams aus THW-Helfern

und Angehörigen der Hamburger

Berufsfeuerwehr im Einsatz.

Aufgabe der Helfer war die Einweisung der lokalen

Hilfskräfte in die Bedienung der Spezialgeräte

zur Ölbekämpfung. Zusätzlich wurden

die Mitarbeiter des spanischen Lagezentrums in

La Coruña beraten und Erkundungen im Einsatzgebiet

durchgeführt. Der gemeinsame Einsatz

war eine Fortführung der partnerschaftlichen

Zusammenarbeit zwischen THW und

Feuerwehr im Bereich der Auslandseinsätze,

die schon in den 70-er Jahren bei der Bekämpfung

der Ölkatastrophe in der Bretagne

initiiert wurde.

Diese Umweltkatastrophe machte deutlich, wie

wichtig ein gemeinsames, grenzüberschreitendes

Katastrophenschutzverfahren ist.


Die Polizeiakademie war und ist seit Jahrzehnten

die einzige Stätte in Afghanistan, an der

Polizisten für das ganze Land ausgebildet werden.

Jetzt können die ersten Seminare, in denen

deutsche Polizisten in Zusammenarbeit mit dem

afghanischen Innenministerium die Rekruten für

ihren Einsatz im ganzen Land schulen, wieder

stattfinden.

Seit Januar 2002 sind THW-Teams im Auftrag

der Bundesregierung und anderer Geldgeber in

Afghanistan, um Sicherheits- und Verwaltungseinrichtungen

wiederaufzubauen. Damit leistet

Deutschland einen wertvollen Beitrag für den

Demokratisierungsprozess in Afghanistan.

Afghanistan

Auch medizinische Einrichtungen wurden während

des Krieges zerstört. Um die medizinische

Grundversorgung der Bevölkerung zu ermöglichen,

beteiligte sich das THW zusammen mit

lokalen Kräften an der Instandsetzung von

Rettungswachen der Feuerwehr. Damit die

Instandsetzungsarbeiten im ganzen Land zügig

weitergehen, hat das THW in Kabul einen

Bauhof eingerichtet. Dort sollen die dringend für

den Wiederaufbau benötigten Baumaterialien

und schweren Baufahrzeuge bereitgehalten werden.

International: THW – humanitärer Botschafter im Ausland

Grund zum Feiern hatten die afghanischen Polizisten im August 2002. Mit traditionellen

Tänzen wurde in Gegenwart des afghanischen Vizepräsidenten Namatullah Sharani,

Innenminister Taj Mohammad Wardak, hochrangigen Vertretern der Vereinten

Nationen, der Bundesrepublik Deutschland und des Technischen Hilfswerks die

Polizeiakademie in Kabul eingeweiht. Sie alle hatten gemeinsam dafür gesorgt, dass

die im Krieg zerstörten Gebäude schnell wiederaufgebaut wurden.

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International: THW – humanitärer Botschafter im Ausland

THW

in Afrika

Ein modernes und zeitgemäßes Inventarsystem unterstützt die Arbeit der Experten des

THW im Lager Nairobi. Seit 1999 hat das THW dort seinen festen Standortpunkt, von dem

aus Hilfseinsätze auf dem gesamten Kontinent unterstützt werden. Im Herbst 2002 ist das

Lager in die Nähe des internationalen Flughafens umgezogen. Mit dem neuen

Logistikzentrum wird das THW sowohl akute Nothilfe wie auch längerfristige Projekte

noch effizienter als bisher betreiben können.

Friedensmission in Sierra Leone

Das THW ist erstmals in großem Umfang als offizieller

Vertreter der Bundesrepublik Deutschland an

einer Friedensmission der Vereinten Nationen beteiligt.

In Sierra Leone sichern die Spezialisten des THW

die Stromversorgung der rund 17.000 Blauhelme.

Mehrere mobile Einheiten warten und reparieren die

insgesamt 400 Generatoren, die über das ganze

Land verteilt die einzelnen UN-Kontingente mit

Strom versorgen. Das Know-how der Spezialisten

war aber auch gefragt, als es darum ging, die

Kraftstofftanks und Zuleitungen für die sieben

Generatoren des UN-Hauptquartiers in Freetown zu

installieren. Keine leichte Aufgabe, besitzen diese

Generatoren doch eine Gesamtleistung von über

1.500 kvA, was ungefähr dem Bedarf einer

Kleinstadt entspricht.

Brunnenbau in Kenia

Im Vordergrund der Arbeiten des THW in Kenia

stand die Instandsetzung von Brunnen. Damit werden

ganze Dorfgemeinden, die umherziehende

Nomadenbevölkerung und deren Viehbestände mit

Trinkwasser versorgt. Über acht Monate waren die

fünf THW-Mitarbeiter in einem von den UN

bewachten Wüsten-Zeltlager untergebracht und

kämpften ausgerechnet gegen Wassermassen:

Starke Regenfälle machten die Flüsse in dieser

ansonsten sehr trockenen Region unpassierbar

und die Arbeiten mussten unterbrochen werden.

