20 Jahre LGIPA 1988 – 2008 - Lëtzebuerger Gesellschaft fir ...
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<strong>20</strong> <strong>Jahre</strong> <strong>LGIPA</strong> <strong>1988</strong> <strong>–</strong> <strong>20</strong>08<br />
Festschrift <strong>–</strong> Inhalt<br />
Grußworte der Ministerin / des Ministers<br />
Grußwort des Bürgermeisters<br />
Grußworte der Ehrenpräsidenten<br />
Vorwort des <strong>LGIPA</strong>-Präsidenten<br />
1) Zur Individualpsychologie Alfred Adlers<br />
2) Das Menschenbild Alfred Adlers<br />
3) Zur Geschichte der <strong>LGIPA</strong><br />
4) Wegbereiter der Individualpsychologie<br />
5) <strong>LGIPA</strong> / IPG aktuell (1)<br />
6) Gründung des IPG<br />
7) Ziele und Aufgaben des IPG<br />
8) <strong>LGIPA</strong> / IPG aktuell (2)<br />
9) Statistische Informationen zum IPG<br />
10) Veranstaltungen im Rahmen der Aktionswoche zum <strong>20</strong>jährigen<br />
Jubiläum<br />
11) Ständige Kursangebote der <strong>LGIPA</strong><br />
(1) Individualpsychologisches Selbstmanagement (IPSM)<br />
(2) „Fit mit Pit“ <strong>–</strong> Gesundheitsförderung für Kinder (... und<br />
ihre Eltern)<br />
(3) „Seele & Gesundheit“ Psychohygiene für Körper und<br />
Geist.<br />
(4) „Fit for Family“ - Elternselbstmanagement-Gruppen<br />
12) Ausbildungsangebote der <strong>LGIPA</strong><br />
13) Veröffentlichungen und Literaturempfehlungen<br />
14) Psychische Gesundheit in den EU-Ländern<br />
15) Ausblick des IPG- Direktors<br />
1
2<br />
Mein herzlicher Glückwunsch an die <strong>LGIPA</strong><br />
für <strong>20</strong> <strong>Jahre</strong> Individualpsychologie im Dienst<br />
unserer <strong>Gesellschaft</strong><br />
Die « <strong>Lëtzebuerger</strong> <strong>Gesellschaft</strong> <strong>fir</strong><br />
Individualpsychologie nom Alfred Adler a.s.b.l. » ist<br />
jetzt schon während <strong>20</strong> <strong>Jahre</strong>n tätig mit zahlreichen<br />
Fortbildungsveranstaltungen für pädagogische und<br />
soziale Berufe, Konferenzen, Seminaren für Laien<br />
und Fachleute sowie psychologischer Beratungen,<br />
in den Anwendungsbereichen der Prävention,<br />
Beratung, Erwachsenenbildung, Psychotherapie<br />
und Supervision.<br />
Adlers Individualpsychologie geht von einem<br />
Menschenbild aus, das den Einzelnen in Interaktion mit der sozialen<br />
Gemeinschaft sieht und dem Individuum behilflich ist, um seine einzigartige<br />
Persönlichkeit aufzubauen. Dieses Konzept eignet sich besonders gut für die<br />
Kindheit und die Adoleszenz, da diese entscheidende Zeitabschnitte für eine<br />
erfolgreiche Sozialisation sind, und somit präventiv persönliche Freiheit und<br />
soziale Verantwortung bei Kindern und Jugendlichen gefördert werden<br />
können. Diese sollten die Chance haben, zu verantwortungsbewussten<br />
Menschen erzogen zu werden indem sie von früh an ein<br />
Gemeinschaftsgefühl trainieren. Deshalb bleibt es weiterhin von großem<br />
Interesse, praxisnahe Vorträge und Elternabende in Kindertagesstätten -<br />
Maisons Relais, Foyers, Crèches - zu veranstalten. Im Jubiläumsjahr<br />
<strong>20</strong>07/<strong>20</strong>08 werden zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, um Jugendlichen,<br />
Eltern und Erziehern die Individualpsychologie näher zu bringen.<br />
Ein großes Dankeschön gebührt den Gründern und den jetzigen Mitgliedern<br />
des <strong>LGIPA</strong> und ganz besonders dem langjährigen Präsidenten Lucien<br />
Nicolay, für ihre mutige Initiative, Adlers Individualpsychologie in Luxemburg<br />
zu verbreiten.<br />
Marie-Josée JACOBS<br />
Minister für Familie und Integration
Gesundheit ist mehr als Abwesenheit von<br />
Krankheit!<br />
Gesundheit, wertvollstes Gut des Menschen<br />
überhaupt, ist eine notwendige Voraussetzung<br />
für die Entwicklung und Entfaltung sowohl des<br />
jungen als auch des älteren Menschen. Es gibt<br />
eine Vielzahl von Ansätzen Gesundheit als<br />
Begriff zu erfassen doch die wohl am<br />
häufigsten zitierte Definition ist jene der<br />
Weltgesundheitsorganisation ( WHO 1946 )<br />
“Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen<br />
körperlichen, geistigen und sozialen<br />
Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von<br />
Krankheit und Gebrechen”. Gesundheit<br />
sowie Krankheit haben individuelle<br />
und subjektive Merkmale, die ihren Ausdruck gleichermaβen im physischen,<br />
psychischen und sozialen Leben finden. Somit befürworte ich als<br />
Gesundheitsminister auch den Einsatz und die Bemühungen von<br />
professionell geschulten Therapeuten, deren Aufgabe darin besteht, dem<br />
Menschen gezielt und individuell zu einer gesünderen Lebensführung zu<br />
verhelfen. Ich nutze somit die Gelegenheit, die <strong>LGIPA</strong> <strong>1988</strong> <strong>–</strong> <strong>20</strong>08 zu ihrem<br />
<strong>20</strong>-jährigen Bestehen zu beglückwünschen. Die <strong>LGIPA</strong> Vereinigung<br />
kennzeichnet sich nicht nur durch ihr langjähriges, qualitativ hohes und<br />
vielfältiges Angebot, sondern auch durch die Menschen die sie gegründet<br />
haben und auch heute weiterleben und entwickeln lassen. Als wichtiger<br />
Baustein unseres psycho-sozialen Netzwerkes soll die <strong>LGIPA</strong> auch weiterhin<br />
ihre vielfältigen Angebote und ihren Einsatz für psychische Gesundheit auf<br />
nationaler Ebene anbieten und weiterführen.<br />
Mars DI BARTOLOMEO<br />
Gesundheitsminister<br />
3
Happy Birthday, <strong>LGIPA</strong><br />
Alfred Adler stellt mit der Individualpsychologie ein erstes<br />
Gesamtpsychotherapiemodell vor. Seine Persönlichkeitstheorie ist<br />
ganzheitlich. Er betont die unteilbare Einheit von Körper und Geist.<br />
Funktionen wie Denken, Fühlen, Handeln, Wahrnehmen, Lernen, stehen alle<br />
im Dienst einer einheitlich ausgerichteten<br />
Motivation. So ist sein System betont nahe von<br />
anderen Wissenschaftsbereichen, wie speziell<br />
Pädagogik und Soziologie.<br />
Seine wichtigsten Werke lehren über<br />
Menschenkenntnis, Charakter, Sinn des<br />
Lebens, Individualpsychologie in der Schule,<br />
Heilen und Bilden.<br />
1987 wurde dann auch in Luxemburg die erste<br />
<strong>Gesellschaft</strong> der Individualpsychologie (<strong>LGIPA</strong>) gegründet, besonders weil<br />
die Nachfrage von Eltern sehr groß war. Heute feiert die <strong>LGIPA</strong> ihr<br />
zwanzigjähriges Bestehen.<br />
Die Gemeinde Bartringen ist stolz darauf, dass das "Institut <strong>fir</strong> Psychologesch<br />
Gesondheetsfërderong" der <strong>LGIPA</strong> seit drei <strong>Jahre</strong>n ihre Unterkunft in unserer<br />
Gemeinde gefunden hat, wo sie als Beratungsstelle, Ausbildungsstätte und<br />
Forschungsstelle fungiert.<br />
In meinem eigenen Namen, im Namen des Gemeinderates, wünsche ich der<br />
<strong>LGIPA</strong> weiterhin grossen Erfolg in ihrer Arbeit, welche ganz im Dienste der<br />
Allgemeinheit steht.<br />
4<br />
Paul GEIMER<br />
Bürgermeister
Persönliche Erinnerungen<br />
über die Anfänge der IP in<br />
Luxemburg<br />
Von Dr. Fari Khabirpour<br />
(Ehrenpräsident)<br />
Schon in den Sechziger <strong>Jahre</strong>n stieß die Individualpsychologie Alfred Adlers<br />
auf ein positives Echo in Luxemburg. Eine Gruppe von Interessenten, die mit<br />
Erik Blumenthal, den damaligen Leiter der deutschen und schweizerischen<br />
individualpsychologischen <strong>Gesellschaft</strong>, befreundet war, lud ihn periodisch zu<br />
Vorträgen und Seminaren nach Luxemburg ein.<br />
So konnte ich schon als 15 jähriger Erik Blumenthal anlässlich einer solchen<br />
Veranstaltung in Esch kennen lernen. Sehr angetan durch die Lehren der<br />
Individualpsychologie, entschied ich mich schon sehr früh Psychologie zu<br />
studieren. Die Entscheidung diesen Weg an der Universität Zürich zu<br />
beschreiten wurde durch die Präsenz von Erik Blumenthal, als Dozent am<br />
Institut für angewandte Psychologie in Zürich bekräftigt.<br />
Während dieser Zeit hatte ich das Vergnügen, Erik Blumenthal und weitere<br />
Individualpsychologen persönlich kennen zu lernen, die ich anschließend<br />
nach Abschluss meines Studiums regelmäßig nach Luxemburg einlud.<br />
Die Gedanken Adlers und Rudolf Dreikurs fanden immer mehr Zugang in der<br />
luxemburgischen, psychosozialen Landschaft.<br />
Ermutigt durch die positive Resonanz von vielen Eltern und Kollegen und<br />
bestärkt durch die Bekanntschaft mit Lucien Nicolay, den ich anlässlich eines<br />
IP-Seminars mit Erik Blumenthal in Mersch kennen gelernt hatte,<br />
beschlossen wir dann 1987 die erste <strong>Gesellschaft</strong> der Individualpsychologie<br />
in Luxemburg (<strong>LGIPA</strong>) zu gründen.<br />
5
Die Pionierjahre unserer IP-<strong>Gesellschaft</strong> waren beseelt von regem<br />
Optimismus und großem Idealismus. Während einer abwechselnden<br />
Präsidentschaft zwischen Lucien und mir, wurden wichtige Kontakte zu<br />
staatlichen Instanzen hergestellt und die zahlreichen<br />
Fortbildungsveranstaltungen, Elternabende, Konferenzen und Symposien<br />
gewannen dadurch an Bedeutung. Dementsprechend stieg die Zahl der<br />
Mitglieder und Freunde der IP in Luxemburg ständig an.<br />
Viele Gedankenansätze der IP wurden in den Siebziger <strong>Jahre</strong>n bejahend<br />
aufgenommen und gewinnen auch heute wieder in unserer <strong>Gesellschaft</strong> an<br />
Aktualität. Adlers Gesamtpsychotherapiemodell, das sowohl die normale<br />
Psyche als auch Neurosen, Psychosen, Psychopathien, Prävention und<br />
Rehabilitation umfasst, ist ein wichtiges Thema in der heutigen<br />
Psychotherapieforschung. Seine Persönlichkeitstheorie, seine Beschreibung<br />
und Erklärung des Phänomens seelischer Krankheit und der von ihm<br />
betonten Nähe seines psychologischen Systems zu anderen Wissenschaftsbereichen,<br />
vor allem zur Pädagogik und Soziologie, sind eine teleologischganzheitliche<br />
und auf die Kreativität des Subjekts basierende Sichtweise, die<br />
ebenfalls sehr aktuell anmutet. Adler glaubte im Sinne des<br />
Präventionsgedankens, dass man Gemeinschaftsgefühl nicht nur methodisch<br />
trainieren kann sondern auch muss. Des Weiteren finden auch viele<br />
Konzepte von Verhaltensänderung, die die Identifizierung mit sozialen Zielen<br />
zum Inhalt haben, ihre theoretischen Wurzeln in den Intentionen Adlers, auch<br />
wenn er von den Verfassern kaum genannt wird.<br />
Ich wünsche der <strong>LGIPA</strong> auch weiterhin viel Erfolg bei der Verbreitung der<br />
zeitgemäßen Lehren Adlers. Möge die anfängliche Begeisterung der Gründer<br />
unserer <strong>LGIPA</strong> und ihre professionelle Weiterführung durch seinen<br />
langjährigen Präsidenten, Lucien Nicolay, auch in Zukunft reichhaltige<br />
Früchte bringen.<br />
6
Reflexion der Ehrenpräsidentin Marlène Lanners<br />
Es ist mir eine Ehre meinen Beitrag zur geschichtlichen und seelischen Mit-<br />
Bewegung der <strong>LGIPA</strong> zwischen 1989 und 1999<br />
zu reflektieren.<br />
Diese intensive Arbeitszeit war geprägt vom<br />
individualpsychologischen „Lernen und Lehren“<br />
im Geiste Dr. Alfred Adlers. Es gab unzählige<br />
Kursangebote zur Ausbildung bzw.<br />
berufsbegleitenden Fortbildung zum „Educateur<br />
psychosocial“ und zum „Conseiller<br />
Psychologique“. Parallel dazu nahmen<br />
interessierte Laien an Gesprächsgruppen zur<br />
Verbesserung der Bewältigungskompetenzen im<br />
Alltag (Selbstmanagement,<br />
Konfliktmanagement, …) teil.<br />
Dank der substanziellen Unterstützung vom Luxemburger Familien- und<br />
Frauenministerium konnten regelmäßig stattfindende<br />
Elternberatungsgruppen, Eltern-Kind-Gruppen, Frauenberatungs- und<br />
Gesundheitsgruppen organisiert werden.<br />
Gut besucht waren ebenfalls die psychagogischen Erziehungsgespräche und<br />
themenbezogenen Referate für Eltern, Ehepaare, Lehrer, Pflegepersonal,<br />
u.a. Zu jeder Gruppenarbeit gab es ausgewählte und fundierte schriftliche<br />
Unterlagen für die Teilnehmer/-innen. Des Weiteren stand allen eine IP-<br />
Bilbliothek zur Verfügung, die später am Centre Universitaire untergebracht<br />
wurde, wo sie neben unseren Mitgliedern auch den Studenten zur Verfügung<br />
stand.<br />
An staatlichen Kinderheimen fanden kontinuierlich erziehungstherapeutische<br />
Interventionen für Kinder und Jugendliche bzw. Supervision für das<br />
Heimpersonal statt.<br />
7
Außerdem wurden praxisnahe Vorträge über Adlers Individualpsychologie in<br />
Kinderkrippen (Foyers/Crèches) und einem „Foyer pour Femmes“ gehalten.<br />
Unsere authentische Gruppentätigkeit war über die Grenzen Luxemburgs<br />
hinaus bekannt. Ausländische IP-Kolleg(-inn)-en besuchten unsere<br />
Sitzungen.<br />
Einen besonders intensiven Meinungsaustausch wurde mit der GAP<br />
(<strong>Gesellschaft</strong> für Adlerianische Psychagogik) und mit WIRTH (Western<br />
Institute for Research and Training in Humanics; Berkeley-Köln-Argelès)<br />
gepflegt. Wiederholt war es mir gegönnt, als „Child- and Adolescent Analyst“<br />
sowie „Neo-Analyst“ mit Prof. Dr. Lucy Ackerknecht in Berkeley und Oakland<br />
(USA) zu lernen und zu lehren.<br />
Als delegiertes Vorstandsmitglied konnte ich internationale Beziehungen<br />
durch die Teilnahme am Internationalen Kongress für Individualpsychologie<br />
1993 in Budapest knüpfen und vertiefen. Es war mir eine Ehre, mit Prof. Dr.<br />
Kurt Adler (1905-1997), dem einzigen damals noch lebenden Sohn Prof. Dr.<br />
Alfred Adlers, an einem Tisch zu sitzen und über die IP in der <strong>Gesellschaft</strong><br />
zu diskutieren.<br />
Zur Zehn-<strong>Jahre</strong>s-Feier der <strong>LGIPA</strong>/SLPA 1998 wünschte ich mir als <strong>LGIPA</strong>-<br />
Präsidentin eine öffentliche Beratungsstelle, die ja mittlerweile in Bartringen<br />
Realität geworden ist.<br />
Heute, am 03. Februar <strong>20</strong>07, erlaube ich mir ebenfalls einen Wunsch zu<br />
formulieren, der sich dann bis zur Dreißig-<strong>Jahre</strong>s-Feier realisieren möge: Das<br />
Errichten einer psychagogischen Schule, in der Kinder und Jugendliche die<br />
Chance haben, das zu erlernen, was Alfred Adler unter „Freiheit und<br />
Verantwortung des Menschen“ verstand!<br />
8
<strong>20</strong> <strong>Jahre</strong> und kein bisschen träge !<br />
Von Dr. Lucien Nicolay<br />
(<strong>LGIPA</strong> <strong>–</strong> Präsident)<br />
Adlers Individualpsychologie (IP) und ihre<br />
Anwendungen und Erweiterungen durch Rudolf<br />
Dreikurs fassten schon in den sechziger <strong>Jahre</strong>n<br />
in Luxemburg Fuß, wie mein Kollege Fari<br />
Khabirpour in seinem Beitrag berichtet. Durch<br />
seine Tätigkeit als Direktor der „Entente des<br />
Foyers de Jour“ und damit Organisator der EFJ-<br />
Fortbildungsangebote erreichte die IP in ihren<br />
Anfängen nicht nur viele Erzieher, sondern hatte<br />
auch einen guten Draht zum<br />
Familienministerium, zu den Herren Jules Thyes<br />
und Mil Majerus. Schon vor der Gründung der<br />
<strong>LGIPA</strong> hat uns Herr Mil Majerus, der in diesem Ministerium bis heute<br />
Wichtiges bewirkt, ernst genommen und uns geholfen Kontakte zu anderen<br />
<strong>Gesellschaft</strong>en aus dem psychosozialen Bereich herzustellen, damit<br />
möglichst viele Interessenten von den Konferenzen und Seminaren unserer<br />
ausländischen Referenten profitieren konnten, die mit öffentlichen Geldern<br />
gefördert wurden.<br />
Ich selbst lernte die IP erst mit meinem Studium an der Universität zu Köln<br />
(ab WS 1979/80) kennen; die Bücher von Sigmund Freud und Wilhelm Reich<br />
kannte ich damals schon. Seit den achtziger <strong>Jahre</strong>n belegte ich zusätzlich<br />
beim Western Institute for Research and Training in Humanics inc. (Berkeley-<br />
Köln-Argelès) und am Institut für Praktische Individualpsychologie e.V. in<br />
Köln die Studiengänge für Berater und, darauf aufbauend, für<br />
Psychotherapeuten und Analytiker. Über <strong>Jahre</strong> konnte ich in der IPIP-<br />
Beratungsstelle in Köln, resp. in den Therapiegruppen des Instituts sowie in<br />
der Praxis von Dr. German Höcher meine ersten professionellen Erfahrungen<br />
mit Klienten und Patienten erwerben. Ende der achtziger <strong>Jahre</strong> ernannten<br />
mich die beiden Ausbildungsinstitute zum Lehranalytiker. Bis zu meiner<br />
Promotion im Hauptfach Psychologie an der Uni Köln (1991) arbeitete ich<br />
regelmäßig am IPIP mit.<br />
9
Gelehrt wurde sowohl die Individualpsychologie (Adler, Ackerknecht,<br />
Dreikurs, Frankl) und die Erneuerte Psychoanalyse (deutscher und<br />
amerikanischer Provenienz bis hin zur psychoanalytischen<br />
Selbstpsychologie) als auch die Selbstmanagementtherapie (Kanfer) mit den<br />
Verfahren der Kognitiven Verhaltenstherapie (Beck, Ellis, Mahoney,<br />
Meichenbaum, Lazarus u.a). Die ersten ordentlichen Ausbildungen nach den<br />
Curricula der beiden Institute und mit Hilfe ihrer Lehranalytiker (Prof.<br />
Ackerknecht, Dr. Fromberg, Dr. Höcher, Pastor Mielke) fanden ab 1985 in<br />
Ettelbrück/Diekirch, später in Luxemburg statt. In der ersten Luxemburger<br />
Ausbildungsgruppe befand sich auch der Dipl. Psychologe und Dipl.<br />
Pädagoge Helmut Gehle, der heute selbst <strong>LGIPA</strong>-Lehranalytiker sowie<br />
ehrenamtlicher Direktor des IPG in Bartringen ist. Er und sein „A-Team“<br />
erledigen alle wöchentlich anfallenden Aufgaben (Administration, Sekretariat,<br />
Telefondienst, Planung, Belegung, Ausbildungskoordination,<br />
Kursanmeldungen, Statistik, Abrechnungen, …).<br />
Mit der Gründung der <strong>LGIPA</strong> und - <strong>Jahre</strong> später - der Aufnahme in die<br />
Internationale <strong>Gesellschaft</strong> ging für Fari wie für mich ein seit <strong>Jahre</strong>n gehegter<br />
Wunsch in Erfüllung. Die Kooperation und der Arbeitseifer der ersten<br />
Mitarbeiter waren erstaunlich. Ohne ihren Einsatz und die lange Vorarbeit<br />
hätten wir weder national noch international bestehen können. Fari selbst war<br />
wirklich „Reisender in Sachen IP“; überall im Land hielt er Konferenzen mit<br />
bis zu 100 Teilnehmern, und an acht Orten wurden<br />
Elternkreise/Elternschulen gebildet. Von <strong>1988</strong> bis 1990 fand gleichzeitig der<br />
erste IP-Grundkurs unter der neuen Vereinigung statt, für die Frau Lina<br />
Khabirpour das Logo entwickelt hatte. Viele Teilnehmer dieses ersten Kurses<br />
sind heute noch Mitglied der <strong>LGIPA</strong>, einige von ihnen haben jahrelang im<br />
Vorstand mitgewirkt und ebenfalls die Veranstaltungen zum zehnjährigen<br />
Geburtstag der <strong>LGIPA</strong> organisiert: Frau Christiane Keller, Frau Marlène<br />
Lanners Frau Jeanny Jaeger, Frau Nicole Tandel sowie die Herren Patrick<br />
Wesquet und Georges Haan seien hier besonders erwähnt. In den neunziger<br />
<strong>Jahre</strong>n arbeitete der Vorstand nicht nur im Sinne der „promotion familiale“,<br />
sondern vermehrt auch im Sinne der „promotion féminine“. Viele unserer<br />
Ausbildungskandidaten haben sich im Rahmen von öffentlichen<br />
Einrichtungen, Dienststellen oder Vereinigungen, in denen sie beruflich tätig<br />
sind, nachhaltige Verdienste erworben.<br />
10
