MAGAZIN MUSEUM.DE

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MAGAZIN MUSEUM.DE

Ausgabe 11 12 | 2012 http://magazin.museum.de

MAGAZIN

MUSEUM.DE

Max Planck Science Tunnel

im Heinz Nixdorf MuseumsForum


Wir machen Exponate begreifbar.

heddier electronic ist seit 1989 der verlässliche

Partner für multimediale Technik

und Sicherheit. Wir beraten Sie qualifiziert

und entwickeln Konzept und Lösung für

Ihre speziellen Bedürfnisse – von der Idee

bis zur Inbetriebnahme.

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Titelfoto: © Archimedes Exhibitions

In diesem Heft:

Max Planck Science Tunnel

HNF Paderborn 6

13. Szenografie-Kolloquium

DASA Dortmund 14

Marketplace im

Szenografie-Kolloquium 22

Bike Experience

Deutsches Zweirad- und

NSU-Museum Neckarsulm 28

Mit dem Smartphone

ins Museum 34

Schwarze Romantik

Städel Frankfurt 36

Verführung Freiheit.

Kunst in Europa seit 1945

DHM Berlin 42

Schuhtick

LVR-Museum Bonn 50

Friedrich und Potsdam 64

Frank Stella Retrospektive

Kunstmuseum Wolfsburg 68

… es werde Licht!

Hinter Aegidien,

Braunschweig 70

3D-Rekonstruktion der

Bischofsburg Xanten 80

Audioguide museum.de 84

Kooperation mit Unternehmen –

Interview mit Barbara Wiench,

smkp Düsseldorf 88

Workshop Marketing,

Sponsoring, und Kooperation

mit Unternehmen 95

Bericht vom 2. Museumstreffen

in Bonn 97

MAGAZIN MUSEUM.DE

Ausgabe Nr. 11, Auflage 6.400

Dezember 2012

Herausgeber

Uwe Strauch, Dipl.-Inf TU

Der deutsche Computerpionier

Heinz Nixdorf erlag

am 7. März 1986 auf der

CeBIT einem Herzinfarkt.

Ich jobbte damals als

Informatikstudent bei einer

norwegischen Computerfirma und

hielt mich zu diesem Zeitpunkt in einer

benachbarten Halle auf. Die traurige

Nachricht erreichte schnell alle Messegäste.

Auf Einladung des Heinz Nixdorf MuseumsForum

(HNF) – dem größten Computermuseum

der Welt – nahm ich kürzlich

an der Eröffnung der Sonderausstellung

»Max Planck Science Tunnel. Wissen

schaffen – Zukunft gestalten« in Paderborn

teil. Man hatte den Eindruck, dass

der Pioniergeist Nixdorfs allgegenwärtig

ist. Einen passenderen Ort für die

Premiere des Science-Tunnel III, der ab

April 2013 in Moskau und danach auch

in Asien zu sehen sein wird, hätte die

Max-Planck-Gesellschaft kaum finden

können.

Die Entwickler der ersten Rechenmaschinen

wurden von vielen Menschen belächelt,

weil sich nicht für jeden Zeitgenossen

der Sinn erschloss.

Uwe Strauch

Kurfürstenstr. 9

46509 Xanten

Dr. Kurt Beiersdörfer

(Geschäftsführer Heinz Nixdorf

MuseumsForum)

Telefon 02801-9882072

Telefax 02801-9882073

museum@mailmuseum.de · http://magazin.museum.de

Wahrscheinlich wäre auch Kopernikus

begeistert gewesen, hätte man »seine«

Weltordnung schon damals in einem

Museum à la HNF erklärt.

Museen sind nicht ausschließlich dazu

da, um etwas zu bewahren. Sie sind

die Startrampen für Zeitreisen, die mit

der Vergangenheit beginnen. Next Stop

Gegenwart. Der letzte Reiseabschnitt

»Zukunft und Ausblick« bedingt die Existenz

der ersten beiden Stationen. Albert

Einstein sagte: »Mehr als die Vergangenheit

interessiert mich die Zukunft, denn in

ihr gedenke ich zu leben.«

Mein Beitrag zur Reise in die Museums-

Zukunft ist der kostenlose Audioguide,

den wir in die App von museum.de integrieren

(siehe Artikel Seite 84). Zur Premiere

im Mai möchte ich Sie schon jetzt

herzlich nach Xanten einladen. Ich habe

dazu einen Tag »Die Türme von Xanten«

ins Leben gerufen, bei dem unsere mittelalterlichen

Türme geöffnet sein werden.

Ein innovatives Jahr 2013 wünscht

Uwe Strauch

Druck: druckstudio GmbH

www.druckstudiogruppe.com

Prof. Dr. Peter Gruss,

Präsident der Max-Planck-

Gesellschaft im HNF

Design: Andrea Wark

www.andrea-wark.de

Foto: © Jan Braun


4

Der Begriff der Szenografie

ist im Ursprung

eng mit dem Entwurf

von Bühnenbildern

verbunden. Er hat in

jüngerer Zeit jedoch

eine Bedeutungserweiterungerfahren:

Definiert als die

Gestaltung der visuellen

und räumlichen Dimension szenischen Geschehens, lassen

sich Strategien und Methoden der Szenografie nicht nur im

Theater, Film und Fernsehen anwenden, sondern auch für die

Inszenierung von Ausstellungen.

Licht ist ein zentrales Medium der Szenografie, denn die Möglichkeiten,

Räume durch Licht zu gestalten, sind praktisch grenzenlos.

Mit Licht können Ausstellungen immer wieder neu

interpretiert werden. Solche Verwandlungen unter der Einbeziehung

der Zeitdimension zu steuern und in Szene zu setzen,

bezeichnen wir daher als »Szenografisches Licht«. Mit den entsprechenden

Hard- und Software- Werkzeugen lässt sich Licht

in seiner Wechselwirkung mit Raum, Zeit und Atmosphäre zu

einer schlüssigen Szenografie formen.

Ob auf der Bühne oder in der Ausstellungsarchitektur, eines ist

dem szenografischen Licht in beiden Formen gemeinsam: Es

folgt einem Handlungsstrang, einer Dramaturgie, und es vermittelt

simultan mit den Eindrücken der anderen Sinne Inhalte

auf einer rationalen wie auch emotionalen Ebene.

Storyboard und Moodboard

beschreiben, Assoziationsketten

bilden und

die Phantasie anregen.

Steht bei dem Moodboard

zunächst das

ungefilterte Zusammentragen

von Bildern

und der freie

Fluss der Gedanken

im Mittelpunkt, um

Themen einzukreisen, so geht man bei der Bewertung und Verdichtung

analytischer vor. Aus den Bildern lassen sich Aussagen zu

den gewünschten Lichteigenschaften und Effekten ableiten: Der

Vorzug von diffusem Licht gegenüber kontrastreichen Übergängen

von Licht und Schatten, die Neigung zu bestimmten Lichtfarben

mit pastelligen oder gesättigten Farbtönen sowie die Ideen

zu bestimmten Lichteffekten. Schattenbilder auf Fotos lassen sich

zum Beispiel in der Lichtplanung als Projektion aufgreifen. Sind

Lichtstimmungen durch Moodboards beschrieben und als Lichtszene

skizziert, können sie nahtlos in die zeitliche und räumliche

Organisation des Storyboards integriert werden.

Licht und Szenografie

Szenografisches Licht benötigt erweiterte Planungsprozesse

gegenüber der Entwicklung statischer Beleuchtungskonzepte.

Planungswerkzeuge wie Storyboard und Moodboard helfen, eine

geignete Lösung für die definierte Aufgabe zu finden. Als gestalterisches

Hilfsmittel für szenografische Beleuchtung bietet sich

Planern zuerst die Arbeit mit einem Storyboard an. Mit skizzenhaften

Darstellungen fungiert es als kreatives Drehbuch für den

räumlichen und zeitlichen Ablauf einer Lichtinszenierung. Darstellungsmedium,

Stil und Detailtiefe bleiben dabei natürlich dem

Entwerfer überlassen – allerdings sollten die Skizzen Lichtqualitäten

wie Helligkeits- oder Farbkontraste ausdrücken. Die Wechselwirkung

von Licht, Zeit und Raum erzeugt einen Spannungsbogen,

bei der die Dynamik des Lichts eng mit der Architektur

verknüpft ist. So entstehen Orte mit einer starken Ausstrahlung.

Als Werkzeug für die Visualisierung und Kommunikation von

Stimmungen übernehmen Moodboards eine bedeutende Rolle im

kreativen Prozess, indem sie Impressionen einfangen, Emotionen

Tune the Light

Technisch kann dies alles mit einem ERCO DALI-Lichtsteuersystem

umgesetzt werden, das speziell für die szenografische

Beleuchtung entwickelt worden ist. Es folgt einem innovativen

Ansatz: Intelligent angewandte DALI (Digital Addressable Lighting

Interface) Technologie für individuell adressierbare Leuchten

bildet zusammen mit der Software ERCO Light Studio ein integriertes

System. Zusammen mit dem umfassenden Programm an

DALI-fähigen ERCO Leuchten für die Ausstellungsbeleuchtung

lassen sich szenografische Lichteffekte so einfach und wirtschaftlich

einsetzen wie nie zuvor. Die konsequente Integration

von Soft- und Hardware setzt neue Maßstäbe hinsichtlich Bedienkomfort,

Funktionsumfang und kreativer Kontrolle. »Tune

the light« heißt nicht zuletzt, all diese neuen Gestaltungsspielräume

erfolgreich zu erschließen und zu nutzen.

Weitere Informationen finden

Sie in unserer Broschüre

»Licht und Szenografie«,

die Sie unter nachfolgender

Adresse kostenlos anfordern

können.

Dr.-Ing. Wolfgang Roddewig

Leiter Segment Museum

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Logotec LED

tune the light

Premiere für Logotec LED

Strahler – die erste Strahlerserie

von ERCO, die konsequent

um die LED, das Leuchtmittel

der Zukunft, herum konstruiert

wurde. Mit einem Design, das

der innovativen Lichttechnik

Ausdruck verleiht. Das flache

Gehäuse aus Aluminiumguß

integriert das Betriebsgerät

und sorgt mit ausgefeiltem

E

Wärmemanagement für lange

Lebensdauer. Hochleistungs-

LEDs in Warmweiß oder Tageslichtweiß

bieten Lichtströme

von bis zu 1080 lm bei nur

14W Anschlußleistung – eine

vergleichbare Niedervolt-

Halogenlampe benötigt 50W.

Nur bei ERCO gibt es die

besonders effiziente LED-

Lichttechnik aus Kollimatoren

und Spherolitlinsen – mit sechs

Lichtverteilungen von narrow

spot bis wide flood, oval flood

und wallwash: Für kreative

Lichtkonzepte mit effizientem

Sehkomfort.

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6

Max Planck Science Tunnel

Wissen schaffen – Zukunft gestalten Fotos:

Neue Sonderausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum: Paderborn bildet den Startschuss für die weltweite Tournee des

Max Planck Science Tunnels. Das Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) zeigt vom 18. Oktober bis zum 24. Februar 2013 die neuartige

Multimediaausstellung, bevor sie ab April in Moskau zu sehen sein wird.

© Jan Braun/Heinz Nixdorf MuseumsForum

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8

Der Science Tunnel ist eine der

erfolgreichsten wissenschaftlichen

Ausstellungen überhaupt. Die ersten

beiden Versionen haben seit der Expo

2000 über neun Millionen Menschen

gesehen. Nun ist der Science Tunnel völlig

neu konzipiert und realisiert worden und

beindruckt mit faszinierenden medialen

Installationen.

Die Ausstellung wendet sich an die allgemeine

Öffentlichkeit und wirbt mit

aktuellen Forschungsergebnissen und

-perspektiven für deutsche Spitzenforschung.

Sie soll zeigen, wie Wissenschaft

und Technologie unser Leben in den kommenden

Jahrzehnten verändern werden.

Damit werden sowohl interessierte Museumsbesucher

als auch Schulklassen angesprochen.

Die großformatigen Bilder und herausgehobenen

Objekte werden multimedial

unterstützt durch Augmented-Reality-Apps.

Die Besucher können sich kostenlos

einen digitalen Ausstellungsführer

ausleihen, der vertiefende Informationen

zu den Ausstellungseinheiten mithilfe von

Videos, Fotos und Texten liefert. Zusätzlich

informieren in der Ausstellung Studierende

der Universität Paderborn als

Scouts die Besucher über die acht Themen

Universum, Materie, Leben, Gesundheit,

Energie, Gehirn, Gesellschaft und

Komplexitätsforschung. Dabei werden

die Gebiete aus unterschiedlichen Blickwinkeln

betrachtet und von unterschiedlichen

Disziplinen beleuchtet. So ergibt

sich ein neuartiges Bild heutiger Grundlagenforschung

und ihrer überragenden

Bedeutung bei der Lösung der entscheidenden

Zukunftsaufgaben unserer Zeit.

Ergänzt werden diese Bereiche durch

einen Prolog und einen Zentralbereich,

der alle Themen zusammenführt und den

Austausch mit den Besuchern ermöglicht.

»Den Begriff ‚Tunnel‘ darf man nicht zu

eng sehen«, betonte Prof. Dr. Peter Gruss,

Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, in

seinem Eröffnungsvortrag. »Einen Tunnelblick

erwarten wir von unseren Besuchern

allenfalls im dem Sinne, dass sie sich ganz

auf die wissenschaftlichen Inhalte fokussieren

sollten. Ansonsten bewirkt die Ausstellung

genau das Gegenteil: Sie weitet

den Horizont für eine Vielzahl an Themen,

mit denen sich Wissenschaftler in

unseren Max-Planck-Instituten und weltweit

befassen. Ihre Ergebnisse werden

den Alltag von uns allen in der Zukunft

beeinflussen.«

HNF-Geschäftsführer Dr. Kurt Beiersdörfer

erläuterte, warum das Heinz Nixdorf MuseumsForum

den Science Tunnel präsentiert:

»Die Ausstellung zeigt in unterhaltsamer

Form den derzeitigen Forschungsstand in

den zentralen Wissenschaftsbereichen,

die für die weitere Entwicklung unserer

Gesellschaft entscheidend sind. Wir hoffen

vielen – insbesondere jungen – Menschen

ein bisschen von der Faszination zu

vermitteln, die es mit sich bringt, an der

vordersten Front der wissenschaftlichen

Entwicklung dabei zu sein«.

»Das HNF und die Universität Paderborn

kooperieren bereits seit vielen Jahren und

verfolgen u. a. mit den Paderborner Wissenschaftstagen

das gemeinsame Ziel,

Kinder und Jugendliche für Wissenschaft

und Technik zu begeistern«, sagte Prof.

Dr. Nikolaus Risch, Präsident der Universität

Paderborn. Mit dem Science Tunnel

fände eine fantastische Wissenschaftsausstellung

statt, in der die Max-Planck-

Gesellschaft ihre herausragende und

international anerkannte Kompetenz im

Bereich der Grundlagenforschung einer

breiten Öffentlichkeit sehr anschaulich

demonstriere. Diese bringe vielen Menschen

das Thema Wissenschaft und Technologie

näher, daher sei es selbstverständlich,

dass die Universität diese besondere

Ausstellung unterstütze.

Der Science Tunnel umfasst eine Fläche

von 800 Quadratmetern im 3. Obergeschoss

des Heinz Nixdorf MuseumsForums.

Nach dem Abbau wird er ab April

2013 in Moskau als Beitrag zum Deutschland-Jahr

in Russland zu sehen sein. Wei-

tere Stationen in Europa und Asien werden

zurzeit vorbereitet.

Während der gesamten Laufzeit wird ein

umfangreiches Rahmenprogramm im HNF

die Themen der Ausstellung vertiefen.

An fünf Abenden werden von November

bis Februar international renommierte

Spitzenforscher von Max-Planck-Instituten

zu einzelnen Themen der Ausstellung

für das interessierte Publikum vortragen.

Darunter sind der Hirnforscher Prof. Dr. Dr.

Wolf Singer und der Psychologe Prof. Dr.

Gerd Gigerenzer. Höhepunkt der Begleitveranstaltungen

wird die »Lange Nacht

der Wissenschaften« am 12. Januar sein,

in der drei Institutionen an der Fürstenallee

– Heinz Nixdorf Institut der Universität

Paderborn, HNF, Zukunftsmeile – eingebunden

sind.

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Foto: © Archimedes Exhibitions

10

Für die jüngeren Besucher stehen während

der Laufzeit der Ausstellung sechs

unterschiedliche museumspädagogische

Veranstaltungen zur Auswahl bereit.

Schulklassen ab der Jahrgangsstufe 8

können klassische Führungen mit einem

Besuch im Schülerlabor coolMINT kombinieren,

das die Universität Paderborn und

das HNF gemeinsam betreiben.

Der Science Tunnel wird unterstützt durch

das Auswärtige Amt, den Stifterverband

für die deutsche Wissenschaft sowie

durch die Wirtschaftspartner Siemens

und Volkswagen. Am Standort Paderborn

wird die Ausstellung getragen vom Heinz

Nixdorf MuseumsForum und unterstützt

von der Stiftung Westfalen und der Universität

Paderborn.

Themen des Max Planck

Science Tunnels

Der Max Planck Science Tunnel nimmt

neueste Themen der Grundlagenforschung

zum Ausgangspunkt, um

Möglichkeiten und Chancen wissenschaftlich-technischer

und sozialer Innovationen

in naher und weiter entfernter

Zukunft aufzuzeigen. Die acht Themen

des Science Tunnels sind:

• Universum – Von den Quarks in den

Kosmos

• Materie – Design der Nanowelt

• Leben – Von den Bausteinen zu den

Systemen

• Komplexität – Von den Daten zur

Erkenntnis

• Gehirn – Wunderwerk im Kopf

• Gesundheit – Forschen für die

Medizin der Zukunft

• Energie – Leben im Anthropozän

• Gesellschaft – Welt im Wandel

Die Ausstellung präsentiert diese Themen

mit großformatigen Abbildungen, Grafiken,

Exponaten, Interviewfilmen und

Animationen. Die Besucher folgen den

Wissenschaften in die größten und kleinsten

Dimensionen, in soziale Zusammenhänge,

biomechanische Abläufe in Pflanzen,

komplexe Hirnstrukturen, chaotische

Turbulenzen an der Grenze von Wolken,

den Mustern komplexer (sozialer) Netzwerke

bis zur Entstehung selbstorganisierter

Systeme – biologischer oder technischer

Natur.

Eine wesentliche Grundlage der Wissenschaft

lotet die Exponatreihe »Die

moderne Vermessung der Welt« aus: das

Messen und Analysieren – in den unterschiedlichen

Maßstäben, Einheiten und

Größen.

Den Weg durch die Welt der Grundlagenforschung

der Max-Planck-Institute

weist ein digitaler Ausstellungsführer, der

zusätzliche Filme, Interviews und virtuelle

Einblicke per Augmented-Reality-Applikationen

bietet. Nicht zuletzt erhalten die

Besucher damit Gelegenheit, ihre individuellen

Fragen an die Zukunft zu stellen

und wie in einer Zeitkapsel auf die Reise

mit dem Science Tunnel um die Welt zu

senden. Individuelle Wünsche und Ideen

werden so von Ausstellungsort zu Ausstellungsort

in einen weltweiten Meinungsstrom

münden.

Konzipiert und umgesetzt wurde der

Max Planck Science Tunnel von einem

Projektteam der Max-Planck-Gesellschaft

in München und Berlin und der Ausstellungsagentur

Archimedes Exhibitions

Berlin. Die Ausstellung richtet sich an die

allgemeine Öffentlichkeit mit speziellem

Impuls an Schüler und Studenten, um

ihnen eine Karriere in wissenschaftsnahen

Berufen oder in der Forschung nahe

zu bringen.

Kontakt:

Andreas Stolte,

Heinz Nixdorf MuseumsForum,

Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,

Telefon 05251 306-914,

astolte@hnf.de

Dr. Andreas Trepte,

Max-Planck-Gesellschaft zur

Förderung der Wissenschaften e.V.,

Leiter des Referats für Wissenschaftspräsentation

und -marketing,

Telefon 089 2108-1407,

andreas.trepte@gv.mpg.de

Öffnungszeiten:

Dienstag - Freitag: 9 - 18 Uhr;

Samstag/Sonntag: 10 - 18 Uhr;

montags geschlossen.

Bitte beachten Sie die Regelung für

die Öffnungszeiten an Weihnachten

und Neujahr auf www.hnf.de.

Der Eintritt zum Max Planck Science

Tunnel ist frei.

Weitere Informationen:

www.sciencetunnel.de

www.hnf.de/sciencetunnel.html

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Fotos: © Archimedes Exhibitions

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Erzählen ist eine Urform der menschlichen

Kommunikation. Es bedient unser

Bedürfnis nach Kausalität. Aus Daten,

Ereignissen, Themen, Formeln werden

Gründe, folgen Zusammenhänge: eine

Geschichte. »Was ist die Geschichte hinter

den Objekten?« fragen Journalisten,

Kuratoren, Ausstellungsbesucher. Archimedes

hilft, diese Geschichten zu zeigen

– in der Szenografie, der Präsentation von

Objekten und deren Einbettung in narrative

und wissenschaftliche Kontexte.

Meist sind es die komplexen Themen

und unerwarteten Zusammenhänge, die

faszinieren, wenn sie sichtbar gemacht

werden. Archimedes hebt genau diese

Schätze und macht sie in überraschen-

Rekonstruktion eines Neandertaler-Stirnbeins: Mittels der Augmented-Reality-App erfahren Besucher,

wie Wissenschaftler aus Knochen-Fragmenten virtuell einen Neandertaler-Schädel rekonstruieren.

den Kontexten, mittels Interaktionen

und neuen Technologien, die gezielt in

die Dramaturgie und Szenografie der

Ausstellung eingebunden sind, zu einem

unvergesslichen Ausstellungserlebnis.

Objekte können berührt, gesteuert,

belauscht und bestaunt werden

und machen Themen so nicht nur

aktional, sondern auch ästhetisch

und emotional erfahrbar.

Konvergente Szenografie

für die Forschung

Selten waren Forschung und Lebenswelt in

einem Trend so nahe beieinander: Der Konvergenz

von Themen, Technologien und

Medien. Für den Max Planck Science Tunnel

hat Archimedes eine Inszenierung entworfen,

die klassische und virtuelle Objekte

mit Forschungsbildern, wissenschaftlichen

Statements, Publikumsfragen und -wünschen

zu einer eigenen Tour d’Horizon

verbindet – sichtbar, erklärbar und erzählbar.

Als Wissens-Horizont gestaltete Archimedes

eine Szenografie, die die Dynamik

der Forschungswelt in wechselnde Bogenkonstruktionen,

Spannungsbögen und

Lichtinszenierungen übersetzt. Einfache

und erstaunliche Objekte aus der aktuellen

Arbeit der Max-Planck-Wissenschaftler

markieren in der Dramaturgie Akzente

Der Max Planck Science Tunnel setzt eines der

weltweit erfolgreichsten Formate in der Wissenschaftsvermittlung

fort. Als Wanderausstellung

reist er um die ganze Welt und setzt ein klares

Statement in seiner Gastarchitektur.

Der Roboter Felix kann in Echtzeit die Mimik seines

Gegenüber nachahmen. Möglich wird die Interaktion

durch eine Kombination hoch entwickelter

Softwarelösungen und einer damit verbundenen

ausgeklügelten Antriebsmechanik

Der urbane Platz im Bereich ME-US:THEM lädt die

Besucher ein, sich mit sich selbst, ihren Beziehungen

zu Gruppen und zur Gesellschaft auseinanderzusetzen.

aus dem Forschungsalltag. Eine Augmented-Reality-App

»zoomt« die Details nah

heran und schildert ausführlich den wissenschaftlichen

Kontext der Objekte.

Was Teenager wirklich interessiert

Seit einem Jahr wendet sich die Ausstellung

»Re:generation« im Copernicus

Science Center in Warschau erfolgreich

an Jugendliche. Im Mittelpunkt stehen die

Besucher und ihr Verhältnis zu sich selbst

und – basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen

aus Soziologie, Psychologie,

Neurobiologie und Ethnologie – zur ihrer

Umwelt. Auf einer Fläche von über 1.000

qm entwickelte Archimedes vier szenografische

Räume: von «ME« über »ME - YOU«,

»ME-US-THEM« bis zu »ME-WORLD««

werden die Konflikte, Facetten und Koordinatensysteme

der Lebenswirklichkeit junger

Menschen anspruchsvoll beleuchtet.

Das Herzstück der Ausstellung, die Exponate,

sind so konzipiert, dass sie in zunehmender

Interaktion der Besucher gespielt

und getestet werden.

Aus Objekten werden Geschichten

Neue Wege, Geschichten

zu entdecken

Archimedes entwickelt in Gemeinschaftsprojekten

mit Forschungsinstituten

Software und Präsentationstechniken.

Dieses Know-how fließt in Exponate und

Tools für die harte Praxis im Ausstellungsbetrieb

ein: attraktiv für die Besucher,

einfach zu pflegen für die Museen und

technisch auf Jahre verlässlich. Hinter den

Exponaten steht ein erprobtes Exhibition-Management-System,

das die Bereitstellung

von Content und audio-visuellen

Inhalten für Multi-Media-Anwendungen

und mobile Endgeräte – sei es der Museum-Audioguide

oder das Smartphone

eines Besuchers – unterstützt.

Am SessionDesk 2.0.können Besucher als Gruppe

oder einzeln Texte, Bilder, Filme bis hin zu komplexen

3D-Daten intuitiv mittels Fingergeste steuern.

Mit dem SessionDesk (interaktiver

Medientisch) realisierte Archimedes beispielsweise

ein Multi-Touch- und Multi-User-System.

