Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

booksnow2.scholarsportal.info

Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

sind durA den landschaftliAen Hintergrund zusammengehalten. Es ist ein mit gleidilaufenden

grünen Hedcenstüdien und Reihen der uns bekannten runden Bäume bestandener Hügel, der

nadi vorn in eine steinige, kurz behandehe braungelbe Fläche übergeht. Der Himmel zeigt das

fahle lidite Gelb der Tafeln 165 und 167|68, und die Hügel sind hier so würzburgisdi wie

dort. Den Heiligenschein bilden einfadhe goldene Sdieiben: er ist überall durcfigeführt, während

ihn der Meister von 167168 vermeidet"*'. Die Hände sind an der Wurzel abgesetzt, und die

Finger, die gern in gleidier Höhe stehen, leicht abstehend. Eigenartig tritt wie ein Knick die

Biegung der Mitte des ersten Gliedes der Finger hervor, so dal) hier die Greiffinger Jörg

Stockers entstehen"'". Die Gestalten sind hoch und erinnern an die Scfilankheit Zeitbloms,

Maria trägt blaugrünes Unterkleid, das nur im unteren Teile sichtbar wird, im übrigen hüllt

sie ein sdiönes rotes Oberkleid vollständig ein. Das gleidie Rot kehrt audi in den übrigen

Bildern mit Vorliebe wieder. Über die Schultern fällt ein schön geschwungener weiljer Mantel

und ein ebensolches, flatterndes Kopftuch, das auch Stocker kennt. Das Haar liegt fest und

schlicht über dem breitstirnigen Kopfe und flieljt lang herab. Das Gesicht hat mehr Ausdrud?

als wir es bisher gewohnt waren zu sehen,- es ist von einem lebhaften Staunen beseelt, der

Mund beredt, und nicht so unnatürlich klein, die Augen weit und aufgerichtet, bedeutend und

ansprechend, Elisabeth, als würdige Greisin gekennzeichnet, zeigt ein ruhigeres Mienenspiel als

das der jugendlichen Mutter gegenüber, die tiefen Augen feierlich, sie ist mehr Mutter als

Heilige. Über dem grünem Kleid liegt ein roter Mantel,- Kopf und Schultern bedectt das

Haubentuch.

Die kleineren Bilder des Marienlebens zeigen keine Besonderheiten,- sie treten inhaltlich in keiner

Weise aus dem Rahmen des üblichen. Die Landschaft hat die Kugelbäume der Würzburger

Werkstatt, sehr lichten Himmel, fast immer ohne das geringste Blau, flache Farben, kurz be=

handelte abgerundete Hügel, hie und da ein sanft flieljendes Wasser. Der Ausdruck der Ge=

sichter strebt nach Deutlichkeit,- die Juden haben ihre überhängenden Nasen. Der Mund ist

„sprechend", die Mundwinkel sind leicht aufwärts gezogen, so da^ die ganze Gesellschaft von

einer gewissen Heiterkeit belebt erscheint. Bemerkenswert ist wieder die Vorliebe für versdhie='

denes Rot, außerdem Weil), Blau, Grün — möglichst ungebrochen, Beleuchtungsprobleme gibt

es nidit,- es geht alles nüchtern und natürlich zu,- die gelieferte Arbeit ist tüchtig und war

gewil) preiswert , . . Zu bemerken ist auch hier der hellgrau und braun cjuadrierte Fußboden,

der auf allen Innenräumen wiederkehrt, Hände und Gesichter sind — ein Merkmal der ge»

samten Werkstatt — von schwarzen LImril)linien scharf umzogen, wie denn offenbar viel Ge«

wicht auf die Zeichnung gelegt wird.

Sind also allgemein dieselben Züge vorhanden, wie wir sie vom Kiliansaltar und den beiden

Tafeln 167 und 168 feststellen konnten, so scheint hier doch eine andere Hand tätig gC'=

wesen zu sein. Auf der Vorderseite des Lesepultes der Darbringung im Tempel < Innenseite 4,

unten) befindet sich eine verblaute Inschrift, die nach Knapp „vielleicht Würzburg 1522 zu

lesen" wäre. Die Aufschrift ist offenbar dem Handzeichen des Woff Traut nachgebildet und

darf wohl als alte Fälsdiung angesehen werden "''^ Denn abgesehen von Trauts Künstlerschaft

als Dürerschüler war der Künstler 1522 bereits zwei Jahre tot. Für das Würzburger Bild

dürfen wir aber überhaupt schwerlich in die 1500 hineingehen,

Der gleichen Werkstatt und Entstehungszeit des Kiliansaltars möchten wir audi den kleinen

7 # 49 *

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine