magazin

downloads.dcms.kirchenserver.org

magazin

Dez./Jan. 1/06 www.missio-muenchen.de

>> Tsunami: Zwischen

Chaos und Neuanfang

auf den Andamanen

>> Tansania:

Leben heute in einer

einstigen Sklavenstadt

MENSCHEN, KIRCHE, KONTINENTEmagazin


Biblische Spuren

Biblische

Spuren

und kulturelle Schätze Spuren rund

und kulturelle um die Schätze Weltstadt rund

und kulturelle um die Schätze Weltstadt rund

um die Weltstadt

März/April 2006

Istanbul

10%

8-tägige Bildungs-Rundreise inklusive Flug

Vollpension, Eintritten und Reiseleitung ab €499,-

Ihr Reiseprogramm:

TAG 1: ANKUNFT IN

ISTANBUL Flug von

Deutschland nach

Istanbul, dem ehemaligenKonstantinopel,

das wie sein Vorbild

Rom auf 7 Hügeln errichtet

wurde. Unser freundliches,

deutschsprechendes Reiseleiterteam empfängt

Sie am Flughafen und heißt Sie mit

einem Erfrischungsgetränk im Hotel nochmals

herzlich Willkommen. Übernachtung im 4-

Sterne-Hotel in Istanbul.

TAG 2: TROJA Fahrt nach Canakkale zum Schauplatz

von Homers "Ilias", dem ältesten Werk

der griechischen und damit der abendländischen

Literatur. Kompetent begleitet erleben

wir diesen mystischen Ort, an dem Homer den

Epos vom Trojanischen Krieg ansiedelt und die

sagenumwobenen Helden der "Odyssee" und

der "Ilias" auftreten lässt. Troja galt lange Zeit als

fiktiver Ort vieler Sagen, bis der deutsche Heinrich

Schliemann im 19. Jhd. mit seinen Ausgrabungen

begann. So können wir heute die Stadtmauer

mit ihren Toranlagen, die Türme,Tempel

und Heiligtümer bestaunen, die der Menschheit

über Jahrhunderte verborgen blieben.

Weiterfahrt nach Ayvalik. Abendessen und Übernachtung

im 4*-oder 5*-Hotel in Ayvalik.

TAG 3: PERGAMON Fahrt entlang der Küste

nach Pergamon (Offbg. 2, 12-17). Dort spazieren

wir entlang der Akropolis von Pergamon

und sehen z.B. das steilste Theater der Antike,

Faire

Preise und

keine

versteckten

Kosten!

Fundamente des Zeusaltars, Stadtanlagen,

Tempel und die Reste der einst weltberühmten

Bibliothek zu Pergamon. Sie war neben

Alexandria die größte ihrer Zeit. Übrigens wurde

dort das "Pergament" erfunden. Weiterfahrt

nach Bursa. Abendessen und Übernachtung

im 4*-oder 5*-Hotel in Bursa.

TAG 4: BURSA - NICÄA Stadtrundfahrt durch

Bursa, der ehemaligen osmanischen Hauptstadt.

Besichtigung der Ulu Moschee und des

wunderschönen Seidenbasars. Wir setzen unsere

Fahrt durch die Hügellandschaft nach Iznik

fort, dem antiken Nicäa, dem in der christlichen

Geschichte eine große Bedeutung inne wohnt.

(Erstes und zweites Konzil von

Nicäa). Anschließend Weiterfahrt

über die Bosporus Brükke

nach Istanbul. 4 Übernachtungen

in Istanbul.

TAG 5: MÄRCHENHAFTES

BYZANZ Die als 8. Weltwunder

gehandelte Hagia Sophia

- einst die größte Kirche der

Christenheit, ist das bedeutend-

ste Meisterwerk der byzantinischen

Kunst und ein Symbol für die atemberaubende

Historie des religiösen Schmelztiegels

Istanbul. Mit dem Fall Konstantinopels

im Jahre 1453 n. Chr. wurde sie unter

der Federführung des Eroberers Sultan Mehmed

II. Fatih zur Moschee umgewandelt.

Auf dem ehemaligen Hippodromplatz,

ursprünglich ein Versammlungsplatz für das

Volk, besichtigen wir die drei Ehrenmonumente

der Spätantike. Die Blaue Moschee

Ihr Infotelefon: 089-189 36 184

10%

Rabatt für die Leser

des Missio-

Magazins!

ist das bedeutendste Sanktuarium des Islams.

Sie besitzt als einzige sechs Minarette, die ihr

ein königliches Aussehen verleihen. Am Nachmittag

besichtigen wir das Chora Kloster, ein

wunderschönes Beispiel byzantinischer Kirchenkunst

mit seinen typischen Fresken und

Mosaiken.

TAG 6: OSMANISCHE DYNASTIE Das Topkapi

Serail (wörtlich „Kanonentor-Palast“), das wir

heute erkunden, liegt auf einem der sieben

Hügel Istanbuls zwischen Goldenem Horn, Bosporus

und dem Marmarameer. Es war viele

Jahrhunderte lang die offizielle Residenz der

Sultane und hier werden noch heute die schillerndsten

Reichtümer der Osmanischen Dynastie

ausgestellt. Die Süleymaniye Moschee,

die als die schönste und eindrucksvollste

Moschee Istanbuls und

beispielhaft für den osmanischen Stil

in der islamischen Kunst gilt, wurde

im Auftrag von Sultan Süleyman des

Prächtigen gebaut und ist das Hauptwerk

des Architekten Sinan. Am Nachmittag

besuchen wir eine traditionelle

IHRE REISETERMINE: (Preise pro Person im Doppelzimmer)

Inklusivleistungen:

Inklusivleistungen:

Inklusivleistungen:

zurück

Abflughafen Tag März € 499,- April € 549,-

Stuttgart Dienstag 7 14 21 28 4 11

Hamburg Dienstag 7 14 21 28 4 11

Berlin Tegel Dienstag 7 14 21 28 4 11

Düsseldorf Donnerstag 2 9 16 23 6 13

Hannover Donnerstag 2 9 16 23 6 13

Frankfurt Sonntag 5 12 19 26 2 9

München Sonntag 5 12 19 26 2 9

Charterflug von Deutschland nach Istanbul und

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Charterflug Flughafensteuern, von Deutschland Sicherheitsgebühren nach Istanbul und

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Willkommensgetränk Reisebussen ,

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4- 7 Kofferservice

Übernachtungen und 5-Sterne Hotels in guten (Landeskategorie):

4- und 5-Sterne 5 x in Hotels Istanbul, (Lan-


deskategorie): 1 7 Übernachtungen x in Ayvalik, 5 x 1 in x Istanbul, in in Bursa guten

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(Frühstück, 1 x Hotels in Bursa (Landeskategorie):

5 x in Istanbul,

1 Mittag- Vollpension x in Ayvalik, und (Frühstück, Abendessen)

1 x in Bursa

Bootsfahrt Mittag- und auf Abendessen)

Vollpension (Frühstück, dem

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• Rundum Betreuung durch unsere

biblisch fachausgebildeten Reiseleiter

• Modernste Busse (Maximalalter

2 Jahre) und strenge Einhaltung der

Lenkzeiten

• Keine versteckten Kosten

• 24 Stunden ärztliche Rufbereitschaft

Teppichknüpferei, in der wir den gesamten Prozess

der traditionellen Teppichherstellung (von

der Rohstoffgewinnung bis hin zum fertig geknüpften

Produkt) kennen lernen.

TAG 7: DURCH ZWEI KONTINENTE Der hohen

geopolitischen Bedeutung des 33 km langen

Bosporus verdankt Istanbul seine Gründung.

Auf unserer Bootstour am Nachmittag werden

wir viele malerische Häuserfronten, Burgen und

Paläste entdecken - Zeichen davon, dass es seit

jeher ein Privileg der Reichen und Mächtigen

war, sich an der Meerenge, die Europa von Asien

trennt, niederzulassen. Bei einem Stadtbum-

mel erleben wir hautnah das geschäf-

tige Treiben und das internationale

Flair des kulturellen Zentrums

Istanbul. 8: HEIMREISE

Je nach Abflugzeit fahren wir mit

unseren Bussen zum Flughafen

und Sie treten gemütlich und voller

neuer Eindrücke Ihre Heimreise

an.

Ihr Urlaubskürzel:

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Gerne auch Gruppenanfragen. Fax: 089 - 312 027 339 www.vdk-ipm.de Auf Deutschlands größten Sozialverband können Sie sich verlassen.


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Vorname(n): ______________________/_____________________ Name(n): _____________________________________/___________________________________

PLZ/Ort: _______________ / ______________________________________ Straße/Nr.: _________________________________________________________________

Telefon-Nr.:


___________________ /________________________ Anzahl der Reisenden:


_______


Wunschtermin für die Abreise (siehe Tabelle „Ihre Reisetermine“ oben): ______ /______ /_____ Abflughafen: ____________________________________________

Ich/Wir möchten den Stornoschutz (+ € 15,- p. Pers.) abschließen Ich/Wir wollen im EZ DZ untergebracht werden. EZ-Zuschlag: € 90,-

SVMM00105A

Datum/Unterschrift: _____________ / ________________________________________

Istanbul

Mit Erhalt der schriftlichen Reservierungsbestätigung wird eine Anzahlung in Höhe von 20% des Reisepreises fällig. Die Restzahlung ist 30 Tage vor Abreise zu leisten. Änderungen vorbehalten.

Reiseveranstalter: VdK/IPM Service&Reisen GmbH, München

Liebe Leserin, lieber Leser,

>> Ein Neues beginnt… lautet der Titel eines Liedes. Es spricht von den

Unsicherheiten eines Neuanfangs, aber auch vom Vertrauen und vom

Mut, diesen Weg entschlossen zu gehen. So ähnlich mag unsere

Stimmungslage am Beginn eines neuen Jahres sein, wenn wir am Anfang

eines Lebensabschnittes oder Vorhabens stehen.

Ein Neues beginnt…, das gilt auch für uns bei missio in München. Nach

eingehender Überlegung haben wir uns entschieden, eine eigene

Mitgliederzeitschrift für unseren Zuständigkeitsbereich herauszubringen.

Die erste Ausgabe halten Sie in Ihren Händen. Mit dem missio magazin

wollen wir den Kontakt zu Ihnen nicht nur aufrechterhalten, sondern ihn

noch intensivieren. Menschen, Kirche, Kontinente – dieser Untertitel

zeigt die Spannbreite unseres Unternehmens: Entwicklungen in der weltweiten

Gemeinschaft der Kirche aufzeigen, engagierte Menschen in

Afrika, Asien und Ozeanien vorstellen und sie selbst zu Wort kommen lassen,

über Partnerschaftsprojekte informieren, aus unserem Haus berichten,

Initiativen aus Pfarreien, Verbänden und Gruppen zur Unterstützung

unserer Arbeit zur Nachahmung empfehlen... – Das sind einige der

Rubriken.

So zeigt zum Beispiel diese Ausgabe, wie es ein Jahr nach der

Tsunamikatastrophe den Menschen auf den Andamanen geht. Sie können

lesen, was für P. Gerner, der sich trotz eigener Gefährdung im Norden

Ugandas für seine Gemeinde und besonders deren Kinder einsetzt, der

Begriff „Sicherheit“ bedeutet. Oder Sie können erfahren, wie Samuel

Zombo, der durch den Bürgerkrieg in Angola seine Familie verloren hat

und der selbst ein Kindersoldat war, sich in Deutschland eine neue

Existenz aufbaut.

Ein Neues beginnt… Ich hoffe, dass Sie sich mit dem missio magazin

anfreunden, Inhalt und Aufmachung Ihr Gefallen findet, Sie uns verbunden

bleiben und – das wäre schön! – weiter empfehlen. Für Ihre

Rückmeldung und Anregungen sind wir dankbar.

Herzlichst, Ihr

geeignet und sollten nur von einem spezialisier

Pater Eric Englert

editorial 1/2006

Titelfoto: Jörg Böthling

TITEL 1/2006

Unser Fotograf Jörg

Böthling hält im

Februar 2005 auf den

Andamanen ein Bild der

Zerstörung fest: Von

diesem Wohnhaus

stehen nur noch die

Grundmauern. Mitten im

Raum haben Nachbarn

provisorisch ein

Christusbild an einen

Holzpfahl geschnürt – ein

Zeichen der Hoffnung.

