Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

Ihr glücklichen Augen,

Was ;e ihr gesehn —

Es sei, wie es wolle,

Es war doch so schön . .

Mathis eine Hamletnatur? Nein, aber ein Faust, der seinen zweiten Teil nicht erlebt"". —

Wir stehen mit den wenigen Haller Bürgern, die ihn gekannt und seine reiche Natur mochten

lieben gelernt haben, am Grabe des Meisters Mathis Gothart von Würzburg. Es war ein

stilles Begräbnis gewesen,- geistliches Gepränge alter Art war nicht dabei,- und wer weil) heute,

wo einer der besten Söhne Deutschlands, nach einem ungeheuer tätigen, aber auch sicher von

den Qualen künstlerischen Höhenwandels schwer erschütterten und unterwühlten Lebens seine

letzte Ruhe fand? Wie jene sorgte auch treue Freundeshand in der Frankfurter Heimat wohl

für die letzten irdischen Dinge, die nach dem Willen des Meisters noch auszuführen waren:

davon berichten die beiden letzten Urkunden vom 9. April 1530 und 26. April 1532. Dann

wurde „Meister Mathis" vergessen . .

. .

.

Der getreue Hans von Sarbrücken bittet den Rat von Frankfurt, dem von Halle zu schreiben,

dap er ihm als dem Vormunde des Endres, des Sohnes des seligen Meisters Mathis Gothart,

Malers, dessen etwa noch in Halle befindliche Habe herausgeben möchte. Es müsse sich dort

noch in dem Hause, wo er gestorben oder gewohnt habe, so bei Joßanri Bfoc^, dem Seiden«

sticker "" und dem Brunnenschreiber Hans Gfaser noch manches finden. So sein „Pitschir", das

er bei sidi geführt habe. Das möge man doch alles aufzeichnen und ihm zum Aufheben für das

„Kind" übersenden. Dieser Bitte entspricht man in Halle. Denn in seinem Testament vom

24. April 1532 teilt uns Hans mit, dal) er allen Nachlal) seines Freundes Mathis in Truhen

wohl geordnet verschlossen habe, auf jeder Truhe befinde sich ein Zettel mit der Aufschrift, die

uns den eigentlichen Namen des Würzburger Meisters enthüllt . Das möge der Rat in

Frankfurt sofort nach seinem Tode — der dem nicht mehr jungen Künstler wohl nicht mehr in

weiter Ferne stand — an sich nehmen und aufbewahren, solange dem Endres noch ein Vor*'

mund zu bestellen sei . .

„Johann Bfoc^" , „Haus Pfog" war ein von Albrecht stark beschäftigter Seidensticicer "* in

Halle, der Hans P/bc£ hit^^^\ Auch Gfaser kommt in den Urkunden vor, und zwar als ein

sonst nur dem Namen nadi bekannter Joßannes Gfaser von Asdjaffenßurg. Wenn er in

Halle als Brunnenschreiber erscheint, so könnte hier sich der Fall des Martin Cafcfenßacß

wiederholt haben, dal) ein Künstler in städtische Dienste trat, um sich durchschlagen zu können "^

Ob Mathis ihn schon von Aschaffenburg her kannte, oder ob er erst später dahin ging, ist

dunkel,- audi liegt ja bei Namen,- die zugleidi einen Künstlerberuf bezeichnen, die Gefahr nahe,

beides zu verwechseln , ,

§ 2. Die Tamifie Neitßart in Würzßurg.

Seite 13 wurde die Bedeutung des Zusatzes „von Würzburg" zum Namen Neithart oder

Gothart dahin entschieden, daß es sidi dabei nicht um ein Arbeitsgebiet des Meisters Mathis,

sondern um seine Heimat handeln müsse. Wir wenden uns daher nun der alten Mainstadt des

XV, Jahrhunderts zu und suchen nach Anhaltspunkten dafür, dal) Mathis Neithart oder Got«

hart dort geboren wurde und seine Jugend verlebte.

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