Ein weiterer seit den Anfängen gehegter Wunsch war die Einrichtung einer<br />
unabhängigen Beratungsstelle; das unterstrich ebenfalls die damalige<br />
Präsidentin (1996-1999) Marlène Lanners anlässlich des zehnjährigen<br />
Bestehens. Der Vorstand konnte <strong>20</strong>02 die ersten Schritte dafür unternehmen<br />
und ein Finanzierungsmodell gutheißen, das sich bis jetzt bewährt hat. Seit<br />
<strong>20</strong>04 arbeiten also mehrere individualpsychologische Berater und<br />
Therapeuten stundenweise am „Institut <strong>fir</strong> Psychologesch<br />
Gesondheetsfërderong“ der <strong>LGIPA</strong> in Bartringen. Das IPG mit seinem<br />
unverkennbaren Logo fungiert darüber hinaus als Ausbildungsstätte und<br />
Forschungsstelle. Mehrere psychoedukative, rehabilitative und<br />
psychotherapeutische Programme im Sinne des Selbstmanagements sind<br />
bereits dort entwickelt worden. Vier der Programme werden bislang<br />
außerhalb des Instituts angeboten: Seele & Gesundheit, IPSM-traffic, IPSMtinnitus<br />
und IPGSM (Gesundheit und Sicherheit). Die psychoedukativen<br />
Programme für Kinder und Eltern oder Erzieher (Fit mit Pit, Fit for<br />
Families/Eltern-selbstmanagement, …) können auf Anfrage regional und an<br />
Einrichtungen durchgeführt werden. Die <strong>LGIPA</strong>-Ausbildungskandidaten<br />
können ebenfalls in der Anwendung dieser spezifischen Verfahren geschult<br />
werden.<br />
Einzigartig ist wohl unser Ausbildungskonzept „für eine Psychotherapie des<br />
21. Jahrhunderts“. Auf der Grundlage des humanistischen Menschenbildes<br />
von Alfred Adler bietet die <strong>LGIPA</strong> eine wissenschaftlich fundierte<br />
berufsqualifizierende Ausbildung zum Einzel- und Gruppen-<br />
Psychotherapeuten an, die kognitive und verhaltenstherapeutische sowie<br />
tiefenpsychologisch fundierte/psychodynamische Verfahren integriert und<br />
störungsspezifisch wie differenziell zur Anwendung bringt. Diese Ausbildung<br />
schafft die Grundlage dafür, dass praktisch-therapeutisches Handeln in<br />
Kenntnis möglichst hoher Evidenzgrade erfolgen kann. Darüber hinaus ist es<br />
auch möglich, die neuen Verfahren der analytischen Psychotherapie<br />
(Erneuerte Psychoanalyse) zu erlernen.<br />
11
Neu in unserer Programm aufgenommen wurde die Ausbildung zum<br />
Psychagogen für Angehörige pädagogischer Berufe (Lehrer, Erzieher, …)<br />
oder Kinderkrankenpfleger, die an Institutionen oder Privateinrichtungen<br />
arbeiten. Eine solche Zusatzqualifikation ist in diesen Bereichen nämlich<br />
dringend erforderlich. Vom Ausbildungsumfang ist sie mit dem<br />
Beraterstudiengang vergleichbar. Pädagogen, Psychologen und graduierte<br />
Sozialassistenten können darauf aufbauend, den Kinder- und<br />
Jugendlichenpsychotherapeuten anpeilen.<br />
Schlussendlich strebt die <strong>LGIPA</strong> a.s.b.l. an, gesundheitliche Prävention und<br />
Gesundheitsförderung mit psychologischen Methoden regional anzubieten;<br />
speziell trainierte Moderatoren für gesundheitsbezogene<br />
Gruppenmaßnahmen und Berater sollen das Erlernte in ihren Gemeinden<br />
und Regionen anwenden und so ihren Beitrag zur Gesundheitsförderung der<br />
Gesamtbevölkerung leisten.<br />
Wenn ich auf das bisher geleistete zurückblicke stelle ich fest, das die <strong>LGIPA</strong><br />
den ursprünglichen Ideen und Tätigkeitsfeldern der ersten Adlerianer treu<br />
geblieben ist, aber es dennoch verstanden hat, ihre Aktivitäten flexibel und<br />
zügig den gesellschaftlichen Bedürfnissen anzupassen. In diesem Sinne bin<br />
ich zuversichtlich, dass auch in den nächsten 10 <strong>Jahre</strong>n weder die Ideen<br />
noch der Arbeitseifer und der Mut zu ihrer Umsetzung unseren Mitgliedern<br />
und Mitarbeitern ausgehen werden.<br />
Ihnen allen gilt mein Dank; - auf ein weiterhin freudiges Schaffen im Dienste<br />
der Gemeinschaft!<br />
12
1. Zur Individualpsychologie<br />
Die von Alfred Adler (1870 - 1939)<br />
gegründete Individualpsychologie ist eine der<br />
bedeutendsten tiefenpsychologischen oder<br />
psychodynamischen Schulen und ist aus dem<br />
Disput mit der Freudianischen Psychoanalyse<br />
hervorgegangen. Sie kann nicht nur als<br />
Katalysator einer Erneuerten Psychoanalyse<br />
sowie als Vorläufer der Humanistischen<br />
Psychologie angesehen werden, sondern hat<br />
sich selbst auch weiterentwickelt und<br />
ausdifferenziert. Adler hat viele Thesen<br />
aufgestellt, die erst in den letzten Jahrzehnten<br />
von der akademischen Psychologie und<br />
Therapieforschung bestätigt werden konnten. Die Individualpsychologie<br />
(Psychologie des un-teilbaren Wesens, In-dividuums) geht von einem<br />
ganzheitlichen Verständnis des zielstrebigen Menschen mit seinen<br />
unbewussten und bewussten Erlebnis- und Handlungsweisen aus. Das<br />
Individuum lebt aber innerhalb einer sozialen Gemeinschaft, auf die es<br />
permanent im Erleben und Handeln bezogen ist; in Interaktion mit den<br />
Mitgliedern dieser Gemeinschaft und auf der Grundlage seiner genetischen<br />
und biologischen Möglichkeiten baut das Individuum sehr früh schon und in<br />
kreativer Weise seine einzigartige Persönlichkeit auf. Je nachdem wie diese<br />
Persönlichkeitskonstruktion <strong>–</strong> Adler spricht von Lebensstil - ausgefallen ist,<br />
fällt es dem Individuum leichter oder schwerer, auf der Welt zu sein, diese<br />
mitzugestalten und seine Werte, Ideale und Ziele zu verwirklichen.<br />
Die individualpsychologischen Theorien und Methoden ermöglichen es, dem<br />
Menschen Hilfestellungen bei seiner Selbstverwirklichung zu geben. Die<br />
Anwendungsbereiche erstrecken sich von der Erziehung und Prävention,<br />
über Beratung und Erwachsenenbildung bis hin zu<br />
Psychotherapie/Psychoanalyse und Supervision. Heute stehen den<br />
Individualpsychologen ein großes Repertoire von Interventionsmethoden zur<br />
Verfügung, die optimal auf die Situation des Einzelnen in seinem<br />
Beziehungsfeld, seine Problematik oder Störung sowie seine Persönlichkeit<br />
wirken können.<br />
50 <strong>Jahre</strong> nach dem Tode des Begründers der Freien Psychoanalyse und<br />
Vergleichenden Individualpsychologie haben Fari Khabirpour und Lucien<br />
13
Nicolay beschlossen ihre jeweiligen Ausbildungsaktivitäten zu bündeln und<br />
einen Verein zu gründen mit dem Ziel, das Gedankengut Alfred Adlers, dem<br />
Vater der modernen Psychotherapie, in Luxemburg bei Laien und Fachleuten<br />
zu verbreiten und weiter zu entwickeln.<br />
2. Das Menschenbild der Individualpsychologie<br />
Das Menschenbild der Individualpsychologie, das von der Gleichwertigkeit<br />
aller Menschen ausgeht, lässt sich mit folgenden Axiomen verdeutlichen:<br />
14<br />
- Der Mensch wird als unteilbare Ganzheit begriffen, wobei alle seine<br />
Lebensäußerungen (Denken, Fühlen, Handeln) in einem funktionalen<br />
Zusammenhang stehen.<br />
- Der Mensch ist eingebunden in ein soziales Netzwerk; seine<br />
Grundprobleme sind psychosozialer Natur.<br />
- Alles Leben ist Bewegung, Mobilität und auf Wachstum sowie freie<br />
Entfaltung ausgerichtet.<br />
- Der Mensch ist schöpferisch und fähig zur Selbstbestimmung und<br />
Selbstregulation.<br />
- Die Persönlichkeitsdynamik wird durch Affekte sowie eine Vielzahl<br />
subjektiver Ziele, Ideale und Werte mitbestimmt.<br />
- Persönliche Freiheit und soziale Verantwortung schließen sich<br />
keinesfalls aus.<br />
- Jeder Mensch hat ein Recht auf Selbstverwirklichung innerhalb der<br />
menschlichen Gemeinschaft und auf Anerkennung für seinen<br />
einzigartigen Beitrag zur Gemeinschaft/Menschheit.<br />
- Das gezeigte Gruppenverhalten (Miniatursituation) ist repräsentativ<br />
für das Verhalten im sozialen Feld oder in sozialen Interaktionen<br />
schlechthin.<br />
- Die Einstellungen, Erwartungen, Motive, Erlebens- und<br />
Verhaltensmuster des Individuums in Interaktion mit anderen<br />
beschränken sich nicht auf eine bestimmte Situation, sondern<br />
entsprechen seinem „persönlichen dynamischen Lebensstil“, der<br />
entschlüsselt und verstanden werden kann.
3. Zur Geschichte der <strong>LGIPA</strong><br />
Am 28. Oktober 1987 hat sich die „<strong>Lëtzebuerger</strong> <strong>Gesellschaft</strong> <strong>fir</strong><br />
Individualpsychologie“ im Anschluss an ein breit angelegtes kostenfreies<br />
Fortbildungsangebot für pädagogische und soziale Berufe konstituiert. Die<br />
Seminare fanden in den Räumen der „Entente des Foyers de Jour“ statt,<br />
deren verantwortlicher Leiter damals der Dipl. Psychologe Fari Khabirpour<br />
war und kannten einen immensen Erfolg.<br />
Prof. Dr. Lucy Ackerknecht bot eine Einführung in die Theorie und Praxis der<br />
Individualpsychologie, Prof. Lucien Nicolay sprach über die Grundlagen der<br />
individualpsychologischen Psychoanalyse und Fari Khabirpour über die der<br />
individualpsychologischen Psychopädagogik. Daneben wurden Themen der<br />
Zeit angeboten; so sprach der Psychologe und Pädagoge Helmut Gehle über<br />
die emotionale Bewältigung einer nuklearen Bedrohung und die<br />
Musikpädagogin Marianne Wiltgen über die frühe Mutter-Kind-Beziehung.<br />
(Erik Blumenthals Seminar über Paarprobleme musste um einige Wochen<br />
verschoben werden.)<br />
Auf der Gründungsversammlung selbst gab es drei Referate: Sonja Helten<br />
skizzierte Adlers Lebenslauf und Persönlichkeit, Lucien Nicolay stellte die<br />
Evolution der individualpsychologischen Ausbildungen in Europa seit 1954<br />
dar und Fari Khabirpour stellte die Ziele und Aufgaben der <strong>LGIPA</strong> vor.<br />
Der erste Vorstand setzte sich aus neun Personen zusammen: Pierre Becker,<br />
Helmut Gehle, Annette Jackmuth, Marianne Jacobi, Sonja Helten, Rosi Huvig,<br />
Fari Khabirpour, Lucien Nicolay und Marianne Wiltgen. Insgesamt gab es 33<br />
Gründungsmitglieder. Die Zahl stieg, zumindest auf dem Papier bis auf 180<br />
in- und ausländische Mitglieder, um dann wieder auf 50-60 abzusinken. Die<br />
ersten Luxemburger Lehranalytiker wurden von den beiden<br />
Individualpsychologen ausgebildet, die Ende der sechziger, Anfang der<br />
siebziger <strong>Jahre</strong> auch der Individualpsychologie in der Bundesrepublik wieder<br />
zum Aufschwung verholfen haben, nämlich Erik Blumenthal und Lucy<br />
Ackerknecht.<br />
Eingetragen als A.s.b.l. wurde der Verein am <strong>20</strong>. April <strong>1988</strong>. Im Dezember<br />
1987 erschien zum ersten Mal die Zeitung IP-Forum, die sich in den darauf<br />
folgenden <strong>Jahre</strong>n zur Zeitschrift resp. zum Jahrbuch entwickelt<br />
15
hat. Wahrscheinlich geht der Wandel nun in Richtung „on-line“-Zeitung IP-<br />
FORUM.<br />
Die <strong>LGIPA</strong> bot in den darauffolgenden <strong>Jahre</strong>n eine hierarchisch aufgebaute<br />
Ausbildung an; die Stufen (A-E) der Ausbildung waren: Grundausbildung<br />
(<strong>20</strong>0 Stunden), Educateur psychosocial (SLPA), Conseiller psychosocial<br />
(SLPA), Psychothérapeute (SLPA) oder Psychothérapeute pour enfants et<br />
adolescents (SLPA) und Psychanalyste (SLPA). Die Abschlusszertifikate<br />
trugen der vorherigen beruflichen Qualifikation der Absolventen Rechnung.<br />
Unterstützt wurde die <strong>LGIPA</strong> bei der Ausbildung auch durch ausländische<br />
KollegInnen, die in der Ausbildung von Luxemburger Individualpsychologen<br />
durch Wochenend- und Intensivseminare mithalfen, wie z.B. (in<br />
alphabetischer Reihenfolge): Prof. Dr. Lucy K. Ackerknecht (USA), Dr. Ralf<br />
Biehle (D), Erik Blumenthal (CH), Prof. Dr. Wilfried Datler (AU), Dorothea<br />
Ewert (D), Dr. K.-H. Hay (D), Dr. German Höcher (D), , Prof. Dr. Ludwig<br />
Pongratz (D), Dr.<br />
Michael Titze (D) und<br />
Dr. Jürg Rüedi (CH).<br />
Seit ihrer Gründung hat<br />
die <strong>Gesellschaft</strong> neben<br />
jährlichen Vorträgen,<br />
Seminaren, Gruppen<br />
für Laien<br />
(Schwerpunkte:<br />
Psychohygiene in der<br />
Familie, Prävention von<br />
seelischen Störungen<br />
bei Kindern und<br />
Jugendlichen, familiäre<br />
Erziehung sowie Frauenförderung), bislang acht Lehrgänge (bis <strong>20</strong>05) für<br />
angehende Psychosoziale Berater oder Psychotherapeuten und<br />
Psychoanalytiker angeboten. Auch deutschsprachige Fachleute haben ihre<br />
Ausbildung zum Teil bei der <strong>LGIPA</strong> absolviert und haben anschließend ihre<br />
Psychotherapeuten-Approbation im Heimatland bekommen. Die <strong>LGIPA</strong>-<br />
Ausbildungszertifikate werden von befreundeten Instituten und<br />
<strong>Gesellschaft</strong>en anerkannt.<br />
16
Zum zehnjährigen Bestehen<br />
überdachte die <strong>LGIPA</strong> ihre<br />
Ausbildung und hat sie an den<br />
internationalen<br />
Forschungsstand angepasst.<br />
Heute bietet die <strong>LGIPA</strong><br />
methodenintegrativ<br />
ausgerichtete Studiengänge<br />
auf der Basis akademischpsychologischer<br />
Forschungsergebnisse an. So<br />
wird zum Beispiel in der<br />
Therapeutenausbildung die<br />
psychodynamische Ausrichtung<br />
ergänzt durch die<br />
Selbstmanagementtherapie<br />
(VT/KVT). Die klassischpsychoanalytische<br />
Vorgehensweise ist dem<br />
letzten darauf aufbauenden<br />
Studiengang vorbehalten. Die<br />
Ausbildung wird also immer wieder angepasst und auf den letzten Stand<br />
gebracht.<br />
Im Jahr 1999 wurde die <strong>LGIPA</strong> in die Internationale Vereinigung für<br />
Individualpsychologie aufgenommen.<br />
Auskünfte über <strong>LGIPA</strong>-Aktivitäten ab <strong>20</strong>07 sind zu finden unter<br />
Veranstaltungen und <strong>Jahre</strong>sberichten.<br />
17
4. Wegbereiter der Individualpsychologie<br />
Prof. Dr. Lucy K. Ackerknecht<br />
Als ich zu Anfang meines Sonderpädagogik-Studiums bei Dr. Metzig im<br />
Wintersemester 1979/80 ein Referat übernehmen sollte, wählte ich die<br />
Individualpsychologie Adlers aus. Freud hatte ich zu der Zeit schon gelesen,<br />
aber von Adler war mir kaum etwas bekannt. In der Zeitschrift für<br />
Individualpsychologie (2/1978) stieß ich dann auf einen hochinteressanten<br />
Artikel über die Bedeutung der frühen Kindheitserinnerungen für die<br />
Lebensstilanalyse von Prof. Dr. Lucy Ackerknecht aus Berkeley. Die IP<br />
faszinierte mich, ich wollte Mitglied werden in der DGIP und mich ausbilden<br />
lassen. Leider waren keine Studenten an den Alfred Adler-<br />
Ausbildungsinstituten zugelassen. Einige Monate später hielt Lucy, wie seit<br />
<strong>Jahre</strong>n, als Gastdozentin einen Vortrag resp. ein Kurzseminar an der<br />
Heilpädagogischen Fakultät auf Einladung von Prof. Dr. Neise und an der<br />
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf Einladung von Prof.<br />
Dr. Peters ab. Die WIRTH-Prospekte lagen aus, ich nahm einen Termin für<br />
eine Sprechstunde in der Klosterstraße, klärte die finanzielle Seite mit<br />
meinem Vater ab und schrieb mich in der folgenden Woche bei WIRTH ein.<br />
Lucy war über die gesamte<br />
Ausbildungszeit sehr freundlich und<br />
wohlwollend mir gegenüber und<br />
erfüllte auch meine Erwartungen an<br />
eine amerikanische Psychologie-<br />
Professorin, nämlich jährlich über<br />
den neuesten Stand der<br />
amerikanischen<br />
Psychotherapiepraxis und -forschung<br />
zu informieren. Neben der<br />
individualpsycholo-gischen Theorie<br />
und Praxis demonstrierte Lucy in<br />
ihren Gruppen Einzel- und Gruppenverfahren<br />
der Humanistischen<br />
Psychologie (Klientenzentrierte und<br />
gruppendynamische Methodik,<br />
Psychodrama, Gestalttherapie,<br />
18<br />
Lucy Ackerknecht<br />
(1913 <strong>–</strong> 1997)<br />
Transaktionsanalyse sowie<br />
verschiedene
familientherapeutische Methoden) und Verfahren der Kognitiven Psychologie<br />
(Ellis, Beck, Lazarus und Kanfer). Die Individual-psychologie wurde in Bezug<br />
gesetzt zu Persönlichkeitstheorien von Rogers, zur Selbstpsychologie von<br />
Kohut, zur Motivations-forschung von Maslow, McClelland u.a., um nur ein<br />
paar Beispiele zu nennen. Lucy ermutigte auch dazu, neue Techniken und<br />
Methoden zu nutzen und in die IP zu integrieren, -aber bitte schön ohne die<br />
IP zu verwässern! Die Quintessenz ihres IP-Verständnisses hat sie immer<br />
wieder in ihren legendären Kurzanalysen/-therapien demonstriert; und trotz<br />
der oft direkten Konfron-tation ist nie ein Kandidat oder Patient entmutigt<br />
nach Hause gegangen.<br />
Anlässlich eines privaten Besuchs in ihrer Wohnung in Argelès hat mir Lucy<br />
vor etwa 15 <strong>Jahre</strong>n einige ihrer Fotoerinnerungen gezeigt, darunter auch eine<br />
- vielleicht sogar ihre einzige - Schwarz-Weiß-Aufnahme von vor 1930. Man<br />
sah sie dort als Jugendliche im Sommerkleid, sich mit einem Bein nach vorne<br />
und einem nach hinten abstützend, kräftig wehren gegen zwei Jungen in<br />
kurzen Hosen, die sie an beiden Armen wegzerren. Lucy gab, obwohl mich<br />
gerade dieses Foto amüsierte, keinen Kommentar dazu ab; alle anderen<br />
(farbigen) Fotos hat sie ausführlich kommentiert. Gerade diese<br />
Momentaufnahme passt meiner Ansicht nach hervorragend zu ihrer<br />
Persönlichkeit und ihrem Leben. Ich will und kann an dieser Stelle keine<br />
Biographie von Lucy erstellen, ich kenne<br />
nur wenige exakte Daten aus ihrem<br />
Leben, und die aufgrund eines<br />
Rundfunk-Interviews, persönlicher<br />
Gespräche und einer Sammlung von<br />
Briefen, die sie an ihre Freunde verteilt<br />
hat, in der Hoffnung, dass ihre<br />
Verdienste um die IP eine adäquate<br />
Würdigung erfahren würden. Ihr<br />
theoretischer Beitrag zur IP wird an<br />
anderer Stelle dargestellt werden.<br />
Alexandra & Kurt Adler<br />
25.07.1935 in Berkeley.<br />
(Oakland Tribune Photo)<br />
Die kleine Lucy Krüger wollte unbedingt<br />
in den Kindergarten und fühlte sich dort<br />
"wie ein Engel im Himmel", sie hat es<br />
später trotz aller Widrigkeiten und<br />
aufgrund eigener Initiative und Nachqualifikationen<br />
geschafft, in eine private<br />
Mittelschule aufgenommen zu werden,<br />
um dort ihren Berufswunsch<br />
19
"Kindergärtnerin" verwirklichen zu können. Nach Erwerb des Staatsdiploms,<br />
engagierte sich die mutige Berlinerin in der Widerstandsbewegung, wurde<br />
verhört und wieder laufen gelassen, ohne sich und ihre Kameraden gefährdet<br />
zu haben. Anschließend verließ sie Deutschland, hielt sich illegal in Paris auf,<br />
wurde in ein Lager in Südfrankreich gesteckt und konnte 1937 nach England<br />
flüchten, wo sie dann ihr Abitur nachholte und Sozialwissenschaften zu<br />
studieren begann. Ihr Studium setzte sie in Paris an der Sorbonne fort und<br />
belegte Anthropologie und Ethnologie. In dem gleichen Zeitraum heiratete sie<br />
E. H. Ackerknecht und bekam ihre erste Tochter. Nach gefährlichen<br />
Missverständnissen erhielt sie dann doch 1941 ein Visum für die Vereinigten<br />
Staaten. In Wisconsin hat sie noch weiter studiert, gelehrt und ihre zweite<br />
Tochter geboren.<br />
Als ihr Mann nach ein paar <strong>Jahre</strong>n in Zürich eine Professur in Aussicht hatte,<br />
ist die ganze Familie wieder nach Europa zurückgekehrt. Lucy begann an der<br />
Universität Zürich Psychologie zu studieren, hat promoviert und sich am<br />
Adler Institut in Psychotherapie spezialisiert. Ihr Lehranalytiker war Alexander<br />
