Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

IV. MEISTER MATHIS VON 1530 BIS AUFSANDRART

1. Auf dem ServaBat Melandithons vom Jahre 1531^" beruhte bisher die Feststellung von

Grünewalds" Todesjahr — „vor 1531". Wir wissen jetzt, dal) er kurz vor dem 1. Sep^

tember 1528 gestorben ist". Melandithon nennt ihn nicht Matthaeus, wie wir vermuten sollten,

sondern Matthias,- er wird so „Mathis" übersetzt haben, eine Verwechslung, die ja sehr nahe

liegt, und bei der Sorglosigkeit, die in jenen Tagen im Umgang mit Namen herrschte, nidits

Verwunderliches hat.

2. Es wurde bereits S. 3 erwähnt, dal) die Notiz auf dem Oxforder Blatte nicht von der Hand

des Meisters selbst, sondern von der eines Sammlers seiner Studien stammen dürfte. Hierfür

kommen Grimer, Ußenßacß und Scßef^ens in Betradit. Abgesehen von äul)eren Gründen —

der Schrift vom Ende der 1500 — und inneren Gründen — sie stände vollkommen einzigartig

in der Kunstgeschichte da", mag des Weiteren für unsere Ansicht spredien, dal) Meister Mathis

zu seinen LeBzeiten nicht ein einziges Mal „Mathis von AscßaffetiBurg" genannt wird, und

dal), sollte er dies selbst getan haben, er aller Wahrsdieinlichkeit nach eine weniger mundart*

liehe verderbte Form des ihm geläufigen Namens dürfte gewählt haben. Dagegen ergibt sidi,

da^ mit diesem MatBis von OssenBurg der Irrgang seinen Ausgangspunkt erhält, der uns in

ein Labyrinth führt, in dessen dunkeln Gängen der eigentlidie Name des Meisters schließlich

ganz verloren wurde, in demselben Mal)e, wie seine Kunst dem Gesichtskreis und dem Ver^

ständnis der Nachwelt entschwand. Wenn wir Scßmid^^ zustimmen, dal) die Bemerkung von

Uffenbach, oder ZüfcB, dal) sie aus dessen Zeit stammen dürfte, so wird es erlaubt sein, sie

etwa in die letzte Hälfte des XVI. Jahrhunderts zu setzen".

3. 1573. MatBis von OscBnaBurg. BernBard JoBin gibt 1573 in Stral)burg die Accuratae

efßgies pontificum maximorum numero XXVIII expressae aB OnupBrio Panvinio heraus,

übersetzt das Werk des Panvinius und versieht es mit einer Vorrede, in der er für die deut=

scBen Künstler eintritt und namentlich den Ansprudi Vasaris auf die welsche Erfindung des

Kupferstiches zurückweist. In der Vorrede lautet die auf MatBis bezügliche Stelle, nachdem

von Dürer gesagt ist, dal) er eine an Zahl und Wert von keinem Lande übertrofFene Künstler^'

schar auf den Plan gerufen habe: „Dann jhm seind bald in Flach "^^ und Farbmalen sehr rhüm^

lieh gevolget | Aldo

Grave )

Sebaldt

Behem zu Franckfort \ MatBis von OscBnaBurg \

dessen

köstlich gemäl zu Issna zusehen \ Lamprecht Schwab \ usw.".

Man beadite: aus OssenBurg wird, da der Straßburger niciits von Aschaffenburger Mund^

arten weil), Oschnaburg im Anklänge an OsnaBrücA, das ja einen guten Klang in der Kunst

der westfälischen Spätgotik hatte,- er kennt dagegen das „köstlich gemäl" des Meisters zu

Issna, das mundartlich Isenheim widergibt. Jobin hat also augenscheinlich das Oxforder Blatt

gekannt, und aufJoBin stützen sicB, wie sogleich ersichtlich wird, die Naciifolger Steinmeyer

und 7äscß.

4. Um 1570. AscBenBurg: Inventar A des Basifius AtnerBa

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