Sicherheit auf Ausserortsstrassen - BfU
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fu-Report Nr. 61<br />
<strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
Autoren: Bern 2009<br />
Uwe Ewert, Patrick Eberling<br />
bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung
F<br />
bfu-Report Nr. 61<br />
<strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
Autoren: Bern 2009<br />
Uwe Ewert, Patrick Eberling<br />
bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung
Autoren<br />
Uwe Ewert<br />
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Forschung, bfu, u.ewert@bfu.ch<br />
Dr. phil., MPH; Psychologiestudium an der Universität Freiburg i.Br. Seit 1993 wissenschaftlicher<br />
Mitarbeiter der bfu. Forschungsschwerpunkte: Einstellungen und Verhalten<br />
von Verkehrsteilnehmern, Fussgänger, Senioren, <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong>,<br />
Benützung von <strong>Sicherheit</strong>sgurten, Geschwindigkeit.<br />
Patrick Eberling<br />
Berater Verkehrstechnik, bfu, p.eberling@bfu.ch<br />
Dipl. Ing. ETH; Bauingenieurstudium an der ETH Zürich; 1995–1997 Assistent am<br />
Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT) an der ETH Zürich.<br />
1997–1998 Assistent an der Hong Kong Polytechnic University. 1998–2002 beratender<br />
Ingenieur in der Abteilung Verkehrstechnik der bfu. 2002–2004 Sektionsleiter<br />
Verkehrstechnik Baudepartement Kanton Aargau. Seit 2004 stellvertretender Leiter<br />
der Abteilung Verkehrstechnik der bfu. Schwerpunkte: Markierungen, verkehrstechnische<br />
Unfallanalysen, Safety Audits, Massnahmenevaluation, Strassenraumgestaltung.
Impressum<br />
Herausgeberin bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung<br />
Postfach 8236<br />
CH-3001 Bern<br />
Tel. +41 31 390 22 22<br />
Fax +41 31 390 22 30<br />
info@bfu.ch<br />
www.bfu.ch<br />
Bezug http://shop.bfu.ch<br />
Autoren Uwe Ewert, Dr. phil., Wissenschaftlicher Mitarbeiter Forschung, bfu<br />
Patrick Eberling, dipl. Ing. ETH, Berater Verkehrstechnik, bfu<br />
Redaktion Roland Allenbach, dipl. Ing. ETH, Leiter Forschung, bfu<br />
Druck/Auflage Bubenberg Druck- und Verlags-AG, Monbijoustrasse 61, CH-3007 Bern<br />
1/2009/750<br />
© bfu/FVS 2009 Alle Rechte vorbehalten; Reproduktion (z. B. Fotokopie), Speicherung, Verarbeitung und<br />
Verbreitung sind mit Quellenangabe (s. Zitationsvorschlag) gestattet.<br />
Dieser Bericht wurde im Auftrag des Fonds für Verkehrssicherheit (FVS) hergestellt. Für den<br />
Inhalt ist die bfu verantwortlich.<br />
Zitationsvorschlag Ewert U, Eberling P. <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong>. Bern: bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung;<br />
2009. bfu-Report 61.<br />
ISBN 3-908192-27-7<br />
Aus Gründen der Lesbarkeit verzichten wir dar<strong>auf</strong>, konsequent die männliche und weibliche<br />
Formulierung zu verwenden.<br />
Aufgrund von Rundungen sind im Total der Tabellen leichte Differenzen möglich.<br />
Wir bitten die Leserschaft um Verständnis.
Vorwort<br />
Landstrassen werden häufig als die schönsten Strassen in unserem Land wahrgenommen. Sie führen an<br />
Seen entlang, über Berge und durch Wälder. Im Mittelland sind sie relativ stark befahren. <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
(ohne Autobahnen) – dies ist der Fachbegriff – sind aber auch sehr gefährlich. Hier stirbt bei Unfällen<br />
mehr als die Hälfte aller Strassenverkehrsopfer. <strong>Ausserortsstrassen</strong> sind besondere Strassen, weil sie verschiedene<br />
Aufgaben zu erfüllen haben. Auf ihnen sind sehr unterschiedliche Verkehrsteilnehmende unterwegs,<br />
was zu gefährlichen Fahrmanövern und schweren Unfällen wie Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen oder mit Fussgängern sowie auch zum Abkommen von der Strasse führen kann.<br />
Die Einflussfaktoren, die zu Ausserortsunfällen führen können, sind vielfältig. Eine besondere Methode der<br />
statistischen Analyse konnte <strong>auf</strong>zeigen, dass neben den bekannten Risikofaktoren wie Alkohol, Geschwindigkeit<br />
oder fehlende <strong>Sicherheit</strong>sgurtbenutzung auch die Art des gefahrenen Fahrzeugs, das Kollisionsobjekt<br />
oder verschiedene verkehrstechnische Faktoren einen Einfluss <strong>auf</strong> die Unfallschwere haben.<br />
Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung hat sich mit einem interdisziplinären Team diesem Thema<br />
gewidmet. Den Autoren und anderen beteiligten Personen aus den verschiedensten Disziplinen (Verkehrstechnik,<br />
Recht, Statistik, Psychologie und Gesundheitswissenschaft) sei hiermit herzlich gedankt. Sie haben<br />
teilweise sogar neue Grundlagen für die vorliegende umfassende Studie geschaffen (Umfrage zu den<br />
Rettungsdiensten, Inventar der <strong>Ausserortsstrassen</strong>).<br />
Die Massnahmen, die aus dieser Studie abgeleitet werden, unterstützen bisherige Forderungen der bfu,<br />
wie beispielsweise ein Alkoholverbot für Neulenker. Aber auch neue Massnahmen werden empfohlen,<br />
wie eine stärkere Förderung von Fahrzeugen mit elektronischer Stabilitätskontrolle, vermehrte bauliche<br />
Trennung der Fahrtrichtungen <strong>auf</strong> stark frequentierten Strassen oder die Entfernung von Hindernissen, die<br />
zu nah am Strassenrand stehen.<br />
Einige dieser Vorschläge werden nicht unumstritten sein, aber die Diskussion darüber ist notwendig. Das<br />
Problem der (Un-)<strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> Landstrassen ist zu gross, als dass man es ignorieren darf.<br />
bfu<br />
Brigitte Buhmann, Dr. rer. pol.<br />
Direktorin<br />
bfu-Report Nr. 61 Vorwort 5
Inhalt<br />
Vorwort 5<br />
Inhalt 7<br />
I. Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 13<br />
1. <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> 13<br />
2. Sécurité des routes hors localité 19<br />
3. Sicurezza sulle strade extraurbane 24<br />
4. Safety on rural roads 29<br />
II. Einleitung 34<br />
III. Problemdarstellung 35<br />
IV. Vorarbeiten 36<br />
1. OECD-Bericht: Safety Strategies For Rural Roads 36<br />
2. Streckennetz 37<br />
3. Befragung zum Thema Rettungswesen 39<br />
V. Vorgehen 41<br />
1. Methodik 41<br />
2. Aufteilung in 5 Unfallklassen 42<br />
VI. Resultate 44<br />
1. Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen 44<br />
1.1 Fortbewegungsmittel 44<br />
1.2 Rückhaltesystem/Helm 45<br />
1.3 Strassenart 45<br />
1.4 Möglicher Alkoholeinfluss beim Lenker 46<br />
1.5 Grossregion 46<br />
1.6 Strassenanlage (Längsneigung der Strasse) 47<br />
1.7 Höchstgeschwindigkeit 48<br />
1.8 Alter der beteiligten Person 49<br />
1.9 Geschlecht der beteiligten Person 49<br />
1.10 Uhrzeit 50<br />
1.11 Strassenzustand 51<br />
bfu-Report Nr. 61 Inhalt 7
1.12 Unfallstelle 52<br />
1.13 Personenart 52<br />
1.14 Künstliche Beleuchtung 53<br />
1.15 Wochentag 53<br />
1.16 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit 54<br />
1.17 Strassenkategorie 55<br />
1.18 Dauer des Führerausweisbesitzes 56<br />
1.19 Vortrittsregelung 56<br />
1.20 Angaben zum Lenker 57<br />
1.21 Nicht signifikante Variablen 58<br />
2. Kollision mit festen Hindernisssen ausserhalb der Fahrbahn 58<br />
2.1 Fortbewegungsmittel 59<br />
2.2 Rückhaltesysteme / Helm 59<br />
2.3 Kollisionsobjekt 60<br />
2.4 Möglicher Alkoholeinfluss beim Lenker 61<br />
2.5 Grossregion 62<br />
2.6 Alter der beteiligten Person 62<br />
2.7 Strassenzustand 63<br />
2.8 Geschlecht der beteiligten Person 63<br />
2.9 Personenart 64<br />
2.10 Unfallstelle 64<br />
2.11 Strassenart 65<br />
2.12 Uhrzeit 65<br />
2.13 Höchstgeschwindigkeit 67<br />
2.14 Strassenanlage (Längsneigung der Strasse) 67<br />
2.15 Künstliche Beleuchtung 68<br />
2.16 Nicht signifikante Variablen 68<br />
3. Kollisionen an Knoten 69<br />
3.1 Fortbewegungsmittel 70<br />
3.2 Rückhaltesystem / Helm 70<br />
3.3 Möglicher Alkoholeinfluss beim Lenker 70<br />
3.4 Alter der beteiligten Person 70<br />
3.5 Geschlecht der beteiligten Person 71<br />
3.6 Grossregion 71<br />
3.7 Höchstgeschwindigkeit 72<br />
3.8 Unfallstelle 72<br />
3.9 Vortrittsregelung 73<br />
8 Inhalt bfu-Report Nr. 61
3.10 Uhrzeit 74<br />
3.11 Personenart 75<br />
3.12 Künstliche Beleuchtung 76<br />
3.13 Wochentag 76<br />
3.14 Angaben zum Lenker 76<br />
3.15 Strassenzustand 77<br />
3.16 Dauer des Führerausweisbesitzes 78<br />
3.17 Nicht signifikante Variablen 78<br />
4. Unfälle ohne Kollisionen 78<br />
4.1 Fortbewegungsmittel 78<br />
4.2 Rückhaltesystem / Helm 79<br />
4.3 Grossregion 80<br />
4.4 Alter der beteiligten Person 81<br />
4.5 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit 81<br />
4.6 Strassenzustand 82<br />
4.7 Unfallstelle 82<br />
4.8 Personenart 82<br />
4.9 Strassenart 83<br />
4.10 Geschlecht der beteiligten Person 83<br />
4.11 Nicht signifikante Variablen 84<br />
5. Kollisionen mit Fussgängern 84<br />
5.1 Personenart 85<br />
5.2 Fortbewegungsmittel 85<br />
5.3 Vortrittsregelung 85<br />
5.4 Künstliche Beleuchtung 86<br />
5.5 Geschlecht der beteiligten Person 87<br />
5.6 Nicht signifikante Variablen 87<br />
VII. Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz 88<br />
1. Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen 88<br />
2. Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn 89<br />
3. Kollisionen an Knoten 89<br />
4. Ausmass und Qualität der Geokodierung 90<br />
VIII. Massnahmen 91<br />
1. Generelle Massnahmen für die Verbesserung der <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> 91<br />
1.1 Fortbewegungsmittel 91<br />
1.1.1 Personenwagen 91<br />
bfu-Report Nr. 61 Inhalt 9
1.1.2 Motorräder 92<br />
1.2 Rückhaltesystem / Helm 92<br />
1.2.1 Helm 92<br />
1.2.2 <strong>Sicherheit</strong>sgurt 93<br />
1.3 Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker 93<br />
1.4 Höchstgeschwindigkeit 95<br />
1.5 Strassenzustand 96<br />
1.6 Strassenanlage (Längsneigung der Strasse) 97<br />
1.7 Angaben zum Lenker 98<br />
1.8 Alter der beteiligten Person 99<br />
1.9 Geschlecht der beteiligten Person 100<br />
2. Massnahmen gegen bestimmte Unfallklassen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> 101<br />
2.1 Kollisionsobjekt 101<br />
2.1.1 Art des Kollisionsobjekts 101<br />
2.1.2 Abstand des Kollisionsobjekts vom Strassenrand 102<br />
2.1.3 Neigung der Böschung 103<br />
2.1.4 Schlussfolgerungen 104<br />
2.2 Strassenart 106<br />
2.2.1 Einleitung 106<br />
2.2.2 Kollision mit entgegenkommenden Fahrzeugen 107<br />
2.2.3 Kollision mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn 109<br />
2.2.4 Schlussfolgerung 110<br />
2.3 Personenart 110<br />
2.4 Unfallstelle 111<br />
2.4.1 Kurven 111<br />
2.4.2 Gerade Strecke 112<br />
2.4.3 Knoten 112<br />
2.5 Vortrittsregelung 113<br />
2.5.1 Fussgänger 115<br />
2.5.2 Bahnübergänge 115<br />
2.5.3 Baustellen 115<br />
2.6 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit 116<br />
2.7 Künstliche Beleuchtung 117<br />
2.8 Grossregion 118<br />
2.9 Uhrzeit 118<br />
2.9.1 Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen 119<br />
2.9.2 Kollision mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn 119<br />
10 Inhalt bfu-Report Nr. 61
2.9.3 Kollision an Knoten 119<br />
2.10 Wochentag 119<br />
2.11 Dauer des Führerausweisbesitzes 120<br />
2.12 Strassenkategorie 120<br />
3. Weitere Präventionsmassnahmen 120<br />
3.1 Safety Audit 120<br />
3.2 Road Safety Inspection 121<br />
3.3 Rüttelstreifen 121<br />
IX. Methodenkritik 123<br />
X. Schlussfolgerungen 126<br />
XI. Anhang 130<br />
1. Umfrage Strassennetz in Schweizer Gemeinden 130<br />
2. Umfrage Rettungswesen 132<br />
Quellenverzeichnis 134<br />
bfu-Reports 137<br />
bfu-Pilotstudien 142<br />
bfu-Report Nr. 61 Inhalt 11
I. Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract<br />
1. <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
In der vorliegenden Studie wurde die Verkehrssicherheit<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> (ohne Autobahnen)<br />
untersucht. Hier geschieht ein grosser Anteil<br />
der Unfälle, die oft auch schwere Folgen<br />
haben. Im Durchschnitt sterben pro Jahr 53 %<br />
aller <strong>auf</strong> Schweizer Strassen getöteten Personen<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong>. Seit 1992 ist eine positive<br />
Entwicklung zu beobachten. Die Anzahl Getöteter<br />
sank von damals 453 <strong>auf</strong> 196 im Jahr 2007.<br />
Dennoch ist und bleibt die Ausserortsstrasse die<br />
gefährlichste Strasse in der Schweiz. Der vorliegende<br />
Bericht will einen Beitrag dazu leisten,<br />
dass die <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> weiter<br />
ansteigt.<br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> sind ein besonderer Strassentyp,<br />
der vielfältige Aufgaben zu erfüllen hat:<br />
Einerseits werden dar<strong>auf</strong> beachtliche Entfernungen<br />
überwunden. Das führt dazu, dass die Geschwindigkeitslimiten<br />
nicht zu tief angesetzt<br />
werden können. Andererseits vermischen sich<br />
die verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen,<br />
die sich hinsichtlich ihrer Geschwindigkeiten und<br />
Massen deutlich unterscheiden. Aus dieser verhältnismässig<br />
grossen Heterogenität des Verkehrsgeschehens<br />
erklärt sich zumindest ein Teil<br />
der Probleme, die <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> bestehen.<br />
In den Jahren 1998 und 1999 setzte die OECD<br />
eine Arbeitsgruppe zum Thema <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong><br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> ein. Daraus resultierte ein<br />
Bericht [1] der sich mit dem Ausmass des Problems<br />
und den möglichen Lösungsansätzen beschäftigte.<br />
In den Mitgliedsländern der OECD<br />
starben damals jährlich <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
rund 75 000 Personen. Der Anteil Getöteter liegt<br />
in den meisten Ländern Mitteleuropas bei rund<br />
50–60 % aller im Verkehr Getöteten. Als wichtigste<br />
Unfallklassen stellten sich die Selbstunfälle,<br />
die Frontalkollisionen und Unfälle an Knoten<br />
(Kreuzungen und Einmündungen) heraus. Ausgehend<br />
von dem Mensch-Maschine-Umwelt-<br />
Modell wurde im Bericht eine ganze Reihe von<br />
möglichen Massnahmen zur Verbesserung der<br />
<strong>Sicherheit</strong> in den Bereichen Strassenbau, Verkehrsüberwachung,<br />
Telematik und Rettungswesen<br />
analysiert.<br />
Die im Folgenden kurz dargestellte Befragung<br />
der Rettungsdienste aus dem Jahr 2000 [2] sollte<br />
einen Beitrag dazu leisten, die Probleme des<br />
Rettungswesens <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> in der<br />
Schweiz zu identifizieren und zu ihrer Lösung<br />
beizutragen.<br />
Die mittlere Zeitdauer vom Eingang des Notrufs<br />
beim Rettungsdienst bis zum Ausrücken des<br />
Rettungsfahrzeugs tagsüber wurde mit etwas<br />
mehr als 3 Minuten angegeben, nachts mit<br />
knapp 6 Minuten. Die Hälfte der Rettungsdienste<br />
rückte mit 2, die andere mit 3 Personen aus.<br />
Bei einer Meldung von schweren Unfällen wird<br />
mit mehr und qualifizierterem Personal ausgerückt.<br />
Die am häufigsten genannten Probleme<br />
waren die Absicherung des Unfallorts und die<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 13
Selbstsicherung des Rettungspersonals, gefolgt<br />
vom Verhalten der Automobilisten als Reaktion<br />
<strong>auf</strong> ein mit Blaulicht fahrendes Rettungsfahrzeug.<br />
Die genaue Identifizierung des Unfallorts<br />
scheint ebenfalls nicht selten ein Problem zu<br />
sein.<br />
Eine wichtige Grundlage für die Bewertung von<br />
strassenbaulichen Massnahmen ist die Kenntnis<br />
der Länge des gesamten <strong>Ausserortsstrassen</strong>netzes.<br />
Diese Information kann bei der<br />
Einschätzung der Kosten einen wichtigen Beitrag<br />
leisten. Das <strong>Ausserortsstrassen</strong>netz befindet sich<br />
zum allergrössten Teil entweder im Besitz der<br />
Kantone oder der Gemeinden. Um die Länge des<br />
Streckennetzes abzuschätzen, wurden diese<br />
dazu befragt. Insgesamt gibt es hochgerechnet<br />
34 000 km <strong>Ausserortsstrassen</strong>, von denen 35 %<br />
in Kantons- und 65 % in Gemeindebesitz sind.<br />
Die Methodik der Hauptstudie bestand darin,<br />
das polizeilich registrierte Unfallgeschehen im<br />
Hinblick <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere auszuwerten.<br />
Dabei wird mittels multipler logistischer<br />
Regression vorhergesagt, ob jemand bei einem<br />
Unfall schwer verletzt oder sogar getötet oder<br />
ob er nur leichte oder gar keine Verletzungen<br />
davontragen wird. Die Prädiktoren aus dem<br />
Unfalldatensatz des Bundesamts für Statistik<br />
(BFS) beziehen sich dabei sowohl <strong>auf</strong> das Ereignis<br />
(den Unfall), das Objekt (das Fahrzeug) als<br />
auch <strong>auf</strong> die in den Unfall verwickelten Personen.<br />
Für die Auswertungen in dieser Studie wurden<br />
die polizeilich registrierten Unfälle vom<br />
01.01.1992 bis 31.12.2003 berücksichtigt. Dies<br />
entspricht einem Betrachtungszeitraum von 12<br />
Jahren. Es wurden insgesamt rund 190 000 Fälle<br />
mit 2500 getöteten Personen analysiert.<br />
In der vorliegenden Arbeit wurden 5 Unfallklassen<br />
analysiert:<br />
1. Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
2. Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn<br />
3. Kollisionen an Knoten (Kreuzungen und Einmündungen)<br />
4. Unfälle ohne Kollisionen<br />
5. Kollisionen mit Fussgängern<br />
Insgesamt können mit dieser Kategorisierung<br />
88 % der getöteten Verkehrsteilnehmer <strong>auf</strong><br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> erfasst werden. Knapp 12 %<br />
der Getöteten sind bei anderen Unfalltypen ums<br />
Leben gekommen. Die 5 Unfallklassen unterscheiden<br />
sich deutlich hinsichtlich der Häufigkeit<br />
und Schwere der Unfälle. Die meisten Getöteten<br />
gibt es bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen, knapp gefolgt von den<br />
Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn.<br />
Die Analyse der Risikofaktoren für die Verletzungsschwere<br />
bei den 5 Unfallklassen <strong>auf</strong> Ausserortstrassen<br />
hat zu einer ganzen Reihe von<br />
signifikanten Resultaten geführt. Ein Teil der<br />
Ergebnisse ist ähnlich für die verschiedenen Unfallklassen,<br />
andere hingegen weichen voneinander<br />
ab. Daraus ergibt sich, dass gewisse Risikofaktoren<br />
unabhängig davon, um welche Unfallklasse<br />
es sich handelt, vermindert werden können.<br />
Es sind dies:<br />
Fortbewegungsmittel<br />
Benutzung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />
Alkoholeinfluss beim Lenker<br />
geltende Höchstgeschwindigkeiten<br />
Strassenzustand<br />
Strassenanlage<br />
14 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
Eigentumsverhältnisse des Fahrzeugs<br />
Alter der beteiligten Personen<br />
Geschlecht der beteiligten Personen<br />
Andere Faktoren sind nur relevant für bestimmte<br />
Unfallklassen. In gewissen Fällen sind sie sogar<br />
Schutz- und nicht Risikofaktor – je nach Unfallklasse.<br />
Dies sind:<br />
Art des Hindernisses<br />
Strassenart<br />
Personenart (Lenker, Beifahrer, Fussgänger)<br />
Unfallstelle<br />
Vortrittsregelung<br />
Signalisierung der Höchstgeschwindigkeit<br />
Künstliche Beleuchtung<br />
Landesregion<br />
Uhrzeit<br />
Wochentag<br />
Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
Strassenkategorie (Eigentumsverhältnis)<br />
Die verschiedenen Risikofaktoren werden hinsichtlich<br />
ihrer Handlungsfelder und Verbesserungsmöglichkeiten<br />
beschrieben:<br />
1. Dass das Motorradfahren gefährlich ist, ist<br />
bekannt und wird auch durch diese Studie<br />
belegt. Hier besteht Handlungsbedarf, zu<br />
dem die bfu mit dem <strong>Sicherheit</strong>sdossier Motorrad<br />
[3] diverse Präventionsmöglichkeiten<br />
<strong>auf</strong>zeigen wird. Bei den Personenwagen findet<br />
eine rasante technische Weiterentwicklung<br />
statt, die auch die Verkehrssicherheit<br />
weiter verbessern wird. Zu nennen ist hier<br />
insbesondere die elektronische Stabilitätskontrolle,<br />
die als beste Verkehrssicherheitsmassnahme<br />
seit Einführung des <strong>Sicherheit</strong>sgurts<br />
gilt.<br />
2. Die Benutzung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />
leistet einen wichtigen Beitrag zur Verminde-<br />
rung der Verletzungsschwere und sollte auch<br />
zukünftig gefördert werden. Beispielhaft soll<br />
dazu die durch den Fonds für Verkehrssicherheit<br />
(FVS) finanziell geförderte <strong>Sicherheit</strong>sgurtkampagne<br />
«Ein Band fürs Leben»<br />
genannt werden.<br />
3. Bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn hat die Art des Hindernisses<br />
grossen Einfluss <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere.<br />
Bäume sind die gefährlichsten und<br />
häufigsten Hindernisse. Es besteht dringender<br />
Bedarf nach hindernisfreien Räumen am<br />
Strassenrand, nach einer geringen Böschungsneigung<br />
von höchstens 1:4 oder<br />
nach Leitschrankensystemen, die vor Hindernissen<br />
schützen.<br />
4. Der Konsum von Alkohol wirkt sich nicht nur<br />
negativ <strong>auf</strong> die Unfallwahrscheinlichkeit,<br />
sondern auch <strong>auf</strong> die Schwere von Verletzungen<br />
aus. Auch diesem Problem ist grosse<br />
Aufmerksamkeit zu widmen. Anzustreben<br />
sind dabei vor allem vermehrte Polizeikontrollen<br />
und ein Alkoholverbot für Neulenker.<br />
5. Als ein wichtiger Risikofaktor für die Verletzungsschwere<br />
erwies sich die Grossregion, in<br />
der sich der Unfall ereignete. Allerdings handelte<br />
es sich nicht für alle Unfallklassen um<br />
dieselben Regionen. Hier besteht noch weiterer<br />
Forschungs- und Klärungsbedarf.<br />
6. Mit zunehmendem Alter der in Unfälle verwickelten<br />
Personen steigt die Wahrscheinlichkeit<br />
von schweren Verletzungen an. Dies<br />
dürfte <strong>auf</strong> die mit dem Alter zunehmende<br />
Verletzlichkeit des menschlichen Körpers zurückzuführen<br />
sein. Dagegen lässt sich leider<br />
nicht viel tun. Allerdings wäre es für die älteren<br />
Benutzer vorteilhafter, wenn sie Fahrzeuge<br />
mit den neuesten <strong>Sicherheit</strong>stechnologien<br />
lenken würden. Dies könnte ihre körperlichen<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 15
Schwächen noch am ehesten kompensieren.<br />
7. Frauen haben eine grössere Wahrscheinlich-<br />
keit als Männer, schwere Verletzungen zu erleiden.<br />
Ihr Risiko, als Lenkerinnen in einen<br />
Unfall verwickelt zu werden, ist – bezogen<br />
<strong>auf</strong> die Fahrleistungen – in etwa gleich gross<br />
wie jenes der Männer. Allerdings ist die<br />
Wahrscheinlichkeit, dass der Unfall eines Autofahrers<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> tödlich endet,<br />
erheblich grösser als der Unfall einer Autofahrerin.<br />
Mehr Frauen am Steuer statt <strong>auf</strong><br />
dem Beifahrersitz und mehr Männer <strong>auf</strong> dem<br />
Beifahrersitz statt am Steuer würden einen<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgewinn bringen.<br />
8. Die Strassenart erwies sich von unterschiedlicher<br />
Bedeutung für die Unfallklassen. Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
haben <strong>auf</strong> Autostrassen bedeutend schwerere<br />
Folgen als <strong>auf</strong> den anderen Strassenarten.<br />
Deswegen werden hier und <strong>auf</strong> stark frequentierten<br />
Hauptstrassen (DTV >10 000)<br />
durchgängig Mittelleitplanken gefordert. Auf<br />
Haupt- und Nebenstrassen hingegen ist die<br />
Wahrscheinlichkeit, schwere Verletzungen zu<br />
erleiden, bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn besonders<br />
gross. Daher werden für diese Strassen<br />
6 Meter hindernisfreie Räume oder ersatzweise<br />
Leitschrankensysteme gefordert (siehe<br />
auch Punkt 3).<br />
9. Fussgänger haben bei weitem das grösste<br />
Risiko, bei einem Unfall <strong>auf</strong> einer Ausserortsstrasse<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden.<br />
Dies ist bei Unfällen mit so hohen Geschwindigkeiten<br />
auch kaum anders zu erwarten.<br />
Eine weitestgehende zeitliche und/oder<br />
räumliche Trennung ist hier notwendig. Aber<br />
auch für die Beifahrer vorne besteht ein erhöhtes<br />
Risiko. Sicherer wären sie <strong>auf</strong> den<br />
Rücksitzen – aber nur, wenn dort auch der<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurt immer benutzt würde. Dies ist<br />
allerdings bis anhin nicht der Fall.<br />
10. Hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit schwerer<br />
Verletzungen unterscheiden sich gerade Strecken<br />
und Kurven bei den verschiedenen Unfallklassen<br />
nicht (mit einer Ausnahme). Die<br />
Folgen von Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen sind jedoch in Kurven<br />
etwas weniger schwer als <strong>auf</strong> geraden Strecken.<br />
In Kurven ereignen sich allerdings gesamthaft<br />
wesentlich mehr Unfälle mit Getöteten.<br />
Grosse Kurvenradien, befestigte breite<br />
Bankette und eine grosse Strassenbreite sind<br />
wichtige Faktoren für sichere Kurven. Einige<br />
Änderungen in den Schweizer Strassenbaunormen<br />
sind dafür notwendig und sinnvoll.<br />
11. Die Geschwindigkeit beim Unfall ist einer der<br />
entscheidenden Faktoren für die Unfallschwere.<br />
Auch wenn in der Schweiz <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
keine generell tiefere Geschwindigkeitslimite<br />
geplant ist, so sollte sie<br />
doch <strong>auf</strong> nachweislich gefährlichen Strecken<br />
abschnittsweise herabgesetzt werden.<br />
12. Die Resultate bezüglich des Strassenzustands<br />
erwiesen sich als etwas kontraintuitiv:<br />
Schwierigere Strassenverhältnisse wie Nässe<br />
und insbesondere Schnee gehen mit einer<br />
geringeren Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
einher.<br />
13. Die Längsneigung der Strasse – egal ob Steigung<br />
oder Gefälle – führt zu Unfällen von<br />
eher geringerer Schwere als ebene Strassen.<br />
Die mutmasslich an den Unfällen schuldigen<br />
Personen scheinen allerdings häufiger bergab<br />
als berg<strong>auf</strong> zu fahren. Daher werden für<br />
problematische Gefällstrecken niedrigere<br />
Höchstgeschwindigkeiten vorgeschlagen.<br />
14. Die Analysen der Vortrittsregelungen führen<br />
16 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
zu wenig einheitlichen Resultaten. Am gefährlichsten<br />
(aber auch selten) sind Tramoder<br />
Bahnvortritt. Lichtsignalanlagen sind je<br />
nach Unfallklasse mehr oder weniger sicher.<br />
15. Uneinheitliche Ergebnisse gibt es auch für die<br />
Signalisation der Höchstgeschwindigkeit.<br />
Auch hier gibt es positive wie negative Resultate<br />
je nach Unfallklasse.<br />
16. Die Resultate hinsichtlich der Verletzungsschwere<br />
nach Uhrzeit sind auch nicht eindeutig.<br />
Es leuchtet ein, dass sich Unfälle mit<br />
mindestens 2 Unfallgegnern nachts eher selten<br />
ereignen, da dann der Verkehr weniger<br />
intensiv ist.<br />
17. Die Resultate betreffend die künstliche Beleuchtung<br />
sind nicht ganz einheitlich. Diese<br />
hat bei den meisten Unfallklassen einen sicherheitsfördernden<br />
Effekt (geringere Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen).<br />
18. An Wochenenden ereignen sich vermehrt<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen.<br />
Die Wahrscheinlichkeit schwerer<br />
Verletzungen ist allerdings unter der Woche<br />
grösser. Als Gegenmassnahmen sind hier<br />
insbesondere vermehrte Polizeikontrollen der<br />
wichtigsten Risikofaktoren Geschwindigkeit,<br />
Alkohol und <strong>Sicherheit</strong>sgurtbenützung zu<br />
erwähnen. Wichtig wären diese vor allem<br />
tagsüber und abends, da dann wegen des<br />
grösseren Verkehrs<strong>auf</strong>kommens Kollisionen<br />
mit anderen Fahrzeugen wahrscheinlicher<br />
sind.<br />
19. Eine Rolle im Unfallgeschehen spielt auch,<br />
wer der Eigentümer des Fahrzeugs ist. Das<br />
Benützen von fremden Fahrzeugen (Mietwagen,<br />
Firmenwagen) geht mit einer geringeren<br />
Unfallschwere einher und sollte deshalb gefördert<br />
werden. Angesichts eines Kundenstamms<br />
von beispielsweise 80 000 Mitglie-<br />
dern bei Mobility [4] ist jedoch bei Massnahmen<br />
in diesem Bereich nicht mit einem grossen<br />
Effekt <strong>auf</strong> die Verkehrssicherheit zu rechnen.<br />
Die weitaus meisten Fahrzeuge werden<br />
weiterhin in Privatbesitz bleiben.<br />
20. Die Dauer des Führerausweisbesitzes von 3<br />
und weniger Jahren erhöht bei Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen das<br />
Risiko einer schweren Verletzung. Für Neulenker<br />
während der Periode des Führerscheins<br />
<strong>auf</strong> Probe wäre ein Überholverbot <strong>auf</strong><br />
Strassen ohne bauliche Fahrtrichtungstrennung<br />
zumindest diskussionswürdig.<br />
21. Die Strassenkategorie (Eigentumsverhältnisse<br />
der Strasse) spielte einzig beim Unfalltyp<br />
«Kollision mit entgegenkommenden Fahrzeugen»<br />
eine Rolle. Verkehrsteilnehmer <strong>auf</strong><br />
Nationalstrassen (und marginal Kantonsstrassen)<br />
weisen ein höheres Risiko <strong>auf</strong>, schwere<br />
Verletzungen zu erleiden, als <strong>auf</strong> Gemeindestrassen.<br />
Bund und Kantone sind hier also<br />
hinsichtlich der Finanzierung der notwendigen<br />
Infrastrukturmassnahmen stärker gefordert<br />
als die Gemeinden.<br />
Weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der<br />
Verkehrssicherheit, die sich nicht zwingend aus<br />
dem Unfallgeschehen ergeben, aber dennoch<br />
ein erhebliches Potenzial für die Prävention haben,<br />
sind Safety Audits für Strassenneubauten<br />
sowie Road Safety Inspections für bestehende<br />
Strassen. Insbesondere letzteren dürfte eine<br />
erhebliche Bedeutung für die Verkehrssicherheit<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> zukommen.<br />
Eine Massnahme, die den Autofahrern generell<br />
helfen kann, <strong>auf</strong> der Fahrbahn und in der richtigen<br />
Spur zu bleiben, sind die sogenannten Rüttelstreifen.<br />
Leider verursachen sie Lärm und kön-<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 17
nen daher nur in ausreichendem Abstand zu<br />
Wohngebieten eingesetzt werden.<br />
In der wissenschaftlichen Literatur wird immer<br />
wieder erwähnt, dass sich das Unfallgeschehen<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> ziemlich dispers verteilt,<br />
d. h., dass es wenig lokale Unfallschwerpunkte<br />
gibt, die es sich lohnen würde zu sanieren. Diese<br />
These wurde auch für die Schweiz überprüft und<br />
konnte – mit wenigen Ausnahmen – bestätigt<br />
werden. Die Unfälle ereignen sich tatsächlich<br />
zumeist über das gesamte <strong>Ausserortsstrassen</strong>netz<br />
verteilt. Dies muss bei der Planung von<br />
Interventionen berücksichtigt werden.<br />
18 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
2. Sécurité des routes hors localité<br />
La présente étude a pour objet la sécurité des<br />
routes hors localité en Suisse (sans les autoroutes).<br />
Une grande partie des accidents, aux<br />
conséquences souvent graves, s’y produit. On y<br />
recense en moyenne 53% de l’ensemble des<br />
tués sur les routes suisses chaque année. Une<br />
évolution positive se dessine toutefois: le nombre<br />
de tués y est passé de 453 en 1992 à 196 en<br />
2007. Ces routes restent cependant les plus<br />
dangereuses de Suisse. C’est pourquoi le présent<br />
rapport veut contribuer à y faire progresser encore<br />
davantage la sécurité.<br />
Les routes hors localité sont des routes d’un type<br />
particulier, qui doivent remplir différentes fonctions.<br />
D’une part, on y parcourt des distances<br />
considérables, si bien que les limitations de vitesse<br />
ne peuvent pas être trop basses. D’autre part,<br />
il y a une mixité des usagers, qui diffèrent sensiblement<br />
en termes de vitesse et de masse. Cette<br />
hétérogénéité relativement importante du trafic<br />
explique au moins en partie les problèmes.<br />
En 1998 et 1999, un groupe de travail de<br />
l’OCDE s’est penché sur la sécurité des routes<br />
hors localité. Il a rédigé un rapport [1] sur<br />
l’ampleur du problème et ses solutions potentielles.<br />
A cette époque, quelque 75 000 personnes<br />
mouraient chaque année sur les routes hors<br />
localité dans les Etats membres de l’OCDE. Dans<br />
la plupart des pays européens, les tués sur ce<br />
type de routes représentent 50 à 60% de<br />
l’ensemble des victimes de la route. Les principales<br />
catégories d’accidents sont les pertes de maîtrise,<br />
les collisions frontales et les accidents aux<br />
nœuds (intersections et débouchés). Sur la base<br />
du modèle être humain-machine-environne-<br />
ment, le rapport analyse toute une série de mesures<br />
destinées à améliorer la sécurité dans les<br />
domaines suivants: infrastructure routière, surveillance<br />
du trafic, télématique et secours.<br />
Une enquête réalisée en 2000 auprès des services<br />
de secours [2], dont les résultats sont présentés<br />
brièvement ci-dessous, s’est donné pour<br />
objectif d’identifier les problèmes des secours sur<br />
les routes hors localité en Suisse et d’y apporter<br />
des solutions.<br />
Le temps moyen qui s’écoule entre la réception<br />
d’un appel d’urgence et le départ du véhicule de<br />
secours est d’un peu plus de 3 minutes le jour et<br />
de près de 6 minutes la nuit. La moitié des services<br />
d’urgence interviennent à deux, l’autre moitié<br />
à trois. Un personnel plus nombreux et plus<br />
qualifié intervient en cas d’accident grave. Les<br />
problèmes les plus fréquemment évoqués sont la<br />
sécurisation du lieu de l’accident et des secours,<br />
suivie du comportement des automobilistes face<br />
à un véhicule de secours circulant feu bleu allumé.<br />
L’identification précise du lieu de l’accident<br />
semble aussi être un problème courant.<br />
Pour évaluer les mesures relatives à<br />
l’infrastructure routière, il est important de<br />
connaître la longueur du réseau routier hors<br />
localité en vue de l’estimation des coûts. Le réseau<br />
hors localité est en grande partie la propriété<br />
des cantons et des communes. Aussi, ceux-ci<br />
ont été soumis à une enquête afin de déterminer<br />
sa longueur. Elle a livré le chiffre total de<br />
34 000 km (extrapolation), dont 35% aux mains<br />
des cantons et 65% en possession des communes<br />
.<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 19
Pour les besoins de l’étude principale, on a analysé<br />
les accidents enregistrés par la police dans<br />
l’optique de la gravité des blessures. Il s’agissait<br />
de prédire au moyen d’une régression logistique<br />
multiple si un accidenté est susceptible de s’en<br />
tirer avec des blessures graves, mortelles ou<br />
seulement légères, voire sans blessures. Les prédicteurs<br />
des données d’accidents de l’Office<br />
fédéral de la statistique (OFS) se rapportent à<br />
l’événement (accident), à l’objet (véhicule) et aux<br />
personnes impliquées dans l’accident. Dans le<br />
cadre de la présente étude, on a considéré les<br />
accidents enregistrés par la police entre le<br />
01.1.1992 et le 31.12.2003 (période<br />
d’observation de 12 ans). Quelque 190 000 cas<br />
qui ont fait 2500 tués ont été examinés.<br />
Cinq catégories d’accidents ont été analysées:<br />
1. collisions avec des véhicules circulant en sens<br />
inverse<br />
2. collisions avec des obstacles fixes hors de la<br />
chaussée<br />
3. collisions aux nœuds (intersections et débouchés)<br />
4. accidents sans collision<br />
5. collisions avec des piétons<br />
Elles permettent de couvrir 88% des usagers<br />
tués sur les routes hors localité. Les 12% restants<br />
ont quant à eux perdu la vie dans d’autres<br />
types d’accidents. Les cinq catégories diffèrent<br />
sensiblement en termes de fréquence et de gravité.<br />
Les collisions avec des véhicules roulant en<br />
sens inverse occasionnent la plupart des tués,<br />
suivies de près par les collisions avec des obstacles<br />
fixes hors de la chaussée.<br />
L’analyse des facteurs de risque de la gravité des<br />
blessures a livré toute une série de résultats si-<br />
gnificatifs. Certains d’entre eux sont similaires<br />
pour toutes les catégories d’accidents, d’autres<br />
non. Par conséquent, il est possible d’agir sur<br />
certains facteurs de risque indépendamment de<br />
la catégorie d’accidents. Ces facteurs sont:<br />
le moyen de locomotion<br />
le port de la ceinture de sécurité ou du casque<br />
l’influence de l’alcool sur le conducteur<br />
la limitation de vitesse en vigueur<br />
l’état de la chaussée<br />
l’infrastructure routière<br />
le propriétaire du véhicule<br />
l’âge des personnes impliquées<br />
le sexe des personnes impliquées<br />
D’autres facteurs de risque sont significatifs seulement<br />
pour certaines catégories d’accidents.<br />
Parfois, ils peuvent même être simultanément un<br />
facteur de risque et un facteur de protection. Il<br />
s’agit de:<br />
nature de l’obstacle<br />
genre de route<br />
type d’usager (conducteur, passager, piéton)<br />
lieu de l’accident<br />
priorités<br />
signalisation de la limitation de vitesse<br />
éclairage artificiel<br />
région<br />
heure<br />
jour de la semaine<br />
temps de possession du permis de conduire<br />
catégorie de route (définie selon le propriétaire<br />
de celle-ci)<br />
Les différents facteurs de risque sont décrits ici<br />
dans l’optique des interventions et améliorations<br />
possibles:<br />
20 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
1. C’est un fait établi et corroboré par la présente<br />
étude qu’il est dangereux de se déplacer<br />
à moto. Des mesures s’imposent dans ce<br />
domaine. Le bpa dégagera diverses possibilités<br />
de prévention dans son dossier de sécurité<br />
consacré au trafic motocycliste [3]. Pour ce<br />
qui est des voitures de tourisme, l’industrie<br />
automobile connaît des progrès techniques<br />
fulgurants, qui continueront à faire progresser<br />
la sécurité routière. Il s’agit en particulier<br />
du contrôle électronique de stabilité (ESC),<br />
qui est certainement la meilleure mesure de<br />
sécurité routière depuis l’introduction de la<br />
ceinture de sécurité.<br />
2. Le port de la ceinture de sécurité ou du casque<br />
contribue grandement à réduire la gravité<br />
des blessures et devrait aussi être encouragé<br />
à l’avenir. La campagne «Attaché à la<br />
vie», financée par le Fonds de sécurité routière<br />
(FSR), est exemplaire à cet égard.<br />
3. Pour ce qui est des collisions avec des obstacles<br />
fixes hors de la chaussée, la nature de<br />
l’obstacle a une grande influence sur la gravité<br />
des blessures. Les arbres sont les obstacles<br />
les plus fréquents et les plus dangereux. Mesures<br />
urgentes: bordures de chaussée libres<br />
d’obstacles, talus à faible pente (au maximum<br />
1:4) ou glissières de sécurité latérales.<br />
4. La consommation d’alcool augmente non<br />
seulement le risque d’accident, mais aussi la<br />
gravité des blessures. Ce problème doit donc<br />
aussi faire l’objet d’une attention particulière.<br />
Il s’agit notamment d’intensifier les contrôles<br />
de police et d’interdire la consommation<br />
d’alcool aux conducteurs novices.<br />
5. La grande région où l’accident se produit<br />
s’est révélée être un important facteur de risque<br />
pour la gravité des blessures. Toutefois,<br />
les régions concernées varient selon la caté-<br />
gorie d’accidents. Ce point nécessite un travail<br />
de recherche et de clarification plus approfondi.<br />
6. Le risque de blessures graves augmente avec<br />
l’âge des personnes impliquées dans<br />
l’accident, ce qui s’explique vraisemblablement<br />
par une plus grande vulnérabilité physique.<br />
On est malheureusement assez impuissant<br />
face à ce problème. Toutefois, il serait<br />
profitable aux usagers âgés de conduire des<br />
véhicules équipés des dernières technologies<br />
de sécurité, qui sont le mieux à même de<br />
compenser les faiblesses physiques.<br />
7. Le risque de subir des blessures graves est<br />
plus important chez les femmes que chez les<br />
hommes. Les femmes ont une probabilité,<br />
corrigée suivant le nombre de kilomètres parcourus,<br />
à peu près identique à celle des<br />
hommes d’être impliquées dans un accident<br />
comme conductrices. Toutefois, la probabilité<br />
qu’un accident sur une route hors localité<br />
soit mortel est considérablement plus élevé<br />
pour les automobilistes de sexe masculin que<br />
féminin. Un gain de sécurité pourrait être obtenu<br />
si les femmes prenaient davantage le<br />
volant au lieu d’être assises sur le siège passager,<br />
et inversement pour les hommes.<br />
8. Le genre de route s’est révélé plus ou moins<br />
significatif selon la catégorie d’accidents. Les<br />
collisions avec des véhicules circulant en sens<br />
inverse sont bien plus lourdes de conséquences<br />
sur les semi-autoroutes que sur les autres<br />
genres de routes. C’est pourquoi des glissières<br />
de sécurité centrales devraient y être mises<br />
en place en continu, de même que sur les<br />
routes principales très fréquentées<br />
(TJM >10 000). Le risque de subir des blessures<br />
graves est, sur les routes principales et secondaires,<br />
particulièrement important en cas<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 21
de collision avec des obstacles fixes hors de la<br />
chaussée. Par conséquent, des bordures de<br />
chaussée libres d’obstacles sur une largeur de<br />
6 m ou, à défaut, des glissières de sécurité latérales<br />
sont réclamées pour ces genres de<br />
routes (voir aussi le point 3).<br />
9. Les piétons ont de loin le plus grand risque<br />
d’être grièvement blessés ou tués dans un<br />
accident sur une route hors localité, ce qui<br />
était prévisible compte tenu des vitesses élevées<br />
enregistrées dans ces accidents. Une séparation<br />
temporelle et/ou spatiale des trafics<br />
est ici nécessaire. Le surrisque existe aussi<br />
pour les passagers avant. Ils seraient plus en<br />
sécurité à l’arrière, à condition toutefois d’y<br />
boucler la ceinture, ce qui n’est souvent pas<br />
le cas actuellement.<br />
10. Si l’on considère le risque de blessures graves,<br />
on n’observe pas de différences entre les<br />
tronçons droits et les virages pour les différentes<br />
catégories d’accidents (à une exception<br />
près). Les conséquences des collisions<br />
avec des véhicules circulant en sens inverse<br />
sont néanmoins quelque peu moins lourdes<br />
dans les virages que sur les tronçons droits.<br />
Cependant, il se produit globalement bien<br />
plus d’accidents mortels dans les virages. Un<br />
grand rayon de courbure, des accotements<br />
larges et stabilisés ainsi qu’une surlargeur de<br />
chaussée sont essentiels à la sécurité des virages,<br />
rendant nécessaires et pertinentes certaines<br />
modifications des normes suisses en<br />
matière de construction routière.<br />
11. La vitesse lors de l’accident est un des facteurs<br />
décisifs pour la gravité de celui-ci. Même<br />
s’il n’est pas prévu d’abaisser la limitation<br />
générale de vitesse sur les routes hors localité<br />
en Suisse, il faudrait au moins le faire sur les<br />
tronçons réputés dangereux.<br />
12. Les résultats de l’analyse de l’état de la<br />
chaussée vont quelque peu à l’encontre des<br />
intuitions: des conditions routières plus difficiles<br />
(chaussée mouillée et, en particulier, enneigée)<br />
se traduisent par un risque plus faible<br />
de blessures graves.<br />
13. Les routes présentant une déclivité (peu importe<br />
que ce soit une pente ou une rampe)<br />
donnent lieu à des accidents plutôt moins<br />
graves que les routes planes. Les responsables<br />
présumés des accidents semblent toutefois<br />
rouler plus souvent en descente qu’en<br />
montée. C’est pourquoi il est proposé<br />
d’abaisser la limitation de vitesse sur les tronçons<br />
problématiques.<br />
14. L’analyse des priorités a livré des résultats<br />
peu homogènes. Les situations où le chemin<br />
de fer ou le tram sont prioritaires sont les<br />
plus dangereuses (mais elles sont aussi peu<br />
courantes). Les feux de circulation sont plus<br />
ou moins sûrs suivant la catégorie<br />
d’accidents.<br />
15. Des résultats hétérogènes, positifs ou négatifs<br />
selon la catégorie d’accidents, ont aussi<br />
été obtenus pour la signalisation de la limitation<br />
de vitesse.<br />
16. De même, la gravité des blessures en fonction<br />
de l’heure n’est pas uniforme. Il apparaît<br />
que les accidents avec au moins deux usagers<br />
antagonistes se produisent plutôt rarement la<br />
nuit, car le trafic est moins intense.<br />
17. Les résultats concernant l’éclairage artificiel<br />
ne sont pas homogènes. Celui-ci a un effet<br />
positif sur la sécurité pour la plupart des catégories<br />
d’accidents (risque plus faible de subir<br />
des blessures graves).<br />
18. Les collisions avec des véhicules circulant en<br />
sens inverse sont plus nombreuses le weekend.<br />
Cependant, le risque de blessures graves<br />
22 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
est plus important en semaine. Parmi les me-<br />
sures visant à lutter contre ce problème, on<br />
peut citer en particulier le renforcement des<br />
contrôles de police pour les principaux facteurs<br />
de risque (vitesse, alcool et port de la<br />
ceinture de sécurité). Les contrôles sont surtout<br />
importants la journée et en soirée, car<br />
les collisions avec d’autres véhicules sont plus<br />
probables du fait d’une plus grande densité<br />
du trafic.<br />
19. Le propriétaire du véhicule joue aussi un rôle<br />
dans l’accidentalité. Les blessures sont moins<br />
graves en cas d’utilisation d’un véhicule appartenant<br />
à un tiers (voiture de location, véhicule<br />
professionnel), si bien que cette mesure<br />
est à encourager. Toutefois, étant donné<br />
que Mobility, p. ex., compte<br />
80 000 membres [4], les effets que l’on peut<br />
escompter sur la sécurité routière sont limités<br />
dans ce domaine. Les véhicules privés demeureront<br />
la grande majorité.<br />
20. En cas de possession du permis de conduire<br />
depuis moins de trois ans, le risque de blessures<br />
graves augmente pour les collisions avec<br />
des véhicules roulant en sens inverse.<br />
L’interdiction de dépasser sur les routes sans<br />
séparation constructive des sens de circulation<br />
mérite au moins d’être discutée pour les<br />
conducteurs novices en période probatoire.<br />
21. La catégorie de route (définie selon le propriétaire<br />
de celle-ci) est significative uniquement<br />
pour le type d’accidents «collision avec<br />
des véhicules circulant en sens inverse». Les<br />
usagers des routes nationales (et plus marginalement<br />
des routes cantonales) présentent<br />
un risque de blessures graves plus important<br />
que ceux de routes communales. De ce fait,<br />
la Confédération et les cantons sont davantage<br />
concernés que les communes par le fi-<br />
nancement des mesures nécessaires au niveau<br />
de l’infrastructure.<br />
D’autres possibilités d’amélioration de la sécurité<br />
routière, qui ne découlent pas nécessairement<br />