Müller. Danach kehrte sie allein mit den beiden Töchtern wieder nach<br />
Amerika zurück und zum zweiten Male begann die Aufbauarbeit. Lucy<br />
arbeitete als Schulpsychologin, als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin<br />
und baute das "Guidance Center" eines Bezirks (in Wisconsin) auf, sie<br />
bildete Lehrer aus, lehrte Psychologie an mehreren Hochschulen und<br />
Universitäten bis sie an der J.-F. Kennedy-Universität (Kalifornien) zum<br />
"Ordentlichen Professor" ernannt wurde und dem Psychologie-Abteilung als<br />
Präsidentin vorstand.<br />
Lucy K. Ackerknecht auf dem IP-Kongress Paris 1963<br />
<strong>20</strong>
Aufgrund ihres Referates auf dem 10. Internationalen Kongresses der<br />
Internationalen Vereinigung für Individualpsychologie 1966 in Salzburg wurde<br />
sie von Herrn Dipl. Psych. Seeger und im Namen von Prof. Dr. Dr. W.<br />
Metzger schriftlich eingeladen, in Deutschland im darauffolgenden Jahr<br />
(Oktober 1967) zwei Grundseminare von je drei Wochen für Psychotherapie<br />
und Tiefenpsychologische Heilpädagogik in Münster und Aachen<br />
durchzuführen. Wegen ihrer universitären Verpflichtungen in Amerika wurden<br />
zwei Blockseminare zu 8 Tagen daraus, gefolgt von weiteren<br />
Aufbauseminaren 1968 und einer zweiten Ausbildungsgruppe. Neben Lucy<br />
Ackerknecht war noch der emeritierte Studienrat Paul Rom (London)<br />
eingeladen, später wahrscheinlich auch Rudolf Dreikurs. Als Dozenten<br />
fungierte desweiteren die Münsteraner Mannschaft, nämlich Prof. Dr. Dr. h.c.<br />
Metzger, Prof. Dr. Pauleikhoff und Dr. Mensen. Nach dem zweiten Lehrgang<br />
wurde die IP unter Herrn BlumenthaI und dem damaligen Vorstand, dem<br />
auch Lucy angehörte, in regionale Arbeitskreise organisiert und es wurden<br />
zentrale Ausbildungsrichtlinien ausgearbeitet. Lucy arbeitete lange <strong>Jahre</strong> als<br />
Dozentin für die einzelnen Regionalkreise (heute: Institute) und war als<br />
Lehranalytiker (DGIP) und Prüfer tätig. In der Schweiz war Lucy als<br />
Gastdozentin tätig.<br />
Auch in Kalifornien hat Lucy die IP verbreitet. So wurde 1969 das WIRTH-<br />
Ausbildungsinstitut, das schon zwei <strong>Jahre</strong> vorher gegründet wurde, in<br />
Berkeley offiziell als <strong>Gesellschaft</strong> ohne Gewinnzweck eingetragen. In ihren<br />
fünfmonatigen Europa-Aufenthalten hat sie dann ebenfalls die amerikanische<br />
Ausbildung angeboten, was später dann zum Bruch mit der DGIP geführt hat.<br />
Die WIRTH-Psychoanalytiker-Diplome waren anerkannt von der<br />
Nordamerikanischen <strong>Gesellschaft</strong> für Psycho-analyse (NAAP), was sie<br />
natürlich in Europa sehr attraktiv machte. Um sich verstärkt der boomenden<br />
Ausbildung von Psychotherapeuten widmen zu können, stieg Lucy aus ihren<br />
Universitätsverpflichtungen aus. Lucys persönliche, fachliche und materielle<br />
Autonomiebestrebungen haben einerseits die IP und die<br />
Psychotherapielandschaft in Lehre, Forschung und Praxis bereichert,<br />
andererseits aber auch immer wieder zu Konflikten und letztlich sogar zur<br />
Marginalisierung geführt. Lucy selbst hat sich sowohl als ewiger Flüchtling als<br />
auch als Weltbürgerin bezeichnet. Ganz gewiss hat sie aber bei allen<br />
Personen, die ihr begegnet sind, einen unauslöschlichen Eindruck<br />
hinterlassen. Ihr war es wichtig, in der und durch die Erinnerung ihrer<br />
Mitmenschen weiterzuleben. Nicht erfüllt hat sich leider ihr Wunsch, so wie<br />
ihr Vorbild Alfred ADLER, in voller Aktion aus dem Leben gerissen zu<br />
werden. Das hätte ich mir für sie gewünscht. Ihr Tod hat mehrere Personen<br />
aus unserem gemeinsamen Bekanntenkreis zu dem<br />
21
Ausspruch verleitet "Von Lucy habe ich (fast) angenommen, dass sie niemals<br />
sterben würde!" Dem Tod konnte sich aber die mutige Lucy nicht<br />
widersetzen. (L. Nicolay)<br />
Erik Blumenthal (1914-<strong>20</strong>04)<br />
Erik wurde am 9. September 1914 in<br />
Stuttgart als Sohn eines Gynäkologen<br />
(Chefarzt im Marienhospital) geboren. Da<br />
der Vater jüdischer Abstammung war, durfte<br />
der Sohn nach dem Abitur nicht studieren,<br />
obschon auch er gerne Arzt geworden wäre.<br />
So arbeitete er von 1933-1950 als<br />
technischer Kaufmann und Manager in der<br />
Industrie. Der Großvater mütterlicherseits<br />
war der Erfinder und Industrielle Albert Hirth;<br />
von seiner Flugzeugfabrik wurde Erik der<br />
kaufmännische Leiter; den Flugschein hatte<br />
er schon vorher erworben. Erik Blumenthals<br />
Karriere wurde durch den Kriegseinsatz in<br />
Frankreich und die Kriegsgefangenschaft unterbrochen. Noch im Krieg<br />
heiratete er seine erste Frau und hatte drei Kinder.<br />
Ab 1952 wurde er Mitglied der Bahai’Religion und mit 38 <strong>Jahre</strong>n verwirklichte<br />
er seinen Traum und studierte Psychologie in Tübingen, aber auch die<br />
Jungsche Komplexe Psychologie in Zürich. Anscheinend wechselte er zur<br />
Individualpsychologie Alfred Adlers, weil sie vom wissenschaftlichen<br />
Standpunkt aus besser zu den Grundsatzlehren seines religiösen Glaubens<br />
passte. Nach dem Tod seiner Frau verlegte er seine Praxis an den Bodensee<br />
nach Immenstaad. 1959 heiratete er Marianne Hilger, die ihn in seiner Arbeit<br />
wesentlich unterstützte und als Individual-psychologin und Maltherapeutin<br />
selbst heute noch aktiv ist.<br />
Seit 1961 lehrte Erik Blumenthal praktische Individualpsychologie im<br />
Großherzogtum (Esch resp. Luxemburg 1961-1973), vor allem im Rahmen<br />
der Fortbildungsaktivitäten der Bahai’Religion. Von 1971 bis 1976 war er<br />
Dozent an der Universität Würzburg.<br />
In den <strong>Jahre</strong>n 1963 und 1964 war er Assistent von Rudolf Dreikurs an der<br />
Universität Oregon in Eugene /USA; anschließend bis 1981 ein erstes Mal<br />
Präsident der Schweizer <strong>Gesellschaft</strong> für IP. (Ein zweites<br />
22
Mal von 1986-1991! Die Schweizer <strong>Gesellschaft</strong> war erst 1948 von Frau Mira<br />
Munk sowie den Herren Dr. Louis und Dr. Wolfensberger gegründet worden).<br />
Seit 1968 war er auch Lehranalytiker der DGIP und von 1970-1974 sogar ihr<br />
Erster Vorsitzender. (Als weiteres Vorstandmitglied und Lehranalytikerin<br />
fungierte Lucy Ackerknecht.) Erik war auch international tätig, im Rahmen der<br />
Internationalen <strong>Gesellschaft</strong> für IP (Vizepräsident: 1973) und der ICASSI<br />
Sommerschulen (USA, Kanada, Israel, Europa), die Rudolf Dreikurs<br />
begründet hatte.<br />
Ich begegnete Erik zum ersten Mal in den achtziger <strong>Jahre</strong>n in Mersch (im<br />
Kinderdorf, damals geleitet von Fari Khabirpour, seinem Schüler). Seit <strong>1988</strong><br />
war Erik auch offizieller Lehranalytiker der <strong>LGIPA</strong>. Er gehört mit zu den<br />
bekanntesten Vertretern der Individualpsychologie, - durch seine praktische<br />
Arbeit als Therapeut und Lehranalytiker, aber auch durch seine vielen gut<br />
verständlichen Werke über die Anwendungen der IP. Sie sind sogar ins<br />
Chinesische und Japanische übersetzt worden.<br />
Erik Blumenthal ist am 27. Juni <strong>20</strong>04 in Immenstaad gestorben.<br />
Kennzeichnend für sein Leben wie die Erinnerung an ihn ist die ethische und<br />
ermutigende Einstellung zum Menschen. Für ihn war wichtig, den Menschen<br />
als ein Freund zur Seite zu stehen. (L. Nicolay)<br />
5. <strong>LGIPA</strong> aktuell (1)<br />
AUSBILDUNG IN INDIVIDUALPSYCHOLOGIE & FÖRDERUNG DER<br />
SEELISCHEN GESUNDHEIT AM IPG<br />
Aus der Generalversammlung der <strong>LGIPA</strong> a.s.b.l. vom 30. März <strong>20</strong>06 in<br />
Bartringen<br />
Nach der Begrüßung und der Aktivitätsübersicht konnte die Schatzmeisterin<br />
Christiane KELLER eine positive Bilanz vorlegen, die von den<br />
Kassenrevisoren Mirella SCHMITZ und Marco HOFFMANN bestätigt wurden.<br />
Die besonnene Haushaltsführung und die unentgeltliche Tätigkeit der<br />
Mitarbeiter des Administrationsteams wurden besonders hervorgehoben.<br />
Im Herbst fing eine neue Ausbildungsgruppe mit dem Grundstudium in<br />
Klassischer IP an. Fünf Personen aus der vorangegangenen Gruppe konnten<br />
ihr Zertifikat über die Grundausbildung<br />
23
entgegennehmen und sind somit berechtigt, ihre Studien zum Berater oder<br />
aber zum Therapeuten weiterzuführen. Folgende Personen haben die<br />
zweijährige Grundausbildung erfolgreich abgeschlossen:<br />
Monika Colbach-Gangl<br />
Anne-Marie Goedert<br />
Nicole Theis-Grosges<br />
Doris Zangerlé<br />
Ralf Masion<br />
Der ehrenamtliche Direktor des IPG, Helmut GEHLE, überraschte<br />
anschließend seine Mitarbeiter mit einem passenden Buchgeschenk als<br />
Dankeschön für ihren Einsatz. Anschließend wurden die IPG-Aktivitäten <strong>20</strong>06<br />
vorgestellt. Diese kann man unter der oben angegebenen Internetseite<br />
nachlesen (aktuelle Angebote, Gruppen, …, IPG-Newsletter, …). Geplant ist<br />
zusätzlich der Psychohygienekurs „Seele & Gesundheit“ für Erwachsene in<br />
Bartringen.<br />
Vom 7. bis 10. September <strong>20</strong>06 findet die IV. Internationale Fachtagung der<br />
<strong>LGIPA</strong> in Bad Münstereifel statt, - dieses Jahr unter dem Motto: „Erziehung &<br />
Heilerziehung“. Alle aktuellen und zukünftigen Mitglieder sind hier<br />
willkommen (Infos/Anmeldungen Mi., Fr., von 9 bis 12 Uhr unter Tel:<br />
26119521)!<br />
Anmeldungen zur Ausbildung sind mit C.V. zu richten an: IPG/<strong>LGIPA</strong> a.s.b.l.<br />
„betr. Ausbildung“; 5, Beim Schlass; L-8058 Bartréng. Die gültigen<br />
Ausbildungsrichtlinien sind auch auf der ipg.lu-Seite nachzulesen.<br />
Der Vorstand und das A-Team werden sich dieses Jahr zusätzlich mit der<br />
Vorbereitung des <strong>20</strong>-jährigen Bestehens befassen.<br />
6. Gründung des I P G<br />
In Ausführung der <strong>LGIPA</strong>-Statuten, eingetragen in Luxemburg am <strong>20</strong>. April<br />
<strong>1988</strong>, speziell Kapitel VI, Art. 22, hat der Vorstand beschlossen, die<br />
einmalige Gelegenheit zu nutzen und bei der Gemeinde Bartringen in dem<br />
Gebäudekomplex „Beim Schlass“ Räumlichkeiten zwecks Einrichtung einer<br />
Forschungs- und Lehrpraxis anzumieten, sobald das Gebäude bezugsfertig<br />
ist. Diese Entscheidung wurde von der Generalversammlung am 28. März<br />
<strong>20</strong>02 gutgeheißen, so dass zwei in Bartringen wohnende<br />
Vorstandsmitglieder, nämlich der Präsident und der Sekretär,<br />
24
eauftragt werden konnten, mit der Gemeinde einen Vorvertrag<br />
abzuschließen. Der „Contrat préalable de location d’une surface commerciale<br />
au projet immobilier ‚Beim Schlass‘“ wurde am 17. April <strong>20</strong>02 unterzeichnet.<br />
Im dritten Artikel der <strong>LGIPA</strong>/SLPA-Statuten werden die Ziele der <strong>Gesellschaft</strong><br />
definiert: „La diffusion, l’approfondissement de la psychologie adlérienne et<br />
de ses idéaux sociopratiques, l’innovation et la recherche dans le domaine<br />
de la psychopédagogie et de la psychanalyse adlérienne ainsi que de leurs<br />
applications méthodiques.“<br />
Und unter Punkt 9 „Mitwirkung im Gesundheitswesen“ und 10<br />
„Psychotherapieforschung“ der ethischen Richtlinien für Psychotherapeuten<br />
wird festgehalten:<br />
(zu 9:) In ihrer gesellschaftlichen Verantwortung werden<br />
PsychotherapeutInnen ermutigt, ihren Beitrag zur Erhaltung und Schaffung<br />
von Lebensbedingungen zu leisten, die der Förderung, Erhaltung und<br />
Wiederherstellung der psychischen Gesundheit und der Reifung oder<br />
Entwicklung der Menschen dienen.<br />
(zu 10:) Im Interesse der wissenschaftlichen Weiterentwicklung der<br />
Psychotherapie sowie der Erforschung der Wirkungen der Psychotherapie<br />
sollen PsychotherapeutInnen nach ihren jeweiligen Möglichkeiten an<br />
Forschungsvorhaben mitwirken. Die Durchführung von<br />
psychotherapeutischen Forschungsvorhaben sowie Publikationen von<br />
psychotherapeutischen Arbeiten müssen den oben angeführten ethischen<br />
Grundsätzen entsprechen. Die Interessen der Patienten/Klienten sind<br />
vorrangig.<br />
25
Dass die Individualpsychologie nach Alfred Adler auch in präventiver Hinsicht<br />
eine fruchtbare Theorie wurde zeichnete sich nach Rüedi (<strong>20</strong>00) schon ab<br />
1904 ab. In dem Artikel „Der Arzt als Erzieher“ unterstreicht Adler die<br />
Bedeutung der seelischen Entwicklung, die von der körperlichen nicht zu<br />
trennen sei. Da er selber Arzt war, forderte er, seine Kollegen sollten<br />
verstärkt Erziehungsberatung betreiben, die Eltern und Lehrer in Erziehungsfragen<br />
beraten, um so auf seeli-schem und körperlichem Gebiet<br />
prophylaktisch zu wirken, d.h. Gesunde vor der Krankheit zu schützen.<br />
Schon kurze Zeit später setzte Adler im Bereich der Prophylaxe mehr auf die<br />
Lehrer und die Schule. Wir wissen heute, dass auch die Luxemburger Schule<br />
dieser Aufgabe nicht gerecht wird.<br />
Um 19<strong>20</strong> gründete der Wiener Arzt Alfred Adler dann die ersten<br />
individualpsychologischen Erziehungsberatungsstellen, die allen<br />
ratsuchenden Eltern, Erziehern und Lehrern unentgeltlich offen standen, da<br />
sie alsbald von der Stadt Wien gefördert wurden. Dem gingen also <strong>Jahre</strong> der<br />
primären Prävention durch regelmäßige Vorträge über Erziehungs- und<br />
Gesundheitsfragen voraus. Übrigens beschäftigte sich Adlers allererste<br />
Veröffentlichung überhaupt mit der Prävention körperlicher Krankheiten<br />
(Gesundheitsbuch für das Schneidergewerbe, 1898).<br />
Auch wenn die <strong>LGIPA</strong> seit ihrer Gründung 1987 noch keine Beratungsstelle<br />
einrichten konnte, so hat sie dennoch nachweislich über all die <strong>Jahre</strong> in ihren<br />
Beratungsgruppen zur Gesundheitsförderung beigetragen (siehe<br />
<strong>Jahre</strong>sberichte). Vor allem die von der <strong>LGIPA</strong> favorisierte Gruppenarbeit ist<br />
eine sehr effiziente Präventions- und Stabilisierungsmethode im Bereich<br />
seelischer und körperlicher Gesundheit. Im Rahmen des IPG soll prinzipiell<br />
die Einheit von Wissenschaft, Ausbildung und Praxis gewährleistet werden,<br />
eine wesentliche Maßnahme zur Qualitätssicherung in den drei Bereichen.<br />
Dies ist am besten in einem Zentrum zu erreichen.<br />
Alle intervenierenden Mitarbeiter des IPG sind qualifizierte Mitglieder,<br />
fortgeschrittene Ausbildungskandidaten oder Fachmitglieder der <strong>LGIPA</strong>. Alle<br />
sind der Standesordnung und den ethischen Richtlinien der <strong>LGIPA</strong><br />
verpflichtet (siehe: www.lgipa.lu ); die <strong>LGIPA</strong>-Psychologen richten sich<br />
ebenfalls nach dem „Code Déontologique de la Société Luxembourgeoise de<br />
Psychologie“ (siehe: www.slp.lu ) und der Ethik-Charta der FEAP (Fédération<br />
Européenne d’Associations de Psychologues).<br />
Die wissenschaftliche und fachliche Leitung sowie die Kontrolle der<br />
fachlichen<br />
26<br />
Aktivitäten und Interventionen obliegen allein den
Lehranalytikern und Lehrberatern der <strong>LGIPA</strong>. Der in Luxemburg aktiven<br />
Lehranalytikerkommission gehören an: Dr. Ralf Biehle, Dipl. Psych. & Päd.<br />
Helmut Gehle, Dr. Karl-Heinz Hay, Dr. German Höcher, Frau Christiane<br />
Keller, Dr. Fari Khabirpour, Frau Marlene Lanners und Dr. Lucien Nicolay. Als<br />
externe Fachkonsulenten fungieren seit dem Jahr <strong>20</strong>01 die<br />
Universitätsprofessoren Dr. Charles Pull (Psychiatrie) und Dr. Germain<br />
Weber (Klinische und Gesundheits-Psychologie).<br />
Die vom Vorstand genannte Geschäftsführung (Organisation, Verwaltung,<br />
Buchhaltung, Ausführung) kann einem Team oder entsprechend<br />
spezialisierten Einzelpersonen übertragen werden, die dem Vorstand und der<br />
Generalversammlung Rechenschaft schuldig sind. Den in<br />
geschäftsführenden Funktionen ehrenamtlich Tätigen wird der<br />
Mitgliedsbeitrag erlassen. Über die Finanzierung von Forschungsprojekten<br />
und wissenschaftlichen Publikationen entscheidet der <strong>LGIPA</strong>-Vorstand auf<br />
Anraten der Wissenschafts- und Forschungskommission, der auch<br />
Akademiker angehören können, die nicht Fachmitglieder sind. (Bis zur<br />
Ernennung einer solchen Kommission durch den Vorstand übernimmt die<br />
Lehranalytikerkommission diese Aufgabe.)<br />
Der Tätigkeitsbereich umfasst die Förderung des psychischen<br />
Wohlbefindens der Menschen im Einzugsgebiet durch konkrete Angebote,<br />
die psychologische Ausbildung von Fachleuten und Laien im<br />
Gesundheitsbereich, die wissenschaftliche Begleitung der Angebote, die<br />
Initiierung oder Durchführung von Forschungsprojekten sowie die<br />
Kooperation mit anderen Agenten im Gesundheitsbereich<br />
27
7. Ziele und Aufgaben des IPG:<br />
� Förderung der ganzheitlichen Gesundheit der Klienten mit<br />
psychologischen Methoden.<br />
� Forschung und Studien im Bereich der seelischen Gesundheit<br />
(primäre bis tertiäre Prävention), der Klinischen Psychologie (Prävention,<br />
Diagnostik, Differenzielle Indikationsstellung, Beratung, Therapie,<br />
Rehabilitation) und differenzieller Interventionen im Gruppen- und<br />
Einzelsetting<br />
� Ausbildung, Fort- und Weiterbildung in integrativer psychosozialer<br />
und psychodynamischer Beratung (Erziehungs-, Partner-, Familien-,<br />
Lebens- und Krisenberatung)<br />
� Anleitung zur Psychagogik für Eltern, Lehrer und Erzieher<br />
� Ausbildung, Fort- und Weiterbildung in allgemeiner und<br />
differenzieller Psychotherapie oder psychologischer Psychotherapie<br />
� Gruppensupervision für Angehörige diverser Berufsgruppen<br />
� Durchführung und Evaluation von Präventions- und<br />
Stabilisierungsprogrammen sowie Rehabilitationsprogrammen (z.B.<br />
mit Verkehrsdelinquenten) und Gruppentherapien<br />
� Kooperation mit anderen <strong>Gesellschaft</strong>en und Instituten<br />
� Lehrpraxis, Forschungspraxis<br />
� Erwachsenenbildung, selektive Psychoedukation (z.B. für<br />
Angehörige psychisch gestörter Menschen)<br />
� Beratung von Institutionen und Betrieben (betr. Suchtprophylaxe,<br />
Stressprävention, Psychohygiene, Gesundheitsförderung)<br />
� Konferenzen, Seminare<br />
� Veröffentlichungen<br />
Zur Finanzierung muss festgehalten werden, dass die Angebote der <strong>LGIPA</strong><br />
im Rahmen des IPG zur Zeit (Stand: <strong>20</strong>03) leider nicht unentgeltlich zur<br />
Verfügung gestellt werden können, allein schon wegen der Mietkosten und<br />
des benötigten und zurückzuzahlenden Darlehens. Eine Konvention mit dem<br />
Gesundheitsministerium wäre natürlich eine Hilfe und könnte ebenfalls die<br />
Inanspruchnehmer (Klienten/Patienten) entlasten.<br />
28
8. <strong>LGIPA</strong> / IPG aktuell (2)<br />
Die <strong>Lëtzebuerger</strong> <strong>Gesellschaft</strong> <strong>fir</strong> Individualpsychologie nom Alfred Adler<br />
(<strong>LGIPA</strong>) hat sich mit der Einrichtung des „Instituts <strong>fir</strong> Psychologesch<br />
Gesondheetsförderung“ (IPG) und dessen Eröffnung am 1. Oktober <strong>20</strong>03 die<br />
Möglichkeit zur Praxis ihrer vielfältigen psycho-sozialen, psycho-edukativen,<br />
präventiven und beraterischen Aufgaben geschaffen. Dabei dient das Institut<br />
