Typologie und Stress 10 - Esperanza, Beratung, Training, Coaching

esperanzateam

Typologie und Stress 10 - Esperanza, Beratung, Training, Coaching

Typologie und Stress

Stress

Die Stressreaktion ist die Antwort unseres Körpers auf ein Stressereignis und setzt

sich aus vielfältigen Kombinationen von Reaktionen auf physiologisch-hormoneller,

muskulärer, emotionaler und kognitiver Ebene zusammen. Stress fordert unseren

Körper heraus. Entweder werden die Situationen bewältigt oder gemeistert oder

der Körper wird vom Stress besiegt. Wir können den Stress als Lebenselixier oder

Sargnagel wahrnehmen – auf den Blickwinkel kommt es an. In einer akuten Stress-

Situation haben Sie Stress! Sie können Stress leicht bewältigen. Bei chronischem

Stress hat der Stress Sie! Dauert der Stress zu lange an, so werden die immer

wieder anflutenden Stresshormone zu einer enormen Gefahr für unsere geistige,

körperliche und emotionale Integrität.

Stress kann jeden treffen, in jedem Alter. Die traurigen Fakten:

Die Folgeerkrankungen von Stress können von Nervosität, Aggressionen, Schlafstörungen bis zu schweren

Folgeerkrankungen wie Depressionen, Magen- und Rückenschmerzen sowie dem Burn-Out-Syndrom variieren

und in der Intensität sehr unterschiedlich sein. Die gute Nachricht: Stressfolgen können vermieden werden.

Das bedeutet, dass ein frühzeitiges Erkennen der Symptome, ein adäquater Umgang mit Stress, das

Anwenden von Stressbewältigungsstrategien und präventive Maßnahmen von großer Bedeutung sind. Dann

rechtzeitig erkannt, sind Folgeerkrankungen vermeidbar.

Eine Grundvoraussetzung ist die Bereitschaft der Selbstreflexion. Nur wer bereit ist, in sich hinein zu hören und

das momentane Handeln und die aktuelle Befindlichkeit wahrzunehmen, kann Stresssymptome bemerken und

Handlungsschritte einleiten.

Das häufigste Argument ist „Ich habe aber keine Zeit mich auszuruhen, etwas anderes

zu tun, meine Situation zu betrachten, etwas zu verändern etc“. Fragen Sie sich an

dieser Stelle, was es Ihnen wert ist, sich die Zeit zu nehmen und was passieren wird,

sollten Sie nicht auf die Rückmeldung ihres Körpers reagieren.

Nur wenn Sie gesund sind, können Sie als MitarbeiterIn zur Wertschöpfung und

Profitabilität des eigenen „inneren Unternehmens“ und des Unternehmens, in dem Sie

arbeiten, beitragen.

Die Persönlichkeitstypologie spielt eine große Rolle dabei, sich selbst und andere

besser verstehen zu können, um zukünftig besser mit Stress und sich selbst

umzugehen. Stress und Burn-Out haben große Auswirkungen auf die Produktivität und

Motivation in Organisationen und Unternehmen. Stress ist daher nicht nur ein

Problem einzelner MitarbeiterInnen, sondern auch des Unternehmens.

1


Typologie und Stress

Bioklimatische Faktoren in Unternehmen, die Stress erzeugen –

für eine Abteilung und den Einzelnen

� divergierende oder mehrdeutige Ziele

� unklare oder unausgesprochene Erwartungen

� ungenügende Erfolgskriterien

� fehlende Einfluss- oder Entscheidungsmöglichkeiten bei gestiegener Verantwortung

� zu viele Aufgaben

� Aktivitäten anstatt Aufgaben (operative Hektik)

� ungenügende Autonomie der Arbeitsplatzgestaltung

� Kommunikationsüberflutung (Mails, Con-Calls, mobiles Telefon, Meetings, Video-Konferenzen,

Fremdsprachen)

� Zeitprobleme (Jetlag, häufiges Reisen)

� kein selbst bestimmter Umgang mit der eigenen Zeit – Faktor Fremdbestimmung

� fehlendes Vertrauen – gegenüber der Führungsperson und den KollegInnen

� mangelnder Respekt

� ungenügende Anerkennung

� kein oder kein ausreichendes Feedback zu eigenen Arbeitsergebnissen

� kulturelle oder sprachliche Unterschiede

� Orientierungslosigkeit in Umbruchphasen

� Rollenkonflikte oder Rollenunsicherheit

� Trennung von der Familie durch zweiten Wohnsitz oder häufige Reisen

� Angst

� Kränkung

� Mobbing

� Desinformation

2


Typologie und Stress

Typologie und Stress

Unsere Präferenzen sorgen dafür, dass uns bestimmte Aufgaben, Vorgehens- und Denkweisen besonders

leicht fallen.