de l’accidentalité mais présentent néanmoins un<br />
fort potentiel de prévention, sont les safety audits<br />
pour les nouvelles constructions routières et<br />
les road safety inspections pour les constructions<br />
existantes. Les secondes en particulier sont d’une<br />
importance capitale pour la sécurité des routes<br />
hors localité.<br />
Une mesure générale visant à aider les automobilistes<br />
à rester sur la chaussée et dans la bonne<br />
voie sont les bandes sonores. Bruyantes, elles ne<br />
peuvent être mises en place qu’à une distance<br />
appropriée des habitations.<br />
La littérature scientifique mentionne souvent que<br />
les accidents sur les routes hors localité présentent<br />
une distribution relativement dispersée. En<br />
d’autres termes, les points noirs locaux qui mériteraient<br />
de faire l’objet d’un assainissement sont<br />
peu nombreux. Cette thèse a pu être vérifiée<br />
pour la Suisse à quelques exceptions près. Les<br />
accidents se répartissent en effet le plus souvent<br />
sur l’ensemble du réseau hors localité. Cet élément<br />
est aussi à prendre en compte lors de la<br />
planification des interventions.<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 23
3. Sicurezza sulle strade extraurbane<br />
Nel presente studio è stata analizzata la sicurezza<br />
sulle strade extraurbane (escluse le autostrade).<br />
Su questo tipo di strada si verifica gran parte<br />
degli incidenti che spesso comportano anche<br />
conseguenze gravi. Ogni anno mediamente il<br />
53% di tutte le persone morte sulle strade svizzere<br />
perde la vita su una strada extraurbana. Dal<br />
1992 si osserva un andamento positivo. Il numero<br />
dei morti è sceso dagli allora 453 a 196 nel<br />
2007. Tuttavia la strada extraurbana è e resta la<br />
strada più pericolosa in Svizzera. Il presente rapporto<br />
vuole contribuire a un ulteriore incremento<br />
della sicurezza sulle strade extraurbane.<br />
La strada extraurbana è un tipo di strada particolare<br />
con caratteristiche eterogenee: 1) si percorrono<br />
notevoli distanze con la conseguenza che i<br />
limiti di velocità non possono essere troppo bassi;<br />
2) presenta un quadro di gruppi di utenti<br />
composito che si differenziano tra loro in modo<br />
nitido dal punto di vista della velocità e della<br />
massa. Questa eterogeneità del traffico relativamente<br />
elevata spiega almeno una parte dei problemi<br />
esistenti sulle strade extraurbane.<br />
Nel 1998 e nel 1999 l'OCSE ha affidato a un<br />
gruppo di lavoro uno studio relativo alla sicurezza<br />
sulle strade extraurbane. Da questo è scaturito<br />
un rapporto [1] che ha analizzato l'entità del<br />
problema e proposto delle possibili soluzioni.<br />
Sulle strade extraurbane dei Paesi membri<br />
dell'OCSE morirono in quegli anni approssimativamente<br />
75 000 persone. Nella maggior parte<br />
dei paesi europei la percentuale dei morti oscilla<br />
tra il 50 e il 60% di tutte le persone decedute<br />
nella circolazione stradale. Le categorie d'incidente<br />
principali sono: gli incidenti senza coinvol-<br />
gimento di terzi, le collisioni frontali, gli incidenti<br />
alle intersezioni (incroci e imbocchi). In base al<br />
modello essere umano-macchina-ambiente nello<br />
studio è stata analizzata tutta una serie di misure<br />
possibili per migliorare la sicurezza negli ambiti<br />
della costruzione delle strade, della sorveglianza<br />
delle strade, della telematica e dell'emergenza<br />
sanitaria.<br />
L'intervista effettuata nel 2000 tra i servizi di<br />
emergenza sanitaria [2] e presentata brevemente<br />
di seguito vuole contribuire a identificare e a<br />
risolvere i problemi esistenti nell'emergenza<br />
sanitaria sulle strade extraurbane svizzere.<br />
È stato indicato che tra il ricevimento della chia-<br />
mata di soccorso e l'uscita dell'autolettiga di<br />
giorno passano poco più di 3 minuti, di notte<br />
quasi 6 minuti. La metà dei servizi di emergenza<br />
sanitaria è intervenuta con due persone, l'altra<br />
metà con tre persone. In caso di incidente grave<br />
si interviene con un maggiore numero di personale<br />
che è anche più qualificato. I problemi<br />
maggiormente indicati erano la sicurezza del<br />
luogo d'incidente e la sicurezza del personale di<br />
pronto soccorso, seguiti dal comportamento<br />
degli automobilisti che reagivano alla luce intermittente<br />
del veicolo di pronto soccorso. Inoltre,<br />
anche l'identificazione precisa del luogo dell'incidente<br />
sembra essere un problema non raro.<br />
Per poter valutare le misure architettoniche sulle<br />
strade extraurbane è fondamentale conoscere la<br />
lunghezza dell'intera rete di questo tipo di strada.<br />
Questa informazione può apportare un notevole<br />
contributo nella valutazione dei costi. La<br />
rete delle strade extraurbane è nella stragrande<br />
maggioranza dei casi in possesso dei cantoni o<br />
dei comuni. Per poter stimare la lunghezza della<br />
24 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
ete stradale questi sono stati intervistati in ma-<br />
teria. Da una proiezione sono risultati complessivamente<br />
34 000 km di strade extraurbane di cui<br />
il 35% è in possesso dei cantoni e il 65% dei<br />
comuni.<br />
La metodica dello studio principale consisteva<br />
nella valutazione dell'incidentalità rilevata dalla<br />
polizia in base alla gravità delle ferite. Mediante<br />
la regressione multipla logistica si predice se una<br />
persona in un incidente riporterà ferite gravi o se<br />
perderà la vita oppure se riporterà solo ferite<br />
leggere o se ne uscirà persino incolume. I predittori<br />
della serie di dati degli incidenti pubblicati<br />
dall'Ufficio federale di statistica (UST) sono riferiti<br />
all'avvenimento (l'incidente), all'oggetto (il veicolo)<br />
e alle persone coinvolte nell'incidente. In<br />
questo studio, per la valutazione si è tenuto<br />
conto degli incidenti rilevati dalla polizia tra il<br />
01.01.1992 e il 31.12.2003. Questo corrisponde<br />
a un periodo di analisi di 12 anni. In totale sono<br />
stati analizzati circa 190 000 casi con 2500 persone<br />
morte.<br />
Nel presente lavoro sono state analizzate 5 categorie<br />
d'incidente:<br />
1. scontro frontale<br />
2. collisione con ostacolo fisso posto al margine<br />
della carreggiata<br />
3. collisione presso un'intersezione (incroci e<br />
imbocchi)<br />
4. incidente senza collisione<br />
5. collsione con pedone<br />
Questa classificazione permette di rilevare complessivamente<br />
l'88% degli utenti della strada<br />
morti sulle strade extraurbane. Quasi il 12% dei<br />
morti ha perso la vita in un altro tipo d'incidente.<br />
Le 5 categorie d'incidente presentano una fre-<br />
quenza e gravità degli incidenti notevolmente<br />
differente tra di loro. Gli scontri frontali sono gli<br />
incidenti che comportano il maggior numero di<br />
morti, seguiti immediatamente dalle collisioni<br />
con ostacolo fisso posto al margine della carreggiata.<br />
L'analisi dei fattori di rischio per la gravità delle<br />
ferite nelle 5 categorie d'incidente sulle strade<br />
extraurbane ha prodotto tutta una serie di risultati<br />
significativi. Una parte dei risultati è simile<br />
per le diverse categorie d'incidente, altre invece<br />
divergono tra di loro. A prescindere dalla categoria<br />
d'incidente, alcuni fattori di rischio possono<br />
dunque essere ridotti. In particolare:<br />
il mezzo di locomozione<br />
l'uso di cinture di sicurezza e casco<br />
l'influsso dell'alcol sul conducente<br />
i limiti di velocità vigenti<br />
lo stato della strada<br />
l'impianto stradale<br />
la situazione di proprietà del veicolo<br />
l'età delle persone coinvolte<br />
il sesso delle persone coinvolte<br />
Altri fattori sono rilevanti solo per determinate<br />
categorie d'incidente. In alcuni casi possono<br />
persino essere fattore di rischio e di protezione,<br />
a dipendenza della categoria d'incidente. In<br />
particolare:<br />
il tipo di ostacolo<br />
la strada<br />
l'utente (conducente, passeggero, pedone)<br />
il luogo dell'incidente<br />
il diritto di precedenza<br />
la segnalazione del limite di velocità<br />
l'illuminazione artificiale<br />
la regione<br />
l'ora<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 25
il giorno settimanale<br />
la durata del possesso della licenza di condur-<br />
re<br />
la categoria della strada (situazione di pro-<br />
prietà)<br />
I diversi fattori di rischio vengono descritti in<br />
base ai loro campi d'azione e alle loro possibilità<br />
di miglioramento.<br />
1. È risaputo che andare in moto è pericoloso e<br />
lo dimostra anche questo studio. In questo<br />
caso urgono interventi in forma di misure di<br />
prevenzione che l'upi presentera nel suo dossier<br />
sicurezza dedicato al traffico motociclistico<br />
[3]. Lo sviluppo tecnico incalzante in atto<br />
nella costruzione delle automobili migliorerà<br />
anche la sicurezza stradale. Va citato in particolare<br />
il controllo elettronico della stabilità<br />
che è considerato il miglior provvedimento di<br />
sicurezza dall'introduzione della cintura di sicurezza.<br />
2. L'uso di cintura di sicurezza e casco contribuisce<br />
notevolmente alla riduzione della gravità<br />
delle ferite e andrebbe pertanto promosso<br />
anche in futuro. Come esempio si cita la<br />
campagna per l'uso delle cinture di sicurezza<br />
«Allacciati alla vita» finanziata dal Fondo di<br />
sicurezza stradale (FSS).<br />
3. Nelle collisioni con ostacolo fisso posto al<br />
margine della carreggiata, la gravità di ferita<br />
è influenzata sensibilmente dal tipo di ostacolo.<br />
Quello più pericoloso e più frequente è<br />
l'albero. Urge realizzare spazi liberi da ostacoli<br />
sul margine della strada, scarpate con un<br />
inclinazione di un massimo di 1:4 o barriere<br />
stradali di sicurezza che proteggono dagli ostacoli.<br />
4. Oltre ad avere effetti negativi sulla probabilità<br />
d'incidente, il consumo di alcol incide anche<br />
sulla gravità delle ferite. Anche a questo problema<br />
va dedicata molta attenzione. Va puntato<br />
soprattutto su controlli della polizia più<br />
frequenti e un divieto di bere alcolici per i<br />
neopatentati.<br />
5. Per la gravità delle ferite la grande regione<br />
nella quale si è verificato l'incidente è risultata<br />
un fattore di rischio importante. Tuttavia<br />
non si è trattata della stessa regione per tutte<br />
le categorie d'incidente. Questo punto va<br />
dunque ulteriormente studiato e approfondito.<br />
6. Con la maggiore età delle persone coinvolte<br />
in un incidente aumenta la probabilità che<br />
queste riportino ferite gravi. Questo fatto dovrebbe<br />
essere legato alla maggiore vulnerabilità<br />
del corpo di un anziano. Purtroppo non ci<br />
sono molti rimedi contro questa realtà. In<br />
ogni caso per gli utenti anziani sarebbe più<br />
vantaggioso guidare veicoli dotati delle tecnologie<br />
di sicurezza più moderne. Questo potrebbe<br />
compensare ancora maggiormente le<br />
loro debolezze fisiche.<br />
7. Per le donne la probabilità di riportare ferite<br />
gravi è maggiore rispetto agli uomini. La loro<br />
probabilità di essere coinvolte in un incidente<br />
in qualità di conducente è – rettificato per i<br />
chilometri percorsi – all'incirca identica a<br />
quella degli uomini. Tuttavia la probabilità<br />
che su una strada extraurbana un incidente<br />
con un uomo al volante termini in modo<br />
mortale è notevolmente maggiore rispetto al<br />
caso con una donna alla guida della vettura.<br />
Con più donne al volante invece che sul sedile<br />
del passeggero e più uomini sul sedile del<br />
passeggero invece che al volante risulterebbe<br />
un guadagno in materia di sicurezza.<br />
8. Per le categorie d'incidente il tipo di strada è<br />
risultato di significato differente. Sulle strade<br />
26 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
extraurbane gli scontri frontali comportano<br />
conseguenze notevolmente più gravi rispetto<br />
a quelli sulle altre strade. Per questo motivo si<br />
sollecita che sulle strade extraurbane e sulle<br />
strade principali molto trafficate (TGM<br />
>10 000) vengano ubicati guard-rail continui.<br />
Per contro, sulle strade principali e su quelle<br />
secondarie la probabilità di riportare ferite<br />
gravi in una collisione contro ostacolo fisso<br />
posto al margine della carreggiata è particolarmente<br />
alta. Pertanto, per queste strade si<br />
esigono spazi privi di ostacoli su una larghezza<br />
di 6 metri oppure l'ubicazione di barriere<br />
stradali di sicurezza (vedi anche punto 3).<br />
9. I pedoni presentano il rischio assolutamente<br />
maggiore di riportare ferite gravi o di morire<br />
in un incidente su una strada extraurbana. In<br />
incidenti con velocità talmente elevate ciò è<br />
praticamente inevitabile. In questo caso si<br />
impone una separazione temporale e/o spaziale.<br />
Ma anche i passeggeri anteriori corrono<br />
un maggiore rischio. Sui sedili posteriori sarebbero<br />
più al sicuro, ma solo se anche su<br />
questi posti allacciassero sempre le cinture di<br />
sicurezza. Finora questo però non è il caso.<br />
10. In materia di probabilità di ferite gravi, i rettifili<br />
e le curve non si differenziano nelle diverse<br />
categorie d'incidente (con una eccezione).<br />
Nelle curve, le conseguenze degli scontri<br />
frontali sono tuttavia leggermente meno gravi<br />
rispetto a quelli sui rettifili. Nelle curve però<br />
succedono complessivamente notevolmente<br />
più incidenti con morti. I fattori importanti<br />
per curve sicure sono: ampi raggi, banchine<br />
larghe e rinforzate e la larghezza della strada.<br />
Per poter realizzare tali punti è necessario e<br />
ragionevole modificare in alcuni punti le<br />
norme svizzere relative alla costruzione delle<br />
strade.<br />
11. La velocità portata al momento dell'incidente<br />
costituisce un fattore determinante per la<br />
gravità dell'incidente. Anche se in Svizzera<br />
per le strade extraurbane non sono previsti<br />
limiti di velocità generalmente inferiori, sarebbe<br />
comunque opportuno abbassarla sulle<br />
tratte provatamente pericolose.<br />
12. I risultati relativi allo stato della strada si sono<br />
dimostrati leggermente contraintuitivi: le<br />
condizioni del fondo stradale avverse come il<br />
manto stradale bagnato o, in particolare, coperto<br />
di neve vanno di pari passo con una<br />
minore probabilità di ferite gravi.<br />
13. La pendenza longitudinale della strada –<br />
indipendentemente dal fatto che ne risulti<br />
una salita o una discesa – comporta incidenti<br />
piuttosto più lievi rispetto alle strade piane.<br />
Le persone presunte colpevoli degli incidenti<br />
sembravano tuttavia viaggiare più spesso in<br />
discesa che in salita. Pertanto, per le tratte in<br />
discesa problematiche si propongono limiti di<br />
velocità più bassi.<br />
14. Le analisi dei diritti di precedenza producono<br />
pochi risultati omogenei. Il maggior pericolo<br />
(seppur raro) risulta nelle situazioni in cui<br />
tram o treno hanno la precedenza. Gli impianti<br />
semaforici sono più o meno sicuri a seconda<br />
della categoria d'incidente.<br />
15. Risultati eterogenei emergono anche per la<br />
segnalazione del limite di velocità. Anche in<br />
questo caso si dispone di risultati positivi e<br />
negativi a seconda della categoria d'incidente.<br />
16. Nemmeno i risultati relativi alla gravità delle<br />
ferite a seconda dell'ora sono certi. È evidente<br />
che gli incidenti notturni con almeno 2 utenti<br />
della strada si verificano piuttosto raramente<br />
poiché in quel periodo il traffico è<br />
meno intenso.<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 27
17. I risultati relativi all'illuminazione artificiale<br />
non sono omogenei. Per la maggior parte<br />
delle categorie d'incidente questa ha un effetto<br />
positivo sulla sicurezza (minore probabilità<br />
di ferite gravi).<br />
18. Il fine settimana si verifica un maggior numero<br />
di scontri frontali. Tuttavia, durante i giorni<br />
feriali la probabilità di riportare ferite gravi è<br />
maggiore. La principale misura per affrontare<br />
tale problema è in particolare un più intenso<br />
controllo della polizia dei principali fattori di<br />
rischio quali la velocità, l'alcol e l'uso delle<br />
cinture di sicurezza. Questi controlli sarebbero<br />
importanti in particolare di giorno e la sera<br />
perché durante queste ore la maggiore quantità<br />
del traffico rende più probabile le collisioni<br />
con altri veicoli.<br />
19. Sull'incidentalità incide anche il fattore proprietà.<br />
L'uso di veicoli appartenenti a terzi<br />
(autonoleggio, veicolo aziendale) comporta<br />
una esigua gravità d'incidente e andrebbe<br />
pertanto incentivato. In considerazione di<br />
una clientela di per esempio 80 000 soci della<br />
Mobility [4] in questo ambito tuttavia non c'è<br />
da attendersi un grande effetto sulla sicurezza<br />
stradale. La stragrande maggioranza dei<br />
veicoli resterà anche in futuro di proprietà<br />
privata.<br />
20. Tra i conducenti in possesso della patente da<br />
3 anni o meno aumenta il rischio di ferite<br />
gravi in caso di uno scontro frontale. Per i<br />
neopatentati in possesso della licenza di condurre<br />
in prova sarebbe almeno giustificato discutere<br />
di un divieto di sorpasso sulle strade a<br />
carreggiate non separate da spartitraffico.<br />
21. La categoria della strada (situazione di proprietà)<br />
ha influenzato unicamente la categoria<br />
«scontro frontale». Gli utenti delle strade<br />
nazionali (e marginalmente delle strade can-<br />
tonali) presentano un rischio superiore di riportare<br />
ferite gravi rispetto a quelli delle strade<br />
comunali. Per quanto riguarda il finanziamento<br />
delle misure infrastrutturali necessarie,<br />
la Confederazione e i Cantoni sono dunque<br />
chiamati in causa maggiormente rispetto ai<br />
Comuni.<br />
Ulteriori possibilità per incrementare la sicurezza<br />
stradale non risultanti categoricamente dall'incidentalità,<br />
ma presentano comunque un elevato<br />
potenziale per la prevenzione sono i Safety Audit<br />
per la costruzione di nuove strade e le Road<br />
Safety Inspections per le strade esistenti. In particolare<br />
a queste ultime spetterà un notevole significato<br />
per la sicurezza stradale sulle strade<br />
extraurbane.<br />
Una misura che può essere generalmente utile<br />
agli automobilisti per rimanere nella corsia giusta<br />
della carreggiata è l'uso delle cosiddette bande<br />
rumorose. Purtroppo queste producono dei<br />
rumori e possono pertanto essere usate solo a<br />
debita distanza dalle zone abitate.<br />
Nella letteratura scientifica si continua a ripetere<br />
che l'incidentalità sulle strade extraurbane si<br />
distribuisce in modo alquanto disperso, ovvero<br />
che ci sono pochi punti ad alta incidentalità<br />
locali che potrebbero essere riconfigurati in modo<br />
economico. Questa tesi è stata validata anche<br />
per la Svizzera e ha potuto essere confermata ad<br />
eccezione di pochi casi. Gli incidenti si distribuiscono<br />
effettivamente nella maggior parte dei<br />
casi sull'intera rete delle strade extraurbane.<br />
Questo va preso in considerazione al momento<br />
della pianificazione di un intervento.<br />
28 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
4. Safety on rural roads<br />
This focus of this study was on safety on rural<br />
roads (excluding motorways). A major share of<br />
accidents occur on these roads and frequently<br />
have severe consequences, too. On average,<br />
53% of all fatalities on Swiss roads occur on<br />
rural roads. Since 1992, developments have<br />
been positive. The number of fatalities has fallen<br />
from 453 in that year to 196 in 2007. Nevertheless,<br />
rural roads are and remain the most dangerous<br />
type of road in Switzerland. The purpose<br />
of this report is to contribute towards a continuing<br />
increase in safety on rural roads.<br />
Rural roads are a particular type of road which<br />
has to handle a variety of tasks: On the one<br />
hand, they are used to cover considerable distances.<br />
This results in speed limits not being able<br />
to be set too low. On the other hand, there is an<br />
intermingling of the different road user groups,<br />
which clearly differ from each other in terms of<br />
speed and mass. At least part of the problems<br />
that exist on rural roads can be explained from<br />
the relatively large heterogeneity encountered in<br />
traffic.<br />
In 1998 and 1999, the OECD appointed a working<br />
group to look into the topic of safety on<br />
rural roads. The result was a report [1] that investigated<br />
the extent of the problem and looked<br />
into possible solutions. In OECD member states,<br />
around 75,000 people died on rural roads at<br />
that time. In most European countries, the share<br />
of fatalities is about 50-60% of all road traffic<br />
fatalities. The most important accident categories<br />
turned out to be accidents in which no one<br />
else was involved, head-on collisions and accidents<br />
at junctions (where roads cross or where<br />
roads come together). Based on the manmachine-environment<br />
system, a whole series of<br />
possible measures aimed at improving safety in<br />
the fields of roadbuilding, traffic monitoring,<br />
telematics and rescue services was analysed in<br />
the report.<br />
The purpose of the rescue service survey that<br />
was conducted by Ewert [2] in the year 2000<br />
described in brief below is to offer a contribution<br />
towards identifying and solving the problems<br />
faced by rescue services responding to calls on<br />
rural roads.<br />
The average time taken between a rescue service<br />
receiving an emergency call and their responding<br />
with a rescue vehicle was just over 3 minutes<br />
during the day and just under 6 minutes at<br />
night. Half of the rescue services responded with<br />
two persons, the other half with three. When<br />
serious accidents are reported, a greater number<br />
of people and more qualified people attend the<br />
scene of an accident. The most frequently mentioned<br />
problems were the securing of the scene<br />
of the accident and protecting the rescue personnel<br />
followed by the behaviour of motorists as<br />
a reaction to a rescue vehicle driving with flashing<br />
lights. It is not unusual to find that the precise<br />
identification of the accident location also<br />
appears to be a problem.<br />
One important basis for the rating of roadbuilding<br />
measures is a knowledge of the length of<br />
the entire network of rural roads. This information<br />
can make an important contribution when<br />
estimating costs. The network of rural roads is<br />
largely either owned by the cantons or by municipalities.<br />
Questions were therefore put in order<br />
to estimate the length of the road network. A<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 29
total extrapolation indicates that there are<br />
34,000 kilometres of rural roads, 35% of which<br />
are owned by cantons and 65% by local municipalities.<br />
The methodology used in the main study was to<br />
evaluate the accidents registered by the police in<br />
respect of the severity of the injuries sustained.<br />
Using multiple logistical regressions, it can be<br />
predicted whether someone is seriously injured<br />
in an accident or even killed or whether they are<br />
only slightly injured or not injured at all. The<br />
causal variables from the accident record of the<br />
Federal Statistical Office (BFS) refer both to the<br />
event (the accident), the object (the vehicle) as<br />
well as to the people involved in the accident.<br />
The accidents registered by the police from<br />
01.01.1992 to 31.12.2003 were used for the<br />
evaluations in this study. This corresponds to an<br />
observation period of 12 years. A total of around<br />
190,000 cases involving 2,500 fatalities were<br />
analysed.<br />
5 accident categories were analysed in this<br />
study:<br />
1. Collisions with oncoming vehicles¨<br />
2. Collisions with fixed obstacle located either<br />
side of the carriageways<br />
3. Collisions at junctions<br />
4. Accidents without collisions<br />
5. Collisions with pedestrians<br />
On the whole, this categorisation can be used to<br />
cover 88% of accident fatalities on rural roads.<br />
Just under 12% of road accident fatalities occur<br />
in other types of accidents. The 5 accident categories<br />
differ clearly in terms of accident frequency<br />
and severity. Most fatalities occur in collisions<br />
with oncoming vehicles, closely followed by<br />
collisions with fixed obstacles located either side<br />
of the carriageways.<br />
The analysis of the risk factors for the severity of<br />
the injuries among the 5 accident categories on<br />
rural roads has led to a whole series of significant<br />
results. While one part of the results is similar<br />
for the different accident categories, others<br />
differ from each other. This indicates that certain<br />
risk factors can be reduced irrespective of which<br />
accident category we are dealing with. These<br />
are:<br />
Means of transportation<br />
Use of seat belt and safety helmet<br />
Influence of alcohol on the driver<br />
Maximum speeds permitted<br />
Road conditions<br />
Road layout<br />
Vehicle ownership situation<br />
Age of the persons involved<br />
Gender of the persons involved<br />
Other factors are only relevant for certain accident<br />
categories. In certain cases, they can even<br />
be a risk and a protection factor – dependent on<br />
the accident category. These are:<br />
The type of obstacle<br />
Type of road<br />
Type of person (driver, passenger, pedestrian)<br />
Accident location<br />
Right of way enforcement<br />
Posting of maximum speed permitted<br />
Artificial lighting<br />
Area of the country<br />
Time of day<br />
Weekday<br />
Length of time in possession of a driving<br />
licence<br />
Road category (owenership)<br />
30 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
The various risk factors are described in terms of<br />
their areas of activity and potential improvements:<br />
1. It is well-known that motorcycling is dangerous<br />
and this is also substantiated by this<br />
study. Here, there is a need for action, for<br />
which the bfu will point to a range of preventive<br />
options in the Motorcycle Safety Dossier<br />
[3]. Cars are also undergoing continuous<br />
technical development at a tremendous rate<br />
and this will also improve road safety even<br />
further. Particular mention should be made<br />
here of electronic stability control, which is<br />
considered the best road safety measure<br />
since the introduction of the seat belt.<br />
2. The use of seat belts and crash helmets is<br />
making an important contribution to a reduction<br />
in the severity of injuries and should also<br />
be encouraged in future. Mention can be<br />
made here of the safety belt campaign «Ein<br />
Band fürs Leben» promoted financially by the<br />
Fund for Road Safety (FVS).<br />
3. In the case of collisions with fixed obstacles<br />
outside the carriageways, the type of obstruction<br />
has a major influence on the severity<br />
of any injuries. Trees are the most dangerous<br />
and most frequent obstacles encountered.<br />
There is an urgent demand for unobstructed<br />
areas at the side of the road, for a<br />
low embankment incline of no more than 1:4<br />
or for guardrail systems that offer protection<br />
from obstacles.<br />
4. The consumption of alcohol not only has a<br />
negative effect on the likelihood of accidents,<br />
but also on the severity of injuries. Major attention<br />
should be given to this problem, too.<br />
The main objectives, in particular, must be an<br />
increase in police checks and a ban on alcohol<br />
for new drivers.<br />
5. An important risk factor for the severity of<br />
injuries turned out to be the major region in<br />
which the accident happened. However, the<br />
same regions were not involved for all accident<br />
categories. Here, there is a need for further<br />
research and clarification.<br />
6. The likelihood of severe injuries increases<br />
with the increasing age of people involved in<br />
accidents. This is probably attributable to the<br />
increase in vulnerability of the human body<br />
that comes as people get older. Regrettably,<br />
not much can be done about this. However,<br />
it would be more advantageous for senior<br />
road users if they were to drive vehicles fitted<br />
with the latest advances in safety technology.<br />
These might best compensate for their physical<br />
weaknesses.<br />
7. Women have a greater likelihood of sustaining<br />
severe injuries than men.Based on distances<br />
driven, the risk of a female driver being<br />
involved in an accident is roughly the<br />
same as the risk for male drivers. However,<br />
the likelihood of a male driver causing a fatal<br />
accident on a road outside a built-up area is<br />
considerably higher than that of a female<br />
driver. More women behind the wheel instead<br />
of in the passenger seat and more men<br />
in the passenger seat instead of behind the<br />
wheel would bring about an increase in safety.<br />
8. The type of road turned out to be of different<br />
importance for the accident categories.<br />
Collisions with oncoming vehicles on dual<br />
carriageway roads have significantly more severe<br />
consequences than on other types of<br />
roads. This is why there is a demand for continuous<br />
guard rails here and on main roads<br />
with heavy traffic (AADT >10 000). However,<br />
the likelihood of sustaining severe injuries on<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 31
main roads and side roads in collisions with<br />
fixed obstacles on either side of the carriageways<br />
is particularly great. For this reason,<br />
areas free of obstacles for 6 metres or<br />
guard rail systems instead are required for<br />
these roads (q.v. §3 in this connection).<br />
9. Pedestrians are at the greatest risk by far of<br />
being seriously injured or killed in an accident<br />
on a rural road. Little else can be expected in<br />
accidents involving such high speeds. The<br />
greatest temporal and/or spatial separation is<br />
vital here. However, passengers sitting in the<br />
front are also exposed to increased risk. They<br />
would be safer on the back seats – but only if<br />
seat belts were always used there, too. However,<br />
this has not been the case so far.<br />
10. In terms of the likelihood of severe injuries,<br />
there are no differences between straight<br />
stretches of road and bends in the different<br />
accident categories (with one exception). The<br />
consequences of collisions with oncoming<br />
vehicles are, however, a little less serious in<br />
bends than on straight stretches of road.<br />
Nevertheless, substantially more accidents involving<br />
fatalities occur in bends on the<br />
whole. Large radii in the bends, wide reinforced<br />
shoulders and road width are important<br />
factors for safe bends. Some changes in<br />
Swiss roadbuilding standards will be necessary<br />
and meaningful to achieve this.<br />
11. Speed in an accident is one of the decisive<br />
factors for the severity of an injury. Even if no<br />
generally lower speed limit is scheduled for<br />
introduction in Switzerland on rural roads,<br />
they should, however, be lowered step-bystep<br />
on stretches of road that are demonstrably<br />
dangerous.<br />
12. Results relating to road condition proved to<br />
be somewhat counterintuitive: Trickier road<br />
conditions such as rain and, in particular,<br />
snow involve less likelihood of severe injuries.<br />
13. The longitudinal slope of a road – no matter<br />
whether it is a rising or falling gradient –<br />
leads to less severe accidents than those that<br />
occur on level roads. The people presumed to<br />
be guilty of the accidents appear to be driving<br />
downhill more often than uphill, however.<br />
Consequently, lower maximum speeds are<br />
proposed for problematical down grades.<br />
14. The analyses of right-of-way rules lead to<br />
results that show little uniformity. Tram or<br />
rail rights of way are the most dangerous<br />
(but are also rare). Dependent on the accident<br />
category, traffic lights are more or less<br />
safe.<br />
15. There are also inconsistent results for the<br />
signposting of permitted maximum speeds.<br />
Here, too, there are positive as well as negative<br />
results dependent on the accident category.<br />
16. Results relating to accident severity by time<br />
of day are also not clear. It is evident that accidents<br />
involving at least 2 parties tend to occur<br />
rarely at night as traffic is less intensive at<br />
this time of day.<br />
17. The results relating to artificial lighting are<br />
not consistent. In the majority of accident<br />
categories, the effect of this is to promote<br />
safety (less likelihood of severe injuries).<br />
18. More collisions with oncoming vehicles occur<br />
at weekends. The likelihood of severe injuries<br />
is, however, greater during the week.<br />
Increased checks by the police for the most<br />
important risk factors of speed, alcohol and<br />
seat belt usage can be mentioned as countermeasures<br />
here. These would be particularly<br />
important during the day and in the even-<br />
32 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract bfu-Report Nr. 61
ing as collisions with other vehicles are more<br />
likely due to the higher volumes of traffic.<br />
19. Precisely who the owner of the vehicle is also<br />
plays a role in accidents. The use of vehicles<br />
owned by other people (rental car, company<br />
car) is accompanied by a reduction in accident<br />
severity and should therefore be promoted.<br />
In view of a customer base of, for example,<br />
80,000 members at Mobility [4] a major<br />
effect on road safety cannot, however, be<br />
expected from measures in this sector. By far<br />
the most vehicles will remain in private ownership.<br />
20. Possession of a driving licence for 3 years or<br />
less increases the risk of a severe injury in collisions<br />
with oncoming vehicles. Prohibiting<br />
new drivers during their probationary period<br />
from using roads without any structural separation<br />
of traffic moving in opposite directions<br />
would be worth discussing at least.<br />
21. The road category (ownership structures of a<br />
road) (only played a role in the accident category<br />
Collisions with oncoming vehicles .<br />
Road users on major arterial route as (and,<br />
marginally, cantonal roads) have a higher risk<br />
of sustaining severe injuries than on municipal<br />
roads. The Swiss Confederation and the<br />
cantons face a greater challenge here than<br />
the municipalities, where the financing of the<br />
infrastructure measures required is concerned.<br />
Safety audits for new roads as well as road safety<br />
inspections for existing roads are further ways<br />
of improving road safety that do not necessarily<br />
arise from the accidents that happen, but nevertheless<br />
have considerable potential for prevention.<br />
In fact, safety audits and inspections can be<br />
expected to gain substantially in importance<br />
with regard to road safety on rural roads.<br />
Rumble strips as they are known are one measure<br />
that can generally help car drivers to remain<br />
on the carriageway and in their traffic lane. Unfortunately,<br />
they cause noise and can only be<br />
used at an appropriate distance away from residential<br />
areas.<br />
In scientific papers, it is repeatedly claimed that<br />
accidents on rural roads are fairly widely dis-<br />
persed, i.e. that there are few localised accident<br />
blackspots that would be worth any remedial<br />
work. This postulate was also investigated with<br />
regard to Switzerland and was confirmed with<br />
few exceptions. It is a fact that the accidents<br />
that occur are generally widely dispersed over<br />
the entire network of rural roads. This must be<br />
taken into consideration when any interventions<br />
are planned.<br />
bfu-Report Nr. 61 Zusammenfassung / Résumé / Riassunto / Abstract 33
II. Einleitung<br />
Die Frage der Verkehrssicherheit kann aus Sicht der<br />
Verkehrsteilnehmer betrachtet werden. Ausgangslage<br />
kann aber auch das Fahrzeug oder wie im<br />
vorliegenden Bericht die Strasse selber sein. In dieser<br />
Studie wird die Verkehrssicherheit <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
(ohne Autobahnen) untersucht. (Der<br />
Begriff Landstrassen wird in diesem Bericht synonym<br />
verwendet). Hier geschieht ein grosser Anteil<br />
der Unfälle, die oft auch schwere Folgen haben.<br />
Autobahnen haben sich als sehr sicher erwiesen.<br />
Die Anzahl der dort ums Leben gekommenen lag<br />
in den Jahren 1992 bis 2007 bei durchschnittlich<br />
62 Personen pro Jahr, was 11 % aller im Strassenverkehr<br />
Getöteten ausmacht. Auch mit dem Ausbau<br />
des Autobahnnetzes und der überdurchschnittlich<br />
hohen Verkehrszunahme hat sich hier<br />
kein Anstieg ergeben.<br />
Innerorts starben durchschnittlich 205 Personen<br />
pro Jahr. Dies entspricht 36 % der Getöteten im<br />
Abbildung 1<br />
Entwicklung der Anzahl Getöteter im Strassenverkehr nach Ortslage, 1992–2007<br />
900<br />
800<br />
700<br />
600<br />
500<br />
400<br />
300<br />
200<br />
100<br />
0<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
Strassenverkehr in den 16 Jahren von 1992 bis<br />
2007.<br />
Der Rest – im Durchschnitt 53 % aller <strong>auf</strong> Schweizer<br />
Strassen getöteten Personen – sterben <strong>auf</strong><br />
Landstrassen. Seit 1992 ist eine positive Entwicklung<br />
zu beobachten. Die Anzahl der Getöteten<br />
sank von damals 453 <strong>auf</strong> 196 im Jahr 2007. Dennoch<br />
ist und bleibt die Landstrasse die gefährlichste<br />
Strasse in der Schweiz.<br />
In der folgenden Grafik (Abbildung 1) ist die Entwicklung<br />
der Verkehrstoten nach den verschiedenen<br />
Ortslagen dargestellt.<br />
Der vorliegende Bericht will einen Beitrag dazu<br />
leisten, dass die <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
weiter ansteigt.<br />
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007<br />
Innerorts Ausserorts Autobahn Gesamt<br />
34 Einleitung bfu-Report Nr. 61
III. Problemdarstellung<br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> sind ein besonderer Strassentyp,<br />
der vielfältige Aufgaben zu erfüllen hat: Einerseits<br />
werden dar<strong>auf</strong> beachtliche Entfernungen überwunden.<br />
Das führt dazu, dass die Geschwindigkeitslimiten<br />
nicht zu tief angesetzt werden können.<br />
Andererseits vermischen sich die verschiedenen<br />
Verkehrsteilnehmergruppen, die sich hinsichtlich<br />
ihrer Geschwindigkeiten und Massen deutlich unterscheiden.<br />
Aus dieser verhältnismässig grossen<br />
Heterogenität des Verkehrsgeschehens erklärt sich<br />
zumindest ein Teil der Probleme, die <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
bestehen.<br />
bfu-Report Nr. 61 Problemdarstellung 35
IV. Vorarbeiten<br />
Für den vorliegenden Bericht sind verschiedene<br />
Vorarbeiten geleistet worden. Die bfu hat am Projekt<br />
der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit<br />
und Entwicklung (OECD) zur <strong>Sicherheit</strong><br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> teilgenommen. Anschliessend<br />
wurden 2 Erhebungen zur Länge des schweizerischen<br />
Landstrassennetzes und eine kleine Studie<br />
zum Stand des Rettungswesens in der Schweiz<br />
durchgeführt.<br />
1. OECD-Bericht: Safety Strategies For<br />
Rural Roads<br />
In den Jahren 1998 und 1999 wurde von der<br />
OECD eine Arbeitsgruppe zum Thema <strong>Sicherheit</strong><br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> geleitet. Deren Arbeit mündete<br />
in einen Bericht [1], der sich mit dem Ausmass<br />
des Problems und den möglichen Lösungsansätzen<br />
beschäftigte. Schliesslich wurden diverse Massnahmen<br />
zur Verbesserung der <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
vorgeschlagen, von denen allerdings<br />
nicht alle bereits eine nachgewiesene Wirksamkeit<br />
haben. Im Folgenden wird dieser Bericht<br />
kurz zusammengefasst.<br />
Jährlich sterben <strong>auf</strong> Landstrassen rund 75 000<br />
Personen in den Mitgliedsländern der OECD. Ihr<br />
Anteil liegt in den meisten Ländern Mitteleuropas<br />
bei rund 50–60 % aller im Strassenverkehr Getöteten.<br />
In den vergangenen Jahren hat der Anteil der<br />
Getöteten <strong>auf</strong> Ausserortstrassen einen deutlichen<br />
Aufwärtstrend erfahren. Er stieg von 1987 bis<br />
1996 um rund 5 Prozentpunkte von 55 <strong>auf</strong> 60 %.<br />
Als wichtigste Unfallklassen stellten sich die Selbstunfälle,<br />
die Frontalkollisionen und Unfälle an Kno-<br />
ten (Kreuzungen und Einmündungen) heraus.<br />
Landstrassen sind ein grosser Teil des gesamten<br />
Strassennetzes (je nach Land zwischen 50 und<br />
80 %), aber nur ein verhältnismässig geringer Teil<br />
der Kilometerleistung wird <strong>auf</strong> diesem Strassentyp<br />
absolviert. Das Risiko eines tödlichen Unfalls pro<br />
zurückgelegte Strecke ist jedoch relativ hoch. Das<br />
Risiko, <strong>auf</strong> Landstrassen getötet zu werden, liegt<br />
bei rund 14 pro 1 Mia. Fahrzeugkilometer. Dies ist<br />
fast 4-mal so hoch wie <strong>auf</strong> Autobahnen und noch<br />
1,3-mal höher als innerorts.<br />
Ausgehend von dem Mensch-Maschine-Umwelt-<br />
Modell werden in dem Bericht eine ganze Reihe<br />
von möglichen Massnahmen zur Verbesserung der<br />
<strong>Sicherheit</strong> in den Bereichen Strassenbau, Verkehrsüberwachung,<br />
Telematik und Rettungswesen analysiert.<br />
Als Hauptprobleme der Lenker werden die<br />
Einhaltung der Gesetze, insbesondere zum Thema<br />
Geschwindigkeit und Fahren unter Alkoholeinfluss,<br />
sowie Probleme der Informationsverarbeitung abgehandelt.<br />
Hinsichtlich der Strasse bzw. der Strassenumgebung<br />
werden Erkennbarkeit und Einheitlichkeit,<br />
Strassenoberflächen, Hindernisse ausserhalb<br />
der Fahrbahn, Sichtbarkeit und Verkehrssignalisation<br />
behandelt. Als fahrzeugspezifisches Problem<br />
wird das Zusammenkommen sehr verschiedener<br />
Verkehrsarten <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> diskutiert.<br />
Dies betrifft vor allem Motorräder und Motorfahrräder,<br />
Fussgänger und Velofahrer sowie anderen<br />
Langsamverkehr wie z. B. Agrarfahrzeuge.<br />
Im strassenbaulichen Bereich werden die Katego-<br />
rien Querschnitte, Knoten und Längsschnitte der<br />
36 Vorarbeiten bfu-Report Nr. 61
Strassen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die verschiedenen<br />
Unfallklassen abgehandelt. Besonderer<br />
Wert wird <strong>auf</strong> die Möglichkeiten zur Verhinderung<br />
bzw. Verminderung der Schwere der Unfallklasse<br />
Kollision mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn<br />
gelegt. Auch Verkehrszeichen, Markierungen<br />
und Beleuchtung werden besprochen. Schliesslich<br />
werden noch der Strassenunterhalt und die Probleme<br />
der schwachen Verkehrsteilnehmer analysiert.<br />
Im Kapitel über die Verkehrsüberwachung wird<br />
beschrieben, welche Dimensionen zu einer besseren<br />
Wirksamkeit führen. Es wird empfohlen die<br />
Verkehrsüberwachung anhand des Unfallgeschehens<br />
auszurichten. Dies beinhaltet vor allem die<br />
Unfallorte, -uhrzeiten und -risikogruppen. Angesichts<br />
des oft geringen Verkehrs<strong>auf</strong>kommens <strong>auf</strong><br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> wird die automatische Verkehrsüberwachung<br />
besonders empfohlen. Schliesslich<br />
werden noch die gängigsten Überwachungspraktiken<br />
behandelt.<br />
Die Telematik ist ein rasant wachsendes Feld. Es<br />
wird versucht die Schwächen des Menschen durch<br />
elektronische Hilfen zu korrigieren. Besondere Bedeutung<br />
kommt den Geschwindigkeits- und Fahrer-/Fahrzeuginformationssystemen<br />
zu. Daneben<br />
werden auch infrastrukturbasierte Systeme behandelt.<br />
Das Kapitel über das Rettungswesen behandelt die<br />
Probleme bei Unfällen <strong>auf</strong> Landstrassen. Es handelt<br />
sich vor allem um 3 Problemkreise:<br />
1. Die Schnelligkeit der medizinischen Versorgung<br />
2. Die Qualität der medizinischen Erstversorgung<br />
3. Die Fähigkeit der Spitäler <strong>auf</strong> dem Land mit<br />
schweren Verletzungsfällen adäquat umzugehen.<br />
Bis zu 1/3 aller Sterbefälle könnten angeblich durch<br />
eine angemessene medizinische Versorgung innerhalb<br />
der ersten Stunde nach dem Unfall (der sogenannten<br />
«golden hour») vermieden werden.<br />
Der OECD Bericht [1] führt keine vollständige Liste<br />
der Massnahmen zum Reduzieren der Unfälle ausserorts.<br />
Es wird von den «Hauptmassnahmen»<br />
gesprochen, welche einen Überblick <strong>auf</strong> dem Gebiet<br />
geben sollen. In Tabelle 1, S.38 werden die<br />
Massnahmen des Berichtes <strong>auf</strong>gelistet.<br />
Als Kritik zum OECD-Bericht [1] ist anzumerken,<br />
dass von den 3 E der Verkehrssicherheitsarbeit das<br />
Engineering und das Enforcement ausführlich behandelt<br />
wurden, der Education (Verkehrserziehung)<br />
aber nur wenig Platz eingeräumt wurde.<br />
2. Streckennetz<br />
Eine wichtige Grundlage für die Bewertung von<br />
strassenbaulichen Massnahmen ist die Kenntnis der<br />
Länge des gesamten <strong>Ausserortsstrassen</strong>netzes.<br />
Diese Information kann bei der Einschätzung der<br />
Kosten einen wichtigen Beitrag leisten. Das <strong>Ausserortsstrassen</strong>netz<br />
(ohne Autobahnen) befindet<br />
sich zum allergrössten Teil entweder im Besitz der<br />
Kantone oder der Gemeinden. Um die Länge des<br />
Streckennetzes abzuschätzen, wurden einerseits<br />
die Kantone und andererseits die Gemeinden über<br />
die Länge ihres Streckennetzes befragt.<br />
bfu-Report Nr. 61 Vorarbeiten 37
Von allen Kantonen erhielten wir Antworten <strong>auf</strong><br />
die Anfragen. Leider war es nicht immer möglich,<br />
Informationen über die Ortslage (innerorts vs. ausserorts)<br />
zu erhalten, so dass diese Zahlen interpoliert<br />
werden mussten. Die Länge der Kantonsstrassen<br />
ausserorts kann <strong>auf</strong> etwa 12 000 Kilometer<br />
geschätzt werden.<br />
Eine Umfrage zur Länge des Landstrassennetzes im<br />
Gemeindebesitz wurde bei allen Schweizer Gemeinden<br />
durchgeführt (Kap. XI.1). Rund 58 % der<br />
Gemeinden antworteten. Eine Hochrechnung <strong>auf</strong><br />
der Grundlage der 22 Gemeindetypen des Bundesamtes<br />
für Statistik ergab, dass die Gemeinden ca.<br />
22 000 Kilometer Landstrassen besitzen dürften.<br />
Insgesamt gibt es also schätzungsweise 34 000<br />
Kilometer <strong>Ausserortsstrassen</strong> von denen 35 % im<br />