nicht nur Ausbildungs- und Forschungszwecken, sondern stellt auch eine<br />
konstruktive Erweiterung der Gesundheitsversorgung in Luxemburg dar. Und<br />
das - da diese Initiative durch privates Engagement getragen wird - ohne<br />
zusätzliche Kosten für das Gemeinwesen.<br />
Zum Vorstand der <strong>LGIPA</strong> gehören zurzeit folgende Personen:<br />
Dr. Lucien Nicolay Präsident<br />
Chantal Schroeder Vize-Präsidentin<br />
Christiane Keller Schatzmeisterin<br />
Georges Haan Sekretär<br />
Dr. Karl-Heinz Hay Mitglied<br />
Jeanny Rollinger Mitglied<br />
Giséle Marx Mitglied<br />
Helmut Gehle Mitglied<br />
Zu den MitarbeiterInnen am „Institut <strong>fir</strong> Psychologesch<br />
Gesondheetsförderung (IPG)“ gehören augenblicklich<br />
Psychologen / Psychotherapeuten und Berater<br />
Eliane Barthel<br />
Martine Bram<br />
Helmut Gehle<br />
Georges Haan<br />
Malou Hoffmann<br />
Christiane Keller<br />
Ingrid Konrad<br />
Pascale Mares<br />
Lucien Nicolay<br />
Ralph Masion<br />
Gisèle Marx<br />
Chantal Schroeder<br />
Mireille Thill<br />
Doris Zangerlé<br />
29
Vervollständigt wird dieses Team durch die unentbehrlichen ehrenamtlichen<br />
(!) Mitarbeiterinnen aus unserem administrativen Team, die nicht nur unser<br />
Büro in Bertrange während der Öffnungszeiten (Mittwoch und Freitag 9 <strong>–</strong> 12<br />
Uhr) besetzen, sondern auch für den reibungslosen Ablauf der<br />
Institutsgeschäfte sorgen.<br />
Im Ausbildungsbereich bietet die <strong>LGIPA</strong> auf der Basis der<br />
Individualpsychologie Alfred Adlers zur Zeit fünf am gegenwärtigen<br />
Forschungsstand der akademischen Psychologie orientierte<br />
Abbildungsgänge (siehe www.lgipa.lu) an:<br />
� (A) Grundkurs Individualpsychologie (<strong>LGIPA</strong>)<br />
� (B) Moderator für Gesundheitsförderung (<strong>LGIPA</strong>))<br />
� (C1) Individualpsychologischer Berater (<strong>LGIPA</strong>)<br />
� (C2) Psychagoge (<strong>LGIPA</strong>)<br />
� (D) Einzel- und Gruppen-Psychotherapeut (<strong>LGIPA</strong>)<br />
Im Jahr <strong>20</strong>07 absolvieren 18 Personen eine Ausbildung, davon 14 zum<br />
Berater und 4 zum Psychotherapeuten. Zu den im Formationsbereich<br />
engagierten Referenten und Kursleitern gehören neben verschiedenen IPG-<br />
Mitarbeitern u.a. Dr. Karl-Heinz Hay (D), Dr. Ralf Biehle (D), Dr. Jean-Marie<br />
Cloos (L), Dorothea Ewert (D), Dr. Gérard Louis (L), Carlo Clarens (L) u.a.<br />
Den GRUNDKURS PSYCHOLOGIE (<strong>20</strong>0 Stunden Individualpsychologie)<br />
haben in diesem Jahr acht Kandidatinnen erfolgreich abgeschlossen:<br />
Maryse Eicher, Annette Schneider, Danielle Flammang, Marie-Jeanne-Graf,<br />
Renée Lucas, Liette Eisen, Mady Bernardy,. (v.l.n.r.) Edouard Neuser (Bild<br />
rechts).<br />
30
Einen wichtigen Stellenwert in den Aus- und Weiterbildungsaktivitäten der<br />
<strong>LGIPA</strong> hat inzwischen die einmal jährlich stattfindende „Internationale<br />
<strong>LGIPA</strong>-Fachtagung“, die in <strong>20</strong>06 zum vierten Mal stattfand. Das<br />
Schwerpunktthema der Tagung in Bad Münstereifel lautete „Erziehung und<br />
Heilpädagogik“ und wurde unter anderem in Vorträgen und Workshops zu<br />
„Sozio-emotionalen Störungen: Entstehung, Störungen und Folgen“ oder<br />
zum „Elternselbstmanagement <strong>–</strong> Neue Wege der individualpsychologischen<br />
Erziehungsberatung“ behandelt. Um dem ganzheitlichen Menschenbild der<br />
Individualpsychologie gerecht zu werden, gab es neben der „Kopfarbeit“ auch<br />
Betätigungsmöglichkeiten für den Körper (Shiatsu-Kurs und NordIP-<br />
Walking).<br />
Seit der Institutsgründung führten MitarbeiterInnen von <strong>LGIPA</strong> und IPG eine<br />
Reihe von Veranstaltungen im Bereich der Gesundheitsförderung durch.<br />
Vorträge und Präsentationen:<br />
• Die Bedeutung der Psychotherapie bei der Behandlung<br />
psychosomatischer und somatopsychischer Störungen<br />
(Parlamentarische Gesundheitskommission, <strong>20</strong>03. L. Nicolay)<br />
• Braucht Luxemburg psychologische Psychotherapeuten? (SLP,<br />
<strong>20</strong>04. L. Nicolay)<br />
• Entwicklung von Verkehrsintelligenz als individueller Beitrag zur<br />
Verkehrssicherheit. IPSM-traffic (ACL, <strong>20</strong>05. L. Nicolay),<br />
• Psychotherapiefortbildung der <strong>LGIPA</strong>; Jugendlichenpsychotherapie<br />
am IPG (CPOS, <strong>20</strong>05. L. Nicolay)<br />
• IPSM-Tinnitus (Luxemburger Tinnitusgesellschaft, <strong>20</strong>06. L. Nicolay),<br />
• IPSM-Borderline (IPG, <strong>20</strong>06. L. Nicolay)<br />
• IP-Therapie bei Alkoholismus und Drogenabhängigkeit. <strong>20</strong>04 (Dr. R.<br />
Biehle; Dr. Lichtfous)<br />
• Störungen des sozialen und Bindungs-Verhaltens, Erneuerte<br />
Psychagogik, Ressourcen & Psychagogik, Individualpsychologische<br />
Erziehungsmethoden, Psychagogik bei Störungen des Selbst im<br />
Kindes- und Jugendalter, Psychologische Erste Hilfe bei Kindern<br />
(anlässlich von diversen Fortbildungen der Education<br />
nationale/Ediff/CL und der <strong>LGIPA</strong>, <strong>20</strong>05 -<strong>20</strong>07. L. Nicolay)<br />
• Sechs Vorträge zum Thema „Schulstress i n der Familie. Wege in<br />
die (schul-)stressfreie Familie“ unter anderen in den Gemeinden<br />
Luxemburg, Dudelange und Wiltz. (H. Gehle)<br />
31
• Konferenz „Warum die Super-Nanny lieber Alfred Adler lesen<br />
sollte...!“ und „Wie Sie mit Fit for Family Erziehung einmal anders<br />
gestalten können!“ (Doris Zangerlé und Ralph Masion)<br />
Fortbildungstage, Workshops<br />
• I. Internationale <strong>LGIPA</strong> Fachtagung <strong>20</strong>03 in Bad Münstereifel 28.<br />
Febr. bis 02. März: „Vorbeugen ist besser als heilen.“<br />
• II. Internationale <strong>LGIPA</strong> Fachtagung <strong>20</strong>04 in Bad Münstereifel vom<br />
15. bis 18. Juli <strong>20</strong>04: „Verstehen statt verurteilen.“<br />
• III. Internationale <strong>LGIPA</strong> Fachtagung <strong>20</strong>05 in Bad Münstereifel<br />
vom 08. bis 11. September. „Fortschritte der Individualpsychologie“<br />
• IV. Internationale <strong>LGIPA</strong> Fachtagung <strong>20</strong>06 in Bad Münstereifel.<br />
07. bis 10. September: „Erziehung und Heilpädagogik“<br />
• Soziale Werte <strong>–</strong> Konsequenzen für die Klasseninteraktion<br />
(CPOS/Uni Lëtzebuerg-Symposium <strong>20</strong>03: Violence et climat<br />
scolaires. L. Nicolay)<br />
• Ressourcenorientierte Psychagogik(2ième Rencontre Internationale<br />
de Pédagogie et Psychologie, <strong>20</strong>05. L. Nicolay)<br />
• Wéi kann ech dee sinn, deens du brauchs (3ième Rencontre …,<br />
<strong>20</strong>06. L. Nicolay),<br />
• Betriebliche Gesundheitsförderung, Diagnostik und<br />
Straßenverkehrspsychologie, Psychologische Erste Hilfe,<br />
Notfallpsychologie, Traumaakuttherapie (IPG, Ressources<br />
Humaines der Stadt Luxemburg ab <strong>20</strong>06/<strong>20</strong>07. L. Nicolay)<br />
• Kurs: „Fit for Family <strong>–</strong> Elternselbstmanagement für den<br />
Erziehungsalltag“. Ab 8. Januar <strong>20</strong>07 für Eltern von Kindern<br />
zwischen drei und 18 <strong>Jahre</strong>n. (Doris Zangerlé und Ralph Masion)<br />
• Kurs „Erste Hilfe in der (psychotherapeutischen) Praxis“ mit Carlo<br />
Clarens<br />
<strong>LGIPA</strong> und Institut kooperieren bei ihrer Arbeit mit anderen nationalen und<br />
internationalen Einrichtungen aus dem psychosozialen Sektor und sind dort<br />
teilweise durch Mitarbeiten aktiv vertreten:<br />
Kooperation mit anderen <strong>Gesellschaft</strong>en<br />
32<br />
• Internationale <strong>Gesellschaft</strong> für Individualpsychologie sowie<br />
ihre nationalen Vereinigungen und Akademien/Institute<br />
• Europäische Föderation für
Psychoanalytische Selbstpsychologie<br />
• World Council for Psychotherapy & European Association for<br />
Psychotherapy<br />
• Sigmund Freud Privatuniversität Wien<br />
• Association Belge de Psychotherapie<br />
• Belgisch Instituut voor Verkehrstherapie (Leuven, …)<br />
• Centrum voor Psychoanalyse, Familientherapie & Supervisie,<br />
Belgie (Leuven, …)<br />
• Zentrum für Psychoanalyse, Familientherapie &<br />
Verkehrstherapie Deutschland (Berlin, …)<br />
• Institut für Praktische Individualpsychologie, e.V. in Köln<br />
/Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband<br />
• IVT-Hö (IP-Verkehrstherapie, Köln, Berlin, …)<br />
• Deutsche <strong>Gesellschaft</strong> für Zwangserkrankungen, e.V.<br />
• Deutsche <strong>Gesellschaft</strong> für Verhaltenstherapie e.V. (Tübingen)<br />
• Assoc. d’Aide aux Personnes atteintes d’un Etat-<br />
Limite/trouble borderline, a.f.s.b.l.<br />
• Société Luxembourgeoise de Psychologie, a.s.b.l.<br />
• Association Luxembourgeoise de Thérapie Cognitivo-<br />
Comportementale, a.s.b.l.<br />
• Tinnitus-Acouphènes Luxembourg, a.s.b.l. (In diesem<br />
Rahmen wurden von M. Hoffmann, Psychologin u. <strong>LGIPA</strong>-<br />
Mitglied, bisher 22 Männer und 11 Frauen für jeweils fünf<br />
Einzelgespräche betreut. In Kürze beginnt hier eine Gruppe<br />
(Coping-Habituations-Retraining) von insgesamt 12<br />
Sitzungen)<br />
• Arbeitgemeinschaft für Qualitätsmanagement in Beratung<br />
Psychotherapie (AG PSY-QM)<br />
• Netzwerk Suizidprävention<br />
• mouvement luxembourgeois pour le planning familial et<br />
l’éducation sexuelle a.s.b.l.<br />
• « Riicht eraus » Violence-conseil<br />
• Treffpunkt ADHS, a.s.b.l.<br />
• Centre de Formation pour Conducteurs, Colmar-Berg<br />
• u.a.<br />
33
<strong>LGIPA</strong> und IPG im Internet: www.ipg.lu<br />
9. Informationen zu den Klienten am IPG<br />
Mit der Schaffung eigener Räumlichkeiten (Institut <strong>fir</strong> Psychologesch<br />
Gesondheetsförderung) konnte die <strong>LGIPA</strong> neben ihrer Ausbildungstätigkeit<br />
auch der in den ethischen Richtlinien geforderten gesellschaftlichen<br />
Verantwortung verstärkt Rechnung tragen. Dort wird explizit gefordert, einen<br />
Beitrag zur Erhaltung und Schaffung von Lebensbedingungen zu leisten, die<br />
der Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung der psychischen<br />
Gesundheit und der Reifung oder Entwicklung des Menschen dient (Punkt<br />
9). Aus diesem Grund stellt die <strong>LGIPA</strong> ihre Räumlichkeiten Privatpersonen<br />
zur Durchführung von Beratungen und Therapien auf der Basis der<br />
Ethikrichtlinien der europäischen Psychologenvereinigung zur Verfügung.<br />
34
Klienten nach Alter (<strong>20</strong>06)<br />
50<br />
45<br />
40<br />
35<br />
30<br />
25<br />
<strong>20</strong><br />
15<br />
10<br />
5<br />
0<br />
> 14 <strong>Jahre</strong> 14-18 19-25 26-35 36-45 46-55 > 55 <strong>Jahre</strong><br />
Seit der Gründung des IPG erhielten dort über 130 Klienten in über 2100<br />
Stunden eine Psychologische Beratung bzw. eine Psychotherapie.<br />
Verteilung der IPG-Klienten nach Geschlecht<br />
46 Prozent der am IPG betreuten Klienten hatte zuvor bereits mindestens<br />
einmal Hilfe bei einem Psychologen oder Psychiater gesucht.<br />
80<br />
70<br />
60<br />
50<br />
40<br />
30<br />
<strong>20</strong><br />
10<br />
0<br />
Wie kommt der Kontakt zustande ?<br />
Eigeniniative Arzt IPG intern Institutionen andere Kontaktformen<br />
Familienstand der Klienten<br />
geschieden<br />
ledig<br />
feste Beziehung verwitwet<br />
verheiratet<br />
35
42 Prozent der Menschen, die das IPG wegen psychischer Probleme<br />
aufsuchen nehmen Medikamente bzw. Psychopharmaka.<br />
Mit welchen<br />
Problemen melden sich die Klienten im IPG an?<br />
36<br />
Mediation<br />
Zwänge<br />
Tod, Trauer<br />
Essstörungen<br />
Trauma<br />
Gewalt<br />
Sinnfragen<br />
Mobbing<br />
Sexualität<br />
Psychosomatik<br />
Erziehung<br />
andere<br />
Angst, Panik<br />
Paar-Probleme<br />
Depression<br />
0 5 10 15 <strong>20</strong> 25 30 35 40 45 50<br />
Vergleich der monatlichen Beratungsstunden <strong>20</strong>05 und <strong>20</strong>06<br />
1<strong>20</strong><br />
110<br />
100<br />
90<br />
80<br />
70<br />
60<br />
50<br />
40<br />
Jan Febr Mrz Apr Mai Juni Juli Aug Sept Okt Nov Dez<br />
<strong>20</strong>05 <strong>20</strong>06
10. Veranstaltungen zum <strong>20</strong>-jährigen Jubiläum<br />
Konferenzen, Seminare, „Schnupperangebote“<br />
<strong>LGIPA</strong> und IPG feiern den <strong>20</strong>. Geburtstag der <strong>LGIPA</strong> von Oktober <strong>20</strong>07 bis Mai<br />
<strong>20</strong>08 mit einer Reihe zusätzlicher Veranstaltungen. Ein Überblick über die<br />
Arbeitsschwerpunkte der Individualpsychologischen <strong>Gesellschaft</strong> und ihres Instituts<br />
erhalten Interessenten in den Konferenzen, Kursen und Workshops während unserer<br />
Aktionswoche vom 19. bis 27. Oktober <strong>20</strong>07 in Bertrange. Falls nicht<br />
anders angegeben, sind die Kurse kostenlos und können ohne vorherige Anmeldung<br />
besucht werden.<br />
Freitag, 19. Okt. <strong>20</strong>07<br />
<strong>20</strong> h Schauwenburg<br />
„GLÜCK & GESUNDHEIT“<br />
Rundtischgespräch; Teilnehmer: u.a. Dr. Fari<br />
Khabipour, Dr. Lucien Nicolay, Christiane Keller,<br />
u.a..<br />
anschließend „INDIVIDUALPSYCHOLOGIE <strong>–</strong> GESTERN UND<br />
HEUTE“.<br />
Eröffnung der Ausstellung in der Schauwenburg.<br />
Während der Aktionswoche täglich geöffnet von 10<br />
bis 21 Uhr.<br />
37
38<br />
Samstag, <strong>20</strong>. Okt. <strong>20</strong>07<br />
10:00 h Schauwenburg<br />
Samstag, <strong>20</strong>. Okt. <strong>20</strong>07<br />
10:00 h Schauwenburg<br />
„SCHULSTRESS IN DER FAMILIE“<br />
Vortrag für Eltern und Erzieher. Referent: Helmut<br />
Gehle, Dipl.-Psych. & Dipl.-Päd.<br />
Ob Stress mit den leidigen Hausaufgaben,<br />
Konzentrationsstörungen, Trödeleien oder<br />
allgemeine Leistungsverweigerung, das Thema<br />
Schule wird für viele Familien zum Alptraum und<br />
belastet die innerfamiliären Beziehungen oft bis an<br />
die Grenze des Erträglichen. Die Atmosphäre<br />
scheint dann schulisch vergiftet und auch die<br />
Beziehung zwischen Vater und Mutter wird<br />
mitunter auf eine harte Probe gestellt.<br />
Der Vortrag will Verständnis fördern und mögliche<br />
Wege in eine „schulstressfreie Familie“ aufzeigen.<br />
Dabei werden u.a. folgende Themen angesprochen:<br />
Wie lernen wir? Bedingungen „erfolgreichen“<br />
Lernens. Anlage, Umwelt und Neuro-Pädagogik.<br />
Lernen Jungen anders als Mädchen? Praktische<br />
Lerntipps. Lieber aufmerksam hyperaktiv als<br />
langweilig zerstreut!? u.a.<br />
(Hinweis für Eltern: Parallel zum Vortrag wird der<br />
folgende Kurs für Kinder angeboten.)<br />
„IMMER COOL UND LOCKER BLEIBEN“<br />
Entspannungs- und Stressbewältigungstraining für<br />
Primärschulkinder. Leitung: Annette Jaffke.<br />
Erzieherin und Entspannungspädagogin,<br />
Ausbildung zur Psychagogin.<br />
In Kleingruppen lernen die Kinder mit „Piti<br />
Stressig“ was Stress überhaupt ist, wie er entsteht<br />
und wie er sich auswirkt (Stresskiller,<br />
Stressantworten, Stresssituationen). Gemeinsam<br />
wird erarbeitet, welche Lösungsmöglichkeiten es<br />
für belastende Situationen gibt.<br />
Ergänzt wird das Training durch kindgerechte<br />
Entspannungsübungen (Autogenes Training,<br />
Muskelentspannung, Traumreisen,<br />
Entspannungsmassagen). Spaß und Spiel<br />
(Bewegungsspiele, Gruppenspiele,<br />
Konzentrationsspiele) runden das Programm ab.<br />
Die Kinder sollten eine Wolldecke, bequeme<br />
Kleidung, dicke Socken, ein kleines Kissen und für<br />
jüngere Kinder eventuell ein Kuscheltier.<br />
Teilnehmerzahl 6 <strong>–</strong> 8 Kinder.
Samstag, <strong>20</strong>. Okt. <strong>20</strong>07<br />
14:30 -16:00 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Samstag, <strong>20</strong>. Okt. <strong>20</strong>07<br />
16h30-17h30 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
BESSER LEBEN OHNE SCHULSTRESS<br />
Aktive Stressbewältigung im Alltag. Mit Doris<br />
Zangerle (Lehrerin, Psychologin) und Ralph Masion<br />
(Psychologe) Für Schüler von 11-18 <strong>Jahre</strong>n.<br />
Aus vier Bereichen werden praktische Übungen zur<br />
Schulstressbewältigung vorgeführt:<br />
Entspannungstechniken, Bewältigung von<br />
Prüfungsangst, Organisation beim Lernen und<br />
spezifische Lerntechniken. Den Schwerpunkt der<br />
Themen bestimmen die Fragen und Probleme der<br />
Teilnehmer. Bei großem Andrang finden getrennte<br />
Gruppen für Jungen und Mädchen statt.<br />
Schreibzeug und Papier mitbringen.<br />
Bitte vorher anmelden: � 26119521 oder<br />
ipg@pt.lu .<br />
SE PARLER<br />
Petit vade-mecum pour une meilleure<br />
communication. Conférencière : Liette Eisen (en<br />
formation de conseillère psychologique). Pour<br />
adultes et adolescents<br />
Comment fonctionne la communication? Pourquoi,<br />
malgré la meilleure des volontés, des malentendus<br />
surgissent-ils? Que vaut-il savoir et à quoi devraiton<br />
veiller pour réussir une communication ?<br />
La même conférence se tiendra en langue allemande<br />
le mardi, 23 octobre, à 10.00 heures.<br />
39
40<br />
Sonntag, 21. Okt. <strong>20</strong>07<br />
10:30 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Sonntag, 21. Okt. <strong>20</strong>07<br />
17:30 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
FIT FOR FAMILY<br />
Elternselbstmanagement für den Erziehungsalltag.<br />
Für Eltern und ErzieherInnen. Referenten: Doris<br />
Zangerlé (Lehrerin und Psychologin) und Ralph<br />
Masion (Psychologe). Beide sind angehende IP-<br />
Therapeuten (<strong>LGIPA</strong>).<br />
Erziehung fordert uns alle! Sie sind interessiert an<br />
einer entspannten und demokratischen<br />
Familienatmosphäre? Sie möchten<br />
verantwortungsvolle, selbstbewusste und<br />
selbstdisziplinierte Kinder erziehen? Dann sind Sie<br />
bei uns richtig? „FIT FOR FAMILY“ wurde<br />
speziell am IPG konzipiert und setzt<br />
individualpsychologische Ideen der Erziehung um.<br />
Schnuppern Sie selbst an Methoden für positive<br />
Kommunikation, sinnvolle Disziplin, Ermutigung,<br />
Vermeidung von Eskalation, Familienkonferenz und<br />
Psychohygiene für Eltern und sehen Sie, wie Sie<br />
den Mut entwickeln können, nicht perfekt zu sein<br />
und Kindererziehung einmal ganz anders gestalten<br />
zu können.<br />
Hinweis: der gleiche Vortrag findet auch am<br />
Montag, 22. Okt. um 10 Uhr statt. Achtung: max.<br />
Teilnehmerzahl: 12 Personen.<br />
IP - FAMILIENRAT<br />
Eine Einübung in die Demokratie. Für Eltern und<br />
ErzieherInnen. Referentin: Chantal Schroeder,<br />
Psychologin und Psychotherapeutin.<br />
Nach Dreikurs kann eine Familie am besten<br />
funktionieren, wenn die Erziehung durch humane<br />
und demokratische Grundprinzipien gekennzeichnet<br />
ist, denn in der Familie ist jeder für sich selbst und<br />
die Gemeinschaft verantwortlich.<br />
Die Familiengemeinschaft kann sich Mittel geben,<br />
um diese Prinzipien umzusetzen wie zum Beispiel<br />
den FAMILIENRAT. Hier sind die Teilnehmer<br />
gleichberechtigt und jeder kann seine<br />
unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse<br />
ausdrücken. Entscheidungen werden dann auf Basis<br />
eines gemeinsamen Einverständnisses getroffen.