Trotzdem konnten im September 2002 alle sieben

von der US-Regierung finanzierten Brunnen an die

Gemeinden übergeben werden. Neben den Brunnen

baute das THW auch neue Viehtränken, Trinkwassertanks

und Wasserentnahmestellen. Jetzt ist

die Wasserversorgung für Mensch und Tier in der

sehr kargen Region für die nächsten Jahre gesichert.

Wasser und Straßen für Somalia

In der Hafenstadt Berbera in der selbsternannten

Republik Somaliland setzten THW-Mitarbeiter in

Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden

das Wasserversorgungsnetz instand. In Hargeisa

kümmert sich ein THW-Team um die Ausbesserung

der wichtigsten Straßenverbindungen. So

unterstützt es die lokalen Kräfte bei der Reparatur

der insgesamt 200 Kilometer langen Verbindung

zwischen der Hafenstadt Berbera und der Grenze

zu Äthiopien.


Seit 1993/94 hat das THW den Wiederaufbau in

der Region unterstützt, um so den Kriegsflüchtlingen

die Heimkehr zu ermöglichen.

Insgesamt hat das Technische Hilfswerk 2002

für 8,2 Millionen Euro Gebäude instand gesetzt

und die Infrastruktur wieder hergestellt.

In die Projektarbeit wurden auch lokale Arbeitskräfte

eingebunden und gezielt geschult. Durch

diese kontinuierliche „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist

ein wichtiger Impuls für die Fortführung des

Wiederaufbaus durch die Bevölkerung gegeben.

Da das Technische Hilfswerk bei seinen Projekten

im Ausland immer auch die Eigenständigkeit

und Stärkung der Region fördern will, wird

nur örtliches Baumaterial verwendet und soweit

möglich mit lokalen Arbeitskräften zusammengearbeitet.

International: THW – humanitärer Botschafter im Ausland

Wiederaufbau

auf dem Balkan

Behinderte Menschen waren die lange vergessenen Opfer des Krieges. Mit der Instandsetzung

der Betreuungsanstalt im kroatischen Petrinja durch das THW werden sie ein

neues Heim bekommen.

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Das junge THW

In den mehr als 600 Jugendgruppen des Technischen

Hilfswerks werden die Einsatz- und Führungskräfte von morgen

ausgebildet – und haben Spaß dabei. Viele der heutigen

Entscheidungsträger waren früher selbst in der THW-Jugend

aktiv und haben von Kindesbeinen an „THW gelernt“.


Jedes Jahr entdecken rund 1.000 Mädchen

und Jungen im Alter zwischen zehn und 17

Jahren für sich das THW neu. Sie werden in der

THW-Jugend unter Anleitung spielerisch an die

Technik herangeführt und erlernen nützliche

handwerkliche Fähigkeiten, indem sie zum

Beispiel einen Tonnensteg oder eine Seilbahn

bauen.

Begriffe wie Teamgeist und Kameradschaft werden

groß geschrieben. Durch intensive Jugendarbeit

hat sich die Zahl der Kinder und Jugendlichen

in den letzten zehn Jahren auf heute fast

12.000 mehr als verdoppelt.

Entwicklung der Junghelferzahlen

12.000

10.000

8.000

6.000

4.000

2.000

0

1993 1997 2002

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22 Das junge THW

Bostalsee

fest in der Hand

des THW

Spiel, Spaß und Sport – das hatten rund 2.000 junge Leute aus der

ganzen Bundesrepublik, die im August zum THW-Bundesjugendlager

2002 ins Saarland reisten.

Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich das

idyllische Strandbad am Bostalsee in eine gut

organisierte Zeltstadt mit Esszelt, Großküche,

Internetcafé und sanitären Einrichtungen.

„Ich komme mir vor, als wäre ich auf Mallorca.

Direkt vom Zelt über den Strand ins Wasser. Und

jede Menge Action!“ schwärmte die 13-jährige

Karin aus Bayern.

Die Organisatoren sorgten mit einem umfangreichen

Freizeitprogramm für Kurzweil, bei dem

der Sandstrand des Bostalsees im Mittelpunkt

der meisten Aktivitäten stand.

Wettkampf

Höhepunkt des Zeltlagers war der Bundesjugendwettkampf,

zu dem 16 Teams aus ganz

Deutschland antraten, um ihre technischen

Fertigkeiten unter Beweis zu stellen. Unter Zeitdruck

mussten sie Stege und eine Sitzgruppe

bauen, Erste Hilfe leisten, „Verletzte“ transportieren,

eine Seilbahn aufstellen und ihrer

Kreativität bei dem Entwurf eines Transparentes

für ihre Jugendgruppe freien Lauf lassen.

Mit Professionalität und Geschick erledigten die

Jugendlichen ihre Aufgaben. Die Jugendgruppe

des Ortsverbandes Völklingen-Püttlingen war am

schnellsten fertig. Ihnen überreichte Fritz Rudolf

Körper, Parlamentarischer Staatssekretär beim

Bundesminister des Innern, den Siegerpokal.

Der Erfolg des Jugendlagers lässt sich leicht in

Zahlen belegen: 2.000 Teilnehmer nächtigten in

300 Mannschaftszelten, verdrückten 50.000

Brötchen und 400 Kilogramm Nudeln.


