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Sicherheit auf Ausserortsstrassen - BfU

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fu-Report Nr. 61<br />

<strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

Autoren: Bern 2009<br />

Uwe Ewert, Patrick Eberling<br />

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung


F<br />

bfu-Report Nr. 61<br />

<strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

Autoren: Bern 2009<br />

Uwe Ewert, Patrick Eberling<br />

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung


Autoren<br />

Uwe Ewert<br />

Wissenschaftlicher Mitarbeiter Forschung, bfu, u.ewert@bfu.ch<br />

Dr. phil., MPH; Psychologiestudium an der Universität Freiburg i.Br. Seit 1993 wissenschaftlicher<br />

Mitarbeiter der bfu. Forschungsschwerpunkte: Einstellungen und Verhalten<br />

von Verkehrsteilnehmern, Fussgänger, Senioren, <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong>,<br />

Benützung von <strong>Sicherheit</strong>sgurten, Geschwindigkeit.<br />

Patrick Eberling<br />

Berater Verkehrstechnik, bfu, p.eberling@bfu.ch<br />

Dipl. Ing. ETH; Bauingenieurstudium an der ETH Zürich; 1995–1997 Assistent am<br />

Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT) an der ETH Zürich.<br />

1997–1998 Assistent an der Hong Kong Polytechnic University. 1998–2002 beratender<br />

Ingenieur in der Abteilung Verkehrstechnik der bfu. 2002–2004 Sektionsleiter<br />

Verkehrstechnik Baudepartement Kanton Aargau. Seit 2004 stellvertretender Leiter<br />

der Abteilung Verkehrstechnik der bfu. Schwerpunkte: Markierungen, verkehrstechnische<br />

Unfallanalysen, Safety Audits, Massnahmenevaluation, Strassenraumgestaltung.


Impressum<br />

Herausgeberin bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung<br />

Postfach 8236<br />

CH-3001 Bern<br />

Tel. +41 31 390 22 22<br />

Fax +41 31 390 22 30<br />

info@bfu.ch<br />

www.bfu.ch<br />

Bezug http://shop.bfu.ch<br />

Autoren Uwe Ewert, Dr. phil., Wissenschaftlicher Mitarbeiter Forschung, bfu<br />

Patrick Eberling, dipl. Ing. ETH, Berater Verkehrstechnik, bfu<br />

Redaktion Roland Allenbach, dipl. Ing. ETH, Leiter Forschung, bfu<br />

Druck/Auflage Bubenberg Druck- und Verlags-AG, Monbijoustrasse 61, CH-3007 Bern<br />

1/2009/750<br />

© bfu/FVS 2009 Alle Rechte vorbehalten; Reproduktion (z. B. Fotokopie), Speicherung, Verarbeitung und<br />

Verbreitung sind mit Quellenangabe (s. Zitationsvorschlag) gestattet.<br />

Dieser Bericht wurde im Auftrag des Fonds für Verkehrssicherheit (FVS) hergestellt. Für den<br />

Inhalt ist die bfu verantwortlich.<br />

Zitationsvorschlag Ewert U, Eberling P. <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong>. Bern: bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung;<br />

2009. bfu-Report 61.<br />

ISBN 3-908192-27-7<br />

Aus Gründen der Lesbarkeit verzichten wir dar<strong>auf</strong>, konsequent die männliche und weibliche<br />

Formulierung zu verwenden.<br />

Aufgrund von Rundungen sind im Total der Tabellen leichte Differenzen möglich.<br />

Wir bitten die Leserschaft um Verständnis.


Vorwort<br />

Landstrassen werden häufig als die schönsten Strassen in unserem Land wahrgenommen. Sie führen an<br />

Seen entlang, über Berge und durch Wälder. Im Mittelland sind sie relativ stark befahren. <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

(ohne Autobahnen) – dies ist der Fachbegriff – sind aber auch sehr gefährlich. Hier stirbt bei Unfällen<br />

mehr als die Hälfte aller Strassenverkehrsopfer. <strong>Ausserortsstrassen</strong> sind besondere Strassen, weil sie verschiedene<br />

Aufgaben zu erfüllen haben. Auf ihnen sind sehr unterschiedliche Verkehrsteilnehmende unterwegs,<br />

was zu gefährlichen Fahrmanövern und schweren Unfällen wie Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen oder mit Fussgängern sowie auch zum Abkommen von der Strasse führen kann.<br />

Die Einflussfaktoren, die zu Ausserortsunfällen führen können, sind vielfältig. Eine besondere Methode der<br />

statistischen Analyse konnte <strong>auf</strong>zeigen, dass neben den bekannten Risikofaktoren wie Alkohol, Geschwindigkeit<br />

oder fehlende <strong>Sicherheit</strong>sgurtbenutzung auch die Art des gefahrenen Fahrzeugs, das Kollisionsobjekt<br />

oder verschiedene verkehrstechnische Faktoren einen Einfluss <strong>auf</strong> die Unfallschwere haben.<br />

Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung hat sich mit einem interdisziplinären Team diesem Thema<br />

gewidmet. Den Autoren und anderen beteiligten Personen aus den verschiedensten Disziplinen (Verkehrstechnik,<br />

Recht, Statistik, Psychologie und Gesundheitswissenschaft) sei hiermit herzlich gedankt. Sie haben<br />

teilweise sogar neue Grundlagen für die vorliegende umfassende Studie geschaffen (Umfrage zu den<br />

Rettungsdiensten, Inventar der <strong>Ausserortsstrassen</strong>).<br />

Die Massnahmen, die aus dieser Studie abgeleitet werden, unterstützen bisherige Forderungen der bfu,<br />

wie beispielsweise ein Alkoholverbot für Neulenker. Aber auch neue Massnahmen werden empfohlen,<br />

wie eine stärkere Förderung von Fahrzeugen mit elektronischer Stabilitätskontrolle, vermehrte bauliche<br />

Trennung der Fahrtrichtungen <strong>auf</strong> stark frequentierten Strassen oder die Entfernung von Hindernissen, die<br />

zu nah am Strassenrand stehen.<br />

Einige dieser Vorschläge werden nicht unumstritten sein, aber die Diskussion darüber ist notwendig. Das<br />

Problem der (Un-)<strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> Landstrassen ist zu gross, als dass man es ignorieren darf.<br />

bfu<br />

Brigitte Buhmann, Dr. rer. pol.<br />

Direktorin<br />

bfu-Report Nr. 61 Vorwort 5


Inhalt<br />

Vorwort 5<br />

Inhalt 7<br />

I. Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 13<br />

1. <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> 13<br />

2. Sécurité des routes hors localité 19<br />

3. Sicurezza sulle strade extraurbane 24<br />

4. Safety on rural roads 29<br />

II. Einleitung 34<br />

III. Problemdarstellung 35<br />

IV. Vorarbeiten 36<br />

1. OECD-Bericht: Safety Strategies For Rural Roads 36<br />

2. Streckennetz 37<br />

3. Befragung zum Thema Rettungswesen 39<br />

V. Vorgehen 41<br />

1. Methodik 41<br />

2. Aufteilung in 5 Unfallklassen 42<br />

VI. Resultate 44<br />

1. Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen 44<br />

1.1 Fortbewegungsmittel 44<br />

1.2 Rückhaltesystem/Helm 45<br />

1.3 Strassenart 45<br />

1.4 Möglicher Alkoholeinfluss beim Lenker 46<br />

1.5 Grossregion 46<br />

1.6 Strassenanlage (Längsneigung der Strasse) 47<br />

1.7 Höchstgeschwindigkeit 48<br />

1.8 Alter der beteiligten Person 49<br />

1.9 Geschlecht der beteiligten Person 49<br />

1.10 Uhrzeit 50<br />

1.11 Strassenzustand 51<br />

bfu-Report Nr. 61 Inhalt 7


1.12 Unfallstelle 52<br />

1.13 Personenart 52<br />

1.14 Künstliche Beleuchtung 53<br />

1.15 Wochentag 53<br />

1.16 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit 54<br />

1.17 Strassenkategorie 55<br />

1.18 Dauer des Führerausweisbesitzes 56<br />

1.19 Vortrittsregelung 56<br />

1.20 Angaben zum Lenker 57<br />

1.21 Nicht signifikante Variablen 58<br />

2. Kollision mit festen Hindernisssen ausserhalb der Fahrbahn 58<br />

2.1 Fortbewegungsmittel 59<br />

2.2 Rückhaltesysteme / Helm 59<br />

2.3 Kollisionsobjekt 60<br />

2.4 Möglicher Alkoholeinfluss beim Lenker 61<br />

2.5 Grossregion 62<br />

2.6 Alter der beteiligten Person 62<br />

2.7 Strassenzustand 63<br />

2.8 Geschlecht der beteiligten Person 63<br />

2.9 Personenart 64<br />

2.10 Unfallstelle 64<br />

2.11 Strassenart 65<br />

2.12 Uhrzeit 65<br />

2.13 Höchstgeschwindigkeit 67<br />

2.14 Strassenanlage (Längsneigung der Strasse) 67<br />

2.15 Künstliche Beleuchtung 68<br />

2.16 Nicht signifikante Variablen 68<br />

3. Kollisionen an Knoten 69<br />

3.1 Fortbewegungsmittel 70<br />

3.2 Rückhaltesystem / Helm 70<br />

3.3 Möglicher Alkoholeinfluss beim Lenker 70<br />

3.4 Alter der beteiligten Person 70<br />

3.5 Geschlecht der beteiligten Person 71<br />

3.6 Grossregion 71<br />

3.7 Höchstgeschwindigkeit 72<br />

3.8 Unfallstelle 72<br />

3.9 Vortrittsregelung 73<br />

8 Inhalt bfu-Report Nr. 61


3.10 Uhrzeit 74<br />

3.11 Personenart 75<br />

3.12 Künstliche Beleuchtung 76<br />

3.13 Wochentag 76<br />

3.14 Angaben zum Lenker 76<br />

3.15 Strassenzustand 77<br />

3.16 Dauer des Führerausweisbesitzes 78<br />

3.17 Nicht signifikante Variablen 78<br />

4. Unfälle ohne Kollisionen 78<br />

4.1 Fortbewegungsmittel 78<br />

4.2 Rückhaltesystem / Helm 79<br />

4.3 Grossregion 80<br />

4.4 Alter der beteiligten Person 81<br />

4.5 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit 81<br />

4.6 Strassenzustand 82<br />

4.7 Unfallstelle 82<br />

4.8 Personenart 82<br />

4.9 Strassenart 83<br />

4.10 Geschlecht der beteiligten Person 83<br />

4.11 Nicht signifikante Variablen 84<br />

5. Kollisionen mit Fussgängern 84<br />

5.1 Personenart 85<br />

5.2 Fortbewegungsmittel 85<br />

5.3 Vortrittsregelung 85<br />

5.4 Künstliche Beleuchtung 86<br />

5.5 Geschlecht der beteiligten Person 87<br />

5.6 Nicht signifikante Variablen 87<br />

VII. Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz 88<br />

1. Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen 88<br />

2. Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn 89<br />

3. Kollisionen an Knoten 89<br />

4. Ausmass und Qualität der Geokodierung 90<br />

VIII. Massnahmen 91<br />

1. Generelle Massnahmen für die Verbesserung der <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> 91<br />

1.1 Fortbewegungsmittel 91<br />

1.1.1 Personenwagen 91<br />

bfu-Report Nr. 61 Inhalt 9


1.1.2 Motorräder 92<br />

1.2 Rückhaltesystem / Helm 92<br />

1.2.1 Helm 92<br />

1.2.2 <strong>Sicherheit</strong>sgurt 93<br />

1.3 Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker 93<br />

1.4 Höchstgeschwindigkeit 95<br />

1.5 Strassenzustand 96<br />

1.6 Strassenanlage (Längsneigung der Strasse) 97<br />

1.7 Angaben zum Lenker 98<br />

1.8 Alter der beteiligten Person 99<br />

1.9 Geschlecht der beteiligten Person 100<br />

2. Massnahmen gegen bestimmte Unfallklassen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> 101<br />

2.1 Kollisionsobjekt 101<br />

2.1.1 Art des Kollisionsobjekts 101<br />

2.1.2 Abstand des Kollisionsobjekts vom Strassenrand 102<br />

2.1.3 Neigung der Böschung 103<br />

2.1.4 Schlussfolgerungen 104<br />

2.2 Strassenart 106<br />

2.2.1 Einleitung 106<br />

2.2.2 Kollision mit entgegenkommenden Fahrzeugen 107<br />

2.2.3 Kollision mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn 109<br />

2.2.4 Schlussfolgerung 110<br />

2.3 Personenart 110<br />

2.4 Unfallstelle 111<br />

2.4.1 Kurven 111<br />

2.4.2 Gerade Strecke 112<br />

2.4.3 Knoten 112<br />

2.5 Vortrittsregelung 113<br />

2.5.1 Fussgänger 115<br />

2.5.2 Bahnübergänge 115<br />

2.5.3 Baustellen 115<br />

2.6 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit 116<br />

2.7 Künstliche Beleuchtung 117<br />

2.8 Grossregion 118<br />

2.9 Uhrzeit 118<br />

2.9.1 Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen 119<br />

2.9.2 Kollision mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn 119<br />

10 Inhalt bfu-Report Nr. 61


2.9.3 Kollision an Knoten 119<br />

2.10 Wochentag 119<br />

2.11 Dauer des Führerausweisbesitzes 120<br />

2.12 Strassenkategorie 120<br />

3. Weitere Präventionsmassnahmen 120<br />

3.1 Safety Audit 120<br />

3.2 Road Safety Inspection 121<br />

3.3 Rüttelstreifen 121<br />

IX. Methodenkritik 123<br />

X. Schlussfolgerungen 126<br />

XI. Anhang 130<br />

1. Umfrage Strassennetz in Schweizer Gemeinden 130<br />

2. Umfrage Rettungswesen 132<br />

Quellenverzeichnis 134<br />

bfu-Reports 137<br />

bfu-Pilotstudien 142<br />

bfu-Report Nr. 61 Inhalt 11


I. Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract<br />

1. <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

In der vorliegenden Studie wurde die Verkehrssicherheit<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> (ohne Autobahnen)<br />

untersucht. Hier geschieht ein grosser Anteil<br />

der Unfälle, die oft auch schwere Folgen<br />

haben. Im Durchschnitt sterben pro Jahr 53 %<br />

aller <strong>auf</strong> Schweizer Strassen getöteten Personen<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong>. Seit 1992 ist eine positive<br />

Entwicklung zu beobachten. Die Anzahl Getöteter<br />

sank von damals 453 <strong>auf</strong> 196 im Jahr 2007.<br />

Dennoch ist und bleibt die Ausserortsstrasse die<br />

gefährlichste Strasse in der Schweiz. Der vorliegende<br />

Bericht will einen Beitrag dazu leisten,<br />

dass die <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> weiter<br />

ansteigt.<br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> sind ein besonderer Strassentyp,<br />

der vielfältige Aufgaben zu erfüllen hat:<br />

Einerseits werden dar<strong>auf</strong> beachtliche Entfernungen<br />

überwunden. Das führt dazu, dass die Geschwindigkeitslimiten<br />

nicht zu tief angesetzt<br />

werden können. Andererseits vermischen sich<br />

die verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen,<br />

die sich hinsichtlich ihrer Geschwindigkeiten und<br />

Massen deutlich unterscheiden. Aus dieser verhältnismässig<br />

grossen Heterogenität des Verkehrsgeschehens<br />

erklärt sich zumindest ein Teil<br />

der Probleme, die <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> bestehen.<br />

In den Jahren 1998 und 1999 setzte die OECD<br />

eine Arbeitsgruppe zum Thema <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong><br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> ein. Daraus resultierte ein<br />

Bericht [1] der sich mit dem Ausmass des Problems<br />

und den möglichen Lösungsansätzen beschäftigte.<br />

In den Mitgliedsländern der OECD<br />

starben damals jährlich <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

rund 75 000 Personen. Der Anteil Getöteter liegt<br />

in den meisten Ländern Mitteleuropas bei rund<br />

50–60 % aller im Verkehr Getöteten. Als wichtigste<br />

Unfallklassen stellten sich die Selbstunfälle,<br />

die Frontalkollisionen und Unfälle an Knoten<br />

(Kreuzungen und Einmündungen) heraus. Ausgehend<br />

von dem Mensch-Maschine-Umwelt-<br />

Modell wurde im Bericht eine ganze Reihe von<br />

möglichen Massnahmen zur Verbesserung der<br />

<strong>Sicherheit</strong> in den Bereichen Strassenbau, Verkehrsüberwachung,<br />

Telematik und Rettungswesen<br />

analysiert.<br />

Die im Folgenden kurz dargestellte Befragung<br />

der Rettungsdienste aus dem Jahr 2000 [2] sollte<br />

einen Beitrag dazu leisten, die Probleme des<br />

Rettungswesens <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> in der<br />

Schweiz zu identifizieren und zu ihrer Lösung<br />

beizutragen.<br />

Die mittlere Zeitdauer vom Eingang des Notrufs<br />

beim Rettungsdienst bis zum Ausrücken des<br />

Rettungsfahrzeugs tagsüber wurde mit etwas<br />

mehr als 3 Minuten angegeben, nachts mit<br />

knapp 6 Minuten. Die Hälfte der Rettungsdienste<br />

rückte mit 2, die andere mit 3 Personen aus.<br />

Bei einer Meldung von schweren Unfällen wird<br />

mit mehr und qualifizierterem Personal ausgerückt.<br />

Die am häufigsten genannten Probleme<br />

waren die Absicherung des Unfallorts und die<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 13


Selbstsicherung des Rettungspersonals, gefolgt<br />

vom Verhalten der Automobilisten als Reaktion<br />

<strong>auf</strong> ein mit Blaulicht fahrendes Rettungsfahrzeug.<br />

Die genaue Identifizierung des Unfallorts<br />

scheint ebenfalls nicht selten ein Problem zu<br />

sein.<br />

Eine wichtige Grundlage für die Bewertung von<br />

strassenbaulichen Massnahmen ist die Kenntnis<br />

der Länge des gesamten <strong>Ausserortsstrassen</strong>netzes.<br />

Diese Information kann bei der<br />

Einschätzung der Kosten einen wichtigen Beitrag<br />

leisten. Das <strong>Ausserortsstrassen</strong>netz befindet sich<br />

zum allergrössten Teil entweder im Besitz der<br />

Kantone oder der Gemeinden. Um die Länge des<br />

Streckennetzes abzuschätzen, wurden diese<br />

dazu befragt. Insgesamt gibt es hochgerechnet<br />

34 000 km <strong>Ausserortsstrassen</strong>, von denen 35 %<br />

in Kantons- und 65 % in Gemeindebesitz sind.<br />

Die Methodik der Hauptstudie bestand darin,<br />

das polizeilich registrierte Unfallgeschehen im<br />

Hinblick <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere auszuwerten.<br />

Dabei wird mittels multipler logistischer<br />

Regression vorhergesagt, ob jemand bei einem<br />

Unfall schwer verletzt oder sogar getötet oder<br />

ob er nur leichte oder gar keine Verletzungen<br />

davontragen wird. Die Prädiktoren aus dem<br />

Unfalldatensatz des Bundesamts für Statistik<br />

(BFS) beziehen sich dabei sowohl <strong>auf</strong> das Ereignis<br />

(den Unfall), das Objekt (das Fahrzeug) als<br />

auch <strong>auf</strong> die in den Unfall verwickelten Personen.<br />

Für die Auswertungen in dieser Studie wurden<br />

die polizeilich registrierten Unfälle vom<br />

01.01.1992 bis 31.12.2003 berücksichtigt. Dies<br />

entspricht einem Betrachtungszeitraum von 12<br />

Jahren. Es wurden insgesamt rund 190 000 Fälle<br />

mit 2500 getöteten Personen analysiert.<br />

In der vorliegenden Arbeit wurden 5 Unfallklassen<br />

analysiert:<br />

1. Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

2. Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn<br />

3. Kollisionen an Knoten (Kreuzungen und Einmündungen)<br />

4. Unfälle ohne Kollisionen<br />

5. Kollisionen mit Fussgängern<br />

Insgesamt können mit dieser Kategorisierung<br />

88 % der getöteten Verkehrsteilnehmer <strong>auf</strong><br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> erfasst werden. Knapp 12 %<br />

der Getöteten sind bei anderen Unfalltypen ums<br />

Leben gekommen. Die 5 Unfallklassen unterscheiden<br />

sich deutlich hinsichtlich der Häufigkeit<br />

und Schwere der Unfälle. Die meisten Getöteten<br />

gibt es bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen, knapp gefolgt von den<br />

Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn.<br />

Die Analyse der Risikofaktoren für die Verletzungsschwere<br />

bei den 5 Unfallklassen <strong>auf</strong> Ausserortstrassen<br />

hat zu einer ganzen Reihe von<br />

signifikanten Resultaten geführt. Ein Teil der<br />

Ergebnisse ist ähnlich für die verschiedenen Unfallklassen,<br />

andere hingegen weichen voneinander<br />

ab. Daraus ergibt sich, dass gewisse Risikofaktoren<br />

unabhängig davon, um welche Unfallklasse<br />

es sich handelt, vermindert werden können.<br />

Es sind dies:<br />

Fortbewegungsmittel<br />

Benutzung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />

Alkoholeinfluss beim Lenker<br />

geltende Höchstgeschwindigkeiten<br />

Strassenzustand<br />

Strassenanlage<br />

14 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


Eigentumsverhältnisse des Fahrzeugs<br />

Alter der beteiligten Personen<br />

Geschlecht der beteiligten Personen<br />

Andere Faktoren sind nur relevant für bestimmte<br />

Unfallklassen. In gewissen Fällen sind sie sogar<br />

Schutz- und nicht Risikofaktor – je nach Unfallklasse.<br />

Dies sind:<br />

Art des Hindernisses<br />

Strassenart<br />

Personenart (Lenker, Beifahrer, Fussgänger)<br />

Unfallstelle<br />

Vortrittsregelung<br />

Signalisierung der Höchstgeschwindigkeit<br />

Künstliche Beleuchtung<br />

Landesregion<br />

Uhrzeit<br />

Wochentag<br />

Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

Strassenkategorie (Eigentumsverhältnis)<br />

Die verschiedenen Risikofaktoren werden hinsichtlich<br />

ihrer Handlungsfelder und Verbesserungsmöglichkeiten<br />

beschrieben:<br />

1. Dass das Motorradfahren gefährlich ist, ist<br />

bekannt und wird auch durch diese Studie<br />

belegt. Hier besteht Handlungsbedarf, zu<br />

dem die bfu mit dem <strong>Sicherheit</strong>sdossier Motorrad<br />

[3] diverse Präventionsmöglichkeiten<br />

<strong>auf</strong>zeigen wird. Bei den Personenwagen findet<br />

eine rasante technische Weiterentwicklung<br />

statt, die auch die Verkehrssicherheit<br />

weiter verbessern wird. Zu nennen ist hier<br />

insbesondere die elektronische Stabilitätskontrolle,<br />

die als beste Verkehrssicherheitsmassnahme<br />

seit Einführung des <strong>Sicherheit</strong>sgurts<br />

gilt.<br />

2. Die Benutzung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />

leistet einen wichtigen Beitrag zur Verminde-<br />

rung der Verletzungsschwere und sollte auch<br />

zukünftig gefördert werden. Beispielhaft soll<br />

dazu die durch den Fonds für Verkehrssicherheit<br />

(FVS) finanziell geförderte <strong>Sicherheit</strong>sgurtkampagne<br />

«Ein Band fürs Leben»<br />

genannt werden.<br />

3. Bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn hat die Art des Hindernisses<br />

grossen Einfluss <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere.<br />

Bäume sind die gefährlichsten und<br />

häufigsten Hindernisse. Es besteht dringender<br />

Bedarf nach hindernisfreien Räumen am<br />

Strassenrand, nach einer geringen Böschungsneigung<br />

von höchstens 1:4 oder<br />

nach Leitschrankensystemen, die vor Hindernissen<br />

schützen.<br />

4. Der Konsum von Alkohol wirkt sich nicht nur<br />

negativ <strong>auf</strong> die Unfallwahrscheinlichkeit,<br />

sondern auch <strong>auf</strong> die Schwere von Verletzungen<br />

aus. Auch diesem Problem ist grosse<br />

Aufmerksamkeit zu widmen. Anzustreben<br />

sind dabei vor allem vermehrte Polizeikontrollen<br />

und ein Alkoholverbot für Neulenker.<br />

5. Als ein wichtiger Risikofaktor für die Verletzungsschwere<br />

erwies sich die Grossregion, in<br />

der sich der Unfall ereignete. Allerdings handelte<br />

es sich nicht für alle Unfallklassen um<br />

dieselben Regionen. Hier besteht noch weiterer<br />

Forschungs- und Klärungsbedarf.<br />

6. Mit zunehmendem Alter der in Unfälle verwickelten<br />

Personen steigt die Wahrscheinlichkeit<br />

von schweren Verletzungen an. Dies<br />

dürfte <strong>auf</strong> die mit dem Alter zunehmende<br />

Verletzlichkeit des menschlichen Körpers zurückzuführen<br />

sein. Dagegen lässt sich leider<br />

nicht viel tun. Allerdings wäre es für die älteren<br />

Benutzer vorteilhafter, wenn sie Fahrzeuge<br />

mit den neuesten <strong>Sicherheit</strong>stechnologien<br />

lenken würden. Dies könnte ihre körperlichen<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 15


Schwächen noch am ehesten kompensieren.<br />

7. Frauen haben eine grössere Wahrscheinlich-<br />

keit als Männer, schwere Verletzungen zu erleiden.<br />

Ihr Risiko, als Lenkerinnen in einen<br />

Unfall verwickelt zu werden, ist – bezogen<br />

<strong>auf</strong> die Fahrleistungen – in etwa gleich gross<br />

wie jenes der Männer. Allerdings ist die<br />

Wahrscheinlichkeit, dass der Unfall eines Autofahrers<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> tödlich endet,<br />

erheblich grösser als der Unfall einer Autofahrerin.<br />

Mehr Frauen am Steuer statt <strong>auf</strong><br />

dem Beifahrersitz und mehr Männer <strong>auf</strong> dem<br />

Beifahrersitz statt am Steuer würden einen<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgewinn bringen.<br />

8. Die Strassenart erwies sich von unterschiedlicher<br />

Bedeutung für die Unfallklassen. Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

haben <strong>auf</strong> Autostrassen bedeutend schwerere<br />

Folgen als <strong>auf</strong> den anderen Strassenarten.<br />

Deswegen werden hier und <strong>auf</strong> stark frequentierten<br />

Hauptstrassen (DTV >10 000)<br />

durchgängig Mittelleitplanken gefordert. Auf<br />

Haupt- und Nebenstrassen hingegen ist die<br />

Wahrscheinlichkeit, schwere Verletzungen zu<br />

erleiden, bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn besonders<br />

gross. Daher werden für diese Strassen<br />

6 Meter hindernisfreie Räume oder ersatzweise<br />

Leitschrankensysteme gefordert (siehe<br />

auch Punkt 3).<br />

9. Fussgänger haben bei weitem das grösste<br />

Risiko, bei einem Unfall <strong>auf</strong> einer Ausserortsstrasse<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden.<br />

Dies ist bei Unfällen mit so hohen Geschwindigkeiten<br />

auch kaum anders zu erwarten.<br />

Eine weitestgehende zeitliche und/oder<br />

räumliche Trennung ist hier notwendig. Aber<br />

auch für die Beifahrer vorne besteht ein erhöhtes<br />

Risiko. Sicherer wären sie <strong>auf</strong> den<br />

Rücksitzen – aber nur, wenn dort auch der<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurt immer benutzt würde. Dies ist<br />

allerdings bis anhin nicht der Fall.<br />

10. Hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit schwerer<br />

Verletzungen unterscheiden sich gerade Strecken<br />

und Kurven bei den verschiedenen Unfallklassen<br />

nicht (mit einer Ausnahme). Die<br />

Folgen von Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen sind jedoch in Kurven<br />

etwas weniger schwer als <strong>auf</strong> geraden Strecken.<br />

In Kurven ereignen sich allerdings gesamthaft<br />

wesentlich mehr Unfälle mit Getöteten.<br />

Grosse Kurvenradien, befestigte breite<br />

Bankette und eine grosse Strassenbreite sind<br />

wichtige Faktoren für sichere Kurven. Einige<br />

Änderungen in den Schweizer Strassenbaunormen<br />

sind dafür notwendig und sinnvoll.<br />

11. Die Geschwindigkeit beim Unfall ist einer der<br />

entscheidenden Faktoren für die Unfallschwere.<br />

Auch wenn in der Schweiz <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

keine generell tiefere Geschwindigkeitslimite<br />

geplant ist, so sollte sie<br />

doch <strong>auf</strong> nachweislich gefährlichen Strecken<br />

abschnittsweise herabgesetzt werden.<br />

12. Die Resultate bezüglich des Strassenzustands<br />

erwiesen sich als etwas kontraintuitiv:<br />

Schwierigere Strassenverhältnisse wie Nässe<br />

und insbesondere Schnee gehen mit einer<br />

geringeren Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

einher.<br />

13. Die Längsneigung der Strasse – egal ob Steigung<br />

oder Gefälle – führt zu Unfällen von<br />

eher geringerer Schwere als ebene Strassen.<br />

Die mutmasslich an den Unfällen schuldigen<br />

Personen scheinen allerdings häufiger bergab<br />

als berg<strong>auf</strong> zu fahren. Daher werden für<br />

problematische Gefällstrecken niedrigere<br />

Höchstgeschwindigkeiten vorgeschlagen.<br />

14. Die Analysen der Vortrittsregelungen führen<br />

16 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


zu wenig einheitlichen Resultaten. Am gefährlichsten<br />

(aber auch selten) sind Tramoder<br />

Bahnvortritt. Lichtsignalanlagen sind je<br />

nach Unfallklasse mehr oder weniger sicher.<br />

15. Uneinheitliche Ergebnisse gibt es auch für die<br />

Signalisation der Höchstgeschwindigkeit.<br />

Auch hier gibt es positive wie negative Resultate<br />

je nach Unfallklasse.<br />

16. Die Resultate hinsichtlich der Verletzungsschwere<br />

nach Uhrzeit sind auch nicht eindeutig.<br />

Es leuchtet ein, dass sich Unfälle mit<br />

mindestens 2 Unfallgegnern nachts eher selten<br />

ereignen, da dann der Verkehr weniger<br />

intensiv ist.<br />

17. Die Resultate betreffend die künstliche Beleuchtung<br />

sind nicht ganz einheitlich. Diese<br />

hat bei den meisten Unfallklassen einen sicherheitsfördernden<br />

Effekt (geringere Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen).<br />

18. An Wochenenden ereignen sich vermehrt<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen.<br />

Die Wahrscheinlichkeit schwerer<br />

Verletzungen ist allerdings unter der Woche<br />

grösser. Als Gegenmassnahmen sind hier<br />

insbesondere vermehrte Polizeikontrollen der<br />

wichtigsten Risikofaktoren Geschwindigkeit,<br />

Alkohol und <strong>Sicherheit</strong>sgurtbenützung zu<br />

erwähnen. Wichtig wären diese vor allem<br />

tagsüber und abends, da dann wegen des<br />

grösseren Verkehrs<strong>auf</strong>kommens Kollisionen<br />

mit anderen Fahrzeugen wahrscheinlicher<br />

sind.<br />

19. Eine Rolle im Unfallgeschehen spielt auch,<br />

wer der Eigentümer des Fahrzeugs ist. Das<br />

Benützen von fremden Fahrzeugen (Mietwagen,<br />

Firmenwagen) geht mit einer geringeren<br />

Unfallschwere einher und sollte deshalb gefördert<br />

werden. Angesichts eines Kundenstamms<br />

von beispielsweise 80 000 Mitglie-<br />

dern bei Mobility [4] ist jedoch bei Massnahmen<br />

in diesem Bereich nicht mit einem grossen<br />

Effekt <strong>auf</strong> die Verkehrssicherheit zu rechnen.<br />

Die weitaus meisten Fahrzeuge werden<br />

weiterhin in Privatbesitz bleiben.<br />

20. Die Dauer des Führerausweisbesitzes von 3<br />

und weniger Jahren erhöht bei Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen das<br />

Risiko einer schweren Verletzung. Für Neulenker<br />

während der Periode des Führerscheins<br />

<strong>auf</strong> Probe wäre ein Überholverbot <strong>auf</strong><br />

Strassen ohne bauliche Fahrtrichtungstrennung<br />

zumindest diskussionswürdig.<br />

21. Die Strassenkategorie (Eigentumsverhältnisse<br />

der Strasse) spielte einzig beim Unfalltyp<br />

«Kollision mit entgegenkommenden Fahrzeugen»<br />

eine Rolle. Verkehrsteilnehmer <strong>auf</strong><br />

Nationalstrassen (und marginal Kantonsstrassen)<br />

weisen ein höheres Risiko <strong>auf</strong>, schwere<br />

Verletzungen zu erleiden, als <strong>auf</strong> Gemeindestrassen.<br />

Bund und Kantone sind hier also<br />

hinsichtlich der Finanzierung der notwendigen<br />

Infrastrukturmassnahmen stärker gefordert<br />

als die Gemeinden.<br />

Weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der<br />

Verkehrssicherheit, die sich nicht zwingend aus<br />

dem Unfallgeschehen ergeben, aber dennoch<br />

ein erhebliches Potenzial für die Prävention haben,<br />

sind Safety Audits für Strassenneubauten<br />

sowie Road Safety Inspections für bestehende<br />

Strassen. Insbesondere letzteren dürfte eine<br />

erhebliche Bedeutung für die Verkehrssicherheit<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> zukommen.<br />

Eine Massnahme, die den Autofahrern generell<br />

helfen kann, <strong>auf</strong> der Fahrbahn und in der richtigen<br />

Spur zu bleiben, sind die sogenannten Rüttelstreifen.<br />

Leider verursachen sie Lärm und kön-<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 17


nen daher nur in ausreichendem Abstand zu<br />

Wohngebieten eingesetzt werden.<br />

In der wissenschaftlichen Literatur wird immer<br />

wieder erwähnt, dass sich das Unfallgeschehen<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> ziemlich dispers verteilt,<br />

d. h., dass es wenig lokale Unfallschwerpunkte<br />

gibt, die es sich lohnen würde zu sanieren. Diese<br />

These wurde auch für die Schweiz überprüft und<br />

konnte – mit wenigen Ausnahmen – bestätigt<br />

werden. Die Unfälle ereignen sich tatsächlich<br />

zumeist über das gesamte <strong>Ausserortsstrassen</strong>netz<br />

verteilt. Dies muss bei der Planung von<br />

Interventionen berücksichtigt werden.<br />

18 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


2. Sécurité des routes hors localité<br />

La présente étude a pour objet la sécurité des<br />

routes hors localité en Suisse (sans les autoroutes).<br />

Une grande partie des accidents, aux<br />

conséquences souvent graves, s’y produit. On y<br />

recense en moyenne 53% de l’ensemble des<br />

tués sur les routes suisses chaque année. Une<br />

évolution positive se dessine toutefois: le nombre<br />

de tués y est passé de 453 en 1992 à 196 en<br />

2007. Ces routes restent cependant les plus<br />

dangereuses de Suisse. C’est pourquoi le présent<br />

rapport veut contribuer à y faire progresser encore<br />

davantage la sécurité.<br />

Les routes hors localité sont des routes d’un type<br />

particulier, qui doivent remplir différentes fonctions.<br />

D’une part, on y parcourt des distances<br />

considérables, si bien que les limitations de vitesse<br />

ne peuvent pas être trop basses. D’autre part,<br />

il y a une mixité des usagers, qui diffèrent sensiblement<br />

en termes de vitesse et de masse. Cette<br />

hétérogénéité relativement importante du trafic<br />

explique au moins en partie les problèmes.<br />

En 1998 et 1999, un groupe de travail de<br />

l’OCDE s’est penché sur la sécurité des routes<br />

hors localité. Il a rédigé un rapport [1] sur<br />

l’ampleur du problème et ses solutions potentielles.<br />

A cette époque, quelque 75 000 personnes<br />

mouraient chaque année sur les routes hors<br />

localité dans les Etats membres de l’OCDE. Dans<br />

la plupart des pays européens, les tués sur ce<br />

type de routes représentent 50 à 60% de<br />

l’ensemble des victimes de la route. Les principales<br />

catégories d’accidents sont les pertes de maîtrise,<br />

les collisions frontales et les accidents aux<br />

nœuds (intersections et débouchés). Sur la base<br />

du modèle être humain-machine-environne-<br />

ment, le rapport analyse toute une série de mesures<br />

destinées à améliorer la sécurité dans les<br />

domaines suivants: infrastructure routière, surveillance<br />

du trafic, télématique et secours.<br />

Une enquête réalisée en 2000 auprès des services<br />

de secours [2], dont les résultats sont présentés<br />

brièvement ci-dessous, s’est donné pour<br />

objectif d’identifier les problèmes des secours sur<br />

les routes hors localité en Suisse et d’y apporter<br />

des solutions.<br />

Le temps moyen qui s’écoule entre la réception<br />

d’un appel d’urgence et le départ du véhicule de<br />

secours est d’un peu plus de 3 minutes le jour et<br />

de près de 6 minutes la nuit. La moitié des services<br />

d’urgence interviennent à deux, l’autre moitié<br />

à trois. Un personnel plus nombreux et plus<br />

qualifié intervient en cas d’accident grave. Les<br />

problèmes les plus fréquemment évoqués sont la<br />

sécurisation du lieu de l’accident et des secours,<br />

suivie du comportement des automobilistes face<br />

à un véhicule de secours circulant feu bleu allumé.<br />

L’identification précise du lieu de l’accident<br />

semble aussi être un problème courant.<br />

Pour évaluer les mesures relatives à<br />

l’infrastructure routière, il est important de<br />

connaître la longueur du réseau routier hors<br />

localité en vue de l’estimation des coûts. Le réseau<br />

hors localité est en grande partie la propriété<br />

des cantons et des communes. Aussi, ceux-ci<br />

ont été soumis à une enquête afin de déterminer<br />

sa longueur. Elle a livré le chiffre total de<br />

34 000 km (extrapolation), dont 35% aux mains<br />

des cantons et 65% en possession des communes<br />

.<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 19


Pour les besoins de l’étude principale, on a analysé<br />

les accidents enregistrés par la police dans<br />

l’optique de la gravité des blessures. Il s’agissait<br />

de prédire au moyen d’une régression logistique<br />

multiple si un accidenté est susceptible de s’en<br />

tirer avec des blessures graves, mortelles ou<br />

seulement légères, voire sans blessures. Les prédicteurs<br />

des données d’accidents de l’Office<br />

fédéral de la statistique (OFS) se rapportent à<br />

l’événement (accident), à l’objet (véhicule) et aux<br />

personnes impliquées dans l’accident. Dans le<br />

cadre de la présente étude, on a considéré les<br />

accidents enregistrés par la police entre le<br />

01.1.1992 et le 31.12.2003 (période<br />

d’observation de 12 ans). Quelque 190 000 cas<br />

qui ont fait 2500 tués ont été examinés.<br />

Cinq catégories d’accidents ont été analysées:<br />

1. collisions avec des véhicules circulant en sens<br />

inverse<br />

2. collisions avec des obstacles fixes hors de la<br />

chaussée<br />

3. collisions aux nœuds (intersections et débouchés)<br />

4. accidents sans collision<br />

5. collisions avec des piétons<br />

Elles permettent de couvrir 88% des usagers<br />

tués sur les routes hors localité. Les 12% restants<br />

ont quant à eux perdu la vie dans d’autres<br />

types d’accidents. Les cinq catégories diffèrent<br />

sensiblement en termes de fréquence et de gravité.<br />

Les collisions avec des véhicules roulant en<br />

sens inverse occasionnent la plupart des tués,<br />

suivies de près par les collisions avec des obstacles<br />

fixes hors de la chaussée.<br />

L’analyse des facteurs de risque de la gravité des<br />

blessures a livré toute une série de résultats si-<br />

gnificatifs. Certains d’entre eux sont similaires<br />

pour toutes les catégories d’accidents, d’autres<br />

non. Par conséquent, il est possible d’agir sur<br />

certains facteurs de risque indépendamment de<br />

la catégorie d’accidents. Ces facteurs sont:<br />

le moyen de locomotion<br />

le port de la ceinture de sécurité ou du casque<br />

l’influence de l’alcool sur le conducteur<br />

la limitation de vitesse en vigueur<br />

l’état de la chaussée<br />

l’infrastructure routière<br />

le propriétaire du véhicule<br />

l’âge des personnes impliquées<br />

le sexe des personnes impliquées<br />

D’autres facteurs de risque sont significatifs seulement<br />

pour certaines catégories d’accidents.<br />

Parfois, ils peuvent même être simultanément un<br />

facteur de risque et un facteur de protection. Il<br />

s’agit de:<br />

nature de l’obstacle<br />

genre de route<br />

type d’usager (conducteur, passager, piéton)<br />

lieu de l’accident<br />

priorités<br />

signalisation de la limitation de vitesse<br />

éclairage artificiel<br />

région<br />

heure<br />

jour de la semaine<br />

temps de possession du permis de conduire<br />

catégorie de route (définie selon le propriétaire<br />

de celle-ci)<br />

Les différents facteurs de risque sont décrits ici<br />

dans l’optique des interventions et améliorations<br />

possibles:<br />

20 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


1. C’est un fait établi et corroboré par la présente<br />

étude qu’il est dangereux de se déplacer<br />

à moto. Des mesures s’imposent dans ce<br />

domaine. Le bpa dégagera diverses possibilités<br />

de prévention dans son dossier de sécurité<br />

consacré au trafic motocycliste [3]. Pour ce<br />

qui est des voitures de tourisme, l’industrie<br />

automobile connaît des progrès techniques<br />

fulgurants, qui continueront à faire progresser<br />

la sécurité routière. Il s’agit en particulier<br />

du contrôle électronique de stabilité (ESC),<br />

qui est certainement la meilleure mesure de<br />

sécurité routière depuis l’introduction de la<br />

ceinture de sécurité.<br />

2. Le port de la ceinture de sécurité ou du casque<br />

contribue grandement à réduire la gravité<br />

des blessures et devrait aussi être encouragé<br />

à l’avenir. La campagne «Attaché à la<br />

vie», financée par le Fonds de sécurité routière<br />

(FSR), est exemplaire à cet égard.<br />

3. Pour ce qui est des collisions avec des obstacles<br />

fixes hors de la chaussée, la nature de<br />

l’obstacle a une grande influence sur la gravité<br />

des blessures. Les arbres sont les obstacles<br />

les plus fréquents et les plus dangereux. Mesures<br />

urgentes: bordures de chaussée libres<br />

d’obstacles, talus à faible pente (au maximum<br />

1:4) ou glissières de sécurité latérales.<br />

4. La consommation d’alcool augmente non<br />

seulement le risque d’accident, mais aussi la<br />

gravité des blessures. Ce problème doit donc<br />

aussi faire l’objet d’une attention particulière.<br />

Il s’agit notamment d’intensifier les contrôles<br />

de police et d’interdire la consommation<br />

d’alcool aux conducteurs novices.<br />

5. La grande région où l’accident se produit<br />

s’est révélée être un important facteur de risque<br />

pour la gravité des blessures. Toutefois,<br />

les régions concernées varient selon la caté-<br />

gorie d’accidents. Ce point nécessite un travail<br />

de recherche et de clarification plus approfondi.<br />

6. Le risque de blessures graves augmente avec<br />

l’âge des personnes impliquées dans<br />

l’accident, ce qui s’explique vraisemblablement<br />

par une plus grande vulnérabilité physique.<br />

On est malheureusement assez impuissant<br />

face à ce problème. Toutefois, il serait<br />

profitable aux usagers âgés de conduire des<br />

véhicules équipés des dernières technologies<br />

de sécurité, qui sont le mieux à même de<br />

compenser les faiblesses physiques.<br />

7. Le risque de subir des blessures graves est<br />

plus important chez les femmes que chez les<br />

hommes. Les femmes ont une probabilité,<br />

corrigée suivant le nombre de kilomètres parcourus,<br />

à peu près identique à celle des<br />

hommes d’être impliquées dans un accident<br />

comme conductrices. Toutefois, la probabilité<br />

qu’un accident sur une route hors localité<br />

soit mortel est considérablement plus élevé<br />

pour les automobilistes de sexe masculin que<br />

féminin. Un gain de sécurité pourrait être obtenu<br />

si les femmes prenaient davantage le<br />

volant au lieu d’être assises sur le siège passager,<br />

et inversement pour les hommes.<br />

8. Le genre de route s’est révélé plus ou moins<br />

significatif selon la catégorie d’accidents. Les<br />

collisions avec des véhicules circulant en sens<br />

inverse sont bien plus lourdes de conséquences<br />

sur les semi-autoroutes que sur les autres<br />

genres de routes. C’est pourquoi des glissières<br />

de sécurité centrales devraient y être mises<br />

en place en continu, de même que sur les<br />

routes principales très fréquentées<br />

(TJM >10 000). Le risque de subir des blessures<br />

graves est, sur les routes principales et secondaires,<br />

particulièrement important en cas<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 21


de collision avec des obstacles fixes hors de la<br />

chaussée. Par conséquent, des bordures de<br />

chaussée libres d’obstacles sur une largeur de<br />

6 m ou, à défaut, des glissières de sécurité latérales<br />

sont réclamées pour ces genres de<br />

routes (voir aussi le point 3).<br />

9. Les piétons ont de loin le plus grand risque<br />

d’être grièvement blessés ou tués dans un<br />

accident sur une route hors localité, ce qui<br />

était prévisible compte tenu des vitesses élevées<br />

enregistrées dans ces accidents. Une séparation<br />

temporelle et/ou spatiale des trafics<br />

est ici nécessaire. Le surrisque existe aussi<br />

pour les passagers avant. Ils seraient plus en<br />

sécurité à l’arrière, à condition toutefois d’y<br />

boucler la ceinture, ce qui n’est souvent pas<br />

le cas actuellement.<br />

10. Si l’on considère le risque de blessures graves,<br />

on n’observe pas de différences entre les<br />

tronçons droits et les virages pour les différentes<br />

catégories d’accidents (à une exception<br />

près). Les conséquences des collisions<br />

avec des véhicules circulant en sens inverse<br />

sont néanmoins quelque peu moins lourdes<br />

dans les virages que sur les tronçons droits.<br />

Cependant, il se produit globalement bien<br />

plus d’accidents mortels dans les virages. Un<br />

grand rayon de courbure, des accotements<br />

larges et stabilisés ainsi qu’une surlargeur de<br />

chaussée sont essentiels à la sécurité des virages,<br />

rendant nécessaires et pertinentes certaines<br />

modifications des normes suisses en<br />

matière de construction routière.<br />

11. La vitesse lors de l’accident est un des facteurs<br />

décisifs pour la gravité de celui-ci. Même<br />

s’il n’est pas prévu d’abaisser la limitation<br />

générale de vitesse sur les routes hors localité<br />

en Suisse, il faudrait au moins le faire sur les<br />

tronçons réputés dangereux.<br />

12. Les résultats de l’analyse de l’état de la<br />

chaussée vont quelque peu à l’encontre des<br />

intuitions: des conditions routières plus difficiles<br />

(chaussée mouillée et, en particulier, enneigée)<br />

se traduisent par un risque plus faible<br />

de blessures graves.<br />

13. Les routes présentant une déclivité (peu importe<br />

que ce soit une pente ou une rampe)<br />

donnent lieu à des accidents plutôt moins<br />

graves que les routes planes. Les responsables<br />

présumés des accidents semblent toutefois<br />

rouler plus souvent en descente qu’en<br />

montée. C’est pourquoi il est proposé<br />

d’abaisser la limitation de vitesse sur les tronçons<br />

problématiques.<br />

14. L’analyse des priorités a livré des résultats<br />

peu homogènes. Les situations où le chemin<br />

de fer ou le tram sont prioritaires sont les<br />

plus dangereuses (mais elles sont aussi peu<br />

courantes). Les feux de circulation sont plus<br />

ou moins sûrs suivant la catégorie<br />

d’accidents.<br />

15. Des résultats hétérogènes, positifs ou négatifs<br />

selon la catégorie d’accidents, ont aussi<br />

été obtenus pour la signalisation de la limitation<br />

de vitesse.<br />

16. De même, la gravité des blessures en fonction<br />

de l’heure n’est pas uniforme. Il apparaît<br />

que les accidents avec au moins deux usagers<br />

antagonistes se produisent plutôt rarement la<br />

nuit, car le trafic est moins intense.<br />

17. Les résultats concernant l’éclairage artificiel<br />

ne sont pas homogènes. Celui-ci a un effet<br />

positif sur la sécurité pour la plupart des catégories<br />

d’accidents (risque plus faible de subir<br />

des blessures graves).<br />

18. Les collisions avec des véhicules circulant en<br />

sens inverse sont plus nombreuses le weekend.<br />

Cependant, le risque de blessures graves<br />

22 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


est plus important en semaine. Parmi les me-<br />

sures visant à lutter contre ce problème, on<br />

peut citer en particulier le renforcement des<br />

contrôles de police pour les principaux facteurs<br />

de risque (vitesse, alcool et port de la<br />

ceinture de sécurité). Les contrôles sont surtout<br />

importants la journée et en soirée, car<br />

les collisions avec d’autres véhicules sont plus<br />

probables du fait d’une plus grande densité<br />

du trafic.<br />

19. Le propriétaire du véhicule joue aussi un rôle<br />

dans l’accidentalité. Les blessures sont moins<br />

graves en cas d’utilisation d’un véhicule appartenant<br />

à un tiers (voiture de location, véhicule<br />

professionnel), si bien que cette mesure<br />

est à encourager. Toutefois, étant donné<br />

que Mobility, p. ex., compte<br />

80 000 membres [4], les effets que l’on peut<br />

escompter sur la sécurité routière sont limités<br />

dans ce domaine. Les véhicules privés demeureront<br />

la grande majorité.<br />

20. En cas de possession du permis de conduire<br />

depuis moins de trois ans, le risque de blessures<br />

graves augmente pour les collisions avec<br />

des véhicules roulant en sens inverse.<br />

L’interdiction de dépasser sur les routes sans<br />

séparation constructive des sens de circulation<br />

mérite au moins d’être discutée pour les<br />

conducteurs novices en période probatoire.<br />

21. La catégorie de route (définie selon le propriétaire<br />

de celle-ci) est significative uniquement<br />

pour le type d’accidents «collision avec<br />

des véhicules circulant en sens inverse». Les<br />

usagers des routes nationales (et plus marginalement<br />

des routes cantonales) présentent<br />

un risque de blessures graves plus important<br />

que ceux de routes communales. De ce fait,<br />

la Confédération et les cantons sont davantage<br />

concernés que les communes par le fi-<br />

nancement des mesures nécessaires au niveau<br />

de l’infrastructure.<br />

D’autres possibilités d’amélioration de la sécurité<br />

routière, qui ne découlent pas nécessairement<br />

de l’accidentalité mais présentent néanmoins un<br />

fort potentiel de prévention, sont les safety audits<br />

pour les nouvelles constructions routières et<br />

les road safety inspections pour les constructions<br />

existantes. Les secondes en particulier sont d’une<br />

importance capitale pour la sécurité des routes<br />

hors localité.<br />

Une mesure générale visant à aider les automobilistes<br />

à rester sur la chaussée et dans la bonne<br />

voie sont les bandes sonores. Bruyantes, elles ne<br />

peuvent être mises en place qu’à une distance<br />

appropriée des habitations.<br />

La littérature scientifique mentionne souvent que<br />

les accidents sur les routes hors localité présentent<br />

une distribution relativement dispersée. En<br />

d’autres termes, les points noirs locaux qui mériteraient<br />

de faire l’objet d’un assainissement sont<br />

peu nombreux. Cette thèse a pu être vérifiée<br />

pour la Suisse à quelques exceptions près. Les<br />

accidents se répartissent en effet le plus souvent<br />

sur l’ensemble du réseau hors localité. Cet élément<br />

est aussi à prendre en compte lors de la<br />

planification des interventions.<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 23