Anforderungen, die weniger unseren Präferenzen entsprechen, bedeuten zuerst einmal eine Herausforderung.

Diese Herausforderungen, die Fähigkeiten und Kompetenzen von uns fordern, die nicht in unserer

Persönlichkeit liegen, befähigen uns dazu, etwas Neues dazu zu lernen. Oft handelt es sich um die Ressourcen

von Präferenzen, die nicht zu unserem Persönlichkeitsprofil gehören.

Prinzipiell ist jeder dazu in der Lage, etwas „von der anderen Seite“ zu

lernen. Gerade im beruflichen Kontext müssen wir uns solche Fähigkeiten

aneignen. Dies tun wir oft so gut, dass für Außenstehende nicht ersichtlich

ist, dass diese Art der Wahrnehmung, des Handelns, der

Entscheidungsfindung oder der Selbstorganisation nicht zu unseren

ursprünglichen Ressourcen gehört und uns durchaus Energie kostet.

Kostet uns das zu viel Energie oder müssen wir uns in zu hohem Maße

außerhalb unserer Präferenzen bewegen, geraten wir in Stress.

Wie dies vor sich geht, wie sich Stress auf uns auswirkt und wie wir es

schaffen, aus solchen Stresssituationen zurück in die Energie zu kommen,

lässt sich über die Typologie erklären und darstellen.

Um Stressreaktionen verstehen zu können und entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können, ist es

hilfreich zu wissen, welche Bedeutung die einzelnen Buchstaben Ihres Persönlichkeitsprofils haben.

Die vier Buchstaben sagen etwas über die Persönlichkeitsdynamik aus und stehen in einer Wechselbeziehung

miteinander.

Die psychischen Funktionen

Die beiden mittleren Buchstaben, die sogenannten „psychischen Funktionen“, bilden den Kern unserer

bewussten Persönlichkeit. Jeder hat eine bevorzugte Funktion, mit der er wahrnimmt und Informationen

verarbeitet und eine bevorzugte Funktion, mit der er diese Wahrnehmungen beurteilt und Entscheidungen

trifft.

Durch die möglichen Kombinationen der Präferenzen ergeben sich vier mögliche „Kern-Persönlichkeiten“.

Dieses Schema mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, dahinter steckt jedoch eine komplexe Dynamik:

3


Typologie und Stress

Die psychischen Funktionen

Teamrolle:

Bevorzugte

Arbeitsweise:

Eigenschaften:

Konzentration auf:

Bestreben:

Zeitorientierung:

Bevorzugte Rahmenbedingungen

„Typische“

Berufsfelder

Aufgabenorientierter

Umsetzer

ST SF NF NT

praktisch, kurz und

bündig

effizient und

datenorientiert

Sequenzielle

Analyse von

Ursache und

Wirkung

Beständigkeit,

Verantwortlichkeit,

Kontrolle

Vergangenheit,

Gegenwart

hierarchisch,

vorhersagbar,

stabil

Industrie, Militär,

Verwaltung,

Bankwesen

Beziehung- und

aufgabenorientierter

Teamplayer

persönlich, sozial

freundlich und

serviceorientiert

Aktuelle

Bedürfnisse und

Aufgaben

Zugehörigkeit,

Unterstützung,

persönliche

Interaktion

Unmittelbare

Vergangenheit,

Gegenwart

freundschaftlich,

traditionell,

zugehörig

Gesundheitswesen,

Dienstleistung,

Sekretariat

4

Beziehungs- und

prozessorientierter

Idealist

idealistisch,

verständnisvoll

kreativ und

wachstumsorientiert

Beziehungen,

Werte, allgemeine

Bedürfnisse

Entwicklung,

Wachstum, Sinn

Gegenwart und vor

allem Zukunft

kollegial,

dynamisch,

idealistisch

Kommunikation,

Kunst, Psychologie,

Vertrieb

Ergebnis- und

zielorientierter

Stratege

theoretisch,

komplex, kritisch

effizient und

wettbewerbsorientiert

Zusammenhänge

zwischen Theorien

und Strukturen

Rationalität,

Gelegenheit,

langfristige

Visionen

Zukunft

unternehmerisch

kompetent,

leistungsbezogen

Management,

Wissenschaft,

Beratung


Typologie und Stress

Die Bedeutung der einzelnen Buchstaben

Im Folgenden erfahren Sie, was es mit den einzelnen Buchstaben auf sich hat.

