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Sicher ins Abi – das Abiturwissen vom Schulbuchprofi

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Man lernt, was man braucht.

Dieser Band eignet

sich zur Vorbereitung auf

Klausuren in der gymnasialen

Oberstufe und das Abitur.

Er entspricht den Lehrplänen

und ist unabhängig vom

verwendeten Lehrbuch

einsetzbar.

ISBN 3-12-929817-7

Deutsche Literatur – Band 2 Deutsch

Abiturwissen

• Prüfungsrelevanter Stoff auf den Punkt gebracht

• Systematische Zusammenfassungen

Sicher

ins Abi

Abitur wissen

Deutsch

Deutsche Literatur

Band 2 – 20. Jahrhundert


Wolfgang Pasche

Abiturwissen

Deutsch

Deutsche Literatur

Band 2 – 20. Jahrhundert

Ernst Klett Verlag

Stuttgart Düsseldorf Leipzig


Dr. Wolfgang Pasche; Gymnasiallehrer für Deutsch und Gemeinschaftskunde in

Baden-Württemberg; in der Lehrerfortbildung hauptsächlich zu literarischen

Themen tätig.

Bibliographische Information Der Deutschen Bibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliographie; detaillierte bibliographische Daten sind im Internet über

http://dnb.ddb.de abrufbar

Auflage 4. 3. 2. 1. | 2008 2007 2006 2005

Die letzten Zahlen bezeichnen jeweils die Auflage und das Jahr des Druckes.

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Fotomechanische Wiedergabe nur mit Genehmigung des Verlages

© Ernst Klett Verlag GmbH, Stuttgart 2005

Internetadresse: http://www.klett.de

Satz: SMP Oehler, Remseck

Druck: Druckhaus Beltz, Hemsbach

Printed in Germany

ISBN 3-12-929817-7


Inhalt

1 Expressionismus! Literatur der Jahrhundertwende 5

1.1 Das politische Klima der Jahrhundertwende 6

1.2 Kunst und Literatur (Hofmannsthal, Stramm) 7

1.3 Expressionismus in Dichtung und Malerei (Lasker-Schüler, Hoddis) 10

1.4 „Der Sturm ist da.“ Frühexpressionismus (1910 – 1914) (Trakl, Benn) 14

1.5 Der Kriegsexpressionismus (1914 – 1918) (Trakl) 20

1.6 Der Spätexpressionismus (1918 – 1923) 23

1.7 DADA – Konkurrenz und Widerspruch (Schwitters) 24

1.8 Franz Kafka („Brief an den Vater“, „Die Verwandlung“) 27

Zusammenfassung 34

2 Literatur der Weimarer Republik/Neue Sachlichkeit 35

2.1 Zeitlicher Rahmen (Kaléko) 36

2.2 Massenkultur (Brecht) 37

2.3 Neue Sachlichkeit in Dichtung und Malerei (Kästner, Döblin) 41

Zusammenfassung 48

3 Literatur im Dritten Reich/Exilliteratur 49

3.1 Zeitlicher Rahmen 50

3.2 Literatur im Dritten Reich (Kästner, Loerke) 50

3.3 Exilliteratur (Brecht) 56

Zusammenfassung 64

4 Anknüpfen an die Moderne/Nachkriegsliteratur 65

4.1 Zeitlicher Rahmen 66

4.2 „Kahlschlag“– Nachkriegszeit (Eich, Borchert) 66

4.3 Die Gruppe 47 (Bachmann, Koeppen, Benn, Brecht, Grass) 71

Zusammenfassung 78

5 Protest! Literatur der 60er-Jahre 79

5.1 Zeitlicher Rahmen (Biermann) 80

5.2 Auf dem Weg zur Revolte (Grass, Fried, Schneider, Weiss, Wolf) 82

Zusammenfassung 92

3


6 Neue Subjektivität – Literatur der 70er-Jahre 93

4

6.1 Zeitlicher Rahmen (Schneider) 94

6.2 Auf der Suche nach sich selbst (Böll, B. Vesper, Walser, Plenzdorf, Kunze) 96

Zusammenfassung 110

7 Postmoderne – Literatur der 80er-Jahre 111

7.1 Zeitlicher Rahmen 112

7.2 Literatur der Postmoderne (Gernhardt, Süskind, Hein, Wolf) 113

Zusammenfassung 124

8 Pop-Kultur – Literatur der 90er-Jahre 125

8.1 Zeitlicher Rahmen 126

8.2 Pop-Literatur (Stuckrad-Barre, Kracht, Gernhardt) 128

8.3 Literatur in den neuen Bundesländern (Schulze) 135

8.4 Bestseller der 90er-Jahre (Schlink) 139

Zusammenfassung 144

9 Die großen Vier 145

9.1 Thomas Mann („Der Tod in Venedig“) 146

9.2 Bertolt Brecht („Der gute Mensch von Sezuan“) 152

9.3 Max Frisch („Andorra“, „Homo faber“) 161

9.4 Friedrich Dürrenmatt („Der Richter und sein Henker“, „Die Physiker“) 167

Zusammenfassung 174

Zitat- und Literaturnachweis 175

Text- und Bildquellenverzeichnis 175


Expressionismus! Der Aufstieg der NSDAP Literatur

der bis zur Jahrhundertwende

Machtergreifung

1

5


6

1 1.1 Das politische Klima der

Jahrhundertwende

Fortschrittsoptimismus

am Beginn eines neuen

Jahrhunderts

Skeptisch sind allenfalls die

jungen Intellektuellen

arriviert: anerkannt, erfolgreich

Künstler und Autoren ziehen

sich aus der Gesellschaft in

ihre Nischen zurück

epigonal: nachahmend

Subjektive Erfahrungen stehen

im Vordergrund;