3. Sicurezza sulle strade extraurbane<br />

Nel presente studio è stata analizzata la sicurezza<br />

sulle strade extraurbane (escluse le autostrade).<br />

Su questo tipo di strada si verifica gran parte<br />

degli incidenti che spesso comportano anche<br />

conseguenze gravi. Ogni anno mediamente il<br />

53% di tutte le persone morte sulle strade svizzere<br />

perde la vita su una strada extraurbana. Dal<br />

1992 si osserva un andamento positivo. Il numero<br />

dei morti è sceso dagli allora 453 a 196 nel<br />

2007. Tuttavia la strada extraurbana è e resta la<br />

strada più pericolosa in Svizzera. Il presente rapporto<br />

vuole contribuire a un ulteriore incremento<br />

della sicurezza sulle strade extraurbane.<br />

La strada extraurbana è un tipo di strada particolare<br />

con caratteristiche eterogenee: 1) si percorrono<br />

notevoli distanze con la conseguenza che i<br />

limiti di velocità non possono essere troppo bassi;<br />

2) presenta un quadro di gruppi di utenti<br />

composito che si differenziano tra loro in modo<br />

nitido dal punto di vista della velocità e della<br />

massa. Questa eterogeneità del traffico relativamente<br />

elevata spiega almeno una parte dei problemi<br />

esistenti sulle strade extraurbane.<br />

Nel 1998 e nel 1999 l'OCSE ha affidato a un<br />

gruppo di lavoro uno studio relativo alla sicurezza<br />

sulle strade extraurbane. Da questo è scaturito<br />

un rapporto [1] che ha analizzato l'entità del<br />

problema e proposto delle possibili soluzioni.<br />

Sulle strade extraurbane dei Paesi membri<br />

dell'OCSE morirono in quegli anni approssimativamente<br />

75 000 persone. Nella maggior parte<br />

dei paesi europei la percentuale dei morti oscilla<br />

tra il 50 e il 60% di tutte le persone decedute<br />

nella circolazione stradale. Le categorie d'incidente<br />

principali sono: gli incidenti senza coinvol-<br />

gimento di terzi, le collisioni frontali, gli incidenti<br />

alle intersezioni (incroci e imbocchi). In base al<br />

modello essere umano-macchina-ambiente nello<br />

studio è stata analizzata tutta una serie di misure<br />

possibili per migliorare la sicurezza negli ambiti<br />

della costruzione delle strade, della sorveglianza<br />

delle strade, della telematica e dell'emergenza<br />

sanitaria.<br />

L'intervista effettuata nel 2000 tra i servizi di<br />

emergenza sanitaria [2] e presentata brevemente<br />

di seguito vuole contribuire a identificare e a<br />

risolvere i problemi esistenti nell'emergenza<br />

sanitaria sulle strade extraurbane svizzere.<br />

È stato indicato che tra il ricevimento della chia-<br />

mata di soccorso e l'uscita dell'autolettiga di<br />

giorno passano poco più di 3 minuti, di notte<br />

quasi 6 minuti. La metà dei servizi di emergenza<br />

sanitaria è intervenuta con due persone, l'altra<br />

metà con tre persone. In caso di incidente grave<br />

si interviene con un maggiore numero di personale<br />

che è anche più qualificato. I problemi<br />

maggiormente indicati erano la sicurezza del<br />

luogo d'incidente e la sicurezza del personale di<br />

pronto soccorso, seguiti dal comportamento<br />

degli automobilisti che reagivano alla luce intermittente<br />

del veicolo di pronto soccorso. Inoltre,<br />

anche l'identificazione precisa del luogo dell'incidente<br />

sembra essere un problema non raro.<br />

Per poter valutare le misure architettoniche sulle<br />

strade extraurbane è fondamentale conoscere la<br />

lunghezza dell'intera rete di questo tipo di strada.<br />

Questa informazione può apportare un notevole<br />

contributo nella valutazione dei costi. La<br />

rete delle strade extraurbane è nella stragrande<br />

maggioranza dei casi in possesso dei cantoni o<br />

dei comuni. Per poter stimare la lunghezza della<br />

24 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


ete stradale questi sono stati intervistati in ma-<br />

teria. Da una proiezione sono risultati complessivamente<br />

34 000 km di strade extraurbane di cui<br />

il 35% è in possesso dei cantoni e il 65% dei<br />

comuni.<br />

La metodica dello studio principale consisteva<br />

nella valutazione dell'incidentalità rilevata dalla<br />

polizia in base alla gravità delle ferite. Mediante<br />

la regressione multipla logistica si predice se una<br />

persona in un incidente riporterà ferite gravi o se<br />

perderà la vita oppure se riporterà solo ferite<br />

leggere o se ne uscirà persino incolume. I predittori<br />

della serie di dati degli incidenti pubblicati<br />

dall'Ufficio federale di statistica (UST) sono riferiti<br />

all'avvenimento (l'incidente), all'oggetto (il veicolo)<br />

e alle persone coinvolte nell'incidente. In<br />

questo studio, per la valutazione si è tenuto<br />

conto degli incidenti rilevati dalla polizia tra il<br />

01.01.1992 e il 31.12.2003. Questo corrisponde<br />

a un periodo di analisi di 12 anni. In totale sono<br />

stati analizzati circa 190 000 casi con 2500 persone<br />

morte.<br />

Nel presente lavoro sono state analizzate 5 categorie<br />

d'incidente:<br />

1. scontro frontale<br />

2. collisione con ostacolo fisso posto al margine<br />

della carreggiata<br />

3. collisione presso un'intersezione (incroci e<br />

imbocchi)<br />

4. incidente senza collisione<br />

5. collsione con pedone<br />

Questa classificazione permette di rilevare complessivamente<br />

l'88% degli utenti della strada<br />

morti sulle strade extraurbane. Quasi il 12% dei<br />

morti ha perso la vita in un altro tipo d'incidente.<br />

Le 5 categorie d'incidente presentano una fre-<br />

quenza e gravità degli incidenti notevolmente<br />

differente tra di loro. Gli scontri frontali sono gli<br />

incidenti che comportano il maggior numero di<br />

morti, seguiti immediatamente dalle collisioni<br />

con ostacolo fisso posto al margine della carreggiata.<br />

L'analisi dei fattori di rischio per la gravità delle<br />

ferite nelle 5 categorie d'incidente sulle strade<br />

extraurbane ha prodotto tutta una serie di risultati<br />

significativi. Una parte dei risultati è simile<br />

per le diverse categorie d'incidente, altre invece<br />

divergono tra di loro. A prescindere dalla categoria<br />

d'incidente, alcuni fattori di rischio possono<br />

dunque essere ridotti. In particolare:<br />

il mezzo di locomozione<br />

l'uso di cinture di sicurezza e casco<br />

l'influsso dell'alcol sul conducente<br />

i limiti di velocità vigenti<br />

lo stato della strada<br />

l'impianto stradale<br />

la situazione di proprietà del veicolo<br />

l'età delle persone coinvolte<br />

il sesso delle persone coinvolte<br />

Altri fattori sono rilevanti solo per determinate<br />

categorie d'incidente. In alcuni casi possono<br />

persino essere fattore di rischio e di protezione,<br />

a dipendenza della categoria d'incidente. In<br />

particolare:<br />

il tipo di ostacolo<br />

la strada<br />

l'utente (conducente, passeggero, pedone)<br />

il luogo dell'incidente<br />

il diritto di precedenza<br />

la segnalazione del limite di velocità<br />

l'illuminazione artificiale<br />

la regione<br />

l'ora<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 25


il giorno settimanale<br />

la durata del possesso della licenza di condur-<br />

re<br />

la categoria della strada (situazione di pro-<br />

prietà)<br />

I diversi fattori di rischio vengono descritti in<br />

base ai loro campi d'azione e alle loro possibilità<br />

di miglioramento.<br />

1. È risaputo che andare in moto è pericoloso e<br />

lo dimostra anche questo studio. In questo<br />

caso urgono interventi in forma di misure di<br />

prevenzione che l'upi presentera nel suo dossier<br />

sicurezza dedicato al traffico motociclistico<br />

[3]. Lo sviluppo tecnico incalzante in atto<br />

nella costruzione delle automobili migliorerà<br />

anche la sicurezza stradale. Va citato in particolare<br />

il controllo elettronico della stabilità<br />

che è considerato il miglior provvedimento di<br />

sicurezza dall'introduzione della cintura di sicurezza.<br />

2. L'uso di cintura di sicurezza e casco contribuisce<br />

notevolmente alla riduzione della gravità<br />

delle ferite e andrebbe pertanto promosso<br />

anche in futuro. Come esempio si cita la<br />

campagna per l'uso delle cinture di sicurezza<br />

«Allacciati alla vita» finanziata dal Fondo di<br />

sicurezza stradale (FSS).<br />

3. Nelle collisioni con ostacolo fisso posto al<br />

margine della carreggiata, la gravità di ferita<br />

è influenzata sensibilmente dal tipo di ostacolo.<br />

Quello più pericoloso e più frequente è<br />

l'albero. Urge realizzare spazi liberi da ostacoli<br />

sul margine della strada, scarpate con un<br />

inclinazione di un massimo di 1:4 o barriere<br />

stradali di sicurezza che proteggono dagli ostacoli.<br />

4. Oltre ad avere effetti negativi sulla probabilità<br />

d'incidente, il consumo di alcol incide anche<br />

sulla gravità delle ferite. Anche a questo problema<br />

va dedicata molta attenzione. Va puntato<br />

soprattutto su controlli della polizia più<br />

frequenti e un divieto di bere alcolici per i<br />

neopatentati.<br />

5. Per la gravità delle ferite la grande regione<br />

nella quale si è verificato l'incidente è risultata<br />

un fattore di rischio importante. Tuttavia<br />

non si è trattata della stessa regione per tutte<br />

le categorie d'incidente. Questo punto va<br />

dunque ulteriormente studiato e approfondito.<br />

6. Con la maggiore età delle persone coinvolte<br />

in un incidente aumenta la probabilità che<br />

queste riportino ferite gravi. Questo fatto dovrebbe<br />

essere legato alla maggiore vulnerabilità<br />

del corpo di un anziano. Purtroppo non ci<br />

sono molti rimedi contro questa realtà. In<br />

ogni caso per gli utenti anziani sarebbe più<br />

vantaggioso guidare veicoli dotati delle tecnologie<br />

di sicurezza più moderne. Questo potrebbe<br />

compensare ancora maggiormente le<br />

loro debolezze fisiche.<br />

7. Per le donne la probabilità di riportare ferite<br />

gravi è maggiore rispetto agli uomini. La loro<br />

probabilità di essere coinvolte in un incidente<br />

in qualità di conducente è – rettificato per i<br />

chilometri percorsi – all'incirca identica a<br />

quella degli uomini. Tuttavia la probabilità<br />

che su una strada extraurbana un incidente<br />

con un uomo al volante termini in modo<br />

mortale è notevolmente maggiore rispetto al<br />

caso con una donna alla guida della vettura.<br />

Con più donne al volante invece che sul sedile<br />

del passeggero e più uomini sul sedile del<br />

passeggero invece che al volante risulterebbe<br />

un guadagno in materia di sicurezza.<br />

8. Per le categorie d'incidente il tipo di strada è<br />

risultato di significato differente. Sulle strade<br />

26 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


extraurbane gli scontri frontali comportano<br />

conseguenze notevolmente più gravi rispetto<br />

a quelli sulle altre strade. Per questo motivo si<br />

sollecita che sulle strade extraurbane e sulle<br />

strade principali molto trafficate (TGM<br />

>10 000) vengano ubicati guard-rail continui.<br />

Per contro, sulle strade principali e su quelle<br />

secondarie la probabilità di riportare ferite<br />

gravi in una collisione contro ostacolo fisso<br />

posto al margine della carreggiata è particolarmente<br />

alta. Pertanto, per queste strade si<br />

esigono spazi privi di ostacoli su una larghezza<br />

di 6 metri oppure l'ubicazione di barriere<br />

stradali di sicurezza (vedi anche punto 3).<br />

9. I pedoni presentano il rischio assolutamente<br />

maggiore di riportare ferite gravi o di morire<br />

in un incidente su una strada extraurbana. In<br />

incidenti con velocità talmente elevate ciò è<br />

praticamente inevitabile. In questo caso si<br />

impone una separazione temporale e/o spaziale.<br />

Ma anche i passeggeri anteriori corrono<br />

un maggiore rischio. Sui sedili posteriori sarebbero<br />

più al sicuro, ma solo se anche su<br />

questi posti allacciassero sempre le cinture di<br />

sicurezza. Finora questo però non è il caso.<br />

10. In materia di probabilità di ferite gravi, i rettifili<br />

e le curve non si differenziano nelle diverse<br />

categorie d'incidente (con una eccezione).<br />

Nelle curve, le conseguenze degli scontri<br />

frontali sono tuttavia leggermente meno gravi<br />

rispetto a quelli sui rettifili. Nelle curve però<br />

succedono complessivamente notevolmente<br />

più incidenti con morti. I fattori importanti<br />

per curve sicure sono: ampi raggi, banchine<br />

larghe e rinforzate e la larghezza della strada.<br />

Per poter realizzare tali punti è necessario e<br />

ragionevole modificare in alcuni punti le<br />

norme svizzere relative alla costruzione delle<br />

strade.<br />

11. La velocità portata al momento dell'incidente<br />

costituisce un fattore determinante per la<br />

gravità dell'incidente. Anche se in Svizzera<br />

per le strade extraurbane non sono previsti<br />

limiti di velocità generalmente inferiori, sarebbe<br />

comunque opportuno abbassarla sulle<br />

tratte provatamente pericolose.<br />

12. I risultati relativi allo stato della strada si sono<br />

dimostrati leggermente contraintuitivi: le<br />

condizioni del fondo stradale avverse come il<br />

manto stradale bagnato o, in particolare, coperto<br />

di neve vanno di pari passo con una<br />

minore probabilità di ferite gravi.<br />

13. La pendenza longitudinale della strada –<br />

indipendentemente dal fatto che ne risulti<br />

una salita o una discesa – comporta incidenti<br />

piuttosto più lievi rispetto alle strade piane.<br />

Le persone presunte colpevoli degli incidenti<br />

sembravano tuttavia viaggiare più spesso in<br />

discesa che in salita. Pertanto, per le tratte in<br />

discesa problematiche si propongono limiti di<br />

velocità più bassi.<br />

14. Le analisi dei diritti di precedenza producono<br />

pochi risultati omogenei. Il maggior pericolo<br />

(seppur raro) risulta nelle situazioni in cui<br />

tram o treno hanno la precedenza. Gli impianti<br />

semaforici sono più o meno sicuri a seconda<br />

della categoria d'incidente.<br />

15. Risultati eterogenei emergono anche per la<br />

segnalazione del limite di velocità. Anche in<br />

questo caso si dispone di risultati positivi e<br />

negativi a seconda della categoria d'incidente.<br />

16. Nemmeno i risultati relativi alla gravità delle<br />

ferite a seconda dell'ora sono certi. È evidente<br />

che gli incidenti notturni con almeno 2 utenti<br />

della strada si verificano piuttosto raramente<br />

poiché in quel periodo il traffico è<br />

meno intenso.<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 27


17. I risultati relativi all'illuminazione artificiale<br />

non sono omogenei. Per la maggior parte<br />

delle categorie d'incidente questa ha un effetto<br />

positivo sulla sicurezza (minore probabilità<br />

di ferite gravi).<br />

18. Il fine settimana si verifica un maggior numero<br />

di scontri frontali. Tuttavia, durante i giorni<br />

feriali la probabilità di riportare ferite gravi è<br />

maggiore. La principale misura per affrontare<br />

tale problema è in particolare un più intenso<br />

controllo della polizia dei principali fattori di<br />

rischio quali la velocità, l'alcol e l'uso delle<br />

cinture di sicurezza. Questi controlli sarebbero<br />

importanti in particolare di giorno e la sera<br />

perché durante queste ore la maggiore quantità<br />

del traffico rende più probabile le collisioni<br />

con altri veicoli.<br />

19. Sull'incidentalità incide anche il fattore proprietà.<br />

L'uso di veicoli appartenenti a terzi<br />

(autonoleggio, veicolo aziendale) comporta<br />

una esigua gravità d'incidente e andrebbe<br />

pertanto incentivato. In considerazione di<br />

una clientela di per esempio 80 000 soci della<br />

Mobility [4] in questo ambito tuttavia non c'è<br />

da attendersi un grande effetto sulla sicurezza<br />

stradale. La stragrande maggioranza dei<br />

veicoli resterà anche in futuro di proprietà<br />

privata.<br />

20. Tra i conducenti in possesso della patente da<br />

3 anni o meno aumenta il rischio di ferite<br />

gravi in caso di uno scontro frontale. Per i<br />

neopatentati in possesso della licenza di condurre<br />

in prova sarebbe almeno giustificato discutere<br />

di un divieto di sorpasso sulle strade a<br />

carreggiate non separate da spartitraffico.<br />

21. La categoria della strada (situazione di proprietà)<br />

ha influenzato unicamente la categoria<br />

«scontro frontale». Gli utenti delle strade<br />

nazionali (e marginalmente delle strade can-<br />

tonali) presentano un rischio superiore di riportare<br />

ferite gravi rispetto a quelli delle strade<br />

comunali. Per quanto riguarda il finanziamento<br />

delle misure infrastrutturali necessarie,<br />

la Confederazione e i Cantoni sono dunque<br />

chiamati in causa maggiormente rispetto ai<br />

Comuni.<br />

Ulteriori possibilità per incrementare la sicurezza<br />

stradale non risultanti categoricamente dall'incidentalità,<br />

ma presentano comunque un elevato<br />

potenziale per la prevenzione sono i Safety Audit<br />

per la costruzione di nuove strade e le Road<br />

Safety Inspections per le strade esistenti. In particolare<br />

a queste ultime spetterà un notevole significato<br />

per la sicurezza stradale sulle strade<br />

extraurbane.<br />

Una misura che può essere generalmente utile<br />

agli automobilisti per rimanere nella corsia giusta<br />

della carreggiata è l'uso delle cosiddette bande<br />

rumorose. Purtroppo queste producono dei<br />

rumori e possono pertanto essere usate solo a<br />

debita distanza dalle zone abitate.<br />

Nella letteratura scientifica si continua a ripetere<br />

che l'incidentalità sulle strade extraurbane si<br />

distribuisce in modo alquanto disperso, ovvero<br />

che ci sono pochi punti ad alta incidentalità<br />

locali che potrebbero essere riconfigurati in modo<br />

economico. Questa tesi è stata validata anche<br />

per la Svizzera e ha potuto essere confermata ad<br />

eccezione di pochi casi. Gli incidenti si distribuiscono<br />

effettivamente nella maggior parte dei<br />

casi sull'intera rete delle strade extraurbane.<br />

Questo va preso in considerazione al momento<br />

della pianificazione di un intervento.<br />

28 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


4. Safety on rural roads<br />

This focus of this study was on safety on rural<br />

roads (excluding motorways). A major share of<br />

accidents occur on these roads and frequently<br />

have severe consequences, too. On average,<br />

53% of all fatalities on Swiss roads occur on<br />

rural roads. Since 1992, developments have<br />

been positive. The number of fatalities has fallen<br />

from 453 in that year to 196 in 2007. Nevertheless,<br />

rural roads are and remain the most dangerous<br />

type of road in Switzerland. The purpose<br />

of this report is to contribute towards a continuing<br />

increase in safety on rural roads.<br />

Rural roads are a particular type of road which<br />

has to handle a variety of tasks: On the one<br />

hand, they are used to cover considerable distances.<br />

This results in speed limits not being able<br />

to be set too low. On the other hand, there is an<br />

intermingling of the different road user groups,<br />

which clearly differ from each other in terms of<br />

speed and mass. At least part of the problems<br />

that exist on rural roads can be explained from<br />

the relatively large heterogeneity encountered in<br />

traffic.<br />

In 1998 and 1999, the OECD appointed a working<br />

group to look into the topic of safety on<br />

rural roads. The result was a report [1] that investigated<br />

the extent of the problem and looked<br />

into possible solutions. In OECD member states,<br />

around 75,000 people died on rural roads at<br />

that time. In most European countries, the share<br />

of fatalities is about 50-60% of all road traffic<br />

fatalities. The most important accident categories<br />

turned out to be accidents in which no one<br />

else was involved, head-on collisions and accidents<br />

at junctions (where roads cross or where<br />

roads come together). Based on the manmachine-environment<br />

system, a whole series of<br />

possible measures aimed at improving safety in<br />

the fields of roadbuilding, traffic monitoring,<br />

telematics and rescue services was analysed in<br />

the report.<br />

The purpose of the rescue service survey that<br />

was conducted by Ewert [2] in the year 2000<br />

described in brief below is to offer a contribution<br />

towards identifying and solving the problems<br />

faced by rescue services responding to calls on<br />

rural roads.<br />

The average time taken between a rescue service<br />

receiving an emergency call and their responding<br />

with a rescue vehicle was just over 3 minutes<br />

during the day and just under 6 minutes at<br />

night. Half of the rescue services responded with<br />

two persons, the other half with three. When<br />

serious accidents are reported, a greater number<br />

of people and more qualified people attend the<br />

scene of an accident. The most frequently mentioned<br />

problems were the securing of the scene<br />

of the accident and protecting the rescue personnel<br />

followed by the behaviour of motorists as<br />

a reaction to a rescue vehicle driving with flashing<br />

lights. It is not unusual to find that the precise<br />

identification of the accident location also<br />

appears to be a problem.<br />

One important basis for the rating of roadbuilding<br />

measures is a knowledge of the length of<br />

the entire network of rural roads. This information<br />

can make an important contribution when<br />

estimating costs. The network of rural roads is<br />

largely either owned by the cantons or by municipalities.<br />

Questions were therefore put in order<br />

to estimate the length of the road network. A<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 29


total extrapolation indicates that there are<br />

34,000 kilometres of rural roads, 35% of which<br />

are owned by cantons and 65% by local municipalities.<br />

The methodology used in the main study was to<br />

evaluate the accidents registered by the police in<br />

respect of the severity of the injuries sustained.<br />

Using multiple logistical regressions, it can be<br />

predicted whether someone is seriously injured<br />

in an accident or even killed or whether they are<br />

only slightly injured or not injured at all. The<br />

causal variables from the accident record of the<br />

Federal Statistical Office (BFS) refer both to the<br />

event (the accident), the object (the vehicle) as<br />

well as to the people involved in the accident.<br />

The accidents registered by the police from<br />

01.01.1992 to 31.12.2003 were used for the<br />

evaluations in this study. This corresponds to an<br />

observation period of 12 years. A total of around<br />

190,000 cases involving 2,500 fatalities were<br />

analysed.<br />

5 accident categories were analysed in this<br />

study:<br />

1. Collisions with oncoming vehicles¨<br />

2. Collisions with fixed obstacle located either<br />

side of the carriageways<br />

3. Collisions at junctions<br />

4. Accidents without collisions<br />

5. Collisions with pedestrians<br />

On the whole, this categorisation can be used to<br />

cover 88% of accident fatalities on rural roads.<br />

Just under 12% of road accident fatalities occur<br />

in other types of accidents. The 5 accident categories<br />

differ clearly in terms of accident frequency<br />

and severity. Most fatalities occur in collisions<br />

with oncoming vehicles, closely followed by<br />

collisions with fixed obstacles located either side<br />

of the carriageways.<br />

The analysis of the risk factors for the severity of<br />

the injuries among the 5 accident categories on<br />

rural roads has led to a whole series of significant<br />

results. While one part of the results is similar<br />

for the different accident categories, others<br />

differ from each other. This indicates that certain<br />

risk factors can be reduced irrespective of which<br />

accident category we are dealing with. These<br />

are:<br />

Means of transportation<br />

Use of seat belt and safety helmet<br />

Influence of alcohol on the driver<br />

Maximum speeds permitted<br />

Road conditions<br />

Road layout<br />

Vehicle ownership situation<br />

Age of the persons involved<br />

Gender of the persons involved<br />

Other factors are only relevant for certain accident<br />

categories. In certain cases, they can even<br />

be a risk and a protection factor – dependent on<br />

the accident category. These are:<br />

The type of obstacle<br />

Type of road<br />

Type of person (driver, passenger, pedestrian)<br />

Accident location<br />

Right of way enforcement<br />

Posting of maximum speed permitted<br />

Artificial lighting<br />

Area of the country<br />

Time of day<br />

Weekday<br />

Length of time in possession of a driving<br />

licence<br />

Road category (owenership)<br />

30 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


The various risk factors are described in terms of<br />

their areas of activity and potential improvements:<br />

1. It is well-known that motorcycling is dangerous<br />

and this is also substantiated by this<br />

study. Here, there is a need for action, for<br />

which the bfu will point to a range of preventive<br />

options in the Motorcycle Safety Dossier<br />

[3]. Cars are also undergoing continuous<br />

technical development at a tremendous rate<br />

and this will also improve road safety even<br />

further. Particular mention should be made<br />

here of electronic stability control, which is<br />

considered the best road safety measure<br />

since the introduction of the seat belt.<br />

2. The use of seat belts and crash helmets is<br />

making an important contribution to a reduction<br />

in the severity of injuries and should also<br />

be encouraged in future. Mention can be<br />

made here of the safety belt campaign «Ein<br />

Band fürs Leben» promoted financially by the<br />

Fund for Road Safety (FVS).<br />

3. In the case of collisions with fixed obstacles<br />

outside the carriageways, the type of obstruction<br />

has a major influence on the severity<br />

of any injuries. Trees are the most dangerous<br />

and most frequent obstacles encountered.<br />

There is an urgent demand for unobstructed<br />

areas at the side of the road, for a<br />

low embankment incline of no more than 1:4<br />

or for guardrail systems that offer protection<br />

from obstacles.<br />

4. The consumption of alcohol not only has a<br />

negative effect on the likelihood of accidents,<br />

but also on the severity of injuries. Major attention<br />

should be given to this problem, too.<br />

The main objectives, in particular, must be an<br />

increase in police checks and a ban on alcohol<br />

for new drivers.<br />

5. An important risk factor for the severity of<br />

injuries turned out to be the major region in<br />

which the accident happened. However, the<br />

same regions were not involved for all accident<br />

categories. Here, there is a need for further<br />

research and clarification.<br />

6. The likelihood of severe injuries increases<br />

with the increasing age of people involved in<br />

accidents. This is probably attributable to the<br />

increase in vulnerability of the human body<br />

that comes as people get older. Regrettably,<br />

not much can be done about this. However,<br />

it would be more advantageous for senior<br />

road users if they were to drive vehicles fitted<br />

with the latest advances in safety technology.<br />

These might best compensate for their physical<br />

weaknesses.<br />

7. Women have a greater likelihood of sustaining<br />

severe injuries than men.Based on distances<br />

driven, the risk of a female driver being<br />

involved in an accident is roughly the<br />

same as the risk for male drivers. However,<br />

the likelihood of a male driver causing a fatal<br />

accident on a road outside a built-up area is<br />

considerably higher than that of a female<br />

driver. More women behind the wheel instead<br />

of in the passenger seat and more men<br />

in the passenger seat instead of behind the<br />

wheel would bring about an increase in safety.<br />

8. The type of road turned out to be of different<br />

importance for the accident categories.<br />

Collisions with oncoming vehicles on dual<br />

carriageway roads have significantly more severe<br />

consequences than on other types of<br />

roads. This is why there is a demand for continuous<br />

guard rails here and on main roads<br />

with heavy traffic (AADT >10 000). However,<br />

the likelihood of sustaining severe injuries on<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 31


main roads and side roads in collisions with<br />

fixed obstacles on either side of the carriageways<br />

is particularly great. For this reason,<br />

areas free of obstacles for 6 metres or<br />

guard rail systems instead are required for<br />

these roads (q.v. §3 in this connection).<br />

9. Pedestrians are at the greatest risk by far of<br />

being seriously injured or killed in an accident<br />

on a rural road. Little else can be expected in<br />

accidents involving such high speeds. The<br />

greatest temporal and/or spatial separation is<br />

vital here. However, passengers sitting in the<br />

front are also exposed to increased risk. They<br />

would be safer on the back seats – but only if<br />

seat belts were always used there, too. However,<br />

this has not been the case so far.<br />

10. In terms of the likelihood of severe injuries,<br />

there are no differences between straight<br />

stretches of road and bends in the different<br />

accident categories (with one exception). The<br />

consequences of collisions with oncoming<br />

vehicles are, however, a little less serious in<br />

bends than on straight stretches of road.<br />

Nevertheless, substantially more accidents involving<br />

fatalities occur in bends on the<br />

whole. Large radii in the bends, wide reinforced<br />

shoulders and road width are important<br />

factors for safe bends. Some changes in<br />

Swiss roadbuilding standards will be necessary<br />

and meaningful to achieve this.<br />

11. Speed in an accident is one of the decisive<br />

factors for the severity of an injury. Even if no<br />

generally lower speed limit is scheduled for<br />

introduction in Switzerland on rural roads,<br />

they should, however, be lowered step-bystep<br />

on stretches of road that are demonstrably<br />

dangerous.<br />

12. Results relating to road condition proved to<br />

be somewhat counterintuitive: Trickier road<br />

conditions such as rain and, in particular,<br />

snow involve less likelihood of severe injuries.<br />

13. The longitudinal slope of a road – no matter<br />

whether it is a rising or falling gradient –<br />

leads to less severe accidents than those that<br />

occur on level roads. The people presumed to<br />

be guilty of the accidents appear to be driving<br />

downhill more often than uphill, however.<br />

Consequently, lower maximum speeds are<br />

proposed for problematical down grades.<br />

14. The analyses of right-of-way rules lead to<br />

results that show little uniformity. Tram or<br />

rail rights of way are the most dangerous<br />

(but are also rare). Dependent on the accident<br />

category, traffic lights are more or less<br />

safe.<br />

15. There are also inconsistent results for the<br />

signposting of permitted maximum speeds.<br />

Here, too, there are positive as well as negative<br />

results dependent on the accident category.<br />

16. Results relating to accident severity by time<br />

of day are also not clear. It is evident that accidents<br />

involving at least 2 parties tend to occur<br />

rarely at night as traffic is less intensive at<br />

this time of day.<br />

17. The results relating to artificial lighting are<br />

not consistent. In the majority of accident<br />

categories, the effect of this is to promote<br />

safety (less likelihood of severe injuries).<br />

18. More collisions with oncoming vehicles occur<br />

at weekends. The likelihood of severe injuries<br />

is, however, greater during the week.<br />

Increased checks by the police for the most<br />

important risk factors of speed, alcohol and<br />

seat belt usage can be mentioned as countermeasures<br />

here. These would be particularly<br />

important during the day and in the even-<br />

32 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61


ing as collisions with other vehicles are more<br />

likely due to the higher volumes of traffic.<br />

19. Precisely who the owner of the vehicle is also<br />

plays a role in accidents. The use of vehicles<br />

owned by other people (rental car, company<br />

car) is accompanied by a reduction in accident<br />

severity and should therefore be promoted.<br />

In view of a customer base of, for example,<br />

80,000 members at Mobility [4] a major<br />

effect on road safety cannot, however, be<br />

expected from measures in this sector. By far<br />

the most vehicles will remain in private ownership.<br />

20. Possession of a driving licence for 3 years or<br />

less increases the risk of a severe injury in collisions<br />

with oncoming vehicles. Prohibiting<br />

new drivers during their probationary period<br />

from using roads without any structural separation<br />

of traffic moving in opposite directions<br />

would be worth discussing at least.<br />

21. The road category (ownership structures of a<br />

road) (only played a role in the accident category<br />

Collisions with oncoming vehicles .<br />

Road users on major arterial route as (and,<br />

marginally, cantonal roads) have a higher risk<br />

of sustaining severe injuries than on municipal<br />

roads. The Swiss Confederation and the<br />

cantons face a greater challenge here than<br />

the municipalities, where the financing of the<br />

infrastructure measures required is concerned.<br />

Safety audits for new roads as well as road safety<br />

inspections for existing roads are further ways<br />

of improving road safety that do not necessarily<br />

arise from the accidents that happen, but nevertheless<br />

have considerable potential for prevention.<br />

In fact, safety audits and inspections can be<br />

expected to gain substantially in importance<br />

with regard to road safety on rural roads.<br />

Rumble strips as they are known are one measure<br />

that can generally help car drivers to remain<br />

on the carriageway and in their traffic lane. Unfortunately,<br />

they cause noise and can only be<br />

used at an appropriate distance away from residential<br />

areas.<br />

In scientific papers, it is repeatedly claimed that<br />

accidents on rural roads are fairly widely dis-<br />

persed, i.e. that there are few localised accident<br />

blackspots that would be worth any remedial<br />

work. This postulate was also investigated with<br />

regard to Switzerland and was confirmed with<br />

few exceptions. It is a fact that the accidents<br />

that occur are generally widely dispersed over<br />

the entire network of rural roads. This must be<br />

taken into consideration when any interventions<br />

are planned.<br />

bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 33


II. Einleitung<br />

Die Frage der Verkehrssicherheit kann aus Sicht der<br />

Verkehrsteilnehmer betrachtet werden. Ausgangslage<br />

kann aber auch das Fahrzeug oder wie im<br />

vorliegenden Bericht die Strasse selber sein. In dieser<br />

Studie wird die Verkehrssicherheit <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

(ohne Autobahnen) untersucht. (Der<br />

Begriff Landstrassen wird in diesem Bericht synonym<br />

verwendet). Hier geschieht ein grosser Anteil<br />

der Unfälle, die oft auch schwere Folgen haben.<br />

Autobahnen haben sich als sehr sicher erwiesen.<br />

Die Anzahl der dort ums Leben gekommenen lag<br />

in den Jahren 1992 bis 2007 bei durchschnittlich<br />

62 Personen pro Jahr, was 11 % aller im Strassenverkehr<br />

Getöteten ausmacht. Auch mit dem Ausbau<br />

des Autobahnnetzes und der überdurchschnittlich<br />

hohen Verkehrszunahme hat sich hier<br />

kein Anstieg ergeben.<br />

Innerorts starben durchschnittlich 205 Personen<br />

pro Jahr. Dies entspricht 36 % der Getöteten im<br />

Abbildung 1<br />

Entwicklung der Anzahl Getöteter im Strassenverkehr nach Ortslage, 1992–2007<br />

900<br />

800<br />

700<br />

600<br />

500<br />

400<br />

300<br />

200<br />

100<br />

0<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

Strassenverkehr in den 16 Jahren von 1992 bis<br />

2007.<br />

Der Rest – im Durchschnitt 53 % aller <strong>auf</strong> Schweizer<br />

Strassen getöteten Personen – sterben <strong>auf</strong><br />

Landstrassen. Seit 1992 ist eine positive Entwicklung<br />

zu beobachten. Die Anzahl der Getöteten<br />

sank von damals 453 <strong>auf</strong> 196 im Jahr 2007. Dennoch<br />

ist und bleibt die Landstrasse die gefährlichste<br />

Strasse in der Schweiz.<br />

In der folgenden Grafik (Abbildung 1) ist die Entwicklung<br />

der Verkehrstoten nach den verschiedenen<br />

Ortslagen dargestellt.<br />

Der vorliegende Bericht will einen Beitrag dazu<br />

leisten, dass die <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

weiter ansteigt.<br />

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007<br />

Innerorts Ausserorts Autobahn Gesamt<br />

34 Einleitung bfu-Report Nr. 61


III. Problemdarstellung<br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> sind ein besonderer Strassentyp,<br />

der vielfältige Aufgaben zu erfüllen hat: Einerseits<br />

werden dar<strong>auf</strong> beachtliche Entfernungen überwunden.<br />

Das führt dazu, dass die Geschwindigkeitslimiten<br />

nicht zu tief angesetzt werden können.<br />

Andererseits vermischen sich die verschiedenen<br />

Verkehrsteilnehmergruppen, die sich hinsichtlich<br />

ihrer Geschwindigkeiten und Massen deutlich unterscheiden.<br />

Aus dieser verhältnismässig grossen<br />

Heterogenität des Verkehrsgeschehens erklärt sich<br />

zumindest ein Teil der Probleme, die <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

bestehen.<br />

bfu-Report Nr. 61 Problemdarstellung 35


IV. Vorarbeiten<br />

Für den vorliegenden Bericht sind verschiedene<br />

Vorarbeiten geleistet worden. Die bfu hat am Projekt<br />

der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />

und Entwicklung (OECD) zur <strong>Sicherheit</strong><br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> teilgenommen. Anschliessend<br />

wurden 2 Erhebungen zur Länge des schweizerischen<br />

Landstrassennetzes und eine kleine Studie<br />

zum Stand des Rettungswesens in der Schweiz<br />

durchgeführt.<br />

1. OECD-Bericht: Safety Strategies For<br />

Rural Roads<br />

In den Jahren 1998 und 1999 wurde von der<br />

OECD eine Arbeitsgruppe zum Thema <strong>Sicherheit</strong><br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> geleitet. Deren Arbeit mündete<br />

in einen Bericht [1], der sich mit dem Ausmass<br />

des Problems und den möglichen Lösungsansätzen<br />

beschäftigte. Schliesslich wurden diverse Massnahmen<br />

zur Verbesserung der <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

vorgeschlagen, von denen allerdings<br />

nicht alle bereits eine nachgewiesene Wirksamkeit<br />

haben. Im Folgenden wird dieser Bericht<br />

kurz zusammengefasst.<br />

Jährlich sterben <strong>auf</strong> Landstrassen rund 75 000<br />

Personen in den Mitgliedsländern der OECD. Ihr<br />

Anteil liegt in den meisten Ländern Mitteleuropas<br />

bei rund 50–60 % aller im Strassenverkehr Getöteten.<br />

In den vergangenen Jahren hat der Anteil der<br />

Getöteten <strong>auf</strong> Ausserortstrassen einen deutlichen<br />

Aufwärtstrend erfahren. Er stieg von 1987 bis<br />

1996 um rund 5 Prozentpunkte von 55 <strong>auf</strong> 60 %.<br />

Als wichtigste Unfallklassen stellten sich die Selbstunfälle,<br />

die Frontalkollisionen und Unfälle an Kno-<br />

ten (Kreuzungen und Einmündungen) heraus.<br />

Landstrassen sind ein grosser Teil des gesamten<br />

Strassennetzes (je nach Land zwischen 50 und<br />

80 %), aber nur ein verhältnismässig geringer Teil<br />

der Kilometerleistung wird <strong>auf</strong> diesem Strassentyp<br />

absolviert. Das Risiko eines tödlichen Unfalls pro<br />

zurückgelegte Strecke ist jedoch relativ hoch. Das<br />

Risiko, <strong>auf</strong> Landstrassen getötet zu werden, liegt<br />

bei rund 14 pro 1 Mia. Fahrzeugkilometer. Dies ist<br />

fast 4-mal so hoch wie <strong>auf</strong> Autobahnen und noch<br />

1,3-mal höher als innerorts.<br />

Ausgehend von dem Mensch-Maschine-Umwelt-<br />

Modell werden in dem Bericht eine ganze Reihe<br />

von möglichen Massnahmen zur Verbesserung der<br />

<strong>Sicherheit</strong> in den Bereichen Strassenbau, Verkehrsüberwachung,<br />

Telematik und Rettungswesen analysiert.<br />

Als Hauptprobleme der Lenker werden die<br />

Einhaltung der Gesetze, insbesondere zum Thema<br />

Geschwindigkeit und Fahren unter Alkoholeinfluss,<br />

sowie Probleme der Informationsverarbeitung abgehandelt.<br />

Hinsichtlich der Strasse bzw. der Strassenumgebung<br />

werden Erkennbarkeit und Einheitlichkeit,<br />

Strassenoberflächen, Hindernisse ausserhalb<br />

der Fahrbahn, Sichtbarkeit und Verkehrssignalisation<br />

behandelt. Als fahrzeugspezifisches Problem<br />

wird das Zusammenkommen sehr verschiedener<br />

Verkehrsarten <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> diskutiert.<br />

Dies betrifft vor allem Motorräder und Motorfahrräder,<br />

Fussgänger und Velofahrer sowie anderen<br />

Langsamverkehr wie z. B. Agrarfahrzeuge.<br />

Im strassenbaulichen Bereich werden die Katego-<br />

rien Querschnitte, Knoten und Längsschnitte der<br />

36 Vorarbeiten bfu-Report Nr. 61


Strassen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die verschiedenen<br />

Unfallklassen abgehandelt. Besonderer<br />

Wert wird <strong>auf</strong> die Möglichkeiten zur Verhinderung<br />

bzw. Verminderung der Schwere der Unfallklasse<br />

Kollision mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn<br />

gelegt. Auch Verkehrszeichen, Markierungen<br />

und Beleuchtung werden besprochen. Schliesslich<br />

werden noch der Strassenunterhalt und die Probleme<br />

der schwachen Verkehrsteilnehmer analysiert.<br />

Im Kapitel über die Verkehrsüberwachung wird<br />

beschrieben, welche Dimensionen zu einer besseren<br />

Wirksamkeit führen. Es wird empfohlen die<br />

Verkehrsüberwachung anhand des Unfallgeschehens<br />

auszurichten. Dies beinhaltet vor allem die<br />

Unfallorte, -uhrzeiten und -risikogruppen. Angesichts<br />

des oft geringen Verkehrs<strong>auf</strong>kommens <strong>auf</strong><br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> wird die automatische Verkehrsüberwachung<br />

besonders empfohlen. Schliesslich<br />

werden noch die gängigsten Überwachungspraktiken<br />

behandelt.<br />

Die Telematik ist ein rasant wachsendes Feld. Es<br />

wird versucht die Schwächen des Menschen durch<br />

elektronische Hilfen zu korrigieren. Besondere Bedeutung<br />

kommt den Geschwindigkeits- und Fahrer-/Fahrzeuginformationssystemen<br />

zu. Daneben<br />

werden auch infrastrukturbasierte Systeme behandelt.<br />

Das Kapitel über das Rettungswesen behandelt die<br />

Probleme bei Unfällen <strong>auf</strong> Landstrassen. Es handelt<br />

sich vor allem um 3 Problemkreise:<br />

1. Die Schnelligkeit der medizinischen Versorgung<br />

2. Die Qualität der medizinischen Erstversorgung<br />

3. Die Fähigkeit der Spitäler <strong>auf</strong> dem Land mit<br />

schweren Verletzungsfällen adäquat umzugehen.<br />

Bis zu 1/3 aller Sterbefälle könnten angeblich durch<br />

eine angemessene medizinische Versorgung innerhalb<br />

der ersten Stunde nach dem Unfall (der sogenannten<br />

«golden hour») vermieden werden.<br />

Der OECD Bericht [1] führt keine vollständige Liste<br />

der Massnahmen zum Reduzieren der Unfälle ausserorts.<br />

Es wird von den «Hauptmassnahmen»<br />

gesprochen, welche einen Überblick <strong>auf</strong> dem Gebiet<br />

geben sollen. In Tabelle 1, S.38 werden die<br />

Massnahmen des Berichtes <strong>auf</strong>gelistet.<br />

Als Kritik zum OECD-Bericht [1] ist anzumerken,<br />

dass von den 3 E der Verkehrssicherheitsarbeit das<br />

Engineering und das Enforcement ausführlich behandelt<br />

wurden, der Education (Verkehrserziehung)<br />

aber nur wenig Platz eingeräumt wurde.<br />

2. Streckennetz<br />

Eine wichtige Grundlage für die Bewertung von<br />

strassenbaulichen Massnahmen ist die Kenntnis der<br />

Länge des gesamten <strong>Ausserortsstrassen</strong>netzes.<br />

Diese Information kann bei der Einschätzung der<br />

Kosten einen wichtigen Beitrag leisten. Das <strong>Ausserortsstrassen</strong>netz<br />

(ohne Autobahnen) befindet<br />

sich zum allergrössten Teil entweder im Besitz der<br />

Kantone oder der Gemeinden. Um die Länge des<br />

Streckennetzes abzuschätzen, wurden einerseits<br />

die Kantone und andererseits die Gemeinden über<br />

die Länge ihres Streckennetzes befragt.<br />

bfu-Report Nr. 61 Vorarbeiten 37


Von allen Kantonen erhielten wir Antworten <strong>auf</strong><br />

die Anfragen. Leider war es nicht immer möglich,<br />

Informationen über die Ortslage (innerorts vs. ausserorts)<br />

zu erhalten, so dass diese Zahlen interpoliert<br />

werden mussten. Die Länge der Kantonsstrassen<br />

ausserorts kann <strong>auf</strong> etwa 12 000 Kilometer<br />

geschätzt werden.<br />

Eine Umfrage zur Länge des Landstrassennetzes im<br />

Gemeindebesitz wurde bei allen Schweizer Gemeinden<br />

durchgeführt (Kap. XI.1). Rund 58 % der<br />

Gemeinden antworteten. Eine Hochrechnung <strong>auf</strong><br />

der Grundlage der 22 Gemeindetypen des Bundesamtes<br />

für Statistik ergab, dass die Gemeinden ca.<br />

22 000 Kilometer Landstrassen besitzen dürften.<br />

Insgesamt gibt es also schätzungsweise 34 000<br />

Kilometer <strong>Ausserortsstrassen</strong> von denen 35 % im<br />

Kantons- und 65 % im Gemeindebesitz sind.<br />

In der Schweiz gibt es mindestens 3 verschiedene<br />

Arten der Strassenkategorisierung:<br />

Nach Eigentümer, d. h. Nationalstrasse, Kantonsstrasse,<br />

Gemeindestrasse oder Privatstrasse<br />

Tabelle 1<br />

Massnahmen, welche im OECD-Bericht «Safety Strategies on Rural Roads» von 1999 vorgeschlagen werden<br />

Massnahmen<br />

1. Planen des Netzwerkes 31. Low-Cost Massnahmen<br />

2. Querschnitt: Trennen des entgegenkommenden Verkehrs 32. Verkehrsüberwachung an Unfallschwerpunkten<br />

3. Verbreitern der Fahrbahn und des Bankettes 33. Intensivierung der Verkehrsüberwachung<br />

4. Trennen des Langsamverkehrs vom schnellen Verkehr 34. Verkehrsüberwachung und Öffentlichkeitsarbeit<br />

5. Brücken 35. Verkehrsüberwachung mit sichtbarer Polizeipräsenz<br />

6. Knoten 36. Verkehrsüberwachung mit automatischen Mitteln<br />

7. Bahnübergänge 37. Wiederholte Verkehrsüberwachung<br />

8. Horizontale Kurven 38. Schnelle Bestrafung<br />

9. Neigungen und vertikale Kurven 39. Rückfluss der Bussengelder<br />

10. Übergangsstrecken zwischen ausserorts und innerorts 40. Geschwindigkeitsüberwachung im Fahrzeug<br />

11. Hindernisfreie Räume 41. Fahrzeuglenkerüberwachung<br />

12. Böschungsneigungen 42. Warnanlagen bei Knotenzufahrten<br />

13. Leitschrankensystem 43. Führungs- und Warnlichter in Kurven<br />

14. Anpralldämpfer 44. Wetter-Informationssystem<br />

15. Strassenmöblierung mit Sollbruchstellen 45. Radarsystem zum Erkennen von Objekten<br />

16. Signale 46. Spurhaltungsgeräte<br />

17. Belagsmarkierungen 47. Linderung der Unfallfolgen beim Unfall<br />

18. Rumpelnde Elemente <strong>auf</strong> der Fahrbahn 48. Unfalldatenschreiber<br />

19. Strassenseitige Markierungen 49. Navigationssysteme<br />

20. Strassenbeleuchtung 50. Strassenkilometrierung<br />

21. Belagsunterhalt 51. GPS<br />

22. Unterhalt der Signale, Markierung und optischen Linienführung 52. Kampagnen<br />

23. Unterhalt des angrenzenden Strassenraums 53. Kurswesen<br />

24. Winterdienst 54. Pünktlichkeit der Behandlung<br />

25. Baustellensicherung 55. Training<br />

26. Fussgänger und Radfahrer <strong>auf</strong> Strassenabschnitten 56. Rettungsfahrzeuge<br />

27. Fussgänger und Radfahrer an Kreuzungsstellen 57. Behandlungsstandards<br />

28. Inspektion der <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> Strassen 58. Aus- und Weiterbildung<br />

29. Analyse von Unfallschwerpunkten 59. Zusammenarbeit<br />

30. Safety Audits<br />

Quelle: OECD<br />

38 Vorarbeiten bfu-Report Nr. 61


Nach Strassenart im rechtlichen Sinne, d. h.<br />

Autobahn, Autostrasse, Hauptstrasse, Nebenstrasse<br />

Im verkehrstechnischen Sinne, d. h. Hochleistungsstrassen<br />

HLS, Hauptverkehrsstrassen HVS,<br />

Verbindungsstrassen VS sowie (innerorts) Sammelstrassen<br />

SS und Erschliessungsstrassen ES.<br />

Für einige weitergehende Analysen muss aus der<br />

Strassenkategorisierung nach Eigentümern diejenige<br />

im rechtlichen Sinne erarbeitet werden. Dazu<br />

wurden die Erkenntnisse aus den Befragungen von<br />

Kantonen und Gemeinden mit Informationen des<br />

Bundesamts für Strassen (ASTRA) und des Bundesamts<br />

für Statistik (BFS) kombiniert sowie um einige<br />

Schätzungen ergänzt.<br />

In einem Bericht des ASTRA [5] sind folgende Angaben<br />

bezüglich Nationalstrassennetzlänge vorhanden:<br />

Autobahnen 1 359 km<br />

Autostrassen 286 km<br />

Schweizerische Hauptstrassen 112 km<br />

(Nationalstrassen 3. Klasse)<br />

Es kommen also zu den 34 000 Kilometern <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

im Kantons- und Gemeindebesitz<br />

noch ca. 400 Kilometer im Besitz des Bundes dazu.<br />

Vom BFS [6] sind folgende Angaben erhältlich:<br />

Kantonsstrassen 18 094 km<br />

davon ausserorts (a.o.) gem. dieser Studie 12 000 km<br />

Gemeindestrassen 51 446 km<br />

davon a.o. gem. dieser Studie 22 000 km<br />

Diese Einteilung der Strassen ist nicht mit der Kategorisierung<br />

der Strassen im Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll<br />

identisch. Die Unfälle können gemäss<br />

Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll nach Autobahn, Autostrasse,<br />

Haupt- und Nebenstrassen ausgewertet<br />

werden wovon für die Ausserortsstrecken nur die<br />

letzteren 3 von Bedeutung sind. Darum werden die<br />

vorhandenen Angaben in diese Kategorien umgerechnet.<br />

Die Aufteilung <strong>auf</strong> die ausgewerteten Strassenarten<br />

ergibt (geschätzt) folgende Netzlängen:<br />

Autostrassen<br />

0.5 % der Kantonsstrassen a.o. + 286 km = 60<br />

km + 268 km = 328 km<br />

Hauptstrasse<br />

79,5 % der Kantonsstrassen a.o. + 5 % der<br />

Gemeindestrassen a.o. + 112 km = 9540 km +<br />

1100 km + 112 km = 10 752 km<br />

Nebenstrasse<br />

20 % der Kantonsstrassen a.o. und 95 % der<br />

Gemeindestrassen a.o. = 2 400 km + 20 900<br />

km = 23 300 km<br />

Diese Anteile wurden durch die Verkehrsingenieure<br />

der Abteilung Verkehrstechnik der bfu geschätzt.<br />

Für die Berechnungen der Unfallbeteiligtendichten<br />

werden die gerundeten Werte (330/10 800/<br />

23 300) verwendet. Da die statistischen Analysen<br />

in dieser Studie <strong>auf</strong> der Ebene von Personen und<br />

nicht von Unfällen gerechnet werden, handelt es<br />

sich bei den Auswertungen pro Strecke auch nicht<br />

um die klassische Unfalldichte (Unfälle pro Streckeneinheit)<br />

sondern um die Unfallbeteiligtendichte,<br />

d. h. in Unfälle verwickelte Personen pro Streckeneinheit.<br />

3. Befragung zum Thema Rettungswesen<br />

Die im Folgenden kurz dargestellte Befragung aus<br />

dem Jahr 2000 sollte einen Beitrag dazu leisten, die<br />

Probleme des Rettungswesens <strong>auf</strong> Landstrassen in<br />

der Schweiz zu identifizieren und zu ihrer Lösung<br />

bfu-Report Nr. 61 Vorarbeiten 39


eizutragen. Es wurden alle dem Interverband für<br />

Rettungswesen (IVR) bekannten Rettungsdienste in<br />

der Schweiz angeschrieben, von denen 52 % antworteten.<br />

Es fanden sich folgende Resultate:<br />

Die mittlere Zeitdauer vom Eingang des Notrufs<br />

beim Rettungsdienst bis zum Ausrücken des Rettungsfahrzeugs<br />

tagsüber wurde mit etwas mehr als<br />

3 Minuten angegeben, nachts mit knapp 6 Minuten.<br />

Die eine Hälfte der Rettungsdienste rückte mit<br />

2, die andere mit 3 Personen aus. Bei einer Meldung<br />

von schweren Unfällen wird mit mehr und<br />

qualifizierterem Personal ausgerückt. Die häufigste<br />

Kombination von Personal <strong>auf</strong> dem Rettungsfahrzeug<br />

ist ein Rettungssanitäter und ein Fahrer, der<br />

zumeist auch ein gelernter Transporthelfer ist. Dazu<br />

kommt eventuell noch ein Arzt.<br />

Am häufigsten wurden die Behandlungsrichtlinien<br />

des Interverbandes für Rettungswesen (IVR) als<br />

Grundlage für die Behandlung der Unfallopfer<br />

genannt. Die am häufigsten genannten Probleme<br />

waren die Absicherung des Unfallortes und die<br />

Selbstsicherung des Rettungspersonals, gefolgt<br />

vom Verhalten der Automobilisten als Reaktion <strong>auf</strong><br />

ein mit Blaulicht fahrendes Rettungsfahrzeug. Die<br />

genaue Identifizierung des Unfallorts scheint ebenfalls<br />

nicht selten ein Problem zu sein.<br />

Die ausführlichen Resultate dieser Studie [2] sind<br />

zwar nie offiziell publiziert worden, stehen aber <strong>auf</strong><br />

Anfrage zur Verfügung oder können einem VESI-<br />

PO-Teilbericht entnommen werden [7].<br />

40 Vorarbeiten bfu-Report Nr. 61


V. Vorgehen<br />

1. Methodik<br />

Die Methodik der vorliegenden Studie besteht<br />

darin, dass das polizeilich registrierte Unfallgeschehen<br />

im Hinblick <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere ausgewertet<br />

wird. Dabei wird mittels multipler logistischer<br />

Regressionen vorhergesagt, ob jemand bei<br />

einem Unfall schwer verletzt oder sogar getötet<br />

wird, oder ob er nur leichte oder gar keine Verletzungen<br />

davongetragen hat. Die Prädiktoren aus<br />

dem Unfalldatensatz des Bundesamtes für Statistik<br />

(BFS) beziehen sich dabei sowohl <strong>auf</strong> das Ereignis<br />

(den Unfall), das Objekt (das Fahrzeug) sowie <strong>auf</strong><br />

die in den Unfall verwickelten Personen. Aufgrund<br />

der grossen Anzahl Fälle in diesem Datensatz (über<br />

2 Mio. Personen), gibt es sehr viele signifikante<br />

Resultate, die aber nicht unbedingt eine grosse<br />

Relevanz in bezug <strong>auf</strong> die <strong>auf</strong>geklärte Varianz haben<br />