1. Die dominante Funktion

Obwohl ja zwei Funktionen sich auf unsere Wahrnehmung und unsere Entscheidungen auswirken, ist eine der

beiden Funktionen in ihrem Zusammenwirken die dominantere. Auf diese Funktion verlassen Sie sich eher,

haben mehr Vertrauen, sie wird meistens bevorzugt. Diese Funktion also, die wir hauptsächlich einsetzen, ist

die dominante Funktion (Hauptfunktion).

2. Die sekundäre Funktion

Die Funktion, die übrig bleibt, spielt nur eine unterstützende bzw. sekundäre Rolle. Aus diesem Grund wird sie

als sekundäre Funktion (Hilfsfunktion) bezeichnet. Die sekundäre Funktion ergänzt unsere dominante

Funktion und ordnet sich dieser unter.

Wenn wir uns aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachten, erkennen wir freilich, dass wir nicht nur als ST,

SF, NT oder NP existieren. Beide Endpunkte jeder Skala sind in uns vorhanden. Eine Typeneinschätzung dient

ausschließlich dazu, unsere Präferenzen zu entdecken; nichtsdestotrotz gibt es in jeder und jedem von uns

auch die jeweils entgegengesetzte Seite. Daher sind alle vier Dimensionen in unserer Persönlichkeit zu Hause;

welche Rolle welche Dimension spielt, hängt von unseren Präferenzen ab.

Der erste und der letzte Buchstabe

Diese beiden Buchstaben lassen sich in der Regel recht leicht identifizieren und bezeichnen unsere

Einstellungen und stehen für unsere „Kern-Persönlichkeit“.

Der erste Buchstabe des Typencodes ist immer E � � � (Extraversion: Präferenz für die Außenwelt) oder

I � � � (Introversion: Präferenz für die Innenwelt der Gedanken und Ideen).

Der letzte Buchstabe ist � � � J oder � � � P und steht für die Präferenz, die wir gegenüber der Außenwelt

einnehmen: Mit � � � J beurteilen wir und bevorzugen abschließende Ergebnisse, mit � � � P nehmen wir

wahr und bevorzugen Offenheit.

Unterscheidung E und I

Ein I-Typ benutzt seine dominante Funktion in der Innenwelt, die sekundäre in der Außenwelt; der E- Typ

benutzt dagegen seine dominante Funktion in der Außenwelt, die sekundäre in der Innenwelt.

Stellen Sie sich vor, ein Unternehmer besitzt zwei Firmen:

In der introvertierten Firma trifft der Unternehmer (dominante Funktion) seine effektiven Entscheidungen von

seinem Büro aus und lässt seinen Assistenten (sekundäre Funktion) alle weiteren Angelegenheiten des

Unternehmens nach außen regeln und mit seinen MitarbeiterInnen Kontakt halten.

In der extravertierten Firma ist der Assistent (sekundäre Funktion) für Verwaltungsangelegenheiten zuständig

und der Unternehmer (dominante Funktion) läuft durch das Firmengebäude, tritt mit den MitarbeiterInnen in

Kontakt und regelt die Dinge vor Ort und ist damit hoch erfolgreich.

5


Typologie und Stress

Zur Bestimmung der dominanten Funktion ist der letzte Buchstabe Ihres Persönlichkeitsprofils wichtig. Der

letzte Buchstabe zeigt auf, ob Sie eine beurteilende (T/F) oder wahrnehmende (S/N) Einstellung zur Außenwelt

bevorzugen.

J – bedeutet Strukturorientierung und gibt einen Hinweis auf die Vorliebe für Entscheidungsverhalten T oder F.

P – steht für die wahrnehmende Präferenz S oder N.

Extravertierte Menschen

Extravertierte Menschen gelten als leicht kennen zu lernen. Sie haben ein hohes Mitteilungsbedürfnis und

teilen ihre Gedankengänge anderen mit.

