Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

26. 1530, 9. April. Maister Matßis Gotßarts Maßfers Sone Endres. Maister Matßis zu

Haff. Maister Matßis.

27. 1532, 26. April. MatSis mafer sef Matßis Neitßart Mafer von WürtzBurgL

Von allen diesen höchst widitigen Urkunden, die hier zunädist nur nadi der Seite der Namens«-

gebung unseres Meisters betrachtet werden, ist die letzte die wichtigste. Sie entscheidet die

Frage, ob der Zusatz „von WürzBurg" im Sinne der Herkunft oder in dem des letzten Wiri='

kungskreises des Meisters zu verstehen ist. Gab sdion Urkunde 20 in ihrer juristisdien Fas«

sung einen Fingerzeig, so sprechen alle Umstände dafür, daß wir es hier mit einer Namens«

bezeicfinung zu tun haben, die das Bestreben hat, mit amtlich^juristischer Sidierheit die Per«

sönlichkeit durch den Zusatz des Her^unfisortes festzustellen. Wiciitig ist sie auch deshalb,

weil sie zeigt, daß das Sdiwanken des Nachnamens Neithart oder Gothart bis an des Meisters

Lebensende anhielt.

Als Mathis nach Halle geht, offenbar um einen ähnlidhen Auftrag auszuführen, wie ihn die

Magdeburger erbeten hatten, nämlich irgendeinen wassertechnisdi widitigen Bau seiner Erfin«

düng zu leiten, hinterstellt er seine gesamte höciist wertvolle Habe, wie wir sie aus dem er«

wähnten Inventar kennen lernen^", bei einem offenbar langjährigen vertrauten Freunde, den er

zugleich zum Vormunde seines Sohnes Endres ernennt, Hans von SaarBrüc£en, einem Meister

der Seidenstickerei, also einem Künstler, dessen Kunst damals ebenso hodi geschätzt wurde

wie die Malerei. Hans ist bereits 1487 Bürger von Frankfurt '^l Wir sdiließen daraus, daß

Mathis seine Bekanntschaft wohl scfion in den Jahren gemacht hat, als er zum ersten Male in

die Mainstadt kam. Als nun von Halle die Kunde von dem Tode des Freundes an Hans dem

Seidensticiier gelangt, läßt er von Halle alles kommen, was dort noch von Mathes Eigentum

zurückgebliesen sein mochte, verpackt es sorgfältig in Truhen, die er verschließt, und klebt dann

auf jede der Truhen und Laden einen Zettel mit der Aufschrift: ,,MatBis NeitBart Mafer von

WürtzBurgB", nachdem er noch eine vollständige Liste der ihm anvertrauten Habe, die nun

dem Adoptivsöhne Mathis' gehört, hineingelegt hat. Man sieht hier förmlidi die große Gewissen«

haftigkeit des treuen Freundes, und es kann gar kein Zweifel darüber sein, daß die Aufschrift

dem gleicfien Bestreben nach gewissenhafter Genauigkeit entspriciit. Darauf deutet auch, daß

er die Bezeichnung GotBart meidet. Denn, wenn auch dieser Name oft abwechselnd mit dem

NeitBart modite gebraucht worden sein, je weiter im Fortgang des Lebens um so mehr, so

wußte er dodi offenbar aus dem langjährigen Verkehr mit dem Freunde, daß sein eigentlicher bür«

gerlicher Name NeitBart war. Es hat überhaupt nicht den Anschein, als ob man den Namen

des Meisters auf die bestimmte Form „NeitBart gen." oder „afias GotBart" bringen könne.

Keine einzige Urkunde weist sie auf, und es macht vielmehr den Eindruck, als ob man als

Nachnamen des Mathis durcheinander bald NeitBart, bald audi und namentlich später, als

Mathis darauf aus einem uns unbekannten Grunde Gewicht gelegt haben mag, GotBart ge«

brauchte. Ganz überwiegend und wohl allgemein war er als Meister MatBis bekannt, unter

dem eben niemand anders als der in Frankfurt wohnhafte, meist aber in der Fremde weilende,

mit Aufträgen überhäufte und wohlhabende, als Techniker wie als Maler gleich ausgezeichnete

Künstler ausWürzburg verstanden wurde. Daß die erst jüngst durch Zülchs Verdienst bekannt*

gewordene Tatsache, daß Mathis auch als Techniker einen bedeutenden Ruf gehabt haben muß,

nicht mit dem seiner Malerschaft in Widerspruch steht, hebt dieser selbst hervor, indem er ihn

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