Sonntag, 21. Okt. <strong>20</strong>07<br />
18:00 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Montag, 22. Okt. <strong>20</strong>07<br />
10:00 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Montag, 22. Okt. <strong>20</strong>07<br />
18:30 <strong>–</strong>19:45 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
WARUM DIE SUPER-NANNY LIEBER ALFRED<br />
ADLER LESEN SOLLTE!<br />
Wie Sie Erziehung einmal anders gestalten können.<br />
Vortrag. Referenten: Doris Zangerlé (Lehrerin,<br />
Psychologin) & Ralph Masion (Psychologe). Beide<br />
sind angehende IP-Therapeuten (<strong>LGIPA</strong>). Für Eltern,<br />
ErzieherInnen, LehrerInnen, PsychologInnen.<br />
Kritik des auf den ersten Augenblick attraktiven<br />
Formates des Coaching-TV Super Nanny (RTLplus<br />
/ M6) und Präsentation des<br />
Elternselbstmanagement-Programms FIT FOR<br />
FAMILY, das seit Januar <strong>20</strong>07 am IPG angeboten<br />
wird.<br />
FIT FOR FAMILY<br />
Elternselbstmanagement für den Erziehungsalltag.<br />
Für Eltern und ErzieherInnen. Referenten: Doris<br />
Zangerlé und Ralph Masion (Psychologen). Beide<br />
sind angehende IP-Therapeuten (<strong>LGIPA</strong>).<br />
Hinweis: der gleiche Vortrag findet auch am<br />
Sonntag, 21. Okt. um 10:30 Uhr statt.<br />
SEELE & GESUNDHEIT -<br />
GRÜBELN UND NEGATIVE GEDANKEN STOPPEN<br />
Ein Kurs zum körperlichen und seelischen<br />
Wohlbefinden.<br />
ReferentInnen: Pascale Mares, Mireille Thill<br />
(Psychologinnen und Psychotherapeutinnen) und<br />
Georges Haan (Psychologischer Berater)<br />
Heute und am Samstag, 27.10. werden jeweils<br />
beispielhaft zwei Schwerpunkte des insgesamt<br />
neunteiligen Kurses vorgestellt. U.a. werden<br />
unterschiedliche Entspannungsverfahren vorgestellt<br />
und eingeübt.<br />
Bitte bringen Sie bequeme Kleidung, zwei Decken,<br />
ein Kissen und warme Socken mit. Die zwei Kurse<br />
können auch einzeln besucht werden.<br />
41
42<br />
Montag, 22. Okt. <strong>20</strong>07<br />
<strong>20</strong>:00 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
GLÜCK & GESUNDHEIT DURCH VERÄNDERUNG<br />
UNSERER EMOTIONEN<br />
Emotionen verstehen und verändern, einen besseren<br />
Zugang zu positiven Gefühlen und einem positiven<br />
Erleben finden. Kurzvortrag: Christiane Keller,<br />
Psychologische Beraterin (<strong>LGIPA</strong>).<br />
Gefühle sind ein wichtiger Bestandteil unserer<br />
menschlichen Existenz; alles was wir erleben ist mit<br />
Gefühlen verbunden. Für unsere seelische<br />
Gesundheit spielen positive Gefühle eine wichtige<br />
Rolle; wir versuchen das zu vermeiden (oder zu<br />
verändern) was für uns mit negativen Gefühlen<br />
verbunden ist und suchen jene Situationen oder<br />
Aktivitäten auf, die uns positive Gefühle<br />
verschaffen. Egal wie wir handeln, wir tun dies<br />
immer in Bezug auf unsere Gefühle.<br />
Emotionen (wie Ärger, Neid oder Angst)<br />
verschaffen uns ein Gefühl des psychischen<br />
Unwohlseins und wirken sich eher negativ auf<br />
unsere Handlungen aus. Deshalb ist es wichtig, dass<br />
wir unsere Emotionen verstehen und über Methoden<br />
verfügen, um diese verändern zu können.<br />
Emotionen haben mit unserem individuellen<br />
Erleben zu tun; in ihnen spielen Gedanken (innere<br />
Überzeugungen, Ideen von uns selbst und anderen),<br />
sowie negative Gefühle eine Rolle.<br />
In unserer modernen Welt haben wir die Tendenz<br />
das rationale Denken überzubewerten. Das<br />
rationale/konzeptuelle Denken (wie zum Beispiel<br />
das negative Urteilen über sich selbst und andere)<br />
jedoch verstärkt einerseits unser emotionales<br />
Erleben und Handeln und andererseits erschwert es<br />
den natürlichen Umgang mit uns selbst und und<br />
unseren Gefühlen.<br />
Die Individualpsychologie und auch die<br />
buddhistische Psychologie geben uns die<br />
Möglichkeit zu verstehen wie Emotionen entstehen,<br />
wie sie funktionieren und was wir tun können um<br />
sie zu verändern, so dass wir zu einem psychisch<br />
ausgeglichenerem und glücklicherem Erleben<br />
kommen können.<br />
(Seminar zum gleichen Thema: Fr. 23/11/07 von<br />
19:00 <strong>–</strong> 21:00 Uhr und Sa von 10:00 <strong>–</strong> 12:30 und<br />
14:00 <strong>–</strong> 18:30 Uhr, Ort: IPG)
Dienstag, 23. Okt. <strong>20</strong>07<br />
10-11 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Dienstag, 23. Okt. <strong>20</strong>07<br />
16-18:30 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Dienstag, 23. Okt. <strong>20</strong>07<br />
19:30 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
MITEINANDER REDEN<br />
Eine kleine Anleitung zur besseren<br />
Kommunikation. Referentin: Liette Eisen<br />
(Ausbildung zur Psychologischen Beraterin). Für<br />
Jugendliche und Erwachsene.<br />
Was passiert, wenn wir miteinander reden? Wieso<br />
kommen selbst bei bestem Willen<br />
Missverständnisse auf? Was sollte man wissen und<br />
auf was sollte man achten, damit Kommunikation<br />
glückt?<br />
Hinweis: der gleiche Vortrag findet auch am<br />
Samstag, <strong>20</strong>. Okt. um 16:30 Uhr statt.<br />
DICKES KIND <strong>–</strong> ARMES KIND !?<br />
Über die psychischen Belastungen übergewichtiger<br />
Kinder.<br />
Für Eltern und Erzieher.<br />
Referentin: Mady Bernardy, in<strong>fir</strong>miere dipl.;<br />
Studium der Psychologie und Ausbildung zur<br />
Psychologischen Beraterin.<br />
Gehänselt, beschimpft, ausgegrenzt! Wenn Kinder<br />
und Jugendliche übergewichtig sind, leidet nicht nur<br />
der Körper. In einer Welt in der gutes Aussehen und<br />
ideale Körpermaße immer wichtiger scheinen,<br />
haben sie es besonders schwer, ein gesundes<br />
Selbstwertgefühl zu entwickeln. Sie brauchen nicht<br />
nur Diät- und Bewegungstipps, sondern eine<br />
ganzheitliche psychische Betreuung, die ihnen hilft,<br />
selbstgewählte Ziele erreichen zu können und so<br />
mehr Selbstvertrauen zu entwickeln<br />
FUßREFLEXZONENMASSAGE<br />
Praktische und theoretische Einführung<br />
mit Marie-Josée Bartholomé.<br />
Gesundheitsförderung und Wohlbefinden.<br />
Unterstützung der Selbstheilungskräfte und<br />
persönliche Entwicklungsprozesse.<br />
43
44<br />
Mittwoch, 24. Okt. <strong>20</strong>07<br />
18:30-<strong>20</strong>:00 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Mittwoch, 24. Okt. <strong>20</strong>07<br />
<strong>20</strong>:00-21:30 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
HERAUSFORDERUNGEN IM PROZESS DER<br />
INDIVIDUELLEN ENTWICKLUNG<br />
Auf dem Weg zum inneren Frieden. Für<br />
Erwachsene. Referent: Ed Neuser (Ausbildung zum<br />
Psychosozialen Berater; Schnupperkurs zum<br />
folgenden Seminar.)<br />
Gemeinsame Reise rundum das zentrale Thema des<br />
heilsamen Umgangs mit den Herausforderungen des<br />
menschlichen Daseins.<br />
Einladung zur Selbsterkundung: Mit Mut,<br />
Kreativität und Gelassenheit reflektieren, erkennen<br />
und umsetzen.<br />
WIE ICH MEINEM KIND DEN SCHULEINTRITT<br />
ERLEICHTERE<br />
Prävention und Fördermöglichkeiten bei Lese- und<br />
Rechtschreibschwäche (LRS). Für Eltern und<br />
ErzieherInnen.<br />
Referentin: Maryse Eicher (Lehrerin & Ausbildung<br />
zur psychologischen Beraterin)<br />
Lesen- und Schreibenlernen beginnt nicht erst in der<br />
Schule. Bereits im Vorschulalter können wir das<br />
Kind auf spielerische Art und Weise mit der Welt<br />
der Schriftsprache und der Buchstaben vertraut<br />
machen, um ihm so den Schuleintritt zu erleichtern<br />
und eventuelle Probleme zu verringern. Im Vortrag<br />
werden Vorläufer-Merkmale des Lesen- und<br />
Schreibenlernens erläutert. Zudem werden Ideen<br />
und Anregungen gegeben, um die Kinder zu<br />
fördern.
Donnerstag, 25. Okt. <strong>20</strong>07<br />
19:00-22:00 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Freitag, 26. Okt. <strong>20</strong>07<br />
19:00-22:00 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
IPSM-SCHNUPPERKURS<br />
Individualpsychologisches Selbstmanagement<br />
(IPSM)<br />
Leitung: Dr. Lucien Nicolay<br />
Während dieses Seminars werden die verschiedenen<br />
Anwendungsbereiche des IPSM-Konzepts<br />
vorgestellt. Das Gruppenkonzept mit seinen zwei<br />
bis drei Modulen kann spezifisch auf bestimmte<br />
Zielgruppen und Altersgruppen abgestimmt werden:<br />
IPSM-traffic (am CFC in Colmar-Berg), IPSMtinnitus<br />
(am Service Audiophonologique; route<br />
d’Arlon), IPSM-ados, IPSM-ads/adhs, IPSM-bordie<br />
(borderline), IPSM-person am IPG in Bartringen, an<br />
Institutionen oder regional für<br />
Betroffenenvereinigungen.<br />
Anschließend sollen methodische Möglichkeiten<br />
von interessierten Zuhörern konkret erfahren<br />
werden (Biografische Selbsterfahrung,<br />
Verhaltensanalyse- & Trainingsauswahl oder<br />
Fokalanalyse), je nach Teilnehmerzahl in drei<br />
unterschiedlichen Gruppen oder in der<br />
Gesamtgruppe unter der Leitung geschulter<br />
Individualpsychologen.<br />
KLASSISCHE INDIVIDUALPSYCHOLOGIE<br />
Vierteiliges Einführungsseminar mit Dr. Ralf<br />
Biehle. Teil 1<br />
Dieses Seminar gibt einen Überblick über die<br />
Ursprünge und Grundlagen der Klassischen<br />
Individualpsychologie nach Alfred Adler.<br />
Die Teilnahme wird mit insgesamt 16 Stunden für<br />
die Grundausbildung der <strong>LGIPA</strong> anerkannt.<br />
Die Teilnahmegebühren für die vier Seminare (Fr,<br />
Sa, So) betragen 160 Euro. Die Anmeldung ist nur<br />
gültig bei Überweisung der Teilnahmegebühren bis<br />
zum 15. Oktober <strong>20</strong>07 (= Anmeldeschluss) auf das<br />
Konto der <strong>LGIPA</strong>: CCPL IBAN LU52 1111 0365<br />
8011 0000.<br />
Mindestteilnehmerzahl: acht Personen.<br />
45
46<br />
Samstag, 27. Okt. <strong>20</strong>07<br />
10:00-11:30 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
Samstag, 27. Okt. <strong>20</strong>07<br />
11:30 Uhr IPG<br />
Samstag, 27. Okt. <strong>20</strong>07<br />
14:00-15:30 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
9-12 und 14-17 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
PATCHWORK-FAMILY“ <strong>–</strong> FAMILIENGLÜCK IM<br />
ZWEITEN ANLAUF<br />
Neue Beziehungen für Eltern und Kinder.<br />
Für Eltern und Jugendliche. Referentin: Danielle<br />
Flammang (Ausbildung zur Psychologin und<br />
Psychotherapeutin; selbst Mitglied einer<br />
Patchworkfamilie)<br />
Was bedeutet diese Entwicklung für die Kinder?<br />
Wie muss der Umgang der Erwachsenen mit den<br />
Kindern gestaltet werden? Welche Probleme treten<br />
auf und welche Rolle spielt dabei der abwesende<br />
Elternteil? Was ist für die Kinder wirklich wichtig,<br />
damit sie zufrieden aufwachsen können? Ist es in<br />
erster Linie die Blutsverwandtschaft, die emotionale<br />
Intensität der Beziehungen oder die soziale<br />
Zuverlässigkeit des Alltagslebens?<br />
AUSBILDUNG BEI DER <strong>LGIPA</strong><br />
Hier erhalten sie Informationen über die<br />
Ausbildungsgänge der <strong>LGIPA</strong>: u.a. „Moderator für<br />
Gesundheitsförderung“; Individualpsychologischer<br />
Berater; Psychagogen; Einzel- und<br />
Gruppenpsychotherapeut.<br />
„SEELE & GESUNDHEIT <strong>–</strong> GENIEßEN<br />
KÖNNEN“<br />
Ein Kurs zum körperlichen und seelischen<br />
Wohlbefinden.<br />
ReferentInnen: Pascale Mares, Mireille Thill<br />
(Psychologinnen und Psychotherapeutinnen) und<br />
Georges Haan (Psychologischer Berater)<br />
Heute und am Montag, 22.10. werden jeweils<br />
beispielhaft zwei Schwerpunkte des insgesamt<br />
neunteiligen Kurses vorgestellt. U.a. werden<br />
unterschiedliche Entspannungsverfahren vorgestellt<br />
und eingeübt.<br />
Bitte bringen Sie bequeme Kleidung, zwei Decken,<br />
ein Kissen und warme Socken mit. Die zwei Kurse<br />
können auch einzeln besucht werden.<br />
KLASSISCHE INDIVIDUALPSYCHOLOGIE<br />
Vierteiliges Einführungsseminar mit Dr. Ralf<br />
Biehle. Teil 2-3<br />
Fortsetzung vom Freitag.
Samstag, 27. Okt. <strong>20</strong>07<br />
19:30 Uhr<br />
Sonntag, 28. Okt. <strong>20</strong>07<br />
9:00-12:00 Uhr<br />
Schauwenburg<br />
GROSSE <strong>LGIPA</strong> <strong>–</strong> PARTY<br />
Ort wird rechtzeitig bekanntgegeben.<br />
KLASSISCHE INDIVIDUALPSYCHOLOGIE<br />
Vierteiliges Einführungsseminar mit Dr. Ralf<br />
Biehle. Teil 4<br />
Fortsetzung vom Samstag.<br />
47
48<br />
Freitag, am 25. 04.<strong>20</strong>08<br />
19:30 Uhr ARCA<br />
VORTRAG MIT PROF. DR. ALFRED PRITZ.<br />
Präsident des World Council for Psychotherapy<br />
(seit 1995)<br />
Generalsekretär des Europäischen Verbandes für<br />
Psychotherapie (EAP) (seit 1992)<br />
Gründungsmitglied und (seit <strong>20</strong>05) Rektor der<br />
Sigmund Freud Privatuniversität Wien<br />
Zur Person: geboren in St. Lorenzen bei Scheifling<br />
in der Steiermark, Österreich am 31.10.1952.<br />
Ausbildungen: Ausbildung in Klientenzentrierter<br />
Gesprächspsychotherapie (nach Carl Rogers) und<br />
Gruppendynamik (ÖAGG) studienbegleitend.<br />
Weiterbildung in folgenden<br />
Psychotherapiemethoden: Integrative<br />
Gestalttherapie, Hypnose. Ausbildung zum<br />
Psychoanalytiker am Wiener Arbeitskreis für<br />
Psychoanalyse 1991 - <strong>20</strong>05 Lehranalytiker<br />
(WAP), Gruppenlehranalytiker (ÖAGG).<br />
1980 achtmonatiger Forschungsaufenthalt am<br />
Albert Einstein Hospital in New York bei Prof. Leo<br />
Bellak (Schwerpunkt :<br />
Kurzpsychotherapieforschung) und am Post<br />
Graduate Center for Mental Health<br />
(Gruppenpsychoanalytische Weiterbildung u.a. bei<br />
Alexander Wolf)<br />
Lehraufträge im In- und Ausland: u.a.<br />
Ausbildung von Psychotherapeuten in Russland<br />
(Moskau, Novosibirsk und Rostow am Don) seit<br />
1999.<br />
Publikationen u.a.:<br />
Kurzgruppenpsychotherapie, Springer Heidelberg,<br />
1990.<br />
M. Kierein, A. Pritz, G. Sonneck:<br />
Psychologengesetz, Psychotherapiegesetz-<br />
Kurzkommentar. Orac,Wien,1991.<br />
Als Herausgeber:<br />
Das schmutzige Paradies, Psychoanalytische<br />
Beiträge zur ökologischen Bewegung, Böhlau,1983.<br />
Zusammen. mit G. Sonneck: Medizin für<br />
Psychologen und nichtärztliche<br />
Psychotherapeuten,Springer,Heidelberg,1990.<br />
Zusammen. mit H.Petzold: Der Krankheitsbegriff in<br />
der modernen Psychotherapie, Junferman,<br />
Paderborn,1992.
