Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

waren,- dal) es audi gelingt, nodi eine mäl^ige Anzahl von Werken zusammenzubringen, die

man nldit anders als „unterfränkisdi" bezeldinen kann, und dal) es also In einem gewissen Umi=

fange möglich Ist, die Eigentümlldikeiten der Würzburger Kunst gegen die umliegenden Sdiulen

abzugrenzen. Trotzdem sind die Scfiwlerigkelten, die sldi für alle drei Gesichtspunkte ergeben,

und die letzten Endes die Veranlassung zu der Meinung waren, Würzburg habe nie eine bes

deutende Malerei besessen, sehr erheblidi und vollauf begründet: sie haben Ihre Ursache in der

Lage der Stadt und In seiner Ges Aidite. Die sidi hieraus ergebenden Sdhwierigkeiten vermehren

sich nun um ein Vielfaches, wenn es gilt, die mühsam gewonnenen Ergebnisse der Eigenart

des Empfindens einer besonderen Landscfiaft auf eine einzelne Persönlichkeit zu übertragen, die,

wie Meister Mathis, alles überragt, was die an künstlerischen Kräften so reldie Zeit der deut«

sdien Kunst an Gröl)e und Eigenart zu bieten vermag. Ist es doch schon bei der Art, wie sidi

die Kunst eines bedeutend veranlagten Mannes zu bilden und zu entfalten pflegt, eine sciiwie»

rlge Aufgabe, darin die Fäden aufzuweisen, die sie mit dem allgemeinen Elgentümllclikelten

der Familie und des Stammes verbindet, aus denen er entsprossen Ist, wenn alle diese Bezie*

hungen klar und sicher vor uns ausgebreitet liegen: um wie viel schwieriger gestaltet slcfi diese

Aufgabe erst, wenn dafür so gut wie alle sicfieren Grundlagen fehlen, und der Forscher auf

die magere Notiz einer Urkunde angewiesen Ist, die weiter nidhts besagt, als da^ der Meister

X aus der Stadt Y

stammt? Aber, selbst angenommen, es gelänge, bis ins einzelne nacfizu=

weisen, dal) Meister Mathis ein Unterfranke nidit nur der Abstammung, sondern audi der

ganzen Anlage und künstlerischen Gesinnung nach gewesen sein mul): bleibt das eigentlicfi

Wesentllcfie seiner Kunst, ihre durciiaus einzigartige Gröl)e nlcfit völlig unerklärlldi? Das, was

in Ihm „genial" ist, schreitet, ganz so wie Dürers Kunst über das Stadtbild Nürnbergs, aus

den engen Mauern einer kleinen Stadt wie es das Würzburg des XV. Jahrhunderts war. In

die weite Welt hinaus und schlägt eine ganze Menschheit in Ihren Bann: Damit müssen wir uns

abfinden: es zu erklären oder gar beweisen zu wollen, dal) es so sein müsse und gar nicht

anders sein könne, Ist unmöglich: und wer will sagen, warum ein Dürer In Nürnberg, ein

Midielagniolo In Castel Caprese, ein Rembrand In Leiden und ein Meister Mathis in Würz»

bürg geboren Ist? Freuen wir uns, dal) es deutscher Boden Ist, der uns diese reiche Natur

schenkte — und ehren wir unsere deutschen Meister!

Die Lage Würzburgs am Main, dessen weites Tal und hügelumsäumtes Gelände nach Westen

hin sich öffnet,- zwischen Bamberg Im Osten, Mainz, Frankfurt und dem Rhein mit Köln und

Stral)burg Im Westen, war die eines In fruchtbarer Gegend gelegenen Mittelpunktes, der von

seinen Nachbarn leicht zu erreichen und unter Ihre künstlerische Mitwirkung zu bringen war.

Zu den talab» und talaufwärts wandernden Künstlern gesellten sich aul)erdem die vom Süden

her, Nürnberg und den Donaustädten, Ulm, Regensburg, dann Augsburg, München, über

Rotenburg eindringenden, und als letzte, aber nicht zu unterschätzende Zufuhr kommt die Kunst

der über Fulda vom Norden hereinziehenden Meister In Betracht. Unsere Liste der nach Her=

kunft geordneten Würzburger Künstler erwähnt aus der fränkischen Umgegend die Orte Ans-»

badi, Arnsteln, Ansbadi, Aufkirchen, Bamberg, Baunach, Dettelbadi, Eltmann, Frauenau,

Friedberg, Gelnhausen, Gof)mannsdorf, Guttenhagen, Hammelburg, Hechtsheim, Heldenheim,

Heldingsfeld, Hellefeld, Hüttenhelm, Kitzingen, Lauingen, Ma^bach, Münnerstadt, Neckar«

Steinach, Neustadt, Oberscheinfeld, Odisenfurt, Rotenburg, Sepladi, Steinach, Uffenhelm, Unter«-

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