(Kap. IX).<br />

Mit dieser Art der Auswertung wird nicht analysiert,<br />

ob sich ein Unfall ereignet oder nicht. Vielmehr<br />

wird vorhergesagt ob die Verletzungen, welche<br />

die am Unfall beteiligten Personen erlitten<br />

haben, schwer bzw. tödlich sind.<br />

Die angewendete statistische Methode ist die multiple<br />

logistische Regression. Sie liefert als Resultat<br />

den sogenannten Odds Ratio (OR) – das Verhältnis<br />

von 2 Odds. Odds lassen sich mit dem Begriff<br />

«Chance» nur ungefähr übersetzen. Bei einem<br />

Wurf eines Würfels besteht die Chance von 1:6<br />

eine bestimmte Zahl zu würfeln, die Odds hingegen<br />

beträgt nur 1:5. Chance und Odds sind also<br />

mathematisch nicht dasselbe. Deshalb wird im Rest<br />

des Berichts der Begriff «Odds» verwendet. Der<br />

dargestellte Odds Ratio kann Werte zwischen nahe<br />

Null und nahezu unendlich erreichen. Ein Odds<br />

Ratio von kleiner als 1 bedeutet, dass dieser Faktor<br />

im Vergleich zu einer Bezugsgrösse – der Referenzkategorie<br />

– mit einem geringeren Risiko schwerer<br />

Verletzungen einhergeht. So zeigt sich z. B. in der<br />

Analyse in Tabelle 3, S.44, dass der Odds Ratio für<br />

Lieferwageninsassen 0.64 beträgt im Vergleich zu<br />

den Personenwageninsassen. Dies bedeutet, dass<br />

das Risiko in Lieferwagen schwer verletzt oder<br />

getötet zu werden um 36 % geringer ist als in<br />

Personenwagen (1.00–0.64 = 0.36*100 = 36 %).<br />

Bei einem Mofafahrer hingegen ist das Risiko<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden in etwa 10mal<br />

so gross wie bei einem Personenwageninsassen<br />

(OR=10.02).<br />

Die Resultate, die präsentiert werden, sind jeweils<br />

für diverse sogenannte konfundierende Faktoren<br />

kontrolliert (Tabelle 3. S. 44, Anmerkung). Es ist<br />

beispielsweise bekannt, dass Mofafahrer weniger<br />

häufig einen Helm tragen als Motorradfahrer. Da<br />

für die Tatsache der Benutzung des Motorradhelms<br />

kontrolliert wird, handelt es sich hier bei den Resultaten<br />

zum Fortbewegungsmittel um den reinen<br />

Effekt ohne Konfundierung durch eine allfällige<br />

Nichtbenutzung des Helmes. Aus Gründen der<br />

Lesbarkeit wird bei den übrigen Resultatetabellen<br />

<strong>auf</strong> die separate Auflistung der kontrollierten Variablen<br />

verzichtet. Die Tabellen sind meistens nach<br />

Anzahl Getötete sortiert.<br />

Zusätzlich zu den Aussagen über die Verletzungsschwere<br />

werden auch noch Informationen über die<br />

bfu-Report Nr. 61 Vorgehen 41


Häufigkeit geliefert (Anzahl in die Unfälle verwi-<br />

ckelte Personen und Anzahl Getötete). Dies ist<br />

deshalb nötig, weil das Risiko einer schweren Verletzung<br />

allein nicht sehr viel darüber aussagt, wie<br />

relevant ein bestimmtes Merkmal für die Verkehrssicherheit<br />

allgemein ist. Ein sehr risikobehaftetes<br />

Merkmal, das aber nur sehr selten in Erscheinung<br />

tritt, kann weniger relevant sein als ein Merkmal,<br />

welches ein nur leicht erhöhtes Risiko hat, aber<br />

weit verbreitet ist (für die theoretischen Grundlagen<br />

siehe [8]).<br />

Für die Auswertungen in dieser Studie wurden die<br />

polizeilich registrierten Unfälle vom 01.01.1992 bis<br />

31.12.2003 berücksichtigt. Dies entspricht einem<br />

Betrachtungszeitraum von 12 Jahren. Es wurden<br />

total rund 190 000 Fälle analysiert, davon 2 500<br />

getötete Personen.<br />

Der Unterschied zu den gesamthaft über 2 Mio.<br />

Fällen im Datensatz und den 190 000, die in die<br />

Analysen einfliessen, ergibt sich aus 2 Gründen: Es<br />

wurden nur Ausserortsfälle analysiert und nur diejenigen<br />

Fälle, die bei keiner Variable einen fehlenden<br />

Wert hatten.<br />

2. Aufteilung in 5 Unfallklassen<br />

Wie bereits dargestellt wurden bei der OECD-<br />

Tabelle 2<br />

Zuordnung der Unfalltypen laut Strassenverkehrsunfallstatistik<br />

zu den 5 analysierten Unfallklassen<br />

Unfallklasse Unfalltypen lt. Strassenverkehrsunfallstatistik<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen<br />

15, 21 bis 29, 35<br />

Kollision mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn<br />

13, 16<br />

Kollisionen an Knoten 61 bis 79<br />

Unfälle ohne Kollisionen 11, 36<br />

Kollisionen mit Fussgängern 01 bis 09<br />

Studie [1] 3 Unfallklassen unterschieden: Selbstunfälle,<br />

Frontalkollisionen und Unfälle an Knoten. In<br />

der vorliegenden Arbeit werden sogar 5 Unfallklassen<br />

analysiert:<br />

1. Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

2. Kollision mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn<br />

3. Kollisionen an Knoten<br />

4. Unfälle ohne Kollisionen<br />

5. Kollisionen mit Fussgängern<br />

In der schweizerischen Statistik der polizeilich protokollierten<br />

Strassenverkehrsunfälle gibt es 53 Unfalltypen,<br />

die in 10 Kategorien zusammengefasst<br />

werden. In Tabelle 2 ist <strong>auf</strong>gelistet welche Unfalltypen,<br />

welchen Unfallklassen zugeordnet wurden.<br />

Insgesamt können mit dieser Kategorisierung 88 %<br />

der getöteten Verkehrsteilnehmer <strong>auf</strong> Landstrassen<br />

erfasst werden. Knapp 12 % Getöteten sind bei<br />

anderen Unfalltypen ums Leben gekommen.<br />

Abbildung 2<br />

Anzahl Getötete und Case fatality <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> nach<br />

Unfallklasse, 1992–2007<br />

42 Vorgehen bfu-Report Nr. 61<br />

1800<br />

1600<br />

1400<br />

1200<br />

1000<br />

800<br />

600<br />

400<br />

200<br />

0<br />

Quelle: BFS/bfu Quelle: BFS/bfu<br />

Anzahl Getötete<br />

Kollision mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen<br />

Kollision mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn<br />

Kollision an Knoten<br />

Unfall ohne Kollision<br />

Kollision mit Fussgänger<br />

Anzahl Getötete Schwere (Case Fatality)<br />

12<br />

10<br />

8<br />

6<br />

4<br />

2<br />

0<br />

Case Fatality


Die 5 Unfallklassen unterscheiden sich deutlich<br />

hinsichtlich ihrer Häufigkeit und Schwere. Wie aus<br />

Abbildung 2, S. 42 hervorgeht gibt es die meisten<br />

Getöteten bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen, knapp gefolgt von den Kollisionen<br />

mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn. An dritter Stelle sind die Kollisionen an<br />

Knoten. Es folgen die Unfälle ohne Kollisionen und<br />

schliesslich die Kollisionen mit Fussgängern. Deutlich<br />

anders sieht das Bild aus wenn man sich die<br />

Unfallschwere anschaut. Die «Case fatality» (Getötete<br />

pro 100 Verunfallte, d. h. Getötete und Verletzte)<br />

gibt den prozentualen Anteil der Getöteten<br />

unter den verletzten Unfallbeteiligten wider. Dann<br />

«führen» die Kollisionen mit Fussgängern mit<br />

10 % aller verletzten Unfallbeteiligten, die ums<br />

Leben kommen. Eine etwa halb so grosse Case<br />

fatality von etwa 5 % haben die Kollisionen mit<br />

entgegenkommenden Fahrzeugen und die Kollisionen<br />

mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn.<br />

Die Kollisionen an Knoten und die Unfälle<br />

ohne Kollisionen weisen deutlich geringere Anteile<br />

tödlich verletzter Personen <strong>auf</strong>.<br />

Im Verl<strong>auf</strong> der Zeit haben sich deutliche Verbesserungen<br />

beim Unfallgeschehen ergeben. Die Anzahl<br />

der jährlich <strong>auf</strong> Landstrassen Getöteten sank von<br />

1992 bis 2007 von 453 <strong>auf</strong> 196. Bezüglich der 5<br />

Unfallklassen gab es allerdings nur wenig spezifische<br />

Veränderungen (Abbildung 3). Zwar gab es<br />

immer mal wieder einzelne markante Veränderungen<br />

(Rückgang bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen von 2000–2002, bei den<br />

Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn von 2005–2006, bei den Unfällen ohne<br />

Kollisionen von 2002–2003), aber insgesamt hat<br />

sich das Verhältnis der 5 Unfallklassen zueinander<br />

<strong>auf</strong> den Landstrassen nicht sehr stark verändert.<br />

Abbildung 3<br />

Anzahl getöteter Personen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> nach Unfallklassen im zeitlichen Verl<strong>auf</strong>, 1992–2007<br />

180<br />

160<br />

140<br />

120<br />

100<br />

80<br />

60<br />

40<br />

20<br />

0<br />

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007<br />

KEF = Kollisionen mit entegegnkommeneden Fahrzeugen<br />

KFH = Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn<br />

KAK = Kollisionen an Knoten<br />

UOK = Unfälle ohne Kollisionen<br />

KMF = Kollisionen mit Fussgängern<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

KEF KFH KAK UOK KMF<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Vorgehen 43


VI. Resultate<br />

Die multiplen logistischen Regressionen wurden für<br />

jede der 5 Unfallklassen einzeln gerechnet, so dass<br />

die spezifische Bedeutung der einzelnen Risikofaktoren<br />

für die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

pro Unfallklasse differenziert werden kann.<br />

Jeder signifikante Prädiktor wird separat präsentiert.<br />

Zusätzlich zu den Odds Ratios werden auch<br />

noch beschreibend die Anzahl beteiligter Personen<br />

und die Anzahl Getöteter <strong>auf</strong>geführt. Die logistischen<br />

Regressionen beruhen aus technischen<br />

Gründen <strong>auf</strong> den Unfallzahlen der Jahre 1992–<br />

2003.<br />

1. Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen<br />

Als erste Unfallklasse werden die Kollisionen mit<br />

entgegenkommenden Fahrzeugen analysiert.<br />

1.1 Fortbewegungsmittel<br />

Die Fortbewegungsmittel, in denen die meisten<br />

Personen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> bei einer Kollision<br />

mit einem entgegenkommenden Fahrzeug sterben,<br />

sind Personenwagen (PW) – 920 von 1266 Getöteten<br />

oder 73 % waren Personenwageninsassen<br />

(Tabelle 3).<br />

Tabelle 3<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

vom Fortbewegungsmittel<br />

Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Personenwagen (Referenzkategorie) 65 598 920 0.00 1.00<br />

Motorrad über 125 ccm 2 376 188 0.00 12.37 11.14 13.75<br />

Motorrad bis 125 ccm 746 65 0.00 15.30 12.94 18.09<br />

Motorfahrrad 506 21 0.00 10.02 8.01 12.55<br />

Lieferwagen 2 974 17 0.00 0.64 0.53 0.77<br />

Kleinmotorrad 240 9 0.00 11.68 8.59 15.88<br />

Lastwagen 2 658 4 0.00 0.10 0.07 0.15<br />

Kleinbus 734 2 0.21 0.81 0.57 1.13<br />

Andere 105 1 0.05 0.25 0.06 1.03<br />

Sattelschlepper über 3.5 t 513 1 0.00 0.15 0.08 0.30<br />

Arbeitsmaschine 127 0 0.05 0.24 0.06 1.00<br />

Bus / Car 1 203 0 0.00 0.08 0.04 0.17<br />

Traktor 445 0 0.00 0.03 0.00 0.19<br />

Trolleybus 3 0 0.82 0.01 0.00 sehr grosses und daher nicht<br />

aussagekräftiges Ergebnis<br />

Sattelschlepper bis 3.5 t 75 0 0.24 0.01 0.00 25.41<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für die folgenden Variablen kontrolliert: Rückhaltesystem/Helm, Strassenart, Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker, Grossregion, Strassenanlage,<br />

Höchstgeschwindigkeit, Alter der beteiligten Person, Geschlecht der beteiligten Person, Uhrzeit, Strassenzustand, Unfallstelle, Personenart, künstliche Beleuchtung, Wochentag,<br />

Signalisation der Höchstgeschwindigkeit, Strassenkategorie, Dauer des Führerausweisbesitzes, Vortrittsregelung und Angaben zum Lenker.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

44 Resultate bfu-Report Nr. 61


Die bei weitem grösste Wahrscheinlichkeit bei einem<br />

Unfall mit einem entgegenkommenden Fahrzeug<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden, besteht<br />

jedoch bei den Benutzern von motorisierten<br />

Zweirädern. Ihr Risiko ist – je nach Grösse des Fahrzeugs<br />

– etwa 10 bis 15 Mal so gross wie das der<br />

PW-Insassen. Als besonders sicher für ihre Insassen<br />

erweisen sich bei dieser Unfallklasse Sattelschlepper,<br />

Busse, Traktoren und Lastwagen.<br />

1.2 Rückhaltesystem/Helm<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurt oder Helm schützen bekanntermassen<br />

sehr wirkungsvoll vor schweren und tödlichen<br />

Verletzungen. Trotzdem waren über die Hälfte<br />

57 %) der bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen getöteten Personen mit Gurt oder<br />

Helm gesichert. Wenn man nicht gesichert ist,<br />

dann erhöht sich das Risiko schwer verletzt oder<br />

getötet zu werden <strong>auf</strong> mehr als das 6-fache<br />

(Tabelle 4).<br />

1.3 Strassenart<br />

Die allermeisten Getöteten starben <strong>auf</strong> Hauptstrassen<br />

(knapp 70 %). Danach folgen mit jeweils rund<br />

15 % die Autostrassen und die Nebenstrassen.<br />

Weil schätzungsweise mindestens 50 % der Autostrassen<br />

mit einer Mittelleitplanke physisch richtungsgetrennt<br />

ausgebaut sind (Schätzung der Abteilung<br />

Verkehrstechnik der bfu), müssen bei der<br />

Berechnung der Unfallbeteiligtendichten die Unfälle<br />

nur durch die Hälfte der ermittelten Streckenlänge<br />

von Autostrassen dividiert werden. Die Zahlen<br />

ergeben folgende Unfallbeteiligtendichten Ud [Anzahl<br />

an Unfällen beteiligte Personen pro km pro<br />

Durchschnittsjahr]:<br />

Tabelle 4<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />

Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Rückhaltesystem/Helm (Referenzkategorie)<br />

66 169 717 0.00 1.00<br />

Kein Rückhaltesystem/Helm 4 388 298 0.00 6.04 5.56 6.57<br />

Unbekannt 1 163 178 0.00 9.31 8.13 10.66<br />

Keine Tragpflicht/kein System 6 583 73 0.00 1.58 1.33 1.87<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 5<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Strassenart<br />

Strassenart Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Hauptstrasse 44 990 880 0.00 0.70 0.57 0.87<br />

Autostrasse (Referenzkategorie) 4 017 203 0.00 1.00<br />

Nebenstrasse 28 845 181 0.00 0.34 0.27 0.42<br />

Andere 451 2 0.00 0.28 0.17 0.46<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 45


Autostrasse 2.03 (4017/(12*(330/2)))<br />

(mit Berücksichtigung der vorhandenen Mittelleitplanken)<br />

Autostrasse 1.01 (4017/(12*(330)))<br />

(ohne Berücksichtigung der vorhandenen Mittelleitplanken)<br />

Hauptstrasse 0.35 (44 990/(12*9900))<br />

Nebenstrasse 0.10 (28 845/(12*23 300))<br />

Aus diesen Zahlen geht hervor, dass die Unfallbeteiligtendichte<br />

<strong>auf</strong> dem kurzen Netz der in Frage<br />

kommenden Autostrassen mit Abstand am höchsten<br />

ist.<br />

Auch die grösste Wahrscheinlichkeit, dass Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen zu<br />

schweren oder tödlichen Verletzungen führen, besteht<br />

<strong>auf</strong> Autostrassen (Tabelle 5, S. 45). Hier sind<br />

die Höchstgeschwindigkeiten wegen des guten<br />

Ausbaustandards höher als <strong>auf</strong> den anderen<br />

Landstrassen und demzufolge die Unfälle schwerer.<br />

Auf Hauptstrassen ist das Risiko schwerer Verletzungen<br />

demgegenüber um 30 % geringer, <strong>auf</strong><br />

Nebenstrassen sogar um 66 %.<br />

1.4 Möglicher Alkoholeinfluss beim Lenker<br />

Am meisten Personen sterben bei einer Kollision<br />

mit einem entgegenkommenden Fahrzeug bei<br />

dessen Lenker die Polizei keinen Alkoholeinfluss<br />

vermutet (knapp 90 %, Tabelle 6). Der Verdacht<br />

<strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker ist jedoch ein wichtiger<br />

Risikofaktor für die Wahrscheinlichkeit schwerer<br />

Verletzungen. Das Risiko ist bei alkoholisierten<br />

Lenkern und ihren Passagieren um 68 % höher als<br />

dasjenige von nüchternen Lenkern.<br />

1.5 Grossregion<br />

Das BFS rechnet in seinen Analysen <strong>auf</strong> regionaler<br />

Ebene oft mit den sogenannten Grossregionen.<br />

Davon gibt es insgesamt 7, die mit Ausnahme von<br />

Zürich und dem Tessin aus jeweils mehreren Kantonen<br />

bestehen. Die Namen der Grossregionen<br />

sind ziemlich selbsterklärend. Daher wird <strong>auf</strong> eine<br />

Auflistung der Zuordnungen verzichtet.<br />

Die Anzahl getöteter Personen bei Kollisionen mit<br />

entgegenkommenden Fahrzeugen ist im Espace<br />

Mittelland, in der Ostschweiz und in der Région<br />

lémanique am grössten (Tabelle 7). Diese Zahl ist<br />

jedoch stark abhängig von der Einwohnerzahl.<br />

Wenn man die Zahl der Getöteten <strong>auf</strong> die Anzahl<br />

Einwohner dieser Regionen bezieht (Getötete pro 1<br />

Mio. Einwohner pro Jahr), dann ergibt sich ein<br />

etwas anderes Bild. Der höchste Wert ergibt sich<br />

dann für die Ostschweiz (21). Der schweizerische<br />

Durchschnitt beträgt 14. Besonders positiv stehen<br />

Zürich (10) und die Nordwestschweiz (11) da. Die<br />

übrigen Regionen sind in der Nähe des Schweizer<br />

Durchschnitts.<br />

Tabelle 6<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

vom Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker<br />

Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />

beim Lenker<br />

Kein Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />

(Referenzkategorie)<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

75 466 1 128 0.00 1.00<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol 2 837 138 0.00 1.68 1.51 1.88<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

46 Resultate bfu-Report Nr. 61


Ein relativ geringes Risiko schwer verletzt oder<br />

getötet zu werden haben Unfallbeteiligte im Tessin<br />

und in der Ostschweiz. Besonders riskant im Sinne<br />

grösserer Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

ist hingegen die Nordwestschweiz gefolgt von<br />

der Région lémanique.<br />

1.6 Strassenanlage (Längsneigung der<br />

Strasse)<br />

Die meisten getöteten Personen verunfallten <strong>auf</strong><br />

ebener Strecke (54 %). Gefälle und Steigungen<br />

sind mit 24 % bzw. 20 % ungefähr gleich häufig<br />

vertreten (Tabelle 8).<br />

Die Unfallbeteiligtendichte hängt davon ab, wie<br />

viel Kilometer der Strassen sich in ebenen, resp. in<br />

geneigten Abschnitten bezüglich des Verkehrs<strong>auf</strong>-<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

kommens pro Fahrtrichtung befinden. Diese Zahl<br />

ist jedoch nicht bekannt und es kann nur gemutmasst<br />

werden, dass es mehr Kilometer Strassennetz<br />

gibt, welches sich in der Ebene befindet (d. h.<br />

im kleinen Gefällsbereich zwischen 0.5 % bis 2.0<br />

%) als Strassenabschnitte, welche eine klar ersichtliche<br />

Längsneigung haben. Bei der Projektierung<br />

versucht man jedenfalls stets, die Linienführung mit<br />

möglichst kleiner Neigung zu finden.<br />

Hingegen ist bekannt, dass es gleich viele Kilome-<br />

ter Neigung mit einem Gefälle wie mit einer Steigung<br />

gibt. Für die Kodierung ist entscheidend,<br />

welche Fahrtrichtung das mutmasslich unfallverursachende<br />

Fahrzeug <strong>auf</strong> der schiefen Ebene gefahren<br />

ist.<br />

Der Unfallverursacher befindet sich deutlich weni-<br />

Tabelle 7<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Grossregion<br />

Grossregion Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Espace Mittelland 19 037 303 0.00 1.61 1.41 1.85<br />

Ostschweiz 19 966 263 0.17 1.10 0.96 1.27<br />

Région lémanique 13 914 241 0.00 1.78 1.54 2.05<br />

Zürich 6 945 158 0.00 1.59 1.35 1.87<br />

Nordwestschweiz 5 330 138 0.00 2.14 1.83 2.49<br />

Zentralschweiz 8 649 112 0.00 1.34 1.15 1.57<br />

Ticino (Referenzkategorie) 4 462 51 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 8<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Strassenanlage<br />

Strassenanlage Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Eben (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

30 394 678 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Gefälle 29 644 310 0.00 0.77 0.72 0.82<br />

Steigung 17 564 259 0.00 0.79 0.73 0.85<br />

Andere 701 19 0.00 1.65 1.31 2.08<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 47


ger oft in der Steigung als im Gefälle oder in der<br />

Ebene. Es ist schwieriger, die Kontrolle in einem<br />

Fahrzeug im Gefälle zurück zu gewinnen, als bei<br />

einer vergleichbaren Situation bei der Fahrt in einer<br />

Steigung.<br />

Auf ebener Strecke ist die Wahrscheinlichkeit<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden am grössten.<br />

Bei Gefälle und bei Steigung ist die Wahrscheinlichkeit<br />

um über 20 % geringer. Es ist anzunehmen,<br />

dass dies mit den gefahrenen Geschwindigkeiten<br />

zusammenhängt.<br />

Der dichteste Verkehr ist im Schweizer Mittelland<br />

und nicht in den Bergregionen zu finden. Daher ist<br />

auch das Strassennetz im Mittelland am dichtesten.<br />

Die Exposition ist demzufolge <strong>auf</strong> Strassen in der<br />

Ebene am grössten.<br />

1.7 Höchstgeschwindigkeit<br />

Die meisten Personen (rund 84 %) werden bei<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> bei Tempolimiten von 61–<br />

80 km/h getötet (Tabelle 9). Bei Geschwindigkeiten<br />

von 60 km/h und weniger sterben rund 10 % aller<br />

Verkehrsteilnehmer dieser Unfallklasse; die restlichen<br />

5 % bei Limiten von mehr als 80 km/h.<br />

Wie nicht anders zu erwarten – weil bei höheren<br />

Geschwindigkeiten höhere Energien <strong>auf</strong> den<br />

menschlichen Körper einwirken – steigt das Risiko<br />

für schwere und tödliche Verletzungen mit den<br />

erlaubten Höchstgeschwindigkeiten an. Bei Geschwindigkeitslimiten<br />

bis 60 km/h ist es über 60 %<br />

geringer als bei Limiten von mehr als 80 km/h.<br />

Tabelle 9<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der erlaubten Höchstgeschwindigkeit<br />

Erlaubte Höchstgeschwindigkeit<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

61–80 km/h 66 989 1 069 0.01 0.78 0.64 0.95<br />

Bis 60 km/h 9 585 136 0.00 0.39 0.31 0.49<br />

Über 80 km/h (Referenzkategorie)<br />

1 729 61 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

48 Resultate bfu-Report Nr. 61


1.8 Alter der beteiligten Person<br />

Hinsichtlich der Häufigkeit handelt es sich bei den<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> um ein Problem der jüngeren<br />

Fahrer. Pro Altersjahr starben bei den 20- bis<br />

24-Jährigen mehr als 45 Personen in den 12 Jahren<br />

von 1992 bis 2003. Bei den 65 bis 74 jährigen<br />

waren es weniger als 9 Personen pro Altersjahr.<br />

Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

steigt bei dieser Unfallklasse jedoch mit zunehmendem<br />

Alter an (Tabelle 10). Je älter die am Unfall<br />

beteiligte Person, desto grösser ist ihr Risiko<br />

schwer oder tödlich verletzt zu werden. Dass mit<br />

zunehmendem Alter die körperliche Verletzlichkeit<br />

zunimmt, ist ein bekanntes Phänomen.<br />

1.9 Geschlecht der beteiligten Person<br />

Der weitaus grösste Teil der bei Kollisionen mit<br />

entgegenkommenden Fahrzeugen getöteten Personen<br />

sind Männer (knapp ¾, Tabelle 11). Frauen<br />

haben jedoch eine um 43 % höhere Wahrscheinlichkeit<br />

als Männer schwer verletzt oder getötet zu<br />

werden. Frauen haben im Vergleich zu Männern<br />

eine erhöhte körperliche Verletzbarkeit. Dieses<br />

Ergebnis findet sich auch hier.<br />

Tabelle 10<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

vom Alter der beteiligten Person<br />

Alter Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Bis 14 Jahre 4 226 28 0.00 0.39 0.31 0.49<br />

15–19 Jahre 4 034 140 0.00 0.46 0.38 0.57<br />

20–24 Jahre 11 603 234 0.00 0.53 0.44 0.64<br />

25–34 Jahre 18 528 271 0.00 0.53 0.45 0.63<br />

35–44 Jahre 14 932 193 0.00 0.54 0.46 0.64<br />

45–54 Jahre 11 071 143 0.00 0.59 0.50 0.69<br />

55–64 Jahre 7 305 112 0.00 0.71 0.60 0.84<br />

65–74 Jahre 4 234 87 0.24 0.90 0.76 1.07<br />

75 Jahre und älter<br />

(Referenzkategorie)<br />

2 370 58 0.00 1.00<br />

Tabelle 11<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

vom Geschlecht der beteiligten Person<br />

Geschlecht Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Männlich (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

53 515 931 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Weiblich 24 788 335 0.00 1.43 1.35 1.53<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 49


1.10 Uhrzeit<br />

Die Uhrzeit spielt eine wichtige Rolle sowohl für die<br />

Häufigkeit als auch für die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen. Da es für diese Unfallklasse<br />

– im Gegensatz zu den Selbstunfällen –<br />

einen Unfallgegner geben muss, ist es nicht überraschend,<br />

dass die Häufigkeiten in den Nachtstunden<br />

eher gering sind. Insbesondere am späten<br />

Nachmittag und frühen Abend ist die Anzahl Personen,<br />

welche in diese Unfälle verwickelt sind, am<br />

grössten. Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

hingegen ist in der Nacht (mit Schwankungen<br />

– wohl wegen der relativ geringen Fallzahlen)<br />

grösser als tagsüber. Zum einfacheren Verständnis<br />

ist dieses Resultat sowohl in tabellarischer (Tabelle<br />

12) als auch in grafischer Form (Abbildung 4) dargestellt.<br />

Tabelle 12<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Unfallzeit<br />

Uhrzeit Anzahl Fälle in der<br />

Analyse<br />

22:30 bis 23:29<br />

(Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

1 794 39 0.00 1.00<br />

Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

23:30 bis 00:29 1 367 44 0.97 1.00 0.78 1.26<br />

00:30 bis 01:29 1 044 30 0.08 1.26 0.98 1.63<br />

01:30 bis 02:29 546 17 0.01 1.54 1.13 2.08<br />

02:30 bis 03:29 455 15 0.90 1.02 0.72 1.45<br />

03:30 bis 04:29 358 13 0.06 1.42 0.99 2.03<br />

04:30 bis 05:29 410 18 0.36 1.18 0.83 1.67<br />

05:30 bis 06:29 790 12 0.85 0.97 0.72 1.31<br />

06:30 bis 07:29 3 624 70 0.00 1.33 1.09 1.61<br />

07:30 bis 08:29 3 270 60 0.55 1.07 0.87 1.31<br />

08:30 bis 09:29 2 951 42 0.22 0.87 0.70 1.09<br />

09:30 bis 10:29 3 566 44 0.10 0.84 0.67 1.04<br />

10:30 bis 11:29 4 343 53 0.00 0.72 0.59 0.89<br />

11:30 bis 12:29 5 322 46 0.00 0.66 0.54 0.81<br />

12:30 bis 13:29 4 602 38 0.02 0.79 0.64 0.96<br />

13:30 bis 14:29 5 186 70 0.01 0.76 0.62 0.93<br />

14:30 bis 15:29 5 537 88 0.06 0.83 0.69 1.01<br />

15:30 bis 16:29 5 958 87 0.02 0.80 0.66 0.97<br />

16:30 bis 17:29 7 450 110 0.16 0.88 0.73 1.05<br />

17:30 bis 18:29 7 160 109 0.00 0.75 0.62 0.91<br />

18:30 bis 19:29 4 920 87 0.37 0.92 0.76 1.11<br />

19:30 bis 20:29 3 516 64 0.30 0.90 0.73 1.10<br />

20:30 bis 21:29 2 191 44 0.08 0.82 0.65 1.02<br />

21:30 bis 22:29 1 943 66 0.46 1.09 0.87 1.35<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

50 Resultate bfu-Report Nr. 61


1.11 Strassenzustand<br />

Am häufigsten werden Personen bei Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen <strong>auf</strong> trockenen<br />

Landstrassen getötet (2/3 der Getöteten, Tabelle<br />

13).<br />

Die Unfallhäufigkeit ist abhängig von der Häufigkeit<br />

der Trockenstunden und der Regen- resp.<br />

Schneefalldauer. Seit dem Jahrtausendwechsel<br />

können in der Schweiz immer häufiger extreme<br />

Wetterereignisse festgestellt werden. Zudem sind<br />

diese je nach Region stark unterschiedlich. Es kann<br />

kein einheitliches Bild über die ganze Schweiz<br />

betreffend trockene und regenreiche Stunden gemacht<br />

werden.<br />

Das Risiko schwerer und tödlicher Verletzungen ist<br />

<strong>auf</strong> trockener, feuchter, nasser, vereister und pflotschiger<br />

Strasse ungefähr gleich gross – zumindest<br />

ist der Unterschied nicht signifikant. Einzig <strong>auf</strong><br />

verschneiten Strassen finden wir ein um nahezu<br />

40 % verringertes Risiko. Dies dürfte mit den geringeren<br />

gefahrenen Geschwindigkeiten <strong>auf</strong><br />

schneebedeckten Strassen zusammenhängen.<br />

Abbildung 4<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Unfallzeit (Anzahl Personen und Odds Ratio für Verletzungsschwere)<br />

Azahl Personen<br />

8000<br />

7000<br />

6000<br />

5000<br />

4000<br />

3000<br />

2000<br />

1000<br />

0<br />

Tabelle 13<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

vom Strassenzustand<br />

Strassenzustand Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Trocken (Referenzkategorie) 41 625 844 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Nass 14 341 203 0.18 1.05 0.98 1.13<br />

Feucht 7 326 118 0.49 1.03 0.94 1.14<br />

Vereist 4 456 45 0.09 1.11 0.98 1.26<br />

Verschneit 8 893 42 0.00 0.61 0.54 0.68<br />

Pflotschig 1 513 13 0.86 1.02 0.83 1.25<br />

Anderes 149 1 0.02 0.33 0.13 0.87<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24<br />

Anzahl Personen Odds Ratio<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 51<br />

1.8<br />

1.6<br />

1.4<br />

1.2<br />

1<br />

0.8<br />

0.6<br />

0.4<br />

0.2<br />

0<br />

Odds Ratio


1.12 Unfallstelle<br />

Nahezu 2/3 aller bei einer Kollision mit einem ent-<br />

gegenkommenden Fahrzeug getöteten Personen<br />

kamen in einer Kurve ums Leben (806 von 1266).<br />

Fast alle übrigen starben <strong>auf</strong> gerader Strecke<br />

(Tabelle 14).<br />

Von Relevanz bezüglich Häufigkeit sind nur die<br />

Unfallstellen Kurve, Gerade, Einmündung und<br />

Kreuzung. Auch bei den Unfallstellen ist die Anzahl<br />

natürlich davon abhängig, wie viele solcher potenziellen<br />

Unfallstellen es überhaupt gibt. Die Zahlen<br />

dazu fehlen.<br />

In Kurven gibt es 3-mal mehr unfallbeteiligte Per-<br />

sonen als in Geraden. Erstaunlich ist, dass in Ein-<br />

mündungen deutlich mehr passiert als bei Kreuzungen.<br />

Vermutlich gibt es ausserorts viel mehr<br />

Einmündungen als Kreuzungen, was die grosse<br />

Anzahl Unfälle bei den Einmündungen wiederum<br />

relativiert.<br />

Die grösste Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision<br />

mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer<br />

verletzt oder getötet zu werden besteht <strong>auf</strong> gerader<br />

Strecke. Dort dürften die gefahrenen Geschwindigkeiten<br />

am höchsten sein. In Kurven ist<br />

das Risiko schwerer Verletzungen um 13 % geringer.<br />

1.13 Personenart<br />

Die grösste Anzahl getöteter Personen (knapp<br />

Tabelle 14<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Unfallstelle<br />

Unfallstelle Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Kurve 56 023 806 0.00 0.87 0.82 0.93<br />

Gerade Strecke (Referenzkategorie)<br />

19 761 446 0.00 1.00<br />

Einmündung 1 614 10 0.00 0.52 0.41 0.67<br />

Kreuzung 717 3 0.00 0.60 0.42 0.85<br />

Andere 85 1 0.32 0.61 0.23 1.61<br />

Platz/Verkehrsfläche 28 0 0.98 0.98 0.12 7.69<br />

Parkplatz/Nebenanlage 75 0 0.07 0.15 0.02 1.15<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 15<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Personenart<br />

Personenart Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Lenker (Referenzkategorie)<br />

55 508 1 003 0.00 1.00<br />

Mitfahrer vorne 13 921 165 0.06 0.93 0.85 1.00<br />

Mitfahrer hinten 8 821 94 0.00 0.71 0.63 0.79<br />

Mitfahrer unbekannt 53 3 0.73 0.86 0.36 2.05<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

Quelle: bfu © bfu 2008<br />

52 Resultate bfu-Report Nr. 61


80 % aller Getöteten, Tabelle 15) finden wir unter<br />

den Fahrzeuglenkenden – was nicht überraschend<br />

ist, da jedes Fahrzeug einen Lenker hat, aber nicht<br />

unbedingt Beifahrer. Die Lenker haben das höchste<br />

Risiko schwer verletzt oder getötet zu werden. Das<br />

Risiko der Mitfahrer vorne ist um 7 % geringer, der<br />

Beifahrer hinten sogar um 30 %.<br />

1.14 Künstliche Beleuchtung<br />

Die meisten bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> getöteten<br />

Personen (rund 80 %) starben bei Unfällen an Orten,<br />

wo es keine künstliche Beleuchtung gab.<br />

Weil der überwiegende Anteil der <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

keine Beleuchtung hat, ist dieses Resultat plausibel.<br />

Die relativ vielen Unfälle bei der künstlichen<br />

Beleuchtung «ausser Betrieb» erklärt sich daher,<br />

dass auch Unfälle tagsüber in den Analysen enthalten<br />

sind. Besser als bei der durchgehenden Beleuchtung<br />

ist die Unfallsituation bei der punktuellen<br />

Beleuchtung. Vermutlich ist man bei der punktuellen<br />

Beleuchtung besser vor einem gefährlichen<br />

Abschnitt der Strasse gewarnt (Knoten, gefährliche<br />

Stelle, ...) als bei der durchgehenden Beleuchtung.<br />

Darin können gefährliche Stellen wie z. B. ein Knoten<br />

verschwinden (Tabelle 16).<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

Die grösste Wahrscheinlichkeit für schwere Verletzungen<br />

bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen besteht, wenn es keine künstliche<br />

Beleuchtung gibt oder wenn diese ausser Betrieb<br />

ist. Punktuelle oder durchgehende Beleuchtungen<br />

senken das Risiko um rund 20 %. Trotzdem ist ein<br />

vermehrter Einsatz künstlicher Beleuchtung zur<br />

Vermeidung von Unfällen dieser Klasse eher kritisch<br />

zu sehen, da sich die allermeisten Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen tagsüber<br />

ereignen (Kap. VI.1.10).<br />

Die Beleuchtung wurde ursprünglich meistens angebracht,<br />

weil sich der entsprechende Streckenabschnitt<br />

(z. B. <strong>auf</strong>grund einer Unfallanalyse) in einem<br />

gefährlichen Bereich befindet. Wenn diese Abschnitte<br />

nun <strong>auf</strong>grund von «wirtschaftlichen»<br />

Überlegungen abgeschaltet werden, kann dies<br />

bezüglich der Unfallschwere gravierend sein.<br />

1.15 Wochentag<br />

Die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

ereignen sich am häufigsten freitags, samstags<br />

und sonntags. Insgesamt kamen an diesen Tagen<br />

49 % aller Todesopfer dieser Unfallklasse ums<br />

Leben.<br />

Tabelle 16<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der künstlichen Beleuchtung<br />

Künstliche Beleuchtung Anzahl Fälle<br />

in der<br />

Analyse<br />

Keine künstliche<br />

Beleuchtung (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende<br />

des 95 % Konfidenz-intervalls<br />

64 780 1 019 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Ausser Betrieb 8 009 140 0.00 1.19 1.07 1.33<br />

Durchgehend 3 383 76 0.00 0.79 0.68 0.91<br />

Punktuell 2 110 30 0.02 0.81 0.68 0.97<br />

Andere 21 1 0.02 0.08 0.01 0.66<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 53


Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

hingegen ist samstags und sonntags geringer als<br />

unter der Woche (Tabelle 17).<br />

1.16 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit<br />

73 % aller Getöteten kamen <strong>auf</strong> Strecken ums<br />

Leben, wo die Geschwindigkeit nicht signalisiert<br />

war. Nahezu alle übrigen Todesfälle ereigneten sich<br />

bei signalisierten Höchstgeschwindigkeiten (temporär<br />

signalisiert spielt – bezogen <strong>auf</strong> die absolute<br />

Anzahl Getöteter – nur eine geringe Rolle).<br />

Die signalisierten Strassenabschnitte mit Abweichungen<br />

von den allgemeinen Höchstgeschwindig-<br />

keiten gemäss Art. 108 SSV1 sind v.a. bei Vorbereichen<br />

von Ortschaften oder bei gefährlichen Abschnitten<br />

zu finden, wenn besondere Gefahren<br />

nicht mit anderen Massnahmen genügend gesichert<br />

werden können.<br />

Die Streckenlänge der nicht signalisierten Strassen-<br />

abschnitte ist also um ein Vielfaches länger als die<br />

Strassenabschnitte mit einer signalisierten, reduzierten<br />

Geschwindigkeit.<br />

Aufgrund der unterschiedlichen Streckenlängen<br />

werden in den Abschnitten ohne Signalisation der<br />

Höchstgeschwindigkeit am meisten Personen in<br />

Unfälle verwickelt.<br />

Tabelle 17<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

vom Wochentag<br />

Wochentag Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯<br />

1 Signalisationsverordnung vom 5. September 1979, SR<br />

741.21<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Freitag 12 097 205 0.00 1.22 1.12 1.34<br />

Samstag (Referenzkategorie)<br />

14 807 223 0.00 1.00<br />

Sonntag 12 707 193 0.28 0.95 0.87 1.04<br />

Montag 9 552 165 0.00 1.17 1.06 1.29<br />

Dienstag 9 068 148 0.04 1.12 1.01 1.24<br />

Mittwoch 9 667 146 0.01 1.15 1.04 1.28<br />

Donnerstag 10 405 186 0.00 1.21 1.10 1.33<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 18<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Signalisation der Höchstgeschwindigkeit<br />

Signalisation Anzahl Fälle in der<br />

Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Nicht signalisiert 61 489 919 0.00 0.78 0.70 0.87<br />

Signalisiert (Referenzkategorie)<br />

16 273 334 0.00 1.00<br />

Temporär signalisiert 541 12 0.30 1.18 0.86 1.61<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Anmerkung: Quelle: BFS/bfu<br />

Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

54 Resultate bfu-Report Nr. 61


Eine nicht signalisierte Geschwindigkeitslimite geht<br />

mit einer um 22 % geringeren Wahrscheinlichkeit<br />

von schweren Verletzungen einher, wohingegen<br />

eine temporär signalisierte Limite die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen nicht signifikant<br />

ändert – im Vergleich zu einer signalisierten<br />

Höchstgeschwindigkeit (Tabelle 18). Abschnitte<br />

werden in der Regel signalisiert, weil sie besonders<br />

gefährlich sind. Das Risiko schwer verletzt oder<br />

getötet zu werden ist aber trotz der signalisierten<br />

Geschwindigkeit immer noch höher, als <strong>auf</strong> der<br />

weniger problematischen Strecke ohne Signalisation.<br />

Dies bedeutet, dass die Gefährlichkeit der Strecke<br />

durch die Signalisation der Geschwindigkeit<br />

allein nicht genügend gesichert werden konnte.<br />

Diese Tatsache stützt den Art. 108 SSV, welcher<br />

vor einer Reduktion der Geschwindigkeit andere<br />

Massnahmen fordert (z. B. verbessern der optischen<br />

Linienführung durch Randlinien, Leitpfosten,<br />

Leitpfeile oder verbessern von Elementen der Anlage<br />

wie z. B. das Quergefälle, die Bankettbreite, ...).<br />

Die Unfallklasse Kollision mit einem entgegenkommenden<br />

Fahrzeug wäre wohl besser mit einer<br />

Mittelleitplanke als mit einer Senkung der Geschwindigkeit<br />

behoben. Zudem würde dem Zweck<br />

von Art. 108 SSV besser entsprochen.<br />

1.17 Strassenkategorie<br />

Die Häufigkeitsverteilung bei Unfällen bzw. Verunfallten<br />

nach Strassenkategorien ist etwas seltsam.<br />

Über 60 % der Getöteten bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen kamen <strong>auf</strong> der<br />

Strassenkategorie «Andere» ums Leben. Recherchen<br />

haben ergeben, dass die Strassenkategorie bis<br />

1998 nicht obligatorisch ausgefüllt werden musste<br />

und daher oft die Antwortkategorie «Andere»<br />

angegeben wurde. Insofern sind diese Angaben<br />

nur beschränkt brauchbar.<br />

Nationalstrassen haben die grösste Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer oder tödlicher Verletzungen. Auf<br />

Kantonsstrassen ist das Risiko um 18 % geringer,<br />

<strong>auf</strong> Gemeindestrassen sogar um 36 % (Tabelle 19).<br />

Möglicherweise unterscheiden sie sich hinsichtlich<br />

ihres Ausbaustandards, wobei allerdings die Strassenart<br />

bereits statistisch kontrolliert wird. Unterschiedliche<br />

Geschwindigkeitslimiten dürften ebenfalls<br />

keinen Effekt mehr haben, da auch diese Variable<br />

in den Analysen statistisch kontrolliert wird.<br />

Tabelle 19<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Strassenkategorie<br />

Strassenkategorie Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Andere 50 317 776 0.00 0.73 0.60 0.89<br />

Kantonsstrasse 19 810 307 0.05 0.82 0.68 1.00<br />

Nationalstrasse (Referenzkategorie)<br />

3 232 157 0.00 1.00<br />

Gemeindestrasse 4 843 17 0.00 0.64 0.51 0.82<br />

Privatstrasse 101 0 0.28 0.45 0.11 1.90<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 55


1.18 Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

Die weitaus meisten Getöteten (pro Jahr Führer-<br />

ausweisbesitz) gibt es bei den Neulenkern. Diese<br />

Zahl sinkt mit zunehmendem Alter immer weiter<br />

ab. Im ersten Jahr nach Führerausweiserwerb starben<br />

von 1992 bis 2003 151 Personen bei Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen. Im<br />

zweiten Jahr waren es noch 109, im dritten 64 und<br />

im vierten Jahr 49 Personen (Tabelle 20). Auch für<br />

die Schwere der Verletzung ist ein erst kürzlich<br />

erworbener Führerausweis ein Risikofaktor bei<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen.<br />

Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen ist<br />

in den ersten 3 Jahren des Führerausweisbesitzes<br />

zwischen 11 % und 35 % höher als bei den Autofahrern,<br />

die schon länger den Ausweis haben.<br />

Die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeu-<br />

gen sind also sowohl hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit<br />

schwere Verletzungen zu erleiden als auch<br />

hinsichtlich der Häufigkeit ein Neulenker-Problem,<br />

vor allem in den ersten 3 Jahren des Führerausweisbesitzes.<br />

1.19 Vortrittsregelung<br />

Die grösste Anzahl verunfallter Personen (über<br />

Tabelle 20<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

Dauer des Führerscheinbesitzes<br />

Anzahl Fälle<br />

in der Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

1. Jahr (Referenzkategorie)<br />

6 133 151 0.00 1.00<br />

2. Jahr 4 226 109 0.46 0.95 0.83 1.09<br />

3. Jahr 3 674 64 0.56 1.04 0.90 1.21<br />

4. Jahr 3 199 49 0.00 0.79 0.67 0.93<br />

5.–9. Jahr 12 348 187 0.08 0.90 0.79 1.01<br />

10.–14. Jahr 10 943 162 0.01 0.85 0.74 0.97<br />

15.–29. Jahr 24 119 264 0.00 0.80 0.71 0.91<br />

30 und mehr Jahre 13 661 221 0.00 0.74 0.64 0.85<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 21<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von der Vortrittsregelung<br />

Vortrittsregelung Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Keine Vortrittsregelung (Referenzkategorie)<br />

76 620 1 256 0.00 1.00<br />

LSA für zeitweilige Spursperrung 139 3 0.14 0.58 0.28 1.20<br />

Lichtsignalanlage 333 3 0.00 0.39 0.21 0.72<br />

Andere 864 3 0.01 0.65 0.46 0.90<br />

Stoppstrasse 74 1 0.80 1.13 0.45 2.85<br />

Rechtsvortritts, Missachten 54 0 0.55 0.63 0.14 2.83<br />

Kein Vortritt, signalisiert 203 0 0.00 0.19 0.06 0.60<br />

Fussgängerstreifen 11 0 0.48 1.82 0.34 9.82<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

56 Resultate bfu-Report Nr. 61


99 % der Getöteten) und auch das grösste Risiko<br />

schwerer Verletzungen weisen Strassen <strong>auf</strong>, <strong>auf</strong><br />

denen es keine Vortrittsregelung gibt (Tabelle 21).<br />

In der Kategorie «Keine Vortrittsregelung» sind die<br />

freien Strecken und 2 Knotentypen enthalten: Knoten,<br />

welche ausserorts im Rechtsvortritt geregelt<br />

sind, und Knoten, an welchen zwar keine Signalisation<br />

angebracht wurde, der Vortritt aber <strong>auf</strong>grund<br />

der rechtlichen Bestimmungen (insbesondere im<br />

SVG2 und VRV3 ) geregelt ist. Die erste Kategorie<br />

betrifft Knoten von Nebenstrassen mit Nebenstrassen,<br />

die zweite Kategorie betrifft Feldwege mit<br />

Haupt- oder Nebenstrassen. Die allermeisten Unfälle<br />

bei Kollision mit einem entgegenkommenden<br />

Fahrzeug sind aber <strong>auf</strong> freien Strecken zu verbuchen.<br />

Besonders sicher in Bezug <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere<br />

sind Strassen mit Lichtsignalanlagen. Das<br />

Risiko von schweren oder tödlichen Verletzungen<br />

bei Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

ist dort um 61 % geringer, als wenn es keine<br />

Vortrittsregelung gibt.<br />

⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯<br />

2 Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958, SR 741.01<br />

3 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962,<br />

SR 741.11<br />

1.20 Angaben zum Lenker<br />

Bei den getöteten Personen bei Kollisionen mit<br />

entgegenkommenden Fahrzeugen handelt es sich<br />

zumeist um die Halter der Fahrzeuge (70 %). An<br />

zweiter Stelle folgen die Familienmitglieder mit<br />

rund 17 % (Tabelle 22). Das grösste Risiko schwer<br />

verletzt oder getötet zu werden haben jedoch die<br />

Militärfahrer. Ihr Risiko ist um 55 % höher als dasjenige<br />

von privaten Fahrzeughaltern. Bei diesem<br />

Resultat könnte es sich jedoch um ein methodisches<br />

Artefakt handeln, da nicht alle Unfälle mit<br />

Militärfahrern durch die zivile Polizei erfasst werden.<br />

Personen hingegen, die mit Geschäftswagen<br />

unterwegs sind, haben ein um 15 % verringertes<br />

Risiko. Bei Mietwagen ist das Risiko sogar noch<br />

geringer.<br />

Tabelle 22<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />

von den Angaben zum Lenker<br />

Angaben zum Lenker Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />

95% Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95% Konfidenzintervalls<br />

Halter (Referenzkategorie) 47 177 880 0.00 1.00<br />

Familienmitglied 14 629 215 0.11 1.06 0.99 1.14<br />

Andere 4 694 91 0.98 1.00 0.89 1.12<br />

Lenker mit Geschäftswagen 10 403 61 0.01 0.85 0.76 0.96<br />

Mietfahrer 880 13 0.05 0.77 0.59 1.00<br />

Unbekannt 71 4 0.12 0.43 0.15 1.24<br />

Militärfahrer 449 2 0.05 1.55 1.00 2.39<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 57


1.21 Nicht signifikante Variablen<br />

Von den für die Vorhersage der Verletzungsschwere<br />

nicht signifikanten Variablen ist vielleicht am<br />

interessantesten, dass das Unfalljahr keine Rolle<br />

spielt: Man hätte erwarten können, dass mit zunehmend<br />

besserer Fahrzeugausstattung (z. B. Airbags),<br />

besseren Crashtest-Resultaten usw. sich ein<br />

geringeres Risiko schwerer Verletzungen ergeben<br />

würde. Dies ist jedoch bei den Unfallzahlen bis<br />

2003 nicht der Fall. Es sieht so aus, als ob über die<br />

allgemeine positive Entwicklung bei der Anzahl der<br />

in diese Unfallklasse verwickelten Personen hinaus<br />

kein positiver Effekt zu verzeichnen ist. Sonst wären<br />

die beiden Kurven weniger parallel verl<strong>auf</strong>en<br />

(Abbildung 5).<br />

Ebenfalls nicht signifikant waren die Effekte der<br />

Witterung, die allerdings eng mit dem Strassenzustand,<br />

der ja signifikant ist, verknüpft sind. Dasselbe<br />

gilt für die Lichtverhältnisse (nicht signifikant)<br />

und die Uhrzeit (signifikant).<br />

2. Kollision mit festen Hindernisssen<br />

ausserhalb der Fahrbahn<br />

Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn sind schon seit vielen Jahren als ein grosses<br />