11. Ständige Kursangebote der <strong>LGIPA</strong><br />
1. Individual-Pychologisches Selbst-Management, z.B.<br />
IPSM-ados für Jugendliche und Studenten in Kleingruppen<br />
Bei IPSM-ados handelt es sich um die optimierte<br />
Interventionsmaßnahme der sekundären und tertiären Prävention des<br />
in der Zeitschrift für Individualpsychologie (30) 3/<strong>20</strong>05 vorgestellten<br />
Gruppenangebots „IPSM-teens/-twens“ oder „Eng gesond Séil an<br />
engem gesonde Kierper“ (Gesundheitsförderung und Psychotherapie<br />
in der Gruppe). Das Konzept umfasst drei Gruppenmodule von 14-27<br />
Stunden. Die Differenzialdiagnostik sowie die Indikationsstellung und<br />
Selektion für die Gruppenmodule findet nach maximal fünf<br />
Einzelsitzungen statt.<br />
Das Konzept basiert auf den therapeutischen Arbeitsmethoden von<br />
Prof. Dr. Lucy K.<br />
Ackerknecht (1913-1997) und Prof. Dr. F. H. Kanfer (1925-<strong>20</strong>02).<br />
Zu den Zielen gehört,<br />
• sich selber besser verstehen und akzeptieren zu lernen,<br />
• die eigenen Emotionen regulieren und psychosoziale Konflikte<br />
regeln zu lernen,<br />
• interne und externe Ressourcen erkennen und nutzen zu<br />
lernen,<br />
• Belastungen und Symptome reduzieren zu können,<br />
• sich den Mitmenschen freundlich zuwenden zu können und<br />
• sich selber zur Verwirklichung von persönlichen Projekten<br />
ermutigen zu können<br />
Ein erstes Modul (SE) umfasst immer Elemente zur biografischen<br />
Selbsterfahrung und zum Aufbau der Veränderungsmotivation in der<br />
Gruppe.<br />
49
Ein problem- oder störungsspezifisches Modul (KVT) setzt neben der<br />
Psychoedukation Methoden der Kognitiven- & Verhaltens-Therapie<br />
ein.<br />
Ein drittes Modul (FA) ist fokalanalytisch (psychodynamische<br />
Kurzzeittherapie) ausgerichtet und ermöglicht die vertiefte Arbeit an<br />
sozio-emotionalen Problemen oder rigiden Persönlichkeitsstilen.<br />
Das gesamte (individualisierte) Gruppenangebot sollte 80<br />
Gruppenstunden nicht<br />
überschreiten. Für Jugendliche und junge Erwachsene die mit sozialen<br />
Ängsten,<br />
emotionaler Instabilität und Impulsivität zu kämpfen haben scheint<br />
dieses Angebot eine besondere Hilfe zu sein.<br />
50<br />
2. „Fit mit Pit“ <strong>–</strong> Gesundheitsförderung für<br />
Kinder<br />
... und ihre Eltern (Übersicht)<br />
1. Baustein 2. Baustein 3. Baustein 4. Baustein 5. Baustein
Name<br />
Für<br />
Dauer<br />
Ziel<br />
Beispiel<br />
Entspannungs<br />
training<br />
6-8 Kinder<br />
1. - 4.<br />
Schulklasse<br />
8 Sitzungen je<br />
90 Min<br />
Erlernen<br />
einzelner<br />
Entspannungst<br />
echniken<br />
Entspannungsr<br />
eisen<br />
Entspannungs<br />
massagen<br />
Umsetzung für<br />
zu Hause<br />
Entspannung<br />
sgeschichte<br />
Entspannung<br />
sübung<br />
Stress<br />
Bewältigungs<br />
training<br />
6-8 Kinder<br />
1.- 4.<br />
Schulklasse<br />
6 Sitzungen je 90<br />
Min<br />
Erkennen<br />
eigener<br />
Stressreaktionen<br />
und Erlernen<br />
verschiedener<br />
Bewältigungsstra<br />
tegien<br />
„Timi Stressig“<br />
das<br />
Stressmännch<br />
en<br />
Eigene erlebte<br />
Gefühle<br />
erkennen<br />
anhand<br />
verschiedener<br />
Spiele<br />
Elternbrief und<br />
Elterngespräch<br />
Eltern der<br />
teilnehmenden<br />
Kinder<br />
2 Sitzungen<br />
Vor- und<br />
Nachgespräch<br />
Ausführlicher<br />
Bericht über die<br />
Entwicklung<br />
ihres Kindes<br />
innerhalb der<br />
Sitzungen<br />
Praktische Tipps<br />
für zu Hause<br />
Gemeinsame<br />
Besprechung<br />
und<br />
Lösungsvorsch<br />
läge für zu<br />
Hause<br />
Begleitkurse<br />
für Eltern<br />
Eltern der<br />
teilnehmend<br />
en Kinder<br />
Kurse für<br />
Erwachsene<br />
Alle<br />
interessierten<br />
Frauen und<br />
Männer, Paare<br />
1-2 Stunden Je nach<br />
Kursangebot<br />
Vorstellung<br />
der<br />
Bausteine 1-<br />
3 und<br />
Umsetzung<br />
für zu Hause<br />
Erlernen<br />
einer<br />
Entspannu<br />
ngs-<br />
technik für<br />
die Eltern<br />
zusammen<br />
mit ihrem<br />
Kind<br />
Die Bausteine können einzeln angewandt oder je nach Bedürfnis und Interesse<br />
kombiniert werden. Die Bausteine 1-3 werden geleitet von einer<br />
Entspannungspädagogin und Erzieherin bzw. von Psychologen und<br />
Psychologischen Beratern (Bausteine 3-5)<br />
Fit mit Pit : Das Entspannungstraining<br />
Eltern- und<br />
Erzieher-<br />
Training<br />
Stressmanagem<br />
ent<br />
Entspannungstra<br />
ining<br />
Konfliktmanage<br />
ment<br />
u.a.<br />
„Fit for<br />
Family“<br />
„Seele und<br />
Gesundheit“<br />
Näheres dazu<br />
in diesem<br />
Heft..<br />
51
Das Entspannungstraining gibt eine Fülle von Anregungen, wie die<br />
Kinder spielerisch zur Ruhe und Entspannung geführt werden können.<br />
Es enthält Spiele, eine Sammlung von<br />
Entspannungsgeschichten, Stop- andgo-Spiele,<br />
beruhigende Spiele,<br />
Körpererfahrungsspiele,<br />
Atemspiele, Konzentrationsspiele,<br />
Massage-/Taktilspiele,<br />
Traumgeschichten, Spiele für den psycho-emotionalen<br />
Bereich<br />
Das Erlernen einer<br />
Entspannungstechnik wie z.B.<br />
progressiver<br />
Muskelentspannung, hilft<br />
dem Kind beim<br />
Wiedererlangen seines<br />
Die abgebildeten Figuren<br />
helfen den Kindern ihre innere<br />
Balance zu finden.<br />
Selbstvertrauens und der Entdeckung, selber Einfluss auf sich nehmen<br />
zu können.<br />
Ziel ist es aber auch wieder in den Genuss der Ruhe und Stille zu<br />
kommen und sich selbst und seinen Körper wahrzunehmen.<br />
Außerdem kann das Kind in den einzelnen Trainings-sitzungen lernen<br />
Stresssituationen wahrzunehmen und ihnen mit angemessenen<br />
Bewältigungsstrategien wie z.B. einer Entspannungsübung zu<br />
begegnen.<br />
Wichtig ist dass die Teilnahme den Kindern Spaß macht. Deshalb<br />
werden für jede Trainingssitzung einzelne Spiele und Spielfiguren<br />
(siehe Abb.) einbezogen.<br />
Körperliche Aktivität ist eine günstige Vorbereitung auf das<br />
Entspannungstraining. Kinder haben einen starken Bewegungsdrang,<br />
der vor einer Entspannungsübung befriedigt werden muss. Somit<br />
schließt eine körperliche aktive Phase (Bewegungsspiele) an eine<br />
Ruhephase (Entspannungstechnik) an.<br />
Zielgruppe<br />
52
Das Entspannungstraining richtet sich an alle Kinder, die unter den<br />
Folgen von Stress in der Schule, Freizeit oder Familie leiden. Die<br />
Kinder wirken nervös und angespannt, ruhen nicht in sich selbst, sind<br />
häufig müde und unkonzentriert, sind unmotiviert, reagieren aggressiv<br />
oder ziehen sich ganz zurück.<br />
Trainingsprogramm<br />
Das Trainingsprogramm beinhaltet<br />
acht Sitzungen (je 1.5 Stunde).<br />
Schwerpunkte sind das<br />
Kennenlernen und das Einüben<br />
einzelner Entspannungstechniken,<br />
welche das Kind zu Hause oder in<br />
der Schule selbst umsetzen kann.<br />
Das Entspannungstraining hilft<br />
dem Kind seine innere Balance zu<br />
finden und sich emotional wie<br />
auch mental sicherer und stärker zu fühlen.<br />
(Die Figuren u.a. didaktische Materialien wurden entworfen und<br />
produziert von Rebecca Bissen)<br />
53
3. „Seele & Gesundheit“<br />
Ein Kurs zum körperlichen & seelischen Wohlbefinden<br />
Für Erwachsene.<br />
Dieses von zwei bis drei Moderatoren geleitete Gruppenangebot (15-<strong>20</strong><br />
Personen) bietet Erwachsenen ein praxisorientiertes, ressourcenförderndes<br />
und individuell abgestimmtes Angebot, das effizient und dynamisch<br />
Stressbewältigungsmethoden und Strategien für ein allgemein besseres<br />
Wohlbefinden vermittelt. Der Kurs umfasst neun Einheiten von ca. 1<strong>20</strong><br />
Minuten Dauer.<br />
1. Treffen. Körper-Seele-Einheit: Wie die Psyche das körperliche<br />
Wohlbefinden beeinflusst. Erstellen eines persönlichen Stressprofils.<br />
Kennenlernen untereinander Überblick über den Kurs, die Inhalte, die<br />
Themen und Methoden.<br />
2. Treffen. Anspannung & Entspannung. Einführung in das Autogene<br />
Training. Wie entstehen belastende Gefühle? Was können wir dagegen tun?<br />
Erstellen eines individuellen „Gesundheitsprogramms“.<br />
3. Treffen. Anspannung & Entspannung. Die Bedeutung von Bewegung<br />
und Sport. Autogenes Training (Fortsetzung) Progressive<br />
Muskelentspannung nach Jacobsen. Grübeln und negative Selbstgespräche<br />
vermindern.<br />
4. Treffen. Grübeln und negative Selbstgespräche vermindern. Autogenes<br />
Training (Fortsetzung). Belastungen leichter machen, anders bewerten etc.<br />
Falsche Gedanken machen krank: Irrationale Glaubenssätze verändern.<br />
Einführung in das Mentale Training<br />
5. Treffen. Umgang mit Ärger und Wut. Einführung in das Autogene<br />
Training (Fortsetzung). Sensorische Entspannung (Einführung). Das<br />
Eisenhowerprinzip: Prioritäten setzen. Vom Loslassen und Gelassensein!<br />
6. Treffen. Das Leben genießen: gut für sich sorgen lernen. Positive<br />
Erfahrungen machen: die Freude einladen, das Glück herausfordern.<br />
Autogenes Training (Fortsetzung). Techniken zu kurzfristigen Entspannung.<br />
7. Treffen. Gute Beziehungen <strong>–</strong> gute Gesundheit: gehalten im sozialen<br />
Netz. Partnerschafts-Check up! Freunde gewinnen und behalten. Autogenes<br />
Training (Fortsetzung).<br />
8. Treffen. SO will ich leben! Ziele setzen <strong>–</strong> sich eine attraktive Zukunft<br />
schaffen. Das Schicksal in die eigene Hand nehmen. Autogenes Training<br />
(Fortsetzung).<br />
9. Treffen. Autogenes Training (Fortsetzung). Dieser Termin bleibt frei für<br />
besondere Wünsche der TeilnehmerInnen bzw. um eventuell verschiedene<br />
Themen vertiefen zu können.
Die Kurseinheiten befassen sich hauptsächlich mit Entspannungsmethoden<br />
wie dem Autogenen Training und der Progressiven Muskelentspannung<br />
nach Jacobson. Sie laufen in der Regel nach einem Grundschema ab:<br />
� Blitzlicht: Besprechung der Hausaufgaben<br />
� Alternative Entspannungsmethoden zum AT vorstellen<br />
� Tagesthema: theoretischer Input mit praktischen Übungen<br />
(z.B. Grübelstopp)<br />
� Autogenes Training üben<br />
� Hausaufgaben verteilen<br />
� „Gute-Nacht-Geschichte“ (aus der Hypnotherapie)<br />
Befindlichkeit der Teilnehmer von fünf Kursen (N = 89)<br />
v o r Kursbeginn, a m E n d e des Kurse und 6 Monate später.<br />
Ich kann geniessen<br />
Ich kann mich angenehmen Tätigkeiten<br />
voll und ganz hingeben<br />
Ich kann Wut zulassen und ausleben<br />
Ich kann NEIN sagen<br />
Ich lebe meine Bedürfnisse aus<br />
Ich habe meine Gedanken unter Kontrolle<br />
Ich kann mir etwas Gutes gönnen<br />
Ich fühle mich wohl in meiner Haut<br />
Ich bin mit meiner Arbeit zufrieden<br />
Bin zufrieden mit Arbeitskollegen<br />
Ich bin zufrieden mit den Beziehungen<br />
innerhalb meiner Familie<br />
Ich bin zufrieden mit meinen Kontakten zu<br />
Freunden<br />
Ich kann gut entspannen<br />
0 1 2 3 4<br />
nach 6 Monaten<br />
nach 9 Abenden<br />
vor dem Kurs<br />
55
Aussagen von Teilnehmern zum Kurs:<br />
„Der Erfahrungsaustausch untereinander hat mir gut gefallen. Die Einsicht,<br />
dass auch andere „bodenständige“ Leute ähnliche Probleme haben wie ich.<br />
Die Erfahrung, dass es einigen Kursteilnehmer im Verlauf des Kurses<br />
deutlich besser ging.“<br />
„.... dass wir sehr viel aktiv gemacht haben � die Erinnerung bleibt dann<br />
besser bei mir. Gut waren für mich auch die Hausaufgaben, mit denen ich<br />
mich zwischen den Treffen beschäftigen konnte...“<br />
„... die Gliederung der einzelnen Abende nach Themen, die sich an den<br />
persönlichen Bedürfnissen orientierten. ... „Tipps & Tricks“ wurden gegeben<br />
bzw. zusammen aufgesetzt.“<br />
„... Theorie dann Praxis, so erinnere ich mich oft an das Theoretische; sehr<br />
gelöste Stimmung in der Gruppe; dieses gute Klima lässt mich oft daran<br />
erinnern und diese Ruhe zurückrufen.“<br />
„.... gute, intensive Atmosphäre ... Ungezwungenheit, entweder man nahm<br />
teil an der Diskussion oder nicht; ich hatte nie das Gefühl, dass ich zu etwas<br />
gezwungen wurde.“<br />
„... Das Thema war gut und dass wir ein Skript über die Kursinhalte<br />
bekamen. Die Gruppenarbeiten mit Stoppschildern, Klammern, Erdbeeren<br />
und Schokolade waren „lehrreich“ und haben Spaß gemacht.“<br />
56
4. „FIT FOR FAMILY“<br />
Individualpsychologisches Elternselbstmanagement<br />
Kinder brauchen Orientierung und Eltern können das Beziehungshandwerk<br />
erlernen. Dabei ist Erziehung heute schwieriger geworden, weil viele Eltern<br />
überflutet werden von entwicklungspsychologischen Ratschlägen zum<br />
Wohle ihres Kindes und weil sie heute mehr abgelenkt sind als früher. Viele<br />
Eltern bemühen sich um die perfekte Erziehung ihrer Kinder , sie möchten „<br />
nichts falsch machen „ und fühlen sich unsicherer denn je. Die fragwürdige<br />
Beliebtheit des Coaching <strong>–</strong> TV Super Nanny zeugt von dieser Unsicherheit.<br />
Meine Kollege Ralph Masion und ich( Doris Zangerlé) haben es im Rahmen<br />
unserer Ausbildung zum Therapeuten bei der <strong>LGIPA</strong> für wichtig empfunden,<br />
eine fundiertere Orientierung für Kindererziehung anzubieten als dies die<br />
gegen jede ethische Würde der Menschen verstoßende Super Nanny zu tun<br />
vermag. Fit for Family basiert hauptsächlich auf STEP ( Systematic Training<br />
for Effective Parenting) , welches in den USA von fast 600<br />
Elterntrainingprogrammen das Führende ist und auf der<br />
Individualpsychologie basiert. Somit vermitteln wir in Fit for Family Ideen<br />
Alfred Adlers und seines bedeutendsten Schülers , des Psychologen und<br />
Psychiaters Prof.Dr. Rudolph Dreikurs , beide gebürtig in Wien, die beide in<br />
den 30er <strong>Jahre</strong>n in die USA auswanderten . Der Grundgedanke der<br />
Gleichwertigkeit von Eltern und Kindern als würdige Menschen im<br />
respektvollen Umgang miteinander ist auch heute noch topaktuell . Somit<br />
möchte Fit for Family<br />
Orientierungsangebote zu einer demokratischen, respektvollen , demnach<br />
entspannten Erziehung geben. Gleichzeitig wurden in Fit for Family<br />
freudianische Aspekte miteinbezogen, wie z.B. die genaue Vermittlung von<br />
Tabus . Diese Einflüsse sind auch in unserer luxemburgischen <strong>Gesellschaft</strong><br />
präsent und gehörten deshalb unserer Meinung in Fit for Family. Ergänzt<br />
wird das ganze Konzept durch verhaltentherapeutische Mittel zur<br />
Verhaltensanalyse sowohl der Kinder als auch seitens der Eltern mit dem<br />
Ziel der Verhaltensänderung beider Parteien.<br />
Fit for Family vermittelt keine fertigen Patentrezepte wie es andere<br />
Programme tun. Vielmehr lernen die Eltern das Verhalten ihrer Kinder aus<br />
57
einer anderen Perspektive verstehen, so dass sie ihre Reaktionen bewusst<br />
ändern können. Dabei wird die Individualität des Kindes ,aber auch die<br />
eigenen Wertvorstellungen, Überzeugungen und Erziehungsziele der Eltern<br />
respektiert. Die Stärke von Fit for Family , genau wie bei dem<br />
amerikanischen STEP, ist , dass das Programm keine von außen<br />
aufgesetzte Erziehungstechnologie vermittelt, sondern den jeweiligen<br />
Erziehungsstil der Eltern respektiert. Die Eltern entwickeln somit den Mut<br />
nicht perfekt zu sein und warum Kinder Ermutigung brauchen wie eine<br />
Pflanze ( Dreikurs). In 10 Themenabenden lernen die Eltern die Grundideen<br />
von Fit for Family kennen ( z.B. Psychohygiene für Eltern, positive<br />
Kommunikation, sinnvolle Disziplin statt Strafe, Ermutigung statt Lob,<br />
Familienkonferenz u.a.) mit dem Ziel selbstbewusste, selbstdisziplinierte und<br />
verantwortungsvolle Kinder zu erziehen. Fir for Family richtet sich an Eltern<br />
von Kleinkindern, Vorschulkindern, Kindern ab 6 <strong>Jahre</strong>n und Teenagern,<br />
aber auch an alle, die in ihrem beruflichen Umfeld mit Kindern arbeiten wie<br />
PsychologInnen, ErzieherInnen und LehrerInnen.<br />
Fit for Family reiht sich in die am IPG angebotenen IPSM <strong>–</strong> Gruppen ein : es<br />
ist ein Elternselbstmanagement-Programm mit dem Ziel, Eltern<br />
Orientierungsangebote zu vermitteln, welche sie später selbst in ihren<br />
Erziehungsalltag integrieren können. Gleichzeitig bietet der erste Teil der<br />
biographischen Selbsterfahrung Gelegenheit über sich selbst und eigene<br />
Erziehungsziele zu reflektieren , der 2. Teil bietet die Ideen zur<br />
Verhaltensänderung der Eltern, auch der letzte Teil schafft Bewusstmachung<br />
über jeweilige Erziehungsschwerpunkte in der eigenen Familie. Der einzige<br />
Unterschied zu IPSM-Gruppen besteht in der Dauer , Fit for Family ist<br />
kürzer. Im Anschluss an das Programm werden auch Nachfragen oder<br />
Vertiefung in einzelnen Sitzungen angeboten.<br />
Fit for Family gilt aber auch als 6. Baustein in einem anderen Projekt des<br />
IPG Schulstress in der Familie und Fit mit Pit- Gesundheitsförderung für<br />
Kinder und ihre Eltern . Das Ziel ist es, gleichzeitig Kindern Fertigkeiten zu<br />
vermitteln , wie sie mit Stress umgehen können und den Eltern durch ein<br />
Erziehungsprogramm wie Fit for Family Möglichkeiten zu zeigen, den<br />
eigenen (Erziehungs-)Stress zu reduzieren und durch eine freundlich<br />
bestimmte Haltung eine entspanntere Familienatmosphäre zu schaffen.<br />
58
Damit reiht sich das gesamte Konzept von Fit for Family in die Zielsetzung<br />
des IPG , des Instituts für Psychologische Gesundheitsförderung ein.<br />
Fit for Family wird seit Januar <strong>20</strong>07 am IPG in Bertrange an<br />
Montagabenden veranstaltet. Das Angebot richtet sich nach der Anfrage, es<br />
sind auch Kurse morgens möglich. Auf Anfrage kann das Programm auch<br />
regional veranstaltet werden. Es besteht die Möglichkeit Fit for Family und<br />
seine Konzepte durch eine Konferenz kennen zu lernen , die auf Anfrage<br />
gebucht werden kann : Warum die Super Nanny lieber Alfred Adler lesen<br />
sollte … Und wie Sie Erziehung einmal anders gestalten können!<br />
Zu guter Letzt sei noch betont, dass alle Eltern / ErzieherInnen / LeherInnen<br />
/ PsychologInnen, die vor Erziehungsherausforderungen und <strong>–</strong> stress<br />
stehen, sich an uns wenden können . Wir stehen Ihnen gerne zur<br />
Erziehungsberatung im Einzelgespräch zur Verfügung!<br />
Zangerlé Doris.<br />
Dipl.-Psych. & Lehrerin,<br />
angehende Therapeutin.<br />
Anschrift und Kontaktadresse:<br />
Institut <strong>fir</strong> Psychologesch Gesondheetsförderung (IPG).<br />
5, beim Schlass L- 8058 Bertrange Tel: 26 11 95 21 ( mi und fr 9-12 Uhr)<br />
Privat: Tel: 621 299018<br />
doris.zangerle@education.lu<br />
59
60<br />
12. <strong>LGIPA</strong> <strong>–</strong> AUSBILDUNGSGÄNGE<br />
Die Lëtzeburger <strong>Gesellschaft</strong> <strong>fir</strong><br />
Individualpsychologie nom Alfred Adler<br />
A.s.b.l. (<strong>LGIPA</strong>) bietet für Laien und<br />
Angehörige psychosozialer Berufe<br />
verschiedene Aus- und<br />
Weiterbildungsmöglichkeiten an. Nähere<br />
Informationen dazu finden Sie im Internet<br />
unter www.ipg.lu. Zurzeit werden folgende<br />
Ausbildungsgänge angeboten:<br />
Grundkurs Psychologie (<strong>LGIPA</strong>)<br />
Dieser auch für Laien offene Kurs gibt einen Überblick über die<br />
Individualpsychologie Alfred Adlers und Entwicklungen in de<br />
modernen Psychologie, macht bekannt mit den gängigsten<br />
Therapieverfahren und erhöht die Menschenkenntnis. Die insgesam<br />
<strong>20</strong>0 Stunden sind über zwei <strong>Jahre</strong> verteilt und finden in der Rege<br />
einmal wöchentlich von 19-22 Uhr statt. Der erfolgreiche Abschluss<br />
dieses Kurses berechtigt <strong>–</strong> je nach Voraussetzungen <strong>–</strong> zur Teilnahme<br />
an den Aufbaustudiengängen B, C oder D.<br />
B Moderator für Gesundheitsförderung (<strong>LGIPA</strong>)<br />
