Tipps für die private Weinprobe - Land & Genuss

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Tipps für die private Weinprobe - Land & Genuss

Tipps für die private Weinprobe

Weine faszinieren, nicht nur weil sie

Genuss bereiten. Sie fordern unseren

Intellekt wie kaum ein anderes

Getränk. Wie lange sollte ein Wein

reifen, welches Gewächs ergänzt eine

Speise perfekt, welche Rolle spielt der

Jahrgang? Niemand wird sich diese

Fragen stellen, bevor er ein Glas Limonade

trinkt. Es ist aber kein Hexenwerk,

einen Wein sachgerecht zu beurteilen

und zu genießen. Vom Weineinkauf,

der richtigen Lagerung, dem passenden

Weinglas bis zur Degustation finden

Sie hier alle Tipps für das perfekte

Weinerlebnis zuhause.

Weineinkauf

Nicht selten hält selbst eine kleinere

Weinhandlung ein Sortiment von

mehreren Hundert Weinen bereit. Viele

Kunden fühlen sich beim Anblick

der Regale überfordert, fachgerechte

Beratung fehlt. Finden Sie den richtigen

Weinhändler. In Deutschland gibt

es eine Reihe zertifizierter Weinhandlungen,

die durch den Verein Weinlive

e.V. regelmäßig überprüft werden. Zu

den Serviceleistungen gehören Beratung

und Weinproben vor Ort, direkte

Kontakte zum Winzer, regelmäßige

Die große Weinauswahl im Handel ist

oftmals unübersichtlich. Ein guter Fachhändler

gibt Orientierungshilfe.

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Info-Newsletter und eine optimale

Kundenpflege. (weitere Informationen

unter: www.weinlive.com)

Der Weineinkauf lässt sich langfristig

planen. Beginnen Sie beispielsweise

mit Weißweinen, die Sie im Zeitraum

von drei Monaten nach Rebsorten

probieren. Das können vier verschiedene

Gewürztraminer, vier Rieslinge

oder vier Sauvignon blancs sein, die

nun in einer Probe gegenüber gestellt

werden. Es müssen keineswegs teure

Weine sein, oft bieten preiswerte Tropfen

großen Genuss.

Für die private Weinprobe zuhause

kann man auch eine imaginäre Wein-


eise unternehmen. Mit Weinen aus

Baden versus Burgund oder aus der

Pfalz und vom Mittelrhein lassen sich

interessante Kontraste finden, gerade

wenn man die gleichen Rebsorten

wählt. Ein guter Weinhändler wird

die für die jeweilige Region typischen

Weine bereithalten und empfehlen

können.

Weinlagerung

Weine sind empfindliche Naturprodukte,

die richtig gelagert werden

müssen, wenn sie ihre Qualität bewahren

sollen. Bereits in der Antike

stellte man Überlegungen an, wie

Weine fachgerecht aufbewahrt werden

können. Vermischt mit Honig

wurden sie in ein Tongefäß gegeben

und in der Erde vergraben, um sie

möglichst kühl zu halten. Erst mit der

Einführung von Flaschen und Korken

im 18. Jahrhundert begann man, Weine

bewusst reifen zu lassen, um ihre

Qualität zu verbessern. Jetzt erzielten

reife und hochwertige Rotweine erstmals

höhere Preise, als junge, frisch zu

trinkende Weiße.

Hier beginnt die Legende um die

Reifung von Weinen, obwohl nicht

alle Kreszenzen geeignet sind für

den Alterungsprozess. Die meisten

Rosé- und Weißweine werden heute

für den raschen Konsum erzeugt und

schmecken frisch am besten. Unter

den Roten sind nur jene Weine für

eine lange Reifung gedacht, die über

eine starke Struktur und ein enormes

Fruchtpotenzial verfügen.

Grundsätzlich macht es keinen Unterschied,

ob ein Wein in einem teuren

Spezialkeller oder einem einfachen Lagerraum

aufbewahrt wird, vorausgesetzt,

diese Bedingungen sind erfüllt:

– Es sollte kein direktes Sonnenlicht

auf die Flaschen fallen.

– Die Umgebung sollte kühl und

geruchsfrei sein.

– Die Flaschen sollten liegend gelagert

werden.

Die Temperatur ist sehr wichtig,

denn sie beeinflusst

verschiedene chemische

Prozesse, die die Reifung

beschleunigen

können. Ideal ist eine

Die Weinkellereinrichtung reicht

vom einfachen Weinregal …

… bis zum professionellen Weinklimaschrank.

Lagertemperatur von rund 7 bis 13 °C.

Wenn ein Wein von der Lagerung

profitieren soll, muss die Reife langsam

und behutsam erfolgen. Niemals

sollten Weine einer extremen Temperaturschwankung

ausgesetzt werden,

also beispielsweise aus einer warmen

Umgebung direkt ins Eisfach gelegt

werden. Auch die mehrfache Kühlung

eines Weines kann sich ungünstig auf

die Qualität auswirken.

Wenn Flaschen stehend gelagert werden,

kann der Korken austrocknen

und luftdurchlässig werden. In Folge

könnte der Wein oxidieren. Mit der

Einwirkung von Sonnenlicht sieht es

ähnlich aus. Eine gute Weinfachhandlung

wird ihre Produkte deshalb nicht

im Schaufenster ausstellen.

Spezielle Weinkühlschränke bieten

den Vorteil, dass die Weine über einen

Trinkreife

längeren Zeitraum unter absolut

konstanten Temperaturen,

der gleichen Luftfeuchtigkeit

und – im Gegensatz

zum normalen Kühlschrank

– vibra tionsfrei gelagert werden

können. Zwar ist es wissenschaftlich

nicht eindeutig

belegt, dass Vibrationen einen

schädlichen Einfluss auf

den Wein haben, aber viele

Weinkenner bestehen auf ihrer

Erkenntnis, dass Ruhe die

beste Voraussetzung für die

Weinlagerung ist.

Die Frage nach der perfekten Trinkreife

eines Weines ist immer wieder

Gegenstand für Diskussionen unter

Weinkennern. Ohne Zweifel bereitet

ein optimal gereifter Wein den

größten Genuss, denn er zeigt sein

volles Aromenspektrum. Würde der

gleiche Wein zu früh getrunken, könnte

er nichtssagend, adstringierend

oder unreif schmecken. Umgekehrt

ist es bedauerlich, wenn ein Tropfen

über viele Jahre sachgerecht gelagert

wurde, aber den Zeitpunkt seiner

Trinkreife längst überschritten hat.

Hier ist natürlich in erster Linie die

Rede von Rotweinen, deren Tanningehalt

eine konservierende Wirkung

hat. Unter den Weißweinen, die meist

frisch am besten schmecken, gibt es


zwei Ausnahmen: Deutsche Rieslinge,

die sich durch eine exzellente Säurestruktur

auszeichnen, und edelsüße

Weine, deren Gehalt an Zucker ebenfalls

konservierend wirkt.

Zunächst einmal gilt Folgendes zu

bedenken: Es gibt nicht den einen,

kurzen Moment, an dem der große

Rotwein perfekt gereift ist. Vielmehr

geht es um einen langsamen Prozess.

In diesem Zeitraum verändern sich

die Fruchtaromen, der Wein wird

weicher und im Idealfall komplexer.

Während dieser Phase kann es einen

Zeitpunkt geben, an dem der Wein

schwächelt. Es bleibt also schwierig,

den richtigen Reifestatus abzuschätzen.

Wein ist ein lebendiges Produkt

Info

Für einen großen Rot wein gibt

es keinen kurzen Augenblick der

perfekten Reife. Er reift langsam und

über einen langen Zeitraum.

und gerade diese Tatsache macht

ihn interessant. Günstig ist in jedem

Fall, mehrere Flaschen des gleichen

Jahrgangs einzukaufen und im Laufe

der Zeit zu beobachten, wie der Wein

sich verändert. Grundsätzlich gilt, je

kräftiger und komplexer ein Wein ist,

desto länger darf er reifen. Ein hochwertiger

Cabernet Sauvignon oder

Merlot mit großer Komplexität und

frischer Frucht sollte zirka fünf Jahre

oder sogar länger ruhen. Dieser Wein

könnte für einige Jahrzehnte von einer

Reifephase profitieren.

Einfachere Rotweine werden meist

zum Zeitpunkt ihrer Trinkreife auf den

Markt gebracht und können in der

Regel direkt getrunken werden.

Trinktemperatur

Es kommt leider allzu häufig vor, dass

Rotweine „bei Zimmertemperatur“ serviert

werden, sogar in der Gastro nomie.

Diese Faustregel stammt aus einer Zeit,

als man noch keine Zentralheizung

kannte. Auch ein hochsommerlicher

Tag kann durchaus Zimmertemperaturen

von weit über 25 °Celsius aufweisen.

In diesem Fall gilt auch für Rotweine:

Sie gehören in die Kühlung. Die

richtige Serviertemperatur orientiert

sich am Charakter eines Weines. Sie

beeinflusst den Geschmack von Alkohol,

Süße, Säure und Fruchtaromen. Ein

gut gekühlter Weißwein lässt die Süße

ein wenig in den Hintergrund treten

und hebt die Säure hervor, so dass er

leichter und frischer schmeckt. Wird

der Wein allerdings zu kalt serviert,

können sämtliche Aromen verdeckt

werden, er schmeckt fade und uninteressant.