So lassen sich Sammlungsbestände

und Archive für die Besucher in

faszinierender interaktiver Umgebung

präsentieren. Die datenbankbasierten

Anwendungen erlauben ebenfalls die

einfache Interaktion von Besuchern und

Social-Media-Auftritten der Museen.

Archimedes Exhibitions, Berlin, Kassel

www.archimedes-exhibitions.de

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Fotos: © DASA Dortmund | Uwe Völkner

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Was ist Szenografie

Prof. und Direktor Gerhard Kilger

A | Syntax in

narrativen Räumen

In Museen wird Szenografie sehr kontrovers

diskutiert. Dies hat in Deutschland

vor allem damit zu tun, dass die Museen

die Beschäftigung mit den Sammlungen

als ihre Hauptaufgabe sehen und weiterhin

sehen werden. An das Ausstellen

selbst wurden selten wissenschaftliche

Kriterien gestellt. Die Qualität der Vermittlung

wurde und wird häufig den

Museumspädagogen überlassen, diese

haben Präsentationen meist aufzuarbeiten

anstatt mit zu gestalten. Dass die

Ansprüche an hochwertiger Vermittlung

durch die Methode des Ausstellens weit

über das hinausgeht, was Designer und

Pädagogen leisten können, dies zeigt der

kontroverse Diskurs.

Die Bezeichnung Szenografie für die

Methode der Ausstellungsgestaltung ist

aus dem Theater entlehnt. Weil das deutsche

Wort »Gestaltung« nicht zu übersetzen

ist, hat sich im Zuge der Planungsarbeiten

der EXPO 2000 in Hannover der

deutschsprachige Raum dazu entschlossen,

den französischen und angloamerikanischen

Gebrauch dieses Wortes für die

Ausstellungsgestaltung zu übernehmen.

Dieser ist mit dem im Theaterwesen gängigen

Begriff nicht identisch.

Elementarraum Vier kubische, ganzheitliche

»Elementarräume« geben die abstrakten Begriffe

von geistiger, physischer, psychischer und sozialer

Kompetenz wieder. Material, Licht, Chiffren, Klänge,

Geruch und Interaktion verbinden sich zu szenografischer

Gesamtheit.

15


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Fotorundwand Die Belange des Mensch-Seins in einer technisierten Arbeitswelt. Licht, Lichtführung und Fotokunst umgeben die Technik der »neuen Arbeitswelten« in der Ausstellung.

Es war aber gerade dieses Ereignis zur Jahrtausendwende, das

für ernstzunehmende Museumsfachleute erkennen ließ, dass

diese Art – von seriöser Vermittlung weit entfernte Eventökonomie

– für Präsentationsformen in Museen nicht in Frage kam.

Die fachspezifische Diskussion fand deswegen meist außerhalb

des Museumswesens statt – sieht man von den jährlichen Kolloquien

in der DASA in Dortmund ab.

In den Kulturwissenschaften, in den neu geschaffenen Lehrgängen

für Szenografie an den Hochschulen und bei einigen

renommierten Ausstellungsagenturen hatte ein Diskurs darüber

begonnen, welche theoretische Bedeutung man den Objekten

zumessen sollte, wenn man sie zur Vermittlung in Ausstellungsräumen

präsentiert: Sind sie in ihrer Präsenz noch authentisch?

Können sie mit ihrer »Aura« ihre Eigentlichkeit vermitteln? Wie

müssen wir die »Sprache der Dinge« verstehen und in Ausstellungen

einsetzen?

Es waren die Szenografen selbst, die das Thema der Semantik

für sich entdeckten und damit auch die Grundlage für eine wissenschaftlich

ausgewiesene Fachdisziplin schufen. Die Objekte

als Zeichen zu verstehen, deren Bedeutungsfeld – oder Wortfeld

– mit dem ursprünglichen Objekt nur teilweise deckungsgleich

sind. Dieser seit Ludwig Wittgenstein in der Linguistik geführte

Diskurs hatte nun in der Szenografie begonnen.

Mehr noch: Die Objekte in ihrem performativen Erscheinen als

Zeichen zu verstehen, macht natürlich nicht bei ihrer Verwendung

in Ausstellungen (Heiner Wilharm) halt. Szenografie als

Semiotik hat damit grundsätzliche Fragen der Erkenntnistheorie

aufgeworfen. »Haben wir Vertrauen zu dem, was wir sehen?«

und »Welche Bedeutung hat Zwischenraum?«.

Narrative Räume – im anglo-amerikanischen längst diskutiert –

haben die Begriffe der Szenografie auch in Deutschland gefestigt:

Die Sprache der Dinge in ihrer Figürlichkeit einer gestalteten

Innenarchitektur verbindet sich in ihrer Rezeption durch

Publikum zu aussagekräftigen Räumen (Frank den Oudsten).

Diese Verbindung der einzelnen Objekte zur Gesamtheit birgt

ein weiteres Geheimnis: Das Phänomen des Sprungs, bei dem

sich die Summe der Einzelobjekte zu neuer Qualität erhebt. Bei

Friedrich Hegel und Ernst Bloch ist dieses Phänomen nicht nur

auf Materialität bezogen, sondern auch bei geistigen, historischen

und gesellschaftlichen Prozessen festzustellen. In der Linguistik

erscheint uns das ganz alltäglich: Ein Satz ist mehr als die

Summe der Wörter, in seinen Gedanken, in seiner Syntax drückt

er in »neuer Qualität« die narrative Ganzheit gegenüber den

linearen Einzelbedeutungen aus.

Ebenso ist ein gut gestalteter Innenraum mehr als die Summe der

in ihm wahrnehmbaren Objekte und Einrichtungsgegenstände.

Die Semiotik der narrativen Räume gilt es bei der Ausstellungsplanung

zu untersuchen und in welchem Maße die Zeichenhaftigkeit

dieser Räume mit dem Authentischen der Darstellungsinhalte

zu tun hat. Auch wenn die Sprache der Dinge und ihre

»Syntax« in narrativen Räumen einen ganz spontanen Akt nonverbaler

Vermittlung darstellen, so zeigt auch hier der Vergleich

zur Linguistik ein hermeneutisches Problem: Sender und Empfänger

müssen sich verstehen, die Bedeutungen von Gespro-

FAUST

„Nicht das weitschweifige Erklärungen Erfordernde

ist das Interessante im Leben, sondern das, was sich

nur durch viele Erlebnisse erfahren lässt.“

Nörretranders, Tor: Spüre die Welt. Die Wissenschaft des Bewusstseins.

www.museumstechnik.com

FAUST EntryMuseum FAUST EntryArchiv FAUST iServer

Die Datenbank für Sammlungen und Museen

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• Suchmasken und Navigation

• Reports auf Drucker, PDF, HTML u.a.

• Übernahme vorhandener Daten

• Export für Museums-Portale

LAND

Software

Entwicklung

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chenem und zeichenhaft Vernommenem sollen weitgehend

identisch sein. Für einen Gestalter heißt das, nicht die Organisation

und Funktionalität von visuellen Reizen, sondern die Frage,

welche Auffassung und Eindrücke beim Publikum als »Gegenleistung«

entstehen, sollen für seine Gestaltung maßgeblich

sein. Nicht Raumwirkungen mit entsprechender »Reiztopografie«

zu Zwecken der Konditionierung, sondern szenografische

Entwürfe, die sich aus dem Gebrauch, der Bedeutung, aus dem

Verhalten oder dem Erlebnis in öffentlich zugänglichen Ausstellungsräumen

herleiten, sollten zum Einsatz kommen.

Eine derartige Umpolung der Produzentenästhetik auf die Rezipientenanalyse

soll jedoch keinesfalls nur zur Erfüllung eines

vordergründigen Publikumsgeschmacks führen. Im Gegenteil,

die Aussichten auf noch Unbekanntes, auf Neues und Überraschendes,

die Öffnung des Unverhofften gibt der verbalen oder

nonverbalen Vermittlung erst ihren Sinn. Dass der Empfänger

die Zeichen der Objekte möglichst als authentisch versteht,

heißt nicht, dass er sie längst und vollständig kannte. Das Neue

und Überraschende bestimmt den Anteil der Rezeption, der den

Mehrwert und die Nachhaltigkeit für jede Erfahrung in narrativen

Räumen ausmacht. »Das hätte ich nicht erwartet!« kann als

höchste Form von rezeptiver Äußerung über den Zustand eingestuft

werden, den wir üblicherweise mit Begeisterung oder

Faszination bezeichnen. Neben der Erkenntnis und dem Erlebnis

in Ausstellungen ist es vor allem das Staunen, das gute Ausstellungskonzepte

erzeugen sollen.

.

B | Szenografie in Museen

Gänzlich unabhängig von theoretischen Überlegungen haben

Museen das alltägliche Thema der Präsentation von Objekten

in ihren Räumen. Dabei muss man unterscheiden, ob sie Räume

als Gegebenheit (z. B. alte Industriearchitektur), als Darstellungsmittel

(z. B. Hängung im »white cube«) oder als dargestellten

Bedeutungsinhalt (z. B. szenisch gestaltete Innenarchitektur)

verwenden. In jedem dieser drei Fälle findet Vermittlung

durch Gestaltung statt. Man kann nicht nichtgestalten, wie dies

für jede Kommunikation gilt. Insofern kann man für Museen

ganz allgemein definieren:

Szenografie betrifft alle Maßnahmen, die eine beabsichtigte

oder zufällige Raumbildung in öffentlich zugänglichen Räumen

darstellen und dem Zweck des Ausstellens in Museen dienen.

Grundkenntnisse in Szenografie sind deswegen für alle Kuratoren

und Direktoren wichtig. Dies gilt auch für diejenigen im

Museumswesen, die allen gestalterischen Maßnahmen zugunsten

einer reinen Objektpräsentation eher skeptisch gegenüberstehen.

Denn professionelle Ausstellungsplanung muss davon

ausgehen, dass jede Präsentationsform ihre jeweilige »Sprache«

entwickelt. Zudem besteht die Forderung an professionelle Ausstellungsregie

des Kurators, denn die meisten Gestalterbüros

besitzen heute ein hohes fachliches Niveau. Dem kann seitens

der Auftraggeber längst nicht mehr nur die Haltung »Gefällt

mir« oder »Gefällt mir nicht« genügen, vielmehr müssen fachlich

fundierte Vorstellungen vorausgesetzt werden. Vorgege-

Glashaus Das älteste und jüngste Glied der Evolution: Der Mensch im Farnwald. Seine natürlichen Veranlagungen und Belange werden interaktiv mit den Sinnen erfahrbar.

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19


20

13. Szenografie

Kolloquium

23.-25.1.2013

Aussichten -

zur Öffnung des

Unverhofften

Ein interdisziplinärer Austausch mit Fachbei-

trägen, Workshops und Podiumsdiskussionen

für Museums- und Ausstellungsfachleute

sowie mit Beiträgen aus Kunst, Architektur,

Physik, Psychologie, Philosophie,

Medienwissenschaft.

Anmeldung: www.dasa-dortmund.de

ben werden muss – neben Konzeption und Sammlungslisten

– zumindest die Vorstellung von »Raumcharakteren«. Diese

unterscheiden sich beispielsweise in ihrem Sozialbezug, nach

ihrem Psychologiebezug, aber auch in ihrem Bedeutungsproblem.

Dies gilt grundsätzlich und nicht nur für Ausstellungen:

Traditionell haben Räume, die beispielsweise durch Tanz, rituelle

Handlungen, gemeinsames Essen, Schlafen, Musizieren

o. ä. genutzt werden, entsprechende Raumcharaktere. In der

Szenografie leiten sich »Raumbegriff« und »Raumerfassung«

entsprechend der Betrachtung von Skulptur im realen Raum bei

Kunst- und Architekturwissenschaften ab. Gerade von Kuratoren

ist es oft nicht selbstverständlich, dass sich der Raum mit der

Skulptur oder den Ausstellungsstücken innig verbindet und dass

ein multidimensionaler »reeller« Raum entsteht, in dem sich der

betrachtende Mensch bewegt.

Von hoher Bedeutung ist die Kenntnis der anzunehmenden

»Raumnutzung« durch Publikum. Dies gilt auch für die Fähigkeit

zur Orientierung; diese wird geleistet in einem Zusammenwirken

von signifikanten Übergängen, Spannungen und Lichtführungen.

Raumerfahrung hat sich an den natürlichen Veranlagungen und

Befindlichkeiten des Menschen zu orientieren. Das bedeutet,

nicht vorrangig den geometrischen Raum, die Architektur und

ihre objektive Ausdehnung und Maßhaltigkeit zu betrachten,

sondern was wir als menschliche Umgebung, als erlebbare

Rezeption verstehen. Diese durchaus subjektive und sinnliche

Form der Betrachtung von Raum gilt es als Abfolge durch Bege-

hung von Räumen zu begreifen. Für eine planerische »Raumdramaturgie«

gilt es, Zeit und Zeitlichkeit nicht im messbaren Sinne

oder durch Vernunft geprägte Einleitung zu verstehen, sondern

als menschliches Erleben. Und dieses findet mit der Gesamtheit

der Sinne jedes Einzelnen statt. Die Planung muss davon ausgehen,

dass es meist nicht nur um das intentionale, sondern um

das phänomenale Bewusstsein geht – um Begriffe der Bewusstseinsforschung

zu verwenden. Letzteres richtet eben nicht seinen

Verstand ganz aufmerksam auf ein interessantes Ausstellungsstück

aus, sondern es verweilt und verfährt im Raum und

erfährt den unreflektierten Gesamteindruck. Besucherwege in

Ausstellungen bilden in der Rezeption jedes Einzelnen unterschiedliche

Raumfolgen, die es planerisch zu unterscheiden gilt.

Sie wirken stark durch Dramaturgie, wie sie im Theater oder im

Film lange bekannt sind. Einstimmungs-, Vertiefungs-, Studien-

Kleiderfassade Die Sozialpolitik Bismarcks als immaterielles Erbe für den heutigen Sozialstaat: Originalbüste vor der aus Einzelschicksalen gebauten Fabrikfassade

und Verweilzonen, sowie Raum- und Lichtwechsel der Wegeführung

müssen mit Szenografen entwickelt werden.

Museen haben ihre »Schwerkraft« durch ihre Sammlungsbestände

und ihr jeweiliger Bildungsauftrag liegt in der Vermittlung.

Insofern kommt ihrer Gestaltung ein hoher Stellenwert

zu. In ihren Angeboten stehen sie zunehmend in einer durch

digitale Medien geprägten Welt.

Hierbei zeigt sich bereits jetzt, dass die Erfahrung von Originalen

und von persönlichem Erleben ein zunehmendes Bedürfnis

wird. Dieses Potential ist für die Facharbeit der Szenografie eine

große Herausforderung.

21


Foto: © Susanne Dobler

22

Szenografie + DASA-Marketplace

Dortmund, 23.–25. Januar 2013

Der Weg zur begehrten Ausstellung

beim 13. Szenografie-Kolloquium der DASA

Das Szenografie-Kolloquium bei

der DASA in Dortmund ist mit

seinen erstklassigen Referenten

»das Ereignis« für Museen und

Szenografen. Zur Weiterentwicklung

wurde museum.de über eine

öffentliche Ausschreibung mit der

Organisation des ersten Marketplace

beauftragt.

Ziel des Marketplace ist es, den

theoretischen Aspekt der Szenografie

in die Praxis umzusetzen und

vor Ort Beispiele zu zeigen.

Planung und Realisierung von

Ausstellungen sind interdisziplinäre

Teamarbeit. Der Marketplace ist

eine erstklassige Gelegenheit,

kreative Köpfe kennenzulernen, die

als Partner für erfolgreiche Ausstellungen

in Frage kommen.

Wir informieren Sie gern über die

Möglichkeiten Ihrer Präsenz – mit

einem eigenen Stand oder mit

ausgelegten Medien – beim Kolloquium

in Dortmund.

Rufen Sie uns an:

Telefon 02801-9882072 oder

senden Sie eine Anfrage-Mail an

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24

»Alles Künftige ist verbunden mit dem Vergangenen.«

(Marc Aurel)

Archäologie der Niederlande

Rijksmuseum van Oudheden, Leiden | NL

Fotos: Mike Bink

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26

Die Archäologie der Niederlande von der Frühzeit bis zur Jetztzeit,

basierend auf etwa 80 archäologischen Ausgrabungsorten,

präsentiert Kinkorn mit dem Konzept eines Bandes. Das

Band repräsentiert mit seinen Biegungen, Schwingungen und

Wölbungen die Veränderungen der menschlichen Lebensbedingungen.

Es kann die flache, kahle Steppe darstellen, ein

Flussufer, einen dichten Wald oder ein gebautes Habitat mit

hohen Stadtmauern und -toren. Die wechselnden Erscheinungsbilder

werden begleitet von einem Soundscape.

Das fortlaufende Band symbolisiert die nie endende

Geschichte und die Verbindung aller Dinge. Wir entschieden

uns für diese zeitgemäße Form, weil wir heute leben und

Archäologie aus unserem spezifischen Standpunkt in Zeit und

Kultur betrachten, der unseren Rahmen des Verstehens und

Interpretierens gibt. Jedes darin präsentierte Objekt zeigt sich

in eigener Szenerie. Reliefs in der Oberfläche unterstreichen

die voranschreitenden künstlerischen Fähigkeiten der jeweiligen

Zeit. Auch Zeitangaben und Titel finden sich als Relief.

Wir zeigen, dass Archäologie nicht einer entfernten Vergangenheit

angehört, sondern unser tägliches Leben in Zukunft

Gegenstand der Archäologie sein wird. Deshalb ist der letzte

Teil der Ausstellung ein Unterschlupf aus dem Zweiten Weltkrieg,

der von einem deutschen Schützen benutzt wurde.

Der Betrachter findet an dieser Stelle Alltagsutensilien wie

eine Zahnbürste und Weinflaschen.

Die Objekte sind in der Gestaltung vorrangig, sie bestimmen

die Szenerie und erzählen ihre Geschichte. Sie finden

sich hauptsächlich ‘in situ’; hinter, in und auf dem Band. Frei

stehende Vitrinen gegenüber dem Band repräsentieren die

zahlreichen Grabstellen, in denen die Teile der Ausstellung

gefunden wurden. Dem Band folgend erhält der Besucher

zusätzliche Informationen zum Kontext, neben den Texten

gibt es folgende Exponate:

Wald

Landschaften

Ziel: geben dem Besucher einen Eindruck von der Landschaft

im jeweiligen Zeitraum

Weg: Projektion wechselnder Landschaften im Lauf der

Jahrhunderte

Bild der Zeit

Ziel: geben dem Besucher einen Eindruck vom Wandel der

Habitate

Weg: Projektion aus Google Earth, Wechsel vom jetzigen

zum historischen Zustand.

Treffen

Ziel: geben dem Besucher einen Eindruck von Familienleben,

Ernährung und Mobilität in der Vergangenheit

Weg: Besucher sind Gäste am Feuerplatz, die Gastgeber

erzählen und zeigen Bilder aus ihrem Leben.

Schlafplätze für Kinder

Ziel: geben dem jungen Besucher einen Eindruck vom

Leben der Kinder verschiedener Ären und Kulturen.

Die Schlafplätze sind Erwachsenen nicht zugänglich.

Weg: Physikalische Schlafstellen, verborgen unter dem

Band. Unterstützt durch Audio und leuchtenden

Duratrans, die eine träumerische Atmospäre schaffen.

Inspiration

Ich wurde inspiriert durch Arbeiten von Zaha Hadid und

anderen, das Museum für zeitgenössische Kunst Bahrain, das

Nuragic and Contemporary Art Museum in Cagliari, Italien

und ihre Schuhe für Lacoste und Melissa Shoes.

Die fließende Form des Bandes ermöglicht entsprechende

Ausstellungen auch bei geringerem Platzangebot und bei

höherer Geräuschentwicklung (etwa durch Klimaanlagen

oder Leitungen) als in diesem Museum der Fall.

Fluss Moor Steppe Wald

Ufer Tor Mauer

Maarten Meevis | Kinkorn

www.kinkorn.nl

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28

BIKE EXPERIENCE

Motorradgeschichte erleben

Aufsteigen und Mitfahren! Im Deutschen Zweirad- und NSU-Museum in Neckarsulm

erleben die Besucher die Geschichte des Motorrads mit allen Sinnen

Die Agentur REINECKE NEW MEDIA aus Stuttgart bringt ihre Erfahrung aus mehreren

Weltausstellungen in die Neukonzeption des Museums ein. Das Edutainment der

Besucher steht dabei im Mittelpunkt.

»Besucher für die Motorradgeschichte

begeistern« war die wichtigste Leitlinie

bei der Neukonzeption des 2.000 qm

großen Museums und insbesondere beim

einstimmenden, multifunktionalen Kinoraum

im Foyerbereich.

Bernd Reinecke, Inhaber und kreativer

Kopf der Agentur, beschreibt die konzeptionelle

Idee:

Wäre es nicht großartig, wir könnten den

Museumsbesuchern ein richtiges Erlebnis

bieten? Eine Ausfahrt auf alten Motor-

rädern? Abenteuerliche Momente? Eine

spannende Reise durch die Geschichte

der Mobilität auf zwei Rädern?

Die 2011 präsentierte Idee überzeugte

und die nun umgesetzte Realisierung des

ersten Raums fasziniert: Besucher aller

Altersgruppen steigen auf Motorrad-

oldtimer und werden von der mächtigen

Panoramaleinwand, Motorensounds und

Gegenwind in die Geschichte gezogen.

Die Bike Experience ist die neue Attraktion

des Deutschen Zweiradmuseums.

29


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Motorradgeschichte inszenieren

Der einstimmende, multifunktionale Kinoraum im Foyerbereich des Museums bietet eine

ganz besondere Atmosphäre und die Attraktion eines Films zum Mitfahren.

Konzeption Legendenvitrine: Form und Material, dynamisches Lichtdesign und eine lebendige

Hintergrundgrafik schaffen die besondere Aura für Motorradlegenden und den gesamten Kinoraum

Die Neukonzeption des Museums

2011 entscheidet sich die Stadt Neckarsulm

ihr in den 1950er Jahren gegründetes und

zuletzt in den 1990er Jahren aktualisiertes

Deutsches Zweirad- und NSU-Museum zu

modernisieren und inhaltlich zu erweitern.

Das Museum zählt zum Kern der Stadtidentität.

In den 1950er Jahren produzierte an diesem

NSU Standort die größte Motorradfabrik

der Welt.

Die Agentur Reinecke New Media gewinnt

mit einem Entwurf zur Neukonzeption das

Vertrauen, die traditionsreiche Ausstellung

im ehemaligen Deutschordensschloss ins

21. Jahrhundert zu führen.

Die interdisziplinäre Planung

Der erste Schritt der Umsetzung ist die Besucherattraktion

BIKE EXPERIENCE, das neue

Erlebniskino, welches nicht nur Motorradfahrer

begeistert.

Reinecke New Media übernimmt in enger

Abstimmung mit Christoph Rehm, Architekt

des Hochbauamts, und Natalie Scheerle-Walz,

Leiterin des Museums, die Detailplanung

der Räume, vom 3D-Entwurf bis zur

Ausschreibung der baulichen Leistungen,

ebenso die aufwendige Licht- und Medienplanung.

Szenografie, Drehbuch und Regie liegen in

den Händen von Bernd Reinecke. Im Agenturteam

ergänzen sich Konzeptioner, Szenografen,

Architekten, Licht- und Medieningenieure,

Grafik- und Mediendesigner und eine

Filmproduktion.

Die Szenografie

Bernd Reinecke: Raumarchitektur, Licht und

Filmprojektion fließen ineinander! Ein Raum

wie eine Straße, Asphaltboden, Mittelstreifen,

historische Motorräder bereit zum Aufsteigen

und Losfahren, am Ende des Asphalts

beginnt der Horizont einer Filmprojektion.

Parallel zur Straße eine scheinbar endlose

Vitrine aus Stahl und Chrom, eine würdige

Aura für die ausgestellten Motorradlegenden.

Programmierte Lichtwellen wandern

über ihre Kühlrippen, ihre alten Scheinwerfer

reflektieren die neuen LED-Strahlen.

Stündlich ein Start: Auf der Leinwand

beginnt eine nostalgische Rennstartanimation,

erste Besucher steigen auf die Motorräder,

andere nutzen die Renntribüne, setzen

sich auf Kissen aus altem Sattelleder. Der

Film beginnt …

Die BiKe exPerieNce zum Mitfahren

Morgenstimmung, eine breite Landstraße

zieht sich von der Leinwandmitte in die Tiefe

des Bergpanoramas. Die Protagonisten, Vater

und Sohn, starten ihre Motorräder. Auch die

Motorräder der Besucher im Kinoraum werden

lebendig: ein Einzylindermotor startet,

ein Zweizylindermotor kommt dazu, ein Vierzylinderklang

ertönt. Zylindersinfonie.

16 Kanal Surround Sound, 4K-Videoformat,

256 DMX Lichtkanäle, Leinwand und Kinoraum

verschmelzen akustisch und visuell zu

einem gemeinsamen Handlungsraum. Die

Akteure geben Gas, Motorradschweinwerfer

leuchten auf, die Motoren beschleunigen.

Windmaschinen blasen Fahrtwind in

die Gesichter und lassen das Lächeln noch

etwas breiter werden.

Erster Zwischenstopp ist der alte Rennturm

der Solituderennstrecke, hier wird die NSU

Renngeschichte mit historischem Filmmaterial

lebendig. Werner Haas fährt vor ihren Augen

über die Ziellinie und wird Weltmeister.

Das nächste Highlight folgt schon hinter der

nächsten Kurve: hochdrehende Maschinen

eines Youngtimertreffs. In nur acht Minuten

durchfahren die Besucher die Geschichte der

Mobilität auf zwei Rädern.

