Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

Künstler stellen sollten, von dem wir alles, was wir bisher wuljten, überhaupt nur aus dem

sehr leicht täusdienden Spiegel seiner Wer^e herauslesen mußten. Als Sohn des ehrenfesten

und -wohlbegüterten Ratsherren von Würzburg und seiner frommen Frau Elsbeth steht er in

weit bestimmteren Umrissen vor uns, und es wird nun unsere Aufgabe sein, zu untersudien, ob

sidi die Würzburger Umwelt auA sonst mit dem Lebenswerke „Grünewalds" vereinigen läl)t.

Soweit äul^ere Lebensdaten dafür in Betracht kommen, so ist von besonderer Wichtigkeit, daI5

mit der Annahme, Hans Neithart sei der Vater des Mathis Neithart von Würzburg gewesen,

dessen Geburt spätestens in das Jahr 1472 fallen kann. Wenn wir sie für die Zeit „um 1470"

festzulegen geneigt sind, so befinden wir uns ja auf einem Boden, der audi aus zahlreidien

Gründen kunstkritischer Überlegung gefestigt ist, und früher darauf hin auch als sehr wahr«'

scheinlich von der Wissenschaft angenommen war. Nach der Entdeckung der Mündiner Ver«

spottung ist ein so ausgezeiciineter Kenner des Meisters wie 7ranz Rieffef zm der Meinung

gekommen, „in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre des 15. Jahrhunderts könnte Grünewald

in der Tat geboren sein"'''. ...Der Reifegrad der Verspottung Christi, für die 1503 den ter=

minus non post cjuem bildet, sprießt eföer für ein früheres Geßurtsjafjr." Andere Daten

sprechen nicht dagegen. Erkennt man in dem Kolmarer Sebastian ... ein wirklidies Selbstbildnis,

so kann man das Geburtsjahr kaum nach 1475 ansetzen, denn der Sebastian madit den Ein«

druck eines zum mindesten 35 jährigen Mannes"'", und, auch wenn man HofSein, dessen Ge^

burt ja heute auch nicht fern von 1470 angesetzt wird, nicht zum Schüler Grünewalds macht,

sondern beide für zwei gleicfialtrige, eng befreundete Weggenossen betrachtet, steht nichts im

Wege, die Geburt Neitharts oder Gotharts von Würzburg so früh wie „um 1470" zu ver»

legen. —

Kann er in Würzburg vom letzten Drittel des XV. Jahrhunderts eine Umwelt gehabt haben,

die seiner künstlerischen Entwicklung förderlich ist, ja, sie bis zu einem gewissen Grade erklären

hilft? Das ist die wiciitige Frage, zu deren Beantwortung wir uns nun wenden. —

VII. DIE WÜRZBURGER MALEREI VON 1450-1530

1. URTEILE UND VORURTEILE

gilt als ausgemacht, da^ Würzburg im XV. und XVI. Jahrhundert wohl eine ansehn^

ESliehe Bildhauer« und Schnitzerkunst, niemals aber eine Malerschule von Bedeutung be=

sessen habe: noch heute wird die Ansidit Scßttaases aufrecht erhalten: „Au()er Nürnberg kann

sich keine fränkische Stadt einer eigenen Malersdiule rühmen. Selbst in den bisdiöflichen Städten

Bamberg und Würzburg finden wir keine Spur bedeutenderer Leistungen."'"'' Und Deßio^^^

sagt im gleichen Sinne: „Im mainfränkisdien Lande haben die alten Bischofsstädte eine ihrer

vornehmen Grabplastik ebenbürtige Malerei nicht besessen,- diese fand mehr und mehr in den

bürgerlichen Werkstätten Nürnbergs ihren Mittelpunkt . .

." Die wenigen neueren Forscher, die

sich mit der Malerei Würzburgs besonders bescfiäftigen, wie Knapp und Leitsfcßuß'''' haben

zwar den Begriff Unterfränkisch ebenso wie der Münchner Katalog des NM, den Voll, Braune

und BuSßeit 1908 verfaßten, benutzt, lassen aber nicht recht erkennen, was sie darunter ver«

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