Problem im Strassenverkehr erkannt. Die Entwicklung<br />

der Leitschranken aber auch die Entfernung<br />

von massiven Hindernissen oder z. B. «breakaway<br />

poles» (Masten mit Sollbruchstellen) sind<br />

Massnahmen für diese Unfallklasse. Wie jedoch<br />

Abbildung 3, S. 43 <strong>auf</strong>zeigt, sind auch heute noch<br />

ein nicht unbeträchtlicher Teil der Verkehrsgetöteten<br />

<strong>auf</strong> Landstrassen (rund 1/3) <strong>auf</strong> Kollisionen mit<br />

festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn zurückzuführen.<br />

Abbildung 5<br />

Beteiligte und getötete Personen bei Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen von 1992–2003<br />

Anzahl beteiligte Personen<br />

10000<br />

9000<br />

8000<br />

7000<br />

6000<br />

5000<br />

4000<br />

3000<br />

2000<br />

1000<br />

0<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003<br />

Beteiligte Personen Getötete Personen<br />

58 Resultate bfu-Report Nr. 61<br />

180<br />

160<br />

140<br />

120<br />

100<br />

80<br />

60<br />

40<br />

20<br />

0<br />

Anzahl getötete Personen


2.1 Fortbewegungsmittel<br />

Die meisten bei einer Kollision mit einem festen<br />

Hindernis ausserhalb der Fahrbahn getöteten Personen<br />

waren Insassen von Personenwagen (879,<br />

Tabelle 23). Auf den nächsten beiden Plätzen folgen<br />

Motorräder über bzw. bis 125 ccm (128 und<br />

37 Personen). Ebenfalls noch recht häufig vertreten<br />

sind Insassen von Lieferwagen (25 Getötete).<br />

Die wichtigste Rolle für die Wahrscheinlichkeit von<br />

schweren oder tödlichen Verletzungen bei einer<br />

Kollision mit einem festen Hindernis spielt der<br />

Fahrzeugtyp. Das Risiko für Fahrer oder Beifahrer<br />

von Motorrädern über 125 ccm ist nahezu 20-mal<br />

so gross wie für PW-Insassen. Für Motorräder bis<br />

zu 125 ccm ist das Risiko immer noch 16-fach erhöht.<br />

Für Kleinmotorräder und Mofas sind die Risiken<br />

7- bzw. 4-fach höher als für PW-Insassen. Besonders<br />

sicher hingegen sind Sattelschlepper und<br />

Lastwagen. Die Risiken in diesen Fahrzeugen<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden betragen<br />

nur rund 30 bis 50 % des Risikos von PW-Insassen.<br />

2.2 Rückhaltesysteme / Helm<br />

Mehr als die Hälfte der bei einer Kollision mit einem<br />

festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn ums<br />

Leben gekommenen Personen hatten ihren <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />

oder ihren Helm nicht getragen (Tabelle<br />

24, S. 60). Das Risiko, ums Leben zu kommen oder<br />

schwer verletzt zu werden, ist annähernd 6-mal so<br />

hoch wie dasjenige der Benützer von Rückhaltevorrichtung<br />

oder Helm.<br />

Tabelle 23<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit vom Fortbewegungsmittel<br />

Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Personenwagen (Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

38 858 879 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Motorrad über 125 ccm 1 598 128 0.00 19.58 17.25 22.22<br />

Motorrad bis 125 ccm 584 37 0.00 16.26 13.57 19.48<br />

Lieferwagen 1 141 25 0.11 0.84 0.67 1.04<br />

Motorfahrrad 168 15 0.00 4.41 3.07 6.34<br />

Traktor 101 13 0.30 1.31 0.78 2.20<br />

Lastwagen 551 10 0.00 0.47 0.33 0.69<br />

Kleinmotorrad 137 7 0.00 6.68 4.54 9.82<br />

Andere 46 7 0.01 2.59 1.23 5.47<br />

Kleinbus 266 6 0.23 0.76 0.48 1.19<br />

Sattelschlepper über 3.5 t 155 5 0.52 0.51 0.07 3.97<br />

Arbeitsmaschine 47 3 0.21 1.60 0.77 3.34<br />

Bus / Car 93 2 0.94 1.03 0.53 2.00<br />

Sattelschlepper bis 3.5 t 19 0 0.00 0.31 0.14 0.68<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 59


2.3 Kollisionsobjekt<br />

Die meisten bei einer Kollision mit einem festen<br />

Hindernis ausserhalb der Fahrbahn verunfallten<br />

Personen kamen bei einer Kollision mit einem<br />

Baum ums Leben (389 oder 34 %, Tabelle 25). An<br />

zweiter Stelle steht die Kategorie «Zaun, Mauer,<br />

Geländer» mit 207 Getöteten. An dritter Stelle<br />

folgen «Schild, Pfosten, Mast» (137 Tote) und<br />

schliesslich die Leitschranken mit 116 Toten. Wenn<br />

man sich anschaut, welche Kombination von Fortbewegungsmittel<br />

und Hindernis zu den meisten<br />

Todesfällen führt (Abbildung 6), so steht an erster<br />

Stelle der Personenwagen. der mit einem Baum<br />

kollidiert, gefolgt von Personenwagen gegen Mau-<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

er, Personenwagen gegen Mast, Personenwagen<br />

gegen Leitschranke und Personenwagen gegen<br />

Absturz/fallende Böschung (3,5 %). Erst an sechster<br />

Stelle folgt Motorrad über 125 ccm vs. Leitschranke.<br />

Die Objekte welche das höchste Risiko schwerster<br />

Verletzungen nach sich ziehen, sind Bäume (Risiko<br />

mehr als 6-mal so gross wie bei Kollisionen mit<br />

Tieren – der Referenzkategorie) gefolgt von Abstürzen<br />

oder fallenden Böschungen (Odds Ratio =<br />

3,36). Zäune, Mauern und Geländer haben ein ca.<br />

2,5-mal höheres Risiko; steigende Böschungen,<br />

Leitschranken, sowie Schilder, Pfosten und Masten<br />

sind in etwa gleich gefährlich. Eine Absicherung<br />

Tabelle 24<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />

Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />

Anzahl Fälle<br />

in der Analyse<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Rückhaltesystem nicht<br />

benützt<br />

4 986 492 0.00 5.71 5.27 6.19<br />

Rückhaltesystem benützt<br />

(Referenzkategorie)<br />

35 373 409 0.00 1.00<br />

Unbekannt 1 379 160 0.00 6.24 5.47 7.11<br />

Keine Tragpflicht/kein System 2 027 89 0.00 3.03 2.53 3.62<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 25<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit vom Hindernis mit dem kollidiert wurde<br />

Kollisionsobjekt Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des<br />

95 % Konfidenzintervalls<br />

Baum 6 545 389 0.00 6.42 3.13 13.15<br />

Zaun/Mauer/Geländer 11 125 207 0,01 2.45 1.20 5.02<br />

Schild/Pfosten/Mast 9 073 137 0.04 2.11 1.03 4.32<br />

Leitschranke 8 095 116 0.04 2.14 1.04 4.39<br />

Absturz/fallende Böschung 2 001 53 0.00 3.36 1.62 6.96<br />

Andere 2 295 42 0,03 2.29 1.11 4.74<br />

Steigende Böschung 2 539 32 0.04 2.18 1.05 4.51<br />

Fahrzeug (kein Objekt) 1 124 20 0.10 1.89 0.89 4.00<br />

Insel/Inselpfosten 801 5 0.43 1.37 0.63 2.99<br />

Tier (Referenzkategorie) 154 3 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

60 Resultate bfu-Report Nr. 61


mit einem Leitschrankensystem ist also vor allem<br />

sinnvoll bei Bäumen und bei Abstürzen bzw. fallenden<br />

Böschungen sowie allenfalls bei Zäunen/Mauern<br />

und Geländern.<br />

2.4 Möglicher Alkoholeinfluss beim<br />

Lenker<br />

Die meisten der bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn getöteten Personen<br />

waren mit einem Lenker unterwegs bei dem die<br />

Polizei keinen Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol notiert hatte.<br />

Bei knapp 33 % der Todesfälle war jedoch wahrscheinlich<br />

Alkohol im Spiel.<br />

Alkohol erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit<br />

von Unfällen sondern ist auch ein Risikofaktor für<br />

die Verletzungsschwere. Das Risiko schwer verletzt<br />

oder getötet zu werden ist bei Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />

bei den Lenkenden gegenüber den Nüchternen<br />

um 41 % höher (Tabelle 26).<br />

Abbildung 6<br />

Anzahl Todesfälle nach Fortbewegungsmittel und Kollisionsobjekt (Auswahl der häufigsten Kombinationen, die über 90 % der Todesfälle<br />

beinhalten), 1992–2003<br />

400<br />

350<br />

300<br />

250<br />

200<br />

150<br />

100<br />

50<br />

0<br />

340<br />

160<br />

100<br />

Tabelle 26<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit vom Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker<br />

Nachgewiesener<br />

Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />

Kein Mangel Alkohol<br />

(Referenzkategorie<br />

65<br />

35<br />

30<br />

27<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

32<br />

23<br />

14<br />

20<br />

8 8<br />

10<br />

4 7 9<br />

9<br />

1 0 2 0 4 4 3 3 0 0<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

36 058 774 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Mangel Alkohol 7 694 376 0.00 1.41 1.31 1.52<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

Personenwagen Motorrad über 125 ccn Motorrad bis 125 ccm Lieferwagen<br />

Baum Zaun/Mauer/Geländer Schild/Pfosten/Mast Leitschranke Absturz/fallende Böschung Anderes Steigende Böschung<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 61


2.5 Grossregion<br />

Die meisten Getöteten gab es im Espace Mittelland,<br />

der Région lémanique und in der Ostschweiz.<br />

Auch pro 1 Mio. Einwohner führen diese 3 Regionen<br />

(18, 16 und 19) wobei dann allerdings noch<br />

das Tessin hinzukommt (ebenfalls 16). Auffällig<br />

selten gibt es Getötete dieser Unfallklasse in Zürich<br />

und in der Nordwestschweiz (1 und 7).<br />

Die Ostschweiz, Zürich und die Zentralschweiz tun<br />

sich durch ein besonders niedriges Risiko schwerer<br />

und tödlicher Verletzungen hervor. Es ist um 37 %,<br />

21 % bzw. 18 % tiefer als in der Referenzregion<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

Tessin. Ähnlich gefährlich wie das Tessin sind die<br />

Région lémanique und der Espace Mittelland<br />

(Tabelle 27).<br />

2.6 Alter der beteiligten Person<br />

Die grössten Häufigkeiten tödlicher Verletzungen<br />

findet man bei den jungen Verkehrsteilnehmern.<br />

Allerdings sinkt die Anzahl mit zunehmendem Alter<br />

nur langsam. Erst bei den Personen ab Mitte 50<br />

liegt die Anzahl pro Altersjahr ziemlich tief.<br />

Je älter die beteiligte Person ist, umso grösser ist<br />

jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine schwe-<br />

Tabelle 27<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der Grossregion<br />

Grossregion Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz<br />

Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Espace Mittelland 12 075 363 0.66 0.97 0.83 1.12<br />

Région lémanique 8 600 268 0.87 1.01 0.87 1.18<br />

Ostschweiz 13 512 238 0.00 0.63 0.54 0.73<br />

Zentralschweiz 4 153 109 0.03 0.82 0.69 0.98<br />

Nordwestschweiz 2 226 89 0.21 0.88 0.73 1.07<br />

Ticino (Referenzkategorie) 2 464 63 0.00 1.00<br />

Zürich 722 20 0.13 0.79 0.58 1.07<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 28<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit vom Alter der beteiligten Person<br />

Alter Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

bis 14 Jahre 1 194 18 0.00 0.24 0.17 0.34<br />

15–19 Jahre 4 205 161 0.00 0.46 0.37 0.58<br />

20–24 Jahre 12 479 227 0.00 0.46 0.38 0.57<br />

25–34 Jahre 11 566 284 0.00 0.50 0.41 0.62<br />

35–44 Jahre 6 370 177 0.00 0.52 0.42 0.64<br />

45–54 Jahre 3 767 122 0.00 0.58 0.47 0.72<br />

55–64 Jahre 2 059 72 0.00 0.65 0.51 0.82<br />

65–74 Jahre 1 190 46 0.04 0.76 0.58 0.98<br />

75 Jahre und älter<br />

(Referenzkategorie)<br />

922 43 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

62 Resultate bfu-Report Nr. 61


e oder tödliche Verletzung erleidet (Tabelle 28).<br />

Die Wahrscheinlichkeit der 15 bis 44jährigen<br />

schwer verletzt oder gar getötet zu werden, ist nur<br />

halb so gross wie diejenige der 75jährigen und<br />

älteren.<br />

2.7 Strassenzustand<br />

Annähernd 800 der bei einer Kollision mit einem<br />

festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn gestorbenen<br />

Personen kamen bei trockenem Strassenzustand<br />

ums Leben (68 % aller bei dieser Unfallklasse<br />

Getöteten). Daneben spielen noch nasse und<br />

feuchte Strassen eine verhältnismässig wichtige<br />

Rolle (25 %). Winterliche Strassenverhältnisse wie<br />

Eis und Schnee treten eher selten in Erscheinung<br />

(Tabelle 29).<br />

Der Strassenzustand spielt auch eine Rolle für die<br />

Verletzungsschwere. Am grössten ist das Risiko<br />

schwerer Verletzungen bei trockener Strasse.<br />

Wenn die Strasse feucht ist, ist das Risiko um<br />

11 %, bei nasser Strasse sogar um 17 % geringer<br />

(Tabelle 29). Das geringste Risiko schwerer Verletzungen<br />

besteht bei verschneiten Strassen. Dann ist<br />

das Risiko weniger als halb so gross wie <strong>auf</strong> trockenen<br />

Strassen. Dieses Resultat dürfte dar<strong>auf</strong><br />

zurückzuführen sein, dass bei schwierigeren Strassenverhältnissen<br />

langsamer gefahren wird und von<br />

daher die kinetische Energie, die ein entscheidender<br />

Faktor für die Verletzungsschwere ist, geringer<br />

ausfällt.<br />

2.8 Geschlecht der beteiligten Person<br />

Bezüglich der Häufigkeit tödlicher Verletzungen<br />

sind die Männer deutlich öfter vertreten als die<br />

Frauen (Verhältnis 5:1, Tabelle 30).<br />

Bezüglich der Verletzungsschwere zeigt sich je-<br />

Tabelle 29<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit vom Strassenzustand<br />

Strassenzustand Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Trocken (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

22 149 783 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Nass 8 611 181 0.00 0.83 0.76 0.90<br />

Feucht 4 662 112 0.04 0.89 0.81 0.99<br />

Vereist 3 632 38 0.00 0.70 0.60 0.81<br />

Verschneit 3 727 24 0.00 0.44 0.37 0.52<br />

Pflotschig 833 7 0.00 0.54 0.39 0.74<br />

Anderes 138 5 0.70 0.90 0.51 1.56<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 30<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit vom Geschlecht der beteiligten Person<br />

Geschlecht Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Männlich (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

33 289 951 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Weiblich 10 463 199 0.00 1.36 1.26 1.47<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 63


doch, dass die Frauen ein 36 % höheres Risiko<br />

haben, schwer verletzt oder getötet zu werden als<br />

die Männer.<br />

2.9 Personenart<br />

Die allermeisten der bei dieser Unfallklasse getöteten<br />

Personen waren die Lenker der Fahrzeuge (886<br />

Personen oder 77 %). Ebenfalls noch recht häufig<br />

betroffen waren die Mitfahrer vorne (165 oder<br />

14 %).<br />

Die Sitzposition im Fahrzeug hat eine signifikante<br />

Bedeutung für die Schwere der Verletzungen bei<br />

Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn. Personen, die hinten im Fahrzeug sitzen,<br />

haben eine um 22 % verringerte Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen als die Lenker, wohingegen<br />

Beifahrer vorne eine um 19 % erhöhte<br />

Wahrscheinlichkeit haben (Tabelle 31).<br />

2.10 Unfallstelle<br />

Mit Abstand am meisten Getötete nach einer Kollision<br />

mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn<br />

gab es in Kurven (786 vs. 344 Getötete <strong>auf</strong> gerader<br />

Strecke). Die übrigen Unfallstellen kommen nur<br />

sehr selten vor (Tabelle 32).<br />

Die Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher<br />

Verletzungen ist aber unabhängig davon, ob sich<br />

der Unfall <strong>auf</strong> gerader Strecke oder in Kurven ereignet<br />

hat gleich gross. Dies ist etwas überraschend,<br />

da man in Kurven meistens langsamer<br />

fährt als <strong>auf</strong> gerader Strecke.<br />

Andererseits hat man jedoch beim Abkommen von<br />

der Strasse <strong>auf</strong> gerader Strecke möglicherweise<br />

Tabelle 31<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der Personenart<br />

Personenart Anzahl Fälle<br />

in der Analyse<br />

Lenker n (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

32 088 886 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Mitfahrer vorne 7 094 165 0.00 1.19 1.08 1.31<br />

Mitfahrer hinten 4 542 99 0.00 0.78 0.69 0.88<br />

Mitfahrer unbekannt 27 0 0.91 0.94 0.32 2.78<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 32<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der Unfallstelle<br />

Unfallstelle Anzahl Fälle in Anzahl Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 % Oberes Ende des 95 %<br />

der Analyse Getötete<br />

Konfidenzintervalls Konfidenzintervalls<br />

Kurve 30 217 786 0.86 1.01 0.93 1.09<br />

Gerade Strecke (Referenzkategorie)<br />

11 716 344 0.00 1.00<br />

Einmündung 747 9 0.00 0.55 0.39 0.76<br />

Andere 66 5 0.88 0.93 0.39 2.22<br />

Kreuzung 717 3 0.00 0.52 0.37 0.72<br />

Parkplatz/Nebenanlage 215 2 0.72 0.90 0.49 1.63<br />

Platz/Verkehrsfläche 74 1 0.14 0.43 0.14 1.31<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

>BFS/bfu BFS/bfu<br />

64 Resultate bfu-Report Nr. 61


noch länger Zeit, Bremsmanöver einzuleiten (z. B.<br />

<strong>auf</strong> dem Bankett) als in Kurven.<br />

2.11 Strassenart<br />

Die Getöteten bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn kamen in knapp<br />

60 % der Fälle <strong>auf</strong> Hauptstrassen ums Leben, in<br />

rund 36 % <strong>auf</strong> Nebenstrassen. Andere Strassenarten<br />

spielen nur eine untergeordnete Rolle (Tabelle<br />

33).<br />

Bezieht man die Anzahl in Unfälle verwickelte Personen<br />

wiederum <strong>auf</strong> die entsprechende Netzlänge<br />

kann man die Unfallbeteiligtendichte (am Unfall<br />

beteiligte Personen/km) pro Durchschnittsjahr errechnen:<br />

Autostrasse 0.84 (3323/(12*330))<br />

Hauptstrasse 0.21 (27417/(12*10800))<br />

Nebenstrasse 0.05 (12588/(12*23300))<br />

Auch bei dieser Unfallklasse sind die in Unfälle<br />

verwickelten Personen vor allem <strong>auf</strong> dem kurzen<br />

Streckennetz der Autostrassen in erhöhter Dichte<br />

anzutreffen.<br />

Die Strassenart übt einen deutlichen Einfluss <strong>auf</strong><br />

die Verletzungsschwere aus. Haupt- und Nebenstrassen<br />

haben ein um über 60 % höheres<br />

Risiko von schweren und tödlichen Verletzungen<br />

als Autostrassen. Dies dürfte daran liegen, dass die<br />

baulichen Vorschriften für Autostrassen strenger<br />

sind als diejenigen für Haupt- und Nebenstrassen.<br />

2.12 Uhrzeit<br />

Die Anzahl der Getöteten ist in der Nacht und ab<br />

dem späten Nachmittag am höchsten. Die grösste<br />

Verletzungsschwere finden wir tendenziell jedoch<br />

vormittags. Allerdings gibt es bezüglich der Verletzungsschwere<br />

nur ein einziges signifikantes Resultat,<br />

welches sich von der Referenzzeit unterscheidet:<br />

zwischen 12:30 und 13:29 ist die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen um 22 % geringer.<br />

Da sich die Zahlen in Tabelle 34, S. 66 nur schwer<br />

interpretieren lassen, werden sie auch in grafischer<br />

Form dargestellt (Abbildung 7, S. 66).<br />

Tabelle 33<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der Strassenart<br />

Strassenart Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Hauptstrasse 27 417 669 0.00 1.61 1.27 2.03<br />

Nebenstrasse 12 588 425 0.00 1.64 1.29 2.08<br />

Autostrasse (Referenzkategorie)<br />

3 323 40 0.00 1.00<br />

Andere 424 16 0.93 1.02 0.66 1.57<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 65


Tabelle 34<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der Uhrzeit<br />

Uhrzeit Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

22:30 bis 23:29 (Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

2 435 59 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

23:30 bis 00:29 2 501 75 0.53 0.94 0.78 1.14<br />

00:30 bis 01:29 2 354 62 0.22 0.88 0.73 1.07<br />

01:30 bis 02:29 2 209 69 0.36 0.91 0.75 1.11<br />

02:30 bis 03:29 2 032 68 0.77 1.03 0.85 1.25<br />

03:30 bis 04:29 1 874 59 0.10 1.18 0.97 1.44<br />

04:30 bis 05:29 1 465 47 0.31 1.12 0.90 1.39<br />

05:30 bis 06:29 1 343 46 0.21 1.15 0.92 1.44<br />

06:30 bis 07:29 1 731 35 0.26 1.13 0.91 1.41<br />

07:30 bis 08:29 1 401 24 0.06 1.25 0.99 1.57<br />

08:30 bis 09:29 1 220 37 0.26 1.15 0.90 1.47<br />

09:30 bis 10:29 1 168 37 0.78 0.96 0.75 1.24<br />

10:30 bis 11:29 1 159 17 0.35 0.89 0.69 1.14<br />

11:30 bis 12:29 1 566 37 0.39 0.91 0.73 1.13<br />

12:30 bis 13:29 1 347 24 0.04 0.78 0.62 0.98<br />

13:30 bis 14:29 1 741 37 0.66 1.05 0.85 1.29<br />

14:30 bis 15:29 1 808 42 0.22 0.88 0.71 1.08<br />

15:30 bis 16:29 1 977 44 0.44 0.92 0.75 1.13<br />

16:30 bis 17:29 2 212 66 0.52 0.94 0.77 1.14<br />

17:30 bis 18:29 2 186 56 0.07 0.83 0.68 1.02<br />

18:30 bis 19:29 1 940 40 0.55 1.06 0.87 1.29<br />

19:30 bis 20:29 2 042 66 0.35 0.91 0.74 1.11<br />

20:30 bis 21:29 1 870 53 0.98 1.00 0.82 1.23<br />

21:30 bis 22:29 2 171 50 0.06 0.82 0.67 1.01<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Abbildung 7<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der Uhrzeit (plus/minus eine halbe Std.)<br />

Schwerverletzte und Getötete<br />

3000<br />

2500<br />

2000<br />

1500<br />

1000<br />

500<br />

0<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24<br />

Anzahl Schwere<br />

66 Resultate bfu-Report Nr. 61<br />

1.4<br />

1.2<br />

1<br />

0.8<br />

0.6<br />

0.4<br />

0.2<br />

0<br />

Odds Ratio für Verletzungsschwere


2.13 Höchstgeschwindigkeit<br />

Knapp 90 % aller bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn Getöteten starben<br />

<strong>auf</strong> Strassen, die Höchstgeschwindigkeiten von<br />

61 bis 80 km/h Stunde hatten. Rund 10 % der<br />

Getöteten starben <strong>auf</strong> Strassen mit Geschwindigkeitslimiten<br />

von bis zu 60 km/h (Tabelle 35).<br />

Nicht überraschend ist, dass mit sinkender geltender<br />

Höchstgeschwindigkeit das Risiko von schweren<br />

oder tödlichen Verletzungen abnimmt. Im Vergleich<br />

zur Referenzkategorie «Höchstgeschwindigkeit<br />

grösser als 80 km/h» ist das Risiko <strong>auf</strong> Strassen<br />

mit Höchstgeschwindigkeiten zwischen 61 und 80<br />

km/h um 11 % geringer (nicht signifikant), <strong>auf</strong><br />

Strassen mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 60<br />

km/h sogar um 28 %.<br />

2.14 Strassenanlage (Längsneigung der<br />

Strasse)<br />

Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn mit tödlichen Folgen ereignen sich sowohl<br />

<strong>auf</strong> ebenen Strecken als auch im Gefälle<br />

ziemlich häufig (522 vs. 404 Tote). Steigungen<br />

scheinen diesbezüglich weniger problematisch zu<br />

sein (216 Tote, Tabelle 36). Die vergleichsweise<br />

hohe Anzahl Getöteter in der Ebene gegenüber<br />

einer Neigung spiegelt die Streckenlänge des Strassennetzes,<br />

<strong>auf</strong>geteilt <strong>auf</strong> die 3 Kategorien, wider.<br />

Ein ähnliches Bild wie bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen zeigt sich auch bei den<br />

Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn. Die Ausprägung gewinnt sogar noch an<br />

Deutlichkeit. Es ist schwieriger, die Kontrolle über<br />

ein Fahrzeug im Gefälle als über ein Fahrzeug in der<br />

Steigung zu behalten oder zurück zu erlangen.<br />

Tabelle 35<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der erlaubten Höchstgeschwindigkeit<br />

Erlaubte Höchstgeschwindigkeit<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

61–80 km/h 35 808 1 029 0.48 0.89 0.64 1.23<br />

Bis 60 km/h 6 333 107 0.05 0.72 0.52 1.00<br />

Über 80 km/h (Referenzkategorie)<br />

1 611 14 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 36<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der Strassenanlage<br />

Strassenanlage Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95% Konfidenz-intervalls<br />

Ebene Strecke<br />

(Referenzkategorie)<br />

19 118 522 0.01 1.00<br />

Gefälle 15 628 404 0.04 0.92 0.86 1.00<br />

Steigung 8 844 216 0.00 0.87 0.79 0.95<br />

Anderes 162 8 0.89 0.96 0.57 1.64<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 67


Die Wahrscheinlichkeit schwer verletzt oder getötet<br />

zu werden ist bei Unfällen, die sich <strong>auf</strong> ebener<br />

Strecke ereignen im Vergleich zu Strecken mit Gefälle<br />

oder Steigungen höher (8 bzw. 13 % weniger<br />

bei Gefälle bzw. Steigung).<br />

2.15 Künstliche Beleuchtung<br />

Bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn kamen an Orten ohne künstliche<br />

Beleuchtung weitaus am meisten Personen ums<br />

Leben (89 %, Tabelle 37). An durchgehenden und<br />

punktuellen künstlichen Beleuchtungen gab es nur<br />

knapp 100 getötete Personen.<br />

Die Kollisionen mit den festen Hindernissen können<br />

mit dem Kandelaber selbst, oder aber mit einem<br />

andern Hindernis geschehen sein. Wenn eine Strassenbeleuchtung<br />

platziert wird, entstehen also weitere<br />

Möglichkeiten, mit einem festen Hindernis zu<br />

kollidieren.<br />

Auch bei den Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn verzeichnet man am meisten<br />

Getötete ohne künstliche Beleuchtung. Dies ist<br />

nachvollziehbar, da die meisten Ausserortsstrecken<br />

ohne Beleuchtung ausgestattet sind.<br />

Punktuelle künstliche Beleuchtung scheint einen<br />

positiven Einfluss <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere zu<br />

haben. Mit ihr sinkt das Risiko um 19 % im Vergleich<br />

zu keiner künstlichen Beleuchtung. Durchgehende<br />

Beleuchtung hingegen hat keinen signifikanten<br />

Effekt <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere im Vergleich<br />

zu keiner künstlichen Beleuchtung.<br />

2.16 Nicht signifikante Variablen<br />

Interessant ist auch die Frage, welche Variablen<br />

keine signifikanten Prädiktoren für die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen waren. So war z. B.<br />

das Unfalljahr nicht bedeutsam. Dies ist ein Hinweis<br />

dar<strong>auf</strong>, dass die Hindernisse ausserhalb der Fahrbahn<br />

gleich gefährlich geblieben sind. Ebenfalls<br />

nicht signifikant sind die Vortrittsregelung am Unfallort,<br />

die Dauer des Führerausweisbesitzes und<br />

der Wochentag. Allerdings verteilt sich die Anzahl<br />

der an Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> beteiligten<br />

Personen unterschiedlich, je nachdem ob es<br />

sich um einen Wochentag oder um das Wochenende<br />

handelt (Abbildung 8). Am Wochenende<br />

geschieht ein recht grosser Teil in den frühen Morgenstunden,<br />

wohingegen sich unter der Woche die<br />

grösste Häufigkeit tagsüber findet – mit einer ansteigenden<br />

Tendenz zum Nachmittag und Abend<br />

bis Mitternacht.<br />

Tabelle 37<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />

Abhängigkeit von der künstlicher Beleuchtung<br />

Künstliche Beleuchtung Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Keine künstliche Beleuchtung<br />

(Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

36 265 1 026 0.026 1.00<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Durchgehend 2 780 61 0.354 0.93 0.80 1.08<br />

Punktuell 2 488 33 0.010 0.81 0.68 0.95<br />

Ausser Betrieb 2 209 30 0.139 0.88 0.74 1.04<br />

Andere 10 0 0.129 3.64 0.69 19.27<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

68 Resultate bfu-Report Nr. 61


3. Kollisionen an Knoten<br />

Bei den folgenden Analysen geht es um die Kollisionen<br />

an Knoten, d. h. Unfälle mit mindestens 2<br />

Fahrzeugen an «Verkehrsanlagen, die zur Verknüpfung<br />

von Verkehrsbeziehungen dienen». Vereinfacht<br />

heisst dies, dass mindestens 2 Strassen oder<br />

Wege <strong>auf</strong>einander treffen.<br />

Abbildung 8<br />

Verteilung der unfallbeteiligten Personen bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn nach Wochentag bzw.<br />

Wochenende und Uhrzeit (plus/minus eine halbe Stunde)<br />

2500<br />

2000<br />

1500<br />

1000<br />

500<br />

0<br />

Tabelle 38<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Fortbewegungsart<br />

Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Personenwagen (Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

68 681 176 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Motorrad über 125 ccm 2 898 102 0.00 27.14 24.34 30.26<br />

Motorfahrrad 1 598 65 0.00 14.46 12.40 16.87<br />

Motorrad bis 125 ccm 1 579 43 0.00 24.46 21.48 27.85<br />

Lieferwagen 3 197 8 0.10 0.80 0.61 1.04<br />

Kleinmotorrad 547 5 0.00 10.96 8.67 13.85<br />

Traktor 820 5 0.53 0.88 0.58 1.32<br />

Andere 85 5 0.54 0.64 0.15 2.69<br />

Arbeitsmaschine 145 1 0.05 1.95 0.99 3.85<br />

Lastwagen 1 888 1 0.00 0.16 0.09 0.31<br />

Kleinbus 408 0 0.06 0.38 0.14 1.03<br />

Bus/Car 270 0 0.04 0.13 0.02 0.91<br />

Sattelschlepper über 3.5 t 249 0 0.04 0.13 0.02 0.93<br />

Trolleybus 22 0 0.66 0.03 0.00 sehr grosses und daher nicht<br />

aussagekräftiges Ergebnis<br />

Sattelschlepper bis 3.5 t 71 0 0.34 0.02 0.00 64.70<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23<br />

Wochenende Wochentag<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 69


3.1 Fortbewegungsmittel<br />

Die meisten Getöteten bei Kollisionen an Knoten<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> waren Personenwageninsassen.<br />

An zweiter, dritter, vierter und sechster<br />

Stelle liegen die Benützer von verschiedenen motorisierten<br />

Zweirädern. Bei ihnen ist auch das Risiko<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden am grössten.<br />

Es ist 11- bis 27-mal so hoch wie dasjenige<br />

von Personenwageninsassen. Cars und Lastwagen/Sattelschlepper<br />

sind besonders sicher (Tabelle<br />

38, S. 69).<br />

3.2 Rückhaltesystem / Helm<br />

Die meisten Getöteten waren entweder mit einem<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurt oder einem Helm gesichert - rund<br />

60 % (Tabelle 39).<br />

Personen, welche die Schutzeinrichtungen verwendeten,<br />

hatten nur 18 % des Risikos schwer verletzt<br />

oder getötet zu werden, im Vergleich zu den nicht<br />

gesicherten Personen (1/5,41 = 0,18). Rückhaltesysteme<br />

und Helme bieten also auch bei Kollisionen<br />

an Knoten einen guten Schutz vor schweren<br />

Verletzungen.<br />

3.3 Möglicher Alkoholeinfluss beim<br />

Lenker<br />

Die weitaus meisten getöteten Verkehrsteilnehmer<br />

bei Kollisionen an Knoten waren mit einem Lenker<br />

unterwegs, bei dem die Polizei keinen Alkohol<br />

vermutete – über 97 % (Tabelle 40).<br />

Dennoch ist der Alkoholkonsum des Lenkers ein<br />

Risikofaktor für schwere oder tödliche Verletzungen.<br />

Mit Alkohol ist das Risiko um 81 % höher als<br />

ohne Alkohol.<br />

3.4 Alter der beteiligten Person<br />

Die meisten Getöteten gibt es in der Altersgruppe<br />

von 75 Jahre und älter. Am geringsten ist die An-<br />

Tabelle 39<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Benützung<br />

eines Rückhaltesystems/Helms<br />

Rückhaltesystem/Helm Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Rückhaltesystem/Helm (Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

72 718 281 0.00 1.00<br />

Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

Keine Tragpflicht/Kein System 5 458 114 0.00 1.64 1.39 1.93<br />

Kein Rückhaltesystem/Helm 3 695 91 0.00 5.41 4.84 6.04<br />

Unbekannt 589 23 0.00 10.10 8.10 12.59<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 40<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Verdacht <strong>auf</strong><br />

Alkohol beim Lenker<br />

Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim<br />

Lenker<br />

Kein Mangel Alkohol (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

81 346 495 0.00 1.00<br />

Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

Mangel Alkohol 1 114 14 0.00 1.81 1.45 2.26<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

70 Resultate bfu-Report Nr. 61


zahl bei den 45- bis 54-Jährigen. Am höchsten –<br />

bezogen <strong>auf</strong> die Anzahl Altersjahrgänge – ist sie<br />

jedoch bei den 15- bis 19-Jährigen. Hier sehen wir<br />

den typischen u-förmigen Verl<strong>auf</strong>: ein Abfall von<br />

den Jungen zu den mittleren Jahrgängen und dann<br />

einen Anstieg mit steigendem Alter. Dies ist nicht<br />

ganz unerwartet, da bekannt ist, dass der Unfall an<br />

Knoten die Unfallklasse ist, die mit dem Alter in der<br />

Häufigkeit ansteigt.<br />

Auch die Wahrscheinlichkeit schwer verletzt oder<br />

sogar getötet zu werden, steigt mit dem Alter an.<br />

So beträgt das Risiko der unter 15-Jährigen nur<br />

rund ein Drittel dessen der über 75-Jährigen. Das<br />

geringste Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen<br />

bei Kollisionen an Knoten haben also die<br />

jüngsten Verkehrsteilnehmer (Tabelle 41).<br />

3.5 Geschlecht der beteiligten Person<br />

Wie auch bei den bisher analysierten Unfallklassen<br />

sind hier die Männer in der Häufigkeit der Todesfälle<br />

übervertreten. Das Risiko schwer verletzt oder<br />

getötet zu werden ist allerdings bei den Frauen um<br />

über 40 % höher als bei den Männern (Tabelle 42).<br />

Deren erhöhte Vulnerabilität wurde bereits erwähnt.<br />

3.6 Grossregion<br />

Von der Häufigkeit der Todesfälle bei Kollisionen<br />

an Knoten her sind besonders die Région lémanique,<br />

der Espace Mittelland und die Ostschweiz<br />

<strong>auf</strong>fällig (Tabelle 43, S. 72). Wenn man die Resultate<br />

allerdings <strong>auf</strong> die Anzahl Einwohner dieser Regionen<br />

bezieht, dann ist nur noch die Région léma-<br />

Tabelle 41<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Alter der beteiligten<br />

Person<br />

Alter Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

75 Jahre und älter<br />

(Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

4 614 102 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

65–74 Jahre 6 186 66 0.00 0.73 0.61 0.86<br />

55–64 Jahre 8 593 57 0.00 0.65 0.55 0.76<br />

45–54 Jahre 11 461 39 0.00 0.53 0.45 0.62<br />

35–44 Jahre 14 774 45 0.00 0.49 0.41 0.58<br />

25–34 Jahre 17 957 74 0.00 0.50 0.41 0.59<br />

20–24 Jahre 10 836 44 0.00 0.50 0.41 0.61<br />

15–19 Jahre 4 102 54 0.00 0.48 0.39 0.59<br />

bis 14 Jahre 3 937 28 0.00 0.35 0.26 0.46<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 42<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Geschlecht der<br />

beteiligten Person<br />

Geschlecht Anzahl Fälle in Anzahl Getö- Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 % Oberes Ende des 95 %<br />

der Analyse tete<br />

Konfidenzintervalls Konfidenzintervalls<br />

Männlich (Referenzkategorie)<br />

53 859 393 0.00 1.00<br />

Weiblich 28 601 116 0.00 1.42 1.31 1.53<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 71


nique nach oben hin <strong>auf</strong>fällig (8 Getötete pro 1<br />

Mio. Einwohner). Das Tessin und Zürich sind besonders<br />

sicher (3 bzw. 4 Getötete pro 1 Mio. Einwohner).<br />

Eine hohe Wahrscheinlichkeit von Kollisionen an<br />

Knoten mit schweren physischen Konsequenzen<br />

scheint vor allem in der Nordwestschweiz und dem<br />

Espace Mittelland zu bestehen. Zürich hat diesbezüglich<br />

eine besonders geringe Wahrscheinlichkeit.<br />

3.7 Höchstgeschwindigkeit<br />

Die meisten Getöteten bei Kollisionen an Knoten<br />

gibt es bei Geschwindigkeitslimiten von 61 bis 80<br />

km/h, was wahrscheinlich damit zusammenhängt,<br />

dass diese Limiten am weitesten verbreitet sind<br />

(Tabelle 44).<br />

Nicht ganz unerwartet ist das Risiko bei dieser Un-<br />

fallklasse schwer verletzt oder getötet zu werden<br />

umso grösser, je höher die Geschwindigkeitslimiten<br />

sind. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu<br />

60 km/h ist das Risiko nur halb so gross wie <strong>auf</strong><br />

Strassen mit Höchstgeschwindigkeiten von über 80<br />

km/h (allerdings nur tendenziell signifikant).<br />

3.8 Unfallstelle<br />

Die weitaus meisten bei Kollisionen an Knoten<br />

getöteten Personen sterben an Einmündungen<br />

gefolgt von Kreuzungen (Tabelle 45). An dritter<br />

Stelle liegt die gerade Strecke. Dieses letzte Resultat<br />

mutet etwas seltsam an. Wie soll sich eine Kollision<br />

an Knoten <strong>auf</strong> gerader Strecke ereignen? Dies<br />

ergibt sich wahrscheinlich dadurch, dass «Einmündungen»<br />

von Privatgrundstücken verkehrstechnisch<br />

und der Verkehrsregelnverordnung (VRV) zu Folge<br />

(Artikel 1, Absatz 8) keine Einmündungen sind. In<br />

den Instruktionen zum Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll<br />

Tabelle 43<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Grossregion<br />

Grossregion Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Région lémanique 17 716 125 0.00 1.31 1.11 1.54<br />

Espace Mittelland 18 124 124 0.00 1.51 1.30 1.77<br />

Ostschweiz 14 309 75 0.03 1.20 1.02 1.42<br />

Nordwestschweiz 8 550 60 0.00 1.60 1.35 1.90<br />

Zürich 10 065 60 0.01 0.77 0.64 0.93<br />

Zentralschweiz 8 437 53 0.00 1.30 1.10 1.55<br />

Ticino (Referenzkategorie) 5 259 12 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 44<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der erlaubten<br />

Höchstgeschwindigkeit<br />

Erlaubte Höchstgeschwindigkeit<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

61–80 km/h 55 705 432 0.49 0.76 0.35 1.65<br />

Bis 60 km/h 26 539 77 0.07 0.49 0.22 1.05<br />

Über 80 km/h (Referenzkategorie)<br />

216 0 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

72 Resultate bfu-Report Nr. 61


(2.12 Unfallstelle) ist dies jedoch anders definiert.<br />

Hier wird explizit erläutert, dass «Einmündung»<br />

auch anzukreuzen ist wenn die Definition der VRV<br />

dies nicht als Einmündung anerkennt. Also handelt<br />

es sich höchstwahrscheinlich um Kodierungen von<br />

Einmündungen von Privatgrundstücken und nicht<br />

um gerade Strecken. Demzufolge wäre dann die<br />

Anzahl der Getöteten bei Unfällen an Einmündungen<br />

noch um einiges grösser (226 + 63 = 289).<br />

Das höchste Risiko für schwere oder tödliche Ver-<br />

letzungen besteht an Kreuzungen. An Einmündungen<br />

ist das Risiko etwa gleich gross wie <strong>auf</strong> geraden<br />

Strecken.<br />

3.9 Vortrittsregelung<br />

Die meisten Toten bei Kollisionen an Knoten <strong>auf</strong><br />

Landstrassen kamen dort ums Leben wo signalisiert<br />

war, dass kein Vortritt bestand. An zweiter und<br />

dritter Stelle sind die Kategorien «keine Vortrittsregelung»<br />

und «Andere». Stoppstrassen sind mit 60<br />

Getöteten ebenfalls nicht selten vertreten (Tabelle<br />

46).<br />

Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen ist<br />

besonders hoch bei Bahn- oder Tramvortritten (11mal<br />

höher als bei der Referenzkategorie «Keine<br />

Vortrittsregelung» wobei es sich allerdings um<br />

wenige Fälle handelt (2 Getötete in 12 Jahren).<br />

Tabelle 45<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Unfallstelle<br />

Unfallstelle Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Einmündung 39 110 226 0.11 1.10 0.98 1.24<br />

Kreuzung 30 845 204 0.00 1.41 1.24 1.61<br />

Gerade Strecke (Referenzkategorie)<br />

8 909 63 0.00 1.00<br />

Kurve 3 097 16 0.06 0.82 0.67 1.01<br />

Andere 76 0 0.32 1.60 0.63 4.02<br />

Platz/Verkehrsfläche 166 0 0.15 0.41 0.12 1.37<br />

Parkplatz/Nebenanlage 257 0 0.14 0.34 0.08 1.42<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 46<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Vortrittsregelung<br />

Vortrittsregelung Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Kein Vortritt, signalisiert 32 427 184 0.07 1.10 0.99 1.22<br />

Keine Vortrittsregelung<br />

(Referenzkategorie)<br />

16 913 117 0.00 1.00<br />

Andere 16 561 114 0.00 1.34 1.20 1.49<br />

Stoppstrasse 8 508 60 0.01 1.20 1.04 1.38<br />

Rechtsvortritt, Missachten 3 758 18 0.58 0.95 0.79 1.14<br />

Lichtsignalanlage 4 174 13 0.04 1.22 1.00 1.47<br />

Bahn-/Tramvortritt 30 2 0.00 11.06 4.14 29.54<br />

Fussgängerstreifen 41 1 0.21 2.15 0.65 7.12<br />

LSA für zeitweilige Spursperrung<br />

48 0 0.90 0.91 0.21 3.98<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 73


Hinsichtlich der Vortrittsregelungen gibt es nur<br />

wenige Unterschiede im Vergleich zu Knoten ohne<br />

Vortrittsregelung. Lichtsignalanlagen hingegen<br />

haben ein um 22 % erhöhtes Risiko schwerer Verletzungen.<br />

3.10 Uhrzeit<br />

Die grösste Anzahl Getöteter bei Kollisionen an<br />

Knoten <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> zeigt sich zu Zeiten,<br />

zu denen auch das Verkehrs<strong>auf</strong>kommen am grössten<br />

ist – morgens zwischen halb sieben und halb<br />

acht, mittags zwischen halb zwölf und halb zwei<br />

sowie gegen Feierabend zwischen halb vier und<br />

halb sieben.<br />

Hinsichtlich der Unfallzeit ergibt sich eine erhöhte<br />

Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen in den<br />

frühen Morgenstunden von halb sechs bis halb<br />

sieben. Die Häufigkeit ist zu dieser Zeit allerdings<br />

recht gering, was <strong>auf</strong>grund des geringen Verkehrs<strong>auf</strong>kommens<br />

und des «benötigten» Unfallgegners<br />

plausibel ist. Eine geringe Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen besteht von 10:30 bis<br />

12:29. Zur besseren Erkennbarkeit sind die Resultate<br />

aus Tabelle 47 auch noch in Abbildung 9 zusammengefasst.<br />

Tabelle 47<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Uhrzeit<br />

Uhrzeit Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

22:30 bis 23:29<br />

(Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

1 313 13 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

23:30 bis 00:29 811 3 0.27 0.78 0.51 1.21<br />

00:30 bis 01:29 563 8 0.78 0.94 0.59 1.48<br />

01:30 bis 02:29 229 3 0.88 1.05 0.56 1.99<br />

02:30 bis 03:29 189 2 0.34 1.38 0.71 2.68<br />

03:30 bis 04:29 152 1 0.27 1.51 0.72 3.14<br />

04:30 bis 05:29 188 2 0.78 1.10 0.55 2.21<br />

05:30 bis 06:29 727 8 0.03 1.52 1.03 2.25<br />

06:30 bis 07:29 3 883 33 0.65 0.93 0.70 1.25<br />

07:30 bis 08:29 3 241 8 0.20 0.81 0.59 1.11<br />

08:30 bis 09:29 2 700 14 0.81 1.04 0.75 1.44<br />

09:30 bis 10:29 3 616 26 0.17 0.80 0.59 1.10<br />

10:30 bis 11:29 4 485 32 0.01 0.66 0.49 0.90<br />

11:30 bis 12:29 5 946 39 0.01 0.68 0.51 0.91<br />

12:30 bis 13:29 5 085 44 0.35 0.87 0.65 1.17<br />

13:30 bis 14:29 6 380 32 0.04 0.74 0.55 0.99<br />

14:30 bis 15:29 6 329 40 0.77 0.96 0.72 1.28<br />

15:30 bis 16:29 6 919 46 0.05 0.75 0.56 1.00<br />

16:30 bis 17:29 9 058 49 0.07 0.77 0.58 1.02<br />

17:30 bis 18:29 8 630 44 0.44 0.90 0.68 1.18<br />

18:30 bis 19:29 5 254 27 0.41 0.89 0.67 1.18<br />

19:30 bis 20:29 3 380 15 0.48 0.90 0.66 1.21<br />

20:30 bis 21:29 1 859 8 0.97 0.99 0.72 1.37<br />

21:30 bis 22:29 1 523 12 0.66 1.08 0.77 1.50<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

74 Resultate bfu-Report Nr. 61


3.11 Personenart<br />

Die weitaus meisten bei Kollisionen an Knoten <strong>auf</strong><br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> getöteten Personen sind Lenker.<br />

Sie machen 86 % der Getöteten aus. Mit je 35<br />

Fällen gleich häufig vertreten sind getötete Mitfahrer<br />

vorne und hinten (Tabelle 48).<br />

Hinsichtlich der Verletzungsschwere ist das Risiko<br />

für die Beifahrer vorne um 27 % höher als für die<br />

Abbildung 9<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Personenart<br />

Anzahl Personen<br />

10000<br />

9000<br />

8000<br />

7000<br />

6000<br />

5000<br />

4000<br />

3000<br />

2000<br />

1000<br />

0<br />

Tabelle 48<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Personenart<br />

Personenart Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Lenker (Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

62 069 438 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Mitfahrer vorne 12 727 35 0.00 1.27 1.14 1.42<br />

Mitfahrer hinten 7 629 35 0.02 0.84 0.73 0.98<br />

Mitfahrer unbekannt 35 1 0.34 0.37 0.05 2.81<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 49<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der künstlichen<br />

Beleuchtung<br />

Künstliche Beleuchtung Anzahl Fälle<br />

in der Analyse<br />

Keine künstliche Beleuchtung<br />

(Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

45 573 329 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Ausser Betrieb 25 533 129 0.00 1.21 1.10 1.32<br />

Durchgehend 6 889 29 0.02 1.17 1.02 1.35<br />

Punktuell 4 424 22 0.26 0.91 0.77 1.07<br />

Andere 41 0 0.56 0.66 0.16 2.66<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

22:30 bis 23:29<br />

23:30 bis 00:29<br />

00:30 bis 01:29<br />

01:30 bis 02:29<br />

02:30 bis 03:29<br />

03:30 bis 04:29<br />

04:30 bis 05:29<br />

05:30 bis 06:29<br />

06:30 bis 07:29<br />

07:30 bis 08:29<br />

08:30 bis 09:29<br />

09:30 bis 10:29<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 75<br />

10:30 bis 11:29<br />

11:30 bis 12:29<br />

12:30 bis 13:29<br />

Anzahl Odds Ratio<br />

13:30 bis 14:29<br />

14:30 bis 15:29<br />

15:30 bis 16:29<br />

16:30 bis 17:29<br />

17:30 bis 18:29<br />

18:30 bis 19:29<br />

19:30 bis 20:29<br />

20:30 bis 21:29<br />

21:30 bis 22:29<br />

1.8<br />

1.6<br />

1.4<br />

1.2<br />

1<br />

0.8<br />

0.6<br />

0.4<br />

0.2<br />

0<br />

Odds Ratio


Lenker. Passagiere <strong>auf</strong> den Rücksitzen hingegen<br />

haben ein um 16 % geringeres Risiko.<br />

3.12 Künstliche Beleuchtung<br />

An wichtigen Knoten besteht ausserorts i. d. R.<br />

eine punktuelle Beleuchtung. Übergeordnete Knoten<br />

werden meistens zumindest punktuell beleuchtet.<br />

Untergeordnete Knoten, resp. Einmündungen<br />

von Feldwegen in Haupt- und Nebenstrassen werden<br />

nicht beleuchtet. Falls die Zufahrt und die<br />

Wegfahrt vom Knoten jedoch ebenfalls beleuchtet<br />

sind, handelt es sich um eine durchgehende Beleuchtung.<br />

Die meisten Getöteten bei dieser Unfallklasse sterben<br />

an Stellen ohne künstliche Beleuchtung.<br />

Die Ergebnisse hinsichtlich der Verletzungswahrscheinlichkeit<br />

bei künstlicher Beleuchtung sind<br />

etwas verwirrend. Sowohl wenn die künstliche<br />

Beleuchtung ausser Betrieb ist als auch wenn sie<br />

durchgehend ist, ist das Risiko um ca. 20 % erhöht<br />

(Tabelle 49).<br />

Wegen der etwas eigenartigen Resultate zur künstlichen<br />

Beleuchtung wurde die Wechselwirkung<br />

zwischen Lichtverhältnissen und künstlicher Be-<br />

leuchtung gerechnet. Es ergab sich eine signifikante<br />

Wechselwirkung dahingehend, dass in der Nacht<br />

eine punktuelle Beleuchtung zu einem um 25 %<br />

geringeren Risiko schwerer Verletzungen führte.<br />

Allerdings macht diese Konstellation nur 4 % der<br />

Kollisionen an Knoten aus, so dass auch mit vermehrtem<br />

Einsatz punktueller Beleuchung keine<br />

dramatische Verbesserung des Unfallgeschehens<br />

erwartet werden kann.<br />

3.13 Wochentag<br />

Die Verteilung der Getöteten <strong>auf</strong> die Wochentage<br />

bei den Kollisionen an Knoten ist etwas ungewöhnlich.<br />

Sonntags und montags gibt es die wenigsten<br />

Getöteten, mittwochs und donnerstags ist<br />

die Zahl am grössten. Die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer oder tödlicher Verletzungen ist dienstags<br />

und mittwochs am grössten und signifikant höher<br />

als samstags (Tabelle 50).<br />

3.14 Angaben zum Lenker<br />

Die meisten bei Kollisionen an Knoten <strong>auf</strong><br />

Landstrassen getöteten Personen sind die Fahrzeughalter<br />

– 80 % (Tabelle 51). An zweiter Stelle<br />

stehen die Familienmitglieder mit rund 12 %. Die<br />

Wahrscheinlichkeit eines Unfalls mit schweren oder<br />

Tabelle 50<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Wochentag<br />

Wochentag Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Samstag (Referenzkategorie)<br />

12 663 68 0.00 1.00<br />

Sonntag 9 745 51 0.28 0.93 0.82 1.06<br />

Montag 10 949 54 0.46 1.05 0.92 1.19<br />

Dienstag 11 517 74 0.02 1.16 1.02 1.31<br />

Mittwoch 12 483 88 0.00 1.23 1.09 1.39<br />

Donnerstag 11 836 93 0.11 1.11 0.98 1.25<br />

Freitag 13 267 81 0.34 1.06 0.94 1.20<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

