Internationaler Schmelztiegel in Filderstadt - Stadt Filderstadt

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Internationaler Schmelztiegel in Filderstadt - Stadt Filderstadt

Internationaler Schmelztiegel in Filderstadt

Multikultureller Dialog unter Frauen als integrativer Faktor

Nicht nur in New York treffen unzählige Nationen und Kulturen aufeinander, sondern

auch in Filderstadt. Bei einem multikulturellen Empfang trafen sich Frauen aus allen

Ländern rund um den Globus, die Filderstadt zu ihrer neuen Heimat auserkoren haben

und sich in unterschiedlichen Projekten am gesellschaftlichen Leben der Gemeinde

beteiligen und sich in die Gesellschaft integrieren.

Zahlreiche Frauen waren am Vortag des internationalen Frauentags der Einladung von Edeltraud

Herrmann, Leiterin des Referats für Chancengleichheit, gefolgt, sich erstmals zu einem

internationalen „Plauschstündchen“ zusammenzufinden. Im europäischen Jahr des interkulturellen

Dialogs wolle sie, so Herrmann, in einem kleinen Rahmen einen zwanglosen kulturellen

Austausch unter Frauen ermöglichen. Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker

begrüßte die Anwesenden und unterstrich ihr Engagement für die Frauen in Filderstadt:

„Frauen spielen eine wichtige Rolle in der Gesellschaft, weil sie das ganze soziale Leben organisieren.“

Sie ermutigte die Frauen, sich weiterhin in den zahlreichen Projekten des multikulturellen

Austausches einzubringen. „Machen Sie unser Leben interessant, bunt und schön.“

Und das machen sie! Auf dem Empfang ballen sich interessante, bunte Lebensläufe, wie sie

selbst ein New Yorker Autor nicht besser erfinden könnte. Die junge Vietnamesin Thérèse

Ngoc Le Minh wurde in Paris geboren und kam mit sieben Jahren nach Filderstadt. Ihre Mutter

Hong Thi-Thu Le Minh, die aus Südvietnam stammt; war eine der berühmten „Boat People“,

die aus Vietnam flohen. Die Mutter lebte zunächst in Paris, traf dort ihren Mann aus

Nordvietnam, brachte in Paris ihre erste Tochter und in Straßburg ihren Sohn zur Welt. Die

zweite Tochter wurde in Denver, USA, geboren, weil die damals hochschwangere Mutter

Hong sich zum ersten Mal nach ihrer Flucht mit ihren Eltern treffen wollte, was allerdings nur

in den USA möglich war. Die Familie engagiert sich in der vietnamesischen Gemeinde Filderstadts.

Tochter Thérèse studiert zur Zeit in Reutlingen Multi Language Management, arbeitet

ehrenamtlich im Ausschuss „Andere Muttersprachen“ und dolmetscht ab und zu für die

Stadt Filderstadt, immerhin spricht sie sechs Sprachen.

Tulalumba Mloge kam aus Tansania als Au-Pair-Mädchen nach Deutschland und ist „hängengeblieben“.

Sie studiert nun Agrarwirtschaft und will demnächst ihren Abschluss machen.

Sie hat im Oktober 2006 den afrikanischen Verein „Karibu – Deutsch-tansanischer Freundeskreis“

mitgegründet und ist die Vorsitzende. Karibu heißt in Suaheli willkommen. Die Französin

Marie-Paule Albin wollte ebenfalls nur ein Jahr lang in Deutschland die Sprache erlernen.

Aus dem Jahr sind inzwischen 41 Jahre geworden, in denen sie sich für den multikulturellen

Austausch engagierte.

Damit Frauen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sich ohne Berührungsängste der deutschen

Kultur nähern können, gibt es in Filderstadt zahlreiche Projekte. Jervete Hoti, alleinerziehende

Mutter von sieben Kindern aus dem Kosovo, ist froh, dass sie bei dem Projekt „Wir

trinken Tee und sprechen Deutsch“ die Möglichkeit hat, Anschluss zu finden. „Das ist super.

Ich bin dankbar dafür.“ Seit zehn Jahren gibt es das Projekt, in dem sich auch Betina Zimmermann

engagiert: „In den zehn Jahren waren bestimmt schon über 20 verschiedene Nationen

beim Teetrinken. Die Frauen verlieren hier ihre Scheu und trauen sich dann vielleicht

auch, einen Deutschkurs bei der VHS zu belegen.“ Die drei Türkinnen Nurgül, Nermin und

Saliha freuen sich immer auf ihren monatlichen Treff „Wir kochen gemeinsam und sprechen

Deutsch.“ Edda Nerz, pensionierte Lehrerin, will im kommenden Schuljahr ein Theaterprojekt

starten, bei dem Kinder durch Theaterspielen Deutsch lernen.


Bei dem kurzen, aber intensiven, internationalen Plauschstündchen steht schnell fest, dass der

Einsatz für eine multikulturelle Gemeinschaft in Filderstadt von allen Seiten sehr hoch ist. Sei

es das Internationale Frauencafé oder das Forum Interkulturelles Miteinander, um nur einige

zu nennen. Für Frauen wie Philippa Appiah aus Ghana sind diese Projekte oft der einzige

Weg, überhaupt einmal Zugang zu der neuen Gesellschaft zu finden. Philippa wird in Zukunft

auch eine ganze Menge Tee trinken, um etwas Deutsch zu lernen.

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