Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

2. ZUR ULMER BILDSCHNITZEREI

Es kann nldit unsere Aufgabe sein, in diesem Zusammenhange auf die Ulmer BildsAnitzerei

im Verhältnis zur Würzburger näher einzugehen. Wenn man siA aber vergegenwärtigt, wie

Meister Mathis — seine Anwesenheit in der Hauptstadt Schwabens vorausgesetzt — aus seiner

Würzburger Umgebung heraus unmöghdi an der überaus regen und noch weit ausgedehnteren

Tätigkeit der schwäbisdien und insbesondere der Ulmer Bildschnitzer vorbeigegangen sein kann,

wie er anderseits als Meister und „Unternehmer" des Isenheimer Altars ein gewichtiges Wort

auch bei der Gestaltung des geschnitzten Haupt«' und Mittelstückes wird mitgesprodien haben,

so dürfen wir auf diesen Zusammenhang in aller Kürze hinweisen ''''. Hier mul) zunächst auf^

fallen, dal) der Isenheimer Altar zu den seltenen Altarwerken gehört, deren Mittelstück zwei

stehende Heilige um eine thronende Mittelfigur bilden. Baum nennt au^er Isenheim noch den

Altar Friedrichs III. im Stefansdom, den Herlmaltar in Bopfingen, den Hochaltar von RuI) im

Dom zu Chur, den Hochaltar von Winnental, den Barbaraaltar im Sdilol) Tirol und den

Altar Nr. 192 im Viktoria» und Albertmuseum in London. Der Altarschrein aus Tlöaffjeim'"^

stammt ohne Zweifel aus Ulm und wird mit grol)er Wahrscheinlichkeit der Meisterwerkstatt

des DaniefMaucß z\i^zs6\x\^zx\. Wenn er so spät wie 1515 angesetzt wird, so spricht das

nicht dagegen, dal) für den von 1507— 1510 entstandenen Isenheimer Altar nicht ebenfalls die

Werkstätte des Daniel Mauch in Frage kommen sollte. Diese Annahme wird sehr gestützt

durch den Vergleich der weiblichen Köpfe auf dem Ulmer Sdinitzwerk und dem Werke Mathis':

Die Thalheimer Muttergottes und die Hayinger klagende Maria Magdalena sind nahe Ver^

wandte von Grünewalds Maria der Verkündigung und Magdalena unterm Kreuz. Ob bei der

Figur des H. Antonius die Schnitzfigur desselben Heiligen, die sich in der Ursulinerinnenkirche

zu Würzburg befindet und vor Riemensdineider entstanden ist^'', irgendwie mitgewirkt hat,

bleibe dahingestellt. Dagegen ist es nicht gewagt, das Ulmer Sdhnitzwerk der Heiligen Sippe,

das Baum um 1515 ansetzt ^'^ zum Vergleich heranzuziehen.

3. ULM UND DIE GLASMALEREI

Weit mehr Gewidit als auf diesen Zusammenhang ist auf die Bedeutung Ulms als des glän»

zenden Mittelpunktes deutscher Glasmalerei im letzten Drittel der 1400 und auf Mathis' ver*

mutete Beziehungen dazu zu legen.

Die Tafelmalerei der 1300 und 1400 steht mit der Glasmalerei in einem sehr engen Zusammen»

hange: sie war sicherlich davon weit abhängiger, als von unsrem Standpunkte aus sichtbar wird,

und wir infolge der zahlreich zugrunde gegangenen Werke der Glasmalerei jemals werden be»

weisen können. Die Tatsache aber, dal) Maler, Bildsdinitzer und Glaser in den Urkunden immer

zusammen genannt werden, und dal) eine ganze Reihe von Meistern der Tafelmalerei auch

ersten Ranges auf dem Gebiete der Glasmalerei tätig waren — in der Frühzeit zugleich ent»

werfend und ausführend, im Niedergang der Kunst nur mehr entwerfend — beweist zur Ge-

nüge, welche Bedeutung diesem Zweige der bildenden Kunst, die in den genannten Jahrhunderten

jede andere Malerei überragte, zukommt. Wenn also der für tedinische Dinge begabte Würz»

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