vbw-Festivalorchester - Freunde der Musik

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vbw-Festivalorchester - Freunde der Musik

S i n f o n i e k o n z e r t

in Zusammenarbeit mit der

Kulturgemeinschaft Oberallgäu e.V.

Samstag, 29. September 2012, 18 Uhr, Fiskina Fischen

vbw-Festivalorchester

Jugendsinfonieorchester der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft

und des Festivals der Nationen in Bad Wörishofen

Leitung: Prof. Christoph Adt

Solist: Leonard Elschenbroich Violoncello

Programm:

Ludwig van Beethoven Corialan-Ouvertüre, op. 62 (1807)

Joseph Haydn Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 (1783)

Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 5, c-Moll, op. 67 (1807)

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Erstmals gastiert das vbw-Festivalorchester in der Reihe

der Sinfoniekonzerte. Dieses Jugendsinfonieorchester

basiert auf einer Initiative der Vereinigung der

Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) und des Festivals der

Nationen in Bad Wörishofen. Partner dieses

Förderprojektes für Schüler und Jugendliche im Alter

von 11 bis 17 Jahren sind das Bayerische

Staatsministerium für Unterricht und Kultus sowie die

Stiftung art 131.

Im Rahmen des international renommierten Festival der

Nationen in Bad Wörishofen werden alljährlich herausragende

junge Musikerinnen und Musiker, sozusagen die

„musikalische Nationalmannschaft Bayerns“, präsentiert.

Unter dem Motto „Bayern bewegt - Jugend bewegt sich“

sollen die individuellen Leistungen sowie der Teamgeist

in einem künstlerischen Wettstreit gefördert werden.

Schirmherren sind Dr. Ludwig Spaenle, Bayerischer

Staatsminister für Unterricht und Kultus sowie der Geiger

Prof. Zakhar Bron, Professor an verschiedenen renommierten

Hochschulen und Lehrer der jungen russischen

Geigenstars M. Vengorov und V. Repin. Nach dem erfolgreichen

Debüt des vbw-Festivalorchesters im Jahr 2009,

spielte das Orchester im letzten Jahr zusammen mit dem

Solisten Nikolai Tokarev, 2011 mit dem Geiger David

Garrett und in Fischen wird das Orchester mit dem

Cellisten Leonard Elschenbroich auftreten.

Der künstlerische Leiter ist Prof. Christoph Adt,

Vizepräsident der Hochschule für Musik und Theater

München. Joachim Kaiser bescheinigte ihm die Fähigkeit,

„unter schwierigsten Verhältnissen seine hochmusikalischen

Vorstellungen und Interpretationsabsichten mit

freundlicher Beharrlichkeit“ durchsetzen zu können.

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Nicht nur als Dirigent sondern auch als

Orchesterpädagoge machte Christoph Adt auf sich

aufmerksam und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Der junge Cellist Leonard Elschenbroich zählt bereits zu

den herausragenden Cellisten seiner Generation.

Einige wichtige Auszeichnungen markieren den Beginn

seiner internationalen Karriere. Er ist

Gewinner des Borletti-Buitoni Trust und Stipendiat der

Anne-Sophie Mutter Stiftung. Mit der berühmten

Geigerin spielte er beim Eröffnungskonzert des

Schleswig-Holstein Festivals 2009 das Doppelkonzert

von Johannes Brahms unter Leitung von Christoph

Eschenbach und wurde bei dieser Gelegenheit mit dem

Leonard Bernstein Award ausgezeichnet. In den letzten

Jahren wurde er von bedeutenden Dirigenten wie Valery

Gergiev, Semyon Bychkov, Manfred Honeck, Christoph

Eschenbach, Fabio Luisi und Dmitrij Kitajenko eingeladen.

Er spielte bereits mit dem Sinfonieorchester des

WDR, dem Swedish Radio Symphony Orchestra, den

Sinfonieorchestern von Basel und Stavanger sowie den

Bremer - und den St. Petersburger Philharmonikern.