In diesem Aufbaustudiengang erwerben die Teilnehmer die
Qualifikation zur Leitung* zeitbegrenzter Groß- und Kleingruppen zur<br />
psychologischen Gesundheitsförderung mit standardisierten IPG-<br />
Programmenen. Schwerpunkt der Ausbildung:<br />
Entspannungsmethoden anwenden und lehren. (*Je nach<br />
Voraussetzung als verantwortlicher Moderator oder als Co-<br />
Moderator.)<br />
C1 Individualpsychologische Berater (<strong>LGIPA</strong>)<br />
Ziel dieses Aufbaustudiengangs ist der Erwerb der Befähigung zur<br />
selbständigen individualpsychologischen und psychosozialen<br />
Beratung mit Einzelpersonen, Paaren und Familien bei<br />
psychosozialen, erzieherischen und persönlichen Problemen. Die<br />
Ausbildung dauert incl. Grundkurs 3-5 <strong>Jahre</strong>.<br />
C2 Psychagoge (<strong>LGIPA</strong>)<br />
Erwerb der Befähigung zur Ausübung einer differenziellen<br />
Psychagogik an Institutionen, in Schulen und Privateinrichtungen mit<br />
„schwierigen“ und sozio-emotional gestörten Kindern und<br />
Jugendlichen auf Grundlage der Individualpsychologie und<br />
Erneuerten Psychoanalyse, der neuropsychologisch fundierten Lern-<br />
und Verhaltenstheorie, der Kooperativen Verhaltensmodifikation und<br />
Selbstmanagementverfahren, der Klinischen<br />
Entwicklungspsychologie/Entwicklungspathologie, der Methoden der<br />
heilpädagogischen Psychologie und Kindertherapie, der<br />
Gruppendynamik und sozialer Systemtheorie.<br />
D Einzel- und Gruppenpsychotherapeuten (<strong>LGIPA</strong>)<br />
Voraussetzung für diesen Studiengang ist ein abgeschlossenes<br />
Hochschulstudium. Ziel ist die Befähigung zur selbstständigen<br />
Ausübung einer differenziellen Psychotherapie auf der Grundlage<br />
der Individualpsychologie und der Klinischen Psychologie, den<br />
Methoden der psychodynamischen Psychotherapie und den<br />
Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie und der<br />
Selbstmanagementtherapie im Einzel- und Gruppensetting mit<br />
Erwachsenen (D1) oder mit Kindern und Jugendlichen (D2).<br />
61
Je nach den individuellen Voraussetzungen (abgeschlossenes<br />
Hochschulstudium in den Sozialwissenschaften; Berufserfahrung) kann<br />
aufbauend auf den Studiengang C2 (Psychagoge) ein Abschluss zum<br />
„Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten“ (D2) bzw. basierend auf<br />
D1 (Einzel- und Gruppenpsychotherapeut) zum Psychoanalytiker (E)<br />
angestrebt werden.<br />
62<br />
Individualpsychologie in Aktion
Statements von Teilnehmerinnen an der <strong>LGIPA</strong>-<br />
Ausbildung:<br />
„Die Individualpsychologie hat mir in meinem Beruf als Psychologin die Basis<br />
gegeben, in der ich mich wiederfinde. Besonders die Ideen Adlers und<br />
seines Schülers Dreikurs über Kindererziehung allgemein und die Folgen<br />
von Verwöhnung oder zu strenger Erziehung von Kindern brachten mir die<br />
Werkzeuge, die mir in meinem früheren Beruf als Lehrerin gefehlt hatten. Die<br />
Ausbildung bei der <strong>LGIPA</strong> war für mich der Weg zur modernen eklektischen<br />
Therapie ohne jeglichen zwanghaften Dogmatismus, d.h. wo die Klienten<br />
nach ihren jeweiligen Bedürfnissen therapiert werden. Die Ideen der IP<br />
werde ich auf jeden Fall weiter nach außen tragen, weil es in unserer<br />
individualisierten Welt viel an Gemeinschaftsgefühl fehlt und die Menschen<br />
im 21. Jahrhundert sehr danach suchen.“<br />
Zangerlé Doris<br />
( Lehrerin, Psychologin,<br />
angehende IP-Therapeutin)<br />
„Die Individualpsychologie bietet eine wertvolle und lehrreiche Unterstützung<br />
auf dem Weg der individuellen Entwicklung und Selbsterkenntnis.“<br />
Ed Neuser,<br />
eh. EDV-Projektleiter;<br />
Student der Psychologie.<br />
"Der Grund für mich dieser Ausbildung begegnet zu sein, scheint mir heute<br />
ganz klar: Genau in dem Moment meines Lebens war sie notwendig - für<br />
mich und für meine Mitmenschen. Ich hab viel dazu gelernt und bin dankbar<br />
dafür. Ich würde es als eine große Bereicherung bezeichnen. Jeder sollte<br />
diese Chance der Weiterentwicklung bekommen.<br />
Außerdem habe ich interessante Menschen kennengelernt."<br />
Marie-Jeanne,<br />
Sekretärin<br />
63
„Durch den <strong>LGIPA</strong>-Kurs habe ich gelernt, jedes Gespräch bei meiner Arbeit<br />
in der Ernährungsberatung als neu und einzigartig zu erfahren. Ich vermeide<br />
es dadurch, der Klientin mein Bild von ihr aufzudrängen. Stattdessen kann<br />
ich mich besser in sie hineinversetzen und die Welt mit ihren Augen sehen!“<br />
64<br />
Annette<br />
Ernährungsberaterin<br />
"Die Ausbildung in der IP hat mir geholfen, mich persönlich besser<br />
kennenzulernen und mit meinen Grenzen umgehen zu können. Ich konnte<br />
wieder mehr Abstand gewinnen im Umgang mit den Patienten, da ich mich<br />
selbst mehr in Frage stellte und die Probleme auch aus der Sicht des<br />
anderen zu beleuchten versuchte. Die IP hilft mir vieles klarer und<br />
persönlicher zu sehen: jeder macht seine eigenen Erfahrungen und wächst<br />
daran...."<br />
Martine Bram<br />
Ass. Soc.,<br />
Seitdem ich bei der Ausbildung im IPG dabei bin, hat sich mein Leben in<br />
allen Hinsichten verändert. Mir wurde durch die verschiedenen Kurse vieles<br />
bewusster und klarer, mir half es mich besser kennenzulernen und mich zu<br />
verstehen. Das Auseinandersetzen mit mir selbst hat viel Energie gekostet,<br />
was sich auf Dauer aber gelohnt hat. Geholfen hat mir, die Menschen um<br />
mich besser zu verstehen und auch dementsprechend auf sie reagieren zu<br />
können. Sich selbst besser zu kennen schafft viel Selbstvertrauen und<br />
Sicherheit, was mir persönlich vor der Ausbildung gefehlt hat und ich nach<br />
den <strong>Jahre</strong>n so langsam aufgebaut habe. In Bezug auf meine Arbeit half mir<br />
die Individualpsychologie sehr, die Welt der Kinder durch ihre Augen zu<br />
sehen und zu verstehen.<br />
Annette J.<br />
Erzieherin,<br />
Entspannungspädagogin
13. Veröffentlichungen & Literaturempfehlungen<br />
Von Dezember 1987 bis Dezember <strong>1988</strong> sind fünf Ausgaben (1<strong>20</strong> - DINA4-<br />
Seiten) zu den Arbeitsbereichen der Individualpsychologie (u.a.<br />
Kindererziehung, Seniorenarbeit, Partnerschaft, Schule) mit Beiträgen von<br />
Vorstandsmitgliedern und Lehranalytikern der <strong>LGIPA</strong> erschienen. Ab 1989<br />
folgten Themenhefte und ab 1992 wurden exklusiv <strong>Jahre</strong>shefte oder Jahrbücher<br />
herausgegeben. Dazu kamen dann noch die Sonderhefte (IP-FORUM-spezial):<br />
IP <strong>–</strong> Themenhefte<br />
THEMEN AUTORINNEN<br />
1989 (1) Thema: Traumarbeit L.K. Ackerknecht;<br />
A. Jackmuth; L.<br />
Nicolay<br />
1989 (2) Thema: Aufmerksamkeit L. Nicolay<br />
1989 (3) Thema: Erziehung S. Hoffmann, F.<br />
Khabipour<br />
1989 (4) Thema: Schule K.-H. Hay; L.<br />
Nicolay<br />
1989 (5) Thema: Lebensstil A. Jackmuth; S.<br />
Lahr<br />
In der Reihe IP-FORUM & IP-FORUM spezial erschienen in den zwanzig<br />
<strong>Jahre</strong>n <strong>LGIPA</strong> u.a.<br />
IP <strong>–</strong> FORUM<br />
1990 (1) Thema: Familientherapie L. K. Ackerknecht<br />
1990 (2) Thema: Sucht S. Helten; G. Höcher<br />
1990 (3) Thema: Sexualität R. Biehle; H. Gehle<br />
1990 (4) Thema: Familientherapie L. Nicolay<br />
65
1991 (1) Thema: Gemeinschaftsgefühl G. Höcher<br />
1991 (2) Stellung der Frau in der<br />
modernen<br />
<strong>Gesellschaft</strong><br />
66<br />
R. Schallehn,<br />
B. Braun<br />
1991 (3) Partnerschaft u.a. B. Fütterer; L. Nescher;<br />
A. Thill-Houllard<br />
1991 (4) Klinische<br />
Individualpsychologie<br />
1992 Kleine Psychotherapie für die<br />
medizinische Praxis<br />
S. Helten; A. Jackmuth<br />
L. K. Ackerknecht<br />
1993 Betrifft: Beratung L. Nicolay; M. Hoffmann<br />
1995 Individualpsychologie in der<br />
Praxis<br />
Haus-/Abschlussarbeiten<br />
1997 <strong>LGIPA</strong> <strong>–</strong> <strong>1988</strong> -1998 Vorstand u.a.<br />
1998 Rückblick auf die Feier zum<br />
10-jährigen Bestehen der<br />
<strong>LGIPA</strong><br />
1999 Alfred Adlers Theorie der<br />
Angst<br />
<strong>20</strong>00/01 Weiterentwicklung der<br />
Individualpsychologie<br />
M. Lanners, M. Titze<br />
K.-H. Hay<br />
R. Schallehn<br />
<strong>20</strong>02 Sinn und Werte des Lebens L. Nicolay<br />
<strong>20</strong>03/04 Gesundheitspsychologie &<br />
Verkehrspsychologie<br />
IP <strong>–</strong> FORUM spezial<br />
1989/90 sychoanalyse:<br />
50 <strong>Jahre</strong> nach Sigmund Freud<br />
1994 Alkoholneurotiker am Steuer<br />
1998 10 <strong>Jahre</strong> <strong>LGIPA</strong><br />
L. Nicolay<br />
L. J. Pongratz<br />
G. Höcher
1999 CAR: contre l´alcool sur la route G. Höcher<br />
<strong>20</strong>00 Psychotherapeutische Rehabilitation von<br />
persönlichkeitsgestörten Kraftfahrern.<br />
<strong>20</strong>02/03 IPSM-Moderatorenhandbuch für Klinische<br />
Verkehrspsychologen und<br />
Verkehrspsychotherapeuten der LIGPA<br />
<strong>20</strong>03/04 Psychologische Intervention zur<br />
Gesundheitsförderung am IPG.<br />
Theoretische Grundlagen<br />
L. Niolay<br />
L. Nicolay,<br />
C. Schroeder,<br />
M. Thill<br />
L. Nicolay<br />
<strong>20</strong>04 Psychologische Therapie in Luxemburg? L. Nicolay<br />
<strong>20</strong>05 IPSM-Tinnitus L. Nicolay<br />
<strong>20</strong>06 Gruppentherapie, Gruppenanalyse,<br />
Supervision<br />
L. Nicolay<br />
<strong>20</strong>07 Notfallpsychologie L. Nicolay<br />
Literaturempfehlungen von<br />
<strong>LGIPA</strong>-Mitgliedern:<br />
Ackerknecht, L., 1982. Individualpsychologische Kinder- und<br />
Jugendpsychotherapie.<br />
Adler, A., <strong>20</strong>02. Der Sinn des Lebens. 22. Auflage. Frankfurt/M.: Fischer<br />
Taschenbuch Verlag<br />
Adler, A., <strong>20</strong>02. Un idèal pour la vie. L´Harmattan.<br />
Adler, A. <strong>20</strong>06. La psychologie de la vie. L´Harmattan.<br />
67
Adler, A., 1989. Lebenskenntnis. Frankfurt/M.: Fischer<br />
Adler, A., <strong>20</strong>03. Menschenkenntnis. Frankfurt/M.: Fischer.<br />
Bauer, J., <strong>20</strong>06. Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus<br />
kooperieren. Hamburg: Hoffmann & Campe.<br />
Botton, A., <strong>20</strong>04. Statusangst. Frankfurt/M.:<br />
Fischer.<br />
Coelho, P. <strong>20</strong>06. Der Zahir. Diogenes Verlag.<br />
Corneau, G., <strong>20</strong>03. Victime des autres,<br />
bourreau de soi-même. Paris : Robert Laffont.<br />
Dornes, M., <strong>20</strong>06. Die Seele des Kindes.<br />
Frankfurt: Fischer TB<br />
Dreikkurs R. & Blumenthal, E., <strong>20</strong>01. Eltern<br />
und Kinder <strong>–</strong> Freunde oder Feinde. Stuttgart:<br />
Klett-Cotta.<br />
Dreikurs, R. & Blumenthal, E., 1971. Eltern<br />
und Kinder, Freund oder Feinde? 3.Auflage.<br />
Stuttgart: Klett-Cotta.<br />
Ellenberger, H.F., 1973. Die Entdeckung des Unbewussten. Bern: Huber.<br />
Hoffman, E., 1999. Alfred Adler <strong>–</strong> Ein Leben für die Individualpsychologie.<br />
München: Reinhardt.<br />
Kourilsky, F., <strong>20</strong>04. Du désir au plaisir de changer. Dunod.<br />
Lehmkuhl, U. (Hrsg.), <strong>20</strong>03: Wie arbeiten Individualpsychologen heute?<br />
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.<br />
Lehmkuhl, U. (Hrsg.), <strong>20</strong>06. Instanzen im<br />
Schatten (Väter, Geschwister, ...) Göttingen:<br />
Vandenhoeck & Ruprecht.<br />
Levine, M.J., <strong>20</strong>03. Le choix de la minceur. J`ai<br />
Lu.<br />
Levy, A. & Mackenthun, G. (Hrsg.), <strong>20</strong>02:<br />
Gestalten um Alfred Adler. Pioniere der<br />
Individualpsychologie. Königshausen &<br />
Neumann.<br />
Lütz, M., <strong>20</strong>02. Lebenslust. Wider die Diät-<br />
Sadisten, den Gesundheitswahn und den<br />
Fitness-Kult. München: Pattloch.<br />
68
Mormin & Viguier, R., 1991. Adler et l’ Adlérisme. Que sais-je ? La thèorie<br />
analytique adlérienne. Masson.<br />
Mosak, H. & Maniacci, M., 1999. Primer of Adlerian Psychology: The Analytic-Behavioral-Cognitive<br />
Psychology of Alfred Adler. New York: Routledge.<br />
Nadaud, L., <strong>20</strong>06. Alfred Adler. Erès.<br />
Reuter, L., <strong>20</strong>03. L’alchimie du chemin personnel. Vivre<br />
est un art que nous<br />
avons le devoir d’apprendre. Paris : Robert Laffont.<br />
Rüedi, J., <strong>1988</strong>. Die Bedeutung Alfred Adlers für die Pädagogik. Bern: Haupt<br />
Rule, W.R. & Bishop, M., <strong>20</strong>06. Adlerian<br />
Lifestyle Counselling: Practice and<br />
Research. New York: Routledge.<br />
Salbert, U., <strong>20</strong>06. Ganzheitliche Entspannungstechniken für Kinder. Oktopia<br />
Verlag.<br />
Sohni, H., <strong>20</strong>04. Geschwisterbeziehungen in Familien, Gruppen<br />
und in der<br />
Familientherapie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.<br />
Viguier, R., <strong>20</strong>00. Introduction<br />
à la lecture d’Alfred Adler. Le paradoxe<br />
humain. L´Harmattan.<br />
Watzlawick, P., <strong>20</strong>05. Anleitung zum Unglücklichsein. München: Piper<br />
Watzlawick, P. , <strong>20</strong>05.<br />
Vom Unsinn des Sinns oder Vom Sinn des Unsinns.<br />
München:<br />
Piper.<br />
14. Psychische Gesundheit in den EU-Ländern 1<br />
Wie häufig treten psychische Störungen in Deutschland und den Ländern<br />
der EU auf? Wie hoch ist das Risiko, irgendwann im Leben an einer<br />
psychischen Störung zu leiden? Wie viele Menschen leiden in einem Jahr<br />
unter Major Depression, Panikstörung, Alkohol- und anderen<br />
1 Pressemitteilung. Hans-Ulrich Wittchen, Professor der Klinischen<br />
Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden<br />
stellte am 1. Dezember <strong>20</strong>05 anlässlich des 1. Deutschen<br />
Präventionskongresses die weltweit größte und umfassendste<br />
Bestandsaufnahme zur psychischen Gesundheit in Europa vor.<br />
69
Substanzstörungen oder Demenz? Steigen die Prävalenzen für psychische<br />
Störungen? Wie viele der Betroffenen werden behandelt? Wie hoch sind<br />
Belastung<br />
und Kosten im Zusammenhang mit psychischen Störungen in der<br />
EU?<br />
Dies sind nur einige der klinischen und gesundheitspolitisch drängenden<br />
Fragen, die im Auftrag des European College of Neuropsychopharmacology<br />
(ECNP) unter Mitwirkung des European Brain Council (EBC) sowie von über<br />
100 Experten aus 26 EU-Ländern in einem Forschungsprojekt bearbeitet<br />
wurden. Die in zwei englischsprachigen Berichtsbänden<br />
zusammengefassten Befunde und Schlussfolgerungen beschreiben<br />
erstmals gesicherte Daten zur aktuellen Situation der psychischen<br />
Gesundheit in Europa. Berücksichtigt<br />
wurden die Daten von insgesamt<br />
150.000 Betroffenen aus 27 Studien.<br />
Psychische Störungen sind keine seltenen Erkrankungen!<br />
Im Laufe eines jeden <strong>Jahre</strong>s erleiden 27% der EU-Bevölkerung oder 83<br />
Million Menschen mindestens eine psychische Störung wie z.B. eine<br />
Depression, bipolare Störung, Schizophrenie, Alkohol- oder<br />
Drogenabhängigkeit, Sozialphobie, Panikstörung, Generalisierte Angst,<br />
Zwangsstörungen, somatoforme Störungen oder Demenz. Das<br />
Lebenszeitrisiko, irgendwann einmal an einer psychischen Störung zu<br />
erkranken, liegt allerdings mit über 50% der Bevölkerung wesentlich höher!<br />
Ausmaß und Folgen sind dabei höchst variabel: Einige erkranken nur<br />
episodisch kurzzeitig über Wochen oder Monate, andere längerfristiger. Ca.<br />
40% der Betroffenen haben chronische Verläufe (über <strong>Jahre</strong> hinweg oder<br />
gar von der Adoleszenz bis an ihr Lebensende).<br />
Nur wenige Hinweise auf eine Zunahme<br />
Es gibt nur wenige indirekte Hinweise für einen Anstieg der Prävalenz von<br />
psychischen Störungen in der EU im letzten Jahrzehnt; Ausnahme sind die<br />
ansteigenden Raten depressiver- und Suchterkrankungen! Ebenso gibt es<br />
keine Befunde für bedeutsame Unterschiede zwischen EU-Ländern oder -<br />
70
Regionen hinsichtlich der Auftretenswahrscheinlichkeit von psychischen<br />
Störungen.<br />
Die Arbeitsgruppe weist jedoch darauf hin, dass zu diesen Punkten weitere<br />
Forschungen erforderlich sind.<br />
Spezielle Aspekte und Befunde:<br />
(1) So wie Bluthochdruck und Diabetes häufig in eine Herzerkrankung<br />
einmünden, so finden wir auch bei jedem zweiten Fall einer psychischen<br />
Störung weitere psychische Erkrankungen (Komorbidität). Eine „reine<br />
Depression“ oder eine „reine Panikstörung“ tritt verhältnismäßig selten auf.<br />
Die häufigsten Muster sind früh auftretende Angststörungen, die dann im<br />
weiteren Verlauf von somatoformen, Sucht- und depressiven Erkrankungen<br />
gefolgt werden.<br />
(2) Die Mehrheit der psychischen Störungen manifestiert sich in einem<br />
Zeitabschnitt, der für eine erfolgreiche gesundheitliche Entwicklung und<br />
Sozialisation entscheidend ist <strong>–</strong> nämlich in der Kindheit und Adoleszenz. Die<br />
Befunde zeigen deutlich, dass frühe psychische Störungen vielfältige<br />
negative Effekte auf viele Bereiche des Lebens haben (z.B. akademische<br />
Erfolge, berufliche Karriere, Partnerschaft<br />
und Familienleben). Bleibt eine<br />
adäquate Behandlung einer psychischen Störung im frühen Verlaufsprozess<br />
aus, ist das Risiko für eine lebenslange Leidengeschichte und<br />
Beeinträchtigung stark erhöht.<br />
(3) Frauen haben ein höheres Risiko, an psychischen Störungen wie<br />
Angststörungen, Depression und somatoformen Störungen zu erkranken als<br />
Männer. Ausnahmen sind Substanzabhängigkeit, Psychosen und Bipolare<br />
(manisch-depressive) Störungen. Frauen haben zudem ein erhöhtes Risiko,<br />
komplexe komorbide Störungsmuster zu entwickeln. Da die meisten<br />
psychischen Störungen bei Frauen überwiegend in den gebärfähigen <strong>Jahre</strong>n<br />
ihres Lebens auftreten, haben diese wiederum negative Auswirkungen auf<br />
ihre Neugeborenen und deren weitere Kindesentwicklung. Psychische<br />
Störungen werden selten früh erkannt und nur selten adäquat behandelt!<br />
Es gibt keine Gesundheit ohne psychische<br />
Gesundheit.<br />
71
Mit geringen Unterschieden zwischen den EU-Ländern erhält nur etwa jeder<br />
vierte Betroffene mit psychischen Störungen irgendeine und noch weniger<br />
eine adäquate Behandlung. Oft vergehen viele <strong>Jahre</strong> und manchmal<br />
Jahrzehnte, bevor eine erste Behandlung eingeleitet wird. Ausnahmen sind<br />
Psychosen, schwere Depressionen und komplexe komorbide Muster.<br />
Unbehandelt verlaufen viele psychische Störungen häufig chronisch mit<br />
zunehmenden Komplikationen. Die Besorgnis erregend niedrige<br />
Behandlungsrate von psychischen Störungen, die in keinem anderen<br />
Bereich der Medizin in diesem Ausmaß<br />
zu beobachten ist, kann nicht allein<br />
mit der immer noch den psychischen Störungen anhaftenden<br />
Stigmatisierung erklärt werden.<br />
Familiäre, gesellschaftliche und ökonomische Folgen und Belastungen<br />
Es ist ein Schlüsselkriterium der Diagnostik aller psychischen Störungen,<br />
dass sie mit Leiden des Betroffenen und gravierenden Belastungen und<br />
negativen Folgen im beruflichen, familiären und sozialen Rahmen<br />
einhergehen. Es ist angesichts der Häufigkeit und Schwere psychischer<br />
Störungen nicht überraschend, dass die Studie aufzeigt, dass von allen<br />
Arbeitsunfähigkeitstagen pro Jahr die Mehrzahl auf psychische Störungen<br />
und nicht etwa auf somatische Erkrankungen zurückgeführt werden kann.<br />
Die Hauptmasse der gesamten gesundheitsökonomischen Kosten von<br />
psychischen Störungen sind deshalb keine direkten, sondern indirekte<br />
Kosten des Gesundheitssystems. So haben die gemeinsamen Analysen des<br />
European Brain Council und der ECNP-Arbeitsgruppe ergeben, dass<br />
psychische Störungen jedes Jahr fast 300 Milliarden Euro Gesamtkosten<br />