02 03


inhalt 1/2006

36 SKLAVEREI

Eine Fotografie aus

dem 19. Jahrhundert

zeigt das Elend auf den

Schiffen der Menschenhändler.

Ob die unfreiwilligen

Passagiere den

Transport überlebten,

war reine Glückssache.

18 ANDAMANEN

Ein Jahr nach dem

Tsunami kehren die

Menschen auf den

Andamanen in ihren

Alltag zurück. Barbara

Brustlein und Fotograf

Jörg Böthling waren

direkt nach der

Katastrophe und jetzt

noch einmal vor Ort.

04 05

36 18

06/07 BLICKFANG

Fest der Farben: Die Jains

huldigen ihrem Heiligen Lord mit

einer Gewürzdusche.

08/09 STICHWORT

Pater Gerner aus Gulu, Uganda,

muss jede Nacht mit Überfällen von

Rebellen rechnen. Im missio magazin

schildert er, was Sicherheit für ihn

bedeutet.

10 NACHGEFRAGT …

... bei Samuel Zombo aus Angola.

Der ehemalige Kindersoldat baut sich

in München ein neues Leben auf.

12/15 FACETTEN

Männer ohne Schmerzen/Christseller/

Heilige Allianz/Zeugen der

Vergangenheit/Aufbau im Sudan/

Unsere Spender

16/17 SEHEN, HÖREN,

ERLEBEN

Aktuelle Ausstellungen/Medientipps/

Kulturkalender

18/27 ANDAMANEN

Tsunami: Zwischen Chaos und

Neubeginn auf den Andamanen

30/31 GLOSSE/KARIKATUR

Gerhard Polt ist froh, dass er nicht

dabei war.

32/33 GUSTO

Klassiker der indischen Küche:

Gut gepfeffertes Lamm-Curry mit

Zitronensaft und Ingwer.

34/35 IM VORDERGRUND

Grenzenlos verschnupft: Hausmittel

aus aller Welt.

36/41 SKLAVEREI

Wie in Tansania Nachfahren von

Sklaven und Sklavenhaltern friedlich

zusammenleben.

42/43 MOMENTE DER STILLE

44/45 DIALOG

GUT GEDACHT

IMPRESSUM

34

46 ANDERSWO ...

... spielen: Mit Fantasie und Geschick

basteln sich Kinder rund um

den Globus ihr Spielzeug selbst.

08

34 IM VORDERGRUND

Chinesische Mediziner

empfehlen heißen

Ingwertee mit

Frühlingszwiebeln bei

Kratzen im Hals.

08 STICHWORT

Kinder aus der Region

Gulu in Uganda: Pater

Gerner bietet ihnen

Zuflucht auf seiner

Missionsstation.

Rebellenüberfälle

können jede Nacht

geschehen.


FEST

DER FARBEN

blickfang indien

Foto: Jörg Böthling

Alle zwölf Jahre

feiern die Jains

das Fest Mahamastakabisheka

zu Ehren

ihres Heiligen Lord.

Vom 8. bis 19. Februar

dieses Jahres ist es

wieder so weit: Ein

5000-Seelen-Ort in

Karnataka wird

dann für bis zu 1,5

Millionen Pilger aus

ganz Indien zum Ziel.

Die 25 Meter hohe

Granitstatue des Lord

Bahubali wird mit

farbigen und würzigen

Essenzen, Zuckerrohrsaft

und Milch übergossen

und mit Reispuder

und Blumen

bestreut. Jainismus ist

durch eine Reformbewegung

aus dem

Hinduismus hervorgegangen.

Jains sind

strikte Vegetarier

und ihr oberstes

Gebot ist „ahimsa“,

absoluter Gewaltverzicht

gegenüber

anderen Lebewesen.

06

07 07


SICHERHEIT

uganda

In Norduganda wurden in

den vergangenen beiden

Jahrzehnten 20 000 bis

30 0000 Kinder entführt

und als Kindersoldaten

gedrillt. 2002 spitzte sich

der Konflikt dramatisch

zu, als die sudanesische

Regierung der LRA

(Lord´s Resistance Army),

die im Sudan ihr Rückzugsgebiet

hat, die

Unterstützung aufkündigte.

Die LRA musste

flüchten, löste sich in

Splittergruppen auf und

rekrutierte umso mehr

Kindersoldaten, um ihre

Gruppierung zu stärken.

Mitten im Rebellengebiet,

nämlich in Kitgum/Diözese

Gulu, hat P. Josef Gerner,

70, seine Missionsstation.

Fast der gesamte Distrikt

Kitgum ist entvölkert und

wurde in Flüchtlingslager

umgesiedelt. Die Kinder

aus der Umgebung von

Kitgum flüchten sich jede

Nacht auf die Missionsstation,

um vor nächtlichen

Angriffen sicher zu sein.

Pater Gerner, 70, steht

diesen „Nachtpendlern“

bei. Hier beschreibt

er, was der Begriff

SICHERHEIT für ihn und

die Menschen um ihn

herum bedeutet.

>> Palmsonntagnacht 1996 – ich

kam gerade von Deutschland zurück

nach Gulu – nach 20 Jahren.

Nachts ist die Hölle los. Schießerei

überall, schwere Geschosse ziehen

über die Mission weg. Greller

Feuerschein – viele Grashäuser stehen

in Flammen. Gott, wo bin ich

nur hingeraten.

Die folgenden Nächte belegen

wir auch die Kathedrale mit

Nachtpendlern. Wir schärfen ihnen

ein, ja keine Türe zu öffnen. Wir

stellen Eimer auf für die Notdurft.

Sicherheit, was ist das? Ein paar

Jahre später Sonntag nachts ist wie

so oft in Kitgum die Hölle los.

Einige Panzerwagen stehen vor der

Kirche und feuern schwere Geschosse

über die Mission weg.

Nicht weit weg hausen die

Rebellen, plündern, zünden Häuser

an und nehmen über 80 Jugendliche

gefangen. Wehrlos muss

ich das böse Spiel mit ansehen.

Um sieben Uhr morgens ist es

Zeit, die Glocke zu läuten. Im weißen

Talar gehe ich zum einfachen

Glockengerüst und läute und läute.

Die Soldaten sind verunsichert. Ich

lasse sie wissen, dass es Zeit ist,

heimzugehen und das Feld zu räumen.

Sie ziehen tatsächlich ab. Eine

Stunde später ist die Kirche voll.

Das Glockengeläut hat den

Menschen klargemacht: Jetzt ist

alles frei. Ich staune über den Mut

der Leute. Nach der Messe versuche

ich, mit dem Motorrad in eine nahe

Außenstation zu fahren. Jetzt bilden

die Leute eine Kette. Bleib zu

Hause! Du kommst uns hier nicht

durch! Hörst du nicht, wie sie da

draußen schießen? Ich kehre um.

Fotos: missio

Sicherheit – die Glocke gab Sicherheit

und die Leute garantierten

meine Sicherheit.

Wieder ein Sonntagmorgen im

Landrover unterwegs! Eine Frau

stellt sich mitten auf die Straße und

lässt mich nicht durch. „Schau

doch, wie die Leute alle fliehen!

Kehr um!“ Ich wende mein Fahrzeug.

Sicherheit durch die Warnung

eines guten Menschen. Nach

mir kommt ein Lastwagen, der sich

durch die Worte der Frau nicht aufhalten

lässt und in die Falle geht.

Das Auto wird angezündet.

Und wieder ein Sonntagmorgen

im Landrover unterwegs mit

Besuchern. Die Militärs lassen

mich nach 18 Stunden Wartezeit

durch die Sperren! Alles frei! Von

wegen, ein Radfahrer kommt entgegen,

wirft das Fahrrad weg und

versperrt den Weg. „Kehr um! Ein

paar hundert Meter weiter vorne

legen sie einen Hinterhalt! Ich

kehre um. Toll, diese Leute.

An einem anderen Abend um

10 Uhr. Ich sitze im Zimmer und

lese. Mein philippinischer Mitbruder

ruft mich mit verschüchterter

Stimme. Ich reiße schnell die

Tür auf und schon sitzt der

Gewehrlauf auf meiner Brust. Der

Bruder ist schwer gefesselt. Was

jetzt? Schrei, sagt mir eine innere

Stimme. Ich schreie, brülle, fasse

den Gewehrlauf. Der Schuss geht

los durch das Fenster. Ich möchte

dem Genossen das Gewehr abnehmen.

Es gelingt ihnen zu entfliehen.

Wieder läute ich die große

Glocke. Ein paar hundert Leute

kommen sofort um mir zu helfen.

Totale Unsicherheit und doch:

durch die Leute ein Gefühl der

Sicherheit.

Wann immer ich raus fahre,

möchten so viele mitgenommen

werden. Ich warne: „Die Rebellen

schießen zuerst auf euch!“ – „Keine

Angst, wenn wir mit dir fahren

passiert uns nichts“, kommt die

Antwort. So sicher bin ich mir

darin wieder nicht.

Vor kurzem kommt ein junger

Mann und erzählt mir, ich sei mit

dem voll besetzten Auto gerade

vorbei gefahren. Danach hätten die

Rebellen zugeschlagen und seinen

Kollegen mitgenommen. Warum

bin ich sicher durchgekommen

und er nicht?

Vor wenigen Nächten eine

Menge Schießerei. Das stört nicht

mehr. Wohl aber hat uns das plötzliche

Aufschreien der Kinder, der

Nachtpendler, im Krankenhaus

und in unseren eigenen Gemeinschaftsräumen

zutiefst beunruhigt.

Es ging das Gerücht um, dass ein

Soldat sich nachts in ein gefährliches

Untier verwandle und die

Leute in den Camps überfalle und

beiße. Das Geschrei der Leute zieht

wie gefährliche Wellen über uns

weg. Ich stehe sofort auf, um die

hunderte von Kindern auf der Station

zur Ruhe zu bringen. Das Geschrei

ist überall zu hören! Was ist?

Politischer Terror vor den Wahlen?

Oder was immer. 20 Jahre Terror!

Wer bleibt da körperlich und seelisch

gesund? Die schlimmen Ängste

bringen größte Unsicherheit.

Vor allem Exrebellen (meist Kinder,

die plündern und morden mussten)

erleben große Alpträume. Wird in

diese Herzen wieder Sicherheit einkehren?

Umso mehr müssen wir

Sicherheit vermitteln, Sicherheit

des Glaubens! Diese Sicherheit

wächst in uns täglich. All die „kleinen

Unsicherheiten“ kommen

gegen diese Sicherheit nicht auf.

Heute morgen: Zwei Studenten,

gestern von Rebellen erschos-

sen worden, werden beerdigt. Sie

wollten Holzkohle brennen, um

das Schulgeld zu bezahlen.

Ein anderes großes Camp. Acht

Leute werden auf dem Weg abgefangen

und alle brutal erschlagen.

Das sind Augenblicke totaler

Unsicherheit. Die Sicherheitskräfte

waren einfach nicht da. Das sind

Momente bitterer Ohnmacht.

Schöne Momente der Sicherheit

in erschreckender Unsicherheit.

Osternachtsfeier dieses Jahr – sobald

es dunkel wurde. Die Militärs

warnen mich, dass die Rebellen

nahe da seien. Was tun? In vollem

Vertrauen auf die Kraft dieser

Nacht sage ich den Gläubigen kein

Wort. Die Kirche ist zum Bersten

voll; eine großartige Stimmung und

großer Jubel. Gott, wenn sie angreifen.

Alles läuft gut. Am Ende, als

alle mit Gasfackeln und Jubel ihr

Nachtlager suchen, sage ich ihnen,

sie mögen vorsichtig sein! Es sei

Gefahr im Verzug! Ein Aufschrei

der freudigen Sicherheit: „Die verderben

uns die Freude nicht!“ Und

sie jubelten noch lauter.


nachgefragt bei...

10 11

Foto: Christoph Mukherjee

SAMUEL ZOMBO,18 JAHRE,

lebt seit vier Jahren in München und macht eine Ausbildung

zum Elektroniker. In seiner westafrikanischen Heimat

Angola war er Kindersoldat. Bis ihm die Flucht gelang.

Hallo Samuel, wie geht es dir so

hier in München? Fühlst du dich

wohl?

>> Klar, ich bin sehr zufrieden.

München ist eine tolle Stadt. Hier

habe ich viele Freunde und meinen

Ausbildungsplatz, das ist schon

wichtig. > Damals hatte ich einfach

Angst. Stell dir vor, du stehst als

13-Jähriger in einer fremden Stadt,

du sprichst die Sprache nicht,

kennst niemanden, und weißt nur,

dass du angeblich einen Onkel in

einer Stadt namens Rosenheim

hast. Ich bin erst einmal in einen

Burger King gegangen. Dort hatte

ich wirklich Glück: Da war ein

anderer Angolaner. Mensch, dachte

ich mir, der spricht die gleiche

Sprache wie ich, der kann mir helfen.

Er hat mir dann auch geholfen.

Schließlich haben wir sogar meinen

Onkel getroffen! > Ich hatte Glück. Am Anfang

allerdings überhaupt nicht. Ein

schreckliches Bild geht mir nicht

mehr aus dem Kopf: Wie das Haus

meiner Familie in Flammen stand.

Ich war damals schon längst

Kindersoldat, in einer Horde von

Jungen. Wir verteidigten unser

Dorf gegen Angriffe. > Am leichtesten war es, sie den

Toten wegzunehmen. Aber manch-

mal bekamen wir sie auch von den

Regierungstruppen, das war unterschiedlich.

> Als unser Dorf in Flammen

stand, bin ich davongerannt. Mit

ein paar anderen Jungs schaffte ich

es bis in die Hauptstadt Luanda.

Dort schlugen wir uns dann durch,

indem wir Autos wuschen und

kleinere Arbeiten übernahmen. Ich

lernte dann auch einen Weißen

kennen, der mir half nach

Deutschland zu kommen. > Das weiß ich nicht. > Wow, du kennst China! Mit ihr

habe ich mich gut unterhalten. Wir

hatten zum Teil die gleichen

Waffen. Du weißt schon, Gewehre,

die größer sind als du selbst, wenn

du ein Kind bist. Ich versuche die

Zeit damals zu vergessen. Aber das

geht natürlich nicht so einfach.> Die Farben. Die Menschen sind

dort wunderschön bunt angezogen.

Hier laufen sie alle in Grau und

Schwarz herum, und wenn das

Wetter schlecht ist, ist das besonders

deprimierend. Die leuchtenden

Farben und die schönen Stoffe

fehlen mir wirklich..., aber natürlich

nicht nur das: die Gerüche, die

Menschen, da ist so vieles, was mir

immer fehlen wird.


facetten international

Allein durch seinen

Willen kontrolliert der

Fakir das eigene

Schmerzempfinden.

12 13

MÄNNER OHNE SCHMERZEN >

Das Phänomen Fakire CHRIST-SELLER

>> Sie laufen über glühende

Kohlen, durchbohren sich die

Zunge mit Schwertern oder legen

sich mit bloßer Haut auf Nagelbretter

– und das alles scheinbar

ohne Schmerzen. Als Zuschauer

solcher Rituale ist man gleichermaßen

fasziniert und ratlos: Alles nur

ein Trick? Oder wie kann es sein,

dass ein Mensch sich derartige Verletzungen

zufügt, ohne dabei vor

Schmerz ohnmächtig zu werden?

Wolfgang Larbig, Neurologe an

der Universität Tübingen, beschäftigt

sich schon seit Jahren mit dem

Phänomen. In seinen Studien hat er

Fakire und andere „Schmerzar-

tisten“ untersucht. Sein Ergebnis:

Während ihrer Rituale versetzen

sich Fakire durch Selbsthypnose in

einen tranceähnlichen Zustand und

können so das eigene Schmerzempfinden

kontrollieren.

Wie dies genau funktioniert, haben

Messungen im Gehirn gezeigt: Bei

extremen Schmerzen traten bei den

untersuchten Personen in einem

bestimmten Teil des Gehirns Hirnstromwellen

auf, ähnlich denen, die

im Schlaf auftreten. Mit anderen

Worten: Obwohl die Menschen

eigentlich wach waren, „schlief“ ein

Teil ihres Gehirns – der nämlich,

der für die Schmerzverarbeitung

zuständig ist. Mediziner sprechen

hierbei von einem „lokalen Mikroschlaf“,

der den Schmerz blockiert.

Verblüffend ist dabei, dass diese

Menschen trotz ihres tranceähnlichen

Zustandes körperlich aktiv

sein, ja sogar wilde Tänze vollführen

können. Der scheinbare

Widerspruch von einem „aktiven“

Körper und einem „passiven“ Gehirn

zeigt, dass es tatsächlich nur

bestimmte Teile des Gehirns sind,

die „deaktiviert“ werden. Diejenigen

jedoch, die für körperliche

Handlungen benötigt werden,

bleiben „wach“.

Die Erkenntnisse der Wissenschaftler

zum Phänomen Fakire

sind nicht nur interessant, sondern

auch nützlich: Bei der Behandlung

von Schmerzpatienten werden sie

bereits praktisch angewandt. So

beispielsweise, um das Leiden von

Krebskranken auch ohne den

Einsatz von Medikamenten mit

Nebenwirkungen zu lindern. > Es war das Jahr der Päpste:

Am 2. April stirbt Johannes

Paul II. im Alter von 84 Jahren.

Es folgt die Zeit der Rückblicke

– und am 19. April dann

schließlich die Wahl von

Kardinal Joseph Ratzinger zu

Papst Benedikt XVI.

Das Interesse der Menschen am

alten und neuen Papst bescherte

den Buchverlagen einen regelrechten

Boom im Bereich christlicher

Literatur: Mit „Der deutsche

Papst – Von Joseph

Ratzinger zu Benedikt XVI.“ von

Peter Seewald und „Johannes

Paul II. – Sein Leben in Bildern“

von Vatikan-Korrespondent

Andreas Englisch standen im

Mai 2005 erstmals zwei sogenannte

„Christ-Seller“ auf Platz

1 und 2 der „focus“-Bestsellerliste

für Sachbücher.

Selbst beim Verlag Weltbild, bei

dem die beiden Bildbände erschienen

sind, wurde man von

der großen Resonanz überrascht

und musste die Druckauflage

nachträglich erhöhen: „Von beiden

Büchern haben wir innerhalb

kurzer Zeit jeweils 100 000

Exemplare verkauft“, sagt Eva

Großkinsky, Pressesprecherin von

Weltbild. Die überwältigende

Nachfrage zeige auch, dass sich

die Menschen nach wie vor für

kirchliche Themen interessieren.

Fotos: dpa

„HEILIGE“ ALLIANZ

>> Rom, Jerusalem und Santiago

de Compostela wollen im Bereich

Tourismus künftig gemeinsame

Wege gehen. Dazu haben sich die

drei „heiligen Städte“ jetzt im

Rahmen einer Kooperation zusammengeschlossen.

Ziel der Kooperation ist es, im

Bereich Marketing und Werbung

Synergien zu nutzen: In gemeinsamen

Kampagnen und Werbeaktionen

sollen die religiösen und

kulturellen Sehenswürdigkeiten

der drei Städte beworben werden.

Auch im Bereich Pauschalangebote

wollen die Initiatoren in Zukunft

ZEUGEN DER VERGANGENHEIT

Israelische Siedlungen werden Weltkulturerbe

>> Die Freude bei deutschen

Denkmalschützern und Gläubigen

war gleichermaßen groß, als die

UNESCO dieses Jahr ihre

Entscheidung zum Welterbe bekannt

gab: Der Kölner Dom wurde

nicht wie befürchtet von der Liste

der einzigartigen und schützenswerten

Kulturstätten in aller Welt

gestrichen. In der allgemeinen

Erleichterung ging eine andere

Nachricht unter, die für Christen

in aller Welt ebenfalls Grund zur

Freude sein dürfte: Unter den

Neuernennungen durch das Welterbe-Komitee

befinden sich dieses

Mal auch drei biblische Siedlungen

in Israel: Megiddo, Hazor und Beer

Sheba stehen stellvertretend für

mehr als 200 Siedlungen in Israel,

Wallfahrtsorte beschließen Tourismus-Kooperation

die mit der Bibel in Verbindung

gebracht werden. Durch die

Ernennung zum Weltkulturerbe

würdigte die UNESCO diese

Stätten als Zeugen der Vergangenheit.

Die Ruinen von Palästen,

Stadtbefestigungen und Wasserversorgungsanlagen

„geben Aufschluss

über das städtische Leben in der

Bronze- und Eisenzeit“, heißt es in

der Begründung des Komitees.

Alle drei Orte aus biblischer Zeit

liegen in der Negev-Wüste. Unter

ihnen ist die Siedlung Megiddo

besonders interessant, die von vielen

Christen mit Harmagedon oder

Armageddon gleichgesetzt wird –

dem Schauplatz der letzten Entscheidungsschlacht

zwischen Gut

und Böse.


facetten missio münchen

>

14 15

kurzes

Krankheit kann jeden

treffen. Missio hat es sich

zur Aufgabe gemacht,

kranke Menschen auf dem

ganzen Erdball im Gebet

miteinander zu verbinden.

Unsere kleine Gebetssammlung

soll dabei helfen.

Sie können die letzten

vier Ausgaben bestellen

bei missio München, Tel.

089/5162-0, E-Mail: ver

lag@missio-muenchen.de

Missio bietet Infos zum

Thema Testamentsgestaltung

an. Spezialisten

geben einen allgemein

verständlichen Überblick

über das deutsche Erbrecht.

Freitag, 27. Januar

um 16.00 Uhr findet ein

Vortrag im Kolpinghaus

Regensburg statt. Gerne

informieren wir Sie über

die nächsten Veranstaltungen

in Ihrer Nähe:

Tel. 089/5162-256,

testament-info@missiomuenchen.de

AUFBAU IM SUDAN

Bischof Mazzolari: „Wir müssen den Frieden bringen.“

>> „All das begeisterte Gerede

vom «Frieden, der nun in den Sudan

gekommen ist», ist nicht wahr.

Er ist nicht gekommen. Wir müssen

ihn bringen.“ So das nüchterne

Fazit von Caesar Mazzolari, Bischof

von Rumbek im Südsudan.

Bis auf den Waffenstillstand existiert

der Frieden im Sudan in der

Tat nur auf dem Papier: Auf dem

am 9. Januar 2005 geschlossenen

Friedensvertrag zwischen der Regierung

in Khartum und den südsudanesischen

Rebellen der SPLA/M

(Sudan People’s Liberation Army

/Movement). Über dieses Papier

hinaus wurden von den Konfliktparteien

Absichtserklärungen verkündet

und von der internationalen

Gemeinschaft materielle und personelle

Hilfen zugesagt. Viele dieser

Versprechen wie Entwaffnung

und Abzug nordsudanesischer

Truppen werden nur zögerlich eingelöst.

„Der Südsudan ist voller

Darfurs“, was die Weltöffentlichkeit

übersehe, sagt Bischof

Mazzolari. Vermutlich sind im

Süden mehr Menschen durch interne

Stammeskämpfe umgekommen

Foto: kna

als im Kampf gegen Regierungstruppen

des Nordens.

Der Frieden muss erst noch gebracht

werden. Für Bischof

Mazzolari bedeutet dies, dass die

Menschen im Sudan ihn zunächst

selbst schaffen müssen. Nach 21

Jahren Bürgerkrieg sind Christen,

Muslime und verschiedene Stämme

untereinander verfeindet. Zu Versöhnung

und Wiedergutmachung

haben auch die Bischöfe aufgerufen.

Die Aufgaben sind enorm:

Versorgung von mehr als zwei

Millionen zurückkehrenden Flüchtlingen

im Süden, Reintegration

von Soldaten, Waisen und

Kriegsversehrten, Wiederaufbau

der Infrastruktur, Nahrungsmittelbeschaffung,

Einführung eines Bildungssystems

und einer Gesundheitsversorgung

und vieles mehr.

Dies können Regierung, Parteien

und Kirchen nur gemeinsam meistern.

Aufgrund ihrer Botschaft der

Versöhnung und des Heils kommt

der Kirche im Südsudan eine

besondere Verantwortung zu.

Allerdings fehlt es ihr an Mitarbeitern,

und die, die vor Ort sind,

stoßen oft an ihre Grenzen –

menschlich und fachlich.