Vergangenen Sommer debütierte er in Nordmerika mit

dem Chicago Symphony Orchestra und in Südamerika

mit dem Sinfonieorchester von Sao Paulo, Brasilien.

Kommende Höhepunkte werden eine Tournee mit der

Staatskapelle Dresden sein, die ihn unter anderem in den

Musikverein nach Wien und in die Symphony Hall in

Birmingham führen wird, sowie Konzerte mit dem

Russian National Philharmonic unter der Leitung von

Vladimir Spivakov. Es folgen sein Japan-Debüt in der

Nikkei Hall in Tokyo sowie Konzerte mit dem Nagoya


Philharmonic Orchestra. Des weiteren sein Debüt mit

London Philharmonic in der Royal Festival Hall. Im

Sommer 2011 gibt er sowohl einen Soloabend als auch

einen Kammermusikabend in Istanbul und ein erstes

Konzert bei den Luzerner Festspielen.

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Zum Programm:

Kurz vor der Drucklegung unseres neuen Heftes erreichte

mich noch die Nachricht, daß statt der Hebriden-

Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy, die

Coriolan-Ouvertüre op. 62, c-Moll von Ludwig van

Beethoven (1770 – 1827) das Programm eröffnen wird.

Die Ouvertüre und die fünfte Sinfonie stehen nicht nur

hinsichtlich ihres Entstehungsjahres 1807 in enger

Beziehung, sondern auch durch die gemeinsame Tonart

c-Moll sowie durch die innere Bewegtheit und das ruhelos

Drängende. Nach Überwindung der Heiligenstädter

Krise, Ende 1802, war Beethoven in der mittleren

Schaffensperiode bis 1813 besonders produktiv. Er

schrieb in diesem Zeitraum seinen Fidelio, das Oratorium

Christus am Ölberg, die C-Dur-Messe, sechs Sinfonien,

vier Konzerte, fünf Streichquartette, drei Trios, zwei

Violinsonaten, eine Cellosonate und sechs

Klaviersonaten, mehrere Bühnenmusiken, zahlreiche

Lieder, vier Variationszyklen für Klavier und mehrere

Ouvertüren und die Chorfantasie. Bereits im dritten

Klaviertrio aus Opus 1 und in einigen anderen nachfolgenden

Werken setzte er die Tonart c-Moll für

Pathétique-Gefühle ein. Im sogenannten heroischen

Jahrzehnt. In der mittleren Schaffensperiode wurde

c-Moll in der Fünften Sinfonie, im Trauermarsch der

Eroica, in der Chorfantasie und in der Coriolan-Ouvertüre

definitiv zu seiner heroischen Tonart, so dass diese Jahre

auch als das heroische Jahrzehnt bezeichnet werden.

Die Coriolan-Ouvertüre wurde nicht für das Drama von

Shakespeare geschrieben, sondern für eine Tragödie des

österreichischen Dichters, patriotischen Lyrikers und

Balladendichters Heinrich Josef von Collins (1771 –

1811). In seinen Landwehr-Gedichten wandte sich Collins


entschieden gegen Napoleon, der ihn ächtete. Als

Beethoven die Widmung auf dem Titelblatt der Eroica

zerriss „verband er sich mit dem Patriotismus der

Wiener“ und „erwarb sein `Entrebillet´ als Bürger von

Wien.“ (*1)

Titelfigur des Coriolan von Collins ist der römische Held,

der aus seiner Vaterstadt verbannt wurde und als

Anführer eines fremden Heeres gegen seine Heimat zieht,

um sich zu rächen. Seiner Mutter und seiner Gattin

gelingt es, ihn zur Umkehr zu bewegen. Das musikalische

Geschehen wird einerseits vom heldischen, trotzigen

Aufbegehren bestimmt und andererseits von den zarten

Regungen, die die beiden liebenden Frauen zu wecken

wissen. Am Schluss gibt es keinen Sieg, sondern Stolz

und Rachsucht brechen zusammen.