76 Resultate bfu-Report Nr. 61


tödlichen Verletzungen ist bei Lenkern von Geschäftswagen<br />

oder auch Mietfahrzeugen geringer,<br />

als wenn der Lenker auch der Halter ist. Anscheinend<br />

werden mit Geschäfts- und Mietwagen weniger<br />

Risiken eingegangen als mit dem eigenen<br />

Fahrzeug.<br />

3.15 Strassenzustand<br />

Über 80 % der bei einer Kollision an Knoten getöteten<br />

Personen kamen <strong>auf</strong> trockener Strasse ums<br />

Leben. Bei fast allen restlichen Todesfällen waren<br />

die Strassen nass oder feucht (Tabelle 52).<br />

An einem Knoten muss vermehrt gebremst wer-<br />

den. Der Strassenzustand im Bereich eines Knotens<br />

ist also noch von grösserer Bedeutung als <strong>auf</strong> der<br />

freien Strecke. Hinzu kommt, dass man konfliktträchtige<br />

querende oder einmündende Fahrzeugströme<br />

hat.<br />

Beim Strassenzustand erweisen sich die verschneiten<br />

Strassen wiederum (wie auch schon bei den<br />

anderen Unfallklassen) als erheblich weniger riskant<br />

für schwere Verletzungen als die trockenen<br />

Strassen. Auf ihnen ist das Risiko halb so gross.<br />

Trockene, nasse und feuchte Strassen hingegen<br />

unterscheiden sich in ihrer Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen nicht signifikant.<br />

Tabelle 51<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von den Angaben<br />

zum Lenker<br />

Angaben zum<br />

Lenker<br />

Halter (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

52 162 407 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Familienmitglied 15 598 62 0.10 1.08 0.98 1.19<br />

Andere 4 844 19 0.02 0.82 0.70 0.96<br />

Lenker mit Geschäftswagen<br />

8 861 17 0.03 0.82 0.69 0.98<br />

Mietfahrer 669 2 0.05 0.63 0.40 0.99<br />

Unbekannt 34 1 0.37 1.67 0.55 5.08<br />

Militärfahrer 292 1 0.46 0.75 0.35 1.61<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 52<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Strassenzustand<br />

Strassenzustand Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Trocken (Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

60 379 412 0.02 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Nass 13 994 55 0.67 0.98 0.89 1.08<br />

Feucht 6 844 40 0.17 1.09 0.96 1.25<br />

Andere 28 1 0.03 4.01 1.11 14.50<br />

Pflotschig 168 1 0.51 1.31 0.59 2.87<br />

Verschneit 764 0 0.01 0.46 0.25 0.84<br />

Vereist 283 0 0.16 0.44 0.14 1.38<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 77


3.16 Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

Die Dauer des Führerausweisbesitzes hat einen<br />

deutlichen Einfluss <strong>auf</strong> Kollisionen an Knoten mit<br />

Todesfolgen. Die Häufigkeit dieser Unfälle bzw. der<br />

Unfallbeteiligten sinkt mit der Dauer des Führerausweisbesitzes,<br />

wenn man sie <strong>auf</strong> das einzelne<br />

Jahr bezieht.<br />

Das Risiko schwerer Verletzungen verändert sich<br />

jedoch nicht signifikant mit der Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

(Tabelle 53).<br />

3.17 Nicht signifikante Variablen<br />

Als nicht signifikante Prädiktoren für die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer und schwerster Verletzungen<br />

stellten sich heraus: das Unfalljahr, die Tatsache<br />

ob die geltende Höchstgeschwindigkeit signalisiert<br />

war oder nicht und die Strassenkategorie,<br />

d. h. ob es sich um eine National-, Kantons- oder<br />

Gemeindestrasse handelte. Auch die Tatsache, ob<br />

sich der Knoten <strong>auf</strong> ebenem Gelände oder in Gefällen<br />

oder Steigungen befand, spielte keine Rolle.<br />

Dass sich Kollisionen an Knoten zum allergrössten<br />

Teil <strong>auf</strong> Hauptstrassen ereignen ist nicht unplausibel<br />

– schliesslich bedarf es eines Unfallgegners, der<br />

sich häufiger <strong>auf</strong> stärker frequentierten Strassen<br />

findet.<br />

4. Unfälle ohne Kollisionen<br />

Unfälle ohne Kollisionen sind – wie man Abbildung<br />

2, S. 42 entnehmen kann – etwas weniger gefährlich<br />

(geringere Case fatality) als die Kollisionen mit<br />

festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn oder<br />

die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen.<br />

Dennoch ist diese Unfallklasse nicht zu vernachlässigen,<br />

denn es kamen von 1992 bis 2007<br />

immerhin 407 Personen dabei ums Leben. Dazu<br />

kommt noch die Problematik der Überschlagsunfälle,<br />

die <strong>auf</strong>grund der Zunahme der Sports Utility<br />

Vehicles (SUV) mit ihrem höheren Schwerpunkt<br />

ansteigen dürften. Allerdings wird dieser Unfalltyp<br />

in der Unfallstatistik nicht speziell <strong>auf</strong>geführt, so<br />

dass keine konkreten Aussagen zur Entwicklung<br />

gemacht werden können.<br />

4.1 Fortbewegungsmittel<br />

Die meisten Getöteten bei Unfällen ohne Kollisionen<br />

gibt es bei Personenwageninsassen, Motorradfahrern<br />

und den Lenkern oder Passagieren von<br />

Traktoren. Die übrigen Fahrzeugtypen spielen nur<br />

Tabelle 53<br />

Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Dauer des<br />

Führerausweisbesitzes<br />

Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

1. Jahr (Referenzkategorie) 6 127 42 0.05 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

2. Jahr 4 471 27 0.11 1.13 0.97 1.31<br />

3. Jahr 3 504 22 0.97 1.00 0.84 1.19<br />

4. Jahr 3 201 20 0.78 0.97 0.81 1.17<br />

5.–9. Jahr 12 278 45 0.49 0.95 0.82 1.10<br />

10.–14. Jahr 10 624 36 0.20 0.90 0.77 1.06<br />

15.–29. Jahr 24 250 76 0.05 0.86 0.74 1.00<br />

30 und mehr Jahre 18 005 127 0.93 0.99 0.83 1.18<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

78 Resultate bfu-Report Nr. 61


eine untergeordnete Rolle.<br />

Die Wahrscheinlichkeit einer schweren oder tödlichen<br />

Verletzung bei Unfällen ohne Kollisionen ist<br />

bei den Benutzern von Motorrädern (über und bis<br />

125 ccm) am grössten. Ihr Risiko ist rund 8-mal so<br />

gross wie das von Personenwageninsassen. Ebenfalls<br />

gefährlich sind Mofas, Kleinmotorräder und<br />

«andere» Fortbewegungsmittel (Tabelle 54). Auch<br />

die Traktoren sind mit einem 2,8-fachen Risiko im<br />

Vergleich zu den Personenwagen nicht zu vernachlässigen.<br />

4.2 Rückhaltesystem / Helm<br />

Die meisten bei Unfällen ohne Kollision getöteten<br />

Personen hatten keinen <strong>Sicherheit</strong>sgurt oder keinen<br />

Helm getragen. Dieses Resultat ist insofern<br />

bemerkenswert, als dass bei den bisher behandelten<br />

Unfallklassen die meisten Getöteten einen<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurt oder Helm benützt hatten. Dies<br />

kann als Hinweis dar<strong>auf</strong> gewertet werden, dass<br />

diese Unfälle teilweise so schwer sind, dass der<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurt die tödlichen Verletzungen nicht<br />

mehr verhindern kann. Bei den Unfällen ohne Kolli-<br />

Tabelle 54<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Art des Fortbewegungsmittels<br />

Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Personenwagen (Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

16 018 222 0.00 1.00<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Motorrad über 125 ccm 1 578 43 0.00 8.27 7.10 9.62<br />

Traktor 179 25 0.00 2.80 1.88 4.16<br />

Motorrad bis 125 ccm 639 12 0.00 8.47 6.99 10.26<br />

Motorfahrrad 333 12 0.00 3.28 2.48 4.34<br />

Andere 39 6 0.00 3.79 1.77 8.09<br />

Lieferwagen 699 6 0.24 0.83 0.61 1.13<br />

Lastwagen 441 3 0.00 0.31 0.19 0.51<br />

Arbeitsmaschine 43 2 0.82 1.10 0.50 2.41<br />

Kleinmotorrad 192 1 0.00 3.35 2.27 4.93<br />

Bus / Car 39 0 0.32 0.54 0.16 1.82<br />

Kleinbus 92 0 0.06 0.34 0.11 1.02<br />

Sattelschlepper über 3.5 t 68 0 0.03 0.11 0.02 0.80<br />

Sattelschlepper bis 3.5 t 16 0 0.48 0.03 0.00 714.14<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 55<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Benützung eines<br />

Rückhaltesystems / Helms<br />

Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 79<br />

Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Kein Rückhaltesystem/Helm 1 816 132 0.00 7.40 6.48 8.46<br />

Rückhaltesystem/Helm vorhanden<br />

(Referenzkategorie)<br />

16 741 97 0.00 1.00<br />

Keine Tragpflicht/kein System 1 322 64 0.00 2.56 2.03 3.23<br />

Unbekannt 498 62 0.00 10.82 8.77 13.36<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert..<br />

Quelle: BFS/bfu


sion kann der <strong>Sicherheit</strong>sgurt offensichtlich noch<br />

mehr ausrichten. Dies liegt daran, dass die kinetischen<br />

Energien weniger schnell abgebaut werden<br />

als bei Unfällen mit Kollisionen mit schweren Objekten<br />

wie anderen Fahrzeugen, Bäumen u. ä.<br />

Wenn man sich nicht in angemessener Art und<br />

Weise schützt ist das Risiko bei Unfällen ohne Kollisionen<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden,<br />

mehr als 7-mal so hoch wie dasjenige der Benützer<br />

der Schutzeinrichtungen (Tabelle 55).<br />

4.3 Grossregion<br />

Die allermeisten Getöteten bei Unfällen ohne Kollisionen<br />

gab es im Kanton Zürich. Es folgt der Espace<br />

Mittelland (Tabelle 56). Bezogen <strong>auf</strong> die Anzahl<br />

Einwohner liegt Zürich mit rund 9 pro 1 Mio. Einwohner<br />

pro Jahr doppelt so hoch wie die Ostschweiz.<br />

Die übrigen Grossregionen liegen nochmals<br />

deutlich tiefer.<br />

Das Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen ist<br />

in den meisten Grossregionen nicht signifikant<br />

anders als in der Referenzkategorie Tessin. Lediglich<br />

Zürich und die Ostschweiz haben ein signifikant<br />

geringeres Risiko schwerer Verletzungen.<br />

Tabelle 56<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Grossregion<br />

Grossregion Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Zürich 8 695 135 0.00 0.62 0.45 0.86<br />

Espace Mittelland 2 940 67 0.20 1.23 0.89 1.71<br />

Ostschweiz 2 748 56 0.02 0.66 0.47 0.93<br />

Région lémanique 2 238 55 0.41 1.15 0.83 1.59<br />

Nordwestschweiz 2 419 27 0.76 1.05 0.75 1.47<br />

Zentralschweiz 951 12 0.21 0.79 0.55 1.14<br />

Ticino (Referenzkategorie)<br />

386 3 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 57<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Alter der beteiligten<br />

Person<br />

Alter Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

bis 14 Jahre 576 8 0.00 0.23 0.14 0.39<br />

15–19 Jahre 1 856 36 0.00 0.40 0.28 0.57<br />

20–24 Jahre 5 442 57 0.00 0.35 0.25 0.49<br />

25–34 Jahre 5 474 84 0.00 0.38 0.27 0.53<br />

35–44 Jahre 3 168 53 0.00 0.46 0.33 0.64<br />

45–54 Jahre 1 903 44 0.00 0.53 0.37 0.75<br />

55–64 Jahre 1 099 34 0.00 0.52 0.36 0.76<br />

65–74 Jahre 554 25 0.03 0.64 0.43 0.96<br />

75 Jahre und älter<br />

(Referenzkategorie)<br />

305 14 0.00 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

80 Resultate bfu-Report Nr. 61


4.4 Alter der beteiligten Person<br />

Das Alter der beteiligten Person spielt – wie auch in<br />

den vorangegangenen Analysen eine wichtige<br />

Rolle. Hinsichtlich der Häufigkeit tödlicher Verletzungen<br />

sind vor allem die jüngeren Verkehrsteilnehmer<br />

– immerhin bis zum Alter von 34 Jahren<br />

stark betroffen (Tabelle 57).<br />

Dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer oder tödlicher Verletzungen ansteigt<br />

ist nicht unerwartet. So ist bei der Gruppe der 75-<br />

Jährigen und älter das Risiko bei den Unfällen ohne<br />

Kollision ungefähr 3-mal so gross wie dasjenige der<br />

20- bis 24-Jährigen.<br />

4.5 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit<br />

Die allermeisten Personen (fast 90 %) sind in einen<br />

tödlichen Unfall ohne Kollision verwickelt worden<br />

ohne dass die Geschwindigkeit signalisiert war<br />

(Tabelle 58).<br />

Für die Schwere der Verletzungen spielt die Signalisation<br />

der Geschwindigkeit eine wichtige Rolle.<br />

Wenn die geltenden Geschwindigkeiten nicht oder<br />

nur temporär signalisiert sind, dann steigt die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer oder tödlicher Verletzungen<br />

um 57 % bzw. 108 % im Vergleich zur signalisierten<br />

Höchstgeschwindigkeit an. Die Signalisation der<br />

Höchstgeschwindigkeit führt bei dieser Unfallklasse<br />

zu einem <strong>Sicherheit</strong>sgewinn in Form von geringerer<br />

Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen.<br />

Tabelle 58<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Signalisation der<br />

Höchstgeschwindigkeit<br />

Signalisation der<br />

Höchstgeschwindigkeit<br />

Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Höchstgeschwindigkeit<br />

nicht signalisiert<br />

16 832 319 0.00 1.57 1.35 1.84<br />

Höchstgeschwindigkeit<br />

signalisiert (Referenzkategorie)<br />

3 417 34 0.00 1.00<br />

Höchstgeschwindigkeit<br />

temporär signalisiert<br />

128 2 0.01 2.08 1.16 3.71<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 59<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Strassenzustand<br />

Strassenzustand Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Trocken (Referenzkategorie)<br />

10 369 227 0.00 1.00<br />

Nass 3 689 59 0.00 0.79 0.68 0.91<br />

Feucht 2 107 41 0.03 0.83 0.70 0.99<br />

Vereist 2 084 16 0.00 0.72 0.58 0.88<br />

Verschneit 1 619 7 0.00 0.44 0.33 0.59<br />

Andere 84 4 0.40 1.26 0.73 2.18<br />

Pflotschig 425 1 0.02 0.56 0.34 0.92<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 81


4.6 Strassenzustand<br />

Die allermeisten tödlichen Unfälle ohne Kollisionen<br />

ereignen sich <strong>auf</strong> trockenen Strassen (64 %). Weitere<br />

28 % der Getöteten kamen <strong>auf</strong> nassen oder<br />

feuchten Strassen ums Leben (Tabelle 59).<br />

Wie auch schon bei den Analysen zu den anderen<br />

Unfallklassen stellt sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen <strong>auf</strong> trockenen<br />

Strassen am grössten ist. Alle anderen Strassenzustände<br />

haben eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer oder tödlicher Verletzungen.<br />

4.7 Unfallstelle<br />

Der Unfall ohne Kollision ist in 64 % der tödlichen<br />

Fälle ein Unfall in einer Kurve. Nahezu alle übrigen<br />

Todesfälle ereignen sich <strong>auf</strong> gerader Strecke<br />

(Tabelle 60).<br />

Das Risiko schwerer Verletzungen ist in Kurven<br />

allerdings praktisch gleich gross wie <strong>auf</strong> gerader<br />

Strecke – der Referenzkategorie. Dreifach erhöht<br />

ist das Risiko schwerer Verletzungen wenn sich der<br />

Unfall <strong>auf</strong> einem Platz bzw. einer Verkehrsfläche<br />

ereignete. Allerdings sind in den analysierten 12<br />

Jahren nur 31 Personen in Unfälle an dieser Unfallstelle<br />

involviert gewesen.<br />

4.8 Personenart<br />

Die allermeisten bei einem Unfall ohne Kollision<br />

getöteten Personen sind die Lenker (78 %). Sie und<br />

die Mitfahrer vorne sind auch am stärksten dem<br />

Risiko schwerer und tödlicher Verletzungen ausgesetzt.<br />

Auf der Rücksitzbank ist das Risiko um 42 %<br />

geringer (Tabelle 61).<br />

Tabelle 60<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Unfallstelle<br />

Unfallstelle Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

Kurve 12 847 227 0.27 1.07 0.95 1.19<br />

Gerade Strecke (Referenzkategorie)<br />

5 328 110 0.00 1.00<br />

Einmündung 1 555 13 0.00 0.59 0.46 0.77<br />

Kreuzung 536 2 0.00 0.56 0.38 0.82<br />

Andere 28 2 0.17 1.94 0.74 5.08<br />

Platz/Verkehrsfläche 31 1 0.02 2.89 1.20 6.97<br />

Parkplatz/Nebenanlage 52 0 0.19 0.49 0.17 1.42<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 61<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Personenart<br />

Personenart Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Lenker (Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

15 416 276 0.00 1.00<br />

Oberes Ende des 95%<br />

Konfidenzintervalls<br />

Mitfahrer vorne 2 957 47 0.10 1.14 0.98 1.33<br />

Mitfahrer hinten 1 993 32 0.00 0.58 0.48 0.70<br />

Mitfahrer unbekannt 11 0 0.19 0.24 0.03 2.05<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

82 Resultate bfu-Report Nr. 61


4.9 Strassenart<br />

Die meisten bei Unfällen ohne Kollisionen getöte-<br />

ten Personen starben <strong>auf</strong> Nebenstrassen (52 %).<br />

Weitere 39 % kamen <strong>auf</strong> Hauptstrassen ums Leben<br />

(Tabelle 62).<br />

Bezogen <strong>auf</strong> die Netzlänge betragen die Unfallbeteiligtendichten<br />

[an Unfällen beteiligte Personen/km]<br />

pro Durchschnittsjahr:<br />

Autostrasse 0.23 (894/(12*330))<br />

Hauptstrasse 0.09 (11 147/(12*10800))<br />

Nebenstrasse 0.03 (8096/(12*23300))<br />

Die Unfallbeteiligtendichten im Vergleich mit den<br />

anderen beiden Unfallklassen Kollision mit einem<br />

entgegenkommenden Fahrzeug und Kollision mit<br />

festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn sind <strong>auf</strong><br />

allen Strassen bedeutend kleiner. Wiederum ist sie<br />

jedoch bei der Autostrasse am höchsten.<br />

Hinsichtlich der Verletzungsschwere gibt es keine<br />

grossen Unterschiede zwischen den Strassenarten.<br />

4.10 Geschlecht der beteiligten Person<br />

Die allermeisten Getöteten bei Unfällen ohne Kollisionen<br />

sind Männer (86 %, Tabelle 63).<br />

Wie auch schon in den vorherigen Analysen findet<br />

sich jedoch für Frauen ein höheres Risiko schwerer<br />

und tödlicher Verletzungen als für Männer<br />

(+18 %).<br />

Tabelle 62<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Strassenart<br />

Strassenart Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 83<br />

Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Nebenstrasse 8 096 185 0.47 1.14 0.80 1.63<br />

Hauptstrasse 11 147 138 0.91 1.02 0.71 1.46<br />

Andere 240 26 0.02 1.79 1.08 2.97<br />

Autostrasse (Referenzkategorie)<br />

894 6 0.01 1.00<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 63<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Geschlecht der beteiligten<br />

Person<br />

Geschlecht Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz<br />

Odds<br />

Ratio<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Männlich (Referenzkategorie) 15 470 306 1.00<br />

Weiblich 4 907 49 0.01 1.18 1.05 1.34<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu


4.11 Nicht signifikante Variablen<br />

Nicht signifikante Prädiktoren für die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen waren das Unfalljahr,<br />

die geltenden Höchstgeschwindigkeiten und<br />

die Dauer des Führerausweisbesitzes. Auch Wochentag,<br />

Uhrzeit, Lichtverhältnisse und künstliche<br />

Beleuchtung spielen im Hinblick <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere<br />

keine Rolle. Ebenfalls keinen Einfluss<br />

<strong>auf</strong> die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

haben die Strassenkategorie, die Vortrittsregelung<br />

und die Angaben zum Lenker. Dies bedeutet aber<br />

nicht, dass diese Faktoren keinen Einfluss <strong>auf</strong> die<br />

Häufigkeit dieser Unfälle bzw. die Anzahl beteiligter<br />

Personen haben. So erkennt man z. B. in Abbildung<br />

10, dass die Anzahl beteiligter Personen bei<br />

Unfällen ohne Kollisionen an Wochenendtagen fast<br />

zu allen Uhrzeiten höher ist als an Wochentagen.<br />

Insbesondere in der Nacht und am Nachmittag gibt<br />

es deutliche Unterschiede.<br />

5. Kollisionen mit Fussgängern<br />

Die fünfte und am wenigsten häufige Unfallklasse<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> sind die Kollisionen mit<br />

Fussgängern. Die Anzahl der Getöteten liegt bei<br />

rund 20 Personen pro Jahr. Von daher ist es kein<br />

besonders grosses Problem <strong>auf</strong> Landstrassen. Dennoch<br />

sollte es nicht vernachlässigt werden, insbesondere<br />

weil die Case fatality (Anteil Getöteter an<br />

den Verunfallten) mit 10 % gross ist. Wenn er mit<br />

den typischen Geschwindigkeiten <strong>auf</strong> Ausserorts-<br />

Abbildung 10<br />

Anzahl Personen pro Tag, in einen Unfall ohne Kollision verwickelt, in Abhängigkeit von Uhrzeit und Wochentag, 1992–2003<br />

400<br />

350<br />

300<br />

250<br />

200<br />

150<br />

100<br />

50<br />

0<br />

11:30 bis 00:29<br />

00:30 bis 01:29<br />

Tabelle 64<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Personenart<br />

Personenart Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Fussgänger 1 875 228 0.00 227.36 93.40 553.41<br />

Lenker (Referenzkategorie)<br />

1 711 2 1.00<br />

Mitfahrer vorne 256 1 0.03 4.19 1.11 15.80<br />

Mitfahrer hinten 162 0 0.52 0.01 0.00 11691.78<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

01:30 bis 02:29<br />

02:30 bis 03:29<br />

03:30 bis 04:29<br />

04:30 bis 05:29<br />

05:30 bis 06:29<br />

06:30 bis 07:29<br />

07:30 bis 08:29<br />

08:30 bis 09:29<br />

09:30 bis 10:29<br />

10:30 bis 11:29<br />

84 Resultate bfu-Report Nr. 61<br />

11:30 bis 12:29<br />

12:30 bis 13:29<br />

13:30 bis 14:29<br />

Wochenendtag Wochentag<br />

14:30 bis 15:29<br />

15:30 bis 16:29<br />

16:30 bis 17:29<br />

17:30 bis 18:29<br />

18:30 bis 19:29<br />

19:30 bis 20:29<br />

20:30 bis 21:29<br />

21:30 bis 22:29<br />

22:30 bis 23:29


strassen angefahren wird, sind die Überlebenschancen<br />

für den Fussgänger ziemlich gering.<br />

5.1 Personenart<br />

Bei einer Kollision mit einem Fussgänger ausserorts<br />

sterben praktisch nur die Fussgänger – 98.7 %<br />

(Tabelle 64). Der wichtigste Prädiktor dafür, ob<br />

jemand bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt<br />

oder getötet wird, ist die Personenart. Wenn der<br />

Betroffene ein Fussgänger ist, so ist die Wahrscheinlichkeit<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden<br />

mehr als 200-mal grösser als diejenige des<br />

Fahrzeuglenkers.<br />

5.2 Fortbewegungsmittel<br />

Bei weitem am häufigsten kollidieren Fussgänger<br />

mit Personenwagen. Motorisierte und nicht-<br />

motorisierte Zweiradbenutzer sind in erheblich<br />

höherem Masse gefährdet schwere oder tödliche<br />

Verletzungen bei einem Unfall mit einem Fussgänger<br />

davonzutragen als Personenwageninsassen<br />

(Tabelle 65). Selbst bei diesem verhältnismässig<br />

«leichten» Unfallgegner (im Vergleich z. B. zu einem<br />

Baum oder einer Mauer) sind die zweirädrigen<br />

Verkehrsteilnehmer besonders stark gefährdet.<br />

5.3 Vortrittsregelung<br />

Die meisten der getöteten Personen sterben an<br />

Stellen, an denen es keine Vortrittsregelung gab –<br />

rund 85 %. Gefolgt werden sie von den Getöteten<br />

<strong>auf</strong> Fussgängerstreifen. Allerdings handelt es sich<br />

hier lediglich um 18 Personen – wahrscheinlich weil<br />

Fussgängerstreifen ausserorts nicht besonders weit<br />

verbreitet sind und auch von Fussgängern nur selten<br />

frequentiert werden.<br />

Tabelle 65<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Fortbewegungsmittel<br />

Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle<br />

in der Analyse<br />

Personenwagen (Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

1 558 1 1.00<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Fahrrad 164 1 0.00 45.08 16.86 120.51<br />

Motorrad über 125 ccm 70 1 0.00 25.02 7.38 84.86<br />

Motorfahrrad 50 0 0.00 38.12 11.56 125.67<br />

Motorrad bis 125 ccm 50 0 0.00 35.18 10.26 120.65<br />

Kleinmotorrad 39 0 0.00 20.01 4.57 87.49<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 66<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Vortrittsregelung<br />

Vortrittsregelung Anzahl Fälle<br />

in der Analyse<br />

Keine Vortrittsregelung<br />

(Referenzkategorie)<br />

Anzahl Getötete<br />

Signifikanz Odds<br />

Ratio<br />

3 311 198 1.00<br />

Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Fussgängerstreifen 411 18 0.81 1.04 0.77 1.41<br />

Andere 169 7 0.02 0.57 0.35 0.92<br />

Lichtsignalanlage 89 5 0.81 1.08 0.59 1.97<br />

Bahn-/Tramvortritt 14 3 0.24 2.67 0.51 13.86<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 85


Am meisten Unfälle mit Fussgängern ereignen sich<br />

ausserorts, wenn es keine Vortrittsregelung gibt.<br />

Das können Fussgänger sein, welche <strong>auf</strong> der freien<br />

Strecke die Strasse kreuzen oder an ihr entlanggehen<br />

oder Fussgänger, mit denen an einem nicht<br />

signalisiertem Rechtsvortritt oder einem Feldweg<br />

kollidiert wird.<br />

Interessanterweise unterscheiden sich die verschiedenen<br />

Arten von Vortrittsregelungen (mit Ausnahme<br />

der Kategorie «Andere») in Bezug <strong>auf</strong> die<br />

Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen nicht<br />

signifikant voneinander (Tabelle 66). Dies könnte<br />

ein Hinweis dar<strong>auf</strong> sein, dass die Kollisionsgeschwindigkeiten<br />

vergleichbar gross sind. Insbesondere<br />

die Tatsache, dass die Verletzungswahrscheinlichkeit<br />

an Fussgängerstreifen gleich gross ist wie<br />

wenn keine Vortrittsregelung besteht, muss kritisch<br />

gesehen werden.<br />

5.4 Künstliche Beleuchtung<br />

Die meisten bei Kollisionen mit Fussgängern getöteten<br />

Personen starben an einem Unfallort ohne<br />

künstliche Beleuchtung (69 %, Tabelle 67).<br />

Ausserorts gibt es nur sehr wenige Fussgängerstreifen.<br />

Die bestehenden werden fast zu 100 % mit<br />

einer Beleuchtung ausgestattet. Aber es kann auch<br />

Fussverkehr abseits der Fussgängerstreifen ausserorts<br />

geben.<br />

Dort wo es eine punktuelle künstliche Beleuchtung<br />

gibt, ist das Risiko schwerer Verletzungen um gut<br />

40 % erhöht (allerdings erreicht das Ergebnis die<br />

Signifikanz knapp nicht). Dort wo die künstliche<br />

Beleuchtung ausser Betrieb ist, ist die Verletzungsschwere<br />

um knapp 30 % geringer (signifikant).<br />

Tabelle 67<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der künstlichen Beleuchtung<br />

Künstliche Beleuchtung Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Keine künstliche Beleuchtung<br />

(Referenzkategorie)<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

2 753 160 1.00<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenzintervalls<br />

Durchgehend 359 28 0.39 1.15 0.83 1.59<br />

Punktuell 258 22 0.06 1.42 0.98 2.05<br />

Ausser Betrieb 621 18 0.01 0.71 0.55 0.91<br />

Andere 14 3 0.50 1.63 0.40 6.67<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Tabelle 68<br />

Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Geschlecht der beteiligten<br />

Person<br />

Geschlecht Anzahl Fälle in<br />

der Analyse<br />

Anzahl<br />

Getötete<br />

Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Oberes Ende des 95 %<br />

Konfidenz-intervalls<br />

Männlich (Referenzkategorie) 2 675 160 1.00<br />

Weiblich 1 330 71 0.22 0.89 0.74 1.07<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

86 Resultate bfu-Report Nr. 61


5.5 Geschlecht der beteiligten Person<br />

Männer erleiden wesentlich häufiger als Frauen<br />

tödliche Verletzungen bei einem Fussgängerunfall.<br />

Im Gegensatz zu den anderen 4 Unfallklassen, bei<br />

denen sich erhöhte Risiken schwerer oder tödlicher<br />

Verletzungen für die Frauen ergaben, ist bei den<br />

Kollisionen mit Fussgängern kein signifikanter Geschlechtsunterschied<br />

zu finden (Tabelle 68).<br />

5.6 Nicht signifikante Variablen<br />

Bei den Variablen, die sich als nicht signifikant für<br />

die Verletzungsschwere herausstellten, gab es noch<br />

einige interessante Resultate hinsichtlich der Verteilung<br />

der Häufigkeit der Todesfälle. Die Unfälle<br />

ereigneten sich zumeist <strong>auf</strong> gerader (67 %), ebener<br />

(61 %) und trockener Strecke (72 %).<br />

In über 50 % der tödlichen Fälle geschahen die<br />

Unfälle bei Dunkelheit. Allerdings geschahen sie<br />

nicht mitten in der Nacht, sondern am späten<br />

Nachmittag und frühen Abend. Die Tatsache, dass<br />

die Unfälle recht gleichmässig verteilt unter der<br />

Woche und am Wochenende geschahen, legt nahe,<br />

dass es sich nicht um Personen bei Freizeitaktivitäten<br />

handelt, sondern dass die Opfer eher Ein-<br />

Tabelle 69<br />

Anzahl getöteter Personen bei Kollisionen mit Fussgängern <strong>auf</strong><br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> nach Alter, 1992–2003<br />

Alter Anzahl getöteter Personen<br />

Bis 14 Jahre 28<br />

15 bis 19 Jahre 10<br />

20 bis 24 Jahre 7<br />

25 bis 34 Jahre 11<br />

35 bis 44 Jahre 16<br />

45 bis 54 Jahre 28<br />

55 bis 64 Jahre 25<br />

65 bis 74 Jahre 40<br />

75 Jahre und älter 66<br />

Total 231<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

heimische in ländlichen Regionen waren. Vom<br />

Alter her handelt es sich einerseits um Kinder und<br />

Jugendliche bis 14 Jahren und dann wieder um<br />

eher ältere Verkehrsteilnehmer. Bereits ab Mitte<br />

40, insbesondere aber ab dem Alter von Mitte 60<br />

muss eine erhöhte Anzahl Todesfälle konstatiert<br />

werden (Tabelle 69).<br />

Dass sich solche Unfälle zum grössten Teil <strong>auf</strong><br />

Hauptstrassen ereignen ist nicht unplausibel –<br />

schliesslich braucht es einen Kollisionsgegner, der<br />

sich eher <strong>auf</strong> stark frequentierten Strassen findet.<br />

bfu-Report Nr. 61 Resultate 87


VII. Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz<br />

In der wissenschaftlichen Literatur wird immer<br />

wieder erwähnt, dass sich das Unfallgeschehen <strong>auf</strong><br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> ziemlich dispers verteilt, d. h.<br />

dass es wenig lokale Unfallschwerpunkte gibt, wo<br />

sich eine Sanierung lohnen würde. Dies wurde<br />

auch für das Unfallgeschehen in der Schweiz überprüft.<br />

1. Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen<br />

Für die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

konnte die disperse Verteilung grösstenteils<br />

bestätigt werden. Da es für diese Unfallklasse ausreichend<br />

Gegenverkehr braucht, ist es nicht überraschend,<br />

dass sich diese Unfälle vor allem <strong>auf</strong><br />

stärker frequentierten Strassen ereignen. Abbildung<br />

11 zur Verteilung der bei Unfällen Getöteten<br />

Abbildung 11<br />

Bei Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen getötete<br />

Personen im Mittelland zwischen Zürich und Olten<br />

(Punkt = 1 Getöteter, 1992–2007)<br />

bei dieser Unfallklasse aus der Region zwischen<br />

Zürich und Olten zeigt <strong>auf</strong>, dass es sich bei den<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

zumeist um ziemlich dispers verteilte Ereignisse<br />

handelt. Aus diesem Grund ist eine Unfallschwerpunkt-orientierte<br />

Vorgehensweise nicht sehr erfolgversprechend.<br />

Hier muss mit generelleren<br />

Massnahmen gearbeitet werden, die möglichst<br />

grosse Teile des stark frequentierten Streckennetzes<br />

betreffen.<br />

Es gibt allerdings auch einige Ausnahmen zu der<br />

Regel der dispersen Verteilung der Kollisionen mit<br />

entgegenkommenden Fahrzeugen. Besonders<br />

markant tut sich die Strecke nördlich des San Ber-<br />

Abbildung 12<br />

Bei Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen getötete<br />

Personen <strong>auf</strong> der nördlichen San Bernardino-Route<br />

(Punkt = 1 Getöteter, 1992–2007)<br />

Quelle: http://maps.huge.info/marker.htm Quelle: http://maps.huge.info/marker.htm<br />

88 Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz bfu-Report Nr. 61


nardino-Tunnels ab Tamins hervor. Dort gab es 41<br />

Verkehrstote (1993–2007), bei denen eine Geokodierung<br />

vorgenommen wurde, so dass sie dieser<br />

Strecke zugeordnet werden konnten (Abbildung<br />

12). Dies wäre ein Beispiel, wo sich wohl eine bauliche<br />

Fahrtrichtungstrennung lohnt.<br />

Andere unfallbelastete Strecken sind diejenige von<br />

Spiez nach Interlaken sowie die Strasse von Frauenfeld<br />

nach Matzingen.<br />

2. Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn<br />

Bei dieser Unfallklasse «bedarf» es keines besonders<br />

intensiven Verkehrs, da nicht mit anderen<br />

Verkehrsteilnehmern kollidiert wird. Wann immer<br />

eine Strasse mit verhältnismässig hoher Geschwindigkeit<br />

befahren werden kann und sich feste Hindernisse<br />

nah am Strassenrand befinden, kann es zu<br />

schweren und tödlichen Unfällen kommen. Daher<br />

ist es nicht verwunderlich, dass sich Unfälle dieser<br />

Abbildung 13<br />

Bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn<br />

getötete Personen in der Region Burgdorf, 1992–2007<br />

(Punkt = 1 Getöteter, 1992–2007)<br />

Unfallklasse oft <strong>auf</strong> eher kleinen Strassen ereignen,<br />

die meist einen geringeren Ausbaustandard <strong>auf</strong>weisen.<br />

In Abbildung 13 ist ein Beispiel aus der<br />

Region Burgdorf dargestellt. Man erkennt, dass ein<br />

Teil der Unfallstrassen so klein ist, dass sie bei diesem<br />

Massstab überhaupt noch nicht als Strassen zu<br />

erkennen sind. Wiederum zeigt sich, dass das Unfallgeschehen<br />

sehr dispers verteilt ist.<br />

Allerdings gibt es auch hier wieder Strecken, <strong>auf</strong><br />

denen es zu überraschend vielen Todesfällen gekommen<br />

ist. Namentlich zu erwähnen sind die<br />

Strassen von Landquart nach Bad Ragaz bzw. nach<br />

Maienfeld. Auch zwischen Neuchâtel und St. Imier<br />

gab es etliche Todesfälle.<br />

3. Kollisionen an Knoten<br />

Bei den Kollisionen an Knoten ergibt sich wiederum<br />

dasselbe Bild (Abbildung 14) wie bei den vorherigen<br />

Unfallklassen – vor allem eine disperse<br />

Verteilung, die eine Sanierung von Unfallschwerpunkten<br />

wenig zielführend erscheinen lassen.<br />

Bei den anderen beiden Unfallklassen (Unfälle ohne<br />

Kollisionen und Kollisionen mit Fussgängern) fin-<br />

Abbildung 14<br />

Bei Kollisionen an Knoten getötete Personen in der Region Sion,<br />

1992–2007<br />

(Punkt = 1 Getöteter, 1992–2007)<br />

Quelle: http://maps.huge.info/marker.htm Quelle: http://maps.huge.info/marker.htm<br />

bfu-Report Nr. 61 Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz 89


den sich ebenfalls ähnliche Verteilungen. Sie werden<br />

hier allerdings <strong>auf</strong>grund ihrer geringen Anzahl<br />

Todesfälle nicht mehr separat abgehandelt.<br />

4. Ausmass und Qualität der Geokodierung<br />

Zurzeit werden für etwa 80 % der in Unfälle verwickelten<br />

Personen Geokodierungsdaten angegeben.<br />

Bis 2002 lag dieser Anteil bei etwa 60 %. Mit dem<br />

Beginn der Geokodierungen im Kanton Zürich stieg<br />

der Anteil um 20 %. Die Kantone Obwalden und<br />

Tessin nehmen keine mehr oder fast gar keine<br />

Geokodierung vor. Kantone, in denen in weniger<br />

als 80 % der Fälle eine Geokodierung vorgenommen<br />

wird, sind Waadt, Luzern, Neuenburg, Wallis<br />

und Nidwalden. Die höchsten Prozentwerte erreichen<br />

mit fast 95 % der Fälle Uri, Aargau und Solothurn.<br />

Insgesamt kann man also konstatieren, dass die<br />

Geokodierung recht gut funktioniert, aber noch<br />

etwas ausb<strong>auf</strong>ähig ist. Mit dem neuen Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll<br />

wird sie obligatorisch werden.<br />

90 Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz bfu-Report Nr. 61


VIII. Massnahmen<br />

Die Analyse der Risikofaktoren für die Verletzungsschwere<br />

bei den 5 Unfallklassen <strong>auf</strong> Ausserortstrassen<br />

hat zu einer ganzen Reihe von signifikanten<br />

Resultaten geführt. Ein Teil der Ergebnisse ist ähnlich<br />

für die verschiedenen Unfallklassen, andere<br />

hingegen weichen voneinander ab. So haben sich<br />

einerseits die motorisierten Zweiräder als problematisch<br />

erwiesen. Andererseits hat beispielsweise<br />

das Tessin ein eher geringes Risiko für schwere<br />

Verletzungen bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen aber ein eher hohes Risiko<br />

bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn. Daraus ergibt sich, dass ein Teil<br />

der Probleme unabhängig davon, um welche Art<br />

der Unfallklasse es sich handelt, vermindert werden<br />

kann. Probleme, die generell angegangen werden<br />

können sind:<br />

1. Fortbewegungsmittel<br />

2. Benutzung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />

3. Alkoholeinfluss beim Lenker<br />

4. Geltende Höchstgeschwindigkeiten<br />

5. Strassenzustand<br />

6. Strassenanlage<br />

7. Besitzverhältnisse des Fahrzeugs<br />

8. Alter<br />

9. Geschlecht<br />

Andere Risikofaktoren sind nur relevant für bestimmte<br />

Unfallklassen oder – in schwierigen Fällen<br />

– können sogar je nach Unfallklasse Risiko- oder<br />

Schutzfaktor sein. Es sind dies die folgenden Faktoren<br />

10. Art des Hindernisses<br />

11. Strassenart<br />

12. Personenart (Lenker, Beifahrer, Fussgänger)<br />

13. Unfallstelle<br />

14. Vortrittsregelung<br />

15. Signalisierung der Höchstgeschwindigkeit<br />

16. Künstliche Beleuchtung<br />

17. Landesregion<br />

18. Uhrzeit<br />

19. Wochentag<br />

20. Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

21. Strassenkategorie<br />

Für die Umsetzung bedeutet dies konkret, dass<br />

hinsichtlich der Risikofaktoren 1 bis 9 Interventionen<br />

eigentlich immer lohnenswert sind. Für die<br />

Risikofaktoren 10 bis 21 hingegen muss vorher<br />

eine Analyse des Unfallgeschehens erfolgen, um<br />

klarzustellen, welche der 5 Unfallklassen besonders<br />

angegangen werden müssen. Erst daraus können<br />

die sinnvollen Massnahmen abgeleitet werden.<br />

1. Generelle Massnahmen für die Verbesserung<br />

der <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

1.1 Fortbewegungsmittel<br />

1.1.1 Personenwagen<br />

Die allermeisten getöteten Personen bei Unfällen<br />

<strong>auf</strong> Landstrassen sind Insassen von Personenwagen<br />

– rund 62 %. Dies ist vor allem dadurch bedingt,<br />

dass der allergrösste Teil der Verkehrsteilnehmer<br />

mit Personenwagen unterwegs ist. Deren <strong>Sicherheit</strong><br />

wird seit vielen Jahren l<strong>auf</strong>end verbessert. Dies<br />

wird auch in Zukunft weiterhin geschehen. Die<br />

Fahrzeugsicherheit wird zunehmen, sowohl in Be-<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 91


zug <strong>auf</strong> die passive als auch <strong>auf</strong> die aktive <strong>Sicherheit</strong>.<br />

Hinsichtlich der passiven <strong>Sicherheit</strong> wird es<br />

Fortschritte – wohl insbesondere im Hinblick <strong>auf</strong><br />

seitliche Kollisionen und Unfälle mit Fussgängern –<br />

geben.<br />

Die Kollisionsstelle am Fahrzeug hat einen erheblichen<br />

Einfluss <strong>auf</strong> die Schwere der Unfälle. Nach<br />

einer Analyse von Troxel et al. [9] sind etwa 2/3 der<br />

Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn frontal und etwa 25 % seitlich. An der<br />

Seite gibt es jedoch weniger Schutz durch <strong>Sicherheit</strong>sgurt,<br />

Airbag und Knautschzone, weshalb die<br />

Verletzungsschwere dann oft grösser ist.<br />

Ein sehr prägnantes Beispiel für technische Weiterentwicklungen<br />

mit positiver Wirkung <strong>auf</strong> die Verkehrssicherheit<br />

im Bereich der aktiven <strong>Sicherheit</strong> ist<br />

die «Elektronische Stabilitätskontrolle» (ESC), welche<br />

die Unfallzahlen wohl massiv reduzieren kann<br />

und wird. Eine amerikanische Studie [10] kommt<br />

zu dem Schluss, dass die tödlichen Selbstunfälle bei<br />

Personenwagen um 30 %, bei Geländewagen<br />

(SUV) sogar um ca. 63 % durch ESC reduziert<br />

wurden. Eine weitere Studie des Insurance Institute<br />

for Highway Safety [11] fand sogar eine Reduktion<br />

der tödlichen Selbstunfälle um 56 %. Nach der im<br />

vorliegenden Bericht angewendeten Kategorisierung<br />

wird sich ESC wohl vor allem positiv <strong>auf</strong> Kollisionen<br />

mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn und <strong>auf</strong> Unfälle ohne Kollisionen (Selbstunfälle)<br />

auswirken. Zurzeit sind in der Europäischen<br />

Union rund 40 % aller Neuwagen mit ESC ausgestattet,<br />

in Deutschland sogar rund 2/3 [12]. Die<br />

Europäische Union ist zurzeit dabei ein Obligatorium<br />

für ESC einzuführen. Allerdings dürfte es nach<br />

dessen Einführung noch etliche Jahre dauern, bis<br />

es dann in der gesamten Fahrzeugflotte zur Verfügung<br />

steht.<br />

Grundsätzlich scheint jedoch <strong>auf</strong> dem Gebiet der<br />

Fahrzeugtechnik der Personenwagen die Entwicklung<br />

so rasant voranzuschreiten, dass keine speziellen<br />

Massnahmen ergriffen werden müssen.<br />

1.1.2 Motorräder<br />

Fahrer und Beifahrer von motorisierten Zweirädern<br />

machen 21.5 % aller <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> getöteten<br />

Personen aus. Im Durchschnitt starben von<br />

1992 bis 2007 pro Jahr 72 motorisierte Zweiradbenützer<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong>. Die Wahrscheinlichkeit<br />

schwer verletzt zu werden ist dramatisch höher<br />

als in Personenwagen. Von daher besteht ein grosser<br />

Handlungsbedarf.<br />

Spezifische Massnahmen für eine verbesserte Motorradsicherheit<br />

werden im bfu-<strong>Sicherheit</strong>sdossier<br />

«Motorradverkehr» [3] dargelegt.<br />

1.2 Rückhaltesystem / Helm<br />

Rückhaltesysteme wie <strong>Sicherheit</strong>sgurt oder Motorradhelme<br />

können einen wesentlichen Beitrag zur<br />

Verringerung der Verletzungsschwere bei Unfällen<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> leisten. Das Risiko schwerer<br />

oder tödlicher Verletzungen beträgt mit <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />

oder Helm nur noch ca. 1/6 im Vergleich<br />

zu ungesicherten Personen (wenn auch mit Variationen<br />

je nach Unfallklasse). Daher muss die Erhöhung<br />

der Nutzungsquoten ein wichtiges Ziel der<br />

Verkehrssicherheitsarbeit bleiben.<br />

1.2.1 Helm<br />

Das Thema Helm wird im <strong>Sicherheit</strong>sdossier «Mo-<br />

torradverkehr» [3] diskutiert werden.<br />

92 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


1.2.2 <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />

Der <strong>Sicherheit</strong>sgurt gilt nach wie vor als der Lebensretter<br />

Nr. 1. Nach verschiedenen Studien<br />

senkt er die Wahrscheinlichkeit tödlicher Verletzungen<br />

um knapp die Hälfte [13]. Praktisch alle<br />

Autos sind heutzutage mit <strong>Sicherheit</strong>sgurten vorne<br />

und hinten ausgerüstet. Die Tragquoten sind in der<br />

Schweiz im internationalen Vergleich leider nur<br />

durchschnittlich. Sie lagen im Jahr 2008 gesamtschweizerisch<br />

<strong>auf</strong> Landstrassen bei 89 %; in der<br />

Deutschschweiz betrugen sie 91 %, 83 % in der<br />

Romandie und 76 % im Tessin. Auf den Rücksitzen<br />

wird der <strong>Sicherheit</strong>sgurt noch seltener verwendet<br />

obwohl sich dort von 2002 <strong>auf</strong> 2008 eine deutliche<br />

Verbesserung ergeben hat (von 55 <strong>auf</strong> 65 %).<br />

Insgesamt hätten wahrscheinlich seit 1992 über<br />

500 Personenwageninsassen ihren Ausserortsunfall<br />

überlebt, wenn alle PW-Insassen den <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />

getragen hätten. Hier besteht also noch ein<br />

erhebliches Potenzial – auch wenn sich die Tragquoten<br />

in den letzten Jahren bereits verbessert<br />

haben.<br />

Männer tragen seltener einen <strong>Sicherheit</strong>sgurt als<br />

Frauen und unter Alkoholeinfluss wird weniger<br />

häufig der Gurt getragen als ohne Alkoholeinfluss.<br />

Junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sind<br />

am seltensten mit einem <strong>Sicherheit</strong>sgurt unterwegs.<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurte werden bei schwierigen<br />

Wetterbedingungen und tagsüber häufiger getragen<br />

als bei gutem Wetter und Dunkelheit. Ewert<br />

und Fitz [14] haben eine ausführliche Untersuchung<br />

zu den Gründen des Nichttragens und den<br />

möglichen Massnahmen durchgeführt. Sie empfehlen<br />

verstärkte polizeiliche Tätigkeit insbesondere<br />

für Zeiten, Umstände und Personen mit hohem<br />

Risiko des Nichtragens. Dies sollte am besten in<br />

Kombination mit begleitenden Kampagnen ge-<br />

schehen. Auch der vermehrte Einsatz von Warnsystemen,<br />

die den Fahrer daran erinnern sollen, dass<br />

er (und seine Passagiere) nicht angegurtet sind, hat<br />

positive Effekte erzielen können.<br />

Ein Engagement für noch höhere Gurtentragquoten<br />

ist <strong>auf</strong> jeden Fall empfehlenswert weil gerade<br />

die Autofahrer mit hohem Unfallrisiko (junge Lenker,<br />

Männer, Lenker unter Alkoholeinfluss) ihn<br />

seltener benutzen und dringender benötigen.<br />

1.3 Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker<br />

Alkohol ist ein bekannter Risikofaktor für die<br />

Wahrscheinlichkeit, dass sich Verkehrsunfälle ereignen.<br />

Die unten dargestellte Grafik (Abbildung<br />

15, [15]) zeigt diesen Zusammenhang <strong>auf</strong>, der in<br />

dieser oder ähnlicher Form schon vielfach nachgewiesen<br />

werden konnte. Man erkennt deutlich, dass<br />

das Unfallrisiko bereits ab einem sehr niedrigen<br />

Alkoholniveau ansteigt. Bereits bei einem Promillewert<br />

von 0,4 ist das Unfallrisiko um fast 20 %<br />

höher als ohne Alkoholeinfluss. Bei 0,5 Promille ist<br />

es bereits um 38 % erhöht.<br />

Darüber hinaus hat Alkohol auch einen negativen<br />

Effekt <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere. Lenker unter<br />

Einfluss von Alkohol hatten bei 3 der 5 analysierten<br />

Abbildung 15<br />

Unfallrisiko und Alkoholniveau<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 93<br />

3.0<br />

2.5<br />

2.0<br />

1.5<br />

1.0<br />

0.5<br />

0.0<br />

0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8<br />

Promille<br />

Quelle: Blomberg, Peck, Moskowitz, Burns & Fiorentino, 2005


Unfallklassen, ein deutlich erhöhtes Risiko von<br />

schweren oder tödlichen Verletzungen. Dies betraf<br />

die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen,<br />

die Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn und die Kollisionen an Knoten.<br />

