Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

nicht einzusehen, warum dies gegen die Ausführung durdi dieselbe Hand sprechen soll. Handschrift

und künstlerische Ausführung brauchen sich keinesfalls zu dedcen, und auffallender würde sidier das

Umgekehrte sein, wenn wir nämlich auf der Handzeichnung das Wort Mathis in Anticjua und auf

den Gemälden es in Fraktur finden würden. Die formellen Künstlerhandzeidien, die ja erst Verhältnis»

mäßig spät und wohl zuerst auf italienischem Boden auftauchen, sind in der weit überwiegenden

Mehrheit in Anticjua, wohl weil sie Mode wurde zur selben Zeit, als die Sitte der Künstler, ihre

(Tafel) Büder zu zeichnen, allgemein wurde.

1« Sdimid, S. 258. Tafel 41.

11 Selbstbildnisse eines mit der rechten Hand malenden Künstlers geben den rechten Arm und Hand,

während die Linke oft fehlt. Das hat seinen natürlichen Grund darin, daß vor dem Spiegel die Linke

ja die bewegte ausführende Rechte des Künsders bildet. Hieraus ergibt sich, daß Sandrarts bärtiger

Stich eine unmittelbar auf die Platte übertragene Wiederholung der Erlanger Zeichnung ist, deren

Spiegelbild er ist. Wäre Sandrarts Stich eine Nachzeichnung nach der Wirklichkeit, so wäre Grünewald

ein Linkser gewesen. — Vgl. auch JatiitsdöeR, Deutsdie Malerei. Berlin 1890. S. 395. Anm. 2.

1- Schmid, Tafel 3 des Textbandes.

1^ Früher in der Sammlung Lanna. Schmid, Abb. S. 274.

" Sandrart, Deutsdie Akadmie 1675. IL, III. S. 237.

»5 Sdimid, S. 274. "= 1628—1667. Sdimid, S. 298.

^' Loses Blatt.

i» Loses Blatt.

1^ 1650— 1730. Schmid, S. 306. — Da Sandrart es vermeidet, das Handzeichen, das er vom Frank»

furter Laurenziusbilde kennen mußte, anzuführen, der Name Grünewald auf dem Augsburger Blatte

aber fehlt, so dürfte es vor dem Erscheinen des Werkes Sandrarts, also vor 1675 zu setzen sein.

-" L'Abecedario. Neapler Abdruck von 1733, erste Ausgabe einige Jahre vor der zweiten von 1719.

III. Tav. II.

21 S. 321, nadi Sandrart S. 225.

22 Teutsdie Akademie 1679. II. II. S. 79.

2ä Ratsmanuale, Bd. II , S. 327. — Hans Leßmann, Zur Geschidite der Glasmalerei in der

Schweiz. II. Mitteilungen der anticjuarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 26. 1908. S. 332.

2' Sdimid, S. 285.

25 S. 286. — M. B. Kittef, Die Bauornamente aller Jahrhunderte an Gebäuden der Stadt A. 10. und

12. Lief. Beigabe zum Jahresbericht über die k. Landw.» und Gewerbeschule zu A. 1856|57 u. 60|61.

2'"' Die handwerks=, wie die kunstmäßige Arbeit der Bildschnitzer, Maler und Glaser ist häufig bei

einem Meister vereinigt, der dann als eine Art Unternehmer für Werke aller drei Gattungen anzu»

sehen ist. Wie weit er dabei selbst beteiligt ist, kann oft gar nicht erkannt werden. Der Gedanke,

handwerkliche Arbeiten unter ihrer Würde zu halten und abzulehnen, ging den Meistern des MitteU

alters ab,- sie mögen je nachdem mehr oder minder geeigneten Gesellen übergeben worden sein. Bild=

Schnitzer, Maler und Glaser waren auch in Würzburg in einer Gilde vereinigt. Schon der älteste

ebenso dunkle wie berühmte Meister Arnofrf ^^zr Maler und Bildschnitzer: Was fliegen möcht oder

schwaymen das kont er malen oder schnytzen . . . Tif Rietnenschneicfer schwört als Aialertinecßt

mit Lorenz Miller von Landsberg und Michel Boltz von Volkach den Bürgereid: SR 4, 361 b. — Der

auch in Würzburg tätige Hans von Tranßfurt malt wie unser Matßis in Aschaffenburg, in Würz»

bürg ein bescheidenes Kreuz um 18 Pfennig für die Marienkapelle. — Vgl. auch Anm. 31.

2' Siehe A. 3.

2* Unterscheidet man Hör- und Lesefehler, so werden zwar als Hörfehler Isenacß und Isenau, auch

Isna oder Jsenfieim, Isenig und Jsni, unter sicß verwechselt, als Lesefehler dann aber auch alle fünf.

2'-' Wie weiterhin ständig,

s» Siehe S. 11.

•''1 Die alten Schreiber werfen die in einer Zunft zusammengefaßten Maler, Glasmaler, Glaser und

Bildschnitzer, Bildhauer sehr häufig durcheinander, und es ist aus der Benennung allein nie ein sicherer

Schluß auf den Hauptberuf des betreffenden Künstlers zu ziehen.

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