Sie hören als nächstes Werk das Cellokonzert Nr.2 in

D-Dur von Joseph Haydn (1732-1809), das sogenannte

`große´ aus dem Jahr 1783. Dagegen weisen die spätbarocken

Elemente im ersten Satz des `kleinen´ Konzerts

in C-Dur, darauf hin, dass es bereits in der Zeit von 1761

bis 1769 entstanden ist. Auf sehr unterschiedliche Weise

stellen aber beide Konzerte höchste Anforderungen an

den Solisten. An diesen zwei Konzerten muß sich jeder

Cellist messen lassen. „Haydns Konzerte sind – obwohl

gelegentlich virtuos – keine Virtuosenkonzerte, sondern

Werke, die in ihrem inneren Kern nur von virtuosen

Musikern gemeistert werden können.“ (Knut Franke)

Nach der Pause hören Sie Ludwig van Beethovens (1770

– 1827) bekannteste Sinfonie, die Fünfte in c-Moll, opus

67.

Im Jahr 1808 vollendete Beethoven die fünfte und die

sechste Sinfonie, die drei Trios Opus 70, die Cellosonate

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Haydn’s Totenmaske

op. 69 und die Chorfantasie op. 80. Im Gegensatz zur

Sechsten, die Beethoven relativ schnell von Ende

September 1807 bis Mitte 1808 schrieb, finden sich bereits

in den Skizzenbüchern von 1804-06 Motive zum

Allegro, Andante und Scherzo der Fünften. Schon im

Februar 1808 stand auch die Instrumentierung des

Finalsatzes mit den drei Posaunen und der Piccoloflöte

fest, aber erst im Herbst schloss Beethoven die Arbeit ab.


Beethoven im Jahr 1823. Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller

Es gibt auch einen Beleg, dass bei der Erstaufführung am

22. Dezember 1808 in der Akademie die Pastoralsinfonie

als fünfte, und die c-Moll-Sinfonie als sechste gezählt

wurde. Im ersten Teil des Programms heißt es: „Eine

Sinfonie unter dem Titel Erinnerung an das Landleben in

F-Dur (Nr. 5)“ und zu Anfang des zweiten Teils: „Große

Sinfonie in C-Moll (Nr. 6)“.

Beide Werke wurden am 8. Juni des gleichen Jahres dem

Verlagshaus Breitkopf & Härtel zusammen offeriert.

Beethoven bittet im Brief vom 4. März 1809 darum, dass

die Sinfonien nicht aufgeführt werden sollen, „bevor er

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selbst nach Leipzig komme.“ Diese Bedingung beruht

möglicherweise auf der damals öfter geübten Praxis, den

Widmungsträgern, den Fürsten Lobkowitz und

Rasumowsky, die Werke einige Monate vor der

Publikation als Eigentum zu übergeben. Im selben Brief

bestimmt Beethoven die c-Moll-Sinfonie definitiv als

fünfte und die Pastorale als sechste Sinfonie.

Nach dem Zusammenbruch Preußens und dem Vertrag

von Tilsit im Jahr 1807 riefen Dichter und Philosophen

die Deutschen auf, „nicht zu verzweifeln, sich ihrer

großen Vergangenheit zu erinnern, die Fremdherrschaft

zu hassen und sich auf die Befreiung vorzubereiten.“

Beethoven, die Fürsten Lobkowitz und Rasoumowsky

sowie viele seiner Wiener Freunde begeisterten sich für

diesen Patriotismus. Die beiden Fürsten waren sogar

aktiv im Kampf gegen Frankreich beteiligt. Man vermutet,

dass Beethoven sie deshalb als Widmungsträger

für seine zwei neuen Sinfonien auswählte.

Alexander Wheelock Thayer schreibt im dritten Band

seiner Beethoven-Biographie: „Alle Versuche einer programmatischen

Ausdeutung des Werks (Anm. 5. Sinf.)

sind vage Phantastereien. Ganz gewiß kontrastiert das

Finale mit seinem triumphierenden, kernhaft einherschreitenden

Thema auffällig gegen den leidenschaftlich

erregten, unruhig drängenden ersten Satz, wie auch

gegen den elegischen zweiten, und krönt den in seiner

ursprünglichen Anlage gigantischen dritten Satz (Anm.

Beethoven strich eine Wiederholung von zehn Seiten der

Partitur), mit dem es verwachsen ist, wie eine glänzende

Erfüllung der in jenen ringenden Hoffnungen und

Strebungen. Mit welchem Rechte darf man das aber eine

Schicksalstragödie nennen? Zur Bestimmung dieses

Begriffes bedürfte es doch vor allem einer erkennbaren

Katastrophe, die aber nicht nachweisbar ist.


E. Th. A. Hoffmann in seiner (nicht namentlich unterzeichneten)

begeisterten Besprechung der Symphonie in

der Allg. Mus. Ztg. (Juli 1810) geht jeder Ausdeutung des

Werkes aus dem Wege, tritt aber jenen bestimmt entgegen,

welche in ihm Erzeugnisse einer ungebändigten

Phantasie haben sehen wollen. Zwar nimmt er bestimmt

Beethoven als einen `rein romantischen Komponisten´ in

Anspruch, stellt aber den Meister `an Besonnenheit

Haydn und Mozart ganz an die Seite´ und bemerkt sehr

richtig, daß `nur durch ein sehr tiefes Eindringen in die

innere Struktur Beethovenscher Instrumentalmusik´ sich

die hohe Besonnenheit offenbare, welche vom wahren

Genie unzertrennlich ist und von dem anhaltenden

Studium der Kunst genährt wird. Wenn man weiß, wie

lange Beethoven sich gerade mit dieser Symphonie getragen

hat, so begreift man, wie sehr der kongeniale Kritiker

recht hatte, von `hoher Besonnenheit´ zu sprechen.“

Abschließend möchte ich noch einmal Maynard Solomon

(*1) zitieren: „Nach anfänglichem Widerstand gegen die

unerhörte rhythmische Konzentration, den beherrschten

und sparsamen Umgang mit dem thematischen Material,

die überraschenden Neuerungen – so die kleine

Oboenkadenz im ersten Satz, die Ergänzung der Bläser

durch Piccoloflöte und Kontrafagott, die `geisterhaften´

Effekte der Kontrabässe im Scherzo und Trio, die

Posaunen und die Wiederkehr des Scherzos im

Schlußsatz – wurde die Fünfte schließlich als die

Beethoven-Symphonie schlechthin betrachtet, die jeder

folgenden Generation neue Sinnschichten offenbarte. Der

Widerstand richtete sich gegen das monumentale

`Äußere´ (Goethe sagte: `Das macht nur Staunen; das ist

grandios) und gegen den C-Dur-Jubel des Finales. Spohr

verurteilte den letzten Satz als `monströs und

geschmacklos´, und Berlioz stellte kritisch fest, die

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Wirkung des Übergangs vom Scherzo zum Allegro sei so

verblüffend, daß alles Folgende dahinter zurückbleiben

müsse! `Schon auf gleicher Höhe sich zu erhalten,

erforderte ungeheure Anstrengungen.´ E.T.A. Hoffmann

nahm 1810 die Symphonie als Werk der Romantik in

Anspruch, aber die Kritiker des 20. Jahrhunderts neigten

eher dazu, die Fünfte als `Kardinalbeispiel symphonischer

Logik´ zu betrachten, als höchsten Ausdruck klassischer

Rationalität, die sich weigerte, den heftigen

Erschütterungen der heraufziehenden Romantik das Feld

zu überlassen. Das Publikum hat gelernt, das Werk mit

öffentlichen Tugenden in Verbindung zu bringen (das

Einleitungsmotiv war im Zweiten Weltkrieg ein Symbol

des Widerstands gegen den Faschismus), vielleicht als ein

Mittel, den unaussprechlichen Schauer zu mildern, den

diese Symphonie trotz aller kathartischen C-Dur-Effekte

in jedem Zeitalter auslöst. E.T.A. Hoffmann und Goethe

haben diesen Schauer damals schon gespürt.“

*1 Maynard Solomon: Beethoven, Biographie,

Fischer-Verlag 1979

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