Schick und Mobil

Während des Bundsjugendlagers überreichte

der Parlamentarische Staatssekretär Fritz Rudolf

Körper 16 funkelnagelneue so genannte Jugendfahrzeuge.

Das ist erst der Anfang, jede Jugendgruppe

soll künftig über ein eigenes Fahrzeug

verfügen, um so die Mobilität der Jugendlichen

des auf das gesamte Bundesgebiet verteilten

Netzwerkes THW zu erhöhen.

Selbstverständlich werden im Einsatzfall die

Autos, bei denen es sich um leicht modifizierte

Mannschaftstransportwagen handelt, den aktiven

Einheiten überlassen, denn das THW versteht

sich als große Familie.

Fast wie auf dem Laufsteg in Paris ging es bei

der Präsentation der neuen Jugendbekleidung

zu. Die Einsatzanzüge sind in Aussehen und

Funktion denen der aktiven Helfer angepasst

und bieten dem Nachwuchs besseren Schutz

vor Witterungseinflüssen.

Die Beschaffung von 15.000 Stück der neuen

wetterfesten und robusten Jugendbekleidung ist

angelaufen. 2003 werden die Jugendgruppen

damit ausgestattet sein. Mehr noch als bisher ist

die neue Bekleidung nicht nur ein Stück Stoff,

sondern sichtbares Zeichen der Identifizierung

mit der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk.

Junge

Erfolgsgeschichte

Die THW-Jugendarbeit entwickelt sich immer mehr zu einem

Bestseller. 2002 sind über 1.000 Jugendliche in das

THW eingetreten, um dort spielend Helfen zu lernen. Im

vergangenen Jahr hat das THW seine Jugendarbeit weiter

intensiviert und misst ihr einen noch höheren

Stellenwert zu, getreu dem Motto: Die Zukunft des THW

liegt in seiner Jugend.

Mädchen und Technik

Immer mehr Mädchen interessieren sich für

Technik und fühlen sich auch im „Blaumann“

wohl. In der THW-Jugend sind mittlerweile 15 %

Mädchen aktiv. Dennoch will das THW auch hier

neue Akzente setzen und verstärkt Mädchen

und junge Frauen ansprechen. Denn dass sie

durchaus Durchsetzungsvermögen, technischen

Sachverstand und Führungsqualitäten haben,

stellen die Mädchen und Frauen im THW eindrucksvoll

unter Beweis. So gibt es in Bayern und

in Berlin Zugführerinnen, die im Einsatz die

Helferinnen und Helfer koordinieren und die

Verantwortung für „ihre“ Einheit tragen – eine

nicht immer leichte Aufgabe, die viel Fachkenntnis

und Einfühlungsvermögen verlangt.

Frauen und Mädchen im THW

Das junge THW

520 Reservehelferinnen

448 Althelferinnen

1.751 Junghelferinnen

2.265 Aktive Helferinnen

Über zweitausend Frauen und 1.751 Mädchen sind im THW aktiv.

23


24

THW im

Rampenlicht

Das THW ist facettenreich und versteht es, diese Vielfalt auch

öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Mit der Veranstaltung

„MdB und THW – Helfen im Team“ am 11. Juni 2002 in Berlin hat

das THW seine Arbeit den Politikern hautnah vorgestellt und sie

– erfolgreich – zum Mitmachen animiert.

Die Mitglieder des Bundestages waren – und sind

– auch gern gesehene Gäste bei den Jubiläumsfeiern

der Ortsverbände in ihren jeweiligen

Wahlkreisen. Die Feiern bieten die Möglichkeit, mit

der Bevölkerung, Politikern sowie Kolleginnen und

Kollegen von Feuerwehr und Hilfsorganisationen

ins Gespräch zu kommen, neue Kontakte zu

knüpfen und bereits bestehende zu festigen. Und

es ist eine gute Gelegenheit für die ehrenamtlichen

Helferinnen und Helfer und die hauptamtlichen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der THW-

Leitung, einander in lockerer Atmosphäre kennen

zu lernen und Informationen auszutauschen.


Die enge Zusammenarbeit zwischen Ehren- und Hauptamt im

THW ist für den Präsidenten Dr. Georg Thiel eine wichtige

Voraussetzung für den Erfolg der Einsatzorganisation. Daher hat

er es sich in seinem ersten Amtsjahr zur Aufgabe gemacht, den

Informationsaustausch untereinander zu fördern – auch via

Internet.

25


26 THW im Rampenlicht

THW im Netz

Journalisten nutzen die Website www.thw.de zunehmend für ihre

Recherchen – Helferinnen und Helfer nutzen die elektronischen

Kommunikationswege für den Dialog untereinander und den

Austausch mit den hauptamtlichen Mitarbeitern.

Die Zugriffe auf die Internetseiten der Bundesbehörde

haben sich im Jahr 2002 von monatlich

durchschnittlich 60.000 auf 116.000 fast verdoppelt.

Während des Hochwassereinsatzes im

August waren es sogar weit über 200.000 Besucher.

Rund um die Uhr waren die Öffentlichkeitsmitarbeiter

im Einsatz, um die Internetseiten

ständig auf dem aktuellsten Stand zu halten.