Der vierte Buchstabe im Typenindikator eines Extravertierten gibt Aufschluss über seine dominante Funktion:

Handelt es sich um einen E � � P, ist die Wahrnehmung (entweder Sinne oder Intuition) die dominante Funktion.

So ist z. B. die dominante Funktion eines ESTP die Sinneswahrnehmung (S), die eines ENFP die Intuition

(N). Ein E � � P findet seine dominante Funktion also an zweiter Stelle im Buchstaben-Code. Die dominante

Funktion eines ESTP ist die Sinneswahrnehmung (S), die sekundäre Funktion das analytische Beurteilen (T).

Beim ENFP ist die Intuition (N) dominant, während die wertorientierte Beurteilung (F) den Platz der

sekundären Funktion einnimmt.

Im Gegensatz dazu ist bei einem E � � J die Beurteilungsfunktion dominant. Ein E � � J findet seine

dominante Funktion an dritter Stelle im Buchstaben-Code. So ist beispielsweise bei einem ESFJ die

wertorientierte Beurteilung (F) die dominante Funktion und S ist seine sekundäre Funktion. Bei einem ENTJ ist

T dominant und N sekundär.

Die Regel:

Bei einem extravertierten Menschen weist der vierte und letzte Buchstabe auf die dominante

Funktion hin.

Die dominante Funktion eines E P steht an zweiter Stelle im Code. Die dominante Funktion

eines E J steht an dritter Stelle im Code.

Introvertierte Menschen

Introvertierte Menschen richtig kennen zu lernen ist nicht so leicht. Sie wirken eher zurückhaltend und

behalten ihre Gedanken und Gefühle gern für sich. Sie zeigen das Zweitbeste nach außen und behalten das

Beste ihrer Innenwelt vor, in der sie sich im Allgemeinen wohler fühlen.

Im Typenindikator eines Introvertierten bezeichnet der letzte Buchstabe nicht die dominante, sondern die

sekundäre Funktion (den Assistenten). Bei einem I � � P ist die Entscheidungsfunktion dominant, während

die Wahrnehmung die Rolle der sekundären Funktion einnimmt. So ist bei einem ISFP die wertorientierte

Beurteilung (F) die dominante Funktion, während die sinnesbetonte Wahrnehmung (S) die sekundäre Funktion

darstellt. Entsprechend wirkt bei einem ISTP das analytische Entscheiden (T) dominant und die sinnesbetonte

Wahrnehmung (S) unterstützend. Ein I � � P findet also an dritter Stelle im Code seine wichtigste, dominante

Funktion.

Bei einem I � � J ist die Wahrnehmungsfunktion dominant und die Entscheidungsfunktion sekundär. Bei

einem ISTJ ist z. B. die sinnesbetonte Wahrnehmung (S) die dominante Funktion und die analytische

Beurteilung (T) die sekundäre Funktion. Ein I � � J findet seine dominante Funktion darum an zweiter Stelle

im Code.

Die Regel:

Bei einem introvertierten Menschen weist der vierte und letzte Buchstabe auf die sekundäre

Funktion hin.

Die sekundäre Funktion eines I � � P steht an zweiter Stelle im Code. Die sekundäre Funktion eines I

� � J steht an dritter Stelle im Code.

6


Typologie und Stress

Die tertiäre und die inferiore Funktion

Neben der dominanten und der sekundären Funktion gibt es zwei weitere Funktionen.

Die zwei weiteren Funktionen sind quasi „unsichtbar“ vervollständigen jedoch unsere Persönlichkeit.

Diese Funktionen stellen besonders in der zweiten Lebenshälfte die Herausforderung für persönliches

Wachsen und Reifen dar. Wenn man sie sich noch nicht bewusst gemacht hat, sorgen sie für die Stolpersteine

im Alltag. Sie machen uns am meisten Ärger und immer wieder zu schaffen, besonders wenn andere

Menschen an diese Seiten in uns rühren. Um welche Funktionen handelt es sich da? Die dritte oder tertiäre

Funktion ist der Gegenpol zur sekundären Funktion; die vierte oder auch inferiore Funktion bildet den

Gegenpol zu unserer dominanten Funktion. Die tertiäre Funktion wird auch als Coaching-Funktion und die

inferiore als Risiko-Funktion bezeichnet (Sie finden diese Bezeichnungen auch ab 2007 in Ihrem JPP-Report)

Ein Beispiel: Bei einem ESTP ist die sinnesbetonte Wahrnehmung (S)

die dominante Funktion und die analytische Beurteilung (T) die sekundäre Funktion; der Gegenpol der

sekundären Funktion, die wertorientierte Beurteilung (F), wird zur tertiären Funktion, während die Intuition

(N) als Gegenpol zur dominanten Funktion die inferiore Funktion darstellt. Alle vier Dimensionen sind in

unserer Persönlichkeit vorhanden. Wir zeigen zwar ausgeprägte Präferenzen für zwei dieser Funktionen, doch

auch die beiden anderen spielen eine Rolle in unserer Gesamtpersönlichkeit.