Kantons- und 65 % im Gemeindebesitz sind.<br />
In der Schweiz gibt es mindestens 3 verschiedene<br />
Arten der Strassenkategorisierung:<br />
Nach Eigentümer, d. h. Nationalstrasse, Kantonsstrasse,<br />
Gemeindestrasse oder Privatstrasse<br />
Tabelle 1<br />
Massnahmen, welche im OECD-Bericht «Safety Strategies on Rural Roads» von 1999 vorgeschlagen werden<br />
Massnahmen<br />
1. Planen des Netzwerkes 31. Low-Cost Massnahmen<br />
2. Querschnitt: Trennen des entgegenkommenden Verkehrs 32. Verkehrsüberwachung an Unfallschwerpunkten<br />
3. Verbreitern der Fahrbahn und des Bankettes 33. Intensivierung der Verkehrsüberwachung<br />
4. Trennen des Langsamverkehrs vom schnellen Verkehr 34. Verkehrsüberwachung und Öffentlichkeitsarbeit<br />
5. Brücken 35. Verkehrsüberwachung mit sichtbarer Polizeipräsenz<br />
6. Knoten 36. Verkehrsüberwachung mit automatischen Mitteln<br />
7. Bahnübergänge 37. Wiederholte Verkehrsüberwachung<br />
8. Horizontale Kurven 38. Schnelle Bestrafung<br />
9. Neigungen und vertikale Kurven 39. Rückfluss der Bussengelder<br />
10. Übergangsstrecken zwischen ausserorts und innerorts 40. Geschwindigkeitsüberwachung im Fahrzeug<br />
11. Hindernisfreie Räume 41. Fahrzeuglenkerüberwachung<br />
12. Böschungsneigungen 42. Warnanlagen bei Knotenzufahrten<br />
13. Leitschrankensystem 43. Führungs- und Warnlichter in Kurven<br />
14. Anpralldämpfer 44. Wetter-Informationssystem<br />
15. Strassenmöblierung mit Sollbruchstellen 45. Radarsystem zum Erkennen von Objekten<br />
16. Signale 46. Spurhaltungsgeräte<br />
17. Belagsmarkierungen 47. Linderung der Unfallfolgen beim Unfall<br />
18. Rumpelnde Elemente <strong>auf</strong> der Fahrbahn 48. Unfalldatenschreiber<br />
19. Strassenseitige Markierungen 49. Navigationssysteme<br />
20. Strassenbeleuchtung 50. Strassenkilometrierung<br />
21. Belagsunterhalt 51. GPS<br />
22. Unterhalt der Signale, Markierung und optischen Linienführung 52. Kampagnen<br />
23. Unterhalt des angrenzenden Strassenraums 53. Kurswesen<br />
24. Winterdienst 54. Pünktlichkeit der Behandlung<br />
25. Baustellensicherung 55. Training<br />
26. Fussgänger und Radfahrer <strong>auf</strong> Strassenabschnitten 56. Rettungsfahrzeuge<br />
27. Fussgänger und Radfahrer an Kreuzungsstellen 57. Behandlungsstandards<br />
28. Inspektion der <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> Strassen 58. Aus- und Weiterbildung<br />
29. Analyse von Unfallschwerpunkten 59. Zusammenarbeit<br />
30. Safety Audits<br />
Quelle: OECD<br />
38 Vorarbeiten bfu-Report Nr. 61
Nach Strassenart im rechtlichen Sinne, d. h.<br />
Autobahn, Autostrasse, Hauptstrasse, Nebenstrasse<br />
Im verkehrstechnischen Sinne, d. h. Hochleistungsstrassen<br />
HLS, Hauptverkehrsstrassen HVS,<br />
Verbindungsstrassen VS sowie (innerorts) Sammelstrassen<br />
SS und Erschliessungsstrassen ES.<br />
Für einige weitergehende Analysen muss aus der<br />
Strassenkategorisierung nach Eigentümern diejenige<br />
im rechtlichen Sinne erarbeitet werden. Dazu<br />
wurden die Erkenntnisse aus den Befragungen von<br />
Kantonen und Gemeinden mit Informationen des<br />
Bundesamts für Strassen (ASTRA) und des Bundesamts<br />
für Statistik (BFS) kombiniert sowie um einige<br />
Schätzungen ergänzt.<br />
In einem Bericht des ASTRA [5] sind folgende Angaben<br />
bezüglich Nationalstrassennetzlänge vorhanden:<br />
Autobahnen 1 359 km<br />
Autostrassen 286 km<br />
Schweizerische Hauptstrassen 112 km<br />
(Nationalstrassen 3. Klasse)<br />
Es kommen also zu den 34 000 Kilometern <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
im Kantons- und Gemeindebesitz<br />
noch ca. 400 Kilometer im Besitz des Bundes dazu.<br />
Vom BFS [6] sind folgende Angaben erhältlich:<br />
Kantonsstrassen 18 094 km<br />
davon ausserorts (a.o.) gem. dieser Studie 12 000 km<br />
Gemeindestrassen 51 446 km<br />
davon a.o. gem. dieser Studie 22 000 km<br />
Diese Einteilung der Strassen ist nicht mit der Kategorisierung<br />
der Strassen im Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll<br />
identisch. Die Unfälle können gemäss<br />
Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll nach Autobahn, Autostrasse,<br />
Haupt- und Nebenstrassen ausgewertet<br />
werden wovon für die Ausserortsstrecken nur die<br />
letzteren 3 von Bedeutung sind. Darum werden die<br />
vorhandenen Angaben in diese Kategorien umgerechnet.<br />
Die Aufteilung <strong>auf</strong> die ausgewerteten Strassenarten<br />
ergibt (geschätzt) folgende Netzlängen:<br />
Autostrassen<br />
0.5 % der Kantonsstrassen a.o. + 286 km = 60<br />
km + 268 km = 328 km<br />
Hauptstrasse<br />
79,5 % der Kantonsstrassen a.o. + 5 % der<br />
Gemeindestrassen a.o. + 112 km = 9540 km +<br />
1100 km + 112 km = 10 752 km<br />
Nebenstrasse<br />
20 % der Kantonsstrassen a.o. und 95 % der<br />
Gemeindestrassen a.o. = 2 400 km + 20 900<br />
km = 23 300 km<br />
Diese Anteile wurden durch die Verkehrsingenieure<br />
der Abteilung Verkehrstechnik der bfu geschätzt.<br />
Für die Berechnungen der Unfallbeteiligtendichten<br />
werden die gerundeten Werte (330/10 800/<br />
23 300) verwendet. Da die statistischen Analysen<br />
in dieser Studie <strong>auf</strong> der Ebene von Personen und<br />
nicht von Unfällen gerechnet werden, handelt es<br />
sich bei den Auswertungen pro Strecke auch nicht<br />
um die klassische Unfalldichte (Unfälle pro Streckeneinheit)<br />
sondern um die Unfallbeteiligtendichte,<br />
d. h. in Unfälle verwickelte Personen pro Streckeneinheit.<br />
3. Befragung zum Thema Rettungswesen<br />
Die im Folgenden kurz dargestellte Befragung aus<br />
dem Jahr 2000 sollte einen Beitrag dazu leisten, die<br />
Probleme des Rettungswesens <strong>auf</strong> Landstrassen in<br />
der Schweiz zu identifizieren und zu ihrer Lösung<br />
bfu-Report Nr. 61 Vorarbeiten 39
eizutragen. Es wurden alle dem Interverband für<br />
Rettungswesen (IVR) bekannten Rettungsdienste in<br />
der Schweiz angeschrieben, von denen 52 % antworteten.<br />
Es fanden sich folgende Resultate:<br />
Die mittlere Zeitdauer vom Eingang des Notrufs<br />
beim Rettungsdienst bis zum Ausrücken des Rettungsfahrzeugs<br />
tagsüber wurde mit etwas mehr als<br />
3 Minuten angegeben, nachts mit knapp 6 Minuten.<br />
Die eine Hälfte der Rettungsdienste rückte mit<br />
2, die andere mit 3 Personen aus. Bei einer Meldung<br />
von schweren Unfällen wird mit mehr und<br />
qualifizierterem Personal ausgerückt. Die häufigste<br />
Kombination von Personal <strong>auf</strong> dem Rettungsfahrzeug<br />
ist ein Rettungssanitäter und ein Fahrer, der<br />
zumeist auch ein gelernter Transporthelfer ist. Dazu<br />
kommt eventuell noch ein Arzt.<br />
Am häufigsten wurden die Behandlungsrichtlinien<br />
des Interverbandes für Rettungswesen (IVR) als<br />
Grundlage für die Behandlung der Unfallopfer<br />
genannt. Die am häufigsten genannten Probleme<br />
waren die Absicherung des Unfallortes und die<br />
Selbstsicherung des Rettungspersonals, gefolgt<br />
vom Verhalten der Automobilisten als Reaktion <strong>auf</strong><br />
ein mit Blaulicht fahrendes Rettungsfahrzeug. Die<br />
genaue Identifizierung des Unfallorts scheint ebenfalls<br />
nicht selten ein Problem zu sein.<br />
Die ausführlichen Resultate dieser Studie [2] sind<br />
zwar nie offiziell publiziert worden, stehen aber <strong>auf</strong><br />
Anfrage zur Verfügung oder können einem VESI-<br />
PO-Teilbericht entnommen werden [7].<br />
40 Vorarbeiten bfu-Report Nr. 61
V. Vorgehen<br />
1. Methodik<br />
Die Methodik der vorliegenden Studie besteht<br />
darin, dass das polizeilich registrierte Unfallgeschehen<br />
im Hinblick <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere ausgewertet<br />
wird. Dabei wird mittels multipler logistischer<br />
Regressionen vorhergesagt, ob jemand bei<br />
einem Unfall schwer verletzt oder sogar getötet<br />
wird, oder ob er nur leichte oder gar keine Verletzungen<br />
davongetragen hat. Die Prädiktoren aus<br />
dem Unfalldatensatz des Bundesamtes für Statistik<br />
(BFS) beziehen sich dabei sowohl <strong>auf</strong> das Ereignis<br />
(den Unfall), das Objekt (das Fahrzeug) sowie <strong>auf</strong><br />
die in den Unfall verwickelten Personen. Aufgrund<br />
der grossen Anzahl Fälle in diesem Datensatz (über<br />
2 Mio. Personen), gibt es sehr viele signifikante<br />
Resultate, die aber nicht unbedingt eine grosse<br />
Relevanz in bezug <strong>auf</strong> die <strong>auf</strong>geklärte Varianz haben<br />
(Kap. IX).<br />
Mit dieser Art der Auswertung wird nicht analysiert,<br />
ob sich ein Unfall ereignet oder nicht. Vielmehr<br />
wird vorhergesagt ob die Verletzungen, welche<br />
die am Unfall beteiligten Personen erlitten<br />
haben, schwer bzw. tödlich sind.<br />
Die angewendete statistische Methode ist die multiple<br />
logistische Regression. Sie liefert als Resultat<br />
den sogenannten Odds Ratio (OR) – das Verhältnis<br />
von 2 Odds. Odds lassen sich mit dem Begriff<br />
«Chance» nur ungefähr übersetzen. Bei einem<br />
Wurf eines Würfels besteht die Chance von 1:6<br />
eine bestimmte Zahl zu würfeln, die Odds hingegen<br />
beträgt nur 1:5. Chance und Odds sind also<br />
mathematisch nicht dasselbe. Deshalb wird im Rest<br />
des Berichts der Begriff «Odds» verwendet. Der<br />
dargestellte Odds Ratio kann Werte zwischen nahe<br />
Null und nahezu unendlich erreichen. Ein Odds<br />
Ratio von kleiner als 1 bedeutet, dass dieser Faktor<br />
im Vergleich zu einer Bezugsgrösse – der Referenzkategorie<br />
– mit einem geringeren Risiko schwerer<br />
Verletzungen einhergeht. So zeigt sich z. B. in der<br />
Analyse in Tabelle 3, S.44, dass der Odds Ratio für<br />
Lieferwageninsassen 0.64 beträgt im Vergleich zu<br />
den Personenwageninsassen. Dies bedeutet, dass<br />
das Risiko in Lieferwagen schwer verletzt oder<br />
getötet zu werden um 36 % geringer ist als in<br />
Personenwagen (1.00–0.64 = 0.36*100 = 36 %).<br />
Bei einem Mofafahrer hingegen ist das Risiko<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden in etwa 10mal<br />
so gross wie bei einem Personenwageninsassen<br />
(OR=10.02).<br />
Die Resultate, die präsentiert werden, sind jeweils<br />
für diverse sogenannte konfundierende Faktoren<br />
kontrolliert (Tabelle 3. S. 44, Anmerkung). Es ist<br />
beispielsweise bekannt, dass Mofafahrer weniger<br />
häufig einen Helm tragen als Motorradfahrer. Da<br />
für die Tatsache der Benutzung des Motorradhelms<br />
kontrolliert wird, handelt es sich hier bei den Resultaten<br />
zum Fortbewegungsmittel um den reinen<br />
Effekt ohne Konfundierung durch eine allfällige<br />
Nichtbenutzung des Helmes. Aus Gründen der<br />
Lesbarkeit wird bei den übrigen Resultatetabellen<br />
<strong>auf</strong> die separate Auflistung der kontrollierten Variablen<br />
verzichtet. Die Tabellen sind meistens nach<br />
Anzahl Getötete sortiert.<br />
Zusätzlich zu den Aussagen über die Verletzungsschwere<br />
werden auch noch Informationen über die<br />
bfu-Report Nr. 61 Vorgehen 41
Häufigkeit geliefert (Anzahl in die Unfälle verwi-<br />
ckelte Personen und Anzahl Getötete). Dies ist<br />
deshalb nötig, weil das Risiko einer schweren Verletzung<br />
allein nicht sehr viel darüber aussagt, wie<br />
relevant ein bestimmtes Merkmal für die Verkehrssicherheit<br />
allgemein ist. Ein sehr risikobehaftetes<br />
Merkmal, das aber nur sehr selten in Erscheinung<br />
tritt, kann weniger relevant sein als ein Merkmal,<br />
welches ein nur leicht erhöhtes Risiko hat, aber<br />
weit verbreitet ist (für die theoretischen Grundlagen<br />
siehe [8]).<br />
Für die Auswertungen in dieser Studie wurden die<br />
polizeilich registrierten Unfälle vom 01.01.1992 bis<br />
31.12.2003 berücksichtigt. Dies entspricht einem<br />
Betrachtungszeitraum von 12 Jahren. Es wurden<br />
total rund 190 000 Fälle analysiert, davon 2 500<br />
getötete Personen.<br />
Der Unterschied zu den gesamthaft über 2 Mio.<br />
Fällen im Datensatz und den 190 000, die in die<br />
Analysen einfliessen, ergibt sich aus 2 Gründen: Es<br />
wurden nur Ausserortsfälle analysiert und nur diejenigen<br />
Fälle, die bei keiner Variable einen fehlenden<br />
Wert hatten.<br />
2. Aufteilung in 5 Unfallklassen<br />
Wie bereits dargestellt wurden bei der OECD-<br />
Tabelle 2<br />
Zuordnung der Unfalltypen laut Strassenverkehrsunfallstatistik<br />
zu den 5 analysierten Unfallklassen<br />
Unfallklasse Unfalltypen lt. Strassenverkehrsunfallstatistik<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen<br />
15, 21 bis 29, 35<br />
Kollision mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn<br />
13, 16<br />
Kollisionen an Knoten 61 bis 79<br />
Unfälle ohne Kollisionen 11, 36<br />
Kollisionen mit Fussgängern 01 bis 09<br />
Studie [1] 3 Unfallklassen unterschieden: Selbstunfälle,<br />
Frontalkollisionen und Unfälle an Knoten. In<br />
der vorliegenden Arbeit werden sogar 5 Unfallklassen<br />
analysiert:<br />
1. Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
2. Kollision mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn<br />
3. Kollisionen an Knoten<br />
4. Unfälle ohne Kollisionen<br />
5. Kollisionen mit Fussgängern<br />
In der schweizerischen Statistik der polizeilich protokollierten<br />
Strassenverkehrsunfälle gibt es 53 Unfalltypen,<br />
die in 10 Kategorien zusammengefasst<br />
werden. In Tabelle 2 ist <strong>auf</strong>gelistet welche Unfalltypen,<br />
welchen Unfallklassen zugeordnet wurden.<br />
Insgesamt können mit dieser Kategorisierung 88 %<br />
der getöteten Verkehrsteilnehmer <strong>auf</strong> Landstrassen<br />
erfasst werden. Knapp 12 % Getöteten sind bei<br />
anderen Unfalltypen ums Leben gekommen.<br />
Abbildung 2<br />
Anzahl Getötete und Case fatality <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> nach<br />
Unfallklasse, 1992–2007<br />
42 Vorgehen bfu-Report Nr. 61<br />
1800<br />
1600<br />
1400<br />
1200<br />
1000<br />
800<br />
600<br />
400<br />
200<br />
0<br />
Quelle: BFS/bfu Quelle: BFS/bfu<br />
Anzahl Getötete<br />
Kollision mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen<br />
Kollision mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn<br />
Kollision an Knoten<br />
Unfall ohne Kollision<br />
Kollision mit Fussgänger<br />
Anzahl Getötete Schwere (Case Fatality)<br />
12<br />
10<br />
8<br />
6<br />
4<br />
2<br />
0<br />
Case Fatality
Die 5 Unfallklassen unterscheiden sich deutlich<br />
hinsichtlich ihrer Häufigkeit und Schwere. Wie aus<br />
Abbildung 2, S. 42 hervorgeht gibt es die meisten<br />
Getöteten bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen, knapp gefolgt von den Kollisionen<br />
mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn. An dritter Stelle sind die Kollisionen an<br />
Knoten. Es folgen die Unfälle ohne Kollisionen und<br />
schliesslich die Kollisionen mit Fussgängern. Deutlich<br />
anders sieht das Bild aus wenn man sich die<br />
Unfallschwere anschaut. Die «Case fatality» (Getötete<br />
pro 100 Verunfallte, d. h. Getötete und Verletzte)<br />
gibt den prozentualen Anteil der Getöteten<br />
unter den verletzten Unfallbeteiligten wider. Dann<br />
«führen» die Kollisionen mit Fussgängern mit<br />
10 % aller verletzten Unfallbeteiligten, die ums<br />
Leben kommen. Eine etwa halb so grosse Case<br />
fatality von etwa 5 % haben die Kollisionen mit<br />
entgegenkommenden Fahrzeugen und die Kollisionen<br />
mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn.<br />
Die Kollisionen an Knoten und die Unfälle<br />
ohne Kollisionen weisen deutlich geringere Anteile<br />
tödlich verletzter Personen <strong>auf</strong>.<br />
Im Verl<strong>auf</strong> der Zeit haben sich deutliche Verbesserungen<br />
beim Unfallgeschehen ergeben. Die Anzahl<br />
der jährlich <strong>auf</strong> Landstrassen Getöteten sank von<br />
1992 bis 2007 von 453 <strong>auf</strong> 196. Bezüglich der 5<br />
Unfallklassen gab es allerdings nur wenig spezifische<br />
Veränderungen (Abbildung 3). Zwar gab es<br />
immer mal wieder einzelne markante Veränderungen<br />
(Rückgang bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen von 2000–2002, bei den<br />
Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn von 2005–2006, bei den Unfällen ohne<br />
Kollisionen von 2002–2003), aber insgesamt hat<br />
sich das Verhältnis der 5 Unfallklassen zueinander<br />
<strong>auf</strong> den Landstrassen nicht sehr stark verändert.<br />
Abbildung 3<br />
Anzahl getöteter Personen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> nach Unfallklassen im zeitlichen Verl<strong>auf</strong>, 1992–2007<br />
180<br />
160<br />
140<br />
120<br />
100<br />
80<br />
60<br />
40<br />
20<br />
0<br />
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007<br />
KEF = Kollisionen mit entegegnkommeneden Fahrzeugen<br />
KFH = Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn<br />
KAK = Kollisionen an Knoten<br />
UOK = Unfälle ohne Kollisionen<br />
KMF = Kollisionen mit Fussgängern<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
KEF KFH KAK UOK KMF<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Vorgehen 43
VI. Resultate<br />
Die multiplen logistischen Regressionen wurden für<br />
jede der 5 Unfallklassen einzeln gerechnet, so dass<br />
die spezifische Bedeutung der einzelnen Risikofaktoren<br />
für die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
pro Unfallklasse differenziert werden kann.<br />
Jeder signifikante Prädiktor wird separat präsentiert.<br />
Zusätzlich zu den Odds Ratios werden auch<br />
noch beschreibend die Anzahl beteiligter Personen<br />
und die Anzahl Getöteter <strong>auf</strong>geführt. Die logistischen<br />
Regressionen beruhen aus technischen<br />
Gründen <strong>auf</strong> den Unfallzahlen der Jahre 1992–<br />
2003.<br />
1. Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen<br />
Als erste Unfallklasse werden die Kollisionen mit<br />
entgegenkommenden Fahrzeugen analysiert.<br />
1.1 Fortbewegungsmittel<br />
Die Fortbewegungsmittel, in denen die meisten<br />
Personen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> bei einer Kollision<br />
mit einem entgegenkommenden Fahrzeug sterben,<br />
sind Personenwagen (PW) – 920 von 1266 Getöteten<br />
oder 73 % waren Personenwageninsassen<br />
(Tabelle 3).<br />
Tabelle 3<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
vom Fortbewegungsmittel<br />
Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Personenwagen (Referenzkategorie) 65 598 920 0.00 1.00<br />
Motorrad über 125 ccm 2 376 188 0.00 12.37 11.14 13.75<br />
Motorrad bis 125 ccm 746 65 0.00 15.30 12.94 18.09<br />
Motorfahrrad 506 21 0.00 10.02 8.01 12.55<br />
Lieferwagen 2 974 17 0.00 0.64 0.53 0.77<br />
Kleinmotorrad 240 9 0.00 11.68 8.59 15.88<br />
Lastwagen 2 658 4 0.00 0.10 0.07 0.15<br />
Kleinbus 734 2 0.21 0.81 0.57 1.13<br />
Andere 105 1 0.05 0.25 0.06 1.03<br />
Sattelschlepper über 3.5 t 513 1 0.00 0.15 0.08 0.30<br />
Arbeitsmaschine 127 0 0.05 0.24 0.06 1.00<br />
Bus / Car 1 203 0 0.00 0.08 0.04 0.17<br />
Traktor 445 0 0.00 0.03 0.00 0.19<br />
Trolleybus 3 0 0.82 0.01 0.00 sehr grosses und daher nicht<br />
aussagekräftiges Ergebnis<br />
Sattelschlepper bis 3.5 t 75 0 0.24 0.01 0.00 25.41<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für die folgenden Variablen kontrolliert: Rückhaltesystem/Helm, Strassenart, Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker, Grossregion, Strassenanlage,<br />
Höchstgeschwindigkeit, Alter der beteiligten Person, Geschlecht der beteiligten Person, Uhrzeit, Strassenzustand, Unfallstelle, Personenart, künstliche Beleuchtung, Wochentag,<br />
Signalisation der Höchstgeschwindigkeit, Strassenkategorie, Dauer des Führerausweisbesitzes, Vortrittsregelung und Angaben zum Lenker.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
44 Resultate bfu-Report Nr. 61
Die bei weitem grösste Wahrscheinlichkeit bei einem<br />
Unfall mit einem entgegenkommenden Fahrzeug<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden, besteht<br />
jedoch bei den Benutzern von motorisierten<br />
Zweirädern. Ihr Risiko ist – je nach Grösse des Fahrzeugs<br />
– etwa 10 bis 15 Mal so gross wie das der<br />
PW-Insassen. Als besonders sicher für ihre Insassen<br />
erweisen sich bei dieser Unfallklasse Sattelschlepper,<br />
Busse, Traktoren und Lastwagen.<br />
1.2 Rückhaltesystem/Helm<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurt oder Helm schützen bekanntermassen<br />
sehr wirkungsvoll vor schweren und tödlichen<br />
Verletzungen. Trotzdem waren über die Hälfte<br />
57 %) der bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen getöteten Personen mit Gurt oder<br />
Helm gesichert. Wenn man nicht gesichert ist,<br />
dann erhöht sich das Risiko schwer verletzt oder<br />
getötet zu werden <strong>auf</strong> mehr als das 6-fache<br />
(Tabelle 4).<br />
1.3 Strassenart<br />
Die allermeisten Getöteten starben <strong>auf</strong> Hauptstrassen<br />
(knapp 70 %). Danach folgen mit jeweils rund<br />
15 % die Autostrassen und die Nebenstrassen.<br />
Weil schätzungsweise mindestens 50 % der Autostrassen<br />
mit einer Mittelleitplanke physisch richtungsgetrennt<br />
ausgebaut sind (Schätzung der Abteilung<br />
Verkehrstechnik der bfu), müssen bei der<br />
Berechnung der Unfallbeteiligtendichten die Unfälle<br />
nur durch die Hälfte der ermittelten Streckenlänge<br />
von Autostrassen dividiert werden. Die Zahlen<br />
ergeben folgende Unfallbeteiligtendichten Ud [Anzahl<br />
an Unfällen beteiligte Personen pro km pro<br />
Durchschnittsjahr]:<br />
Tabelle 4<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />
Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Rückhaltesystem/Helm (Referenzkategorie)<br />
66 169 717 0.00 1.00<br />
Kein Rückhaltesystem/Helm 4 388 298 0.00 6.04 5.56 6.57<br />
Unbekannt 1 163 178 0.00 9.31 8.13 10.66<br />
Keine Tragpflicht/kein System 6 583 73 0.00 1.58 1.33 1.87<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 5<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Strassenart<br />
Strassenart Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Hauptstrasse 44 990 880 0.00 0.70 0.57 0.87<br />
Autostrasse (Referenzkategorie) 4 017 203 0.00 1.00<br />
Nebenstrasse 28 845 181 0.00 0.34 0.27 0.42<br />
Andere 451 2 0.00 0.28 0.17 0.46<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 45
Autostrasse 2.03 (4017/(12*(330/2)))<br />
(mit Berücksichtigung der vorhandenen Mittelleitplanken)<br />
Autostrasse 1.01 (4017/(12*(330)))<br />
(ohne Berücksichtigung der vorhandenen Mittelleitplanken)<br />
Hauptstrasse 0.35 (44 990/(12*9900))<br />
Nebenstrasse 0.10 (28 845/(12*23 300))<br />
Aus diesen Zahlen geht hervor, dass die Unfallbeteiligtendichte<br />
<strong>auf</strong> dem kurzen Netz der in Frage<br />
kommenden Autostrassen mit Abstand am höchsten<br />
ist.<br />
Auch die grösste Wahrscheinlichkeit, dass Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen zu<br />
schweren oder tödlichen Verletzungen führen, besteht<br />
<strong>auf</strong> Autostrassen (Tabelle 5, S. 45). Hier sind<br />
die Höchstgeschwindigkeiten wegen des guten<br />
Ausbaustandards höher als <strong>auf</strong> den anderen<br />
Landstrassen und demzufolge die Unfälle schwerer.<br />
Auf Hauptstrassen ist das Risiko schwerer Verletzungen<br />
demgegenüber um 30 % geringer, <strong>auf</strong><br />
Nebenstrassen sogar um 66 %.<br />
1.4 Möglicher Alkoholeinfluss beim Lenker<br />
Am meisten Personen sterben bei einer Kollision<br />
mit einem entgegenkommenden Fahrzeug bei<br />
dessen Lenker die Polizei keinen Alkoholeinfluss<br />
vermutet (knapp 90 %, Tabelle 6). Der Verdacht<br />
<strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker ist jedoch ein wichtiger<br />
Risikofaktor für die Wahrscheinlichkeit schwerer<br />
Verletzungen. Das Risiko ist bei alkoholisierten<br />
Lenkern und ihren Passagieren um 68 % höher als<br />
dasjenige von nüchternen Lenkern.<br />
1.5 Grossregion<br />
Das BFS rechnet in seinen Analysen <strong>auf</strong> regionaler<br />
Ebene oft mit den sogenannten Grossregionen.<br />
Davon gibt es insgesamt 7, die mit Ausnahme von<br />
Zürich und dem Tessin aus jeweils mehreren Kantonen<br />
bestehen. Die Namen der Grossregionen<br />
sind ziemlich selbsterklärend. Daher wird <strong>auf</strong> eine<br />
Auflistung der Zuordnungen verzichtet.<br />
Die Anzahl getöteter Personen bei Kollisionen mit<br />
entgegenkommenden Fahrzeugen ist im Espace<br />
Mittelland, in der Ostschweiz und in der Région<br />
lémanique am grössten (Tabelle 7). Diese Zahl ist<br />
jedoch stark abhängig von der Einwohnerzahl.<br />
Wenn man die Zahl der Getöteten <strong>auf</strong> die Anzahl<br />
Einwohner dieser Regionen bezieht (Getötete pro 1<br />
Mio. Einwohner pro Jahr), dann ergibt sich ein<br />
etwas anderes Bild. Der höchste Wert ergibt sich<br />
dann für die Ostschweiz (21). Der schweizerische<br />
Durchschnitt beträgt 14. Besonders positiv stehen<br />
Zürich (10) und die Nordwestschweiz (11) da. Die<br />
übrigen Regionen sind in der Nähe des Schweizer<br />
Durchschnitts.<br />
Tabelle 6<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
vom Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker<br />
Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />
beim Lenker<br />
Kein Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />
(Referenzkategorie)<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
75 466 1 128 0.00 1.00<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol 2 837 138 0.00 1.68 1.51 1.88<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
46 Resultate bfu-Report Nr. 61
Ein relativ geringes Risiko schwer verletzt oder<br />
getötet zu werden haben Unfallbeteiligte im Tessin<br />
und in der Ostschweiz. Besonders riskant im Sinne<br />
grösserer Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
ist hingegen die Nordwestschweiz gefolgt von<br />
der Région lémanique.<br />
1.6 Strassenanlage (Längsneigung der<br />
Strasse)<br />
Die meisten getöteten Personen verunfallten <strong>auf</strong><br />
ebener Strecke (54 %). Gefälle und Steigungen<br />
sind mit 24 % bzw. 20 % ungefähr gleich häufig<br />
vertreten (Tabelle 8).<br />
Die Unfallbeteiligtendichte hängt davon ab, wie<br />
viel Kilometer der Strassen sich in ebenen, resp. in<br />
geneigten Abschnitten bezüglich des Verkehrs<strong>auf</strong>-<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
kommens pro Fahrtrichtung befinden. Diese Zahl<br />
ist jedoch nicht bekannt und es kann nur gemutmasst<br />
werden, dass es mehr Kilometer Strassennetz<br />
gibt, welches sich in der Ebene befindet (d. h.<br />
im kleinen Gefällsbereich zwischen 0.5 % bis 2.0<br />
%) als Strassenabschnitte, welche eine klar ersichtliche<br />
Längsneigung haben. Bei der Projektierung<br />
versucht man jedenfalls stets, die Linienführung mit<br />
möglichst kleiner Neigung zu finden.<br />
Hingegen ist bekannt, dass es gleich viele Kilome-<br />
ter Neigung mit einem Gefälle wie mit einer Steigung<br />
gibt. Für die Kodierung ist entscheidend,<br />
welche Fahrtrichtung das mutmasslich unfallverursachende<br />
Fahrzeug <strong>auf</strong> der schiefen Ebene gefahren<br />
ist.<br />
Der Unfallverursacher befindet sich deutlich weni-<br />
Tabelle 7<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Grossregion<br />
Grossregion Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Espace Mittelland 19 037 303 0.00 1.61 1.41 1.85<br />
Ostschweiz 19 966 263 0.17 1.10 0.96 1.27<br />
Région lémanique 13 914 241 0.00 1.78 1.54 2.05<br />
Zürich 6 945 158 0.00 1.59 1.35 1.87<br />
Nordwestschweiz 5 330 138 0.00 2.14 1.83 2.49<br />
Zentralschweiz 8 649 112 0.00 1.34 1.15 1.57<br />
Ticino (Referenzkategorie) 4 462 51 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 8<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Strassenanlage<br />
Strassenanlage Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Eben (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
30 394 678 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Gefälle 29 644 310 0.00 0.77 0.72 0.82<br />
Steigung 17 564 259 0.00 0.79 0.73 0.85<br />
Andere 701 19 0.00 1.65 1.31 2.08<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 47
ger oft in der Steigung als im Gefälle oder in der<br />
Ebene. Es ist schwieriger, die Kontrolle in einem<br />
Fahrzeug im Gefälle zurück zu gewinnen, als bei<br />
einer vergleichbaren Situation bei der Fahrt in einer<br />
Steigung.<br />
Auf ebener Strecke ist die Wahrscheinlichkeit<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden am grössten.<br />
Bei Gefälle und bei Steigung ist die Wahrscheinlichkeit<br />
um über 20 % geringer. Es ist anzunehmen,<br />
dass dies mit den gefahrenen Geschwindigkeiten<br />
zusammenhängt.<br />
Der dichteste Verkehr ist im Schweizer Mittelland<br />
und nicht in den Bergregionen zu finden. Daher ist<br />
auch das Strassennetz im Mittelland am dichtesten.<br />
Die Exposition ist demzufolge <strong>auf</strong> Strassen in der<br />
Ebene am grössten.<br />
1.7 Höchstgeschwindigkeit<br />
Die meisten Personen (rund 84 %) werden bei<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> bei Tempolimiten von 61–<br />
80 km/h getötet (Tabelle 9). Bei Geschwindigkeiten<br />
von 60 km/h und weniger sterben rund 10 % aller<br />
Verkehrsteilnehmer dieser Unfallklasse; die restlichen<br />
5 % bei Limiten von mehr als 80 km/h.<br />
Wie nicht anders zu erwarten – weil bei höheren<br />
Geschwindigkeiten höhere Energien <strong>auf</strong> den<br />
menschlichen Körper einwirken – steigt das Risiko<br />
für schwere und tödliche Verletzungen mit den<br />
erlaubten Höchstgeschwindigkeiten an. Bei Geschwindigkeitslimiten<br />
bis 60 km/h ist es über 60 %<br />
geringer als bei Limiten von mehr als 80 km/h.<br />
Tabelle 9<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der erlaubten Höchstgeschwindigkeit<br />
Erlaubte Höchstgeschwindigkeit<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
61–80 km/h 66 989 1 069 0.01 0.78 0.64 0.95<br />
Bis 60 km/h 9 585 136 0.00 0.39 0.31 0.49<br />
Über 80 km/h (Referenzkategorie)<br />
1 729 61 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
48 Resultate bfu-Report Nr. 61
1.8 Alter der beteiligten Person<br />
Hinsichtlich der Häufigkeit handelt es sich bei den<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> um ein Problem der jüngeren<br />
Fahrer. Pro Altersjahr starben bei den 20- bis<br />
24-Jährigen mehr als 45 Personen in den 12 Jahren<br />
von 1992 bis 2003. Bei den 65 bis 74 jährigen<br />
waren es weniger als 9 Personen pro Altersjahr.<br />
Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
steigt bei dieser Unfallklasse jedoch mit zunehmendem<br />
Alter an (Tabelle 10). Je älter die am Unfall<br />
beteiligte Person, desto grösser ist ihr Risiko<br />
schwer oder tödlich verletzt zu werden. Dass mit<br />
zunehmendem Alter die körperliche Verletzlichkeit<br />
zunimmt, ist ein bekanntes Phänomen.<br />
1.9 Geschlecht der beteiligten Person<br />
Der weitaus grösste Teil der bei Kollisionen mit<br />
entgegenkommenden Fahrzeugen getöteten Personen<br />
sind Männer (knapp ¾, Tabelle 11). Frauen<br />
haben jedoch eine um 43 % höhere Wahrscheinlichkeit<br />
als Männer schwer verletzt oder getötet zu<br />
werden. Frauen haben im Vergleich zu Männern<br />
eine erhöhte körperliche Verletzbarkeit. Dieses<br />
Ergebnis findet sich auch hier.<br />
Tabelle 10<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
vom Alter der beteiligten Person<br />
Alter Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Bis 14 Jahre 4 226 28 0.00 0.39 0.31 0.49<br />
15–19 Jahre 4 034 140 0.00 0.46 0.38 0.57<br />
20–24 Jahre 11 603 234 0.00 0.53 0.44 0.64<br />
25–34 Jahre 18 528 271 0.00 0.53 0.45 0.63<br />
35–44 Jahre 14 932 193 0.00 0.54 0.46 0.64<br />
45–54 Jahre 11 071 143 0.00 0.59 0.50 0.69<br />
55–64 Jahre 7 305 112 0.00 0.71 0.60 0.84<br />
65–74 Jahre 4 234 87 0.24 0.90 0.76 1.07<br />
75 Jahre und älter<br />
(Referenzkategorie)<br />
2 370 58 0.00 1.00<br />
Tabelle 11<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
vom Geschlecht der beteiligten Person<br />
Geschlecht Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Männlich (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
53 515 931 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Weiblich 24 788 335 0.00 1.43 1.35 1.53<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 49
1.10 Uhrzeit<br />
Die Uhrzeit spielt eine wichtige Rolle sowohl für die<br />
Häufigkeit als auch für die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen. Da es für diese Unfallklasse<br />
– im Gegensatz zu den Selbstunfällen –<br />
einen Unfallgegner geben muss, ist es nicht überraschend,<br />
dass die Häufigkeiten in den Nachtstunden<br />
eher gering sind. Insbesondere am späten<br />
Nachmittag und frühen Abend ist die Anzahl Personen,<br />
welche in diese Unfälle verwickelt sind, am<br />
grössten. Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
hingegen ist in der Nacht (mit Schwankungen<br />
– wohl wegen der relativ geringen Fallzahlen)<br />
grösser als tagsüber. Zum einfacheren Verständnis<br />
ist dieses Resultat sowohl in tabellarischer (Tabelle<br />
12) als auch in grafischer Form (Abbildung 4) dargestellt.<br />
Tabelle 12<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Unfallzeit<br />
Uhrzeit Anzahl Fälle in der<br />
Analyse<br />
22:30 bis 23:29<br />
(Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
1 794 39 0.00 1.00<br />
Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
23:30 bis 00:29 1 367 44 0.97 1.00 0.78 1.26<br />
00:30 bis 01:29 1 044 30 0.08 1.26 0.98 1.63<br />
01:30 bis 02:29 546 17 0.01 1.54 1.13 2.08<br />
02:30 bis 03:29 455 15 0.90 1.02 0.72 1.45<br />
03:30 bis 04:29 358 13 0.06 1.42 0.99 2.03<br />
04:30 bis 05:29 410 18 0.36 1.18 0.83 1.67<br />
05:30 bis 06:29 790 12 0.85 0.97 0.72 1.31<br />
06:30 bis 07:29 3 624 70 0.00 1.33 1.09 1.61<br />
07:30 bis 08:29 3 270 60 0.55 1.07 0.87 1.31<br />
08:30 bis 09:29 2 951 42 0.22 0.87 0.70 1.09<br />
09:30 bis 10:29 3 566 44 0.10 0.84 0.67 1.04<br />
10:30 bis 11:29 4 343 53 0.00 0.72 0.59 0.89<br />
11:30 bis 12:29 5 322 46 0.00 0.66 0.54 0.81<br />
12:30 bis 13:29 4 602 38 0.02 0.79 0.64 0.96<br />
13:30 bis 14:29 5 186 70 0.01 0.76 0.62 0.93<br />
14:30 bis 15:29 5 537 88 0.06 0.83 0.69 1.01<br />
15:30 bis 16:29 5 958 87 0.02 0.80 0.66 0.97<br />
16:30 bis 17:29 7 450 110 0.16 0.88 0.73 1.05<br />
17:30 bis 18:29 7 160 109 0.00 0.75 0.62 0.91<br />
18:30 bis 19:29 4 920 87 0.37 0.92 0.76 1.11<br />
19:30 bis 20:29 3 516 64 0.30 0.90 0.73 1.10<br />
20:30 bis 21:29 2 191 44 0.08 0.82 0.65 1.02<br />
21:30 bis 22:29 1 943 66 0.46 1.09 0.87 1.35<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
50 Resultate bfu-Report Nr. 61
1.11 Strassenzustand<br />
Am häufigsten werden Personen bei Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen <strong>auf</strong> trockenen<br />
Landstrassen getötet (2/3 der Getöteten, Tabelle<br />
13).<br />
Die Unfallhäufigkeit ist abhängig von der Häufigkeit<br />
der Trockenstunden und der Regen- resp.<br />
Schneefalldauer. Seit dem Jahrtausendwechsel<br />
können in der Schweiz immer häufiger extreme<br />
Wetterereignisse festgestellt werden. Zudem sind<br />
diese je nach Region stark unterschiedlich. Es kann<br />
kein einheitliches Bild über die ganze Schweiz<br />
betreffend trockene und regenreiche Stunden gemacht<br />
werden.<br />
Das Risiko schwerer und tödlicher Verletzungen ist<br />
<strong>auf</strong> trockener, feuchter, nasser, vereister und pflotschiger<br />
Strasse ungefähr gleich gross – zumindest<br />
ist der Unterschied nicht signifikant. Einzig <strong>auf</strong><br />
verschneiten Strassen finden wir ein um nahezu<br />
40 % verringertes Risiko. Dies dürfte mit den geringeren<br />
gefahrenen Geschwindigkeiten <strong>auf</strong><br />
schneebedeckten Strassen zusammenhängen.<br />
Abbildung 4<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Unfallzeit (Anzahl Personen und Odds Ratio für Verletzungsschwere)<br />
Azahl Personen<br />
8000<br />
7000<br />
6000<br />
5000<br />
4000<br />
3000<br />
2000<br />
1000<br />
0<br />
Tabelle 13<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
vom Strassenzustand<br />
Strassenzustand Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Trocken (Referenzkategorie) 41 625 844 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Nass 14 341 203 0.18 1.05 0.98 1.13<br />
Feucht 7 326 118 0.49 1.03 0.94 1.14<br />
Vereist 4 456 45 0.09 1.11 0.98 1.26<br />
Verschneit 8 893 42 0.00 0.61 0.54 0.68<br />
Pflotschig 1 513 13 0.86 1.02 0.83 1.25<br />
Anderes 149 1 0.02 0.33 0.13 0.87<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24<br />
Anzahl Personen Odds Ratio<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 51<br />
1.8<br />
1.6<br />
1.4<br />
1.2<br />
1<br />
0.8<br />
0.6<br />
0.4<br />
0.2<br />
0<br />
Odds Ratio
1.12 Unfallstelle<br />
Nahezu 2/3 aller bei einer Kollision mit einem ent-<br />
gegenkommenden Fahrzeug getöteten Personen<br />
kamen in einer Kurve ums Leben (806 von 1266).<br />
Fast alle übrigen starben <strong>auf</strong> gerader Strecke<br />
(Tabelle 14).<br />
Von Relevanz bezüglich Häufigkeit sind nur die<br />
Unfallstellen Kurve, Gerade, Einmündung und<br />
Kreuzung. Auch bei den Unfallstellen ist die Anzahl<br />
natürlich davon abhängig, wie viele solcher potenziellen<br />
Unfallstellen es überhaupt gibt. Die Zahlen<br />
dazu fehlen.<br />
In Kurven gibt es 3-mal mehr unfallbeteiligte Per-<br />
sonen als in Geraden. Erstaunlich ist, dass in Ein-<br />
mündungen deutlich mehr passiert als bei Kreuzungen.<br />
Vermutlich gibt es ausserorts viel mehr<br />
Einmündungen als Kreuzungen, was die grosse<br />
Anzahl Unfälle bei den Einmündungen wiederum<br />
relativiert.<br />
Die grösste Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision<br />
mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer<br />
verletzt oder getötet zu werden besteht <strong>auf</strong> gerader<br />
Strecke. Dort dürften die gefahrenen Geschwindigkeiten<br />
am höchsten sein. In Kurven ist<br />
das Risiko schwerer Verletzungen um 13 % geringer.<br />
1.13 Personenart<br />
Die grösste Anzahl getöteter Personen (knapp<br />
Tabelle 14<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Unfallstelle<br />
Unfallstelle Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Kurve 56 023 806 0.00 0.87 0.82 0.93<br />
Gerade Strecke (Referenzkategorie)<br />
19 761 446 0.00 1.00<br />
Einmündung 1 614 10 0.00 0.52 0.41 0.67<br />
Kreuzung 717 3 0.00 0.60 0.42 0.85<br />
Andere 85 1 0.32 0.61 0.23 1.61<br />
Platz/Verkehrsfläche 28 0 0.98 0.98 0.12 7.69<br />
Parkplatz/Nebenanlage 75 0 0.07 0.15 0.02 1.15<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 15<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Personenart<br />
Personenart Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Lenker (Referenzkategorie)<br />
55 508 1 003 0.00 1.00<br />
Mitfahrer vorne 13 921 165 0.06 0.93 0.85 1.00<br />
Mitfahrer hinten 8 821 94 0.00 0.71 0.63 0.79<br />
Mitfahrer unbekannt 53 3 0.73 0.86 0.36 2.05<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
Quelle: bfu © bfu 2008<br />
52 Resultate bfu-Report Nr. 61
80 % aller Getöteten, Tabelle 15) finden wir unter<br />
den Fahrzeuglenkenden – was nicht überraschend<br />
ist, da jedes Fahrzeug einen Lenker hat, aber nicht<br />
unbedingt Beifahrer. Die Lenker haben das höchste<br />
Risiko schwer verletzt oder getötet zu werden. Das<br />
Risiko der Mitfahrer vorne ist um 7 % geringer, der<br />
Beifahrer hinten sogar um 30 %.<br />
1.14 Künstliche Beleuchtung<br />
Die meisten bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> getöteten<br />
Personen (rund 80 %) starben bei Unfällen an Orten,<br />
wo es keine künstliche Beleuchtung gab.<br />
Weil der überwiegende Anteil der <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
keine Beleuchtung hat, ist dieses Resultat plausibel.<br />
Die relativ vielen Unfälle bei der künstlichen<br />
Beleuchtung «ausser Betrieb» erklärt sich daher,<br />
dass auch Unfälle tagsüber in den Analysen enthalten<br />
sind. Besser als bei der durchgehenden Beleuchtung<br />
ist die Unfallsituation bei der punktuellen<br />
Beleuchtung. Vermutlich ist man bei der punktuellen<br />
Beleuchtung besser vor einem gefährlichen<br />
Abschnitt der Strasse gewarnt (Knoten, gefährliche<br />
Stelle, ...) als bei der durchgehenden Beleuchtung.<br />
Darin können gefährliche Stellen wie z. B. ein Knoten<br />
verschwinden (Tabelle 16).<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
Die grösste Wahrscheinlichkeit für schwere Verletzungen<br />
bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen besteht, wenn es keine künstliche<br />
Beleuchtung gibt oder wenn diese ausser Betrieb<br />
ist. Punktuelle oder durchgehende Beleuchtungen<br />
senken das Risiko um rund 20 %. Trotzdem ist ein<br />
vermehrter Einsatz künstlicher Beleuchtung zur<br />
Vermeidung von Unfällen dieser Klasse eher kritisch<br />
zu sehen, da sich die allermeisten Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen tagsüber<br />
ereignen (Kap. VI.1.10).<br />
Die Beleuchtung wurde ursprünglich meistens angebracht,<br />
weil sich der entsprechende Streckenabschnitt<br />
(z. B. <strong>auf</strong>grund einer Unfallanalyse) in einem<br />
gefährlichen Bereich befindet. Wenn diese Abschnitte<br />
nun <strong>auf</strong>grund von «wirtschaftlichen»<br />
Überlegungen abgeschaltet werden, kann dies<br />
bezüglich der Unfallschwere gravierend sein.<br />
1.15 Wochentag<br />
Die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
ereignen sich am häufigsten freitags, samstags<br />
und sonntags. Insgesamt kamen an diesen Tagen<br />
49 % aller Todesopfer dieser Unfallklasse ums<br />
Leben.<br />
Tabelle 16<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der künstlichen Beleuchtung<br />
Künstliche Beleuchtung Anzahl Fälle<br />
in der<br />
Analyse<br />
Keine künstliche<br />
Beleuchtung (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende<br />
des 95 % Konfidenz-intervalls<br />
64 780 1 019 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Ausser Betrieb 8 009 140 0.00 1.19 1.07 1.33<br />
Durchgehend 3 383 76 0.00 0.79 0.68 0.91<br />
Punktuell 2 110 30 0.02 0.81 0.68 0.97<br />
Andere 21 1 0.02 0.08 0.01 0.66<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 53
Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
hingegen ist samstags und sonntags geringer als<br />
unter der Woche (Tabelle 17).<br />
1.16 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit<br />
73 % aller Getöteten kamen <strong>auf</strong> Strecken ums<br />
Leben, wo die Geschwindigkeit nicht signalisiert<br />
war. Nahezu alle übrigen Todesfälle ereigneten sich<br />
bei signalisierten Höchstgeschwindigkeiten (temporär<br />
signalisiert spielt – bezogen <strong>auf</strong> die absolute<br />
Anzahl Getöteter – nur eine geringe Rolle).<br />
Die signalisierten Strassenabschnitte mit Abweichungen<br />
von den allgemeinen Höchstgeschwindig-<br />
keiten gemäss Art. 108 SSV1 sind v.a. bei Vorbereichen<br />
von Ortschaften oder bei gefährlichen Abschnitten<br />
zu finden, wenn besondere Gefahren<br />
nicht mit anderen Massnahmen genügend gesichert<br />
werden können.<br />
Die Streckenlänge der nicht signalisierten Strassen-<br />
abschnitte ist also um ein Vielfaches länger als die<br />
Strassenabschnitte mit einer signalisierten, reduzierten<br />
Geschwindigkeit.<br />
Aufgrund der unterschiedlichen Streckenlängen<br />
werden in den Abschnitten ohne Signalisation der<br />
Höchstgeschwindigkeit am meisten Personen in<br />
Unfälle verwickelt.<br />
Tabelle 17<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
vom Wochentag<br />
Wochentag Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯<br />
1 Signalisationsverordnung vom 5. September 1979, SR<br />
741.21<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Freitag 12 097 205 0.00 1.22 1.12 1.34<br />
Samstag (Referenzkategorie)<br />
14 807 223 0.00 1.00<br />
Sonntag 12 707 193 0.28 0.95 0.87 1.04<br />
Montag 9 552 165 0.00 1.17 1.06 1.29<br />
Dienstag 9 068 148 0.04 1.12 1.01 1.24<br />
Mittwoch 9 667 146 0.01 1.15 1.04 1.28<br />
Donnerstag 10 405 186 0.00 1.21 1.10 1.33<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 18<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Signalisation der Höchstgeschwindigkeit<br />
Signalisation Anzahl Fälle in der<br />
Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Nicht signalisiert 61 489 919 0.00 0.78 0.70 0.87<br />
Signalisiert (Referenzkategorie)<br />
16 273 334 0.00 1.00<br />
Temporär signalisiert 541 12 0.30 1.18 0.86 1.61<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Anmerkung: Quelle: BFS/bfu<br />
Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
54 Resultate bfu-Report Nr. 61
Eine nicht signalisierte Geschwindigkeitslimite geht<br />
mit einer um 22 % geringeren Wahrscheinlichkeit<br />
von schweren Verletzungen einher, wohingegen<br />
eine temporär signalisierte Limite die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen nicht signifikant<br />
ändert – im Vergleich zu einer signalisierten<br />
Höchstgeschwindigkeit (Tabelle 18). Abschnitte<br />
werden in der Regel signalisiert, weil sie besonders<br />
gefährlich sind. Das Risiko schwer verletzt oder<br />
getötet zu werden ist aber trotz der signalisierten<br />
Geschwindigkeit immer noch höher, als <strong>auf</strong> der<br />
weniger problematischen Strecke ohne Signalisation.<br />
Dies bedeutet, dass die Gefährlichkeit der Strecke<br />
durch die Signalisation der Geschwindigkeit<br />
allein nicht genügend gesichert werden konnte.<br />
Diese Tatsache stützt den Art. 108 SSV, welcher<br />
vor einer Reduktion der Geschwindigkeit andere<br />
Massnahmen fordert (z. B. verbessern der optischen<br />
Linienführung durch Randlinien, Leitpfosten,<br />
Leitpfeile oder verbessern von Elementen der Anlage<br />
wie z. B. das Quergefälle, die Bankettbreite, ...).<br />
Die Unfallklasse Kollision mit einem entgegenkommenden<br />
Fahrzeug wäre wohl besser mit einer<br />
Mittelleitplanke als mit einer Senkung der Geschwindigkeit<br />
behoben. Zudem würde dem Zweck<br />
von Art. 108 SSV besser entsprochen.<br />
1.17 Strassenkategorie<br />
Die Häufigkeitsverteilung bei Unfällen bzw. Verunfallten<br />
nach Strassenkategorien ist etwas seltsam.<br />
Über 60 % der Getöteten bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen kamen <strong>auf</strong> der<br />
Strassenkategorie «Andere» ums Leben. Recherchen<br />
haben ergeben, dass die Strassenkategorie bis<br />
1998 nicht obligatorisch ausgefüllt werden musste<br />
und daher oft die Antwortkategorie «Andere»<br />
angegeben wurde. Insofern sind diese Angaben<br />
nur beschränkt brauchbar.<br />
Nationalstrassen haben die grösste Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer oder tödlicher Verletzungen. Auf<br />
Kantonsstrassen ist das Risiko um 18 % geringer,<br />
<strong>auf</strong> Gemeindestrassen sogar um 36 % (Tabelle 19).<br />
Möglicherweise unterscheiden sie sich hinsichtlich<br />
ihres Ausbaustandards, wobei allerdings die Strassenart<br />
bereits statistisch kontrolliert wird. Unterschiedliche<br />
Geschwindigkeitslimiten dürften ebenfalls<br />
keinen Effekt mehr haben, da auch diese Variable<br />
in den Analysen statistisch kontrolliert wird.<br />
Tabelle 19<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Strassenkategorie<br />
Strassenkategorie Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Andere 50 317 776 0.00 0.73 0.60 0.89<br />