Die Einführung der 0,5-Promille-Grenze und die<br />

Möglichkeit der anlassfreien Atemalkoholkontrolle<br />

hatten im Jahr 2005 zu einer sehr deutlichen Reduktion<br />

der Verkehrstoten geführt. Allerdings war<br />

dieser Rückgang nicht nur <strong>auf</strong> Veränderungen bei<br />

den Alkoholunfällen zurückzuführen. Auch Unfälle<br />

mit anderen Ursachen (wie beispielsweise überhöhte<br />

Geschwindigkeit) gingen zurück.<br />

Die bfu beurteilt folgende Interventionen als sehr<br />

empfehlenswert um die Alkoholunfälle zu reduzieren<br />

[16]:<br />

Alkoholverbot für Neulenkende in der Probephase<br />

und für Berufsch<strong>auf</strong>feure<br />

Ausdehnung der Beweiskraft von Atemalkoholproben<br />

Intensivierung der polizeilichen Kontrolltätigkeit<br />

(inkl. Sichtbarkeitssteigerung)<br />

Zwingender Führerausweisentzug für FiaZ zwischen<br />

0,5 und 0,79 Promille<br />

Flächendeckende Einführung von Nachschulungsprogrammen<br />

für Erstdelinquenten<br />

Anreizsteigerung für freiwillige Teilnahme an<br />

Nachschulungskursen<br />

Als empfehlenswert werden beurteilt:<br />

gut konzipierte Kommunikationskampagnen<br />

Anerkennung von Nachschulungskursen an die<br />

Erfüllung gewisser konzeptioneller Minimalbedingungen<br />

knüpfen<br />

Durchführung schulischer Alkoholprogramme<br />

Adäquate Thematisierung von FiaZ (Fahren im<br />

angetrunkenen Zustand) im Rahmen der WAB-<br />

Kurse (Weiterausbildung)<br />

Nutzungsförderung von Nacht-/Discobussen/öV<br />

Einsatz von Alkoholwegfahrsperren nach FiaZ<br />

Freiwilliger Einsatz von Alkoholwegfahrsperren<br />

bei Transportunternehmen<br />

Verbreitung des Alkoholschiebers (als Sensibilisierungsmittel)<br />

Die Weltgesundheitsorganisation WHO [17, S.<br />

128ff] oder auch das National Committee for Injury<br />

Prevention and Control [18, S. 119ff] schlagen<br />

verschiedene Massnahmen zur Verringerung der<br />

Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss vor. Etliche<br />

Massnahmen sind in der Schweiz bereits eingeführt<br />

worden und werden deshalb nicht mehr <strong>auf</strong>geführt.<br />

Verbesserungsmöglichkeiten für die Schweiz<br />

wären demnach:<br />

0,0 Promille für junge Lenker<br />

Weitere Senkungen der allgemeinen Alkohollimiten<br />

unter die geltenden Grenzwerte (Beispiel<br />

Schweden von 0,5 <strong>auf</strong> 0,2 Promille)<br />

Anhebung der Alterslimite für Zugang zu Alkohol<br />

beispielsweise <strong>auf</strong> 21 Jahre wie in den USA<br />

oder <strong>auf</strong> 18 Jahre für gegorene Getränke wie<br />

im Tessin<br />

Einschränkung des Alkoholkonsums über Besteuerung,<br />

Begrenzung der Verk<strong>auf</strong>sstellen und<br />

deren Öffnungszeiten.<br />

Intensivierung der Alkoholkontrollen, so dass<br />

jeder zehnte Autofahrer mindestens 1-mal pro<br />

Jahr angehalten wird. Dies wäre gegenüber der<br />

heutigen bereits deutlich intensivierten Kontrollintensität<br />

noch mal beinahe eine Verdoppelung.<br />

Die polizeilichen Kontrollpunkte sollten in Bezug<br />

<strong>auf</strong> Ort und Zeit variieren, so dass eine gezielte<br />

Umfahrung von Kontrollen schwierig ist.<br />

Die Polizeikontrollen sollten gut sichtbar sein.<br />

94 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


Polizeikontrollen sollten von begleitenden Kampagnen<br />

unterstützt werden<br />

Alkoholkurse – insbesondere wenn die Teilnehmer<br />

motiviert werden, ihre Probleme anzusprechen<br />

Alkoholtests sollten bei jedem polizeilich protokollierten<br />

Unfall durchgeführt werden.<br />

Haftungsrechtliche (und nicht nur strafrechtliche)<br />

Konsequenzen für die Verkäufer von alkoholischen<br />

Getränken (entsprechend Dram Shop<br />

Law in den USA)<br />

Ausbildung für Personal in Restaurants und Bars<br />

für den Umgang mit Alkohol konsumierenden<br />

Gästen<br />

Ob sich technische Neuerungen wie «Alcohol Ignition<br />

Interlock» (nicht Anlassen können des Fahrzeugs<br />

ohne vorherige Atemprobe) werden durchsetzen<br />

können, bleibt abzuwarten. Die technischen<br />

Probleme scheint man im Griff zu haben, aber die<br />

Akzeptanz solcher Massnahmen ist oft gering. Die<br />

Cochrane Collaboration [19] kommen zu dem<br />

Schluss, dass diese Geräte nur wirken solange sie<br />

im Fahrzeug eingebaut sind – dass sie also keinen<br />

generalpräventiven Effekt haben.<br />

1.4 Höchstgeschwindigkeit<br />

Die Kollisionsgeschwindigkeit ist ein entscheidender<br />

Risikofaktor für die Verletzungsschwere bei<br />

Unfällen, da sich die kinetischen Energie nach der<br />

Formel<br />

E = ½ Masse * Geschwindigkeit 2<br />

entwickelt. Daher ist es nicht überraschend, dass<br />

sich bei 3 der 5 Unfallklassen zeigte, dass die Höhe<br />

der geltenden Geschwindigkeitslimiten ein signifikanter<br />

Risiko- bzw. Schutzfaktor für die Verlet-<br />

zungsschwere ist. Dies betrifft die Kollisionen mit<br />

entgegenkommenden Fahrzeugen, die Kollisionen<br />

mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn<br />

und die Kollisionen an Knoten. Die Beziehung ist –<br />

wie zu erwarten – so, dass bei niedrigeren Geschwindigkeitslimiten<br />

die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen geringer ist.<br />

Warum aber gab es keine signifikanten Ergebnisse<br />

bei den Kollisionen mit Fussgängern und den Unfällen<br />

ohne Kollisionen? Die plausibelste Erklärung<br />

bei den Kollisionen mit Fussgängern ist, dass auch<br />

bereits die niedrigste Geschwindigkeitskategorie<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> mit einer hohen Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer und tödlicher Verletzungen<br />

der Fussgänger einhergeht. Dieser Deckeneffekt<br />

verhindert, dass es zu signifikanten Unterschieden<br />

zwischen den verschiedenen Geschwindigkeitslimiten<br />

kommen kann. Bei den Unfällen ohne Kollision<br />

stellt sich der Sachverhalt anders dar. Einer der<br />

wichtigsten Einflussfaktoren für die Verletzungsschwere<br />

ist das sogenannte Delta-V, die<br />

Verringerung der Geschwindigkeit (V = Velocity)<br />

innerhalb einer bestimmten Zeitspanne. Bei einem<br />

Unfall ohne Kollision findet eher selten ein abruptes<br />

Stoppen wie bei einer Kollision mit schweren<br />

Hindernissen statt. Daher ist dann auch die negative<br />

Beschleunigung geringer und führt nicht so<br />

häufig zu schweren Verletzungen. Von daher ist es<br />

biomechanisch plausibel, dass bei einem Unfall<br />

ohne Kollision die Geschwindigkeit eine geringere<br />

Rolle für die Verletzungsschwere spielt.<br />

Bei den 3 übrigen Unfallklassen hingegen, bei denen<br />

jeweils mit einem schweren Objekt kollidiert<br />

wurde, spielt die Geschwindigkeitslimite (die einen<br />

– wenn auch lockeren – Zusammenhang mit der<br />

tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit haben<br />

dürfte) eine wichtige Rolle für die Verletzungs-<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 95


schwere. Elvik und Vaa [20, S. 524] zeigten in einer<br />

Meta-Analyse <strong>auf</strong>, dass bei einer Reduktion um 10<br />

km/h die Anzahl der Unfälle um 9 % sinkt, die<br />

Anzahl der Getöteten jedoch um 23 %. Das Power-Model<br />

der Geschwindigkeit zeigt <strong>auf</strong> jeden<br />

Fall, dass verringerte Geschwindigkeiten sich vor<br />

allem <strong>auf</strong> die schwersten Unfälle positiv auswirken.<br />

Senkungen der Geschwindigkeitslimiten sind<br />

preiswerte wie auch schnell und einfach einzuführende<br />

Massnahmen um die Gefährlichkeit der<br />

Landstrassen zu reduzieren (Kap. VIII.2.6). Dies<br />

bietet sich an für bekanntermassen gefährliche<br />

Strassenabschnitte, die in kurzer Zeit nicht oder nur<br />

wenig hinsichtlich der bestehenden Risikofaktoren<br />

minimiert werden können. Dabei sind kreative<br />

Lösungen gefragt. So könnte die Höchstgeschwindigkeit<br />

<strong>auf</strong> stark frequentierten - ab einem DTV<br />

von 10 000 – aber (noch) nicht richtungsgetrennten<br />

Strassen <strong>auf</strong> 60 oder 70 km/h reduziert werden,<br />

um die Schwere der Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen zu reduzieren. Diese<br />

Massnahmen könnten explizit als temporäre Notwendigkeit<br />

deklariert werden, so lange bis die<br />

Strasse baulich verbessert wird. Dies würde wahrscheinlich<br />

auch die Akzeptanz für die notwendigen<br />

Ausgaben für die strassenbaulichen Massnahmen<br />

erhöhen, weil anschliessend die Geschwindigkeitslimiten<br />

wieder erhöht werden könnten.<br />

Die Senkung einer Geschwindigkeitslimite mittels<br />

Signalisierung der Höchstgeschwindigkeit allein<br />

dürfte jedoch oft nicht ausreichen, um eine bedeutsame<br />

Geschwindigkeitsreduktion zu erreichen.<br />

Hier sind die Polizei, die Gemeinde, die Kantone<br />

und auch die Kontrolltechnik gefordert, um eine<br />

möglichst grosse Effektivität zu erreichen.<br />

Landstrassen sind bezüglich Geschwindigkeits-<br />

kontrollen stark vernachlässigt. Das Bundesamt für<br />

Statistik [21] zeigt <strong>auf</strong>, dass von den über 200 Mio.<br />

Geschwindigkeitskontrollen 6,5 Mio. <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

gemacht wurden – nur etwa 3 %. Hier<br />

besteht erheblicher Handlungsbedarf. Polizeikontrollen<br />

sind dann am wirksamsten, wenn sie gut<br />

sichtbar sind und von Informationskampagnen<br />

begleitet werden.<br />

1.5 Strassenzustand<br />

Der Strassenzustand spielt lediglich bei den Kollisionen<br />

mit Fussgängern im Hinblick <strong>auf</strong> die Schwere<br />

der Verletzungen keine signifikante Rolle. Bei den 4<br />

übrigen Unfallklassen erwiesen sich verschneite<br />

Strassenverhältnisse als ein starker Schutzfaktor<br />

hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

– das Risiko sinkt um 39–56 % im Vergleich<br />

zu trockenen Strassen. Zur höchsten Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen – und auch<br />

zur grössten Anzahl getöteter Personen – kommt<br />

es bei trockener Strasse. Es gibt keinen Strassenzustand,<br />

der signifikant gefährlicher ist als die trockene<br />

Strasse.<br />

Bei den 2 Unfallklassen, bei denen es zum Verlassen<br />

der Fahrbahn kommt (Kollision mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn und Unfälle<br />

ohne Kollision), sinkt die Wahrscheinlichkeit schwerer<br />

Verletzungen bei allen schwierigen Strassenzuständen<br />

wie z. B. Nässe, Schnee, Eis und Pflotsch<br />

signifikant. Bei den Unfallklassen, bei denen es zu<br />

einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug<br />

kommt, macht sich hingegen nur der Schnee positiv<br />

bemerkbar. In Tabelle 70 sind diese Befunde<br />

zusammenfassend dargestellt.<br />

96 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


Was bedeutet dies nun für die Verkehrssicherheit?<br />

In der Tendenz – wenn auch nicht für alle Unfallklassen<br />

– sinkt die Unfallschwere mit den üblicherweise<br />

als problematisch bewerteten Strassenzuständen<br />

wie Nässe oder Glätte. Dies ist ein möglicher<br />

Hinweis dar<strong>auf</strong>, dass die gefahrenen Geschwindigkeiten<br />

in solchen Situationen abnehmen.<br />

Ob sie in ausreichendem Masse reduziert werden,<br />

um auch die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls und<br />

nicht nur seine Schwere zu reduzieren kann hier<br />

nicht beantwortet werden. Insgesamt sterben rund<br />

62,5 % der <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> getöteten Personen<br />

<strong>auf</strong> trockenen Strassen.<br />

1.6 Strassenanlage (Längsneigung der<br />

Strasse)<br />

Die grösste Häufigkeit und Verletzungsschwere<br />

findet sich in der Ebene für die beiden wichtigsten<br />

Unfallklassen Kollision mit entgegenkommendem<br />

Fahrzeug und Kollision mit festem Hindernis ausserhalb<br />

der Fahrbahn. An zweiter Stelle steht dann<br />

das Gefälle. Ob die Polizei beim Ausfüllen des Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokolls<br />

Gefälle oder Steigung angibt,<br />

hängt von der Fahrtrichtung des mutmasslich<br />

unfallverursachenden Fahrzeugs ab.<br />

Folgende Längsgefälle sollen gemäss Vereinigung<br />

Schweizerischen Strassenfachleute (VSS) VSS-Norm<br />

SN 640 110 Linienführung, Elemente der vertikalen<br />

Linienführung [22] nicht überschritten werden:<br />

Ausbaugeschwindigkeit 80 km/h<br />

(d. h. Haupt- und Nebenstrasse ausserorts): 8 %<br />

Ausbaugeschwindigkeit 100 km/h<br />

(d. h. Autostrassen): 6 %<br />

Damit eine Längsentwässerung der Fahrbahn möglich<br />

ist, muss stets ein minimales Längsgefälle von<br />

0,5 % vorhanden sein.<br />

Trotz gleich vieler Kilometer Gefälle wie Steigung<br />

fällt <strong>auf</strong>, dass es im Gefälle mehr Unfallbeteiligte<br />

und mehr Getötete gibt, ganz gleich um welche<br />

Unfallklasse es sich handelt. Oft beträgt der Unterschied<br />

beinahe Faktor 2! Daher ist im Gefälle der<br />

Schwerpunkt zu suchen.<br />

Damit es leichter möglich ist, die Kontrolle über ein<br />

Fahrzeug im Gefälle beizubehalten oder zurückzugewinnen,<br />

ist man <strong>auf</strong> eine gute Griffigkeit des<br />

Belages angewiesen. Die VSS 640 511 Griffigkeit,<br />

Bewertung [23] schreibt eine Griffigkeit von 65 SRT<br />

vor. Dieser Wert wird von älteren Belägen oft nicht<br />

mehr erreicht.<br />

Die Griffigkeit der Strassenbeläge muss periodisch<br />

Tabelle 70<br />

Wahrscheinlichkeit schwerer und tödlicher Verletzungen in Abhängigkeit von Unfallklasse und Strassenzustand (signifikante Resultate<br />

sind fett)<br />

Strassenzustand Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen<br />

Kollisionen mit festen<br />

Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn<br />

Kollisionen an Knoten Unfälle ohne Kollisionen<br />

Trocken (Referenzkategorie)<br />

1.00 1.00 1.00 1.00<br />

Feucht 1.03 0.89 1.09 0.83<br />

Nass 1.05 0.83 0.98 0.79<br />

Verschneit 0.61 0.44 0.46 0.44<br />

Vereist 1.11 0.70 0.44 0.72<br />

Pflotschig 1.02 0.54 1.31 0.56<br />

Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 97


überprüft werden. Dies nehmen in der Regel die<br />

kantonalen Tiefbauämter vor. Die Kontrolle sollte<br />

periodisch alle 2 Jahre <strong>auf</strong> sämtlichen Strecken<br />

ausserorts, insbesondere aber im Gefälle vorgenommen<br />

werden. Die Strecken, welche eine zu<br />

geringe Griffigkeit haben, müssen umgehend <strong>auf</strong>geraut,<br />

oder im Zuge einer Oberbausanierung mit<br />

einem griffigeren Belag versehen werden.<br />

Artikel 108 SSV sieht die abschnittweise Reduzierung<br />

der Geschwindigkeit vor, wenn die <strong>Sicherheit</strong><br />

nicht mit anderen Massnahmen gewährleistet werden<br />

kann. Allerdings muss die Signalisation der<br />

Geschwindigkeit an allen Einmündungen wiederholt<br />

werden.<br />

Auf Ausserortsstrecken, welche trotz genügender<br />

Griffigkeit ein erhöhtes Unfall<strong>auf</strong>kommen haben<br />

(Unfallstrecke), soll die Geschwindigkeit für den<br />

talwärts fahrenden Verkehr i.d.R. <strong>auf</strong> 60 oder 70<br />

km/h reduziert werden.<br />

1.7 Angaben zum Lenker<br />

Bezüglich der Angaben zum Lenker ergab sich ein<br />

sehr interessantes Ergebnis. Personen, die mit<br />

Mietwagen oder Geschäftsfahrzeugen einen Unfall<br />

erlitten, haben eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit<br />

von schweren oder tödlichen Verletzungen<br />

– auch unter statistischer Kontrolle wichtiger<br />

Risikofaktoren wie Alkohol oder Alter. Dies<br />

erklärt sich möglicherweise dadurch, dass mit Fahrzeugen,<br />

die nicht dem Lenker selbst oder einem<br />

engen Verwandten gehören, vorsichtiger umgegangen<br />

wird. Eine andere Erklärung könnte allerdings<br />

auch sein, dass Personen, die ein Fahrzeug<br />

mieten oder die einen Firmenwagen haben, sich<br />

von den Normalfahrern hinsichtlich verkehrssicherheitsrelevanter<br />

Merkmale unterscheiden (wie bei-<br />

spielsweise sozialer Schicht). Und schliesslich könnte<br />

auch noch eine Rolle spielen, dass Miet- oder<br />

Firmenfahrzeuge durchschnittlich weniger alt sein<br />

dürften als Privatwagen und somit über bessere<br />

<strong>Sicherheit</strong>sausstattungen verfügen.<br />

Aus diesem Resultat könnte als Massnahme abgeleitet<br />

werden, dass beispielsweise Car-Sharing vermehrt<br />

unterstützt und gefördert werden sollte. In<br />

welcher Art und Weise dies geschehen kann, muss<br />

hier noch offen bleiben. Allerdings könnte es durch<br />

die steigenden Ölpreise ohnehin dazu kommen,<br />

dass weniger Personen ein eigenes Auto k<strong>auf</strong>en<br />

und sich erst im Bedarfsfall ein Fahrzeug mieten. Es<br />

ist jedoch zu erwarten, dass es sich hier eher um<br />

eine Nische handelt, mit der keine grundlegende<br />

Verbesserung der Verkehrssicherheit erreicht werden<br />

kann, da voraussichtlich die allermeisten Personen<br />

nach wie vor ein eigenes Auto besitzen werden.<br />

Dennoch sollte auch dieser Weg nicht vernachlässigt<br />

werden.<br />

98 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


1.8 Alter der beteiligten Person<br />

Beim Alter der beteiligten Person ist bei 3 der 5<br />

Unfallklassen (Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen, Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn und Unfälle ohne<br />

Kollisionen) derselbe Effekt zu beobachten: Je älter<br />

die betroffene Person ist, desto grösser ist die<br />

Wahrscheinlichkeit schwere oder sogar tödliche<br />

Verletzungen zu erleiden. Dies ist vor allem durch<br />

die mit dem Alter zunehmende Verletzlichkeit des<br />

menschlichen Körpers bedingt. Umgekehrt zeigt<br />

sich eine Abnahme der Getötetenzahlen mit zunehmendem<br />

Alter. Dieser Sachverhalt ist in Abbildung<br />

16 dargestellt. Man erkennt, dass die höchsten<br />

Durchschnittswerte für die Anzahl Getöteter<br />

pro Altersjahr bei den Lenkern zwischen 20 und 24<br />

Jahren erreicht werden und dann mit zunehmendem<br />

Alter absinken. Diese Abnahme setzt sich bis<br />

ins Alter fort, wobei hier auch die abnehmenden<br />

Fahrleistungen mit zunehmendem Alter eine Rolle<br />

spielen dürften. Auf den Punkt gebracht bedeutet<br />

dies, dass ältere Personen weniger oft in Unfälle<br />

dieser Unfallklassen verwickelt werden, dass aber –<br />

wenn sie involviert sind – die Folgen für sie schwerer<br />

sind als für junge Autofahrer.<br />

Abbildung 16 kann man ebenfalls entnehmen,<br />

dass die Unfälle ohne Kollisionen im Gegensatz zu<br />

den anderen Unfallklassen einen deutlich geringeren<br />

Anstieg und Abfall in Abhängigkeit vom Alter<br />

<strong>auf</strong>weisen als die Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen und die Kollisionen mit festen<br />

Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn. Das erhöhte<br />

Unfallrisiko bei den jungen Lenkern hat hier weniger<br />

oft tödliche Auswirkungen. Dies bedeutet, dass<br />

man die Anzahl Getöteter – insbesondere bei den<br />

jungen Lenkern und ihren Passagieren – deutlich<br />

reduzieren könnte, wenn man die Unfallklasse<br />

Kollision mit festem Hindernis durch die Unfallklasse<br />

Unfall ohne Kollision «ersetzen» könnte. Das<br />

Entfernen von festen Hindernissen vom Strassenrand<br />

und die Schaffung von ausreichend hindernisfreien<br />

Räumen kämen somit insbesondere den<br />

jungen Lenkern, die oft ihr Fahrzeug noch nicht<br />

ausreichend gut beherrschen, zu Gute.<br />

Abbildung 16<br />

Anzahl getöteter Personen <strong>auf</strong> Ausserortstrassen nach Unfallklasse und Alter (durchschnittliche Anzahl getöteter Personen pro Altersjahr),<br />

1992-2003<br />

50<br />

45<br />

40<br />

35<br />

30<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

5<br />

0<br />

0–14 Jahre 15–19 Jahre 20–24 Jahre 25–34 Jahre 35–44 Jahre 45–54 Jahre 55–64 Jahre 65–74 Jahre 75+ Jahre<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen Kollisionen mit festen Hindernissen am Strassenrand Unfälle ohne Kollisionen<br />

Die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen hat einen verhältnismässig tiefen Durchschnitt, weil in dieser Altergruppe sowohl Autofahrer (18- und 19-Jährige) als<br />

auch Nicht-Autofahrer (15- bis 17-Jährige) enthalten sind. Diese Alterskategorisierung wurde aus Gründen ausreichender Fallzahlen gewählt.<br />

Quelle: BFS/bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 99


Für die Verringerung der Anzahl getöteter Personen<br />

bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen sollte eine vermehrte Richtungstrennung<br />

geplant werden. Dies wird in Kapitel<br />

VIII.2.2.2 detaillierter behandelt. Darüber hinaus<br />

könnte es hilfreich sein, die Lenker so weit möglich<br />

<strong>auf</strong> richtungsgetrennte Strecken wie beispielsweise<br />

Autobahnen, zu leiten. Schliesslich könnte auch<br />

der vermehrte Einsatz von Überholverboten mit<br />

Rüttelstreifen (VIII.3.3) nützlich sein.<br />

Es gibt eine Unfallklasse, für die das Gesetz der<br />

abnehmenden Zahl der Getöteten mit zunehmendem<br />

Alter nicht stimmt: Bei den Kollisionen an<br />

Knoten gibt es ab ca. Mitte 50 einen Anstieg der<br />

Anzahl der Getöteten. Dieser Effekt ist nicht ganz<br />

unerwartet. Mit zunehmendem Alter nimmt die<br />

Verarbeitungsgeschwindigkeit für komplexe Informationen<br />

ab, so wie sie z. B. an Knoten im Strassenverkehr<br />

gegeben ist. Unfälle in solchen Situationen<br />

sind geradezu typische Seniorenunfälle. Um<br />

hier Abhilfe zu schaffen, ist der vermehrte Bau von<br />

Kreiseln (einspurig, d. h. möglichst einfach) sinnvoll.<br />

Darüber hinaus sind vollständig gesicherte<br />

Lichtsignalanlagen ohne Konfliktmöglichkeiten mit<br />

anderen Verkehrsteilnehmern hilfreich, z. B. beim<br />

Linksabbiegen. Auch sollten Einmündungen von<br />

Privatgrundstücken möglichst übersichtlich gestaltet<br />

sein.<br />

1.9 Geschlecht der beteiligten Person<br />

Das Geschlecht erwies sich bei 4 der 5 Unfallklassen<br />

als signifikanter Risikofaktor dahingehend, dass<br />

Frauen ein 20 bis 40 % höheres Risiko haben,<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden als Männer.<br />

Evans [24, S. 124ff] zeigt <strong>auf</strong>, dass dies vor<br />

allem der Fall ist bei Frauen vor dem Menopause-<br />

Alter. Danach sinkt das Risiko tödlicher Verletzun-<br />

gen <strong>auf</strong> das Niveau der Männer oder sogar darunter.<br />

Die Gründe sind nicht ganz klar. Evans [24, S.<br />

131] vermutet, dass die gewichtsunabhängige<br />

Airbagauslösung für das grössere Verletzungsrisiko<br />

von Frauen verantwortlich ist. Gegen dieses Argument<br />

spricht allerdings, dass derselbe Autor bereits<br />

in seinem Buch aus dem Jahr 1991 (beruhend <strong>auf</strong><br />

Daten bis 1988) zu ähnlichen Ergebnissen gekommen<br />

war – zu Zeiten also als der Airbag noch nicht<br />

so weit verbreitet war.<br />

Es bleibt jedoch sehr eindeutig, dass Frauen deutlich<br />

weniger häufig bei den verschiedenen Unfallklassen<br />

ums Leben kommen – weil sie diese Unfälle<br />

eben weniger oft erleiden. Insbesondere die<br />

Selbstunfälle sind typische Männerunfälle (Verhältnis<br />

Männer zu Frauen bei den Unfällen ohne Kollision<br />

6:1, bei den Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn 5:1).<br />

Ein Argument bei der Interpretation solcher Ergebnisse<br />

ist, dass die Fahrleistungen der Frauen geringer<br />

sind als diejenigen der Männer und dass allein<br />

deswegen das Unfallgeschehen der Frauen geringer<br />

ist. Kweon & Kockelman [25] haben dies etwas<br />

genauer untersucht – auch nach Fahrzeugtyp. Sie<br />

kamen dabei zu dem Schluss, dass das Unfallrisiko<br />

pro gefahrenen Kilometer bei jungen und mittelalten<br />

Frauen (bis 59 Jahre) geringer ist als das der<br />

Männer. Ab einem Alter von 60 Jahren ist das Risiko<br />

bei den Frauen höher als bei den Männern.<br />

Diese Analysen bezogen sich <strong>auf</strong> Personenwagen.<br />

Bei Geländewagen (Sports Utility Vehicles – SUV)<br />

ergab sich in allen 3 Alterskategorien ein höheres<br />

Unfallrisiko für weibliche Lenker.<br />

Forward et al. [26] kamen <strong>auf</strong>grund einer Literaturanalyse<br />

zum Schluss, dass es immer mehr Untersuchungen<br />

gibt, die keinen Unterschied mehr im<br />

100 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


Unfallgeschehen von Männern und Frauen finden.<br />

Ausserdem betonen sie, dass die alleinige Kenntnis<br />

von Geschlechtsunterschieden noch nicht sehr<br />

erhellend sei. McKenna et al. [27] fanden hingegen<br />

deutliche Unterschiede im Unfallgeschehen von<br />

Männern und Frauen. Männer verunfallen häufiger<br />

in Kurven, beim Überholen und bei Dunkelheit;<br />

Frauen hingegen verunfallen öfter an Knoten. Dazu<br />

kommt, dass Männer schneller fahren, die Gesetze<br />

öfter brechen, öfter illegale Drogen konsumieren<br />

und häufiger unter Alkoholeinfluss Auto fahren.<br />

Aus Sicht der Verkehrssicherheit sind diese Resultate<br />

dahingehend zu interpretieren, dass wahrscheinlich<br />

eine deutliche Verbesserung erreicht werden<br />

könnte, wenn die motorisierte Fortbewegung,<br />

insbesondere mit Personenwagen, durch Lenkerinnen<br />

anstatt durch Lenker geleistet würde – vor<br />

allem wenn es sich um junge Leute handelt.<br />

2. Massnahmen gegen bestimmte Unfallklassen<br />

<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

2.1 Kollisionsobjekt<br />

Die Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn sind die zweitwichtigste Unfallklasse<br />

<strong>auf</strong> Landstrassen. Entlang von Autostrassen können<br />

feste Hindernisse nur selten in zu nahem Abstand<br />

entdeckt werden. Die Ausnahme sind naturgemäss<br />

die Leitschranken, die ja vor zu nahen Objekten<br />

schützen sollen. Je nach Kanton werden die<br />

festen Hindernisse entlang der Haupt- und Nebenstrassen<br />

unterschiedlich nah am Strassenrand angebracht.<br />

Insbesondere alte Baumbestände gleich<br />

neben dem Strassenrand werden fast nie entfernt<br />

(ausser es hat sich ein besonders schwerwiegender<br />

Unfall ereignet).<br />

Die VSS SN 640 569 Einsatz, Wahl und Anordnung<br />

von Tragkonstruktionen der Strassenausrüstung<br />

[28] regelt die Umfahrbarkeit von vertikalen Elementen<br />

<strong>auf</strong> Strassen ausserorts. Die Norm ist zwar<br />

den Tiefbauämtern bekannt, leider wird sie jedoch<br />

<strong>auf</strong> den Haupt- und Nebenstrassen nicht immer<br />

oder zu selten angewendet.<br />

Die Schwere des Unfalls hängt von verschiedenen<br />

Faktoren des Kollisionsobjekts ab. Besonders wichtige<br />

Merkmale sind<br />

Art des Kollisionsobjekts<br />

dessen Abstand vom Strassenrand<br />

Die Neigung der Böschung zum Kollisionsobjekt<br />

2.1.1 Art des Kollisionsobjekts<br />

Im Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll werden verschiedene<br />

Hindernisse unterschieden. Die wichtigsten im<br />

Sinne der Verkehrssicherheit, d. h. diejenigen an<br />

denen die meisten Personen sterben sind<br />

Bäume<br />

Zäune, Mauern, Geländer<br />

Schild, Pfosten, Masten<br />

Leitschranken<br />

Bäume als Kollisionsobjekt haben bei weitem das<br />

grösste Risiko von Unfällen mit schweren oder<br />

tödlichen Verletzungen. Ein ebenfalls noch deutlich<br />

erhöhtes Risiko im Vergleich zu Leitschranken haben<br />

Abstürze bzw. fallende Böschungen, obwohl<br />

diese von der Häufigkeit her weniger bedeutsam<br />

sind als die vorgenannten 4 Hindernisarten.<br />

Ein Baum kann bei einer Geschwindigkeit von<br />

80 km/h i.d.R. von einem Personenwagen nicht<br />

mehr umgefahren werden, wenn er einen Stammdurchmesser<br />

von mehr als 8 cm <strong>auf</strong>weist. Die<br />

VSS SN 640 560 Passive <strong>Sicherheit</strong> im Strassen-<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 101


aum; Grundnorm [29] empfiehlt daher, diese<br />

Bäume entlang der Strasse möglichst zu entfernen.<br />

Bei Zaun, Mauer, Geländer handelt es sich um<br />

Absturzsicherungen, Einzäunungen (z. B. einer<br />

Weide) oder Stützmauern. Zäune und Geländer<br />

bieten dem anprallenden Fahrzeug keinen oder<br />

wenig Widerstand, eine Mauer hingegen ist ein<br />

rigides System.<br />

Schild, Pfosten, Mast: Die vertikale Signalisation<br />

wird <strong>auf</strong> Pfosten angebracht. Die VSS SN 640 569<br />

Passive <strong>Sicherheit</strong> von Tragkonstruktionen [28] der<br />

Strassenausrüstung regelt die Ausgestaltung der<br />

Pfosten im Ausserortsbereich. In der Norm wird ein<br />

stufenweises Vorgehen beim Einsatz von Tragkonstruktionen<br />

im Ausserortsbereich angegeben:<br />

Verzicht <strong>auf</strong> Elemente der Strassenausrüstung –<br />

insbesondere der Strassenbeleuchtung<br />

Anordnung der Elemente der Strassenausrüstung<br />

ausserhalb des massgebenden Abstandes<br />

gemäss VSS SN 640 561 Passive <strong>Sicherheit</strong> im<br />

Strassenraum, Fahrzeug-Rückhaltesysteme [30]<br />

Verzicht <strong>auf</strong> Tragkonstruktionen <strong>auf</strong> Mittelstreifen<br />

von Autobahnen<br />

Befestigen der Strassenausrüstung hinter oder<br />

an bestehenden Bauwerken<br />

Einsatz an Stellen, wo Schutzeinrichtungen oder<br />

Anpralldämpfer unabhängig von der Strassenausrüstung<br />

angeordnet werden<br />

Einsatz von umfahrbaren Tragkonstruktionen<br />

Anordnung von Schutzeinrichtungen oder Anpralldämpfer<br />

vor starren Tragkonstruktionen<br />

Unter der Leitschranke wird jedes Leitschrankensystem<br />

verstanden, welches als nachgiebige Schutzeinrichtung<br />

beim Anprall verstanden wird (z. B.:<br />

doppelte Distanzleitschranke, Vario-Guard, Mini-<br />

Guard, Kastenprofil). Es handelt sich bei einer Leit-<br />

schranke um ein technisches System, welches Unfälle<br />

in ihrer Schwere mindern soll. Beim Einsatz<br />

von Leitschrankensystemen am rechten Fahrbanrand<br />

muss dar<strong>auf</strong> geachtet werden, dass die Strasse<br />

keinen dichten Verkehr, resp. wenig Gegenverkehr<br />

<strong>auf</strong>weist. Es besteht nach einer Kollision mit<br />

einem Leitschrankensystem die Gefahr, dass das<br />

abirrende Fahrzeug in den entgegenkommenden<br />

Fahrzeugstrom umgelenkt wird. Daraus würde<br />

dann möglicherweise eine Kollision mit einem entgegenkommenden<br />

Fahrzeug entstehen.<br />

2.1.2 Abstand des Kollisionsobjekts vom<br />

Strassenrand<br />

Ein ausreichend grosser Abstand des festen Hindernisses<br />

vom Fahrbahnrand kann einen Beitrag<br />

dazu leisten, dass die Kollisionsgeschwindigkeit<br />

sinkt und deshalb der Unfall weniger gravierend ist.<br />

Ogden [31] spricht von «Freihalte-Zonen» neben<br />

der Strasse. Mehrere Studien versuchten, die optimale<br />

Grösse solcher Freihaltezonen aus Sicht der<br />

Verkehrssicherheit zu bestimmen [32–34]. Diese<br />

Studien kommen zum Schluss, dass eine Freihaltezone<br />

von 9 m angemessen ist. Dies betrifft jedoch<br />

Abirrgeschwindigkeiten wie sie <strong>auf</strong> Autobahnen<br />

und Autostrassen gefahren werden. In Deutschland,<br />

wo man <strong>auf</strong> Überlandstrassen (unsere <strong>Ausserortsstrassen</strong>)<br />

100 km/h fährt, wird ein Abstand<br />

von 10 m gefordert. Zegeer und Council [35] haben<br />

die Unfallwahrscheinlichkeiten bei verschieden<br />

breiten Freihaltezonen ermittelt. Bis zu 6 m nimmt<br />

die Unfallwahrscheinlichkeit schnell ab, danach<br />

verflacht die Kurve. Es erscheint nicht wirtschaftlich<br />

und auch nicht praktikabel, einen einheitlichen<br />

Wert für Freihaltezonen an allen <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

zu fordern. Die bfu fordert deshalb einen Abstand<br />

von festen Hindernissen vom Strassenrand an<br />

Haupt- und Nebenstrassen im Ausserortsbereich<br />

102 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


von 6 m. Entlang von Autostrassen soll der Abstand<br />

hingegen 10 m betragen.<br />

Je grösser der Abstand von festen Hindernissen zur<br />

Fahrbahn ist, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit<br />

einer Kollision. Das folgende Diagramm<br />

(Abbildung 17) zeigt die Unfallreduktion in geraden<br />

und kurvigen Abschnitten von Strassen ausserorts<br />

[31]. Man erkennt deutlich, dass hindernisfreie<br />

Räume <strong>auf</strong> geraden Strecken einen deutlich<br />

stärkeren Effekt haben als in Kurven. Umgekehrt<br />

muss man in Kurven für eine gleich grosse Unfallreduktion<br />

deutlich mehr Platz lassen. So benötigt<br />

etwa eine Reduktion um 30 % <strong>auf</strong> gerader Strecke<br />

weniger als 4 Meter, in Kurven jedoch mehr als 6<br />

Meter.<br />

Damit die Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn in ihrer Häufigkeit und<br />

Schwere reduziert werden können, müssen generell<br />

neue Abstandsvorschriften von festen Objekten<br />

ausserorts geschaffen werden. Nur in Ausnahmefällen,<br />

wenn die Abstände nicht eingehalten werden<br />

können, müssen die Fahrzeuginsassen vor<br />

einer Kollision mit einem festen Hindernis mit einem<br />

Leitschrankensystem geschützt werden.<br />

Die Abstände (seitliche Hindernisfreiheiten) sollen<br />

in einer neuen Norm geregelt werden. Heute bestehen<br />

nur vage Aussagen zu dieser Thematik in<br />

der VSS SN 640 201 Geometrisches Normalprofil;<br />

Grundabmessungen und Lichtraumprofil der Verkehrsteilnehmer<br />

<strong>auf</strong> Haupt- und Nebenstrasen [36].<br />

Ausserorts sollen generell eine seitliche Hindernisfreiheit<br />

von 6 m gefordert werden (mit Ausnahme<br />

von Waldpartien).<br />

2.1.3 Neigung der Böschung<br />

Die Neigung der Böschung kann eine wichtige<br />

Rolle für die Verhütung von Kollisionen mit festen<br />

Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn spielen. Auf<br />

einer flachen Böschung kann der Lenker die Kontrolle<br />

über sein Fahrzeug behalten oder wiedergewinnen,<br />

nachdem er von der Strasse abgekommen<br />

ist. Er kann Lenk- und Bremsmanöver ausführen,<br />

die es ermöglichen, allfälligen Hindernissen auszuweichen<br />

oder die Kollisionsgeschwindigkeit zu<br />

vermindern. Darüber hinaus wird die Wahrscheinlichkeit<br />

von Überschlagsunfällen gesenkt.<br />

In Lehrbüchern der Schweizer Grundlagen für die<br />

Strassenprojektierung wird eine Böschungsneigung<br />

von 2:3 empfohlen. Dieser Wert trägt jedoch nur<br />

der Wirtschaftlichkeit (die Menge der Material<strong>auf</strong>schüttung<br />

beim Dammbau wird dadurch minimal<br />

gehalten) und dem inneren Scherwinkel des Bodenmaterials<br />

Rechnung. Es wird zwar auch bezüglich<br />

der Einpassung der Strassenanlage in die Landschaft<br />

davon gesprochen, dass die Böschungsneigungen<br />

flacher ausgeführt werden sollten. Die<br />

<strong>Sicherheit</strong> hat man bei diesen Angaben jedoch<br />

kaum einbezogen.<br />

Abbildung 17<br />

Ausmass der Unfallreduktion bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn in Abhängigkeit vom Abstand<br />

des Hindernisses vom Fahrbahnrand<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 103<br />

50<br />

45<br />

40<br />

35<br />

30<br />

25<br />

20<br />

15<br />

10<br />

5<br />

0<br />

1.5 m 2.4 m 3.0 m 3.6 m 5.0 m 6.0 m<br />

Quelle: Ogden, 1997<br />

Gerade Kurve


Zegeer und Council [35] fanden, dass flachere<br />

Böschungen einen signifikanten positiven Einfluss<br />

<strong>auf</strong> das Unfallgeschehen haben. Die Unfallhäufigkeit<br />

fällt stetig, wenn die Böschungen von 1:3 zu<br />

1:7 flacher gemacht werden. Bei Böschungen die<br />

flacher als 1:4 sind, ist es für den Fahrzeuglenker<br />

möglich, die Kontrolle beim Abirren von der Strasse<br />

über sein Fahrzeug wieder zu erlangen. Ist die Böschung<br />

steiler, fällt das Fahrzeug die ganze Böschung<br />

bis zum Ende hinab [37]. Ogden [31] publiziert<br />

folgende prozentuale Unfallreduktionen in<br />

Kurven ausserorts (Tabelle 71).<br />

Die bfu fordert <strong>auf</strong>grund dieser Studien ausserorts<br />

Böschungsneigungen von 1:4 oder flacher. Wenn<br />

dieser Wert nicht eingehalten werden kann, muss<br />

ein Leitschrankensystem ein Abirren von der Strasse<br />

verhindern.<br />

2.1.4 Schlussfolgerungen<br />

Die hohe Zahl der Getöteten an festen Hindernissen<br />

ausserorts rechtfertigt die Forderung nach<br />

wirksamen Massnahmen. Dazu müssen die Normen<br />

und die Lehrmittel angepasst werden. In Tabelle<br />

72 sind die Normen mit den entsprechenden<br />

heutigen Grössen und den neu zu bestimmenden<br />

Grössen <strong>auf</strong>grund der vorliegenden Studie <strong>auf</strong>geführt.<br />

Tabelle 71<br />

Prozentuale Unfallreduktionen in Kurven ausserorts<br />

Reduktion aller Unfälle in Kurven [%]<br />

Böschungsneigung in der Kurve nachher<br />

Böschungsneigung<br />

in der Kurve<br />

vorher<br />

1:4 1:5 1:6 1:7 oder<br />

flacher<br />

1:2 6 9 12 15<br />

1:3 5 8 11 15<br />

1:4 3 7 11<br />

1:5 3 8<br />

1:6 5<br />

Quelle: Ogden, 1997<br />

104 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


Tabelle 72<br />

Zu ändernde Normen mit den heutigen und den neu zu bestimmenden Grössen zur Verhütung von Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn<br />

Nr. Name Heutiger Inhalt Inhalt gemäss bfu Zuständig<br />

Bemerkungen<br />

640 201 Geometrisches Um Gefährdungen ... zu Der erste Satz sollte mit dem Hinweis <strong>auf</strong> VSS FK 2 Der Zusatz «gemäss den<br />

Normalprofil vermeiden, sollte für Leitein- die Norm 640 569 ergänzt werden. VSS FG betreffenden Normen» ist nicht<br />

Grundabrichtungen, Signale oder Im zweiten Satz: «Massive Hindernisse» <strong>Sicherheit</strong> brauchbar: 1.: es gibt diese<br />

messungen und Abschrankungen eine zusätzli- müssen entlang von Haupt- und Neben-<br />

Normen (noch) nicht, 2.: würde<br />

Lichtraumprofil che lichte Breite von 0.20 m im strassen ausserorts einen Abstand von<br />

kaum jemand die Normen<br />

der Verkehrs- Lichtraumprofil der Strasse 6.0 m vom Strassenrand <strong>auf</strong>weisen.<br />

suchen gehen, wenn nicht<br />

teilnehmer vorgesehen werden. Bei Entlang Autostrassen müssen «massive<br />

konkret die Normen genannt<br />

Strassen mit schnellem Verkehr Hindernisse»10 m Abstand <strong>auf</strong>weisen.<br />

werden.<br />

sind massive Hindernisse und Dies ist die «Hindernisfreie Zone". Ferner<br />

passive Schutzeinrichtungen im sollte eine Beispielsammlung von «mas-<br />

Abstand einer zusätzlichen siven Hindernissen» gegeben werden,<br />

lichten Breite zu platzieren u.a.: Baum mit mehr als 8 cm Stamm-<br />

(gemäss den betreffenden<br />

Normen). Dasselbe gilt für<br />

Strecken mit längeren seitlichen<br />

Hindernissen.<br />

durchmesser.<br />

640 560 Passive Sicher- Definition «kritischer Abstand": Definition der «Hindernisfreien Zone» VSS FK 2 Die «Hindernisfreie Zone» ist<br />

heit im Strassen- Der kritische Abstand ist der <strong>auf</strong>nehmen:<br />

VSS FG eine klare Aufforderung, keine<br />

raum,Grund- seitliche Abstand zum Fahr- Es dürfen in der «Hindernisfreien Zone» <strong>Sicherheit</strong> Hindernisse in dieser Zone<br />

normbahnrand,<br />

innerhalb welchem keine nicht umfahrbaren Konstruktionen<br />

entlang der Strasse zu tolerie-<br />

bei Gefahrenstellen Massnah- und/oder festen Hindernisse vorhanden<br />

ren.men<br />

der passiven <strong>Sicherheit</strong> zu sein, ausser man setzt ein Fahrzeugprüfen<br />

sind. Die Grösse des Rückhaltesystem zwischen Strasse und<br />

Abstandes ist in SN 640 561 Hindernis. Dazu zählen auch fallende<br />

Passive <strong>Sicherheit</strong> im Strassen- und steigende Böschungen. Die «Hinderraum,<br />

Fahrzeug-<br />

nisfreie Zone» entlang von Haupt- und<br />

Rückhaltesysteme [30] festge- Nebenstrassen ausserorts beträgt minlegt.destens<br />

6 m, entlang von Autostrassen<br />

10 m.<br />

640 561 Passive <strong>Sicherheit</strong><br />

im Strassenraum,<br />

Fahrzeug-<br />

Rückhaltesysteme<br />

640 569 Passive <strong>Sicherheit</strong><br />

von Tragkonstruktionen<br />

der Strassenausrüstung<br />

640 677 Alleebäume<br />

Grundlagen<br />

Quelle: bfu<br />

Die Norm zeigt zwei Diagramme<br />

der «Kritischen Abstände»<br />

(Für HLS und übrige Strassen).<br />

Es muss geprüft werden, ob<br />

eine Gefahrenstelle sich innerhalb<br />

des kritischen Abstandes<br />

befindet. Befindet sie sich<br />

ausserhalb, ist keine Schutzeinrichtung<br />

notwendig.<br />

Die Norm verlangt meistens<br />

erst ein Fahrzeug-<br />

Rückhaltesystem ab DTV =<br />

12'000.<br />

In der Norm sind fallende<br />

Böschungen mit einer Neigung<br />

1:3 und einer Höhe > 3 m<br />

abzusichern.<br />

Im Allgemeinen können umfahrbare<br />

Tragkonstruktionen<br />

der Strassenausrüstung unter<br />

Einhaltung der Zusätzlichen<br />

lichten Breite zum Lichtraumprofil<br />

der Strassenbenützer<br />

gemäss SN 640 201 angeordnet<br />

werden.<br />

In der Abbildung 1 wird der<br />

Abstand von Alleebäumen in<br />

Abhängigkeit des Vegetationstyps<br />

(Hochstamm gross oder<br />

mittel, Wald) angegeben.<br />

Die Abbildungen sollten mit den «Hindernisfreien<br />

Zonen» entlang von Haupt-<br />

und Nebenstrassen ausserorts ergänzt<br />

werden.<br />

Aufgrund der hohen Unfallschwere<br />

(Getötetenrate) muss bei Bäumen oder<br />

fallenden Böschungen schon bei DTV ><br />

4000 ein Fahrzeug-Rückhaltesystem<br />

angebracht werden.<br />

Eine Böschung ist abzusichern, wenn sie<br />

steiler als 1:5 abfällt.<br />

Ab DTV 6000 ist die Wahrscheinlichkeit<br />

gross, nach einer Umlenkung durch ein<br />

Fahrzeug-Rückhaltesystem in den Gegenverkehr<br />

zu gelangen.<br />

Besser wäre, den Bereich (Hindernisfreie<br />

Zone) in einer Skizze <strong>auf</strong>zeigen (entlang<br />

von Haupt- und Nebenstrassen ausserorts<br />

sowie an Autostrassen), und darin<br />

den Zwang der Verwendung von umfahrbaren<br />

Tragkonstruktionen klar<br />

stellen.<br />

Der Abstand sollte in Abhängigkeit der<br />

gefahrenen Geschwindigkeiten <strong>auf</strong> der<br />

Strasse angegeben werden: Entlang<br />

Strassen innerorts: min. 0.50 m<br />

Entlang Strassen ausserorts: min. 6.00 m<br />

Entlang Autostrassen: min: 10 m<br />

VSS FK 2<br />

VSS FG<br />

<strong>Sicherheit</strong><br />

VSS FK 2<br />

VSS FG<br />

<strong>Sicherheit</strong><br />

VSS FK 6<br />

VSS FG<br />

<strong>Sicherheit</strong><br />

Die Norm toleriert feste Hindernisse<br />

im «kritischen Abstand".<br />

Erst ab DTV > 12 000<br />

wird eine Aufhaltestufe (also<br />

ein Fahrzeug-Rückhaltesystem)<br />

für die meisten Hindernisse<br />

empfohlen. So z. B. auch bei<br />

einem Baum.<br />

Aufgrund der Unfallschwere<br />

muss in der Norm klar gestellt<br />

werden, dass keine Hindernisse<br />

in der hindernisfreien Zone<br />

toleriert werden dürfen. Gibt es<br />

Objekte, welche trotz dieser<br />

Tabuzone nicht entfernt werden<br />

können, muss ein Fahrzeug-<br />

Rückhaltesystem einen frontalen<br />

Aufprall auch bei wenig<br />

DTV (ab 4000) verhindern.<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 105


Folgende Abbildungen (Abbildung 18 und Abbildung<br />

19) in der Norm 640 561 sollten mit den<br />

Bereichen der hindernisfreien Zone ergänzt werden:<br />

Fahrzeug-Rückhaltesysteme werden in der Norm<br />

ebenfalls als Hindernisse angesehen. Seitliche Fahrzeug-Rückhaltesysteme<br />

sollen daher mit Zurückhaltung,<br />

und erst als letzte Massnahme angebracht<br />

werden. Die bfu empfiehlt folgende Reihenfolge:<br />

1. Starre Elemente aus der hindernisfreien Zone<br />

entfernen<br />

2. Ist dies nicht möglich und das feste Hindernis<br />

befindet sich in einem Abstand von 5.00–<br />

6.00 m entlang der Ausserortsstrasse (HVS oder<br />

VS), resp. 8.00–10.00 m entlang der Autostrasse<br />

Linienführung mit Verbessern der optischen<br />

Linienführung und durch ergänzen der<br />

Randlinie, Leitpfosten, Leitpfeile erzielen<br />

3. Anordnen von einem Fahrzeug-<br />

Rückhaltesystem entlang der Strasse, wenn das<br />

feste Hindernis näher an der Strasse steht als<br />

unter 2. beschrieben. Da eine seitliche Leitplanke<br />

immer auch das Risiko beinhaltet, dass das<br />

Fahrzeug <strong>auf</strong> die Gegenseite hinüber geschleudert<br />

wird, kann die Notwendigkeit von Mittelleitplanken<br />

bestehen. Dieses Thema wird in Kapitel<br />

VIII.2.2.2 besprochen.<br />

2.2 Strassenart<br />

2.2.1 Einleitung<br />

Abbildung 18<br />

Kritische Abstände <strong>auf</strong> HLS Kritische Abstände <strong>auf</strong> HLS und Hindernisfreie Zonen<br />

In der VSS SN 640 040 Projektierung, Grundlagen;<br />

Strassentypen [38] werden die Merkmale der verkehrstechnischen<br />

Strassentypen beschrieben. Bezüglich<br />

<strong>Sicherheit</strong>sanforderungen und Ausbaugrad<br />

steht da:<br />

Abbildung 19<br />

Kritische Abstände <strong>auf</strong> übrigen Strassen Kritische Abstände <strong>auf</strong> HLS und Hindernisfreie Seitenräume<br />

Quelle: VSS/bfu<br />

Quelle: bfu © bfu 2008<br />

106 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


Hochleistungsstrassen HLS (Autostrassen):<br />

Hohe Leistung und <strong>Sicherheit</strong> bei hohen Geschwindigkeiten,<br />

bauliche Richtungstrennung<br />

erwünscht, Standstreifen für Pannen- und Unterhaltsfahrzeuge<br />

erwünscht.<br />

Hauptverkehrsstrassen HVS (i.d.R. Hauptstrassen):<br />

Hohe Leistung und <strong>Sicherheit</strong> bei mittleren Geschwindigkeiten,<br />

keine Richtungstrennung, Abstellmöglichkeiten<br />

für Pannen- und Unterhaltsfahrzeuge<br />

erwünscht.<br />

Verbindungsstrassen VS (i.d.R. Nebenstrassen):<br />

Gewährleisten von untergeordneten Verbindungen<br />

bei begrenzter Leistung und Geschwindigkeit,<br />

keine Richtungstrennung, keine Abstellmöglichkeiten<br />

für Pannen- und Unterhaltsfahrzeuge.<br />

Autostrassen werden grün signalisiert. Sie haben in<br />

einigen Fällen eine physische Trennung der beiden<br />

Fahrtrichtungen (Mittelleitplanke). Oft werden die<br />

beiden Fahrtrichtungen aber lediglich durch eine<br />

markierte, doppelte <strong>Sicherheit</strong>slinie gegeneinander<br />

abgegrenzt. Die Markierung wird in einigen Fällen<br />

mit einer Stufe versehen, so dass ein sogenannter<br />

«Rüttelstreifen» entsteht. Fahrzeuge geraten dabei<br />

ins Vibrieren, wenn der Fahrzeuglenker <strong>auf</strong> den<br />

Rüttelstreifen fährt. Zudem ertönt ein lautes Geräusch,<br />

welches den abirrenden Fahrzeuglenker<br />

alarmieren und allenfalls sogar <strong>auf</strong>wecken soll. Die<br />

Höchstgeschwindigkeit <strong>auf</strong> Autostrassen beträgt<br />

nach Art. 4a Abs. 1 lit. c VRV meistens 100 km/h,<br />

oft trifft man auch die signalisierte Geschwindigkeit<br />

von 80 km/h an.<br />

Hauptstrassen werden blau signalisiert. Eine unterbrochene<br />

Mittelmarkierung trennt die beiden<br />

Fahrtrichtungen. Die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit<br />

ausserorts <strong>auf</strong> Hauptstrassen (Autobahnen<br />

folglich ausgenommen) beträgt gemäss Art. 4a<br />

Abs. 1 lit. b VRV 80 km/h, einige Abschnitte sind<br />

mit einer abweichenden, tieferen Geschwindigkeit<br />

signalisiert.<br />

Nebenstrassen werden schwarz/weiss signalisiert.<br />

Auch die Nebenstrassen werden ausserorts in der<br />

Regel mit einer zulässigen Geschwindigkeit von 80<br />

km/h betrieben. Nur <strong>auf</strong> den Streckenabschnitten,<br />

welche gemäss Art. 108 SSV eine reduzierte signalisierte<br />

Geschwindigkeit <strong>auf</strong>weisen, wird von dieser<br />

Regel abgewichen. Viele Nebenstrassen sind bezüglich<br />

des Ausbaustandards (Strassenbreite,<br />

Quergefälle, Längsgefälle, Signalisation, Bankette,<br />

Kurvigkeit) schlechter gebaut als die Hauptstrassen.<br />

Oft reicht die Strassenbreite nicht für die Markierung<br />

einer Mittellinie aus. Diese bringt man erst ab<br />

einer Strassenbreite von 6 m an. Bei solchen<br />

Landstrassen gewährleisten dann Randlinien die<br />

optische Linienführung. Diese engen die Fahrbahn<br />

optisch ein.<br />

Die Massnahmen müssen je nach Strassenart unterschiedlich<br />

sein, da Risiken nicht immer für dieselben<br />

Strassenarten erhöht sind. Bei Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen besteht das<br />

grösste Risiko schwerer Verletzungen <strong>auf</strong> Autostrassen<br />

und Hauptstrassen. Für die Kollisionen mit<br />

einem festen Hindernis hingegen bestehen die<br />

grössten Risiken <strong>auf</strong> Haupt- und Nebenstrassen.<br />

2.2.2 Kollision mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen<br />

Der Schwerpunkt der Massnahmen muss sich <strong>auf</strong><br />

die Strassen mit hohem Verkehrs<strong>auf</strong>kommen konzentrieren,<br />

d. h. Autostrassen und einen Teil der<br />

Hauptstrassen. Die Streckenlänge ist bei den Autostrassen<br />

überschaubar (328 Kilometer). Daher ist es<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 107


möglich, für dieses Streckennetz generelle Massnahmen<br />

zu fordern. Damit Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen verhindert werden<br />

können, müssen Mittelleitplanken anstelle einfacher<br />

Mittelmarkierungen gefordert werden. Die<br />

Autostrassen sollten überall mit einer Mittelleitplanke<br />

versehen werden. Dadurch entsteht auch<br />

ein einheitlich aussehender Strassentyp «Autostrasse».<br />

Dieser wäre dann auch generell mit 100 km/h<br />

signalisierbar, wenn die Projektierungselemente<br />

dies erlauben. Aufgrund der hohen Betriebsgeschwindigkeit<br />

darf der Ausbaustandard nicht demjenigen<br />

einer Haupt- oder Nebenstrasse ähnlich<br />

sein. Das Überholen wird zwar <strong>auf</strong> schmalen (einstreifigen)<br />

