Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

seinem leuchtenden Rot steht in erfreulicher Wechselwirkung mit dem lebhaften Grün des Man-^^

tels. Der Brokathintergrund ist ein schönes Weinrot mit Goldrand, w^orüber sich die gleiche

blaue Flädie spannt wie links. Beider Heiligenscheine sind einfache Scheiben.

Alles in allem zeigt das Werk einen fertigen, selbstsicheren Meister der gut entwickelten Kunst

vom letzten Viertel der 1400/ ein Werk der Überlieferung, handwerksmäl)ig tücfitig, ohne

Ausblick in eine nach Form oder Farbe reichere Zukunft. Der Aufbau ist ohne Zusammen^^

hang/ jede Persönlidikeit oder Gruppe führt ihr Leben für sich. Form und Farbe sind ohne

größere Begabung mit handwerklicher Meisterschaft behandelt/ die Lebhaftigkeit der LokaU

färben fällt bestechend ins Auge. Hände, Mund, Nase, Augenbrauen sind formelhaft/ die

Falten sind da, um möglichst viel Verwendung für schöne Farben zu geben/ sie sind leblos

und könnten ebenso gut anders verlaufen. Warum der eine Zipfel des Obergewandes des einen

Mörders aufgebauscht im Winde flattert, hat seinen Grund nur in dem Wunsche des Meisters,

zu zeigen, dal) er es zu malen verstehe. Das Werk eines wohlerfahrenen, vielbeschäftigten,

handwerklichen Meisters seiner Zeit

Wann entstand das Bild, und wer ist der Meister?

Knapp gibt es einem „Würzburger Meister um 1500". Die Mordszene mit der Lebhaftigkeit

der stark gestikulierenden Figuren, die Schärfe der Zeichnung, der Gesichtsschnitt, die Falten^

linien, „wo der Einfluß Schongauers vielleicht aus der Hand Riemenschneiders übermittelt wird"

— „all das ist durchaus fränkisch" . . . Dagegen sprechen nun aber wieder, meint er, die

leuchtenden in breiten Flächen geordneten, glatt aufgetragenen Farben, die nach Schwaben

deuteten -'l

Es hält schwer, sich diesen Ausführungen anzuschlieljen : denn,

die als fränkische und sdhwä=

bische Eigenart hervorgehobenen Merkmale sind zu allgemein, um die Tafeln für die eine oder

andere „Schule" in Anspruch nehmen zu können. Schwer vorstellbar will mir auch eine durch

Riemenschneider vermittelte Faltengebung Schongauers erscheinen, die „um 1500" wirksam ge^

worden wäre. Das Hauptmerkmal der Würzburger Schule ist eben, dal) sie an alle möglichen

andre Schulen erinnert, ohne dal) man sie bei einer vollkommen unterbringen könnte: ihr Wesen

ist notgedrungen ein Mischstil, auf den mehr oder minder ausgesprochne Eigenart aufgepfropft

ist. Diese Mischung führt auch leicht in die Irre bei der Beurteilung der Entstehungszeit eines

Würzburger Werkes. Mit Knapp in Widerspruch steht die Ansicht KaSns'"'^ , der unsere

Tafel mit dem Holzschnitte von Würzburg in der Schedeischen Chronik"'"' zusammenbringt, und

mit Mader^'"' folgert, dal), da die Tafel den Marienberg vor dem Umßau durch Rudolf von

Scherenberg < 1466 — 95) zeige, sie bereits „um 1480" entstanden sein müsse. Leitsdjuß"'^^'^

geht in der ihm eigenen unbekümmerten Weise noch einen kühnen Schritt weiter, und meint,

Holzschnitt wie Tafel könnten von dem von Scharold erfundenen Würzburger Meister Simon

Maefer stammen: Einen Maler dieses Namens hat es aber nie gegeben, und was es damit für

eine Bewandtnis hat, ergibt sich aus dem im Anhang Gesagten.

Die Zeit um 1480 erscheint uns stilistisch nicht haltbar: alles weist das Werk mehr der Zeit

zu, da sich wie eine Welle heftiger Bewegung über die deutsche Malerei zu ergiel)en scheint,

das ist gegen das Ende des Jahrhunderts. Sie fällt zusammen mit den Lehr*' und Wanderjahren

Grünev/alds und Holbeins d. Ä,, und da sie mit dem innersten Wesen Grünewalds überein--^

stimmt, während Holbein ihr nur als Mode huldigen zu müssen scheint (Frankfurter Tafeln),

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