Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

sieben gefaxten Dreiedcgläser seines Nachlasses beweisen das, sondern seine ganze Kunst«

auffassung. Gibt man dies zu, so konnten wir feststellen, dal) Mathis in seiner Heimat Würz«

bürg Gelegenheit gehabt haben wird, seine ersten Versuche in dieser Kunst zu machen,

Ist so die allgemeine Grundlage gelegt, auf der wir uns die jugendliche Entwicklung Mathis

Neithards von Würzburg wohl denken können, so bleiben noch einige weitere Fragen zu be;=

antworten:

Gibt es in der Würzburger Malerei Werke, die unmittelbar an Grünewald erinnern oder einen

Einschlag seiner Kunst zeigen?

Finden sich im späteren Lebenswerke des Meisters Anhaltspunkte, für die Annahme, dal) sie

Erinnerungen an die Würzburger Heimat und Kunstwelt sein möchten?

Beide Fragen sind mit einem vorsichtigen Ja zu beantworten. —

3. WERKE MIT GRÜNEWALD-EINSCHLAG

Es würde die ganze Frage mit einem Schlage zu lösen sein, wenn es möglich wäre, ein auf

Würzburger Boden entstandenes Werk Meister Mathis' nachzuweisen. Das ist leider nicht der

Fall. Wenn es nun auch bis jetzt nicht gelungen ist, ein Frühwerk des Meisters, das mit Würz*

bürg zusammenhängt, nachzuweisen, so können wir seine Kunst, wenn auch erst aus zweiter

Hand, doch auf Würzburger Boden finden und sind auch hier in keiner schwierigeren Lage, als

bei dem ganzen Verlaufe unserer Untersuchung, die uns von Anfang bis Ende zum mittel-

baren Beweis und zum mühsamen Mosaik eines aus ungezählten Steinchen zusammengesetzten

Bildes zwingt.

Es erscheint uns möglich, deutliche Spuren seiner Kunst in zwei Werken zu erkennen, von

denen das eine sich noch in Würzburg befindet, während das andere im Münchener National«

museum ist, aber durch den Gegenstand selbst nadi Würzburg weist^". Das Münchener Bild

stellt den H. Kifian dar in Bischofstracht in einer Kirche, deren Säulenform an Ulm und Martin

Schaffner erinnert, und die, trotz der wenig vorgeschrittenen Befangenheit in der ganzen un«

sidieren Haltung des schmalschultrigen Heiligen unverkennbar schon in den Beginn der Einflüsse

der italienischen Auflebung fällt. Der offene Torbogen rechts mit der Blattleiste läljt den Blici^ frei

in eine Hochgebirgslandsdiaft, womit freilich nichts anders ausgedrückt ist als die Herkunft des

Heiligen aus dem schottischen Hochlande. Die Haltung des Heiligen — freilich ganz ohne die

Sicherheit grünewaldischer Figuren — , dessen etwas vorgeschobenes Haupt mit dem forschen«

den Blick unwillkürlich an den Erasmus« Albrecht von Brandenburg erinnert^^^ die Hände,

die Rechte mit dem gekrümmten abgespreizten kleinen Finger, der H. Cyriacus, der weltläufige

Faltenwurf, der um seiner selbst willen da ist, der Mangel eines Heiligenscheins — alles mutet

an, wie die Arbeit eines Schülers, der selbst schon in der neuen Zeit stehend an den Erasmus

Grünewalds und die Faltengebung Riemenschneiders anknüpft. Zu einer Einheitlichkeit ist seine

Kunst dabei nicht gekommen.

Ein zweites Werk, das ganz offenkundig unter dem Einflüsse der grünewaldischen Malweise

steht, ist die Ermordung des H. Kifian im Luitpoldmuseum zu Würzburg^'^^ Knapp^^'^ nennt

es ein bemerkenswertes Stück, weist es aber, obgleich „auf Würzburger Boden entstanden",

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