Die folgende Übersichtstabelle zeigt Ihnen die vier Funktionen aller 16 Typen.

7


Typologie und Stress

Die Ordnung der Präferenzen

ISTJ

S = dominant

T = sekundär

F = tertiär

N = inferior

ISTP

T = dominant

S = sekundär

N = tertiär

F = inferior

ESTP

S = dominant

T = sekundär

F = tertiär

N = inferior

ESTJ

T = dominant

S = sekundär

N = tertiär

F = inferior

ISFJ

S = dominant

F = sekundär

T = tertiär

N = inferior

ISFP

F = dominant

S = sekundär

N = tertiär

T = inferior

ESFP

S = dominant

F = sekundär

T = tertiär

N = inferior

ESFJ

F = dominant

S = sekundär

N = tertiär

T = inferior

8

INFJ

N = dominant

F = sekundär

T = tertiär

S = inferior

INFP

F = dominant

N = sekundär

S = tertiär

T = inferior

ENFP

N = dominant

F = sekundär

T = tertiär

S = inferior

ENFJ

F = dominant

N = sekundär

S = tertiär

T = inferior

INTJ

N = dominant

T = sekundär

F = tertiär

S = inferior

INTP

T = dominant

N = sekundär

S = tertiär

F = inferior

ENTP

N = dominant

T = sekundär

F = tertiär

S = inferior

ENTJ

T = dominant

N = sekundär

S = tertiär

F = inferior


Typologie und Stress

Stressreaktionen

Befinden wir uns im Stress, fallen wir häufig in unsere inferiore, manchmal auch tertiäre Funktion.

In einer solchen Situation haben wir oft den Eindruck wir stünden neben uns, fühlen uns nicht wie wir selbst

und nehmen Reaktionen und Handlungsweisen an uns wahr, die wir so von uns nicht kennen.

Ein Persönlichkeitstyp mit dominantem T (analytische Beurteilung) z.B. erfährt unter Stress F (wertorientierte

Beurteilung) als inferiore Funktion. Werden T-Typen von ihrer inferioren Funktion (also F) bestimmt, äußert

sich das oft in einem undifferenzierten Umgang mit persönlichen Werten, eventuell werden sie von Gefühlen

überschwemmt und spüren Kontrollverlust.

F-Typen, die von ihrer inferioren Funktion (T) bestimmt werden, wirken unter Stress entweder herrisch, kalt

oder verletzend oder sind sich selbst Angeklagter und Scharfrichter in einer Person.

Intuition (N), die inferiore Funktion eines S-Typen (sinnesbetonte Wahrnehmung) äußert sich z. B. in dunklen,

pessimistischen Ahnungen oder sie haben den Eindruck, dass sie den festen Boden unter den Füßen verlieren,

wenn zu viele Optionen in der Außenwelt auftauchen.

Wenn die sinnesbetonte Wahrnehmung (S), die inferiore Funktion eines intuitiv dominierten Menschen (N),

greift, verliert sich der Mensch entweder in den Details, kann sich nicht mehr an wichtige Details erinnern

oder verliert das Gespür für die Bedürfnisse des eigenen Körpers.

Was uns an anderen irritiert

Häufig fällt es uns am schwersten, die Menschen zu verstehen, deren dominante Funktion mit

unserer inferioren Funktion identisch ist.

So denken z.B. diejenigen, deren sinnesbetonte Wahrnehmung (S) dominiert, dass Theorien, genaue

Zukunftsplanungen und das Bewusstsein für größere Zusammenhänge nicht so wichtig sind,

während intuitiv dominierte Typen (N) der Ansicht sind, dass die Konzentration auf das Hier und

Jetzt dazu fuhrt, dass man sich festfährt und in Einzelheiten verliert.