Autostrassen verunmöglicht. Auf diesen<br />

Strassen sind aber seit der am 01.03.2006 in Kraft<br />

getretenen Revision des Strassenverkehrsrechts nur<br />

noch Fahrzeuge erlaubt, welche mindestens 80<br />

km/h fahren können. Die Mindestgeschwindigkeit<br />

wurde also um 20 km/h angehoben. Daher reduziert<br />

sich der Überholdruck, d. h. das Bedürfnis der<br />

schnelleren Verkehrsteilnehmer die langsameren zu<br />

überholen. Nach längeren Abschnitten und einstreifiger<br />

Verkehrsführung (>3 km) sollte eine<br />

Überholmöglichkeit mit dem Bau eines zweistreifigen<br />

Abschnittes angeboten werden. Die Mittelleitplanke<br />

sollte aber <strong>auf</strong> Autostrassen in keinen Abschnitten<br />

mehr fehlen. Die Norm VSS SN 640 040<br />

Projektierung, Grundlagen; Strassentypen [38]<br />

sollte entsprechend angepasst werden.<br />

Die Breite zwischen der Mittelleitplanke und einer<br />

allenfalls vorhandenen Seitenleitplanke sollte mindestens<br />

5,50 m betragen damit Ambulanzfahrzeuge<br />

auch an Lastwagen ohne Schwierigkeiten vorbeifahren<br />

können.<br />

Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Kollision mit einem<br />

entgegenkommenden Fahrzeug <strong>auf</strong> einer<br />

Hauptstrasse zu sterben oder schwer verletzt zu<br />

werden, ist im Vergleich mit der Autostrasse um<br />

30 % signifikant geringer. Trotzdem sollten auch<br />

an Hauptstrassen an gewissen Stellen Mittelleitplanken<br />

gefordert werden (Abbildung 20). Es betrifft<br />

dies die geraden Abschnitte mit einem DTV ><br />

10 000 und die Kurvenbereiche mit einem Radius<br />

kleiner als 420 m und einer V85 ≥ 60 km/h (Kap.<br />

VIII.2.4.1). Die Norm VSS SN 640 040 Projektierung,<br />

Grundlagen; Strassentypen [38] sollte entsprechend<br />

angepasst werden. Die Wirkung und die<br />

baulichen Grundlagen will die zuständige VSS Expertenkommission<br />

in einer Forschungsarbeit eruieren.<br />

Dazu hat sie im Rahmen des Mehrjahresprogramms<br />

2008–2012 folgende Forschungsarbeit<br />

vorgesehen: «Richtungstrennung <strong>auf</strong> Strassen<br />

ausserorts: Trennung von gegenläufig befahrenen<br />

Fahrstreifen mit Fahrzeugrückhaltesystemen, Leiteinrichtungen<br />

und Markierungen, Anforderungen<br />

und Einsatzbedingungen».<br />

Anschlüsse von Hauptstrassen an Hauptstrassen<br />

sollen möglichst nive<strong>auf</strong>rei, oder mit einem Kreisel<br />

geplant werden.<br />

Abbildung 20<br />

Mittelleitplanke <strong>auf</strong> Hauptstrasse<br />

Quelle: bfu<br />

108 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


Auf Hauptstrassen ausserorts sollte der leichte<br />

Zweiradverkehr möglichst <strong>auf</strong> Radwegen oder Radund<br />

Gehwegen abseits der Strasse geführt werden.<br />

Muss <strong>auf</strong>grund der Verkehrssicherheit ein längerer<br />

Abschnitt mit Mittelleitplanke versehen werden, ist<br />

ein abseits Führen des leichten Zweiradverkehrs<br />

dringend notwendig. Ebenfalls sind Überholmöglichkeiten<br />

vorzusehen.<br />

2.2.3 Kollision mit festem Hindernis ausserhalb<br />

der Fahrbahn<br />

Bezüglich der Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

haben die Autostrassen eine gegenüber den<br />

Haupt- und Nebenstrassen stark erhöhte Unfallbeteiligtendichte.<br />

Die Unfallschwere und die Unfallhäufigkeit<br />

sind jedoch <strong>auf</strong> Haupt- und Nebenstrassen<br />

am höchsten. Es müssen also Massnahmen für<br />

alle Strassentypen ausserorts gefordert werden.<br />

Damit es zu weniger Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn kommt, müssen<br />

die Hindernisse entweder entfernt, weiter weg vom<br />

Strassenrand platziert werden oder sie müssen<br />

durch Leitschrankensysteme abgeschirmt sein.<br />

Weil die Unfallschwere bei den Autostrassen nicht<br />

sehr gross ist, kann geschlossen werden, dass die<br />

festen Hindernisse einen angemessen grossen Abstand<br />

vom Fahrbahnrand haben oder dass die Autostrassen<br />

viele Leitschrankensysteme entlang dem<br />

Fahrbahnrand haben. Beides führt zu weniger<br />

schweren Verletzungen. Diese Massnahme sollte<br />

dadurch vervollständigt werden, dass sämtliche<br />

Lücken mit Leitschrankensystemen entlang dem<br />

Fahrbahnrand geschlossen werden sofern die Kollisionsobjekte<br />

keinen ausreichenden Abstand von<br />

der Autostrasse haben und auch nicht entfernt<br />

werden können.<br />

Aufgrund der hohen Unfallschwere und –häufigkeit<br />

müssen die Seitenbereiche der Haupt- und<br />

Nebenstrassen sicherer gestaltet werden. Die<br />

VSS SN 640 201 Geometrisches Normalprofil;<br />

Grundabmessungen und Lichtraumprofil der Verkehrsteilnehmer<br />

sowie die Signalisationsverordnung<br />

(Art. 103) schreiben ausserorts eine Seitenfreiheit<br />

von 50 cm vor. Dies ist für feste Hindernisse,<br />

welche isoliert am Strassenrand stehen, eindeutig<br />

viel zu wenig.<br />

Die bfu fordert deshalb einen Abstand von 6.0 m<br />

Abbildung 21<br />

Empfohlenes geometrisches Normalprofil bei einer Hauptverkehrsstrasse (HVS) mit Mittelleitplanke und seitlichem Fahrzeug-<br />

Rückhaltesystem<br />

Quelle: bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 109


von festen Hindernissen an Haupt- und Nebenstrassen<br />

ausserorts (Kap. VIII.2.1.2). Die VSS SN<br />

640 677 Alleebäume, Grundlagen [39] gibt als<br />

Distanz von Alleebäumen zu Hauptverkehrsstrassen<br />

ausserorts eine Distanz von 4 bis 5 m an. Dieser<br />

Wert sollte <strong>auf</strong> durchgehend 6 m angepasst werden.<br />

Waldpartien können weiterhin einen minimalen<br />

Abstand von 0,50 m zur Strasse <strong>auf</strong>weisen. Es<br />

ist unverhältnismässig, die Waldschneise <strong>auf</strong><br />

12 m + Strassenbreite zu verbreitern. Man muss<br />

sich aber darüber im Klaren sein, dass sich <strong>auf</strong><br />

Waldpartien viele Kollisionen mit Bäumen ereignen.<br />

Ein mögliches geometrisches Normalprofil bei einer<br />

HVS mit Mittelleitplanke und seitlichem Fahrzeug-<br />

Rückhaltesystem ist in Abbildung 21 dargestellt.<br />

Vor der Wahl eines definitiven geometrischen<br />

Normalprofils müssen die Situation der leichten<br />

Zweiradfahrer und die Bedürfnisse des Unterhaltsdienstes<br />

(Schneepflug) abgeklärt werden.<br />

2.2.4 Schlussfolgerung<br />

Im Normenwerk besteht Handlungsbedarf betreffend<br />

einen Strassenausbaustandard gemäss Vorbild<br />

der «Forgiving Roadside». Insbesondere <strong>auf</strong> Autostrassen<br />

muss durchgehend eine Mittelleitplanke<br />

gefordert werden. Dies ist im Rahmen einer Revision<br />

der VSS SN 640 040 Projektierung, Grundlagen;<br />

Strassentypen [38] vorzusehen.<br />

Auch betreffend Anordnung von Mittelleitplanken<br />

sollte <strong>auf</strong> der Grundlage dieser Studie eine neue<br />

Norm erarbeitet werden. Diese kann dann je Strassentyp<br />

vorschreiben, wann eine Mittelleitplanke<br />

platziert werden muss. Zudem sollte die Thematik<br />

der Motorradsicherheit an Leitschrankensystemen<br />

behandelt werden.<br />

2.3 Personenart<br />

Bei den Kollisionen mit Fussgängern sterben praktisch<br />

nur Fussgänger. Lenker oder Mitfahrer, der<br />

mit den Fussgängern kollidierenden Fahrzeuge,<br />

sind nur wenig gefährdet. Bei den übrigen 4 Unfallklassen<br />

weisen hingegen die Lenker die weitaus<br />

meisten Getöteten aus. Das Risiko schwer verletzt<br />

oder getötet zu werden ist jedoch bei 3 Unfallklassen<br />

für die Beifahrer vorne zwischen 14 und 36 %<br />

höher als bei den Lenkern. Nur bei den Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen ist das Risiko<br />

für die Lenker am grössten. Für die Mitfahrer<br />

hinten ist das Risiko schwerer Verletzungen am<br />

geringsten.<br />

Konsequenzen sind aus diesen Resultaten nur wenige<br />

zu ziehen. Einerseits kann man erwarten, dass<br />

der Schutz der Fahrzeuginsassen in Zukunft durch<br />

die technischen Verbesserungen der Fahrzeuge<br />

noch gesteigert werden kann. Darüber hinaus<br />

könnte man versuchen, die Beifahrer verstärkt zu<br />

ermutigen <strong>auf</strong> den Rücksitzen Platz zu nehmen.<br />

Das Risiko schwer verletzt zu werden, ist dort deutlich<br />

geringer. Dem steht allerdings entgegen, dass<br />

die <strong>Sicherheit</strong>sgurten <strong>auf</strong> Rücksitzen erheblich seltener<br />

verwendet werden als vorne [14, S. 31]. Ein<br />

unangegurteter Rücksitzpassagier ist jedoch erheblich<br />

mehr gefährdet als ein angegurteter Beifahrer<br />

vorne. Der Wechsel <strong>auf</strong> den Rücksitz ist also nur<br />

sinnvoll, wenn dort ebenfalls der <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />

benutzt wird.<br />

Kollisionen mit Fussgängern <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

sind sehr gefährliche Unfälle. Sie enden für die<br />

Fussgänger häufig tödlich wegen der hohen Geschwindigkeit<br />

beim Aufprall. Daher muss der<br />

Schwerpunkt der Massnahmen bei einer räumlichen<br />

oder zeitlichen Trennung des motorisierten<br />

110 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


vom Fussgängerverkehr liegen – sie sollten einander<br />

möglichst nicht begegnen. So ist der Bau von<br />

Brücken oder – bei den Fussgängern weniger beliebt<br />

– Unterführungen sinnvoll. Bei grossen Fahrzeug-<br />

und Fussgängerfrequenzen sind lichtsignalgeregelte<br />

Ampeln zu empfehlen. Diese sollten<br />

allerdings nur <strong>auf</strong> Anforderung aktiv sein, damit sie<br />

nur im Bedarfsfall die Leistungsfähigkeit der Strassen<br />

verringern. Eine andere Möglichkeit wäre die<br />

deutliche Senkung der Höchstgeschwindigkeit in<br />

Ausserortsregionen, wo mit einer ausreichenden<br />

Anzahl von Fussgängern zu rechnen ist. Allerdings<br />

genügt hier eine einfache Limite nicht, sie sollte mit<br />

Geschwindigkeitsmessgeräten (Radaranlagen) und/<br />

oder einer baulichen Mittelinsel zusätzlich unterstützt<br />

werden.<br />

2.4 Unfallstelle<br />

Auf dem Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll wird nach 7<br />

verschiedenen Unfallstellen unterschieden:<br />

Kurve<br />

Gerade<br />

Einmündung<br />

Kreuzung<br />

Platz/ Verkehrsfläche<br />

Parkplatz/ Nebenanlage<br />

Andere<br />

Die Resultate hinsichtlich der Unfallstelle sind nicht<br />

ganz einheitlich. Für die Unfallklassen Kollision mit<br />

entgegenkommendem Fahrzeug, Kollision mit<br />

festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn sowie<br />

die Unfälle ohne Kollision gibt es die grösste Anzahl<br />

Getöteter in Kurven (jeweils etwa doppelt so<br />

viele wie <strong>auf</strong> gerader Strecke). Bei diesen Unfallklassen<br />

kamen zwischen 61 und 68 % aller Getöteten<br />

in Kurven ums Leben. Bezüglich der Verletzungsschwere<br />

gibt es nicht ganz so grosse Unter-<br />

schiede. Bei 2 der 3 genannten Unfallklassen unterscheiden<br />

sich die Verletzungsschweren nicht<br />

signifikant; bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen ist die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen in Kurven geringer als <strong>auf</strong><br />

gerader Strecke.<br />

Bei den Kollisionen an Knoten sehen die Resultate<br />

anders aus. Von der Anzahl Getöteter sind die<br />

Einmündungen und die Kreuzungen in etwa gleich<br />

häufig vertreten, allerdings ist das Risiko schwerer<br />

Verletzungen an Kreuzungen höher als an Einmündungen.<br />

2.4.1 Kurven<br />

Neuman et al. [40] fanden heraus, dass die 4 wichtigsten<br />

Faktoren für die <strong>Sicherheit</strong> von Kurven folgende<br />

sind: der Radius (an erster und wichtigster<br />

Stelle), die Breite des Banketts, die Strassenbreite<br />

und die Länge der Kurve.<br />

Die OECD [41] kam zu dem Schluss, dass 430 m<br />

Kurvenradien <strong>auf</strong> Landstrassen die kritische untere<br />

Grenze sind. Hedman [34] fand jedoch heraus,<br />

dass die Unfallzahlen bereits ansteigen, wenn die<br />

Kurvenradien geringer als 1000 Meter sind. Hier<br />

besteht möglicherweise Anpassungsbedarf bei den<br />

schweizerischen Strassenbaunormen (VSS-Norm SN<br />

640 080 Projekt, Grundlagen; Geschwindigkeit als<br />

Projektierungselement), die für eine Strasse mit<br />

einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h einen<br />

Kurvenradius von lediglich 240 Metern vorsieht<br />

[42]. Das Transportation Research Board [43] wies<br />

jedoch dar<strong>auf</strong> hin, dass sich Erweiterungen von<br />

Kurvenradien finanziell erst lohnen, wenn das Verkehrs<strong>auf</strong>kommen<br />

mehr als 750 Fahrzeuge pro Tag<br />

beträgt und die V85 höher ist als 25 km/h.<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 111


Die Breite des Banketts ist insofern wichtig, als dass<br />

das Bankett bei Fahrfehlern in Linkskurven eine<br />

(kurze) Chance zur Korrektur eröffnet. Das Bankett<br />

sollte deshalb möglichst einen festen Belag haben<br />

(z. B. asphaltiert sein) und zwischen 60 und 120<br />

cm breit sein. Das amerikanische Transportation<br />

Research Board [43] empfiehlt ab einem DTV von<br />

2000 Fahrzeugen pro Tag sogar 1,80 m als Bankbettbreite.<br />

Ogden [44] fand heraus, dass sich die<br />

Versiegelung des Banketts bereits ab einem DTV<br />

von 350 Fahrzeugen pro Tag finanziell lohnt (marginales<br />

Kosten-Nutzen-Verhältnis).<br />

Hinsichtlich der Spurbreite gibt es Befunde von<br />

Zegeer und Council [35], dass 3,40 bis 3,70 m die<br />

niedrigsten Unfallraten <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> haben.<br />

Eine nachträgliche Spurverbreiterung um 30<br />

cm soll zu einer Reduktion der Unfälle von 12 %<br />

führen.<br />

Kurven sind zwar sehr zahlreich, jedoch klar lokalisierbar.<br />

Dies spricht für konkrete bauliche Massnahmen<br />

in Kurvenbereichen, welche einen Radius<br />

kleiner als 420 m haben (dies entspricht einer Projektierungsgeschwindigkeit<br />

VP von 100 km/h). Um<br />

die optische Linienführung zu gewährleisten, kann<br />

das Leitschrankensystem zusätzlich zu den einzelnen<br />

Leitpfeilen mit mehrteiligen Leitpfeilen gemäss<br />

VSS SN 640 822 Leiteinrichtungen [45] ergänzt<br />

werden.<br />

Primär sollte aber die seitliche Hindernisfreiheit<br />

gegeben sein. So kann i.d.R. <strong>auf</strong> das seitliche Leitschrankensystem<br />

verzichtet werden. Denn dieses<br />

stellt ja auch ein festes Hindernis mit einem gewissen<br />

Gefahrenpotential dar. Die optische Linienführung<br />

soll aber mit verdichteten Leitpfosten entlang<br />

der Kurvenaussenseite verdeutlicht werden. Bei<br />

Kurven mit Unfällen soll die optische Linienführung<br />

zusätzlich mit umfahrbaren Leitpfeilen gemäss<br />

VSS SN 640 822 Leiteinrichtungen gewährleistet<br />

werden. Bei Unfallschwerpunkten sollen die abgestuften<br />

(grösser werdenden) Signaltafeln verwendet<br />

werden. Es ist sehr wichtig, dass diese Tragkonstruktionen<br />

umfahrbar ausgestaltet werden.<br />

Zurzeit l<strong>auf</strong>en in Deutschland Abklärungen zur<br />

Verwendung von Plastiktragwerken. Falls diese<br />

Untersuchungen positiv verl<strong>auf</strong>en, sollte diese Art<br />

der Tragwerke (und der Fassung der Signale) auch<br />

in der Schweiz angewendet werden. All diese<br />

Massnahmen betreffen Kurven, welche mit einer<br />

Geschwindigkeit ≥ 60 km/h (V85 Niveau) befahren<br />

werden.<br />

2.4.2 Gerade Strecke<br />

Auf der geraden Strecke ereignen sich nicht viele,<br />

aber schwere Unfälle. Massnahmen sind also auch<br />

hier angebracht. Auf geraden Strecken, welche<br />

genügend breit sind, und <strong>auf</strong> welchen die gefahrene<br />

Geschwindigkeit ≥ 60 km/h (V85 Niveau) ist,<br />

sollten ab einem DTV von 10 000 Mittelleitplanken<br />

installiert werden. Falls die Strasse nicht breit genug<br />

ist für eine Mittelleitplanke, muss sie entsprechend<br />

verbreitert werden. Die hindernisfreie Zone<br />

ist zu berücksichtigen.<br />

2.4.3 Knoten<br />

Damit sich weniger Unfälle an Knoten ereignen,<br />

sollten diese ausserorts besser erkennbar gemacht<br />

werden. An Unfallschwerpunkten (gemäss VSS-<br />

Norm SN 640 009 Strassenverkehrsunfälle, Lokalisierung<br />

und Rangierung von Unfallschwerpunkten<br />

[46]) soll der Verkehrsstrom durch die Anordnung<br />

von Leitinseln <strong>auf</strong> der vortrittsberechtigten Strasse<br />

kanalisiert werden. Bei einem grossen Einmündungstrichter<br />

soll auch <strong>auf</strong> der vortrittsbelasteten<br />

112 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


Einmündung eine kleine Leitinsel zum Trennen der<br />

beiden Fahrtrichtungen gebaut werden. Die Wegweiser<br />

und übrige Signalisation können <strong>auf</strong> diesen<br />

Inseln angebracht werden. Sie tragen zu einer weiteren<br />

Steigerung der Erkenn- und Wahrnehmbarkeit<br />

des Knotens bei. Auch die Umwandlung eines<br />

Knotens ausserorts in einen Kreisel bewirkt eine<br />

Reduktion der Unfälle und der Unfallschwere. In<br />

Tabelle 73 sind die Massnahmen <strong>auf</strong>gelistet.<br />

Im Ausserortsbereich sollen Knoten nicht mehr mit<br />

Rechtsvortritt geregelt sein. Diese Vortrittsregelung<br />

funktioniert bei den hohen Geschwindigkeiten<br />

nicht. In Deutschland wurde diese Regelung ausserorts<br />

schon seit längerem abgeschafft. Die<br />

VSS SN 640 273 Knoten, Sichtverhältnisse [47]<br />

müsste entsprechend angepasst werden. Die Einmündungen<br />

von Feldwegen in Haupt- und Nebenstrassen<br />

sind gemäss VRV vortrittsbelastet. Diese<br />

sollen nicht zusätzlich mit einem Signal versehen<br />

werden, weil sonst ein Schilderwald entstehen<br />

würde. Zudem kann man <strong>auf</strong> den meist unbefestigten<br />

Feldwegen keine Markierung anbringen.<br />

2.5 Vortrittsregelung<br />

Im Ausserortsbereich findet man vor allem Ver-<br />

zweigungen zwischen Autostrassen, Hauptstrassen,<br />

Nebenstrassen und Feldwegen. Die Knoten<br />

werden je nach Strassentyp und situativen Möglichkeiten<br />

gewählt. Die Vortrittsregelung ist teilweise<br />

durch die rechtlichen Regelungen vorgegeben.<br />

Art. 36 Abs. 2 SVG schreibt vor:<br />

Auf Strassenverzweigungen hat das von rechts<br />

kommende Fahrzeug den Vortritt. Fahrzeuge <strong>auf</strong><br />

gekennzeichneten Hauptstrassen haben den Vor-<br />

tritt, auch wenn sie von links kommen. Vorbehal-<br />

ten bleibt die Regelung durch Signale oder durch<br />

die Polizei.<br />

Tabelle 73<br />

Kriterien und Präzisierungen zu Massnahmen betreffend verschiedene Unfallstellen<br />

In Art. 15 Abs. 3 VRV heisst es:<br />

Wer aus Fabrik-, Hof- oder Garagenausfahrten, aus<br />

Feldwegen, Radwegen, Parkplätzen, Tankstellen<br />

und dergleichen oder über ein Trottoir <strong>auf</strong> eine<br />

Haupt- oder Nebenstrasse fährt, muss den Benüt-<br />

zern dieser Strassen den Vortritt gewähren. Ist die<br />

Stelle unübersichtlich, so muss der Fahrzeugführer<br />

anhalten; wenn nötig, muss er eine Hilfsperson<br />

beiziehen, die das Fahrmanöver überwacht.<br />

Als Knotenformen kommen vor allem folgende<br />

Verkehrsanlagen in Frage<br />

Zufahrt als Rampe<br />

Unfallstelle Massnahme Zuständig/relevante Norm<br />

Kurven Falls die Kurve mit V85 ≥ 60 km/h befahren wird (Radius < 420 m): Mittelleitplanke.<br />

Auf jeden Fall muss in jeder Kurve die hindernisfreie Zone vorgesehen werden. Falls<br />

diese nicht geschaffen werden kann: Anordnen eines seitlichen Fahrzeug-<br />

Rückhaltesystems.<br />

Gerade Strecken Falls Strecke einen DTV > 10'000 hat, und die gefahrene Geschwindigkeit (V85 Niveau)<br />

≥ 60 km/h ist muss eine Mittelleitplanke installiert werden. Die Konstruktion braucht<br />

ca. 0,20 m –1.0 m Breite. Bei ungenügendem geometrischem Normalprofil muss der<br />

Strassenabschnitt verbreitert werden. Falls die Streckenabschnitte länger als 3 km<br />

werden, sollten Überholmöglichkeiten geschaffen werden.<br />

Bei den Knoten müssen die Mittelleitplanken unterbrochen werden.<br />

Knoten Knoten ausserorts sollen durch Leitinseln und der Signalisation/ Wegweisung besser<br />

erkenntlich gemacht werden. Auch die Umwandlung in Kreisel sollte geprüft werden.<br />

Der Kreisel sollte im Ausserortsbereich einen Durchmesser ≥ 32 m haben.<br />

Quelle: bfu<br />

VSS FK 2<br />

VSS SN 640 560<br />

VSS FG <strong>Sicherheit</strong><br />

VSS FK 2<br />

VSS SN 640 561<br />

VSS SN 640 060<br />

VSS FK 2<br />

VSS SN 640 250<br />

VSS SN 640 251<br />

VSS SN 640 263<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 113


Kreisel<br />

Kreuzung (als Rechtsvortritt oder vortrittsgeregelt<br />

durch Signalisation «Kein Vortritt» oder<br />

«Stopp» des untergeordneten Stromes)<br />

3-armige Einmündung (als Rechtsvortritt oder<br />

vortrittsgeregelt durch Signalisation «Kein Vortritt»<br />

oder «Stopp» des untergeordneten Stromes)<br />

Die verschiedenen Strassen werden heute in der<br />

Schweiz wie in Tabelle 74 <strong>auf</strong>gelistet «verknüpft».<br />

In der Studie wurden folgende Verkehrsanlagen,<br />

resp. Vortrittsregelungen ausgewertet:<br />

Keine Vortrittsregelung (d. h.: Rechtsvortritt,<br />

oder aber eine Einmündung eines Feldweges in<br />

eine Haupt- oder Nebenstrasse, wo zwar keine<br />

Signalisation des Vortritts besteht, jedoch der<br />

Vortritt nach VRV geregelt ist)<br />

Lichtsignalanlage für zeitweilige Streifensperrung<br />

(Baustelle im Knoten und <strong>auf</strong> der freien<br />

Strecke)<br />

Lichtsignalanlage (in Zusammenhang mit einem<br />

Knoten)<br />

Andere (Vortrittsregelung durch Handzeichengabe<br />

(Verkehrsregelung) und alle im SVG genannten<br />

Vorschriften wie z. B. beim Linksab-<br />

Tabelle 74<br />

Verknüpfung der verschiedenen Strassenarten<br />

biegen oder Rückwärtsfahren)<br />

Stopp<br />

Kein Vortritt<br />

Fussgängerstreifen<br />

Bahn-/Tramvortritt (bei Unfällen an Knoten und<br />

bei Unfällen mit Fussgängern)<br />

«Kein Vortritt» gilt bei fester Signalisation des Signals<br />

3.02 (Art. 36 Abs. 2 SSV) und daher auch bei<br />

Kreisverkehrsplätzen.<br />

"Stopp» gilt bei fester Signalisation des Signals<br />

3.01 (Art. 36 Abs. 1 SSV).<br />

Die meisten Knoten sind ausserorts mit «Kein Vortritt»<br />

geregelt, daher gibt es auch am meisten Unfälle<br />

bei dieser Art von Vortrittsregelung. Die weni-<br />

Strassenart Autostrasse Hauptstrasse Nebenstrasse Feldweg<br />

Autostrasse - 1. Einfahrts- und Ausfahrtsrampe<br />

2. Kreisel<br />

- -<br />

Hauptstrasse 1. Einfahrts- und Ausfahrtsram- 1. Kreisel<br />

1. Kreuzung oder 3 armige Kein Vortritt (gem. VRV)<br />

pe<br />

2. Kreuzung oder 3 armige Einmündung, Nebenstrasse<br />

2. Kreisel<br />

Einmündung, vortrittsgeregelt vortrittsbelastet mit Signalisati-<br />

mit Signalisation<br />

on<br />

2. Kreisel<br />

Nebenstrasse - 1. Kreuzung oder 3 armige 1. Kreuzung oder 3 armige Kein Vortritt (gem. VRV)<br />

Einmündung, Nebenstrasse Einmündung, untergeordneter<br />

vortrittsbelastet mit Signalisati- Strom vortrittsbelastet mit<br />

on<br />

Signalisation<br />

2. Kreisel<br />

2. Kreisel<br />

3. Rechtsvortritt<br />

Feldweg<br />

Quelle: bfu<br />

- Kein Vortritt (gem. VRV) Kein Vortritt (gem. VRV) Rechtsvortritt<br />

114 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


gen Rechtsvortritte, welche ausserorts noch bestehen<br />

und die nicht signalisierten Feldwege werden<br />

aber am zweithäufigsten genannt («keine Vortrittssignalisation»).<br />

2.5.1 Fussgänger<br />

Aufgrund der recht hohen Unfallhäufigkeit an<br />

Fussgängerstreifen scheint es richtig zu sein, ausserorts<br />

möglichst andere Querungsformen von<br />

Fussgängern zu suchen.<br />

Fussgängerstreifen sollen ausserorts nicht vorgesehen<br />

werden. Es kommen verschiedene andere<br />

Querungsmöglichkeiten in Fragen:<br />

Mittelinsel ohne Fussgängerstreifen<br />

Über- oder Unterführung<br />

Querung à Niveau mit Sichtweiten > 120 m<br />

Die VSS SN 640 241 Fussverkehr, Fussgängerstreifen<br />

[48] soll dies entsprechend erwähnen.<br />

2.5.2 Bahnübergänge<br />

Eine von Bundesrat Moriz Leuenberger ins Leben<br />

gerufene Taskforce hat den Auftrag, die gefährlichsten<br />

190 Bahnübergänge (mit einer Sichtzeit<br />

Abbildung 22<br />

Baustellensignalisation mit gelben Portalen<br />

Quelle: bfu<br />

von 6 und weniger Sekunden) zu sanieren. Bis<br />

Ende 2008 soll dieses Ziel erreicht sein (Stand September<br />

08: 177 Bahnübergänge saniert).<br />

Darüber hinaus gibt es in der Schweiz rund 600<br />

weitere Bahnübergänge, welche Experten als ungenügend<br />

gesichert betrachten (Sichtzeit meist 7<br />

bis 12 Sekunden). Bis 2014 sollen diese Bahnübergänge<br />

überprüft und nach den neuen Vorgaben<br />

der Eisenbahnverordnung saniert werden.<br />

Bei Bahn- oder Tramquerungsstellen von Fussgänger<br />

soll die Signalisation gemäss Bundesamt für<br />

Verkehr (BAV) erfolgen. Es soll generell angestrebt<br />

werden, die Bahnübergänge zu beschranken.<br />

Damit sich auch die Fussgänger des Lichtraumprofils<br />

einer Bahn oder eines Trams bewusst sind (z. B.<br />

<strong>auf</strong> einem Platz oder <strong>auf</strong> der Strasse), soll eine<br />

Markierung am Boden dies anzeigen. Die SN<br />

640 851 Besondere Markierungen [49]; Anwendungsbereiche,<br />

Formen und Abmessungen wird<br />

um diese neu zu definierende Markierung erweitert.<br />

2.5.3 Baustellen<br />

Baustellen im Ausserortsbereich sollen <strong>auf</strong>fällig<br />

250 m vor der eigentlichen Baustelle vorsignalisiert<br />

werden. Damit dies aber noch besser sichtbar ist,<br />

könnte das Portal mit einer gelben, reflektierenden<br />

Fläche hinterlegt, und dieses auch beidseitig der<br />

Strasse platziert werden (Abbildung 22). Ähnlich<br />

wie <strong>auf</strong> Autobahnen soll der Arbeitsbereich der<br />

Baustelle mit einem «Prellbock» (z. B. in Form eines<br />

Unterhaltfahrzeugs) zum Schutz der Arbeiter gesichert<br />

werden. Dies würde eine Anpassung der<br />

VSS SN 640 886 Temporäre Signalisation <strong>auf</strong><br />

Haupt- und Nebenstrassen [50] bedeuten.<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 115


2.6 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit<br />

Die Höchstgeschwindigkeit wird in der Schweiz im<br />

Ausserortsbereich in der Regel nicht signalisiert.<br />

Am Ende des Innerortsbereichs folgt die Signaltafel<br />

«Ende Generell 50», was gleichbedeutend mit dem<br />

Beginn der Höchstgeschwindigkeit 80 km/h ist. Auf<br />

Autostrassen wird die Höchstgeschwindigkeit hingegen<br />

immer angezeigt. Sie beträgt in der Regel<br />

100 km/h. Abweichende Geschwindigkeiten müssen<br />

jedoch nach jeder Verzweigung signalisiert<br />

werden. Abweichende Geschwindigkeiten sind<br />

immer kleiner als die vom Bundesrat vorgegebenen<br />

Geschwindigkeiten pro Strassenkategorie. Auf HVS<br />

und VS ausserorts betragen sie in der Regel 60<br />

km/h, in seltenen Fällen auch etwa 70 km/h. Auf<br />

kurzen Abschnitten können noch tiefere Geschwindigkeiten<br />

signalisiert sein. Oft werden Autostrassen<br />

auch über längere Abschnitte mit 80 km/h<br />

signalisiert.<br />

In der Auswertung wurde nach nicht signalisierten,<br />

signalisierten und temporär signalisierten (Baustellen)<br />

Abschnitten unterschieden. Angesichts der<br />

widersprüchlichen Resultate hinsichtlich der Signalisation<br />

der Höchstgeschwindigkeit <strong>auf</strong> die Wahr-<br />

Abbildung 23<br />

Getötete pro 1 Mio. Einwohner in verschiedenen Ländern Europas<br />

nach Höchstgeschwindigkeit <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

Getötete pro 1 Mio. Einwohner, 2004<br />

100<br />

80<br />

60<br />

40<br />

20<br />

S<br />

DK<br />

CH<br />

70 80 90 100<br />

Tempolimit <strong>auf</strong> Strassen ausserorts [km/h]<br />

Quelle: CARE, European Road accident Database, 2007<br />

NL<br />

FIN<br />

E<br />

P<br />

B<br />

GR<br />

L<br />

F<br />

I<br />

IRL<br />

GB<br />

A<br />

D<br />

scheinlichkeit schwerer Verletzungen erscheinen<br />

klare Schlussfolgerungen schwierig. Das höhere<br />

Risiko bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen weist dar<strong>auf</strong> hin, dass möglicherweise<br />

bei signalisierten, d. h. herabgesetzten Höchstgeschwindigkeiten<br />

vermehrt riskante Überholmanöver<br />

stattfinden. Daher sollen die Streckenabschnitte<br />

mit reduzierten Geschwindigkeiten mit Mittelleitplanke<br />

ausgestattet werden. Es ist ein Lichtraumprofil<br />

wie unter Kap. VIII.2.2.3 dargestellt, anzustreben.<br />

Sämtliche Strassen ausserorts mit einer reduzierten<br />

Geschwindigkeit zu signalisieren ist keine Lösung.<br />

Die Akzeptanz dieser Massnahme wäre in der Bevölkerung<br />

nicht gegeben, und zudem bräuchte es<br />

dazu eine Verordnungsänderung. Eine reduzierte<br />

Geschwindigkeit, welche von den erlaubten 80<br />

km/h nur gering abweicht (signalisierte Geschwindigkeit<br />

von 70 km/h), bringt erfahrungsgemäss<br />

eine noch geringere Reduktion der gefahrenen<br />

Geschwindigkeiten, wobei allerdings auch diese<br />

bereits zu Verringerungen insbesondere der tödlichen<br />

Unfälle führt. Im europäischen Vergleich hat<br />

die Schweiz, die Niederlande, Dänemark und Finnland<br />

<strong>auf</strong> Strassen ausserorts die Geschwindigkeit<br />

80 km/h. Schweden hat eine Geschwindigkeit von<br />

70 km/h. Die übrigen Länder haben eine höhere<br />

Geschwindigkeit. Abbildung 22 lässt vermuten,<br />

dass die Anzahl Unfälle mit Getöteten nicht nur<br />

allein <strong>auf</strong>grund der einzigen Massnahme einer<br />

generellen Geschwindigkeitsreduktion in der<br />

Schweiz kleiner würde:<br />

Damit die Geschwindigkeit <strong>auf</strong> einem Strassenabschnitt<br />

reduziert werden darf, muss gemäss Art.<br />

108 Abs. 4 SSV ein Gutachten erstellt werden.<br />

Damit die Gefahr einer Kollision mit einem entgegenkommenden<br />

Fahrzeug nicht mehr besteht, wird<br />

116 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


dringend empfohlen, in diesen Abschnitten eine<br />

Mittelleitplanke anzubringen. Um auch die Linienführung,<br />

resp. andere relevante <strong>Sicherheit</strong>sdefizite<br />

zu reduzieren, wird die Geschwindigkeit <strong>auf</strong> 70<br />

km/h gesetzt. Auch die Signalisation einer Geschwindigkeit<br />

von 60 km/h ist bei solchen Abschnitten<br />

zu prüfen.<br />

2.7 Künstliche Beleuchtung<br />

Eines der Merkmale der künstlichen Beleuchtung<br />

muss im Unfallprotokoll immer, zusätzlich zu den<br />

«Lichtverhältnissen» angegeben werden. Im Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll<br />

wird zwischen einer künstlichen<br />

Beleuchtung, welche ausser Betrieb ist, welche<br />

durchgehend ist, welche punktuell ist und<br />

zwischen keiner künstlichen Beleuchtung unterschieden.<br />

Eines der Merkmale muss bei jedem Unfall im Un-<br />

fall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll ausgefüllt werden. Dabei<br />

bedeutet eine «durchgehende Beleuchtung», dass<br />

die Fahrbahn bei Dämmerung und Nacht mit mehreren<br />

hintereinander folgenden Lampen ausgeleuchtet<br />

ist. Eine punktuelle Beleuchtung besteht,<br />

Abbildung 24<br />

Betrieb der Beleuchtung in der Schweiz<br />

100<br />

90<br />

80<br />

70<br />

60<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

10<br />

0<br />

60<br />

28<br />

12<br />

16<br />

68<br />

16<br />

Ausschaltung Reduktion oder Teilausschaltung Brennt durch<br />

Quelle: www.energieeffiziez.ch<br />

50<br />

50<br />

92<br />

8<br />

40<br />

26<br />

34<br />

wenn nur einzelne Leuchten im Betrieb sind oder<br />

bei einer nur begrenzten Ausleuchtung, z. B. bei<br />

einem Fussgängerstreifen.<br />

In der Auswertung sind alle Unfälle – am Tag und<br />

in der Nacht – berücksichtigt. Dies wurde so gewählt,<br />

weil die Beleuchtung auch am Tag einen<br />

Einfluss <strong>auf</strong> die Verkehrssicherheit haben kann (im<br />

Zusammenhang mit Kollision mit festem Hindernis<br />

ausserhalb der Fahrbahn mit den Kandelabern).<br />

In der Schweiz werden Strassen im Ausserortsbereich<br />

in der Regel nicht beleuchtet. Die Ausnahme<br />

bilden Unfallschwerpunkte, welche infolge von<br />

vielen Nachtunfällen <strong>auf</strong>fällig geworden sind.<br />

Wichtige Knoten werden ausserorts in der Regel<br />

beleuchtet. Viele Kantone haben eine sogenannte<br />

«Nachtabschaltung» eingerichtet. Das heisst, dass<br />

sie die Beleuchtung am frühen Morgen (z. B. zwischen<br />

00:00 und 05:00 Uhr) ausschalten. Eine<br />

Übersicht gibt Abbildung 24 [51].<br />

Weil man mit Kandelabern mehr feste Hindernisse<br />

entlang der Strasse platziert, kann es zu mehr Kollisionen<br />

mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn kommen. Die Kandelaber müssen mit<br />

einer «Break away» Konstruktion wie einer Gleitfussplatte<br />

oder als feingliedrige Tragkonstruktion<br />

ausgestattet sein. Die VSS SN 640 569 Passive <strong>Sicherheit</strong><br />

von Tragkonstruktionen regelt diese Bauweise<br />

für Strassen ausserorts. Für Beleuchtungskandelaber<br />

wird die Tragkonstruktion mit einer<br />

Gleitfussplatte vorgeschlagen.<br />

Stellen ausserorts, welche von Fussgängern nachts<br />

frequentiert werden, müssen beleuchtet werden.<br />

Dies gilt insbesondere für Querungsstellen. Führt<br />

ein Schulweg entlang einer Strasse ausserorts muss<br />

dieser Abschnitt beleuchtet werden. Ist dies nicht<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 117


möglich, müssen die Schulzeiten (insbesondere im<br />

Winter) so gelegt werden, dass sich die Kinder<br />

nicht bei Dunkelheit <strong>auf</strong> dem Schulweg befinden.<br />

Die Kinder sollen zudem retro-reflektierende Kleider<br />

resp. Flächen an den Kleidern tragen.<br />

An Knoten oder gefährlichen Strassenabschnitten<br />

soll die Beleuchtung bei Dunkelheit möglichst nie<br />

abgeschaltet werden. Eine Nachtabsenkung wäre<br />

hingegen prüfenswert.<br />

2.8 Grossregion<br />

Die Grossregion hat sich bei 4 der 5 Unfallklassen<br />

<strong>auf</strong> Landstrassen als Risikofaktor für die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen erwiesen.<br />

Allerdings waren nicht immer dieselben Regionen<br />

besonders gut oder besonders schlecht. Dies ist in<br />

Tabelle 75 zusammenfassend dargestellt.<br />

Eher schlecht schneiden die Nordwestschweiz, die<br />

Région lémanique und der Espace Mittelland ab. In<br />

Zürich, der Zentralschweiz und der Ostschweiz<br />

sieht es gut aus, im Tessin scheint es vor allem<br />

Probleme bezüglich der Kollisionen mit festen Hindernissen<br />

ausserhalb der Fahrbahn zu geben.<br />

Die positiven Ergebnisse des Kantons Zürich könnten<br />

möglicherweise ein methodisches Artefakt sein.<br />

Die Autoren wurden aus mehreren Quellen darüber<br />

informiert, dass im Kanton Zürich auch viele<br />

Unfälle von geringer Schwere polizeilich protokolliert<br />

werden. Dies würde bei der Berechnung des<br />

Risikos schwerer Verletzungen zu geringeren Werten<br />

führen obwohl die Anzahl schwerer Verletzungen<br />

nicht besonders niedrig ist.<br />

Ohne Kenntnis der spezifischen Probleme der einzelnen<br />

Regionen kann nur gemutmasst werden,<br />

woraus sich die unterschiedlich hohen Risiken ergeben.<br />

Alle Einflussfaktoren, die nicht im polizeilichen<br />

Unfallprotokoll erfasst werden, kommen dafür<br />

in Frage. Möglich wären Unterschiede im Rettungswesen,<br />

im Strassenbau, in den gefahrenen<br />

Geschwindigkeiten (aus dem Unfallprotokoll kennt<br />

man nur die Geschwindigkeitslimiten), im Fahrzeugbestand<br />

(neue und grosse Autos bergen ein<br />

geringeres Risiko) usw.<br />

Um diese Unterschiede zu klären wird weitere Forschung<br />

– möglichst in Zusammenarbeit mit den<br />

betroffenen Regionen – notwendig sein.<br />

2.9 Uhrzeit<br />

Es gibt 3 Unfallklassen, bei denen die Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen signifikant mit der<br />

Uhrzeit des Unfalls zusammenhängt. Bei den Kolli-<br />

Tabelle 75<br />

Reihenfolge der Grossregionen hinsichtlich des Risikos schwerer und tödlicher Verletzungen nach Unfallklasse<br />

(1=höchstes Risiko, 7 = geringstes Risiko)<br />

Kollision mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen<br />

Kollision mit festem Hindernis<br />

ausserhalb der Fahrbahn<br />

Kollisionen an Knoten Unfälle ohne Kollision<br />

1 Nordwestschweiz Région lémanique Nordwestschweiz Espace Mittelland<br />

2 Région lémanique Ticino Espace Mittelland Région lémanique<br />

3 Espace Mittelland Espace Mittelland Région lémanique Nordwestschweiz<br />

4 Zürich Nordwestschweiz Zentralschweiz Ticino<br />

5 Zentralschweiz Zentralschweiz Ostschweiz Zentralschweiz<br />

6 Ostschweiz Zürich Ticino Ostschweiz<br />

7 Ticino Ostschweiz Zürich Zürich<br />

Quelle: BFS/ bfu<br />

118 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


sionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen und<br />

den Kollisionen an Knoten zeigt sich im L<strong>auf</strong>e des<br />

Tages ein leichter Anstieg. Zugleich gibt es auch<br />

einige «peaks» im L<strong>auf</strong>e der frühen Morgenstunden<br />

(vor 6:30), die allerdings <strong>auf</strong>grund geringer<br />

Fallzahlen wenig zuverlässig sein dürften. Das <strong>auf</strong>fälligste<br />

Merkmal dieser beiden Unfallklassen ist<br />

jedoch, dass sie in der Nacht nur selten stattfinden,<br />

da dann die möglichen Kollisionsgegner «fehlen».<br />

Am späten Nachmittag hingegen gibt es für beide<br />

Unfallklassen einen Gipfel in Bezug <strong>auf</strong> die Häufigkeit.<br />

Er könnte mit einer grossen Verkehrsdichte<br />

am Nachmittag zu tun haben.<br />

Für die Unfallklasse Kollision mit festem Hindernis<br />

ausserhalb der Fahrbahn hingegen zeigt sich eine<br />

abnehmende Häufigkeit und etwa gleichzeitig eine<br />

zunehmende Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

am Vormittag bis etwa gegen Mittag.<br />

Allfällige polizeiliche Aktivitäten sollten sich an den<br />

zeitlichen Merkmalen der Unfallklassen ausrichten.<br />

2.9.1 Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen<br />

Der deutliche Anstieg der Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen nachmittags und<br />

abends könnte <strong>auf</strong> verschiedene Faktoren wie z. B.<br />

Eile, Müdigkeit oder andere Faktoren zurückzuführen<br />

sein. Hier wären weitere Studien zur genauen<br />

Problemanalyse sinnvoll. Auf jeden Fall sollte sich –<br />

wie bereits oben angesprochen – die polizeiliche<br />

Aktivität <strong>auf</strong> die kritischen Uhrzeiten und eher stark<br />

frequentierte Strassen konzentrieren.<br />

2.9.2 Kollision mit festem Hindernis ausserhalb<br />

der Fahrbahn<br />

Kollisionen mit festen Hindernissen ereignen sich<br />

mit 2 Gipfeln: in Wochenendnächten und generell<br />

nachmittags. Bei den Wochenendnachtunfällen<br />

dürften Alkohol und Übermüdung eine Rolle spielen,<br />

so dass sich hier Polizeikontrollen als Intervention<br />

anbieten. Die Unfälle an den Nachmittagen<br />

hingegen lassen eher andere Ursachen als Alkohol<br />

erwarten. Möglich sind z. B. allgemeine Ermüdung<br />

im Rahmen des zirkadianen Schlaf-Wachrhythmus<br />

des Menschen aber auch der Einfluss von Schlafstörungen,<br />

z. B. durch Apnoe oder Schichtarbeit<br />

u.ä. Dem Thema der Müdigkeit im Strassenverkehr<br />

ist generell mehr Aufmerksamkeit zu widmen.<br />

2.9.3 Kollision an Knoten<br />

Bezüglich der Verteilung nach Häufigkeit und<br />

Schwere der Verletzungen nach Uhrzeit bieten sich<br />

keine besonderen Massnahmen an. Sowohl bauliche<br />

Veränderungen, welche die Knoten sicherer<br />

machen, als auch Polizeikontrollen hinsichtlich der<br />

Geschwindigkeiten sind sinnvoll, wobei die Polizeikontrollen<br />

vor allem nachmittags stattfinden sollten.<br />

2.10 Wochentag<br />

Der Wochentag hat keine eindeutige Beziehung<br />

zur Unfallschwere oder –häufigkeit. Bei den Kollisionen<br />

an Knoten ist die Schwere dienstags und<br />

mittwochs grösser als an anderen Wochentagen,<br />

die Anzahl der Getöteten ist jedoch mittwochs und<br />

donnerstags etwas höher als an den übrigen Tagen.<br />

Etwas eindeutiger sieht die Sache bei den<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

aus. Hier findet sich eine geringere Wahrschein-<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 119


lichkeit schwerer Verletzungen samstags und sonntags<br />

als unter der Woche. Von der Häufigkeit der<br />

Todesfälle her sind jedoch Freitag und Samstag am<br />

<strong>auf</strong>fälligsten.<br />

Als Massnahme bietet sich an, dass insbesondere<br />

die Polizeikontrollen <strong>auf</strong> den Freitag und den Samstag<br />

konzentriert werden. Dann ist die Wahrscheinlichkeit<br />

von erfolgreichen Kontrollen am grössten.<br />

Die Polizeiarbeit sollte sich dabei <strong>auf</strong> die 3 wichtigsten<br />

Faktoren Geschwindigkeit, Alkohol und <strong>Sicherheit</strong>sgurtbenützung<br />

konzentrieren. Diese Aktivität<br />

sollte möglichst von Öffentlichkeitskampagnen<br />

begleitet werden.<br />

2.11 Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

Die Dauer des Führerausweisbesitzes hat bei 2<br />

Unfallklassen einen signifikanten Zusammenhang<br />

mit der Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher<br />

Verletzungen. Bei den Kollisionen an Knoten ist der<br />

Effekt ziemlich gering und bezieht sich nur <strong>auf</strong> eine<br />

einzige Kategorie der Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

(15 bis 29 Jahre), so dass <strong>auf</strong> eine Interpretation<br />

verzichtet wird.<br />

Bei den Kollisionen mit einem entgegenkommen-<br />

den Fahrzeug zeichnet sich jedoch eine Abnahme<br />

der Wahrscheinlichkeit schwerer und schwerster<br />

Verletzungen mit zunehmender Dauer des Führerausweisbesitzes<br />

ab. Ab dem 4. Jahr sinkt das Risiko<br />

um rund 20 %. Auch die Anzahl der getöteten<br />

Personen geht mit jedem Jahr Fahrerfahrung zurück.<br />

Als Massnahme gegen diese Unfallklasse und<br />

zur Verminderung seiner Schwere wird daher vorgeschlagen,<br />

dass während der Zeit des Führerausweises<br />

<strong>auf</strong> Probe (die ersten 3 Jahre nach Führerausweiserwerb)<br />

das Überholen <strong>auf</strong> nicht richtungsgetrennten<br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> verboten wird. Über<br />

die konkrete Umsetzung müsste noch genauer<br />

nachgedacht werden, da sich beispielsweise die<br />

Frage stellt, wie man eine solche Massnahme kontrollierbar<br />

gestalten kann (Erkennbarkeit des Neulenkers<br />

durch die Polizei).<br />

2.12 Strassenkategorie<br />

Die Variable Strassenkategorie sagt aus, in wessen<br />

Besitz sich die Strasse befindet. Dabei ergab sich,<br />

dass bei Unfällen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> im Besitz<br />

des Bundes eine höhere Wahrscheinlichkeit schwerer<br />

Verletzungen besteht als <strong>auf</strong> Kantons- und<br />

Gemeindestrassen – und dies, obwohl die Strassenarten<br />

statistisch kontrolliert wurden. Von der<br />

absoluten Häufigkeit her, kann man allerdings<br />

sagen, dass es sich hier nur um einen kleineren<br />

Anteil des tödlichen Unfallgeschehens handelt.<br />

Dazu kommt auch noch das Problem, dass diese<br />

Variable zeitweise nicht korrekt ausgefüllt wurde<br />

(sehr viele Angaben zur Kategorie «Andere»), so<br />

dass <strong>auf</strong> eine Interpretation verzichtet wird.<br />

3. Weitere Präventionsmassnahmen<br />

Die bisher präsentierten Massnahmen zur Verhütung<br />

der Unfälle <strong>auf</strong> Landstrassen sind möglichst<br />

klar aus dem Unfallgeschehen abgeleitet worden.<br />

Es gibt allerdings noch weitere Massnahmen, die<br />

sich nicht zwingend aus dem Unfallgeschehen<br />

ergeben. Diese werden hier präsentiert, weil sie ein<br />

erhebliches Potential für die Prävention haben.<br />

3.1 Safety Audit<br />

Ein Safety Audit zur <strong>Sicherheit</strong>süberprüfung von<br />

Strassenbauprojekten ist in der Schweiz eingeführt.<br />

Die SN 640 712 Strassenverkehrssicherheit; <strong>Sicherheit</strong>saudit<br />

für Projekte von Strassenverkehrsan-<br />

120 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


lagen [52] regelt den Abl<strong>auf</strong>. Ausgebildete Safety<br />

Auditoren sollen <strong>Sicherheit</strong>smängel am Projekt mit<br />

der Hilfe von Checklisten erkennen und verhindern.<br />

Bei <strong>Ausserortsstrassen</strong> sollte immer ein Safety Audit<br />

durchgeführt werden. Das <strong>Sicherheit</strong>sprogramm<br />

der Schweiz «Via sicura» sieht vor, Safety Audits<br />

zwingend durchzuführen. Im bfu-<br />

Grundlagenbericht VESIPO [53] werden Nutzen/Kosten<br />

Faktoren aus Dänemark mit 1.5:1 und<br />

aus Neuseeland mit 20:1 ausgewiesen.<br />

3.2 Road Safety Inspection<br />

Road Safety Inspections dienen dazu, bestehende<br />

Strassenabschnitte <strong>auf</strong> <strong>Sicherheit</strong>smängel hin zu<br />