Die Lyrik erlebt eine neue

Blüte.

Abkehr vom Naturalismus

Die Koexistenz der „ismen“

Kennzeichen der Moderne:

die Wendung nach innen

„So stehen wir voll Mut und Hoffnung auf der Schwelle des neuen

Jahrhunderts, voll Vertrauen auf den alten Gott der Deutschen und

unsere eigene Kraft. Erhalten uns diese beiden den Frieden, dann

wird jeder neue Tag des kommenden Jahrhunderts Großes bringen,

und das Große noch Größeres erzeugen, und jedes neue Jahr wird

Herrliches bringen, das wieder Herrlicherem weicht, und wie der

Dichter sagt: Die Welt wird schöner mit jedem Tag, man weiß nicht,

was noch werden mag.“

Eine großartige Zukunft steht Deutschland bevor – dieser naive

Fortschrittsoptimismus prägt die vielen Ansprachen und Artikel

in den Wochen um den magischen 1. Januar 1900. Der Übergang

ins 20. Jahrhundert ist Anlass, Bilanz zu ziehen. Der historische

Moment dient dazu, die deutsche Geschichte des 19. Jahrhunderts

noch einmal Revue passieren zu lassen und eine Vorschau auf die

wahrscheinlichen Tendenzen im 20. Jahrhundert zu wagen.

Vor der übergreifenden Begeisterung sind wenige Menschen in

Deutschland immun. Es sind allenfalls die jungen, nicht arrivierten

Autoren und Künstler, die sich aus diesem rauschhaften Empfinden

heraushalten. Aus ihrer Haltung spricht nicht der Protest

gegen eine überheblich-selbstgefällige Nabelschau. Sie sind an

gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Problemen

ihrer Zeit schlicht nicht interessiert. Angewidert von einem Kulturbetrieb,

der sich auf eine epigonale Klassikernachfolge beschränkt,

auf Entspannung, Amüsement und Freizeitunterhaltung

ausgelegt ist, suchen sie ihre Nischen und setzen darauf, die

eigenen subjektiven Erfahrungen auszudrücken. Dazu eignet sich

vor allem die Lyrik, die in der Zeit um die Jahrhundertwende eine

neue Blütezeit erlebt.

Gemeinsam ist den Autoren die Abkehr vom Naturalismus, dem

sie vorwerfen, sich ausschließlich auf die „hässliche“ Wirklichkeit

versteift zu haben. Ihm stellen sie eine Vielzahl von Theorien und

Stilen, von Kunstrichtungen und literarischen Bewegungen entgegen,

die um die Jahrhundertwende neben- und gegeneinander

existieren: Ästhetizismus, Impressionismus, Symbolismus, Neuromantik,

Jugendstil, Décadence ... Die Vielzahl der „ismen“ ist

geradezu ein Kennzeichen der sich selbst als Moderne definierenden

Bewegungen. Sie fordern das Attribut „modern“ für sich ein

und verstehen bei allen trennenden Widersprüchen darunter als

gemeinsame Position: eine innovative, aufs Äußerste verfeinerte

Anverwandlung der Realität, die Wendung nach innen, in Richtung

auf die Psychologie der Nerven und Sinne und in die Welt der

Sprache, der poetischen Kunstwerke.


1.2 Kunst und Literatur

Vorläufer und Vorbilder

Stimmungen und persönliche Eindrücke festzuhalten, ist der zentrale

Inhalt der Kunstwerke, die sich selbst genügen, Kunst um der

Kunst willen, sein wollen. Dieses Verständnis von Literatur wird

durch die Gedichte der französischen Lyriker Arthur Rimbaud und

Charles Baudelaire vorgeprägt. In Deutschland ist es vor allem Stefan

George, der an Baudelaire anknüpft und seinen Gedichtband

„Les fleurs du mal“ übersetzt. Er vertritt das „l’art pour l’art“ des

Symbolismus uneingeschränkt: Dichtung als eine freie und autonome

Schöpfung, die allein dem Willen des Dichters selbst unterworfen

ist. George versteht sich als einsamen Rufer in der Wüste,

als Propheten einer neuen Kunst, der einen exklusiven Kreis von

Schülern um sich aufbaut. Die reine Kunst gilt es zu erschaffen, die

sich von allen gesellschaftlichen Bedürfnissen fern halten kann

Erhabene Feierlichkeit, die auch nicht vor einer die Lächerlichkeit

streifenden Exaltiertheit gefeit ist, prägt den Kreis Stefan Georges.