Bike Experience: Der Film zum Mitfahren

Konzeption Erlebnis-Kino:

Architektur und Panoramaprojektion

31


32

Konzeption: Themenlandschaft der »Historischen Erfindungen«

Umsetzung: Downhill-Szenografie der »Aktuellen Entwicklungen«

Interaktion: Das Drehen am Rad aktiviert die Infoscreens

Kommunikationsebenen: Hintergrundthemengrafik,

Textebene, Exponat, Erzähler, Audioguide

Die idee: Themenlandschaften

Radfahren wird von den meisten Menschen

ganz natürlich und positiv mit der Bewegung

durch grüne Landschaften assoziiert. Darauf

gründet der konzeptionelle Ansatz, die

Ausstellung in Themen zu strukturieren, die

sich wie eine mäandernde Landschaft durch

den Raum bewegen. Der erste Landschaftsteil

zeigt die historischen Erfindungen, der

gegenüberliegende Teil die aktuellen Entwicklungen

der Fahrradtechnik.

Die szenografische Umsetzung

Der ganze Raum wirkt wie ein dreidimensional

abstrahiertes Bühnenbild einer lebendigen

Landschaft. Jedes Thema, wie z.B.

der aktuelle Downhill-Sport, ist homogen

in diese moderne Szenografie integriert.

Landschaftsform, Lichtdesign, moderne

Fahrradexponate, Grafik, Videoscreens und

Texte bilden ein einzigartig faszinierendes

Gesamtbild, das die Besucher anspricht und

in das Thema hineinzieht.

interaktion: Anfassen und Begreifen

An interaktiven Exponaten dürfen die

Besucher selbst Hand anlegen, etwas ausprobieren

und physikalische Zusammenhänge

erkennen. Wie z. B. beim interaktiven

Räderexponat: die fünf Räder repräsentieren

die fünf Meilensteine der Radentwicklung,

vom hölzernen Laufrad bis zum superleichten

Rennrad mit Carbonfelge. Das Drehen

am jeweiligen Rad aktiviert eine didaktische

Grafikanimation auf den Multimedia-Screens.

Die Kommunikationsebenen

Neben der Themenlandschaft gliedern großformatige

Themenrahmen die Ausstellung in

eine chronologische Abfolge und vertiefen

die Themen. Eine interessante Frage spricht

die Besucher direkt an:

»Das Rad wurde vor 6.000 Jahren erfunden,

das Laufrad erst 1817. Warum?«

Die überraschende Antwort folgt auf den

Text- und Grafikebenen. Und der lebensgroße

Erzähler, hier Karl Drais, erzählt eine

ganze Geschichte über die Vorzüge seiner

Erfindung via Audioguide.

Junge Zielgruppen sind mit einer konventionellen Ausstellungsgestaltung nicht mehr zu

erreichen. Schülergruppen fordern eine frische, interaktive Begegnung mit den Themen

der Ausstellung.

Bicycle Evolution

Die interdisziplinäre Planung

Die neue Gestaltung des Deutschen Zweirad-

und NSU Museums folgt den Grundsätzen

der verantwortlichen Agentur: Moderne,

besucherorientierte Ausstellungsgestaltung

entsteht in interdisziplinärer Teamarbeit von

Spezialisten. Von Konzeptionern, Szenografen

und Architekten, Drehbuchautoren und

Mediendesignern, Licht- und Medienplanern.

Das gemeinsame Ziel mit den Museumsleitern

und -betreibern ist die perfekte Inszenierung

der Themen: Inhaltlich, formal, interaktiv

und besucherorientiert. Die Begeisterung

der Besucher ist ein wesentlicher Maßstab

des gemeinsamen Erfolgs.

Raumszenografie: Themenlandschaft, Exponate, Grafikdesign und interaktive Multimediaprogramme

verschmelzen zu einem lebendigen Erlebnis mit den Besuchern

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33


34

Applikationen, Anwenderprogramme für

mobile Geräte, so genannte Apps, etablieren

sich mehr und mehr zu der gängigen

Informationsquellen, die von überall

bequem und schnell vor allem per Smartphone

abgerufen werden. Kommunikationswissenschaftler

gehen davon aus, dass

in wenigen Jahren nur noch internetfähige

Handys im Gebrauch sein werden. Nach

Angaben der ARD/ZDF-Onlinestudie gehen

2012 bereits 84 Prozent der User über

Smartphones mobil ins Internet. Die Smartphone-App

ist das wichtigste Informationsmedium

der mobilen Kommunikation – für

alle Altersgruppen.

Längst ist diese Entwicklung bei den

Museen angekommen: in kaum einem

wird nicht über die Anschaffung einer

Smartphone-App nachgedacht. Museums-Apps

können verschiedene Funktionen

erfüllen: Am relevantesten sind die

des Marketings und der Vermittlung. Das

bedeutet, dass bei der Beauftragung einer

App-Entwicklung genau überlegt werden

muss, was und vor allem wer mit einer

App erreicht werden soll. Soll die App der

fundierten Vermittlung in den Museumsräumen

dienen oder soll sie vor allem Marketinginstrument

zur Gewinnung neuer

Besucher sein?

eine Marketing-App zur erschließung

neuer Besucherkreise per App?

Eine Marketing-Museums-App macht

durch fundierte, lebendige und vor allem

an das Medium angepasste Informationen

die App-User auf das Museum neugierig

oder sogar erst aufmerksam.

aMuse-Portal auf dem Smartphone

Doch so mancher Museumsmitarbeiter

steht dieser Entwicklung skeptisch gegenüber.

Vielleicht kann das eine einzelne App

tatsächlich nicht leisten. Daher hat axperience

einen Weg gefunden, die Synergien

einzelner Museums-Apps zu bündeln und

zu nutzen: Das aMuse-PORTAL Deutschland

und die dort verankerte kostengünstige

aMuse-APP.

Dadurch, dass die Museen im Portal vereint

sind, erhält der User einen schnellen

Überblick über die gesamte Museumslandschaft

Deutschlands – und die Museen

neue Besucher. Durch eine intelligente

Suche nach Themen werden alle Museen

miteinander verknüpft, sodass der User

schon bei der Vorbereitung eines Museumsbesuchs

– aber auch direkt vor Ort

– mit nur wenigen Eingaben für ihn interessante

Museen findet. Außerdem kann

er standortbezogen suchen und auf diese

Weise vor einem Publikumsmagneten stehend

ein spezialisiertes Haus finden, von

dessen Existenz er zuvor keine Kenntnis

hatte, das ihn nun aber neugierig macht.

Dank der aMuse-APP hält er alle tagesaktuellen

Informationen wie Öffnungszeiten,

Ausstellungen in der Hand und muss nur

noch ins Museum hineingehen.

Im Museum ist die aMuse-APP ein multimedialer

Guide und macht in Zukunft Ausleihgeräte

überflüssig, da der Besucher sein

eigenes Ausgabegerät bereits mitbringt.

Die aMuse-App ist über ein Marketinginstrument

par excellence hinaus, auch ein

optimales Mittel, um den Einzelbesucher

individuell mit passgenauen Informationen

zu bedienen.

Mit dem Smartphone ins Museum –

Marketing und Vermittlung per App

Vertiefte Vermittlung mit der

aMuse-APP plus

Auf der aMuse-App plus lassen sich durch

verschiedene technische Features Inhalte

und Objekte in jeweils passender multimedialer

Form erläutern. So kann zum

Beispiel die Funktion eines Fahrzeugs

mit einer 3D-Animationen verständlich

visualisiert werden. Komplexe, historische

Hintergründe können mit Hilfe interaktiver

Elemente und Grafiken anschaulich

gemacht werden.

Muss man nun befürchten, dass Museumsbesucher

nur noch auf ihre eigenen

kleinen mobilen Geräte starren und den

Objekten selbst kaum einen Blick würdigen

oder diese gar überflüssig sind?

Für Apps gilt dasselbe wie für alle Medien:

Sie können nur so gut sein wie der Inhalt,

der auf sie gespielt wurde. Einer sinnvollen

und ansprechenden Vermittlungs-App

liegt ein durchdachtes

Konzept zu Grunde,

welches festlegt, welche

Inhalte auf welche

Weise wem vermittelt

werden sollen.

Um möglichst viele

Besucher zu erreichen

und vor allem auch

Familien die Möglichkeit

zu geben,

gemeinsam das Museum zu entdecken,

sollten verschiedene Level für den unterschiedlichen

Wissensstand angeboten

werden. Besonders gut zur Vermittlung

eignen sich interaktive Lernspiele. In

altersgerechter Ansprache werden die

User aufgefordert, anhand von spannenden

Aufgaben die Objekte genau

zu betrachten. Auf der App erhalten sie

ansprechend aufbereitete Zusatzinformationen

zur Herstellung und Geschichte der

Objekte: Das können 3D-Animationen,

Röntgenbilder und natürlich der Verweis

auf weitere Originale sein. So führt zum

Mumienscanner in Aktion

Beispiel nur die Eingabe von an den ausgestellten

Artefakte Erlerntem zum Start

des Mumien-Scanners, der das Innere des

Sarkophags offenbart. Die Rituale des

ägyptischen Kults werden so unvergesslich,

denn das Selbstentdecken und der

mit dem Wechsel der Medien verbundene

Spaß führen erwiesenermaßen zu einem

hohen Lernerfolg – das gilt gleichermaßen

für Kinder und Erwachsene.

Partizipation ist den Museen generell von

immer größerer Bedeutung. Der Besucher

möchte nicht nur mit Wissen und Infor-

Markuswagen in 3D-Animation

mationen versorgt

werden, sondern er

möchte aktiv einbezogen

werden, seine

Meinung kundtun

und auch ein Feedback

erhalten. Für

Museen, die bereits

aktiv Social Media

betreiben und soziale

Netzwerke wie facebook

und twitter nutzen,

bietet es sich an, auf der aMuse-App

plus eine direkte Verknüpfung zu diesen

Online-Kommunikations-Multiplikatoren

zu legen. Neben der Möglichkeit des

schnellen Feedbacks und der Information

können diese auch für Wettbewerbe und

andere Aktionen genutzt werden.

Dr. Silke Krohn

Leiterin Konzeption und Redaktion

axperience

s.krohn@axperience.eu

Telefon 0331 626 449 –16

35


36

Gabriel von Max (1840–1915)

Die weiße Frau, um 1900 (Ausschnitt)

Öl auf Leinwand, 100 × 72 cm

Privatbesitz

2013 zeigt das Städel Museum die große

Sonderausstellung »Schwarze Romantik.

Von Goya bis Max Ernst«. Erstmals widmet

sich damit eine Ausstellung in Deutschland

der dunklen Seite der Romantik und ihrer

Fortführung im Symbolismus und Surrealismus.

Anhand von mehr als 200 Gemälden,

Skulpturen, Grafiken, Fotografien und

Filmen zeigt die umfangreiche Schau im

Ausstellungshaus des Museums die Faszination

zahlreicher Künstler für

das Abgründige, Geheimnisvolle

und Böse. Aufbauend auf dem

eigenen Sammlungsbestand prä-

sentiert die Sonderausstellung im

Städel bedeutende Leihgaben

aus international renommierten

Sammlungen wie dem Pariser

Musée d‘Orsay, dem Musée du

Louvre, dem Museo del Prado in

Madrid oder dem Art Institute of

Chicago.

Wie alle Epochenbezeichnungen ist auch

der Begriff Romantik lediglich eine Hilfskonstruktion,

der nicht die äußeren Merkmale

eines Kunstwerks definiert, sondern eine

innere Haltung der Künstler beschreibt. In

den ausgestellten Werken zeichnet sich

eine romantische Geisteshaltung ab, die

seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ganz

Europa erfasste und bis ins 20. Jahrhundert

hinein bei Künstlern ihre Fortsetzung fand.

Die Arbeiten erzählen eindringlich von Einsamkeit

und Melancholie, von Leidenschaft

und Tod, von der Faszination des Grauens

und dem Irrationalen der Träume.

Mit einem sowohl geografisch als auch

zeitlich übergreifenden Ansatz, der Bezüge

zwischen verschiedenen romantischen

Zentren darlegt und komplexe ikonografische

Entwicklungen vor Augen führt, will

die Ausstellung das Interesse für die düsteren

Aspekte der Romantik wecken und

damit zu einem erweiterten Verständnis

dieser Bewegung anregen.

Viele der präsentierten künstlerischen Entwicklungen

und Positionen resultieren aus

einem erschütterten Vertrauen in ein aufgeklärtes,

fortschrittliches Denken, das sich

rasch nach der – als neues Zeitalter gefeierten

– Französischen Revolution zum Ende

des 18. Jahrhunderts ausgebreitet hat.

Blutiger Terror und Kriege brachten Leid

und den Zerfall gesellschaftlicher Ordnungen

in weiten Teilen Europas. So groß die

anfängliche Begeisterung war, so groß war

auch die anschließende Enttäuschung, als

sich die düsteren Facetten der Aufklärung

in all ihrer Härte offenbarten. Nun wid-

meten sich junge Literaten und Künstler

verstärkt der Kehrseite der Vernunft. Das

Schreckliche, das Wundersame und Groteske

machten dem Schönen und Makellosen

die Vorherrschaft streitig. Der Reiz

der Beschäftigung mit Sagen und Märchen

und die Faszination für das Mittelalter traten

dem Ideal der Antike gegenüber. Auch

die heimische Natur gewann verstärkt an

Anziehungskraft und wurde zum belieb-

SCHWARZE

ROMANTIK

VON GOYA BIS MAX ERNST

Francisco de Goya (1746–1828)

Flug der Hexen, 1797/98

© Museo Nacional del Prado, Madrid

ten Motiv der Künstler. Dem hellen Licht

des Tages begegneten der Nebel und die

dunkle, geheimnisvolle Nacht.

Den Auftakt der in sieben Kapitel gegliederten

Ausstellung gibt eine Gruppe

bedeutender Gemälde von Johann Heinrich

Füssli. Der zunächst als evangelischer

Prediger ausgebildete Künstler schuf mit

seinem viel zitierten Gemälde Der Nachtmahr

(Frankfurter Goethe-Museum) das

Sinnbild der schwarzen Romantik. Dieses

Werk bildet den Beginn der Präsentation,

die sich über zwei Etagen des Stä-

del-Ausstellungshauses erstreckt. Dass

die Szene in der Gegenwart angesiedelt,

aber durch den gnomenhaften Dämon

und das lüsterne Pferd auch mit Elementen

aus dem Volksglauben angereichert

war, irritierte Füsslis Zeitgenossen zutiefst.

Auch die sechs weiteren vertretenen Füssli-Gemälde

zeigen die typischen Merkmale

seiner Kunst: Den Wettstreit von Gut und

Böse, Leiden und Lust, Licht und Finsternis.

Füsslis innovative Bildsprache

beeinflusste eine Vielzahl von

Künstlern – darunter William

Blake, dessen berühmtes Aqua-

rell Der große rote Drache aus

dem Brooklyn Museum seit über

zehn Jahren erstmals wieder in

Europa gezeigt wird.

Der zweite Saal der Ausstellung

ist Francisco de Goya gewidmet,

von dem sechs Gemälde

präsentiert werden – darunter

Meisterwerke wie Der Flug der Hexen

aus dem Madrider Prado und die Kannibalen-Darstellungen

aus Besançon. Hinzu

kommt eine umfangreiche Gruppe von

Papierarbeiten aus dem eigenen Bestand.

In den Werken des Spaniers ist die Nahtlinie

zwischen Realem und Imaginärem

verwischt. Täter und Opfer tauschen ihre

Rollen, Gut und Böse, Sinn und Unsinn –

vieles bleibt rätselhaft. Goyas abgründige

Bildwelten beeinflussten auch zahlreiche

Künstler in Frankreich und Belgien, wie

Delacroix, Géricault, Victor Hugo und

Antoine Wiertz, denen der folgende Raum

der Ausstellung gewidmet ist. Wichtiger

als anatomische Korrektheit waren diesen

Künstlern Leidenschaft und Atmosphäre.

Unter den deutschen Künstlern – denen

der nächste große Abschnitt der Ausstellung

gilt – weist vor allem Carl Blechen

eine Nähe zu Goya und Delacroix auf.

Das Faible für den in Deutschland als

»Gespenster-Hoffmann« umstrittenen

Autor E. T. A. Hoffmann führte Blechen

zu Darstellungen wie Pater Medardus –

einem Porträt des wahnsinnigen Protagonisten

der Elixiere des Teufels.

Bei Caspar David Friedrich finden sich als

Elemente des Schauerlichen Friedhöfe,

offene Gräber, verlassene Ruinen, wie von

Geisterhand gelenkte Schiffe, einsame

Schluchten und Wälder. Friedrich ist innerhalb

der Ausstellung mit dem großformatigen

Gemälde Mond hinter Wolken über

dem Meeresufer und Kügelgens Grab

sowie mit Schiff auf hoher See mit vollen

Segeln prominent vertreten.

37


Fotos: © Andrea Spiess

38

Die Ausstellungsarchitektur nimmt in

Anbetracht des Irrationalen und des Grauens

den Besucher fest bei der Hand und

führt ihn auf gekonnt durchdachte Weise

durch das Ausstellungshaus (Peichel-Bau),

wie durch die Kapitel des zur Ausstellung

erschienenen Ausstellungskataloges.

Ausgehend von dem schwarz verspiegelten

Foyer, dass dem Besucher kurz eine

Reflexion mit sich selbst erlaubt, zieht sich

ein schwarzer Rahmen um die beiden Etagen

der Ausstellung. Der schwarze Sockel

und die schwarzen Türleibungen verbinden

die einzelnen Ausstellungsräume,

deren Themen und Inhalte.

Die Ausstellungsarchitektur, die Hängung

und Präsentation der Exponate sind auf

gelungene, harmonische Weise aufeinander

abgestimmt.

Die dezente Rhythmik der hell- und dunkelgrauen

Wandfarben, die geschickte

Anordnung der Räume mit eingestellten

Wänden, elliptischen Räumen und Kabinetten

bietet dem Besucher ein prachtvolles

Seherlebnis.

Als Premiere für das Städel Museum gibt

es insgesamt vier Bereiche innerhalb der

Ausstellung, in denen Filmausschnitte

gezeigt werden, denn die Schwarze

Romantik äußert sich nicht nur in Gemälden

oder Skulpturen, sondern auch in

filmischen Meisterwerken. Diese Bereiche

sind im Gegensatz zu früheren Ausstellungen

als eigenständige und mit den

Ausstellungsräumen für die Kunstwerke

gleichwertige Elemente in den Rundgang

durch die Ausstellung integriert. Der

Besucher muss die Filmkabinette durchschreiten,

hat dabei aber jederzeit die

Wahl, sich auf die Filme einzulassen, zu

setzen und sich Zeit zu nehmen.

Andreas Spiess | SPIESS Interior Design

www.spiessinteriordesign.de

Friedrichs Bilder sind von einer lastenden

Stille durchdrungen. Eine Haltung,

die in ihrer Kompromisslosigkeit Ideen

des Symbolismus antizipiert, dem das

folgende Kapitel des Ausstellungspanoramas

gewidmet ist. Die Sprachlosigkeit

wurde von diesen »Neuromantikern« zur

Idealform menschlicher Kommunikation

stilisiert, die zu tiefen, grundlegenden

Einsichten führe. Odilon Redons Hauptwerk

Geschlossene Augen formuliert

diese Überzeugung eindrucksvoll. Auch

in Gemälden von Böcklin, Ensor, Khnopff

oder Munch wird diese Sichtweise manifest.

Wie bei den Romantikern stehen

diesen zurückhaltenden Werken Arbeiten

gegenüber, die Ängste und unterdrückte

Leidenschaften ungebremst zum Ausdruck

bringen und in ihrer Radikalität noch heute

irritieren. Während Gustave Moreau, Max

Klinger, Franz von Stuck und Alfred Kubin

zum kunstgeschichtlichen Kanon gehören,

werden an dieser Stelle der Schau auch

Künstler gezeigt, die es in Deutschland

noch zu entdecken gilt: Jean-Joseph Carriès,

Paul Dardé, Jean Delville, Julien-Adolphe

Duvocelle, Léon Frédéric, Eugène

Laermans und Lucien Lévy-Dhurmer.

Den Abschluss der Präsentation markiert

der von André Breton begründete

Surrealismus. Breton motivierte Künstler

wie Ernst, Brassaœä oder Dalì, aus dem

Reservoir des Unbewussten ihre seltsamen

Bildwelten zu schöpfen, die er als Sieg der

Fantasie über die »faktische Welt« feierte.

Vehement forderte Max Ernst, »die Grenzen

zwischen der sogenannten Innenwelt

und der Außenwelt« zu verwischen. Das

Städel Museum zeigt in der Ausstellung

vier Beispiele seiner Waldbilder, darunter

das Hauptwerk Vom nächtlichen Anblick

der Porte Saint-Denis ausgelöste Vision.

Julien Adolphe Duvocelle (1873–1961)

Totenschädel mit hervortretenden Augen, 1904

Bleistift und Kohle auf Papier, 36 × 25 cm

© Musée d’Orsay, Paris

Der Kunsthistoriker Carl Einstein sah

in den Surrealisten die Nachfolger der

Romantiker und prägte den Begriff der

»romantischen Generation«. Trotz dieser

historischen Bezugnahme verharrten

die Surrealisten keineswegs im Blick

zurück: Keine andere Bewegung war so

offen für die neuen Medien; Fotografie

und Film waren absolut gleichberechtigt.

Besonders der Film war im 20. Jahrhundert

– neben der Literatur – zum zentralen

Schauplatz der schwarzen Romantik

geworden. Hier hatten das Böse, der

Kitzel der Angst genau wie die Lust am

Schrecken und Abgründigen ihr Zuhause

gefunden. In Kooperation mit dem Deutschen

Filmmuseum können erstmals

innerhalb einer Ausstellung im Städel

Ausschnitte von Filmklassikern wie Frankenstein

(1931), Vampyr (1931/32) , Dracula

(1931), Faust (1926), oder Der Fuhrmann

des Todes (1921) gezeigt werden.

Städel Museum

Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt

26. September 2012 bis 20. Januar 2013

Kurator:

Dr. Felix Krämer, Leiter der Kunst der

Moderne, Städel Museum

Projektleitung:

Ingo Borges, Städel Museum

Ausstellungsarchitektur:

Andreas Spiess (Dresden)

Öffnungszeiten:

Dienstag, Freitag bis Sonntag 10–18 Uhr,

Mittwoch und Donnerstag 10–21 Uhr

Gefördert durch:

Kulturfonds Frankfurt RheinMain im Rahmen

des Schwerpunktprojektes »Impuls

Romantik«, mit Unterstützung der Stadt

Frankfurt am Main

Medien- und Marketingpartner:

Süddeutsche Zeitung, AD Architectural

Digest, Brigitte Woman, Verkehrsgesellschaft

Frankfurt am Main, Radio Bob,

Wacker‘s Kaffee, Teehaus Ronnefeldt,

Nerdindustries

Das Projekt wird von einem umfassenden

Rahmenprogramm begleitet.

www.staedelmuseum.de

Die Ausstellung »Schwarze Romantik.

Von Goya bis Max Ernst« wird nach ihrer

Präsentation in Frankfurt vom Pariser

Musée d‘Orsay übernommen

(4. März bis 9. Juni 2013).

unten: Friedrich Wilhelm Murnau (1888–1931)

Faust – Eine deutsche Volkssage, Deutschland 1926,

Filmstill

Stummfilm, schwarz-weiß, deutsche Zwischentitel

© Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

39


40

Museums-Licht für »Phillips de Pury & Company«

Im Jahr 2010 entwarf der russische Lichtplaner

Yuri Medvedev ein neues Lichtkonzept

für das Londoner Auktionshaus

Phillips de Pury & Company, welches sich

einen exzellenten Ruf im Bereich zeitgenössischer

Künstler ab der zweiten Hälfte

des 20. Jahrhunderts erarbeitet hat (von

Andy Warhol über Jean-Michel Basquiat

bis Gerhard Richter).

Bei einem Beleuchtungstermin im Londoner

Stadtteil Westminster wurde das

dedolight System aufgrund seiner offenen

Zubehörliste bei einem Shoot-Out als

Lichtwerkzeug festgelegt.

Da die Galerie mehrmals jährlich umgestaltet

wird und die Lichtgestalter differenziert

Licht setzen wollen, stellte sich

die Flexibilität dieser Strahler als essenziell

heraus. Die Galerie entschied sich für

Halogen-Strahler, da die Kuratoren der

SW Photographie Abteilung auf ein perfektes

Lichtspektrum Wert legten.

Die Kuratoren der zeitgenössischen

Künstler wiederum wollten ein kühleres

Lichtspektrum und präferierten energieeffiziente

Systeme: hier plante man 70W

Metalldampf-Strahler. Gemeinsam ist den

Leuchten, dass sie einen hohen Fokussierbereich

bieten und so gezielt Licht auf das

Objekt bei Vermeidung des Mitanleuch-

tens der Raumwände gesetzt werden

kann. Eine Vielzahl von Zubehör ergänzt

das Strahler-System: Standard-4-Flügeltore,

8-Flügeltore mit drehbaren Achsen

und Filter. Für sehr große Exponate stehen

Weitwinkelvorsätze mit eingebauten

Toren zur Verfügung. Rasierklingenscharfe

Kanten können mit den optionalen Projektionsvorsätzen

erzielt werden. In diesem

Frühjahr wurde die Erweiterung des

Lichtkonzeptes auf das untere Geschoss

der Galerie bekannt gegeben. Auch hier

wird die erprobte Mischung aus Leuchten

zum Einsatz kommen.

Raffael Pollak, Lichtgestalter

Dedo Weigert Film GmbH, 2012

PRECISION LIGHTING INSTRUMENTS FOR MUSEUMS

Patentierte dedolight doppel - asphären Optik erzielt gleichmäßige Lichtverteilung,

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Halogen, Metalhalogen oder LED-Lichtquelle.

In unserer DLAD Serie fi nden sich auch die weltweit

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Verführung

Freiheit.