Mit der Kollekte zum Afrikatag

am 6. Januar wird die Qualifizierung

von Laien, Katechisten,

Schwestern und Priestern finanziert.

Mit ihrer Ausbildung kann

auch die Kirche dazu beitragen,

den Menschen den ersehnten

Frieden zu bringen.

Informationen zum Afrikatag 2006:

André Gerth, Tel. 089/51 62-252,

a.gerth@missio-muenchen.de


VORBILDER

16 17

kunst

Tempeltuch – Kalamkari,

Baumwolle mit Naturfarben

bemalt, 20. Jahrhundert

>> Viele Stunden lang werden die Farben sorgfältig

von Hand mit Rohrfedern und Pinseln aufgetragen,

bevor das Tuch in seiner vollen Pracht

erstrahlt. Diese Tücher – Kalamkari genannt –

finden sich in südindischen Tempeln als Wandteppich,

Vorhang oder Baldachin. Ihre kunstvoll

aufgemalten Figuren, Ornamente und Symbole

zeigen Szenen aus den beiden großen indischen

Nationalepen, dem Ramayana und dem

Mahabharata. Sie erzählen vom heldenhaften

Kampf gegen das Böse, von guten Taten, Treue,

Freundschaft, Liebe und einem Leben im

Einklang mit dem Glauben. Für viele Inder haben

diese religiösen oder philosophischen Parabeln

Vorbildfunktion – die farbenfrohen Bilder der

Tempeltücher dienen also nicht nur dekorativen

Zwecken, sondern ermahnen die Gläubigen auch

zu einem ehrenhaften Leben. ausstellungen > konzerte

Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger

BAROCK IM VATIKAN –

Kunst und Kultur im Rom

der Päpste II

300 Exponate vermitteln ein

eindrucksvolles Bild von

Kunst, Kultur und Wissenschaft

im päpstlichen Rom

des Barockzeitalters. Zu den

Höhepunkten der Ausstellung

gehört ein rund fünf Meter

hohes Holzmodell, das

die Kuppel der Peterskirche

von Michelangelo zeigt.

Bis 19. März 2006, Kunstund

Ausstellungshalle, Bonn

FRANZ VON STUCK

Religiöse Bilder des

Münchner Malerfürsten

Die Ausstellung in Stucks

Geburtshaus präsentiert zum

ersten Mal ausschließlich

religiöse Bilder des Künstlers.

Die Arbeiten zeigen mit

Paradies, Teufel und Kreuzigung

einerseits klassischchristliche

Motive, setzen sich

aber auch mit abstrakteren

Themen wie Angst und

Verderben auseinander.

Bis 30. Juni 2006,

Geburtshaus Franz von

Stuck, Tettenweis

FOTOAUSSTELLUNG

Schwarze Götter im Exil

300 Fotografien von Pierre

Verger (1902–1996) geben

einen tiefen Einblick in Kultur

und Religion der Sklaven,

die vor 200 Jahren von Afrika

nach Brasilien verschleppt

wurden, sowie deren Nachkommen.

Ergänzt wird die

Ausstellung durch die Installation

„Trance-Territories“

von Mario Cravo Neto – eine

Hommage an Pierre Verger.

22. Februar bis 14. Mai 2006,

Staatliches Museum für

Völkerkunde, München

ARGILE

Afrika trifft auf Europa

Eine Mischung aus afrikanischen

Rhythmen und europäischen

Klängen, abwechslungsreich

kombiniert – so

lässt sich der Musikstil der

Gruppe Argile am besten

beschreiben. Hier in der

Region sind Argile vor allem

durch ihre Auftritte beim

Nürnberger Bardentreffen

bekannt.

19. Dezember 2005, 20 Uhr,

Theater Fifty-Fifty, Erlangen

„CARMINA BURANA”

Ein Fest der Stimmen

1937 uraufgeführt, ist

Carl Orffs Vertonung der

„Beurischen Lieder“ heute

weltbekannt: Die Gesänge

erzählen vom Alltagsleben

der Menschen im Mittelalter

und huldigen „Fortuna“.

Die Aufführung des Coro di

Praga in der Philharmonie

München wird vom

Orchester der Tschechischen

Symphoniker unterstützt.

17. Januar 2006, 20 Uhr,

Philharmonie, München

CHINESISCHES

NEUJAHRSKONZERT

Musikalisch ins Jahr des

Hundes

Dem Mondkalender folgend,

feiern die Chinesen ihren

Jahreswechsel erst Anfang

Februar – auch in München.

Das ist die Gelegenheit, hier

eines der chinesischen Neujahrskonzerte

zu besuchen.

Aufgeführt werden vor allem

alte chinesische Volksstücke –

dargeboten in farbenprächtigen

Kostümen und auf

traditionellen Instrumenten.

3. Februar 2006, 20 Uhr,

Herkulessaal, München

Amadou & Mariam

DIMANCHE À BAMAKO

>> Ein Künstlerpaar aus dem westafrikanischen Mali,

beide von Geburt an blind, singt über die Liebe. –

Mitleid wegen ihrer Behinderung wollen die beiden

jedoch nicht und haben es auch nicht nötig. Das haben

Amadou & Mariam längst bewiesen: In Frankreich

sind die beiden Musiker Stars, ihr aktuelles Album

„Dimanche à Bamako“ wurde mit dem Musikpreis

„Victoire de la musique“ ausgezeichnet und schaffte es

Emma Damon

IGLU, HAUS UND

ZELT – WAS IST

DEINE WELT?

>> Das Bilderbuch zeigt

Kindern ab drei Jahren,

wie Menschen auf dieser

Welt wohnen, kochen und

schlafen: in der Stadt, auf

dem Land, in der Wüste

oder am Polarkreis. Auf

Olivier Föllmi/Radhika Jha

DIE FARBEN INDIENS

>> „Ich wurde von Indien verführt ...“ schreibt Autor

und Fotograf Olivier Föllmi – und auch den Leser

nimmt dieser Bildband gefangen: Atemberaubende

Landschaftsaufnahmen wechseln sich ab mit farbenprächtigen

Porträts von Menschen in alltäglichen

Situationen und bei religiösen Ritualen. Ausführliche

DER SEGEN DER WEIHNACHT

>> An Weihnachten „wird spürbar, was es bedeutet, dass

Gott ‚Emmanuel‘ sein wollte, (...) ein Gott mit dem wir auf

Du stehen, weil er uns als Kind begegnet.“ Diesen und andere

Gedanken zu Weihnachten hat Joseph Ratzinger während

seiner Zeit als Erzbischof von München verfasst – zunächst

als Predigt oder Beitrag für Zeitung oder Rundfunk.

Anlässlich seiner Wahl zu Papst Benedikt XVI. bringt der

Herder Verlag nun die gesammelten Meditationen in einem

Band heraus. Herder Verlag, 120 Seiten, Euro 12,90.


26. DEZEMBER 2004,

6.28 UHR,

KLEIN-ANDAMAN

Ein Krach, als würde ein Flugzeug landen.

Wellen, die sich auf die Erde stürzen und

alles verschlingen ... Ein Jahr liegt der

Tsunami nun zurück. Die ganze Welt hat

erst den Atem angehalten und dann

geholfen. Die Andamanen, ein Jahr danach.

EINE REPORTAGE VON BARBARA BRUSTLEIN

MIT FOTOS VON JÖRG BÖTHLING

reportage andamanen

Kurz nach dem

Seebeben: Nur wenige

hundert Meter von der

Küste entfernt haben

die Flutwellen nichts als

Zerstörung hinterlassen.

Ein Wegkreuz

aus Beton ragt einsam

in den Himmel.

18 19


eportage andamanen

2004 Die Tage nach

der Flut

20 21

>> Nach der Flutwelle herrscht

gespenstische Stille. Das Meer

hat Häuser umgerissen, Zehntausende

von Kokospalmen

entwurzelt, Menschen in der

Flut ertränkt. Die, die überlebt

haben, leben tagelang von

nichts als Kokosnüssen. Es

dauert neun lange Tage und

Nächte, bis das Meer sich

zurückzieht. Überall werden

Leichen gefunden. Familien

sind zerissen, Kinder suchen

verzweifelt nach ihren Eltern.

Aus dem Landesinneren kommen

Plünderer und stehlen

den Tsunami-Opfern das

Wenige, was ihnen geblieben

ist. Der Verwalter der Insel lässt

sich per Helikopter ausfliegen.

Warten auf Hilfe. > Das Meer ist mild und gütig in

dieser Nacht. Die alte MS Dering

schaukelt auf sanften Wogen.

Rund steht der Mond am Himmel,

die Milchstraße ist so klar erkennbar

wie das nur an Punkten wie

hier möglich ist: mitten im

Nirgendwo, auf offenem Meer zwischen

Port Blair, der Hauptstadt

der Andamanen, und Hutbay, dem

Hafen von Klein-Andaman. An

Deck des Passagierboots haben die

Reisenden Tücher ausgelegt und

sich zum Schlafen ausgestreckt.

Acht bis zwölf Stunden dauert die

Fahrt, je nach Wellengang.

Mit dem ersten Tageslicht werden

die Körper, die am Boden

zusammengekauert liegen, unruhig.

Frauenfinger streichen Kinderhaare

glatt, ein Mann putzt sich

mit dem Zeigefinger provisorisch

die Zähne, Kekse und kleine

Gläser mit Chai, dem milchigwürzigen

indischen Tee, machen

die Runde. Wieder einmal hat die

MS Dering die lange Fahrt hinter

sich gebracht, hat sich durch dieses

Meer hindurchgemogelt, dem die

Menschen nicht mehr trauen. Ein

Jahr ist es her, dass dieses Meer sie

blindlings überfallen hat, „die

Menschen gegessen hat“, wie die

ursprünglichen Einwohner der

Inselgruppe es nennen. Unmöglich,

das zu vergessen.

Festland kommt in Sicht. Der

Strand von Hutbay liegt hell im

Morgenlicht. Die Fischer haben

ihren Fang eingeholt und schauen

neugierig zu, als die Dering anlegt

und ihre Passagiere ungeduldig

von Bord drängen. Taschen, Eimer,

mit Kordeln verschnürte Pakete,

Körbe, Plastik- und Basttüten und

Kartons – kaum eine Hand, ein

Arm, ein Rücken ist unbepackt.

Der Handel hat wieder eingesetzt.

Die MS Dering legt in

Hutbay an (o.). Neben

dem Hafen haben die

Fischer ihre Arbeit

wieder aufgenommen

(u.r.). Vor einem Jahr

noch saßen die

Menschen inmitten der

zerstörten Anlegeplätze.


Im ersten Morgenlicht

laufen Frauen den

Fischern entgegen, um

den Fang in die Stadt

zu tragen (o). Der

Handel hat wieder

begonnen, auch ein

Friseur hat sein Geschäft

eröffnet (u.m.). Doch

noch immer sind

Reparaturen nötig (u.l.).

Kurz nach dem Tsunami

behalfen sich die

Menschen mit dem,

was sie im Chaos

fanden (u.r.).

22 23

Die kleinen Krämerläden, die vor

dem Tsunami die Straßen säumten,

sind wieder an Ort und Stelle.

Und nahezu alles, was man in den

Läden kaufen kann, kommt vom

indischen Festland. Denn statt

Coca-Cola und Co bringt Klein-

Andaman ganz andere Schätze hervor:

Öl- und Kokospalmen und

natürlich Fische, Fische, Fische.

Schnell vom Bord und nach

Hause! Nur, dass es für viele

Einwohner der Insel ein Zuhause,

wie sie es zuvor hatten, nicht mehr

gibt. Für die, die der Tsunami getroffen

hat, heißt die neue Heimstatt

jetzt „temporary shelter“, also

„vorrübergehender Zufluchtsort“.

Pushpa Sarkar, 25, lebt in einer

dieser Hütten auf einem kleinen

Hügel. Keine Flutwelle, mit welcher

Kraft auch immer, könnte bis

dorthin gelangen. Für Pushpa ist

das die Gewissheit, die sie nachts

ruhig schlafen lässt.

Die junge Frau bewohnt mit

ihrem Mann, ihrer dreijährigen

Tochter und ihrem kranken Vater

die Blechhütte 121. „Das hier ist

nicht mehr unser Zuhause. Das ist

unser Dach über dem Kopf“, sagt

Pushpa. Ihr Mann Shivshankar, 30,

der vor kurzem wieder Arbeit als

Holzfäller gefunden hat, klingt

optimistischer. „Es ist doch gut

hier. Denk dran, wie es für uns vor

ein paar Monaten ausgesehen hat!”

