Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

urger Künstler sidi der Malerei zuwandte, so ist es nicfit als ungewöhnlich und als Ausnahme

zu betrachten, dap er mit der Glasmalerei anfing, sondern das war einfach das Selbstverständ»

liehe. Denn die Glasmalerei, nicht die Tafelmalerei war die führende Kunst dieser Zeit, und

Mathis bestätigt diese Auffassung durch sein ganzes Lebenswerk"''.

Kam Mathis nach Ulm, hatte er bereits eine künstlerische Lehrlingszeit in einer Malern, Bild«

Schnitzer» und Glaserwerkstatt in Würzburg, Gesellenarbeit in Aschaffenburg hinter sich: so

ist das nächstliegende, was er in Ulm tun konnte, der Bintritt in eine der großen Glasmalerei«

Werkstätten, die es dort gab,- denn hier bot sich ihm alles, was seinem malerischen Empfinden

den Flug zu den höchsten Zielen vermitteln konnte. Es ist sicher kein Zufall, dal) die meisten

der Namen, die im Zusammenhange mit den auf das Werk Grünewalds einflul)reichen Kunst«

lern genannt werden, mit der Glasmalerei zusammenhängen: so der jüngere Muftscßer, Lud-

ivig Scßougauer, der ältere Hofßein, dann Hans BafJung, Dürer, Hans von KufmSacß.

Mathis selbst wird Kunst und Kunstgenossen am leichtesten in einer der größten Werkstätten

Ulms haben kennen lernen können, die, so gleichmäßig die daraus hervorgegangenen Werke

auch Jahrzehntelang sind, doch eine grolje Anzahl von ausführenden Künstlern besessen haben

mul) — wir nennen die Werkstatt der beiden Hans Wifd, Vater und Sohn.

Durch Wild wird die Glasmalerei Ulms zur höchsten technischen Vollendung geführt,- er betritt

aber zugleich als Erster den Weg zu ihrem unrettbaren Niedergang.

Das der gesamten bildenden Kunst der 1400 innewohnende Streben bildet die bewul)te oder

unbewußte Eroberung des Raums. Ging die romanische Kunst ihrer Natur entsprechend dieser

Aufgabe mit bewußter Zielstrebigkeit zuleibe, legte ihr die deutsche Kunst aus dem gleichen

Grunde weit weniger Bedeutung bei — entziehen konnte sich der Aufgabe kein bildender Kunst*

1er, mochte er auch die Fülle des Ausdruci

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