Leseprobe - EPV-Verlag

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Übertragung:

Was den dritten Punkt betrifft, daß dem Hinrich

Bornhöved, zu Aufbauung eines eigenen Kathens und

was dem anhängig, ein Platz aus gewiesen werden

möchte, so ist dieses bey dem Dorffe Großen Rönnau,

meines Ermessens, gar nicht practikabel, maßen in

dem dorffe Rönnau 7 Volle Hufners wohnen, und

dabey eine sehr eingeschränckte Weyde haben, welche

mit allerhand Vieh, von denen Vollhufnern, Abschieds

– Leuten und Insten, wie auch 3/12 Hufners, dem

Schulmeister und 1 Kötener, jährlich bejaget und gegraset

wird, mithin die Weyde bey diesem dorffe so rar

ist, daß die Unterthanen so gegenwärtig darin wohnen,

ihr Vieh nicht ein mahl darauf weyden und gräsen

können. Es haben die Hufners unter sich selbsten

in diesem dorffe öfters disputen, wegen Betreibung der

Weyde, daß einige zu weile mehr Vieh auf die Weyde

jagen, als sie ertragen kann, geschweige dann, wenn

noch mehrere Kathen in solchem Dorffe aufgeführt

werden sollten.

Der Schreiber schließt (wohl im Auftrag) mit dem

Vorschlag, das Gesuch des Hinrich Bornhöved abzuweisen.

Er taucht auch später in dörflichen Listen

nicht auf.

Eine zeitlich und vom Umfang her sicher nachweisbare

dörfliche Gruppe bildeten die »Anbauern«. Im

Zuge der Verkoppelung (siehe die dortige Darstellung)

stand zusätzliche Landfläche zur Verfügung:

Die Gemeinheitsländereien sollten zwar den bisherigen

Landeignern im Dorf zugeteilt werden, aber

4 x 7 Tonnen mussten für 4 neue Anbauer-Stellen

reserviert bleiben.

Für Knechte und Insten ergab sich die Möglichkeit,

aus dem Stand abhängiger Tätigkeiten zu einem

selbstständigen Wirtschaften aufzusteigen.

Knecht Hans Hinrich Kruse und Inste Marx Bötger

wiesen in ihrer Bewerbung um eine der Anbauerstellen

darauf hin, dass sie schon lange im Dorf

wohnten, auch dort geboren wären.

Die Bemühungen des H. H. Kruse erlauben uns

einen kurzen Blick auf die sozialen Verhältnisse

unseres Ortes im ausgehenden 18. Jahrhundert. Er

führt an, dass sein Vater der Vollhufner Hans Kruse

sei (heute Hofstelle H.-H. Tiedemann). Es fehle

ihm »weder an Mitteln noch Kräften, die Stelle zu

bebauen und die dazu gelegten Ländereien in Stande

zu bringen und zu erhalten.« 358

358 LAS, 110.3, 220, S. 155

133

Es war einerseits das Schicksal der weichenden Erben

(Sie konnten nach dem Anerbenrecht die Hofstelle

nicht übernehmen.), sich mit einer Erwerbstätigkeit

in einem teils sehr bescheidenen Rahmen

zurechtzufinden. Andererseits ist nachgewiesen

worden, dass »Abfindlinge« sehr wohl eine soziale

Stellung erreichen konnten, die der des »Hofübernehmers«

sehr nahe kam (Einheirat!). 359

Hans Hinrich Kruse und Marx Bötger gelingt der

Schritt zum Aufstieg: 1781 sind sie in der Amtsrechnung

in einer erstmaligen Steuerliste der Anbauern

neben Hans Lütje (Bauervogt) und Jochim

Böttger (Knecht) zu finden. 360 1864/65 werden sie

letztmalig als eigene Gruppe erwähnt:

Hans Jochim Göttsch, Hans Hinrich Kröger, Johann

Hinrich Kabel , Hans Jochim Böttger. 361

Zwischenzeitlich wurden sie aber meist als Kätner

bezeichnet, von denen sie sich in ihrer Behausung

und Landausstattung ja auch kaum unterschieden.

Die »Insten« bildeten einen wesentlichen Teil der

Dorfbevölkerung. Das Wort klingt unseren Ohren

fremd, ist aber abzuleiten aus dem mittelniederdeutschen

»insete«: Eingesessener, Insasse ohne

Haus und Land. Er hat seine Wohnstätte in einem

fremden Haus gegen Mietzahlung. Die Insten

bildeten, neben einigen anderen, die Gruppe der

Tagelöhner und Dorfhandwerker. An wirtschaftlichen

und rechtlichen Entscheidungen im Dorf

hatten sie keinen Anteil. Trotzdem kennen wir sie

mit Namen. Wie alle zuvor beschriebenen Gruppen

hatten auch sie eine besondere Steuer zu entrichten,

das »Verbittelsgeld«. Es sollte die »Fürbitte«,

den Schutz einer weltlichen oder kirchlichen

Obrigkeit sichern.

Im Kirchspiel Kaltenkirchen (Kaspel = Kirchspiel

= Verwaltungseinheit, gehörte zum Amt Segeberg.

Groß Rönnau zählte zum Kirchspiel Segeberg) erbrachten

die Verbittelsgelder für die Jahre 1698-

1717 1.276 Rbt. 362 1695/96 führt erstmals eine

Amtsrechnung zwei Insten für Groß Rönnau auf:

Jochim Hambdorff und Hans Butenschön. Die

Liste der Insten wurde bis in preußische Zeiten

fortgeführt (Schleswig-Holstein wurde 1867 preußische

Provinz.).

359 Sering, a.a.O., S. 557ff.

360 LAS, AR SE, 1781

361 LAS, AR SE, 1864/65

362 LAS, AR SE, 1718,IV (2)

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