Kunst

in Europa

seit 1945

kleines Bild: »Gerichtshof der Vernunft«

großes Bild: Richard Hamilton

The state / Der Staat, 1993

Öl, Lack, Mischtechnik auf Fotografie,

auf Leinwand aufgezogen, je 200 x 100 cm

London // Tate, Großbritannien

© Tate, London 2012, © R. Hamilton.

All rights reserved / VG Bild-Kunst, Bonn 2012

2007 gab der Europarat die Anregung zu

einer Ausstellung im europäischen Format.

Zeitlich sollte sie an die 1998 unter

anderem im Berliner Deutschen Historischen

Museum gezeigten Ausstellung

»Kunst und Macht im Europa der Diktaturen.

1930 –1945« anschließen, d.h., sie

sollte Kunst nach 1945 zeigen. Interessant

daran war für uns nicht die bekannte

Darstellung der ehemals verfeindeten Blöcke,

sondern die Auseinandersetzung mit

den gemeinsamen ideengeschichtlichen

Traditionen: die Aufklärung und mit ihr

das Recht auf »Freiheit«.

Wie aber wird diese Idee gedeutet, verstanden

und verteidigt? Was heißt Freiheit

in Europa nach 1945? In zwölf Kapiteln

diskutiert die Ausstellung mit über

100 Kunstwerken aus 28 Ländern dieses

Thema.

Im ersten Raum »Gerichtshof der Vernunft«

werden die Grundpfeiler der

Aufklärung besprochen: Vernunft, rationales

Denken, Freiheit, Gleichheit – was

versprechen sie, was vermögen sie?

Und: was ist der Preis der Vernunft? Wie

nah Aufgeklärtheit, Licht und Schönheit

neben Gewalt, seelischer Armut und Poesielosigkeit

liegen, zeigen Arbeiten von

Magritte, Finlay oder Kounellis, die sich

mit historischen Personen auseinander:

Marat, Robespierre, Adam Smith und

Kopernikus – und die Dissonanzen einer

aufgeklärten Welt zur Diskussion stellen.

Fernand Légers Studie »Die Bauarbeiter«

leitet über in den zweiten Raum »Die

Revolution sind wir«: Bauen wir uns eine

neue Welt! So und ähnlich haben es Karl

Marx, Joseph Beuys und viele andere

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formuliert. Aber wer sind »wir«? Arbeiter

mit ihrer Hände Kraft, Studenten der

1968-er Bewegung? Nach welchem Bilde

wollen wir uns erschaffen? Zu sehen sind

unter anderem Wojciech Fangor, Hauptvertreter

des Sozialistischen Realismus in

Polen, Nil Yalter, Pionierin zeitgenössischer

Videokunst oder Stephan Balkenhols

Prometheus.

Mit Christian Boltanskiy »Le Lycée Chases«

wird der Raum «Reise ins Wunderland«

eingeleitet und der Gang durch die

Ausstellung zunächst gestoppt: quer im

Raum ist seine Werkgruppe mit Porträts

jüdischer Schüler aufgebaut, einem Klassenfoto

entnommen, die allesamt deportiert

wurden – und leitet gelichzeitig über

zu den ‚Meistererzählungen‘ und Mythen

der Kriegsgeneration: wie wurden nach

dem Zweiten Weltkrieg Täter und Opfer

beschrieben? Welche Erinnerungen lassen

wir zu, welche ertragen wir? Armandos

»Schuldige Lanschaft« diskutiert dies

ebenso wie die Abschlussprüfung »Heroische

Sinnbilder« des jungen 24-jährigen

Anselm Kiefer.

»Schrecken und Finsternis«, so der

nächste Raum, werden – noch immer –

vielfältig geboren: in den Verhörzimmern

der Stasi (Jane und Louise Wilson) und mit

den Erzwingungsmethoden der Geheimdienste

(Nikita Kadan), aber auch mit den

Unterrichtungsmaßnahmen in den Schulen

(Tadeusz Kantor) oder in den Kinderzimmern

durch übergriffige Väter (Niki

de Saint Phalle). Im Raum »Realismus des

Politischen« thematisiert der albanische

Künstler Edi Hila mit »Das Brautkleid 2«

wie sehr es in seinem Land an staatlichen

Strukturen mangelt, um eine freiheitliche,

demokratische Gesellschaft aufzubauen.

Im Raum gegenüber, »Bedrängnis der

Freiheit«, zeigt der Serbe Mladen Stilinovic,

wie alle Wörter seines Wörterbuches

zu »Schmerz« werden.

Nach diesen eher großen oder gesellschaftlich

relevanten Themen gerät in den

weiteren Kapiteln der einzelne Mensch in

den Blick. Man sieht die Künstler über den

unaufhaltsamen Fortschritt diskutieren,

der unter dem Namen »Moderne« eine

komplexe und irrationale Struktur des

kleines Bild: Ian Hamilton Finlay

Je vous salue Marat / Gegrüßet seist Du Marat,

1989, Neonröhren, Plexiglas, 46 x 61 x 9 cm

Berlin // Courtesy Kewenig Galerie, Deutschland

© Estate of Ian Hamilton Finlay, Courtesy Kewenig

Galerie, Berlin, Foto: Simon Vogel

großes Bild: »Schrecken und Finsternis«

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Marktes, der Finanz- und Wirtschaftswelt

hat entstehen lassen: Andreas Gursky

thematisiert die Warenwelt ebenso wie

Sylvie Fleury oder Valie Export mit ihrem

»Tapp und Tastkino« die Käuflichkeit des

weiblichen Körpers und Aurora Reinhard,

fragt mit »Flowers # 2« – Titelbild für

Plakat und Katalog –, wie in einer Massenkonsumwelt

überhaupt noch Individualisierung

möglich ist. Gegenüber wird

das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit

erörtert und die Frage gestellt, ob wir auf

unserem Planeten in »100 Jahren«, so der

Raumtitel, noch leben wollten. Auch in

den Wäldern von Nordnorwegen bestimmen

nicht mehr die Geschichten der Alten

das Leben, sondern die Notierungen an

den Börsen der Welt. Und Christos Öltonnen

von 1958/59 im Foyer des Museums

weisen auf die selbstgemachten Umweltkatastrophen

unserer Tage voraus.

Schließlich geht es in »Lebenswelten« um

die Hülle, das Futteral menschlicher Existenz:

was vermögen die Sozialarchitekturen

der 70er Jahre (Tjebbe Beekmann);

Donald Rodney thematisiert die Haut des

menschlichen Körpers als unsere vielleicht

zerbrechlichste und naheste Begrenzungshülle.

An einen »anderen Ort«

(zehntes Kapitel) denken sich die Künstler

wie Fontana oder Koller wenn die

Realitäten keine anderen Möglichkeiten

mehr zulassen. Im Raum daneben ist der

Mensch mit seinen Erfahrungen beschäftigt,

aber auch mit seinen Grenzen:

Francis Bacon, Maria Lassnig oder Ulrike

Rosenbach setzen sich in einer kaum

denkbaren Radikalität mit sich selbst auseinander.

Von hier aus ist es nur noch ein

kleiner Schritt zur »Welt im Kopf«, dahin,

wo die Ideen geboren werden, das Denken

seinen Ausgangspunkt nimmt und

wo über Vernunft, Utopie, Geschichte

nachgedacht wird. Joseph Beuys wie Carl

Friedrich Claus zeigen, wie die Welt im

Kopf die Welt zu verändern vermag.

So entsteht eine Art Kreislauf, der genauso

gut hätte mit dem zwölften Kapitel beginnen

und aus den ‚Kopfgeburten‘ über den

Körper zu den Wohnungen weiter hätte

hinauf steigen können – über die Politik

zur Umwelt, zur Geschichte, um wieder

bei der alles entscheidenden Vernunft zu

enden. Aus diesem Grund gibt es keine

Chronologie oder nationale Zuordnungen

in der Ausstellung: die Themen der Künstler

sind unabhängig von Zeit und Ort und

kehren in sich verändernden Vorstellungen

und Zusammenhängen immer wieder und

exponieren immer wieder Grundfragen

unserer Existenz. Die Räume sind bewusst

offen gestaltet, sie sollen den Besucher

nicht einengen und binden, sondern

immer wieder neu die Fragen evozieren:

Wie möchte der Mensch leben, wie organisiert

er sich, wie orientiert er sich. Es geht

um die Freiheit des Menschen im gesellschaftlichen

wie im individuellen Leben.

kleines Bild: »Lebenswelten«

großes Bild: Damien Hirst

Dead End Jobs / Berufe ohne Zukunftsaussichten,

1993, Lack, Holz, Glas, Zigarettenstummel,

91,4 x 121,9 x 11,4 cm

Busca / Collezione La Gaia, Italien

© Damien Hirst and Science Ltd.

All rights reserved /VG Bild-Kunst, Bonn 2012,

Foto: Gareth Winters

Deutsches Historisches Museum

Unter den Linden 12

10117 Berlin Mitte

17. Oktober 2012 bis 10. Februar 2013

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SMARTPHONE INSTALLIERT. UND EINEN ENTSPRECHENDEN ACCOUNT BESITZE ICH

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ZUR EINGABE MEINER PERSÖNLICHEN PIN AUFGEFORDERT, DIE ICH EBENSO WIE

MEINE KONTODATEN IN MEINEM SQ-ACCOUNT HINTERLEGT HABE. NACH EINGABE DER

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SCHUHTICK.

Vom ältesten Schuhwerk des Menschen

bis zum High Heel

Erlebnisausstellung im LVR-Landes-

Museum Bonn

Was haben Ötzi, Lady Gaga und der Papst gemeinsam?

Welche Schuhgröße hat Arnold Schwarzenegger und

mit welchen Schuhen lief Pablo Picasso in seiner Freizeit

herum? Wie sieht eine unsichtbare Sandale aus und wie

kommt die Haut eines Perlrochens in eine Schuh-Werkstatt?

All diese Fragen klärt »Schuhtick«, die Erlebnisausstellung

im LVR-LandesMuseum Bonn. Präsentiert werden

Wark

Highlights aus der Schuhgeschichte, darunter die älteste

Andrea ©

Sandale Europas, Biedermeierstiefel, Schuhe von Sophia

Loren, Jürgen Klinsmann oder Heidi Klum. Fotos:

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catwalk

Gekonnt über den Catwalk

laufen und sich dabei

filmen lassen –

Schuhtick macht‘s möglich!

Von der mittelalterlichen

Trippe bis zum brandaktuellen

High Heel können viele Schuhtypen

ausprobiert werden.

Mit 400 Ausstellungsstücken spannt

»Schuhtick« einen Bogen durch die Epochen

und über die Kontinente – von der

Fußbekleidung der Neandertaler über

römische Sandalen bis hin zu aktuellen

Designerschuhen. Mit internationalen

Highlights und »Schuh-Größen« aus den

letzten 40.000 Jahren sowie einem Catwalk

mit TV-Aufzeichnung für die Ausstellungsbesucher

bietet diese Präsentation

neue Sichtweisen auf den Schuh.

Auf dem Weg vom Schutz- und

Gebrauchsgegenstand zum technisch

ausgeklügelten Sportschuh oder High

Heel hat der Schuh zahlreiche Wandlungen

durchlaufen. Die Ausstellung gibt Einblicke

in die Entwicklung der Schuh-Kultur,

Schuhherstellung und Gestaltung und

zeigt sich wandelnde Trends quer durch

die Jahrhunderte. So berichten historische

Personen wie Pablo Picasso und Philipp

Melanchthon über ihre besondere Beziehung

zu Stiefeln und Sandalen.

Prominente Schuhe aus Film und Fernsehen

stehen ebenso im Rampenlicht wie

Designerschuhe. Die ganze Bandbreite

modernen Schuh-Designs wird mit Klassikern

von André Perugia oder Salvatore

Ferragamo bis hin zu Karl Lagerfeld und

Vivienne Westwood präsentiert.

Aus verschiedenen Perspektiven nähert

sich der Besucher auf 800 Quadratmetern

der fabelhaften Welt der Schuhe: Mal

regional, mal thematisch, mal funktional

oder chronologisch – Schuhe sind mehr

als ein alltägliches Kleidungsstück.

In vier riesigen, begehbaren Schuhkartons

haben Schuhe ihren Auftritt als Zeichen

von Status und Macht, als Glücksbringer

oder als Kunst- und Designobjekt und als

erotisches Signal.

Ein Team aus Archäologen, Kultur-, Natur-

und Kunstwissenschaftlern hat aus deutschen

und europäischen Sammlungen

herausragende Schuhe zu einer spannenden

und einmaligen Darstellung zusammengetragen.

Die Ausstellung entstand

als interdisziplinäres Projekt des LWL-Museums

für Archäologie, Westfälisches Landesmuseum

Herne, des Überseemuseums

Bremen und der Reiss-Engelhorn-Museen

Mannheim in Kooperation mit dem

LVR-LandesMuseum Bonn.

Die Ausstellung wird durch ein umfangreiches

Rahmenprogramm begleitet. Die

Palette reicht von Führungen in historischer

Kleidung, Prosecco-Führungen über das

Cat-Walk-Training, von Einkaufstour mit

dem Personal Shopper bis zum Tanzkurs.

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Zeitleiste und Vitrinen

Der Besucher findet Informationen zu

geschichtlichen Ereignissen der Jahrzehnte

mit Exemplaren dazu gehörender

Schuhe, in den Vitrinen gegenüber

thematisch gesammelte Exponate.

Themenbereiche

Zeitzeichen Schuhe –

Schuh-Highlights aus 40.000 Jahren

Menschen schützen ihre Füße seit Tausenden

von Jahren mit Schuhen, die im Laufe

der Zeit vielfältige Formen und Funktionen

angenommen haben. Die Geschichte

der Schuhe ist auch eine Geschichte des

menschlichen Erfindungsreichtums. Typische

Schuhmodelle führen entlang eines

Zeitstrahls durch die großen Zeitepochen.

Schuhmoden spiegeln sowohl Kultur

und Lebensgefühl als auch politische,

soziale und wirtschaftliche Verhältnisse

einer Epoche wider. Dass Schuhe dabei

nicht immer praktisch sein müssen, wenn

andere Aufgaben wie z. B. die Repräsentation

im Vordergrund stehen, zeigen

modische Stilblüten und Schuhticks.

Mittelsteinzeit (9500 – 5500 v. chr.):

in Stiefeln auf die Pirsch?

Die vermutlich frühesten Zeugnisse von

Schuhen in Europa haben sich auf Felsmalereien

in Spanien und Frankreich erhalten.

Tragen die in einer Jagdszene dargestellten

Figuren eine Art Schaftstiefel zum Schutz

vor Dornen und Gestrüpp oder handelt es

sich dabei nur um Beinschmuck? – eine

Frage, die die Wissenschaft noch nicht eindeutig

beantworten kann.

Die Schuhe von Ötzi (ca. 5300 v. c.)

Die Schuhe des Ötzi zeigen, wie durchdacht

und mit großem handwerklichen

Geschick diese Fußbekleidung gemacht

wurde. Sohlen aus Bärenleder, Netze

aus Lindenbast, in die Heu gestopft war,

Lederriemen, mit denen das Oberleder an

den Sohlen befestigt war. Um die Füße

warm zu halten, trug er die Fellseite der

Bärenledersohle nach innen. Das Oberleder

aus Hirschfell war mit der Fellseite

nach oben auf dem Schuh befestigt, die

langen und festen Haare des Hirschfells

sorgten dafür, dass Regenwasser vom

Schuhspann nach unten abrinnen konnte.

links: »Schiffsschnabelschuh«, 14. Jh.

rechts: Unterschuhe aus Holz, Trippen, 15. Jh

renaissance (1500 – 1600):

Das neue ideal

Das im 16. Jahrhundert aufkommende

humanistische Weltbild erhob den Menschen

zum Maß aller Dinge. Es entstand

eine Kleidung, die sich den körperlichen

Proportionen mehr anpasste als die der

vorhergehenden gotischen Zeit. Statt

überspitzter Formen setzte man nun in

Mode und Architektur auf ausgewogene

Proportionen. Die langen und spitzen

»Schnabelschuhe« rundeten sich zu

»Kuhmäulern« und »Bärentatzen«, die

an der Spitze breit ausgeformt waren.

Das 17. Jh.: Der Auftritt des Absatzes

Unter der Herrschaft von Ludwig XIV.

(1643-1715) übernahm der französische

Hof nicht nur die wirtschaftliche

und politische, sondern auch die modische

Vormachtstellung in Europa. Während

die Damen in Reifröcken wandelten,

trugen die Männer Kniebundhosen.

Beide Geschlechter bevorzugten feines

Schuhwerk, das mit Schleifen und Rosetten

verziert war.

In Barock und Rokoko gelangte auch der

Absatz zu großer Popularität: Er wurde

immer höher und schmaler und entwickelte

sich schließlich bis zum Stöckelschuh.

Ursprünglich stammte der Absatz

aus dem Orient, wo er dem Stiefel des

Reiters besseren Halt im Steigbügel gab.

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Schuhe von Marlene Dietrich,

Pablo Picasso und weiteren Prominenten –

und Statements über ihr

persönliches Verhältnis zu Schuhen.

Vom Schuhmacher zum

Schuh-Designer

Im 20. Jahrhundert erlebte das Schuhwerk

seine größte Revolution und natürlich

war Paris, das damalige Weltzentrum der

Mode, Ausgangspunkt dieser Revolution.

Ausgelöst durch eine neue Mode, bei der

Kleider im sogenannten Empire-Schnitt

nur noch bis zum Knöchel der Damen

reichten, wurde ein bisher unmöglicher

vollständiger Blick auf die Damenschuhe

möglich. Der wohl erste große und erfolgreiche

Schuhdesigner, André Perugia,

belieferte Stars wie Josefine Baker, Rita

Hayworth und Gloria Swanson. Durch

Hollywood Stars berühmt wurde wenige

Zeit nach ihm Salvatore Ferragamo, der

Schuhe für Audrey Hepburn, Marylin

Monroe, Sophia Loren, die Herzogin von

Windsor und unzählige weitere Berühmtheiten

herstellte. Aus dem Schuhmacher

von einst war der Design-Star der Modewelt

geworden.

Die Ausstellung Schuhtick zieht die Linie

von diesen Anfängen des modernen

Schuh-Designs über Roger Vivier, Christian

Dior und Charles Jourdan bis hin zu

aktuellen Top-Designern und Modeschöpfern

wie Manolo Blahnik, Christian Louboutin,

Jan Janssen, Terry de Havilland,

Vivienne Westwood und Karl Lagerfeld.

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Status und Macht:

Die Farbe rot

Schuhe zu besitzen war und ist nicht

immer selbstverständlich. So kann der

Besitz von bestimmten Schuhen ein Zeichen

von Status und Macht sein, Modell,

Form, Material, Farbe und Verzierungen

von Schuhen verdeutlichen Rang oder Amt

ihres Trägers. Sie spiegeln seine wirtschaftliche,

gesellschaftliche oder religiöse Stellung,

drücken eine persönliche Einstellung

oder Gruppenzugehörigkeit aus.

Während die europäische Mode bis zur

Französischen Revolution von den herr-

schenden Gesellschaftsschichten bestimmt

wurde, ging sie im 20. Jahrhundert auch

den entgegengesetzten Weg: Nicht mehr

die Oberschicht diktierte die Mode, sondern

Jugendbewegungen setzten Trends

– auch in der Fußbekleidung.

Die Farbe der reichen und Mächtigen

Bis zum Aufkommen von künstlichen

Farbstoffen im 19. Jahrhundert war rote

Farbe nur schwer aus Naturmaterialien

herstellbar und daher sehr kostbar. Rote

Schuhe waren deshalb viele Jahrhunderte

lang ein Zeichen für Reichtum und Macht.

Im Römischen Reich durften nur die Patrizier

rote Schuhe tragen. Im Mittelalter

übernahm die katholische Kirche dieses

Privileg für den Papst und seine Kardinäle.

Im 17. und 18. Jahrhundert war es

nur den Angehörigen des französischen

Hofes erlaubt, rote Absätze an den Schuhen

zu tragen. Heute ist die Farbe Rot für

jeden Schuhträger erwerbbar und rote

Damenpumps sind zu einem allgemeinen

Klassiker avanciert. Bei dem französischen

Stardesigner Christian Louboutin allerdings

funktioniert die rote Sohle seiner

Schuhe als hochwertiges Markenzeichen.

Glaube & Glück:

Schuhe im Lebenslauf

Schuhe »erden« uns ein ganzes Leben

lang. Sie tragen uns schützend durchs

Leben und bewahren uns vor Verletzungen.

Daher sind Schuhe meistens

mit positiven Vorstellungen verknüpft.

Amulette und Gebrauchsgegenstände in

Schuhform sollen ihrem Besitzer Glück

bringen oder Unheil von ihm abwehren.

Bei einschneidenden Ereignissen von der

Wiege bis zur Bahre zeigt sich auf der

ganzen Welt die zentrale Rolle der Fußbekleidung

in zahlreichen Bräuchen und

Ritualen:

Beschützt von Anfang an

In den ersten Laufschuhen macht das

Kind die ersten Schritte und erobert

seine Welt. Weil Erstlingsschuhe mit der

Sicherheit und Selbstbestimmung des

Kindes verbunden sind, knüpfen sich Vorstellungen

von Glück und Schutz an sie.

Seit dem 19. Jahrhundert ließen Eltern

die Schuhe ihrer Kinder mit Kupfer, Silber

oder Gold überziehen, um sie als Talisman

zu bewahren. Noch heute hängen solche

Schuhe manchmal am Autorückspiegel

und sollen so den Insassen eine sichere

Fahrt gewährleisten.

Verliebt, verlobt, verheiratet

In Südfrankreich schenken sich Verlobte

traditionell Holzschuhe mit lang ausgezogener

Spitze. Die Schärfe der Spitze

soll die Stärke der Liebe zeigen. Ebenso

drehen sich zahlreiche Hochzeitsbräuche

um Schuhe: Trinkt der Bräutigam etwa

aus dem Brautschuh, steht dies für die

Verbundenheit des Paares und die Besiegelung

der Ehe. Und solange man den

Brautschuh aufbewahrt, so lange hält die

Ehe. Der Ursprung dieser Bräuche liegt

vielleicht darin, dass Fuß und Schuh als

Fruchtbarkeitssymbole gelten.

Auf dem letzten Weg

Die Kartons

Schuhe sollten den Toten auch auf der

Reise ins Jenseits und im Leben nach dem

Tod schützen. Die Mitgabe von bestimmten

Schuhen oder eine spezielle Tragweise

sollten aber auch eine Rückkehr des Verstorbenen

in die Welt der Lebenden verhindern.

Dafür zog man den Toten die

Schuhe in einigen Kulturkreisen zum Beispiel

seitenverkehrt herum an.

oben, von links nach rechts:

Maßgefertigte, rote Schuhe für den Papst,

Chinesische Kinderschuhe in

Form ihres Tierkreiszeichens,

Schuhe eines asiatischen Herrschers

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Sinnlichkeit und erotik

Der menschliche Fuß ist durch seine

hohe Dichte an Nervenenden besonders

empfindsam. Schuhe bedecken diesen

sensiblen und sinnlichen Körperteil. Das

Spiel um das Verhüllen und Entblößen

bestimmter Fußpartien kann erotische

Signale aussenden. Schuhe sind dabei

ein zentrales Objekt und können schon

an sich zum Träger erotischer Fantasien

werden: Schon die Römer deuteten das

Hineinschlüpfen des Fußes in den Schuh

als Symbol für den Liebesakt. Schönheitsideale

und die sexuelle Attraktivität einzelner

Körperpartien variieren von Kultur zu

Kultur und von Epoche zu Epoche. Dies

gilt auch für Füße und Schuhe.

Schuh-Peep-Show: Vitrinen mit Gucklöchern und roten Fadenvorhängen Zita Attalai_Virgin_2001

Im 18. Jahrhundert, dem Zeitalter des

Rokoko, galten unbedeckte Fußknöchel

als höchst erotisch und frivol. Dennoch

– oder gerade deswegen – ließen die

Damen gerne ihre zarten Pantöffelchen

unter den langen Kleidersäumen hervor

blitzen. Manche Schuhe unterstreichen

die sinnliche Ausstrahlung von Füßen

und schüren erotische Fantasien: High

Heels, geschnürte Lackstiefeletten, federverzierte

Pantöffelchen, Overknee-Stiefel

oder Pumps mit Fesselband ... die Übergänge

zwischen sinnlich-erotischen Schuhen

und Schuhen mit Fetischcharakter

sind fließend.

Der schmale, zierliche Damenfuß ist ein

weit verbreitetes Schönheitsideal. In

Europa formten um 1830, im Zeitalter

des Biedermeier, schmale Damenstiefeletten

einen kleinen Fuß.

In China entstand bereits im 10. Jahrhundert

der Brauch, adeligen Mädchen

ab dem Kleinkindalter die Füße zu binden.

Dabei wurden die vier kleinen Zehen

unter den Fußballen gepresst. Je kleiner

der Fuß am Ende der sehr schmerzhaften

Prozedur war, desto größer waren

die Heiratschancen der Frau. Erst mit der

Gründung der Volksrepublik China im

Jahr 1912 wurde diese Praxis verboten.

Kunst und Design

Die Übergänge zwischen der Arbeit von

Schuhmachern, Modedesignern und

Künstlern sind fließend: Sie inspirieren sich

gegenseitig. Schuhdesigner suchen nach

immer neuen Ideen, um Material und

Form auf innovative Weise miteinander

zu verbinden. So werden aus funktionalen

Kleidungsstücken kunstvolle Objekte.

Schuhe faszinieren immer wieder Künstler

und inspirieren sie durch ihren starken symbolischen

Bezug zu Macht, Erotik und Religion.

Aber auch bei den Schuhdesignern ist

jeder Schuh eine individuelle, künstlerische

Kreation.