Analytisch urteilenden T-Typen betrachten die wertedominierten F- Typen als zu nett und weich,

während diejenigen, deren dominante Funktion die wertorientierte Wahrnehmung (F) darstellt, sich

über die Distanziertheit der T-Typen ärgern und ihr Verhalten bisweilen als herzlos empfinden.

Die Tatsache, dass wir andere manchmal nicht verstehen können, z.B. unsere Argumente bei

unserem Gegenüber scheinbar nicht ankommen oder wir für unsere Entscheidungen gerade keine

logischen Argumente liefern können, es aber von unserem Gesprächspartner eingefordert wird,

führt gerade in der Zusammenarbeit immer wieder zu Spannungen und letztendlich auch zu

individuellem Stress.

9


Typologie und Stress

Im Griff der inferioren Funktion

S=dominant – N=inferior

� Katastrophenängste, Weltuntergansstimmung

� Verhängnis und Verderben überall

� Kein Ausweg, keine Hoffnung

N=dominant – S=inferior

� Stur um irrelevante Daten und „Kleingedrucktes“ besorgt

� Detailversessen

� Maßlosigkeit; zu viel essen und trinken, übermäßig Sport

T=dominant – F=inferior

� Unangemessene, oft unkontrollierte Emotionen

� Oft hyperaktiv

� Gefühle von Wertlosigkeit und Schuld

� Nehmen alles persönlich

� Fühlen sich ungeliebt

F=dominant – T=inferior

� Suche nach Schuldigen

� Harsche Kritik und Vorwürfe

� Überkritisch

� Bestimmend, teils autoritär

10


Typologie und Stress

Stresssymptome

Entscheiden

aufgrund von

Analyse (T)

objektiv

Bei kontrollierbarem

Stress

Klammert sich an

konkrete Tatsachen,

Prinzipien, wird kantig,

unnahbar, beharrt auf

Logik, Widerstand gegen

Veränderung, wird

haargenau, Befürchtung,

von anderen als unfähig

angesehen zu werden.

Bei kontrollierbarem

Stress

Wirk sehr entschieden,

sucht Synthesen, versucht

alles in die

Gesamtansicht

hineinzuzwingen,

delegiert mehr und mehr

Verantwortung, verlangt

auf alles eine Antwort,

laut, schnell und

fordernd, wird intolerant.

Wahrnehmen über die

fünf Sinne (S)

Wahrnehmen über die

Intuition (N)

11

Bei kontrollierbarem

Stress

Wird pessimistisch,

sucht Hilfe bei anderen,

Angst, wichtige

Beziehungen zu

verlieren, sieht Welt als

„kaputt“ an, fühlt sich

wertlos, wird

selbstkritisch, versucht

Status quo auf jeden

Fall zu wahren, „die

anderen haben Schuld“.

Bei kontrollierbarem

Stress

Konzentriert sich immer

mehr auf die

Authentizität, verbale

Ausfälle gegen

Erwartungen von

außen, Probleme

werden zur Plage,

entwirft gewaltige

Pläne, die Menschheit

zu retten, hochsensibel,

Selbstzweifel

Entscheiden

aufgrund von

Werten (F)

subjektiv

Kontrollierbarer Stress

Eine Situation oder Aufgabe wird

als herausfordernd wahrgenommen

und kostet uns entsprechende

Energie, die Situation

als solche ist jedoch für uns noch

handelbar, wir sind in der Lage

zu agieren.


Typologie und Stress

Tipps, wie die Erinnerung an die Stärken und Ressourcen gefördert

werden kann

Um in Stresssituationen wieder in die Energie zu kommen, das heißt sich seiner Ressourcen wieder zu

bedienen und sich aus dem Griff der inferioren Funktion zu befreien, hier einige typenspezifische Tipps:

Typus Vorschläge für den Umgang mit noch kontrollierbarem Stress

ISTJ

ISFJ

INTJ

INFP

ESTP

ENFP

� Suchen Sie sportliche Betätigung (Joggen usw.)

� Verändern Sie etwas in Ihrer Umgebung (Kurzurlaub machen, Möbel umstellen o.Ä.)

� Erinnern Sie sich an Ihre eigene Erfahrung: Es hilft, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Fakten

und Details lenken.

� Machen Sie sich eine Liste, notieren Sie, was Sie gut können (Fähigkeiten, Talente, Stärken,

usw.)

� Sorgen Sie für Ihren körperlichen Ausgleich (Yoga, Joggen, usw.)