ausmachen, von denen allein 132 Milliarden Euro mit indirekten Kosten<br />
(krankheitsbedingte Ausfalltage, früherer Eintritt in den Ruhestand, vorzeitige<br />
Sterblichkeit und verringerte Arbeitsproduktivität wegen psychischen<br />
Problemen) zusammenhängen. Nur 110 Milliarden Euro werden<br />
demgegenüber für direkte Kosten (Hospitalisierung und Hausbesuche von<br />
Patienten) ausgegeben. Die Kosten für die medikamentöse Therapie <strong>–</strong> als<br />
die am häufigsten eingesetzte Behandlungsart <strong>–</strong> beansprucht<br />
dagegen nur<br />
4% der Gesamtkosten von psychischen Störungen; die für<br />
psychotherapeutische<br />
Leistungen liegen weit unter 1%!<br />
72
Der vorgestellte Bericht kommt in Übereinstimmung mit entsprechenden<br />
Stellungnahmen der EU-Minister und der Weltgesundheitsorganisation zu<br />
dem Schluss, dass umfassende und koordinierte Anstrengungen erforderlich<br />
sind, um die defizitäre Versorgungslage zu verbessern. Angesichts der<br />
Verfügbarkeit effektiver und kostengünstiger Therapieverfahren<br />
für nahezu<br />
alle psychischen Störungen geht es insbesondere darum, früher und<br />
rechtzeitiger Betroffene zu erkennen und zu behandeln.<br />
Der Studienleiter Hans-Ulrich Wittchen, Professor der Klinischen<br />
Psychologie und Psychotherapie an der Technischen Universität Dresden,<br />
hebt hervor, dass wir in unserem Verständnis für psychische Störungen<br />
umlernen müssen. Psychische Erkrankungen sind keine seltenen<br />
Erkrankungen, jeder kann zu jedem Zeitpunkt im Lebensverlauf betroffen<br />
sein. „Psychische Störungen sind Erkrankungen unseres Gehirns und<br />
Nervensystems <strong>–</strong> dem komplexesten Organ des Menschen! Warum sollte<br />
ausgerechnet dieser komplexe Teil unseres Körpers weniger häufig<br />
erkranken, als andere Organe unseres Körpers?“<br />
Der Bericht wird aufgrund seiner kritischen und fundierten Daten weit<br />
reichende Konsequenzen für zukünftige Forschung, Gesundheitswesen und<br />
politische Fragen haben. Professor Wittchen stellt als der<br />
Hauptverantwortliche der Arbeitsgruppe des ECNP-Sonderberichts fest: „Wir<br />
glauben, dass das neu aufgebaute interdisziplinäre Netzwerk, das durch den<br />
Bericht „Umfang und Schwere“ entstand, ein wichtiger Ausgangspunkt für<br />
zukünftige hochwertige Forschung im psychischen<br />
Bereich ist und den Weg<br />
für die zukünftige Finanzierung von Forschung, Training und<br />
Ausbildungsprogrammen ebnen wird.“<br />
Der Bericht und seine Daten dienen auch als Grundlage für eine Initiative<br />
der Weltgesundheitsorganisation<br />
(WHO) und der EU-<br />
Gesundheitsministerien. Deren Leitsatz ist: „Keine Gesundheit ohne<br />
psychischer Gesundheit!“<br />
Faktenblatt<br />
73
Anmerkung: Die internationalen Klassifikationssysteme für psychische<br />
Störungen (ICD-10 oder DSM-IV) definieren Hunderte psychische<br />
Störungen, die sich in Bezug auf Art der Symptome, Beginn, Verlauf und<br />
Prognose, sowie damit verbundene Gefahren (z.B. Suizid) und<br />
Komplikationen (Beeinträchtigungen) unterscheiden; nur ein Bruchteil dieser<br />
Störungen wurde im Bericht untersucht, damit sind die Zahlen als<br />
konservative Schätzung der tatsächlichen Häufigkeit anzusehen:<br />
A. Gesamtprävalenz:<br />
1. Jedes Jahr leiden in der EU 27% (83 Millionen) Männer und Frauen unter<br />
psychischen Störungen; einige chronisch, einige episodisch, einige nur<br />
einmalig für einige Wochen.<br />
2. Das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung einer psychischen Störung<br />
beträgt ungefähr 50%.<br />
3. Bei den meisten Störungen sind Frauen (33%) häufiger betroffen als<br />
Männer (22%), Ausnahmen: Alkohol-, Substanzstörungen und psychotische<br />
Störungen.<br />
4. Viele psychische Störungen (am häufigsten Angststörungen,<br />
Substanzstörungen, somatoforme Störungen) beginnen vor dem <strong>20</strong>.<br />
Lebensjahr und bleiben über die gesamte Lebenspanne bestehen; einige<br />
Störungen, z.B. depressive Störungen, können jederzeit im Leben auftreten,<br />
andere haben einen typischen Beginn, z.B. nicht vor dem 60. Lebensjahr<br />
(z.B. Demenz).<br />
5. Die Gesamtprävalenz für psychische Störungen ist über einen bestimmten<br />
Altersbereich ähnlich (Adoleszenz: Frauen: 35%; Männer: 23%; ältere<br />
Menschen 50+: Frauen: 31%, Männer 19.4%)<br />
6. Wann immer eine Störung auftritt, gibt es eine erhöhte Wahrscheinlichkeit<br />
für eine zusätzliche Diagnose (= Komorbidität). Eine von zwei Personen, die<br />
unter einer psychischen Störung leiden, erfüllen die Kriterien für mindestens<br />
eine weitere Diagnose (z.B. Angst und Depression).<br />
74
7. Das Risiko für die Entwicklung von Komorbidität steigt über das Alter<br />
sowie Art und Dauer der Primärdiagnose.<br />
8. Es gibt wenig Anzeichen für bedeutsame Unterschiede zwischen den EU-<br />
Ländern.<br />
9. Es gibt wenig Anhaltspunkte für erhöhte Raten psychischer Störungen im<br />
letzten Jahrzehnt (außer Depression und Drogengebrauch).<br />
B. Die Belastung im Zusammenhang mit psychischen Störungen:<br />
1. Psychische Störungen sind nahezu ausnahmslos mit Beeinträchtigungen<br />
der sozialen Rollen verbunden (schulische/berufliche Leistung, Elternschaft,<br />
soziale Kontakte, intime Partnerschaften); schwere Beeinträchtigungsprofile<br />
wurden bei ungefähr einem Drittel gefunden!<br />
2. Psychische Störungen in den ersten zwei Jahrzehnten des Lebens sind<br />
mit verminderter sozialer, kognitiver und verhaltensbezogener Entwicklung<br />
verbunden (z.B. schlechte schulische und berufliche Leistung/Versagen).<br />
3. Komorbidität verschlimmert gewöhnlich den Grad der sozialen<br />
Beeinträchtigung und Behinderung und geht mit einem erhöhten Risiko für<br />
Suizid, Hospitalisierung, Arbeitslosigkeit und Isolation einher.<br />
4. Die gesamten indirekten Kosten sind immens und übersteigen bei weitem<br />
die direkten Kosten im Gesundheitswesen.<br />
5. Die Kosten für medikamentöse Behandlungen betragen schätzungsweise<br />
nur 4% der Gesamtkosten.<br />
C. Behandlung <strong>–</strong> Unterbehandlung:<br />
1. Pro Jahr bleiben die meisten psychischen Störungen unbehandelt; nur<br />
einer von vier Betroffenen (26%) erhält zumindest eine minimale Intervention<br />
(z.B. eine kurze Beratung, ein kurzes Gespräch mit dem Hausarzt).<br />
75
2. Wenn eine psychische Störung erkannt wird, wird am häufigsten mit<br />
Psychopharmaka behandelt, Psychotherapie wird nur selten als alleinige<br />
Behandlung angeboten.<br />
3. Unterbehandlung ist besonders häufig bei Kindern und jungen<br />
Erwachsenen, bei Angststörungen und Substanzstörungen zu beobachten.<br />
15. Mit Adler in die Zukunft<br />
Von Helmut Gehle<br />
(IPG-Direktor)<br />
Klimakatastrophe und (Schüler-)Suizid beherrschen während der Entstehung<br />
dieser Festschrift zum <strong>20</strong>. Geburtstag der <strong>LGIPA</strong> die Schlagzeilen.<br />
Verantwortung für die Umwelt im weitesten Sinne war immer wichtiger<br />
Bestandteil der Individualpsychologie Alfred Adlers, der vielleicht eine erste<br />
Idee in Richtung „Nachhaltigkeit“ entwickelte, wenn er unter dem für die<br />
Individualpsychologie (IP) zentralen Begriff des Gemeinschaftsgefühls u.a.<br />
auch die spontane Bereitschaft versteht, in Übereinstimmung mit den<br />
natürlichen und legitimen Forderungen einer Gemeinschaft zu leben, die für<br />
ewig gedacht werden sollte. Im Zusammenhang mit der Verhinderung von<br />
Suizid betonen Individualpsychologen neben der notwendigen Stärkung des<br />
Individuums ausdrücklich auch die Schaffung einer humanen <strong>Gesellschaft</strong>,<br />
in der jedes Mitglied seinen individuellen Beitrag leisten kann und dafür auch<br />
die entsprechend gerechte Anerkennung erhält. Nicht anders äußerte sich<br />
Adler bereits im Juni 1910 auf einem „Symposium für Suizid“. Auch in der<br />
Auseinandersetzung mit Themen wie Jugendkriminalität, Gleichberechtigung<br />
von Mann und Frau, Empfängnisverhütung und Bevölkerungsentwicklung<br />
zeigt sich die Aktualität individualpsychologischen Denkens.<br />
Erklärtes Ziel von <strong>LGIPA</strong> und IPG wird es auch künftig sein, Alfred Adlers<br />
Theorie, angepasst an den heutigen Forschungsstand und abgestimmt auf<br />
die Bedürfnisse des modernen Menschen an der Schwelle des dritten<br />
76
Jahrtausends, zur konstruktiven Lösung individueller und gesellschaftlicher<br />
Fragen nutzbar zu machen. Die Ideen Alfred Adlers waren und sind nach wie<br />
vor aktuell 2 . Adlerianische Begriffe wie „Lebensstil“ oder<br />
„Minderwertigkeitsgefühl“ sind fester Bestandteil der Umgangssprache,<br />
werden fälschlicherweise oft aber den beiden anderen großen<br />
Tiefenpsychologen C.G. Jung oder gar Sigmund Freud zugeschrieben 3 .<br />
Besonders der Beitrag der IP zu Fragen der Kindererziehung kann gar nicht<br />
hoch genug veranschlagt werden 4 . Dies gilt umso mehr angesichts des<br />
zunehmenden medialen Interesses an diesem Thema (Stichwort: Super-<br />
Nanny). Neben Adler selbst können besonders Rudolf Dreikurs, Eric<br />
Blumenthal u.a. mit Büchern wie „Kinder fordern uns heraus 5 “ oder „Eltern<br />
und Kinder <strong>–</strong> Freunde oder Feinde 6 “ als individualpsychologische<br />
2 Adler hat auch die moderne psychosomatische Medizin in Gang<br />
gesetzt; er kann als Vorläufer der Sozialpsychologie und des sozialen<br />
Zugangs zur Psychohygiene gelten; außerdem als Mitbegründer der<br />
Gruppenpsychotherapie. Seine Auffassung, das schöpferische Selbst<br />
sei in seiner Zielgerichtetheit für seinen Lebensstil verantwortlich,<br />
macht ihn zum Vater der Ich- & Selbst-Psychologie.<br />
3 So schrieb die altehrwürdige Londoner Times in ihrem Nachruf auf<br />
Freud: „Manche seiner Ausdrücke sind Teil der Alltagssprache<br />
geworden, zum Beispiel der Minderwertigkeitskomplex“.<br />
Zweiundzwanzig <strong>Jahre</strong> später, als Jung gestorben war, brach die<br />
New York Times die Schlagzeile: „Dr. Karl Jung ist tot ... prägte<br />
introvertiert, extravertiert und Minderwertigkeitskomplex.“ Zitiert nach<br />
ELLENBERGER, H. F. 1985. Die Entdeckung des Unbewussten.<br />
Zürich: Diogenes. S. 874.<br />
4 Siehe „Fit for Family“ in diesem Heft. Beachten Sie dazu den<br />
Vortrag am 21. 10.<strong>20</strong>07 um 18 Uhr „Warum die Super-Nanny lieber<br />
Alfred Adler lesen sollte.“ von Doris Zangerlé und Ralph Masion<br />
5<br />
DREIKURS, R. & SOLTZ, V. <strong>20</strong>06. Kinder fordern uns heraus.<br />
Stuttgart: Klett-Cotta.<br />
6<br />
DREIKURS, R. & BLUMENTHAL, E. <strong>20</strong>01. Kinder fordern uns heraus.<br />
Stuttgart: Klett-Cotta.<br />
77
Wegbereiter heutiger Erziehungskonzepte gelten. Die <strong>LGIPA</strong> und das IPG<br />
werden auf diesem Gebiet in den kommenden <strong>Jahre</strong>n verstärkt aktiv und<br />
dabei nicht nur für Eltern Schule machen! Im kommenden Jahr wird die<br />
<strong>LGIPA</strong> dazu ihr neues Buch „Brennpunkte moderner Erziehung“<br />
herausgeben 7 .<br />
Gleichzeitig wird sich unser Augenmerk weiter verstärkt auf die Jugendlichen<br />
richten. Sich später chronifizierende psychische Störungen könnten gerade<br />
in diesem Lebensabschnitt erfolgreich behoben und so dauerhaft vermieden<br />
werden, wenn sie rechtzeitig entdeckt und die Behandlung in hoher Qualität<br />
erfolgt.<br />
Das Bemühen um eine Qualitätsverbesserung unserer beraterischen bzw.<br />
psychotherapeutischen Tätigkeit wird uns auch in Zukunft begleiten. In<br />
Anlehnung an die bewährte klassische Einteilung Donabedians 8 engagieren<br />
wir uns dabei auf den folgenden drei großen Ziel-Dimensionen, die hier<br />
beispielhaft mit einigen Teilzielen dargestellt werden:<br />
Strukturqualität. Hier geht es einmal darum, die Versorgung der<br />
Bevölkerung zu sichern (u.a. eine ausreichende Anzahl von<br />
Psychotherapeuten und Beratern, flächendeckender, unkomplizierter<br />
Zugang für die Bevölkerung; eine ausreichende Vergütung<br />
psychotherapeutischer Leistungen) zum anderen um die Qualität der<br />
Ressourcen (u.a. um die Qualität der Ausbildung und der<br />
Ausbildungsstätten; Einsatz fundierter, in der Praxis bewährter Verfahren)<br />
Prozessqualität. Im Mittelpunkt steht hier neben dem Qualitätsmanagement<br />
der beruflichen Leistungserbringung (z.B. durch Supervision und Fort- und<br />
Weiterbildung) vor allem die Qualitätssicherung innerhalb des individuellen<br />
Therapie- bzw. Beratungsverlaufs (u.a. durch Information der Klienten über<br />
Beratungs-/Therapieverlauf; Falldokumentation; Supervision und der<br />
Erforschung von Therapie-/Beratungsabbrüchen).<br />
7<br />
Als eine weitere <strong>LGIPA</strong>-Veröffentlichung für das nächste Jahr ist eine<br />
Entspannungs-CD mit Entspannungsübungen (z.B. Autogenes Training) in<br />
Luxemburgischer Sprache in geplant.<br />
8<br />
DONABEDIAN, A. 1966. Evaluating the quality of medical care. Milbank<br />
Memorial Funds Quarterly, 44, 166-<strong>20</strong>3.<br />
78
Ergebnisqualität. Dazu gehört die Wahl geeigneter behandlungsbezogener<br />
Ergebnismaße (Krankheitsspezifische und allgemeine Ergebnismaße;<br />
Lebensqualität; Operative Zielerreichung) und die Ermittlung zusätzlicher<br />
Ergebnismaße (z.B. Erhebung von Patientenzufriedenheitsmaßen; die<br />
Analyse von Mehrfachnutzungen durch Klienten).<br />
Bei allem berechtigten Bestreben nach hohen Qualitätsstandards steht für<br />
uns der Mensch in seinen ganzheitlichen Bezügen und sozialen<br />
Wirklichkeiten im Zentrum unseres psycho-sozialen Handelns. Natürlich<br />
nützt das Streben nach Effektivität und Effizienz wenigstens teilweise auch<br />
den Klienten; Vorrang hat für uns jedoch immer der Mensch mit seinem ganz<br />
persönlichen Anliegen. Multikausal verursachte Symptomatiken <strong>–</strong> zumal bei<br />
häufig auftretender Komorbidität <strong>–</strong> lassen sich nur schwerlich in<br />
mathematischen Formeln zwängen. Individual- und Gruppenpsychologie am<br />
„Institut <strong>fir</strong> Psychologesch Gesondheetsförderung“ (IPG) ist für den<br />
Menschen da <strong>–</strong> nicht umgekehrt! Ein fundamentales Anliegen Alfred Adlers<br />
und seiner Individualpsychologie: nicht der Mensch muss sich den<br />
psychologischen Modellen, Methoden und Techniken anpassen; vielmehr<br />
müssen wir das Individuum auf dem Boden seiner Wirklichkeit abholen,<br />
verstehen und in seiner Entwicklung mit „Menschenkenntnis“ begleiten. Als<br />
gemeinsame Basis dafür dient uns das Menschenbild der IP, die als „offenes<br />
System“ dazu viel Spielraum für Kreativität, Flexibilität und Innovation bietet.<br />
Um dabei allerdings nicht in die „Gesundheitsfalle“ (Dörner 9 <strong>20</strong>03) zu<br />
tappen, sollten wir unsere innovativen Angebote gelegentlich auch<br />
selbstkritisch auf ihre „Risiken und Nebenwirkungen“ überprüfen. Viel zu oft<br />
haben wir Professionellen <strong>–</strong> unbeabsichtigt oder auch nicht, aus Übereifer<br />
oder Unwissenheit, aus Profitstreben oder Profilierungssucht <strong>–</strong> dazu<br />
beigetragen, aus normalen menschlichen Reaktionen eine<br />
9 DÖRNER, K. <strong>20</strong>03. Die Gesundheitsfalle. Woran unsere Medizin krankt.<br />
Zwölf Thesen zu ihre Heilung. München: Econ.<br />
79
ehandlungsbedürftige Krankheit 10 , aus verständlichen menschlichen<br />
Schwächen talkshow-verdächtige, telegene Störungen zu machen.<br />
Der alte Psychologenwitz, wonach Psychologen Menschen sind, die<br />
anderen bei der Lösung von Problemen helfen, die sie ohne sie gar nicht<br />
hätten, würde so auf skurrile Weise zur bitteren Pille: „Sie haben ein<br />
Problem: Da habe ich noch eins für Sie!“<br />
Und selbst, wenn wir es vermeiden können, Störungen künstlich in die Welt<br />
zu setzen bzw. eine Chronifizierung zu verhindern, sollten wir bei den<br />
tatsächlich existierenden Problemen das Recht des Einzelnen auf Krisen<br />
und Grenzsituationen wie Behinderung, Krankheit, Altern, Sterben und Tod<br />
respektieren und achten, wenn dieser Mensch sein Leben wirklich erfahren<br />
und Schmerz und Leid biographisch auf seine Weise nutzen will. Das gilt<br />
auch, wenn dieser Mensch Opfer, zum Beispiel von Katastrophen, ist. Für<br />
uns sollte gelten: Soviel Psychologie wie nötig, so wenig wie möglich! Gute<br />
Therapie macht Lust auf Leben, keinesfalls auf noch mehr Therapie!<br />
Vor drei <strong>Jahre</strong>n und über 2500 Beratungsstunden weniger, waren einzelne<br />
Kollegen mehr als skeptisch: 14 teilweise nebenberuflich tätige Beraterinnen<br />
und Therapeuten „unter einem Dach“, das kann nicht gut gehen! Es geht.<br />
Und es geht gut! Im besten individualpsychologischen Sinne bietet das<br />
Institut die Möglichkeit sich innerhalb einer Gemeinschaft aktiv und<br />
sachbezogen in den Dienst eines Projektes (IPG) zu stellen und lässt dabei<br />
gleichzeitig viel Platz für die individuelle Entfaltung des Einzelnen.<br />
„Dazugehören-“ u n d „sich-unterscheiden-wollen“ sind nach Lucy K.<br />
Ackerknecht Grundmotive in der Dynamik des Lebensstils!<br />
Mit der Aufbau unseres <strong>LGIPA</strong>-Instituts gelingt die so wichtige Verbindung<br />
von Theorie und Praxis innerhalb der <strong>LGIPA</strong>-Studiengängen (Berater,<br />
Therapeut, Psychagoge, Moderator für Gesundheitsförderung, etc.)<br />
zunehmend besser. Anfänger, Fortgeschrittene und erfahrene<br />
TherapeutInnen arbeiten gleichwertig Seite an Seite. Dass unsere<br />
10 Ein rezentes Beispiel ist die „sexuelle Lustlosigkeit der Frau“. Nach dem<br />
(auch finanziellen) Erfolg von Viagra verständigen sich Ärzte und<br />
Pharmakonzerne gerade über Grenzwerte sexueller Unlust bei der Frau.<br />
80
Ausbildungsangebote immer häufiger von Teilnehmerinnen zum<br />
Wiedereinstieg in „ein etwas anderes Berufsleben“ genutzt werden, ist dabei<br />
durchaus beabsichtigt. Nicht zuletzt wegen der großen (auch zeitlichen)<br />
Gestaltungsfreiheit in diesem Bereich, zählen wir viele Mütter und<br />
Alleinerziehende zu unseren Mitgliedern bzw. Ausbildungskandidatinnen.<br />
Alfred Adler hätte seine Freude daran, wie hier die drei Lebensaufgaben<br />
Familie, Beruf und soziales Engagement konstruktiv zusammengeführt<br />
werden.<br />
Undenkbar dies alles ohne das besonders in der Anfangsphase große und<br />
nicht ermüdende ehrenamtliche Engagement vieler Helfer und Helferinnen.<br />
Ihnen allen spreche ich meinen Dank und meine Anerkennung für ihre aktive<br />
Unterstützung und nicht nachlassende Ermutigung aus. Ein besonders<br />
großes MERCI geht an die Mitglieder unseres „A-Teams“: Elke Egert, Liette<br />
Eisen, Monika Gangl und Anne-Marie Goedert, die für einen reibungslosen<br />
Alltag im Institutsbetrieb sorgen, für mich schon lange „1-A“ sind und den<br />
Job eines Direktors (fast) zu einem Vergnügen werden lassen. Sie aktivieren<br />
Ressourcen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Merci.<br />
Ein besonders Anliegen ist es mir, zwei Weggefährten der ersten <strong>LGIPA</strong>-<br />
Stunden hervorzuheben, ohne die weder die <strong>LGIPA</strong> noch das IPG<br />
vorstellbar sind: Christiane Keller, stellvertretende IPG-Direktorin und<br />
„Finanzministerin“ der <strong>LGIPA</strong>, die mit großer Kompetenz unsere Bücher<br />
verwaltet und auch sonst den Überblick behält, und Dr. Lucien Nicolay,<br />
Präsident der <strong>LGIPA</strong>, der nicht nur viel Wissen schafft, sondern mit seinem<br />
ebenso unnachahmlichen wie unerschütterlichen Pragmatismus Visionen<br />
Wirklichkeit werden lässt. Ihnen beiden gelten mein Dank und meine<br />
Hochachtung!<br />
Als Mitglied eines solchen Teams kann ich die nächsten <strong>20</strong> <strong>Jahre</strong> kaum<br />
erwarten.<br />
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