Pfennigabsatz und Bananenschuh: Kobi Levi

Fotos von Helmut Newton

61


62

Schuhbar

Schuhe werden in Liedern unterschiedlicher

Musikrichtungen besungen, von

Schlager, Country, Pop, Punk, Hardrock,

Hip-Hop bis Rap. Sie stehen dabei für ein

bestimmtes Lebensgefühl oder eine Gruppenzugehörigkeit:

Die Liedtexte huldigen

Schuhtypen oder Schuhmarken wie »Dr.

Martens« bei der Wattenscheider Punkband

»Die Kassierer« und »My Adidas«

der Rapper Run-D.M.C.. Manche Interpreten

setzen ihren Lieblingsschuhen ein

Denkmal, so Elvis Presley mit »Blue Suede

Shoes« seinen blauen Wildlederschuhen.

An der Schuhbar kann man entspannt

vielen Titeln lauschen und sich auf eine

musikalische Entdeckungsreise durch die

Epochen der Schuhmode begeben.

Rund um den Schuh: Schuhherstellung

Teile einer Schuhwerkstatt und ein

Video informieren über traditionelle und

moderne Arten der Schuhherstellung.

Schuhe schützen, Schuhe trennen:

Barfuß erleben, wie sich verschiedene

Untergründe ohne Schuhe mehr oder

weniger gut anfühlen.

SCHUHTICK.

Vom Ötzi-Schuh zum High Heel

Eine Ausstellung des LWL-Museums

für Archäologie, Westfälisches Landesmuseum

Herne, des Überseemuseums

Bremen und der Reiss-Engelhorn-Museen

Mannheim in Kooperation mit dem

LVR-LandesMuseum Bonn.

LVR-LandesMuseum Bonn

Colmantstr. 14-16, D-53115 Bonn

Telefon +49 (0) 228 2070-0

Telefax +49 (0) 228 2070-299

info.landesmuseum-bonn@lvr.de

www.landesmuseum-bonn.lvr.de

Ausstellungsdauer

20. September bis 10. März 2013

Öffnungszeiten

Di. - Fr., So. 11.00 – 18.00 Uhr,

Sa. 13.00 – 18.00 Uhr

Eintrittspreise

Erwachsene: 8,- € / ermäßigt: 6,- €

Kinder / Jugendliche bis 18 Jahre:

kostenlos

Schulklassen: kostenlos

Behinderte mit Ausweis: 3,50 €

Führungen

Das LVR-LandesMuseum Bonn bietet

öffentliche Führungen und Führungen

zum Wunschtermin an.

Führungen (1 h): 45,- € (zzgl. Eintritt)

Schülerführungen (1 h): 26,- €

(Eintritt frei)

Anmeldung unter:

info@kulturinfo-rheinland.de,

+49 (0)2234 / 9921-555.

Ausführliche Informationen zum museumspädagogischen

Angebot auch unter:

+49 (0) 228 / 2070-277

(Di-Fr 9-13 Uhr) sowie am Info-Counter

im Museumsfoyer

Ein reich bebilderter Katalog ist im

Philipp von Zabern Verlag erschienen.

Preis: 14,90 €

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64

Frank Peter Jäger

Die Sonderausstellung zur Wiedereröffnung

des Potsdam Museums schildert, wie

Friedrich der Große Potsdam ab 1740 zur

Residenzstadt von europäischem Format

ausbaute.

Nach mehr als 100 Jahren kehrte das Stadtmuseum

der brandenburgischen Landeshauptstadt

2012 an seinen ursprünglichen

Platz ins Alte Rathaus am Alten Markt

zurück. Die Neueröffnung feierte man

mit der Sonderausstellung »Friedrich und

Potsdam – die Erfindung (s)einer Stadt«,

kuratiert von Museumsdirektorin Dr. Jutta

Götzmann und ihrem Team.

Mehr als 190 Kunstwerke, darunter

Gemälde, Handzeichnungen, Skulpturen,

Möbel, Bauschmuck und Fayencen,

veranschaulichen Potsdams Ausbau zu

einer der schönsten europäischen Residenzstädte.

Im Zentrum der Ausstellung stehen die

königlichen Bauaktivitäten in Potsdam

während der Regierungszeit Friedrichs

des II. Die 46 Jahre von 1740 bis 1786

waren eine der prägendsten Phasen für

die Entwicklung der Stadt. Auf 500 Quadratmetern,

gegliedert in fünf thematische

Räume wird die Baugeschichte Potsdams

in der friderizianischen Ära dokumentiert.

Die Szenographen Duncan McCauley

aus Berlin inszenierten die Wandlung

Die Raumansicht gewährt einen Blick auf die Ausstellungsarchitektur und ihre fließenden Formen.

Friedrich und Potsdam – die Erfindung (s)einer Stadt

Stills aus der zehnminütigen Filminstallation »Der

Alte Markt«. Die Medieninstallation besteht aus

animierten historischen Illustrationen vom Alten

Rathaus und dem ehemaligen Palast Barberini.

der Stadt unter Friedrich dem Großen als

räumlich-visuelle Zeitreise: Neben einem

Film, der zurück versetzt in das Potsdam

des Rokoko, banden sie die Ausstellungsstücke

in eine von den Bauformen der

Epoche inspirierte Ausstellungsarchitektur

ein, die ein alle Räume durchziehendes

Kontinuum bildet. Dadurch korrespondiert

die Schau unaufdringlich mit

dem Museumsgebäude und damit dem

Erbe Friedrichs: Das ab 1753 von den

Baumeistern Jan Boumann und Christian

Ludwig Hildebrandt errichtete Rathaus

zählt zu den Kernstücken der friderizianischen

Platzgestaltung im Umfeld der

königlichen Residenz.

Sofern sie nicht frei im Raum stehen,

befinden sich die Objekte in Vitrinen, die

eine räumliche Einheit mit der übrigen

Ausstellungsarchitektur bilden. Durch

ihre Präsentation auf kräftigem Dunkelblau,

in Anlehnung an Preußisch-Blau,

heben sich diese Objekte wirkungsvoll

gegenüber den eierschalfarbigen Ausstellungsmöbeln

ab.

Weil Tom Duncan und Noel McCauley den

gezielten Einsatz akustischer und visueller

Elemente schätzen, stützt sich die

Ausstellung nicht alleine auf Architekturzeichnungen

und historische Exponate:

Mit den »Biografischen Stelen« entwickelten

die Szenographen ein multifunktionales

Element, das entfernt an einen

Thron erinnert: Nimmt der Besucher auf

einem der Stühle mit der hohen Lehne

Platz, kann er einen Audiokommentar

zu Person und Lebensweg bedeutender

Einwohner des friderizianischen Potsdams

abrufen. An den Audiostationen

kann man tiefer einzutauchen in die Zeit,

das alte Potsdam wird in seinen Persönlichkeiten

und Biographien lebendig. Die

ebenfalls von Duncan McCauley produzierte

Filminstallation »Der Alte Markt«

im Runden Saal verbildlicht durch eine

panoramische Darstellung des Platzes

Die Audiostationen »Biografische Stelen« lassen den Besucher in die Zeit des alten Potsdams eintauchen und informieren ihn über bedeutende Bewohner der Stadt.

die städtebauliche Vision Friedrichs und

ihre Umsetzung: Der zehnminütige Film

zeigt den nach Vorstellungen des Königs

umgestalteten Platz im Licht wechselnder

Tageszeiten – vom frühen Morgen bis in

die Nacht. Unterlegt mit einer städtischen

Geräuschkulisse werden die gestalterischen

Einflüsse für das Alte Rathaus und

den ehemaligen Palast Barberini anhand

von Vorbildern dargestellt. Dem Besucher

wird damit ein unmittelbarer Vergleich

möglich zwischen dem Ort, an dem er

sich befindet, und den Plänen, die zu seiner

heutigen Gestalt führten.

Diese virtuelle Zeitreise ist ein Höhepunkt

der Ausstellung und ein erzählerisches

Mittel, das dem Besucher eine

unmittelbare Verbindung zur Geschichte

gewährt. Im weiteren Verlauf des Rundgangs

werfen die Besucher einen Blick

»hinter die Kulissen« dieser repräsentativen

Enklave im Stadtgefüge: Thema ist

die Diskrepanz zwischen dem äußeren

Bild der friderizianischen »Capriccio-Ar-

chitektur« und ihrer tatsächlichen Nutzbarkeit.

Hier wird vermittelt, wie eigenwillig

Friedrich der Große bei seinen

Planungen vorging.

Die Kombination von Objekt, Medien

und Grafik sowie die den Wandel Potsdams

interpretierende Formensprache

der geschaffenen baulichen Elemente

erleichtert die Vermittlung des scheinbar

abstrakten Themas und eröffnet durch

das Wechselspiel von horizontalen und

vertikalen Flächen vielseitige Interpretationsebenen.

Geleitet von der Idee eines

»Erzählenden Raums« werden Gestalt

und Thema der Schau zu einer inspirierenden

Einheit verschmolzen.

Die nach Plänen der Szenographen hergestellten

Ausstellungselemente bilden

ein modulares System und werden nach

dem Ende von »Friedrich und Potsdam«

für die Dauerausstellung zur Geschichte

der Stadt Potsdam verwendet, die im September

2013 eröffnen wird.

Ausstellungsgestaltung &

Medienproduktion

Duncan McCauley GmbH & Co. KG

www.duncanmccauley.com

Kuratoren Potsdam Museum

Dr. Jutta Götzmann

Dr. des. Ines Elsner

Thomas Sander

Ausstellungsbau

museumstechnik GmbH

www.museumstechnik.com

Ausstellungstechnik

G. Fleischhauer

Ing.-Büro Cottbus GmbH

www.fleischhauer-cottbus.de

Grafikdruck

digidax gbr

www.digidax.de

Multitouchtisch

Hardware & Programmierung

interactive scape GmbH

www.interactive-scape.com

Exponateinrichtung

Abrell & van den Berg

Ausstellungsservice GbR

www.abrell-vandenberg.de

links: Das Bild erlaubt einen Blick auf die Vitrinen und

veranschaulicht den farblichen Kontrast des Preußisch-

Blau sowie die fließende Ausstellungsarchitektur.

Fotos © Jan Bitter und Daniel Alexander

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Dr. Jutta engelhard, stellvertretende

Direktorin des Rautenstrauch-Joest-Museum

– Kulturen der Welt in Köln, wurde

kürzlich vom Europäischen Museumsforum

(EMF) zur Nationalkorrespondentin

für Deutschland ernannt. Als wissenschaftliche

Projektleiterin hat sie mit ihrem

Team eine innovative Neukonzeption für

das Kölner Museum realisiert, das an

seinem neuen Standort im Zentrum der

Stadt seit Oktober 2010 500 000 Besucher

und Besucherinnen angezogen und

zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat;

unter anderem wurde es für den EMYA

2012 nominiert und mit dem Council of

Europe Museumprize 2012 geehrt.

Jutta Engelhard teilt sich das Ehrenamt

mit Dr. Otto Lohr, wissenschatlicher

Mitarbeiter der Landesstelle für die nichtstaatlichen

Museen in München, der

künftig Museen in Bayern, Baden-Württemberg,

Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen,

Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg

und Berlin in Sachen EMF, EMYA

(European Museum of the Year Award)

und CEM (Council of Europe Museum-

prize) berät, während seine Mitstreiterin

Museen in NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein,

Rheinland-Pfalz, Hessen

und im Saarland als Ansprechpartnerin

zur Verfügung steht.

Beide freuen sich über Hinweise auf interessante

neu eröffnete Museen aller Sparten

und solche, die mit einer innovativen

Neukonzeption wieder eröffnet haben.

Kontaktadressen:

Dr. Jutta Engelhard

Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen

der Welt

Leonhard-Tietz-Straße 10

50676 Köln

Telefon 0221 221 31303

jutta.engelhard@stadt-koeln.de

Dr. Otto Lohr

Landesstelle für die nichtstaatlichen

Museen in Bayern

Alter Hof 2

80331 München

Telefon 0089 210 14016

Otto.lohr@blfd.bayern.de

MKT AG bringt kinetische

Kunstinstallation nach Singapur

Mit »Kinetic Rain« wurde am Changi

Airport in Singapur die wohl weltweit

größte kinetische Skulptur realisiert. Das

künstlerische Konzept der Installation

und die komputative Gestaltung der

Choreografie stammen von der Berliner

Agentur Art+Com. In Anspielung auf den

tropischen Regen besteht die Installation

aus 1.216 hochglänzenden, verkupferten

Aluminiumtropfen. Diese hängen an

dünnen Stahlseilen von der Decke und

werden jeweils einzeln von einem kleinen

Servomotor bewegt. Während einer 15

Minuten dauernden Show formieren sich

die Tropfen zu verschiedenen Schaubildern

zum Thema Fliegen.

Die gesamte technische Umsetzung von

»Kinetic Rain«, inklusive der Software,

erfolgte durch die MKT AG, Experte für

kinetische Installationen.

Insgesamt überspannt »Kinetic Rain« eine

Fläche von mehr als 75 Quadratmetern

und bespielt den Raum über acht Meter

Höhe. Aufgrund der immensen Größe

wurde eigens für die Produktion eine

Halle angemietet. »Eine besondere Herausforderung

war vor allem der Transport

der insgesamt knapp 30 Tonnen schweren

und bis zu fünf Meter langen Baugruppen

nach Singapur«, so Axel Haschkamp, Vorstand

der MKT AG.

Das gelungene Ergebnis kann nun

von den tausenden Reisenden, die die

Abflug-/Check-In-Halle im Terminal 1 am

Changi Airport passieren, bewundert

werden und soll diese animieren, einen

Moment zu verweilen und innezuhalten.

Kontakt

Axel Haschkamp

MKT AG

Industriestraße 2

D 82140 Olching

Telefon +49 (0)8142 65 255 0

Telefax +49 (0)8142 65 255 71

info@mkt-ag.de

www.mkt-ag.de

Changi Airport Group

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Fotos: © Zooey Braun, Stuttgart

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Frank Stella (*1936) ist einer der letzten

lebenden Heroen der amerikanischen Malerei

der 1950er- und 1960er-Jahre, der Zeit also, in

der die amerikanische Kunst zu ihrer eigentlichen

Identität und zu ihrem historischen

Höhepunkt fand. Seine Schaffenskraft ist bis

heute ungebrochen.

Mit einem Paukenschlag eroberte der erst

23-jährige Künstler bereits 1959 die New

Yorker Kunstszene: Seine großen Black

Paintings verschärften nicht nur die Auseinandersetzung

mit dem Minimalismus in

der Malerei, sondern bereiteten auch den

»Ausstieg aus dem Bilde in den Raum«

vor. Zur großen

Überraschung der

Kunstkritik folgte

der leidenschaftliche

Rennwagenfahrer

nicht dem Tross der

Avantgarde, der

scheinbar unausweichlich

Richtung

Minimal Art steuerte.

Stellas Weg

hingegen führte zu

immer opulenteren,

immer barockeren

Reliefs. Mit dieser

eigenwilligen Wendung

»vom Minimalismus

zum Maximalismus«

wurde Frank

Stella zu einem der

prägenden Künstler

des 20. Jahrhunderts, dem das Kunstmuseum

Wolfsburg nun mit etwa 63 meist

großformatigen Werken und 82 Arbeiten

auf Papier eine umfassende Retrospektive

widmet, die weltweit umfassendste seit

mehr als 15 Jahren. Frank Stellas Arbeit

bildet eine historisch und formal weit

gespannte Brücke zwischen der legen-

dären Ära der monochromen Farbfeldmalerei

der 1950er-Jahre – wie zum Beispiel

eines Barnett Newman – und der Abstraktion

im 21. Jahrhundert. Er ist somit

Vollender und gleichzeitig Erneuerer der

Abstraktion.

Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt in

seiner Präsentation »den ganzen Stella«:

Gemeinsam mit dem Künstler ist eine weiträumige

Inszenierung entstanden, in der

die einzelnen Werke ihre Wirkung neu

entfalten können und sie darüber hinaus

ein einzigartiges und reizvolles Zusammenspiel

ergeben. Somit wird die Vielfalt der

Dialoge von Farbe, Form und Raum an

jedem Punkt der Ausstellung direkt erfahrbar.

Die zusammen mit dem Künstler

getroffene, repräsentative Werkauswahl

gibt jedoch auch einen intensiven Einblick

in die Werkentwicklung eines halben Jahrhunderts

äußerst produktiven Schaffens.

Diese zeichnet die sukzessive Eroberung

des Raumes bis hin zu den visionären und

allerjüngsten Arbeiten nach und nimmt

dabei Grundelemente der fraktalen und

der digitalen Ästhetik vorweg. Bis auf

den Einstieg in die Ausstellung folgt die

Präsentation keiner strengen Chronologie

– spätere Werke tauchen in früheren

Kontexten auf und umgekehrt. Dadurch

werden auf besondere Art Einblicke in die

Arbeitsweise des Künstlers sichtbar und

Zusammenhänge zwischen seinen Serien

erfahrbar gemacht. Um seine künstle-

rischen Innovationen zu verwirklichen,

experimentiert Stella mit immer neuen

technischen Mitteln. So war er einer der

ersten Künstler, die ihre Werke mit dem

Computer entwarfen.

Diese stets visionären Gestaltungen spiegeln

sich auch in den architektonischen

Entwürfen wider, die auf der Empore

gezeigt werden. Am Ende der Ausstellung

bietet ein Raum mit Stellas frühen Skizzen

Einblicke in den Entstehungsprozess seiner

Arbeiten. Erstmals stellt das Kunstmuseum

Wolfsburg Stellas Werk in einen größeren

Zusammenhang der Kunstgeschichte, der

weit über die Moderne hinausweist. Es

geht dabei nicht nur um die Darstellung

des Gesamtwerkes, sondern auch um dessen

Verankerung in der Geschichte und

seine Brückenfunktion ins 21. Jahrhundert.

Frank Stella – Die Retrospektive

Dazu gehört auch die Frage nach der Rolle

des Ornaments und nach der Zukunft der

Abstraktion. Zu diesem Zwecke wurde im

Obergeschoss des Museums eine eigenständige

Ausstellung mit Ornamentgrafiken

vom 15. bis zum 18. Jahrhundert –

von Dürer bis Piranesi – eingerichtet. Sie

wurde im Mai eröffnet

und läuft praktisch

zeitgleich zur

Stella-Ausstellung

(bis 06.01.2013).

Ein Kabinett mit

einer Auswahl

von Arbeitszeichnungen,

die der

Künstler 1980 dem

Kunstmuseum Basel

übergeben hat, bildet

das Gelenk zu

dieser historischen

Ausstellung. Mit diesem

Rückblick in die

Prämoderne wird

nicht nur die ungebrochene

Aktualität

des Ornamentalen

insbesondere in der

zeitgenössischen Kunst offensichtlich,

die Parallelität zur Hallenausstellung lässt

die Abstraktion in einem viel größeren

Zusammenhang begreifen und deutet

an, dass in Frank Stellas Werk gleichsam

die Geschichte der Abstraktion mit der

großen Geschichte des Ornaments verschmilzt.

In der Ausstellung sind Schlüsselwerke

wie die Black Paintings, Damascus Gate

(1969–70), Arbeiten aus der Polish Village

und der Irregular Polygon Series, La

penna di hu (‚19, 3D, 3x) (1987–2009),

Etymology (Q-10) (1990) und The Broken

Jug. A Comedy [D#3] (left handed

version) (2007) vertreten. K.179 (2011)

aus der Scarlatti Sonata Kirkpatrick

Series entstand für die Ausstellung im

Kunstmuseum Wolfsburg und wird

hier erstmals öffentlich ausgestellt.

Diese und die übrigen Werke werden

unter anderem vom Kunstmuseum

Basel, der Tate London,

dem Museum Ludwig Köln,

dem VanAbbemuseum Eindhoven

sowie den Sammlungen

Henkel, Düsseldorf,

und Hoffmann, Berlin, und

nicht zuletzt von Frank

Stella selbst zur Verfügung

gestellt.

Der Katalog ist als Standardwerk

zu Frank Stella

gedacht und bietet

neben einer ausführlichen

Dokumentation

und Besprechung der

ausgestellten Arbeiten

durch Holger Broeker,

wissenschaftliche Einblicke

in die nach wie vor

überraschende Wende

vom Minimalismus zum

Maximalismus: Gregor

Stemmrich, ausgewiesener

Spezialist für die

amerikanische Kunst der

60er- und 70er-Jahre,

liefert eine fundierte

Einbettung des Werkes

von Frank Stella in die

Kunstgeschichte des

20. Jahrhunderts. Markus

Brüderlin schreibt über Stella und

das Ornament. Ein Ateliergespräch von

Claudia Bodin mit dem Künstler sowie

Statements von Künstlern, Weggefährten

Stellas und von Fachleuten wie Michael

Fried, Santiago Calatrava, Sarah Morris

und Serge Lemoine runden die Publikation

ab. Erstmals ist in diesem Katalog

auch ein bebilderter Überblick über alle

36 Serien Frank Stellas enthalten.

Rita Werneyer, M. A.

Leitung Kommunikation

& Visuelle Bildung

Kunstmuseum Wolfsburg

Die Ausstellung wird unterstützt durch

die Volkswagen Financial Services AG.

Frank Stella – Die Retrospektive

Werke 1958 – 2012

Bis 20. Januar 2013

Kunstmuseum Wolfsburg

Hollerplatz 1 | 38440 Wolfsburg

T. +49 (0)5361 2669 0

F. +49 (0)5361 2669 66

www.´´kunstmuseum-wolfsburg.de

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Fotos: © Jan Eickhoff

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…und es

ward Licht.

Das Ausstellungszentrum Hinter Aegidien des Braunschweigischen

Landesmuseums mit neuer Dauerausstellung

Meike Buck

Wer die noch erhaltenen Reste des ehemaligen Aegidienklosters

in Braunschweig sucht, muss sich abseits der großen Verkehrswege

und Touristenströme begeben. Mitten in der Innenstadt

liegt es in einer Oase der Ruhe: eine riesige Kastanie überspannt

den Innenhof, die alten Mauern von Efeu berankt, im Sommer

blühen Rosen zwischen den historischen Steinfragmenten. Ausgehend

von der besonderen Atmosphäre dieser Traditionsinsel

wurde ein Konzept für eine neue Dauerausstellung entwickelt,

die den Besucher die kontemplative Stille erahnen lässt, die die

Benediktinermönche vor 900 Jahren suchten.

Betritt der Besucher den Innenhof Hinter Aegidien, findet er

sich zwischen zwei Kirchenchören wieder. Der imposante gotische

Chor der Aegidienkirche an der linken Seite, gegenüber an

der rechten Seite der seltsamerweise nach Westen ausgerichtete

Paulinerchor, der 1906 für den Einzug des Vaterländischen

Museums, heute das Baunschweigische Landesmuseum, hierhin

versetzt wurde. Das Verbindungsstück dazwischen bildet

der romanische Ostflügel der ehemaligen Klausur.

Verbunden mit dem Kloster ist das ehemalige Evangelische

Vereinshaus. Ende des 19. Jahrhunderts gebaut, beherbergt es

heute die barocke Inneneinrichtung der Hornburger Synagoge

als Herzstück des Jüdischen Museums. Als das Museum 1986

seinen Hauptsitz in das repräsentative ehemalige Viewegsche

Verlagshaus an den Burgplatz verlegte, wurde es ruhiger Hinter

Aegidien, unterbrochen von Schulklassen, die die hier ausge-

Die Positionierung der Lichtsäulen greift die bauliche Struktur der Räume auf und fügt sich in die Architektur ein.

71


kleine Fotos rechts: © Marburger Bildarchiv

72

stellte Judaica-Sammlung des Museums

mit der Inneneinrichtung der Hornburger

Synagoge besuchen.

Die Zeit schien stehen geblieben zu sein.

Der östliche Flügel des Kreuzganges mit

den drei daran angrenzenden Räumen,

der ehemalige Kapitelsaal, das Parlatorium

und das Refektorium, schlummerten

einen Dornröschenschlaf, als müssten sie

sich von den Jahren der Betriebsamkeit

und den wechselnden Bewohner in ihren

Mauern erholen.

1115 hatte die brunonische Markgräfin

Gertrud das Aegidienkloster auf dem

Braunschweiger Köpfeberg gegründet,

so gelten die Räume aus dem 12. Jahrhundert

als eine der ältesten in der Stadt.

Gertrud stattete ihr Kloster nicht nur mit

umfangreichen Ländereien aus, sondern

der Legende nach auch mit den Reliquien

des Heiligen Aegidius und des Heiligen

Auctors, der von den Braunschweigern

als ihr Schutzheiliger verehrt wurde. Gertruds

Schwiegersohn Lothar von Süpplingenburg

nahm das Benediktinerkloster

unter seinen kaiserlichen Schutz, Objekte

wie ein historisch und kunstgeschichtlich

wertvolles Evangeliar aus dem 12. Jahrhundert

machen die Bedeutung des Klosters

deutlich. Noch einmal erregte es Aufmerksamkeit,

als der Mönch Gottschalk

Kruse die Gedanken Luthers nach Braunschweig

brachte und somit die Reformation

in der Stadt einleitete.

oben: Kapitelsaal zwischen 1906 und 1933

unten: Konvent als Vaterländisches Museum

Wertvolle Objekte wie diese Frauenhaube aus dem 18. Jahrhundert, die in einem Grab der Aegidienkirche

gefunden wurde, illustrieren die Geschichte des Klosters.

oben: Kleine Schatzkästchen: Die historischen Objekte werden lichtgeschützt aufbewahrt und müssen

vom Besucher »entdeckt« werden.

unten: Aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst: Bei der Eröffnung der neuen Ausstellung herrschte

großer Andrang in den historischen Räumen.

unten: Versammlungsraum gestern und

heute; Möbel für museumspädagogische

Veranstaltungen im ehemaligen Kapitelsaal

unten: Die Zugluft in dem alten Gebäude

erforderte den Einbau von Klimavorhängen

zum Schutz der Objekte.