Kantonsstrasse 19 810 307 0.05 0.82 0.68 1.00<br />
Nationalstrasse (Referenzkategorie)<br />
3 232 157 0.00 1.00<br />
Gemeindestrasse 4 843 17 0.00 0.64 0.51 0.82<br />
Privatstrasse 101 0 0.28 0.45 0.11 1.90<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 55
1.18 Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
Die weitaus meisten Getöteten (pro Jahr Führer-<br />
ausweisbesitz) gibt es bei den Neulenkern. Diese<br />
Zahl sinkt mit zunehmendem Alter immer weiter<br />
ab. Im ersten Jahr nach Führerausweiserwerb starben<br />
von 1992 bis 2003 151 Personen bei Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen. Im<br />
zweiten Jahr waren es noch 109, im dritten 64 und<br />
im vierten Jahr 49 Personen (Tabelle 20). Auch für<br />
die Schwere der Verletzung ist ein erst kürzlich<br />
erworbener Führerausweis ein Risikofaktor bei<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen.<br />
Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen ist<br />
in den ersten 3 Jahren des Führerausweisbesitzes<br />
zwischen 11 % und 35 % höher als bei den Autofahrern,<br />
die schon länger den Ausweis haben.<br />
Die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeu-<br />
gen sind also sowohl hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit<br />
schwere Verletzungen zu erleiden als auch<br />
hinsichtlich der Häufigkeit ein Neulenker-Problem,<br />
vor allem in den ersten 3 Jahren des Führerausweisbesitzes.<br />
1.19 Vortrittsregelung<br />
Die grösste Anzahl verunfallter Personen (über<br />
Tabelle 20<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
Dauer des Führerscheinbesitzes<br />
Anzahl Fälle<br />
in der Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
1. Jahr (Referenzkategorie)<br />
6 133 151 0.00 1.00<br />
2. Jahr 4 226 109 0.46 0.95 0.83 1.09<br />
3. Jahr 3 674 64 0.56 1.04 0.90 1.21<br />
4. Jahr 3 199 49 0.00 0.79 0.67 0.93<br />
5.–9. Jahr 12 348 187 0.08 0.90 0.79 1.01<br />
10.–14. Jahr 10 943 162 0.01 0.85 0.74 0.97<br />
15.–29. Jahr 24 119 264 0.00 0.80 0.71 0.91<br />
30 und mehr Jahre 13 661 221 0.00 0.74 0.64 0.85<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 21<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von der Vortrittsregelung<br />
Vortrittsregelung Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Keine Vortrittsregelung (Referenzkategorie)<br />
76 620 1 256 0.00 1.00<br />
LSA für zeitweilige Spursperrung 139 3 0.14 0.58 0.28 1.20<br />
Lichtsignalanlage 333 3 0.00 0.39 0.21 0.72<br />
Andere 864 3 0.01 0.65 0.46 0.90<br />
Stoppstrasse 74 1 0.80 1.13 0.45 2.85<br />
Rechtsvortritts, Missachten 54 0 0.55 0.63 0.14 2.83<br />
Kein Vortritt, signalisiert 203 0 0.00 0.19 0.06 0.60<br />
Fussgängerstreifen 11 0 0.48 1.82 0.34 9.82<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
56 Resultate bfu-Report Nr. 61
99 % der Getöteten) und auch das grösste Risiko<br />
schwerer Verletzungen weisen Strassen <strong>auf</strong>, <strong>auf</strong><br />
denen es keine Vortrittsregelung gibt (Tabelle 21).<br />
In der Kategorie «Keine Vortrittsregelung» sind die<br />
freien Strecken und 2 Knotentypen enthalten: Knoten,<br />
welche ausserorts im Rechtsvortritt geregelt<br />
sind, und Knoten, an welchen zwar keine Signalisation<br />
angebracht wurde, der Vortritt aber <strong>auf</strong>grund<br />
der rechtlichen Bestimmungen (insbesondere im<br />
SVG2 und VRV3 ) geregelt ist. Die erste Kategorie<br />
betrifft Knoten von Nebenstrassen mit Nebenstrassen,<br />
die zweite Kategorie betrifft Feldwege mit<br />
Haupt- oder Nebenstrassen. Die allermeisten Unfälle<br />
bei Kollision mit einem entgegenkommenden<br />
Fahrzeug sind aber <strong>auf</strong> freien Strecken zu verbuchen.<br />
Besonders sicher in Bezug <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere<br />
sind Strassen mit Lichtsignalanlagen. Das<br />
Risiko von schweren oder tödlichen Verletzungen<br />
bei Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
ist dort um 61 % geringer, als wenn es keine<br />
Vortrittsregelung gibt.<br />
⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯⎯<br />
2 Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958, SR 741.01<br />
3 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962,<br />
SR 741.11<br />
1.20 Angaben zum Lenker<br />
Bei den getöteten Personen bei Kollisionen mit<br />
entgegenkommenden Fahrzeugen handelt es sich<br />
zumeist um die Halter der Fahrzeuge (70 %). An<br />
zweiter Stelle folgen die Familienmitglieder mit<br />
rund 17 % (Tabelle 22). Das grösste Risiko schwer<br />
verletzt oder getötet zu werden haben jedoch die<br />
Militärfahrer. Ihr Risiko ist um 55 % höher als dasjenige<br />
von privaten Fahrzeughaltern. Bei diesem<br />
Resultat könnte es sich jedoch um ein methodisches<br />
Artefakt handeln, da nicht alle Unfälle mit<br />
Militärfahrern durch die zivile Polizei erfasst werden.<br />
Personen hingegen, die mit Geschäftswagen<br />
unterwegs sind, haben ein um 15 % verringertes<br />
Risiko. Bei Mietwagen ist das Risiko sogar noch<br />
geringer.<br />
Tabelle 22<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit<br />
von den Angaben zum Lenker<br />
Angaben zum Lenker Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des<br />
95% Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95% Konfidenzintervalls<br />
Halter (Referenzkategorie) 47 177 880 0.00 1.00<br />
Familienmitglied 14 629 215 0.11 1.06 0.99 1.14<br />
Andere 4 694 91 0.98 1.00 0.89 1.12<br />
Lenker mit Geschäftswagen 10 403 61 0.01 0.85 0.76 0.96<br />
Mietfahrer 880 13 0.05 0.77 0.59 1.00<br />
Unbekannt 71 4 0.12 0.43 0.15 1.24<br />
Militärfahrer 449 2 0.05 1.55 1.00 2.39<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 57
1.21 Nicht signifikante Variablen<br />
Von den für die Vorhersage der Verletzungsschwere<br />
nicht signifikanten Variablen ist vielleicht am<br />
interessantesten, dass das Unfalljahr keine Rolle<br />
spielt: Man hätte erwarten können, dass mit zunehmend<br />
besserer Fahrzeugausstattung (z. B. Airbags),<br />
besseren Crashtest-Resultaten usw. sich ein<br />
geringeres Risiko schwerer Verletzungen ergeben<br />
würde. Dies ist jedoch bei den Unfallzahlen bis<br />
2003 nicht der Fall. Es sieht so aus, als ob über die<br />
allgemeine positive Entwicklung bei der Anzahl der<br />
in diese Unfallklasse verwickelten Personen hinaus<br />
kein positiver Effekt zu verzeichnen ist. Sonst wären<br />
die beiden Kurven weniger parallel verl<strong>auf</strong>en<br />
(Abbildung 5).<br />
Ebenfalls nicht signifikant waren die Effekte der<br />
Witterung, die allerdings eng mit dem Strassenzustand,<br />
der ja signifikant ist, verknüpft sind. Dasselbe<br />
gilt für die Lichtverhältnisse (nicht signifikant)<br />
und die Uhrzeit (signifikant).<br />
2. Kollision mit festen Hindernisssen<br />
ausserhalb der Fahrbahn<br />
Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn sind schon seit vielen Jahren als ein grosses<br />
Problem im Strassenverkehr erkannt. Die Entwicklung<br />
der Leitschranken aber auch die Entfernung<br />
von massiven Hindernissen oder z. B. «breakaway<br />
poles» (Masten mit Sollbruchstellen) sind<br />
Massnahmen für diese Unfallklasse. Wie jedoch<br />
Abbildung 3, S. 43 <strong>auf</strong>zeigt, sind auch heute noch<br />
ein nicht unbeträchtlicher Teil der Verkehrsgetöteten<br />
<strong>auf</strong> Landstrassen (rund 1/3) <strong>auf</strong> Kollisionen mit<br />
festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn zurückzuführen.<br />
Abbildung 5<br />
Beteiligte und getötete Personen bei Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen von 1992–2003<br />
Anzahl beteiligte Personen<br />
10000<br />
9000<br />
8000<br />
7000<br />
6000<br />
5000<br />
4000<br />
3000<br />
2000<br />
1000<br />
0<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003<br />
Beteiligte Personen Getötete Personen<br />
58 Resultate bfu-Report Nr. 61<br />
180<br />
160<br />
140<br />
120<br />
100<br />
80<br />
60<br />
40<br />
20<br />
0<br />
Anzahl getötete Personen
2.1 Fortbewegungsmittel<br />
Die meisten bei einer Kollision mit einem festen<br />
Hindernis ausserhalb der Fahrbahn getöteten Personen<br />
waren Insassen von Personenwagen (879,<br />
Tabelle 23). Auf den nächsten beiden Plätzen folgen<br />
Motorräder über bzw. bis 125 ccm (128 und<br />
37 Personen). Ebenfalls noch recht häufig vertreten<br />
sind Insassen von Lieferwagen (25 Getötete).<br />
Die wichtigste Rolle für die Wahrscheinlichkeit von<br />
schweren oder tödlichen Verletzungen bei einer<br />
Kollision mit einem festen Hindernis spielt der<br />
Fahrzeugtyp. Das Risiko für Fahrer oder Beifahrer<br />
von Motorrädern über 125 ccm ist nahezu 20-mal<br />
so gross wie für PW-Insassen. Für Motorräder bis<br />
zu 125 ccm ist das Risiko immer noch 16-fach erhöht.<br />
Für Kleinmotorräder und Mofas sind die Risiken<br />
7- bzw. 4-fach höher als für PW-Insassen. Besonders<br />
sicher hingegen sind Sattelschlepper und<br />
Lastwagen. Die Risiken in diesen Fahrzeugen<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden betragen<br />
nur rund 30 bis 50 % des Risikos von PW-Insassen.<br />
2.2 Rückhaltesysteme / Helm<br />
Mehr als die Hälfte der bei einer Kollision mit einem<br />
festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn ums<br />
Leben gekommenen Personen hatten ihren <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />
oder ihren Helm nicht getragen (Tabelle<br />
24, S. 60). Das Risiko, ums Leben zu kommen oder<br />
schwer verletzt zu werden, ist annähernd 6-mal so<br />
hoch wie dasjenige der Benützer von Rückhaltevorrichtung<br />
oder Helm.<br />
Tabelle 23<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit vom Fortbewegungsmittel<br />
Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Personenwagen (Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
38 858 879 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Motorrad über 125 ccm 1 598 128 0.00 19.58 17.25 22.22<br />
Motorrad bis 125 ccm 584 37 0.00 16.26 13.57 19.48<br />
Lieferwagen 1 141 25 0.11 0.84 0.67 1.04<br />
Motorfahrrad 168 15 0.00 4.41 3.07 6.34<br />
Traktor 101 13 0.30 1.31 0.78 2.20<br />
Lastwagen 551 10 0.00 0.47 0.33 0.69<br />
Kleinmotorrad 137 7 0.00 6.68 4.54 9.82<br />
Andere 46 7 0.01 2.59 1.23 5.47<br />
Kleinbus 266 6 0.23 0.76 0.48 1.19<br />
Sattelschlepper über 3.5 t 155 5 0.52 0.51 0.07 3.97<br />
Arbeitsmaschine 47 3 0.21 1.60 0.77 3.34<br />
Bus / Car 93 2 0.94 1.03 0.53 2.00<br />
Sattelschlepper bis 3.5 t 19 0 0.00 0.31 0.14 0.68<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 59
2.3 Kollisionsobjekt<br />
Die meisten bei einer Kollision mit einem festen<br />
Hindernis ausserhalb der Fahrbahn verunfallten<br />
Personen kamen bei einer Kollision mit einem<br />
Baum ums Leben (389 oder 34 %, Tabelle 25). An<br />
zweiter Stelle steht die Kategorie «Zaun, Mauer,<br />
Geländer» mit 207 Getöteten. An dritter Stelle<br />
folgen «Schild, Pfosten, Mast» (137 Tote) und<br />
schliesslich die Leitschranken mit 116 Toten. Wenn<br />
man sich anschaut, welche Kombination von Fortbewegungsmittel<br />
und Hindernis zu den meisten<br />
Todesfällen führt (Abbildung 6), so steht an erster<br />
Stelle der Personenwagen. der mit einem Baum<br />
kollidiert, gefolgt von Personenwagen gegen Mau-<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
er, Personenwagen gegen Mast, Personenwagen<br />
gegen Leitschranke und Personenwagen gegen<br />
Absturz/fallende Böschung (3,5 %). Erst an sechster<br />
Stelle folgt Motorrad über 125 ccm vs. Leitschranke.<br />
Die Objekte welche das höchste Risiko schwerster<br />
Verletzungen nach sich ziehen, sind Bäume (Risiko<br />
mehr als 6-mal so gross wie bei Kollisionen mit<br />
Tieren – der Referenzkategorie) gefolgt von Abstürzen<br />
oder fallenden Böschungen (Odds Ratio =<br />
3,36). Zäune, Mauern und Geländer haben ein ca.<br />
2,5-mal höheres Risiko; steigende Böschungen,<br />
Leitschranken, sowie Schilder, Pfosten und Masten<br />
sind in etwa gleich gefährlich. Eine Absicherung<br />
Tabelle 24<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />
Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />
Anzahl Fälle<br />
in der Analyse<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Rückhaltesystem nicht<br />
benützt<br />
4 986 492 0.00 5.71 5.27 6.19<br />
Rückhaltesystem benützt<br />
(Referenzkategorie)<br />
35 373 409 0.00 1.00<br />
Unbekannt 1 379 160 0.00 6.24 5.47 7.11<br />
Keine Tragpflicht/kein System 2 027 89 0.00 3.03 2.53 3.62<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 25<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit vom Hindernis mit dem kollidiert wurde<br />
Kollisionsobjekt Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des<br />
95 % Konfidenzintervalls<br />
Baum 6 545 389 0.00 6.42 3.13 13.15<br />
Zaun/Mauer/Geländer 11 125 207 0,01 2.45 1.20 5.02<br />
Schild/Pfosten/Mast 9 073 137 0.04 2.11 1.03 4.32<br />
Leitschranke 8 095 116 0.04 2.14 1.04 4.39<br />
Absturz/fallende Böschung 2 001 53 0.00 3.36 1.62 6.96<br />
Andere 2 295 42 0,03 2.29 1.11 4.74<br />
Steigende Böschung 2 539 32 0.04 2.18 1.05 4.51<br />
Fahrzeug (kein Objekt) 1 124 20 0.10 1.89 0.89 4.00<br />
Insel/Inselpfosten 801 5 0.43 1.37 0.63 2.99<br />
Tier (Referenzkategorie) 154 3 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
60 Resultate bfu-Report Nr. 61
mit einem Leitschrankensystem ist also vor allem<br />
sinnvoll bei Bäumen und bei Abstürzen bzw. fallenden<br />
Böschungen sowie allenfalls bei Zäunen/Mauern<br />
und Geländern.<br />
2.4 Möglicher Alkoholeinfluss beim<br />
Lenker<br />
Die meisten der bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn getöteten Personen<br />
waren mit einem Lenker unterwegs bei dem die<br />
Polizei keinen Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol notiert hatte.<br />
Bei knapp 33 % der Todesfälle war jedoch wahrscheinlich<br />
Alkohol im Spiel.<br />
Alkohol erhöht nicht nur die Wahrscheinlichkeit<br />
von Unfällen sondern ist auch ein Risikofaktor für<br />
die Verletzungsschwere. Das Risiko schwer verletzt<br />
oder getötet zu werden ist bei Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />
bei den Lenkenden gegenüber den Nüchternen<br />
um 41 % höher (Tabelle 26).<br />
Abbildung 6<br />
Anzahl Todesfälle nach Fortbewegungsmittel und Kollisionsobjekt (Auswahl der häufigsten Kombinationen, die über 90 % der Todesfälle<br />
beinhalten), 1992–2003<br />
400<br />
350<br />
300<br />
250<br />
200<br />
150<br />
100<br />
50<br />
0<br />
340<br />
160<br />
100<br />
Tabelle 26<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit vom Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker<br />
Nachgewiesener<br />
Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />
Kein Mangel Alkohol<br />
(Referenzkategorie<br />
65<br />
35<br />
30<br />
27<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
32<br />
23<br />
14<br />
20<br />
8 8<br />
10<br />
4 7 9<br />
9<br />
1 0 2 0 4 4 3 3 0 0<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
36 058 774 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Mangel Alkohol 7 694 376 0.00 1.41 1.31 1.52<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
Personenwagen Motorrad über 125 ccn Motorrad bis 125 ccm Lieferwagen<br />
Baum Zaun/Mauer/Geländer Schild/Pfosten/Mast Leitschranke Absturz/fallende Böschung Anderes Steigende Böschung<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 61
2.5 Grossregion<br />
Die meisten Getöteten gab es im Espace Mittelland,<br />
der Région lémanique und in der Ostschweiz.<br />
Auch pro 1 Mio. Einwohner führen diese 3 Regionen<br />
(18, 16 und 19) wobei dann allerdings noch<br />
das Tessin hinzukommt (ebenfalls 16). Auffällig<br />
selten gibt es Getötete dieser Unfallklasse in Zürich<br />
und in der Nordwestschweiz (1 und 7).<br />
Die Ostschweiz, Zürich und die Zentralschweiz tun<br />
sich durch ein besonders niedriges Risiko schwerer<br />
und tödlicher Verletzungen hervor. Es ist um 37 %,<br />
21 % bzw. 18 % tiefer als in der Referenzregion<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
Tessin. Ähnlich gefährlich wie das Tessin sind die<br />
Région lémanique und der Espace Mittelland<br />
(Tabelle 27).<br />
2.6 Alter der beteiligten Person<br />
Die grössten Häufigkeiten tödlicher Verletzungen<br />
findet man bei den jungen Verkehrsteilnehmern.<br />
Allerdings sinkt die Anzahl mit zunehmendem Alter<br />
nur langsam. Erst bei den Personen ab Mitte 50<br />
liegt die Anzahl pro Altersjahr ziemlich tief.<br />
Je älter die beteiligte Person ist, umso grösser ist<br />
jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine schwe-<br />
Tabelle 27<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der Grossregion<br />
Grossregion Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz<br />
Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Espace Mittelland 12 075 363 0.66 0.97 0.83 1.12<br />
Région lémanique 8 600 268 0.87 1.01 0.87 1.18<br />
Ostschweiz 13 512 238 0.00 0.63 0.54 0.73<br />
Zentralschweiz 4 153 109 0.03 0.82 0.69 0.98<br />
Nordwestschweiz 2 226 89 0.21 0.88 0.73 1.07<br />
Ticino (Referenzkategorie) 2 464 63 0.00 1.00<br />
Zürich 722 20 0.13 0.79 0.58 1.07<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 28<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit vom Alter der beteiligten Person<br />
Alter Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
bis 14 Jahre 1 194 18 0.00 0.24 0.17 0.34<br />
15–19 Jahre 4 205 161 0.00 0.46 0.37 0.58<br />
20–24 Jahre 12 479 227 0.00 0.46 0.38 0.57<br />
25–34 Jahre 11 566 284 0.00 0.50 0.41 0.62<br />
35–44 Jahre 6 370 177 0.00 0.52 0.42 0.64<br />
45–54 Jahre 3 767 122 0.00 0.58 0.47 0.72<br />
55–64 Jahre 2 059 72 0.00 0.65 0.51 0.82<br />
65–74 Jahre 1 190 46 0.04 0.76 0.58 0.98<br />
75 Jahre und älter<br />
(Referenzkategorie)<br />
922 43 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
62 Resultate bfu-Report Nr. 61
e oder tödliche Verletzung erleidet (Tabelle 28).<br />
Die Wahrscheinlichkeit der 15 bis 44jährigen<br />
schwer verletzt oder gar getötet zu werden, ist nur<br />
halb so gross wie diejenige der 75jährigen und<br />
älteren.<br />
2.7 Strassenzustand<br />
Annähernd 800 der bei einer Kollision mit einem<br />
festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn gestorbenen<br />
Personen kamen bei trockenem Strassenzustand<br />
ums Leben (68 % aller bei dieser Unfallklasse<br />
Getöteten). Daneben spielen noch nasse und<br />
feuchte Strassen eine verhältnismässig wichtige<br />
Rolle (25 %). Winterliche Strassenverhältnisse wie<br />
Eis und Schnee treten eher selten in Erscheinung<br />
(Tabelle 29).<br />
Der Strassenzustand spielt auch eine Rolle für die<br />
Verletzungsschwere. Am grössten ist das Risiko<br />
schwerer Verletzungen bei trockener Strasse.<br />
Wenn die Strasse feucht ist, ist das Risiko um<br />
11 %, bei nasser Strasse sogar um 17 % geringer<br />
(Tabelle 29). Das geringste Risiko schwerer Verletzungen<br />
besteht bei verschneiten Strassen. Dann ist<br />
das Risiko weniger als halb so gross wie <strong>auf</strong> trockenen<br />
Strassen. Dieses Resultat dürfte dar<strong>auf</strong><br />
zurückzuführen sein, dass bei schwierigeren Strassenverhältnissen<br />
langsamer gefahren wird und von<br />
daher die kinetische Energie, die ein entscheidender<br />
Faktor für die Verletzungsschwere ist, geringer<br />
ausfällt.<br />
2.8 Geschlecht der beteiligten Person<br />
Bezüglich der Häufigkeit tödlicher Verletzungen<br />
sind die Männer deutlich öfter vertreten als die<br />
Frauen (Verhältnis 5:1, Tabelle 30).<br />
Bezüglich der Verletzungsschwere zeigt sich je-<br />
Tabelle 29<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit vom Strassenzustand<br />
Strassenzustand Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Trocken (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
22 149 783 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Nass 8 611 181 0.00 0.83 0.76 0.90<br />
Feucht 4 662 112 0.04 0.89 0.81 0.99<br />
Vereist 3 632 38 0.00 0.70 0.60 0.81<br />
Verschneit 3 727 24 0.00 0.44 0.37 0.52<br />
Pflotschig 833 7 0.00 0.54 0.39 0.74<br />
Anderes 138 5 0.70 0.90 0.51 1.56<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 30<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit vom Geschlecht der beteiligten Person<br />
Geschlecht Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Männlich (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
33 289 951 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Weiblich 10 463 199 0.00 1.36 1.26 1.47<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 63
doch, dass die Frauen ein 36 % höheres Risiko<br />
haben, schwer verletzt oder getötet zu werden als<br />
die Männer.<br />
2.9 Personenart<br />
Die allermeisten der bei dieser Unfallklasse getöteten<br />
Personen waren die Lenker der Fahrzeuge (886<br />
Personen oder 77 %). Ebenfalls noch recht häufig<br />
betroffen waren die Mitfahrer vorne (165 oder<br />
14 %).<br />
Die Sitzposition im Fahrzeug hat eine signifikante<br />
Bedeutung für die Schwere der Verletzungen bei<br />
Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn. Personen, die hinten im Fahrzeug sitzen,<br />
haben eine um 22 % verringerte Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen als die Lenker, wohingegen<br />
Beifahrer vorne eine um 19 % erhöhte<br />
Wahrscheinlichkeit haben (Tabelle 31).<br />
2.10 Unfallstelle<br />
Mit Abstand am meisten Getötete nach einer Kollision<br />
mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn<br />
gab es in Kurven (786 vs. 344 Getötete <strong>auf</strong> gerader<br />
Strecke). Die übrigen Unfallstellen kommen nur<br />
sehr selten vor (Tabelle 32).<br />
Die Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher<br />
Verletzungen ist aber unabhängig davon, ob sich<br />
der Unfall <strong>auf</strong> gerader Strecke oder in Kurven ereignet<br />
hat gleich gross. Dies ist etwas überraschend,<br />
da man in Kurven meistens langsamer<br />
fährt als <strong>auf</strong> gerader Strecke.<br />
Andererseits hat man jedoch beim Abkommen von<br />
der Strasse <strong>auf</strong> gerader Strecke möglicherweise<br />
Tabelle 31<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der Personenart<br />
Personenart Anzahl Fälle<br />
in der Analyse<br />
Lenker n (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
32 088 886 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Mitfahrer vorne 7 094 165 0.00 1.19 1.08 1.31<br />
Mitfahrer hinten 4 542 99 0.00 0.78 0.69 0.88<br />
Mitfahrer unbekannt 27 0 0.91 0.94 0.32 2.78<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 32<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der Unfallstelle<br />
Unfallstelle Anzahl Fälle in Anzahl Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 % Oberes Ende des 95 %<br />
der Analyse Getötete<br />
Konfidenzintervalls Konfidenzintervalls<br />
Kurve 30 217 786 0.86 1.01 0.93 1.09<br />
Gerade Strecke (Referenzkategorie)<br />
11 716 344 0.00 1.00<br />
Einmündung 747 9 0.00 0.55 0.39 0.76<br />
Andere 66 5 0.88 0.93 0.39 2.22<br />
Kreuzung 717 3 0.00 0.52 0.37 0.72<br />
Parkplatz/Nebenanlage 215 2 0.72 0.90 0.49 1.63<br />
Platz/Verkehrsfläche 74 1 0.14 0.43 0.14 1.31<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
>BFS/bfu BFS/bfu<br />
64 Resultate bfu-Report Nr. 61
noch länger Zeit, Bremsmanöver einzuleiten (z. B.<br />
<strong>auf</strong> dem Bankett) als in Kurven.<br />
2.11 Strassenart<br />
Die Getöteten bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn kamen in knapp<br />
60 % der Fälle <strong>auf</strong> Hauptstrassen ums Leben, in<br />
rund 36 % <strong>auf</strong> Nebenstrassen. Andere Strassenarten<br />
spielen nur eine untergeordnete Rolle (Tabelle<br />
33).<br />
Bezieht man die Anzahl in Unfälle verwickelte Personen<br />
wiederum <strong>auf</strong> die entsprechende Netzlänge<br />
kann man die Unfallbeteiligtendichte (am Unfall<br />
beteiligte Personen/km) pro Durchschnittsjahr errechnen:<br />
Autostrasse 0.84 (3323/(12*330))<br />
Hauptstrasse 0.21 (27417/(12*10800))<br />
Nebenstrasse 0.05 (12588/(12*23300))<br />
Auch bei dieser Unfallklasse sind die in Unfälle<br />
verwickelten Personen vor allem <strong>auf</strong> dem kurzen<br />
Streckennetz der Autostrassen in erhöhter Dichte<br />
anzutreffen.<br />
Die Strassenart übt einen deutlichen Einfluss <strong>auf</strong><br />
die Verletzungsschwere aus. Haupt- und Nebenstrassen<br />
haben ein um über 60 % höheres<br />
Risiko von schweren und tödlichen Verletzungen<br />
als Autostrassen. Dies dürfte daran liegen, dass die<br />
baulichen Vorschriften für Autostrassen strenger<br />
sind als diejenigen für Haupt- und Nebenstrassen.<br />
2.12 Uhrzeit<br />
Die Anzahl der Getöteten ist in der Nacht und ab<br />
dem späten Nachmittag am höchsten. Die grösste<br />
Verletzungsschwere finden wir tendenziell jedoch<br />
vormittags. Allerdings gibt es bezüglich der Verletzungsschwere<br />
nur ein einziges signifikantes Resultat,<br />
welches sich von der Referenzzeit unterscheidet:<br />
zwischen 12:30 und 13:29 ist die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen um 22 % geringer.<br />
Da sich die Zahlen in Tabelle 34, S. 66 nur schwer<br />
interpretieren lassen, werden sie auch in grafischer<br />
Form dargestellt (Abbildung 7, S. 66).<br />
Tabelle 33<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der Strassenart<br />
Strassenart Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Hauptstrasse 27 417 669 0.00 1.61 1.27 2.03<br />
Nebenstrasse 12 588 425 0.00 1.64 1.29 2.08<br />
Autostrasse (Referenzkategorie)<br />
3 323 40 0.00 1.00<br />
Andere 424 16 0.93 1.02 0.66 1.57<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 65
Tabelle 34<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der Uhrzeit<br />
Uhrzeit Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
22:30 bis 23:29 (Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
2 435 59 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
23:30 bis 00:29 2 501 75 0.53 0.94 0.78 1.14<br />
00:30 bis 01:29 2 354 62 0.22 0.88 0.73 1.07<br />
01:30 bis 02:29 2 209 69 0.36 0.91 0.75 1.11<br />
02:30 bis 03:29 2 032 68 0.77 1.03 0.85 1.25<br />
03:30 bis 04:29 1 874 59 0.10 1.18 0.97 1.44<br />
04:30 bis 05:29 1 465 47 0.31 1.12 0.90 1.39<br />
05:30 bis 06:29 1 343 46 0.21 1.15 0.92 1.44<br />
06:30 bis 07:29 1 731 35 0.26 1.13 0.91 1.41<br />
07:30 bis 08:29 1 401 24 0.06 1.25 0.99 1.57<br />
08:30 bis 09:29 1 220 37 0.26 1.15 0.90 1.47<br />
09:30 bis 10:29 1 168 37 0.78 0.96 0.75 1.24<br />
10:30 bis 11:29 1 159 17 0.35 0.89 0.69 1.14<br />
11:30 bis 12:29 1 566 37 0.39 0.91 0.73 1.13<br />
12:30 bis 13:29 1 347 24 0.04 0.78 0.62 0.98<br />
13:30 bis 14:29 1 741 37 0.66 1.05 0.85 1.29<br />
14:30 bis 15:29 1 808 42 0.22 0.88 0.71 1.08<br />
15:30 bis 16:29 1 977 44 0.44 0.92 0.75 1.13<br />
16:30 bis 17:29 2 212 66 0.52 0.94 0.77 1.14<br />
17:30 bis 18:29 2 186 56 0.07 0.83 0.68 1.02<br />
18:30 bis 19:29 1 940 40 0.55 1.06 0.87 1.29<br />
19:30 bis 20:29 2 042 66 0.35 0.91 0.74 1.11<br />
20:30 bis 21:29 1 870 53 0.98 1.00 0.82 1.23<br />
21:30 bis 22:29 2 171 50 0.06 0.82 0.67 1.01<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Abbildung 7<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der Uhrzeit (plus/minus eine halbe Std.)<br />
Schwerverletzte und Getötete<br />
3000<br />
2500<br />
2000<br />
1500<br />
1000<br />
500<br />
0<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24<br />
Anzahl Schwere<br />
66 Resultate bfu-Report Nr. 61<br />
1.4<br />
1.2<br />
1<br />
0.8<br />
0.6<br />
0.4<br />
0.2<br />
0<br />
Odds Ratio für Verletzungsschwere
2.13 Höchstgeschwindigkeit<br />
Knapp 90 % aller bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn Getöteten starben<br />
<strong>auf</strong> Strassen, die Höchstgeschwindigkeiten von<br />
61 bis 80 km/h Stunde hatten. Rund 10 % der<br />
Getöteten starben <strong>auf</strong> Strassen mit Geschwindigkeitslimiten<br />
von bis zu 60 km/h (Tabelle 35).<br />
Nicht überraschend ist, dass mit sinkender geltender<br />
Höchstgeschwindigkeit das Risiko von schweren<br />
oder tödlichen Verletzungen abnimmt. Im Vergleich<br />
zur Referenzkategorie «Höchstgeschwindigkeit<br />
grösser als 80 km/h» ist das Risiko <strong>auf</strong> Strassen<br />
mit Höchstgeschwindigkeiten zwischen 61 und 80<br />
km/h um 11 % geringer (nicht signifikant), <strong>auf</strong><br />
Strassen mit einer Höchstgeschwindigkeit bis zu 60<br />
km/h sogar um 28 %.<br />
2.14 Strassenanlage (Längsneigung der<br />
Strasse)<br />
Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn mit tödlichen Folgen ereignen sich sowohl<br />
<strong>auf</strong> ebenen Strecken als auch im Gefälle<br />
ziemlich häufig (522 vs. 404 Tote). Steigungen<br />
scheinen diesbezüglich weniger problematisch zu<br />
sein (216 Tote, Tabelle 36). Die vergleichsweise<br />
hohe Anzahl Getöteter in der Ebene gegenüber<br />
einer Neigung spiegelt die Streckenlänge des Strassennetzes,<br />
<strong>auf</strong>geteilt <strong>auf</strong> die 3 Kategorien, wider.<br />
Ein ähnliches Bild wie bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen zeigt sich auch bei den<br />
Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn. Die Ausprägung gewinnt sogar noch an<br />
Deutlichkeit. Es ist schwieriger, die Kontrolle über<br />
ein Fahrzeug im Gefälle als über ein Fahrzeug in der<br />
Steigung zu behalten oder zurück zu erlangen.<br />
Tabelle 35<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der erlaubten Höchstgeschwindigkeit<br />
Erlaubte Höchstgeschwindigkeit<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
61–80 km/h 35 808 1 029 0.48 0.89 0.64 1.23<br />
Bis 60 km/h 6 333 107 0.05 0.72 0.52 1.00<br />
Über 80 km/h (Referenzkategorie)<br />
1 611 14 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 36<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der Strassenanlage<br />
Strassenanlage Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95% Konfidenz-intervalls<br />
Ebene Strecke<br />
(Referenzkategorie)<br />
19 118 522 0.01 1.00<br />
Gefälle 15 628 404 0.04 0.92 0.86 1.00<br />
Steigung 8 844 216 0.00 0.87 0.79 0.95<br />
Anderes 162 8 0.89 0.96 0.57 1.64<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 67
Die Wahrscheinlichkeit schwer verletzt oder getötet<br />
zu werden ist bei Unfällen, die sich <strong>auf</strong> ebener<br />
Strecke ereignen im Vergleich zu Strecken mit Gefälle<br />
oder Steigungen höher (8 bzw. 13 % weniger<br />
bei Gefälle bzw. Steigung).<br />
2.15 Künstliche Beleuchtung<br />
Bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn kamen an Orten ohne künstliche<br />
Beleuchtung weitaus am meisten Personen ums<br />
Leben (89 %, Tabelle 37). An durchgehenden und<br />
punktuellen künstlichen Beleuchtungen gab es nur<br />
knapp 100 getötete Personen.<br />
Die Kollisionen mit den festen Hindernissen können<br />
mit dem Kandelaber selbst, oder aber mit einem<br />
andern Hindernis geschehen sein. Wenn eine Strassenbeleuchtung<br />
platziert wird, entstehen also weitere<br />
Möglichkeiten, mit einem festen Hindernis zu<br />
kollidieren.<br />
Auch bei den Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn verzeichnet man am meisten<br />
Getötete ohne künstliche Beleuchtung. Dies ist<br />
nachvollziehbar, da die meisten Ausserortsstrecken<br />
ohne Beleuchtung ausgestattet sind.<br />
Punktuelle künstliche Beleuchtung scheint einen<br />
positiven Einfluss <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere zu<br />
haben. Mit ihr sinkt das Risiko um 19 % im Vergleich<br />
zu keiner künstlichen Beleuchtung. Durchgehende<br />
Beleuchtung hingegen hat keinen signifikanten<br />
Effekt <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere im Vergleich<br />
zu keiner künstlichen Beleuchtung.<br />
2.16 Nicht signifikante Variablen<br />
Interessant ist auch die Frage, welche Variablen<br />
keine signifikanten Prädiktoren für die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen waren. So war z. B.<br />
das Unfalljahr nicht bedeutsam. Dies ist ein Hinweis<br />
dar<strong>auf</strong>, dass die Hindernisse ausserhalb der Fahrbahn<br />
gleich gefährlich geblieben sind. Ebenfalls<br />
nicht signifikant sind die Vortrittsregelung am Unfallort,<br />
die Dauer des Führerausweisbesitzes und<br />
der Wochentag. Allerdings verteilt sich die Anzahl<br />
der an Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> beteiligten<br />
Personen unterschiedlich, je nachdem ob es<br />
sich um einen Wochentag oder um das Wochenende<br />
handelt (Abbildung 8). Am Wochenende<br />
geschieht ein recht grosser Teil in den frühen Morgenstunden,<br />
wohingegen sich unter der Woche die<br />
grösste Häufigkeit tagsüber findet – mit einer ansteigenden<br />
Tendenz zum Nachmittag und Abend<br />
bis Mitternacht.<br />
Tabelle 37<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision mit einem festen Hindernis ausserhalb der Fahrbahn schwer verletzt oder getötet zu werden in<br />
Abhängigkeit von der künstlicher Beleuchtung<br />
Künstliche Beleuchtung Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Keine künstliche Beleuchtung<br />
(Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
36 265 1 026 0.026 1.00<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Durchgehend 2 780 61 0.354 0.93 0.80 1.08<br />
Punktuell 2 488 33 0.010 0.81 0.68 0.95<br />
Ausser Betrieb 2 209 30 0.139 0.88 0.74 1.04<br />
Andere 10 0 0.129 3.64 0.69 19.27<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
68 Resultate bfu-Report Nr. 61
3. Kollisionen an Knoten<br />
Bei den folgenden Analysen geht es um die Kollisionen<br />
an Knoten, d. h. Unfälle mit mindestens 2<br />
Fahrzeugen an «Verkehrsanlagen, die zur Verknüpfung<br />
von Verkehrsbeziehungen dienen». Vereinfacht<br />
heisst dies, dass mindestens 2 Strassen oder<br />
Wege <strong>auf</strong>einander treffen.<br />
Abbildung 8<br />
Verteilung der unfallbeteiligten Personen bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn nach Wochentag bzw.<br />
Wochenende und Uhrzeit (plus/minus eine halbe Stunde)<br />
2500<br />
2000<br />
1500<br />
1000<br />
500<br />
0<br />
Tabelle 38<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Fortbewegungsart<br />
Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Personenwagen (Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
68 681 176 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Motorrad über 125 ccm 2 898 102 0.00 27.14 24.34 30.26<br />
Motorfahrrad 1 598 65 0.00 14.46 12.40 16.87<br />
Motorrad bis 125 ccm 1 579 43 0.00 24.46 21.48 27.85<br />
Lieferwagen 3 197 8 0.10 0.80 0.61 1.04<br />
Kleinmotorrad 547 5 0.00 10.96 8.67 13.85<br />
Traktor 820 5 0.53 0.88 0.58 1.32<br />
Andere 85 5 0.54 0.64 0.15 2.69<br />
Arbeitsmaschine 145 1 0.05 1.95 0.99 3.85<br />
Lastwagen 1 888 1 0.00 0.16 0.09 0.31<br />
Kleinbus 408 0 0.06 0.38 0.14 1.03<br />
Bus/Car 270 0 0.04 0.13 0.02 0.91<br />
Sattelschlepper über 3.5 t 249 0 0.04 0.13 0.02 0.93<br />
Trolleybus 22 0 0.66 0.03 0.00 sehr grosses und daher nicht<br />
aussagekräftiges Ergebnis<br />
Sattelschlepper bis 3.5 t 71 0 0.34 0.02 0.00 64.70<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23<br />
Wochenende Wochentag<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 69
3.1 Fortbewegungsmittel<br />
Die meisten Getöteten bei Kollisionen an Knoten<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> waren Personenwageninsassen.<br />
An zweiter, dritter, vierter und sechster<br />
Stelle liegen die Benützer von verschiedenen motorisierten<br />
Zweirädern. Bei ihnen ist auch das Risiko<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden am grössten.<br />
Es ist 11- bis 27-mal so hoch wie dasjenige<br />
von Personenwageninsassen. Cars und Lastwagen/Sattelschlepper<br />
sind besonders sicher (Tabelle<br />
38, S. 69).<br />
3.2 Rückhaltesystem / Helm<br />
Die meisten Getöteten waren entweder mit einem<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurt oder einem Helm gesichert - rund<br />
60 % (Tabelle 39).<br />
Personen, welche die Schutzeinrichtungen verwendeten,<br />
hatten nur 18 % des Risikos schwer verletzt<br />
oder getötet zu werden, im Vergleich zu den nicht<br />
gesicherten Personen (1/5,41 = 0,18). Rückhaltesysteme<br />
und Helme bieten also auch bei Kollisionen<br />
an Knoten einen guten Schutz vor schweren<br />
Verletzungen.<br />
3.3 Möglicher Alkoholeinfluss beim<br />
Lenker<br />
Die weitaus meisten getöteten Verkehrsteilnehmer<br />
bei Kollisionen an Knoten waren mit einem Lenker<br />
unterwegs, bei dem die Polizei keinen Alkohol<br />
vermutete – über 97 % (Tabelle 40).<br />
Dennoch ist der Alkoholkonsum des Lenkers ein<br />
Risikofaktor für schwere oder tödliche Verletzungen.<br />
Mit Alkohol ist das Risiko um 81 % höher als<br />
ohne Alkohol.<br />
3.4 Alter der beteiligten Person<br />
Die meisten Getöteten gibt es in der Altersgruppe<br />
von 75 Jahre und älter. Am geringsten ist die An-<br />
Tabelle 39<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Benützung<br />
eines Rückhaltesystems/Helms<br />
Rückhaltesystem/Helm Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Rückhaltesystem/Helm (Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
72 718 281 0.00 1.00<br />
Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
Keine Tragpflicht/Kein System 5 458 114 0.00 1.64 1.39 1.93<br />
Kein Rückhaltesystem/Helm 3 695 91 0.00 5.41 4.84 6.04<br />
Unbekannt 589 23 0.00 10.10 8.10 12.59<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 40<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Verdacht <strong>auf</strong><br />
Alkohol beim Lenker<br />
Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim<br />
Lenker<br />
Kein Mangel Alkohol (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
81 346 495 0.00 1.00<br />
Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
Mangel Alkohol 1 114 14 0.00 1.81 1.45 2.26<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
70 Resultate bfu-Report Nr. 61
zahl bei den 45- bis 54-Jährigen. Am höchsten –<br />
bezogen <strong>auf</strong> die Anzahl Altersjahrgänge – ist sie<br />
jedoch bei den 15- bis 19-Jährigen. Hier sehen wir<br />
den typischen u-förmigen Verl<strong>auf</strong>: ein Abfall von<br />
den Jungen zu den mittleren Jahrgängen und dann<br />
einen Anstieg mit steigendem Alter. Dies ist nicht<br />
ganz unerwartet, da bekannt ist, dass der Unfall an<br />
Knoten die Unfallklasse ist, die mit dem Alter in der<br />
Häufigkeit ansteigt.<br />
Auch die Wahrscheinlichkeit schwer verletzt oder<br />
sogar getötet zu werden, steigt mit dem Alter an.<br />
So beträgt das Risiko der unter 15-Jährigen nur<br />
rund ein Drittel dessen der über 75-Jährigen. Das<br />
geringste Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen<br />
bei Kollisionen an Knoten haben also die<br />
jüngsten Verkehrsteilnehmer (Tabelle 41).<br />
3.5 Geschlecht der beteiligten Person<br />
Wie auch bei den bisher analysierten Unfallklassen<br />
sind hier die Männer in der Häufigkeit der Todesfälle<br />
übervertreten. Das Risiko schwer verletzt oder<br />
getötet zu werden ist allerdings bei den Frauen um<br />
über 40 % höher als bei den Männern (Tabelle 42).<br />
Deren erhöhte Vulnerabilität wurde bereits erwähnt.<br />
3.6 Grossregion<br />
Von der Häufigkeit der Todesfälle bei Kollisionen<br />
an Knoten her sind besonders die Région lémanique,<br />
der Espace Mittelland und die Ostschweiz<br />
<strong>auf</strong>fällig (Tabelle 43, S. 72). Wenn man die Resultate<br />
allerdings <strong>auf</strong> die Anzahl Einwohner dieser Regionen<br />
bezieht, dann ist nur noch die Région léma-<br />
Tabelle 41<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Alter der beteiligten<br />
Person<br />
Alter Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
75 Jahre und älter<br />
(Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
4 614 102 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
65–74 Jahre 6 186 66 0.00 0.73 0.61 0.86<br />
55–64 Jahre 8 593 57 0.00 0.65 0.55 0.76<br />
45–54 Jahre 11 461 39 0.00 0.53 0.45 0.62<br />
35–44 Jahre 14 774 45 0.00 0.49 0.41 0.58<br />
25–34 Jahre 17 957 74 0.00 0.50 0.41 0.59<br />
20–24 Jahre 10 836 44 0.00 0.50 0.41 0.61<br />
15–19 Jahre 4 102 54 0.00 0.48 0.39 0.59<br />
bis 14 Jahre 3 937 28 0.00 0.35 0.26 0.46<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 42<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Geschlecht der<br />
beteiligten Person<br />
Geschlecht Anzahl Fälle in Anzahl Getö- Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 % Oberes Ende des 95 %<br />
der Analyse tete<br />
Konfidenzintervalls Konfidenzintervalls<br />
Männlich (Referenzkategorie)<br />
53 859 393 0.00 1.00<br />
Weiblich 28 601 116 0.00 1.42 1.31 1.53<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 71
nique nach oben hin <strong>auf</strong>fällig (8 Getötete pro 1<br />
Mio. Einwohner). Das Tessin und Zürich sind besonders<br />
sicher (3 bzw. 4 Getötete pro 1 Mio. Einwohner).<br />
Eine hohe Wahrscheinlichkeit von Kollisionen an<br />
Knoten mit schweren physischen Konsequenzen<br />
scheint vor allem in der Nordwestschweiz und dem<br />
Espace Mittelland zu bestehen. Zürich hat diesbezüglich<br />
eine besonders geringe Wahrscheinlichkeit.<br />
3.7 Höchstgeschwindigkeit<br />
Die meisten Getöteten bei Kollisionen an Knoten<br />
gibt es bei Geschwindigkeitslimiten von 61 bis 80<br />
km/h, was wahrscheinlich damit zusammenhängt,<br />
dass diese Limiten am weitesten verbreitet sind<br />
(Tabelle 44).<br />
Nicht ganz unerwartet ist das Risiko bei dieser Un-<br />
fallklasse schwer verletzt oder getötet zu werden<br />
umso grösser, je höher die Geschwindigkeitslimiten<br />
sind. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu<br />
60 km/h ist das Risiko nur halb so gross wie <strong>auf</strong><br />
Strassen mit Höchstgeschwindigkeiten von über 80<br />
km/h (allerdings nur tendenziell signifikant).<br />
3.8 Unfallstelle<br />
Die weitaus meisten bei Kollisionen an Knoten<br />
getöteten Personen sterben an Einmündungen<br />
gefolgt von Kreuzungen (Tabelle 45). An dritter<br />
Stelle liegt die gerade Strecke. Dieses letzte Resultat<br />
mutet etwas seltsam an. Wie soll sich eine Kollision<br />
an Knoten <strong>auf</strong> gerader Strecke ereignen? Dies<br />
ergibt sich wahrscheinlich dadurch, dass «Einmündungen»<br />
von Privatgrundstücken verkehrstechnisch<br />
und der Verkehrsregelnverordnung (VRV) zu Folge<br />
(Artikel 1, Absatz 8) keine Einmündungen sind. In<br />
den Instruktionen zum Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll<br />
Tabelle 43<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Grossregion<br />
Grossregion Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Région lémanique 17 716 125 0.00 1.31 1.11 1.54<br />
Espace Mittelland 18 124 124 0.00 1.51 1.30 1.77<br />
Ostschweiz 14 309 75 0.03 1.20 1.02 1.42<br />
Nordwestschweiz 8 550 60 0.00 1.60 1.35 1.90<br />
Zürich 10 065 60 0.01 0.77 0.64 0.93<br />
Zentralschweiz 8 437 53 0.00 1.30 1.10 1.55<br />
Ticino (Referenzkategorie) 5 259 12 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 44<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der erlaubten<br />
Höchstgeschwindigkeit<br />
Erlaubte Höchstgeschwindigkeit<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
61–80 km/h 55 705 432 0.49 0.76 0.35 1.65<br />
Bis 60 km/h 26 539 77 0.07 0.49 0.22 1.05<br />
Über 80 km/h (Referenzkategorie)<br />
216 0 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
72 Resultate bfu-Report Nr. 61
(2.12 Unfallstelle) ist dies jedoch anders definiert.<br />
Hier wird explizit erläutert, dass «Einmündung»<br />
auch anzukreuzen ist wenn die Definition der VRV<br />
dies nicht als Einmündung anerkennt. Also handelt<br />
es sich höchstwahrscheinlich um Kodierungen von<br />
Einmündungen von Privatgrundstücken und nicht<br />
um gerade Strecken. Demzufolge wäre dann die<br />
Anzahl der Getöteten bei Unfällen an Einmündungen<br />
noch um einiges grösser (226 + 63 = 289).<br />
Das höchste Risiko für schwere oder tödliche Ver-<br />
letzungen besteht an Kreuzungen. An Einmündungen<br />
ist das Risiko etwa gleich gross wie <strong>auf</strong> geraden<br />
Strecken.<br />
3.9 Vortrittsregelung<br />
Die meisten Toten bei Kollisionen an Knoten <strong>auf</strong><br />
Landstrassen kamen dort ums Leben wo signalisiert<br />
war, dass kein Vortritt bestand. An zweiter und<br />
dritter Stelle sind die Kategorien «keine Vortrittsregelung»<br />
und «Andere». Stoppstrassen sind mit 60<br />
Getöteten ebenfalls nicht selten vertreten (Tabelle<br />
46).<br />
Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen ist<br />
besonders hoch bei Bahn- oder Tramvortritten (11mal<br />
höher als bei der Referenzkategorie «Keine<br />
Vortrittsregelung» wobei es sich allerdings um<br />
wenige Fälle handelt (2 Getötete in 12 Jahren).<br />
Tabelle 45<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Unfallstelle<br />
Unfallstelle Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Einmündung 39 110 226 0.11 1.10 0.98 1.24<br />
Kreuzung 30 845 204 0.00 1.41 1.24 1.61<br />
Gerade Strecke (Referenzkategorie)<br />
8 909 63 0.00 1.00<br />
Kurve 3 097 16 0.06 0.82 0.67 1.01<br />
Andere 76 0 0.32 1.60 0.63 4.02<br />
Platz/Verkehrsfläche 166 0 0.15 0.41 0.12 1.37<br />
Parkplatz/Nebenanlage 257 0 0.14 0.34 0.08 1.42<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 46<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Vortrittsregelung<br />
Vortrittsregelung Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Kein Vortritt, signalisiert 32 427 184 0.07 1.10 0.99 1.22<br />
Keine Vortrittsregelung<br />
(Referenzkategorie)<br />
16 913 117 0.00 1.00<br />
Andere 16 561 114 0.00 1.34 1.20 1.49<br />
Stoppstrasse 8 508 60 0.01 1.20 1.04 1.38<br />
Rechtsvortritt, Missachten 3 758 18 0.58 0.95 0.79 1.14<br />
Lichtsignalanlage 4 174 13 0.04 1.22 1.00 1.47<br />
Bahn-/Tramvortritt 30 2 0.00 11.06 4.14 29.54<br />
Fussgängerstreifen 41 1 0.21 2.15 0.65 7.12<br />
LSA für zeitweilige Spursperrung<br />
48 0 0.90 0.91 0.21 3.98<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 73
Hinsichtlich der Vortrittsregelungen gibt es nur<br />
wenige Unterschiede im Vergleich zu Knoten ohne<br />
Vortrittsregelung. Lichtsignalanlagen hingegen<br />
haben ein um 22 % erhöhtes Risiko schwerer Verletzungen.<br />
3.10 Uhrzeit<br />
Die grösste Anzahl Getöteter bei Kollisionen an<br />
Knoten <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> zeigt sich zu Zeiten,<br />
zu denen auch das Verkehrs<strong>auf</strong>kommen am grössten<br />
ist – morgens zwischen halb sieben und halb<br />
acht, mittags zwischen halb zwölf und halb zwei<br />
sowie gegen Feierabend zwischen halb vier und<br />
halb sieben.<br />
Hinsichtlich der Unfallzeit ergibt sich eine erhöhte<br />
Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen in den<br />
frühen Morgenstunden von halb sechs bis halb<br />
sieben. Die Häufigkeit ist zu dieser Zeit allerdings<br />
recht gering, was <strong>auf</strong>grund des geringen Verkehrs<strong>auf</strong>kommens<br />
und des «benötigten» Unfallgegners<br />
plausibel ist. Eine geringe Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen besteht von 10:30 bis<br />
12:29. Zur besseren Erkennbarkeit sind die Resultate<br />
aus Tabelle 47 auch noch in Abbildung 9 zusammengefasst.<br />