Bei beiden sitzt der Horror

tief. Pushpa erzählt: „Es war ganz

früh am Morgen und ich war gerade

dabei, für meine Familie Tee zu

kochen, als die Erde auf einmal wie

verrückt bebte. Wir packten unsere

Tochter und rannten davon. So

wie wir waren. Barfuß, ohne alles.“

Pushpas Mann fährt fort: „Dann

kam das Wasser. Wir hatten

Glück, wir schafften es auf einen

Hügel, viele wurden weggerissen.

Bei uns war nur das Haus weg.“

Zwei Jahre lang sollen Pushpa

und ihre Familie in ihrem neuen

Domizil bleiben. Dann dürfen die

Tsunami-Opfer umziehen, in richtige

Häuser. Wenn es nach Pushpa

geht, wird ihre Familie mit

Sicherheit nicht mehr in

Strandnähe wohnen. „Alles, aber

nie mehr in die Nähe des Meeres!“

Nicht alle sind so vorsichtig

wie Pushpa. Entlang der Küstenstraße

hat ein Friseur den Betrieb

aufgenommen. „Ich hatte schon

vorher meinen Laden hier. Ich habe

ihn einfach wieder aufgebaut, ich

will mich nicht vertreiben lassen“,

erzählt er. Ein Kokosnuss-Verkäufer

öffnet im Laden nebenan

mit schnellen Hieben eine Frucht,

steckt einen Strohhalm hinein und

reicht sie einem Kunden. Zwei

Hütten weiter wirbt ein Telefon-

laden mit internationalen Verbindungen

und Internetanschluss.

„Klein-Indien“ ist wieder aufgetaucht,

ganz so wie das Festland

seinen „Smaragdgürtel im Ozean“

gerne sieht: ein Sammelsurium all

der Dinge, die den Subkontinent

auszeichnen, nur im Kleinformat.

Die besten Geschäfte macht derzeit

vielleicht der Fahrradhändler,

der neben erfindungsreich zusammengebastelten

Gebrauchträdern

auch neue Ware im Angebot hat:

„Jeder will ein Fahrrad“, erzählt er:

„Die ganze Insel legt jetzt Wert

auf Geschwindigkeit.“

Das tägliche

Leben

>> Reis, Linsen, ein wenig

Gemüse – das muss reichen.

Jeden Tag heißt es, lange für

die Essensrationen anstehen.

In den Camps gibt es gemeinsame

Kochstellen, in denen

familienweise Speisen zubereitet

werden. Wer keine Familie

mehr hat, versucht sich, irgendwo

dazuzugesellen. Wenn

Hilfsorganisationen nützliche

Utensilien wie Kochgeschirr,

Wasserbehälter oder Matten

verteilen, muss man schnell

sein. Privatsphäre gibt es kaum.

Das Leben in den Camps ist

ein öffentliches Leben.


eportage andamanen

2004

24 25

In den Camps

>> Unter blauen Zeltplanen

sitzen Ureinwohner und Festlandsinder,

die sich auf Klein-

Andaman ein neues Leben

aufgebaut haben. Regierung,

Kirche und NGOs verteilen

Lebensmittel, Medikamente

und Wasser. Vielen Menschen

ist der Schock ins Gesicht

geschrieben: Regungslos harren

sie aus, bis der Abend kommt.

Im Nirmala-Camp in Port Blair

werden in den ersten Wochen

nach dem Tsunami vier Kinder

geboren. Nina, 27, bringt

eine Tochter zur Welt. Ihren

Mann, den sie ein Jahr zuvor

geheiratet hatte, hat sie in

der Katastrophe verloren.


26 27

2004

Die Trinkwasserversorgung

stellte die

Hilfsorganisationen in

den ersten Wochen nach

der Flut vor eine schier

unlösbare Herausforderung

(m.l.). Heute

sprudelt das Wasser aus

zahlreichen Brunnen.

Wasser

>> In den Wochen nach dem

Seebeben stellt die Trinkwasserversorgung

die größte

Schwierigkeit dar. Wegen der

Lachen und Schlacken, die

das Meer zurück gelassen hat,

besteht akute Seuchengefahr.

Erste Fälle von Typhus und

Cholera tauchen auf. Zum

Kochen und Wäschewaschen

ist nie genug Wasser da.

Wasserholen ist Frauensache.

An den Ausgabeplätzen

kommt es oft zu Streit. Wer

einen kleinen Behälter hat,

bekommt wenig. Der Neid

auf den Besitz der anderen

ist groß. Er wird aus der

Verzweiflung geboren. ureinwohner

Früher gab es zwölf Stämme auf

den Andamanen. Heute sind es

noch vier und die Zahl ihre Mitglieder

schrumpft: 250 Jarawas,

100 Sentinelesen, 98 Onges und 51

Große Andamanesen leben noch.

Nach dem Tsunami flogen indische

Beamte mit Aufklärungshelikoptern

zur Insel Sentinel. Sie wurden mit

Pfeilen beschossen. Die Sentinelesen

sind das letzte Volk, das sich

erfolgreich gegen die Außenwelt

abschirmt und sein Leben so weiter

führt, wie es das seit Jahrtausenden

tut. Bei den Andamesen ist die

Lage anders: Ihre Annäherung an

die Zivilisation ist tödlich: Von 4000

Andamanesen im Jahr 1858 waren

1951 gerade noch 23 übrig. Nun,

durch Umsiedelungen und die

„Fürsorge“ indischer Sozialarbeiter

ist ihre Zahl wieder gestiegen. Zivilisationskrankheiten

wie Alkoholismus

haben längst Einzug gehalten.

Die Ureinwohner von Klein-Andaman,

die Onges, leben mittlerweile

unter Festlandsindern.

Durch das Gebiet der Jarawas führt

nun eine Straße. Zunächst beschossen

sie die Busse, die im Konvoi

durch ihren Dschungel fahren. Jetzt

fahren sie häufiger mit und betteln.

reportage andamanen

Rundhütten aus Lehm

und Kokosblättern: Nach

dem Tsunami haben

sich Nikobaresen ihre

traditionellen Häuser

wieder aufgebaut.

26 27


26 27

2004

Die Trinkwasserversorgung

stellte die

Hilfsorganisationen in

den ersten Wochen nach

der Flut vor eine schier

unlösbare Herausforderung

(m.l.). Heute

sprudelt das Wasser aus

zahlreichen Brunnen.

Wasser

>> In den Wochen nach dem

Seebeben stellt die Trinkwasserversorgung

die größte

Schwierigkeit dar. Wegen der

Lachen und Schlacken, die

das Meer zurück gelassen hat,

besteht akute Seuchengefahr.

Erste Fälle von Typhus und

Cholera tauchen auf. Zum

Kochen und Wäschewaschen

ist nie genug Wasser da.

Wasserholen ist Frauensache.

An den Ausgabeplätzen

kommt es oft zu Streit. Wer

einen kleinen Behälter hat,

bekommt wenig. Der Neid

auf den Besitz der anderen

ist groß. Er wird aus der

Verzweiflung geboren. ureinwohner

Früher gab es zwölf Stämme auf

den Andamanen. Heute sind es

noch vier und die Zahl ihre Mitglieder

schrumpft: 250 Jarawas,

100 Sentinelesen, 98 Onges und 51

Große Andamanesen leben noch.

Nach dem Tsunami flogen indische

Beamte mit Aufklärungshelikoptern

zur Insel Sentinel. Sie wurden mit

Pfeilen beschossen. Die Sentinelesen

sind das letzte Volk, das sich

erfolgreich gegen die Außenwelt

abschirmt und sein Leben so weiter

führt, wie es das seit Jahrtausenden

tut. Bei den Andamesen ist die

Lage anders: Ihre Annäherung an

die Zivilisation ist tödlich: Von 4000

Andamanesen im Jahr 1858 waren

1951 gerade noch 23 übrig. Nun,

durch Umsiedelungen und die

„Fürsorge“ indischer Sozialarbeiter

ist ihre Zahl wieder gestiegen. Zivilisationskrankheiten

wie Alkoholismus

haben längst Einzug gehalten.

Die Ureinwohner von Klein-Andaman,

die Onges, leben mittlerweile

unter Festlandsindern.

Durch das Gebiet der Jarawas führt

nun eine Straße. Zunächst beschossen

sie die Busse, die im Konvoi

durch ihren Dschungel fahren. Jetzt

fahren sie häufiger mit und betteln.

reportage andamanen

Rundhütten aus Lehm

und Kokosblättern: Nach

dem Tsunami haben

sich Nikobaresen ihre

traditionellen Häuser

wieder aufgebaut.

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glosse gerhard polt

>

30 31

glosse

Gerhard Polt

„Ich bin eine Zeit lang in

Altötting aufgewachsen,

was sehr günstig ist,

wenn man Komiker

werden will“, so Gerhard

Polt in einem Interview.

1942 in München

geboren, hat Polt Politikwissenschaft,

Geschichte,

Kunstgeschichte und

Skandinavistik studiert,

bevor er die Bühne für

sich entdeckte. Bekannt

wurde er durch seine

Sketchreihe „Fast wia im

richtigen Leben“, seine

Auftritte mit den

„Biermösl Blosn“ und

durch seine Filme.

BIN ICH FROH, DASS

ICH NICHT DABEI WAR, ALS …

… Helga I. den Rennfahrer

Raimund G., Teilnehmer

beim Rennen Paris–Dakar,

interviewte.

>> H.I. Ich möchte mich

ausdrücklich bei Ihrem Sponsor

bedanken, dass dieses Gespräch

möglich geworden ist.

R.G. Worum geht’s?

H.I. Ich hätte gedacht, Sie wüssten

bereits...!

R.G. Keine Ahnung! Die

Reifen?...

H.I. Nein, nein ... Afrika!

R.G. Afrika? ...

H.I. Nun ja, ...es ist doch das

dritte Mal, dass Sie Paris–Dakar ...

R.G. Ich liebe Afrika!

H.I. Ja??!!

R.G. Sicher! – Es wird von uns

alles verlangt. Allein der Staub!

Was wir hier in Afrika Staub

fressen! – Und die Hitze! – Aber

was tut man nicht alles!

H.I. Aber die zivilisatorische

Diskrepanz hat doch ...

R.G. ... vor allem Kilometer! –

Foto: Christoph A. Hellhake

Und jeder Kilometer hat’s in sich.

Man sieht ihn zwar nicht. Weil

man sich konzentrieren muss,

verstehen Sie! – Düne rauf, –

Düne runter, rein ins Wadi, ...

aber wie? Raus aus dem Wadi! –

Überall Hindernisse!

H.I. Hindernisse? Inwieweit...

R.G. Lebewesen meinen Sie?

Also Viecher! Gazellen, Kamele,

Watussi, – die Leute sind auch

wirklich verrückt. Es gibt immer

noch – also bei aller Begeisterung

für das Rennen, aber ohne

Büffelfänger! – Wenn es einen

Schlag tut, dann – also, ich rede

jetzt ausschließlich aus der Sicht

des Piloten ...

H.I. Aber gibt es nicht so was

wie Verantwortung?

R.G. Sie sind gut! – Man hört

doch nicht was man überquert! –

Dakar! Verstehen Sie! – Das Ziel

ist Dakar!

H.I. Aber es könnte doch sein,

dass Sie auch einmal einen

Zuschauer überfahren?

R.G. Ist diese Frage mit dem

Sponsor abgesprochen?

H.I. Ich weiß nicht ...?

R.G. Sehen Sie, – das Büffelgitter!

– Ja was glauben Sie, was da

manchmal alles drinhängt! Halb

Afrika! Ha ha! War nur ein

Scherz, tut mir leid, ich kann mir

schon denken, was Sie für Ihre

Zeitung wollen, aber ich bin Pilot!

Für mich ist Afrika eine Piste,

ich muss da durch – und zwar mit

high speed! – ich sag das ganz

neutral.

H.I. Sieht das der Sponsor auch

so?

R.G. Sicher doch, klar – und der

Fernsehzuschauer auch – eine

ganze Industrie! Im Klartext –

wenn einer Afrika als Kulturdings

sieht oder irgendwie politisch –

soll jeder machen wie er will. Ich

will nur durch!