Auf Textil gedruckte und hinterleuchtete Buchmalereien aus dem Mittelalter gliedern die beiden

Ausstellungswände im Refektorium.

oben: Rote Textelemente setzen Akzente auf den ansonsten in neutralem weiß gehaltenen Ausstellungsmöbeln.

unten: Ein Modell des Klosters und der Kirche aus dem 12. Jahrhundert lässt erahnen, wie es hier vor rund

800 Jahren aussah.

73


74

Doch das bedeutete auch das Ende des

Klosters, es löste sich 1542 auf. Damen

eines evangelischen Stifts übernahmen

die Räume, bis sie den Gefangenen der

Braunschweiger Justiz weichen mussten,

die hier ihre Strafen absaßen oder, im

schlimmsten Fall, im ehemaligen Klosterhof

hingerichtet wurden.

Die Nutzung als Museum bewahrte die

noch erhaltenen Räume vermutlich vor

dem Abriss.

Die Räume waren, bis auf einige Deckenfluter

im Stile der 1990er Jahre, leer. Hier fanden

Veranstaltungen und Sonderausstellungen

zu verschiedensten Themen statt.

Die uns selbst gestellte Aufgabe lautete,

hier neues Leben einzuhauchen, die Architektur

mit ihren Blickachsen, den reich

verzierten romanischen Säulen und der

Deckenmalerei aus dem 19. Jahrhundert

hervorzuheben. Die Räume selbst sollten

zum wichtigsten Ausstellungsstück werden,

die der Besucher mit seiner Geschichte

und Architektur erklärt bekommt. Denn

bisher bekam er keine Informationen zu

dem Gebäude an sich. Eine gleichmäßige

Beleuchtung sollte die Räume in Szene setzen,

bei der alle nötige Technik möglichst

unsichtbar untergebracht wird. Die Auflage

der Denkmalpflege, originale Wände

und Decken nicht mit Haken, Bohrungen

und anderen Befestigungen zu zerstören,

war eine zusätzliche Herausforderung.

Frei stehende Lichtsäulen beleuchten

nun die Räume und schaffen eine Atmosphäre,

die den Besucher eine klösterliche

Stimmung erahnen lässt, gleichzeitig sind

sie Träger für die Ausstellungstexte. Die

Erläuterungen zur Geschichte des Klosters

und seiner Räume werden ergänzt durch

poetische Schwarz-Weiß-Fotos und einprägsame

Zitate aus der Regel des Heiligen

Benedikts.

Für den größten und schlichtesten der

drei Räume, das Refektorium, wurden

zwei Ausstellungswände entwickelt. Hier

werden einige ausgewählte Objekte zur

Geschichte des Klosters und der Räumlichkeiten

ausgestellt, archäologische

Objekte stehen neben Skulpturen, Bauteile

werden ergänzt durch Grafiken und

Gemälde. Schubladen und Klappen, die

beim Öffnen einen Lichtschalter auslösen,

gewährleisten zum Einen die konservatorischen

Auflagen für die fragilen Objekte,

laden die Besucher zum Anderen zum

Entdecken und Geheimnislüften ein.

oben: Die Anzahl der präsentierten Objekte, hier ein Giebelkreuz aus dem 18. Jahrhundert, wurde bewusst

klein gehalten, um die Räume in den Vordergrund zu stellen.

unten: Lichtempfindliche Objekte in Vitrinen sind durch textile Abdeckungen geschützt.

unten: Die optische Leichtigkeit der Lichtsäulen bildet einen passenden Gegensatz zur Schwere der romanischen

Architektur.

Morgan Library & Museum Foto ausgeliehen von The Morgan, David Collection Foto von Pernille Klemp, Florida Museum Foto von Jeff Gage

Museumsbeleuchtung von Roblon

Mehr über Roblon auf der Exponatec Cologne

Projektfotos & Lösungen auf www.roblonlighting.com

Haie in Hall of Florida Fossils

Mumien im Neues Museum

Tagebücher im Anne Frank Huis

Münzen in The David Collection

Königinnen entlang The Mall

Pergamente im Nationalmuseum Iran

Tafelsilber im Cleveland Museum of Art

Folianten in Morgan Library & Museum

Reiterrüstungen in der Türckischen Cammer

75


76

So ist eine Ausstellung entstanden, die

die Räume feinfühlig in Szene setzt und

dem historischen Wert der ehemaligen

Klosterräume gerecht wird. Zugleich ist

es eine unaufdringliche Ausstellung, die

der romanischen Gestalt der Räume mit

ihren geschichtlichen Veränderungen die

Bühne überlässt.

Dass der Ort trotz dieser Veränderung

seine Stille und Verträumtheit behalten

hat, symbolisieren drei Gartenmöbel, die

auf ehemaligen Skulpturenfundamenten

im Innenhof entstanden sind, die jeden

zum Verweilen und Träumen einladen.

Wenn sie nicht gerade von einer lachenden

und schwatzenden Horde kleiner

Mönche mit Butterbroten und Apfelsaft

gestürmt werden…

Die Neuinszenierung der Klosterräume

ist Teil eines neuen Konzeptes für das

Gebäudeensemble Hinter Aegidien. Demnächst

soll hier ein Museum für Religionsgeschichte

eingerichtet werden als Ort

für den interkulturellen Dialog zwischen

den drei monotheistischen Weltreligionen

Judentum, Christentum und Islam.

Braunschweigisches Landesmuseum

Ausstellungszentrum Hinter Aegidien

Hinter Aegidien

38100 Braunschweig

www.landesmuseum-braunschweig.de

oben: Die neu gestalteten Bänke im Innenhof laden zum Pausieren ein.

oben: Ein Ort der Stille inmitten der Großstadt: Der Innenhof des Ausstellungszentrums Hinter Aegidien

unten: Farbliche Akzente im Innenhof sollen den Besucher auf die Ausstellung aufmerksam machen.

Sonderanfertigungen sind bei uns Standard!

Planung, Lieferung und Montage! ArchiBALD setzt auf individuelle und

intelligente Lösungen für Museumsdepots. Qualitätsprodukte in diversen

Varianten stehen dabei im Mittelpunkt.

www.archibald-regalanlagen.de

Archivierungssysteme

Bibliotheksregale

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Lagerregale

Depotsysteme für Museen

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Foto und Zeichnungen: © Studio Anne Hasselbach

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Im Bereich Ausstellungsgestaltung gibt

es vielfältige Möglichkeiten zur Vermittlung

von Informationen und Geschichtsstoff.

Dabei stellt sich die herausfordernde

Frage, wie Ausstellungsthemen in ein

angemessenes, visuelles Gesamtkonzept

verpackt werden können, ohne den musealen

Ort in den Hintergrund zu drängen.

Das Kloster Hinter Aegidien ist zweifelsohne

ein Ort der Stille, dessen friedliche

Atmosphäre man kaum mit schmückenden

Beiwerk zu durchbrechen wagt. Deshalb

verzichtet die Ausstellungsgestaltung

bewusst auf multimediale Einbauten und

ordnet sich stattdessen mit einer zurückhaltenden

Präsentation den historischen

Räumen unter. Vielmehr wird durch das

Thema »Licht« ein Leitgedanke sichtbar,

der die architektonische Originalität des

ehemaligen Klosters sphärisch unterstützt.

Die für die Ausstellung entwickelten

Leuchtkörper führen den Besucher intuitiv

auf eine Zeitreise durch die ehemalige

Wohn- und Gebetsstätte der Benediktinermönche.

Die rhythmisch angeordneten

Stelen folgen der Architektur der drei

Klosterräume und erhellen die tageslichtarmen

Räume auf eine fast wohnliche

Art und Weise. Auf den Leuchtkörpern

aufgedruckte Benediktinerregeln, Raumbeschreibungen

und Bildmetaphern

geben dem Besucher einen illustrativen

Eindruck über das ehemalige Leben hinter

Klostermauern.

Zwei große, helle Ausstellungswände

dienen der didaktischen Wissensvermittlung

zur Geschichte des Klosters. Auch

hier wieder rhythmisch angeordnet, wird

der Besucher durch hinterleuchtete Ikonendarstellungen

sinnlich in die göttliche

Welt der Benediktiner einbezogen. Im

Gegensatz dazu sind die wertvollen Ausstellungsstücke

lichtgeschützt und unter

konservatorischen Gesichtspunkten in

Schubläden und Vitrineneinbauten erst

auf den zweiten Blick zu entdecken. Der

Habitus der lebensgroßen, handgezeichneten

Mönche auf den Ausstellungswänden

und den Klimavorhängen gibt der

Präsentation etwas Menschliches.

Das dem Erscheinungsbild der Ausstellung

angepasste Mobiliar lädt die Besuchern

ein, inne zu halten und den Alltag

einmal hinter sich zu lassen. Angelehnt

an den feierlichen Stil eines christlichen

Abendmahls können heute an einer langen

Tafel museumspädagogische Programme

durchgeführt werden, die das

Kloster wieder zu einem lebendigen Ort

der Kommunikation werden lassen.

Eine Ausstellung von Menschen für Menschen

beginnt in der Regel mit dem Skizzieren

erster Ideen. In unserem digital

geprägtem Zeitalter wirken Zeichnungen

beinahe schon altmodisch, lassen aber

im Gegensatz zu makellosen Renderings

im Arbeitsprozess viel Spielraum für

Gestalter und Auftraggeber. Ist die Idee

gereift, beginnt die Modellphase, um

die Proportionen der Einbauten mit den

architektonischen Rahmenbedingungen

abzustimmen. Dabei sind die Maße der

Säulen und Kapitelle des Klosters ausschlaggebend.

Hier entscheiden wenige

Zentimeter über die geeignete Höhe der

Ausstellungswände und Lichtstelen, ohne

die vollkommene Wirkung der bestehenden

Architektur ins Wanken zu bringen.

Die Ausstellungsmöbel sind überwiegend

aus Holz gefertigt. Das Farbkon-

zept unterscheidet in Objekt- und Textpräsentationen.

Weiße Flächen dienen vordergründig

dem Lesen, rote Flächen hingegen

betonen besonders wertvolle Ausstellungsstücke.

Die Lichtstelen aus Metall

erzeugen durch beleuchtete textile Oberflächen

und zarte Konstruktionsrahmen

eine überraschende Leichtigkeit.

Besonders in Klöstern bilden Innen- und

Außenräume immer eine Einheit. Mit diesem

Hintergrund wurde ganz bewusst der

Klosterhof in die Gestaltung einbezogen.

Rote Gartenliegen und Stelen setzen sich

von der sonst eher homogenen Ausstrahlung

des Außenbereiches ab und lenken

die Blicke selbst zufälliger Passanten in den

Hof und damit in das neugestaltete Ausstellungszentrum

Kloster Hinter Aegidien.

Szenografie und Lichtsystem:

corporate friend und

studio anne hasselbach

www.annehasselbach.de

www.corporatefriend.de

http://corporatefriend.blogspot.de

in Zusammenarbeit mit dem Büro

Fischer&Partner, Leipzig

www.fischer-lichtdesign.com

Digitaler Plattendirektdruck

/ Textildruck:

Sachsen Fahnen GmbH & Co. KG

www.sachsenfahnen.de

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Die Rekonstruktion der Bischofsburg Xanten

Ein Gemeinschaftsprojekt von museum.de und der PUPPETEERS GmbH

Teil 1

Beim Blick auf die die Geschichte Xantens

fällt auf, dass immer wieder Gebäude

abgetragen wurden, um damit am steinarmen

Niederrhein neue Häuser errichten

zu können. Die römische Stadt Colonia

Ulpia Trajana (heute teilweise Archäologischer

Park Xanten) wurde um 100 n. Chr.

mit aufwendig über den Rhein antransportiertem

Material erbaut. Im Mittelalter

diente die ehemalige Römerstadt selbst

als Steinbruch. So gesehen verdanken wir

auch der Römerstadt unseren herrlichen

Dom und die ehemalige Bischofsburg.

Reste der Bischofsburg 2012

Ihre Errichtung wird dem Kölner Erzbischof

Brun (Bruno I. von 953–965) zugeschrieben.

Doch erst 1096 wurde sie

erstmals urkundlich erwähnt, als dort 60

unter dem Schutz des Kölner Bischofs Hermann

III. stehende Juden einem Pogrom

zum Opfer fielen. Der benachbarte und

heute noch existierende Meerturm, der

heute als Sitz von museum.de dient,

war seit 1389 als Teil des Flucht- und

Rückzugssystems mit der bischöflichen

Burg verbunden. Während dieser Turm

und sein Wehrgang bis heute das historische

Stadtbild der Stadt mit prägen und

begehbarer Teil des SiegfriedMuseums

sind, gehört die Bischofsburg längst der

Vergangenheit an. Kaum etwas erinnert

die Einwohner und die Touristen an diesen

einst imposanten Bau.

Die Türme, an denen bislang viele wie

selbstverständlich vorbeigehen, erhalten

plötzlich eine ganz andere Bedeutung,

wenn man sich mit ihnen inhaltlich auseinandersetzt.

Das würde mit Sicherheit

auch für die Bischofsburg gelten, wäre sie

nicht gesprengt worden.

Aus den Augen heißt aber nicht aus dem

Sinn. Vielmehr entstand die Idee, durch

die Nutzung modernster Technologien die

größtenteils aus dem Stadtbild Xantens

verschwundene Bischofsburg virtuell als

3D-Computermodell zu rekonstruieren.

Ein solches Modell lässt sich schließlich

am Rechner aus beliebigen Blickwinkel

betrachten.

Ausschnitt aus dem Altarbild mit dem Martyrium

des Hl. Viktors von Bartholomäus Bruyn d.Ä. von

1529-1534 an Xantener Hochaltar (Bild Hochaltar,

linker Seitenflügel, rechter Flügelteil, außen;

im Hintergrund des Martyriums Stadtansicht mit

Marstor, Bischofsburg und Dom), Blick von Süden

Was lag da näher, genau die Firma Puppeteers

um eine Kooperation zu bitten,

die bereits für das StiftsMuseum Xanten

den St.-Viktor-Dom detailgetreu als 3D-

Modell nachgebaut hat.

Es entstand ein Animationsfilm für die

ständige Ausstellung, der auch die zeitliche

Entwicklung des St.-Viktor-Doms

plastisch veranschaulicht.

Der Besuch des StiftsMuseums gehört

unbedingt zu einem Besuch in Xanten.

Das erscheinungsbild der Burg

Die Rekonstruktion will visualisieren, wie

die beeindruckende Bischofsburg vor

ihrer Sprengung im Jahre 1692 das Stadtbild

prägte.

Grundlage für die Designer von Puppeteers

sind dabei u.a. die Ausgrabungs-

Erkenntnisse der Wissenschaftler Prof.

Dr. Walter Bader und Dr. Hugo Borger.

Bis 1969 war Prof. Dr. Bader als Staats-

und Landeskonservator federführend an

der Rettung und Wiederherstellung vieler

wichtiger Baudenkmäler des Landes

beteiligt – insbesondere auch am Wiederaufbau

des Xantener Domes.

Sein Schüler Dr. Borger vom Rheinischen

Landesmuseum in Bonn wiederum führte

ab 1955 die Ausgrabungen unter dem

Xantener Dom fort und weitete diese

auf den Bereich der Stifts-Immunität aus.

In den 1960er Jahren legte er Teile der

Grundmauern frei und liefert damit wichtige

Erkenntnisse zu Lage und Größe und

damit fundamentale Vorgaben für das

3D-Modell zur Bischofsburg: zwei Meter

dicke Mauern, 21 m lang, 27 m breit,

Ausschnitt aus der Kreuzigungsszene des Agatha-Altars im Xantener Dom mit seitenverkehrter Darstellung

der Bischofsburg, etwa 1499/1500

25 m hoch. Heute bilden der Turm an der

Nordweststecke der Immunität und die

Mauer am Ziegelhof die sichtbaren Überbleibsel.

Als weitere Grundlage für die Rekonstruktion

werden den Spezialisten von Puppeteers

drei Gemälde bzw. Zeichnungen aus

jener Zeit dienen. Die damaligen Maler

nahmen sich allerdings einige künstlerische

Freiheiten. So malten sie beispielsweise

die Bischofsburg auf dem Altarbild

des Agatha-Altares im Xantener Dom seitenverkehrt.

Damit könnte man den wissenschaftlichen

Wert der Rekonstruktion oberhalb

der Grundmauern natürlich in Frage stellen.

Durch Zuhilfenahme anderer Bauten,

die zur gleichen Zeit erstellt wurden,

lassen sich weitere Rückschlüsse ziehen.

So hat die Turmburg aus Soest, die 1810

abgetragen wurde, sehr ähnliche Grundrisse.

Ihre Entstehung ist ebenfalls erzbischöflicher

Initiative zuzuschreiben. Auch

die Turmburg wurde erstmals Ende des

11. Jahrhunderts schriftlich erwähnt.

unten: Ausschnitt aus »altem Stadtbild« (nach Ingo

Runde ist dies die Stadtansicht Hendrik Feltmanns

um 1653, wobei das in Hinblick auf das Alter der

Bischofsburg nicht als »altes« Stadtbild zu bezeichnen

ist), Blick von Osten auf die Stadt

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Auf einem Ölgemälde von Pierre-Denis Martin le Jeune, das die Einnahme Xantens durch Ludwig XIV.

im Jahr 1672 zeigt (ebenfalls nach Ingo Runde)

Der Nutzen

Die vorhandenen Erkenntnisse zur Bischofsburg

sind bisher nicht zentral gesammelt

worden. Für eine visuelle Rekonstruktion

war es zunächst erforderlich, alle

Quellen zusammen zu tragen. In einem

sehr konstruktiven Treffen bei der Firma

Puppeteers in Schwerte haben wir diese

Erkenntnisse zusammengetragen und

beschlossen, das Modell in die Praxis

umzusetzen.

Die grundlegenden Vorgaben dafür sind

in Teilen lückenhaft, dennoch waren sich

alle Beteiligten einig, dieses vielversprechende

Pilot-Projekt für die Stadt Xanten

umzusetzen.

Für eine möglichst authentische Rekonstruktion

ist es wichtig, die einzelnen

Entwicklungsschritte wissenschaftlich zu

begleiten. Mehrere Jahrzehnte nach den

Ausgrabungen von Bader und Borger ist

es Dr. Jens Lieven vom Lehrstuhl für die

Geschichte des Früh- und Hochmittelalters

der Ruhr-Universiät Bochum, der das

interdisziplinäre Team wissenschaftlich

berät. Die Kommunikation läuft über die

üblichen Wege und zusätzlich über zeitsparende

Bildschirmkonferenzen, die eine

ortsungebundene Teamarbeit über große

Distanzen möglich macht.

Neue Perspektiven vom ehemaligen

Stadtbild

Sowohl die Einwohner als auch die Touristen

dieser Stadt erhalten einen Eindruck

von der Bischofsburg, wie sie kurz

vor ihrer Sprengung ausgesehen haben

könnte. Mit den zeitgemäßen Möglichkeiten

der 3D-Modellierung lassen sich

letztlich alle Perspektiven der Bischofsburg

betrachten. Bringt man die Bischofs-

A: älteres Haus von Klever Graf, der die Burg vor

1173 innehatte, beansprucht

nur Grundriss bekannt

B: Turm/Burg 21 m lang, 27 m breit, 25 m hoch,

Mauerdicke 2 m

von besonders tiefem Graben und erdverstärkter

enger Hofmauer umgeben

C: Aula/Rechtecksaal 38m lang, 8,4 – 9,8m breit

zweistöckig (angenommen von Bader, da 1151

neu gebaut)

D: Pfalzkapelle; evtl. ebenso zweistöckig

EF: angrenzendes Doppelhaus mit Westturm

zweistöckig, Turm noch erhalten

G: Fortsetzung von EF; weitere Bauten, etwa bis

Höhe Westende Kirchtürme

im UG meist schmale Fensterluken,

im OG nachweisbar Fenster mit Halbrundbögen

burg und den nur 40 Meter entfernten

Dom in einem Modell zusammen, dann

eröffnen sich ganz neue Perspektiven

vom ehemaligen Stadtbild und den Proportionen

der beiden einst prägnantesten

Bauwerke Xantens. 3D-Modelle sind auch

Grundlage für animierte Kamerafahrten

zwischen Dom und Bischofsburg,

die zudem als 3D-Filme mit räumlichen

Eindruck erzeugt werden können. Möglich

ist auch, ein ganz reales Modell über

3D-Drucker zu erzeugen.

Mitte März werden wir Ihnen im Magazin

Museum.de Ausgabe Nr. 12 einen Bericht

über die Fortschritte auf unserer digitalen

Baustelle liefern. Zu einem ganz ungefährlichen

Besichtigungstermin auf eine

Baustelle möchten wir Sie selbstverständlich

auch noch nach Xanten einladen.

Dort wird wieder alles real sein, und wir

haben Zeit für Gespräche und den klassischen

Händedruck.

B

C

A

D EF

einladung zu

»Die Türme von xanten«

Schon jetzt möchten wir Sie ins Siegfried-

Museum in Xanten einladen, um sich am

26. Mai ein Bild vom 3D-Modell und dessen

unterschiedlichen Präsentationsmöglichkeiten

im Museum zu machen.

Trotz Winter haben wir bei der „digitalen

Baustelle Bischofsburg“ keine Probleme

mit Frost und Mörtel, jedoch rechnen

wir mit inhaltlichen Herausforderungen,

die das Projekt spannend machen. Gern

werden wir Ihnen vor Ort alle Fragen zum

Projekt beantworten.

Außerdem erwartet Sie an diesem Tag

die Premiere des neuen Audioguides von

museum.de, der für alle Museen und

Besucher kostenlos ist. Lesen Sie dazu

bitte auch den Beitrag auf den beiden

nächsten Seiten.

Wachturm

G

3D-Rekonstruktion des Doms St. Viktor durch die

Firma Puppeteers GmbH im Auftrag des Stifts-

Museum Xanten. Die Westmauer der Bischofsburg

war nur 40 Meter vom Dom entfernt.

Foto: © Olaf Strauch

Die PUPPETEERS GmbH begleitet Ihre

Kunden und Auftraggeber von der ersten

Idee an. Das bezieht sich auf die

Konzeption und Planung von Inhalten,

wie auch auf die Beratung und Projektplanung

von Installationen mit multimedialer

Hardware.

So auch bei dem aktuell gestarteten

Projekt »Rekonstruktion der Bischofsburg«.

Hier sind die PUPPETEERS von

Beginn an in die inhaltliche und organisatorische

Planung der Realisierung

des 3D Modells der Bischofsburg mit

einbezogen.

Folgend die Leistungsbereiche, die den

Ablauf eines Projektes in der 3D Produktion

ausmachen:

Konzeption, Beratung

und Planung:

Am Anfang jedes Projektes steht die

Idee. Die PUPPETEERS GmbH verwandelt

Ihre Ideen und Gedanken in ein

stimmiges Konzept, das Ihre Kernaussagen

transportiert und für den

Betrachter verständlich macht.

Die Konzeption erfolgt ganzheitlich,

nicht nur auf den Inhalt bezogen,

sondern auch bezüglich Auswahl und

Einsatz der Medien, Mehrfachnutzung

und Nachhaltigkeit.

Die PUPPETEERS GmbH hat dank starker

Netzwerk-Partner auch im Hardware-Bereich

viel Beratungskompetenz

zu bieten, so dass auch die Planung

der Hardware für eine Installation Teil

des Konzeptes sein kann.

Animation und Visualisierung:

Bilder und Filme erzählen immer

Geschichten. Die PUPPETEERS GmbH

hat eine lange Tradition in der Erstellung

von hochwertigen 3D Animationen

und Renderings für alle denkbaren

Anwendungsbereiche. Beispiele hierfür

sind Schulungen, Präsentationen,

Rekonstruktionen, Prozessvisualisierung,

Infotainment, Werbung, Anwendungen

in WEB, Messe, PoS, PoI, etc.

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Liest man in Xanten den Lokalteil der Tageszeitung, so erfährt

man auch immer etwas von der niederrheinischen Seele. Menschen

mit bildhafter Sprache und scheinbar ziellos ausschweifenden

Geschichten. Menschen, die selbst nicht genau wissen,

ob sie sich und die Welt überhaupt ernst nehmen sollen.

Geschichten und Fantasie bekommen hier schnell eine Eigendynamik

und plötzlich werden sie ganz unverhofft zur Realität.

Das betrifft auch meine Idee, die ich Ihnen hier vorstelle.

Zur Geschichte Xantens und seiner mutigen Söhne: Da ist unser

weit sichtbarer wunderschöner Dom. Seinen Namen verdankt er

dem Märtyrer und Angehörigen der Thebäischen Legion Viktor

von Xanten, der im 4. Jahrhundert im Amphitheater von Vetera

nahe dem heutigen Birten hingerichtet worden sein soll.

Ein weiterer Xantener ist Siegfried, bekannt aus der Nibelungensage.

Ihm ist das SiegfriedMuseum gewidmet, welches direkt an

den Meerturm von museum.de grenzt.

Nicht mit der Lanze, sondern mit dem Smartphone

brechen wir auf. Nur Mut!

Ganz in Tradition für Taten mit größerer Reichweite möchte ich

Sie einladen, sich mit museum.de auf einen besonderen Weg

zu begeben, für den alle Beteiligten die alten Tugenden wie

Vertrauen und Mut benötigen. Unsere ständigen Begleiter sind

im 21. Jahrhundert weder Lanze noch Schwert, sondern Smartphone

und iPhone.