Tabelle 47<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Uhrzeit<br />
Uhrzeit Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
22:30 bis 23:29<br />
(Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
1 313 13 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
23:30 bis 00:29 811 3 0.27 0.78 0.51 1.21<br />
00:30 bis 01:29 563 8 0.78 0.94 0.59 1.48<br />
01:30 bis 02:29 229 3 0.88 1.05 0.56 1.99<br />
02:30 bis 03:29 189 2 0.34 1.38 0.71 2.68<br />
03:30 bis 04:29 152 1 0.27 1.51 0.72 3.14<br />
04:30 bis 05:29 188 2 0.78 1.10 0.55 2.21<br />
05:30 bis 06:29 727 8 0.03 1.52 1.03 2.25<br />
06:30 bis 07:29 3 883 33 0.65 0.93 0.70 1.25<br />
07:30 bis 08:29 3 241 8 0.20 0.81 0.59 1.11<br />
08:30 bis 09:29 2 700 14 0.81 1.04 0.75 1.44<br />
09:30 bis 10:29 3 616 26 0.17 0.80 0.59 1.10<br />
10:30 bis 11:29 4 485 32 0.01 0.66 0.49 0.90<br />
11:30 bis 12:29 5 946 39 0.01 0.68 0.51 0.91<br />
12:30 bis 13:29 5 085 44 0.35 0.87 0.65 1.17<br />
13:30 bis 14:29 6 380 32 0.04 0.74 0.55 0.99<br />
14:30 bis 15:29 6 329 40 0.77 0.96 0.72 1.28<br />
15:30 bis 16:29 6 919 46 0.05 0.75 0.56 1.00<br />
16:30 bis 17:29 9 058 49 0.07 0.77 0.58 1.02<br />
17:30 bis 18:29 8 630 44 0.44 0.90 0.68 1.18<br />
18:30 bis 19:29 5 254 27 0.41 0.89 0.67 1.18<br />
19:30 bis 20:29 3 380 15 0.48 0.90 0.66 1.21<br />
20:30 bis 21:29 1 859 8 0.97 0.99 0.72 1.37<br />
21:30 bis 22:29 1 523 12 0.66 1.08 0.77 1.50<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
74 Resultate bfu-Report Nr. 61
3.11 Personenart<br />
Die weitaus meisten bei Kollisionen an Knoten <strong>auf</strong><br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> getöteten Personen sind Lenker.<br />
Sie machen 86 % der Getöteten aus. Mit je 35<br />
Fällen gleich häufig vertreten sind getötete Mitfahrer<br />
vorne und hinten (Tabelle 48).<br />
Hinsichtlich der Verletzungsschwere ist das Risiko<br />
für die Beifahrer vorne um 27 % höher als für die<br />
Abbildung 9<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Personenart<br />
Anzahl Personen<br />
10000<br />
9000<br />
8000<br />
7000<br />
6000<br />
5000<br />
4000<br />
3000<br />
2000<br />
1000<br />
0<br />
Tabelle 48<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Personenart<br />
Personenart Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Lenker (Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
62 069 438 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Mitfahrer vorne 12 727 35 0.00 1.27 1.14 1.42<br />
Mitfahrer hinten 7 629 35 0.02 0.84 0.73 0.98<br />
Mitfahrer unbekannt 35 1 0.34 0.37 0.05 2.81<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 49<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der künstlichen<br />
Beleuchtung<br />
Künstliche Beleuchtung Anzahl Fälle<br />
in der Analyse<br />
Keine künstliche Beleuchtung<br />
(Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
45 573 329 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Ausser Betrieb 25 533 129 0.00 1.21 1.10 1.32<br />
Durchgehend 6 889 29 0.02 1.17 1.02 1.35<br />
Punktuell 4 424 22 0.26 0.91 0.77 1.07<br />
Andere 41 0 0.56 0.66 0.16 2.66<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
22:30 bis 23:29<br />
23:30 bis 00:29<br />
00:30 bis 01:29<br />
01:30 bis 02:29<br />
02:30 bis 03:29<br />
03:30 bis 04:29<br />
04:30 bis 05:29<br />
05:30 bis 06:29<br />
06:30 bis 07:29<br />
07:30 bis 08:29<br />
08:30 bis 09:29<br />
09:30 bis 10:29<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 75<br />
10:30 bis 11:29<br />
11:30 bis 12:29<br />
12:30 bis 13:29<br />
Anzahl Odds Ratio<br />
13:30 bis 14:29<br />
14:30 bis 15:29<br />
15:30 bis 16:29<br />
16:30 bis 17:29<br />
17:30 bis 18:29<br />
18:30 bis 19:29<br />
19:30 bis 20:29<br />
20:30 bis 21:29<br />
21:30 bis 22:29<br />
1.8<br />
1.6<br />
1.4<br />
1.2<br />
1<br />
0.8<br />
0.6<br />
0.4<br />
0.2<br />
0<br />
Odds Ratio
Lenker. Passagiere <strong>auf</strong> den Rücksitzen hingegen<br />
haben ein um 16 % geringeres Risiko.<br />
3.12 Künstliche Beleuchtung<br />
An wichtigen Knoten besteht ausserorts i. d. R.<br />
eine punktuelle Beleuchtung. Übergeordnete Knoten<br />
werden meistens zumindest punktuell beleuchtet.<br />
Untergeordnete Knoten, resp. Einmündungen<br />
von Feldwegen in Haupt- und Nebenstrassen werden<br />
nicht beleuchtet. Falls die Zufahrt und die<br />
Wegfahrt vom Knoten jedoch ebenfalls beleuchtet<br />
sind, handelt es sich um eine durchgehende Beleuchtung.<br />
Die meisten Getöteten bei dieser Unfallklasse sterben<br />
an Stellen ohne künstliche Beleuchtung.<br />
Die Ergebnisse hinsichtlich der Verletzungswahrscheinlichkeit<br />
bei künstlicher Beleuchtung sind<br />
etwas verwirrend. Sowohl wenn die künstliche<br />
Beleuchtung ausser Betrieb ist als auch wenn sie<br />
durchgehend ist, ist das Risiko um ca. 20 % erhöht<br />
(Tabelle 49).<br />
Wegen der etwas eigenartigen Resultate zur künstlichen<br />
Beleuchtung wurde die Wechselwirkung<br />
zwischen Lichtverhältnissen und künstlicher Be-<br />
leuchtung gerechnet. Es ergab sich eine signifikante<br />
Wechselwirkung dahingehend, dass in der Nacht<br />
eine punktuelle Beleuchtung zu einem um 25 %<br />
geringeren Risiko schwerer Verletzungen führte.<br />
Allerdings macht diese Konstellation nur 4 % der<br />
Kollisionen an Knoten aus, so dass auch mit vermehrtem<br />
Einsatz punktueller Beleuchung keine<br />
dramatische Verbesserung des Unfallgeschehens<br />
erwartet werden kann.<br />
3.13 Wochentag<br />
Die Verteilung der Getöteten <strong>auf</strong> die Wochentage<br />
bei den Kollisionen an Knoten ist etwas ungewöhnlich.<br />
Sonntags und montags gibt es die wenigsten<br />
Getöteten, mittwochs und donnerstags ist<br />
die Zahl am grössten. Die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer oder tödlicher Verletzungen ist dienstags<br />
und mittwochs am grössten und signifikant höher<br />
als samstags (Tabelle 50).<br />
3.14 Angaben zum Lenker<br />
Die meisten bei Kollisionen an Knoten <strong>auf</strong><br />
Landstrassen getöteten Personen sind die Fahrzeughalter<br />
– 80 % (Tabelle 51). An zweiter Stelle<br />
stehen die Familienmitglieder mit rund 12 %. Die<br />
Wahrscheinlichkeit eines Unfalls mit schweren oder<br />
Tabelle 50<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Wochentag<br />
Wochentag Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Samstag (Referenzkategorie)<br />
12 663 68 0.00 1.00<br />
Sonntag 9 745 51 0.28 0.93 0.82 1.06<br />
Montag 10 949 54 0.46 1.05 0.92 1.19<br />
Dienstag 11 517 74 0.02 1.16 1.02 1.31<br />
Mittwoch 12 483 88 0.00 1.23 1.09 1.39<br />
Donnerstag 11 836 93 0.11 1.11 0.98 1.25<br />
Freitag 13 267 81 0.34 1.06 0.94 1.20<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
76 Resultate bfu-Report Nr. 61
tödlichen Verletzungen ist bei Lenkern von Geschäftswagen<br />
oder auch Mietfahrzeugen geringer,<br />
als wenn der Lenker auch der Halter ist. Anscheinend<br />
werden mit Geschäfts- und Mietwagen weniger<br />
Risiken eingegangen als mit dem eigenen<br />
Fahrzeug.<br />
3.15 Strassenzustand<br />
Über 80 % der bei einer Kollision an Knoten getöteten<br />
Personen kamen <strong>auf</strong> trockener Strasse ums<br />
Leben. Bei fast allen restlichen Todesfällen waren<br />
die Strassen nass oder feucht (Tabelle 52).<br />
An einem Knoten muss vermehrt gebremst wer-<br />
den. Der Strassenzustand im Bereich eines Knotens<br />
ist also noch von grösserer Bedeutung als <strong>auf</strong> der<br />
freien Strecke. Hinzu kommt, dass man konfliktträchtige<br />
querende oder einmündende Fahrzeugströme<br />
hat.<br />
Beim Strassenzustand erweisen sich die verschneiten<br />
Strassen wiederum (wie auch schon bei den<br />
anderen Unfallklassen) als erheblich weniger riskant<br />
für schwere Verletzungen als die trockenen<br />
Strassen. Auf ihnen ist das Risiko halb so gross.<br />
Trockene, nasse und feuchte Strassen hingegen<br />
unterscheiden sich in ihrer Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen nicht signifikant.<br />
Tabelle 51<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von den Angaben<br />
zum Lenker<br />
Angaben zum<br />
Lenker<br />
Halter (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
52 162 407 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Familienmitglied 15 598 62 0.10 1.08 0.98 1.19<br />
Andere 4 844 19 0.02 0.82 0.70 0.96<br />
Lenker mit Geschäftswagen<br />
8 861 17 0.03 0.82 0.69 0.98<br />
Mietfahrer 669 2 0.05 0.63 0.40 0.99<br />
Unbekannt 34 1 0.37 1.67 0.55 5.08<br />
Militärfahrer 292 1 0.46 0.75 0.35 1.61<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 52<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Strassenzustand<br />
Strassenzustand Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Trocken (Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
60 379 412 0.02 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Nass 13 994 55 0.67 0.98 0.89 1.08<br />
Feucht 6 844 40 0.17 1.09 0.96 1.25<br />
Andere 28 1 0.03 4.01 1.11 14.50<br />
Pflotschig 168 1 0.51 1.31 0.59 2.87<br />
Verschneit 764 0 0.01 0.46 0.25 0.84<br />
Vereist 283 0 0.16 0.44 0.14 1.38<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 77
3.16 Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
Die Dauer des Führerausweisbesitzes hat einen<br />
deutlichen Einfluss <strong>auf</strong> Kollisionen an Knoten mit<br />
Todesfolgen. Die Häufigkeit dieser Unfälle bzw. der<br />
Unfallbeteiligten sinkt mit der Dauer des Führerausweisbesitzes,<br />
wenn man sie <strong>auf</strong> das einzelne<br />
Jahr bezieht.<br />
Das Risiko schwerer Verletzungen verändert sich<br />
jedoch nicht signifikant mit der Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
(Tabelle 53).<br />
3.17 Nicht signifikante Variablen<br />
Als nicht signifikante Prädiktoren für die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer und schwerster Verletzungen<br />
stellten sich heraus: das Unfalljahr, die Tatsache<br />
ob die geltende Höchstgeschwindigkeit signalisiert<br />
war oder nicht und die Strassenkategorie,<br />
d. h. ob es sich um eine National-, Kantons- oder<br />
Gemeindestrasse handelte. Auch die Tatsache, ob<br />
sich der Knoten <strong>auf</strong> ebenem Gelände oder in Gefällen<br />
oder Steigungen befand, spielte keine Rolle.<br />
Dass sich Kollisionen an Knoten zum allergrössten<br />
Teil <strong>auf</strong> Hauptstrassen ereignen ist nicht unplausibel<br />
– schliesslich bedarf es eines Unfallgegners, der<br />
sich häufiger <strong>auf</strong> stärker frequentierten Strassen<br />
findet.<br />
4. Unfälle ohne Kollisionen<br />
Unfälle ohne Kollisionen sind – wie man Abbildung<br />
2, S. 42 entnehmen kann – etwas weniger gefährlich<br />
(geringere Case fatality) als die Kollisionen mit<br />
festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn oder<br />
die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen.<br />
Dennoch ist diese Unfallklasse nicht zu vernachlässigen,<br />
denn es kamen von 1992 bis 2007<br />
immerhin 407 Personen dabei ums Leben. Dazu<br />
kommt noch die Problematik der Überschlagsunfälle,<br />
die <strong>auf</strong>grund der Zunahme der Sports Utility<br />
Vehicles (SUV) mit ihrem höheren Schwerpunkt<br />
ansteigen dürften. Allerdings wird dieser Unfalltyp<br />
in der Unfallstatistik nicht speziell <strong>auf</strong>geführt, so<br />
dass keine konkreten Aussagen zur Entwicklung<br />
gemacht werden können.<br />
4.1 Fortbewegungsmittel<br />
Die meisten Getöteten bei Unfällen ohne Kollisionen<br />
gibt es bei Personenwageninsassen, Motorradfahrern<br />
und den Lenkern oder Passagieren von<br />
Traktoren. Die übrigen Fahrzeugtypen spielen nur<br />
Tabelle 53<br />
Wahrscheinlichkeit bei einer Kollision an einem Knoten schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Dauer des<br />
Führerausweisbesitzes<br />
Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
1. Jahr (Referenzkategorie) 6 127 42 0.05 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
2. Jahr 4 471 27 0.11 1.13 0.97 1.31<br />
3. Jahr 3 504 22 0.97 1.00 0.84 1.19<br />
4. Jahr 3 201 20 0.78 0.97 0.81 1.17<br />
5.–9. Jahr 12 278 45 0.49 0.95 0.82 1.10<br />
10.–14. Jahr 10 624 36 0.20 0.90 0.77 1.06<br />
15.–29. Jahr 24 250 76 0.05 0.86 0.74 1.00<br />
30 und mehr Jahre 18 005 127 0.93 0.99 0.83 1.18<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
78 Resultate bfu-Report Nr. 61
eine untergeordnete Rolle.<br />
Die Wahrscheinlichkeit einer schweren oder tödlichen<br />
Verletzung bei Unfällen ohne Kollisionen ist<br />
bei den Benutzern von Motorrädern (über und bis<br />
125 ccm) am grössten. Ihr Risiko ist rund 8-mal so<br />
gross wie das von Personenwageninsassen. Ebenfalls<br />
gefährlich sind Mofas, Kleinmotorräder und<br />
«andere» Fortbewegungsmittel (Tabelle 54). Auch<br />
die Traktoren sind mit einem 2,8-fachen Risiko im<br />
Vergleich zu den Personenwagen nicht zu vernachlässigen.<br />
4.2 Rückhaltesystem / Helm<br />
Die meisten bei Unfällen ohne Kollision getöteten<br />
Personen hatten keinen <strong>Sicherheit</strong>sgurt oder keinen<br />
Helm getragen. Dieses Resultat ist insofern<br />
bemerkenswert, als dass bei den bisher behandelten<br />
Unfallklassen die meisten Getöteten einen<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurt oder Helm benützt hatten. Dies<br />
kann als Hinweis dar<strong>auf</strong> gewertet werden, dass<br />
diese Unfälle teilweise so schwer sind, dass der<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurt die tödlichen Verletzungen nicht<br />
mehr verhindern kann. Bei den Unfällen ohne Kolli-<br />
Tabelle 54<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Art des Fortbewegungsmittels<br />
Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Personenwagen (Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
16 018 222 0.00 1.00<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Motorrad über 125 ccm 1 578 43 0.00 8.27 7.10 9.62<br />
Traktor 179 25 0.00 2.80 1.88 4.16<br />
Motorrad bis 125 ccm 639 12 0.00 8.47 6.99 10.26<br />
Motorfahrrad 333 12 0.00 3.28 2.48 4.34<br />
Andere 39 6 0.00 3.79 1.77 8.09<br />
Lieferwagen 699 6 0.24 0.83 0.61 1.13<br />
Lastwagen 441 3 0.00 0.31 0.19 0.51<br />
Arbeitsmaschine 43 2 0.82 1.10 0.50 2.41<br />
Kleinmotorrad 192 1 0.00 3.35 2.27 4.93<br />
Bus / Car 39 0 0.32 0.54 0.16 1.82<br />
Kleinbus 92 0 0.06 0.34 0.11 1.02<br />
Sattelschlepper über 3.5 t 68 0 0.03 0.11 0.02 0.80<br />
Sattelschlepper bis 3.5 t 16 0 0.48 0.03 0.00 714.14<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 55<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Benützung eines<br />
Rückhaltesystems / Helms<br />
Benützung eines Rückhaltesystems/Helms<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 79<br />
Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Kein Rückhaltesystem/Helm 1 816 132 0.00 7.40 6.48 8.46<br />
Rückhaltesystem/Helm vorhanden<br />
(Referenzkategorie)<br />
16 741 97 0.00 1.00<br />
Keine Tragpflicht/kein System 1 322 64 0.00 2.56 2.03 3.23<br />
Unbekannt 498 62 0.00 10.82 8.77 13.36<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert..<br />
Quelle: BFS/bfu
sion kann der <strong>Sicherheit</strong>sgurt offensichtlich noch<br />
mehr ausrichten. Dies liegt daran, dass die kinetischen<br />
Energien weniger schnell abgebaut werden<br />
als bei Unfällen mit Kollisionen mit schweren Objekten<br />
wie anderen Fahrzeugen, Bäumen u. ä.<br />
Wenn man sich nicht in angemessener Art und<br />
Weise schützt ist das Risiko bei Unfällen ohne Kollisionen<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden,<br />
mehr als 7-mal so hoch wie dasjenige der Benützer<br />
der Schutzeinrichtungen (Tabelle 55).<br />
4.3 Grossregion<br />
Die allermeisten Getöteten bei Unfällen ohne Kollisionen<br />
gab es im Kanton Zürich. Es folgt der Espace<br />
Mittelland (Tabelle 56). Bezogen <strong>auf</strong> die Anzahl<br />
Einwohner liegt Zürich mit rund 9 pro 1 Mio. Einwohner<br />
pro Jahr doppelt so hoch wie die Ostschweiz.<br />
Die übrigen Grossregionen liegen nochmals<br />
deutlich tiefer.<br />
Das Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen ist<br />
in den meisten Grossregionen nicht signifikant<br />
anders als in der Referenzkategorie Tessin. Lediglich<br />
Zürich und die Ostschweiz haben ein signifikant<br />
geringeres Risiko schwerer Verletzungen.<br />
Tabelle 56<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Grossregion<br />
Grossregion Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Zürich 8 695 135 0.00 0.62 0.45 0.86<br />
Espace Mittelland 2 940 67 0.20 1.23 0.89 1.71<br />
Ostschweiz 2 748 56 0.02 0.66 0.47 0.93<br />
Région lémanique 2 238 55 0.41 1.15 0.83 1.59<br />
Nordwestschweiz 2 419 27 0.76 1.05 0.75 1.47<br />
Zentralschweiz 951 12 0.21 0.79 0.55 1.14<br />
Ticino (Referenzkategorie)<br />
386 3 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 57<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Alter der beteiligten<br />
Person<br />
Alter Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
bis 14 Jahre 576 8 0.00 0.23 0.14 0.39<br />
15–19 Jahre 1 856 36 0.00 0.40 0.28 0.57<br />
20–24 Jahre 5 442 57 0.00 0.35 0.25 0.49<br />
25–34 Jahre 5 474 84 0.00 0.38 0.27 0.53<br />
35–44 Jahre 3 168 53 0.00 0.46 0.33 0.64<br />
45–54 Jahre 1 903 44 0.00 0.53 0.37 0.75<br />
55–64 Jahre 1 099 34 0.00 0.52 0.36 0.76<br />
65–74 Jahre 554 25 0.03 0.64 0.43 0.96<br />
75 Jahre und älter<br />
(Referenzkategorie)<br />
305 14 0.00 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
80 Resultate bfu-Report Nr. 61
4.4 Alter der beteiligten Person<br />
Das Alter der beteiligten Person spielt – wie auch in<br />
den vorangegangenen Analysen eine wichtige<br />
Rolle. Hinsichtlich der Häufigkeit tödlicher Verletzungen<br />
sind vor allem die jüngeren Verkehrsteilnehmer<br />
– immerhin bis zum Alter von 34 Jahren<br />
stark betroffen (Tabelle 57).<br />
Dass mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer oder tödlicher Verletzungen ansteigt<br />
ist nicht unerwartet. So ist bei der Gruppe der 75-<br />
Jährigen und älter das Risiko bei den Unfällen ohne<br />
Kollision ungefähr 3-mal so gross wie dasjenige der<br />
20- bis 24-Jährigen.<br />
4.5 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit<br />
Die allermeisten Personen (fast 90 %) sind in einen<br />
tödlichen Unfall ohne Kollision verwickelt worden<br />
ohne dass die Geschwindigkeit signalisiert war<br />
(Tabelle 58).<br />
Für die Schwere der Verletzungen spielt die Signalisation<br />
der Geschwindigkeit eine wichtige Rolle.<br />
Wenn die geltenden Geschwindigkeiten nicht oder<br />
nur temporär signalisiert sind, dann steigt die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer oder tödlicher Verletzungen<br />
um 57 % bzw. 108 % im Vergleich zur signalisierten<br />
Höchstgeschwindigkeit an. Die Signalisation der<br />
Höchstgeschwindigkeit führt bei dieser Unfallklasse<br />
zu einem <strong>Sicherheit</strong>sgewinn in Form von geringerer<br />
Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen.<br />
Tabelle 58<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Signalisation der<br />
Höchstgeschwindigkeit<br />
Signalisation der<br />
Höchstgeschwindigkeit<br />
Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Höchstgeschwindigkeit<br />
nicht signalisiert<br />
16 832 319 0.00 1.57 1.35 1.84<br />
Höchstgeschwindigkeit<br />
signalisiert (Referenzkategorie)<br />
3 417 34 0.00 1.00<br />
Höchstgeschwindigkeit<br />
temporär signalisiert<br />
128 2 0.01 2.08 1.16 3.71<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 59<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Strassenzustand<br />
Strassenzustand Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Trocken (Referenzkategorie)<br />
10 369 227 0.00 1.00<br />
Nass 3 689 59 0.00 0.79 0.68 0.91<br />
Feucht 2 107 41 0.03 0.83 0.70 0.99<br />
Vereist 2 084 16 0.00 0.72 0.58 0.88<br />
Verschneit 1 619 7 0.00 0.44 0.33 0.59<br />
Andere 84 4 0.40 1.26 0.73 2.18<br />
Pflotschig 425 1 0.02 0.56 0.34 0.92<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 81
4.6 Strassenzustand<br />
Die allermeisten tödlichen Unfälle ohne Kollisionen<br />
ereignen sich <strong>auf</strong> trockenen Strassen (64 %). Weitere<br />
28 % der Getöteten kamen <strong>auf</strong> nassen oder<br />
feuchten Strassen ums Leben (Tabelle 59).<br />
Wie auch schon bei den Analysen zu den anderen<br />
Unfallklassen stellt sich heraus, dass die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen <strong>auf</strong> trockenen<br />
Strassen am grössten ist. Alle anderen Strassenzustände<br />
haben eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer oder tödlicher Verletzungen.<br />
4.7 Unfallstelle<br />
Der Unfall ohne Kollision ist in 64 % der tödlichen<br />
Fälle ein Unfall in einer Kurve. Nahezu alle übrigen<br />
Todesfälle ereignen sich <strong>auf</strong> gerader Strecke<br />
(Tabelle 60).<br />
Das Risiko schwerer Verletzungen ist in Kurven<br />
allerdings praktisch gleich gross wie <strong>auf</strong> gerader<br />
Strecke – der Referenzkategorie. Dreifach erhöht<br />
ist das Risiko schwerer Verletzungen wenn sich der<br />
Unfall <strong>auf</strong> einem Platz bzw. einer Verkehrsfläche<br />
ereignete. Allerdings sind in den analysierten 12<br />
Jahren nur 31 Personen in Unfälle an dieser Unfallstelle<br />
involviert gewesen.<br />
4.8 Personenart<br />
Die allermeisten bei einem Unfall ohne Kollision<br />
getöteten Personen sind die Lenker (78 %). Sie und<br />
die Mitfahrer vorne sind auch am stärksten dem<br />
Risiko schwerer und tödlicher Verletzungen ausgesetzt.<br />
Auf der Rücksitzbank ist das Risiko um 42 %<br />
geringer (Tabelle 61).<br />
Tabelle 60<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Unfallstelle<br />
Unfallstelle Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
Kurve 12 847 227 0.27 1.07 0.95 1.19<br />
Gerade Strecke (Referenzkategorie)<br />
5 328 110 0.00 1.00<br />
Einmündung 1 555 13 0.00 0.59 0.46 0.77<br />
Kreuzung 536 2 0.00 0.56 0.38 0.82<br />
Andere 28 2 0.17 1.94 0.74 5.08<br />
Platz/Verkehrsfläche 31 1 0.02 2.89 1.20 6.97<br />
Parkplatz/Nebenanlage 52 0 0.19 0.49 0.17 1.42<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 61<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Personenart<br />
Personenart Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Lenker (Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
15 416 276 0.00 1.00<br />
Oberes Ende des 95%<br />
Konfidenzintervalls<br />
Mitfahrer vorne 2 957 47 0.10 1.14 0.98 1.33<br />
Mitfahrer hinten 1 993 32 0.00 0.58 0.48 0.70<br />
Mitfahrer unbekannt 11 0 0.19 0.24 0.03 2.05<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
82 Resultate bfu-Report Nr. 61
4.9 Strassenart<br />
Die meisten bei Unfällen ohne Kollisionen getöte-<br />
ten Personen starben <strong>auf</strong> Nebenstrassen (52 %).<br />
Weitere 39 % kamen <strong>auf</strong> Hauptstrassen ums Leben<br />
(Tabelle 62).<br />
Bezogen <strong>auf</strong> die Netzlänge betragen die Unfallbeteiligtendichten<br />
[an Unfällen beteiligte Personen/km]<br />
pro Durchschnittsjahr:<br />
Autostrasse 0.23 (894/(12*330))<br />
Hauptstrasse 0.09 (11 147/(12*10800))<br />
Nebenstrasse 0.03 (8096/(12*23300))<br />
Die Unfallbeteiligtendichten im Vergleich mit den<br />
anderen beiden Unfallklassen Kollision mit einem<br />
entgegenkommenden Fahrzeug und Kollision mit<br />
festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn sind <strong>auf</strong><br />
allen Strassen bedeutend kleiner. Wiederum ist sie<br />
jedoch bei der Autostrasse am höchsten.<br />
Hinsichtlich der Verletzungsschwere gibt es keine<br />
grossen Unterschiede zwischen den Strassenarten.<br />
4.10 Geschlecht der beteiligten Person<br />
Die allermeisten Getöteten bei Unfällen ohne Kollisionen<br />
sind Männer (86 %, Tabelle 63).<br />
Wie auch schon in den vorherigen Analysen findet<br />
sich jedoch für Frauen ein höheres Risiko schwerer<br />
und tödlicher Verletzungen als für Männer<br />
(+18 %).<br />
Tabelle 62<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Strassenart<br />
Strassenart Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 83<br />
Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Nebenstrasse 8 096 185 0.47 1.14 0.80 1.63<br />
Hauptstrasse 11 147 138 0.91 1.02 0.71 1.46<br />
Andere 240 26 0.02 1.79 1.08 2.97<br />
Autostrasse (Referenzkategorie)<br />
894 6 0.01 1.00<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 63<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall ohne Kollision schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Geschlecht der beteiligten<br />
Person<br />
Geschlecht Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz<br />
Odds<br />
Ratio<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Männlich (Referenzkategorie) 15 470 306 1.00<br />
Weiblich 4 907 49 0.01 1.18 1.05 1.34<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu
4.11 Nicht signifikante Variablen<br />
Nicht signifikante Prädiktoren für die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen waren das Unfalljahr,<br />
die geltenden Höchstgeschwindigkeiten und<br />
die Dauer des Führerausweisbesitzes. Auch Wochentag,<br />
Uhrzeit, Lichtverhältnisse und künstliche<br />
Beleuchtung spielen im Hinblick <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere<br />
keine Rolle. Ebenfalls keinen Einfluss<br />
<strong>auf</strong> die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
haben die Strassenkategorie, die Vortrittsregelung<br />
und die Angaben zum Lenker. Dies bedeutet aber<br />
nicht, dass diese Faktoren keinen Einfluss <strong>auf</strong> die<br />
Häufigkeit dieser Unfälle bzw. die Anzahl beteiligter<br />
Personen haben. So erkennt man z. B. in Abbildung<br />
10, dass die Anzahl beteiligter Personen bei<br />
Unfällen ohne Kollisionen an Wochenendtagen fast<br />
zu allen Uhrzeiten höher ist als an Wochentagen.<br />
Insbesondere in der Nacht und am Nachmittag gibt<br />
es deutliche Unterschiede.<br />
5. Kollisionen mit Fussgängern<br />
Die fünfte und am wenigsten häufige Unfallklasse<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> sind die Kollisionen mit<br />
Fussgängern. Die Anzahl der Getöteten liegt bei<br />
rund 20 Personen pro Jahr. Von daher ist es kein<br />
besonders grosses Problem <strong>auf</strong> Landstrassen. Dennoch<br />
sollte es nicht vernachlässigt werden, insbesondere<br />
weil die Case fatality (Anteil Getöteter an<br />
den Verunfallten) mit 10 % gross ist. Wenn er mit<br />
den typischen Geschwindigkeiten <strong>auf</strong> Ausserorts-<br />
Abbildung 10<br />
Anzahl Personen pro Tag, in einen Unfall ohne Kollision verwickelt, in Abhängigkeit von Uhrzeit und Wochentag, 1992–2003<br />
400<br />
350<br />
300<br />
250<br />
200<br />
150<br />
100<br />
50<br />
0<br />
11:30 bis 00:29<br />
00:30 bis 01:29<br />
Tabelle 64<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Personenart<br />
Personenart Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Fussgänger 1 875 228 0.00 227.36 93.40 553.41<br />
Lenker (Referenzkategorie)<br />
1 711 2 1.00<br />
Mitfahrer vorne 256 1 0.03 4.19 1.11 15.80<br />
Mitfahrer hinten 162 0 0.52 0.01 0.00 11691.78<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
01:30 bis 02:29<br />
02:30 bis 03:29<br />
03:30 bis 04:29<br />
04:30 bis 05:29<br />
05:30 bis 06:29<br />
06:30 bis 07:29<br />
07:30 bis 08:29<br />
08:30 bis 09:29<br />
09:30 bis 10:29<br />
10:30 bis 11:29<br />
84 Resultate bfu-Report Nr. 61<br />
11:30 bis 12:29<br />
12:30 bis 13:29<br />
13:30 bis 14:29<br />
Wochenendtag Wochentag<br />
14:30 bis 15:29<br />
15:30 bis 16:29<br />
16:30 bis 17:29<br />
17:30 bis 18:29<br />
18:30 bis 19:29<br />
19:30 bis 20:29<br />
20:30 bis 21:29<br />
21:30 bis 22:29<br />
22:30 bis 23:29
strassen angefahren wird, sind die Überlebenschancen<br />
für den Fussgänger ziemlich gering.<br />
5.1 Personenart<br />
Bei einer Kollision mit einem Fussgänger ausserorts<br />
sterben praktisch nur die Fussgänger – 98.7 %<br />
(Tabelle 64). Der wichtigste Prädiktor dafür, ob<br />
jemand bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt<br />
oder getötet wird, ist die Personenart. Wenn der<br />
Betroffene ein Fussgänger ist, so ist die Wahrscheinlichkeit<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden<br />
mehr als 200-mal grösser als diejenige des<br />
Fahrzeuglenkers.<br />
5.2 Fortbewegungsmittel<br />
Bei weitem am häufigsten kollidieren Fussgänger<br />
mit Personenwagen. Motorisierte und nicht-<br />
motorisierte Zweiradbenutzer sind in erheblich<br />
höherem Masse gefährdet schwere oder tödliche<br />
Verletzungen bei einem Unfall mit einem Fussgänger<br />
davonzutragen als Personenwageninsassen<br />
(Tabelle 65). Selbst bei diesem verhältnismässig<br />
«leichten» Unfallgegner (im Vergleich z. B. zu einem<br />
Baum oder einer Mauer) sind die zweirädrigen<br />
Verkehrsteilnehmer besonders stark gefährdet.<br />
5.3 Vortrittsregelung<br />
Die meisten der getöteten Personen sterben an<br />
Stellen, an denen es keine Vortrittsregelung gab –<br />
rund 85 %. Gefolgt werden sie von den Getöteten<br />
<strong>auf</strong> Fussgängerstreifen. Allerdings handelt es sich<br />
hier lediglich um 18 Personen – wahrscheinlich weil<br />
Fussgängerstreifen ausserorts nicht besonders weit<br />
verbreitet sind und auch von Fussgängern nur selten<br />
frequentiert werden.<br />
Tabelle 65<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Fortbewegungsmittel<br />
Fortbewegungsmittel Anzahl Fälle<br />
in der Analyse<br />
Personenwagen (Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
1 558 1 1.00<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Fahrrad 164 1 0.00 45.08 16.86 120.51<br />
Motorrad über 125 ccm 70 1 0.00 25.02 7.38 84.86<br />
Motorfahrrad 50 0 0.00 38.12 11.56 125.67<br />
Motorrad bis 125 ccm 50 0 0.00 35.18 10.26 120.65<br />
Kleinmotorrad 39 0 0.00 20.01 4.57 87.49<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 66<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der Vortrittsregelung<br />
Vortrittsregelung Anzahl Fälle<br />
in der Analyse<br />
Keine Vortrittsregelung<br />
(Referenzkategorie)<br />
Anzahl Getötete<br />
Signifikanz Odds<br />
Ratio<br />
3 311 198 1.00<br />
Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Fussgängerstreifen 411 18 0.81 1.04 0.77 1.41<br />
Andere 169 7 0.02 0.57 0.35 0.92<br />
Lichtsignalanlage 89 5 0.81 1.08 0.59 1.97<br />
Bahn-/Tramvortritt 14 3 0.24 2.67 0.51 13.86<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 85
Am meisten Unfälle mit Fussgängern ereignen sich<br />
ausserorts, wenn es keine Vortrittsregelung gibt.<br />
Das können Fussgänger sein, welche <strong>auf</strong> der freien<br />
Strecke die Strasse kreuzen oder an ihr entlanggehen<br />
oder Fussgänger, mit denen an einem nicht<br />
signalisiertem Rechtsvortritt oder einem Feldweg<br />
kollidiert wird.<br />
Interessanterweise unterscheiden sich die verschiedenen<br />
Arten von Vortrittsregelungen (mit Ausnahme<br />
der Kategorie «Andere») in Bezug <strong>auf</strong> die<br />
Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen nicht<br />
signifikant voneinander (Tabelle 66). Dies könnte<br />
ein Hinweis dar<strong>auf</strong> sein, dass die Kollisionsgeschwindigkeiten<br />
vergleichbar gross sind. Insbesondere<br />
die Tatsache, dass die Verletzungswahrscheinlichkeit<br />
an Fussgängerstreifen gleich gross ist wie<br />
wenn keine Vortrittsregelung besteht, muss kritisch<br />
gesehen werden.<br />
5.4 Künstliche Beleuchtung<br />
Die meisten bei Kollisionen mit Fussgängern getöteten<br />
Personen starben an einem Unfallort ohne<br />
künstliche Beleuchtung (69 %, Tabelle 67).<br />
Ausserorts gibt es nur sehr wenige Fussgängerstreifen.<br />
Die bestehenden werden fast zu 100 % mit<br />
einer Beleuchtung ausgestattet. Aber es kann auch<br />
Fussverkehr abseits der Fussgängerstreifen ausserorts<br />
geben.<br />
Dort wo es eine punktuelle künstliche Beleuchtung<br />
gibt, ist das Risiko schwerer Verletzungen um gut<br />
40 % erhöht (allerdings erreicht das Ergebnis die<br />
Signifikanz knapp nicht). Dort wo die künstliche<br />
Beleuchtung ausser Betrieb ist, ist die Verletzungsschwere<br />
um knapp 30 % geringer (signifikant).<br />
Tabelle 67<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit von der künstlichen Beleuchtung<br />
Künstliche Beleuchtung Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Keine künstliche Beleuchtung<br />
(Referenzkategorie)<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
2 753 160 1.00<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenzintervalls<br />
Durchgehend 359 28 0.39 1.15 0.83 1.59<br />
Punktuell 258 22 0.06 1.42 0.98 2.05<br />
Ausser Betrieb 621 18 0.01 0.71 0.55 0.91<br />
Andere 14 3 0.50 1.63 0.40 6.67<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Tabelle 68<br />
Wahrscheinlichkeit bei einem Fussgängerunfall schwer verletzt oder getötet zu werden in Abhängigkeit vom Geschlecht der beteiligten<br />
Person<br />
Geschlecht Anzahl Fälle in<br />
der Analyse<br />
Anzahl<br />
Getötete<br />
Signifikanz Odds Ratio Unteres Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Oberes Ende des 95 %<br />
Konfidenz-intervalls<br />
Männlich (Referenzkategorie) 2 675 160 1.00<br />
Weiblich 1 330 71 0.22 0.89 0.74 1.07<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
86 Resultate bfu-Report Nr. 61
5.5 Geschlecht der beteiligten Person<br />
Männer erleiden wesentlich häufiger als Frauen<br />
tödliche Verletzungen bei einem Fussgängerunfall.<br />
Im Gegensatz zu den anderen 4 Unfallklassen, bei<br />
denen sich erhöhte Risiken schwerer oder tödlicher<br />
Verletzungen für die Frauen ergaben, ist bei den<br />
Kollisionen mit Fussgängern kein signifikanter Geschlechtsunterschied<br />
zu finden (Tabelle 68).<br />
5.6 Nicht signifikante Variablen<br />
Bei den Variablen, die sich als nicht signifikant für<br />
die Verletzungsschwere herausstellten, gab es noch<br />
einige interessante Resultate hinsichtlich der Verteilung<br />
der Häufigkeit der Todesfälle. Die Unfälle<br />
ereigneten sich zumeist <strong>auf</strong> gerader (67 %), ebener<br />
(61 %) und trockener Strecke (72 %).<br />
In über 50 % der tödlichen Fälle geschahen die<br />
Unfälle bei Dunkelheit. Allerdings geschahen sie<br />
nicht mitten in der Nacht, sondern am späten<br />
Nachmittag und frühen Abend. Die Tatsache, dass<br />
die Unfälle recht gleichmässig verteilt unter der<br />
Woche und am Wochenende geschahen, legt nahe,<br />
dass es sich nicht um Personen bei Freizeitaktivitäten<br />
handelt, sondern dass die Opfer eher Ein-<br />
Tabelle 69<br />
Anzahl getöteter Personen bei Kollisionen mit Fussgängern <strong>auf</strong><br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> nach Alter, 1992–2003<br />
Alter Anzahl getöteter Personen<br />
Bis 14 Jahre 28<br />
15 bis 19 Jahre 10<br />
20 bis 24 Jahre 7<br />
25 bis 34 Jahre 11<br />
35 bis 44 Jahre 16<br />
45 bis 54 Jahre 28<br />
55 bis 64 Jahre 25<br />
65 bis 74 Jahre 40<br />
75 Jahre und älter 66<br />
Total 231<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
heimische in ländlichen Regionen waren. Vom<br />
Alter her handelt es sich einerseits um Kinder und<br />
Jugendliche bis 14 Jahren und dann wieder um<br />
eher ältere Verkehrsteilnehmer. Bereits ab Mitte<br />
40, insbesondere aber ab dem Alter von Mitte 60<br />
muss eine erhöhte Anzahl Todesfälle konstatiert<br />
werden (Tabelle 69).<br />
Dass sich solche Unfälle zum grössten Teil <strong>auf</strong><br />
Hauptstrassen ereignen ist nicht unplausibel –<br />
schliesslich braucht es einen Kollisionsgegner, der<br />
sich eher <strong>auf</strong> stark frequentierten Strassen findet.<br />
bfu-Report Nr. 61 Resultate 87
VII. Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz<br />
In der wissenschaftlichen Literatur wird immer<br />
wieder erwähnt, dass sich das Unfallgeschehen <strong>auf</strong><br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> ziemlich dispers verteilt, d. h.<br />
dass es wenig lokale Unfallschwerpunkte gibt, wo<br />
sich eine Sanierung lohnen würde. Dies wurde<br />
auch für das Unfallgeschehen in der Schweiz überprüft.<br />
1. Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen<br />
Für die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
konnte die disperse Verteilung grösstenteils<br />
bestätigt werden. Da es für diese Unfallklasse ausreichend<br />
Gegenverkehr braucht, ist es nicht überraschend,<br />
dass sich diese Unfälle vor allem <strong>auf</strong><br />
stärker frequentierten Strassen ereignen. Abbildung<br />
11 zur Verteilung der bei Unfällen Getöteten<br />
Abbildung 11<br />
Bei Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen getötete<br />
Personen im Mittelland zwischen Zürich und Olten<br />
(Punkt = 1 Getöteter, 1992–2007)<br />
bei dieser Unfallklasse aus der Region zwischen<br />
Zürich und Olten zeigt <strong>auf</strong>, dass es sich bei den<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
zumeist um ziemlich dispers verteilte Ereignisse<br />
handelt. Aus diesem Grund ist eine Unfallschwerpunkt-orientierte<br />
Vorgehensweise nicht sehr erfolgversprechend.<br />
Hier muss mit generelleren<br />
Massnahmen gearbeitet werden, die möglichst<br />
grosse Teile des stark frequentierten Streckennetzes<br />
betreffen.<br />
Es gibt allerdings auch einige Ausnahmen zu der<br />
Regel der dispersen Verteilung der Kollisionen mit<br />
entgegenkommenden Fahrzeugen. Besonders<br />
markant tut sich die Strecke nördlich des San Ber-<br />
Abbildung 12<br />
Bei Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen getötete<br />
Personen <strong>auf</strong> der nördlichen San Bernardino-Route<br />
(Punkt = 1 Getöteter, 1992–2007)<br />
Quelle: http://maps.huge.info/marker.htm Quelle: http://maps.huge.info/marker.htm<br />
88 Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz bfu-Report Nr. 61
nardino-Tunnels ab Tamins hervor. Dort gab es 41<br />
Verkehrstote (1993–2007), bei denen eine Geokodierung<br />
vorgenommen wurde, so dass sie dieser<br />
Strecke zugeordnet werden konnten (Abbildung<br />
12). Dies wäre ein Beispiel, wo sich wohl eine bauliche<br />
Fahrtrichtungstrennung lohnt.<br />
Andere unfallbelastete Strecken sind diejenige von<br />
Spiez nach Interlaken sowie die Strasse von Frauenfeld<br />
nach Matzingen.<br />
2. Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn<br />
Bei dieser Unfallklasse «bedarf» es keines besonders<br />
intensiven Verkehrs, da nicht mit anderen<br />
Verkehrsteilnehmern kollidiert wird. Wann immer<br />
eine Strasse mit verhältnismässig hoher Geschwindigkeit<br />
befahren werden kann und sich feste Hindernisse<br />
nah am Strassenrand befinden, kann es zu<br />
schweren und tödlichen Unfällen kommen. Daher<br />
ist es nicht verwunderlich, dass sich Unfälle dieser<br />
Abbildung 13<br />
Bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn<br />
getötete Personen in der Region Burgdorf, 1992–2007<br />
(Punkt = 1 Getöteter, 1992–2007)<br />
Unfallklasse oft <strong>auf</strong> eher kleinen Strassen ereignen,<br />
die meist einen geringeren Ausbaustandard <strong>auf</strong>weisen.<br />
In Abbildung 13 ist ein Beispiel aus der<br />
Region Burgdorf dargestellt. Man erkennt, dass ein<br />
Teil der Unfallstrassen so klein ist, dass sie bei diesem<br />
Massstab überhaupt noch nicht als Strassen zu<br />
erkennen sind. Wiederum zeigt sich, dass das Unfallgeschehen<br />
sehr dispers verteilt ist.<br />
Allerdings gibt es auch hier wieder Strecken, <strong>auf</strong><br />
denen es zu überraschend vielen Todesfällen gekommen<br />
ist. Namentlich zu erwähnen sind die<br />
Strassen von Landquart nach Bad Ragaz bzw. nach<br />
Maienfeld. Auch zwischen Neuchâtel und St. Imier<br />
gab es etliche Todesfälle.<br />
3. Kollisionen an Knoten<br />
Bei den Kollisionen an Knoten ergibt sich wiederum<br />
dasselbe Bild (Abbildung 14) wie bei den vorherigen<br />
Unfallklassen – vor allem eine disperse<br />
Verteilung, die eine Sanierung von Unfallschwerpunkten<br />
wenig zielführend erscheinen lassen.<br />
Bei den anderen beiden Unfallklassen (Unfälle ohne<br />
Kollisionen und Kollisionen mit Fussgängern) fin-<br />
Abbildung 14<br />
Bei Kollisionen an Knoten getötete Personen in der Region Sion,<br />
1992–2007<br />
(Punkt = 1 Getöteter, 1992–2007)<br />
Quelle: http://maps.huge.info/marker.htm Quelle: http://maps.huge.info/marker.htm<br />
bfu-Report Nr. 61 Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz 89
den sich ebenfalls ähnliche Verteilungen. Sie werden<br />
hier allerdings <strong>auf</strong>grund ihrer geringen Anzahl<br />
Todesfälle nicht mehr separat abgehandelt.<br />
4. Ausmass und Qualität der Geokodierung<br />
Zurzeit werden für etwa 80 % der in Unfälle verwickelten<br />
Personen Geokodierungsdaten angegeben.<br />
Bis 2002 lag dieser Anteil bei etwa 60 %. Mit dem<br />
Beginn der Geokodierungen im Kanton Zürich stieg<br />
der Anteil um 20 %. Die Kantone Obwalden und<br />
Tessin nehmen keine mehr oder fast gar keine<br />
Geokodierung vor. Kantone, in denen in weniger<br />
als 80 % der Fälle eine Geokodierung vorgenommen<br />
wird, sind Waadt, Luzern, Neuenburg, Wallis<br />
und Nidwalden. Die höchsten Prozentwerte erreichen<br />
mit fast 95 % der Fälle Uri, Aargau und Solothurn.<br />
Insgesamt kann man also konstatieren, dass die<br />
Geokodierung recht gut funktioniert, aber noch<br />
etwas ausb<strong>auf</strong>ähig ist. Mit dem neuen Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll<br />
wird sie obligatorisch werden.<br />
90 Verteilung der Unfälle <strong>auf</strong> das Strassennetz bfu-Report Nr. 61
VIII. Massnahmen<br />
Die Analyse der Risikofaktoren für die Verletzungsschwere<br />
bei den 5 Unfallklassen <strong>auf</strong> Ausserortstrassen<br />
hat zu einer ganzen Reihe von signifikanten<br />
Resultaten geführt. Ein Teil der Ergebnisse ist ähnlich<br />
für die verschiedenen Unfallklassen, andere<br />
hingegen weichen voneinander ab. So haben sich<br />
einerseits die motorisierten Zweiräder als problematisch<br />
erwiesen. Andererseits hat beispielsweise<br />
das Tessin ein eher geringes Risiko für schwere<br />
Verletzungen bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen aber ein eher hohes Risiko<br />
bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn. Daraus ergibt sich, dass ein Teil<br />
der Probleme unabhängig davon, um welche Art<br />
der Unfallklasse es sich handelt, vermindert werden<br />
kann. Probleme, die generell angegangen werden<br />
können sind:<br />
1. Fortbewegungsmittel<br />
2. Benutzung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />
3. Alkoholeinfluss beim Lenker<br />
4. Geltende Höchstgeschwindigkeiten<br />
5. Strassenzustand<br />
6. Strassenanlage<br />
7. Besitzverhältnisse des Fahrzeugs<br />
8. Alter<br />
9. Geschlecht<br />
Andere Risikofaktoren sind nur relevant für bestimmte<br />
Unfallklassen oder – in schwierigen Fällen<br />
– können sogar je nach Unfallklasse Risiko- oder<br />
Schutzfaktor sein. Es sind dies die folgenden Faktoren<br />
10. Art des Hindernisses<br />
11. Strassenart<br />
12. Personenart (Lenker, Beifahrer, Fussgänger)<br />
13. Unfallstelle<br />
14. Vortrittsregelung<br />
15. Signalisierung der Höchstgeschwindigkeit<br />
16. Künstliche Beleuchtung<br />
17. Landesregion<br />
18. Uhrzeit<br />
19. Wochentag<br />
20. Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
21. Strassenkategorie<br />
Für die Umsetzung bedeutet dies konkret, dass<br />
hinsichtlich der Risikofaktoren 1 bis 9 Interventionen<br />
eigentlich immer lohnenswert sind. Für die<br />
Risikofaktoren 10 bis 21 hingegen muss vorher<br />
eine Analyse des Unfallgeschehens erfolgen, um<br />
klarzustellen, welche der 5 Unfallklassen besonders<br />
angegangen werden müssen. Erst daraus können<br />
die sinnvollen Massnahmen abgeleitet werden.<br />
1. Generelle Massnahmen für die Verbesserung<br />
der <strong>Sicherheit</strong> <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
1.1 Fortbewegungsmittel<br />
1.1.1 Personenwagen<br />
Die allermeisten getöteten Personen bei Unfällen<br />
<strong>auf</strong> Landstrassen sind Insassen von Personenwagen<br />
– rund 62 %. Dies ist vor allem dadurch bedingt,<br />
dass der allergrösste Teil der Verkehrsteilnehmer<br />
mit Personenwagen unterwegs ist. Deren <strong>Sicherheit</strong><br />
wird seit vielen Jahren l<strong>auf</strong>end verbessert. Dies<br />
wird auch in Zukunft weiterhin geschehen. Die<br />
Fahrzeugsicherheit wird zunehmen, sowohl in Be-<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 91
zug <strong>auf</strong> die passive als auch <strong>auf</strong> die aktive <strong>Sicherheit</strong>.<br />
Hinsichtlich der passiven <strong>Sicherheit</strong> wird es<br />
Fortschritte – wohl insbesondere im Hinblick <strong>auf</strong><br />
seitliche Kollisionen und Unfälle mit Fussgängern –<br />
geben.<br />
Die Kollisionsstelle am Fahrzeug hat einen erheblichen<br />
Einfluss <strong>auf</strong> die Schwere der Unfälle. Nach<br />
einer Analyse von Troxel et al. [9] sind etwa 2/3 der<br />
Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn frontal und etwa 25 % seitlich. An der<br />
Seite gibt es jedoch weniger Schutz durch <strong>Sicherheit</strong>sgurt,<br />
Airbag und Knautschzone, weshalb die<br />
Verletzungsschwere dann oft grösser ist.<br />
Ein sehr prägnantes Beispiel für technische Weiterentwicklungen<br />
mit positiver Wirkung <strong>auf</strong> die Verkehrssicherheit<br />
im Bereich der aktiven <strong>Sicherheit</strong> ist<br />
die «Elektronische Stabilitätskontrolle» (ESC), welche<br />
die Unfallzahlen wohl massiv reduzieren kann<br />
und wird. Eine amerikanische Studie [10] kommt<br />
zu dem Schluss, dass die tödlichen Selbstunfälle bei<br />
Personenwagen um 30 %, bei Geländewagen<br />
(SUV) sogar um ca. 63 % durch ESC reduziert<br />
wurden. Eine weitere Studie des Insurance Institute<br />
for Highway Safety [11] fand sogar eine Reduktion<br />
der tödlichen Selbstunfälle um 56 %. Nach der im<br />
vorliegenden Bericht angewendeten Kategorisierung<br />
wird sich ESC wohl vor allem positiv <strong>auf</strong> Kollisionen<br />
mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn und <strong>auf</strong> Unfälle ohne Kollisionen (Selbstunfälle)<br />
auswirken. Zurzeit sind in der Europäischen<br />
Union rund 40 % aller Neuwagen mit ESC ausgestattet,<br />
in Deutschland sogar rund 2/3 [12]. Die<br />
Europäische Union ist zurzeit dabei ein Obligatorium<br />
für ESC einzuführen. Allerdings dürfte es nach<br />
dessen Einführung noch etliche Jahre dauern, bis<br />
es dann in der gesamten Fahrzeugflotte zur Verfügung<br />
steht.<br />
Grundsätzlich scheint jedoch <strong>auf</strong> dem Gebiet der<br />
Fahrzeugtechnik der Personenwagen die Entwicklung<br />
so rasant voranzuschreiten, dass keine speziellen<br />
Massnahmen ergriffen werden müssen.<br />
1.1.2 Motorräder<br />
Fahrer und Beifahrer von motorisierten Zweirädern<br />
machen 21.5 % aller <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> getöteten<br />
Personen aus. Im Durchschnitt starben von<br />
1992 bis 2007 pro Jahr 72 motorisierte Zweiradbenützer<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong>. Die Wahrscheinlichkeit<br />
schwer verletzt zu werden ist dramatisch höher<br />
als in Personenwagen. Von daher besteht ein grosser<br />
Handlungsbedarf.<br />
Spezifische Massnahmen für eine verbesserte Motorradsicherheit<br />