„Die Meinung des Helfers ist uns wichtig“,

betont Präsident Thiel und stellt sich persönlich

den Fragen in den themenorientierten Chats.

Das Internetportal wird weiter ausgebaut und

alle 665 Ortsverbände, 66 Geschäftsstellen, acht

Landesverbände, zwei Bundesschulen und die

THW-Leitung werden miteinander vernetzt.

Junge Webseiten

Die THW-Jugend ist mit dem Internet aufgewachsen

– das sieht man auch an der kreativen

Gestaltung der Webseiten der Jugendgruppen.

Um dieses Engagement der jungen Leute zu fördern,

hatte das THW einen Wettbewerb für die

beste Jugendhomepage ausgeschrieben. Die

Jugendgruppe aus Nordenham kann sich jetzt

mit dem Titel „TheHomepageWinner 2002

schmücken. Erster Preis war eine Reise nach

Berlin mit einem Besuch des Reichstages für die

ganze Jugendgruppe.

1. Platz:

www.thw-jugend-nordenham.de

2. Platz:

www.thw-jugend-muenchen-west.de

3. Platz:

www.thw-jugend-landshut.de


Auf dem Platz der Republik und am Spreebogen

in Berlin hatte das THW am 11. Juni 2002 seine

Technik zum Mitmachen bereitgestellt. Die Abgeordneten

des Deutschen Bundestages nutzten

die Chance ihre Geschicklichkeit beim

Sägen, Hämmern, „Verletzten“-Transport oder

Rudern unter Beweis zu stellen. Heide Wright

war die Siegerin des Tages, nachdem sie alle

Disziplinen in Rekordzeit gemeistert hatte.

240 Bundestagsabgeordnete – quer durch alle

Fraktionen – hatten die Einladung des THW

angenommen, um sich ein Bild vom breiten

Leistungsspektrum der Einsatzbehörde zu

machen.

Happy Birthday – Ortsverbände werden 50

Auch auf lokaler Ebene hat sich das THW im

vergangenen Jahr erfolgreich präsentiert. Nicht

nur durch die professionelle und schnelle Arbeit

bei Einsätzen oder in der intensiven Jugendarbeit,

es gab noch viele andere gute Gründe:

185 Ortsverbände feierten ihr 50. Jubiläum. 26

Ortsverbände mussten ihre Feierlichkeiten verschieben,

da der Hochwassereinsatz das ganze

THW forderte. Denn eins ist klar: Der gesetzliche

Auftrag des Technischen Hilfswerks ist es, im

Katastrophenfall der Bevölkerung zur Seite zu

stehen, Menschen zu retten und Sachwerte zu

schützen – und dieser Auftrag hat absolute

Priorität.

THW im Rampenlicht

Politiker lernen Technik–

Bundestagspräsident

krempelte die Ärmel auf

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zögerte nicht lange: Er zog sein Jackett aus,

krempelte die Ärmel auf und ruderte im THW-Boot über die Spree. Tatkräftig unterstützte

er die Veranstaltung „MdB und THW – Helfen im Team“, für die er die

Schirmherrschaft übernahm.

27


28

Die Zukunft stellt neue Anforderungen an den Zivil- und

Katastrophenschutz. Um den geänderten Anforderungen an die

Gefahrenabwehr gerecht zu werden, hat der Bund Maßnahmen

getroffen zur Schaffung einer gemeinsamen Zivilschutzarchitektur

zum Schutz der Bevölkerung. Mit deNis wurde ein einheitliches

Notfallinformationssystem entwickelt und in der Euregio Aachen

ist ein neues Digitalfunksystem eingeführt worden.


Auf dem Weg

in die Zukunft

Für den Bundesminister des Innern, Otto Schily, ist die

Zusammenarbeit von Kommunen, Ländern und Bund, Hilfsorganisationen

und Behörden, national sowie international von

großer Bedeutung.

29


30 Auf dem Weg in die Zukunft

Der Schutz

der Bevölkerung

geht uns alle an

Fünf Tage nach der Jahreswende 2002/2003: Ein

kleiner Sportflieger kreist um die Hochhäuser von

Frankfurt. Der Verteidigungsminister wird alarmiert,

Abfangjäger steigen auf, der Frankfurter Flughafen

– Drehscheibe Europas – wird gesperrt, Bürger evakuiert.

Eine Stadt im Ausnahmezustand.

Auch dieser Vorfall zeigt: Wir müssen in neuen

Bedrohungsszenarien denken. Dem trägt der

Bund mit einem stärkeren finanziellen Engagement,

organisatorischer Straffung seiner

Ressourcen und noch engerer Zusammenarbeit

mit allen am gemeinsamen Hilfeleistungssystem

Mitwirkenden Rechnung.

Das Technische Hilfswerk ist fester Bestandteil

dieses bundesweiten Schutzsystems und wird

sich aktiv den neuen Herausforderungen eines

komplexen Gefahrenmanagements stellen. Teil

dieser Entwicklung ist die Optimierung der

Strukturen und Einsatzpotenziale des THW,

indem sie den neuen Anforderungen angepasst

werden. Zusätzlich bieten sich Spezialisierungen

von THW-Einheiten an, die überregional und

international eingesetzt werden können.

