Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

Brauer gesdirieben) entdeckt, von dem er folgende Angaben zu madien weif): Am 14. Januar

1510 erwirbt Peter Brewer voti BeniBurg das Bürgerredit von Zwickau, wo er am 12. Sep«»

tcmber 1541 stirbt und eine Witwe, wahrsdieinlich audi einen Sohn hinterläßt. 1530 mul) er

sdion ein vermögender Mann gewesen sein. Hr wohnt 1536 auf dem Graben am Trinktor,

1530 und1536 wird er afs Mafer Bezeicßnet. In der Hauptsache sei er Bildsdinitzer gewesen,

und Tfecßsig weist von ihm 38 Werke nadi. Zweimal findet sidi die Aufsdirift „peter brauer

1513" an einem Flügelaltärdien der Kirdie zu Ursprung bei Chemnitz. Alle diese Werke sind

vor der Reformation entstanden. Unverkennbar ist, was Fledisig besonders betont, „eine groI)e

Verwandtschaft mit Tilman Riemenschneider ... so dal) man annehmen mul), er sei dessen Schüler

gewesen." Er rechnet ihn mit Bode'^^'' zu den tüditigsten Bildsdinitzern seiner Zeit.

Das Ratsbuch Nr. 4 des Städtisdien Archivs in Würzburg enthält auf S. 278a folgenden Ein^

trag: „1492 Domca. post assumpt. Marie virg. peter brauer von Zwicka Annthonig maier

von Gotha malergesellen promiserunt." Am Rande „Malergesellen". Es kann wohl keinem

Zweifel unterliegen, dal) es sidi um den Maler und Bildschnitzer Peter Brauer von Bernburg

handelt, der von Zwickau nadi dem Würzburg Riemenschneiders kommt, dort Bürger wird und

nadi Zwickau zurüdtkehrt, wo er sich später ganz niederläßt. Da der Marienaltar WohU

gemuths für 1479 beglaubigt ist, so gehen wir wohl nicht fehl, wenn wir uns seine Laufbahn

in großen Zügen etwa folgendermaßen zureditlegen:

Er beginnt sein Künstlertum als Maler — vielleidit in Mündien bei Pollak, dann in Nürnberg

bei Wohlgemuth, wo er 1479 am Zwicicauer, später auch am Hersbrucker Altar usw. tätig

ist. Dann —-

spätestens

1492 — siedelt er nadi Würzburg über, tritt bei Riemensdineider ein,

der hier die gleiche Tätigkeit eines Unternehmers für Schnitz« und Malwerke ausübt wie Wohl«

gemuth in Nürnberg, und kehrt im Alter nacht Zwickau zurück, wo er als wohlhabender Mann

hodibetagt stirbt. Denn, wenn wir für die Zwickauer Tafeln von 1479 ein Lebensalter von

25 Jahren annehmen, so würde er um 1435 geboren sein und bei seinem Tode ein Alter von

86—87 Jahren erreidit haben. Hiermit stimmt redit gut die Tatsache, daß alle seine Arbeiten

der Zeit vor 1517 angehören, wo er also 62—63 Jahr alt gewesen wäre und nun die Hand

hätte ruhen lassen. Die Mündiner Tafeln entstanden dann etwa im Jahrzehnt 1490—1500 mit

der Annäherung an die erste Zahl. —

Die Gestalt des Peter Brauer wirft ein Sdilaglidit auf die Würzburger Kunst dieser Zeit und

zeigt deutlich die Schwierigkeiten, denen wir bei der Aufgabe, ihre Eigenart zu erfassen, be«

gegnen. Hier ist ein in Mitteldeutsdiland geborener Künstler, der in Nürnberg unter einer so

ausgesprodienen Kunstübung wie der Wolgemuths lernt und dodi seine eigene Begabung

durchzusetzen weiß, mit dieser und dem Nürnberger Schulranzen in Würzburg unter gänzlidi

andere Einflüsse kommt und sidi auch hier durchsetzt, ohne dodi der Umwelt seinen Tribut

vorenthalten zu haben. Als Bildschnitzer übertrifft er selbst den ebenfalls aus dem Norden zu«

gewanderten Riemenschneider, und als Maler bleibt er, der er war: kann man nun das „Würz«

burger Schule" nennen und daraus eine Eigenart ableiten, die der ganzen Kunst der Zeit in

dieser Stadt und Landschaft das Gepräge gibt? Offenbar nicht,- denn es wäre falsch zu glauben,

daß Peter Brauers Beispiel alleinsteht,- im Gegenteil, es wird sidi vielfältig wiederholt haben

und beweist wenigstens das eine mit unzweifelhafter Klarheit, daß nämlich in den letzten Jahr«

zehnten des XV. Jahrhunderts die Stadt eine reiche künstlerische Tätigkeit muß entfaltet

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