werden im bfu-<strong>Sicherheit</strong>sdossier<br />
«Motorradverkehr» [3] dargelegt.<br />
1.2 Rückhaltesystem / Helm<br />
Rückhaltesysteme wie <strong>Sicherheit</strong>sgurt oder Motorradhelme<br />
können einen wesentlichen Beitrag zur<br />
Verringerung der Verletzungsschwere bei Unfällen<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> leisten. Das Risiko schwerer<br />
oder tödlicher Verletzungen beträgt mit <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />
oder Helm nur noch ca. 1/6 im Vergleich<br />
zu ungesicherten Personen (wenn auch mit Variationen<br />
je nach Unfallklasse). Daher muss die Erhöhung<br />
der Nutzungsquoten ein wichtiges Ziel der<br />
Verkehrssicherheitsarbeit bleiben.<br />
1.2.1 Helm<br />
Das Thema Helm wird im <strong>Sicherheit</strong>sdossier «Mo-<br />
torradverkehr» [3] diskutiert werden.<br />
92 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
1.2.2 <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />
Der <strong>Sicherheit</strong>sgurt gilt nach wie vor als der Lebensretter<br />
Nr. 1. Nach verschiedenen Studien<br />
senkt er die Wahrscheinlichkeit tödlicher Verletzungen<br />
um knapp die Hälfte [13]. Praktisch alle<br />
Autos sind heutzutage mit <strong>Sicherheit</strong>sgurten vorne<br />
und hinten ausgerüstet. Die Tragquoten sind in der<br />
Schweiz im internationalen Vergleich leider nur<br />
durchschnittlich. Sie lagen im Jahr 2008 gesamtschweizerisch<br />
<strong>auf</strong> Landstrassen bei 89 %; in der<br />
Deutschschweiz betrugen sie 91 %, 83 % in der<br />
Romandie und 76 % im Tessin. Auf den Rücksitzen<br />
wird der <strong>Sicherheit</strong>sgurt noch seltener verwendet<br />
obwohl sich dort von 2002 <strong>auf</strong> 2008 eine deutliche<br />
Verbesserung ergeben hat (von 55 <strong>auf</strong> 65 %).<br />
Insgesamt hätten wahrscheinlich seit 1992 über<br />
500 Personenwageninsassen ihren Ausserortsunfall<br />
überlebt, wenn alle PW-Insassen den <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />
getragen hätten. Hier besteht also noch ein<br />
erhebliches Potenzial – auch wenn sich die Tragquoten<br />
in den letzten Jahren bereits verbessert<br />
haben.<br />
Männer tragen seltener einen <strong>Sicherheit</strong>sgurt als<br />
Frauen und unter Alkoholeinfluss wird weniger<br />
häufig der Gurt getragen als ohne Alkoholeinfluss.<br />
Junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren sind<br />
am seltensten mit einem <strong>Sicherheit</strong>sgurt unterwegs.<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurte werden bei schwierigen<br />
Wetterbedingungen und tagsüber häufiger getragen<br />
als bei gutem Wetter und Dunkelheit. Ewert<br />
und Fitz [14] haben eine ausführliche Untersuchung<br />
zu den Gründen des Nichttragens und den<br />
möglichen Massnahmen durchgeführt. Sie empfehlen<br />
verstärkte polizeiliche Tätigkeit insbesondere<br />
für Zeiten, Umstände und Personen mit hohem<br />
Risiko des Nichtragens. Dies sollte am besten in<br />
Kombination mit begleitenden Kampagnen ge-<br />
schehen. Auch der vermehrte Einsatz von Warnsystemen,<br />
die den Fahrer daran erinnern sollen, dass<br />
er (und seine Passagiere) nicht angegurtet sind, hat<br />
positive Effekte erzielen können.<br />
Ein Engagement für noch höhere Gurtentragquoten<br />
ist <strong>auf</strong> jeden Fall empfehlenswert weil gerade<br />
die Autofahrer mit hohem Unfallrisiko (junge Lenker,<br />
Männer, Lenker unter Alkoholeinfluss) ihn<br />
seltener benutzen und dringender benötigen.<br />
1.3 Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol beim Lenker<br />
Alkohol ist ein bekannter Risikofaktor für die<br />
Wahrscheinlichkeit, dass sich Verkehrsunfälle ereignen.<br />
Die unten dargestellte Grafik (Abbildung<br />
15, [15]) zeigt diesen Zusammenhang <strong>auf</strong>, der in<br />
dieser oder ähnlicher Form schon vielfach nachgewiesen<br />
werden konnte. Man erkennt deutlich, dass<br />
das Unfallrisiko bereits ab einem sehr niedrigen<br />
Alkoholniveau ansteigt. Bereits bei einem Promillewert<br />
von 0,4 ist das Unfallrisiko um fast 20 %<br />
höher als ohne Alkoholeinfluss. Bei 0,5 Promille ist<br />
es bereits um 38 % erhöht.<br />
Darüber hinaus hat Alkohol auch einen negativen<br />
Effekt <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere. Lenker unter<br />
Einfluss von Alkohol hatten bei 3 der 5 analysierten<br />
Abbildung 15<br />
Unfallrisiko und Alkoholniveau<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 93<br />
3.0<br />
2.5<br />
2.0<br />
1.5<br />
1.0<br />
0.5<br />
0.0<br />
0 0.1 0.2 0.3 0.4 0.5 0.6 0.7 0.8<br />
Promille<br />
Quelle: Blomberg, Peck, Moskowitz, Burns & Fiorentino, 2005
Unfallklassen, ein deutlich erhöhtes Risiko von<br />
schweren oder tödlichen Verletzungen. Dies betraf<br />
die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen,<br />
die Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn und die Kollisionen an Knoten.<br />
Die Einführung der 0,5-Promille-Grenze und die<br />
Möglichkeit der anlassfreien Atemalkoholkontrolle<br />
hatten im Jahr 2005 zu einer sehr deutlichen Reduktion<br />
der Verkehrstoten geführt. Allerdings war<br />
dieser Rückgang nicht nur <strong>auf</strong> Veränderungen bei<br />
den Alkoholunfällen zurückzuführen. Auch Unfälle<br />
mit anderen Ursachen (wie beispielsweise überhöhte<br />
Geschwindigkeit) gingen zurück.<br />
Die bfu beurteilt folgende Interventionen als sehr<br />
empfehlenswert um die Alkoholunfälle zu reduzieren<br />
[16]:<br />
Alkoholverbot für Neulenkende in der Probephase<br />
und für Berufsch<strong>auf</strong>feure<br />
Ausdehnung der Beweiskraft von Atemalkoholproben<br />
Intensivierung der polizeilichen Kontrolltätigkeit<br />
(inkl. Sichtbarkeitssteigerung)<br />
Zwingender Führerausweisentzug für FiaZ zwischen<br />
0,5 und 0,79 Promille<br />
Flächendeckende Einführung von Nachschulungsprogrammen<br />
für Erstdelinquenten<br />
Anreizsteigerung für freiwillige Teilnahme an<br />
Nachschulungskursen<br />
Als empfehlenswert werden beurteilt:<br />
gut konzipierte Kommunikationskampagnen<br />
Anerkennung von Nachschulungskursen an die<br />
Erfüllung gewisser konzeptioneller Minimalbedingungen<br />
knüpfen<br />
Durchführung schulischer Alkoholprogramme<br />
Adäquate Thematisierung von FiaZ (Fahren im<br />
angetrunkenen Zustand) im Rahmen der WAB-<br />
Kurse (Weiterausbildung)<br />
Nutzungsförderung von Nacht-/Discobussen/öV<br />
Einsatz von Alkoholwegfahrsperren nach FiaZ<br />
Freiwilliger Einsatz von Alkoholwegfahrsperren<br />
bei Transportunternehmen<br />
Verbreitung des Alkoholschiebers (als Sensibilisierungsmittel)<br />
Die Weltgesundheitsorganisation WHO [17, S.<br />
128ff] oder auch das National Committee for Injury<br />
Prevention and Control [18, S. 119ff] schlagen<br />
verschiedene Massnahmen zur Verringerung der<br />
Verkehrsunfälle unter Alkoholeinfluss vor. Etliche<br />
Massnahmen sind in der Schweiz bereits eingeführt<br />
worden und werden deshalb nicht mehr <strong>auf</strong>geführt.<br />
Verbesserungsmöglichkeiten für die Schweiz<br />
wären demnach:<br />
0,0 Promille für junge Lenker<br />
Weitere Senkungen der allgemeinen Alkohollimiten<br />
unter die geltenden Grenzwerte (Beispiel<br />
Schweden von 0,5 <strong>auf</strong> 0,2 Promille)<br />
Anhebung der Alterslimite für Zugang zu Alkohol<br />
beispielsweise <strong>auf</strong> 21 Jahre wie in den USA<br />
oder <strong>auf</strong> 18 Jahre für gegorene Getränke wie<br />
im Tessin<br />
Einschränkung des Alkoholkonsums über Besteuerung,<br />
Begrenzung der Verk<strong>auf</strong>sstellen und<br />
deren Öffnungszeiten.<br />
Intensivierung der Alkoholkontrollen, so dass<br />
jeder zehnte Autofahrer mindestens 1-mal pro<br />
Jahr angehalten wird. Dies wäre gegenüber der<br />
heutigen bereits deutlich intensivierten Kontrollintensität<br />
noch mal beinahe eine Verdoppelung.<br />
Die polizeilichen Kontrollpunkte sollten in Bezug<br />
<strong>auf</strong> Ort und Zeit variieren, so dass eine gezielte<br />
Umfahrung von Kontrollen schwierig ist.<br />
Die Polizeikontrollen sollten gut sichtbar sein.<br />
94 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
Polizeikontrollen sollten von begleitenden Kampagnen<br />
unterstützt werden<br />
Alkoholkurse – insbesondere wenn die Teilnehmer<br />
motiviert werden, ihre Probleme anzusprechen<br />
Alkoholtests sollten bei jedem polizeilich protokollierten<br />
Unfall durchgeführt werden.<br />
Haftungsrechtliche (und nicht nur strafrechtliche)<br />
Konsequenzen für die Verkäufer von alkoholischen<br />
Getränken (entsprechend Dram Shop<br />
Law in den USA)<br />
Ausbildung für Personal in Restaurants und Bars<br />
für den Umgang mit Alkohol konsumierenden<br />
Gästen<br />
Ob sich technische Neuerungen wie «Alcohol Ignition<br />
Interlock» (nicht Anlassen können des Fahrzeugs<br />
ohne vorherige Atemprobe) werden durchsetzen<br />
können, bleibt abzuwarten. Die technischen<br />
Probleme scheint man im Griff zu haben, aber die<br />
Akzeptanz solcher Massnahmen ist oft gering. Die<br />
Cochrane Collaboration [19] kommen zu dem<br />
Schluss, dass diese Geräte nur wirken solange sie<br />
im Fahrzeug eingebaut sind – dass sie also keinen<br />
generalpräventiven Effekt haben.<br />
1.4 Höchstgeschwindigkeit<br />
Die Kollisionsgeschwindigkeit ist ein entscheidender<br />
Risikofaktor für die Verletzungsschwere bei<br />
Unfällen, da sich die kinetischen Energie nach der<br />
Formel<br />
E = ½ Masse * Geschwindigkeit 2<br />
entwickelt. Daher ist es nicht überraschend, dass<br />
sich bei 3 der 5 Unfallklassen zeigte, dass die Höhe<br />
der geltenden Geschwindigkeitslimiten ein signifikanter<br />
Risiko- bzw. Schutzfaktor für die Verlet-<br />
zungsschwere ist. Dies betrifft die Kollisionen mit<br />
entgegenkommenden Fahrzeugen, die Kollisionen<br />
mit festen Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn<br />
und die Kollisionen an Knoten. Die Beziehung ist –<br />
wie zu erwarten – so, dass bei niedrigeren Geschwindigkeitslimiten<br />
die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen geringer ist.<br />
Warum aber gab es keine signifikanten Ergebnisse<br />
bei den Kollisionen mit Fussgängern und den Unfällen<br />
ohne Kollisionen? Die plausibelste Erklärung<br />
bei den Kollisionen mit Fussgängern ist, dass auch<br />
bereits die niedrigste Geschwindigkeitskategorie<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> mit einer hohen Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer und tödlicher Verletzungen<br />
der Fussgänger einhergeht. Dieser Deckeneffekt<br />
verhindert, dass es zu signifikanten Unterschieden<br />
zwischen den verschiedenen Geschwindigkeitslimiten<br />
kommen kann. Bei den Unfällen ohne Kollision<br />
stellt sich der Sachverhalt anders dar. Einer der<br />
wichtigsten Einflussfaktoren für die Verletzungsschwere<br />
ist das sogenannte Delta-V, die<br />
Verringerung der Geschwindigkeit (V = Velocity)<br />
innerhalb einer bestimmten Zeitspanne. Bei einem<br />
Unfall ohne Kollision findet eher selten ein abruptes<br />
Stoppen wie bei einer Kollision mit schweren<br />
Hindernissen statt. Daher ist dann auch die negative<br />
Beschleunigung geringer und führt nicht so<br />
häufig zu schweren Verletzungen. Von daher ist es<br />
biomechanisch plausibel, dass bei einem Unfall<br />
ohne Kollision die Geschwindigkeit eine geringere<br />
Rolle für die Verletzungsschwere spielt.<br />
Bei den 3 übrigen Unfallklassen hingegen, bei denen<br />
jeweils mit einem schweren Objekt kollidiert<br />
wurde, spielt die Geschwindigkeitslimite (die einen<br />
– wenn auch lockeren – Zusammenhang mit der<br />
tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit haben<br />
dürfte) eine wichtige Rolle für die Verletzungs-<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 95
schwere. Elvik und Vaa [20, S. 524] zeigten in einer<br />
Meta-Analyse <strong>auf</strong>, dass bei einer Reduktion um 10<br />
km/h die Anzahl der Unfälle um 9 % sinkt, die<br />
Anzahl der Getöteten jedoch um 23 %. Das Power-Model<br />
der Geschwindigkeit zeigt <strong>auf</strong> jeden<br />
Fall, dass verringerte Geschwindigkeiten sich vor<br />
allem <strong>auf</strong> die schwersten Unfälle positiv auswirken.<br />
Senkungen der Geschwindigkeitslimiten sind<br />
preiswerte wie auch schnell und einfach einzuführende<br />
Massnahmen um die Gefährlichkeit der<br />
Landstrassen zu reduzieren (Kap. VIII.2.6). Dies<br />
bietet sich an für bekanntermassen gefährliche<br />
Strassenabschnitte, die in kurzer Zeit nicht oder nur<br />
wenig hinsichtlich der bestehenden Risikofaktoren<br />
minimiert werden können. Dabei sind kreative<br />
Lösungen gefragt. So könnte die Höchstgeschwindigkeit<br />
<strong>auf</strong> stark frequentierten - ab einem DTV<br />
von 10 000 – aber (noch) nicht richtungsgetrennten<br />
Strassen <strong>auf</strong> 60 oder 70 km/h reduziert werden,<br />
um die Schwere der Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen zu reduzieren. Diese<br />
Massnahmen könnten explizit als temporäre Notwendigkeit<br />
deklariert werden, so lange bis die<br />
Strasse baulich verbessert wird. Dies würde wahrscheinlich<br />
auch die Akzeptanz für die notwendigen<br />
Ausgaben für die strassenbaulichen Massnahmen<br />
erhöhen, weil anschliessend die Geschwindigkeitslimiten<br />
wieder erhöht werden könnten.<br />
Die Senkung einer Geschwindigkeitslimite mittels<br />
Signalisierung der Höchstgeschwindigkeit allein<br />
dürfte jedoch oft nicht ausreichen, um eine bedeutsame<br />
Geschwindigkeitsreduktion zu erreichen.<br />
Hier sind die Polizei, die Gemeinde, die Kantone<br />
und auch die Kontrolltechnik gefordert, um eine<br />
möglichst grosse Effektivität zu erreichen.<br />
Landstrassen sind bezüglich Geschwindigkeits-<br />
kontrollen stark vernachlässigt. Das Bundesamt für<br />
Statistik [21] zeigt <strong>auf</strong>, dass von den über 200 Mio.<br />
Geschwindigkeitskontrollen 6,5 Mio. <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
gemacht wurden – nur etwa 3 %. Hier<br />
besteht erheblicher Handlungsbedarf. Polizeikontrollen<br />
sind dann am wirksamsten, wenn sie gut<br />
sichtbar sind und von Informationskampagnen<br />
begleitet werden.<br />
1.5 Strassenzustand<br />
Der Strassenzustand spielt lediglich bei den Kollisionen<br />
mit Fussgängern im Hinblick <strong>auf</strong> die Schwere<br />
der Verletzungen keine signifikante Rolle. Bei den 4<br />
übrigen Unfallklassen erwiesen sich verschneite<br />
Strassenverhältnisse als ein starker Schutzfaktor<br />
hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
– das Risiko sinkt um 39–56 % im Vergleich<br />
zu trockenen Strassen. Zur höchsten Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen – und auch<br />
zur grössten Anzahl getöteter Personen – kommt<br />
es bei trockener Strasse. Es gibt keinen Strassenzustand,<br />
der signifikant gefährlicher ist als die trockene<br />
Strasse.<br />
Bei den 2 Unfallklassen, bei denen es zum Verlassen<br />
der Fahrbahn kommt (Kollision mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn und Unfälle<br />
ohne Kollision), sinkt die Wahrscheinlichkeit schwerer<br />
Verletzungen bei allen schwierigen Strassenzuständen<br />
wie z. B. Nässe, Schnee, Eis und Pflotsch<br />
signifikant. Bei den Unfallklassen, bei denen es zu<br />
einer Kollision mit einem anderen Fahrzeug<br />
kommt, macht sich hingegen nur der Schnee positiv<br />
bemerkbar. In Tabelle 70 sind diese Befunde<br />
zusammenfassend dargestellt.<br />
96 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
Was bedeutet dies nun für die Verkehrssicherheit?<br />
In der Tendenz – wenn auch nicht für alle Unfallklassen<br />
– sinkt die Unfallschwere mit den üblicherweise<br />
als problematisch bewerteten Strassenzuständen<br />
wie Nässe oder Glätte. Dies ist ein möglicher<br />
Hinweis dar<strong>auf</strong>, dass die gefahrenen Geschwindigkeiten<br />
in solchen Situationen abnehmen.<br />
Ob sie in ausreichendem Masse reduziert werden,<br />
um auch die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls und<br />
nicht nur seine Schwere zu reduzieren kann hier<br />
nicht beantwortet werden. Insgesamt sterben rund<br />
62,5 % der <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> getöteten Personen<br />
<strong>auf</strong> trockenen Strassen.<br />
1.6 Strassenanlage (Längsneigung der<br />
Strasse)<br />
Die grösste Häufigkeit und Verletzungsschwere<br />
findet sich in der Ebene für die beiden wichtigsten<br />
Unfallklassen Kollision mit entgegenkommendem<br />
Fahrzeug und Kollision mit festem Hindernis ausserhalb<br />
der Fahrbahn. An zweiter Stelle steht dann<br />
das Gefälle. Ob die Polizei beim Ausfüllen des Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokolls<br />
Gefälle oder Steigung angibt,<br />
hängt von der Fahrtrichtung des mutmasslich<br />
unfallverursachenden Fahrzeugs ab.<br />
Folgende Längsgefälle sollen gemäss Vereinigung<br />
Schweizerischen Strassenfachleute (VSS) VSS-Norm<br />
SN 640 110 Linienführung, Elemente der vertikalen<br />
Linienführung [22] nicht überschritten werden:<br />
Ausbaugeschwindigkeit 80 km/h<br />
(d. h. Haupt- und Nebenstrasse ausserorts): 8 %<br />
Ausbaugeschwindigkeit 100 km/h<br />
(d. h. Autostrassen): 6 %<br />
Damit eine Längsentwässerung der Fahrbahn möglich<br />
ist, muss stets ein minimales Längsgefälle von<br />
0,5 % vorhanden sein.<br />
Trotz gleich vieler Kilometer Gefälle wie Steigung<br />
fällt <strong>auf</strong>, dass es im Gefälle mehr Unfallbeteiligte<br />
und mehr Getötete gibt, ganz gleich um welche<br />
Unfallklasse es sich handelt. Oft beträgt der Unterschied<br />
beinahe Faktor 2! Daher ist im Gefälle der<br />
Schwerpunkt zu suchen.<br />
Damit es leichter möglich ist, die Kontrolle über ein<br />
Fahrzeug im Gefälle beizubehalten oder zurückzugewinnen,<br />
ist man <strong>auf</strong> eine gute Griffigkeit des<br />
Belages angewiesen. Die VSS 640 511 Griffigkeit,<br />
Bewertung [23] schreibt eine Griffigkeit von 65 SRT<br />
vor. Dieser Wert wird von älteren Belägen oft nicht<br />
mehr erreicht.<br />
Die Griffigkeit der Strassenbeläge muss periodisch<br />
Tabelle 70<br />
Wahrscheinlichkeit schwerer und tödlicher Verletzungen in Abhängigkeit von Unfallklasse und Strassenzustand (signifikante Resultate<br />
sind fett)<br />
Strassenzustand Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen<br />
Kollisionen mit festen<br />
Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn<br />
Kollisionen an Knoten Unfälle ohne Kollisionen<br />
Trocken (Referenzkategorie)<br />
1.00 1.00 1.00 1.00<br />
Feucht 1.03 0.89 1.09 0.83<br />
Nass 1.05 0.83 0.98 0.79<br />
Verschneit 0.61 0.44 0.46 0.44<br />
Vereist 1.11 0.70 0.44 0.72<br />
Pflotschig 1.02 0.54 1.31 0.56<br />
Anmerkung: Die Ergebnisse sind für alle übrigen signifikanten Variablen statistisch kontrolliert.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 97
überprüft werden. Dies nehmen in der Regel die<br />
kantonalen Tiefbauämter vor. Die Kontrolle sollte<br />
periodisch alle 2 Jahre <strong>auf</strong> sämtlichen Strecken<br />
ausserorts, insbesondere aber im Gefälle vorgenommen<br />
werden. Die Strecken, welche eine zu<br />
geringe Griffigkeit haben, müssen umgehend <strong>auf</strong>geraut,<br />
oder im Zuge einer Oberbausanierung mit<br />
einem griffigeren Belag versehen werden.<br />
Artikel 108 SSV sieht die abschnittweise Reduzierung<br />
der Geschwindigkeit vor, wenn die <strong>Sicherheit</strong><br />
nicht mit anderen Massnahmen gewährleistet werden<br />
kann. Allerdings muss die Signalisation der<br />
Geschwindigkeit an allen Einmündungen wiederholt<br />
werden.<br />
Auf Ausserortsstrecken, welche trotz genügender<br />
Griffigkeit ein erhöhtes Unfall<strong>auf</strong>kommen haben<br />
(Unfallstrecke), soll die Geschwindigkeit für den<br />
talwärts fahrenden Verkehr i.d.R. <strong>auf</strong> 60 oder 70<br />
km/h reduziert werden.<br />
1.7 Angaben zum Lenker<br />
Bezüglich der Angaben zum Lenker ergab sich ein<br />
sehr interessantes Ergebnis. Personen, die mit<br />
Mietwagen oder Geschäftsfahrzeugen einen Unfall<br />
erlitten, haben eine signifikant geringere Wahrscheinlichkeit<br />
von schweren oder tödlichen Verletzungen<br />
– auch unter statistischer Kontrolle wichtiger<br />
Risikofaktoren wie Alkohol oder Alter. Dies<br />
erklärt sich möglicherweise dadurch, dass mit Fahrzeugen,<br />
die nicht dem Lenker selbst oder einem<br />
engen Verwandten gehören, vorsichtiger umgegangen<br />
wird. Eine andere Erklärung könnte allerdings<br />
auch sein, dass Personen, die ein Fahrzeug<br />
mieten oder die einen Firmenwagen haben, sich<br />
von den Normalfahrern hinsichtlich verkehrssicherheitsrelevanter<br />
Merkmale unterscheiden (wie bei-<br />
spielsweise sozialer Schicht). Und schliesslich könnte<br />
auch noch eine Rolle spielen, dass Miet- oder<br />
Firmenfahrzeuge durchschnittlich weniger alt sein<br />
dürften als Privatwagen und somit über bessere<br />
<strong>Sicherheit</strong>sausstattungen verfügen.<br />
Aus diesem Resultat könnte als Massnahme abgeleitet<br />
werden, dass beispielsweise Car-Sharing vermehrt<br />
unterstützt und gefördert werden sollte. In<br />
welcher Art und Weise dies geschehen kann, muss<br />
hier noch offen bleiben. Allerdings könnte es durch<br />
die steigenden Ölpreise ohnehin dazu kommen,<br />
dass weniger Personen ein eigenes Auto k<strong>auf</strong>en<br />
und sich erst im Bedarfsfall ein Fahrzeug mieten. Es<br />
ist jedoch zu erwarten, dass es sich hier eher um<br />
eine Nische handelt, mit der keine grundlegende<br />
Verbesserung der Verkehrssicherheit erreicht werden<br />
kann, da voraussichtlich die allermeisten Personen<br />
nach wie vor ein eigenes Auto besitzen werden.<br />
Dennoch sollte auch dieser Weg nicht vernachlässigt<br />
werden.<br />
98 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
1.8 Alter der beteiligten Person<br />
Beim Alter der beteiligten Person ist bei 3 der 5<br />
Unfallklassen (Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen, Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn und Unfälle ohne<br />
Kollisionen) derselbe Effekt zu beobachten: Je älter<br />
die betroffene Person ist, desto grösser ist die<br />
Wahrscheinlichkeit schwere oder sogar tödliche<br />
Verletzungen zu erleiden. Dies ist vor allem durch<br />
die mit dem Alter zunehmende Verletzlichkeit des<br />
menschlichen Körpers bedingt. Umgekehrt zeigt<br />
sich eine Abnahme der Getötetenzahlen mit zunehmendem<br />
Alter. Dieser Sachverhalt ist in Abbildung<br />
16 dargestellt. Man erkennt, dass die höchsten<br />
Durchschnittswerte für die Anzahl Getöteter<br />
pro Altersjahr bei den Lenkern zwischen 20 und 24<br />
Jahren erreicht werden und dann mit zunehmendem<br />
Alter absinken. Diese Abnahme setzt sich bis<br />
ins Alter fort, wobei hier auch die abnehmenden<br />
Fahrleistungen mit zunehmendem Alter eine Rolle<br />
spielen dürften. Auf den Punkt gebracht bedeutet<br />
dies, dass ältere Personen weniger oft in Unfälle<br />
dieser Unfallklassen verwickelt werden, dass aber –<br />
wenn sie involviert sind – die Folgen für sie schwerer<br />
sind als für junge Autofahrer.<br />
Abbildung 16 kann man ebenfalls entnehmen,<br />
dass die Unfälle ohne Kollisionen im Gegensatz zu<br />
den anderen Unfallklassen einen deutlich geringeren<br />
Anstieg und Abfall in Abhängigkeit vom Alter<br />
<strong>auf</strong>weisen als die Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen und die Kollisionen mit festen<br />
Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn. Das erhöhte<br />
Unfallrisiko bei den jungen Lenkern hat hier weniger<br />
oft tödliche Auswirkungen. Dies bedeutet, dass<br />
man die Anzahl Getöteter – insbesondere bei den<br />
jungen Lenkern und ihren Passagieren – deutlich<br />
reduzieren könnte, wenn man die Unfallklasse<br />
Kollision mit festem Hindernis durch die Unfallklasse<br />
Unfall ohne Kollision «ersetzen» könnte. Das<br />
Entfernen von festen Hindernissen vom Strassenrand<br />
und die Schaffung von ausreichend hindernisfreien<br />
Räumen kämen somit insbesondere den<br />
jungen Lenkern, die oft ihr Fahrzeug noch nicht<br />
ausreichend gut beherrschen, zu Gute.<br />
Abbildung 16<br />
Anzahl getöteter Personen <strong>auf</strong> Ausserortstrassen nach Unfallklasse und Alter (durchschnittliche Anzahl getöteter Personen pro Altersjahr),<br />
1992-2003<br />
50<br />
45<br />
40<br />
35<br />
30<br />
25<br />
20<br />
15<br />
10<br />
5<br />
0<br />
0–14 Jahre 15–19 Jahre 20–24 Jahre 25–34 Jahre 35–44 Jahre 45–54 Jahre 55–64 Jahre 65–74 Jahre 75+ Jahre<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen Kollisionen mit festen Hindernissen am Strassenrand Unfälle ohne Kollisionen<br />
Die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen hat einen verhältnismässig tiefen Durchschnitt, weil in dieser Altergruppe sowohl Autofahrer (18- und 19-Jährige) als<br />
auch Nicht-Autofahrer (15- bis 17-Jährige) enthalten sind. Diese Alterskategorisierung wurde aus Gründen ausreichender Fallzahlen gewählt.<br />
Quelle: BFS/bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 99
Für die Verringerung der Anzahl getöteter Personen<br />
bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen sollte eine vermehrte Richtungstrennung<br />
geplant werden. Dies wird in Kapitel<br />
VIII.2.2.2 detaillierter behandelt. Darüber hinaus<br />
könnte es hilfreich sein, die Lenker so weit möglich<br />
<strong>auf</strong> richtungsgetrennte Strecken wie beispielsweise<br />
Autobahnen, zu leiten. Schliesslich könnte auch<br />
der vermehrte Einsatz von Überholverboten mit<br />
Rüttelstreifen (VIII.3.3) nützlich sein.<br />
Es gibt eine Unfallklasse, für die das Gesetz der<br />
abnehmenden Zahl der Getöteten mit zunehmendem<br />
Alter nicht stimmt: Bei den Kollisionen an<br />
Knoten gibt es ab ca. Mitte 50 einen Anstieg der<br />
Anzahl der Getöteten. Dieser Effekt ist nicht ganz<br />
unerwartet. Mit zunehmendem Alter nimmt die<br />
Verarbeitungsgeschwindigkeit für komplexe Informationen<br />
ab, so wie sie z. B. an Knoten im Strassenverkehr<br />
gegeben ist. Unfälle in solchen Situationen<br />
sind geradezu typische Seniorenunfälle. Um<br />
hier Abhilfe zu schaffen, ist der vermehrte Bau von<br />
Kreiseln (einspurig, d. h. möglichst einfach) sinnvoll.<br />
Darüber hinaus sind vollständig gesicherte<br />
Lichtsignalanlagen ohne Konfliktmöglichkeiten mit<br />
anderen Verkehrsteilnehmern hilfreich, z. B. beim<br />
Linksabbiegen. Auch sollten Einmündungen von<br />
Privatgrundstücken möglichst übersichtlich gestaltet<br />
sein.<br />
1.9 Geschlecht der beteiligten Person<br />
Das Geschlecht erwies sich bei 4 der 5 Unfallklassen<br />
als signifikanter Risikofaktor dahingehend, dass<br />
Frauen ein 20 bis 40 % höheres Risiko haben,<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden als Männer.<br />
Evans [24, S. 124ff] zeigt <strong>auf</strong>, dass dies vor<br />
allem der Fall ist bei Frauen vor dem Menopause-<br />
Alter. Danach sinkt das Risiko tödlicher Verletzun-<br />
gen <strong>auf</strong> das Niveau der Männer oder sogar darunter.<br />
Die Gründe sind nicht ganz klar. Evans [24, S.<br />
131] vermutet, dass die gewichtsunabhängige<br />
Airbagauslösung für das grössere Verletzungsrisiko<br />
von Frauen verantwortlich ist. Gegen dieses Argument<br />
spricht allerdings, dass derselbe Autor bereits<br />
in seinem Buch aus dem Jahr 1991 (beruhend <strong>auf</strong><br />
Daten bis 1988) zu ähnlichen Ergebnissen gekommen<br />
war – zu Zeiten also als der Airbag noch nicht<br />
so weit verbreitet war.<br />
Es bleibt jedoch sehr eindeutig, dass Frauen deutlich<br />
weniger häufig bei den verschiedenen Unfallklassen<br />
ums Leben kommen – weil sie diese Unfälle<br />
eben weniger oft erleiden. Insbesondere die<br />
Selbstunfälle sind typische Männerunfälle (Verhältnis<br />
Männer zu Frauen bei den Unfällen ohne Kollision<br />
6:1, bei den Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn 5:1).<br />
Ein Argument bei der Interpretation solcher Ergebnisse<br />
ist, dass die Fahrleistungen der Frauen geringer<br />
sind als diejenigen der Männer und dass allein<br />
deswegen das Unfallgeschehen der Frauen geringer<br />
ist. Kweon & Kockelman [25] haben dies etwas<br />
genauer untersucht – auch nach Fahrzeugtyp. Sie<br />
kamen dabei zu dem Schluss, dass das Unfallrisiko<br />
pro gefahrenen Kilometer bei jungen und mittelalten<br />
Frauen (bis 59 Jahre) geringer ist als das der<br />
Männer. Ab einem Alter von 60 Jahren ist das Risiko<br />
bei den Frauen höher als bei den Männern.<br />
Diese Analysen bezogen sich <strong>auf</strong> Personenwagen.<br />
Bei Geländewagen (Sports Utility Vehicles – SUV)<br />
ergab sich in allen 3 Alterskategorien ein höheres<br />
Unfallrisiko für weibliche Lenker.<br />
Forward et al. [26] kamen <strong>auf</strong>grund einer Literaturanalyse<br />
zum Schluss, dass es immer mehr Untersuchungen<br />
gibt, die keinen Unterschied mehr im<br />
100 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
Unfallgeschehen von Männern und Frauen finden.<br />
Ausserdem betonen sie, dass die alleinige Kenntnis<br />
von Geschlechtsunterschieden noch nicht sehr<br />
erhellend sei. McKenna et al. [27] fanden hingegen<br />
deutliche Unterschiede im Unfallgeschehen von<br />
Männern und Frauen. Männer verunfallen häufiger<br />
in Kurven, beim Überholen und bei Dunkelheit;<br />
Frauen hingegen verunfallen öfter an Knoten. Dazu<br />
kommt, dass Männer schneller fahren, die Gesetze<br />
öfter brechen, öfter illegale Drogen konsumieren<br />
und häufiger unter Alkoholeinfluss Auto fahren.<br />
Aus Sicht der Verkehrssicherheit sind diese Resultate<br />
dahingehend zu interpretieren, dass wahrscheinlich<br />
eine deutliche Verbesserung erreicht werden<br />
könnte, wenn die motorisierte Fortbewegung,<br />
insbesondere mit Personenwagen, durch Lenkerinnen<br />
anstatt durch Lenker geleistet würde – vor<br />
allem wenn es sich um junge Leute handelt.<br />
2. Massnahmen gegen bestimmte Unfallklassen<br />
<strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
2.1 Kollisionsobjekt<br />
Die Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn sind die zweitwichtigste Unfallklasse<br />
<strong>auf</strong> Landstrassen. Entlang von Autostrassen können<br />
feste Hindernisse nur selten in zu nahem Abstand<br />
entdeckt werden. Die Ausnahme sind naturgemäss<br />
die Leitschranken, die ja vor zu nahen Objekten<br />
schützen sollen. Je nach Kanton werden die<br />
festen Hindernisse entlang der Haupt- und Nebenstrassen<br />
unterschiedlich nah am Strassenrand angebracht.<br />
Insbesondere alte Baumbestände gleich<br />
neben dem Strassenrand werden fast nie entfernt<br />
(ausser es hat sich ein besonders schwerwiegender<br />
Unfall ereignet).<br />
Die VSS SN 640 569 Einsatz, Wahl und Anordnung<br />
von Tragkonstruktionen der Strassenausrüstung<br />
[28] regelt die Umfahrbarkeit von vertikalen Elementen<br />
<strong>auf</strong> Strassen ausserorts. Die Norm ist zwar<br />
den Tiefbauämtern bekannt, leider wird sie jedoch<br />
<strong>auf</strong> den Haupt- und Nebenstrassen nicht immer<br />
oder zu selten angewendet.<br />
Die Schwere des Unfalls hängt von verschiedenen<br />
Faktoren des Kollisionsobjekts ab. Besonders wichtige<br />
Merkmale sind<br />
Art des Kollisionsobjekts<br />
dessen Abstand vom Strassenrand<br />
Die Neigung der Böschung zum Kollisionsobjekt<br />
2.1.1 Art des Kollisionsobjekts<br />
Im Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll werden verschiedene<br />
Hindernisse unterschieden. Die wichtigsten im<br />
Sinne der Verkehrssicherheit, d. h. diejenigen an<br />
denen die meisten Personen sterben sind<br />
Bäume<br />
Zäune, Mauern, Geländer<br />
Schild, Pfosten, Masten<br />
Leitschranken<br />
Bäume als Kollisionsobjekt haben bei weitem das<br />
grösste Risiko von Unfällen mit schweren oder<br />
tödlichen Verletzungen. Ein ebenfalls noch deutlich<br />
erhöhtes Risiko im Vergleich zu Leitschranken haben<br />
Abstürze bzw. fallende Böschungen, obwohl<br />
diese von der Häufigkeit her weniger bedeutsam<br />
sind als die vorgenannten 4 Hindernisarten.<br />
Ein Baum kann bei einer Geschwindigkeit von<br />
80 km/h i.d.R. von einem Personenwagen nicht<br />
mehr umgefahren werden, wenn er einen Stammdurchmesser<br />
von mehr als 8 cm <strong>auf</strong>weist. Die<br />
VSS SN 640 560 Passive <strong>Sicherheit</strong> im Strassen-<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 101
aum; Grundnorm [29] empfiehlt daher, diese<br />
Bäume entlang der Strasse möglichst zu entfernen.<br />
Bei Zaun, Mauer, Geländer handelt es sich um<br />
Absturzsicherungen, Einzäunungen (z. B. einer<br />
Weide) oder Stützmauern. Zäune und Geländer<br />
bieten dem anprallenden Fahrzeug keinen oder<br />
wenig Widerstand, eine Mauer hingegen ist ein<br />
rigides System.<br />
Schild, Pfosten, Mast: Die vertikale Signalisation<br />
wird <strong>auf</strong> Pfosten angebracht. Die VSS SN 640 569<br />
Passive <strong>Sicherheit</strong> von Tragkonstruktionen [28] der<br />
Strassenausrüstung regelt die Ausgestaltung der<br />
Pfosten im Ausserortsbereich. In der Norm wird ein<br />
stufenweises Vorgehen beim Einsatz von Tragkonstruktionen<br />
im Ausserortsbereich angegeben:<br />
Verzicht <strong>auf</strong> Elemente der Strassenausrüstung –<br />
insbesondere der Strassenbeleuchtung<br />
Anordnung der Elemente der Strassenausrüstung<br />
ausserhalb des massgebenden Abstandes<br />
gemäss VSS SN 640 561 Passive <strong>Sicherheit</strong> im<br />
Strassenraum, Fahrzeug-Rückhaltesysteme [30]<br />
Verzicht <strong>auf</strong> Tragkonstruktionen <strong>auf</strong> Mittelstreifen<br />
von Autobahnen<br />
Befestigen der Strassenausrüstung hinter oder<br />
an bestehenden Bauwerken<br />
Einsatz an Stellen, wo Schutzeinrichtungen oder<br />
Anpralldämpfer unabhängig von der Strassenausrüstung<br />
angeordnet werden<br />
Einsatz von umfahrbaren Tragkonstruktionen<br />
Anordnung von Schutzeinrichtungen oder Anpralldämpfer<br />
vor starren Tragkonstruktionen<br />
Unter der Leitschranke wird jedes Leitschrankensystem<br />
verstanden, welches als nachgiebige Schutzeinrichtung<br />
beim Anprall verstanden wird (z. B.:<br />
doppelte Distanzleitschranke, Vario-Guard, Mini-<br />
Guard, Kastenprofil). Es handelt sich bei einer Leit-<br />
schranke um ein technisches System, welches Unfälle<br />
in ihrer Schwere mindern soll. Beim Einsatz<br />
von Leitschrankensystemen am rechten Fahrbanrand<br />
muss dar<strong>auf</strong> geachtet werden, dass die Strasse<br />
keinen dichten Verkehr, resp. wenig Gegenverkehr<br />
<strong>auf</strong>weist. Es besteht nach einer Kollision mit<br />
einem Leitschrankensystem die Gefahr, dass das<br />
abirrende Fahrzeug in den entgegenkommenden<br />
Fahrzeugstrom umgelenkt wird. Daraus würde<br />
dann möglicherweise eine Kollision mit einem entgegenkommenden<br />
Fahrzeug entstehen.<br />
2.1.2 Abstand des Kollisionsobjekts vom<br />
Strassenrand<br />
Ein ausreichend grosser Abstand des festen Hindernisses<br />
vom Fahrbahnrand kann einen Beitrag<br />
dazu leisten, dass die Kollisionsgeschwindigkeit<br />
sinkt und deshalb der Unfall weniger gravierend ist.<br />
Ogden [31] spricht von «Freihalte-Zonen» neben<br />
der Strasse. Mehrere Studien versuchten, die optimale<br />
Grösse solcher Freihaltezonen aus Sicht der<br />
Verkehrssicherheit zu bestimmen [32–34]. Diese<br />
Studien kommen zum Schluss, dass eine Freihaltezone<br />
von 9 m angemessen ist. Dies betrifft jedoch<br />
Abirrgeschwindigkeiten wie sie <strong>auf</strong> Autobahnen<br />
und Autostrassen gefahren werden. In Deutschland,<br />
wo man <strong>auf</strong> Überlandstrassen (unsere <strong>Ausserortsstrassen</strong>)<br />
100 km/h fährt, wird ein Abstand<br />
von 10 m gefordert. Zegeer und Council [35] haben<br />
die Unfallwahrscheinlichkeiten bei verschieden<br />
breiten Freihaltezonen ermittelt. Bis zu 6 m nimmt<br />
die Unfallwahrscheinlichkeit schnell ab, danach<br />
verflacht die Kurve. Es erscheint nicht wirtschaftlich<br />
und auch nicht praktikabel, einen einheitlichen<br />
Wert für Freihaltezonen an allen <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
zu fordern. Die bfu fordert deshalb einen Abstand<br />
von festen Hindernissen vom Strassenrand an<br />
Haupt- und Nebenstrassen im Ausserortsbereich<br />
102 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
von 6 m. Entlang von Autostrassen soll der Abstand<br />
hingegen 10 m betragen.<br />
Je grösser der Abstand von festen Hindernissen zur<br />
Fahrbahn ist, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit<br />
einer Kollision. Das folgende Diagramm<br />
(Abbildung 17) zeigt die Unfallreduktion in geraden<br />
und kurvigen Abschnitten von Strassen ausserorts<br />
[31]. Man erkennt deutlich, dass hindernisfreie<br />
Räume <strong>auf</strong> geraden Strecken einen deutlich<br />
stärkeren Effekt haben als in Kurven. Umgekehrt<br />
muss man in Kurven für eine gleich grosse Unfallreduktion<br />
deutlich mehr Platz lassen. So benötigt<br />
etwa eine Reduktion um 30 % <strong>auf</strong> gerader Strecke<br />
weniger als 4 Meter, in Kurven jedoch mehr als 6<br />
Meter.<br />
Damit die Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn in ihrer Häufigkeit und<br />
Schwere reduziert werden können, müssen generell<br />
neue Abstandsvorschriften von festen Objekten<br />
ausserorts geschaffen werden. Nur in Ausnahmefällen,<br />
wenn die Abstände nicht eingehalten werden<br />
können, müssen die Fahrzeuginsassen vor<br />
einer Kollision mit einem festen Hindernis mit einem<br />
Leitschrankensystem geschützt werden.<br />
Die Abstände (seitliche Hindernisfreiheiten) sollen<br />
in einer neuen Norm geregelt werden. Heute bestehen<br />
nur vage Aussagen zu dieser Thematik in<br />
der VSS SN 640 201 Geometrisches Normalprofil;<br />
Grundabmessungen und Lichtraumprofil der Verkehrsteilnehmer<br />
<strong>auf</strong> Haupt- und Nebenstrasen [36].<br />
Ausserorts sollen generell eine seitliche Hindernisfreiheit<br />
von 6 m gefordert werden (mit Ausnahme<br />
von Waldpartien).<br />
2.1.3 Neigung der Böschung<br />
Die Neigung der Böschung kann eine wichtige<br />
Rolle für die Verhütung von Kollisionen mit festen<br />
Hindernissen ausserhalb der Fahrbahn spielen. Auf<br />
einer flachen Böschung kann der Lenker die Kontrolle<br />
über sein Fahrzeug behalten oder wiedergewinnen,<br />
nachdem er von der Strasse abgekommen<br />
ist. Er kann Lenk- und Bremsmanöver ausführen,<br />
die es ermöglichen, allfälligen Hindernissen auszuweichen<br />
oder die Kollisionsgeschwindigkeit zu<br />
vermindern. Darüber hinaus wird die Wahrscheinlichkeit<br />
von Überschlagsunfällen gesenkt.<br />
In Lehrbüchern der Schweizer Grundlagen für die<br />
Strassenprojektierung wird eine Böschungsneigung<br />
von 2:3 empfohlen. Dieser Wert trägt jedoch nur<br />
der Wirtschaftlichkeit (die Menge der Material<strong>auf</strong>schüttung<br />
beim Dammbau wird dadurch minimal<br />
gehalten) und dem inneren Scherwinkel des Bodenmaterials<br />
Rechnung. Es wird zwar auch bezüglich<br />
der Einpassung der Strassenanlage in die Landschaft<br />
davon gesprochen, dass die Böschungsneigungen<br />
flacher ausgeführt werden sollten. Die<br />
<strong>Sicherheit</strong> hat man bei diesen Angaben jedoch<br />
kaum einbezogen.<br />
Abbildung 17<br />
Ausmass der Unfallreduktion bei Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn in Abhängigkeit vom Abstand<br />
des Hindernisses vom Fahrbahnrand<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 103<br />
50<br />
45<br />
40<br />
35<br />
30<br />
25<br />
20<br />
15<br />
10<br />
5<br />
0<br />
1.5 m 2.4 m 3.0 m 3.6 m 5.0 m 6.0 m<br />
Quelle: Ogden, 1997<br />
Gerade Kurve
Zegeer und Council [35] fanden, dass flachere<br />
Böschungen einen signifikanten positiven Einfluss<br />
<strong>auf</strong> das Unfallgeschehen haben. Die Unfallhäufigkeit<br />
fällt stetig, wenn die Böschungen von 1:3 zu<br />
1:7 flacher gemacht werden. Bei Böschungen die<br />
flacher als 1:4 sind, ist es für den Fahrzeuglenker<br />
möglich, die Kontrolle beim Abirren von der Strasse<br />
über sein Fahrzeug wieder zu erlangen. Ist die Böschung<br />
steiler, fällt das Fahrzeug die ganze Böschung<br />
bis zum Ende hinab [37]. Ogden [31] publiziert<br />
folgende prozentuale Unfallreduktionen in<br />
Kurven ausserorts (Tabelle 71).<br />
Die bfu fordert <strong>auf</strong>grund dieser Studien ausserorts<br />
Böschungsneigungen von 1:4 oder flacher. Wenn<br />
dieser Wert nicht eingehalten werden kann, muss<br />
ein Leitschrankensystem ein Abirren von der Strasse<br />
verhindern.<br />
2.1.4 Schlussfolgerungen<br />
Die hohe Zahl der Getöteten an festen Hindernissen<br />
ausserorts rechtfertigt die Forderung nach<br />
wirksamen Massnahmen. Dazu müssen die Normen<br />
und die Lehrmittel angepasst werden. In Tabelle<br />
72 sind die Normen mit den entsprechenden<br />
heutigen Grössen und den neu zu bestimmenden<br />
Grössen <strong>auf</strong>grund der vorliegenden Studie <strong>auf</strong>geführt.<br />
Tabelle 71<br />
Prozentuale Unfallreduktionen in Kurven ausserorts<br />
Reduktion aller Unfälle in Kurven [%]<br />
Böschungsneigung in der Kurve nachher<br />
Böschungsneigung<br />
in der Kurve<br />
vorher<br />
1:4 1:5 1:6 1:7 oder<br />
flacher<br />
1:2 6 9 12 15<br />
1:3 5 8 11 15<br />
1:4 3 7 11<br />
1:5 3 8<br />
1:6 5<br />
Quelle: Ogden, 1997<br />
104 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
Tabelle 72<br />
Zu ändernde Normen mit den heutigen und den neu zu bestimmenden Grössen zur Verhütung von Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn<br />
Nr. Name Heutiger Inhalt Inhalt gemäss bfu Zuständig<br />
Bemerkungen<br />
640 201 Geometrisches Um Gefährdungen ... zu Der erste Satz sollte mit dem Hinweis <strong>auf</strong> VSS FK 2 Der Zusatz «gemäss den<br />
Normalprofil vermeiden, sollte für Leitein- die Norm 640 569 ergänzt werden. VSS FG betreffenden Normen» ist nicht<br />
Grundabrichtungen, Signale oder Im zweiten Satz: «Massive Hindernisse» <strong>Sicherheit</strong> brauchbar: 1.: es gibt diese<br />
messungen und Abschrankungen eine zusätzli- müssen entlang von Haupt- und Neben-<br />
Normen (noch) nicht, 2.: würde<br />
Lichtraumprofil che lichte Breite von 0.20 m im strassen ausserorts einen Abstand von<br />
kaum jemand die Normen<br />
der Verkehrs- Lichtraumprofil der Strasse 6.0 m vom Strassenrand <strong>auf</strong>weisen.<br />
suchen gehen, wenn nicht<br />
teilnehmer vorgesehen werden. Bei Entlang Autostrassen müssen «massive<br />
konkret die Normen genannt<br />
Strassen mit schnellem Verkehr Hindernisse»10 m Abstand <strong>auf</strong>weisen.<br />
werden.<br />
sind massive Hindernisse und Dies ist die «Hindernisfreie Zone". Ferner<br />
passive Schutzeinrichtungen im sollte eine Beispielsammlung von «mas-<br />
Abstand einer zusätzlichen siven Hindernissen» gegeben werden,<br />
lichten Breite zu platzieren u.a.: Baum mit mehr als 8 cm Stamm-<br />
(gemäss den betreffenden<br />
Normen). Dasselbe gilt für<br />
Strecken mit längeren seitlichen<br />
Hindernissen.<br />
durchmesser.<br />
640 560 Passive Sicher- Definition «kritischer Abstand": Definition der «Hindernisfreien Zone» VSS FK 2 Die «Hindernisfreie Zone» ist<br />
heit im Strassen- Der kritische Abstand ist der <strong>auf</strong>nehmen:<br />
VSS FG eine klare Aufforderung, keine<br />
raum,Grund- seitliche Abstand zum Fahr- Es dürfen in der «Hindernisfreien Zone» <strong>Sicherheit</strong> Hindernisse in dieser Zone<br />
normbahnrand,<br />
innerhalb welchem keine nicht umfahrbaren Konstruktionen<br />
entlang der Strasse zu tolerie-<br />
bei Gefahrenstellen Massnah- und/oder festen Hindernisse vorhanden<br />
ren.men<br />
der passiven <strong>Sicherheit</strong> zu sein, ausser man setzt ein Fahrzeugprüfen<br />
sind. Die Grösse des Rückhaltesystem zwischen Strasse und<br />
Abstandes ist in SN 640 561 Hindernis. Dazu zählen auch fallende<br />
Passive <strong>Sicherheit</strong> im Strassen- und steigende Böschungen. Die «Hinderraum,<br />
Fahrzeug-<br />
nisfreie Zone» entlang von Haupt- und<br />
Rückhaltesysteme [30] festge- Nebenstrassen ausserorts beträgt minlegt.destens<br />
6 m, entlang von Autostrassen<br />
10 m.<br />
640 561 Passive <strong>Sicherheit</strong><br />
im Strassenraum,<br />
Fahrzeug-<br />
Rückhaltesysteme<br />
640 569 Passive <strong>Sicherheit</strong><br />
von Tragkonstruktionen<br />
der Strassenausrüstung<br />
640 677 Alleebäume<br />
Grundlagen<br />
Quelle: bfu<br />
Die Norm zeigt zwei Diagramme<br />
der «Kritischen Abstände»<br />
(Für HLS und übrige Strassen).<br />
Es muss geprüft werden, ob<br />
eine Gefahrenstelle sich innerhalb<br />
des kritischen Abstandes<br />
befindet. Befindet sie sich<br />
ausserhalb, ist keine Schutzeinrichtung<br />
notwendig.<br />
Die Norm verlangt meistens<br />
erst ein Fahrzeug-<br />
Rückhaltesystem ab DTV =<br />
12'000.<br />
In der Norm sind fallende<br />
Böschungen mit einer Neigung<br />
1:3 und einer Höhe > 3 m<br />
abzusichern.<br />
Im Allgemeinen können umfahrbare<br />
Tragkonstruktionen<br />
der Strassenausrüstung unter<br />
Einhaltung der Zusätzlichen<br />
lichten Breite zum Lichtraumprofil<br />
der Strassenbenützer<br />
gemäss SN 640 201 angeordnet<br />
werden.<br />
In der Abbildung 1 wird der<br />
Abstand von Alleebäumen in<br />
Abhängigkeit des Vegetationstyps<br />
(Hochstamm gross oder<br />
mittel, Wald) angegeben.<br />
Die Abbildungen sollten mit den «Hindernisfreien<br />
Zonen» entlang von Haupt-<br />
und Nebenstrassen ausserorts ergänzt<br />
werden.<br />
Aufgrund der hohen Unfallschwere<br />
(Getötetenrate) muss bei Bäumen oder<br />
fallenden Böschungen schon bei DTV ><br />
4000 ein Fahrzeug-Rückhaltesystem<br />
angebracht werden.<br />
Eine Böschung ist abzusichern, wenn sie<br />
steiler als 1:5 abfällt.<br />
Ab DTV 6000 ist die Wahrscheinlichkeit<br />
gross, nach einer Umlenkung durch ein<br />
Fahrzeug-Rückhaltesystem in den Gegenverkehr<br />
zu gelangen.<br />
Besser wäre, den Bereich (Hindernisfreie<br />
Zone) in einer Skizze <strong>auf</strong>zeigen (entlang<br />
von Haupt- und Nebenstrassen ausserorts<br />
sowie an Autostrassen), und darin<br />
den Zwang der Verwendung von umfahrbaren<br />
Tragkonstruktionen klar<br />
stellen.<br />
Der Abstand sollte in Abhängigkeit der<br />
gefahrenen Geschwindigkeiten <strong>auf</strong> der<br />
Strasse angegeben werden: Entlang<br />
Strassen innerorts: min. 0.50 m<br />
Entlang Strassen ausserorts: min. 6.00 m<br />
Entlang Autostrassen: min: 10 m<br />
VSS FK 2<br />
VSS FG<br />
<strong>Sicherheit</strong><br />
VSS FK 2<br />
VSS FG<br />
<strong>Sicherheit</strong><br />
VSS FK 6<br />
VSS FG<br />
<strong>Sicherheit</strong><br />
Die Norm toleriert feste Hindernisse<br />
im «kritischen Abstand".<br />
Erst ab DTV > 12 000<br />
wird eine Aufhaltestufe (also<br />
ein Fahrzeug-Rückhaltesystem)<br />
für die meisten Hindernisse<br />
empfohlen. So z. B. auch bei<br />
einem Baum.<br />
Aufgrund der Unfallschwere<br />
muss in der Norm klar gestellt<br />
werden, dass keine Hindernisse<br />
in der hindernisfreien Zone<br />
toleriert werden dürfen. Gibt es<br />
Objekte, welche trotz dieser<br />
Tabuzone nicht entfernt werden<br />
können, muss ein Fahrzeug-<br />