Für die jungen expressionistischen Autoren ist diese Selbststilisierung

Georges wenig attraktiv. Mit seinem Schönheitskult wie dem

elitären Selbstverständnis können sie wenig anfangen. Für Georg

Heym etwa ist er nichts als ein Scharlatan, „der sakrale Kadaver

eines St. George“.

Als Inbegriff der Moderne, von Jugendlichkeit, von Provokation

und Aufruhr gelten ihm die Franzosen Rimbaud und Baudelaire.

Allein durch ihre Biographie hätten sie bewiesen, dass sie „Kerle

(seien), die sich noch sehen lassen können“. Das kurze, wilde

Leben Arthur Rimbauds jenseits bürgerlicher Konventionen fasziniert

die Expressionisten. Ebenso ist ihr Verständnis von Ästhetik

überzeugend; Charles Baudelaire definiert den Charakter der

Moderne als eine Empfänglichkeit für das Flüchtige, das Transitorische,

das verstörend Unterbewusste. Die Hässlichkeit, die in

schockierenden, makabren Motiven zum Ausdruck kommt, lasse

die wahre Existenz des Menschen erkennen.

Impulse für eine neue Ästhetik kommen aus der bildenden Kunst:

auch hier sind es vor allem die Franzosen, deren Einfluss sich geltend

macht. Die Gemeinschaftsausstellung von 18 Künstlern 1874

in Paris löst bissige Kritik aus, da sie dem herrschenden konservativen

Geschmack der Pariser Salons widerspricht. Die Bilder

von Monet, Dégas, Cézanne, Pissarro, Sisley u.a. erschließen neue

Themen – den Alltag der Boulevards, der Bars und Cabarets -, sie

gehen mit ihrer Staffelei ins Freie und unterwerfen sich den unbeständigen

Lichteindrücken, um die Atmosphäre mit allen Nuancen

einzufangen, die Formen lösen sich auf, Farben nehmen

„L’art pour L’art“

1

Rimbaud und Baudelaire als

Vorbild

Der George-Kreis: bewusste

Abwendung von der Alltagswirklichkeit,

ein elitärer

Schönheitskult

exaltiert: überspannt, leidenschaftlich

erregt

Die Faszination der

Hässlichkeit

transitorisch: vorübergehend

Impulse aus der bildenden

Kunst: die französischen

Impressionisten

7


8

1 einen zentralen Rang ein. Der zunächst verächtlich gemeinte Titel

„Impressionisten“ gibt ein treffendes Bild dieser Stilrichtung und

bleibt daher auch über den aktuellen Anlass erhalten.

Hugo von Hofmannsthals

„Vorfrühling“: ein Beispiel

symbolistischer Naturschilderung

Im Vergleich mit August

Stramms expressionistischer

Lyrik

Als impressionistischer Lyriker schreibt auch der junge österreichische

Autor Hugo von Hofmannsthal (1874 – 1929): Er gestaltet Sinneseindrücke,

die einer detailliert beobachteten und beschriebenen

Außenwelt entnommen sind, feinste Nuancen der Wahrnehmung

wiedergeben. Sein Gedicht „Vorfrühling“ (1892) schildert in

einzelnen Momentaufnahmen den Weg des „Frühlingswind(es)“

durch die menschliche Welt und durch die Natur. Die Bewegungen

sind ruhig und ausgeglichen: gleitend, schwebend, fliegend,

wehend. Die lyrisch klagende Sprache entspricht den sanften

Bildfolgen. Der Autor strebt eine Erweiterung der Sinne mit den

Mitteln der Sprache an und versucht, eine neue Unmittelbarkeit

der Lyrik der technisierten Welt entgegenzustellen.

Hugo von Hofmannsthal: „Vorfrühling“

Es läuft der Frühlingswind Er glitt durch die Flöte

Durch kahle Alleen. Als schluchzender Schrei,

Seltsame Dinge sind An dämmernder Röte

In seinem Wehn. Flog er vorbei.

Er hat sich gewiegt, Er flog mit Schweigen

Wo Weinen war, Durch flüsternde Zimmer

Und hat sich geschmiegt Und löschte im Neigen

In zerrüttetes Haar. Der Ampel Schimmer.

Er schüttelte nieder Es läuft der Frühlingswind

Akazienblüten Durch kahle Alleen.

Und kühlte die Glieder, Seltsame Dinge sind

Die atmend glühten. In seinem Wehn.

Lippen im Lachen Durch die glatten.

Hat er berührt, Kahlen Alleen

Die weichen und wachen Treibt sein Wehn

Fluren durchspürt. Blasse Schatten.

Und den Duft,

Den er gebracht,

Von wo er gekommen

Seit gestern Nacht.

Vergleicht man Hofmannsthals Gedicht mit dem gleichnamigen

expressionistischen Text von August Stramm – „Vorfrühling“,

1914/15 –, wird die radikale Veränderung sichtbar, die innerhalb

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