Gleichzeitig lassen sich eventuelle

Weinfehler durch eiskalte Temperaturen

kaschieren, daher sollten

Bei Qualitätsweinverkostungen sollte

unbedingt die Temperatur der Weine

überprüft werden.

sie während einer (Qualitätswein-)Verkostung

unbedingt beachtet werden.

Wenn Weißweine zu warm genossen

werden, könnte der Alkoholgeschmack

dominieren. Eine zu niedrige Temperatur

von Rotwein lässt den Wein dünn

erscheinen, die Aromenstruktur kann

sich nicht entfalten.

Info

Mit folgender Faustregel erzielt man die besten Geschmacksergebnisse:

– Trockene und frische Weißweine: 8 bis 10 °Celsius

– Halbtrockene und/oder hochwertige Weißweine: 9 bis 12 °Celsius

– Rosé: 9 bis 11 °Celsius

– Jüngere und frische Rotweine: 12 bis 15 °Celsius

– Gehaltvolle Rotweine: 15 bis 17 °Celsius

– Spitzenrotweine: 16 bis 18 °Celsius

– Sekte und Champagner: 6 bis 8 °Celsius

– Edelsüße: 10 bis 16 °Celsius


TIPP

Reichen Sie stilles Wasser und Weißbrot

zur Verkostung, damit sich Nase

und Gaumen zwischendurch entspannen

und neutralisieren können

Grundsätzlich sollten komplexe Weine

ein wenig wärmer serviert werden, als

frische und jugendliche Weine. Da sich

die Temperatur im Glas rasch erhöht,

können alle Weine etwa 2 bis 3 Grad

kühler eingeschenkt werden und sind

dann perfekt für den Genuss.

Weingläser

Ein hochwertiges Weinglas hebt den

Geschmack und die Komplexität eines

Weines. Das wird man rasch feststellen,

wenn man den gleichen Wein in

einem Wasserglas und anschließend

in einem guten Weinglas probiert. Das

Angebot im Handel ist riesig, ebenso

die Preisspanne. Folgende Kriterien

können bei der Wahl des richtigen

Glases helfen:

– Weingläser sind zerbrechlich. Das

sollte man bedenken, wenn man

ein sehr teures Glas wählt. Für den

täglichen Gebrauch sind preiswerte

Gläser empfehlenswert.

– Für Weinproben sollte man eine

ausreichende Stückzahl von Gläsern

einkaufen, damit man mehrere

Weine der gleichen Rebsorte gegenüberstellen

und verkosten kann.

– Das Glas sollte über ein relativ großes

Volumen verfügen, damit sich

die Aromen des Weines voll entfalten

können. Günstig ist es, wenn sich

die Form nach oben verengt, damit

die Duftstoffe gebündelt werden

und nicht zu rasch entweichen.

– Ein hoher Stiel ist empfehlenswert,

um das Glas halten zu können, ohne

den Kelch zu berühren. Der Wein

würde sonst sich sonst zu rasch erwärmen.

– Wählen Sie ein farbloses, klares Glas

ohne Verzierungen. Nur so lässt sich

die Farbe und Klarheit des Weines

beurteilen.

– Das Glas sollte möglichst dünn sein,

damit der Wein direkt auf die Zunge

fließen kann.

– In keinem Fall sollten die

Gläser klein sein. Sie werden

grundsätzlich nur

maximal bis zur Hälfte

gefüllt, damit man

die Weine schwenken

kann, um die

Aromen frei zu setzen.

Eine Ausnahme

sind Sektgläser, die

eine schmale Flötenform

haben und nahezu

ganz gefüllt werden können.

So entfaltet sich die feine Perlage

eines Schaumweines am besten.

Welches Glas ist das

Richtige? Lassen Sie sich

im Fachhandel beraten.

– Kräftige Rotweine entwickeln sich

am besten in dickbauchigen, voluminösen

Gläsern.

– Junge und spritzige Weißweine genießt

man in der Regel in Gläsern,

deren Rand etwas nach außen gewölbt

ist. So kann der Wein unmittelbar

auf die Zungenspitze treffen,

und die Säure wird etwas weniger

deutlich wahrgenommen.

– Körperreiche Rotweine verkostet

man in runden Burgundergläsern,

die den Aromen Raum geben zur

Entfaltung. Die größere Öffnung

des Glases lässt den Wein auf den

vorderen Zungenbereich treffen. So

wirken die Gerbstoffe milder und

weicher.

TIPP

Die Form und Größe des Glases kann

den Geschmackseindruck eines Weines

gravierend beeinflussen. Lassen

Sie sich Zeit bei der Auswahl.

Die Verkostung

Den Ort und Zeitpunkt für eine Weinverkostung

werden Sie selbst bestimmen.