Rückhaltesystem einen frontalen<br />
Aufprall auch bei wenig<br />
DTV (ab 4000) verhindern.<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 105
Folgende Abbildungen (Abbildung 18 und Abbildung<br />
19) in der Norm 640 561 sollten mit den<br />
Bereichen der hindernisfreien Zone ergänzt werden:<br />
Fahrzeug-Rückhaltesysteme werden in der Norm<br />
ebenfalls als Hindernisse angesehen. Seitliche Fahrzeug-Rückhaltesysteme<br />
sollen daher mit Zurückhaltung,<br />
und erst als letzte Massnahme angebracht<br />
werden. Die bfu empfiehlt folgende Reihenfolge:<br />
1. Starre Elemente aus der hindernisfreien Zone<br />
entfernen<br />
2. Ist dies nicht möglich und das feste Hindernis<br />
befindet sich in einem Abstand von 5.00–<br />
6.00 m entlang der Ausserortsstrasse (HVS oder<br />
VS), resp. 8.00–10.00 m entlang der Autostrasse<br />
Linienführung mit Verbessern der optischen<br />
Linienführung und durch ergänzen der<br />
Randlinie, Leitpfosten, Leitpfeile erzielen<br />
3. Anordnen von einem Fahrzeug-<br />
Rückhaltesystem entlang der Strasse, wenn das<br />
feste Hindernis näher an der Strasse steht als<br />
unter 2. beschrieben. Da eine seitliche Leitplanke<br />
immer auch das Risiko beinhaltet, dass das<br />
Fahrzeug <strong>auf</strong> die Gegenseite hinüber geschleudert<br />
wird, kann die Notwendigkeit von Mittelleitplanken<br />
bestehen. Dieses Thema wird in Kapitel<br />
VIII.2.2.2 besprochen.<br />
2.2 Strassenart<br />
2.2.1 Einleitung<br />
Abbildung 18<br />
Kritische Abstände <strong>auf</strong> HLS Kritische Abstände <strong>auf</strong> HLS und Hindernisfreie Zonen<br />
In der VSS SN 640 040 Projektierung, Grundlagen;<br />
Strassentypen [38] werden die Merkmale der verkehrstechnischen<br />
Strassentypen beschrieben. Bezüglich<br />
<strong>Sicherheit</strong>sanforderungen und Ausbaugrad<br />
steht da:<br />
Abbildung 19<br />
Kritische Abstände <strong>auf</strong> übrigen Strassen Kritische Abstände <strong>auf</strong> HLS und Hindernisfreie Seitenräume<br />
Quelle: VSS/bfu<br />
Quelle: bfu © bfu 2008<br />
106 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
Hochleistungsstrassen HLS (Autostrassen):<br />
Hohe Leistung und <strong>Sicherheit</strong> bei hohen Geschwindigkeiten,<br />
bauliche Richtungstrennung<br />
erwünscht, Standstreifen für Pannen- und Unterhaltsfahrzeuge<br />
erwünscht.<br />
Hauptverkehrsstrassen HVS (i.d.R. Hauptstrassen):<br />
Hohe Leistung und <strong>Sicherheit</strong> bei mittleren Geschwindigkeiten,<br />
keine Richtungstrennung, Abstellmöglichkeiten<br />
für Pannen- und Unterhaltsfahrzeuge<br />
erwünscht.<br />
Verbindungsstrassen VS (i.d.R. Nebenstrassen):<br />
Gewährleisten von untergeordneten Verbindungen<br />
bei begrenzter Leistung und Geschwindigkeit,<br />
keine Richtungstrennung, keine Abstellmöglichkeiten<br />
für Pannen- und Unterhaltsfahrzeuge.<br />
Autostrassen werden grün signalisiert. Sie haben in<br />
einigen Fällen eine physische Trennung der beiden<br />
Fahrtrichtungen (Mittelleitplanke). Oft werden die<br />
beiden Fahrtrichtungen aber lediglich durch eine<br />
markierte, doppelte <strong>Sicherheit</strong>slinie gegeneinander<br />
abgegrenzt. Die Markierung wird in einigen Fällen<br />
mit einer Stufe versehen, so dass ein sogenannter<br />
«Rüttelstreifen» entsteht. Fahrzeuge geraten dabei<br />
ins Vibrieren, wenn der Fahrzeuglenker <strong>auf</strong> den<br />
Rüttelstreifen fährt. Zudem ertönt ein lautes Geräusch,<br />
welches den abirrenden Fahrzeuglenker<br />
alarmieren und allenfalls sogar <strong>auf</strong>wecken soll. Die<br />
Höchstgeschwindigkeit <strong>auf</strong> Autostrassen beträgt<br />
nach Art. 4a Abs. 1 lit. c VRV meistens 100 km/h,<br />
oft trifft man auch die signalisierte Geschwindigkeit<br />
von 80 km/h an.<br />
Hauptstrassen werden blau signalisiert. Eine unterbrochene<br />
Mittelmarkierung trennt die beiden<br />
Fahrtrichtungen. Die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit<br />
ausserorts <strong>auf</strong> Hauptstrassen (Autobahnen<br />
folglich ausgenommen) beträgt gemäss Art. 4a<br />
Abs. 1 lit. b VRV 80 km/h, einige Abschnitte sind<br />
mit einer abweichenden, tieferen Geschwindigkeit<br />
signalisiert.<br />
Nebenstrassen werden schwarz/weiss signalisiert.<br />
Auch die Nebenstrassen werden ausserorts in der<br />
Regel mit einer zulässigen Geschwindigkeit von 80<br />
km/h betrieben. Nur <strong>auf</strong> den Streckenabschnitten,<br />
welche gemäss Art. 108 SSV eine reduzierte signalisierte<br />
Geschwindigkeit <strong>auf</strong>weisen, wird von dieser<br />
Regel abgewichen. Viele Nebenstrassen sind bezüglich<br />
des Ausbaustandards (Strassenbreite,<br />
Quergefälle, Längsgefälle, Signalisation, Bankette,<br />
Kurvigkeit) schlechter gebaut als die Hauptstrassen.<br />
Oft reicht die Strassenbreite nicht für die Markierung<br />
einer Mittellinie aus. Diese bringt man erst ab<br />
einer Strassenbreite von 6 m an. Bei solchen<br />
Landstrassen gewährleisten dann Randlinien die<br />
optische Linienführung. Diese engen die Fahrbahn<br />
optisch ein.<br />
Die Massnahmen müssen je nach Strassenart unterschiedlich<br />
sein, da Risiken nicht immer für dieselben<br />
Strassenarten erhöht sind. Bei Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen besteht das<br />
grösste Risiko schwerer Verletzungen <strong>auf</strong> Autostrassen<br />
und Hauptstrassen. Für die Kollisionen mit<br />
einem festen Hindernis hingegen bestehen die<br />
grössten Risiken <strong>auf</strong> Haupt- und Nebenstrassen.<br />
2.2.2 Kollision mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen<br />
Der Schwerpunkt der Massnahmen muss sich <strong>auf</strong><br />
die Strassen mit hohem Verkehrs<strong>auf</strong>kommen konzentrieren,<br />
d. h. Autostrassen und einen Teil der<br />
Hauptstrassen. Die Streckenlänge ist bei den Autostrassen<br />
überschaubar (328 Kilometer). Daher ist es<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 107
möglich, für dieses Streckennetz generelle Massnahmen<br />
zu fordern. Damit Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen verhindert werden<br />
können, müssen Mittelleitplanken anstelle einfacher<br />
Mittelmarkierungen gefordert werden. Die<br />
Autostrassen sollten überall mit einer Mittelleitplanke<br />
versehen werden. Dadurch entsteht auch<br />
ein einheitlich aussehender Strassentyp «Autostrasse».<br />
Dieser wäre dann auch generell mit 100 km/h<br />
signalisierbar, wenn die Projektierungselemente<br />
dies erlauben. Aufgrund der hohen Betriebsgeschwindigkeit<br />
darf der Ausbaustandard nicht demjenigen<br />
einer Haupt- oder Nebenstrasse ähnlich<br />
sein. Das Überholen wird zwar <strong>auf</strong> schmalen (einstreifigen)<br />
Autostrassen verunmöglicht. Auf diesen<br />
Strassen sind aber seit der am 01.03.2006 in Kraft<br />
getretenen Revision des Strassenverkehrsrechts nur<br />
noch Fahrzeuge erlaubt, welche mindestens 80<br />
km/h fahren können. Die Mindestgeschwindigkeit<br />
wurde also um 20 km/h angehoben. Daher reduziert<br />
sich der Überholdruck, d. h. das Bedürfnis der<br />
schnelleren Verkehrsteilnehmer die langsameren zu<br />
überholen. Nach längeren Abschnitten und einstreifiger<br />
Verkehrsführung (>3 km) sollte eine<br />
Überholmöglichkeit mit dem Bau eines zweistreifigen<br />
Abschnittes angeboten werden. Die Mittelleitplanke<br />
sollte aber <strong>auf</strong> Autostrassen in keinen Abschnitten<br />
mehr fehlen. Die Norm VSS SN 640 040<br />
Projektierung, Grundlagen; Strassentypen [38]<br />
sollte entsprechend angepasst werden.<br />
Die Breite zwischen der Mittelleitplanke und einer<br />
allenfalls vorhandenen Seitenleitplanke sollte mindestens<br />
5,50 m betragen damit Ambulanzfahrzeuge<br />
auch an Lastwagen ohne Schwierigkeiten vorbeifahren<br />
können.<br />
Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Kollision mit einem<br />
entgegenkommenden Fahrzeug <strong>auf</strong> einer<br />
Hauptstrasse zu sterben oder schwer verletzt zu<br />
werden, ist im Vergleich mit der Autostrasse um<br />
30 % signifikant geringer. Trotzdem sollten auch<br />
an Hauptstrassen an gewissen Stellen Mittelleitplanken<br />
gefordert werden (Abbildung 20). Es betrifft<br />
dies die geraden Abschnitte mit einem DTV ><br />
10 000 und die Kurvenbereiche mit einem Radius<br />
kleiner als 420 m und einer V85 ≥ 60 km/h (Kap.<br />
VIII.2.4.1). Die Norm VSS SN 640 040 Projektierung,<br />
Grundlagen; Strassentypen [38] sollte entsprechend<br />
angepasst werden. Die Wirkung und die<br />
baulichen Grundlagen will die zuständige VSS Expertenkommission<br />
in einer Forschungsarbeit eruieren.<br />
Dazu hat sie im Rahmen des Mehrjahresprogramms<br />
2008–2012 folgende Forschungsarbeit<br />
vorgesehen: «Richtungstrennung <strong>auf</strong> Strassen<br />
ausserorts: Trennung von gegenläufig befahrenen<br />
Fahrstreifen mit Fahrzeugrückhaltesystemen, Leiteinrichtungen<br />
und Markierungen, Anforderungen<br />
und Einsatzbedingungen».<br />
Anschlüsse von Hauptstrassen an Hauptstrassen<br />
sollen möglichst nive<strong>auf</strong>rei, oder mit einem Kreisel<br />
geplant werden.<br />
Abbildung 20<br />
Mittelleitplanke <strong>auf</strong> Hauptstrasse<br />
Quelle: bfu<br />
108 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
Auf Hauptstrassen ausserorts sollte der leichte<br />
Zweiradverkehr möglichst <strong>auf</strong> Radwegen oder Radund<br />
Gehwegen abseits der Strasse geführt werden.<br />
Muss <strong>auf</strong>grund der Verkehrssicherheit ein längerer<br />
Abschnitt mit Mittelleitplanke versehen werden, ist<br />
ein abseits Führen des leichten Zweiradverkehrs<br />
dringend notwendig. Ebenfalls sind Überholmöglichkeiten<br />
vorzusehen.<br />
2.2.3 Kollision mit festem Hindernis ausserhalb<br />
der Fahrbahn<br />
Bezüglich der Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
haben die Autostrassen eine gegenüber den<br />
Haupt- und Nebenstrassen stark erhöhte Unfallbeteiligtendichte.<br />
Die Unfallschwere und die Unfallhäufigkeit<br />
sind jedoch <strong>auf</strong> Haupt- und Nebenstrassen<br />
am höchsten. Es müssen also Massnahmen für<br />
alle Strassentypen ausserorts gefordert werden.<br />
Damit es zu weniger Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn kommt, müssen<br />
die Hindernisse entweder entfernt, weiter weg vom<br />
Strassenrand platziert werden oder sie müssen<br />
durch Leitschrankensysteme abgeschirmt sein.<br />
Weil die Unfallschwere bei den Autostrassen nicht<br />
sehr gross ist, kann geschlossen werden, dass die<br />
festen Hindernisse einen angemessen grossen Abstand<br />
vom Fahrbahnrand haben oder dass die Autostrassen<br />
viele Leitschrankensysteme entlang dem<br />
Fahrbahnrand haben. Beides führt zu weniger<br />
schweren Verletzungen. Diese Massnahme sollte<br />
dadurch vervollständigt werden, dass sämtliche<br />
Lücken mit Leitschrankensystemen entlang dem<br />
Fahrbahnrand geschlossen werden sofern die Kollisionsobjekte<br />
keinen ausreichenden Abstand von<br />
der Autostrasse haben und auch nicht entfernt<br />
werden können.<br />
Aufgrund der hohen Unfallschwere und –häufigkeit<br />
müssen die Seitenbereiche der Haupt- und<br />
Nebenstrassen sicherer gestaltet werden. Die<br />
VSS SN 640 201 Geometrisches Normalprofil;<br />
Grundabmessungen und Lichtraumprofil der Verkehrsteilnehmer<br />
sowie die Signalisationsverordnung<br />
(Art. 103) schreiben ausserorts eine Seitenfreiheit<br />
von 50 cm vor. Dies ist für feste Hindernisse,<br />
welche isoliert am Strassenrand stehen, eindeutig<br />
viel zu wenig.<br />
Die bfu fordert deshalb einen Abstand von 6.0 m<br />
Abbildung 21<br />
Empfohlenes geometrisches Normalprofil bei einer Hauptverkehrsstrasse (HVS) mit Mittelleitplanke und seitlichem Fahrzeug-<br />
Rückhaltesystem<br />
Quelle: bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 109
von festen Hindernissen an Haupt- und Nebenstrassen<br />
ausserorts (Kap. VIII.2.1.2). Die VSS SN<br />
640 677 Alleebäume, Grundlagen [39] gibt als<br />
Distanz von Alleebäumen zu Hauptverkehrsstrassen<br />
ausserorts eine Distanz von 4 bis 5 m an. Dieser<br />
Wert sollte <strong>auf</strong> durchgehend 6 m angepasst werden.<br />
Waldpartien können weiterhin einen minimalen<br />
Abstand von 0,50 m zur Strasse <strong>auf</strong>weisen. Es<br />
ist unverhältnismässig, die Waldschneise <strong>auf</strong><br />
12 m + Strassenbreite zu verbreitern. Man muss<br />
sich aber darüber im Klaren sein, dass sich <strong>auf</strong><br />
Waldpartien viele Kollisionen mit Bäumen ereignen.<br />
Ein mögliches geometrisches Normalprofil bei einer<br />
HVS mit Mittelleitplanke und seitlichem Fahrzeug-<br />
Rückhaltesystem ist in Abbildung 21 dargestellt.<br />
Vor der Wahl eines definitiven geometrischen<br />
Normalprofils müssen die Situation der leichten<br />
Zweiradfahrer und die Bedürfnisse des Unterhaltsdienstes<br />
(Schneepflug) abgeklärt werden.<br />
2.2.4 Schlussfolgerung<br />
Im Normenwerk besteht Handlungsbedarf betreffend<br />
einen Strassenausbaustandard gemäss Vorbild<br />
der «Forgiving Roadside». Insbesondere <strong>auf</strong> Autostrassen<br />
muss durchgehend eine Mittelleitplanke<br />
gefordert werden. Dies ist im Rahmen einer Revision<br />
der VSS SN 640 040 Projektierung, Grundlagen;<br />
Strassentypen [38] vorzusehen.<br />
Auch betreffend Anordnung von Mittelleitplanken<br />
sollte <strong>auf</strong> der Grundlage dieser Studie eine neue<br />
Norm erarbeitet werden. Diese kann dann je Strassentyp<br />
vorschreiben, wann eine Mittelleitplanke<br />
platziert werden muss. Zudem sollte die Thematik<br />
der Motorradsicherheit an Leitschrankensystemen<br />
behandelt werden.<br />
2.3 Personenart<br />
Bei den Kollisionen mit Fussgängern sterben praktisch<br />
nur Fussgänger. Lenker oder Mitfahrer, der<br />
mit den Fussgängern kollidierenden Fahrzeuge,<br />
sind nur wenig gefährdet. Bei den übrigen 4 Unfallklassen<br />
weisen hingegen die Lenker die weitaus<br />
meisten Getöteten aus. Das Risiko schwer verletzt<br />
oder getötet zu werden ist jedoch bei 3 Unfallklassen<br />
für die Beifahrer vorne zwischen 14 und 36 %<br />
höher als bei den Lenkern. Nur bei den Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen ist das Risiko<br />
für die Lenker am grössten. Für die Mitfahrer<br />
hinten ist das Risiko schwerer Verletzungen am<br />
geringsten.<br />
Konsequenzen sind aus diesen Resultaten nur wenige<br />
zu ziehen. Einerseits kann man erwarten, dass<br />
der Schutz der Fahrzeuginsassen in Zukunft durch<br />
die technischen Verbesserungen der Fahrzeuge<br />
noch gesteigert werden kann. Darüber hinaus<br />
könnte man versuchen, die Beifahrer verstärkt zu<br />
ermutigen <strong>auf</strong> den Rücksitzen Platz zu nehmen.<br />
Das Risiko schwer verletzt zu werden, ist dort deutlich<br />
geringer. Dem steht allerdings entgegen, dass<br />
die <strong>Sicherheit</strong>sgurten <strong>auf</strong> Rücksitzen erheblich seltener<br />
verwendet werden als vorne [14, S. 31]. Ein<br />
unangegurteter Rücksitzpassagier ist jedoch erheblich<br />
mehr gefährdet als ein angegurteter Beifahrer<br />
vorne. Der Wechsel <strong>auf</strong> den Rücksitz ist also nur<br />
sinnvoll, wenn dort ebenfalls der <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />
benutzt wird.<br />
Kollisionen mit Fussgängern <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
sind sehr gefährliche Unfälle. Sie enden für die<br />
Fussgänger häufig tödlich wegen der hohen Geschwindigkeit<br />
beim Aufprall. Daher muss der<br />
Schwerpunkt der Massnahmen bei einer räumlichen<br />
oder zeitlichen Trennung des motorisierten<br />
110 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
vom Fussgängerverkehr liegen – sie sollten einander<br />
möglichst nicht begegnen. So ist der Bau von<br />
Brücken oder – bei den Fussgängern weniger beliebt<br />
– Unterführungen sinnvoll. Bei grossen Fahrzeug-<br />
und Fussgängerfrequenzen sind lichtsignalgeregelte<br />
Ampeln zu empfehlen. Diese sollten<br />
allerdings nur <strong>auf</strong> Anforderung aktiv sein, damit sie<br />
nur im Bedarfsfall die Leistungsfähigkeit der Strassen<br />
verringern. Eine andere Möglichkeit wäre die<br />
deutliche Senkung der Höchstgeschwindigkeit in<br />
Ausserortsregionen, wo mit einer ausreichenden<br />
Anzahl von Fussgängern zu rechnen ist. Allerdings<br />
genügt hier eine einfache Limite nicht, sie sollte mit<br />
Geschwindigkeitsmessgeräten (Radaranlagen) und/<br />
oder einer baulichen Mittelinsel zusätzlich unterstützt<br />
werden.<br />
2.4 Unfallstelle<br />
Auf dem Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll wird nach 7<br />
verschiedenen Unfallstellen unterschieden:<br />
Kurve<br />
Gerade<br />
Einmündung<br />
Kreuzung<br />
Platz/ Verkehrsfläche<br />
Parkplatz/ Nebenanlage<br />
Andere<br />
Die Resultate hinsichtlich der Unfallstelle sind nicht<br />
ganz einheitlich. Für die Unfallklassen Kollision mit<br />
entgegenkommendem Fahrzeug, Kollision mit<br />
festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn sowie<br />
die Unfälle ohne Kollision gibt es die grösste Anzahl<br />
Getöteter in Kurven (jeweils etwa doppelt so<br />
viele wie <strong>auf</strong> gerader Strecke). Bei diesen Unfallklassen<br />
kamen zwischen 61 und 68 % aller Getöteten<br />
in Kurven ums Leben. Bezüglich der Verletzungsschwere<br />
gibt es nicht ganz so grosse Unter-<br />
schiede. Bei 2 der 3 genannten Unfallklassen unterscheiden<br />
sich die Verletzungsschweren nicht<br />
signifikant; bei den Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen ist die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen in Kurven geringer als <strong>auf</strong><br />
gerader Strecke.<br />
Bei den Kollisionen an Knoten sehen die Resultate<br />
anders aus. Von der Anzahl Getöteter sind die<br />
Einmündungen und die Kreuzungen in etwa gleich<br />
häufig vertreten, allerdings ist das Risiko schwerer<br />
Verletzungen an Kreuzungen höher als an Einmündungen.<br />
2.4.1 Kurven<br />
Neuman et al. [40] fanden heraus, dass die 4 wichtigsten<br />
Faktoren für die <strong>Sicherheit</strong> von Kurven folgende<br />
sind: der Radius (an erster und wichtigster<br />
Stelle), die Breite des Banketts, die Strassenbreite<br />
und die Länge der Kurve.<br />
Die OECD [41] kam zu dem Schluss, dass 430 m<br />
Kurvenradien <strong>auf</strong> Landstrassen die kritische untere<br />
Grenze sind. Hedman [34] fand jedoch heraus,<br />
dass die Unfallzahlen bereits ansteigen, wenn die<br />
Kurvenradien geringer als 1000 Meter sind. Hier<br />
besteht möglicherweise Anpassungsbedarf bei den<br />
schweizerischen Strassenbaunormen (VSS-Norm SN<br />
640 080 Projekt, Grundlagen; Geschwindigkeit als<br />
Projektierungselement), die für eine Strasse mit<br />
einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h einen<br />
Kurvenradius von lediglich 240 Metern vorsieht<br />
[42]. Das Transportation Research Board [43] wies<br />
jedoch dar<strong>auf</strong> hin, dass sich Erweiterungen von<br />
Kurvenradien finanziell erst lohnen, wenn das Verkehrs<strong>auf</strong>kommen<br />
mehr als 750 Fahrzeuge pro Tag<br />
beträgt und die V85 höher ist als 25 km/h.<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 111
Die Breite des Banketts ist insofern wichtig, als dass<br />
das Bankett bei Fahrfehlern in Linkskurven eine<br />
(kurze) Chance zur Korrektur eröffnet. Das Bankett<br />
sollte deshalb möglichst einen festen Belag haben<br />
(z. B. asphaltiert sein) und zwischen 60 und 120<br />
cm breit sein. Das amerikanische Transportation<br />
Research Board [43] empfiehlt ab einem DTV von<br />
2000 Fahrzeugen pro Tag sogar 1,80 m als Bankbettbreite.<br />
Ogden [44] fand heraus, dass sich die<br />
Versiegelung des Banketts bereits ab einem DTV<br />
von 350 Fahrzeugen pro Tag finanziell lohnt (marginales<br />
Kosten-Nutzen-Verhältnis).<br />
Hinsichtlich der Spurbreite gibt es Befunde von<br />
Zegeer und Council [35], dass 3,40 bis 3,70 m die<br />
niedrigsten Unfallraten <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> haben.<br />
Eine nachträgliche Spurverbreiterung um 30<br />
cm soll zu einer Reduktion der Unfälle von 12 %<br />
führen.<br />
Kurven sind zwar sehr zahlreich, jedoch klar lokalisierbar.<br />
Dies spricht für konkrete bauliche Massnahmen<br />
in Kurvenbereichen, welche einen Radius<br />
kleiner als 420 m haben (dies entspricht einer Projektierungsgeschwindigkeit<br />
VP von 100 km/h). Um<br />
die optische Linienführung zu gewährleisten, kann<br />
das Leitschrankensystem zusätzlich zu den einzelnen<br />
Leitpfeilen mit mehrteiligen Leitpfeilen gemäss<br />
VSS SN 640 822 Leiteinrichtungen [45] ergänzt<br />
werden.<br />
Primär sollte aber die seitliche Hindernisfreiheit<br />
gegeben sein. So kann i.d.R. <strong>auf</strong> das seitliche Leitschrankensystem<br />
verzichtet werden. Denn dieses<br />
stellt ja auch ein festes Hindernis mit einem gewissen<br />
Gefahrenpotential dar. Die optische Linienführung<br />
soll aber mit verdichteten Leitpfosten entlang<br />
der Kurvenaussenseite verdeutlicht werden. Bei<br />
Kurven mit Unfällen soll die optische Linienführung<br />
zusätzlich mit umfahrbaren Leitpfeilen gemäss<br />
VSS SN 640 822 Leiteinrichtungen gewährleistet<br />
werden. Bei Unfallschwerpunkten sollen die abgestuften<br />
(grösser werdenden) Signaltafeln verwendet<br />
werden. Es ist sehr wichtig, dass diese Tragkonstruktionen<br />
umfahrbar ausgestaltet werden.<br />
Zurzeit l<strong>auf</strong>en in Deutschland Abklärungen zur<br />
Verwendung von Plastiktragwerken. Falls diese<br />
Untersuchungen positiv verl<strong>auf</strong>en, sollte diese Art<br />
der Tragwerke (und der Fassung der Signale) auch<br />
in der Schweiz angewendet werden. All diese<br />
Massnahmen betreffen Kurven, welche mit einer<br />
Geschwindigkeit ≥ 60 km/h (V85 Niveau) befahren<br />
werden.<br />
2.4.2 Gerade Strecke<br />
Auf der geraden Strecke ereignen sich nicht viele,<br />
aber schwere Unfälle. Massnahmen sind also auch<br />
hier angebracht. Auf geraden Strecken, welche<br />
genügend breit sind, und <strong>auf</strong> welchen die gefahrene<br />
Geschwindigkeit ≥ 60 km/h (V85 Niveau) ist,<br />
sollten ab einem DTV von 10 000 Mittelleitplanken<br />
installiert werden. Falls die Strasse nicht breit genug<br />
ist für eine Mittelleitplanke, muss sie entsprechend<br />
verbreitert werden. Die hindernisfreie Zone<br />
ist zu berücksichtigen.<br />
2.4.3 Knoten<br />
Damit sich weniger Unfälle an Knoten ereignen,<br />
sollten diese ausserorts besser erkennbar gemacht<br />
werden. An Unfallschwerpunkten (gemäss VSS-<br />
Norm SN 640 009 Strassenverkehrsunfälle, Lokalisierung<br />
und Rangierung von Unfallschwerpunkten<br />
[46]) soll der Verkehrsstrom durch die Anordnung<br />
von Leitinseln <strong>auf</strong> der vortrittsberechtigten Strasse<br />
kanalisiert werden. Bei einem grossen Einmündungstrichter<br />
soll auch <strong>auf</strong> der vortrittsbelasteten<br />
112 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
Einmündung eine kleine Leitinsel zum Trennen der<br />
beiden Fahrtrichtungen gebaut werden. Die Wegweiser<br />
und übrige Signalisation können <strong>auf</strong> diesen<br />
Inseln angebracht werden. Sie tragen zu einer weiteren<br />
Steigerung der Erkenn- und Wahrnehmbarkeit<br />
des Knotens bei. Auch die Umwandlung eines<br />
Knotens ausserorts in einen Kreisel bewirkt eine<br />
Reduktion der Unfälle und der Unfallschwere. In<br />
Tabelle 73 sind die Massnahmen <strong>auf</strong>gelistet.<br />
Im Ausserortsbereich sollen Knoten nicht mehr mit<br />
Rechtsvortritt geregelt sein. Diese Vortrittsregelung<br />
funktioniert bei den hohen Geschwindigkeiten<br />
nicht. In Deutschland wurde diese Regelung ausserorts<br />
schon seit längerem abgeschafft. Die<br />
VSS SN 640 273 Knoten, Sichtverhältnisse [47]<br />
müsste entsprechend angepasst werden. Die Einmündungen<br />
von Feldwegen in Haupt- und Nebenstrassen<br />
sind gemäss VRV vortrittsbelastet. Diese<br />
sollen nicht zusätzlich mit einem Signal versehen<br />
werden, weil sonst ein Schilderwald entstehen<br />
würde. Zudem kann man <strong>auf</strong> den meist unbefestigten<br />
Feldwegen keine Markierung anbringen.<br />
2.5 Vortrittsregelung<br />
Im Ausserortsbereich findet man vor allem Ver-<br />
zweigungen zwischen Autostrassen, Hauptstrassen,<br />
Nebenstrassen und Feldwegen. Die Knoten<br />
werden je nach Strassentyp und situativen Möglichkeiten<br />
gewählt. Die Vortrittsregelung ist teilweise<br />
durch die rechtlichen Regelungen vorgegeben.<br />
Art. 36 Abs. 2 SVG schreibt vor:<br />
Auf Strassenverzweigungen hat das von rechts<br />
kommende Fahrzeug den Vortritt. Fahrzeuge <strong>auf</strong><br />
gekennzeichneten Hauptstrassen haben den Vor-<br />
tritt, auch wenn sie von links kommen. Vorbehal-<br />
ten bleibt die Regelung durch Signale oder durch<br />
die Polizei.<br />
Tabelle 73<br />
Kriterien und Präzisierungen zu Massnahmen betreffend verschiedene Unfallstellen<br />
In Art. 15 Abs. 3 VRV heisst es:<br />
Wer aus Fabrik-, Hof- oder Garagenausfahrten, aus<br />
Feldwegen, Radwegen, Parkplätzen, Tankstellen<br />
und dergleichen oder über ein Trottoir <strong>auf</strong> eine<br />
Haupt- oder Nebenstrasse fährt, muss den Benüt-<br />
zern dieser Strassen den Vortritt gewähren. Ist die<br />
Stelle unübersichtlich, so muss der Fahrzeugführer<br />
anhalten; wenn nötig, muss er eine Hilfsperson<br />
beiziehen, die das Fahrmanöver überwacht.<br />
Als Knotenformen kommen vor allem folgende<br />
Verkehrsanlagen in Frage<br />
Zufahrt als Rampe<br />
Unfallstelle Massnahme Zuständig/relevante Norm<br />
Kurven Falls die Kurve mit V85 ≥ 60 km/h befahren wird (Radius < 420 m): Mittelleitplanke.<br />
Auf jeden Fall muss in jeder Kurve die hindernisfreie Zone vorgesehen werden. Falls<br />
diese nicht geschaffen werden kann: Anordnen eines seitlichen Fahrzeug-<br />
Rückhaltesystems.<br />
Gerade Strecken Falls Strecke einen DTV > 10'000 hat, und die gefahrene Geschwindigkeit (V85 Niveau)<br />
≥ 60 km/h ist muss eine Mittelleitplanke installiert werden. Die Konstruktion braucht<br />
ca. 0,20 m –1.0 m Breite. Bei ungenügendem geometrischem Normalprofil muss der<br />
Strassenabschnitt verbreitert werden. Falls die Streckenabschnitte länger als 3 km<br />
werden, sollten Überholmöglichkeiten geschaffen werden.<br />
Bei den Knoten müssen die Mittelleitplanken unterbrochen werden.<br />
Knoten Knoten ausserorts sollen durch Leitinseln und der Signalisation/ Wegweisung besser<br />
erkenntlich gemacht werden. Auch die Umwandlung in Kreisel sollte geprüft werden.<br />
Der Kreisel sollte im Ausserortsbereich einen Durchmesser ≥ 32 m haben.<br />
Quelle: bfu<br />
VSS FK 2<br />
VSS SN 640 560<br />
VSS FG <strong>Sicherheit</strong><br />
VSS FK 2<br />
VSS SN 640 561<br />
VSS SN 640 060<br />
VSS FK 2<br />
VSS SN 640 250<br />
VSS SN 640 251<br />
VSS SN 640 263<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 113
Kreisel<br />
Kreuzung (als Rechtsvortritt oder vortrittsgeregelt<br />
durch Signalisation «Kein Vortritt» oder<br />
«Stopp» des untergeordneten Stromes)<br />
3-armige Einmündung (als Rechtsvortritt oder<br />
vortrittsgeregelt durch Signalisation «Kein Vortritt»<br />
oder «Stopp» des untergeordneten Stromes)<br />
Die verschiedenen Strassen werden heute in der<br />
Schweiz wie in Tabelle 74 <strong>auf</strong>gelistet «verknüpft».<br />
In der Studie wurden folgende Verkehrsanlagen,<br />
resp. Vortrittsregelungen ausgewertet:<br />
Keine Vortrittsregelung (d. h.: Rechtsvortritt,<br />
oder aber eine Einmündung eines Feldweges in<br />
eine Haupt- oder Nebenstrasse, wo zwar keine<br />
Signalisation des Vortritts besteht, jedoch der<br />
Vortritt nach VRV geregelt ist)<br />
Lichtsignalanlage für zeitweilige Streifensperrung<br />
(Baustelle im Knoten und <strong>auf</strong> der freien<br />
Strecke)<br />
Lichtsignalanlage (in Zusammenhang mit einem<br />
Knoten)<br />
Andere (Vortrittsregelung durch Handzeichengabe<br />
(Verkehrsregelung) und alle im SVG genannten<br />
Vorschriften wie z. B. beim Linksab-<br />
Tabelle 74<br />
Verknüpfung der verschiedenen Strassenarten<br />
biegen oder Rückwärtsfahren)<br />
Stopp<br />
Kein Vortritt<br />
Fussgängerstreifen<br />
Bahn-/Tramvortritt (bei Unfällen an Knoten und<br />
bei Unfällen mit Fussgängern)<br />
«Kein Vortritt» gilt bei fester Signalisation des Signals<br />
3.02 (Art. 36 Abs. 2 SSV) und daher auch bei<br />
Kreisverkehrsplätzen.<br />
"Stopp» gilt bei fester Signalisation des Signals<br />
3.01 (Art. 36 Abs. 1 SSV).<br />
Die meisten Knoten sind ausserorts mit «Kein Vortritt»<br />
geregelt, daher gibt es auch am meisten Unfälle<br />
bei dieser Art von Vortrittsregelung. Die weni-<br />
Strassenart Autostrasse Hauptstrasse Nebenstrasse Feldweg<br />
Autostrasse - 1. Einfahrts- und Ausfahrtsrampe<br />
2. Kreisel<br />
- -<br />
Hauptstrasse 1. Einfahrts- und Ausfahrtsram- 1. Kreisel<br />
1. Kreuzung oder 3 armige Kein Vortritt (gem. VRV)<br />
pe<br />
2. Kreuzung oder 3 armige Einmündung, Nebenstrasse<br />
2. Kreisel<br />
Einmündung, vortrittsgeregelt vortrittsbelastet mit Signalisati-<br />
mit Signalisation<br />
on<br />
2. Kreisel<br />
Nebenstrasse - 1. Kreuzung oder 3 armige 1. Kreuzung oder 3 armige Kein Vortritt (gem. VRV)<br />
Einmündung, Nebenstrasse Einmündung, untergeordneter<br />
vortrittsbelastet mit Signalisati- Strom vortrittsbelastet mit<br />
on<br />
Signalisation<br />
2. Kreisel<br />
2. Kreisel<br />
3. Rechtsvortritt<br />
Feldweg<br />
Quelle: bfu<br />
- Kein Vortritt (gem. VRV) Kein Vortritt (gem. VRV) Rechtsvortritt<br />
114 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
gen Rechtsvortritte, welche ausserorts noch bestehen<br />
und die nicht signalisierten Feldwege werden<br />
aber am zweithäufigsten genannt («keine Vortrittssignalisation»).<br />
2.5.1 Fussgänger<br />
Aufgrund der recht hohen Unfallhäufigkeit an<br />
Fussgängerstreifen scheint es richtig zu sein, ausserorts<br />
möglichst andere Querungsformen von<br />
Fussgängern zu suchen.<br />
Fussgängerstreifen sollen ausserorts nicht vorgesehen<br />
werden. Es kommen verschiedene andere<br />
Querungsmöglichkeiten in Fragen:<br />
Mittelinsel ohne Fussgängerstreifen<br />
Über- oder Unterführung<br />
Querung à Niveau mit Sichtweiten > 120 m<br />
Die VSS SN 640 241 Fussverkehr, Fussgängerstreifen<br />
[48] soll dies entsprechend erwähnen.<br />
2.5.2 Bahnübergänge<br />
Eine von Bundesrat Moriz Leuenberger ins Leben<br />
gerufene Taskforce hat den Auftrag, die gefährlichsten<br />
190 Bahnübergänge (mit einer Sichtzeit<br />
Abbildung 22<br />
Baustellensignalisation mit gelben Portalen<br />
Quelle: bfu<br />
von 6 und weniger Sekunden) zu sanieren. Bis<br />
Ende 2008 soll dieses Ziel erreicht sein (Stand September<br />
08: 177 Bahnübergänge saniert).<br />
Darüber hinaus gibt es in der Schweiz rund 600<br />
weitere Bahnübergänge, welche Experten als ungenügend<br />
gesichert betrachten (Sichtzeit meist 7<br />
bis 12 Sekunden). Bis 2014 sollen diese Bahnübergänge<br />
überprüft und nach den neuen Vorgaben<br />
der Eisenbahnverordnung saniert werden.<br />
Bei Bahn- oder Tramquerungsstellen von Fussgänger<br />
soll die Signalisation gemäss Bundesamt für<br />
Verkehr (BAV) erfolgen. Es soll generell angestrebt<br />
werden, die Bahnübergänge zu beschranken.<br />
Damit sich auch die Fussgänger des Lichtraumprofils<br />
einer Bahn oder eines Trams bewusst sind (z. B.<br />
<strong>auf</strong> einem Platz oder <strong>auf</strong> der Strasse), soll eine<br />
Markierung am Boden dies anzeigen. Die SN<br />
640 851 Besondere Markierungen [49]; Anwendungsbereiche,<br />
Formen und Abmessungen wird<br />
um diese neu zu definierende Markierung erweitert.<br />
2.5.3 Baustellen<br />
Baustellen im Ausserortsbereich sollen <strong>auf</strong>fällig<br />
250 m vor der eigentlichen Baustelle vorsignalisiert<br />
werden. Damit dies aber noch besser sichtbar ist,<br />
könnte das Portal mit einer gelben, reflektierenden<br />
Fläche hinterlegt, und dieses auch beidseitig der<br />
Strasse platziert werden (Abbildung 22). Ähnlich<br />
wie <strong>auf</strong> Autobahnen soll der Arbeitsbereich der<br />
Baustelle mit einem «Prellbock» (z. B. in Form eines<br />
Unterhaltfahrzeugs) zum Schutz der Arbeiter gesichert<br />
werden. Dies würde eine Anpassung der<br />
VSS SN 640 886 Temporäre Signalisation <strong>auf</strong><br />
Haupt- und Nebenstrassen [50] bedeuten.<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 115
2.6 Signalisation der Höchstgeschwindigkeit<br />
Die Höchstgeschwindigkeit wird in der Schweiz im<br />
Ausserortsbereich in der Regel nicht signalisiert.<br />
Am Ende des Innerortsbereichs folgt die Signaltafel<br />
«Ende Generell 50», was gleichbedeutend mit dem<br />
Beginn der Höchstgeschwindigkeit 80 km/h ist. Auf<br />
Autostrassen wird die Höchstgeschwindigkeit hingegen<br />
immer angezeigt. Sie beträgt in der Regel<br />
100 km/h. Abweichende Geschwindigkeiten müssen<br />
jedoch nach jeder Verzweigung signalisiert<br />
werden. Abweichende Geschwindigkeiten sind<br />
immer kleiner als die vom Bundesrat vorgegebenen<br />
Geschwindigkeiten pro Strassenkategorie. Auf HVS<br />
und VS ausserorts betragen sie in der Regel 60<br />
km/h, in seltenen Fällen auch etwa 70 km/h. Auf<br />
kurzen Abschnitten können noch tiefere Geschwindigkeiten<br />
signalisiert sein. Oft werden Autostrassen<br />
auch über längere Abschnitte mit 80 km/h<br />
signalisiert.<br />
In der Auswertung wurde nach nicht signalisierten,<br />
signalisierten und temporär signalisierten (Baustellen)<br />
Abschnitten unterschieden. Angesichts der<br />
widersprüchlichen Resultate hinsichtlich der Signalisation<br />
der Höchstgeschwindigkeit <strong>auf</strong> die Wahr-<br />
Abbildung 23<br />
Getötete pro 1 Mio. Einwohner in verschiedenen Ländern Europas<br />
nach Höchstgeschwindigkeit <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
Getötete pro 1 Mio. Einwohner, 2004<br />
100<br />
80<br />
60<br />
40<br />
20<br />
S<br />
DK<br />
CH<br />
70 80 90 100<br />
Tempolimit <strong>auf</strong> Strassen ausserorts [km/h]<br />
Quelle: CARE, European Road accident Database, 2007<br />
NL<br />
FIN<br />
E<br />
P<br />
B<br />
GR<br />
L<br />
F<br />
I<br />
IRL<br />
GB<br />
A<br />
D<br />
scheinlichkeit schwerer Verletzungen erscheinen<br />
klare Schlussfolgerungen schwierig. Das höhere<br />
Risiko bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen weist dar<strong>auf</strong> hin, dass möglicherweise<br />
bei signalisierten, d. h. herabgesetzten Höchstgeschwindigkeiten<br />
vermehrt riskante Überholmanöver<br />
stattfinden. Daher sollen die Streckenabschnitte<br />
mit reduzierten Geschwindigkeiten mit Mittelleitplanke<br />
ausgestattet werden. Es ist ein Lichtraumprofil<br />
wie unter Kap. VIII.2.2.3 dargestellt, anzustreben.<br />
Sämtliche Strassen ausserorts mit einer reduzierten<br />
Geschwindigkeit zu signalisieren ist keine Lösung.<br />
Die Akzeptanz dieser Massnahme wäre in der Bevölkerung<br />
nicht gegeben, und zudem bräuchte es<br />
dazu eine Verordnungsänderung. Eine reduzierte<br />
Geschwindigkeit, welche von den erlaubten 80<br />
km/h nur gering abweicht (signalisierte Geschwindigkeit<br />
von 70 km/h), bringt erfahrungsgemäss<br />
eine noch geringere Reduktion der gefahrenen<br />
Geschwindigkeiten, wobei allerdings auch diese<br />
bereits zu Verringerungen insbesondere der tödlichen<br />
Unfälle führt. Im europäischen Vergleich hat<br />
die Schweiz, die Niederlande, Dänemark und Finnland<br />
<strong>auf</strong> Strassen ausserorts die Geschwindigkeit<br />
80 km/h. Schweden hat eine Geschwindigkeit von<br />
70 km/h. Die übrigen Länder haben eine höhere<br />
Geschwindigkeit. Abbildung 22 lässt vermuten,<br />
dass die Anzahl Unfälle mit Getöteten nicht nur<br />
allein <strong>auf</strong>grund der einzigen Massnahme einer<br />
generellen Geschwindigkeitsreduktion in der<br />
Schweiz kleiner würde:<br />
Damit die Geschwindigkeit <strong>auf</strong> einem Strassenabschnitt<br />
reduziert werden darf, muss gemäss Art.<br />
108 Abs. 4 SSV ein Gutachten erstellt werden.<br />
Damit die Gefahr einer Kollision mit einem entgegenkommenden<br />
Fahrzeug nicht mehr besteht, wird<br />
116 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
dringend empfohlen, in diesen Abschnitten eine<br />
Mittelleitplanke anzubringen. Um auch die Linienführung,<br />
resp. andere relevante <strong>Sicherheit</strong>sdefizite<br />
zu reduzieren, wird die Geschwindigkeit <strong>auf</strong> 70<br />
km/h gesetzt. Auch die Signalisation einer Geschwindigkeit<br />
von 60 km/h ist bei solchen Abschnitten<br />
zu prüfen.<br />
2.7 Künstliche Beleuchtung<br />
Eines der Merkmale der künstlichen Beleuchtung<br />
muss im Unfallprotokoll immer, zusätzlich zu den<br />
«Lichtverhältnissen» angegeben werden. Im Unfall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll<br />
wird zwischen einer künstlichen<br />
Beleuchtung, welche ausser Betrieb ist, welche<br />
durchgehend ist, welche punktuell ist und<br />
zwischen keiner künstlichen Beleuchtung unterschieden.<br />
Eines der Merkmale muss bei jedem Unfall im Un-<br />
fall<strong>auf</strong>nahmeprotokoll ausgefüllt werden. Dabei<br />
bedeutet eine «durchgehende Beleuchtung», dass<br />
die Fahrbahn bei Dämmerung und Nacht mit mehreren<br />
hintereinander folgenden Lampen ausgeleuchtet<br />
ist. Eine punktuelle Beleuchtung besteht,<br />
Abbildung 24<br />
Betrieb der Beleuchtung in der Schweiz<br />
100<br />
90<br />
80<br />
70<br />
60<br />
50<br />
40<br />
30<br />
20<br />
10<br />
0<br />
60<br />
28<br />
12<br />
16<br />
68<br />
16<br />
Ausschaltung Reduktion oder Teilausschaltung Brennt durch<br />
Quelle: www.energieeffiziez.ch<br />
50<br />
50<br />
92<br />
8<br />
40<br />
26<br />
34<br />
wenn nur einzelne Leuchten im Betrieb sind oder<br />
bei einer nur begrenzten Ausleuchtung, z. B. bei<br />
einem Fussgängerstreifen.<br />
In der Auswertung sind alle Unfälle – am Tag und<br />
in der Nacht – berücksichtigt. Dies wurde so gewählt,<br />
weil die Beleuchtung auch am Tag einen<br />
Einfluss <strong>auf</strong> die Verkehrssicherheit haben kann (im<br />
Zusammenhang mit Kollision mit festem Hindernis<br />
ausserhalb der Fahrbahn mit den Kandelabern).<br />
In der Schweiz werden Strassen im Ausserortsbereich<br />
in der Regel nicht beleuchtet. Die Ausnahme<br />
bilden Unfallschwerpunkte, welche infolge von<br />
vielen Nachtunfällen <strong>auf</strong>fällig geworden sind.<br />
Wichtige Knoten werden ausserorts in der Regel<br />
beleuchtet. Viele Kantone haben eine sogenannte<br />
«Nachtabschaltung» eingerichtet. Das heisst, dass<br />
sie die Beleuchtung am frühen Morgen (z. B. zwischen<br />
00:00 und 05:00 Uhr) ausschalten. Eine<br />
Übersicht gibt Abbildung 24 [51].<br />
Weil man mit Kandelabern mehr feste Hindernisse<br />
entlang der Strasse platziert, kann es zu mehr Kollisionen<br />
mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn kommen. Die Kandelaber müssen mit<br />
einer «Break away» Konstruktion wie einer Gleitfussplatte<br />
oder als feingliedrige Tragkonstruktion<br />
ausgestattet sein. Die VSS SN 640 569 Passive <strong>Sicherheit</strong><br />
von Tragkonstruktionen regelt diese Bauweise<br />
für Strassen ausserorts. Für Beleuchtungskandelaber<br />
wird die Tragkonstruktion mit einer<br />
Gleitfussplatte vorgeschlagen.<br />
Stellen ausserorts, welche von Fussgängern nachts<br />
frequentiert werden, müssen beleuchtet werden.<br />
Dies gilt insbesondere für Querungsstellen. Führt<br />
ein Schulweg entlang einer Strasse ausserorts muss<br />
dieser Abschnitt beleuchtet werden. Ist dies nicht<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 117
möglich, müssen die Schulzeiten (insbesondere im<br />
Winter) so gelegt werden, dass sich die Kinder<br />
nicht bei Dunkelheit <strong>auf</strong> dem Schulweg befinden.<br />
Die Kinder sollen zudem retro-reflektierende Kleider<br />
resp. Flächen an den Kleidern tragen.<br />
An Knoten oder gefährlichen Strassenabschnitten<br />
soll die Beleuchtung bei Dunkelheit möglichst nie<br />
abgeschaltet werden. Eine Nachtabsenkung wäre<br />
hingegen prüfenswert.<br />
2.8 Grossregion<br />
Die Grossregion hat sich bei 4 der 5 Unfallklassen<br />
<strong>auf</strong> Landstrassen als Risikofaktor für die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen erwiesen.<br />
Allerdings waren nicht immer dieselben Regionen<br />
besonders gut oder besonders schlecht. Dies ist in<br />
Tabelle 75 zusammenfassend dargestellt.<br />
Eher schlecht schneiden die Nordwestschweiz, die<br />
Région lémanique und der Espace Mittelland ab. In<br />
Zürich, der Zentralschweiz und der Ostschweiz<br />
sieht es gut aus, im Tessin scheint es vor allem<br />
Probleme bezüglich der Kollisionen mit festen Hindernissen<br />
ausserhalb der Fahrbahn zu geben.<br />
Die positiven Ergebnisse des Kantons Zürich könnten<br />
möglicherweise ein methodisches Artefakt sein.<br />
Die Autoren wurden aus mehreren Quellen darüber<br />
informiert, dass im Kanton Zürich auch viele<br />
Unfälle von geringer Schwere polizeilich protokolliert<br />
werden. Dies würde bei der Berechnung des<br />
Risikos schwerer Verletzungen zu geringeren Werten<br />
führen obwohl die Anzahl schwerer Verletzungen<br />
nicht besonders niedrig ist.<br />
Ohne Kenntnis der spezifischen Probleme der einzelnen<br />
Regionen kann nur gemutmasst werden,<br />
woraus sich die unterschiedlich hohen Risiken ergeben.<br />
Alle Einflussfaktoren, die nicht im polizeilichen<br />
Unfallprotokoll erfasst werden, kommen dafür<br />
in Frage. Möglich wären Unterschiede im Rettungswesen,<br />
im Strassenbau, in den gefahrenen<br />
Geschwindigkeiten (aus dem Unfallprotokoll kennt<br />
man nur die Geschwindigkeitslimiten), im Fahrzeugbestand<br />
(neue und grosse Autos bergen ein<br />
geringeres Risiko) usw.<br />
Um diese Unterschiede zu klären wird weitere Forschung<br />
– möglichst in Zusammenarbeit mit den<br />
betroffenen Regionen – notwendig sein.<br />
2.9 Uhrzeit<br />
Es gibt 3 Unfallklassen, bei denen die Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen signifikant mit der<br />
Uhrzeit des Unfalls zusammenhängt. Bei den Kolli-<br />
Tabelle 75<br />
Reihenfolge der Grossregionen hinsichtlich des Risikos schwerer und tödlicher Verletzungen nach Unfallklasse<br />
(1=höchstes Risiko, 7 = geringstes Risiko)<br />
Kollision mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen<br />
Kollision mit festem Hindernis<br />
ausserhalb der Fahrbahn<br />
Kollisionen an Knoten Unfälle ohne Kollision<br />
1 Nordwestschweiz Région lémanique Nordwestschweiz Espace Mittelland<br />
2 Région lémanique Ticino Espace Mittelland Région lémanique<br />
3 Espace Mittelland Espace Mittelland Région lémanique Nordwestschweiz<br />
4 Zürich Nordwestschweiz Zentralschweiz Ticino<br />
5 Zentralschweiz Zentralschweiz Ostschweiz Zentralschweiz<br />
6 Ostschweiz Zürich Ticino Ostschweiz<br />
7 Ticino Ostschweiz Zürich Zürich<br />
Quelle: BFS/ bfu<br />
118 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
sionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen und<br />
den Kollisionen an Knoten zeigt sich im L<strong>auf</strong>e des<br />
Tages ein leichter Anstieg. Zugleich gibt es auch<br />
einige «peaks» im L<strong>auf</strong>e der frühen Morgenstunden<br />
(vor 6:30), die allerdings <strong>auf</strong>grund geringer<br />
Fallzahlen wenig zuverlässig sein dürften. Das <strong>auf</strong>fälligste<br />
Merkmal dieser beiden Unfallklassen ist<br />
jedoch, dass sie in der Nacht nur selten stattfinden,<br />
da dann die möglichen Kollisionsgegner «fehlen».<br />
Am späten Nachmittag hingegen gibt es für beide<br />
Unfallklassen einen Gipfel in Bezug <strong>auf</strong> die Häufigkeit.<br />
Er könnte mit einer grossen Verkehrsdichte<br />
am Nachmittag zu tun haben.<br />
Für die Unfallklasse Kollision mit festem Hindernis<br />
ausserhalb der Fahrbahn hingegen zeigt sich eine<br />
abnehmende Häufigkeit und etwa gleichzeitig eine<br />
zunehmende Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
am Vormittag bis etwa gegen Mittag.<br />
Allfällige polizeiliche Aktivitäten sollten sich an den<br />
zeitlichen Merkmalen der Unfallklassen ausrichten.<br />
2.9.1 Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen<br />
Der deutliche Anstieg der Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen nachmittags und<br />
abends könnte <strong>auf</strong> verschiedene Faktoren wie z. B.<br />
Eile, Müdigkeit oder andere Faktoren zurückzuführen<br />
sein. Hier wären weitere Studien zur genauen<br />
Problemanalyse sinnvoll. Auf jeden Fall sollte sich –<br />
wie bereits oben angesprochen – die polizeiliche<br />
Aktivität <strong>auf</strong> die kritischen Uhrzeiten und eher stark<br />
frequentierte Strassen konzentrieren.<br />
2.9.2 Kollision mit festem Hindernis ausserhalb<br />
der Fahrbahn<br />
Kollisionen mit festen Hindernissen ereignen sich<br />
mit 2 Gipfeln: in Wochenendnächten und generell<br />
nachmittags. Bei den Wochenendnachtunfällen<br />
dürften Alkohol und Übermüdung eine Rolle spielen,<br />
so dass sich hier Polizeikontrollen als Intervention<br />
anbieten. Die Unfälle an den Nachmittagen<br />
hingegen lassen eher andere Ursachen als Alkohol<br />
erwarten. Möglich sind z. B. allgemeine Ermüdung<br />
im Rahmen des zirkadianen Schlaf-Wachrhythmus<br />
des Menschen aber auch der Einfluss von Schlafstörungen,<br />
z. B. durch Apnoe oder Schichtarbeit<br />
u.ä. Dem Thema der Müdigkeit im Strassenverkehr<br />
ist generell mehr Aufmerksamkeit zu widmen.<br />
2.9.3 Kollision an Knoten<br />
Bezüglich der Verteilung nach Häufigkeit und<br />
Schwere der Verletzungen nach Uhrzeit bieten sich<br />
keine besonderen Massnahmen an. Sowohl bauliche<br />
Veränderungen, welche die Knoten sicherer<br />
machen, als auch Polizeikontrollen hinsichtlich der<br />
Geschwindigkeiten sind sinnvoll, wobei die Polizeikontrollen<br />
vor allem nachmittags stattfinden sollten.<br />
2.10 Wochentag<br />
Der Wochentag hat keine eindeutige Beziehung<br />
zur Unfallschwere oder –häufigkeit. Bei den Kollisionen<br />
an Knoten ist die Schwere dienstags und<br />
mittwochs grösser als an anderen Wochentagen,<br />
die Anzahl der Getöteten ist jedoch mittwochs und<br />
donnerstags etwas höher als an den übrigen Tagen.<br />
Etwas eindeutiger sieht die Sache bei den<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
aus. Hier findet sich eine geringere Wahrschein-<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 119
lichkeit schwerer Verletzungen samstags und sonntags<br />
als unter der Woche. Von der Häufigkeit der<br />
Todesfälle her sind jedoch Freitag und Samstag am<br />
<strong>auf</strong>fälligsten.<br />
Als Massnahme bietet sich an, dass insbesondere<br />
die Polizeikontrollen <strong>auf</strong> den Freitag und den Samstag<br />
konzentriert werden. Dann ist die Wahrscheinlichkeit<br />
von erfolgreichen Kontrollen am grössten.<br />
Die Polizeiarbeit sollte sich dabei <strong>auf</strong> die 3 wichtigsten<br />
Faktoren Geschwindigkeit, Alkohol und <strong>Sicherheit</strong>sgurtbenützung<br />
konzentrieren. Diese Aktivität<br />
sollte möglichst von Öffentlichkeitskampagnen<br />
begleitet werden.<br />
2.11 Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
Die Dauer des Führerausweisbesitzes hat bei 2<br />