Das Ausbildungssystem des THW wird entsprechend

den Anforderungen einer modernen

Einsatzorganisation umgestellt.

Wie wichtig die Zusammenarbeit der am

Katastrophenschutz Mitwirkenden ist, hat

besonders die Flutkatastrophe im August

gezeigt. Neben Bundeswehr, Bundesgrenzschutz

und THW waren insbesondere die Feuerwehren,

Bereitschaftspolizeien der Länder und

die Hilfsorganisationen beteiligt. Diese Verzahnung

wird durch gemeinsame und auch grenzüberschreitende

Großübungen sowie durch eine

möglichst umfassende Abstimmung der Technik

und Ausstattung kontinuierlich gefestigt und

ausgebaut.


THW finanziell

Aufgrund der veränderten Sicherheitslage sind die Finanzmittel

in den letzten Jahren kontinuierlich erhöht worden.

Allgemeine Haushaltsentwicklung/Bewertung

200

180

160

140

120

100

80

60

40

20

0

108

117

2000 2001 2002

THW flächendeckend

Durch die Gründung des Ortsverbandes Belzig im Landkreis

Potsdam-Mittelmark im November 2002 ist das THW jetzt auch in

Brandenburg in allen Landkreisen sowie kreisfreien Städten vertreten.

Mit 22 Helferinnen und Helfern, darunter fünf Junghelfern,

startete der neu gegründete Ortsverband ins Jahr 2003.

Präsenz in der Fläche

*Höhere Ist-Ausgabe durch Mittel für humanitäre Hilfseinsätze und Hochwassereinsatz

im Sommer 2002 sowie Sondermittel aus dem so genannten Anti-Terror-

Programm der Bundesregierung.

107

115

120

173*

Leitung

116

8 Landesverbände 184

2 Schulen

81

66 Geschäftsstellen 474

2 Logistikzentren 14

Auf dem Weg in die Zukunft

Mitarbeiter

31

Ist in Mio. Euro

Soll in Mio. Euro


32 Auf dem Weg in die Zukunft

Moderne Verwaltung

Eine moderne Einsatzorganisation mit einer Behördenstruktur – das könnte man als

Widerspruch ansehen. Das THW zeigt, dass sich beides vereinbaren lässt. Als erstes sichtbares

Zeichen der Entbürokratisierung wurden 90 Prozent der so genannten

Rundverfügungen abgeschafft. Und grundsätzlich sind alle Regelungen zeitlich befristet,

so dass sie kontinuierlich auf ihre Zweckmäßigkeit überprüft werden.

Personalauswahlverfahren

Anforderungsprofile

leistungsorientierteBezahlungselemente

Leitbild

Personalentwicklung

in der BA THW

Mitarbeitergespräche

Mit einem neuen Personalentwicklungskonzept

sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des

THW gezielt geschult und entsprechend ihrer

Begabungen und Fähigkeiten in den jeweiligen

Aufgabenbereichen eingesetzt werden.

Aus- und Fortbildungen werden künftig durch elearning

unterstützt. Durch dieses computergesteuerte

Lernsystem lässt sich die Ausbildung

intensivieren und effektiver gestalten.

systematische

Einführung

neuer

Mitarbeiter

Fortbildungskonzept

Gleichstellungsplan

Personalentwicklungskonzept

Für eine moderne Verwaltung sind motivierte

Mitarbeiter unverzichtbar. Kernpunkte des neu

eingeführten Personalentwicklungskonzeptes

sind das Mitarbeitergespräch, ein abgestimmtes

Fortbildungssystem und ein leistungsorientiertes

Prämiensystem.

Die Kolleginnen und Kollegen sind aufgefordert, die

Zukunft ihres Arbeitgebers THW aktiv mit zu gestalten

und ihre persönlichen Ideen einzubringen.

Deregulierung

Über 1.500 Rundverfügungen regelten bisher

die Arbeit bis ins kleinste Detail. Die eigens eingesetzte

Projektgruppe „Deregulierung“ hat

Anfang Mai 2002 begonnen, sämtliche Verfügungen

auf ihre Notwendigkeit hin zu überprüfen.

Das Ergebnis war überaus beeindrukkend:

Weniger als 100 Rundverfügungen blieben

übrig, deren Notwendigkeit zudem nach

jeweils zwei Jahren überprüft werden muss.

Ausbildung

„Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut

zu sein“ – deswegen legt das THW besonderen

Wert auf ein qualifiziertes Aus- und Fortbildungssystem.

Nur so kann man mit den sich ständig verändernden

Anforderungen Schritt halten.

An den Ausbildungsstätten Neuhausen und

Hoya werden die THW-Kräfte in allen Fachbereichen

aus- und weitergebildet.

Künftig werden diese Lehrgänge noch durch elearning

am Computer unterstützt. Dabei reicht

die Palette der Vorhaben vom Lernprogramm am

PC bis zur virtuellen Schule, in der interaktiv mit

einem „Lehrer“ via PC gelernt wird.

