Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

ein, wenn ein aus der Fremde zugezogener Meister in eine Stadt kam, in der die Maler nidit

zu einer Zunft zusammengesdilossen waren oder sonstwie Schwierigkeiten für den Fremden

wegen der selbständigen Ausführung seines Handwerkes bestanden. Er konnte dann nur im

Ansdilusse an einen am Orte ansässigen Meister seine Kunst üben und sein Brot verdienen.

So war es z. B. mit Mathis in Frankfurt der Fall, und so wird es audi in Mainz gewesen sein,

als er mit dem unsauberen Baltasar Nebel bei demselben Meister tätig gewesen war^"'. Wenn

dem aber so ist und es eine ganz gewöhnlidie Übung war, wo in aller Welt bleiben die be*

zeidinenden Merkmale einer Schule und Werkstatt, wohinaus will es mit der Stilkritik?

Was nun aber für den 'Zwi(£auer Aftar gilt, das trifft genau so audi für ein anderes Werk

Wohlgemuths und seiner Nürnberger Sdhule, den Hersßruc^er Aftar''"' zu. „Was an den

Hersbruder Bildern mit Wohlgemuths Art übereinstimmt, ist Gemeingut der Nürnberger

Zeitkunst. Bei eindringender Vergleidiung sdieidet sich alles einzeln deutlidi von einander:

andere Figuren, andere Farben, andere Kompositionen, andere Empfindung. Die Typen sind

klar und bestimmt ausgeprägt: grolle, tiefsitzende Augen, gerade vorgestrecitte spitze Nase . .

.,

die Haare sehr häufig in Spirallodten, Mund mit Vorliebe offen, die Hände gut artikuliert und

ohne die Wohlgemuth eigentümlicfien Abnormitäten. Die Modellierung mehr mit Strichen er^

reicht, niciit von der metallharten Glätte Wohlgemuths. Die Kompositionskunst des Hersbruckers

ist gering, die Stellung der Figuren im Räume kommt selten klar zum Ausdruck, die Hand^

futtgen verfiereit si

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