H.I. Danke für Ihre Ausführungen.

R.G. Ach ja, ... geben Sie doch

bitte dem Sponsor das was ich

jetzt gesagt habe, nicht dass ich

was Falsches gesagt habe und

irgendwas Falsches drinsteht!

H.I. Geht in Ordnung!


ZUBEREITUNG

1 Stunde 30 Minuten

MARINIERZEIT

2 Stunden

PRO PORTION CA.

495 kcal

32 33

ZUTATEN

(für 4 Personen)

1 kg mageres Lammfleisch

2 EL Zitronensaft

Salz

2 Zwiebeln

4 Knoblauchzehen

70 g frischer Ingwer

6 EL Öl

2 TL Kreuzkümmel

2 TL edelsüßes

Paprikapulver

1 TL schwarzer Pfeffer

100 g Tomatenpüree

350 g Joghurt

LAMM-CURRY

1. Das Fleisch waschen und

mit Küchenpapier abtrocknen.

In 2–3 cm große Würfel

schneiden und mit dem

Zitronensaft und Salz einreiben.

2 Stunden zugedeckt im

Kühlschrank durchziehen lassen.

2. Zwiebeln, Knoblauchzehen

und Ingwer schälen und fein

schneiden. Das Öl in einer Pfanne

erhitzen und die Zwiebeln und

den Knoblauch darin 3 Minuten

bei mittlerer Hitze anbraten.

3. Die Fleischstücke und den

Kreuzkümmel dazugeben und

10–15 Minuten bei mittlerer

Hitze rundherum braun anbraten.

4. Ingwer, Paprikapulver,

Pfeffer und das Tomatenpüree

unterrühren und weitere

10 Minuten bei mittlerer Hitze

schmoren lassen.

5. Den Joghurt auf dem Curry

verteilen, ein paar Mal gut

durchrühren und zugedeckt

weitere 5 Minuten bei schwacher

Hitze kochen lassen.

Rezept und Fotos entnommen aus:

Sadhna Dhawan

INDIEN: Kochen und verwöhnen mit

Originalrezepten

Reihe: GU Länderreihe

168 Seiten, ca. 120 Farbfotos

Format 21 x 27 cm, Hardcover

19,90 € (D) / 20,50 € (A) / 34,90 sFr

ISBN 3-7742-6643-3

Fotos: Jörn Rynio

Die sahnig-würzige

Sauce macht dieses

Lamm-Curry zu einem

der bekanntesten und

beliebtesten Klassiker

der indischen Küche.

>> Ursprungsland des Pfeffers ist

Indien. Ein Land, das den

Menschen im Mittelalter so unglaublich

fern erschien, dass sie

unliebsame Zeitgenossen dahin verwünschten,

„wo der Pfeffer wächst“.

Damals wurde das Gewürz auf dem

Landweg mühsam von Indien nach

Europa gebracht. Dadurch wurde

Pfeffer so teuer, dass Händler ihn

mit Gold aufwogen. Nur reiche

Kaufleute, die „Pfeffersäcke“, konnten

sich das Gewürz leisten.

Heute kosten 100 Gramm schwarzer

Pfeffer auf dem Weltmarkt nur

noch etwa 1,70 Euro, denn die

Pfeffersträucher, die bis zu zehn

Meter hoch wachsen können, werden

auf Plantagen in Indien, Indonesien,

Vietnam und auch Brasilien

massenweise angebaut. Auf diesen

Feldern schießen die riesigen

Pflanzen an Seilen und Holzpfählen

empor. Sie blühen zwar das ganze

Jahr über, werden aber nur alle

sechs Monate geerntet.

Für den schwarzen Pfeffer mit seinem

brennend-scharfen Aroma

werden die unreifen Beeren gesammelt

und anschließend getrocknet.

Der weiße Pfeffer stammt zwar vom

selben Strauch, aber die Beeren reifen

erst, bevor sie nach der Ernte

geschält werden. Deshalb schmeckt

er etwas milder.

In Indien und anderen warmen

Regionen sind Pfeffer und andere

scharfe Gewürze seit jeher beliebt:

Je heißer das Essen, desto mehr

kühlender Schweiß tritt aus den

menschlichen Poren. Zudem regt

Pfeffer den Stoffwechsel an. So liegen

die Mahlzeiten bei großer Hitze

nicht so schwer im Magen.

pfeffer

Pfef|fer, der; -s, Plur.

(Sorten:) - (eine

Pflanze; Gewürz);

Pfeffer u. Salz;

schwarzer, weißer

Pfeffer

32 33


ERKÄLTUNG

OHNE GRENZEN

Besonders schnell und

praktisch – die

Taschentuch-Inhalation:

Dafür 2- bis 3-mal am Tag

5 Tropfen Eukalyptusöl

auf ein Stofftaschentuch

geben, unter die Nase

halten und tief ein- und

ausatmen. Zum Inhalieren

eignen sich auch Pfefferminzöl

oder Japanisches

Heilpflanzenöl.

>> Wir sind nicht allein. In allen

Ländern und zu allen Zeiten haben

Menschen unter Erkältungskrankheiten

gelitten und nach Mitteln

gegen die lästigen Beschwerden

gesucht. Was sie fanden, gaben sie

von Generation zu Generation weiter.

Viele dieser „exotischen“ Heilmethoden

wurden inzwischen wissenschaftlich

untersucht und einige

finden wir heute ganz selbstverständlich

in der Apotheke um die

Ecke. Die Echinacea etwa, eines der

beliebtesten Mittel zur Stimulierung

der Abwehrkräfte, stammt ursprünglich

aus Nordamerika. Seit

Jahrhunderten nutzen die Prärie-

Indianer die heilende Wirkung der

Wurzeln und Blätter bei Verletzungen

und fiebrigen Erkrankungen.

Dem Immunsystem Beine

machen

Für Medikamente ist kein Geld

da und Kranksein kann man sich in

Myanmar erst recht nicht leisten.

Tin Mi Aye Koch schwört daher auf

das gesunde Essen ihrer Heimat:

„Unsere Nahrung ist wie Medizin,

wir kochen viel mit Chili, Ingwer,

Kokosnuss und Knoblauch. Schon

die ganz kleinen Kinder essen

Chili, das stärkt das Immunsystem.

Statt Süßigkeiten knabbern sie

Kokosnuss, die jeder im Garten

hat.“ Besonders gesund leben auch

die indischen Yogis. Nicht nur,

weil sie bekömmlich essen, viel

meditieren und ihren Körper in

Form halten. Sondern auch, weil sie

sich im Rahmen einer Yoga-Übung

regelmäßig die Nase spülen. Das ist

nachahmenswert, denn „Nasenspüler“

leiden weniger unter Halsund

Rachenschmerzen und haben

seltener eine verstopfte Nase. Die

Nasenspülung ist so einfach anzuwenden,

dass auch Nicht-Yogis

damit Erkältungen vorbeugen und

akuten Schnupfen bekämpfen können.

Auch wer regelmäßig sauniert,

ist seltener erkältet. Das wissen

nicht nur die Finnen. Viele Völker,

darunter die Eskimos, die Indianer

und die Aborigines, nutzen seit

Urzeiten Schwitzbäder zur zeremoniellen

Reinigung und physischen

Gesunderhaltung. Inzwischen ist

erwiesen: Saunabesuche sind ein

gutes Training für Herz, Kreislauf

und Immunsystem.

Tee trinken und abwarten

Ein bis zwei Tassen Ingwertee

täglich empfiehlt Dr. med. Rainer

Nögel, Internist und Vizepräsident

der Internationalen Gesellschaft für

Traditionelle Chinesische Medizin,

um einem grippalen Infekt vorzubeugen.

Haben uns die Viren doch

erwischt, dann ist nach chinesischer

Auffassung „Wind“ in den Körper

eingedrungen, den man zunächst

am besten durch „wärmende“

Lebensmittel vertreibt: „Bei

Schüttelfrost, wässrigem Schnupfen

und Halskratzen hilft ein Tee aus

Frühlingszwiebeln und Ingwer,

gesüßt mit Honig. In der späteren

Phase einer Erkältung, wenn

Fieber, gelbes Nasensekret, Husten

und brennende Halsschmerzen auftreten,

sollte man den Hitzeprozessen

entgegenwirken. Sehr

gut ist dann eine Kombination aus

Rettich und Ingwer. Oder Birnenkompott

beziehungsweise Birnensaft

mit Honig.“ Auch die

Kräuterarzneien der Traditionellen

Chinesischen Medizin seien sehr

wirksam. Allerdings, warnt Dr.

Nögel, „sind diese nicht zur

Selbstmedikation geeignet und

sollten nur von einem spezialisierten

Arzt nach entsprechender Diagnose

verschrieben werden.“

Ein heißes Getränk und ab ins

Bett – das scheint in aller Welt ein

beliebtes Mittel gegen Erkältungs-

Symptome zu sein. Thalia Vega

Grimaldo aus Mexiko schwört auf

heißen Orangensaft mit Honig,

bevor sie schlafen geht. Um am

nächsten Tag wieder fit zu sein,

kocht man in Indien Kichererbsenmehl

mit Milch auf und

genießt das Ganze mit Zucker

gesüßt. In Russland trinkt man traditionell

schwarzen Tee mit Himbeer-„Warenje“,

einer Art Konfitüre,

und schwitzt sich dann unter

der warmen Decke so richtig aus.

Der Erkältung was husten

Was aber tun, wenn uns der

Husten plagt? Bewährt hat sich das

Mittelmeerkraut Thymian – nicht

nur als leckeres Gewürz in italienischen

Gerichten, sondern auch bei

der Bekämpfung von Husten und

bei Entzündungen der oberen

Atemwege. Aus dem Orient

kommt der Schwarzkümmel, der

nicht nur Husten, sondern „jede

Krankheit mit Ausnahme des

Todes“ heilt, wenn man dem

Propheten Mohammed Glauben

schenken will.

Die südafrikanischen Stämme

der Zulu, Basuto, Xhosa und Mfengi

setzen gegen Atemwegserkrankungen

traditionell den Wurzelsud

der Kapland-Pelargonie ein. Unter

dem Zulu-Namen „Umckaloabo“,

was in etwa „schwerer Husten“

bedeutet, ist der Extrakt nun in

Deutschland ein echter Verkaufsschlager

geworden. Das Mittel

wirkt bei Atemwegsinfektionen

und wird sogar als Ersatz für

Antibiotika gehandelt.

Endlich wieder tief durchatmen

– nichts wünscht man sich sehnlicher,

wenn die Nase so richtig dicht

ist. Abhilfe schafft des Koalas

Leibspeise, der Eukalyptus. Inhalationen

mit Eukalyptusöl machen

die verstopfte Nase frei und lösen

festsitzenden Schleim. Allround-

Talente sind auch die berühmten

Teebaumöle der Aborigines.

Sie kommt drei Tage, bleibt drei

Tage und geht drei Tage

Muss das so sein? Am schönsten

wäre es doch, die Erkältung ließe

sich schneller vertreiben. Grund zur

Hoffnung gibt die Akupunktur. Ihr

Einsatz soll die Dauer eines grippalen

Infekts verkürzen, auch die

Weltgesundheitsorganisation

(WHO) stuft Akupunktur als eine

wirksame Maßnahme gegen Erkältungskrankheiten

ein. Große

Erwartung weckt der „Indianische

Wasserdost“, den die nordamerika-

nischen Ureinwohner verwenden.

Untersuchungen zufolge lindert er

typische Erkältungsbeschwerden in

weniger als drei Tagen. Wasserdosthaltige

Arzneimittel gibt es in

der Apotheke.

So wertvoll viele Hausmittel

sein mögen, bei der Reise durch die

Kontinente trifft man auch auf

Behandlungsweisen, die sich nur

bedingt für unseren Alltag eignen.

Wer reibt sich schon gerne die

Beine von den Füßen bis zu den

Knien mit Hammelfett ein und

zieht darüber dicke Wollstrümpfe,

wie man es in Kirgisien tut? Auch

die Reinigungszeremonie, mit der

die Aborigines die Erkältungsgeister

vertreiben, lädt nicht zum

Nachmachen ein: der Kranke liegt

auf einem Holzgestell und wird

über einem qualmenden Feuer

Foto: StockFood/Deborah Ory

im vordergrund erkältung

Der Hals kratzt, die Nase trieft, der Kopf

brummt. Statistisch gesehen fängt sich jeder

Erwachsene pro Jahr mindestens zwei bis

drei grippale Infekte ein. Und weltweit gibt

es dagegen Heilmittel.

geräuchert. „Hausmittel“, egal, ob

pflanzlicher oder anderer Natur,

sind nicht immer harmlos. In

jedem Fall sollte man sich vor der

Verwendung gut informieren und

bei unklaren Beschwerden einen

Arzt zu Rate ziehen.

Wie schön, dass nun ein besonders

schmackhafter Hausmittel-

Klassiker seine Wirksamkeit bewiesen

hat. Amerikanische Wissenschaftler

fanden heraus, dass die

Inhaltsstoffe einer hausgemachten

Hühnersuppe die Aktivität der

weißen Blutkörperchen steigern

und Entzündungen in Nase, Hals

und Lunge mindern. Die heilende

Wirkung soll sowohl vom Huhn als

auch vom Gemüse und der Wärme

der Suppe ausgehen. Na dann:

Guten Appetit und gute

Besserung!


BAGAMOYO:

LEG DEIN HERZ

NIEDER

Wer von hier per Schiff auf die Insel

Sansibar übersetzen musste, hatte sein

Leben verwirkt. Der letzte Punkt der

berüchtigten Sklavenroute Afrikas hieß nicht

umsonst Bagamoyo, zu deutsch:

Leg dein Herz nieder. Heute leben in der

tansanischen Kleinstadt die Nachfahren von

Sklaven und Sklavenhaltern zusammen.

EINE REPORTAGE VON BARBARA BRUSTLEIN

MIT FOTOS VON JÖRG BÖTHLING

BAGAMOYO

reportage tansania

Von hier blickten die

Sklaven über das offene

Meer nach Sansibar.

Heute betreiben die

Nachkommen von

Sklaven und Sklavenhaltern

vor dem Hafen

von Bagamoyo regen

Fischfang.

36 37


eportage tansania

Wenn die Bäume von Bagamoyo

sprechen könnten, so würde es vor

Geschichten nur so rauschen. Geschichten

im Flüsterton, die davon

berichten, wie Menschen ihre Mitmenschen

zu Sklaven gemacht

haben. Wie diese Ausgemergelten,

Geschundenen und Kranken nach

einem endlosen Fußmarsch durch

unbarmherziges Land hierher nach

Bagamoyo kamen, dem zentralen

Rufina Philipo

„Ich habe es als

kleines Mädchen

gespürt: Meine

Familie muss eine

schreckliche

Vergangenheit

haben.“

Heute fließt das

Leben in Bagamoyo

ruhig dahin. Das

Sklaverei-Museum

erinnert mit Bildtafeln

an die schreckliche

Geschichte des

Hafenstädtchens.

Knotenpunkt des ostafrikanischen

Sklavenhandels. Unter den Bäumen

hier haben die Händler kurz Rast

gemacht, bevor sie ihre menschliche

Ware weitertrieben.

Von Schmerz, Ohnmacht, Leid

und Tod könnten die Bäume flüstern.

Aber auch von Heldengeschichten

erzählen. Ein Rauschen

würde einsetzen, wenn sie von den

„Freiheitsdörfern“ zu sprechen begännen.

Auch Rufina weiß eine

Geschichte darüber.

Rufina Philipo, 47, ist Krankenschwester.

Ihre Urgroßmutter

hatte nie das Glück, das man

eigentlich Normalität nennen

müsste: für ihrer Hände Arbeit

Lohn zu erhalten. „Sie war dabei

auf dem Feld zu arbeiten“, erzählt

Rufina, „als Männer kamen, sie

niederschlugen und gemeinsam

mit ihrem Kind wegschleppten.“

Das Mädchen war Rufinas Groß-

mutter. Ein endloser Marsch begann.

Ein Marsch ohne Schuhe, in

Ketten gelegt, angetrieben mit

Peitschenschlägen und Geschrei.

Kaum Pausen, Essen und Wasser.

Ein Alptraum, bei dem die

Schwächeren auf der Strecke blieben.

Auch Rufinas Urgroßmutter.

Verschleppt und versklavt:

Rufinas Urgroßmutter

„Ich kenne die Geschichten nur

aus den Erzählungen meiner

Mutter. Manchmal kamen ihr aber

die Tränen. Als kleines Mädchen

habe ich noch nichts verstanden.

Aber gespürt habe ich es doch:

Meine Familie muss eine schreckliche

Vergangenheit haben“, sagt die

Frau. Ihr Ehemann William, 48,

sitzt neben ihr. Er weiß, was es

seine Frau kostet, ihre Familiengeschichte

zu erzählen. Sich zu

erinnern, wie leicht ein freier

Mensch Opfer werden kann. Wie

andere ihn demütigen können, ihm

seine Freiheit rauben können, über

ihn bestimmen können, ihn quälen

und ausbeuten können. Rufinas

Großmutter schaffte es in das „Freiheitsdorf“,

später „Christliches

Dorf“ der Spiritaner zu fliehen.

Französische, deutsche, irische,

indische und andere Missionare

hatten dort einen Ort der

Sicherheit aufgebaut. Außerhalb

des abgezirkelten Areals konnte

man jederzeit wieder aufgegriffen,

in Ketten gelegt und weggeschafft

werden. Zumeist nach Sansibar, wo

unter der Herrschaft des Sultans ein

blühender Handel mit Gewürzen

bestand. Arbeitskräfte waren dort

ständig gefragt. Umso mehr noch,

wenn sie nichts kosteten.

Das ganze Wirtschaftssystem

basierte damals auf dem

Menschenhandel. Offiziell war die

Sklaverei zwar schon im Jahr 1873

abgeschafft worden, im Verborgenen

bestand sie allerdings bis ins

20. Jahrhundert weiter. Lange waren

die Kolonialmächte untereinander

uneinig, wie der Handel mit

der menschlichen Ware einzuschätzen

sei. So war noch auf der

Antisklaverei-Konferenz von Brüssel

im Jahr 1889/90 entschieden worden,

dass das Versklaven von

Menschen ab sofort widerrechtlich

sei. Wer aber schon Sklave sei, der

müsse es bleiben. Für Deutschostafrika

galt im Jahr 1905, dass Kinder

von Sklaven frei waren. Erst die

Briten konnten solchen Regelungen,

die auf der Gunst der späten

Geburt beruhten, ein Ende setzen.

Die andere Seite in Bagamoyo:

Nachfahren von Sklavenhändlern

Geschichten, wie die von

Rufinas Urgroßmutter, gibt es

viele in Bagamoyo. Sechzig bis

achtzig Prozent der 40 000

Einwohner der Hafenstadt haben

in irgendeiner Weise durch ihre

Vorfahren mit dem Sklavenhandel

zu tun. So auch Samahani M.

Kejeri, 60. Nur auf der anderen

Seite. „Wir hatten in unserer

Familie Sklaven“, erzählt der drahtige

Mann. „Jeder kennt mich hier.

Jeder kann meinen Namen schreiben“,

betont er. Kejeri ist hier in

Bagamoyo zu einer lokalen

Berühmtheit aufgestiegen. Es

kommen pro Jahr Tausende von

Besuchern in die Stadt, machen

einen Rundgang durch die vor

ihren Augen zerfallenden Kolonialgebäude

und schließen ihn

meistens auf der Missionsstation

mit dem bedeutenden Museum,

das die Geschichte des Sklavenhandels

in Bagamoyo doku-

mentiert, ab. Kejeri führt durch

das Museum. „Ausländische

Besucher sind oft geschockt, wenn

sie hören, dass es auch schwarze

Sklavenhändler gab“, sagt er. „Sie

denken, nur Araber hätten von

dem Menschenhandel profitiert.

Das stimmt aber nicht.“ In seiner

eignen Familie, erzählt Kejeri, sei

man aber freundschaftlich mit der

eingekauften Ware Mensch umgegangen.

„Unsere Sklaven waren für

mich wie Brüder“, erinnert er sich.

„Natürlich, sie waren immer da

und taten alles für uns und bekamen

keinen Lohn dafür, aber gut

behandelt, das wurden sie.“

An der Museumsaußenwand ist

ein Bild angebracht, das ganz ohne

Worte den Schrecken der Sklaverei

darstellt. Ein Mädchen, das weit

im Landesinneren an einem See

lebt. Fremde, die in das Dorf kommen,

die Bewohner niederprügeln

und verschleppen. Der lange

Marsch bis Bagamoyo. Hier gab es

zwei Möglichkeiten: die Überfahrt

nach Sansibar oder das

Friedensdorf, später das

„Christendorf“.

Sicherer, aber nicht ganz

einfacher Alltag: Das Leben im

Friedensdorf

„Bis 1893 haben die Missionare

dort etwa 2500 Sklaven befreit“,

sagt P. Johannes Henschel, 70. Bis

vor drei Jahren war er in Bagamoyo

und hat dort das Museum

der Missionsstation renoviert und

inhaltlich weiter aufgebaut. „Aus

den alten Dokumenten können wir

den Alltag in den Friedensdörfern

rekonstruieren. Dort herrschte

strenge mönchische Ordnung.

Kein Wunder, dass die Afrikaner

rebelliert haben. Und Erfolg hat-

reportage tansania

38 39


eportage tansania

Samahani Kejeri

„Ausländische

Besucher sind oft

geschockt, wenn

sie hören, dass es

auch schwarze

Sklavenhändler

gab.“

40 41

ten sie ja auch damit.“ In dem

1869 gegründeten Friedensdorf

begann der Tag für die Bewohner

um 5.45 Uhr mit dem Morgengebet

und dem anschließenden

Frühstück. Von 9 Uhr bis 12 Uhr

wurde gearbeitet, nach der Mittagspause

schloss sich um 14 Uhr

eine Lesung an, bis 17 Uhr hieß es

wieder arbeiten und erst nach dem

Abendgebet war der Tag zu Ende.

„Das gefiel vor allem den mittlerweile

gut ausgebildeten jungen

Erwachsenen nicht, und gerade

von dieser Elite, die die Missionare

herangezogen hatten, kam die

Revolte“, erklärt Pater Henschel

schmunzelnd. Geschlossen boykottierten

die Bewohner des Friedensdorfes

den Besuch des Sonntagsgottesdienstes

und erreichten

damit auch prompt ihre Forderungen:

Ein eigener Dorfrat wurde

geschaffen, eigene Geschäfte schossen

aus dem Boden, die Bewohner

bekamen einen angemessenen

Lohn für ihre Arbeit. „Man muss

sich in die damalige Zeit zurückversetzen.

Da war das natürlich

progressiv“, so Pater Henschel.

P. Gallus Marandu, 48, leitet

seit der Rückkehr von P. Henschel

nach Deutschland die Missionsstation

und das Museum und unterstützt

daneben den Gemeindepfarrer

bei seiner Arbeit. „Es ist

schon etwas Besonderes, unser

Bagamoyo. Wo sonst gibt es einen

Ort auf der Welt, in dem die

Nachfahren einer grauenhaften

Epoche miteinander leben und

arbeiten und um sie herum die

Gebäude – also die Erinnerungsstücke

dieser Epoche – zerfallen?“

Seine Missionsstation steht bei der

Bevölkerung in gutem Ruf, schließlich

war sie immer wieder Ort der

Zuflucht, wie etwa während des

Bushiri-Krieges, als sich 7000

Menschen dorthin flüchteten. Oder

während des ersten Weltkriegs, als

die Briten gegen die Abmachung

verstießen, den Krieg nicht auf die

Kolonien auszuweiten und Bagamoyo

beschossen.

Seit zehn Jahren nun ist Bagamoyo

auf der Liste der Orte, die

zum Weltkulturerbe erklärt werden

sollen. „Das wäre ein wichtiger

Schritt nach vorne für unsere Stadt,

die ja in sich ein wesentliches Monument,

ein Mahnmal ist“, sagt er.