Zunächst eine analoge Situation zur Erläuterung:

Viele gewachsene Innenstädte beklagen

inzwischen den Verlust des abwandernden

Handels zu den außerhalb und verkehrsgünstig

gelegenen Einkaufszentren mit reichlich

kostenlosen Parkplätzen. Den Beruf einer Politesse

möchte ich nicht in Frage stellen, denn

sie sorgt für Ordnung im öffentlichen Verkehr

der Innenstadt. Der Besucher interpretiert

das Knöllchen an seiner Windschutzscheibe

jedoch als nette Einkommensquelle der Stadt.

Er fühlt sich alles andere als belohnt, in der

Innenstadt eingekauft zu haben – woanders

bekommt er nämlich eine besucherfreundlichere

Infrastruktur geschenkt. Natürlich kann

ein Museum in der Innenstadt nun keine kostenlosen

Parkplätze anbieten. Aber darum soll

es hier auch gar nicht gehen.

Geld zahlen für den Audioguide?

Denkt der Besucher an die digitale Infrastruktur eines Museums,

dann fragt er sich: »Warum kostet der Audioguide für die Besucher

Geld?«

Der Audioguide ist ein Teil Ihres Museums. Da Geschenke nun

mal besonders gut ankommen, werden wir diesen über die App

direkt auf das Handy der Besucher beamen, und zwar nicht nur

für die Museen, sondern auch für die Besucher kostenlos. Für

die Verbreitung von museumseigenen Audio-Dateien innerhalb

und außerhalb der Museen wird museum.de ab Mai 2013 eine

kostenlose Infrastruktur schaffen. Sie laden dann Ihre Audiodateien

auf den Server von museum.de hoch und erhalten einen

QR-Code, den Sie ganz einfach ausdrucken und in der Nähe

des Exponats anbringen können. Zusätzlich

können Sie auch ein Bild und einen Text zu

jeder Audiodatei hochladen.

Die Besucher scannen mit Ihrem eigenen

Smartphone/iPhone den QR-Code in

Ihrem Museum ein und es startet sofort

der Audioguide als Live-Stream. Alternativ dazu kann man

alle bereitgestellten Audioguides eines Museums schon

zuhause über WLAN herunter laden. Sie können auch einen

WLAN-Hotspot im Museum einrichten, der nur auf Daten von

museum.de zugreifen kann. Auf den ersten Blick ergeben sich

für die Museen scheinbar weniger Gesamteinnahmen durch

Rheinische Post vom 11.10.2012

Der kostenlose Museums-Audioguide für alle Museen und Besucher

den Ausfall der Leihgebühr. Es entfallen aber

die Anschaffungskosten für die Hardware,

sowie Reparaturen, Akkus aufladen und die

Reinigung nach jeder Ausleihe. Ein kostenloser

Audioguide, der auch außerhalb des

Museums erreichbar ist, wird die Attraktivität

Ihres Museums insgesamt steigern und das

kann zu mehr Besuchern führen, die Eintrittsgelder

zahlen.

Vielleicht setzen Sie den Ansatz ja bereits

erfolgreich um. Es ist in jedem Fall ein wirksames

Instrument für überregionales Museumsmarketing.

Für die Erstellung der Audioguides

ist ein professioneller Sprecher und ein

Tonstudio empfehlenswert. Das Konzept von

museum.de sieht vor, dass auch Museen ohne

Budget uneingeschränkt mitmachen können.

Sie erhalten von uns demnächst einen Ratgeber,

wie Sie selbst Audiodateien mit kostenloser

Software erstellen können.

Audioguide auch außerhalb des Museums

überall und immer verfügbar

Sicherlich gibt es bereits viele Audioführungen, die in museumseigenen

Audiogeräten oder Audioguides eingeschlossen sind

und das Museum noch nie verlassen durften. Das nenne ich den

klassischen Dornröschenschlaf.

Ich sage: »Befreit die armen, eingeschlossenen MP3-Dateien

aus Audiogeräten in den Museen«. Über die neue Infrastruktur

können sich die Menschen an ihrem eigenen Handy ein dem

Museum nahe gelegenes Denkmal oder historisches Gebäude

erklären lassen. Gegen Ende baut der Sprecher eine inhaltliche

Brücke zum Museum und empfiehlt den Besuch Ihres Museums

unter Angabe der Öffnungszeiten. Möglich ist auch der

Abdruck des QR-Codes in der Presse.

Für Besucher, die über kein Smartphone verfügen oder nicht

wissen, wie man eine App installiert, kann auch die hauseigene

robuste Audio-Hardware für die Nutzung der Software in Frage

kommen.

Einladung zur Premiere des Audioguides

am »Tag der Xantener Türme«,

Sonntag, den 26. Mai 2013

Ich möchte die Entscheidungsträger in den Museen zu diesem

Tag nach Xanten einladen, um die Premiere und Präsentation

der beschriebenen App-Erweiterung zu erleben.

An letzten Sonntag im Mai wird in Xanten der von

museum.de organisierte Tag »Die Türme von Xanten«

stattfinden. Im SiegfriedMuseum werden wir eine Fotoausstellung

zu den mittelalterlichen Türmen in Xanten zeigen.

Die ausgestellten Fotos werden dabei mit dem gleichen

QR-Code versehen wie die jeweilig abgebildeten Türme

vor Ort. Vom Museum aus werden die Gästeführer der

Tourismus Info Xanten alle Gäste zu den nahe gelegenen

geöffneten Türmen führen und ihnen einiges dazu erzählen

können. Sie werden sehen, dass sich die Führung durch

einen kompetenten Menschen und der freie Audioguide

von museum.de einander ergänzen und nicht in Konkurrenz

stehen.

Überzeugen Sie sich in unserem schönen, mittelalterlichen

Stadtkern Xantens davon, wie dieser Audioguide innerhalb

und außerhalb eines Museums funktioniert.

Wir freuen uns auf Sie!

Herzliche Grüße,

Uwe Strauch

Foto: © Andrea Wark

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Nehmen Sie das Mobiliar vom

Museum mit nach Hause!

Sie sind mehr als lediglich

eine Sitzgelegenheit: Setzen

Sie mit den Photohockern von

WERKHAUS die Akzente, die

einen Großteil der besonderen

Atmosphäre eines Museums

ausmachen. Fünf stabile,

umweltschonende Holzwerkstoffplatten

(MDF) mit hochauflösendem

Digitaldruck versehen

und UV-härtendem Schutzlack

beschichtet, verbinden sich im

Original-WERKHAUS-Stecksystem

– ohne Verwendung von Nägeln,

Schrauben und Leim – zu einem

praktischen und vielseitigen Sitz-

möbel. Alle Flächen lassen sich

mit eigenen Motiven gestalten.

So kann der Museumsbesucher

sein Lieblingsbild erwerben und

»besitzen«. Die Hocker lassen sich

ganz einfach zusammenstecken,

werden mit den vorhandenen

Gummiringen fixiert und sind dennoch

bis zu 150 kg belastbar.

Die flache Verpackung erleichtert

den Transport und der Aufbau des

Hockers durch den Kunden schafft

eine besondere Beziehung zum Produkt,

welches auf diese Weise zum

Ausdruck persönlicher Lebensart wird.

Die Photoproduktlinie wurde außerdem

noch mit individuell zu gestaltenden

Klemmmappen erweitert: vielseitig einsetzbare

Helfer mit Dokumentenklemme

und über die Ecken gezogenem Verschlussgummi.

Auch mit Kaleidoskopen, Prismen

und Guckaugen lenkt Werkhaus

das Auge des Betrachters in faszinierende

Welten. Der Schönbildseher,

das heißt Kaleidoskop im

Griechischen, begeisterte schon vor

mehr als 160 Jahren Jung und Alt

mit seinem atemberaubenden Farbenspiel

und seinen fantastischen

Spiegelungen.

Aus festen Pappröhren, unzerbrechlichen

Oberflächenspiegeln, stabilen Metalldeckeln

und aufwändig gearbeiteten

Facettenlinsen werden diese Produkte

Stück für Stück von Hand gefertigt. Ob

buntes Antikglas, Glasmurmeln oder farbige

Schmucksteinchen, sowohl die Füllung

als auch das äußere Motiv der Hülle

lassen sich individuell gestalten, um das

besuchte Museum auch nach langer Zeit

spielerisch in Erinnerung zu bringen: Mitbringsel

aus ökologisch einwandfreien

Materialien unter Verwendung gesundheitlich

völlig unbedenklicher Klebemittel

und Farben.

Seit Firmengründung vor 20 Jahren zeigt

WERKHAUS durch anschauliche Produkte

und Projekte, dass ökologisches

Bewusstsein auch in Kombination mit

anspruchsvollem Design kein Widerspruch

sein muss. Die Formel hierzu

bildet die Synthese aus Material,

Formgebung und Modularität: alle

Werkhaus-Produkte werden zu 100

Prozent in Deutschland hergestellt

und bestehen aus nur wenigen

umweltfreundlichen Materialien wie

FSC-Papier und der nachwachsende

Rohstoff Holz aus Recycling und

Durchforstung.

Und so facettenreich wie die grüne

Produktpalette sind auch die Menschen,

die bei Werkhaus zusammenarbeiten:

15 Prozent der Beschäftigten

haben körperliche oder seelische Einschränkungen,

15 Prozent sind Auszubildende,

und insgesamt stammen die

Mitarbeiter aus mehr als zehn Nationen.

Mit sozialem Engagement und einer

klima- und ressourcensparenden Produktion

schafft Werkhaus es, aus Recyclingmaterial

nachhaltige Werbeprodukte für

Museen herzustellen, die farbenfroh,

funktional und erschwinglich sind!

info@werkhaus.de

www.werkhaus.de

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»Das Neue ist zu kostbar, um es nicht auszuprobieren.«

Das Museum Kunstpalast als Beispiel für gelungene Unternehmenskooperationen

Am 2. Oktober 2012 führten Barbara

Wiench und Mechtild Julius ein Gespräch

zum Thema Unternehmenskooperationen.

Ziel war es, die im Museum Kunstpalast

gemachten positiven Erfahrungen für

andere Museen transparent und verfügbar

zu machen. Das Gespräch fand im an das

Museum Kunstpalast angrenzenden Bistro

der Firma E.ON AG in Düsseldorf statt.

Barbara Wiench studierte an der

Ruhr-Universität Bochum Anglistik, Politik

und Ökonomik. Seit 2006 arbeitet

sie im Marketing der Stiftung Museum

Kunstpalast und leitet dort seit 2008

den Bereich Marketing, Sponsoring &

Mäzenat. Seitdem realisierte sie mit

ihrem Team aus 3 Kulturmanagerinnen

die Neupositionierung der Marke

Museum Kunstpalast sowie zahlreiche

Kampagnen im Bereich klassische und

neue Medien.

Ihr Selbstverständnis: Das Neue ist zu

kostbar, um es nicht auszuprobieren.

MJ: Guten Tag Frau Wiench. Ich danke Ihnen, dass

Sie sich die Zeit nehmen, um Ihre Erfahrungen zu

Unternehmenskooperationen mit Kolleginnen und

Kollegen aus anderen Museen zu teilen.

BW: Sehr gern. Hier erleben Sie schon einen

praktischen und angenehmen Teil unserer Partnerschaft

mit E.ON: Wir Museumsmitarbeiter

dürfen das Mitarbeiterbistro mitbenutzen.

Stifter, Sponsoren, Mäzene und

Spender bilden die finanzielle Basis.

MJ: Frau Wiench, welche Kooperationen pflegt

das Museum Kunstpalast mit Unternehmen aus

der freien Wirtschaft?

BW: Das Museum Kunstpalast verfügt über eine

breitgefächerte Kooperationsstruktur. Zunächst

gibt es unsere Stifter. Wir sind eine PPP, eine

Public Private Partnership, das heißt eine Kooperation

zwischen der öffentlichen und der privaten

Hand. Unsere Stifter sind zur Zeit die E.ON

AG und METRO GROUP. Eine Besonderheit ist,

dass die Stifter einen Sitz im Kuratorium haben

und somit die Stiftung mitgestalten, z.B. bei der

Verabschiedung des Wirtschaftsplans und bei der

Wahl des Vorstands.

MJ: Welche Kooperationspartner gibt es neben

den Stiftern?

BW: Zahlreiche Sponsoren wie die UBS Bank oder

die National-Bank engagieren sich für uns. Darüber

hinaus wird das Museum Kunstpalast von Mäzenen

und Spendern unterstützt. Das Mäzenatentum

zeichnet sich dadurch aus, dass keine Gegenleistung

erfolgt, dass jemand also dem Museum

Vermögenswerte oder Kunst zuteil kommen lässt,

ohne dafür eine Gegenleistung zu fordern.

Bei »Kooperationspartnern« geht

es darum, Win-Win-Situationen zu

schaffen.

BW: Als »Kooperationspartner« bezeichnen

wir Partnerschaften, bei denen kein Geld fließt,

sondern dem Museum Dienstleistungen oder

Sachwerte zur Verfügung gestellt werden. So

pflegen wir beispielsweise schon seit Jahren eine

Partnerschaft mit der Brauerei Frankenheim, die

regelmäßig Bier für Ausstellungseröffnungen zur

Verfügung stellt. Oder mit dem Blumengeschäft

Fiori, das uns dauerhaft mit Blumenschmuck für

diverse Veranstaltungen erfreut.

Im Zuge der Wiedereröffnung unserer ständigen

Sammlung 2011 haben wir erstmalig systematisch

ein breites Kooperationsnetzwerk aus über

50 Partnern aufgebaut. Die Sammlung war zweieinhalb

Jahre geschlossen und wurde im letzten

Jahr mit der großen Kampagne »Kunst befreit«

wiedereröffnet. Hierfür haben wir zum Beispiel

mit Hotels Angebotspakete für Touristen entwickelt.

Wir haben ebenfalls die Concierges der

Hotels gebrieft, damit auch diese genau im Bilde

darüber sind, was das Museum Kunstpalast ihren

Gästen zu bieten hat.

Sie müssen immer selbst hingehen.

MJ: Haben Sie die Hotelvertreter und Concierges

hierher ins Museum eingeladen?

BW: Nein, wir haben persönliche Termine gemacht

und jeden Partner selbst besucht. Es waren teilweise

fünf bis sechs Termine an einem Tag, und

die Mittagspause ist in dieser Zeit oft ausgefallen.

Es ist absolut notwendig, persönlich hinzugehen.

MJ: Kollegen aus anderen Museen haben mir

ebenfalls berichtet, wie wichtig die dauerhafte

persönliche Kontaktpflege zu Kooperationspartnern

in der Wirtschaft ist. Könnten Sie nicht Praktikanten

dorthin schicken?

BW: Nein, das ist nur im äußersten Notfall

anzuraten. Die Verantwortlichen wünschen

einen einzigen kontinuierlichen Ansprechpartner.

Schon bei zweijährlich wechselnden Volontären

beschweren sich die Partner: »Warum kommt

schon wieder jemand Neues?« Obwohl die

Arbeit nahtlos weitergeht.

echte Partnerschaften entwickeln

und die emotionale Bindung kontinuierlich

pflegen

MJ: Was glauben Sie, woran das liegt? Ist es die

positive persönliche, emotionale Bindung, die

entstanden ist, und die mit der vertrauten Person

erst einmal verloren geht?

BW: Ganz genau, das ist das A und O. Im Idealfall

entwickelt sich eine vertrauensvolle Partnerschaft

ähnlich wie im privaten Bereich. Wir reden

offen über Dinge, konzipieren Projekte gemeinsam

und lassen unseren Partnern Spielräume.

MJ: Wie sieht solch eine Hotel-Partnerschaft mit

Angebotspaketen praktisch aus? Inwieweit pro-

fitieren davon das Hotel, das Museum und die

Besucher?

BW: Ein Angebotspaket enthält z.B. eine Hotelübernachtung

inklusive eines Tickets in die

Ausstellung und evtl. eines Katalogs, und wird

zu einem Spezialpreis angeboten. So zieht das

Hotel mit einem guten Produkt – der Ausstellung

– Hotelgäste an, die schließlich zu uns ins

Museum kommen. Für die Gäste bedeutet es

weniger Aufwand und es ist für sie preiswerter,

ein Angebotspaket zu buchen, als alles individuell

zu vereinbaren.

MJ: Sie gehen dabei offensichtlich sehr systematisch

vor.

BW: 2011 sind wir in dieser Hinsicht »durchgestartet«.

Mit der Wiedereröffnung der Sammlung

wollten wir insbesondere die Düsseldorfer selbst

ansprechen und ihnen ihre eigene Sammlung

wiederschenken. Am Anfang stand daher eine

Analyse: Wo erreichen wir die Düsseldorfer? Wo

gehen sie hin? Wo halten sie sich auf? Wo kaufen

sie ein? Alle diese potenziellen Partner haben wir

gezielt angesprochen: jedes einzelne für uns wichtige

Hotel, den Einzelhandel, alle Einkaufscenter,

Kaufhof, Karstadt, die Bäckerei Hinkel, alle Traditionsunternehmen,

die »der Düsseldorfer« kennt

– und es hat keiner »Nein« gesagt!

MJ: Alle haben »Ja« gesagt?

BW: Ja (lacht).

Sie müssen ein konkretes Konzept

vorstellen und genau wissen, was Sie

wollen.

MJ: Es sind also der Bedarf und die Bereitschaft

da, und man muss nur kommen?

BW: Ja so ist es. Ganz wichtig ist dabei allerdings,

dass Sie genau wissen, was Sie wollen. Die

Partner aus der freien Wirtschaft erwarten ein

konkretes Konzept. Dieses muss klar strukturiert

sein, und es muss sehr deutlich werden, was Sie

erwarten und was Sie im Gegenzug bieten. Ich

treffe mich zweimal im Jahr mit allen Kooperationspartnern

und stelle ihnen neue Konzepte

vor. Dabei habe ich mehrfach folgendes Feedback

bekommen: »Uns gefällt bei Ihnen so gut,

dass Sie verbindlich sind. Sie wissen genau, was

Sie wollen. Sie haben für uns schon ein maßgeschneidertes

Konzept dabei – und vor allem bleiben

Sie dran!« Im Anschluss an jedes Gespräch

versende ich eine schriftliche Bestätigung und

erstelle ein Timing und eine To-Do-Liste. Das

kommt bei den Kooperationspartnern sehr gut

an. Und dann laufen die Projekte auch.

MJ: Das klingt sehr nach professionellem Projektmanagement.

BW: Es ist natürlich ein logistischer Kraftakt.

Wenn Sie 50 Kooperationspartner haben …

MJ: Was wollten Sie bei den Kooperationspartnern

für das Museum erreichen?

BW: Bei den Einzelhändlern wollten wir zum

Beispiel die Ausstellungsprojekte in die Schaufenster

und Geschäftsräume tragen. Zudem war

unser Ziel, dass unsere Flyer mit in die Einkaufstüten

gegeben werden, was alles andere als

selbstverständlich ist.

MJ: Da könnte ja jeder kommen …

BW: Richtig. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir

als Kulturbetrieb einen großen Vorteil gegenüber

kommerziellen Anbietern haben. Wir kommen

aus dem Non-Profit-Bereich, und wir haben eine

Bildungsmission.

MJ: Bildungsauftrag und nicht kommerziell –

und Sie sind als Museum ideologiefrei. Könnte

das auch wichtig sein? Ein Museum ist wertfrei.

Als Kooperationspartner legt man sich also nicht

fest in einer Richtung und verärgert dadurch

möglicherweise andere. Mit einem Museum kann

sich jeder »schmücken«.

Aus unserer Vielfalt schnüren wir für

jeden Kooperationspartner gezielt

ein maßgeschneidertes Paket.

BW: Ja, das stimmt, das ist ein interessanter

Gedanke. Außerdem können wir aus unserem

breiten Programm für jeden etwas Maßgeschneidertes

zusammenstellen. Wir haben unsere

Sammlung und die Ausstellungen, die pädagogischen

Programme und darüber hinaus unseren

Konzertsaal. Die Frage ist, was man mit dieser

Fülle anfängt.

MJ: Sie gehen also so vor, dass Sie zunächst

genau analysieren: Was braucht dieser potenzielle

Partner? Auf dieser Basis werden Sie

kreativ und entwickeln aus der Vielfalt, die das

Museum bietet, maßgeschneiderte Pakete, die

Sie dem Partner dann vorstellen.

BW: Genau. Und wir suchen Anknüpfungspunkte.

Wichtige Anknüpfungspunkte für Unternehmen

sind Standortaspekte, also Projekte, um die Stadt

oder die Region attraktiver zu gestalten. Auch das

Produkt kann ein Anknüpfungspunkt sein. Wir zeigen

2014 zum Beispiel eine Alchemie-Ausstellung

und haben hierfür die Bereiche Chemie, Stahl und

Pharma im Auge. Eine Kooperation sollte immer

einen thematischen Bezug haben, wenn es um

solche speziellen Themen geht.

es ist wichtig, die Zielgruppe für

eine Kampagne genau zu definieren.

Darauf baut alles auf.

MJ: Als Sie die ständige Sammlung wiedereröffnet

haben, haben sie als Allererstes Ihre Zielgruppe

definiert: »Wir wollen die Düsseldorfer

ansprechen.«

BW: Genau.

MJ: Sie haben dann analysiert: Wo sind denn die

Düsseldorfer? Wo können wir sie finden? Und

haben schließlich die entsprechenden Lokalitäten

bzw. Unternehmen mit fertigen Konzepten konkret

angesprochen. Also ein sehr strategisches

Vorgehen mit Business Plan und Projektplanung.

Mechtild Julius absolvierte an der

Universität Konstanz ihr Studium der

Germanistik und Geschichte. Anschließend

machte sie 6 Jahre Karriere im

Konsumgütermarketing eines namhaften

internationalen Unternehmens. Seit

15 Jahren ist Frau Julius selbstständige

Unternehmensberaterin und Coach

mit den Schwerpunkten Marketing,

Kommunikation und Teamentwicklung.

Seit 2011 verbindet sie im Bereich

Kulturmarketing ihre Erfahrungen aus

Wirtschaft und Kultur. Für die Akademie

museum.de konzipiert und realisiert

Frau Julius Workshops für MuseumsexpertInnen.

www.mj-beratung.com

Ihr Selbstverständnis: Grenzgängerin

zwischen den Welten

BW: So arbeiten wir immer. Anders funktioniert

es nicht.

Die Leute können sich nichts vorstellen.

Sie müssen immer zeigen, wie

etwas aussehen könnte.

MJ: Was ist sonst noch wichtig? Welche Tipps

können Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen in

anderen Museen geben?

89


90

BW: Sie erreichen die Ansprechpartner viel

besser, wenn Sie ihnen konkret zeigen, wie das

Resultat aussehen könnte. Wir fertigen z. B. Fotomontagen,

die wir im Gespräch zeigen können.

MJ: Es reicht also nicht, eine Idee zu haben. Man

braucht Fotomontagen oder Zeichnungen, damit

der Gesprächspartner sich das Ergebnis vorstellen

kann.

BW: Das ist genau das Problem. Viele Menschen

können sich Dinge einfach nicht vorstellen. Für

uns, die wir im Museums- und Marketingbereich

tätig sind, ist das schwer verständlich. Ich kann

mir ein Plakat in jeder Farbe vorstellen. Dieses

Vorstellungsvermögen brauche ich einfach bei

meiner Arbeit. Aber viele Menschen haben es

überhaupt nicht.

MJ: Das muss man erst einmal wissen.

BW: Es hat bei mir auch länger gedauert, bis ich

das Fingerspitzengefühl dafür entwickelt habe.

Natürlich ist es zeitaufwändig, Fotomontagen zu

machen. Doch der Rieseneffekt lohnt den Aufwand!

MJ: Das Bild ist dann wie ein Stimulus, der den

Effekt hervorruft: »Ja, genau das ist es. Das sieht

gut aus. Das wollen wir. Da machen wir mit.«

BW: Und besonders schön ist es, wenn dieser

Ball einmal ins Rollen gekommen ist. Wir erhielten

nach einer Weile viele Anrufe von unterschiedlichen

Partnern: »Wir möchten auch dabei

sein. Wir möchten auch mitmachen ...«

Holen Sie sich Hilfe – und nutzen Sie

Gremien und Verbände!

MJ: Mit welchen Strategien haben Sie weiterhin

gute Erfahrungen gemacht?

BW: Holen Sie sich Hilfe! Unsere Aktion stand

unter politischer Schirmherrschaft (lacht). Wenn

man sich Hilfe »von oben« holt, bekommt das

Projekt gleich einen ganz anderen Stellenwert.

MJ: Wie sind Sie vorgegangen, um diese Hilfe

zu bekommen?

BW: Ich habe den Bürgermeister ganz direkt

gefragt: »Können Sie für uns die Tür in gewisse

Gremien öffnen, damit wir unsere Kampagne

schneeballmäßig verbreiten können?« Und das

hat er getan. Ich wurde anschließend in Vorstandssitzungen

des Einzelhandels eingeladen

und habe dort das Projekt präsentiert. So erfuhr

jedes kleine Geschäft davon. Es ist sehr hilfreich,

Gremien zu nutzen.

MJ: Es ist ja auch ein Reichtum der Stadt, um

den es beim Museum Kunstpalast geht.

BW: Ja, die Politik hat auch ein Interesse daran.

MJ: Es wertet die Stadt auf.

BW: Wenn man diese Rückendeckung von »ganz

oben« erst einmal hat, läuft es wirklich wie von

alleine. Der Einzelhandelsverband hat z. B. ein

Mailing an seine Mitglieder herausgeschickt, das

wir konzipiert hatten. Darin konnten die Einzelhändler

ankreuzen: Ja, ich hänge ein Plakat auf,

ich lege Flyer des Museums aus, usw.

MJ: So konnten Sie das Marketing also ein

Stückweit delegieren, indem die Verbände Bedarf

und Bereitschaft ihrer Mitglieder abgefragt und

diese gebündelt haben, so dass sie nicht zu

jedem einzelnen hingehen mussten.

BW: Ja. Denn wir wollten mit dieser Kampagne

möglichst flächendeckend möglichst viele Düsseldorfer

erreichen.