überprüfen. Das Verfahren wird in verschiedenen<br />

Ländern (z. B. Österreich und Deutschland) bereits<br />

angewandt. Es gibt in der Schweiz noch kein einheitliches<br />

oder normiertes Verfahren von Road<br />

Safety Inspections. Die zuständige Expertenkommission<br />

will sich diesem Anliegen in der nächsten<br />

Zeit widmen. Auch der Bericht Via sicura fordert,<br />

dass «Verkehrsicherheitsbeurteilungen» für bestehende<br />

und neue Infrastrukturen koordiniert einzuführen<br />

sind. Damit sind die Road Safety Inspection<br />

und das Road Safety Audit gemeint.<br />

Im Rahmen des EU Projektes RIPCORD wurde eine<br />

«Best Practice» von Road Safety Inspection der<br />

verschiedenen Länder erarbeitet. Diese Erkenntnisse<br />

werden der Schweiz als Grundlage zur Herstellung<br />

der SN dienen.<br />

Angesichts der Tatsache, dass es deutlich mehr<br />

bereits gebaute als neu zu erstellende Strassen<br />

gibt, dürfte der Road Safety Inspection eine erheblich<br />

grössere Bedeutung für die Verkehrssicherheit<br />

<strong>auf</strong> Landstrassen zukommen als dem Safety Audit.<br />

3.3 Rüttelstreifen<br />

Rüttelstreifen werden <strong>auf</strong> der Randlinie oder der<br />

Mittelmarkierung angebracht, und sind in der<br />

Schweiz noch selten anzutreffen (Abbildung 25).<br />

Rüttelstreifen können die Unfallklassen Kollision<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen, Kollision<br />

mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn und<br />

Unfälle ohne Kollision verhindern helfen. Wenn ein<br />

Fahrzeug über einen Rüttelstreifen fährt, ertönt ein<br />

lautes, singendes Geräusch. Zudem beginnt das<br />

Fahrzeug zu vibrieren. Der Fahrzeuglenker wird<br />

also regelrecht wachgerüttelt und er kann seine<br />

Fahrt entsprechend korrigieren. Weil diese Rüttelstreifen<br />

(sie werden auch Stufenmarkierung genannt)<br />

beim Befahren ein lautes Geräusch erzeugen,<br />

sollen Sie nur angebracht werden, wenn im<br />

Abstand von mindestens 300 m kein bewohntes<br />

Gebäude steht. Die Einsatzgebiete beschränken<br />

Abbildung 25<br />

Beispiel eines Rüttelstreifens<br />

Quelle: bfu<br />

bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 121


sich also gerade <strong>auf</strong> die Strassen ausserorts.<br />

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass diese<br />

Massnahme eine grosse Reduktion der Unfälle<br />

bewirkt. Perrillo [54] beschreibt, dass Rüttelstreifen<br />

am Fahrbahnrand die Unfälle durch Abkommen<br />

von der Fahrbahn um 65 % reduziert hat. Cheng<br />

et al. [55] fanden heraus, dass Freeways mit Fahrbahnrand–Rüttelstreifen<br />

eine kleinere Unfallrate<br />

hatten als Freeways ohne Rüttelstreifen. Das Nutzen/Kosten-<br />

Verhältnis spricht klar für das Applizieren<br />

von Rüttelstreifen: Ein Überblick von 50 Staaten<br />

in den USA zeigt ein Nutzen/Kosten-Verhältnis<br />

von 50:1.<br />

Um die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahr-<br />

zeugen zu verhindern sollten Rüttelstreifen <strong>auf</strong> der<br />

Mittelmarkierung von Hauptstrassen angebracht<br />

werden. Die <strong>Sicherheit</strong>s- und Vorwarnlinien sollen<br />

generell als Rüttelstreifen, die unterbrochenen<br />

Leitlinien nur bei einem DTV > 10 000 als Rüttelstreifen<br />

ausgeführt werden. Dies muss in der SN<br />

640 850 Markierungen; Ausgestaltung und Anwendungsbereiche<br />

[56] bei der nächsten Revision<br />

berücksichtigt werden.<br />

Randlinien sollen <strong>auf</strong> Haupt- und Nebenstrassen als<br />

Rüttelstreifen ausgebildet werden, wenn die Gefahr<br />

einer Kollision mit einem festen Hindernis<br />

ausserhalb der Fahrbahn besteht.<br />

Auf Autostrassen sind keine Rüttelstreifen vorzusehen,<br />

weil diese mit Leitschrankensystemen gesichert<br />

sein sollen.<br />

122 Massnahmen bfu-Report Nr. 61


IX. Methodenkritik<br />

Im vorliegenden Bericht wurde ein besonderer<br />

Zugang zum Unfallgeschehen gewählt. Es wurde<br />

nicht untersucht, inwieweit sich die äusseren Bedingungen<br />

von Unfällen sich von einer wie auch<br />

immer gearteten Vergleichsgruppe von Nicht-<br />

Unfällen unterscheiden. Dies wäre notwendig gewesen,<br />

wenn man Risikofaktoren für das Entstehen<br />

eines Unfalls hätte erarbeiten wollen. Stattdessen<br />

wurde <strong>auf</strong> der Grundlage der bestehenden Verkehrsunfallstatistik<br />

ein Vergleich der Unfallbedingungen<br />

bei Personen mit schweren oder tödlichen<br />

Verletzungen und Personen mit leichten oder sogar<br />

keinen Verletzungen durchgeführt. Man bekommt<br />

also nicht Informationen darüber, warum sich ein<br />

Unfall ereignet hat, sondern was die Risikofaktoren<br />

für besonders schwere Verletzungen sind, wenn<br />

sich ein Unfall ereignet. Der Vorteil dieses Vorgehens<br />

ist, dass sich der Aufwand dafür in Grenzen<br />

hält, weil keine eigenen Daten erhoben werden<br />

müssen. Umgekehrt ist es dann auch so, dass man<br />

sich <strong>auf</strong> die Qualität der Daten verlässt, die von den<br />

Polizisten erhoben und vom Bundesamt für Statistik<br />

(BFS) <strong>auf</strong> Plausibilität und Konsistenz geprüft<br />

werden. Natürlich beinhalten solche Datensätze<br />

immer noch Fehler. Aber trotzdem sind sie in der<br />

Verkehrssicherheitsforschung eine wichtige Informationsquelle.<br />

Die Methode der multiplen logistischen Regression<br />

erlaubte es, mögliche konfundierende Variablen zu<br />

kontrollieren, so konnte z. B. die Wirkung der<br />

Schutzeinrichtungen wie <strong>Sicherheit</strong>sgurten vom<br />

Alter der Personen getrennt werden. Da junge<br />

Verkehrsteilnehmer weniger häufig Gebrauch vom<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurt machen, wären ansonsten bei univariaten<br />

Analysen die negativen Effekte des jugendlichen<br />

Alters über- und der positive Effekt des<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurts unterschätzt worden.<br />

Ein Nachteil bei der multiplen logistischen Regression<br />

ist jedoch, dass nur diejenigen Personen in die<br />

Analysen <strong>auf</strong>genommen werden, die bei allen Variablen<br />

eine Angabe haben. Dies führte dann dazu,<br />

dass z. B. abgewogen werden musste, ob man<br />

Informationen über den Führerausweis (insbesondere<br />

die Dauer des Führerausweisbesitzes) als Variable<br />

verwenden wollte oder nicht. Der Preis dafür<br />

war, dass dann Verkehrsteilnehmer, die keinen<br />

Führerausweis benötigen, von den Analysen ausgeschlossen<br />

waren. Im vorliegenden Bericht betrifft<br />

dies vor allem die Fahrradfahrer. Obwohl <strong>auf</strong><br />

Landstrassen auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl<br />

von Fahrradfahrern ums Leben kommt, wurde<br />

entschieden, dass die Information zu den Führerausweisen<br />

wichtiger sei. Dieser Entscheid fiel insofern<br />

leicht, als dass die bfu –Schweizerische Beratungsstelle<br />

für Unfallverhütung erst kürzlich ein<br />

umfassendes <strong>Sicherheit</strong>sdossier zum Thema Fahrradverkehr<br />

veröffentlicht hat [57].<br />

bfu-Report Nr. 61 Methodenkritik 123


Ein weiteres Problem bei den hier durchgeführten<br />

Analysen ist, dass die Unfälle <strong>auf</strong> Ausserortsstras-<br />

sen in 5 Unfallklassen <strong>auf</strong>geteilt worden sind. So-<br />

wohl die Unfallklassen als auch die den einzelnen<br />

Klassen zugeteilten Unfalltypen stellen jedoch eine<br />

subjektive Auswahl dar. Dies wurde so transparent<br />

wie möglich gemacht, so dass andere Forscher und<br />

Verkehrssicherheitsexperten diese Klassifikation<br />

nachvollziehen können. Das Ziel war einerseits eine<br />

möglichst grosse Anzahl von Personen für die statistischen<br />

Analysen zu haben. Daraus ergab sich,<br />

dass es eine gröbere Klassifizierung als die Unfalltypen<br />

des offiziellen Unfallprotokolls sein müsste.<br />

Andererseits sollten die Kategorien jedoch auch<br />

sehr spezifisch sein und mussten daher ein<br />

möglichst ähnliches Unfallgeschehen beinhalten.<br />

Darüber hinaus sollten die Unfallklassen den allergrössten<br />

Teil der Unfälle <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> mit<br />

einbeziehen. Es ergaben sich die 5 Unfallkategorien,<br />

die 88 % aller <strong>auf</strong> Ausserortstrassen getöteten<br />

Personen abdecken.<br />

Die logistischen Regressionen erbrachten zum<br />

überwiegenden Teil sehr plausible Resultate hin-<br />

sichtlich der Risikofaktoren für die Schwere der<br />

Verletzungen. Ein Blick <strong>auf</strong> die Anteile <strong>auf</strong>geklärter<br />

Varianzen ist jedoch ernüchternd. Wie in Abbildung<br />

26 <strong>auf</strong>gezeigt wird, liegt der Anteil <strong>auf</strong>geklärter<br />

Varianz bei 4 der 5 Unfallklassen bei rund<br />

1/4 (23–27 %).<br />

Darüber hinaus zeigt sich auch, dass bereits mit<br />

den ersten 3 bis 4 Variablen der weitaus grösste<br />

Teil der maximalen Varianz erreicht ist. Die wichtigsten<br />

Variablen sind<br />

1. das benützte Fortbewegungsmittel und dort vor<br />

allem die motorisierten Zweiräder<br />

2. die Benützung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />

Danach folgen noch der Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />

beim Lenker, die Region in welcher sich der Unfall<br />

ereignet hat, das Alter der beteiligten Person sowie<br />

– bei den Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn – das Kollisionsobjekt.<br />

Bei den Kollisionen mit Fussgängern sieht das Bild<br />

anders aus. Hier können 45 % der Varianz <strong>auf</strong>geklärt<br />

werden. Der wichtigste Risikofaktor ist, ob<br />

Abbildung 26<br />

Anteile in Prozent <strong>auf</strong>geklärter Varianz der Wahrscheinlichkeit schwerer und tödlicher Verletzungen nach Unfallklasse und Anzahl<br />

Variablen<br />

100<br />

90<br />

80<br />

70<br />

60<br />

50<br />

40<br />

30<br />

20<br />

10<br />

0<br />

Quelle: bfu<br />

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20<br />

Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen Kollisionen mit festen Hindernissen am Strassenrand<br />

Kollisionen an Knoten Unfälle ohne Kollisionen<br />

Kollisionen mit Fussgängern<br />

124 Methodenkritik bfu-Report Nr. 61


man als Fussgänger verunfallt ist oder nicht. Dies<br />

allein erklärt schon mehr als 40 % der Varianz der<br />

Verletzungsschwere. Danach folgt das Verkehrsmittel,<br />

wo wiederum die Zweiradbenutzer mit oder<br />

ohne Motorisierung ein deutlich höheres Risiko<br />

<strong>auf</strong>weisen als die Personenwageninsassen.<br />

Dass der Anteil <strong>auf</strong>geklärter Varianz eher gering ist,<br />

ist nicht ganz unerwartet. Einer der wichtigsten<br />

Prädiktoren für die Verletzungsschwere ist die Geschwindigkeit,<br />

mit welcher ein Unfall stattfand.<br />

Diese Information ist jedoch in der Unfallstatistik<br />

nicht vorhanden. Die Geschwindigkeitslimiten,<br />

welche Eingang in die Auswertungen fanden, stellen<br />

hier nur einen (unzureichenden) Ersatz dar.<br />

Daneben dürften auch Alter des Fahrzeugs, der<br />

Fahrzeugtyp, die Fahrzeugmarke, die genaue Art<br />

des Unfalls oder auch das Vorhandensein von Airbags<br />

eine erhebliche Rolle spielen. Insgesamt spiegeln<br />

diese Auswertungen wider, dass das Unfallprotokoll<br />

mit seinen heutigen Inhalten nur eine<br />

unvollständige Beschreibung des Unfallgeschehens<br />

liefert.<br />

Möglicherweise könnte hier das amerikanische<br />

System des Model Minimum Uniform Crash Criteria<br />

(MMUCC) einen Beitrag leisten. MMUCC ist ein<br />

Mindestsystem an welches sich alle amerikanischen<br />

Staaten halten sollen, um die Ergebnisse der Unfallanalyse<br />

<strong>auf</strong> nationaler Ebene vergleichbar zu<br />

machen. Dort wird z. B. unterschieden nach dem<br />

ersten und dem schlimmsten «harmful event». Im<br />

schweizerischen Unfallprotokoll wird hingegen nur<br />

«die Konfliktsituation, welche massgebend für die<br />

Entstehung des Unfalls ist» protokolliert. Daher ist<br />

es durchaus möglich, dass ein verhältnismässig<br />

harmloses Ereignis (z. B. Streifen mit einem entgegenkommenden<br />

Fahrzeug, Unfalltyp 22) erst durch<br />

ein nachfolgendes Ereignis (z. B. Abkommen von<br />

der Strasse und Kollision mit einem festen Hindernis<br />

ausserhalb der Fahrbahn, Unfalltyp 13) sehr<br />

schwerwiegend wird. Und trotzdem müsste der<br />

Polizist korrekterweise den Unfalltyp 22 angeben<br />

und nicht den Unfalltyp 13.<br />

Insgesamt muss man also schlussfolgern, dass allein<br />

aus den Unfalldaten zwar wichtige, aber eben<br />

noch längst nicht alle relevanten Informationen für<br />

die Verletzungsschwere abgeleitet werden können.<br />

bfu-Report Nr. 61 Methodenkritik 125


X. Schlussfolgerungen<br />

Die Verringerung der Verletzungsschwere ist über<br />

viele Jahre hinweg die erfolgversprechendste Methode<br />

der Unfallverhütung gewesen. Erwähnt werden<br />

sollen in diesem Zusammenhang vor allem die<br />

Knautschzonen der Fahrzeuge, der <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />

und der Airbag. In der vorliegenden Arbeit wurde<br />

ebenfalls dieser Weg gewählt. Die Frage lautete:<br />

Was sind die Faktoren, die einen wichtigen Einfluss<br />

<strong>auf</strong> die Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher<br />

Verletzungen haben? Die hier durchgeführten<br />

Analysen zeigten <strong>auf</strong>, dass es eine ganze Reihe von<br />

Risikofaktoren gibt, die einen Einfluss <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere<br />

haben. Viele von ihnen sind bekannt,<br />

andere eher weniger, manche sind veränderbar,<br />

andere hingegen können nicht beeinflusst<br />

werden. Im Folgenden werden die 21 signifikanten<br />

Risikofaktoren und die aus ihnen abgeleiteten<br />

Massnahmen dargestellt:<br />

1. Dass das Motorradfahren gefährlich ist, ist bekannt<br />

und wird auch durch diese Studie belegt.<br />

Hier besteht Handlungsbedarf, zu dem die bfu<br />

mit dem <strong>Sicherheit</strong>sdossier Motorrad [3] diverse<br />

Präventionsmöglichkeiten <strong>auf</strong>zeigen wird. Bei<br />

den Personenwagen findet eine rasante technische<br />

Weiterentwicklung statt, die auch die Verkehrssicherheit<br />

weiter verbessern wird. Zu nennen<br />

ist hier insbesondere die elektronische Stabilitätskontrolle,<br />

die als beste Verkehrssicherheitsmassnahme<br />

seit Einführung des <strong>Sicherheit</strong>sgurts<br />

gilt.<br />

2. Die Benutzung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />

leistet einen wichtigen Beitrag zur Verminderung<br />

der Verletzungsschwere und sollte auch<br />

zukünftig gefördert werden. Beispielhaft soll<br />

dazu die durch den Fonds für Verkehrssicher-<br />

heit (FVS) finanziell geförderte <strong>Sicherheit</strong>sgurtkampagne<br />

«Ein Band fürs Leben» genannt<br />

werden.<br />

3. Bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />

der Fahrbahn hat die Art des Hindernisses<br />

grossen Einfluss <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere.<br />

Bäume sind die gefährlichsten und häufigsten<br />

Hindernisse. Es besteht dringender Bedarf nach<br />

hindernisfreien Räumen am Strassenrand, nach<br />

einer geringen Böschungsneigung von höchstens<br />

1:4 oder nach Leitschrankensystemen, die<br />

vor Hindernissen schützen.<br />

4. Der Konsum von Alkohol wirkt sich nicht nur<br />

negativ <strong>auf</strong> die Unfallwahrscheinlichkeit, sondern<br />

auch <strong>auf</strong> die Schwere von Verletzungen<br />

aus. Auch diesem Problem ist grosse Aufmerksamkeit<br />

zu widmen. Anzustreben sind dabei vor<br />

allem vermehrte Polizeikontrollen und ein Alkoholverbot<br />

für Neulenker.<br />

5. Als ein wichtiger Risikofaktor für die Verletzungsschwere<br />

erwies sich die Grossregion, in<br />

der sich der Unfall ereignete. Allerdings handelte<br />

es sich nicht für alle Unfallklassen um dieselben<br />

Regionen. Hier besteht noch weiterer Forschungs-<br />

und Klärungsbedarf.<br />

6. Mit zunehmendem Alter der in Unfälle verwickelten<br />

Personen steigt die Wahrscheinlichkeit<br />

von schweren Verletzungen an. Dies dürfte <strong>auf</strong><br />

die mit dem Alter zunehmende Verletzlichkeit<br />

des menschlichen Körpers zurückzuführen sein.<br />

Dagegen lässt sich leider nicht viel tun. Allerdings<br />

wäre es für die älteren Benutzenden vorteilhafter,<br />

wenn sie Fahrzeuge mit den neuesten<br />

<strong>Sicherheit</strong>stechnologien lenken würden.<br />

126 Schlussfolgerungen bfu-Report Nr. 61


Dies könnte ihre körperlichen Schwächen noch<br />

am ehesten kompensieren.<br />

7. Frauen haben eine grössere Wahrscheinlichkeit<br />

als Männer, schwere Verletzungen zu erleiden.<br />

Ihr Risiko, als Lenkerinnen in einen Unfall verwickelt<br />

zu werden, ist – bezogen <strong>auf</strong> die Fahrleistungen<br />

– in etwa gleich gross wie jenes der<br />

Männer. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit,<br />

dass der Unfall eines Autofahrers <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

tödlich endet, erheblich grösser als<br />

der Unfall einer Autofahrerin. Mehr Frauen am<br />

Steuer statt <strong>auf</strong> dem Beifahrersitz und mehr<br />

Männer <strong>auf</strong> dem Beifahrersitz statt am Steuer<br />

würden einen <strong>Sicherheit</strong>sgewinn bringen.<br />

8. Die Strassenart erwies sich von unterschiedlicher<br />

Bedeutung für die Unfallklassen. Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen haben<br />

<strong>auf</strong> Autostrassen bedeutend schwerere<br />

Folgen als <strong>auf</strong> den anderen Strassenarten. Deswegen<br />

werden hier und <strong>auf</strong> stark frequentierten<br />

Hauptstrassen (DTV >10 000) durchgängig<br />

Mittelleitplanken gefordert. Auf Haupt- und<br />

Nebenstrassen hingegen ist die Wahrscheinlichkeit,<br />

schwere Verletzungen zu erleiden, bei Kollisionen<br />

mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />

Fahrbahn besonders gross. Daher werden für<br />

diese Strassen 6 Meter hindernisfreie Räume<br />

oder ersatzweise Leitschrankensysteme gefordert<br />

(siehe auch Punkt 3).<br />

9. Fussgänger haben bei weitem das grösste Risiko,<br />

bei einem Unfall <strong>auf</strong> einer Ausserortsstrasse<br />

schwer verletzt oder getötet zu werden. Dies ist<br />

bei Unfällen mit so hohen Geschwindigkeiten<br />

auch kaum anders zu erwarten. Eine weitestgehende<br />

zeitliche und/oder räumliche Trennung<br />

ist hier notwendig. Aber auch für die Beifahrer<br />

vorne besteht ein erhöhtes Risiko. Sicherer wären<br />

sie <strong>auf</strong> den Rücksitzen – aber nur, wenn<br />

dort auch der <strong>Sicherheit</strong>sgurt immer benutzt<br />

würde. Dies ist allerdings bis anhin nicht der<br />

Fall.<br />

10. Hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit schwerer<br />

Verletzungen unterscheiden sich gerade Strecken<br />

und Kurven bei den verschiedenen Unfallklassen<br />

nicht (mit einer Ausnahme). Die Folgen<br />

von Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />

sind jedoch in Kurven etwas weniger<br />

schwer als <strong>auf</strong> geraden Strecken. In Kurven ereignen<br />

sich allerdings gesamthaft wesentlich<br />

mehr Unfälle mit Getöteten. Grosse Kurvenradien,<br />

befestigte breite Bankette und eine grosse<br />

Strassenbreite sind wichtige Faktoren für sichere<br />

Kurven. Einige Änderungen in den Schweizer<br />

Strassenbaunormen sind dafür notwendig und<br />

sinnvoll.<br />

11. Die Geschwindigkeit beim Unfall ist einer der<br />

entscheidenden Faktoren für die Unfallschwere.<br />

Auch wenn in der Schweiz <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />

keine generell tiefere Geschwindigkeitslimite<br />

geplant ist, so sollte sie doch <strong>auf</strong> nachweislich<br />

gefährlichen Strecken abschnittsweise<br />

herabgesetzt werden.<br />

12. Die Resultate bezüglich des Strassenzustands<br />

erwiesen sich als etwas kontraintuitiv: Schwierigere<br />

Strassenverhältnisse wie Nässe und insbesondere<br />

Schnee gehen mit einer geringeren<br />

Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen einher.<br />

13. Die Längsneigung der Strasse – egal ob Steigung<br />

oder Gefälle – führt zu Unfällen von eher<br />

geringerer Schwere als <strong>auf</strong> ebenen Strassen. Die<br />

mutmasslich an den Unfällen schuldigen Personen<br />

scheinen allerdings häufiger bergab als<br />

berg<strong>auf</strong> zu fahren. Daher werden für problematische<br />

Gefällstrecken niedrigere Höchstgeschwindigkeiten<br />

vorgeschlagen.<br />

14. Die Analysen der Vortrittsregelungen führen zu<br />

wenig einheitlichen Resultaten. Am gefährlichs-<br />

bfu-Report Nr. 61 Schlussfolgerungen 127


ten (aber auch selten) sind Tram- oder Bahnvortritt.<br />

Lichtsignalanlagen sind je nach Unfallklasse<br />

mehr oder weniger sicher.<br />

15. Uneinheitliche Ergebnisse gibt es auch für die<br />

Signalisation der Höchstgeschwindigkeit. Auch<br />

hier gibt es positive wie negative Resultate je<br />

nach Unfallklasse.<br />

16. Die Resultate hinsichtlich der Verletzungsschwere<br />

nach Uhrzeit sind auch nicht eindeutig. Es<br />

leuchtet ein, dass sich Unfälle mit mindestens 2<br />

Unfallgegnern nachts eher selten ereignen, da<br />

dann der Verkehr weniger intensiv ist.<br />

17. Die Resultate betreffend die künstliche Beleuchtung<br />

sind nicht ganz einheitlich. Diese hat bei<br />

den meisten Unfallklassen einen sicherheitsfördernden<br />

Effekt (geringere Wahrscheinlichkeit<br />

schwerer Verletzungen).<br />

18. An Wochenenden ereignen sich vermehrt Kollisionen<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen.<br />

Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />

ist allerdings unter der Woche grösser. Als Gegenmassnahmen<br />

sind hier insbesondere vermehrte<br />

Polizeikontrollen der wichtigsten Risikofaktoren<br />

Geschwindigkeit, Alkohol und <strong>Sicherheit</strong>sgurtbenützung<br />

zu erwähnen. Wichtig wären<br />

diese vor allem tagsüber und abends, da<br />

dann wegen des grösseren Verkehrs<strong>auf</strong>kommens<br />

Kollisionen mit anderen Fahrzeugen<br />

wahrscheinlicher sind.<br />

19. Eine Rolle im Unfallgeschehen spielt auch, wer<br />

der Eigentümer des Fahrzeugs ist. Das Benützen<br />

von fremden Fahrzeugen (Mietwagen, Firmenwagen)<br />

geht mit einer geringeren Unfallschwere<br />

einher und sollte deshalb gefördert werden.<br />

Angesichts eines Kundenstamms von beispielsweise<br />

80 000 Mitgliedern bei Mobility [4] ist jedoch<br />

bei Massnahmen in diesem Bereich nicht<br />

mit einem grossen Effekt <strong>auf</strong> die Verkehrssi-<br />

cherheit zu rechnen. Die weitaus meisten Fahrzeuge<br />

werden weiterhin in Privatbesitz bleiben.<br />

20. Die Dauer des Führerausweisbesitzes von 3 und<br />

weniger Jahren erhöht bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />

Fahrzeugen das Risiko einer<br />

schweren Verletzung. Für Neulenker während<br />

der Periode des Führerscheins <strong>auf</strong> Probe wäre<br />

ein Überholverbot <strong>auf</strong> Strassen ohne bauliche<br />

Fahrtrichtungstrennung zumindest diskussionswürdig.<br />

21. Die Strassenkategorie (Eigentumsverhältnisse<br />

der Strasse) spielte einzig beim Unfalltyp «Kollision<br />

mit entgegenkommenden Fahrzeugen» eine<br />

Rolle. Verkehrsteilnehmer <strong>auf</strong> Nationalstrassen<br />

(und marginal Kantonsstrassen) weisen ein<br />

höheres Risiko <strong>auf</strong>, schwere Verletzungen zu erleiden,<br />

als <strong>auf</strong> Gemeindestrassen. Bund und<br />

Kantone sind hier also hinsichtlich der Finanzierung<br />

der notwendigen Infrastrukturmassnahmen<br />

stärker gefordert als die Gemeinden.<br />

Weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit,<br />

die sich nicht zwingend aus dem<br />

Unfallgeschehen ergeben, aber dennoch ein erhebliches<br />

Potenzial für die Prävention haben, sind Safety<br />

Audits für Strassenneubauten sowie Road Safety<br />

Inspections für bestehende Strassen. Insbesondere<br />

letzteren dürfte eine erhebliche Bedeutung für die<br />

Verkehrssicherheit <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> zukommen.<br />

Eine Massnahme, die den Autofahrern generell<br />

helfen kann, <strong>auf</strong> der Fahrbahn und in der richtigen<br />

Spur zu bleiben, sind die sogenannten Rüttelstreifen.<br />

Leider verursachen sie Lärm und können daher<br />

nur in ausreichendem Abstand zu Wohngebieten<br />

eingesetzt werden.<br />

128 Schlussfolgerungen bfu-Report Nr. 61


In der wissenschaftlichen Literatur wird immer<br />

wieder erwähnt, dass sich das Unfallgeschehen <strong>auf</strong><br />

<strong>Ausserortsstrassen</strong> ziemlich dispers verteilt, d. h.,<br />

dass es wenig lokale Unfallschwerpunkte gibt, die<br />

es sich lohnen würde zu sanieren. Diese These<br />

wurde auch für die Schweiz überprüft und konnte<br />

– mit wenigen Ausnahmen – bestätigt werden. Die<br />

Unfälle ereignen sich tatsächlich zumeist über das<br />

gesamte <strong>Ausserortsstrassen</strong>netz verteilt. Dies muss<br />

bei der Planung von Interventionen berücksichtigt<br />

werden.<br />

bfu-Report Nr. 61 Schlussfolgerungen 129


XI. Anhang<br />

1. Umfrage Strassennetz in Schweizer Gemeinden<br />

130 Anhang bfu-Report Nr. 61


fu-Report Nr. 61 Anhang 131


2. Umfrage Rettungswesen<br />

132 Anhang bfu-Report Nr. 61


fu-Report Nr. 61 Anhang 133


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Monash University; 1995. http://www.monash.edu.au. Zugriff am 19.03.09.<br />

bfu-Report Nr. 61 Quellenverzeichnis 135


[45] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Leiteinrichtungen. Zürich: VSS;<br />

1997. VSS-Norm SN 640 822.<br />

[46] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Lokalisierung und Rangierung<br />

von Unfallschwerpunkten. Zürich: VSS; 2006. VSS-Norm SN 640 009a.<br />

[47] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Knoten; Sichtverhältnisse.<br />

Zürich: VSS; 1992. VSS-Norm SN 640 273.<br />

[48] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Fussgängerverkehr; Fussgängerstreifen.<br />

Zürich: VSS; 2000. VSS-Norm SN 640 241.<br />

[49] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Besondere Markierungen;<br />

Anwendungsbereiche, Formen und Abmessungen. Zürich: VSS; 2002. VSS-Norm SN 640 851.<br />

[50] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Temporäre Signalisation <strong>auf</strong><br />

Haupt- und Nebenstrassen. Zürich: VSS; 2002. VSS-Norm SN 640 886.<br />

[51] S.A.F.E.Schweizerische Agentur für Energieeffizienz. ÖB: Volle <strong>Sicherheit</strong> – halber Stromverbrauch.<br />

ET Licht. 2008;40–41. www.energieeffizienz.ch. Zugriff am 19.03.2009.<br />

[52] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Sprechfunk und weitere Telekommunikationsmittel.<br />

Zürich: VSS; 1999. VSS-Norm SN 640 712a.<br />

[53] Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu. Erarbeitung der Grundlagen für eine<br />

Strassenverkehrssicherheitspolitik des Bundes (VESIPO). Bern; 2002. Schlussbericht 1022 A.<br />

[54] Perrillo K. The Effectiveness and Use of Continuous Shoulder Rumble Strips. Albany, New York:<br />

Federal Highway Administration; 1998. Transportation Research Record 1573.<br />

[55] Cheng EY, Gonzalez E, Christensen M. Application and Evaluation of Rumble Strips on Highways.<br />

Utah Department of Transportation.<br />

http://safety.fhwa.dot.gov/roadway_dept/rumble/synthesis/pro_res_rumble_library.htm. Zugriff<br />

am 26.11.2008.<br />

[56] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Markierungen; Ausgestaltung<br />

und Anwendungsbereiche. Zürich: VSS; 2005. VSS-Norm SN 640 850a.<br />

[57] Walter E, Cavegn M, Allenbach R, Scaramuzza G. Fahrradverkehr: Unfallgeschehen, Risikofaktoren<br />

und Prävention. Bern: bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung; 2005. bfu-<strong>Sicherheit</strong>sdossier<br />

02.<br />

136 Quellenverzeichnis bfu-Report Nr. 61


fu-Reports<br />

Kostenlose Bestellungen unter http://www.bfu.ch/German/shop/Seiten/default.aspx<br />

Neuere Publikationen können zudem heruntergeladen werden.<br />

Die meisten bfu-Reports existieren nur in deutscher Sprache mit Zusammenfassungen in Französisch, Italienisch<br />

und Englisch.<br />

Report 60 Gianantonio Scaramuzza (2008)<br />

Prozess-Evaluation des bfu-Modells Tempo 50/30 innerorts – Umsetzung, Einstel-<br />

lungen und Kenntnis<br />

Report 59 Jacqueline Bächli-Biétry & Uwe Ewert (2008)<br />

Verhalten, Einstellungen und Unfallerfahrungen von Motorradfahrern – Eine<br />

Längsschnittstudie über 10 Jahre<br />

Report 58 Heini Sommer, Othmar Brügger, Christoph Lieb & Steffen Niemann (2007)<br />

Volkswirtschaftliche Kosten der Nichtberufsunfälle in der Schweiz: Strassenver-<br />

kehr, Sport, Haus und Freizeit<br />

Report 57 Chantal Piot-Ziegler, Pascal Gerber & Mélanie Demierre (2006)<br />

Evaluation du programme d’implantation du protecteur de hanches dans les<br />

établissements accueillant des personnes âgées<br />

Report 56 Othmar Brügger, Monique Walter & Vladmir Sulc (2005)<br />

Unfallprävention im Schneesport – Kenntnisse, Einstellungen und Verhalten der<br />

Schneesportler und Ausbildner<br />

Report 55 Beatrice Fuchs, Cécile Gmünder, Othmar Brügger, Mario Cavegn & Moni-<br />

que Walter (2005)<br />

Persönliche Schutzausrüstung im Schneesport – Erhebung des Tragverhaltens und<br />

der Traggründe<br />

Report 54 Othmar Brügger (2004)<br />

Helm und Handgelenkschutz im Schneesport – Schutzwirkung und Anforderun-<br />

gen<br />

Report 53 Uwe Ewert & Beatrice Fitz (2004)<br />

<strong>Sicherheit</strong>sgurt – Gründe für das Nichttragen und Massnahmen zur Erhöhung der<br />

Tragquote<br />

Report 52 Jacqueline Bächli-Biétry (2003)<br />

Evaluation der bfu-Nachschulungskurse für Alkohol<strong>auf</strong>fällige im Rahmen der EU-<br />

Studie ANDREA<br />

bfu-Report Nr. 61 bfu-Reports 137


Report 51 Ulrich Salvisberg, Roland Allenbach & Markus Hubacher (2003)<br />

Verkehrssicherheit in Autobahn- und Autostrassentunneln des Nationalstrassen-<br />

netzes<br />

Report 50 Othmar Brügger (Hrsg.) (2003)<br />

Inline-Skating: Unfallgeschehen und -prävention. Literaturübersicht – Unfallstudie<br />

– Schutzverhalten<br />

Report 49 Jacqueline Bächli-Biétry & Stefan Siegrist (2003)<br />

Dummies never die! – Ergebnis- und Prozessevaluation einer Unfallverhütungs-<br />

kampagne der bfu 1999–2001<br />

Report 48 Markus Hubacher & Roland Allenbach (2002)<br />

Anlagespezifische Untersuchung sicherheitsrelevanter Aspekte von vierarmigen<br />

Kreuzungen im Innerortsbereich<br />

Report 47 Stefan Siegrist, Jacqueline Bächli-Biétry & Steve Vaucher (2001)<br />

Polizeikontrollen und Verkehrssicherheit – Erhebung der Kontrolltätigkeit, Befra-<br />

gung von Fahrzeuglenkern und Polizeibeamten, Optimierungsvorschläge<br />

Report 46 Harry Telser & Peter Zweifel (2000)<br />

Prävention von Schenkelhalsfrakturen durch Hüftprotektoren – Eine ökonomische<br />

Analyse<br />

Report 45 Markus Hubacher (2000)<br />

Die Akzeptanz des Hüftprotektors bei zu Hause lebenden Senioren ab 70 Jahren<br />

Report 44 Markus Hubacher & Albert Wettstein (2000)<br />

Die Wirksamkeit des Hüftprotektors zur Vermeidung von sturzbedingten Schen-<br />

kelhalsfrakturen<br />

Report 43 Roland Müller (2000)<br />

Personen-Kollisionen beim Schneesport – Häufigkeit und mögliche Ursachen<br />

Report 42 Valeria Beer, Christoph Minder, Markus Hubacher & Theodor Abelin (2000)<br />

Epidemiologie der Seniorenunfälle<br />

Report 41 Stefan Siegrist, Roland Allenbach & Caroline Regli (1999)<br />

Velohelme – Erhebung des Tragverhaltens und der Traggründe<br />

Report 40 Stefan Siegrist (ed.) (1999)<br />

Driver training, testing and licensing – towards theory-based management of<br />

young drivers’ injury risk in road traffic<br />

Report 39 Roland Müller (1999)<br />

Fitness-Center – Verletzungen und Beschwerden beim Training<br />

Report 38 Uwe Ewert (1999)<br />

Autofahrer in der Schweiz und in Europa: Meinungen und Einstellungen im<br />

Längs- und Querschnittsvergleich<br />

Report 37 Jacqueline Bächli-Biétry (1998)<br />

Konkretisierung des Schweizer 2-Phasen-Modells der Fahrausbildung<br />

vergriffen<br />

nur als PDF verfügbar<br />

138 bfu-Reports bfu-Report Nr. 61


Report 36 Jacqueline Bächli-Biétry (1998)<br />

Konkretisierung eines Ausbildungskonzeptes für Velo- und Mofafahrer an der<br />

Oberstufe<br />

Report 35 Anne Eckhardt & Esther Seitz (1998)<br />

Wirtschaftliche Bewertung von <strong>Sicherheit</strong>smassnahmen<br />

Report 34 Amos S. Cohen (1998)<br />

Visuelle Orientierung im Strassenverkehr – Eine empirische Untersuchung zur<br />

Theorie des visuellen Abtastens<br />

Report 33 Gianantonio Scaramuzza & Uwe Ewert (1997)<br />

<strong>Sicherheit</strong>stechnische Analyse von Fussgängerstreifen – Empfehlungen zu Bau<br />

und Betrieb<br />

Report 32 Markus Hubacher & Uwe Ewert (1997)<br />

Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 65 Jahren<br />

Report 31 Roland Allenbach, Markus Hubacher, Christian Ary Huber &<br />

Stefan Siegrist (1996)<br />

Verkehrstechnische und -psychologische <strong>Sicherheit</strong>sanalyse von Strassenabschnit-<br />

ten<br />

Report 30 Charles Fermaud, Hans Merz & Walter Müller (1996)<br />

Das Unfallgeschehen im Jahr 2010 – Unfallprognosen für Strassenverkehr, Sport<br />

und Haushalt als Grundlage für eine schwerpunktorientierte Unfallprävention<br />

Report 29 Lüzza Rudolf Campell (1996)<br />

Snowboardunfälle – Multizentrische schweizerische Snowboardstudie 1992/93<br />

Report 28 Uwe Ewert & Markus Hubacher (1996)<br />

Wirksamkeit von Informationsfilmen und Werbesports zur Unfallverhütung<br />

Report 27 Raphael Murri (1995)<br />

<strong>Sicherheit</strong>süberprüfung von Dachlastenträgern<br />

Report 26 Markus Hubacher & Uwe Ewert (1994)<br />

Einstellungen und Merkmale der Fahrzeugbenützung jugendlicher Velo- und<br />

Mofafahrer<br />

Report 25 Roland Haldemann & Walter Weber (1994)<br />

Verkehrssicherheit <strong>auf</strong> Schulwegen<br />

Report 24 Markus Hubacher (1994)<br />

Das Unfallgeschehen bei Kindern im Alter von 0 bis 16 Jahren<br />

Report 23 Stefan Siegrist (1994)<br />

5. Internationaler Workshop Driver Improvement (DI) in Locarno, 1993<br />

Report 22 Uwe Ewert (1994)<br />

Der Einfluss von Person und Situation <strong>auf</strong> die Beachtung von Verkehrsvorschriften<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

bfu-Report Nr. 61 bfu-Reports 139


Report 21 Raphael Denis Huguenin, Christian Scherer, Rolf-Peter Pfaff, Thomas<br />

Fuchs & Charles Goldenbeld (1994)<br />

Meinungen und Einstellungen von Autofahrern in der Schweiz und in Europa<br />

Report 20 Jörg Thoma (1993)<br />

Geschwindigkeitsverhalten und Risiken bei verschiedenen Strassenzuständen,<br />

Wochentagen und Tageszeiten<br />

Report 19 Stefan Siegrist (1992)<br />

Das Bedingungsgefüge von wiederholtem Fahren in angetrunkenem Zustand aus<br />

handlungstheoretischer Sicht – Grundlagen für die Erarbeitung einer spezialprä-<br />

ventiven Massnahme<br />

Report 18 Stefan Siegrist & Erich Ramseier (1992)<br />

Erfolgskontrolle von Fortbildungskursen für Autofahrer – Der Einfluss <strong>auf</strong> die<br />

Unfallbeteiligung, am Beispiel des Verkehrssicherheitszentrums Veltheim, VSZV<br />

Report 17 Thomas Nussbaum, Rudolf Groner & Marina Groner (1991)<br />

Regionale, situative und fahrbedingte Aspekte von Unfallprotokollen unter Be-<br />

rücksichtigung der Verkehrsdichte<br />

Report 16 Jacqueline Bächli-Biétry (1991)<br />

Erarbeitung einer Methode zur theoretischen Prüfung des Verkehrssinns<br />

Report 15 Jacqueline Bächli-Biétry (1990)<br />

Erfolgskontrolle von theoretischem Verkehrssinnunterricht im Verl<strong>auf</strong> der Fahr-<br />

ausbildung<br />

Report 14 Karin Mayerhofer, Christian Scherer & Urs Kalbermatten (1990)<br />

Psychogramm des jugendlichen Autolenkers<br />

Report 13 Amos S. Cohen & Helmut T. Zwahlen (1989)<br />

Blicktechnik in Kurven – Wissenschaftliches Gutachten<br />

Report 12 Thomas Nussbaum, Rudolf Groner & Marina Groner (1989)<br />

Systemanalyse des Unfallgeschehens im Strassenverkehr anhand des loglinearen<br />

Modells<br />

Report 11 Raphael Denis Huguenin, Käthi Engel & Paul Reichardt (1988)<br />

Evaluation von Kursen für <strong>auf</strong>fällige Lenker in der Schweiz<br />

Report 10 Ernst Hess & Peter Born (1987)<br />

Erfolgskontrolle von Antischleuderkursen – Der Einfluss <strong>auf</strong> die Unfallbeteiligung,<br />

am Beispiel der Antischleuderschule Regensdorf ZH, ASSR<br />

Report 9 Christian Scherer (1987)<br />

Das Verkehrssicherheitsplakat – Leitfaden für die Gestaltung neuer Plakate<br />

Report 8 Raphael Denis Huguenin, Martin Bauer & Karin Mayerhofer (1985)<br />

Das Automobil in den Massenmedien – Der Einfluss <strong>auf</strong> die <strong>Sicherheit</strong>seinstellung<br />

Report 7 Christian Scherer (1984)<br />

Unfälle zwischen Fussgängern und Fahrzeugen – Dokumentation über Unfallursa-<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

140 bfu-Reports bfu-Report Nr. 61


chen und -hintergründe sowie Massnahmen zur Unfallverhütung<br />

Report 6 Ernst Hess (1982)<br />

Einstellungsbeeinflussung in Weiterausbildungskursen für Autofahrer – Eine Eva-<br />

luationsstudie<br />

Report 5 Raphael Denis Huguenin & Ernst Hess (1982)<br />

Driver Improvement – Rahmenbedingungen und Methoden der Verhaltensbeein-<br />

flussung in der Ausbildung, Weiterausbildung und Nachschulung von Fahrzeug-<br />

lenkern (Bericht über den zweiten Internationalen Workshop in Gwatt)<br />

Report 4 Raphael Denis Huguenin & Christian Scherer (1982)<br />

Möglichkeiten und Grenzen von Verkehrssicherheitskampagnen – Zur Theorie<br />

und Praxis von Unfallverhütungsaktionen<br />

Report 3 Raphael Denis Huguenin (1980)<br />

Die Alkoholvorschriften aus psychologischer Sicht<br />

Report 2 Raphael Denis Huguenin (1979)<br />

Zweite Validierung der psychologischen Gruppenuntersuchung nach «Beck»<br />

Report 1 Raphael Denis Huguenin (1978)<br />

Einstellung (Attitüden) und Trinkverhalten von Automobilisten<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

bfu-Report Nr. 61 bfu-Reports 141


fu-Pilotstudien<br />

Strassenverkehr<br />

R 0617-1 Martin Schmotz, Hervé Ruffieux, Thierry Pucci, Christian A. Huber (2006)<br />

Methodenvergleich VSS–EuroRAP: Evaluierung der beiden Methoden zur Lokali-<br />

sierung von Unfallstellen am Beispiel ausgewählter Strecken<br />

R 0617-2 Martin Schmotz, Hervé Ruffieux, Thierry Pucci, Christian A. Huber (2006)<br />

Comparaison des méthodes VSS et EuroRAP: Evaluation de deux méthodes de<br />

localisation d’endroits à concentration d’accidents sur des tronçons choisis<br />

R 0607 Uwe Ewert (2006)<br />

Senioren als motorisierte Verkehrsteilnehmer<br />

R 0605 Scaramuzza Gianantonio & Mario Cavegn (2006)<br />

Geisterfahrer: Unfallgeschehen – Interventionen<br />

R 0602 Roland Allenbach (2006)<br />

Sport Utility Vehicles (SUVs) – Analyse der Verkehrssicherheitsaspekte und Ablei-<br />

tung von Massnahmen<br />

R 0509 Christian Scherer (2005)<br />

bfu-Einsatzmittel zur Verkehrserziehung (Meinungsumfrage zu Stoppli-Malbuch,<br />

Stoppli-Kalender und Stoppli-Puppe bei Verkehrsinstruktoren, Kindergärtner/innen<br />

und Lehrpersonal des 1. und 2. Schuljahres)<br />

R 0405 Ulrich Salvisberg & Kurt Bischof (2004)<br />

Benutzungsquote von Kinderrückhaltesystemen<br />

R 9917 Patrick Eberling & Gianantonio Scaramuzza (1999)<br />

Betrieb von Kreuzungen mit Rechtsvortritt<br />

R 9904 Uwe Ewert (1999)<br />

<strong>Sicherheit</strong> an Fussgängerstreifen: Auswirkungen einer gesetzlichen Neuregelung<br />

und begleitender Verkehrssicherheitskampagne<br />

R 9828 Markus Hubacher & Niklaus Moor (1998)<br />

Inhaltsanalytische Betrachtung der Autowerbung von 1987 bis 1996<br />

R 9826 Roland Allenbach & Markus Hubacher (1998)<br />

Analyse von gefährlichen Kreuzungen und Einmündungen mit Lichtsignalanlagen<br />

R 9616 Urs Gerhard, Esther Biedert, Viktor Hobi, Irene Hug & Dieter Laedwig<br />

(1996)<br />

Der Einfluss jahrelanger Heroinabhängigkeit <strong>auf</strong> kognitiv-psychomotorische Funk-<br />

tionen<br />

vergriffen<br />

nur als PDF verfügbar<br />

vergriffen<br />

nur als PDF verfügbar<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

142 bfu-Pilotstudien bfu-Report Nr. 61


R 9615 Gerald J.S. Wilde & Sébastien L. Simonet (1996)<br />

Economic Fluctuations and the Traffic Accident Rate in Switzerland – A longitudi-<br />

nal Perspective<br />

R 9431 Caroline Biner & Uwe Ewert (1994)<br />

Typische Verhaltensweisen und Einstellungen von älteren Fussgängern<br />

R 9422 Christian Ary Huber & Fredi Bühlmann (1994)<br />

<strong>Sicherheit</strong> von Kreiselanlagen – Erfahrungen und vorläufige Empfehlungen<br />

R 9411 Uwe Ewert (1994)<br />

Zum Verständnis von Lichtsignalregelungen beim Linksabbiegen<br />

R 9221 Ursula Zimmermann (1992)<br />

Analyse von Medikamenten-Packungszetteln bezüglich der Information über<br />

gefährliche Nebenwirkungen von Arzneimitteln für das Autofahren<br />

R 9032 Jörg Thoma (1990)<br />

Das gesamte Ausmass der Strassenverkehrsunfälle<br />

R 8311 Christan Scherer (1983)<br />

Haus und Freizeit<br />

Anhaltebereitschaft von PW-Lenkern gegenüber sehbehinderten Fussgängern<br />

beim Überqueren de Strasse<br />

R 9707 Uwe Ewert (1997)<br />

<strong>Sicherheit</strong> von Senioren an Rolltreppen<br />

R 8828 Christian Scherer, Marin Hugi & Markus Hubacher (1988)<br />

Sport<br />

Inhaltsanalyse von Gebrauchsanweisungen am Beispiel von Rasenmäher, Ketten-<br />

säge und Allesschneider<br />

R 0606 Othmar Brügger (2006)<br />

Allgemeine Pilotstudien<br />

Auswirkungen des Tragens des Schneesporthelms <strong>auf</strong> das Unfallgeschehen<br />

R 0609 Jacqueline Bächli-Biétry, Christoph Müller, Christian Scherer (2006)<br />

Prozesse und Erfolge bei der Anwendung ausgewählter Safety Tools<br />

R 0409 Christoph Müller, Uwe Ewert, Jacqueline Bächli-Biétry (2004)<br />

<strong>Sicherheit</strong>sförderung an Schulen – 2. Meinungsumfrage zu Bekanntheit, Verbrei-<br />

tung und Anwendung von Safety Tool in Schulen<br />

R 0205 Uwe Ewert & Valeria Beer (2002)<br />

Unfallbezogene Aspekte der Schweizerischen Gesundheitsbefragung<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

bfu-Report Nr. 61 bfu-Pilotstudien 143


R 0202 Jacqueline Bächli-Biétry (2002)<br />

Die bfu-<strong>Sicherheit</strong>sdelegierten in den Gemeinden – Bestandes<strong>auf</strong>nahme der Aktivitäten<br />

und der Rahmenbedingungen<br />

R 0114 Valeria Beer & Uwe Ewert (2001)<br />

Analyse bestehender Daten zur Unfallverhütung<br />

R 0108 Christoph Müller, Uwe Ewert, Jacqueline Bächli-Biétry (2001)<br />

<strong>Sicherheit</strong>sförderung an Schulen – Meinungsumfrage zu Bekanntheit, Verbreitung und<br />

Anwendung von Safety Tool in Schulen<br />

R 0009 Roland Allenbach (2000)<br />

Nichtberufsunfälle in der Schweiz – Das gesamte Ausmass im Jahr 1997<br />

R 9906 Jacqueline Bächli-Biétry & Uwe Ewert (1999)<br />

Evaluation der Spielekartei zur <strong>Sicherheit</strong>serziehung und Bewegungsförderung<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

vergriffen<br />

144 bfu-Report Nr. 61


Sicher leben: Ihre bfu.<br />

Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag für die <strong>Sicherheit</strong><br />

ein. Als Schweizer Kompetenzzentrum für Unfallprävention<br />

forscht sie in den Bereichen Strassenverkehr, Sport sowie<br />

Haus und Freizeit und gibt ihr Wissen durch Beratungen,<br />

Aus bildungen und Kom munikation an Privatpersonen<br />

und Fachkreise weiter. Mehr über Unfall prävention <strong>auf</strong><br />

www.bfu.ch.<br />

© bfu 2009. Alle Rechte vorbehalten; Reproduktion (z. B. Fotokopie), Speicherung, Verarbeitung<br />

und Verbreitung sind mit Quellenangabe (s. Zitationsvorschlag) gestattet.<br />

bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Postfach 8236, CH-3001 Bern<br />

Tel. +41 31 390 22 22, Fax +41 31 390 22 30, info @ bfu.ch, www.bfu.ch<br />

2.033.01 – 04.2009

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