� Setzen Sie sich für eine gute Sache ein (spenden Sie etwas für karitative Zwecke, stellen Sie

sich für eine ehrenamtliche Aufgabe zur Verfügung, helfen Sie bei Nachbarn oder Freunden,

usw.)

� Verändern Sie etwas in Ihrer Umgebung (eventuell nur vorübergehend)

� Bitten Sie jemanden um Hilfe, der Ihnen den unübersehbaren Kleinkram erledigt.

� Entspannen Sie sich und gönnen Sie sich erstmal eine ruhige Nacht.

� Konzentrieren Sie sich auf Ihre analytischen Fähigkeiten, um das Problem zu strukturieren

und eine Lösung zu planen.

� Sagen Sie alle Aktivitäten ab, und ziehen Sie sich zurück. Eine Denkpause ist angesagt.

� Treiben Sie Sport, lesen Sie, machen Sie einen langen Spaziergang.

� Warten Sie ab: Die Ereignisse entwickeln sich wie von selbst und die Probleme werden sich

wie von selbst lösen.

� Meditieren Sie. Finden Sie Raum und Zeit für sich selbst. Werden Sie sich Ihrer Grundwerte

neu bewusst und stehen Sie zu Ihren Werten.

� Schaffen Sie sich neue Zugänge zu einem Projekt, bleiben Sie an der Sache dran. Bringen Sie

Ihre faszinierenden Einsichten ein.

� Machen Sie etwas für sich ganz alleine; machen Sie einen Spaziergang, kochen Sie etwas für

sich selbst usw.

� Entwickeln Sie vernünftige und durchdachte Sofortmaßnahmen

� Treffen Sie sich in einer Gruppe (von Freunden) und sprechen Sie mit diesen Ihre persönliche

Situation durch und bitten Sie um ein objektives Feedback.

� Treiben Sie aktiv Sport (bis zur Erschöpfung) mit anderen (am besten Teamsport)

� Achten Sie auf Ihre Ess- und Trinkgewohnheiten.

� Tauschen Sie sich mit anderen aus, teilen Sie sich mit – und zwar in einem Kontext, in dem

nicht bewertet wird.

� Machen Sie Gymnastik, schlafen Sie länger, essen Sie gesund, gehen Sie zu einer Massage.

� Nehmen Sie Kontakt auf mit anderen, von denen Sie persönliche Wärme, Freundlichkeit und

Zuwendung bekommen.

� Lassen Sie Ihren Blick schweifen, erkunden Sie die Möglichkeiten, ohne sofort Prioritäten zu

setzen oder eine Entscheidung zu treffen.

12


Typologie und Stress

ENTP

ESTJ

ENTJ

ESFJ

ISFP

ESFP

INFJ

� Diskutieren Sie mit anderen die objektiven Rahmenbedingungen, ohne schnelle

Schlussfolgerungen oder Entscheidungen zu treffen.

� Analysieren Sie die Ereignisse und legen Sie Prioritäten fest.

� Versuchen Sie im Gespräch mit anderen eine neutrale Perspektive zu gewinnen.

� Lotsen Sie Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten aus, ohne von vornherein eine Priorität

festzulegen oder Entscheidungen zu treffen.

� Machen Sie Urlaub mit Freunden!

� Gehen Sie noch einmal alle Argumente und die wichtigsten Positionen durch.

� Akzeptieren Sie die schweigende Unterstützung und das objektive Feedback von anderen

� Schlafen Sie sich aus, essen Sie etwas Gutes, treiben Sie Sport mit Freunden.

� Denken Sie über Hypothesen und Möglichkeiten nach, wie Sie die Auslöser für Ihren Stress

überwinden können – „spielen“ Sie mit ihnen.

� Bringen Sie interessante und klare Argumente ins Gespräch.

� Klären Sie wichtige Grundpositionen.

� Sprechen Sie mit Freunden, die Ihnen klare Analysen bieten und objektives Feedback geben

können.

� Klären Sie das, was Sie kontrollieren können.

� Treiben Sie Sport, gehen Sie raus, joggen Sie.

� Sprechen Sie mit guten Freunden über Ihre tiefsten Gefühle und Ängste.

� Sorgen Sie dafür, dass Sie in Ihrer Umgebung Menschen haben, die Sie unterstützen und

Ihnen kollegiales Feedback geben.

