Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

stehen möditen, und wie sich etwa eine unterfränkische Schule von einer fränkischen, wie sich

Würzburger Arbeit von Bamberger oder Aschaffenburger oder den Schulen weiter mainab*»

wärts abgrenzt. Ist es schon eine heikle Arbeit, wenn es sich um ein so viel beackertes Feld

wie Nürnberg oder Ulm und Augsburg handelt, so begreift man die Unsicherheit und die ab«

lehnende Haltung einem Gebiete gegenüber, das man als nidit vorhanden anzusehen gewohnt

ist. Die neueste Geschichte der deutschen Malerei dieser Zeit von Curt Gfaser'^^ kennt auch

keine Würzburger Schule,- nidit einmal der Name Würzburg kommt darin vor,- und der treffe

\\i\zPiiider geht so weit, das Sinken der Würzburger Bildnerei der ganz fehlenden Befruchtung

durch eine gleichzeitige Malerei zuzuschreiben "''^ Und auf solchem Boden solhe der größte ma«

lerische Künstler erwachsen sein, den Deutschland jemals besessen hat?

Wir wollen versuchen, nachzuweisen, dal) das Ausschalten Würzburgs als einer malerischen

Kunststätte von 1450— 1530 in dem Umfange, wie es bisher geschehen ist, nicht gerechtfertigt

erscheint, und dap das Würzburg dieser Zeit sehr wohl als die künstlerische Wiege und ein^^^

drucksvolle Umwelt eines Meisters wie Mathis von Würzburg in Betracht kommen kann.

Zu diesem Zwecke suchen wir zunächst einmal festen Boden unter unseren Fü^en zu bekomm-

men, indem wir alles, was wir über Würzburger bildende Kunst und Künstler, über Maler,

Bildschnitzer und Glaser, sowie über ihre Werke in Erfahrung bringen können, zusammen«

stellen, um aus dieser Zusammenstellung die Schlüsse zu ziehen, die die Tatsachen zu ziehen

erlauben. Dal) hierbei kein Unterschied gemadit werden kann zwischen Handwerk und Kunst

und daß anderseits die drei genannten Handwerke vielfach in der Hand und Werkstatt eines

Meisters vereinigt waren, ist jedem Kenner der Verhältnisse geläufig. Nur auf diese Weise

wird es möglich sein, auch über den Begriff der Würzburger und unterfränkischen Malerei zu

einiger Klarheit zu gelangen. < Listen 1—4 des Anhanges.)

Rein überlegungsmäl)ig steht der Annahme nichts im Wege, dap Würzburg so gut wie eine

bedeutende Plastik auch eine blühende Malkunst müsse besessen haben, es sei denn, dal) den

Bewohnern der Stadt und des zu ihr gehörigen unterfränkisdien Stammesgebietes der Sinn für

diesen Kunstzweig aus ganz besonderen Gründen — so etwa wie dem Engländer das musi«

kaiische Empfinden — sollte gefehlt haben. Dafür ist aber weder irgendein Anzeichen vorhan*

den, noch ist es auf anderem Wege zu beweisen. Im Gegenteil: Schon ein flüchtiger Blidi auf

die Herkunftsliste der Würzburger Künstler ergibt, dalj sich die fränkische Umgegend der

Stadt rege an der Lieferung künstlerischer Kräfte der alten Bischofsstadt am Main beteiligt

hat, und die ebenso mächtigen wie prunkliebenden Bischöfe und Ritter, die aus der Mainstadt

ein noch heute eindrucksvolles Abbild eines kleinen Rom zu schaffen wupten, werden ganz

ebenso wie in anderen „berühmten Kunststätten" des mittleren Europas auch für die Bedeutung

der Wand«, Glas« und Tafelmalerei Verständnis und eine offene Hand gehabt haben. Und

ebenso rein überlegungsmä^ig dürfte sich, um die Eigentümlichkeiten der mit dem Namen Würz«

bürg bezeichneten Malerei der 1400 und 1500 zu umgrenzen, als unterfränkisdi alles das be«

zeichnen lassen, das, hier bodenständig, mit stichhaltigen Gründen, seien sie urkundlicher oder

stilkritisdier Art, mit Sicherheit einer anderen deutschen Schule oder Eigenart nicht notwendig

zugewiesen werden mup.

In Wirklidjkeit stellt sidi die Sadie nun so, daP wir für das Würzburg von 1450—1530 eine

ganz erheblidie Anzahl von Glas« und Tafelmalern nachweisen können, die in Würzburg tätig

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