Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

haben. Was Rom und die Welt des Papstes im Großen, das war Würzburg mit seinem Fürst«

bisdiof im Kleinen, ein Sammelpunkt von deutseben Künstlern aus allen vier Weltgegenden.

Hier konnte also Mathis sehr wohl eine Fülle von Anregung finden, und wenn es auch selbst*

verständliA nidht angeht, ihn bei dem Zwickauer Bildsdinitzer und Maler in die Lehre treten

zu lassen — war er doch vielleicht schon längst mainabwärts gezogen — so gibt es doch gewil)

zu denken, wenn man so manche Eigenarten der Brauersdien Kunst in Vergleich stellt. „Das

aufgeregte Wesen, die hastig ausfahrenden Bewegungen," „die Entwicklung des Gewandes um

des Gewandes willen" . . . sind das nicht „Anklänge an Grünewald", die sehr wohl auf Jugend»

und Schulerinnerungen zurückgehen?^" Und ist es ein Zufall, wenn der von den Henkern ge*

quälte Christ der Dornenkrönung in München denselben zerschnittenen und blutig

geschundenen Leib zeigt, den Grünewald durch seine ganze Kunst hindurch beibehalten hat?"-

Die Brauer, die PoIIak, die Holbein d. A. haben das gleiche Künstlerblut in ihren Adern wie

Mathis von Würzburg,

Zugleich mit Peter Brauer von Zwickau, dessen Bedeutung auch auf dem Gebiete der Malerei

nicht genug gewürdigt werden kann, wird der Maler Äfit^o/i[ig] von Gotha Bürger von

Würzburg. Wir wissen nichts welter von ihm, können aber In ihm einen Vertreter der nordi«

sehen Kunst sehen, die auf Würzburger Boden ganz ebenso Wurzeln wird geschlagen haben

wie die Kunst des Südens, Ostens und Westens. Man gibt sich gern dem Gedanken hin, was

auf einem Boden, dem ein Meister Mathis entsprlel^en konnte, für die deutsche Kunst nocfi

hätte werden können, wenn — ja wenn das deutsche Schicksal nicht eingegriffen und mit rück*^

sicfitsloser Gewalt durch die eignen Volkskräfte verniditet hätte, was ein Jahrhundert der Kraft

und Begabung langsam aufgebaut und entwickelt hatte .

Diese nordiscfie Kunst zeigen die in der Pfarrkircfie zu Maria »Magdalenen in Müttnerstacft

befindlichen vier Tafeln Aas Kifiansfegende^"'^^ . Sie

.

.

werden unter mil)verständlicher Ausnutzung

einer urkundlichen Notiz zu Unrecht dem Veit Stoss zugesprochen^'", gehören aber einem

Meister, der der Schulung und Auffassung eines nordischen Künstlers wie Hinriß Tu/ißof

nicht allzu fern gestanden sein kann'^". Da^ diese Kunst von irgendwelchem Einflüsse auf die

Würzburger gewesen wäre, ist kaum anzunehmen. Dazu währte sie wohl zu kurz. Jedenfalls

ist es nicht nachweisbar, und wir müssen uns begnügen, auch diesen bunten Faden mit in das

Gewebe zu schlagen, das das Bild der Würzburger Kunst vom Ende der 1400 dem Auge

des jungen Mathis mag geboten haben. Unter den nordischen Kunststätten, die ihre Söhne nach

Würzburg schickten, befinden sich Köln, Danzig Hamburg, Herford, Lübeck, Stettin . .

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