� Engagieren Sie sich in einem Projekt oder leisten Sie sich ein Hobby (Tagebuchschreiben oder

Kochen), das Ihre Aufmerksamkeit verlangt und bei dem Sie methodisch vorgehen und auf

Details achten müssen.

� Warten Sie ab, bis die Energien raus sind und sich die Dinge wie von selbst klären.

� Finden Sie Raum und Zeit für sich, um über das nachzudenken, was Ihnen wichtig ist.

� Beginnen Sie ein Projekt, eine handwerkliche Tätigkeit, in der Sie sich gut auskennen und in

der Sie Ihre geübten Fähigkeiten einsetzen können.

� Finden Sie einen guten Freund / eine gute Freundin, der / die Verständnis für Ihre Eindrücke

und Gefühle hat.

� Treffen Sie sich mit Freunden und reden Sie mit ihnen über Ihre Situation und Ihre Lage und

finden Sie heraus, was Ihre Freunde dazu sagen.

� Entwickeln Sie für den Ernstfall einen Plan, der Ihren persönlichen Wertvorstellungen

entspricht.

� Verbringen Sie Zeit mit Freunden im Teamsport, beim Tanzen oder anderen Aktivitäten, bei

denen Sie sich körperlich betätigen können.

� Konzentrieren Sie sich auf solche Aktivitäten, bei denen Sie einen konkreten positiven Beitrag

für andere leisten können.

� Konzentrieren Sie sich auf die Beziehung zu einem guten Freund / einer guten Freundin.

� Suchen Sie jemanden auf, der Ihnen zuhört, ohne Ihnen sofort Ratschläge, Einsichten oder

seine Bewertung anzubieten.

� Entspannen Sie sich. Machen Sie einen Spaziergang in der freien Natur. Gehen Sie ins Kino.

Lesen Sie Gedichte.

� Nehmen Sie Ihren Kalender und planen Sie eine Auszeit ein.

13


Typologie und Stress

ISTP

INTP

ENFJ

� Treiben Sie Sport – am besten eine herausfordernde Sportart wie Bergwandern oder Klettern.

� Nehmen Sie sich Zeit zum Lesen, spielen Sie Solitaire, tun Sie etwas, bei dem man auf

Routinen achten muss.

� Delegieren Sie alles das, was mit der Außenwelt zu tun hat, an jemanden anderen.

� Suchen Sie sich eine kompetente Person (ExpertIn).

Machen Sie einen „Realitäts-Check“.

� Nehmen Sie sich Zeit für sich. Leben Sie, lösen Sie Kreuzworträtsel, machen Sie einen

Spaziergang.

� Konzentrieren Sie sich auf eine neue Idee, neue Einsichten oder Perspektiven, die ein neues

Licht auf Ihre derzeitige Situation werfen.

� Reden Sie in aller Ruhe mit einer vertrauten Person, die nicht sofort beurteilt oder das

bewertet, was Sie beschäftigt.

� Versuchen Sie, den Lärmpegel oder die Ablenkungen zu reduzieren.

� Finden Sie eine Gesprächsgruppe, in der Sie über Ihre Frustration sprechen können.

� Sprechen Sie mit guten Freunden, denen Sie volles Vertrauen schenken, über Ihre innersten

Gefühle und Ängste.

� Bekommen Sie Ihre Grundwerte wieder in den Blick und setzen Sie sich auf dieser Grundlage

wieder klare Prioritäten.

� Schreiben Sie Ihre Empfindungen in Ihr Tagebuch und finden Sie jemanden, dem Sie dies zu

lesen geben können.

14


Typologie und Stress

Quellen

� Rudolf Attems / Franz Heimel: Typologie des Managers. Wirtschaftsverlag Carl Ueberreuter,

Wien.

� Richard Bents / Reiner Blank: Typisch Mensch. Beltz Test GmbH, Göttingen.

� Richard Bents / Reiner Blank: M.B.T.I. - eine dynamische Persönlichkeitstypologie. Claudius

Verlag, München.

� Reiner Blank und Richard Bents: Sich und andere verstehen, Claudius Verlag, München

� William Bridges: Der Charakter von Organisationen. Hogrefe Verlag, Göttingen.

� Naomi L. Quenk: In The Grip - Our Hidden Personality. Consulting Psychologists Press Inc., Palo

Alto.

� Gabriele Stöger: Besser im Team. Beltz Verlag, Weinheim und Basel.

15

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine