Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

booksnow2.scholarsportal.info

Die Grünewald-Legende, kritische Beiträge zur Grünewaldforschung

4. ULM ALS WIEGE DER NEITHARTE

Die zahlreidien Beziehungen, die siA im Laufe der Untersuchung zwischen Würzburg und

Ulm ergaben, sind damit nicht erschöpft. Nidit in Würzburg, sondern in der alten Reicfisstadt

Ulm ist die Wiege der Neitßarte zu suchen: nirgends ^x^aren sie verbreiteter, nirgends haben

sie um die Zeit Grünewalds eine widitigere Rolle gespielt,- und wenn wir nun erfahren, dal)

es dort auch mehrere Matßis des Namens gibt, die mit unserem Mathis gleichaltrig sind, wenn

sidi nodi andere zu den Beziehungen finden, die Ulm als Kunststätte mit unserm Meister

verbinden: so kann die Antwort auf die Frage, ob das alles nur Zufall sei, sdiwerlidi zwei.»

deutig ausfallen.

Ulm hat auch seinen Scßarofd: Weyermanti^'^^, Wir sind auf ihn aber weit mehr angewiesen,

weil ein großer Teil wicfitiger Ulmer Urkunden verlorengegangen ist '''.

Weyermann berichtet von der Ulmer Patrizierfamilie Meirßart, sie stamme aus dem Nordgau

und komme bereits 931 vor: in diesem Jahre habe der ^xsixol MarkgrafLuitpofcf, der 911

Herzog in Bayern wurde, nadi dem Tode des Bisdiofs MeginBert einem A^ Meitßart das

Bistum SeBen übergeben. In Ulm kommt sie sdion im Jahre 1314 vor und erwirbt in der

Gegend gro^e Güter. Ristissen usw. kam 1438, Donaurieden 1467 in ihren Besitz. Die Neit=

harte gelangten zu ungewöhnlichem Reiditum. Mit JoBann SeBastian MeitBart, Senatoren in

Ulm, stirbt am 7. März 1658 die Familie aus,- ihre Hauptblüte fällt in das Jahrhundert von

1450—1550. Beinah während des ganzen XV. Jahrhunderts haben die Neitharte das oberste

Pfarramt inne, bekleiden jahrzehntelang die einflu^^' und einkünftereidie Stadtschreiberei und

unterhalten weit umher wichtige Verbindungen. Sie erlangen neben der Pfarrkirche in Ulm audi

in verschiedenen Hodi« und anderen Stiffen höhere geistlidie Würden und sind in geistlicfien

und weltlidien Dingen sehr erfahren, so dal) sie bei wichtigen Verhandlungen der Stadt oft ver*

wendet werden. Von ihren theologischen Kenntnissen sind indes wenige Denkmäler vorhanden.

In der Blütezeit unterhält die Familie einen eigenen Kaplan^'"'. Ufricß NeitBarts, des alten

Bürgermeisters von Ulm, Name steht als Hauptmann des Sdiwäbisdien Bundes unter dem

Vertrage vom 5. Juni 1528, den der Bund zu Worms zusammen mit dem Kurfürsten Ludwig

von der Pfalz mit dem Landgrafen Philipp „wegen des Dr. Pack und seiner Händel mit den

2. genannten Bischöfen und dem Erzbischof Albredit von Mainz gesdilossen haben""''''. Albredit

kam also mit zwei Neitharten in nähere Berührung: Mathis Neithart oder Gothart von Würz«

bürg und UlriA Neithart von Ulm. Die Vermutung liegt nahe, dal) der Würzburger in Ulm

den Namen GotBart annahm, um sich von den Ulmer Namensvettern zu unterscheiden.

Das Wappen der Ulmer Neitharte entspricht nicht der Hausmarke des Würzburger Bau=»

meisters

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine