Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

so hat ersterer seine Kunst zur hödhsten Höhe der Entfaltung bringen können, während Hol-^

bein in seiner Zeit stecken blieb . . . Wir müssen mit Knapp die Würzburger Tafel näher an

die Jahrhundertwende heranbringen und dürfen die Zeitbestimmung „um 1490" als nicht zu

spät ansehen. Der naheliegende Einwand, da^ um diese Zeit sdion die Marienburg das neue

Gewand gezeigt haben wird, ist nicht stichhaltig. Denn, dal) der Meister als in Würzburg an^

sässig die alte Burg genau gekannt haben wird, ist wohl zweifellos, und dal) er sie dann so und

nidit im modernisierten Gewände malen würde, ja, müljte, ist einleuchtend, wenn man bedenkt,

da^ er ja die alte Gesdiidhte von der Ermordung des H. Kilian darstellen wollte. Das Gleidie

trifft zu für die Kirche St. Burkart, die den östlichen Erweiterungsbau mit Querhaus und vieU

eckigem Kor nocfi nicht zeigt "^': audi hier hatte der Meister eine archaisierende Aufgabe, und

weder der Anblick seiner Marienburg noch der von St. Burkhart kann, wie Kahn es tut, für

die Datierung unserer Tafel ins Feld geführt werden : so, wie die Dinge liegen, mul) hier allein

der Stil entscheiden, der für eine jüngere Zeit spricht als 1480.

Den Meister kennen wir nicht,- Leitschuh hätte ganz ebenso gut auf irgendeinen anderen der

zahlreichen Würzburger Maler vom Ende des Jahrhunderts raten können. Vielleicht dürfen

wir dabei so weit gehen, und diese Annahme würde mit Knapps Beobachtung eines schwä-

bischen Einschlages stimmen, dal) wir als Maler der Kilianstafel einen der aus Sdhwaben

nach Würzburg gezogenen und dort ansässig gewordenen Künstler annehmen. Hier sind es

zwei Namen, die uns beschäftigen, ohne da^ es möglich wäre, zu einer sicheren Entscheidung

zu kommen.

Zunächst setzen wir getrost für Schwaben das enger umrissene Ufm: tatsächlich weisen einige

hervortretende Merkmale namentlich der Flügel nach Ulm, und zwar wie es scheint, in die

Werkstatt Zeitßfo/ns. Hier finden wir nicht nur die grope Vorliebe für den vor den Brokat^

teppich gestellten Einzelheiligen '^', sondern auch Anklänge an die Farben* und Faltengebung,

sowie an die schablonenmä^ige Handwerksmäplgkeit und trotz aller modischen Bewegung und

Leidenschaftlichkeit doch starren Formen der Gestalten,

Nun finden wir mit der Bezeichnung „von Ulm" einen Würzburger Künstler mehrfach erwähnt,

der den Namen Haus Lipßart führt. Er wird 1481 und 1482 Bürger, wohnt, wie die meisten

Würzburger Maler und Glaser Unter den Gademen 0505) und hat 1506 einen Sohn gleichen

Vornamens, der ebenfalls Maler ist. Da ferner 1466 ein Ulrich Liphart in Würzburg das

Bürgerrecht erwirbt, wir wissen nicht, ob er auch Maler war, so ist nicht mit Sicherheit zu

sagen, ob der ältere Hans Liphart sich nicht vielleicht nur „von Ulm" genannt hat, weil er dort

sein Handwerk gelernt und gearbeitet hatte. Mit anderen Worten, er ßann selbst schon Würz«^

burger gewesen sein, und sein Sohn war es jedenfalls. Audi sonst ist ;a der Zusammenhang

zwischen der Malerei Ulms und Würzburgs nidht unbedeutend, zählen wir doch in Würzburg

nicht weniger als sechs Meister oder Malerknechte „von Ulm".

Will man es also auf so unsicherer Grundlage dennoch wagen, der Kilianstafel einen vermutlichen

Urhebernamen zu geben, so würde der am besten begründete wohl der des älteren Hans

Lipßart sein.

Immerhin mag noch auf einen anderen Meister verwiesen werden, dessen Zusammenhang mit

unseren Bildern zwar noch viel nebelhafter Ist, der aber in seiner künstlerischen Auffassung sich

der Würzburger Tafel noch mehr nähert, als ein Werkstattgenosse der Zeitblomschule es tut.

jf 45 *

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