MJ: Und das hat gut funktioniert?

BW: Ja (lacht).

es ist immer eine besondere Herausforderung,

die ständige Sammlung

zu bewerben.

MJ: Sie waren also zufrieden mit dem Besucherzulauf?

BW: Ja absolut. Es ist besonders schwierig, eine

ständige Sammlung zu bewerben. Sie hat nicht

diesen Neuigkeitsreiz. Sie ist ja ständig da. Sie

ist nicht zeitlich begrenzt. Wir hatten in den ersten

beiden Wochen etwa 30.000 Besucher. Wenn

ich morgens hierher gekommen bin, standen die

Leute schon vor verschlossener Tür.

MJ: Obwohl die Besucher wussten: Wir können

auch später kommen, und dann gibt es hier keine

Schlange mehr.

BW: Das war wirklich überaus erfreulich. Natürlich

flacht der Besucherandrang irgendwann ab.

Trotzdem hatten wir selbst nach der Kampagne

immer noch konstante Besucherzahlen, mit

denen wir sehr zufrieden waren.

MJ: Was haben Sie Interessantes für andere Ausstellungen

gemacht?

BW: Der nächste Schritt war die El Greco-Ausstellung.

Viele Kooperationspartner riefen schon von

sich aus an: »Habt Ihr nicht wieder ein Projekt?

Wir wollen mitmachen.« Das hat uns sehr gefreut

und die Arbeit vereinfacht. Diese Ausstellung hatte

eine internationale Ausrichtung. Unsere Zielgruppe

waren daher diesmal über das bestehende

Publikum hinaus verstärkt internationale Gäste

und junge Menschen. Deshalb haben wir noch

mehr Hotelkooperationen und zusätzlich eine

Kooperation mit Lufthansa ins Leben gerufen.

Bei jüngeren Menschen funktioniert

oft die Kooperation mit Orten, die

sie regelmäßig aufsuchen.

MJ: Wie haben Sie gezielt um die jüngere Zielgruppe

geworben?

BW: Uns ging es um jüngere Menschen unter

30, die wir z.B. durch eine Kooperation mit der

Diskothek »Nachtresidenz« erreicht haben.

MJ: Wie sind Sie vorgegangen, und wie hat es

funktioniert?

BW: Wir durften zum einen in der Diskothek

Werbeflächen nutzen. Zum anderen haben wir

gemeinsam einen Gutschein entwickelt, der beim

Erstsemestertag der Universität an die neuen

Studenten herausgegeben wurde. Dieser Gutschein

beinhaltete einmal den freien Eintritt in

das Museum Kunstpalast und einmal in die Diskothek

»Nachtresidenz«.

MJ: Das Thema »junge Besucher« beschäftigt

viele Museen. Das ältere Publikum wird in

Zukunft geringer werden. Und dann stellt sich die

Frage: Was kommt danach? Wie können wir die

Jüngeren ansprechen und langfristig für unser

Museum und Museen im Allgemeinen interessieren?

BW: Soziale Netzwerke sind dabei ein wichtiges

Stichwort, denn dort finden Sie die jungen

Menschen. Deshalb haben wir im Zuge der El

Greco-Kampagne erstmals zwölf Bildpaten für die

Werke von El Greco gesucht. Aufgabe der Bildpaten

war es, bei Facebook über ihre Patenbilder zu

posten und Menschen dafür zu begeistern. Wer

die meisten Menschen von seinem Patenbild überzeugen

konnte, gewann eine Reise nach Madrid

und Toledo. Im Gegenzug bekamen die Bildpaten

exklusive Einblicke hinter die Kulissen. Ob bei der

Hängung ihres Patenbildes, bei einem Dinner mit

dem Generaldirektor Beat Wismer oder auch bei

der Preview – die Bildpaten hatten die Möglichkeit,

überall dabei zu sein und hautnah mitzuerleben,

wie Museumsarbeit funktioniert. Die Kampagne

erreichte nicht nur viele junge Menschen,

121113_Anz_Museumde_bap 13.11.12 12:37 Seite 1

sie bekam auch großen Zuspruch seitens anderer

Kulturinstitute und der Medien.

einen Gesprächstermin für eine

Stunde bekommen Sie immer.

MJ: Wer sind Ihre Ansprechpartner in Unternehmen?

BW: Bei kleineren Unternehmen ist es oftmals

die Geschäftsleitung. Diese Personen sind erfahrungsgemäß

sehr stark eingespannt. Sie müssen

hingehen und sich kurzfassen (lacht).

MJ: Das heißt, Sie bekommen trotz aller Zeitknappheit

dennoch Termine? Demnach wäre die Empfehlung

für andere Museen: Treten Sie an kleinere

Unternehmen heran und bitten Sie ganz offensiv

um einen Termin mit dem Geschäftsführer?

BW: Ja, genau.

MJ: Und wie viel Zeit würden Sie ansetzen? Eine

halbe Stunde, eine Stunde …?

BW: Ein »Stündchen« geht immer. Meistens ist

man schneller fertig. Die meisten Geschäftsführer

sind sehr entscheidungsfreudig und sagen

schnell »ja« oder »nein«. Oftmals entwickeln

sie im Gespräch ganz neue Ideen zu Dingen, von

NEUE IDEEN FÜR

NEUE BESUCHER

ForschenundEntdecken

denen wir bis dahin noch gar nichts wissen konnten.

So durften wir einen riesigen Banner auf dem

Kaufhof an der Kö aufhängen, als die Fassade

umgebaut wurde. Wir kamen zufälligerweise

genau zum richtigen Zeitpunkt. So etwas hatte

es zuvor nie gegeben und wird es auch nicht

wieder geben. Es hängt alles davon ab, wie Sie

Ihre Kontakte pflegen und wie Sie Ihre Prioritäten

setzen. Die Zeit für die persönlichen Gespräche

muss man sich nehmen. Auf diese Weise entstehen

echte Bindungen, und die Partner sind bereit,

Sie in allen Belangen zu unterstützen.

Museen dürfen sich einfach mehr

trauen.

MJ: Gibt es dafür noch ein Beispiel?

BW: Z.B. stand die Neueröffnung unserer Sammlung

unter dem Motto »Kunst befreit!«. Die

Kunst wird aus den Archiven befreit und befreit

zugleich die Menschen. Für diese Aktion haben

wir neben klassischer Plakatierung eine »Guerilla-Kampagne«

durchgeführt. Unsere Ausgangsidee

war: Die Sammlung geht hinaus in die Stadt

und lädt die Düsseldorfer ein, ins Museum zu

kommen. Dafür haben wir Figuren aus bestimmten

Gemälden aus unserer ständigen Sammlung

herausgenommen und aus Kunststoff in Lebensgröße

reproduzieren lassen. Diese Figuren haben

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92

wir überall in der Stadt an Orten verteilt, an

denen die Düsseldorfer sich aufhalten. Auf der

Kö, an der Uni, in den Rheinwiesen, im Medienhafen,

überall. 50 Figuren zwei Monate lang.

Jeden Tag haben die Figuren an einen anderen

Ort gewechselt, denn das Ganze war schließlich

eine nicht genehmigte Guerilla-Kampagne. Es

war auch ein großes Risiko, aber alle haben ein

Auge zugedrückt.

MJ: Wie ist das möglich?

BW: Wir kannten bereits alle Verantwortlichen

durch frühere Projekte persönlich, und sie kannten

uns. Solche Aktionen können Sie sich als Kulturinstitution

viel eher erlauben als ein kommerzieller

Partner. Keine Stadt würde das für einen

Großkonzern machen. Wir haben als Museum

einen echten Vertrauensbonus und dürfen uns

auch mehr trauen. Einfach mutiger sein. Denn

die Leute finden solche Projekte toll. Sie erwarten

von uns Kreativeres als einfach nur ein Plakat

aufzuhängen. Schließlich arbeiten wir mit Kunst,

und Kunst an sich kennt keine Grenzen … Alle

Menschen sind überfrachtet mit Werbebotschaften.

Deshalb nutzen wir gezielt Räume, in denen

sie keine Werbung erwarten. Wir haben unsere

Figuren z. B. in Bussen auf die Sitzbänke gesetzt,

und die Rheinbahn hat ihr »okay« dazu gegeben.

MJ: Wenn die Figuren ständig an einem anderen

Ort auftauchten, hatte das wohl auch einen Witz

in sich.

BW: Ja, es gab viele verschiedene Figuren aus

allen Epochen, und die Leute haben sie geliebt

und fanden die Aktion einfach witzig und charmant.

es ist wichtig, in einem Projekt flexibel

zu bleiben und immer wieder

neue kreative ideen zu entwickeln

und einfach umzusetzen.

MJ: Und wo sind die Figuren jetzt?

BW: Wir hatten am Ende der Aktion 50 Figuren

aus dem Außenbereich sowie 150, die wir bei

den Kooperationspartnern in den Schaufenstern

platziert hatten. Wir haben kurzerhand beschlossen,

sie zu versteigern. Diese Aktion haben wir

auf der Website mit einfachen Mitteln selbst

gestaltet. Nach dem eBay-Prinzip konnte man

die Figuren entweder sofort kaufen oder mitsteigern.

Wir haben angekündigt, dass die Figuren

ab Freitag kaufbereit sind, und – Sie werden es

nicht glauben – schon am Donnerstag gingen

bei uns so viele E-Mails ein, dass am Freitag alle

verkauft waren.

MJ: Wie hoch war der Preis für eine Figur?

BW: Die kleineren haben 99 € gekostet, die größeren

199 €.

MJ: Sie haben den Düsseldorfern mit diesen

Figuren offensichtlich sehr viel Freude bereitet.

BW: Ja, manche Leute haben sich die Figuren

sogar auf das Dach montiert.

MJ: Ich kann es mir richtig gut vorstellen. Es ist

Kunst.

BW: Genau, und es ist etwas ganz Außergewöhnliches.

MJ: Und so charmant. Das fehlt in der heutigen

Zeit doch auch immer mehr, wenn es ständig

ums Kommerzielle geht, dieses charmante und

liebenswerte Miteinander.

Man muss pragmatisch denken: Was

brauchen die Menschen, was mögen

sie?

BW: Auch Buchhandlungen können Sie ganz

einfach glücklich machen, nämlich mit Lesezeichen.

Wir produzieren zu jeder Ausstellung eine

große Anzahl von Lesezeichen, die mit dem Kampagnenmotiv

gestaltet sind und stellen sie den

Buchhandlungen in Düsseldorf und Umgebung

zur Verfügung. Diese nehmen sie dankend an

und geben Sie an ihre Kunden – unser Zielpublikum

– weiter.

Unternehmen schätzen Kooperationspartner

mit einer konsequenten

Markenführung.

MJ: Welches sind bei größeren Unternehmen die

richtigen Ansprechpartner?

BW: Das ist unterschiedlich. Große Unternehmen

haben eine Abteilung »Kulturkommunikation«

oder Ähnliches. Manchmal gibt es eine eigene

Sponsoring-Abteilung. Ansonsten muss man sich

durchfragen. Die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

oder PR ist auf jeden Fall eine gute erste Anlaufstelle,

um sich im Unternehmen zu orientieren.

MJ: Was interessiert größere Unternehmen an

einer Kooperation mit einem Museum?

BW: Für Unternehmen scheint es attraktiv zu sein,

einen Museumspartner zu haben, der selbst eine

konsequente Markenführung betreibt. Wir haben

2011 für das Museum Kunstpalast einen Markenrelaunch

realisiert. Zuvor hatten wir das Problem,

dass unsere große Vielfalt nach außen eher diffus

wirkte. Daher haben wir unsere Markenstrategie

und das Corporate Design überarbeitet und

seitdem konsequent weiterverfolgt. Nach meiner

Erfahrung ist dies ein Kreislauf. Sie können nur

Kooperationspartner und Sponsoren anziehen,

wenn Sie sich selbst vermarkten können.

MJ: Und wofür steht die Marke »Museum Kunstpalast«?

Können Sie das in wenigen Worten

zusammenfassen?

BW: Was uns ausmacht, ist die breite Vielfalt.

Wir können Partnern und Besuchern jeden Alters

kulturelle Erlebnisse bieten – und diese in mehrschichtiger

Art und Weise. Wir verfügen über die

bildende Kunst, die Musik, die Pädagogik und

den Konzertsaal und verzahnen die Bereiche

nach Möglichkeit miteinander, so dass von außen

alles als eine Einheit wahrgenommen wird. Man

kann das Museum Kunstpalast schon fast als ein

Kulturzentrum bezeichnen.

MJ: Das klingt nach einem guten Erfolgsrezept.

Aufgrund der Vielfalt des Gesammelten und der

Angebote ist es für viele Museen oft schwierig,

sich in zwei Sätzen vorzustellen und in wenigen

Worten zu bündeln: Was ist genau das Besondere

an unserem Museum? In dem Begriff »Kulturzentrum«

steckt die Vielfalt, die sonst erst einmal

erschlägt. Offensichtlich ist dies eine Aufgabe, die

vielen Museen noch bevorsteht, glauben Sie nicht?

BW: Doch, das sehe ich genauso. Man muss sich

selbst klar werden: Wer sind wir? Was macht uns

aus? Die Hauptaufgabe besteht tatsächlich darin,

dieses erst einmal zu analysieren und dann grif-

fig sowohl für die interne als auch die externe

Kommunikation zu fixieren. Denn wenn es intern

keiner weiß, wie soll es nach außen vertreten

werden?

MJ: Wie sind Sie vorgegangen im Rebranding-Projekt?

BW: 2008 wurde mir hier im Museum Kunstpalast

die Abteilungsleitung Marketing/Sponsoring/

Mäzenat angeboten. Ich habe sofort das Rebranding-Projekt

in Angriff genommen. 2009 haben

wir den Pitch für eine neue Agentur ausgeschrieben

und haben uns 2010 für eine Agentur entschieden,

die auf Markenführung spezialisiert ist.

2011 haben wir alles realisiert: die Markenstrategie,

das Corporate Design, den Internet-Relaunch,

den Online-Shop und die Image-Kampagne. Das

war ein sehr zügig durchgezogener Prozess.

MJ: Warum ging es so schnell?

BW: Ich habe im Vorfeld mit dem Vorstand einen

Workshop durchgeführt, um gemeinsam unsere

Ziele sowie unsere Stärken und Schwächen zu

analysieren. Diese Erkenntnisse sind danach

gesammelt in das Briefing der Agentur eingeflossen,

so dass wir zügig auf den Punkt kommen

konnten.

Das Thema Mitarbeiterbindung und

corporate identity wird für Unternehmen

immer wichtiger.

MJ: Ich würde gern noch einmal auf die Großkonzerne

zurückkommen, z. B. E.ON. Wie

gelingt es Ihnen,

die Zielgruppe der

30–50-Jährigen ins

Museum zu locken,

die doch so wenig

Zeit und oft andere

Prioritäten haben?

BW: Ich habe den

Eindruck, dass für

die Unternehmen

die Themen Mitarbeiterbindung

und

Corporate Identity

immer wichtiger werden.

Aufgrund des

Fachkräftemangels

sind die Unternehmen

sehr bestrebt,

ihre Mitarbeiter zu halten und ihnen attraktive

Nebenleistungen zu bieten. Solch eine Kooperation

ist daher willkommen. Wir bemerken diesen

Trend immer stärker.

MJ: Bemerken Sie diesen Trend auch in Ihren

Gesprächen?

BW: Ja, gerade eben rief ein potenzieller Sponsor

an und fragte: »Bieten Sie pädagogische

Angebote für Unternehmen an?« Pädagogische

Angebote sind tatsächlich eine unserer Stärken.

Wir bieten z. B. Mitarbeiterworkshops an, die

dem Teambuilding dienen. In Gruppen können

mit Hilfe von kreativen Prozessen Themen erar-

93


94

ZEUTSCHEL – Die Zukunft der Vergangenheit.

beitet werden, die in der Unternehmensphilosophie

verankert sind. Eine so breite Sammlung

wie die unsrige bietet Anknüpfungspunkte für

unendlich viele Themen.

MJ: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

BW: Einmal hat uns ein Unternehmen einige

Stichwörter aus seiner Unternehmensphilosophie

gegeben. Zu diesen Stichwörtern haben wir

20-minütige Kurzführungen in der Sammlung

erarbeitet und die Mitarbeiter in kleinen Gruppen

hindurchgeführt. Anschließend haben die

Mitarbeiter sich alle wieder getroffen und zu den

Themen ausgetauscht.

Außergewöhnliche Tagungsformate

und Work-in-Progress im Museum

kommen bei Unternehmen sehr

gut an.

MJ: Gibt es weitere Tipps für andere Museen?

BW: Wir haben festgestellt, dass bei Unternehmen

außergewöhnliche Tagungsformate für

interne Veranstaltungen sehr gut ankommen,

z. B. in einer gerade geschlossenen oder leerstehenden

Ausstellung. Denn in einer solchen kreativen

Atmosphäre können die Unternehmen sehr

gut schwierigere Themen platzieren. Wir nehmen

den Mitarbeitern nebenbei die Scheu vor der

Kunst. Unternehmen lieben auch den Blick hinter

die Kulissen, z. B. eine Führung durch das Depot.

MJ: Machen Sie auch »normale« Führungen für

die Mitarbeiter Ihrer Unternehmenspartner?

BW: Ja, wir bieten regelmäßig Kurzführungen

an, und diese sind sehr schnell ausgebucht.

Wir haben auch schon After-Work-Parties für

die E.ON-Mitarbeiter realisiert, und diese sind

begeistert angenommen worden.

MJ: Die Mitarbeiter müssen sich also im Vorfeld

anmelden und um die Teilnahme bemühen?

BW: Ja, daran merkt man, dass das Interesse

in der Mitarbeiterschaft durchaus da ist. Die

E.ON-Mitarbeiter dürfen die Ausstellungen

zudem als erste besuchen, oft, wenn diese noch

gar nicht ganz fertig sind. Das hat offensichtlich

seinen ganz besonderen Reiz.

MJ: Manchmal ist ein Work-in-Progress offenbar

interessanter als das fertige Produkt.

BW: Ja, die Menschen lieben es. Deshalb erstellen

wir häufig Making-of-Filme über die Entstehung

von Ausstellungen, die sehr oft im Internet

angeklickt werden.

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Schöner kann man nicht scannen.

Besser auch nicht.

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gescannt. Verzerrungen im Buchfalz,

verknickte Pläne oder schief aufgelegte

Originale rückt die Software automatisch

gerade. Das nennen wir plug’n’scan!

MJ: Frau Wiench, ich danke Ihnen für die vielen

interessanten Hinweise und für die Offenheit, mit

der Sie Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse an

andere Museen weitergeben.

BW: Wir geben gern alles weiter. Ich kann meine

Kollegen nur auffordern: »Schaut, was bei uns

gut läuft, und macht es in Eurer Stadt nach.«

MJ: Oft ist es hilfreich zu wissen, dass eine

Grundidee gut funktioniert hat, um im eigenen

Projekt etwas Ähnliches auszuprobieren.

BW: Genau. Es muss nicht jeder bei Null anfangen.

Wir sind für einen Erfahrungsaustausch mit

anderen Museen immer sehr offen.

MJ: Was ist Ihr Motto für Ihre Arbeit?

BW: Das Neue ist zu kostbar, um es nicht auszuprobieren.

MJ: Danke für das spannende Gespräch, Frau

Wiench.

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BW: Ich danke Ihnen, und ich begrüße sehr, dass

Sie das Thema »Kooperationen von Museen mit

Unternehmen« verstärkt in die Fachöffentlichkeit

bringen.

Workshop der Akademie museum.de

Marketing, Sponsoring und

Unternehmenskooperationen

Do. 25.– Fr. 26. April 2013

im Museum Kunstpalast in Düsseldorf

Zielgruppe: Museumsexperten

Inhalte:

1. Das Museum als Marke: Die Bedeutung

stringenter Markenführung für Marketing,

Sponsoring und Partnerschaften

mit Unternehmen

• Der USP (Unique Selling Proposition)

von Museen

• Systematische Markenentwicklung

• Strategische Markenführung

2. Analyse von Zielgruppen und deren

individuellen Bedürfnissen

• Museumsbesucher

• Unternehmen als Kooperationspartner

oder Sponsoren

• Synergiepotenziale zwischen den

Zielgruppen

3. Strategisches Marketing zur

Besuchergewinnung und -bindung

• BCG-Produktportfolio

• Die 4 »P«s jedes einzelnen »Produktes«

• Ideensammlung für innovative Marketingansätze

für Museen

4. Gewinnung von Sponsoren und

Kooperationspartnern

• Private Finanzierungsquellen für

Museen

• Erfolgsfaktoren für die langfristige

Gewinnung von Sponsoren

• Erfolgsfaktoren für den langfristigen

Aufbau von Unternehmenskooperationen

5. Gesprächsführung in der Akquise von

Sponsoren und Partnern

• Systematische Vorbereitung von

Akquisegesprächen

• Gesprächsleitfaden

• Feedback: Tipps und Tricks

Nutzen:

• Sie kennen die Erfolgsfaktoren für

strategisches Marketing sowie für

die Gewinnung von Sponsoren und

Kooperationspartnern.

• Sie machen Ihren Zielgruppen maßgeschneiderte

Angebotspakete.

• Sie gewinnen neue Ideen und

Anregungen für das Marketing Ihres

Museums.

• Sie machen Ihr Museum interessant

als Partner für Sponsoren und Kooperationspartner.

• Sie gewinnen Sicherheit in der

Gesprächsführung mit Unternehmensvertretern.

Methoden:

Kurzweiliger, interaktiver und erlebnisorientierter

Workshopstil

• Kurzpräsentationen der Moderatorin

• Plenumsdiskussion und -moderation

• Kleingruppen- und Partnerarbeit

• Best-Practice-Beispiele

• Exemplarische Fallbearbeitung

• Übungen zur Gesprächsführung

Zeiten für den Workshop:

1. Tag:

14.00 – 15.30 Uhr

16.00 – 17.30 Uhr

Am Abend Gelegenheit zum gemeinsamen

Abendessen, Erfahrungsaustausch

und Netzwerken

2. Tag:

09.00 – 10.30 Uhr

11.00 – 12.30 Uhr

gemeinsames Mittagessen und

Besuch der Ausstellung des Museums

14.00 – 15.30 Uhr

Moderation des Workshops:

Mechtild Julius M.A. CMC/BDU

www.mj-beratung.com

• Selbstständige Unternehmens-

beraterin/Coach seit 1998

• Seit 2011 Erweiterung des

Aufgabenspektrums im

Kulturmarketing

• Schwerpunkte: Marketing, Kreativität,

Führung, Teamentwicklung,

Kommunikation, Moderation

• Führungskraft im Marketing der

Henkel KGaA (1992–1997)

• Studium der Germanistik und

Geschichte, Universität Konstanz

Ihr Beitrag:

369 € zzgl. 19% ges. Umsatzsteuer

Das Mittagessen am 2. Tag sowie

die Seminargetränke sind im Preis

inbegriffen.

Begrenzte Teilnehmerzahl:

Mindestens 10,

maximal 20 Teilnehmer.

Bei Nichterreichen der Mindestteilnehmerzahl

behalten wir uns vor,

das Seminar 2 Wochen vor dem

Termin abzusagen.

Evtl. entstandene Kosten können

leider nicht erstattet werden.

Das Anmeldeformular mit weiteren

Informationen finden Sie unter

www.museum.de/akademie/

D_25042013.pdf

95


96

Das 2. Museumstreffen am 5. Oktober 2012 in Bonn

Danke!

Unser herzlicher Dank geht an unsere Sponsoren, die das Treffen möglich gemacht haben:

Über einige Mails unserer

Besucher haben wir uns sehr

gefreut, zum Beispiel diese:

Sehr geehrter Herr Strauch,

zuerst einmal möchte ich mich für die großartige Tagung in

der Bundeskunsthalle bedanken. Es tut sehr gut, mal über den

eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, und dafür haben Sie sehr

gute Objekte und deren Referenten ausgewählt. Auch wenn

wir als kleines Museum mit beschränkter Besucherzahl weit von

den Erfolgen der dargestellten Museen entfernt sind, so gab es

Anregungen und Perspektiven.

Sehr interessant fand ich auch die Darbietung mit dem QR Code

als Audio-Führer für Besucher mit Smartphone. Diese Entwicklung

verfolge ich mit großem Interesse, da wir für ein übliches

Audiosystem als Museum zu klein sind. Zur Zeit entwickeln wir

einen gedruckten Museumsführer, um dem Besucher wenigstens

etwas geben zu können. Außerdem haben wir den »roten

Faden« neu ausgelegt und hoffen, so dem Besucher bei der

Erschließung des Museums ohne Führung behilflich zu sein.

Während der Vorträge saß ich neben der Inhaberin des Spielzeug-

und Puppenmuseums in Rothenburg o. d. Tauber, Frau Katharina

Engels. Wie sich später herausstellte eine enge Bekannte meiner

Freiburger Vettern. Insgesamt hatte ich das Gefühl einer familiären

Veranstaltung. Man spürte die Begeisterung und Freude,

Interesse für die Sache an sich herüber kommen zu lassen. Mit

63 Jahren habe ich mit großer Freude außerdem bemerkt, wie

viele junge Leute ihre Einrichtungen vertraten. Da kann man nur

hoffen, dass auch die kleinen Einrichtungen immer die richtigen

Nachfolger finden.

Nochmals vielen Dank, dass Sie diese Tagung durchgeführt

haben.

Mit freundlichen Grüßen

Franz Werner von Wismar, Tuchmuseum Lennep

97


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Bruynzeel Museum

Wir wünschen Ihnen

Frohe Weihnachten und ein

erfolgreiches Jahr 2013

Bruynzeel Archiv & Bürosysteme, tel: 02131 4099-0, www.bruynzeel.de, info@bruynzeel.de

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