Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

Jeder Irrtum hat drei Stufen,

Auf der ersten wird er ins Leben gerufen,

Auf der zweiten will man ihn nicht eingestehn.

Auf der dritten madit nicfits ihn ungesdiehn , .

Darum nennen wir ihn: MÜster Matßis von Würzßurg gen. Grünewafcf.

VI. MEISTER MATHIS

ODER GOTHART, MALER VON WÜRZBURG

§ 1. Die Tran^furter Urkunden.

Wir stellen zunächst alles zusammen, was sidi aus den Frankfurter Urkunden für den Maler

Mathis Neithart oder Gothart von Würzburg ergibt"".

Die Frankfurter Relationen der Riditer^"" vom 10. März bis 4. April 1511 vermitteln uns die

erste Bekanntschaft m\\.„Matßis Mafer von Straßßurg". Damit ist natürlich nicht gesagt, dal)

dieser Mathis, den wir unbedenklich mit Mathis Gothart gleich setzen dürfen, nicht schon vor-

her in Frankfurt gewesen sei, auch wenn die Urkunden darüber schweigen. Das beweist eben

nur < vorausgesetzt dal) Zülch nicht noch mehr Überraschungen im Schatzkästlein seiner Ur^

kundensammlung verwahrt), da^ Mathis vorher dort nicht erwäßnt wird. Er war ja auch

niemals, wie Zülch hervorhebt, Bürger der Stadt, so da^ auch die Gelegenheit, ihn in Verbin«

düng mit städtischen Pflichten zu nennen, die uns für die Würzburger Künstler so auljer-^

ordentlich zugute kommt ^'", ganz wegfäüt. Feststeht, dal) er mxtHofßein d. A. zusammen „um

1501" bei den Dominikanern in Frankfurt arbeitet und dort später die beiden Tafeln für den

Helleraltar anfertigte, für die wir das Jahr 1505106 glauben ansetzen zu sollen"".

Der Inhalt der Gerichtsverhandlung von 1511 gegen Mathis von Strasburg ist an sich ohne

Bedeutung. — Widitig ist für uns, dal) Mathis als Maler und Malerknecht von Straßßurg

bezeichnet wird. Was zunächst den „Malerknecht" und den Umstand betrifft, dal) Mathis noch

um diese Zeit bei einem Meister in Mainz beschäftigt war, so spricht beides nicht dagegen,

daO er selbst längst die Meisterschaft im Malen erlangt hatte. Dort, wo eine eigene Malerzunft

nicht bestand, konnte ein fremder Maler nur Beschäftigung finden, wenn er sich einem örtlichen

Meister anschlol), der oft nichts anderes war als Unterneßmer irgendeines künstlerischen Auf-

trages. Was aber die Bezeichnung als „Malerknecht" anbetrifft, so fällt das lediglich den Schrei-

bern zur Last, die Maler und Malerknecht sehr häufig zusammenwerfen, ganz wie sie auch

Bildschnitzer, Glasmaler und Maler oft genug gar nicht unterscheiden '"^

Grünewald kam offenbar im Laufe des Jahres 1510 aus dem Elsal) zurück, wohin er bald

nach Vollendung der Frankfurter Tafeln gegangen war, ich vermute, durch Vermittlung der

Frankfurter Dominikaner, wenn er nicht, wie es ja auch möglich ist, schon in seinen Lehr^ und

Wanderjahren bei Schongauer in Kolmar vorgesprochen und so die Verbindung mit Isenheim

und dem Elsal) hergestellt hatte'"'. Über Straßßurg kehrte er heim: dort hat Zülch die Wahr«

scheinlichkeit seiner Tätigkeit in sehr scharfsinniger und schlüssiger Weise nachgewiesen, wie

das bereits oben weiter ausgeführt und erklärt wurde, mit welcher Berechtigung Mathis den

Beinamen „von Stral)burg" erhielt'"'.

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