Das THW hat eigene Richtlinien für die

Lehrgänge. Diese sollen jetzt wo möglich internationalen

Standards soweit angepasst werden,

dass die Zertifikate allgemeine Gültigkeit besitzen.

So können sie den Helfern auch im Beruf

als Teil ihrer Ausbildung anerkannt werden.

Theorie ist gut, Praxis ist besser – damit die

Verzahnung auf dem nationalen und internationalen

Sektor nicht nur auf dem Papier stattfindet,

werden grenzüberschreitende Übungen

gemeinsam mit den Partnerorganisationen im

In- und Ausland immer wichtiger.


Auf dem Weg in die Zukunft

Hinter fast jedem Helfer

steht ein Arbeitgeber

Das Technische Hilfswerk ist fester Bestandteil des Hilfeleistungssystems zur Bewältigung

von Katastrophen und Großschadensereignissen. Um auch künftig erfolgreich Hilfe leisten

zu können, ist das Verständnis und die Unterstützung der Arbeitgeber ein wichtiger Faktor.

Rund 24.000 THW-Kräfte waren im August tagelang

im Hochwassereinsatz. Der Wegfall einer

Arbeitskraft ist gerade für kleinere Betriebe nicht

leicht zu verschmerzen: Projekte werden nicht

rechtzeitig fertig und zu dem Arbeitsausfall

kommt der Produktionsausfall.

Ehrenamtlich engagierte Arbeitnehmer „glänzen“,

wenn es zum Einsatz kommt, durch Abwesenheit

am Arbeitsplatz – so könnte man es

negativ sehen. Oder positiv: THW-Helfer glänzen

gerade durch ihr ehrenamtliches Engagement.

Sie sind Spezialisten auf ihrem Gebiet, sie bilden

sich ständig fort, sie haben Führungsqualitäten,

sie sind teamfähig, und sie sind geschulte

Organisationstalente – Fähigkeiten, die auch für

jedes Unternehmen von Vorteil sind.

Das THW wird transparenter werden, und so

weit, wie irgend möglich, die Interessen der

Arbeitgeber noch stärker berücksichtigen und

mit ihnen zusammenarbeiten. Zu diesem Zweck

führt eine eigens eingerichtete Projektgruppe

intensive Gespräche mit den Handwerkskammern,

Arbeitgebervertretungen und der

Politik.

33


34

Fordern

Sie uns –

die Spezialisten des

Technischen Hilfswerks

Das Technische Hilfswerk ist den heutigen Anforderungen des

Katastrophenschutzes und der örtlichen Gefahrenabwehr

bestens gewachsen. Das haben auch die Einsätze des vergangenen

Jahres gezeigt. Mit seinen spezialisierten Einheiten stellt

das THW für anfordernde Stellen, wie die jeweilige Katastrophenschutzbehörde,

oder in deren Auftrag für die Feuerwehr, aber

auch Polizei und Bundesgrenzschutz im Inland eine wertvolle

Hilfe dar. Auch im Ausland genießt das THW einen hervorragenden

Ruf.


Für eine Vielzahl unterschiedlicher Aufgabenbereiche besitzt es eigene Fachgruppen:

Fachgruppe Infrastruktur – die Allrounder

Fachgruppe Räumen – die Spezialisten

Fachgruppe Wassergefahren – die Wasserretter

Fachgruppe Elektroversorgung – die Stromversorger

Fachgruppe SchnellEinsatzEinheit für Bergung im Ausland, kurz: SEEBA – die Erdbebenexperten

Fachgruppe Ortung – die Spürnasen

Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen – die Pumpenprofis

Fachgruppe Trinkwasserversorgung – die „Waterpeople“

Fachgruppe Brückenbau – die Brückenbauer

Fachgruppe Ölschaden – die Ölbekämpfer

Fachgruppe Führung/Kommunikation – die Führungsspezialisten

Fachgruppe Logistik – die Versorger

In jedem seiner 66 Geschäftsführerbereiche ergänzen sich die Ortsverbände des THW so, dass das

ganze Spektrum der Fachgruppen verfügbar ist und die Spezialisten schnell dort sind, wo sie

gebraucht werden.

35


36 Fordern Sie uns – die Spezialisten des Technischen Hilfswerks

Fachgruppe Infrastruktur

Fachgruppe Räumen

Fachgruppe Wassergefahren

Die Allrounder

Die Spezialisten

Die Wasserretter

Wenn an der Schadensstelle Gefahr durch

Elektrizität, Wasser oder ausströmendes Gas besteht

oder nach einem Schadensfall Versorgungsleitungen

schnell provisorisch instand gesetzt werden

müssen, kommt die Fachgruppe Infrastruktur

zum Einsatz. Sie arbeitet eng mit den Bergungsgruppen

zusammen, sichert deren Arbeiten vor

Gefahren durch Strom oder Wasser und organisiert

die Energieversorgung an der Einsatzstelle.

Im August haben die Fachgruppen Infrastruktur

entlang der Elbufer zum Beispiel in den Notunterkünften

Strom- und Abwasserleitungen gelegt.

Straßen, Brücken und Schienen waren der

Jahrhundertflut im August 2002 zum Opfer gefallen.