Professionelle Juroren beurteilen

die Weine jedoch meist am Vormittag,

wenn die Geschmacksnerven frei sind

von intensiven Eindrücken nach Mahlzeiten

oder dem Genuss von Kaffee.

Anderenfalls sollte man erst einige

Stunden nach dem Essen mit einer

Verkostung beginnen.


TIPP

Der erste Schluck lässt sich schwer

beurteilen, denn die Zunge muss

sich zunächst an Säure und Alkohol

gewöhnen. Daher ist es sinnvoll,

diese Probe zu einem späteren Zeitpunkt

noch einmal zu kosten.

Sortieren Sie die Weine in dieser Reihenfolge:

leichte Weine vor schweren,

trockene vor lieblichen, junge vor alten,

alkoholleichte vor alkoholstarken,

Weißweine vor Rotweinen.

1. Sehen: Das Aussehen eines Weines

verrät Vieles über seine Beschaffenheit,

die Qualität und das Alter.

Halten Sie das Weinglas geneigt

gegen einen weißen Hintergrund.

Ein Weißwein sollte grundsätzlich

klar sein, Kristalle von Weinstein

sind jedoch kein qualitätsminderndes

Kriterium. Die Farbe von Weißweinen

wird im Verlauf der Reifung

dunkler, während Rotweine heller

erscheinen, wenn sie altern.

Info

Falls möglich sollte man einen

hellen Raum mit Tageslicht wählen.

Wichtig ist eine Belüftungsmöglichkeit,

damit keine fremden Gerüche

während der Verkostung stören.

In diesem Raum sollte man nicht

rauchen und keine Parfüms oder

Aftershaves tragen.

2. Riechen: Im Wein lassen sich Hunderte

von Aromen nachweisen. Die

meisten davon können wir riechen.

Im Geschmack nehmen wir meist

nur drei Grundelemente wahr: süß,

sauer und bitter. Salzig als vierte

Komponente ist etwas seltener

vorhanden im Geschmack eines

Weines. Die Geruchswahrnehmung

setzt sich jedoch fort, wenn der

Wein die Geschmackspapillen im

Mund umspült. Wenn wir einen

Wein lediglich trinken, ohne den

Duft wahrzunehmen, erhalten wir

keinen Eindruck von der Aromenvielfalt.

Am besten lässt man das

Glas zunächst stehen und schwenkt

es. Man riecht hinein, bevor man

einen ersten Schluck nimmt. Es ist

zu Beginn schwierig, die einzelnen

Elemente des Duftes zu benennen.

Doch mit etwas Übung wird man

feststellen, dass die Aromen an bekannte

Dufteindrücke erinnern.

3. Schmecken: Als Geschmack bezeichnen

wir den Gesamteindruck aus

Aromen, Körper, Textur und Duft. Der

Ausdruck ‚Körper‘ für einen Wein lässt

sich am einfachsten erklären mit

folgendem Vergleich: Probieren Sie

nacheinander fettarme und halbfette

Milch und im Anschluss Vollmilch.

Auf den Wein übertragen bedeutet

das: Ein Wein mit mittlerem Körper

verfügt über mehr Fülle und Viskosität,

vergleichbar mit Vollmilch. Ein

voller Körper kleidet den Mund aus.

Vier Schritte zur professionellen Weinverkostung

Das bedeutet nicht zwangsläufig,

dass Qualität und Aromenintensität

höher sind. Auch ein leichter

Weißwein kann über ein großartiges

Aromenspektrum verfügen.

Die Textur ist eng verwandt mit

dem Körper. Um sie zu beschreiben

kann man sich an Stoffen orientieren.

Weich wie Seide oder kratzig

wie Schurwolle: Diese Eindrücke

erschließen sich, wenn man den

Wein ausgiebig im Mund zirkulieren

TIPP

Notizblöcke und Stifte helfen, die

Eindrücke während einer Verkostung

zu sammeln und später zu

vergleichen.

lässt. Was den Geschmack betrifft,

diskutiert man weiter darüber, ob

die vier Elemente „süß“, „sauer,“ „salzig“

und „bitter“ ausreichen, um alle

Kriterien zu erfassen. „Umami“ als

fünfte Komponente wurde ergänzt

und bezeichnet einen fleischigen,

herzhaften Geschmackseindruck.

4. Beschreiben: Eine gute Hilfestellung,

um die vielfältigen Aromen

und den Geschmack eines Weines

in Worte zu fassen und sich damit

an das Genusserlebnis erinnern zu

können, bietet das Aromarad für Rot-

und Weißweine, das das Deutsche

Weininstitut herausgegeben hat.

(Weitere Informationen unter: www.

deutscheweine.de)

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