Unfallklassen einen signifikanten Zusammenhang<br />
mit der Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher<br />
Verletzungen. Bei den Kollisionen an Knoten ist der<br />
Effekt ziemlich gering und bezieht sich nur <strong>auf</strong> eine<br />
einzige Kategorie der Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
(15 bis 29 Jahre), so dass <strong>auf</strong> eine Interpretation<br />
verzichtet wird.<br />
Bei den Kollisionen mit einem entgegenkommen-<br />
den Fahrzeug zeichnet sich jedoch eine Abnahme<br />
der Wahrscheinlichkeit schwerer und schwerster<br />
Verletzungen mit zunehmender Dauer des Führerausweisbesitzes<br />
ab. Ab dem 4. Jahr sinkt das Risiko<br />
um rund 20 %. Auch die Anzahl der getöteten<br />
Personen geht mit jedem Jahr Fahrerfahrung zurück.<br />
Als Massnahme gegen diese Unfallklasse und<br />
zur Verminderung seiner Schwere wird daher vorgeschlagen,<br />
dass während der Zeit des Führerausweises<br />
<strong>auf</strong> Probe (die ersten 3 Jahre nach Führerausweiserwerb)<br />
das Überholen <strong>auf</strong> nicht richtungsgetrennten<br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> verboten wird. Über<br />
die konkrete Umsetzung müsste noch genauer<br />
nachgedacht werden, da sich beispielsweise die<br />
Frage stellt, wie man eine solche Massnahme kontrollierbar<br />
gestalten kann (Erkennbarkeit des Neulenkers<br />
durch die Polizei).<br />
2.12 Strassenkategorie<br />
Die Variable Strassenkategorie sagt aus, in wessen<br />
Besitz sich die Strasse befindet. Dabei ergab sich,<br />
dass bei Unfällen <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> im Besitz<br />
des Bundes eine höhere Wahrscheinlichkeit schwerer<br />
Verletzungen besteht als <strong>auf</strong> Kantons- und<br />
Gemeindestrassen – und dies, obwohl die Strassenarten<br />
statistisch kontrolliert wurden. Von der<br />
absoluten Häufigkeit her, kann man allerdings<br />
sagen, dass es sich hier nur um einen kleineren<br />
Anteil des tödlichen Unfallgeschehens handelt.<br />
Dazu kommt auch noch das Problem, dass diese<br />
Variable zeitweise nicht korrekt ausgefüllt wurde<br />
(sehr viele Angaben zur Kategorie «Andere»), so<br />
dass <strong>auf</strong> eine Interpretation verzichtet wird.<br />
3. Weitere Präventionsmassnahmen<br />
Die bisher präsentierten Massnahmen zur Verhütung<br />
der Unfälle <strong>auf</strong> Landstrassen sind möglichst<br />
klar aus dem Unfallgeschehen abgeleitet worden.<br />
Es gibt allerdings noch weitere Massnahmen, die<br />
sich nicht zwingend aus dem Unfallgeschehen<br />
ergeben. Diese werden hier präsentiert, weil sie ein<br />
erhebliches Potential für die Prävention haben.<br />
3.1 Safety Audit<br />
Ein Safety Audit zur <strong>Sicherheit</strong>süberprüfung von<br />
Strassenbauprojekten ist in der Schweiz eingeführt.<br />
Die SN 640 712 Strassenverkehrssicherheit; <strong>Sicherheit</strong>saudit<br />
für Projekte von Strassenverkehrsan-<br />
120 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
lagen [52] regelt den Abl<strong>auf</strong>. Ausgebildete Safety<br />
Auditoren sollen <strong>Sicherheit</strong>smängel am Projekt mit<br />
der Hilfe von Checklisten erkennen und verhindern.<br />
Bei <strong>Ausserortsstrassen</strong> sollte immer ein Safety Audit<br />
durchgeführt werden. Das <strong>Sicherheit</strong>sprogramm<br />
der Schweiz «Via sicura» sieht vor, Safety Audits<br />
zwingend durchzuführen. Im bfu-<br />
Grundlagenbericht VESIPO [53] werden Nutzen/Kosten<br />
Faktoren aus Dänemark mit 1.5:1 und<br />
aus Neuseeland mit 20:1 ausgewiesen.<br />
3.2 Road Safety Inspection<br />
Road Safety Inspections dienen dazu, bestehende<br />
Strassenabschnitte <strong>auf</strong> <strong>Sicherheit</strong>smängel hin zu<br />
überprüfen. Das Verfahren wird in verschiedenen<br />
Ländern (z. B. Österreich und Deutschland) bereits<br />
angewandt. Es gibt in der Schweiz noch kein einheitliches<br />
oder normiertes Verfahren von Road<br />
Safety Inspections. Die zuständige Expertenkommission<br />
will sich diesem Anliegen in der nächsten<br />
Zeit widmen. Auch der Bericht Via sicura fordert,<br />
dass «Verkehrsicherheitsbeurteilungen» für bestehende<br />
und neue Infrastrukturen koordiniert einzuführen<br />
sind. Damit sind die Road Safety Inspection<br />
und das Road Safety Audit gemeint.<br />
Im Rahmen des EU Projektes RIPCORD wurde eine<br />
«Best Practice» von Road Safety Inspection der<br />
verschiedenen Länder erarbeitet. Diese Erkenntnisse<br />
werden der Schweiz als Grundlage zur Herstellung<br />
der SN dienen.<br />
Angesichts der Tatsache, dass es deutlich mehr<br />
bereits gebaute als neu zu erstellende Strassen<br />
gibt, dürfte der Road Safety Inspection eine erheblich<br />
grössere Bedeutung für die Verkehrssicherheit<br />
<strong>auf</strong> Landstrassen zukommen als dem Safety Audit.<br />
3.3 Rüttelstreifen<br />
Rüttelstreifen werden <strong>auf</strong> der Randlinie oder der<br />
Mittelmarkierung angebracht, und sind in der<br />
Schweiz noch selten anzutreffen (Abbildung 25).<br />
Rüttelstreifen können die Unfallklassen Kollision<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen, Kollision<br />
mit festem Hindernis ausserhalb der Fahrbahn und<br />
Unfälle ohne Kollision verhindern helfen. Wenn ein<br />
Fahrzeug über einen Rüttelstreifen fährt, ertönt ein<br />
lautes, singendes Geräusch. Zudem beginnt das<br />
Fahrzeug zu vibrieren. Der Fahrzeuglenker wird<br />
also regelrecht wachgerüttelt und er kann seine<br />
Fahrt entsprechend korrigieren. Weil diese Rüttelstreifen<br />
(sie werden auch Stufenmarkierung genannt)<br />
beim Befahren ein lautes Geräusch erzeugen,<br />
sollen Sie nur angebracht werden, wenn im<br />
Abstand von mindestens 300 m kein bewohntes<br />
Gebäude steht. Die Einsatzgebiete beschränken<br />
Abbildung 25<br />
Beispiel eines Rüttelstreifens<br />
Quelle: bfu<br />
bfu-Report Nr. 61 Massnahmen 121
sich also gerade <strong>auf</strong> die Strassen ausserorts.<br />
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass diese<br />
Massnahme eine grosse Reduktion der Unfälle<br />
bewirkt. Perrillo [54] beschreibt, dass Rüttelstreifen<br />
am Fahrbahnrand die Unfälle durch Abkommen<br />
von der Fahrbahn um 65 % reduziert hat. Cheng<br />
et al. [55] fanden heraus, dass Freeways mit Fahrbahnrand–Rüttelstreifen<br />
eine kleinere Unfallrate<br />
hatten als Freeways ohne Rüttelstreifen. Das Nutzen/Kosten-<br />
Verhältnis spricht klar für das Applizieren<br />
von Rüttelstreifen: Ein Überblick von 50 Staaten<br />
in den USA zeigt ein Nutzen/Kosten-Verhältnis<br />
von 50:1.<br />
Um die Kollisionen mit entgegenkommenden Fahr-<br />
zeugen zu verhindern sollten Rüttelstreifen <strong>auf</strong> der<br />
Mittelmarkierung von Hauptstrassen angebracht<br />
werden. Die <strong>Sicherheit</strong>s- und Vorwarnlinien sollen<br />
generell als Rüttelstreifen, die unterbrochenen<br />
Leitlinien nur bei einem DTV > 10 000 als Rüttelstreifen<br />
ausgeführt werden. Dies muss in der SN<br />
640 850 Markierungen; Ausgestaltung und Anwendungsbereiche<br />
[56] bei der nächsten Revision<br />
berücksichtigt werden.<br />
Randlinien sollen <strong>auf</strong> Haupt- und Nebenstrassen als<br />
Rüttelstreifen ausgebildet werden, wenn die Gefahr<br />
einer Kollision mit einem festen Hindernis<br />
ausserhalb der Fahrbahn besteht.<br />
Auf Autostrassen sind keine Rüttelstreifen vorzusehen,<br />
weil diese mit Leitschrankensystemen gesichert<br />
sein sollen.<br />
122 Massnahmen bfu-Report Nr. 61
IX. Methodenkritik<br />
Im vorliegenden Bericht wurde ein besonderer<br />
Zugang zum Unfallgeschehen gewählt. Es wurde<br />
nicht untersucht, inwieweit sich die äusseren Bedingungen<br />
von Unfällen sich von einer wie auch<br />
immer gearteten Vergleichsgruppe von Nicht-<br />
Unfällen unterscheiden. Dies wäre notwendig gewesen,<br />
wenn man Risikofaktoren für das Entstehen<br />
eines Unfalls hätte erarbeiten wollen. Stattdessen<br />
wurde <strong>auf</strong> der Grundlage der bestehenden Verkehrsunfallstatistik<br />
ein Vergleich der Unfallbedingungen<br />
bei Personen mit schweren oder tödlichen<br />
Verletzungen und Personen mit leichten oder sogar<br />
keinen Verletzungen durchgeführt. Man bekommt<br />
also nicht Informationen darüber, warum sich ein<br />
Unfall ereignet hat, sondern was die Risikofaktoren<br />
für besonders schwere Verletzungen sind, wenn<br />
sich ein Unfall ereignet. Der Vorteil dieses Vorgehens<br />
ist, dass sich der Aufwand dafür in Grenzen<br />
hält, weil keine eigenen Daten erhoben werden<br />
müssen. Umgekehrt ist es dann auch so, dass man<br />
sich <strong>auf</strong> die Qualität der Daten verlässt, die von den<br />
Polizisten erhoben und vom Bundesamt für Statistik<br />
(BFS) <strong>auf</strong> Plausibilität und Konsistenz geprüft<br />
werden. Natürlich beinhalten solche Datensätze<br />
immer noch Fehler. Aber trotzdem sind sie in der<br />
Verkehrssicherheitsforschung eine wichtige Informationsquelle.<br />
Die Methode der multiplen logistischen Regression<br />
erlaubte es, mögliche konfundierende Variablen zu<br />
kontrollieren, so konnte z. B. die Wirkung der<br />
Schutzeinrichtungen wie <strong>Sicherheit</strong>sgurten vom<br />
Alter der Personen getrennt werden. Da junge<br />
Verkehrsteilnehmer weniger häufig Gebrauch vom<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurt machen, wären ansonsten bei univariaten<br />
Analysen die negativen Effekte des jugendlichen<br />
Alters über- und der positive Effekt des<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurts unterschätzt worden.<br />
Ein Nachteil bei der multiplen logistischen Regression<br />
ist jedoch, dass nur diejenigen Personen in die<br />
Analysen <strong>auf</strong>genommen werden, die bei allen Variablen<br />
eine Angabe haben. Dies führte dann dazu,<br />
dass z. B. abgewogen werden musste, ob man<br />
Informationen über den Führerausweis (insbesondere<br />
die Dauer des Führerausweisbesitzes) als Variable<br />
verwenden wollte oder nicht. Der Preis dafür<br />
war, dass dann Verkehrsteilnehmer, die keinen<br />
Führerausweis benötigen, von den Analysen ausgeschlossen<br />
waren. Im vorliegenden Bericht betrifft<br />
dies vor allem die Fahrradfahrer. Obwohl <strong>auf</strong><br />
Landstrassen auch eine nicht unbeträchtliche Anzahl<br />
von Fahrradfahrern ums Leben kommt, wurde<br />
entschieden, dass die Information zu den Führerausweisen<br />
wichtiger sei. Dieser Entscheid fiel insofern<br />
leicht, als dass die bfu –Schweizerische Beratungsstelle<br />
für Unfallverhütung erst kürzlich ein<br />
umfassendes <strong>Sicherheit</strong>sdossier zum Thema Fahrradverkehr<br />
veröffentlicht hat [57].<br />
bfu-Report Nr. 61 Methodenkritik 123
Ein weiteres Problem bei den hier durchgeführten<br />
Analysen ist, dass die Unfälle <strong>auf</strong> Ausserortsstras-<br />
sen in 5 Unfallklassen <strong>auf</strong>geteilt worden sind. So-<br />
wohl die Unfallklassen als auch die den einzelnen<br />
Klassen zugeteilten Unfalltypen stellen jedoch eine<br />
subjektive Auswahl dar. Dies wurde so transparent<br />
wie möglich gemacht, so dass andere Forscher und<br />
Verkehrssicherheitsexperten diese Klassifikation<br />
nachvollziehen können. Das Ziel war einerseits eine<br />
möglichst grosse Anzahl von Personen für die statistischen<br />
Analysen zu haben. Daraus ergab sich,<br />
dass es eine gröbere Klassifizierung als die Unfalltypen<br />
des offiziellen Unfallprotokolls sein müsste.<br />
Andererseits sollten die Kategorien jedoch auch<br />
sehr spezifisch sein und mussten daher ein<br />
möglichst ähnliches Unfallgeschehen beinhalten.<br />
Darüber hinaus sollten die Unfallklassen den allergrössten<br />
Teil der Unfälle <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> mit<br />
einbeziehen. Es ergaben sich die 5 Unfallkategorien,<br />
die 88 % aller <strong>auf</strong> Ausserortstrassen getöteten<br />
Personen abdecken.<br />
Die logistischen Regressionen erbrachten zum<br />
überwiegenden Teil sehr plausible Resultate hin-<br />
sichtlich der Risikofaktoren für die Schwere der<br />
Verletzungen. Ein Blick <strong>auf</strong> die Anteile <strong>auf</strong>geklärter<br />
Varianzen ist jedoch ernüchternd. Wie in Abbildung<br />
26 <strong>auf</strong>gezeigt wird, liegt der Anteil <strong>auf</strong>geklärter<br />
Varianz bei 4 der 5 Unfallklassen bei rund<br />
1/4 (23–27 %).<br />
Darüber hinaus zeigt sich auch, dass bereits mit<br />
den ersten 3 bis 4 Variablen der weitaus grösste<br />
Teil der maximalen Varianz erreicht ist. Die wichtigsten<br />
Variablen sind<br />
1. das benützte Fortbewegungsmittel und dort vor<br />
allem die motorisierten Zweiräder<br />
2. die Benützung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />
Danach folgen noch der Verdacht <strong>auf</strong> Alkohol<br />
beim Lenker, die Region in welcher sich der Unfall<br />
ereignet hat, das Alter der beteiligten Person sowie<br />
– bei den Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn – das Kollisionsobjekt.<br />
Bei den Kollisionen mit Fussgängern sieht das Bild<br />
anders aus. Hier können 45 % der Varianz <strong>auf</strong>geklärt<br />
werden. Der wichtigste Risikofaktor ist, ob<br />
Abbildung 26<br />
Anteile in Prozent <strong>auf</strong>geklärter Varianz der Wahrscheinlichkeit schwerer und tödlicher Verletzungen nach Unfallklasse und Anzahl<br />
Variablen<br />
100<br />
90<br />
80<br />
70<br />
60<br />
50<br />
40<br />
30<br />
20<br />
10<br />
0<br />
Quelle: bfu<br />
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20<br />
Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen Kollisionen mit festen Hindernissen am Strassenrand<br />
Kollisionen an Knoten Unfälle ohne Kollisionen<br />
Kollisionen mit Fussgängern<br />
124 Methodenkritik bfu-Report Nr. 61
man als Fussgänger verunfallt ist oder nicht. Dies<br />
allein erklärt schon mehr als 40 % der Varianz der<br />
Verletzungsschwere. Danach folgt das Verkehrsmittel,<br />
wo wiederum die Zweiradbenutzer mit oder<br />
ohne Motorisierung ein deutlich höheres Risiko<br />
<strong>auf</strong>weisen als die Personenwageninsassen.<br />
Dass der Anteil <strong>auf</strong>geklärter Varianz eher gering ist,<br />
ist nicht ganz unerwartet. Einer der wichtigsten<br />
Prädiktoren für die Verletzungsschwere ist die Geschwindigkeit,<br />
mit welcher ein Unfall stattfand.<br />
Diese Information ist jedoch in der Unfallstatistik<br />
nicht vorhanden. Die Geschwindigkeitslimiten,<br />
welche Eingang in die Auswertungen fanden, stellen<br />
hier nur einen (unzureichenden) Ersatz dar.<br />
Daneben dürften auch Alter des Fahrzeugs, der<br />
Fahrzeugtyp, die Fahrzeugmarke, die genaue Art<br />
des Unfalls oder auch das Vorhandensein von Airbags<br />
eine erhebliche Rolle spielen. Insgesamt spiegeln<br />
diese Auswertungen wider, dass das Unfallprotokoll<br />
mit seinen heutigen Inhalten nur eine<br />
unvollständige Beschreibung des Unfallgeschehens<br />
liefert.<br />
Möglicherweise könnte hier das amerikanische<br />
System des Model Minimum Uniform Crash Criteria<br />
(MMUCC) einen Beitrag leisten. MMUCC ist ein<br />
Mindestsystem an welches sich alle amerikanischen<br />
Staaten halten sollen, um die Ergebnisse der Unfallanalyse<br />
<strong>auf</strong> nationaler Ebene vergleichbar zu<br />
machen. Dort wird z. B. unterschieden nach dem<br />
ersten und dem schlimmsten «harmful event». Im<br />
schweizerischen Unfallprotokoll wird hingegen nur<br />
«die Konfliktsituation, welche massgebend für die<br />
Entstehung des Unfalls ist» protokolliert. Daher ist<br />
es durchaus möglich, dass ein verhältnismässig<br />
harmloses Ereignis (z. B. Streifen mit einem entgegenkommenden<br />
Fahrzeug, Unfalltyp 22) erst durch<br />
ein nachfolgendes Ereignis (z. B. Abkommen von<br />
der Strasse und Kollision mit einem festen Hindernis<br />
ausserhalb der Fahrbahn, Unfalltyp 13) sehr<br />
schwerwiegend wird. Und trotzdem müsste der<br />
Polizist korrekterweise den Unfalltyp 22 angeben<br />
und nicht den Unfalltyp 13.<br />
Insgesamt muss man also schlussfolgern, dass allein<br />
aus den Unfalldaten zwar wichtige, aber eben<br />
noch längst nicht alle relevanten Informationen für<br />
die Verletzungsschwere abgeleitet werden können.<br />
bfu-Report Nr. 61 Methodenkritik 125
X. Schlussfolgerungen<br />
Die Verringerung der Verletzungsschwere ist über<br />
viele Jahre hinweg die erfolgversprechendste Methode<br />
der Unfallverhütung gewesen. Erwähnt werden<br />
sollen in diesem Zusammenhang vor allem die<br />
Knautschzonen der Fahrzeuge, der <strong>Sicherheit</strong>sgurt<br />
und der Airbag. In der vorliegenden Arbeit wurde<br />
ebenfalls dieser Weg gewählt. Die Frage lautete:<br />
Was sind die Faktoren, die einen wichtigen Einfluss<br />
<strong>auf</strong> die Wahrscheinlichkeit schwerer oder tödlicher<br />
Verletzungen haben? Die hier durchgeführten<br />
Analysen zeigten <strong>auf</strong>, dass es eine ganze Reihe von<br />
Risikofaktoren gibt, die einen Einfluss <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere<br />
haben. Viele von ihnen sind bekannt,<br />
andere eher weniger, manche sind veränderbar,<br />
andere hingegen können nicht beeinflusst<br />
werden. Im Folgenden werden die 21 signifikanten<br />
Risikofaktoren und die aus ihnen abgeleiteten<br />
Massnahmen dargestellt:<br />
1. Dass das Motorradfahren gefährlich ist, ist bekannt<br />
und wird auch durch diese Studie belegt.<br />
Hier besteht Handlungsbedarf, zu dem die bfu<br />
mit dem <strong>Sicherheit</strong>sdossier Motorrad [3] diverse<br />
Präventionsmöglichkeiten <strong>auf</strong>zeigen wird. Bei<br />
den Personenwagen findet eine rasante technische<br />
Weiterentwicklung statt, die auch die Verkehrssicherheit<br />
weiter verbessern wird. Zu nennen<br />
ist hier insbesondere die elektronische Stabilitätskontrolle,<br />
die als beste Verkehrssicherheitsmassnahme<br />
seit Einführung des <strong>Sicherheit</strong>sgurts<br />
gilt.<br />
2. Die Benutzung von <strong>Sicherheit</strong>sgurt und Helm<br />
leistet einen wichtigen Beitrag zur Verminderung<br />
der Verletzungsschwere und sollte auch<br />
zukünftig gefördert werden. Beispielhaft soll<br />
dazu die durch den Fonds für Verkehrssicher-<br />
heit (FVS) finanziell geförderte <strong>Sicherheit</strong>sgurtkampagne<br />
«Ein Band fürs Leben» genannt<br />
werden.<br />
3. Bei Kollisionen mit festen Hindernissen ausserhalb<br />
der Fahrbahn hat die Art des Hindernisses<br />
grossen Einfluss <strong>auf</strong> die Verletzungsschwere.<br />
Bäume sind die gefährlichsten und häufigsten<br />
Hindernisse. Es besteht dringender Bedarf nach<br />
hindernisfreien Räumen am Strassenrand, nach<br />
einer geringen Böschungsneigung von höchstens<br />
1:4 oder nach Leitschrankensystemen, die<br />
vor Hindernissen schützen.<br />
4. Der Konsum von Alkohol wirkt sich nicht nur<br />
negativ <strong>auf</strong> die Unfallwahrscheinlichkeit, sondern<br />
auch <strong>auf</strong> die Schwere von Verletzungen<br />
aus. Auch diesem Problem ist grosse Aufmerksamkeit<br />
zu widmen. Anzustreben sind dabei vor<br />
allem vermehrte Polizeikontrollen und ein Alkoholverbot<br />
für Neulenker.<br />
5. Als ein wichtiger Risikofaktor für die Verletzungsschwere<br />
erwies sich die Grossregion, in<br />
der sich der Unfall ereignete. Allerdings handelte<br />
es sich nicht für alle Unfallklassen um dieselben<br />
Regionen. Hier besteht noch weiterer Forschungs-<br />
und Klärungsbedarf.<br />
6. Mit zunehmendem Alter der in Unfälle verwickelten<br />
Personen steigt die Wahrscheinlichkeit<br />
von schweren Verletzungen an. Dies dürfte <strong>auf</strong><br />
die mit dem Alter zunehmende Verletzlichkeit<br />
des menschlichen Körpers zurückzuführen sein.<br />
Dagegen lässt sich leider nicht viel tun. Allerdings<br />
wäre es für die älteren Benutzenden vorteilhafter,<br />
wenn sie Fahrzeuge mit den neuesten<br />
<strong>Sicherheit</strong>stechnologien lenken würden.<br />
126 Schlussfolgerungen bfu-Report Nr. 61
Dies könnte ihre körperlichen Schwächen noch<br />
am ehesten kompensieren.<br />
7. Frauen haben eine grössere Wahrscheinlichkeit<br />
als Männer, schwere Verletzungen zu erleiden.<br />
Ihr Risiko, als Lenkerinnen in einen Unfall verwickelt<br />
zu werden, ist – bezogen <strong>auf</strong> die Fahrleistungen<br />
– in etwa gleich gross wie jenes der<br />
Männer. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit,<br />
dass der Unfall eines Autofahrers <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
tödlich endet, erheblich grösser als<br />
der Unfall einer Autofahrerin. Mehr Frauen am<br />
Steuer statt <strong>auf</strong> dem Beifahrersitz und mehr<br />
Männer <strong>auf</strong> dem Beifahrersitz statt am Steuer<br />
würden einen <strong>Sicherheit</strong>sgewinn bringen.<br />
8. Die Strassenart erwies sich von unterschiedlicher<br />
Bedeutung für die Unfallklassen. Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen haben<br />
<strong>auf</strong> Autostrassen bedeutend schwerere<br />
Folgen als <strong>auf</strong> den anderen Strassenarten. Deswegen<br />
werden hier und <strong>auf</strong> stark frequentierten<br />
Hauptstrassen (DTV >10 000) durchgängig<br />
Mittelleitplanken gefordert. Auf Haupt- und<br />
Nebenstrassen hingegen ist die Wahrscheinlichkeit,<br />
schwere Verletzungen zu erleiden, bei Kollisionen<br />
mit festen Hindernissen ausserhalb der<br />
Fahrbahn besonders gross. Daher werden für<br />
diese Strassen 6 Meter hindernisfreie Räume<br />
oder ersatzweise Leitschrankensysteme gefordert<br />
(siehe auch Punkt 3).<br />
9. Fussgänger haben bei weitem das grösste Risiko,<br />
bei einem Unfall <strong>auf</strong> einer Ausserortsstrasse<br />
schwer verletzt oder getötet zu werden. Dies ist<br />
bei Unfällen mit so hohen Geschwindigkeiten<br />
auch kaum anders zu erwarten. Eine weitestgehende<br />
zeitliche und/oder räumliche Trennung<br />
ist hier notwendig. Aber auch für die Beifahrer<br />
vorne besteht ein erhöhtes Risiko. Sicherer wären<br />
sie <strong>auf</strong> den Rücksitzen – aber nur, wenn<br />
dort auch der <strong>Sicherheit</strong>sgurt immer benutzt<br />
würde. Dies ist allerdings bis anhin nicht der<br />
Fall.<br />
10. Hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit schwerer<br />
Verletzungen unterscheiden sich gerade Strecken<br />
und Kurven bei den verschiedenen Unfallklassen<br />
nicht (mit einer Ausnahme). Die Folgen<br />
von Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen<br />
sind jedoch in Kurven etwas weniger<br />
schwer als <strong>auf</strong> geraden Strecken. In Kurven ereignen<br />
sich allerdings gesamthaft wesentlich<br />
mehr Unfälle mit Getöteten. Grosse Kurvenradien,<br />
befestigte breite Bankette und eine grosse<br />
Strassenbreite sind wichtige Faktoren für sichere<br />
Kurven. Einige Änderungen in den Schweizer<br />
Strassenbaunormen sind dafür notwendig und<br />
sinnvoll.<br />
11. Die Geschwindigkeit beim Unfall ist einer der<br />
entscheidenden Faktoren für die Unfallschwere.<br />
Auch wenn in der Schweiz <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong><br />
keine generell tiefere Geschwindigkeitslimite<br />
geplant ist, so sollte sie doch <strong>auf</strong> nachweislich<br />
gefährlichen Strecken abschnittsweise<br />
herabgesetzt werden.<br />
12. Die Resultate bezüglich des Strassenzustands<br />
erwiesen sich als etwas kontraintuitiv: Schwierigere<br />
Strassenverhältnisse wie Nässe und insbesondere<br />
Schnee gehen mit einer geringeren<br />
Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen einher.<br />
13. Die Längsneigung der Strasse – egal ob Steigung<br />
oder Gefälle – führt zu Unfällen von eher<br />
geringerer Schwere als <strong>auf</strong> ebenen Strassen. Die<br />
mutmasslich an den Unfällen schuldigen Personen<br />
scheinen allerdings häufiger bergab als<br />
berg<strong>auf</strong> zu fahren. Daher werden für problematische<br />
Gefällstrecken niedrigere Höchstgeschwindigkeiten<br />
vorgeschlagen.<br />
14. Die Analysen der Vortrittsregelungen führen zu<br />
wenig einheitlichen Resultaten. Am gefährlichs-<br />
bfu-Report Nr. 61 Schlussfolgerungen 127
ten (aber auch selten) sind Tram- oder Bahnvortritt.<br />
Lichtsignalanlagen sind je nach Unfallklasse<br />
mehr oder weniger sicher.<br />
15. Uneinheitliche Ergebnisse gibt es auch für die<br />
Signalisation der Höchstgeschwindigkeit. Auch<br />
hier gibt es positive wie negative Resultate je<br />
nach Unfallklasse.<br />
16. Die Resultate hinsichtlich der Verletzungsschwere<br />
nach Uhrzeit sind auch nicht eindeutig. Es<br />
leuchtet ein, dass sich Unfälle mit mindestens 2<br />
Unfallgegnern nachts eher selten ereignen, da<br />
dann der Verkehr weniger intensiv ist.<br />
17. Die Resultate betreffend die künstliche Beleuchtung<br />
sind nicht ganz einheitlich. Diese hat bei<br />
den meisten Unfallklassen einen sicherheitsfördernden<br />
Effekt (geringere Wahrscheinlichkeit<br />
schwerer Verletzungen).<br />
18. An Wochenenden ereignen sich vermehrt Kollisionen<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen.<br />
Die Wahrscheinlichkeit schwerer Verletzungen<br />
ist allerdings unter der Woche grösser. Als Gegenmassnahmen<br />
sind hier insbesondere vermehrte<br />
Polizeikontrollen der wichtigsten Risikofaktoren<br />
Geschwindigkeit, Alkohol und <strong>Sicherheit</strong>sgurtbenützung<br />
zu erwähnen. Wichtig wären<br />
diese vor allem tagsüber und abends, da<br />
dann wegen des grösseren Verkehrs<strong>auf</strong>kommens<br />
Kollisionen mit anderen Fahrzeugen<br />
wahrscheinlicher sind.<br />
19. Eine Rolle im Unfallgeschehen spielt auch, wer<br />
der Eigentümer des Fahrzeugs ist. Das Benützen<br />
von fremden Fahrzeugen (Mietwagen, Firmenwagen)<br />
geht mit einer geringeren Unfallschwere<br />
einher und sollte deshalb gefördert werden.<br />
Angesichts eines Kundenstamms von beispielsweise<br />
80 000 Mitgliedern bei Mobility [4] ist jedoch<br />
bei Massnahmen in diesem Bereich nicht<br />
mit einem grossen Effekt <strong>auf</strong> die Verkehrssi-<br />
cherheit zu rechnen. Die weitaus meisten Fahrzeuge<br />
werden weiterhin in Privatbesitz bleiben.<br />
20. Die Dauer des Führerausweisbesitzes von 3 und<br />
weniger Jahren erhöht bei Kollisionen mit entgegenkommenden<br />
Fahrzeugen das Risiko einer<br />
schweren Verletzung. Für Neulenker während<br />
der Periode des Führerscheins <strong>auf</strong> Probe wäre<br />
ein Überholverbot <strong>auf</strong> Strassen ohne bauliche<br />
Fahrtrichtungstrennung zumindest diskussionswürdig.<br />
21. Die Strassenkategorie (Eigentumsverhältnisse<br />
der Strasse) spielte einzig beim Unfalltyp «Kollision<br />
mit entgegenkommenden Fahrzeugen» eine<br />
Rolle. Verkehrsteilnehmer <strong>auf</strong> Nationalstrassen<br />
(und marginal Kantonsstrassen) weisen ein<br />
höheres Risiko <strong>auf</strong>, schwere Verletzungen zu erleiden,<br />
als <strong>auf</strong> Gemeindestrassen. Bund und<br />
Kantone sind hier also hinsichtlich der Finanzierung<br />
der notwendigen Infrastrukturmassnahmen<br />
stärker gefordert als die Gemeinden.<br />
Weitere Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrssicherheit,<br />
die sich nicht zwingend aus dem<br />
Unfallgeschehen ergeben, aber dennoch ein erhebliches<br />
Potenzial für die Prävention haben, sind Safety<br />
Audits für Strassenneubauten sowie Road Safety<br />
Inspections für bestehende Strassen. Insbesondere<br />
letzteren dürfte eine erhebliche Bedeutung für die<br />
Verkehrssicherheit <strong>auf</strong> <strong>Ausserortsstrassen</strong> zukommen.<br />
Eine Massnahme, die den Autofahrern generell<br />
helfen kann, <strong>auf</strong> der Fahrbahn und in der richtigen<br />
Spur zu bleiben, sind die sogenannten Rüttelstreifen.<br />
Leider verursachen sie Lärm und können daher<br />
nur in ausreichendem Abstand zu Wohngebieten<br />
eingesetzt werden.<br />
128 Schlussfolgerungen bfu-Report Nr. 61
In der wissenschaftlichen Literatur wird immer<br />
wieder erwähnt, dass sich das Unfallgeschehen <strong>auf</strong><br />
<strong>Ausserortsstrassen</strong> ziemlich dispers verteilt, d. h.,<br />
dass es wenig lokale Unfallschwerpunkte gibt, die<br />
es sich lohnen würde zu sanieren. Diese These<br />
wurde auch für die Schweiz überprüft und konnte<br />
– mit wenigen Ausnahmen – bestätigt werden. Die<br />
Unfälle ereignen sich tatsächlich zumeist über das<br />
gesamte <strong>Ausserortsstrassen</strong>netz verteilt. Dies muss<br />
bei der Planung von Interventionen berücksichtigt<br />
werden.<br />
bfu-Report Nr. 61 Schlussfolgerungen 129
XI. Anhang<br />
1. Umfrage Strassennetz in Schweizer Gemeinden<br />
130 Anhang bfu-Report Nr. 61
fu-Report Nr. 61 Anhang 131
2. Umfrage Rettungswesen<br />
132 Anhang bfu-Report Nr. 61
fu-Report Nr. 61 Anhang 133
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Monash University; 1995. http://www.monash.edu.au. Zugriff am 19.03.09.<br />
bfu-Report Nr. 61 Quellenverzeichnis 135
[45] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Leiteinrichtungen. Zürich: VSS;<br />
1997. VSS-Norm SN 640 822.<br />
[46] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Lokalisierung und Rangierung<br />
von Unfallschwerpunkten. Zürich: VSS; 2006. VSS-Norm SN 640 009a.<br />
[47] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Knoten; Sichtverhältnisse.<br />
Zürich: VSS; 1992. VSS-Norm SN 640 273.<br />
[48] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Fussgängerverkehr; Fussgängerstreifen.<br />
Zürich: VSS; 2000. VSS-Norm SN 640 241.<br />
[49] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Besondere Markierungen;<br />
Anwendungsbereiche, Formen und Abmessungen. Zürich: VSS; 2002. VSS-Norm SN 640 851.<br />
[50] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Temporäre Signalisation <strong>auf</strong><br />
Haupt- und Nebenstrassen. Zürich: VSS; 2002. VSS-Norm SN 640 886.<br />
[51] S.A.F.E.Schweizerische Agentur für Energieeffizienz. ÖB: Volle <strong>Sicherheit</strong> – halber Stromverbrauch.<br />
ET Licht. 2008;40–41. www.energieeffizienz.ch. Zugriff am 19.03.2009.<br />
[52] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Sprechfunk und weitere Telekommunikationsmittel.<br />
Zürich: VSS; 1999. VSS-Norm SN 640 712a.<br />
[53] Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu. Erarbeitung der Grundlagen für eine<br />
Strassenverkehrssicherheitspolitik des Bundes (VESIPO). Bern; 2002. Schlussbericht 1022 A.<br />
[54] Perrillo K. The Effectiveness and Use of Continuous Shoulder Rumble Strips. Albany, New York:<br />
Federal Highway Administration; 1998. Transportation Research Record 1573.<br />
[55] Cheng EY, Gonzalez E, Christensen M. Application and Evaluation of Rumble Strips on Highways.<br />
Utah Department of Transportation.<br />
http://safety.fhwa.dot.gov/roadway_dept/rumble/synthesis/pro_res_rumble_library.htm. Zugriff<br />
am 26.11.2008.<br />
[56] Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS. Markierungen; Ausgestaltung<br />
und Anwendungsbereiche. Zürich: VSS; 2005. VSS-Norm SN 640 850a.<br />
[57] Walter E, Cavegn M, Allenbach R, Scaramuzza G. Fahrradverkehr: Unfallgeschehen, Risikofaktoren<br />
und Prävention. Bern: bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung; 2005. bfu-<strong>Sicherheit</strong>sdossier<br />
02.<br />
136 Quellenverzeichnis bfu-Report Nr. 61
fu-Reports<br />
Kostenlose Bestellungen unter http://www.bfu.ch/German/shop/Seiten/default.aspx<br />
Neuere Publikationen können zudem heruntergeladen werden.<br />
Die meisten bfu-Reports existieren nur in deutscher Sprache mit Zusammenfassungen in Französisch, Italienisch<br />
und Englisch.<br />
Report 60 Gianantonio Scaramuzza (2008)<br />
Prozess-Evaluation des bfu-Modells Tempo 50/30 innerorts – Umsetzung, Einstel-<br />
lungen und Kenntnis<br />
Report 59 Jacqueline Bächli-Biétry & Uwe Ewert (2008)<br />
Verhalten, Einstellungen und Unfallerfahrungen von Motorradfahrern – Eine<br />
Längsschnittstudie über 10 Jahre<br />
Report 58 Heini Sommer, Othmar Brügger, Christoph Lieb & Steffen Niemann (2007)<br />
Volkswirtschaftliche Kosten der Nichtberufsunfälle in der Schweiz: Strassenver-<br />
kehr, Sport, Haus und Freizeit<br />
Report 57 Chantal Piot-Ziegler, Pascal Gerber & Mélanie Demierre (2006)<br />
Evaluation du programme d’implantation du protecteur de hanches dans les<br />
établissements accueillant des personnes âgées<br />
Report 56 Othmar Brügger, Monique Walter & Vladmir Sulc (2005)<br />
Unfallprävention im Schneesport – Kenntnisse, Einstellungen und Verhalten der<br />
Schneesportler und Ausbildner<br />
Report 55 Beatrice Fuchs, Cécile Gmünder, Othmar Brügger, Mario Cavegn & Moni-<br />
que Walter (2005)<br />
Persönliche Schutzausrüstung im Schneesport – Erhebung des Tragverhaltens und<br />
der Traggründe<br />
Report 54 Othmar Brügger (2004)<br />
Helm und Handgelenkschutz im Schneesport – Schutzwirkung und Anforderun-<br />
gen<br />
Report 53 Uwe Ewert & Beatrice Fitz (2004)<br />
<strong>Sicherheit</strong>sgurt – Gründe für das Nichttragen und Massnahmen zur Erhöhung der<br />
Tragquote<br />
Report 52 Jacqueline Bächli-Biétry (2003)<br />
Evaluation der bfu-Nachschulungskurse für Alkohol<strong>auf</strong>fällige im Rahmen der EU-<br />
Studie ANDREA<br />
bfu-Report Nr. 61 bfu-Reports 137
Report 51 Ulrich Salvisberg, Roland Allenbach & Markus Hubacher (2003)<br />
Verkehrssicherheit in Autobahn- und Autostrassentunneln des Nationalstrassen-<br />
netzes<br />
Report 50 Othmar Brügger (Hrsg.) (2003)<br />
Inline-Skating: Unfallgeschehen und -prävention. Literaturübersicht – Unfallstudie<br />
– Schutzverhalten<br />
Report 49 Jacqueline Bächli-Biétry & Stefan Siegrist (2003)<br />
Dummies never die! – Ergebnis- und Prozessevaluation einer Unfallverhütungs-<br />
kampagne der bfu 1999–2001<br />
Report 48 Markus Hubacher & Roland Allenbach (2002)<br />
Anlagespezifische Untersuchung sicherheitsrelevanter Aspekte von vierarmigen<br />
Kreuzungen im Innerortsbereich<br />
Report 47 Stefan Siegrist, Jacqueline Bächli-Biétry & Steve Vaucher (2001)<br />
Polizeikontrollen und Verkehrssicherheit – Erhebung der Kontrolltätigkeit, Befra-<br />
gung von Fahrzeuglenkern und Polizeibeamten, Optimierungsvorschläge<br />
Report 46 Harry Telser & Peter Zweifel (2000)<br />
Prävention von Schenkelhalsfrakturen durch Hüftprotektoren – Eine ökonomische<br />
Analyse<br />
Report 45 Markus Hubacher (2000)<br />
Die Akzeptanz des Hüftprotektors bei zu Hause lebenden Senioren ab 70 Jahren<br />
Report 44 Markus Hubacher & Albert Wettstein (2000)<br />
Die Wirksamkeit des Hüftprotektors zur Vermeidung von sturzbedingten Schen-<br />
kelhalsfrakturen<br />
Report 43 Roland Müller (2000)<br />
Personen-Kollisionen beim Schneesport – Häufigkeit und mögliche Ursachen<br />
Report 42 Valeria Beer, Christoph Minder, Markus Hubacher & Theodor Abelin (2000)<br />
Epidemiologie der Seniorenunfälle<br />
Report 41 Stefan Siegrist, Roland Allenbach & Caroline Regli (1999)<br />
Velohelme – Erhebung des Tragverhaltens und der Traggründe<br />
Report 40 Stefan Siegrist (ed.) (1999)<br />
Driver training, testing and licensing – towards theory-based management of<br />
young drivers’ injury risk in road traffic<br />
Report 39 Roland Müller (1999)<br />
Fitness-Center – Verletzungen und Beschwerden beim Training<br />
Report 38 Uwe Ewert (1999)<br />
Autofahrer in der Schweiz und in Europa: Meinungen und Einstellungen im<br />
Längs- und Querschnittsvergleich<br />
Report 37 Jacqueline Bächli-Biétry (1998)<br />
Konkretisierung des Schweizer 2-Phasen-Modells der Fahrausbildung<br />
vergriffen<br />
nur als PDF verfügbar<br />
138 bfu-Reports bfu-Report Nr. 61
Report 36 Jacqueline Bächli-Biétry (1998)<br />
Konkretisierung eines Ausbildungskonzeptes für Velo- und Mofafahrer an der<br />
Oberstufe<br />
Report 35 Anne Eckhardt & Esther Seitz (1998)<br />
Wirtschaftliche Bewertung von <strong>Sicherheit</strong>smassnahmen<br />
Report 34 Amos S. Cohen (1998)<br />
Visuelle Orientierung im Strassenverkehr – Eine empirische Untersuchung zur<br />
Theorie des visuellen Abtastens<br />
Report 33 Gianantonio Scaramuzza & Uwe Ewert (1997)<br />
<strong>Sicherheit</strong>stechnische Analyse von Fussgängerstreifen – Empfehlungen zu Bau<br />
und Betrieb<br />
Report 32 Markus Hubacher & Uwe Ewert (1997)<br />
Das Unfallgeschehen bei Senioren ab 65 Jahren<br />
Report 31 Roland Allenbach, Markus Hubacher, Christian Ary Huber &<br />
Stefan Siegrist (1996)<br />
Verkehrstechnische und -psychologische <strong>Sicherheit</strong>sanalyse von Strassenabschnit-<br />
ten<br />
Report 30 Charles Fermaud, Hans Merz & Walter Müller (1996)<br />
Das Unfallgeschehen im Jahr 2010 – Unfallprognosen für Strassenverkehr, Sport<br />
und Haushalt als Grundlage für eine schwerpunktorientierte Unfallprävention<br />
Report 29 Lüzza Rudolf Campell (1996)<br />
Snowboardunfälle – Multizentrische schweizerische Snowboardstudie 1992/93<br />
Report 28 Uwe Ewert & Markus Hubacher (1996)<br />
Wirksamkeit von Informationsfilmen und Werbesports zur Unfallverhütung<br />
Report 27 Raphael Murri (1995)<br />
<strong>Sicherheit</strong>süberprüfung von Dachlastenträgern<br />
Report 26 Markus Hubacher & Uwe Ewert (1994)<br />
Einstellungen und Merkmale der Fahrzeugbenützung jugendlicher Velo- und<br />
Mofafahrer<br />
Report 25 Roland Haldemann & Walter Weber (1994)<br />
Verkehrssicherheit <strong>auf</strong> Schulwegen<br />
Report 24 Markus Hubacher (1994)<br />
Das Unfallgeschehen bei Kindern im Alter von 0 bis 16 Jahren<br />
Report 23 Stefan Siegrist (1994)<br />
5. Internationaler Workshop Driver Improvement (DI) in Locarno, 1993<br />
Report 22 Uwe Ewert (1994)<br />
Der Einfluss von Person und Situation <strong>auf</strong> die Beachtung von Verkehrsvorschriften<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
bfu-Report Nr. 61 bfu-Reports 139
Report 21 Raphael Denis Huguenin, Christian Scherer, Rolf-Peter Pfaff, Thomas<br />
Fuchs & Charles Goldenbeld (1994)<br />
Meinungen und Einstellungen von Autofahrern in der Schweiz und in Europa<br />
Report 20 Jörg Thoma (1993)<br />
Geschwindigkeitsverhalten und Risiken bei verschiedenen Strassenzuständen,<br />
Wochentagen und Tageszeiten<br />
Report 19 Stefan Siegrist (1992)<br />
Das Bedingungsgefüge von wiederholtem Fahren in angetrunkenem Zustand aus<br />
handlungstheoretischer Sicht – Grundlagen für die Erarbeitung einer spezialprä-<br />
ventiven Massnahme<br />
Report 18 Stefan Siegrist & Erich Ramseier (1992)<br />
Erfolgskontrolle von Fortbildungskursen für Autofahrer – Der Einfluss <strong>auf</strong> die<br />
Unfallbeteiligung, am Beispiel des Verkehrssicherheitszentrums Veltheim, VSZV<br />
Report 17 Thomas Nussbaum, Rudolf Groner & Marina Groner (1991)<br />
Regionale, situative und fahrbedingte Aspekte von Unfallprotokollen unter Be-<br />
rücksichtigung der Verkehrsdichte<br />
Report 16 Jacqueline Bächli-Biétry (1991)<br />
Erarbeitung einer Methode zur theoretischen Prüfung des Verkehrssinns<br />
Report 15 Jacqueline Bächli-Biétry (1990)<br />
Erfolgskontrolle von theoretischem Verkehrssinnunterricht im Verl<strong>auf</strong> der Fahr-<br />
ausbildung<br />
Report 14 Karin Mayerhofer, Christian Scherer & Urs Kalbermatten (1990)<br />
Psychogramm des jugendlichen Autolenkers<br />
Report 13 Amos S. Cohen & Helmut T. Zwahlen (1989)<br />
Blicktechnik in Kurven – Wissenschaftliches Gutachten<br />
Report 12 Thomas Nussbaum, Rudolf Groner & Marina Groner (1989)<br />
Systemanalyse des Unfallgeschehens im Strassenverkehr anhand des loglinearen<br />
Modells<br />
Report 11 Raphael Denis Huguenin, Käthi Engel & Paul Reichardt (1988)<br />
Evaluation von Kursen für <strong>auf</strong>fällige Lenker in der Schweiz<br />
Report 10 Ernst Hess & Peter Born (1987)<br />
Erfolgskontrolle von Antischleuderkursen – Der Einfluss <strong>auf</strong> die Unfallbeteiligung,<br />
am Beispiel der Antischleuderschule Regensdorf ZH, ASSR<br />
Report 9 Christian Scherer (1987)<br />
Das Verkehrssicherheitsplakat – Leitfaden für die Gestaltung neuer Plakate<br />
Report 8 Raphael Denis Huguenin, Martin Bauer & Karin Mayerhofer (1985)<br />
Das Automobil in den Massenmedien – Der Einfluss <strong>auf</strong> die <strong>Sicherheit</strong>seinstellung<br />
Report 7 Christian Scherer (1984)<br />
Unfälle zwischen Fussgängern und Fahrzeugen – Dokumentation über Unfallursa-<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
140 bfu-Reports bfu-Report Nr. 61
chen und -hintergründe sowie Massnahmen zur Unfallverhütung<br />
Report 6 Ernst Hess (1982)<br />
Einstellungsbeeinflussung in Weiterausbildungskursen für Autofahrer – Eine Eva-<br />
luationsstudie<br />
Report 5 Raphael Denis Huguenin & Ernst Hess (1982)<br />
Driver Improvement – Rahmenbedingungen und Methoden der Verhaltensbeein-<br />
flussung in der Ausbildung, Weiterausbildung und Nachschulung von Fahrzeug-<br />
lenkern (Bericht über den zweiten Internationalen Workshop in Gwatt)<br />
Report 4 Raphael Denis Huguenin & Christian Scherer (1982)<br />
Möglichkeiten und Grenzen von Verkehrssicherheitskampagnen – Zur Theorie<br />
und Praxis von Unfallverhütungsaktionen<br />
Report 3 Raphael Denis Huguenin (1980)<br />
Die Alkoholvorschriften aus psychologischer Sicht<br />
Report 2 Raphael Denis Huguenin (1979)<br />
Zweite Validierung der psychologischen Gruppenuntersuchung nach «Beck»<br />
Report 1 Raphael Denis Huguenin (1978)<br />
Einstellung (Attitüden) und Trinkverhalten von Automobilisten<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
bfu-Report Nr. 61 bfu-Reports 141
fu-Pilotstudien<br />
Strassenverkehr<br />
R 0617-1 Martin Schmotz, Hervé Ruffieux, Thierry Pucci, Christian A. Huber (2006)<br />
Methodenvergleich VSS–EuroRAP: Evaluierung der beiden Methoden zur Lokali-<br />
sierung von Unfallstellen am Beispiel ausgewählter Strecken<br />
R 0617-2 Martin Schmotz, Hervé Ruffieux, Thierry Pucci, Christian A. Huber (2006)<br />
Comparaison des méthodes VSS et EuroRAP: Evaluation de deux méthodes de<br />
localisation d’endroits à concentration d’accidents sur des tronçons choisis<br />
R 0607 Uwe Ewert (2006)<br />
Senioren als motorisierte Verkehrsteilnehmer<br />
R 0605 Scaramuzza Gianantonio & Mario Cavegn (2006)<br />
Geisterfahrer: Unfallgeschehen – Interventionen<br />
R 0602 Roland Allenbach (2006)<br />
Sport Utility Vehicles (SUVs) – Analyse der Verkehrssicherheitsaspekte und Ablei-<br />
tung von Massnahmen<br />
R 0509 Christian Scherer (2005)<br />
bfu-Einsatzmittel zur Verkehrserziehung (Meinungsumfrage zu Stoppli-Malbuch,<br />
Stoppli-Kalender und Stoppli-Puppe bei Verkehrsinstruktoren, Kindergärtner/innen<br />
und Lehrpersonal des 1. und 2. Schuljahres)<br />
R 0405 Ulrich Salvisberg & Kurt Bischof (2004)<br />
Benutzungsquote von Kinderrückhaltesystemen<br />
R 9917 Patrick Eberling & Gianantonio Scaramuzza (1999)<br />
Betrieb von Kreuzungen mit Rechtsvortritt<br />
R 9904 Uwe Ewert (1999)<br />
<strong>Sicherheit</strong> an Fussgängerstreifen: Auswirkungen einer gesetzlichen Neuregelung<br />
und begleitender Verkehrssicherheitskampagne<br />
R 9828 Markus Hubacher & Niklaus Moor (1998)<br />
Inhaltsanalytische Betrachtung der Autowerbung von 1987 bis 1996<br />
R 9826 Roland Allenbach & Markus Hubacher (1998)<br />
Analyse von gefährlichen Kreuzungen und Einmündungen mit Lichtsignalanlagen<br />
R 9616 Urs Gerhard, Esther Biedert, Viktor Hobi, Irene Hug & Dieter Laedwig<br />
(1996)<br />
Der Einfluss jahrelanger Heroinabhängigkeit <strong>auf</strong> kognitiv-psychomotorische Funk-<br />
tionen<br />
vergriffen<br />
nur als PDF verfügbar<br />
vergriffen<br />
nur als PDF verfügbar<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
142 bfu-Pilotstudien bfu-Report Nr. 61
R 9615 Gerald J.S. Wilde & Sébastien L. Simonet (1996)<br />
Economic Fluctuations and the Traffic Accident Rate in Switzerland – A longitudi-<br />
nal Perspective<br />
R 9431 Caroline Biner & Uwe Ewert (1994)<br />
Typische Verhaltensweisen und Einstellungen von älteren Fussgängern<br />
R 9422 Christian Ary Huber & Fredi Bühlmann (1994)<br />
<strong>Sicherheit</strong> von Kreiselanlagen – Erfahrungen und vorläufige Empfehlungen<br />
R 9411 Uwe Ewert (1994)<br />
Zum Verständnis von Lichtsignalregelungen beim Linksabbiegen<br />
R 9221 Ursula Zimmermann (1992)<br />
Analyse von Medikamenten-Packungszetteln bezüglich der Information über<br />
gefährliche Nebenwirkungen von Arzneimitteln für das Autofahren<br />
R 9032 Jörg Thoma (1990)<br />
Das gesamte Ausmass der Strassenverkehrsunfälle<br />
R 8311 Christan Scherer (1983)<br />
Haus und Freizeit<br />
Anhaltebereitschaft von PW-Lenkern gegenüber sehbehinderten Fussgängern<br />
beim Überqueren de Strasse<br />
R 9707 Uwe Ewert (1997)<br />
<strong>Sicherheit</strong> von Senioren an Rolltreppen<br />
R 8828 Christian Scherer, Marin Hugi & Markus Hubacher (1988)<br />
Sport<br />
Inhaltsanalyse von Gebrauchsanweisungen am Beispiel von Rasenmäher, Ketten-<br />
säge und Allesschneider<br />
R 0606 Othmar Brügger (2006)<br />
Allgemeine Pilotstudien<br />
Auswirkungen des Tragens des Schneesporthelms <strong>auf</strong> das Unfallgeschehen<br />
R 0609 Jacqueline Bächli-Biétry, Christoph Müller, Christian Scherer (2006)<br />
Prozesse und Erfolge bei der Anwendung ausgewählter Safety Tools<br />
R 0409 Christoph Müller, Uwe Ewert, Jacqueline Bächli-Biétry (2004)<br />
<strong>Sicherheit</strong>sförderung an Schulen – 2. Meinungsumfrage zu Bekanntheit, Verbrei-<br />
tung und Anwendung von Safety Tool in Schulen<br />
R 0205 Uwe Ewert & Valeria Beer (2002)<br />
Unfallbezogene Aspekte der Schweizerischen Gesundheitsbefragung<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
bfu-Report Nr. 61 bfu-Pilotstudien 143
R 0202 Jacqueline Bächli-Biétry (2002)<br />
Die bfu-<strong>Sicherheit</strong>sdelegierten in den Gemeinden – Bestandes<strong>auf</strong>nahme der Aktivitäten<br />
und der Rahmenbedingungen<br />
R 0114 Valeria Beer & Uwe Ewert (2001)<br />
Analyse bestehender Daten zur Unfallverhütung<br />
R 0108 Christoph Müller, Uwe Ewert, Jacqueline Bächli-Biétry (2001)<br />
<strong>Sicherheit</strong>sförderung an Schulen – Meinungsumfrage zu Bekanntheit, Verbreitung und<br />
Anwendung von Safety Tool in Schulen<br />
R 0009 Roland Allenbach (2000)<br />
Nichtberufsunfälle in der Schweiz – Das gesamte Ausmass im Jahr 1997<br />
R 9906 Jacqueline Bächli-Biétry & Uwe Ewert (1999)<br />
Evaluation der Spielekartei zur <strong>Sicherheit</strong>serziehung und Bewegungsförderung<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
vergriffen<br />
144 bfu-Report Nr. 61
Sicher leben: Ihre bfu.<br />
Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag für die <strong>Sicherheit</strong><br />
ein. Als Schweizer Kompetenzzentrum für Unfallprävention<br />
forscht sie in den Bereichen Strassenverkehr, Sport sowie<br />
Haus und Freizeit und gibt ihr Wissen durch Beratungen,<br />
Aus bildungen und Kom munikation an Privatpersonen<br />
und Fachkreise weiter. Mehr über Unfall prävention <strong>auf</strong><br />
www.bfu.ch.<br />
© bfu 2009. Alle Rechte vorbehalten; Reproduktion (z. B. Fotokopie), Speicherung, Verarbeitung<br />
und Verbreitung sind mit Quellenangabe (s. Zitationsvorschlag) gestattet.<br />
bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Postfach 8236, CH-3001 Bern<br />
Tel. +41 31 390 22 22, Fax +41 31 390 22 30, info @ bfu.ch, www.bfu.ch<br />
2.033.01 – 04.2009