Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

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Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

wie es so stattlidi und seetüAtig, so farbig, so frei und so stolz nie wieder auf dem Ozean

deutsdier Kunst seine herrlicfie Flagge entfaltet hat.

Nur so erklären sidi Dinge, die man wohl audi als rüdiständig bei ihm zu betradhten pflegt

und zu den Umständen redinet, die ihn als auf der Grenzlinie zweier Welten stehend hinstellen,

als ob er — eine glänzende „problematische Natur" ~- mit dem einen Fu^e im Mittelalter, mit

dem anderen in der anbredienden Neuzeit gestanden hätte. Es ist ein falsdies Bild, Wohl war

Mathis so gut ein Kind seiner Zeit, der er seinen Zoll entrichtet, wie jeder andere Meister.

Aber wie jeder geniale Mensdi hebt er sich auch weit über diese Zeit hinaus, und mandies, das

wir für Fehler und Schlacken einer toten Vergangenheit halten, fällt uns nur deswegen in die

Augen, weil es uns ungewohnt ist, und wir es nicht mehr verstehen.

Hierher gehören seine schon berührte Unbekümmertheit um die Perspektive, seine Raum*

anschauung, die nicht mehr als notwendig über die Grenzen der Glasmalerei hinausgeht, seine

„archaistische" Auffassung der Gröl)enverhältnisse'^", endlich auch die wiederkehrende Beobach^'

tung, deil) man bei Hintergrundsfiguren Grünewalds bald Oberkörper ohne die zugehörigen

Beine, bald Beine ohne Oberkörper antrifft. Auf der jugendlichen Verspottung versdhwinden

die Unterkörper des Hintergrundes fast ganz, aber auch beim späteren Moritzbilde weil) man

nicht, wenn man so neugierig ist, danach zu fragen, wem sie zukommen. Wie kann auch ein so

winziges Köpfchen und schmächtiger Oberkörper einem Armbrustschützen gehören, der so

mächtige

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