Zum Teil war das Beseitigen der Schäden nur

durch die Sprengexperten und das schwere Gerät

der Fachgruppe Räumen (FGr R) des Technischen

Hilfswerks zu schaffen. Sie brachten fachgerecht

brüchige Stauwehre zum Einsturz. Mit ihren leistungsfähigen

Baumaschinen ist die Fachgruppe

an fast allen alltäglichen Einsätzen des THW beteiligt,

um umgestürzte Bäume zu entfernen oder

Autos aus Straßengräben zu hieven, um nur zwei

Beispiele zu nennen.

Als zweithäufigste Fachgruppe im THW ist sie in der

Regel je zweimal im THW-Geschäftsführerbereich

stationiert (insgesamt 132 mal) und kann damit

schnell und flächendeckend eingesetzt werden.

Die Fachgruppe Wassergefahren (FGr W) ist die

Fachgruppe für Rettungs- und Bergungsarbeiten

sowie andere Aufgaben auf dem Wasser. So können

mit den Pontons schwimmende Arbeitsplattformen

gebaut werden, die Mehrzweckboote

wurden im Hochwasser zur Evakuierung der vom

Wasser eingeschlossenen Bewohner genutzt.

Auf diese Art und Weise unterstützte das THW

beispielsweise bei Kiefersfelden im Grenzgebiet

zwischen Österreich und Deutschland von Ende

August bis Mitte September 2002 einen Kraftwerksbetreiber

bei Probebohrungen auf dem Inn,

um festzustellen, ob das Flussbett Veränderungen

aufweist. Da es dafür in dieser Region

keine geeigneten Wasserfahrzeuge gab, baute

das THW aus Pontons eine Fähre zusammen, die

das Bohrgerät einschließlich Equipment mit

einem Gewicht von etwa acht Tonnen trug. Um

im, auf und um das Wasser herum beste Rettungsvoraussetzungen

zu schaffen, hat das THW

mit der DLRG eine Kooperation vereinbart.


Die Fachgruppe Elektroversorgung (FGr E) springt

ein, wenn vorübergehend größerer Energiebedarf

abzudecken ist. Mit ihrer 175-kVA-Netzersatzanlage

ist sie das mobile Elektrizitätswerk des

THW. Über die Stromerzeugung und -einspeisung

hinaus sind die Spezialisten dieser Fachgruppe in

der Lage, zur Unterstützung von Energieversorgungsunternehmen

Reparaturen auf der Ebene

des Mittel- und Niederspannungsbereiches vorzunehmen.

66 Fachgruppen Elektroversorgung gibt

es im THW.

In der Fachgruppe SEEBA (SchnellEinsatzEinheit

für Bergung im Ausland) sind Bergungs-,

Rettungs- und Ortungsspezialisten des THW mit

einer Zusatzausbildung für das Ausland zusammengefasst.

Die SEEBA-Teams werden bei Erdbeben oder

Vulkanausbrüchen alarmiert und sind innerhalb

von sechs Stunden zusammen mit ihren Rettungshunden

abflugbereit. Bei Bedarf kann schweres

technisches Gerät nachgefordert werden. Mit

ihren modernen Ortungsgeräten konnten die

Ortungsspezialisten des THW zum Beispiel nach

dem großen Erdbeben im Jahr 2001 in Indien

Überlebende unter den Trümmern aufspüren

und so retten.

Aufgrund der langjährigen guten Erfahrungen

mit der SEEBA baut das THW weitere Schnelleinsatzeinheiten

auf, so für die Bereiche Wasserversorgung,

Luftunfälle oder Ölverschmutzung.

Wenn Menschen verschüttet sind, ist eine

Rettung oft nicht ohne eine qualifizierte Ortung

möglich. Die Einsatztaktik der Fachgruppe

Ortung (FGr O) setzt auf die Kombination von

Bergungsspezialisten, Rettungshunden und

technischem Ortungsgerät. Diese gebündelte

Fachkompetenz wird nicht nur von der SEEBA

genutzt oder bei Verschütteten im Inland eingesetzt,

die Fachgruppe Ortung unterstützt auch

die Polizei bei der Suche nach Vermissten.

Die Stromversorger

Die Erdbebenexperten

Die Spürnasen

Fordern Sie uns – die Spezialisten des Technischen Hilfswerks

Fachgruppe Elektroversorgung

Fachgruppe

SchnellEinsatzEinheit

für Bergung im Ausland

(SEEBA)

Fachgruppe Ortung

37


38 Fordern Sie uns – die Spezialisten des Technischen Hilfswerks

Fachgruppe

Wasserschaden/Pumpen

Fachgruppe

Trinkwasserversorgung

Fachgruppe Brückenbau

Die Pumpenprofis

Die „Waterpeople"

Die Brückenbauer

Die Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen (FGr

WP) ist das leistungsstarke Instrument des THW

bei der Bekämpfung von Überflutungen und

Überschwemmungen. Sie kann auch über längere

Strecken Wasserleitungen errichten, um beispielsweise

Löschwasser für die Feuerwehr zu

transportieren. Die Geräteausstattung der Fachgruppe

umfasst unterschiedliche Pumpentypen

in Leistungsklassen von 1.000 bis 5.000 bzw.