Aufarbeitung der eigenen

Vergangenheit: Auch

Sklavenhandel gehört dazu

Die Menschen Tansanias, so

erklärt auch P. Henschel, beginnen

erst in jüngster Zeit, sich mit der

eigenen Vergangenheit auseinander

zu setzen. „Ein Grund dafür ist

wohl, dass Tansania seine 125 verschiedenen

Ethnien unter einen

Hut bringen musste. Dass das

gelungen ist, ist eine großartige

Leistung und war ein immenser

Kraftaufwand. Erst jetzt ist wohl

wieder die Kapazität da, die

Vergangenheit und damit auch

den Sklavenhandel aufzuarbeiten.“

Tag für Tag kommen bestens

vorbereitete Schülergruppen aus

ganz Tansania nach Bagamoyo.

Mit gespitzten Bleistiften und

geöffneten Notizblöcken hören sie

Rufinas Ehemann zu, der durch

die historischen Gebäude führt wie

etwa die Karawanserei, wo die

Sklavenhändler ihre Ruhepausen

einlegten. Im Museum treffen sie

auf Samahani Kejeri, den Nachfahren

eines Sklavenhändlers, nicht

weit entfernt arbeitet Rufina als

Krankenschwester im St.-Elisabeth-

Hospital, oder, wenn Not am

Mann ist, in den Krankenzimmern

der Missionsstation. Eine Studie

des Instituts für moderne Orientforschung

hat in einer Befragung

von 40 Frauen und Männern in

Bagamoyo das Ergebnis erbracht,

dass bei den Nachfahren von

Sklaven ein ausgeprägtes Bewusstsein

der eigenen Vergangenheit zu

finden sei. Bei den Nachfahren von

Sklavenhaltern ist die Verdrängung

der eigenen Historie häufiger

zu finden, zumindest aber eine

starke Zurückhaltung. Oft liegt

das auch an der Unsicherheit über

die eigene Herkunft. Bin ich das

Kind einer der Ehefrauen meines

Vaters oder einer seiner Konkubinen,

ist die Frage, die sich hier

häufig stellt. Und die so mancher

lieber unbeantwortet lässt.

Ein leichter Wind geht durch

die Straßen von Bagamoyo und

wirbelt vor der Boma, dem ehemaligen

Regierungssitz der Deutschen,

Staub auf. Ein paar Kinder

spielen davor Fußball. Junge Liebespaare

schlendern Arm in Arm

zum Meer und genießen den

romantischen Ausblick. Muslime

und Christen leben friedlich zusammen,

18 verschiedene Ethnien

kommen hier miteinander gut aus.

Genug Schreckliches hat Bagamoyo

bis ins 20. Jahrhundert hinein

ja auch schon gesehen. sklaverei

1800–1850 Sultan Seyyid Said

von Oman richtet sein mächtiges

Handelsimperium ein, das auch

Ostafrika einschließt. 1818 werden

auf der Insel Sansibar die Gewürznelke

und andere Gewürzpflanzen

eingeführt. Sie erreichen auf dem

Weltmarkt Höchstpreise. Für die

Arbeit auf den Farmen werden

immer mehr Sklaven gebraucht.

Von 1800 bis 1890 gibt es rund

695 000 Sklaven. Erst als um 1880

der Gewürzpreis fällt, verringert

sich ihre Zahl.

Zwischen 1858 bis 1880 dringen

englische, französische, belgische

und deutsche Entdecker in das

ostafrikanische Hinterland vor und

schüren so das Interesse der europäischen

Staaten an Ostafrika. Der

deutsche Kolonialist Karl Peters von

der „Deutschen Ostafrika-Gesellschaft“

schließt mit einheimischen

Herrschern „Schutzverträge“ ab.

1868 In Bagamoyo wird die erste

katholische Missionsstation auf

dem ostafrikanischen Festland

errichtet, mit dem „Christlichen

Freidorf“ für losgekaufte Sklaven.

1885 Bismarck erklärt die „Besitzungen“

von Karl Peters zu deutschen

Protektoraten. Die „Deutsche

Ostafrika-Gesellschaft“ erhält von

Kaiser Wilhelm II. einen „Schutzbrief“

für diese Erwerbungen.

1890 Der Helgoland-Vertrag steckt

die Einflusssphären zwischen

Deutschland und Großbritannien

ab. Tanganyika, Ruanda und

Burundi werden zur Kolonie

Deutsch-Ostafrika. Sansibar wird

britisches Protektorat mit dem

Sultan als formellem Staatsoberhaupt.

1888 Der Widerstand gegen die

deutsche Kolonialmacht wird niedergeschlagen

und das Gebiet von

Tanganyika vom Deutschen Kaiserreich

als Kolonie übernommen.

Bis 1907 Befreiungskriege der

Afrikaner werden durch brutale

Gewalt gebrochen.

1914–1918 Am 5. August 1914

wird in Ostafrika der Kriegszustand

erklärt. Die britische Großoffensive

beginnt im März 1916. Die deutschen

Truppen ziehen sich in den

Süden zurück und setzen bei ihren

Guerilla-Kämpfen vor allem afrikanische

Truppen ein. 1918 gibt Von

Lettow Vorbeck den Kampf auf.

1919 Alle deutschen Kolonien fallen

durch den Versailler Vertrag an

den Völkerbund.

1922 Tanganyika wird als Mandatsgebiet

des Völkerbundes England

übertragen. Im gleichen Jahr hebt

England in Ostafrika die Sklaverei

endgültig auf.

Die Vergangenheit darf

nicht in Vergessenheit

geraten. Die Missionsstation

von Pater Gallus

(Bild Mitte) bietet einen

historischen Anlaufpunkt

für Geschichtsinteressierte.

Mit einer Krankenstation,

einer Schule und der

Kirche steht sie aber auch

mitten im Alltagsleben.


Eine neue Welt

Foto: Günter Lüttich

Der Tag wird kommen

An dem Bäche zu Flüssen,

Flüsse zu Meeren,

Meere zu Ozeanen werden.

Der Tag wird kommen,

an dem die Sonne scheint,

der Mond leuchtet,

die Sterne funkeln.

Der Tag wird kommen,

an dem die Saat aufgeht,

Blätter ansetzt und

Früchte trägt.

Der Tag wird kommen,

an dem die Frucht aufbricht,

das neue Leben beginnt und wächst.

Der Tag wird kommen,

an dem es eine neue Welt gibt.

Dinbi Ongogo

momente der Stille

42 43


im dialog

>

impressum

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Das Magazin des Internationalen

Katholischen Missionswerk

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(2.v.r.) berichtet alle zwei Monate

aus Afrika, Asien und Ozeanien.

Wir wollen ganz nah am Menschen

sein und Ihnen in Reportagen,

Hintergrundberichten, Interviews

ein spannendes Thema nahe bringen.

Gemeinsam mit unseren Foto-

grafen berichten wir vor Ort über

Entwicklungen, Hoffnungen, Ziele,

aber auch Rückschläge und

Konflikte in den Ländern unserer

Partner und schildern Ihnen deren

Arbeit und Einsatz. Unsere Artdirektorin

und Grafikerin Petra

Kuchenbecker (2.v.l.) gibt unserem

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missio spendenprojekt

Die Furcht vor dem Meer –

sie verfolgt Sunil immer noch.

Die Welle nahm dem

Siebenjährigen so vieles: das

Fischerboot seiner Familie,

sein Elternhaus und seinen

Vater. Das Meer stürzte sich

auf die Insel Klein-Andaman

und verschlang alles. Noch

jetzt wacht Sunil nachts oft

schweißnass auf. Seine Mutter

nimmt ihn in die Arme und

tröstet ihn. Aber manchmal

findet auch sie keine Worte.

Worte finden für das

Unfassbare – das ist für viele

Überlebende das Schwerste.

„Die Menschen würden am

liebsten totschweigen, was

passiert ist. Aber man kann

die Erinnerung nicht auslöschen“,

sagt Schwester Agnes

Babasherry, 43. Mit Freiwilligen

reist sie von Dorf zu

Dorf. Sie hilft bei praktischen

Dingen: ein neues Geschäft zu

gründen, einen Job zu finden,

sauberes Wasser zu bekommen.

Und sie lässt die

Menschen vom Schrecken erzählen.

Traumatherapie heißt

das. Ein Wort, das man dort

bislang nicht kannte. „Ich versuche,

den Opfern eine

Stimme zu geben. Die ganze

Welt hat uns enorm unterstützt.

Aber unsere Arbeit

muss weitergehen. Bitte helfen

Sie uns!“

„Ich habe die Flut überlebt.

Aber wie kann ich ohne Angst leben?“

Bei ihren Rundgängen durch die Dörfer

hat Schwester Agnes für jeden ein

offenes Ohr (links). Die Menschen

wissen, dass die Kirche von der ersten

Sekunde an für sie da war. Und dass sie

auch dann bleibt, wenn alle anderen

gehen. Die Erinnerungen an das Chaos

nach der Katastrophe sind auch bei den

Kindern noch nicht verblasst (rechts).

Spendenbestätigung

für das Finanzamt

(gilt bis zu 100,- € als Spendenbeleg)

1. Der auf diesem Beleg angegebene

Betrag wurde der Körperschaft des

öffentlichen Rechts, Missio

– Internationales Katholisches

Missionswerk – Ludwig Missionsverein

München zugewendet.

2. Laut Min.BI.Fin. 1949/50, Seite 5,

fördert Missio München gemeinnützige,

religiöse, mildtätige und

wissenschaftliche Zwecke in den

Missionsgebieten.

3. Wir bestätigen, dass wir den uns

zugesandten Betrag nur den

satzungsgemäßen Zwecken entsprechend

verwenden werden.

Peter, 24 (Mitte), hat zwei Tage nach Weihnachten

2004 seine ganze Familie verloren. „Ich bin jetzt

alleine auf der Welt. Nur eines macht mir Mut: Ich

kann anderen helfen.“ Er hat mit Shanti, 21 (links),

Salome, 19 (rechts), und vielen anderen eine Ausbildung

bei Schwester Agnes abgeschlossen. Die

Freiwilligen haben gelernt, den Tsunami-Opfern zur

Seite zu stehen. Sie radeln von Dorf zu Dorf und

nehmen sich der Menschen an. Da, wo der Tsunami

Gemeinschaften zerstört hat, versuchen sie, die

Menschen wieder zusammenzubringen und etwas

aufzubauen. „Wenn wir aus dem Nichts eine

Schweinezucht gründen, so gibt das allen Kraft zum

Weitermachen“, sagt Shanti.

Pater Eric Englert OSA, Präsident

Internationales Katholisches Missionswerk

Pettenkoferstr. 26–28, 80336 München

„Sie haben uns in der größten

Not nicht alleine gelassen. Ihre Unterstützung

macht uns Mut. Danke!“


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Die Einzugsermächtigung kann ich ohne jede Frist zurückrufen.

Dazu muss ich Missio München nur kurz informieren.

PLZ/Ort

Straße und Hausnummer

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Deshalb trage ich ab sofort regelmäßig durch meine Spende dazu

bei. Ziehen Sie den folgenden Betrag monatlich bis auf Widerruf

von meinem Konto ein:

Sparkasse, Bank, Postbank

Bankleitzahl

Ja, ich werde helfen, das Trauma

durch den Tsunami zu überwinden.

Mein Girokonto

hat die Nummer

52301

Schwester Kiran Kiro, 58

(oben), war in der Kirche, als

die Flutwelle über Klein-

Andaman hereinbrach. Gemeinsam

mit den Gläubigen

rannte sie um ihr Leben. Bis

Hilfe kam, teilte die Ordensfrau

ihre wenigen Vorräte

mit den anderen Opfern.

Pater Pritam Toppo, 41,

den Gemeindepfarrer von

Hutbay, sah man in den

Wochen nach der Flut pausenlos

Wasser schleppen, Trümmer

beseitigen, Essen verteilen.

Nun ist er nicht mehr auf

Klein-Andaman. Er hat sich

in den Norden versetzen lassen.

„Ich hatte unerträgliche

Alpträume“, sagt er. Das

Trauma sitzt bei den Opfern

tief. Es zu überwinden, ist eine

große Herausforderung an die

Kirche.

Schwester Kiran

„Seit dem Tsunami

ist viel Gutes

geschehen. Dank

Ihrer Hilfe finden

die Menschen in ihr

normales Leben

zurück. Noch ist ein

gutes Stück Weg

zu gehen. Bitte

begleiten Sie uns

weiter!“

MENSCHEN, KIRCHE, KONTINENTE

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