Strom durch Wasserkraft

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Strom durch Wasserkraft

Strom durch Wasserkraft

Seit langem ist der Begriff „erneuerbare Energien“ so etwas wie ein Schlagwort.

Täglich von vielen Zeitgenossen ausgesprochen, in den Medien zu lesen. Politiker

fordern immer wieder deren Nutzbarmachung, Anlagenbauer werben massiv für eine

solche. Eine Differenzierung bezüglich des wirklichen Nutzens derselben im Hinblick

auf Wirtschaftlichkeit für die Allgemeinheit, auf Naturverträglichkeit erfolgt so gut

wie nicht. Lediglich recht unklare Hinweise auf gesparte CO 2 Emissionen und sehr

genauer Berechnungen über die Amortisierung der Investitionen für den jeweiligen

Investor sind immer wieder zu hören und zu erfahren. Die Lukrativität der Verzinsung

des eingesetzten Kapitals ergibt sich jedoch nicht aus dem Wert der so gewonnenen

Energie – insbesondere der aus Wasserkraft gewonnenen – sondern aus der

Subventionierung der Anlagen und ihrer Ausbeute mit Steuermitteln und durch

Einspeisungsvergütungen in das öffentliche Stromnetz mit Beträgen, welche zuvor

auf den Kilowatt – Preis von herkömmlich erzeugter Energie aufgeschlagen werden.

Da bei der Stromgewinnung aus Wasserkraftanlagen immer auch die

Unterwasserfauna stark geschädigt wird, regt ein aktueller Bericht mit dem Titel:

„Fischschutzmöglichkeiten an Wasserkraftanlagen“ und dem Untertitel –

Schutzmaßnahmen für Jung- und Kleinfische im Turbinenzuleitungskanal hinter dem

Rechen – zum Nachdenken an.

Der Artikel wurde veröffentlicht in der Zeitschrift „Natur in NRW, Nr. 4/2010, des

Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein – Westfalen.

Berichtet wird über eine Untersuchung mittels Sonarbildern, erstellt von einem

DIDSON – Sonargerät.

Ziel war es, das Verhalten von Fischen im Zulaufschacht festzustellen um durch die

daraus gewonnenen Ergebnisse Vorschläge zum Einbau von Sammel – und

Ableitungssystemen in bestehenden Anlagen vorschlagen zu können. Solche fehlen

bis heute und so werden große

Mengen von Fischen nach wie vor durch die Turbinen der Wasserkraftanlagen

verletzt oder getötet. Dies wird seit Jahrzehnten hingenommen und von den

Anlagenbetreibern und Genehmigungsbehörden immer noch weitestgehend ignoriert.

Was nicht in dem angeführten Bericht nachgelesen werden kann, ist die Tatsache,

dass die

Initiatoren und die Durchführenden der Untersuchung vor der Ethikkommission des

LANUV erscheinen mussten. Über die Vorgaben des Tierschutzgesetzes hinaus

musste dort glaubhaft versichert und dokumentiert werden, dass den für die

Versuchsanordnung erforderlichen und einzusetzenden Fischen vorab keine

Verletzungen – durch Implantierung von wie auch immer gearteten Kennungen oder

Ortungssendern – oder sonstigen Manipulationen, zugefügt würden.

Na und? – darf gefragt werden – und die Antwort wird lauten: Es ist doch wohl die

Pflicht und das Recht einer Ethikkommission, sich der Einhaltung ethischer Normen

oder Vorgaben zu vergewissern – auch durch Überwachung der

Versuchsdurchführung, welche ebenfalls erfolgte. Das Tag und Nacht tausende von

Fischen durch die Turbinen von Wasserkraftanlagen verletzt oder getötet werden,

entzieht sich anscheinend dem Wissen der Ethikkommission. Diese, schon wegen der

Größenordnung, ungeheuerliche Verletzung des Tierschutzgesetzes und die

entstehenden Folgeschäden durch die rücksichtslose dauernde Vernichtung von

großen Teilen der Fischfauna wird von der Ethikkommission, soweit sie vielleicht


doch um diesen unhaltbaren Zustand weiß, offensichtlich als betriebsbedingt und

nicht änderbar hingenommen.

Eine Ethikkommission, mit ehrenamtlich tätigen Personen besetzt, welche alle keine

Wasserkraftfachleute sind, wird nur schwerlich die komplexe Problematik

durchschauen – bestehend aus dem Widerspruch zwischen Tierschutzgesetz und

Betriebsbedingtheit. Immerhin hat sie der Versuchsdurchführung mit lebenden

Fischen zur Erreichung von geringeren Mortalitätsraten beim Betreiben von

Wasserkraftanlagen zugestimmt.

Über den Sinn, beziehungsweise den Unsinn, von Wasserkraftanlagen beim heutigen

Stand der Technik zur Gewinnung erneuerbarer Energien aus anderen Ressourcen,

hatte sie nicht zu befinden.

Ganz allgemein stellt sich die Frage nach einer unheiligen Allianz zwischen

Anlagebetreibern und - von politischen Parteien gesteuerten – Genehmigungs- und

Überwachungsbehörden.

Mit dem Etikett „Wir sind für die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Energien“

werden erstens Wählerstimmen gewonnen und zweitens die Subventionspfründe der

Anlagenbetreiber gesichert. Im Gegenzug werden diese sich hüten kundzutun, dass

die Wasserkraftanlagen

ohne Subventionierung wirtschaftlicher Unsinn sind. Sie würden sonst sich selbst

erstens eine gute Einnahmequelle – gespeist durch Preisaufschläge auf herkömmlich

erzeugten Strom und durch das allgemeine Steueraufkommen - zuschütten und

zweitens die puplikumswirksamen Aussagen der politischen Parteien in Sachen

Energiegewinnung aus Wasserkraftanlagen als unredlich entlarven.

Eine „unheilige Allianz“: – eine nicht haltbare Verschwörungstheorie? – eine

Beleidigung für die Angesprochenen? – eine unverschämte Behauptung? – eine

gewagte Vermutung? – oder ein doch den Kern der Sache berührender Gedanke? Die

Summe technischen Wissens der Anlagenbetreiber und deren kaufmännische

Cleverness, gepaart mit dem bei politischen Parteien vorhandenen Willen, ihre

erreichten Positionen zu erhalten, scheinen die letzte der Fragen zu der als unheilig

bezeichneten Allianz zu bestätigen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Ergebnisse, nicht nur dieser Untersuchung, und die

daraus erwachsenden Erkenntnisse mit dazu beitragen, die Energiegewinnung aus

Wasserkraft zukünftig wesentlich kritischer und redlicher zu betrachten. Wasserkraft

dürfte sich dann in ein paar Jahren von selbst erledigen.

Heinrich Breuckmann Januar 2011

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