5.000 bis 15.000 Litern pro Minute, die geeignet

sind, Schmutz- und Abwasser und sogar

Schlamm zu fördern. Diese Pumpen sind bei

akuter Gefahr sofort einsetzbar.

Während des Jahrhunderthochwassers an Elbe,

Mulde und Donau waren alle 66 Fachgruppen

WP des THW im Einsatz. Ihre Pumpleistung

betrug insgesamt mehr als 2,5 Millionen Liter pro

Minute. Das entspricht in etwa dem Inhalt von

1.000 Wettkampfschwimmbecken.

Im Ausland werden die Helfer der Fachgruppe

Trinkwasserversorgung (FGrTW) gerne als

„Waterpeople“ bezeichnet. Überall dort, wo Trinkwasser

verschmutzt oder knapp ist, kann die Trinkwasseraufbereitungsanlage

mit einer Leistung von

bis zu 12 Kubikmetern pro Stunde eingesetzt

werden. Mobile Labors für Wasseranalysen stellen

die Qualität des Trinkwassers sicher. Neben

der Herstellung, dem Transport und der Förderung

zählt auch die Verteilung von Trinkwasser zu

den Aufgaben dieser Fachgruppe. Ihre Spezialisten

können entsprechend den technischen

Regeln Trinkwassernetze und -förderstrecken

instand setzen oder errichten. Das THW verfügt

über 32 dieser Fachgruppen bundesweit.

Auch Wasserwerke blieben von der Flutkatastrophe

nicht verschont. Etwa zwei Wochen lang versorgte

das Technische Hilfswerk südlich der Lutherstadt

Wittenberg über 2.500 Haushalte mit Trinkwasser.

15.000 Liter Trinkwasser wurden stündlich in das

Netz eingespeist.

Wenn Brücken oder Übergänge beschädigt sind,

sorgt die Fachgruppe Brückenbau (FGr BrB) kurzfristig

für Ersatz. Das August-Hochwasser zerstörte

allein in Sachsen 170 Brücken, viele wichtige

Verbindungen waren unterbrochen. In wenigen

Tagen errichteten die THW-Helfer Behelfsbrücken,

die längste von ihnen maß 45 Meter: Eine „Bailey-

Brücke“ aus fertigen Stahlbauelementen. Die Fachgruppe

Brückenbau gibt es bundesweit 16 mal.


Die Fachgruppe Ölschaden (FGr Ö) hilft, wenn

das schwarze Gold zur Pest wird. Mit schwimmenden

Barrieren fangen die Fachleute die

Verschmutzung auf und füllen das Öl um in

Spezialbehälter. Ihre besondere Stärke liegt

darin, bei geringen Verschmutzungsgraden eine

Reinigung des verschmutzten Wassers bis zur

Einleitungsqualität in Oberflächengewässer zu

erreichen. Auch die Fachgruppe Ölschaden wird

an 16 Standorten vorgehalten.

Bei der Fachgruppe Führung/Kommunikation

(FGr FK) laufen alle Drähte zusammen. Sie dient

insbesondere der Führung von THW-Einheiten

und übernimmt die Kommunikationsaufgaben,

die zur Führung der THW-Einsatzkräfte und für

die Verbindung zum Bedarfsträger erforderlich

sind. Sie kann auch die Einsatzleitung der anfordernden

Behörde beim Aufbau eines funktionierenden

Kommunikationsnetzes für den gesamten

Schadensbereich unterstützen. Die mobile

Führungsstelle besteht aus einem großen LKW

mit Anhänger, die zusammengebaut eine Art

Großraumbüro mit moderner technischer Ausstattung

ergeben.

Im Auslandseinsatz ist das Know-how dieser

Fachgruppe insbesondere für die Kommunikation

nach Deutschland und der Einsatzkräfte

untereinander gefordert.

Das THW fällt dank seiner Fachgruppe Logistik

(FGr Log) niemandem zur Last. Denn sie ist das

zentrale „Serviceunternehmen“ für alle THW-

Einheiten. Sie übernimmt im Einsatz die Versorgung

mit Verbrauchsgütern, die Verpflegung

und die Materialerhaltung. Damit wird der reibungslose

Einsatzablauf sichergestellt und die

anfordernde Behörde bzw. deren Einsatzleitung

entlastet. Natürlich kann die Fachgruppe

Logistik auch andere Einsatzkräfte versorgen.

Während der zweiten Afghanistankonferenz vom

27.11. bis zum 05.12.2002 auf dem Petersberg

bei Bonn wurden so beispielsweise etwa 900

Einsatzkräfte von Polizei und Bundeskriminalamt

vom THW verpflegt.

Die Ölbekämpfer

Die Führungsspezialisten

Die Versorger

Fordern Sie uns – die Spezialisten des Technischen Hilfswerks

Fachgruppe Ölschaden

Fachgruppe

Führung/Kommunikation

Fachgruppe Logistik

39


www.thw.de

Bundesanstalt

Technisches Hilfswerk

Deutschherrenstraße 93-95

53177 Bonn

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Impressum:

Herausgeber:

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Druck:

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© THW, 2003

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